Exeunte iam anno (Wortlaut)

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Enzyklika
Exeunte iam anno

von Papst
Leo XIII.
An alle Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe und Bischöfe der katholischen Welt,
welche in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen,
vom christlichen Leben
25. Dezember 1888

(Offizieller lateinischer Text ASS 21 [1888] 323-334)

(Quelle: Leo XIII. - Lumen De Caelo. Erweiterte Ausgabe des "Leo XIII. der Lehrer der Welt". Praktische Ausgabe der wichtigsten Rundschreiben Leo XIII. und Pius XI., Herausgegeben von Carl Ulitzka, Päpstlicher Hausprälat, Authentische deutsche Fassung, Ratibor 1934, S. 139-150; Mit kirchlicher Druckerlaubnis; in Fraktur abgedruckt. Die Nummerierung folgt der englischen Fassung)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder, geliebte Söhne !
Gruß und Apostolischen Segen !

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Dank gegen Gott für die Früchte des Jubeljahres

1 Das Jahr, in welchem Gottes besondere Freigebigkeit und Güte Uns das fünzigste Priesterjubiläum wohlbehalten erleben ließ, geht zu Ende. Da eilen die Gedanken wie unwillkürlich zu den verflossenen Monaten zurück und verweilen mit Freude bei der Erinnerung an diese ganze Zeit. - Und wahrlich, mit gutem Grunde: denn das Ereignis, das Uns persönlich betraf, wiewohl es an sich nichts Bedeutendes und nichts außerordentliches ist, hat doch überall bei den Menschen einen neuen Eifer wachgerufen, der sich kundgab in so aufrichtigen Freudenbezeugungen, in so zahlreichen Glückwünschen, dass Wir mehr nicht hätten wünschen dürfen.

2 Gewiss gereicht Uns das zu hoher Freude. Indes, was Wir hierbei höher schätzen, das ist die Gesinnung, die dabei zum Ausdruck kam und die Standhaftigkeit in der Religion, die ganz frei dabei sich offenbarte. Denn die vielerlei Grüße, die zu Uns gelangten, haben klar ausgesprochen: dass überall die Herzen und Geister zum Stellvertreter Jesu Christi hingewandt sind; dass die Menschen unter dem Andrang von so vielerlei Übeln vertrauensvoll auf den Apostolischen Stuhl hinblicken, diesen nie versiegenden, nie getrübten Quell des Heils; dass, wo immer der katholische Glaube blüht, die Römische Kirche, als die Mutter und Lehrerin aller Kirchen, mit glühendem Eifer einträchtig geachtet und geehrt wird.

3 Deshalb haben Wir in den verflossenen Monaten mehr als einmal zum Himmel aufgeblickt, um dem unendlich gütigen und unsterblichen Gott zu danken, dass er Uns so lange am Leben erhalten und durch die erwähnte Feier in Unseren Sorgen Uns huldvoll getröstet hat. Wir haben auch in dieser Zeit, so oft sich Gelegenheit dazu bot, Unserer Dankbarkeit an gebührender Stelle Ausdruck gegeben. Jetzt aber mahnt der Schluss des Jahres und seiner Feier das Andenken an die empfangene Wohltat zu erneuern. Und Wir wünschen sehnlich, dass die ganze Kirche sich im Danke gegen Gott mit Uns vereine. Zugleich aber drängt es Uns, durch dieses Sendschreiben öffentlich kundzutun wie es hiermit geschieht, dass all die Beweise des Gehorsams, der Ergebenheit und Liebe Uns ein großer Trost in unseren Sorgen und Mühen waren und dass die dankbare Erinnerung an sie stets in Unsere Seele fortleben wird. -

2. Die Liebe zum Apostolischen Stuhle ist nur echt, wenn sie den Menschen heiligt

4 Doch noch eine höhere und heiligere Pflicht liegt Uns ob. In der Stimmung der Menschen, die mit so lebhafter Freude den Römischen Papst verehren, glauben Wir Walten und Willen dessen zu erkennen, der so häufig, wie er es allein nur vermag, geringe Anlässe zur Quelle großer Segnungen werden lässt. Es scheint nämlich Gottes Vorsehung und Wille zu sein, bei der Menge von Irrtümern den Glauben wieder neu zu beleben und Gelegenheit zu bieten, das Volk zum Streben nach einem besseren Leben aufzurufen. - Daher erübrigt es noch, dahin zu wirken, dass das, was gut begonnen wurde, auch guten Fortgang finde. Dahin müssen wir streben, dass der Wille Gottes erkannt, dann aber auch erfüllt werde. Dann erst wird die Ehrfurcht gegen den Apostolischen Stuhl in ihrer ganzen Vollendung sich bewähren, wenn sie, vereint mit der christlichen Tugenden, das Heil der Seelen bewirkt: solche Frucht müssen wir einzig erstreben, sie ist es auch, die nie vergehen wird.

