Frühe Synodalakten zum Zölibat der Kleriker

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Frühe Synodalakten zum Zölibat der Kleriker

(Quelle: Joseph de Guibert, Documenta ecclesiastica christianae perfectionis studium spectantia (Dokumente des Lehramtes zum geistlichen Leben), lateinisch-deutsch, übersetzt, aktualisiert und herausgegeben von Stephan Haering und Andreas Wollbold, Herder Verlag Freiburg-Basel-Wien 2012, Nr. 18-30)

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Nr. 18 Von Anfang an kannte die Kirche für ihre Kleriker eine gewisse Verpflichtung zur Enthaltsamkeit, sei es innerhalb der (vor der Weihe geschlossenen) Ehe (Enthaltsamkeitszölibat) oder sei es im Verzicht auf diese um des Himmelreiches willen (Ehelosigkeitszölibat). Erstmals in erhaltenen Synodalakten nachweisbar ist diese Disziplin in den Synoden und Papstschreiben des 4. und beginnenden 5. Jahrhunderts. Diese Schreiben lassen jedoch allesamt das Bewusstsein erkennen, damit eine apostolische Tradition zu verteidigen und nicht eine Neuerung oder Verschärfung der Disziplin einzuführen. An dieser Stelle sind nur die hauptsächlichen ältesten Zeugnisse zusammengetragen, um die übereinstimmende Tradition ebenso wie die verschiedenen Begründungen und Details bei Einzelfragen in dieser kirchlichen Gesetzgebung deutlich werden zu lassen. Zugleich treten dabei erstmals auch die asketische Bedeutung des Zölibates sowie die von der Kirche vorgesehenen Mittel, um die Keuschheit der Kleriker zu bewahren, auf. Bei der oft angeführten Episode um die Intervention des Paphnutius auf dem Konzil von Nizäa gegen den Zölibat handelt es sich dagegen höchstwahrscheinlich um eine spätere novatianische Interpolation.

Konzil von Elvira [ca. 305/306] (Illiberis in Andalusien)

19 Bischöfe, 24 Priester und mehrere Diakone aus ganz Spanien nahmen an dieser ersten Synode der Kirche, von der überhaupt disziplinarische Kanones überliefert sind, teil. In 81 Kanones behandeln sie eine große Bandbreite pastoraler Fragen (lapsi, schwere Vergehen, Zulassung zur Taufe, Klerikerdisziplin, Liturgie usw.). Thematisch verwandt mit den beiden angeführten Punkten ist auch Kanon 18 zum Ehebruch von Klerikern. - Analoge Anordnungen zum Zölibat treffen auch die Kanones 24-29 des ersten Konzils von Arles (1.8.314; CCl 148, 25); sie können allerdings auch einem späteren Konzil zuzuschreiben oder nicht authentisch sein. Kanon 29 weist eine große Ähnlichkeit mit dem hier angeführten Kanon 33 von Elvira auf.

Nr. 19 27. Ein Bischof oder jeder sonstige Kleriker soll nach unserem Beschluss nur seine Schwester oder eine jungfräuliche Tochter, die Gott geweiht ist, bei sich haben; eine nicht mit ihm verwandte Frau darf er keinesfalls bei sich haben.

33. Ein ausnahmsloses Verbot wurde erlassen für Bischöfe, Priester und Diakone bzw. für alle Kleriker, die in ihr Amt eingesetzt wurden: Sie sollen sich ihrer Frauen enthalten und keine Kinder zeugen; wer dies aber getan hat, soll aus dem geistlichen Stand ausgestoßen werden.

Konzil von Ankyra (Ankara) [314?]

