Hans Küng

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*15. Februar 1975 Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung [[Sacra congregatio]] zu zwei Büchern des Professors Dr. Hans Küng, welche Meinungen enthalten, die der Lehre der Katholischen Kirche widersprechen (AAS 67 [1975] 203-204; [[Nachkonziliare Dokumentation|Nako]] 43, 194-199).
 
*15. Februar 1975 Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung [[Sacra congregatio]] zu zwei Büchern des Professors Dr. Hans Küng, welche Meinungen enthalten, die der Lehre der Katholischen Kirche widersprechen (AAS 67 [1975] 203-204; [[Nachkonziliare Dokumentation|Nako]] 43, 194-199).
 
*15. Dezember 1979 Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung [[Christi ecclesia a deo]] zu einigen Aspekten der Theologielehre des Prof. Dr. Hans Küng - [[Entzug der Lehrerlaubnis]] (AAS 72 [1980], 90-92).
 
*15. Dezember 1979 Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung [[Christi ecclesia a deo]] zu einigen Aspekten der Theologielehre des Prof. Dr. Hans Küng - [[Entzug der Lehrerlaubnis]] (AAS 72 [1980], 90-92).
 
== Über Küng: ==
 
 
* [[Matthias Matussek]] berichtet in ''Das katholische Abenteuer'', S. 197, von einem Küng-Witz den Erzbischof [[Johannes Dyba]] ihm 1998 erzählte: "Küng sollte ja eigentlich zum Papst gewählt werden. Aber er hat abgelehnt - weil er dann nicht mehr unfehlbar wäre."
 
 
* Aus dem '''Kommentar''' von H.J. Herbort zur DOKUMENTATION über den Fall Küng (Hg. Walter Jens), DIE ZEIT 08/1978: "Nun ist Küng ja wohl eher mit der Tür ins Haus gefallen worden — die Goliaths und ihre „Sacra Congregatio pro doctrina fidei" teilen (unter Prot. N. 399/57 i — ''in responsione fiat mentio huius numeri'' ) dem David zusammen mit einer „Erklärung" über den römischen Lehrstandpunkt mit: „ ... stehen Ihnen jetzt zwei Wege offen: 1. die ''Ratio agendi'' sieht die Möglichkeit eines Kolloquiums mit den Vertretern der Kongregation vor; 2. oder Sie nehmen die in der Erklärung enthaltene Lehre gleich an..." Auf gut deutsch: Entweder Sie unterschreiben sofort oder später!"
 
 
:[Das David-Goliath-Motiv war damals populär, um Küng als den "schwachen" Kämpfer gegenüber bösen "Mächtigen" zu profilieren.]
 
  
 
== Weblinks ==
 
== Weblinks ==

Version vom 7. Juli 2014, 19:28 Uhr

Quelle: privat

Hans Küng (* 19. März 1928 in Sursee (Schweiz)) ist Priester der Diözese Basel, seit 1954 Buchautor und ehem. Professor (von 1960-1996). Er machte mit seinem Projekt "Weltethos" und drei autobiographischen Werken (nachfolgend: Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3; Titel siehe unten) auf sich aufmerksam.

Hans Küng gilt als progressiver Theologe, dem die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht weit genug gingen. In seinem Denken und seinem literarischen Werk hatte er sich schrittweise immer mehr von der Lehre der katholischen Kirche entfernt, was schließlich 1979 zum Entzug seiner kirchlichen Lehrerlaubnis führte. Küng wurde jedoch nie suspendiert oder exkommuniziert. Im April 2010 rief er die deutschen Bischöfe plakativer denn je zu "Reformen" auch gegen den Papst (also zum Schisma) auf; siehe unten: ultima verba.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Noch unter Papst Pius XII. war Küng ein begabter Absolvent der Universität Gregoriana in Rom (1948-1955). Die Priesterweihe erhielt er im Germanicum in Rom am 10. Oktober 1954. Anschließend promovierte er 1957 an der Sorbonne in Paris mit einem Werk zur Rechtfertigung von Karl Barth, das bereits vom Heiligen Offizium kritisch aufgefasst wurde. Weitere Studien vollbrachte er in Amsterdam, Berlin, Madrid und London. Von 1958-1959 übte er Seelsorge an der Hofkirche in Luzern aus. Als wissenschaftlicher Assistent arbeitete er an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster von 1959-1960.

