Eucharistische Nüchternheit

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Eucharistische Nüchternheit (lat. jejunium eucharisticum, von ieiunium "Hunger, Fasten") bedeutet, eine Zeit lang vor der heiligen Kommunion nüchtern zu sein.

„Wer die heiligste Eucharistie empfangen will, hat sich innerhalb eines Zeitraumes von wenigstens einer Stunde vor der heiligen Kommunion aller Speisen und Getränke mit alleiniger Ausnahme von Wasser und Arznei zu enthalten.
Ein Priester, der am selben Tag zweimal oder dreimal die heiligste Eucharistie feiert, darf vor der zweiten oder dritten Zelebration etwas zu sich nehmen, auch wenn nicht ein Zeitraum von einer Stunde dazwischenliegt.
Ältere Leute oder wer an irgendeiner Krankheit leidet sowie deren Pflegepersonen dürfen die heiligste Eucharistie empfangen, auch wenn sie innerhalb der vorangehenden Stunde etwas genossen haben (Codex Iuris Canonici, can. 919 § 1-3).“

Inhaltsverzeichnis

Theologischer Sinngehalt

Der Verzicht auf Speisen und Getränke vor dem Kommunionempfang ist ein Zeichen der Ehrfurcht vor der realen Gegenwart Gottes in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein. Er rührt aus der früchchristlichen Einsicht, "dass der heiligen Nahrung als solcher die Priorität gebühre". Auch die Juden durften das Passahmahl nicht mit vollem Magen essen, in heidnischen Kulten der Antike waren Fastenvorschriften zu beobachten, wenn man vor die Gottheit hintreten wollte.[1]

Die Nüchternheit als angemessene Vorbereitung auf die Feier des Sakramentes kann als "Gesammeltheit" und "Ausdruck des Wartens auf den Jüngsten Tag" verstanden werden. Sie macht den "eschatologischen Vorbehalt" (1 Kor 7,29-31 EU) deutlich - das Reich Gottes ist in Jesus Christus bereits angebrochen und erfahrbar, aber seine Vollendung steht noch aus - und "lässt den ganzen Menschen Christus entgegengehen" (vgl. 1 Thess 5,6-10 EU, 1 Petr 1,8-9 EU).[2]

Geschichte

Vor der Heiligen Messe und Kommunion nüchtern zu bleiben, wurde schon in frühchristlicher Zeit Brauch, wenn auch noch nicht als streng bindende und noch weniger als allgemein geltende Vorschrift.[3] Die Beobachtung von Nüchternheit ist bereits um 200 bei Tertullian, bei Hippolyt und bei Augustinus von Hippo um 400 nachweisbar.[4] Das Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert (Papst Pius XII.) hindurch galt, dass ab Mitternacht völlige Enthaltung von Speise und Trank (Jejunum naturale) zu leisten war,[5] wobei Mitternacht sowohl nach der Orts- wie nach der Landeszeit berechnet werden konnte.[4]

Das Nüchternsein war für die Heilige Messe und Kommunion, und zwar auch für die Krankenkommunion, streng vorgeschrieben (außer in Todesgefahr). Nur der Papst konnte vom Nüchternsein dispensieren. Ausgenommen war einzig das Viatikum Schwerkranker, doch haben Pius X. und das Kirchenrecht 1917 (can. 808 - für Priester, can. 858 - für Gläubige) auch für andere Kranke, welche bereits seit einem Monat leidend waren und keine sichere Hoffnung auf baldige Wiederherstellung (innerhalb drei Tagen) hatten, das Gebot des Nüchternseins insoweit aufgehoben, als sie ihnen gestatteten, nach Rücksprache mit dem Beichtvater ein- oder zweimal in der Woche die Kommunion zu empfangen, auch wenn sie vorher etwas Medizin oder sonst etwas - doch nur in flüssiger Form (per modum potus) - genossen haben sollten.[6]

Am 22. Mai 1923 gab das Heilige Offizium den Lokalordinarien die Vollmacht, für Priester, die binieren oder spät zelebrieren müssen, vor der zweiten Messe Flüssiges (aber keine alkoholischen Getränke) zu erlauben.[7]