Auch diese Zusammenkunft von 12 bis 18 Bischöfen Kleinasiens und Syriens zur Regelung disziplinarischer Fragen, insbesondere der lapsi, setzt den Enthaltsamkeitszölibat voraus, und zwar auch für Diakone. Man scheint nur für Einzelfälle im Diakonat Ausnahmen erlaubt zu haben. Falls nämlich angehende Diakone nicht ausdrücklich eine Heiratsabsicht äußerten, galt ihre Weihe als Versprechen zur dauerhaften Enthaltsamkeit. Diese Möglichkeit zu einer Heirat nach der Weihe ging jedoch in keine spätere Gesetzgebung ein und wurde auch nicht in die Justinians oder des Quinisextum von 692 aufgenommen. Eine spätere lateinische Fassung, die bei Erzbischof Martin von Braga 572 fassbar ist, schließt einen Kandidaten für den Diakonat bei einer geäußerten Heiratsabsicht sogar von der Weihe aus.

Nr. 20 Can. 10. Jeder für das Amt eines Diakons Bestimmte, der gleich bei seiner Weihe öffentlich erklärt und sagt, er müsse heiraten und könne nicht in seinem Ledigenstand verbleiben, und der dann tatsächlich auch eine Ehe eingeht, soll aufgrund einer Dispens des Bischofs im Amt bleiben. Denjenigen aber, welche zu diesem Punkt geschwiegen haben und stattdessen bei der Handauflegung die Verpflichtung abgelegt haben, ledig zu bleiben, danach aber eine Ehe eingingen, soll das Diakonenamt entzogen werden.

Konzil von Neocäsarea (Kappadozien) [zwischen 314 und 320?]

Der Vorsitzende dieser Synode, Vitalis von Antiochien, und einige ihrer Mitglieder hatten bereits am Konzil von Ankyra teilgenommen.

Nr. 21 l. Wenn ein Priester heiratet, soll er aus seinem Stand entfernt werden. Wenn er aber Unzucht treibt oder Ehebruch begeht, soll er gänzlich ausgestoßen werden und muss sich dem Bußverfahren unterwerfen.

Konzil von Karthago unter Gratus [ca. 345-349]

Nr. 22 3. Bischof Gratus sagte: Und darauf muss man besonders achten, geliebte Brüder, falls es euer Gefallen findet: Die vorausschauende Klugheit eines Königs soll die Sorge eines Hirten befestigen, soviel sie es muss und vermag, so dass es Personen, die nicht miteinander verwandt sind und die auf sexuelle Beziehungen verzichten, nicht erlaubt sei, sich irgendwo gemeinsam aufzuhalten. Gelegenheiten zur Sünde müssen nämlich beseitigt und alle falschen Ansichten aufgehoben werden, mit denen die Gerissenheit des Teufels unvorsichtige und unwissende Seelen einzufangen pflegt, indem sie fälschlich meinen, aus Nächstenliebe und Güte zu handeln. Also dürfen ein Mann und eine Frau, die sich einem reinen Wandel und der Jungfräulichkeit geweiht haben, wegen übler Nachrede gegen die Kirche überhaupt nicht gemeinsam in einem Haus weilen falls ihr zustimmt.

Alle sagten: Diejenigen, die nicht heiraten wollen und den besseren Teil der Keuschheit wählen, müssen nicht nur vermeiden, zusammen zu wohnen, sondern dürfen auch gar keinen Zutritt zueinander haben. Dies befiehlt zum einen das Gesetz, empfiehlt zum anderen eure Heiligkeit, und auch in einzelnen Konzilien ist dies von uns festgelegt worden.

Bischof Gratus sagte: Kluge werden also bisweilen durch Argumente von Sünden abgehalten, während Unkluge eine entsprechende Furcht im Zaum halten muss, wenn sie den gesunden Rat und das heilsame Gebot zurückweisen. Wenn es sich dabei um Laien handelt, sollen sie, falls sie vergeblich ermahnt worden sind, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden; wenn es sich um Kleriker handelt, sollen sie ihres Amtes enthoben werden.

Nr. 23 Alle sagten: Ganz recht, ganz recht!