Mit seinem ersten Publikumserfolg, dem Buch Konzil und Wiedervereinigung von 1960 fasste Küng die Erwartungen so genannter fortschrittlicher Theologen an das II. Vatikanum zusammen. Teilweise sind diese auch verwirklicht worden, jedoch hat das Konzil die Unverzichtbarkeit des Papsttums und des Bischofskollegiums für den Katholizismus mehrfach bekräftigt. Also hat das Konzil der wissenschaftlichen Theologie keinen Führungsanspruch in der Kirche zugebilligt, was seit der Modernismuskrise um 1907 ein latenter Konfliktpunkt zwischen sakramental angeleiteter Hierarchie und innovativen Konzepten seitens vieler Theologen geblieben war.

Konzilsberater von Bischof Leiprecht

Küng war von 1962 bis 1963, inzwischen ohne Habilitation zum Professor in Tübingen berufen, Konzilsberater des Bischofs von Rottenburg, Carl Joseph Leiprecht. Schon während des Konzils stellte Küng, nach eigenen Angaben, aber zweifelnd fest, dass das Konzil die von ihm angestrebten Ziele nicht erreichen werde. Küng entwirft konsequent eine Antithese zwischen mittelalterlicher "Pyramide" (Hierarchie) und moderner "Communio" (d.h. Gemeinschaft) in der Kirche. Küng legte seine eigene Konzeption dann im Buch Die Kirche von 1967 vor.

Nachkonziliare Diskussionen

Im Anschluss an die Debatte um die Enzyklika von Papst Paul VI. Humanae vitae seit 1968 erlangt Küng im europäischen und nordamerikanischen Katholizismus Aufmerksamkeit, indem er die Unfehlbarkeit des Papstes kritisiert (insb.: Unfehlbar? Eine Anfrage von 1970); zu seiner Argumentation: Bd. 2, S. 225 (Replik Ratzinger). Das diesbezügliche, mehrfach verzögerte Verfahren (vgl. Dokument Mysterium ecclesiae; die Antwort auf die "Anfrage") vor der Glaubenskongregation endete nach neuen Polemiken seitens des Papstkritikers am 15.12.1979 mit dem Entzug der kirchlichen Lehrbefugnis (missio canonica). Andere Bücher Küngs waren zwar nicht förmlich Gegenstand dieses Verfahrens, riefen aber gleichfalls kritische Reaktionen sowohl der Glaubenskongregation als auch der deutschen Bischöfe hervor, insbesondere das Werk "Christsein" von 1974. Die Nachfolge Jesu heute drücke sich demnach in der Annahme eines Grundvertrauens zur Güte Gottes aus. Jesus sei für uns [= aus unserer Sicht] der Gekreuzigte und bleibe mithin (nur) im Christentum die maßgebliche Persönlichkeit der Gotteserfahrung, auch im Scheitern. Ein weiterer Bucherfolg derselben Art gelang 1978 mit Existiert Gott? Der Dogmatiker Leo Scheffczyk machte daher bereits 1980 darauf aufmerksam, dass diese bloßen Behauptungen, als "Credo" verkauft, viel weiter vom christlichen Bekenntnis entfernt seien (Jesus ist der Christus, der für uns Gekreuzigte [= der sich opfernde Erlöser]) als man auf den ersten Blick feststelle.

Projekt Weltethos: Gemeinsamkeiten oder Synkretismus?

Im Jahr 1990 veröffentlichte Küng sein „Projekt Weltethos“ und sieht sich daher als Begründer einer Art von organisiertem postmodernen Humanismus oder Religions-Synkretismus. Einige jüngere Schriften, die Küng jeweils mit fachlicher Hilfe von Experten schrieb, befassen sich daher mit dem Judentum und dem Islam.