II. Das Leben der Christen

5 Von dieser höchsten Stufe des Apostolischen Amtes, zu der Gottes Barmherzigkeit Uns erhoben, haben Wir des öfteren, wie es Unsere Pflicht war, die Wahrheit geschirmt und jene lehren insbesondere darzulegen gesucht, die am meisten zeitgemäß und für die allgemeine Wohlfahrt am zuträglichsten schienen, damit so jedermann die Wahrheit erkennen, vor dem Gifthauch der Irrtümer sich sorgfältig hüten und ihm ausweichen könne. Jetzt aber wollen Wir wie ein liebender Vater seine Kinder aller Christgläubigen anreden und in väterlicher Rede jeden einzelnen zu einem heiligen Lebenswandel ermahnen. Denn zum Christentum gehört außer dem Bekenntnis des Glaubens unbedingt auch die eifrige Übung der christlichen Tugenden. Von diesen ist nicht nur das ewige Seelenheil, sondern auch das wahre Glück und der dauernde Friede in der menschlichen Gesellschaft abhängig. -

1. Das Leben mancher Christen ist schlecht

6 Fragen wir nun aber, wie denn das Leben an vielen Orten sich gestaltet, so ist die Antwort offenbar, dass die Sitten im öffentlichen wie im privaten Leben doch bedeutend von den Vorschriften des Evangeliums abweichen.

a) Der nackte Egoismus heisst bei ihnen Freiheit

Nur zu sehr passt auf unsere zeit jener Ausspruch des Apostels Johannes: "Alles was in der Welt ist. ist Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens (1 Joh 2,16). Haben doch die meisten ihren Ursprung und ihr Ziel Ganz vergessen, geht doch all ihr Sinnen und Trachten auf die nichtigen und vergänglichen Güter dieser Welt, haben sie sich doch gegen die Stimme der Natur und unter Verletzung der rechten Ordnung dem gebeugt, worüber sie nach der lauten Forderung der Vernunft herrschen sollten. - Die Sucht, glücklich zu sein und zu genießen, führt aber leicht mit sich das Verlangen nach allem dem, was sie befriedigen könnte. Daher die ungezügelte Geldgier, die jedweden blind macht, den sie erfasst hat, die, einmal entflammt mit Ungestüm nach Befriedigung drängt, wobei man keinen Unterschied mehr macht zwischen Recht und Unrecht und oft genug abstossende Härte gegen fremde Not an den Tag legt. So gibt es viele, die mit Reichtümern überschüttet dahinleben und für das Volk im innersten Herzen nur Verachtung haben, obwohl sie das Wort Brüderlichkeit beständig im Munde führen. Sie wollen in ihrem Hochmut keinem Gesetze mehr sichbeugen, keine Gewalt achten, den nackten Egoismus nennen sie Freiheit. "Wie das Füllen des Waldefels glaubt er sich frei geboren" (Joh 11,12).

b) Die öffentliche Sittlichkeit wird untergraben

Dazu kommen so viele verderbliche Anheizungen zu Sünde und Laster: Wir denken da an die gottlosen und ausgelassenen Theater-Aufführungen, an die Bücher und Zeitungen, welche die Tugend verhöhnen und das Laster beschönigen; die Künste selbst, die ihrer Bestimmung nach einem edlen Lebensgenuss dienen sollten, werden herabgewürdigt zu Werkzeugen der Sinnlichkeit. Nicht ohne Bangen können Wir in die Zukunft schauen, denn neue Saat des Verderbens streut man beständig in die Herzen des heranwachsenden Geschlechtes. Ihr kennt das Vorgehen der öffentlichen Schulen: die kirchliche Autorität hat in ihnen keine Macht mehr, und zu der Zeit, da die zarten Gemüter am meisten mit allem Fleiß und Eifer zum christlichen Leben angeleitet werden sollten, hören sie gewöhnlich nichts von den Vorschriften der Religion.

c) Die schmählichsten Irrtümer werden verbreitet

Die älteren Kinder geraten in noch größere Gefahr durch schlechte Lehren, die vielfach derart sind, dass sie die Jugend nicht zur Erkenntnis der Wahrheit führen, vielmehr dieselbe durch trügerische Behauptungen geradezu verdummen. Viele wollen überhaupt nur mit dem Lichte ihrer Vernunft die Wahrheit erforschen und verachten vollständig den göttlichen Glauben. Ist aber dieses festeste Fundament zerstört und dieses klarste Licht ausgelöscht, so geraten die Menschen in vielen Dingen in Irrtümer und schauen nicht die Wahrheit. Ihre Lehre lautet: alles in dieser Welt ist Materie. Der Mensch und das Tier haben dieselbe Natur und denselben Ursprung. Es gibt sogar einige, die das Dasein Gottes, des höchsten Herrn und Schöpfers der Welt, bezweifeln oder wenigstens wie die Heiden in schmählichem Irrtum über das Wesen Gottes befangen sind. Infolgedessen haben sie naturnotwendig einen falschen Begriff von Tugend, Recht und Pflicht. Während sie nun die Herrschaft der Vernunft laut verkünden und die Schärfe des Verstandes über alle Gebühr erheben, büßen sie diesen ihren Stolz mit einer krassen Unwissenheit in den wichtigsten Fragen. -

7 Ist der Geist durch diese Irrtümer einmal verdorben, so dringt bis in die Adern und bis ins Mark die sittliche Fäulnis ein. Solche menschen zu bessern ist äußerst schwer, da er auf der einen Seite die verderblichen Irrtümer das sittliche Urteil verdorben haben und auf der anderen Seite das Licht des christlichen Glaubens fehlt, diese Quelle und Grundlage aller Gerechtigkeit vor Gott.