4. Bischof Gratus sagte: Zugegebenermaßen sind unzählige Dinge zur Verbesserung der Kirchendisziplin durch Gesetze vorgeschrieben, und jeder einzelne von uns kann durch eingehende Behandlung und häufige Ermahnung alle einzelnen Aspekte, die zur Verbesserung der Kirchendisziplin beitragen, den Leuten einschärfen. Dennoch ist wegen der üblen Nachrede einiges davon von uns vorzubringen und auf einem Konzil festzuhalten. Wenn es euch beliebt, sollen an den gleichen Beschluss auch diejenigen gebunden sein, die mit Witwen zusammenleben, ohne ihr Bruder zu sein. - Alle sagten: Auch für Witwer und Witwen sollen dasselbe Gesetz und derselbe Beschluss gelten.

Siricius, Dekretale Directa [10.2.385]

In einem langen Brief mit 15 Punkten antwortet der Papst auf Anfragen des Himerius, des Metropolitanbischofs der Provinz von Tarragona in Spanien, die dieser noch an Papst Damasus (gest. 384) gestellt hatte. Was den Klerus angeht, setzen zwei dieser Punkte eine beträchtliche Zahl von Bischöfen, Priestern und Diakonen voraus, die vor ihrer Weihe geheiratet hatten: zum einen das Verbot einer Wiederheirat (c. 8, 12), zum anderen die hier angeführten Worte zur kirchlichen Forderung, innerhalb einer bestehenden Ehe seit der Weihe enthaltsam zu bleiben. Dieses Enthaltsamkeitsgesetz wird als »unauflösliche[s] Gesetz« auf Christus selbst, den Wahrer und Vollender des Alten Bundes, zurückgeführt. Gegen Übertreter dieses Gebotes sind diese Äußerungen des Siricius gerichtet. - Siricius bekräftigte seine Äußerungen in einem Synodalschreiben des folgenden Jahres an mehrere Kirchenprovinzen, dem Dekretale Cum in unum (6.1.386; = Ep. 5 [Pl 13,1155-1162]), das die Ergebnisse eines Konzils von Rom mit 80 Bischöfen zusammenfasst. Auch das Dekretale Dominus inter einer römischen Synode an die Bischöfe Galliens unter Papst Innozenz I. (401 ?-417) oder ebenfalls unter Siricius oder eventuell sogar bereits unter Damasus (366-384) unterstreicht im 3. von 16 Kanones gegenüber den Verletzern des Enthaltsamkeitszölibates diese Disziplin als Gebot Jesu und der Apostel (Pl 13, 1181-1194 als Epistula 10 des Siricius: »Canones Synodi Romanorum ad Gallos episcopos«, dt.: Die Briefe der Päpste und die an sie gerichteten Schreiben. Bd. 2. Übersetzt von Severin Wenzlowsky [= BKV), Kempten 1876, 461-476).

Nr. 24 [ ... ] Wir haben nämlich erfahren, dass sehr viele Priester Christi und Leviten lange Zeit nach ihrer Weihe sowohl mit ihren eigenen Gattinnen als auch sogar in schändlichem Verkehr Nachkommen zeugten und ihr Verbrechen mit dem Argument rechtfertigten, im Alten Testament könne man lesen, den Priestern und Tempeldienern sei es erlaubt gewesen, Nachkommen zu zeugen.

So sage er mir nun, wer er auch sei, dieser Lustmolch und Lasterlehrer: Wenn er wirklich glaubt, dass im Gesetz des Mose allenthalben den Geweihten vom Herrn die Zügel der Fleischeslust locker gelassen wurden, warum ermahnte er dann diejenigen, denen das Allerheiligste anvertraut war, und sagte: Seid heilig, weil auch ich heilig bin, der Herr, euer Gott (Lev 20,7)? Und warum befahl er den Priestern auch, in ihrem Dienstjahr fern von ihren Häusern im Tempel zu wohnen? Offensichtlich um zu verhindern, dass sie mit ihren Ehefrauen fleischlichen Umgang haben konnten, damit sie glänzend in der Unversehrtheit des Gewissens Gott eine wohlgefällige Gabe darbringen. Nachdem sie die Periode ihres Dienstes abgeschlossen hatten, war ihnen der Verkehr mit ihrer Frau allein um der Nachkommenschaft willen zugestanden; denn es war vorgeschrieben, dass aus keinem anderen als dem Stamm Levi jemand zum Dienst Gottes zugelassen werden dürfte.