Anlässlich seines 80. Geburtstages warb Küng 2008 um zusätzliche Unterstützung: "Die Fortsetzung seiner Arbeit sieht Küng allerdings als nicht gesichert an. «Unsere finanzielle Basis, die Graf von der Groeben 1995 mit seiner Millionenspende gelegt hat, bedarf dringend einer Verbreiterung, um diese Arbeit langfristig sicher zu stellen.» In gewisser Weise wird Küng aber auch nach seinem Tod über die Arbeit seines Weltethos-Teams wachen: Schon jetzt steht vor dem Gebäude der Stiftung, in dem Küng zugleich wohnt, eine Büste des Theologen" (Mitteldeutsche Zeitung, 18.03.2008).

Interessant zum Projekt Weltethos ist auch eine Aufzeichnung der Sel. Anna Katharina Emmerick (siehe dort).

Würdigung

Obwohl theologische Arbeiten von Hans Küng derzeit wenig Resonanz finden (auch nicht seine "hegelianische" Quasichristologie, Menschwerdung Gottes von 1970), genießt er an vielen Stellen im deutschen Katholizismus einen hohen Stellenwert und wurde nicht zu Unrecht als eine Art Sprachrohr einer modernen bürgerlichen Christenexistenz wahrgenommen, für die das überlieferte Dogma nur als Anhaltspunkt der je "neuen" Interpretation der Botschaft Jesu von Bedeutung sein soll, unter Berufung auf einen von vielen als zwingend notwendigen "Paradigmenwechsel". Ob diese "Interpretation" glückt oder nicht wird nicht näher befragt.

Für die Mehrheitsmentalität, für die Küng wirbt, ist es eine "letzte Hoffnung", dass in Kürze sowohl die kirchliche Moral wie auch das Amt (und insbesondere das Priestertum) an den Horizont der (flüchtigen) Gegenwart angepasst werden. Die Verzögerung überfälliger Reformen wie der Freistellung des Zölibates der Priester, der Frauenordination, der offenen Billigung der Ehescheidung etc. (also: Übernahme der völlig erfolglosen protestantischen Modelle, einschließlich des Staatskirchentums) verursache bei vielen kirchlich Beschäftigten einen so hohen Leidensdruck, dass "die Kirche" kaum noch zu retten sei. (Gemeint ist: Der Sektor kirchlich Beschäftigter verdiene Bezahlung auch ohne Gegenleistung.)

Wirkung

Mit Billigung der Deutschen Bischofskonferenz wurde Hans Küng zwar Anfang der 1980-er Jahre die ''Missio canonica'' entzogen, er konnte als "ökumenischer" Theologe aber sein Institut in vollem Umfang bis 1996 weiter außerhalb der katholischen Fakultät betreiben. Als flott, eingängig und vereinfachend formulierender Gesprächspartner war Küng jahrzehntelang eine gesuchte Adresse für deutschsprachige Medien. Er schuf und verbreitete das Bild vom "Großinquisitor" Joseph Ratzinger, das bis 2005 die Zeitungen und das Fernsehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beherrschte. Die jüngste Polemik gegen den Papst wurde in Denkanstöße 2009 aus dem Piper-Verlag (S. 121-138) abermals abgedruckt.

Unter anderem werden in dem autobiographischen Werk folgende Persönlichkeiten gezielt kritisiert.

