Evangelium nach Johannes

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Das Johannes-Evangelium ist eines der vier Evangelien in der Heiligen Schrift. Der Autor des Johannes-Evangeliums ist der Heilige Johannes, der Lieblingsjünger, der auch gleichzeitig Autor der anderen johanneischen Schriften des Neuen Testamentes, den drei Johannesbriefen und der Johannes-Apokalypse, ist.

Inhaltsverzeichnis

Verfasser

Der Autor des Johannes-Evangelium ist nach traditioneller katholischer Überzeugung der heilige Apostel Johannes (vgl. Frühdatierung der Evangelien). Dies ergibt sich bereits aus dem Evangelium selbst, wenn es im Kapitel 21,24 LUT heißt: "Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist." Ob der hl. Johannes im Alter auch als Presbyter (= Ältester) bezeichnet wurde oder sich so bezeichnet hat, wofür einiges spricht, oder ob der Presbyter Johannes einer seiner Schüler war (von dem man dann aber im übrigen nichts weiß, abgesehen von der Erwähnung bei Eusebius von Cäsarea), das kann von der Bibelwissenschaft nicht abschließend beantwortet werden. Zu dieser Annahme haben in den letzten Jahren immer wieder verschiedene Theologen und Wissenschaftler Beiträge geliefert.

Der Geschichtswissenschaftler Prof. Dr. Hugo Staudinger (Die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien, 7. Auflage, Wuppertal-Zürich/Brockhaus, S. 42 und 45) schreibt dazu: "[...] im Jahre 1935, erfolgte eine Sensation. Der britische Papyrologe Colin H. Roberts gab ein aus Ägypten stammendes als p 52 eingeordnetes Papyrusfragment heraus, das etwa aus dem Jahre 125 stammt. Es ist auf beiden Seiten beschrieben, ist also nicht Teil einer Schriftrolle, sondern eines Codex. Die Vorderseite konnte Roberts als Joh 18,31-33 LUT und die Rückseite als Joh 18,37-38 LUT entziffern. [...] Mit dieser Entdeckung waren alle bis dahin gängigen Hypothesen, die die Entstehung des Johannes-Evangeliums tief im 2. Jahrhundert ansetzten, eindeutig widerlegt. Da dieses Evangelium um das Jahr 125 herum schon in Ägypten verbreitet war, muss es spätestens um die Jahrhundertwende abgefaßt sein. [....]

Der vierte Evangelist bringt sein besseres Wissen durch unmittelbare Zeugenschaft offensichtlich bewusst ins Spiel, indem er von den Berichten der anderen [= der Synoptiker] korrigierend abweicht. Das beginnt schon bei dem Kapitel über die Taufe Jesu, wo er im Gegensatz zu den Synoptikern hervorhebt, dass es allein Johannes der Täufer ist, der die Taube auf Jesus herabsteigen sieht und dies dann dem Volke bezeugt. Und es endet beim Bericht über die letzten Ereignisse in Jerusalem, wo Johannes die Zeitangeaben der anderen Evangelien deutlich korrigiert. [...]

Die Entzifferung von p 52 beweist eine Entstehung des vierten Evangeliums vor der Jahrhundertwende. Der Text selbst bietet sowohl Argumente für eine Datierung vor dem Jahre 70 wie auch andere, die mehr für eine spätere Entstehung sprechen. Auch in der Verfasserfrage gibt es verschiedene Auffassungen. Dass der Apostel Johannes der 'eigentliche' Autor ist, lässt sich jedoch bei Berücksichtigung aller Kriterien kaum in Abrede stellen; ebenso wenig, dass die Briefe des Johannes vom gleichen Autor stammen. Dagegen wird die Auffassung, dass der gleiche Johannes auch Verfasser der Offenbarung sei, schon in der frühen Überlieferung - durch Eusebius unter Berufung auf Papias - in Frage gestellt. Umstritten ist, wer dem Johannes-Evangelium das 21. Kapitel angefügt hat. Damit verbindet sich die Frage, ob der gleiche Autor den Text auch an anderen Stellen überarbeitet hat. Dagegen spricht allerdings der schon zitierte Übergang vom Kapitel 20 zum Kapitel 21. Die von Bischof John A.T. Robinson vorgetragene Auffassung, dass Johannes selbst in mehreren Ansätzen an dem Evangelium gearbeitet und es ohne Schlußredaktion hinterlassen hat, ist zwar nicht beweisbar, hat jedoch gute Gründe für sich."

Nach Prof. Joseph Ricciotti (Das Leben Jesu, Basel 1955, S. 124 ff.) spricht für die Augenzeugenschaft des Verfassers des 4. Evangeliums auch seine Genauigkeit in Bezug auf Orts- und Zeitangaben: "Der Verfasser des 4. Evangeliums bekundet eine Ortsvertrautheit, die diejenige der Synoptiker übertrifft. Ja er verweilt mit Vorliebe bei zahlreichen Einzelheiten, die er ohne Schaden für die Erzählung hätte auslassen können. Tat er es nicht, dann deshalb, weil er seiner Sache sicher war. Wenigstens zehn palästinensische Ortsbezeichnungen kommen nur im 4. Evangelium vor. Keine davon hat sich als unrichtig erwiesen; mehrere wurden als zutreffend erkannt" (vgl. École biblique).

