Fronleichnam

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Fronleichnam ist die im Deutschen übliche Bezeichnung für das Hochfest des Leibes und Blutes Christi (Sollemnitas Sanctissimi Córporis Christi), mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Es wird am Donnerstag der 2. Woche nach Pfingsten begangen.

Die Bezeichnung ist abgeleitet von dem mittelhochdeutschen vrône lîcham "des Herren Leib".

Inhaltsverzeichnis

Theologischer Hintergrund

Beginn einer Fronleichnamsprozession
Fronleichanmsprozession Rottweil-Altstadt 2007
Fronleichnamsaltar mit Blumenteppich
Fronleichanmsprozession zu Wasser

Der Donnerstag als Festtermin für Fronleichnam steht in enger Verbindung zur Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst beim letzten Abendmahl, dem Festgeheimnis des Gründonnerstags. Wegen des stillen Charakters der Karwoche erlaubt der Gründonnerstag keine prunkvolle Entfaltung der Festlichkeit. Aus diesem Grund wurde das Fest Fronleichnam bei seiner Einführung auf den ersten Donnerstag nach der Oktav des Pfingstfestes gelegt.

Die Menschwerdung des Gottessohnes findet in der eucharistischen Gegenwart ihre Fortsetzung: Beim Abendmahl mit seinen Jüngern teilte Jesus Brot aus und einen Kelch mit Wein und stiftete mit dem Auftrag „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1 Kor 11,24.25 EU) das gemeinsame Mahl als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart. Das Christentum erfüllt diesen Auftrag in jeder heiligen Messe.

Die Verehrung der Eucharistie hat primär ihren Sitz in der Feier der heiligen Messe mit dem Kommunionempfang. Außerhalb der Messfeier ist eine Eucharistieverehrung erst seit dem 13. Jahrhundert bezeugt, abgesehen von der Wegzehrung für Sterbende, die auch schon vorher außerhalb der heiligen Messe stattfinden konnte. Im Hochmittelalter vertiefte sich das theologische Verständnis von der Realpräsenz Jesu Christi in den Gestalten des Brotes und Weines, Theologen formulierten die Lehre der Transsubstantiation. Gleichzeitig führte das hochmittelalterliche Schauverlangen zu neuen Frömmigkeitsformen, die als wichtiger angesehen wurden als der Empfang der Kommunion. Erstmals um 1200 wird die Elevation der eucharistischen Gaben während der heiligen Messe erwähnt. Die Aussetzung des Allerheiligsten und seine Verehrung in Ziborium oder Monstranz ist als Verlängerung der Elevation der Messe und Epiphanie des Erlösers zu verstehen.[1]

Geschichte des Fronleichnamsfestes

Im Augustinerkloster der Bischofsstadt Lüttich, einem Zentrum der eucharistischen Lehre und Verehrung, erhielt die Ordensfrau Juliana († 5. April 1258) seit dem Jahre 1209 Visionen, die ihr nach langem Gebet als Wunsch des Himmels nach einer liturgischen Feier zur Einsetzung der Eucharistie gedeutet wurden.

Juliana erzählte schließlich ihre Vision ihrem Beichtvater Jakob Pantaleon, dem späteren Papst Urban IV. Im Jahre 1247 ordnete der Bischof von Lüttich ein Eucharistiefest für seine Diözese an; Urban IV. schrieb es 1264, bestärkt durch das Hostienwunder von Bolsena, für die Gesamtkirche vor.

Zuvor hatte Papst Urban IV. Thomas von Aquin mit der Abfassung der liturgischen Texte des Fronleichnamsoffiziums betraut. Thomas schrieb die Sequenz. Lauda Sion Salvatorem, die Hymnen: Adoro Te devote, Pange lingua und Verbum supernum prodiens. Erst seit dem 14. Jahrhundert wird dieses Fest allgemein begangen.

Die bischöfliche Urkunde von der Einführung des Festes in Lüttich ist die älteste Urkunde über das Fronleichnamsfest. Es gibt als Begründung die Widerlegung der Ketzer an und dass durch diese Feier wieder gutgemacht werden soll, was täglich an Verehrung versäumt und durch Nachlässigkeit gesündigt wird. Die Einführungsbulle Transiturus de hoc mundo Papst Urbans IV. bekundet seine innige Liebe zum Sakrament. In der Einführungsbulle läßt sich aber deutlich erkennen, dass Urban als Einführungsgrund den siegreichen Triumph über die Ketzerei favorisiert, weshalb das Fest in erster Linie ein Fest der Freude und des Jubels sein solle. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine kleine Auffälligkeit: Urban IV. hatte in der Einführungsbulle Wert darauf gelegt, dass die Gläubigen nicht nur an diesem Tage sondern auch am Sonntag, der ihm vorangeht, die Eucharistie empfangen sollten, was insofern überrascht, da es das einzige Mal ist, dass ein Papst des Mittelalters öffentlich zu einer eucharistischen Kommunion außerhalb der Osterzeit aufgefordert hat.

Klemens V. und das Konzil von Vienne haben die Bulle 1311 / 1312 wiederholt und ihre Ausführung streng befohlen. So wurde das Dekret auch in die Gesetzessammlung aufgenommen, die Klemens veranlasst und Johannes XXII. im Jahre 1317 offiziell veröffentlicht hat.