Papst Pius XII., Papst Paul VI., Papst Johannes Paul II., Papst Benedikt XVI., Kardinal Josef Frings, Kardinal Julius Döpfner, Kardinal Amleto Cicognani, Kardinal Leo Suenens, Kardinal Bernard Alfrink, Kardinal Achille Liénart, Kardinal Franz König und sogar Kardinal Johannes Willebrands. Aus Konzilszeiten betroffen sind auch Kardinal Pericle Felici und selbstverständlich Kardinal Alfredo Ottaviani, Kardinal Pietro Parente, Kardinal Giuseppe Siri, ferner die Kardinäle Franjo Seper und Jérôme Hamer O.P. Der heutige Kardinal Walter Kasper, auch Kardinal Karl Lehmann und massiv Kardinal Joseph Höffner (Bd. 2, S. 461: "Kardinal 0") werden im Zusammenhang mit dem Fall Küng niedergemacht; und gehässig gegen Kardinal Jean Daniélou, aber auch Kardinal Henri de Lubac und (milder) Kardinal Yves Congar vorgegangen, aber en passant selbst Kardinal Leo Scheffczyk, Kardinal Jorge Mejia, Kardinal Avery Dulles S.J. und Kardinal Roberto Tucci S.J. kritisiert.

Ferner sind weitere große deutsche Theologen im Visier des Kritikers, besonders Hans Urs von Balthasar und Karl Rahner, dazu seine (ihm vorgesetzten, "bemitleidenswerten") Basler und Rottenburger Bischöfe, die gesamte deutsche Bischofskonferenz, die Verräter der Tübinger Fakultät und überdies auch Laien wie Giulio Andreotti, Luise Rinser, Jean Guitton, oder der belgische Journalist Freddy Derwahl (dessen Doppelportrait Küng-Ratzinger angeblich parteiisch war), u.v.a.m. Aufsehen erregte die Forderung von Hans Küng, Milde auch für Marcel Lefebvre und die Priesterbruderschaft St. Pius zu fordern. Auch für diese gelte: Toleranz ! (Vgl.: Umstrittene Wahrheit, S. 427-31; dazu bekennt sich Küng in seiner Stellungnahme zur Hamburger Erklärung der DBK auf SPIEGEL online vom 05.03.2009 allerdings nicht.)

Am 24. September 2005 wurde Hans Küng trotz allem durch Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo in Privataudienz empfangen. Im Kommuniqué berichtete Küng, dass sein "Weltethos" (s.u.) keinen Religionssynkretismus konstruieren will, sondern nur eine gemeinsame Ethik im Blick habe. Zuvor war derselbe bereits am 2. Dezember 1965 einmal von Papst Paul VI. in privater Audienz empfangen worden. Dieser bemerkte, nach dem Zeugnis von Yves Congar, schon damals zu wenig Liebe bei Küng (vgl. Bd. 2 (2007), S. 635).

Der mittlerweile bereits mit nahezu allen erdenklichen Würdigungen des gegenpäpstlichen Lagers überhäufte Hans Küng erhielt 2007 überdies einen Kulturpreis der deutschen Freimaurer und wurde am 8. Mai 2007 in Tübingen durch Bundeskanzler a.D. Dr. h.c. mult. Helmut Schmidt, Hamburg, anlässlich der VII. Weltethosrede, als universaler Denker gerühmt.

Zur Glaubwürdigkeit des Professors Küng

“Keine Inquisition gegen Ecône!” sagte Hans Küng 1975 in einem Interview mit der NZZ, erschienen in der Ausgabe vom 3. Oktober auf Seite 35. Er forderte Gerechtigkeit für die Traditionalisten und bemängelte das autoritäre, nicht von echten Gesprächen begleitete Vorgehen des Heiligen Stuhles unter Papst Paul VI. gegen Erzbischof Marcel Lefebvre. Papst Benedikt XVI. will in seinem Pontifikat die Versäumnisse von damals wiedergutmachen, und schon wieder ist Hans Küng unzufrieden und beklagt eine “zunehmende Verhärtung des Vatikans”.

