Gottesbeweis

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Unter einem Gottesbeweis versteht man die Idee, die Existenz Gottes rational zu „beweisen“.

Ein solcher Beweis befasst sich primär mit der Existenz Gottes und nicht mit seinen Eigenschaften. Wie dieser Gott ist, erschliesst sich aus seiner Selbstmitteilung, seiner Offenbarung.

In der Philosophie- und in der christlichen Religionsgeschichte gab es eine Reihe von Ansätzen, Gott zu beweisen.

Inhaltsverzeichnis

Der Gottesbeweis in der Bibel und im Lehramt

Der Mensch kann Gott, den Ursprung und das Endziel aller Dinge, durch das natürliche Licht seiner Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkennen (Erstes Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei filius, Nr. 11). „Denn das Unsichtbare an ihm erschaut der denkende Verstand seit Erschaffung der Welt in seinen Werken.“ (Röm 1,20 EU)

Kausaler Gottesbeweis

Beim kausalen Gottesbeweis geht es darum, dass alles, was ist, eine Ursache (Causa) haben muss. Logischerweise kann man die Reihe der Ursache nicht ewig fortsetzen. Die ursprünglichste Ursache wird vom Philsophen Aristoteles als „unbewegten Beweger“ bezeichnet. Später wird das ganze von Thomas von Aquin aufgegriffen.

Ontologischer Gottesbeweis

Im 11. Jahrhundert wurde vom Heiligen Anselm von Canterbury der sogenannte Ontologische Gottesbeweis entwickelt. Anselm bezeichnet in seinem berühmten Werk „Proslogion“ Gott als etwas, „über dem nichts Größeres gedacht werden kann“ (esse aliquid quo nihil maius cogitari possit).

„Was also bist Du, Herr, Du Gott, ‚über dem nichts Größeres gedacht werden kann‘? Aber was bist Du, wenn nicht das, was als das Höchste von allem allein durch sich existierend, alles andere aus dem Nichts geschaffen hat? Denn alles, was das nicht ist, ist weniger als das, was gedacht werden kann; aber von Dir kann das nicht gedacht werden. Welches Gute also könnte dem höchsten Guten fehlen, durch das jedes Gute ist? Du bist also gerecht, wahrhaftig, selig und alles was besser ist zu sein als nicht zu sein. Denn besser ist es, gerecht zu sein, als nicht gerecht; selig, als nicht selig.“ (Proslogion)

Im Prinzip funktioniert der Beweis in drei Schritten:

  1. Gott ist etwas, über dem nichts Größeres gedacht werden kann.
  2. Es ist eine größere Vollkommenheit, in der Realität, als in Gedanken zu existieren.
  3. Aus diesen beiden Prämissen folgt, dass Gott existieren muss.

Thomas von Aquin und die Gottesbeweise

Thomas von Aquin selbst stellt keine neuen Gottesbeweise auf. Er fasst diese in der Summa theologiae in seinen berühmten fünf Wegen „quinque viae ad Deum“ zusammen. Die fünf Beweisgänge:

Erster Beweisgang: Die Bewegung

Für Thomas ist Bewegung in dem Sinn zu verstehen, dass etwas eine Bestimmung hat, die es vorher nicht hatte. Wir können alles in Bewegung Befindliche wahrnehmen. Das Prinzip lautet: Alles, was eine Veränderung erfährt, hat einen anderen Ursprung und kann sich nicht von selbst bewegen. Wenn man weit genug zurück geht, muss man zu einem ersten Beweger kommen. Thomas sagt, dass dies alle als Gott erkennen.

Zweiter Beweisgang: Die Ursache-Wirkung

Der zweite Beweisgang ist eine Variante des ersten. Ausgangspunkt ist nicht die Bewegung, sondern die Ursache. Bewegung ist für Thomas nur eine bestimmte Weise der Ursache. Die gesamte Welt besteht aus Ursache und Wirkung. Nichts kann sich selber verursachen. Die erste Wirkursache ist für Thomas Gott.

Dritter Beweisgang: Zufälle und Kontingenz

Wiederum beginnt der Ansatz bei der Wirklichkeit, bei der Veränderung. Dinge kommen und gehen, sie verändern sich. Wäre von einem Ding die Existenz notwendig, dann würde es immer existieren. Kein Ding macht dies aber, daher sind sie nicht notwendig, sondern kontingent. Für Thomas gilt dies aber nur bedingt. Es muss etwas Notwendiges geben und jede Notwendigkeit begründet sich in einer anderen Notwendigkeit. Auch hier läßt sich dies nicht unendlich zurückführen. Es gibt eine Notwendigkeit, die die Notwendigkeit in sich selbst hat: Gott.

Vierter Beweisgang: Graduelle Differenz - Vollkommenheit - Maximum

Hier geht es darum, dass Thomas in der Wirklichkeit Gradualitäten feststellt. Er unterscheidet Gegegebenheiten durch ein Mehr oder Weniger. Es geht um qualitative Unterschiede. Diese Differenzierung ist nur dadurch möglich, dass es ein Maximum, etwas Absolutes geben muss. Bei diesem Gottesbeweis geht es auch um die Wahrheit, die dem Sein zukommt. Je mehr Sein etwas hat, desto wahrer ist es. Diesem höchsten Seienden wird gleichzeitig auch zugeschrieben, dass es der Grund für das Sein muss. Das höchste Seiende ist für Thomas Gott.

Fünfter Beweisgang: Zweckmäßigkeit

Hier geht es um den Begriff „Zweckmäßigkeit“. Alles, was einen Zweck hat – und das betrifft alle Dinge –, benötigt einen Koordinator; und das ist Gott, der, dass etwas einen Zweck hat, dies aus sich selbst festlegen kann.

Der Letzte Gottesbeweis

Der bekannte deutsche Philosoph Robert Spaemann spricht von einem „Letzten Gottesbeweis“. Gemeint ist damit, dass, wenn Gott nicht ist, es auch so etwas wie Wahrheit nicht gäbe und daher kein Argument jemals irgend etwas bewiese. Die Menschen wären dann keine wahrheitsfähigen Wesen; und daher auch keine Personen. Ähnliche Gedanken hatte bereits Richard Rorty: „Ein höheres Forschungsziel namens Wahrheit gäbe es nur dann, wenn es so etwas wie eine letzte Rechtfertigung gäbe […] eine Rechtfertigung vor Gott.“ (Vgl. Spaemann, Letzter Gottesbeweis.)

Literatur

Weblinks