2. Die Ursache der Verderbtheit liegt in den gottlosen Lehren

8 Gleichsam mit den Augen können wir tagtäglich sehen, welch ein Unheil hieraus der menschlichen Gesellschaft erwächst. Das Gift dieser Lehren ist wie ein reißender Strom eingedrungen in das private und öffentliche Leben: es lag nahe, ja es war fast notwendig, dass aus diesen Grundlehren, wie aus einer Quelle jene hässlichen und verderbnisbringenden Seuchen entsprangen, die da heißen Sozialismus, Kommunismus, Nihilismus. Sie sind hervorgegangen aus dem Rationalismus, Materialismus und Atheismus. -

Freilich, wenn die katholische Religion ungestraft abgewiesen wird, deren göttlicher Ursprung durch so glänzende Zeugnisse klar gestellt ist, welche Religionsform wird man alsdann nicht abweisen, da doch keine andere solche göttliche Kennzeichen hat wie die katholische! Wenn die Seele nicht ihrem Wesen nach vom Leibe verschieden ist, wenn infolgedessen mit dem leiblichen Tod jede Hoffnung auf eine ewige Seligkeit vernichtet ist, weshalb soll der Mensch sich dann noch bemühen, die sinnlichen Neigungen der Vernunft gemäß zu zügeln? Das höchste Gut des Menschen kann alsdann nur im Genuss des Lebens und in der Befriedigung seiner Leidenschaften bestehen. Da aber jeder von Natur aus gedrängt wird, sich ein glückliches Leben zu verschaffen, wird mit Recht auch jeder, so weit es in seiner Gewalt steht, auf Kosten der anderen alles aufbieten, sich das Leben schön einzurichten. Und keine Macht hat so starke Zügel, die einmal entfachten Leidenschaften genügend im Zaume zu halten. Die Folge davon ist, dass die Macht der Gesetze gebrochen und jede Autorität vernichtet wird, wenn einmal das höchste und ewige Gesetz Gottes mit seinen Geboten und Verboten verachtet ist. So wird die bürgerliche Gesellschaft notwendigerweise in ihren Fundamenten erschüttert. Die unerlässliche Gier wird alle zu ständigem Kriege gegeneinander aufhetzen, wobei die einen kämpfen werden, um ihren Besitz zu schützen, die anderen, um ihn an sich zu reißen.

3. Die Besserung ist möglich durch Rückkehr zu Christus

9 Dahin ungefähr geht die Strömung unserer Zeit. Beim Anblick dieser gegenwärtigen Übel können wir dennoch uns trösten und mutig einer besseren Zukunft entgegensehen. Denn "Gott hat alles geschaffen, dass es sei und die Völker des Erdkreises hat er heilbar gemacht" (Weish 1,14). Wie aber diese ganze Welt nur erhalten werden kann durch den Willen und die Vorsehung Gottes, dessen Wort sie ins Dasein rief, so können die Menschen auch nur geheilt werden in der Kraft dessen, der in seiner Güte sie vom Verderben zum Leben errettet hat. Jesus Christus hat zwar nur einmal das Menschengeschlecht durch sein Blut erlöst, aber die Kraft seines großen Werkes und seiner übergroßen Gnade dauert bis in alle Zeiten: "und es ist in keinem anderen Heil" (Apg 4,12). Jene also, welche die wachsenden Volksleidenschaften durch Gesetze zu unterdrücken suchen, kämpfen zwar für die Gerechtigkeit, aber sie müssen wissen, dass ihre Arbeit ganz und fast ganz fruchtlos bleiben wird, solange sie die Kraft des Evangeliums hartnäckig zurückweisen und die helfende Hand der Kirche verschmähen. Darin allein liegt das Heilmittel gegen die Übel, dass man umgekehrt und ließ sich im privaten und öffentlichen Leben wieder zu Jesus Christus hinwendet und zu einem christlichen Leben.

a) Wir müssen aber kämpfen

10 Der Inhalt und das Wesen des ganzen christlichen Lebens besteht aber darin, dass man nicht der Sittenverderbnis der Welt nachgeht, sondern gegen sie standhaft kämpfen oder widerstehen muss.

