Holländischer Katechismus

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Holländische Katechismus erhielt als Nieuwe Katechismus am 1. März 1966 vom Erzbischof von Utrecht (Niederlande), Kardinal Bernard Alfrink die kirchliche Druckerlaubnis.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die über mehrere Jahre hinweg vom Katechetischen Institut zu Nimwegen erarbeitete (ohne das Konzil abzuwarten), moderne Darstellung des christlichen Glaubens wurde als der Neue Katechismus bald nach Erscheinen berühmt und wurde in viele Sprachen übersetzt. Er enthält nicht die Theologie des II. Vatikanum. Konzeptionell wurde das Werk bereits in den 1950er Jahren vorbereitet; maßgeblichen Einfluss übten Piet Schoonenberg und Edward Schillebeeckx aus. Im Jahr 1968 erschien der so genannte Holländische Katechismus mit dem Untertitel Glaubensverkündigung für Erwachsene auch auf Deutsch.

Die "ungewöhnlichen Vorzüge" des Werks in seiner Darstellung, die anthropologisch ansetzt, wurden auch von der Kardinalskommision nicht bestritten, die Papst Paul VI., alarmiert wegen der durch den Katechismus aufgeworfenen Fragen, bereits 1967 einsetzte. Aus römischer Sicht knüpfte der "Katechismus" aber auch an diejenigen Tendenzen innerhalb der so gen. nouvelle théologie an, vor denen bereits Pius XII. 1950 (vgl. Enz. Humani generis) warnte und die auch Paul VI in seiner Antrittsenzyklika 1964 abermals deutlich zurückwies (vgl. Enz. Ecclesiam Suam). Daher reagierte der Papst ablehnend.

Die Kardinalskommission bemühte sich um eine Anpassung des Katechismus in mehreren Punkten (vgl. Credo des Gottesvolkes). Da sich die Herausgeber dazu nicht bereit fanden, mussten erarbeitete Textergänzungen in einem besonderen Heft erscheinen. Noch vorher waren eilig diverse Übersetzungen verfertigt worden, die gleichfalls breiten Anklang fanden.

Der Konflikt um den Holländischen Katechismus markiert den Auftakt für die nachkonziliare Krise. In Vorkonzilszeiten noch verdrängte Probleme traten jetzt offen zu Tage. Der Konflikt bietet auch ein Beispiel dafür, in welchem Ausmaß modern anthropozentrisch argumentierende Theologen die Maßnahmem des kirchlichen Lehramts bereits 1967 (de facto) nicht mehr duldeten. Verbal wird der "progressive" Standpunkt oft als vorauseilender Gehorsam gegenüber dem Lehramt etikettiert, da man pro forma nicht in Gegensatz zum (allzu begründeten) Anspruch desselben geraten möchte. Aus heutiger Sicht markieren die von den Kardinälen verlangten Verdeutlichungen jene katholischen Positionen, deren modern-progressive Abwertung nach dem letzten Konzil gerade im Konzil selbst keine Stütze findet.

Positionen der Kardinalkommission

Im folgenden werden die Positionen der Kardinalskommission gekürzt dokumentiert. Der Kommission gehörten an (fast ausnahmslos Konzilstheologen): Josef Kardinal Frings, Joseph Kardinal Lefebvre, Lorenz Kardinal Jaeger, Ermenegildo Kardinal Florit, Michael Kardinal Browne O.P., Charles Kardinal Journet. Die Erklärung wurde in lateinischer Sprache veröffentlicht in den Acta Apostolicae Sedis vol. LX (1968), Nr. 11-12 (28.-30. November 1968).

Das von Papst Paul VI. am 30. Juni 1968 proklamierte Credo des Gottesvolkes wurde von der Öffentlichkeit als mittelbare Antwort auf die theologische Strategie vom Typ des "Neuen Katechismus" verstanden (und war wohl auch als Grenzziehung intendiert; so: J. d'Hospital, Drei Päpste, dt. 1971, S. 213 ff.). Dennoch folgten weite Teile der deutschsprachigen Theologie der 1970er Jahre (und ihre Schüler) nicht diesem Credo, sondern (mehr oder weniger) den Positionen, die der nicht konzilsgemäße "Neue" Katechismus vorformuliert hatte; und zwar mit besonderem Nachdruck gerade unter den zehn benannten Aspekten, unter denen er offiziell für fragwürdig erklärt worden war:

Erklärung der Kardinalskommission über den Neuen Katechismus (Auszug)

