Gemeinsame Erklärung vom 29. Mai 1982 in Canterbury

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Gemeinsame Erklärung von Papst Johannes Paul II. und dem Primas der Anglikanischen Gemeinschaft, Erzbischof von Canterbury Robert Runcie
29. Mai 1982 in der Kathedrale von Canterbury

(Quelle: Harding Meyer, Damaskinos Papandreou, Hans Jörg Urban, Lukas Vischer (Hrsg.): Dokumente wachsender Übereinstimmung. Sämtliche Berichte und Konsenstexte interkonfessioneller Gespräche auf Weltebene. Band 1. 1931–1982,, Bonifatius Verlag Paderborn und Verlag Otto Lembeck Frankfurt am Main 1983, Seiten 194-196, ISBN 3-87088-674-9)

1. In der Christus geweihten Kathedralkirche zu Canterbury trafen am Vorabend des Pfingstfestes der Papst und der Erzbischof von Canterbury zusammen, um Gott für den Fortschritt zu danken, der in dem Versöhnungswerk zwischen unseren Gemeinschaften erreicht worden ist. Gemeinsam mit den Leitern anderer christlicher Kirchen und Gemeinschaften haben wir Gottes Wort gehört; gemeinsam haben wir an unsere eine Taufe erinnert und unser Taufgelübde erneuert; gemeinsam haben wir das Zeugnis derer anerkannt, die in der Vergangenheit wie in neuerer Zeit aus dem Glauben heraus selbst das kostbare Geschenk des Lebens im Dienst für andere hingegeben haben.

2. Das Band unserer gemeinsamen Taufe in Christus bewog unsere Vorgänger dazu, einen ernsthaften Dialog zwischen unseren Kirchen einzuleiten, einen Dialog, der auf das Evangelium und die alten gemeinsamen Überlieferungen gegründet ist, einen Dialog, der die Einheit zum Ziel hat, um welche Christus zu seinem Vater betete, "damit die Welt erkennt, daß du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich" (Joh 17,23 EU). Im Jahre 1966 gaben unsere Vorgänger, Papst Paul VI. und Erzbischof Michael Ramsey, in einer Gemeinsamen Erklärung ihre Absicht bekannt, einen ernsthaften Dialog zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und der Anglikanischen Kirchengemeinschaft aufzunehmen, der "nicht nur theologische Themen wie Schrift, Tradition und Liturgie einbeziehen, sondern auch praktische Schwierigkeiten, die auf der einen oder anderen Seite empfunden werden" (Gemeinsame Erklärung, Abs. 6). Nachdem dieser Dialog bereits drei Erklärungen (Statements) über die Eucharistie, über Amt und Ordination und über die Autorität in der Kirche erbracht hatte, nahmen Papst Paul VI. und Erzbischof Donald Coggan in ihrer Gemeinsamen Erklärung von 1977 die Gelegenheit wahr, zur Vervollständigung des Dialogs über diese drei wichtigen Fragen zu ermutigen, damit die Kommissionsergebnisse von den jeweiligen Autoritäten entsprechend den jeder Gemeinschaft eigenen Verfahrensweisen bewertet werden könnten. Die Anglikanische/Römisch-Katholische Internationale Kommission hat jetzt die ihr übertragene Aufgabe mit der Veröffentlichung ihres Abschlußberichtes beendet, und während unsere beiden Gemeinschaften die notwendige Bewertung vornehmen, danken wir gemeinsam den Mitgliedern der Kommission für ihre Aufopferung, ihre Gelehrsamkeit und ihre Integrität bei einer langwierigen Aufgabe, die große Anforderungen stellt und die sie aus Liebe zu Christus und um der Einheit seiner Kirche willen auf sich genommen haben.