aa) So lehrt die Heilige Schrift

So lehrt Jesus, "der Urheber und Vollender des Glaubens", durch alle seine Worte und Werke, Gesetze und Einrichtungen durch sein Leben und seinen Tod. Wie sehr wir auch durch die Verdorbenheit der Natur und der Sitten nach der anderen Seite hingezogen werden, so müssen wir doch "in den bevorstehenden Kampf" eintreten, mit demselben Geiste und denselben Waffen ausgerüstet wie jener, der "statt der ihm vorgelegten Freude das Kreuz erduldete" (Herb 12,1-2). Daher soll der Mensch vor allem recht erkennen, wie wenig es zum Bekenntnis des christlichen Glaubens stimmt, jeglichen Vergnügungen nachzujagen, die Beschwernisse der Tuend zu scheuen und sich nichts zu versagen, was den Sinnen süß und angenehm ist, was leider so oft geschieht. "Die zu Christus gehören, haben ihr Fleisch samt seinen Lastern und Begierlichkeiten gekreuzigt" (Gal 5, 24). Folglich gehören jene nicht zu Christus, die sich nicht üben im Leiden und sich nicht gewöhnen ans Dulden und nicht die weichliche und verweichlichende Sinnenlust verachten. Durch Gottes unendliche Güte ist der Mensch wieder auferstanden zur Hoffnung der unsterblichen Güter, die er verloren hatte. Aber er kann sie niemals erlangen, wenn er nicht in Christi Fußstapfen zu wandeln sucht und nicht seine Gesinnung und sein Verhalten durch Betrachtung des Beispiels Christi nach ihm umformt. Es ist also nicht ein Rat, sondern eine Pflicht und zwar nicht bloß derer, die das vollkommene Leben erwählt haben, sondern überhaupt aller, dass wir "die Abtönung Christi an unserem Körper umhertragen" (2 Kor 4,10).

ab) So lehr die Vernunft

Wie könnte sonst das Naturgesetz bestehen, das doch ein tugendhaftes Leben vom menschen verlangt? Durch die heilige Taufe wird zwar die Erbsünde getilgt, aber die verkehrten und bösen Wurzeln, welche durch die Sünde in das Menschenherz eingesetzt wurden, werden nicht ausgerissen. Der vernunftlose Teil des Menschen kann zwar denen, die, gestärkt durch die Gnade Jesu Christi, ihm mutig widerstehen, nicht schaden, aber er ringt mit der Vernunft um die Herrschaft, verwirrt den ganzen Seelenzustand und zieht einem �Tyrannen Gelich den Willen so gewaltsam won der Tugend ab, dass wir ohne täglichen Kampf weder die Sünde fliehen noch unsere Pflicht erfüllen können. "Diese heilige Kirchenversammlung bekennt und lehrt, dass auch in den Getauften die Begierlichkeit oder der Reiz zur Sünde bleibt. Er ist uns geblieben, damit wir kämpfen sollen, er kann aber denen nicht schaden, die nicht zustimmen, sondern durch die Gnade Christi gestärkt tapfer dagegen ankämpfen. Vielmehr wird der gekrönt werden, der pflichtmäßig gekämpft hat" (Konzil von Trient, 5. Sitz. can. 5).

Bei diesem Kampfe tritt bisweilen ein Grad von Tapferkeit zu Tage, den nur herrische Tugend erreicht. Dieser Heldenmut ist denen eigen, die in der Bekämpfung der Sinnlichkeit so weit fortgeschritten sind, dass sie auf Erden schon ein himmlisches Leben zu führen scheinen. Es mag sein, dass nur wenige in diesem maße sich auszeichnen. Aber selbst die Philosophie des Altertums hat gelehrt, dass jeder seine Begierden zügeln muss und der besonders, dem der tägliche Verkehr mit der Welt größere Verlockungen bereitet. Es wird doch keiner so töricht sein zu glauben, je näher die Gefahr sei, desto geringer dürfe die Wachsamkeit sein, oder je schlimmer die Krankheit sei, desto enger bedürfe es der Arznei. -

ac) Der Lohn ist groß

11 Wer aber diesen Kampf aufnimmt, dessen Mühe wird, ganz abgesehen vom Himmel und von der Ewigkeit, schon hienieden reichlich belohnt. Zunächst wird unserer Natur, wenn die erforderliche Harmonie wieder hergestellt ist, die ursprüngliche Würde zum großen Teil wieder verliehen. Das aber ist das Gesetz und die Ordnung, für welche der Mensch geboren ist, dass der Geist herrsche über den Körper und die Begierden von der Vernunft und der Überlegung regiert werden. Hieraus folgt, dass die edelste und erstrebenswerteste Freiheit die ist: sich nicht von der schimpflichen Tyrannei der Leidenschaften knechten zu lassen. Gehen wir nicht in der menschlichen Gesellschaft selbst, wie wenig sie von einem Menschen erwarten kann, der diese Seelenstimmung nicht hat? Ist der wohl geneigt, sich Verdienste um das allgemeine Wohl zu erwerben, der für sein Tun und lassen nur die Selbstliebe als Maßstab anzulegen pflegt? Wer nicht gelernt hat, sich zu überwinden und alles irdische um der Tugend willen gering zu schätzen, der kann weder großmütig, noch barmherzig, noch enthaltsam sein.