Während des Zweiten Weltkrieges verfügte der Apostolische Stuhl für mehrere Länder und Personengruppen weitgehende Erleichterungen.[8] Papst Pius XII. regelte am 6. Januar 1953 durch die Apostolische Konstitution Christus dominus in qua das Nüchternheitsgebot beim Empfang der Eucharistie neu und erleichterte es in manchen Punkten. Doch sind die dort gegebenen Bestimmungen durch das Motu proprio Sacram communionem vom 19. März 1957 zum Teil wieder überholt bzw. ergänzt worden. Auf Grund dieses Motu proprio galt folgendes:
1) Natürliches Wasser ohne jeden Zusatz brach die Nüchternheit nicht und durfte darum von allen bis zum Empfang der heiligen Kommunion getrunken werden. Darum durfte auch der Priester, der am selben Tage zweimal oder dreimal in Abständen zu zelebrieren hatte, bei der ersten und zweiten Messe den Kelch mit Wasser (ohne Wein, es sei denn, dass er die nächste Messe erst nach drei Stunden begann) ausspülen und austrinken. Wenn er dabei aus Versehen auch Wein genommen hatte, durfte er trotzdem die zweite und dritte Messe halten, auch wenn keine drei Stunden dazwischen lagen.
2) Darüber hinaus galt im einzelnen:
a) Priester durften vor der Feier der Heiligen Messe und Gläubige vor dem Empfang der heiligen Kommunion sowohl vormittags wie nachmittags bis drei Stunden vorher feste Speisen und Alkohol und bis einer Stunde vorher Getränke mit Ausnahme von Alkohol zu sich nehmen. Das galt auch für diejenigen, die um Mitternacht oder in den ersten Stunden des Tages zelebrierten bzw. kommunizierten.
b) Kranke durften außerdem, auch wenn sie nicht bettlägerig waren, Getränke mit Ausnahme von Alkohol und wirkliche und eigentliche Medizin in flüssiger oder fester Form bis unmittelbar vor der Feier der heiligen Messe bzw. dem Empfang der heiligen Kommunion zu sich nehmen, mag sie vom Arzt verordnet gewesen sein oder nicht. Doch wurden alle Priester und Gläubigen, die dazu imstande waren, ermahnt, die Nüchternheit vor der Messe bzw. vor der heiligen Kommunion in der ehrwürdigen alten Form zu wahren.[9] Für den Empfang der Wegzehrung bestanden weiterhin keine Nüchternheitsbestimmungen.[4]

Im Schreiben des Heiligem Offiziums In apostolica constitutione vom 1. Januar 1964 galt die eucharistische Nüchternheit nicht mehr vom Beginn der Messfeier, sondern nunmehr vom Zeitpunkt des Kommunionempfangs an. In der Anordnung Die XXI mensis vom 21. November 1964 wurde das Nüchternheitsgebot von Speisen und alkoholischen Getränken auf eine Stunde verkürzt. Die Sakramentenkongregation legte am 29. Januar 1973 in der Instruktion Immensae caritatis die Nüchternheit für Kranke auf 15 Minuten fest.[10]

Päpstliche Schreiben

Pius X.

Pius XI.

Pius XII.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Anmerkungen

  1. Josef Andreas Jungmann SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der Römischen Messe, Band 2, Herder Verlag Wien, Freiburg, Basel, 5. verbesserte Aufl. 1962, S. 454 Anm. 34 (Imprimatur Nr. 901 Bischöfliches Ordinariat Innsbruck, 21. Mai 1962 Dr. J. Hammerl, Kanzler).
  2. Klaus Demmer: Nüchternheit. I. Theologisch-ethisch, in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 7 Sp. 943.
  3. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon. Josef Kösel Verlag & Friedrich Pustet Verlag Komm-Ges. Regensburg 1924, S. 232 Nüchternsein (399 Seiten; Zweite, verbesserte und sehr vermehrte Auflage; Imprimatur Ratisbonae, die 1. Aprilis 1924 Dr. Scheglmann Vic. Gen).
  4. 4,0 4,1 4,2 Gerhard Podhradsky: Lexikon der Liturgie. Ein Überblick für die Praxis. Tyrolia Verlag Innsbruck-Wien-München 1967, S. 258 - Nüchternheit (490 Spalten, 2. Auflage; Imprimatur des Bischöfl. Ordinariates Innsbruck Nr. 1693/2 vom 23. Oktober 1966 Mons. Dr. Josef Hammerl, Generalvikar).
  5. Konzil von Konstanz, Denz. 626 - J. Miller in: LThK, 2. Auflage, Band 7, Sp. 1066 - Nüchternheit.
  6. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon. Josef Kösel Verlag & Friedrich Pustet Verlag Komm-Ges. Regensburg 1924, S. 232 Nüchternsein (399 Seiten; Zweite, verbesserte und sehr vermehrte Auflage; Imprimatur Ratisbonae, die 1. Aprilis 1924 Dr. Scheglmann Vic. Gen).
  7. Michael Gatterer in: LThK 1. Auflage, Band 6, Sp. 104.
  8. J. Miller in: LThK, 2. Auflage, Band 7, Sp. 1066 - Nüchternheit.
  9. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 185-186, Nüchternheit (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  10. Reinhild Ahlers: Nüchternheit. II. Kirchenrechtlich, in: LThK 3. Aufl., Bd 7, Sp. 943.
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