Elisabeth von Thüringen

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Elisabeth von Thüringen

Elisabeth von Thüringen (* 1207 in Sárospatak/Ungarn; † 17. November 1231 in Marburg), international auch unter der Bezeichnung Elisabeth von Ungarn bekannt, ist eine katholische Heilige.

Sie war Tochter des ungarischen Königs Andreas II. aus dem Hause der Arpaden und Königin Gertrud von Andechs-Meranien, und wurde später Landgräfin von Thüringen. Von frühester Jugend an der Gottes- und Nächstenliebe hingegeben gab sie ihre Existenz am thüringischen Hof zugunsten eines am franziskanischen Armutsideal ausgerichteten Lebens auf.

Sie ist Stifterin eines Kloster der Franziskaner in Eichenau, eines Hospital in Eisenach, und ernährte die thüringische Bevölkerung während der Zeit der großen Hungersnot 1225/1226, in dem sie Güter und Nahrungsmittel aus den Vorräten der königlichen Kornkammer verteilte. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie 1223 ein Hospital in Gotha. Aus ihrem Witwenerbe erichtete sie 1228 ein Hospital in Marburg in dem sie bis zu ihrem frühen Tod selbst als Spitalschwester tätig war. Elisabeth war eine der ersten Tertiarinnen des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Elisabeth wurde 1207 [1] als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und seiner ersten Gemahlin Gertrud von Andechs-Meranien auf der Burg Sárospatak[2] im Norden Ungarns geboren. Elisabeths Eltern Andreas II., König von Ungarn (1205-1235) und Gertrud von Meranien (gest. 1213) heirateten 1202, konnten aber ihr Eheleben aufgrund der Kämpfe um den ungarischen Thron mit dem eigentlichen Thronfolger, Andreas' älterem Bruder Emerich erst 1204 fortsetzen. Andreas wurde im Mai 1205 zum König gekrönt. Die Geschwister Elisabeths hießen Bela(geb. 1206, Thronfolger, später verheiratet mit der byzantinischen Kaisertochter Maria Laskaris), Koloman (geb. 1208), Andreas und Maria (später verheiratet mit Ivan II. Asan, Zar von Bulgarien).

Andreas II. und Gertrud von Andechs, Miniaturbild im Landgrafenpsalter

Elisabeth wuchs am ungarischen Königshof zweisprachig auf. Durch ihre Mutter Gertrud wurde das Deutschtum in Ungarn in erheblichem Maße gefördert. Sie umgab sich auch zu ihrem Schutz mit deutschen Rittern, die sie mit ihren Familien nach Ungarn übersiedeln ließ. Gertrud war eine starke Frau, die ihre guten Absichten durchzusetzen verstand.

Ihr Bruder Berthold wurde 1206 zum Erzbischof von Kalosca in Ungarn gewählt, und erhielt 1207 Dispenz für die Bischofsweihe vom Papst, da er noch nicht 30 Jahre alt war. Ab 1208/09 hielten sich auch Gertruds Brüder Bischof Eckbert aus Bamberg und Markgraf Heinrich von Istrien am Hof seiner Schwester Gertrud auf, nachdem er aus dem Deutschen Reich wegen angeblicher Mitwisserschaft an der Ermordung des Königs Philipp II. fliehen mussten. Bischof Eckbert betrieb von dort aus seine Rehabilitation, die 1211 in Bamberg per Reinigungseid erfolgte. Um 1211 rief der ungarische König auch den Deutschen Orden zu Hilfe, um den angestammten Siedlungsraum der Sachsen im Burzenland im Südosten von Siebenbürgen gegen die Angriffe der heidnischen Burzen und dem Turkvolk der Kumanen zu verteidigen, wobei der Deutsche Orden sich in erbitterten Kämpfen durchsetzte und später das Gebiet als Schenkung des Königs übereignet bekam.

Elisabeths Mutter wurde am 28. September 1213 Opfer des Neides ungarischer Adliger, die über die reiche Zuteilung königlicher Ländereien an die deutschen Adelsfamilien in Ungarn und der Ernennung Bertholds zum Erzbischof von Kalosca und Wojewoden von Siebenbürgen empört waren. In Abwesenheit von König Andreas II., der gerade auf einem Feldzug zur Verteidigung Ungarns war, wurden die Königin und ein Teil des deutschen Adels im Wald von Pilis (im Osten des ungarischen Mittelgebirges) überfallen und grausam ermordet. Sie wurde in der Kirche des Zisterzienserklosters in Pillis beigesetzt. Auch auf Elisabeths Onkel Erzbischof Berthold wurde ein Mordanschlag verübt. Er entkam aber mit einigen Verletzungen, und wurde durch die Hilfe von zwei Bischöfen außer Landes gebracht. Gertruds Mörder, Peter von Törre, konnte gefasst und hingerichtet werden.

