Hans Urs von Balthasar

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H.U. von Balthasar

Hans Urs [ernannter Kardinal] von Balthasar (* 12. August 1905 in Luzern; † 26. Juni 1988 in Basel) war ein bekannter Theologe aus der Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Der theologische Autor Hans Urs von Balthasar wurde am 12. August 1905 in Luzern geboren. Von 1917 bis 1923 besuchte er das Gymnasium der Benediktiner in Engelberg und in der Stella Matutina der Jesuiten in Feldkirch. 1924 absolvierte er die eidgenössische Matura in Zürich. Von 1924–27 studiert er Germanistik in Zürich, Wien, Berlin und wieder in Wien. Das Studium beendete er schließlich 1928 in Zürich mit einer Promotion zum Dr. phil. ("magna cum laude"). Das Thema der Dissertation war "Geschichte des eschatologischen Problems in der modernen deutschen Literatur"

Am 18. November 1929 begann er das Noviziat bei den Jesuiten in Tisis (Österreich). Zuerst machte er dort eine religiöse Ausbildung für drei Jahre, dann folgte die philosophische Ausbildung in Pullach bei München. Dort begegnete er dem Jesuitenpater Erich Przywara. Von 1934 bis 1937 absolvierte Balthasar theologische Studien in Lyon. Er begann dort auch seine patristischen Studien über die Kirchenväter (insb. Augustinus, Maximus, Origenes, Gregor von Nyssa, Irenäus). Während dieser Zeit begegnete er auch dem Jesuiten Henri de Lubac. Dieser nannte Balthasar 1975, anlässlich seines 70. Geburtstags, den vielleicht am meisten gebildeten Menschen unserer Zeit.

Von 1938 bis 39 war Balthasar bei der Zeitschrift "Stimmen der Zeit" in München als Rezensent tätig. Er publizierte seine "Apokalypse der deutschen Seele". Im Zeitraum zwischen 1940 bis 1948 war er dann als Studentenseelsorger in Basel tätig und unterrichte Religion an den Schulen. Er hielt viele Exerzitien- und Schulungskurse ab, besonders für Studenten. 1940 kam es auch zur ersten Begegnung mit Adrienne von Speyr, die im Laufe der Zeit großen Einfluss auf Balthasar gewann. Aus den Diktaten von Adrienne entstanden über 50 spirituelle Werke. 1941 gründete er gemeinsam mit Robert Rast die Schulungsgemeinschaft (SG) und später die Akademische Arbeitsgemeinschaft (AAG). Dieser stand er bis 1980 als Geistlicher Leiter vor.

Im Jahr 1945 gründete Balthasar gemeinsam mit Adrienne von Speyer die Johannesgemeinschaft (zunächst den Zweig für Frauen). 1947 kam es zur Gründung des Johannesverlags in Einsiedeln, da er die Werke von Adrienne von Speyer verlegen wollte, aber keinen Verlag fand. Am 11. Februar 1950 kam es zum Austritt bei den Jesuiten, Balthasar führt diesen Schritt auf eine persönliche Inspiration durch den Hl. Ignatius von Loyola zurück. Zu dieser Zeit unternahm er zahlreiche Vortragsreisen. 1951 erschien sein Buch über Karl Barth: "Darstellung und Deutung seiner Theologie". (Nach Erscheinen dieses Werkes bekannte der "Protestantische Kirchenvater des 20. Jahrhunderts", er fühle sich durch von Balthasar tiefer und besser verstanden als durch die meisten seiner evangelischen Rezipienten.) Im selben Jahr veröffentlichte Balthasar auch die Bücher "Der Christ und die Angst" sowie die "Schleifung der Bastionen".

In den Jahren 1952 bis 1953 kommt es zu Begegnungen mit Reinhold Schneider. Aus dem Kennenlernen entstand 1953 das Buch "Reinhold Schneider. Sein Weg und sein Werk" (1953). Nach seinem Tod erscheint 1990 eine veränderte Ausgabe mit dem Titel "Nochmals: Reinhold Schneider". 1954 veröffentlichte Hans Urs von Balthasar die Studie "Thomas von Aquin. Besondere Gnadengaben und die zwei Wege menschlichen Lebens. Kommentar zur Summa Theologica I–II". Auch dieses Werk wird nach seinem Tod neu aufgelegt und erscheint unter dem Titel "Thomas und die Charismatik" 1996 im Johannesverlag.

Am 2. Februar 1956 wurde der Theologe, zwischenzeitlich vaganter Kleriker, durch Bischof Christianus Caminada in die Diözese Chur inkardiniert. Am 2. Juni 1956 bekam er den großen Literaturpreis der Innerschweizer Kulturstiftung in Luzern. 1957 erschien das Buch "Einsame Zwiesprache. Martin Buber und das Christentum." Zwischen 1958 und 1959 war Balthasar schwer krank. 1960 veröffentlichte er dann die ersten beiden Bände der Skizzen zur Theologie I. "Verbum Caro" und II. "Sponsa Verbi".