II. Lehrhafter Teil

  • 1. Einiges über den Schöpfergott. Der Katechismus muss lehren, Gott habe außer der sinnfälligen Welt, in der wir leben, auch ein Reich reiner Geister geschaffen, die wir Engel nennen (vgl. Vatikanum I, Dei Filius, cap. 1; Vatikanum II, Lumen Gentium, Nr. 49 f.). Ferner muss er darlegen, dass die Seelen der einzelnen Menschen, da diese geistig sind (vgl. Vatikanum II, Gaudium et Spes, Nr. 14), unmittelbar von Gott geschaffen werden (vgl. Enz. Humani generis, AAS 42 (1950), S. 575).
  • 2. Die Menschen in Adam gefallen (vgl. Vatikanum II, Lumen Gentium, Nr. 2). Wenngleich die Fragen über den Ursprung des Menschengeschlechtes und seinen langwierigen Fortschritt bewirken, dass das Dogma der Erbsünde heute neue Schwierigkeiten mit sich bringt, so ist trotzdem im Neuen Katechismus getreulich die Lehre der Kirche vom Menschen vorzulegen, der bei Beginn der Geschichte sich gegen Gott auflehnte (vgl. Vatikanum II, Gaudium et Spes, Nr. 13 und 22), so dass er für sich selbst und für seine gesamte Nachkommenschaft die Heiligkeit und Gerechtigkeit, in die er gesetzt war, verlor und einen wahren Sündenzustand durch die Fortpflanzung der menschlichen Natur auf alle übertrug. Bestimmt zu vermeiden sind Darlegungen, die den Eindruck erwecken können, die Erbsünde werde von den neuen Gliedern der Menschenfamilie nur dadurch zugezogen, dass sie von ihrem Ursprung an dem Einfluss der menschlichen Gesellschaft, in der die Sünde herrscht, innerlich unterliegen und so von Anbeginn an auf dem Wege der Sünde sich befinden.
  • 3. Über das Bekenntnis zur Empfängnis Jesu aus der Jungfrau Maria. Die Kardinalskommission hat gebeten, dass der Katechismus offen bekenne, die Heilige Mutter des fleischgewordenen Wortes sei immerdar mit jungfräulicher Ehre geschmückt geblieben, und dass er mit klaren Worten die Tatsache der jungfräulichen Empfängnis Jesu lehre, die dem Geheimnis der Menschwerdung im höchsten Grade entspricht; (....)
  • 4. Über die von unserem Herrn Jesus Christus geleistete Genugtuung. (....)
  • 5. Über das Kreuzesopfer und das Messopfer. Durchsichtlich klar muss gesagt werden, Jesus habe sich seinem Vater angeboten zur Wiedergutmachung für unsere Vergehen, als heiliges Opfer, an dem Gott sein Wohlgefallen hat. (....) Das Kreuzesopfer wird aber in der Kirche Gottes in dem eucharistischen Opfer ununterbrochen fortgesetzt (vgl. Vatikanum II, Sacrosanctum Concilium, Nr. 47). In der Feier der Eucharistie bringt sich nämlich Jesus als der hauptsächlichste Priester Gott dar durch die konsekratorische Aufopferung, welche die Priester vollziehen und mit der die Gläubigen sich vereinen. Jene Feier aber ist Opfer und Mahl. (....)
  • 6. Über die eucharistische Gegenwart und Verwandlung (....)
  • 7. Über die Unfehlbarkeit der Kirche und die Erkenntnis der geoffenbarten Geheimnisse. Man hat gebeten, der Katechismus solle erklären, die Unfehlbarkeit der Kirche verbürge nicht nur ein nicht abwegiges Fortschreiten einer ununterbrochenen Forschung, sondern die Wahrheit in der Erhaltung der Glaubenslehre und in deren immer gleichbedeutenden Erklärung (vgl. Vatikanum I, Dei Filius, cap. 4; Vatikanum II, Dei Verbum, cap. 2). "Der Glaube besteht nicht nur im Forschen, sondern ist vor allem Gewissheit" (Paul VI. vor der Bischofssynode, AAS 69 (1967), S. 966). (....)
  • 8. Über das amtliche oder hierarchische Priestertum und über die Lehr- und Hirtengewalt (....)
  • 9. Verschiedene Punkte aus der dogmatischen Theologie [insb.: Trinität, Sakramente, Gottesschau der Seelen....]

[Beschlossen am 15. Oktober 1968.]

Literatur

  • Josef Dreißen, Diagnose des Holländischen Katechismus. Über Struktur und Methode eines revolutionierenden Buches, Freiburg u.a. 1968.
  • V. M. Kuiper: "Hauptsünden" des holländischen neuen Katechismus. Schriftenreihe Un Voce Helvetica 10 (Zürich 1967) 15-22.
Meine Werkzeuge