3. Der Abschluss dieser Kommissionsarbeit gebietet uns, den nächsten Abschnitt unseres gemeinsamen Pilgerweges ins Auge zu fassen, auf dem wir in Glaube und Hoffnung unterwegs sind hin zu der Einheit, nach der wir uns sehnen. Wir sind uns einig, dass es nun an der Zeit ist, eine neue internationale Kommission zu bestellen. Ihre Aufgabe wird es sein, die bereits begonnene Arbeit weiterzuführen: insbesondere im Licht unserer jeweiligen Stellungnahmen zum Schlussbericht die unerledigten Lehrdifferenzen, die uns noch trennen, zu prüfen und einer Lösung zuzuführen; alles zu untersuchen, was der gegenseitigen Anerkennung der geistlichen Ämter unserer Gemeinschaften im Wege steht, und die praktischen Schritte zu empfehlen, die notwendig werden, wenn wir auf der Grundlage unserer Einheit im Glauben in der Lage sind, an die Wiederherstellung der vollen Einheit zu gehen. Wir sind uns dessen wohl bewusst, dass die Aufgabe dieser neuen Kommission nicht leicht sein wird, aber wir fühlen uns ermutigt durch unser Vertrauen auf die Gnade Gottes und durch alles, was wir von der Macht dieser Gnade in der ökumenischen Bewegung unserer Zeit wahrgenommen haben.

4. Während diese unerlässliche Arbeit der theologischen KlarsteIlung weitergeht, muß sie von dem eifrigen Wirken und dem inständigen Gebet der römischen Katholiken und der Anglikaner in der ganzen Welt begleitet werden, indem sie in gegenseitigem Verständnis, brüderlicher Liebe und gemeinsamem Zeugnis für das Evangelium zu wachsen suchen. Noch einmal wenden wir uns deshalb an die Bischöfe, den Klerus und das gläubige Volk unserer beiden Gemeinschaften in allen Ländern, Diözesen und Pfarreien, wo unsere Gläubigen Seite an Seite leben. Wir fordern sie alle dringend auf, für dieses Werk zu beten und jedes nur mögliche Mittel zu ergreifen, um es durch ihre Zusammenarbeit zur Vertiefung ihrer Treue zu Christus und zum Zeugnis für ihn vor der Welt zu fördern. Nur durch solche Zusammenarbeit und solches Gebet können die Erinnerung an die vergangene Feindschaft geheilt und unsere vergangenen Konfliktpunkte überwunden werden.

5. Unser Ziel beschränkt sich nicht auf die Einheit unserer beiden Gemeinschaften unter Ausschluss anderer Christen, sondern richtet sich vielmehr auf die Erfüllung des Willens Gottes für die sichtbare Einheit seines ganzen Volkes. Sowohl in unserem gegenwärtigen Dialog wie auch in den Gesprächen, die von anderen Christen untereinander und mit uns geführt werden, erkennen wir in den Übereinstimmungen, die wir erzielen können, wie in den Schwierigkeiten, auf die wir stoßen, eine erneute Herausforderung, uns völlig der Wahrheit des Evangeliums zu überlassen. Wir sind daher glücklich, diese Erklärung heute in der willkommenen Gegenwart so vieler christlicher Brüder abzugeben, deren Kirchen und Gemeinschaften bereits mit uns für die Einheit aller beten und wirken.

6. Mit ihnen wollen wir der Sache des Friedens, der menschlichen Freiheit und menschlichen Würde dienen, damit Gott in der Tat in allen seinen Geschöpfen verherrlicht werde. Mit ihnen grüßen wir im Namen Gottes alle Menschen guten Willens, ob sie an ihn glauben oder ob sie noch auf der Suche nach ihm sind.

7. Dieser heilige Ort erinnert uns an die Vision Papst Gregors, der den hl. Augustinus als Apostel nach England sandte, voll Eifer für die Verkündigung des Evangeliums und die Leitung der Herde. Am Vorabend dieses Pfingstfestes wenden wir uns wieder im Gebet an Jesus, den Guten Hirten, der versprochen hat, den Vater zu bitten, daß er uns einen anderen Beistand geben möge, der für immer bei uns bleiben soll, den Geist der Wahrheit (vgl. Joh 14,16), der uns zu der vollen Einheit führen soll, zu der er uns beruft. Im Vertrauen auf die Macht dieses Heiligen Geistes verpflichten wir uns von neuem zu der Aufgabe, mit festem Glauben erneuerter Hoffnung und immer tieferer Liebe für die Einheit zu wirken.

29. Mai 1982

Erzbischof Robert Cantuar

Papst Johannes Paul II.

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