Giovanni Botero

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Giovanni Botero (* um 1544 in Bene Vagienna, Piemont; † 27. Juni 1617 in Turin) war ein italienischer Staatstheoretiker, Ökonom und Diplomat.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Giovanni Botero trat mit 15 Jahren ins Jesuitenkolleg von Palermo ein. 1560 kam er in Rom im Rahmen seiner theologischen Studien mit dem Gedankengut der vom Jesuitenorden getragenen Gegenreformation in Berührung. 1565 ging B. als Philosophie- und Rhetoriklehrer nach Frankreich und lehrte an den Jesuitenkollegien von Billom (1565-66) und Paris (1567-69). Nach Italien zurückgekehrt, unterrichtete er ab 1570 in Mailand, Padua und Genua. Von 1576 bis 1584 war Botero Sekretär bei Kardinal Karl Borromäus, nach dessen Tod er in die Dienste seines Neffen Friedrich eintrat. Zwischenzeitlich war Botero 1581 wegen einer Predigt, in der er die weltliche Macht des Papstes in Frage gestellt hatte, aus dem Jesuitenorden ausgeschieden. 1585 wirkt Botero als Gesandter Karl Emanuels I. von Savoyen in Paris.

Ende der 1580er Jahre beginnt eine intensive Schaffensperiode, in der seine drei wichtigsten Werke entstehen. 1599 beendete Botero die Zusammenarbeit mit Friedrich Borromäus, der 1595 Erzbischof von Mailand geworden war, und wurde Hauslehrer der drei Söhne Karl Emanuels, mit denen er von 1604 bis 1607 Spanien bereiste, wo seine staatstheoretischen Ideen von Philipp III. und IV. positiv aufgenommen wurden. Seinen Lebensabend verbrachte Botero wieder in seiner italienischen Heimat; am 27. Juni 1617 starb er in Turin.

= Werk

Botero gilt als einer der führenden Vertreter der italienischen Gegenreformation. Bekannt wurde er darüber hinaus insbesondere durch seine politischen und ökonomischen Schriften. Sein Hauptwerk ist die staatstheoretische Schrift Della ragione di stato (1589), die gegen Niccolò Machiavellis Il Principe (1513) gerichtet ist. Dessen Ansichten über die politische Moral der Staatsräson setzt Botero ein Staatskonzept entgegen, das auf christlichen Prinzipien ruht. Sein Ansatz kulminiert in der Forderung nach einer intensiveren Beziehung des Fürsten zu seinen Untertaten, um den Bürgern mehr politische und wirtschaftliche Rechte zu gewähren. Diese progressiven Thesen, mit denen er nachweislich auf Lipsius wirkte und den Liberalismus des 17. und 18. Jh. (Locke, Smith, Ricardo) in seinen Grundaussagen schon vorwegnahm, ergänzte er mit der ökonomischen Analyse Cause della grandezza e magnificenza della città, die ebenfalls 1589 erschien. Darin stellt Botero als erster Ökonom statistische Untersuchungen über die Zunahme der Bevölkerung an und wird damit zum Vorläufer Malthus'.

Botero vertrat die Auffassung, dass der Reichtum eines Staates nicht auf dem Besitz von Edelmetallen, sondern auf der von Landwirtschaft und Gewerbe geleisteten Arbeit beruhe. Damit wird Botero zum Pionier der modernen wirtschaftspolitischen Analyse und der umfassenden Bewertung der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Zusammen formulieren die Werke eine moderne (wirtschafts-)politische Theorie, die gegen Absolutismus und Merkantillismus gerichtet ist. In seiner Kosmographie Relationi universali (1591) behandelte er in umfangreichen demographischen Studien den Einfluß des Klimas auf die Wesensart der Völker Asiens, Afrikas und Amerikas, ein Thema, das im 18. Jh. von großen Aufklärungsphilosophen wie Kant und Montesquieu aufgegriffen wurde.

Werke in der Übersicht

  • De regia sapientia (1583)
  • Della ragione di stato (1589)
  • Cause della grandezza e magnificenza della città (1589)
  • Relazioni universali (1591)

Literatur

  • F. Chabod, Giovanni de Botero. Rom 1934
  • L. Firpo, Giovanni Botero, in: Dizionario biografico degli Italiani. Bd. 13, Rom (1971), 352-362
  • L. de Luca, Stato e Chiesa nel pensiero politico die Giovanni Botero. Rom 1946
  • A. Magnaghi, Le relazioni universali di Giovanni Botero e le origini della statistica dell'antropogeografia. Turin 1906
  • F. Meinecke, Werke. Bd. 1: Die Idee der Staatsräson in der neueren Geschichte. Hrsg. von W. Hofer. München 1963

Weblinks

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