Gioacchino Ventura di Raulica

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Gioacchino Ventura di Raulico (CR) (* 8. Dezember 1792 in Palermo, Italien; † 2. August 1861 in Versailles, Frankreich) war gefeierter Kanzelredner, politischer und philosophischer Schriftsteller, Publizist und tätiger Politiker der Nationalbewegung des Risorgimento.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Prediger

Gioacchino Ventura di Raulico stammte aus sizilianischem Adel. Er trat 1808 in den Jesuitenorden ein. Als König Murat die Häuser der Jesuiten schloss, trat er 1817 zum Theatinerorden (CR) über und war 1830 dessen General, verzichtete jedoch 1833, um sich ganz der Predigt und Schriftstellerei zu widmen. Schon in Neapel zog er durch seine Leichenrede auf Pius VII. die Aufmerksamkeit auf sich. Im Jahrzehnt vor 1848 feierte er in Rom mit seinen Advents- und Fastenpredigten in St. Peter und S. Andrea della Valle größte Triumphe. Das einfache Volk und die Gebildeten zog Ventura gleichmäßig in seinen Bann.

Nach seiner Entfernung aus Italien im Jahre 1849, setzte er die Predigt- und Vortragstätigkeit fort und wetteiferte trotz der Schwierigkeiten einer fremden Sprache in Frankreich mit Jean Baptiste Henri Lacordaire um die Palme der Beredsamkeit. 1857 übertrug ihm Napoleon III. die Fastenpredigten in den Tuilerien. Venturas Predigten zeichneten sich inhaltlich aus durch ursprüngliche, weit ausgreifende und (manchmal allzu) kühne Gedanken, durch lebendige Anschaulichkeit und Gegenwartsbezogenheit, auch durch eine staunenswerte Beherrschung der Heiligen Schrift und der Kirchenväter, die er frei, oft sehr frei benützte. Der Vortrag war wegen seiner Natürlichkeit und des Wechsels der Stimmungen, auch wegen der gewaltigen Stimme des Redners von hinreißender Macht. Den größten Teil seiner Predigten hat Ventura noch selber herausgegeben.

Politiker

Weniger Erfolg ward dem Politiker Ventura zuteil. In jüngeren Jahren von den Staatsideen Joseph-Marie Comte de Maistres und Louis-Gabriel-Ambroise de Bonalds stark erfasst, kam er dann unter den Einfluss des ihm persönlich nahestehen Hugues Félicité Robert de Lamennais. Zugleich wirkte auf ihn das damals Italien überwältigende Verlangen nach nationaler Einigung. So trat er mit den Neoguelfen für der Plan eines italienischen Staatenbundes unter päpstlicher Führung ein, wünschte aber auch demokratische Reformen in der inneren Verwaltung, ohne auf einen weitgehenden Einfluss der Kirche im öffentlichen Leben verzichten zu wollen. Nach der Wahl seines früheren Studiengenossen Pius IX. zum 1846 Papst, gewann er persönlichen Einfluss bei dessen Reformen und vermochte nun seine politischen Wünsche mit größerer Freiheit zu äußern. In der berühmten Trauerrede auf Daniel O'Connell 1847 feierte er die Demokratie als kommende Verbündete der Kirche. In der Demokratie sah er die Verwirklichung des Naturrechts. Nach dem Ausbruch der Revolution entfaltete er eine eifrige Werbetätigkeit in Reden, Zeitungsartikeln und Schriften; dabei glitt er langsam tiefer in die radikal-demokratische Denkweise. Nach der Flucht des Papstes Pius' XI. aus Rom nach Gaeta im November 1848, hielt er bei einem Trauergottesdienst eine aufreizende Gedenkrede auf die in Wien für die Sache der Freiheit Gefallenen, die er unter dem Titel "La religion et la démocratie" (Paris 1849) im Druck herausbrachte. Er erklärte sich für eine völlige Trennung der geistlichen und der weltlichen Gewalt des Papstes und übernahm selbst noch nach der Ausrufung der Römischen Republik Gesandtendienste für die Rebellen. Nach Wiederherstellung der alten Autoritäten musste er ins Exil gehen. Als seine Rede über die Gefallenen der Märzrevolution ("La religion et la démocratie") auf den Index gesetzt wurde, unterwarf er sich in einer öffentlichen Erklärung völlig. Pius IX., der ihm persönlich gewogen blieb, und Kardinal Giacomo Antonelli hörten nicht auf seien Ratschläge und Warnungen. Nach zwejiährigen Aufenthalt in Montpellier ging er 1851 nach Paris und trat an der Seite von Louis Veuillot ganz für das Kaisertum Napoleons ein. In den Fastenpredigten am Hofe zu Versailles 1857 behandelte er seine Auffassung vom Staat. Angriffe (gegen liberale Katholiken) die er dabei auf das Lesen der antiken heidnischen Klassiker in den Schulen machte, verwickelten ihn in die Kontroverse zwischen Félix Antoine Philibert Dupanloup und Jean-Joseph Gaume. Die Predigten wurden unter dem Titel "Le pouvoir politique chrétien" (Paris 1858; deutsch v. P. H. Külb, Mainz 1858) herausgegeben.