Ultima verba

Ohne Unterlass kritisiert Küng weiterhin Papst und Kirche, z.B. in Le Monde am 24. Februar 2009. Neben etlichen anderen Werturteilen formulierte er: L'église risque de devenir une secte. Beaucoup de catholiques n'attendent plus rien de ce pape. (Die Kirche riskiere zur Sekte zu werden. Viele Katholiken erwarten gar nichts mehr von diesem Papst.) Kardinaldekan Angelo Sodano hat diese Beleidigung unverzüglich zurückgewiesen. Das Interview enthält aber noch weitere Falschaussagen: Ein deutscher Papst müsse sich ohne Zweideutigkeit zum Holocaust verhalten, se montrer sans ambiguité. (Als sei Joseph Ratzinger dazu je zweideutig gewesen!) Weiter: Das II. Vatikanum repräsentiere die Integration des Paradigmas der Reform (und der Modernität) in die katholische Kirche. (Aber was heißt das?) Und: Je trouve scandaleux que pour le cinquantième anniversaire du lancement du concile par Jean XXIII., le pape n'ait pas fait l'éloge de son prédécesseur, mais ait choisi de lever l'excommunication de personnes opposées à ce concile. Es sei skandalös, dass zum 50. Jahrestag der Konzilsankündigung der Papst nicht seinen Vorgänger Johannes XXIII. gerühmt habe, sondern stattdessen die Exkommunikation von Konzilsgegnern aufgehoben habe. In Wahrheit hat der Papst am 25. Januar 2009 in St. Paul vor den Mauern über Konzil, Ökumene und auch seinen Vorgänger würdigend gesprochen, aber die Medien interessierten sich nicht dafür, sondern für SPIEGEL und Williamson. (Das Dekret, das Küng meint, datiert übrigens vom 21. Januar.)

Wer, außer die so gen. "Konzilskirche", ist überhaupt zur Aufhebung von Exkommunikationen auch in schwierigen Fällen fähig? Eine Beugestrafe, die lange im Mittelpunkt progressiver Kritik stand, wird im Katechismus nur noch mit einem kurzen Abschnitt gestreift. Wenn das kein Fortschritt ist! (Vgl. KKK, Nr. 1463.) Hans Küng krönt seine Kritik mit der Behauptung, die Theologie des Papstes datiere von 325, dem Konzil zu Nizäa. (Die italienische Presse machte daraus übrigens das "Konzil zu Nizza".)

Anscheinend von dem Gefühl getrieben, in den Memoiren doch eine falsche Tonart angeschlagen zu haben, legte Küng im Herbst 2009 nochmals nach, indem er seine Spiritualität in ein Buch mit dem Namen "Was ich glaube" fasste. Das in die SPIEGEL-Bestsellerliste gelangte Spätwerk, möglicherweise ein Ersatzstück für den angekündigten III. Band der Autobiographie, bietet gerade für Küng-Kritiker wichtige Betrachtungen, etwa über das Gebet, das Küng nach eigener Darstellung als flüchtiges "Danke" und "Bitte" praktiziert, oder auch über das Kreuz, das der Theologe kaum noch erträgt; und dem er sich nur in "Korrelation" zuordnet. Er hat folgerichtig das Kruzifix zuhause durch eine schöne griechische Jesus-Ikone ersetzt (ebd., S. 250); um sich darin zu SPIEGELN?