ad) Mut macht Männer

Wir wollen auch nicht verschweigen, dass nach Gottes weiser Vorsehung den Menschen kein Heil zuteil wird außer durch Kampf und Leiden. Selbst die Erlösung von Schuld und die Verzeihung der Sünde hat Gott dem Menschengeschlecht nur unter der Bedingung gewährt, dass sein eingeborener Sohn die gerechte und schuldige Strafe auf sich nahm. Jesus Christus hätte der göttlichen Gerechtigkeit auf verschiedene Weise leisten können, aber er wollte Sühne leisten durch Aufopferung seines Lebens unter den grausamsten Schmerzen. So hat er denn seinen Jüngern und Nachfolgern dieses durch sein Blut besiegelte Gesetz auferlegt, dass auch ihr leben ein steter Kampf mit der Sittenverderbnis der Welt sein sollte. Was hat die Apostel unüberwindlich gemacht in der Verkündigung der Wahrheit an die Welt, was hat die zahllosen Märtyrer gestärkt, als sie das blutige Zeugnis für den christlichen Glauben ablegten, wenn nicht der hohe Mut, ohne Zagen diesem Gesetze sich zu unterwerfen? Und auf keinem anderen Wege sind jene gewandelt, die ein christliches Leben führen und ihre Tugend retten wollten. Deshalb dürfen auch wir keinen anderen Weg einschlagen, wenn anders wir unser Heil oder das Gemeinwohl fördern wollen. Gegenüber der nach der Herrschaft strebenden Sinnenlust muss daher ein jeder mannhaft von sich weisen die sich einschmeichelnde Unzucht. Und da überall so frech das Wohlleben in Reichtum und Genuss sich breit macht, muss unser Geist gestählt werden gegen die gleissenden Fallstricke des Reichtums, damit er doch nicht den unvergänglichen Schatz im Himmel verliere, während er jenen Dingen nacheilt, die zwar Güter genannt werden, aber den Hunger nach Glück nicht stillen können und bald wieder vergehen.

Endlich ist auch zu beklagen, dass Irrtümer und schlechte Beispiele in den herzen eine solche Unmännlichkeit zu erzeugen vermochten, dass sehr viele schon des christlichen Namens wie des christlichen Lebens sich schämen. Das ist aber ein Zeichen einer tiefen Verkommenheit oder einer schmählichen Trägheit. Beides ist abscheulich und derart, dass es nichts Schlechteres für den Menschen gibt. Woher ist denn noch heil zu erwarten und auf welche Öffnung soll der Mensch sich noch stützen, wenn er sich nicht mehr im Namen Jesu Christi zu rühmen wagt, wenn er es verschmäht, ein Leben nach den Grundsätzen des Evangeliums öffentlich und standhaft zu führen? Allgemein klagt man unsere Zeit sei arm an Männern. Man rufe zurück die christlichen Sitten und mit ihnen wird zurückkehren Ernst und standhafter Mut.

b) Wir müssen beten

ba) Durch das Gebet erlangen wir Gottes Hilfe

Doch zur Erfüllung dieser vielen und großen Pflichten reicht menschliche Kraft nicht aus. Wie wir Gott um das tägliche Brot zur Nahrung des Leibes anflehen, so müssen wir ihn auch bitten um Kraft und Energie, damit die Seele in der Tugend erstarke. Deshalb ist jene allgemein gültige Bedingung und jenes Gesetz des Lebens, - eben die Pflicht, beständig zu kämpfen - notwendig verbunden mit der Pflicht des Gebetes zu Gott. Wie der heilige Augustinus so wahr und so schön sagt, steigt ja das andächtige Gebet über diese Welt empor und ruft vom Himmel die Barmherzigkeit Gottes herab. Gegen die Stürme der Leidenschaft, gegen die Arglist des bösen Feindes, müssen wir um Hilfe vom Himmel flehen gemäß dem Worte des Herrn: "Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet" (Mt 26,41), sonst werden wir überlistet und in Irrtum geführt. Um wievielt mehr bedarf es dieser Kraft, wenn wir auch für das Heil anderer Sorge tragen wollen? Christus der Herr, der eingeborene Sohn Gottes, der Quell aller Gnade und Tugend, ist zuerst mit dem Beispiel vorangegangen: "Er brachte die Nacht zu im Gebete mit Gott" (Lk 6,12). Und als sein Opfertod nahe bevorstand, "betete er inständiger" (Lk 22,43).

bb) Unser Schwäche liegt in der Vernachlässigung des Gebetes

12 Die Schwäche der menschlichen Natur wäre viel weniger zu fürchten und das sittliche Leben würde nicht so träge und schlaff dahin schleichen, wenn dieses göttliche Gebot nicht so vergessen und vielen nicht zum Ekel geworden wäre. Gott lässt sich erbitten. Er will den Menschen gerne helfen. Er hat es ja feierlich versprochen, dass er reichlich seine Gaben austeilen werde denen, die ihn darum bitten. Ja, er ladet sie ein zu bitten und fordert sie auf mit den besten Worten: "Ich aber sage euch, bittet und es wird euch gegeben werden, suchet und ihr werdet finden, klopfet an und es wird euch aufgetan werden" (Lk 11,9). Damit wir uns aber nicht fürchten, in kindlichem Vertrauen zu ihm zu flehen, mildert er die Majestät seiner Gottheit durch das Bild und Gleichnis des liebreichsten Vaters, der nicht so sehr begehrt, als von seinen Kindern geliebt werden. "Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisset, wie viel mehr wird euer Vater, der im Himmel ist, denen Gutes geben, die ihn darum bitten" (Mt 7,11)?

