Ferdinand Schöningh

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Ferdinand Schöningh (* 16. März 1815 in Meppen/Emsland; † 18. August 1883) war Buchhändler und gründete am 12. Mai 1847 in Paderborn den Ferdinand Schöningh Verlag.


Inhaltsverzeichnis

Biografie

Ferdinand Friedrich Joseph Christoph Schöningh wurde als zweiter Sohn des Paderborner Justiz-Amtmannes Dr. Schöningh geboren. Seine Vorbildung genoss Schöningh am Gymnasium seiner Vaterstadt. Von seinen Eltern und durch eigene Neigung für den Buchhandel bestimmt, trat er als 1831 als Lehrling in die Coppenrathsche Buch- und Kunsthandlung zu Münster ein, deren Inhaber sein Großvater und dessen Söhne waren. Dort war er vier Jahre als Lehrling und sieben weitere Jahre als Gehilfe tätig. Die Stellung zur selbstständigen Führung eines Geschäftes fand er im Herbst 1842 zu Soest in der Nasseschen Buchhandlung nebst Buchdruckerei, deren Inhaber F. W. Nasse gestorben war, und an der außer dessen Witwe auch die Mutter Ferdinand Schöninghs, die damals bereits verwitwete Frau, einen Anteil hatte. In dieser Stellung sah Schöningh seine Aufgabe darin, das in seinem Umsatze, namentlich was die Buchhandlung betraf, sehr gesunkene Geschäft zu heben. Mit überraschender Schnelligkeit gelang es ihm, dieses auf eine Höhe zu bringen, wie sie in früherer Zeit nicht erreicht war.

Begründung einer eigenen Buchhandlung und Buchdruckerei

Am 26. Juni 1846 reichte Schöningh ein Gesuch um Konzession zur Begründung einer Buchhandlung und einer Buchdruckerei in Paderborn bei der Regierung in Minden ein. Diese wurde bereits unter dem 14. des folgenden Monats erteilt. Schöningh traf die notwendigen Vorbereitungen zur Einrichtung eines vorläufig kleinen und bescheidenen Geschäftes. Im Hause von Louis Everken am Markte mietete er unter dem 24. Februar 1847 »unten rechts zwei Zimmer und einen Behälter zum Aufbewahren verschiedener Sachen«. Unterm 12. Mai 1847 teilte Schöningh dem Gesamtbuchhandel die Eröffnung seiner Buch- und Kunsthandlung mit. Schöningh richtete sein Bestreben neben dem Sortiments-Buchhandel auf den Verlag.

Schönlings erstes Streben war das katholische »Westfälischen Kirchenblatt«, dessen erste Nummer am 5. August 1848 erschien, welches er selbst leitete und dem er einen Stab von Mitarbeitern zu schaffte, der die besten Namen der damaligen katholischen Publizistik unter den Seinen zählte.

Das erste eigentliche Verlagswerk

Das erste eigentliche Verlagswerk, welches in dem Schöninghschen Geschäft erschien, war der erste Schematismus der Paderborner Diözese, Ende 1849 herausgegeben, eine Publikation, zu der Schöningh den Anstoß gab. Von 1850 an konnten die Verlagsartikel auf eigener Presse gedruckt werden. Unter Schöninghs vielen Mitarbeitern nimmt die hervorragendste Stelle Joseph Honcamp ein, ein Name, der mit dem Werden und Blühen des Schöninghschen Hauses untrennbar verbunden ist. Ihm ist in erster Linie das Aufblühen des »Westfälischen Volksblattes« zu danken, als dessen verantwortlicher Redakteur er an Stelle von Schöningh von 1860 ab zeichnete.

Drei Richtungen

Seiner Neigung entsprechend verfolgte Schöningh von Anfang an in seinen Verlagsunternehmungen eine wissenschaftliche Richtung. Schon bald nach seinem Etablissement verlegte er die lateinischen Lehr- und Uebungsbücher des Geh. Regierungs- und Provinzial-Schulrats Dr. Schultz in Münster, die einen durchschlagenden Erfolg hatten, in zahlreichen Auflagen erschienen und in viele Sprachen übersetzt sind. Einige Jahre später unternahm er es im Vereine mit dem Professor an der Universität Basel, Dr. Moritz Heyne, die ältesten deutschen Literaturdenkmäler in billigen Ausgaben mit Anmerkungen und Glossar zu veröffentlichen, ein Gedanke, der von der gelehrten Welt mit Freude begrüßt wurde. Endlich verlegte Schöningh in den fünfziger und sechziger Jahren viele wertvolle katholisch-theologische Werke aus der Feder nahmhafter Autoren, z.B. die Katechismus-Erklärung von Deharbe, die dogmatischen Werke Oswalts, die Übersetzungen der meisten Werke des französischen Theologen Nicolas, die Predigtwerke von Nagelschmitt und Schuen.

Diesen drei Richtungen blieb er bei seinen Verlagsunternehmungen auch ferner treu. An die Werke von Schultz für die lateinische Sprache reihten sich auch ähnliche für die griechische und deutsche, die fast sämtlich zu den besten Lehrmitteln gezählt werden. Auch die übrigen Schuldisziplinen: Geschichte, Geographie, Mathematik etc. waren bald durch treffliche Werke vertreten. Der germanistische Verlag erhielt Zuwachs durch Werke von Weinhold, Heinzel, Martin, Suchier, Piper u. a. Indessen fanden auch die übrigen Zweige der Literatur die Beachtung.

Um sich ganz der Verlagstätigkeit widmen zu können, verkaufte Ferdinand Schöningh im Jahre 1876 sein großes Sortimentsgeschäft an J. Esser aus Meschede. Er verfolgte aufmerksam die Bewegungen und Richtungen der Literatur und studierte die Bedürfnisse des Publikums; er suchte die Autoren, anstatt sich von ihnen suchen zu lassen, und so ging aus seiner Anregung manches wichtige Buch hervor auf dem Gebiete der Rechtswissenschaft und Politik, der Naturwissenschaft und Philosophie.

Die katholische Dichtung hat durch Ferdinand Schöningh eine ganz hervorragende Förderung erfahren: die besten Namen der neuern Periode sind mit den wertvollsten Werken vertreten, wie Grimme, Brill, Luise Hensel, Antonie Jüngst, aber vor allem durch an Friedrich Wilhelm Weber, dessen »Dreizehnlinden« bereits die 75. Auflage überschritten hat.

Zeitschriften

Auf dem Zeitschriften-Gebiete sind außer den bereits erwähnten zu nennen die homiletische Zeitschrift »Chrysologus« (seit 1860), die »Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis« (seit 1867) und die Zeitschrift »Gymnasium«, die Schöningh 1883 ins Leben rief. Bei seinem Lebensende fand sich kaum ein Gebiet oder eine Disziplin, welche nicht in seinem Verlagskataloge vertreten gewesen wäre. Dieser wies damals 673 Werke in 935 Bänden auf.

Literatur

  • Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 5. Berlin/Eberswalde 1908, S. 857-861.

Quelle