Diesbezüglich erklärt auch unser Herr Jesus im Evangelium, nachdem er uns durch seine Ankunft erleuchtet hatte, dass er gekommen sei, um das Gesetz zu erfüllen, nicht um es aufzulösen (vgl. Mt 5,17). Daher wollte er, dass die Gestalt der Kirche, deren Bräutigam er ist, im Glanz der Keuschheit erstrahle, damit er sie am Tag des Gerichts, wenn er wiederkommt, ohne Makel und Runzel, so wie er es durch seinen Apostel gelehrt hat (vgl. Eph 5,27), vorfinden kann. Wir Priester und Leviten sind durch das unauflösliche Gesetz dieser Satzungen gebunden, dass wir vom Tage unserer Weihe an sowohl unsere Herzen als auch unsere Leiber der Führung durch die Nüchternheit und Keuschheit übergeben wollen, insofern wir ja durch alles unserem Gott in diesen Opfern, die wir ihm täglich darbringen, gefallen sollen. [ ... ]

Nr. 25 Da aber einige der Betreffenden, wie deine Heiligkeit berichtete, sich grämen, aus Unwissenheit gefallen zu sein, erklären wir, dass diesen die Barmherzigkeit nicht verweigert werden soll unter der Bedingung, dass sie ohne jegliche Rangerhöhung in dem Amt, das sie bei der Aufdeckung ihres Lebenswandels innehatten, ihr ganzes weiteres Leben lang ihren Dienst verrichten, wenn sie sich danach eifrig bemühen, sich enthaltsam zu zeigen. Diejenigen aber, die sich auf den Vorwand eines unerlaubten Privilegs stützen und behaupten, dies sei ihnen durch das alttestamentliche Gesetz zugestanden, sollen wissen, dass sie von jeder kirchlichen Ehrenstellung, die sie unwürdig innehatten, durch die Autorität des Apostolischen Stuhls abgesetzt worden sind, und niemals mehr an die ehrwürdigen Mysterien rühren dürfen. Sie haben sich derer selbst beraubt, indem sie nach anstößigen Begierden trachteten. Und weil die gegenwärtigen Beispiele uns auffordern, für die Zukunft vorzusorgen: Jeder Bischof, Presbyter und Diakon, bei dem sich eine solche Lebensweise, wie wir es nicht wünschen, finden wird, soll schon jetzt wissen, dass ihm jeder Zutritt zur Nachsicht durch uns verschlossen ist; denn mit dem Eisen muss man Wunden herausschneiden, die auf heilende Umschläge nicht reagiert haben.

Konzil von Karthago unter Genethlius [16.6.390]

Genethlius (oder Geneclius), Bischof von Karthago und Metropolit der Provinz Africa Proconsularis, rief einige Bischöfe zu diesem Konzil zusammen, das mit 13 Kanones hauptsächlich disziplinäre Fragen regelte, darunter auch die Enthaltsamkeit der Kleriker. Die entsprechende Anordnung ging in die bedeutende Gesetzessammlung der nordafrikanischen lateinischen Kirchen von 419 ein, den »Codex Canonum Ecclesiae Africanae«, und wurde in die Sammlung von Synodalkanones durch Dionysius Exiguus (ca. 500-545) aufgenommen, die große Bedeutung für die gesamte lateinische Kirche besaß. Für die gregorianische Reform ebenso wie für das Tridentinum stellte dieses Konzil einen wichtigen Beleg für den apostolischen Ursprung des (Enthaltsamkeits-)Zölibates dar. Auch das für die ostkirchliche Disziplin entscheidende Quinisextum, die Trullanische Synode von 692, greift es auf, ohne allerdings die zentrale Enthaltsamkeitsforderung ab der Weihe zu übernehmen. - Der Bezug des Epigonius auf das letzte Konzil meint wohl das von Karthago ca. 345-349 unter Gratus.