Die ursprüngliche Festbezeichnung lautete Festum sanctissimi corporis Domini nostri Jesu Christi. Diese Bezeichnung wurde auch in das Meßbuch von 1570 übernommen, wo es mit dem Titel In festo corporis Christi versehen war. Dies blieb in den modernen Sprachen bestehen, wie die Bezeichnung Corpus Domini bzw. Christi als Festbezeichnung in Italien und England zeigte. Auch bildete der Begriff sich volkssprachlich um, so im deutschen Fronleichnam als Herrenleib, während das Fest im Französischen einfach Fête-Dieu oder im Niederländischen Sacramentsdag heißt. Die erwähnte Bezeichnung des Messbuches von 1570 zeugt von der eingeschränkten Eucharistiefrömmigkeit, die ganz auf die anschaubare Brotsgestalt konzentriert ist, während der eucharistische Wein, wie eben bei der Entwicklung zur alleinigen Brotkommunion gänzlich vernachlässigt wurde. Die eine Eucharistie unter beiderlei Gestalt nennt die Bezeichnung des Fronleichnamsfestes im Meßbuch von 1970: Sanctissimi Corporis et sanguinis Christi sollemnitas.

Fronleichnamsprozession

Die Prozession schließt sich in der Regel an die heilige Messe an. Die Gläubigen begleiten die vom Priester oder Diakon getragene Monstranz mit dem Allerheiligsten (einer konsekrierten Hostie) in einem Festzug unter Gebet und Gesang durch die Straßen. Die Monstranz wird dabei von einem „Himmel“ genannten Stoffbaldachin beschirmt. Die „theophore“ Prozession wird regional auch „Gottestracht“ (von mhd. trahte, Substantiv zu „tragen“)[2] genannt.

Anfänglich wurde das Fronleichnamsfest ohne Prozession gefeiert, Die erste sichere Bezeugung der Festprozession stammt aus der St.-Gereons-Kirche in Köln, wo das Kapitel sie zwischen 1264 und 1279 zugleich mit dem Feste annahm. Dabei wurde der Leib Christi an der Spitze des Zuges in einer Pyxis mitgetragen. Andere Zeugnisse aus Deutschland sind aus der Zeit vor 1317 nur aus Aschaffenburg (1307) und Hildesheim erhalten.

Aber es war die Sehnsucht des Volkes, die unverhüllte Hostie zu sehen. Diesem Druck des Volkes wurde bald nachgegeben. Die Monstranz, die seit dem Hochmittelalter der Verehrung von Reliquien diente, fand seit dem 14. Jahrhundert allmählich Verbreitung als Schaugefäß für die Euchariustie bei der Prozession.

Diese ursprüngliche Form, der ununterbrochene Umgang mit sakramentalem Segen zum Schluß, verband sich im 15. Jahrhundert besonders im deutschsprachigen Gebiet mit den Prozessionstypen der Flurumgänge, wo man an vier Stationsaltären Halt machte, die Initien der vier Evangelien sang, Fürbitten sprach und den sakramentalen Segen in alle 4 Himmelsrichtungen spendete, gefolgt von einem fünften Segen zum Abschluß. Für das Hochstift Paderborn sind mancherorts 5 Stationsaltäre belegt, wobei bei der 5. Station ein Segen gegen die Hessen (Hessen war protestantisch) gespendet wurde. Offizielle Aufnahme fand die Fronleichnamsprozession erst im Caeremoniale Episcoporum von 1600 und im Rituale Romanum von 1614.

Die Haupttage für die Prozessionen waren neben dem eigentlichem Festtag der Freitag, der Sonntag und der Oktavtag. Diese Prozessionen an einem der Oktavtage waren hauptsächlich in den nordischen Ländern, vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz üblich. Sie kamen gegen 1350 auf und fanden bis ins 15. Jh. weite Verbreitung. In den romanischen Ländern war fast nur die Prozession am Fest selbst bekannt.

Die Fronleichnamsprozession gehört nicht zur Liturgie der Kirche, sondern zu den Pia exercitia ("fromme Übungen"), die von den Bischöfen geregelt werden.[3] Die heutige Sinngebung der Prozession geht in der Regel vom Bild des wandernden Gottesvolks aus[4], dessen Mitte Christus, „das Brot des Lebens“, ist. Die Verbindung von Prozession und heiliger Messe wird stärker betont.

Volksfrömmigkeit rund um die Feier von Fronleichnam

Im Brixental (Tirol) gibt es am Fronleichnamstag den Brauch des Antlaßrittes. An die hundert Reiter aus den Gemeinden Kirchberg, Brixen und Westendorf reiten mit geschmückten Pferden von Brixen im Thale bis zur Kapelle von Klausen bei Kirchberg. Dort wird nach einer kurzen Andacht und Zwischenmahlzeit umgekehrt. Obwohl die Prozession viele Schaulustige anlockt, hat sie auch heute noch einen primär religiösen Sinn: Der Priester reitet mit dem Allerheiligsten mit, die Reiter beten teilweise laut den Rosenkranz.

Ablass

Ein vollkommener Ablass wird unter den gewöhnlichen Bedingungen demjenigen Gläubigen gewährt, der an einer feierlichen eucharistischen Prozession, von denen jener am Hochfest des Leibes und Blutes Christi die höchste Bedeutung zukommt, sei es innerhalb des Kirchengebäudes, sei es außerhalb, in frommer Gesinnung teilnimmt (vgl. Enchiridion indulgentiarum 1999).

Literatur

Anmerkungen

  1. Andreas Heinz: Art. Aussetzung in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 1, Sp. 1271f.
  2. Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 23. Auflage, Berlin 1999, ISBN 3-11-016392-6, 830
  3. Römische Ritenkongregation, 1959.
  4. „Die Kirche als pilgerndes Gottesvolk könnte ein gültiges Motiv der Gestaltung [sc. der Fronleichnamsprozession] sein.“ (Karl Suso Frank: Art. Fronleichnam in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd.4)
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