bc) Das Gebet ist mächtig

Wer dies überdenkt, den wird es nicht sonderlich überraschen, wenn er hört, wie dem heiligen Johannes Chrysostomus die Wirkung des menschlichen Gebetes so groß erscheint, dass er glaubt, sie mit der Allmacht Gottes vergleichen zu können. Wie Gott nämlich durch ein Wort die ganze Welt erschaffen hat, so erlangt der Mensch durch das Gebet alles, was er will. Nichts ist so mächtig wie das rechte Gebet, weil es o schöne Beweggründe in sich birgt, durch die Gott sich leicht erbitten und erweichen lässt. Beim Gebet erheben wir unser Herz vom Irdischen empor, wir denken nur an Gott und werden hierdurch so recht unserer Armseligkeit inne. Eben deshalb ruhen wir an dem guten Herzen unseres Vaters aus und nehmen Zuflucht zur macht unseres Schöpfers. Flehentlich bitten wir den Urheber alles Guten, er möge doch gnädig herabschauen auf unser krankes Herz, unsere schwache Kraft und unsere große Armseligkeit. Hoffnungsvoll rufen wir seinen Schutz und seine Hilfe an, ihn, der allein den Kranken Heilung, den Schwachen und Elenden Trost verleihen kann. Durch diese Stimmung der Seele, die bescheiden und demütig, wie es sich gehört, von sich denkt, wird Gott zur Milde bewogen, da er ja, wie er den Stolzen widersteht, "den Demütigen seine Gnade verleiht" (1 Petr 5,5).

Allen möge also das Gebet zur heiligen Gewohnheit werden, der Geist, das Herz, der Mund sollen beten. Mit ihm soll unser Leben im Einklang stehen, auf dass unser ganzes Leben durch Beobachtung der göttlichen Gebote einen ständigen Verkehr mit Gott darstelle.

bd) Das Gebet muss aber im Glauben seine Wurzel haben

13 Wie alle Tugenden, so wird auch die eben genannte Tugend aus dem göttlichen Glauben geboren und lebensfrisch erhalten. Denn Gott hat uns geoffenbart, welches die wahren und einzig begehrenswerten Güter für den Menschen sind. Ebenso erkennen wir durch seine Offenbarung die unendliche Güte Gottes und die Verdienste Jesu, unseres Erlösers. Aber auch anderseits ist nichts so geeignet, den Glauben zu beleben und zu vermehren, wie die fromme Gewohnheit zu beten. Diese Tugend des Glaubens, die in den meisten schwach, in vielen überhaupt nicht mehr zu finden ist, ist aber offenbar in unserer Zeit ganz besonders notwendig. Sie ist es vor allem, von der eine Besserung des Privatlebens zu erwarten ist. Und von ihr aus sind jene Strömungen zu beurteilen, deren Widerstreit die Staaten nicht zur Ruhe kommen lässt. Wenn die Menge dürftet nach ungefügelter Freiheit, wenn die Drohrufe der Besitzlosen von allen Seiten erschallen, wenn die herzlose Gier der Besitzenden niemals genug zu haben glaubt: es kann uns in diesen oder ähnlichen Bedrängnissen, wie Wir an anderer Stelle weiter ausgeführt haben, nichts so gut und so sicher retten als der christliche Glaube.

III. Der Klerus soll das Vorbild der Christen sein

14 Diese Gelegenheit mahnt Uns, dass wir Uns in Gedanken und Worten an Euch wenden, denen Gott die himmlische Gewalt verliehen und Uns als Gehilfen in der Ausspendung seiner Geheimnisse zugesellt hat. Wenn wir fragen, wie der Einzelne und der Staat zu retten ist, so trägt zweifellos der sittliche Lebenswandel des Klerus zur Lösung der doppelten Frage außerordentlich viel bei.

