Heilige Pforte

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Öffnung der Heiligen Pforte des Peterdoms durch Papst Franziskus am 8. Dezember 2015
Durchschreiten der Heiligen Pforte

Heilige Pforte (lat. porta sancta) ist je ein Portal an den vier Hauptkirchen (Papstbasiliken) in Rom, nämlich St. Johann im Lateran, St. Peter, St. Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Diese Türen sind gewöhnlich immer verschlossen und werden zu Beginn des Heiligen Jahres feierlich geöffnet, in St. Peter durch den Papst. Während des Jubiläums können die Rompilger die Hl. Pforten durchschreiten. Diesen Brauch hat Papst Alexander VI. im Hl. Jahr 1500 eingeführt.

Der Pforte von Sankt Peter kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie vom Papst selbst geöffnet wird. Auf ihr ist eine Bilderreihe zu sehen, die den Weg Gottes mit den Menschen verdeutlicht – von der Vertreibung aus dem Paradies bis zur Bekehrung des Saulus zum Paulus. Die Bilderreihe wird abgeschlossen mit der Öffnung der Heiligen Pforte für das Jahr der großen Vergebung. Die 36 Wappenfelder zwischen den einzelnen Bildreihen zeigen die Wappen jener Päpste, die Jubiläumsjahre eröffnet haben; einige Felder sind noch leer.

Die Heilige Pforte des Petersdoms ist noch jung. Papst Pius XII. ließ zum Heiligen Jahr 1950 eine neue anfertigen, da die frühere Pforte aus Marmorflügeln, welche Papst Benedikt XIV. 1749 anbringen ließ, baufällig war. Dank persönlicher Kontakte des damaligen Leiters der Bauhütte von Sankt Peter, des deutschen Prälaten Ludwig Kaas, wurde die neue Pforte vom Bistum Basel gestiftet. Bischof Franziskus von Streng hatte zum Goldenen Priesterjubiläum von Papst Pius XII. die Jubiläumsgabe zugesagt, nachdem die Tür bereits gegossen wurde, daher ist der Stifter – also der Bischof von Basel – nur auf der Rückseite der Tür vermerkt. Auf der Inschrift der Vorderseite wird neben Papst Pius XII. der Auftraggeber Prälat Kaas genannt. Die gut dreieinhalb Meter hohe Bronze-Pforte wurde von dem italienischen Bildhauer Vico Consorti zu Siena gestaltet.[1]

Inhaltsverzeichnis

Die Bedeutung des Hammers

Bei der Öffnung der Heiligen Pforte besaß der Hammer eine hohe symbolische Bedeutung. So wie Mose in der Wüste mit einem ehernen Stab gegen den Felsen schlug, damit Wasser hervorsprang, um den Durst der Israeliten zu stillen (Ex 17,6; Num 20,11), so schlägt der Papst gegen die vermauerte Tür, damit sie sich öffne und der Strom der Gnade sich über die reuigen Sünder ergieße. Der 78. Psalm drückt dies im Vers 16 mit den Worten aus: »Er ließ Bäche aus dem Gestein entspringen, ließ Wasser fließen gleich Strömen.«

Ein päpstlicher Hammer findet sich heute in Deutschland im Nationalmuseum in München. Er wurde nach Abschluss des Heiligen Jahres 1550 Kardinal Otto von Truchseß, dem damaligen Augsburger Bischof, von Julius III. (Giovanni Maria Ciocchi del Monte, 1550-1555) zum Geschenk gemacht. Als in der Diözese Augsburg die Universität Dillingen gegründet wurde, vermachte der Purpurträger den Hammer der Universität mit dem Wunsch, »auf dass die rechtgläubige Lehre gleich wie ein starker Hammer gegen die Häresie gehandhabt und geschwungen werde«.[2]

Zur Geschichte[3]

Seit dem Vorabend des Weihnachtsfestes 1499 erfolgt der Beginn eines Heiligen Jahres mit der feierlichen Öffnung der Heiligen Pforten in den vier römischen Erzbasiliken. Auf Wunsch von Papst Alexander VI. hin, schuf Johannes Burckard, der Zeremonienmeister des Pontifex Maximus, einen feierlichen und eindrucksvollen Ritus mit einer aussagekräftigen Symbolik, die bis Pius XII. aktuell blieb:

  • Einzug durch die Heilige Pforte und Feier der Vesper in der Basilika,
  • Entsendung der Päpstlichen Legaten für die drei übrigen Erzbasiliken,
  • Verehrung der Passionsreliquien (der Lanze des Longinus, des Schweißtuches der Veronika und der Partikel des hochheiligen Kreuzes),
  • Durchschreiten der Heiligen Pforte, Segnung und Besprengung der für die Schließung der Pforte benötigten Ziegel mit Weihwasser,
  • Anlegung dreier vergoldeter Ziegel durch den Papst,
  • Hinzufügung von Gold- und Silbermünzen,
  • Anlegung silberner Ziegelsteine durch den Großpönitentiar der Heiligen Römischen Kirche und einfacher Backsteine durch die Beichtväter von St. Peter und dem Gesang des Hymnus Caelistis Urbs Ierusalem.

