Günter Stiff

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Günter Stiff (* 23. Mai 1916 in Köln, † 10. September 2002 in Münster/Westfalen) war ein katholischer Jugendschriftsteller, Begründer und langjähriger Leiter des Komm-Mit-Verlags sowie des Christoferuswerkes e. V. Er war als Autor und Herausgeber allgemeinverständlicher christlicher Schriften und Materialsammlungen für die christliche Jugendarbeit tätig.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Günter Stiff war Sohn des ehemaligen Landrats von Münster in Westfalen, Dr. Max Stiff, der im Zuge der Gleichschaltung in den 1930er-Jahren seines Amtes enthoben wurde.[1] Aufgewachsen ist Stiff in Köln, Hildesheim und Münster.[2] In seiner Jugend war Günter Stiff in der Jugendbewegung und im damaligen „Schülerbund Neudeutschland“ aktiv, der ihn grundlegend prägte (P. Grauvogel). Der Jugendbewegung blieb er zeit seines Lebens verbunden. Als Soldat war er in Frankreich, Finnland und Norwegen.

Nach dem Krieg studierte er nicht Jura, wie es sein Vater wünschte, sondern Volkswirtschaftslehre. Er heiratete und hatte mit seiner Frau Carola drei Kinder. Sein Sohn Manuel wurde später Jurist und ist heute als Anwalt tätig.

Günter Stiff gründete 1947 den Deutschen Jugend Verlag, den er später in Komm-Mit-Verlag umbenannte. Schwerpunkt war zunächst die Herausgabe praktisch angelegter Materialsammlungen für die Jugendarbeit. Das erfolgreichste Werk dürfte dabei das Buch "1000 Jugendspiele" sein, das bis heute angeboten wird und mit einer Gesamtauflage von über 350.000 Stück immer noch das erfolgreichste Spielehandbuch ist.[3] Zeitweise betrieb Stiff in der Münsteraner Innenstadt die „Jugendbuchhandlung Universum“, der auch ein Versand für Lager- und Fahrtenartikel angegliedert war.

Seit 1948 gab er regelmäßig den Ministranten- und Jugendkalender „Komm-Mit“ heraus, der als „Jahrbuch für die Jugend“ konzipiert war und sich in der Folgezeit verstärkt mit politischen und religiösen Themen beschäftigte. Daneben wurden im Kalender immer auch lebenspraktische Themen angesprochen, wie Knigge-Regeln. Stiff wollte die Leser aktivieren, sie sollten selbst etwas tun („1000-PS-Aktion“), Jugendgruppen gründen oder ähnliches. Auch enthielt der Kalender immer Fahrten- und Lagerberichte, Beiträge zur Gruppenarbeit und zum Waldläufertum. Später wurde das Jahrbuch durch den Foto-Wand-Kalender ergänzt. Als letztes kam die monatlich erscheinende Komm-Mit-Zeitschrift hinzu, die ausdrücklich „eine Zeitschrift für aktive Christen“ sein sollte – so der Untertitel.

Im Jahre 1971 gründete er das Christoferuswerk (CHR)[4], mit dem er versuchte, das Konzept der amerikanischen Christoferusbewegung[5] auch in Deutschland bekannt zu machen. Schwerpunkt war die Verbreitung von Jugendschriften, also ein Schriftenapostolat, bei dem Jugendliche mit einbezogen werden sollten. Hierzu wurde angeboten, in Münster ein „Jahr für Christus“ analog zum Freiwilligen Sozialen Jahr zu machen.

Über das Christoferuswerk verbreitete er ein Marienbild, eine Muttergottes mit Kind, sowohl als Postkarte als auch als großformatiges Poster.[6] Das Originalgemälde stammte von Hans Homoet, einem Studienrat und Künstler aus Münster, von dem Stiff das Bild erhielt. Für sein Jugendapostolat wollte Stiff einen würdigen Rahmen finden, um das Marienbild aufzustellen, weil es als jugendgemäßes, aber dennoch ansprechendes Aquarell ideal für die Jugend geeignet hielt. Diese Vision konnte er nicht realisieren.