Nr. 26 2. Epigonius, der Bischof des Gebietes von Bulla, sagte: Da auf dem letzten Konzil über Enthaltsamkeit und Keuschheit gesprochen wurde, sollen diejenigen drei Weihestufen, die aufgrund ihrer Weihe eine bestimmte Verpflichtung auf die Keuschheit eingegangen sind, nämlich Bischof, Priester und Diakon, durch ein nachdrücklicheres Dekret dazu angehalten werden, die Keuschheit zu wahren.

Bischof Genethlius sagte: Wie bereits gesagt wurde, schickt es sich für die gottgeweihten Vorsteher und Priester Gottes sowie für die Leviten bzw. für diejenigen, welche die heiligen Sakramente verwalten, vollkommen enthaltsam zu sein, um dadurch in aller Schlichtheit das erlangen zu können, was sie vom Herrn erbitten, damit auch wir uns daran halten, was die Apostel gelehrt haben und was bereits von Anfang an befolgt worden ist.

Sämtliche Bischöfe sagten: Alle befürworten, dass Bischof, Priester und Diakon, die Hüter der Keuschheit, sich auch ihrer Ehefrauen enthalten, damit in allem und von allen, die dem Altar dienen, die Keuschheit gewahrt wird.

Konzil von Toledo [7.9.400]

Die 18 spanischen Bischöfe, die unter Erzbischof Partuinus von Merida zur Abwehr des Priscillianismus zusammenkamen, verfassten auch 20 disziplinarische Kanones.

Nr. 27 1. Es wurde beschlossen, dass die Diakone entweder ganz auf die Verbindung mit einer Frau verzichtet haben sollen oder innerhalb der Ehe keusch in Enthaltsamkeit leben sollen; und unter der Voraussetzung, dass sie ein enthaltsames Leben führen, auch wenn sie Ehefrauen haben, sollen sie ins Amt eingesetzt werden - jedoch so, dass sie nicht zur Ehre des Priestertums erhoben werden dürfen, falls sie in der Zeit noch vor dem Verbot, das die Bischöfe von Lusitanien erlassen haben, unenthaltsam mit ihren Ehefrauen gelebt haben. Wenn aber ein Priester vor dem Verbot Kinder gezeugt hat, soll er nicht aus dem priesterlichen Stand zum Bischofsamt zugelassen werden.

Konzil von Turin [22.9.398 oder 401]

Das bedeutende interprovinzielle Konzil unter dem Vorsitz des Simplicianus von Mailand, des Nachfolgers des Ambrosius, auf Bitten der gallischen Bischöfe zur Behebung eines Schismas und zur Klärung verschiedener pastoraler Fragen sieht für diejenigen höheren Kleriker, die das Enthaltsamkeitsgesetz übertreten haben, eine Strafe vor, die nicht so streng ist wie die bei Siricius vorgesehene, insofern sie nicht abgesetzt werden, sondern ihnen nur eine höhere Weihestufe vorenthalten wird und sie wenigstens in Zukunft enthaltsam leben müssen.

Nr. 28 8. Die Synode hat in ihrer Vollmacht beschlossen, dass aber diejenigen, die rechtswidrig geweiht worden sind oder im Amt Kinder gezeugt haben, nicht zu den höheren Weihestufen zugelassen werden dürfen.

Innozenz 1., Dekretale Etsi tibi [15.2.404]

Papst Innozenz 1. (401/2-417) antwortet in seinem Brief an Victricius von Rouen u. a. auf dessen Frage nach der Klerikerenthaltsamkeit. Seine Antwort liegt ganz auf der Linie des Siricius im Dekretale Directa an Himerius von Tarragona und Cum in unum an mehrere Kirchenprovinzen; einzelne Passagen sind wörtlich daraus zitiert. Ähnliche Schreiben formulierte der Papst auch, wie hier kurz angeführt, im Dekretale Consulent Tibi an Exsuperius von Toulouse (20.2.405; Epistula ad Exsuperium episcopum Tolosanum 1, 2, in: PL 20, 496-498; Jaffe/Wattenbach, Regesta Pontificum 293 [90]) sowie an die kalabresischen Bischöfe Maximus und Severus (ca. 402-417; Epistula ad Maximum et Severum episcopos per Brittos 1, 2, in: Pl 20, 605; Jaffe/Wattenbach, Regesta Pontificum 315 [112]).