Nachdem 1499 der ganze päpstliche Hofstaat brennende Kerzen erhalten hatten, nahm der Alexander VI. auf der Sedia gestatoria Platz. Man hob den Tragsessel empor, und der päpstliche Ehrenzug bewegte sich hinunter zur Vorhalle der Petersbasilika. Dort angekommen, verließ der Pontifex den Trag­sessel. Er legte die Tiara ab und empfing die Mitra. Dem Papst wurde ein einfacher Hammer gereicht. Mehrmals schlug er mit ihm gegen die noch vermauerte Pforte und sprach dabei Psalmenverse und ein kurzes Gebet, in dem er Gott darum bat, dass wir das Jubeljahr getreulich beginnen, damit »wir in ihm die Vergünstigung vollen Ablasses aller Vergehen erhalten und, wenn der Tag der Berufung da ist, unsagbare Glorie und ewiges Glück genießen, durch unseren Herrn Jesus Christus«. Dann nahm er auf einem Thron Platz. Es dauerte mehr als eine halbe Stunde, bis die Arbeiter die Pforte zur Gänze aufgebrochen hatten. Dann nahm er auf einem Thron Platz. Es dauerte mehr als eine halbe Stunde, bis die Arbeiter die Pforte zur Gänze aufgebrochen hatten. Der Pontifex stieg dann von seinem Thron herab, schritt zur Pforte und kniete auf deren Schwelle barhäuptig zum Gebet nieder. Nach der halben Länge eines Miserere erhob sich der Papst und schritt durch die Heilige Pforte, mit der einen Hand die Gläubigen segnend, in der anderen eine brennende Kerze haltend. Beim Durchschreiten hätte der Papst das Te Deum anstimmen sollen, »doch das Gedränge und die Enge waren zu groß. Nun bestieg Alexander VI. wieder den Trag­sessel und zog mit seinem Hofstaat und einer unüberschaubaren Menschenmenge in das Innere der Basilika zur Feier der ersten Vesper des Weihnachtsfestes. Auch die anderen Erzbasiliken der Ewigen Stadt hatten Heilige Pforten erhalten. Ihre Öffnung und Schließung nahm der Papst jedoch nicht persönlich vor, er bestimmte hierzu Kardinallegaten, die in seinem Namen und Auftrag die feierlichen Zeremonien durchführten.

Seit dem Jahre 1524 wurde erstmals ein goldener Hammer verwendet, der von dem berühmtesten Goldschmied in päpstlichen Diensten, Benvenuto Cellini, angefertigt worden sein soll.

Papst Pius XI. verwendete zur Öffnung der Heiligen Pforte 1925 und 1933 einen kostbar verzierten und vergoldeten Hammer mit einem Elfenbeingriff, der ein Geschenk der Katholischen Aktion Italiens gewesen war.

Die Heiligen Pforten werden seit dem Abschluss des Heiligen Jahres 1975 nur noch von innen, und nicht mehr von außen vermauert. Papst Johannes Paul II. klopfte im Außerordentlichen Heiligen Jahr 1983 mit dem zeremoniellen Hammer direkt an die Tür. Das »Große Jubiläum« des Jahres 2000 brachte noch weitere Neuerungen. So öffnete der Papst alle Heiligen Pforten Roms eigenhändig. Die letzte der vier Pforten, diejenige der Basilika St. Paul vor den Mauern, wurde am 18. Januar 2000 für die Gläubigen freigegeben. Erstmals in der Kirchengeschichte beteiligten sich Vertreter anderer christlicher Kirchen an dieser feierlichen Zeremonie. Gemeinsam mit dem Vertreter des Patriarchen von Konstantinopel, dem orthodoxen Metropoliten Athanasios, und Lord George Carey, dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury, schob der Papst die beiden Türflügel der Heiligen Pforte auf.

Literatur

Jubiläum der Barmherzigkeit#Öffnungen der Heiligen Pforten

Anmerkungen

  1. Die Heilige Pforte im Vatikan: Eine Gabe aus der Schweiz Radio Vatikan am 9. April 2015; Eva Maria Jung-Inglessis: Das Heilige Jahr in Rom. Geschichte und Gegenwart, Libreria Editrice Vaticana, Rom 1997, S. 260).
  2. vgl. OR 13. November 2015, S. 11 von Ulrich Nersinger.
  3. vgl. OR 13. November 2015, S. 11 von Ulrich Nersinger; OR 11. November 2015, S. 6 von Ulrich Nersinger.
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