Im Herbst 2013 gelang es Küng dann doch noch, einen über 700 Seiten starken 3. Band seiner Erinnerungen vorzulegen, sozusagen zum zelebrierten Abgang aus der Öffentlichkeit anlässlich seines 85. Geburtstages (der zufällig der Amtseinführungstag von Papst Franziskus war). Auf S. 674 des Werkes wird eine Postkarte des Heiligen Vaters abgedruckt, mit der sich dieser für einen ihm von Küng übersandten Artikel und zwei Bücher (Was ICH glaube und Ist die Kirche noch zu retten?) bedankt. Der Papst bittet den Pensionär um sein Gebet, wünscht ihm den Segen Jesu und den Beistand der Heiligen Jungfrau. Küng setzt sich in seiner Interpretation dieses Grußes allerdings über die fromme Intention des Pontifex hinweg und deutet diese eigenhändige Postkarte aus dem Domus Sanctae Marthae als Bestätigung seiner Person. Kennzeichnend für Küng ist (die leicht zu erkennende Absicht), dass der Papst stets wie er (Küng) handeln sollte, wie der Pontifex auch heißen mag und wer immer es sei. Im dritten Band der Memoiren tritt - offenbar altersbedingt - die extrem selbstreferenzielle Attitüde des Großschriftstellers noch deutlicher hervor als 2002 und 2007. Zuzubilligen ist freilich, dass es dem betagten Ex-Präsidenten dreier Stiftungen durchaus gelungen ist, der zukünftigen Kirchengeschichtsschreibung einiges Material dargeboten zu haben, das freilich auch "gegen den Strich" gelesen werden wird. Nachfolger Küngs in der Herbert Haag Stiftung zu Luzern wurde Erwin Koller, Fernsehjournalist aus Gossau (SG). In der Weltethos Stiftung Schweiz folgt ihm als Präsident der Jurist Kirchschläger nach, Sohn des gleichnamigen ehem. österreichischen Diplomaten und Bundespräsidenten. Bundespräsident a.D. Horzt Köhler (BRD) hat die Nachfolge in der Tübinger Stiftung jedoch ausgeschlagen. Ihr sitzt nunmehr, innerhalb der küng'schen Dreifaltigkeit, ein ehem. Oberlandesgerichtspräsident aus Stuttgart vor.

Exkurs: 2010

Am Feuer der 'Missbrauchsdebatte', in der bisweilen schon eine schallend verabreichte Ohrfeige zum gewalttätigen Menschheitsverbrechen hochdefiniert wurde, kochte so mancher sein Süppchen. Natürlich auch der alte Widersacher Hans Küng, der in einem "offenen Brief" an die (deutschen) Bischöfe zum Abfall von Rom aufforderte und dabei unserem Hl. Vater ein langes Register von "Sünden" gegen das II. Vatikanische Konzil vorhält. Darunter:

Er fördert mit allen Mitteln die mittelalterliche Tridentinische Messe und feiert selber die Eucharistiefeier gelegentlich auf Latein mit dem Rücken zum Volk.

Das ist er wohl, der Fluch der bösen Tat: Wenn man eine Lüge oft genug wiederholt, kann man zwar immer noch nicht die Texte des Konzils ungeschrieben machen, in denen es nun mal ausdrücklich heißt: „Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben“ (SC 36). Und von der Zelebrationsrichtung war auf dem Konzil nie die Rede. Aber der Lügner selbst verstrickt sich im Lauf der Jahre so sehr in seine Gespinste, dass er nur noch seine eigenen Erfindungen für die unumstößliche Wahrheit hält. (Das nennt man dann wohl "spekulative Theologie"?) Hans Küng ist mit seinem "Konzils-Brief", nicht nur in den Passagen zur Liturgie, ein erschütterndes Beispiel für die absolute Insuffizienz dieser "Wissenschaft".

Es genügt, abschließend die selbstherrlichen Eingangszeilen des "Offenen Briefs" zu zitieren, den u.a. die Süddeutsche Zeitung verbreitete:

"Verehrte Bischöfe,

Joseph Ratzinger, jetzt Benedikt XVI., und ich waren 1962-1965 die beiden jüngsten Konzilstheologen. Jetzt sind wir die beiden ältesten und einzigen noch voll aktiven. Mein theologisches Schaffen verstand ich stets auch als Dienst an der Kirche. Deshalb wende ich mich am 5. Jahrestag der Amtseinsetzung von Papst Benedikt in einem Offenen Brief an Sie, in Sorge um diese unsere Kirche, die in der tiefsten Vertrauenskrise seit der Reformation steckt. Eine andere Möglichkeit, an Sie zu gelangen, habe ich nicht.