1. Der Priester ist das Licht für die anderen, sein Leben sei daher rein

Die Priester sollen demnach eingedenk sein, dass Jesus Christus sie "das Licht der Welt" genannt, dass "des Priesters Seele wie ein Licht den ganzen Erdkreis erleuchten soll" (Joh. Chrysost., Vom Priestertum III. 1). Der Priester muss sein ein Licht in der Wissenschaft und zwar kein gewöhnliches, denn seine Aufgabe ist es, die anderen in der Weisheit zu unterrichten, die Irrtümer zu heben und dem Volke ein Führer zu sein auf den gefahrvollen und schlüpfrigen Wegen des Lebens. Die Belehrung muss aber begleitet sein von einem tadellosen Leben, denn bei der Bekehrung der Menschen wirkt weit mehr das Beispiel als das Wort. "So leuchte euer Licht vor den Menschen, auf dass sie eure guten Ergeh sehen" (Mt 5,16). Der Sinn dieses göttlichen Wortes ist selbstverständlich nur der, die Priester müssen eine hohe Vollkommenheit und eine so erhabene Tugend besitzen, dass sie alle zum Spiegel dienen können. "Nichts treibt mehr zur Frömmigkeit und Gottesverehrung an, als das gute Beispiel derer, die sich dem Dienste Gottes geweiht haben. Denn da man sieht, wie sie hoch über dem Weltleben stehen, so blicken alle anderen auf sie wie in einen Spiegel und richten sie sich nach ihnen" (Konzil von Trient 22. Sitz. 1 Kap. Von der Kirchenreform). Mithin, wenn alle anderen sich hüten müssen, dass sie nicht den Lastern verfallen und kein übermäßiges Verlangen nach irdischen Dingen tragen, so ist es klar, wie viel gewissenhafter und standhafter hierin der Priester muss sein.

2. Sein Leben ist ein Leben der Abtötung

Es ist aber nicht genug, dass er kein Sklave der bösen Begierden sei. Die heilige Würde verlangt, dass er sich strengstens an Selbstverleugnung gewöhne und alle seine Seelenkräfte, namentlich Verstand und Willen, die das höchste sind, was der Mensch besitzt, zum Gehorsam gegen Christus zwinge. "Wenn du alles verlassen willst, bedenke wohl, dass du auf dich selbst zu dem zählen musst, was du verlassen sollst, ja zu allermeist und an erster Stelle verleugne dich selbst" (hl. Bernhard, Reclam. c. 1).

Erst wenn der eigene Geist frei ist von jeder Leidenschaft, kann man freudig und mutig daran gehen, andere zu retten. Ohne das trägt man ja nicht einmal die rechte Sorge um sein eigenes Heil. "Eines soll der Lohn sein, den sie bei den Untergebenen suchen, eins ihr Schmuck, eins ihre Wonne: wie sie ein vollkommenes Volk erziehen können. Dies sollen die Priester allein erstreben in vieler Zerknirschung des Herzens und der Abtönung des Leibes, In Arbeit und Mühen, in Hunger und Durst, in Kälte und Blöße" (hl. Bernhard, De consid. IV. c. 2).

3. Das betrachtende Gebet ist ihm notwendig

Die fleißige Betrachtung der himmlischen Dinge ist es, die ein solches Tugendstreben stets von neuem entflammt und in wunderbarer Weise dazu befähigt, um des Nächsten willen selbst das Härteste zu ertragen. Je mehr Wert der Priester darauf legen, desto klarer werden sie die Erhabenheit und Heiligkeit ihres priesterlichen Amtes erkennen. Sie werden das Elend ermessen können, dass so viele von Jesus Christus erlöste Seelenn dennoch ins ewige Verderben stürzen und in der Betrachtung Gottes Werdern sie sich immer mehr in der Liebe zu Gott und zum Nächsten entflammen.

4. Mutlosigkeit ist vom Übel

Dies ist der sicherste Weg zu Rettung vieler. Doch muss der Priester sich auch wohl hüten, dass er nicht vor der Größe der Schwierigkeiten zurückschreckt und an der Heilung der Übel verzweifelt, wenn sie auch noch so lange andauern.

a) Gott straft jede Ungerechtigkeit

Die heiligste und unwandelbare Gerechtigkeit Gottes hält für die Guten den Lohn, für die Sünder aber die Strafe bereit. die Völker und Nationen aber müssen auf Erden schon die Vergeltung erhalten, denn über dieses irdische Leben hinaus können sie nicht existieren. Freilich ist es nichts Neues, dass auch ein gottloser Staat auf Erden Glück gehabt hat. Doch geschah dieses nach Gottes gerechtem Ratschlüsse, der die guten Werke - und ein Volk, das nicht etwas Löbliches vollbracht hätte, gibt es nicht - zuweilen auf diese Weise belohnt. So ist es, wie Augustinus meint, mit dem Römischen Volke geschehen. Dennoch gilt das Gesetz, dass zum öffentlichem Staatswohle sehr viel das Tugendleben beiträgt, besonders jene Tugend, die Gerechtigkeit heisst und die Mutter aller anderen Tugenden ist. "Die Gerechtigkeit erhöhet ein Volk, aber die Sünde macht elend die Völker" (Spr 14,34). Wir brauchen hier nicht die gottlosen Taten zu betrachten, die über dieTugend triumphierten, auch nicht zu untersuchen, ob jene Staaten, trotz ihres wünschenswertesten blühenden Standes, nicht dennoch in ihrem Innern den Keim von vielem Elend in sich bergen. Nur auf eins wollen wir aufmerksam machen, wofür die Geschichte eine Fülle von Beispielen bietet, dass alles Böse einmal gebüßt werden muss und die Strafe wird um so härter sein, je länger die Bosheit angedauert hat.