Im Jahr 1961 begann er mit dem ersten Band der theologischen Trilogie "Herrlichkeit". Er verfasste auch ein Buch über Maximus den Bekenner. Am 28. März 1965 bekam er das Goldene Kreuz des hl. Berg Athos verliehen. Zum 60. Geburtstag erhielt er von der Universität Edinburgh sowie der Universität Münster je die Ehrendoktorwürde. Am 17. September 1967 starb Adrienne von Speyer. 1969 wurde Balthasar, obwohl kein Theologieprofessor, zum Mitglied der von Papst Paul VI. neu gegründeten Internationalen Theologen-Kommission (ITK) in Rom ernannt (1. Mai 1969 bis Sommer 1991). Am 17. März 1971 verlieh ihm die Katholische Akademie in Bayern den Guardini-Preis. Im selben Jahr gründete er mit anderen Theologen die Internationalen katholischen Zeitschrift (IkZ) "Communio", die vorerst auf Deutsch und Italienisch erschien. 1983 gründete er den Priesterzweig der Johannesgemeinschaft. Am 28. Mai 1988 wurde Hans Urs von Balthasar von Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt. Nur zwei Tage vor dem Konsistorium starb er am 26. Juni 1988 in Basel. Trotz seines großen Einflusses auf die Theologie der Gegenwart war Balthasar kein Konzilstheologe (Peritus), wie er zu keinem Zeitpunkt irgendwo Professor war, sondern er verstand sich als geistlicher Schriftsteller und Gründer der Säkularinstitute.

Zitate von Hans Urs von Balthasar

"Christus hat keine Konferenzen bestellt, sondern einzig die kirchliche communio gewollt. Kontakte der Bischöfe untereinander sind nützlich und notwendig, aber letztlich nur, um Mut und Klarsicht der einzelnen Bischöfe zu bestätigen." (Der antirömische Affekt = DaA, Seite 7)

"Nicht nur der clericus, auch der laicus ist clerico lupus, und dies heute um so mehr, als jeder gegen die kirchliche Autorität Aufmuckende sogleich von den Massenmedien zum Martyrer und Nationalhelden aufgebauscht wird..." (DaA, Seite 6)

"Die Zeit ist villeicht nicht fern, da mancher Bischof wieder dankbar sein wird, den Papst als Hort der Freiheit gegen eine mehr oder weniger anonyme bürokratische Maschine anrufen zu können." (DaA, Seite 39)

"Aber der Heilige ist immer gekennzeichnet durch seine Leidenschaft für das Katholische. Er weiß sich als ein einzelnes, unbedeutendes Glied des lebendigen Ganzen, durch das und für das er lebt. Nie wird sich deshalb ein Heiliger mit dem abfinden, was sich heute als müder, resignierter oder trotzig sich partikularsierender theologischer Pluralismus ausgibt. Pluralismus im strengen Sinn -- als Lehre von Standpunkten innerhalb der einen katholischen Kirche, die untereinander von keinem menschlich einsichtigen Punkt aus mehr in Harmonie zu bringen sind, ist Provinzialismus und damit Leugnung der Katholizität." (DaA, Seite 40)

Zitate über Hans Urs von Balthasar

"Ich habe nie wieder Menschen mit einer so umfassenden theologie- und geistesgeschichtlichen Bildung wie Balthasar und de Lubac gefunden und kann gar nicht sagen, wieviel ich der Begegnung mit ihnen verdanke." (Joseph Kardinal Ratzinger im Buch 'Aus meinem Leben')

Werke von Hans Urs von Balthasar (Auswahl)

  • Das Buch des Lammes, Zur Offenbarung des Johannes, Einsiedeln 2004
  • Gelebte Kirche: Bernanos, 1950 (3. Aufl. 1988).
  • Der antirömische Affekt. Wie läßt sich das Papsttum in der Gesamtkirche integrieren? Einsiedeln 1989. ISBN 3-89411-012-0

Literatur

  • Anton Strukelj: Leben aus der Fülle des Glaubens. Theologie der christlichen Stände bei Hans Urs von Balthasar Ljubljana 2015 (366 Seiten. Gebunden. Hardcover; 2. Aufl.; ISBN 978-961-6621-17-5).
  • M. Schulz: Hans Urs von Balthasar begegnen (Reihe: 'Zeugen des Glaubens') Sankt Ulrich Verlag (ISBN: 978-3-929246-82-7).
  • S. Hartmann: Christo-Logik der Geschichte bei Hans Urs von Balthasar. Zur Systematik und Aktualität seiner frühen Schrift "Theologie der Geschichte" (Reihe: "Geist und Wort" Schriftenreihe der Professur für Christliche Spiritualität und Homiletik Kath. Univ. Eichstätt) Verlag Dr. Kovač (ISBN: 978-3-8300-1452-2).

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