Nr. 29 Außerdem muss die Kirche unbedingt daran festhalten, was würdig, keusch und ehrbar ist, nämlich dass die Priester und Leviten mit ihren Ehefrauen nicht verkehren, weil sie von den Erfordernissen der täglichen Amtsverpflichtungen in Anspruch genommen werden. Denn es steht geschrieben: Seid heilig, weil auch ich heilig bin, der Herr, euer Gott (Lev 11,44; 20,7). Wenn nämlich in alter Zeit die Priester während ihres Amtsjahres den Tempel Gottes nicht verließen (vgl. Lev 21,12), wie wir von Zacharias lesen (vgl. Lk 1,23), und ihre Häuser überhaupt nicht betraten - sie, denen doch wegen der Nachkommenschaft der Umgang mit der Ehefrau zugestanden wurde, weil das Gebot galt, dass keiner aus einem anderen Stamm und aus einem anderem Samen als dem Samen Aarons zum Priestertum hinzutreten dürfe (vgl. Num 18,7) -, um wie viel mehr werden jene Priester und Leviten vom Tag ihrer Weihe an Keuschheit wahren müssen, die ein Priestertum und ein Amt ohne Erbfolge haben, und wo kein Tag vergeht, an welchem sie sich nicht dem göttlichen Opfer oder der Spendung der Taufe widmen! Denn wenn Paulus an die Korinther schreibt: Enthaltet euch eine Zeit lang, um euch dem Gebet zu widmen! (1 Kor 7,5), und dies zudem auch noch den Laien gebietet, um wie viel mehr werden sich die Priester, deren immerwährende Amtspflicht im Beten und Opfern besteht, allezeit eines derartigen Verkehrs enthalten müssen. Denn wenn jemand von fleischlicher Begierde befleckt ist, mit welchem Sinn für das im Heiligtum Passende wird er sich dann zu opfern anmaßen können? Oder aufgrund welchen Gewissens oder welchen Verdienstes glaubt er erhört zu werden, wo doch gesagt wurde: Alles ist rein für die Reinen, für die Befleckten und Ungläubigen aber ist nichts rein (Tit 1,15)? Aber vielleicht glaubt einer, dies sei wegen des Wortes der Mann einer einzigen Frau (1 Tim 3,2; Tit 1,6) erlaubt. Aber er [sc. der Apostel] sprach dabei nicht von einem, der in der Begierde zur Zeugung verharrt, sondern er sagte dies wegen der von nun an geltenden Enthaltsamkeit. Denn die leiblich Unversehrten [sc. die Jungfräulichen] schließt der nämlich nicht aus, der sagte: Ich wünschte aber, alle wären so wie ich (1 Kor 7,7). Und ganz deutlich erklärte er dies mit den Worten: Diejenigen aber, die im Fleische sind, können Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht mehr im Fleisch, sondern im Geist (Röm 8,8).

==Innozenz I., Dekretale Consulent tibi [20.2.405]

Nr. 30 Du fragtest, wie es mit jenen zu halten sei, deren gegenwärtige oder frühere Unenthaltsamkeit während der Zeit, als sie bereits mit den Aufgaben des Diakons oder mit dem Priesteramt betraut waren, durch die von ihnen gezeugten Kinder offenkundig wurde. Bezüglich dieser ist die Vorschrift der göttlichen Gesetze klar, und außerdem liegen die unmissverständlichen Mahnungen des Bischofs Siricius seligen Andenkens vor: Den Unenthaltsamen, die sich in solchen Ämtern befinden, wird jede geistliche Ehrenstellung genommen. Ihnen darf kein Zutritt zu dem Dienst gewährt werden, der nur in Enthaltsamkeit geleistet werden darf. [ ... ]

[Der Brief wiederholt ansonsten dieselben Aussagen wie der vorstehende an Victricius von Rauen sowie die Aussagen des Siricius.]

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