b) Die Kirche wird unfehlbar siegen

Uns spendet reichen Trost das Wort des Apostels Paulus: "Denn alles ist euer; ihr aber seid Christi, Christus aber Gottes" (1 Kor 3,22,23). Nach Gottes geheimnisvollen Plane nämlich wird der lauf der Welt in der Weise geordnet, dass alles, was dem Menschen zustößt, zu Gottes Ehre gereichen muss und denen zum Heile sein soll, die wahrhaft von herzen in der Nachfolge Christi wandeln. Die Mutter und Ernährerin, die Führerin und Hüterin aller dieser ist aber die Kirche, wie sie mit Christus, ihrem Bräutigam, durch die innigste und unwandelbare Liebe verbunden ist, so nimmt sie auch teil an seinem Kampfe und Siege. Für die Kirche fürchten Wir nicht und können es nicht, aber sehr wohl bangen Wir um das Heil derer, die in so großer Anzahl die Kirche stolz verachten und von vielfachem Irrtum umstrikt, ins Verderben gezogen werden. Wir fürchten für jene Staaten, von denen Wir sehen, dass sie Gott verlassen und in eitler Sicherheit sich wiegen, wo doch alles in Gefahr ist. Nichts ist der Kirche vergleichbar … . Wie viele haben die Kirche bekämpft und sind dabei zu Grunde gegangen! Die Kirche aber erhebt sich über die Himmel. So groß ist die Kirche: sie siegt, wenn sie bekämpft wird, sie überwindet, wenn sie hinterlistig angegriffen wird … sie streitet, aber sie fällt nicht, sie ringt mit dem Feinde, wird aber nicht niedergerungen" (hl. Joh. Chrysostomus, Rede nach der Gefangenschaft des Eutropius K. 1). Ja sie wird nicht nur besiegt, sondern ihre Kraft, die sie stets von neuem aus Gott selbst schöpft und welche die Natur heilt und das ewige Heil spendet, bleibt unversehrt und für alle Zeiten unvergänglich. Wenn diese Kraft eine infolge ihrer Laster zerfallende und im Aberglauben versunkene Welt so wunderbar errettete, soll sie dann nicht eine verirrte Welt wieder zurückführen können? Es schweige doch einmal jedes Misstrauen und jede Eifersucht. Mögen doch endlich einmal die Hindernisse, die man der Kirche in den Weg legt, beseitigt werden und sie wieder überall zu ihrem Rechte kommen: die Kirche, deren Aufgabe es ist, die Segnungen, die uns Christus gebracht, zu schützen und zu verbreiten. Dann wird man, von der Erfahrung belehrt, einsehen, was es ist um das Licht des Evangeliums und was die macht Christi, unseres Erlösers, vermag.

IV. Gebet des heiligen Vaters

15 Dieses Jahr, das zur Neige geht, hat, wie Wir schon anfangs bemerkt, nicht wenige Anzeichen eines neuen Glaubenslebens gebracht. Wenn doch dieser Funke zu einer großen Flamme sich entfachte, welche die Laster mit der Wurzel verzehren und den Weg bahnen würde zu einer sittlichen Erneuerung und zur Erstrebung des Heiles.

Wir aber, die Wir unter so widrigen Stürmen das Steuer des mystischen Schiffleins, der Kirche, führen, halten Geist und Herz auf den himmlischen Steuermann gerichtet, der unsichtbarer Weise am Steuer des Kahnes ist. Du siehst, o Herr, wie die Stürme von allen Seiten tosen, wie das Meer tobt, wie die Wogen sich erheben. Gebiete, wir bitten dich, den Stürmen und der Meere, du allein kannst es! Gib dem Menschengeschlecht wieder den wahren Frieden, den die Welt nicht geben kann und die friedliche Ordnung. Durch deine Gnade und auf deine Anregung hin mögen die Menschen sich wider in die gesetzliche Ordnung fügen, damit doch wiederkehren Frömmigkeit gegen Gott, Gerechtigkeit und Liebe gegen den Nächsten, Selbstzügelung und vernünftige Bezähmung der Leidenschaften. Zu uns komme dein Reich!

Es mögen doch alle, die fern von dir die Wahrheit und das Heil vergeblich suchen, erkennen, dass auch sie dir dienen und untertan sein müssen. In deinen Gesetzen wohnt Gerechtigkeit und väterliche Milde, um sie zu befolgen, verleihest du gerne deine Gnade reichliche Kraft. Das Leben des Menschen auf Erden ist ein Kriegsdienst, aber "du selbst schaust unserem Kampfe zu und hilfst uns, dass wir siegen, du richtest uns auf, wenn wir ermatten, du krönst alle, die den Sieg errungen" (vgl. Augustinus zu Ps. 32).

16 Durch die Gedanken freudiger und fester Hoffnung ermutigt, erteilen Wir euch, Ehrwürdige Brüder, dem Klerus und dem ganzen katholischen Volke als Unterpfand der himmlischen Gaben und als Zeichen Unseres Wohlwollens von ganzem Herzen den Apostolischen Segen im Herrn.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am heiligen Weihnachtsfeste des Jahres 1888,

im elften Jahre Unseres Pontifikates.

Papst Leo XIII.

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