Güntherianismus

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Güntherianismus ist ein um 1850 bei Gegnern Anton Günthers entstandener Terminus zur polemischen Bezeichnung': 1. unkirchlicher Sätze oder Irrlehren,
2. von deren Verbreitung bei Anhängern und Freunden (Schule)

Güntherianismus, die den Hermesianismus (Georg Hermes) neu beleben wollten, so Kardinal Johannes von Geissel an den Wiener Nuntius Michele Viale Prelà, 15.12.1851). Bei Neuscholastikern (Joseph Kleutgen; Franz Jakob Clemens) ist der Güntherianismus ein "Semi-Rationalismus"; zu dessen Erweis entstanden unterschiedliche Listen von Thesen und Sätzen, die im Kern dem Breve (1857) gegen Gümther ähneln.

Ab 1880 beschrieben altkathatholische Autoren (F. P. IKnoodt; Th. Weber) den Güntherianismus 3. als legitimen Versuch einer Selbstverständigung des Katholizismus als Antwort auf die Herausforderungen des Deutschen Idealismus mit breiter Rezeption auf katholischer Seite (Franz Anton Staudenmaier. Johann Joseph von Görres, Christoph Bernhard Schlüter) und kritische Distanz bei den Rechtshegelianern (Immanuel Hermann Fichte; Johann Eduard Erdmann; Karl Rosenkranz; Philipp Konrad Marheineke). An den Güntherianismus in diesem Sinn knüpften im 20. Jahrhundert Historiker (Ernst Karl Winter), Philosophen (Alois Dempf) und Theologen (Joseph Pritz) an.

Die Rezeption des Güntherianismus zeigt das Interesse der Theologen, den zeitgenössischen Bruch zwischen Wissen und Glauben zu überwinden und das Selbstbewußtsein zum Ausgangspunkt christlichen Philosophierens zu machen. Die dualistische Philosophie Günthers, die bedeutendste philosophisch-theologische Reflexion auf katholischer Seite in Deutschland im 19.Jahhrhundert, entdeckt im Selbstbewußtsein das Ich (Geist) und das Nicht-Ich (Natur) als Faktoren des relativen Seins sowie das unbedingte Ich (Gott). Mit dem Dualismus, der an der Verschiedenheit von Gott und Welt festhält, will der Güntherianismus, die monistische AllEins-Entwürfe besonders des Deutschen Idealismus bekämpfen. Der anthropologische Dualismus (Natur - Geist) des Güntherianismus verkannte freilich den Nutzen der rivalisierenden scholastischen Materie-Form-Lehre (Hylemorphismus) für die Theologie um 1850; der gesellschaftliche Dualismus (Staat - Kirche) des Güntherianismus unterschätzte das Repressionspotential des politisch-religiösen Neoabsolutismus (Osterreich. Konkordat 1855): beides trug zur Verdrängung des Güntherianismus durch Ultramontanismus und Neuscholastik bei.

siehe auch: Bernard Bolzano.

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