Gloria in excelsis Deo

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Die Engel mit dem Spruchband bei der Geburt Jesu Christi:
"Gloria in excelsis Deo" (Lk 2,14 EU)

Gloria in excelsis Deo ("Ehre Gott in der Höhe") ist ein mit einem Engelsgesang (hymnus angelicus) beginnender, hymnenartiger danksagender Lobpreis Gottes, der in der Heiligen Messe nach dem Kyrie vom Volk gebetet oder gesungen wird.[1]

Das Gloria wird an den Sonntagen außerhalb des Advents- und Fastenzeit, an Hochfesten, Festen und bei anderen festlichen Gottesdiensten verwendet. Es kann durch ein "Gloria-Lied" ersetzt werden.[2]

Der Gloriahynmus ist, wenn auch mit größeren oder kleineren Abweichungen, in allen Riten bei der Heiligen Messe gebräuchlich.[3] Es bildet in den westlichen Liturgien das 2. Stück des Messordinariums. In den östlichen Liturgien hat das Gloria seinen Ort am Ende der Morgenhore nach Ps 148-150.[4]

Der Verfasser des Gloria ist unbekannt. Die Autorschaft des Hl. Hilarius wird von Pseudo-Dionysius erwähnt, ist jedoch nicht beweisbar.[5] "Gloria in excelsis Deo" wird große Doxologie (major), im Unterschied zur kleinen Doxologie "Gloria Patri" [6] und wegen des parallelen Aufbaus als Zwillingshymnus zum Te Deum bezeichnet.[7]

Inhaltsverzeichnis

Der Text

Der Lateinische und deutsche Text findet sich vertont in den Choralmessen 1-3 im Gotteslob 2013, Nr. 105, 109 und 114. Der deutsche Text ist ebenfalls im Gotteslob 2013 in der Nr. 173,2 mit der Vertonung nach dem Jesajaton ("Gemeinsamen Gebets- und Gesangbuches" 2010) abgedruckt.

lateinischer[8] deutscher[9]
Gloria in excelsis Deo
et in terra pax hominibus bonae voluntatis.
Laudamus te,
benedicimus te,
adoramus te,
glorificamus te,
gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam,
Domine Deus, Rex caelestis,
Deus Pater omnipotens,
Domine Fili unigenite, Jesu Christe,
Domine Deus, Agnus Dei,
Filius Patris,
qui tollis peccata mundi, miserere nobis;
qui tollis peccata mundi, suscipe deprecationem nostram.
Qui sedes ad dexteram Patris, miserere nobis.
Quoniam tu solus Sanctus,
tu solus Dominus,
tu solus Altissimus, Jesu Christe,
cum Sancto Spiritu:
in gloria Dei Patris. Amen.
Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.
Wir loben Dich,
wir preisen Dich,
wir beten Dich an,
wir rühmen Dich und danken Dir,
denn groß ist Deine Herrlichkeit:
Herr und Gott, König des Himmels,
Gott und Vater, Herrscher über das All,
Herr, eingeborener Sohn, Jesus Christus.
Herr und Gott, Lamm Gottes,
Sohn des Vaters,
Du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme Dich unser.
Du nimmst hinweg die Sünde der Welt: nimm an unser Gebet.
Du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarme Dich unser.
Denn Du allein bist der Heilige,
du allein der Herr,
du allein der Höchste, Jesus Christus,
mit dem Heiligen Geist,
zur Ehre Gottes des Vaters. Amen.

Ob es sich - wie hier nach der Einheitsübersetzung - um eine Feststellung oder aber um einen Wunsch handelt, läßt sich aus dem griechischen Wortlaut nicht entscheiden, da dort das Verbum »ist« oder »sei« fehlt. Der Text ist außerdem in zwei Hauptvarianten überliefert. Der byzantinische Reichstext liest »εύδοκία« (Gnade, Wohlgefallen) im Nominativ. Die syrischen Übersetzungen fügen außerdem noch ein zusätzliches »und« ein, so dass sich eine dritte Zeile ergibt: » ... und bei den Menschen Gnade«. In gleicher Weise ergänzt auch die Lutherübersetzung den Reichstext: »Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.« Die ältere ägyptische Textüberlieferung liest hingegen »εύδοκίας« im Genitiv. Dieser ursprünglichen Textform entspricht auch die lateinische Übersetzung durch »bonae voluntatis«. Daran wiederum schließt die lateinische Liturgie und die katholische Übersetzungstradition an. Nach einigen Textzeugen lautet die zweite Zeile parallel zur ersten allerdings nur: » ... und Frieden auf Erden den Menschen«; »εύδοκία(ς)« wäre dann ein späterer Zusatz.[10]