Ich habe es sehr geschätzt, dass Papst Benedikt mich, seinen Kritiker, bald nach seinem Amtsantritt zu einem vier Stunden langen Gespräch einlud, das freundschaftlich verlief. Dies hat mir damals Hoffnung gemacht, dass Joseph Ratzinger, mein früherer Kollege an der Universität Tübingen, doch den Weg finden würde zur weiteren Erneuerung der Kirche und ökumenischen Verständigung im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Meine Hoffnungen und die so vieler engagierter Katholikinnen und Katholiken wurden leider nicht erfüllt, und ich habe dies Papst Benedikt in unserer Korrespondenz auch verschiedentlich wissen lassen. Er hat zweifellos seine alltäglichen päpstlichen Pflichten gewissenhaft erfüllt und uns auch drei hilfreiche Enzykliken über Glaube (?), Hoffnung und Liebe geschenkt.

Aber was die großen Herausforderungen unserer Zeit betrifft, so stellt sich sein Pontifikat zunehmend als einer der verpassten Gelegenheiten und nicht der genützten Chancen dar (...) [usw.]"

Wie Küng im Pamphlet von 2011 (Ist die Kirche noch zu retten?) bekundete, hat ihm aber kein einziger von fast 5.000 Bischöfen weltweit darauf geantwortet. Mit gutem Grund.

Man vergleiche:

Begenung von 2005

(Dokument zu der)

"Begegnung von Papst Benedikt XVI. mit Professor Hans Küng

Pressecommuniqué


Am Samstag, den 24. September 2005, fand in freundschaftlicher Atmosphäre ein Gespräch zwischen Papst Benedikt XVI. und Professor Hans Küng (Tübingen) statt. Beide Seiten waren sich einig, dass es nicht sinnvoll sei, im Rahmen dieser Begegnung in einen Disput über die Lehrfragen einzutreten, die zwischen Hans Küng und dem Lehramt der katholischen Kirche umstritten sind. Das Gespräch konzentrierte sich deshalb auf zwei Bereiche, die besonders in jüngerer Zeit im Vordergrund der Arbeit von Hans Küng stehen: die Frage des Weltethos und der Dialog der Vernunft der Naturwissenschaften mit der Vernunft des christlichen Glaubens.

Professor Küng stellte heraus, dass es bei dem Projekt Weltethos keineswegs um eine abstrakte intellektuelle Konstruktion gehe. Es werden vielmehr die moralischen Werte ins Licht gesetzt, in denen die großen Religionen der Welt bei allen Unterschieden konvergieren und die sich von ihrer überzeugenden Sinnhaftigkeit her auch der säkularen Vernunft als gültige Maßstäbe zeigen können.

Der Papst würdigte positiv das Bemühen von Professor Küng, im Dialog der Religionen wie in der Begegnung mit der säkularen Vernunft zu einer erneuerten Anerkennung der wesentlichen moralischen Werte der Menschheit beizutragen. Er stellte heraus, dass der Einsatz für ein erneuertes Bewusstsein der das menschliche Leben tragenden Werte auch ein wesentliches Anliegen seines Pontifikates darstellt.

Ebenso bekräftigte der Papst seine Zustimmung zu dem Mühen von Professor Küng, den Dialog zwischen Glaube und Naturwissenschaft neu zu beleben und die Gottesfrage dem naturwissenschaftlichen Denken gegenüber in ihrer Vernünftigkeit und Notwendigkeit zur Geltung zu bringen. Professor Küng seinerseits drückte seine Zustimmung zu dem Mühen des Papstes um den Dialog der Religionen wie um die Begegnung mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen der modernen Welt aus.

Città del Vaticano, 26. September 2005"

Bedeutende Werke:

  • Hans Küng, Konzil und Wiedervereinigung, München 1960
  • Ders., Erkämpfte Freiheit, München 2002 (= Bd. 1 der Erinnerungen)
  • Ders., Umstrittene Wahrheit, München 2007 (= Bd. 2)
  • Ders., Was ICH glaube, München 2009
  • Ders., Erlebte Menschlichkeit, München 2013 (=Bd. 3).

Literatur

Kirchliche Stellungnahmen zu Hans Küng

Weblinks

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