Peter Berglar schreibt in dem Buch "Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter" (Köln 299, S. 299 f): "Für mich - und sicherlich nicht für mich allein - [ist er] der Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums - einschließlich des angeführten, so sehr umstrittenen und heute dem Johannes schlichtweg aberkannten 21. Kapitel - und auch der Geheimen Offenbarung [...]. Dies ist seit dem 2. Jahrhundert eindeutig und glaubwürdig bezeugt. Es gibt keinen ernstlichen Grund, dieser Zeugenschaft zu misstrauen und sie für unzuverlässig oder gar für inhaltlich falsch zu erklären."

Der Theologe und Bibelforscher Klaus Berger schreibt in seinem Buch "Jesus" (S. 52): "Und auch das Evangelium nach Johannes gilt nicht mehr als historisch wertlos - für den Passionsbericht nach Johannes hat man das schon länger geahnt."

Aufbau

"Das Johannesevangelium macht Ernst mit der dogmatischen Aussage, dass Jesus wahrer Gott ist. Darum hatte er auch als Mensch nichts zu lernen, nichts zu verbessern, weil er alles wusste und keinen Fehler beging." (H. Reinhardt, Johannes, Die Rede von Gott). Das Johannes-Evangelium kann man in zwei große Teile unterteilen, wobei am Beginn zuerst der Prolog kommt und am Ende noch ein Nachtrag angefügt ist.

Der Prolog (1 - 1,18)

  • Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.

Das Öffentliche Wirken Jesu (1,19 - 11,57)

  • Johannes der Täufer (1,19 - 1,34)
  • Die ersten Jünger (1,35 - 1,51)
  • Hochzeit zu Kana (2,1 - 2,12)
  • Vertreibung der Händler aus dem Tempel (2,13 - 2,22)
  • Nikodemus (3,1 - 3,21)
  • Johannes der Täufer (3,22-3,36)
  • Die Frau am Jakobsbrunnen (4,1 - 4,42)
  • Die Heilung eines Beamtensohnes in Kafarnaum (4,43 - 4,54)
  • Die Heilung eines Gelähmten am Teich Bethesda in Jerusalem (5,1 - 5,47)
  • Das Brot-Wunder am See von Tiberias (6,1 - 6,15)
  • Der Gang Jesu auf dem Wasser (6,16 - 6,21)
  • Die Brotrede in der Synagoge von Kafarnaum (6,22 - 6,59)
  • Spaltung unter den Jüngern (6,60 - 6,71)
  • Das Laubhüttenfest in Jerusalem und das Auftreten im Tempel (7,1 - 7,52)
  • Jesus und die Ehebrecherin (8,1 - 8,11)
  • Streitgespräche mit den Juden (8,12 - 8,59)
  • Die Heilung eines Blindgeborenen am Teich Schiloach (9,1 - 9,41)
  • Der Gute Hirte (10,1 - 10,21)
  • Das Tempelweihfest und das Streitgespräch (10,22 - 10,39)
  • Die Auferweckung des Lazarus (11,1 - 11,44)
  • Der Tötungsbeschluss des Hohen Rates (11,45 - 11,57)

Die Verherrlichung des Sohnes in Jerusalem (12 - 20,31)

  • Die Salbung in Bethanien (12,1 - 12,11)
  • Der Einzug in Jerusalem (12,12 - 12,19)
  • Die letzte öffentliche Rede (12,20 - 12,50)
  • Die Fußwaschung und die Abschiedsreden (13,1 - 17,26)
  • Die Verhaftung und der Verhör vor Hannas (18,1 - 18,26)
  • Der Verhör vor Pilatus (18,28 - 18,40)
  • Die Geißelung und der Kreuzigungsentschluss 19,1 - 19,16)
  • Die Hinrichtung (19,16 - 19,30)
  • Bestattung des Leichnams (19,31 - 19,42)
  • Das leere Grab (20,1 - 20, 10)
  • Die Erscheinung Jesu vor Maria von Magdala (20,11 - 20,18)
  • Jesus und Thomas (20,24 - 20,29)
  • Epilog (20,30 - 20,31)

Nachtrag zum Evangelium (21 - 21,24)

Literatur

  • Heinrich Reinhardt, Johannes, Die Rede von Gott, Augsburg 2004, ISBN 3-936484-29-5
  • Bonaventura Rebstock OSB: Vom Wort des Lebens - Gedanken zum Johannes- Evangelium im Geist der Heiligen Väter, Erster Band: Das öffentliche Wirken, Kapitel 1-12, Paulus Verlag Recklinghausen 1950 (3. verbesserte Auflage: 414 Seiten).

Zitate

  • Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Joh 10,10)
  • Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. (Joh 6,51)
  • Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. (Joh 6,64a)

Weblinks

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