Aufbau

Aufgrund von Genese und Anrederichtung läßt sich das Gloria in drei Abschnitte unterteilen:
1) Dem Zitat des Engelgesangs Lk 2,14, das zugleich Themenvorgabe ist, ist Lobpreis des Vaters und Gedenken der Erlösung (Frieden).
2) In seiner Breite folgt ein ungewöhnlicher Lobpreis Gottes durch die Gemeinde. Er wird in vielen Quellen mit einer trinitarischen Doxologie abgeschlossen.
3) Es folgt ein christologischer (und wohl jüngster) Abschnitt und ist eine preisende Anrede, eine litaneiartige Anrufung, eine dreifache Prädikation, abgeschlossen durch eine trinitarische Bekenntnisformel, die das Thema "gloria" wieder aufgreift.[11]

Musik

Das Gloria wurde vom Zelebranten angestimmt, war immer Gemeindegesang, aber bald erfolgte die Übernahme des Gemeindeteils durch einen (Kleriker-)Chor. Unter den 56 mittelalterlichen Choralmelodien ist die dem altspanischen Pater noster verwandte Melodie des Gloria XV die älteste; auch sind Tropierungen bekannt.[12] Die barocke und klassische Polyphonie hat das "Gloria in exelsis Deo" musikalisch besonders verschwenderisch gestaltet.[13]

Geschichtliches

Der Lobpreis entstammt dem frühchristlichen Hymnenschatz. In griechischen und syrischen Quellen ist es als Morgengebet im 4. Jahrhundert nachweisbar.[14] Die ältesten Textbelege finden sich griechischen im Codex Alexandrinus (5. Jahrhundert), in den Const. apost. VII, 46 (Ende 4. Jahrhundert, bereits arianisch überarbeitet) und syrisch in der nestorianischen Liturgie (zahlreichen Erweiterungen).[15] Papst Symmachus (498-514) gestattete es auch für die Sonntage und Märtyrerfeste, doch nur den Bischöfen. Das Gloria findet sich in der lateinischen Fassung im Antiphonar von Bangor (um 690). Den Priestern war das Gloria nach römischen Brauch noch im 9. Jahrhundert nur erlaubt am Tag ihrer Weihemesse sowie an der Ostervigil, im 11. Jahrhundert war diese Beschränkung für sie jedoch weggefallen. Der heutige Wortlaut verzeichnet erstmals das Psalterium des Abtes Wolfcoz von St. Gallen im 9. Jahrhundert. Das Gloria gehört zu den frühesten (9. Jahrhundert) ins Deutsche übersetzten Gebeten und fand Eingang in die evangelischen Abendmahlsliturgien des Meßtyps, wenn auch häufig als Paraphrase. Der heutige deutsche Text ist die ökumenische Fassung von 1971.[16]

Verwendet wurde das Gloria in der Messe vor der Liturgiereform 1970 wie heute. Zusätzlich wurde das Gloria gebetet bei Votivmessen von den hl. Engeln und Muttergottesvotivmessen, welche letztere jedoch nur an Samstagen hatten. Weiter wurde es nicht gebetet: an den Septuagesimalsonntagen, am Feste der Unschuldigen Kinder, sowie in den privaten Votivmessen.[17]

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon. Josef Kösel Verlag & Friedrich Pustet Verlag Komm-Ges. Regensburg 1924, S. 124b-125a (399 Seiten; Zweite, verbesserte und sehr vermehrte Auflage; Imprimatur Ratisbonae, die 1. Aprilis 1924 Dr. Scheglmann Vic. Gen); Gerhard Podhradsky: Lexikon der Liturgie. Ein Überblick für die Praxis. Tyrolia Verlag Innsbruck-Wien-München 1967, Sp. 124 (490 Spalten, 2. Auflage; Imprimatur des Bischöfl. Ordinariates Innsbruck Nr. 1693/2 vom 23. Oktober 1966 Mons. Dr. Josef Hammerl, Generalvikar).
  2. Schott-Messbuch für die Sonn- und Festtage des Lesejahres C, Originaltexte der authentischen deutschen Ausgabe des Meßbuches und des Meßlektionars, Herder Verlag Freiburg-Basel-Wien 2004, S. 344+346 (824 Seiten; Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 17. März 1982, Der Generalvikar: Dr. Schlund).
  3. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 125a.
  4. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 4, Sp. 751.
  5. Georg Kieffer in: LThK 1. Auflage, BandIII, Sp. 433, Doxologie.
  6. Georg Kieffer in: LThK 1. Auflage, BandIII, Sp. 433, Doxologie.
  7. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 9, Sp. 1306.
  8. Schott-Messbuch, S. 345+346.
  9. Schott-Messbuch, S. 344+345.
  10. Peter Hofrichter in: Marienlexikon, Band 2, Artikel Gloria, S. 665a.
  11. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 4, Sp. 751.
  12. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 4, Sp. 751+752.
  13. Podhradsky: Lexikon der Liturgie, Sp. 124.
  14. Podhradsky: Lexikon der Liturgie, Sp. 124.
  15. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 4, Sp. 751.
  16. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 4, Sp. 751; Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 125a.
  17. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 124b-125a.
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