Sowohl in den längeren Informationsartikeln im Taschenkalender als auch in der Zeitschrift stellten Günter Stiff und Felizitas Küble die katholische Glaubenslehre allgemeinverständlich dar und griffen auch regelmäßig aktuelle und brisante politische Themen auf. Stiff wollte mit seinem Jugendschriftenapostolat keine Frömmelei fördern, sondern die Katholiken dazu bewegen, sich auch in der Gesellschaft für ihren Glauben einzusetzen. Dabei vertrat Stiff selbst einen konservativen katholischen Standpunkt, in politischer Hinsicht eine nationalkonservative Haltung.

Zur eigenen Meinungsbildung wurde im Kalender eine Liste von mehreren hundert Organisationen, Informationen von konservativen Gruppierungen und Verbänden aus Bereich von Glaube, Politik und Kultur publiziert. Nach dem Prinzip sehen-urteilen-handeln sollte sich der Leser von diesen Gruppierungen Informationsmaterial anfordern und sich eine eigene Meinung bilden. Darunter befanden sich auch politisch konservative Gruppen, wie etwa Vertriebenenverbände oder Kleinparteien wie zeitweise die Zentrumspartei oder die Christliche Liga. Ein weiteres Anliegen von Stiff war es, eine "gesunde Vaterlandsliebe" zu vermitteln. Im Kalender wurden dazu Aussagen von bekannten Persönlichkeiten zitiert, von Thomas von Aquin, Kardinal Höffner bis Roman Herzog.

Im Jahre 1994 stellte der Reporter Thomas Leif in einer Reportage für die Sendung "Report aus Mainz" Günter Stiff als Rechtsextremisten und verkappten Neonazi dar. Aufgrund des Presseechos kam es zu Abbestellungen des damals bereits traditionsreichen Komm-Mit-Kalenders. Eine Ermittlung der Staatsanwaltschaft wurde wegen offensichtlich mangelndem Tatverdacht eingestellt. Im Zuge dieser Kampagne solidarisierten sich viel Prominente mit Stiff. So bestellt etwa der damalige Bischof von Fulda, Erzbischof Johannes Dyba, einige hundert Kalendern für die Jugendarbeit in seinem Bistum und nahm öffentlich Stellung zugunsten des Jugendschriftenapostolats von Stiff. Der Verlag erlitt hohe Verluste.

Der Komm-Mit-Kalender kam weiterhin jedes Jahr heraus; im Jahr 2001 erschien bisher der letzte Komm-Mit-Kalender. Die Komm-Mit-Zeitschrift erschien noch einige Jahre monatlich, dann nur noch mehrmals jährlich, dann quartalsweise. Im Jahr 2002 erschien das letzte Heft. Der Foto-Wand-Kalender erschien 2005 zum letzen Mal.

Am 10. September 2002 starb Günter Stiff im Alter von 86 Jahren. Nach seinem Tod übernahm Felizitas Küble die Leitung sowohl des Christoferuswerks als auch des Komm-Mit-Verlags und versucht seither, das Lebenswerk von Stiff weiterzuführen.

Ehrungen

  • 1998 erhielt Stiff den Lebensrechtspreis der Vetter-Stiftung wegen seines Einsatzes „gegen Abtreibung und Wertezerfall“.

Verlagsadresse

Komm-Mit-Verlag
Christoferuswerk e. V.

Schlesienstraße 32
48167 Münster in Westfalen

Fax: 0251-614020

Veröffentlichungen

Quellen

Weblinks

Anmerkungen

  1. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Landkreis_M%C3%BCnster
  2. Vgl. die Angaben auf dem Sterbebild.
  3. Vgl. http://www.catholicism-wow.de/bestesspiel.htm
  4. Vgl. http://www.medrum.de/?q=content/christoferuswerk-kaempft-fuer-das-lebensrecht-der-ungeborenen.
  5. Vgl. James Keller: Du kannst die Welt verwandeln, Sebaldus-Verlag, Nürnberg 1952.
  6. Vgl. unter http://www.catholicism-wow.de/material.htm als "Marienposter" bezeichnet.
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