Wissenschaftlich

Wissenschaftlich beschäftigt, sich Ventura mit dem kirchlichen Recht, dessen Lehrer er eine Zeit lang an der Sapienza gewesen war, und vor allem mit der Philosophie (De methodo philosophandi, Rom 1828; La tradizione, Mailand 1857 La philosophie chrétienne, 3 Bde, Paris 1861). Er vertrat einen philosphisch gemäßigten Traditionalismus im Sinn, von Louis-Gabriel-Ambroise de Bonalds und Augustin Bonnetty; auf Angriffe antwortet, er in hitziger Polemik. Zeitlebens ein frommer Ordensmann, wenn auch eigenen Gepräges, starb er in vollem Frieden mit der Kirche.[1]

Werke

Sämmtliche Kanzelvorträge und Erbauungsschriften, Georg Joseph Manz Verlag Regensburg, Nach dem italienischen, in Rom approbirten Originale zum erstenmal vollständig in's Deutsche übersetzt von einem Priester der Erzdiözese München-Freysing, (gebunden; 21,5 x 14 cm; in Frakturschrift).

  • Band 1-3 : Die Schule der Wunder Oder: Homilien über die wichtigsten Werke der Macht und der Gnade Jesu Christi, des Sohnes Gottes und Erlösers der Welt. Vorgetragen in der hochheiligen Basilica des Vaticans:
  • Band 4-6: Die Schönheiten des Glaubens. Oder: Das Glück, an Jesum Christum zu glauben und der wahren Kirche anzugehören. Eine Erklärung des Geheimnisses der Epiphanie des Herren:.
  • Band 7 + 8: Der verborgene Schatz, oder: Homilien über die Geheimnisse, die Glaubenslehren und Beispiele, welche in der evangelischen Geschichte des Leidens Unsers Herrn Jesu Christi enthalten sind:
  • Band 9 : Trauerreden, 1861 (291 S.)
  • Band 10 : Die Wonnen der Frömmigkeit oder von der Verehrung der seligsten Jungfrau : nebst einigen geistlichen Vorträgen über ihre Vermählung, ihre Verkündigung, über den heiligen Joseph und über das Wunder bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa und einer kurzen Nachricht über das blaue Skapulier und den kleinen Rosenkranz zu Ehren der unbefleckten Empfängniss 1861 (268 S.)
  • Die Parabeln des Evangeliums: Predigten gehalten im St. Peterdome zu Rom:
  • (?) Die Mutter Gottes, Mutter der Menschen. Oder Erklärung des Geheimnisses: die seligste Jungfrau am Fusse des Kreuzes, 1852 (404 Seiten).

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Joseph Grisar in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band X, Artikel: Ventura di Raulica, Gioacchino, Sp. 534; sehr wenig ergänzt durch: Rudolf Lill in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 10, Artikel: Ventura di Raulica, Gioacchino, Sp. 667-668 und Rudolf Lill in: Lexikon für Theologie und Kirche 3. Auflage, Band 10, Artikel: Ventura di Raulica, Gioacchino, Sp. 594-495.
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