Die ungarische Königsfamilie galt als fromm, und betrieb über Generationen hin eine papstfreundliche Politik. König Bela III. gründete 5 Zisterzienserklöster, und gelobte am Kreuzzug teilzunehmen, wofür er beträchtliche finanzielle Rücklagen bildete. Den angesparten Schatz erbte sein Sohn Andreas II., der mit ihm das Kreuzugsversprechen 1217 einlöste. Andreas wurde als gütiger und friedsamer Mann beschrieben. Königin Gertrud schenkte dem schlesischen Zisterzienserkloster Lebus eine goldene Krone, damit daraus ein Abendmahlkelch gegossen werde. Die Geburt Elisabeths wurde von ihren Eltern von Gott erbeten, und durch Erfüllung eines vor Gott abgelegten großen Gelübdes begleitet.[3]

Bereits wenige Monate nach ihrer Geburt wurde Elisabeth dem Thronfolger Heinrich I.von Thüringen versprochen, und auf dieses Schicksal vorbereitet. Da Elisabeth nur ihre ersten fünf Lebensjahre bei ihren Eltern verbrachte, lernte sie ihre Geschwister kaum kennen. Heinrich I. von Thüringen holte oft Nachrichten über die Verlobte seine Sohnes und Thronfolgers ein. Diedrich von Apolda berichtet dazu:

"Da fügte es sich einmal, daß ein Barfüßer zu ihm kam und sprach: "Ich war seit meinem vierten Lebensjahr blind und hatte zudem eine gelähmte Hand. Ich ging zu dem Kind, es legte mir einen Apfel hinein, von dem es abgebissen hatte. Mit dem Apfel strich ich mir über die Hand und die Augen, und sogleich wurde ich gesund. Das ganze Ungarland empfand Freude über das Kind, denn es hat mit sich Frieden und Glück gebracht."
Dietrich von Apolda, Vita S. Elyzabeth, Handschrift 1481 [4]

Die Wartburg
Die Kapelle der Wartburg

Am 31. März 1211 wurde der Bann des Papstes Innozenz III. gegen Kaiser Otto IV. allgemein verkündet, und die deutschen Fürsten zum Widerstand gegen den Kaiser aufgerufen. Hierbei wurden Bündnisse gegen den Kaiser Otto IV. für den Staufer Friedrich von Sizilien (später Kaiser Friedrich II.) geschlossen. In dieses Bündniss waren sowohl der ungarische König als auch Landgraf Hermann I. von Thüringen einbezogen. Hermann I. trat so sehr für den Staufer ein, dass Otto IV. gegen ihn Krieg führte, und die Burg Weissensee belagerte. Um die staufische Partei zu stärken, das Bündnis und den Frieden zu sichern, wurde auf Vorschlag Hermann I. ca. 1211 ein Verlobungsvertrag geschlossen, der vorsah, Elisabeth mit seinem Sohn Hermann zu verheiraten.

Elisabeth kam 1211 schon im Alter von vier/fünf Jahren an den Hof des Landgrafen Hermann I. von Thüringen, dessen Hauptsitz sich auf der Wartburg bei Eisenach befand, und wurde mit dem Hermann verlobt. Brautgeschenk waren tausend Silbermark, edle Kleinodien, kostbare Gefäße, Schmuck und wertvolle Textilien aus Seide, Purpurgewänder, kostbaren und kunstvollen Hausrat, eine silberne Wanne und eine silberne Wiege, in der Elisabeth lag. Die ungarischen Königin Gertrud wollte die Geldsumme später noch erhöhen, wozu sie aber aufgrund ihres frühen Todes nicht mehr kam. Übergeben wurde die Braut in Pressburg an Graf Meinhard von Mühlberg, Ritter Walter von Varugula und Bertha von Bendeleben. Sie wurde von Graf Berthold und seiner Frau, wie auch von einem etwa gleichaltrigen Mädchen Guda begleitet. Graf Berthold und seine Frau blieben zu ihrem Schutz ein Jahr lang am Hof Hermann I., und kehrte später nach Ungarn zurück, wo er vom ungarischen König für diesen Dienst reich belohnt wurde. Guda blieb viele Jahre Elisabeths Schicksalsgefährtin, und von ihr stammen auch wichtige Berichte über Elisabeths Kindheit.

Heinrich I. war Teilnehmer des Kreuzzuges 1197/98, und sowohl bei der Eroberung von Akkon, als auch bei der Gründung des Deutschen Ordens im Heiligen Land dabei. Zahlreiche der neuen Verwandten Elisabeths gehörten ebenfalls dem Deutschen Orden an. Freigiebig förderte Heinrich die mittelalterliche Kunst, insbesondere den Minnesang. Zeitweise waren bekannte Dichter wie Heinrich von Veldeke, Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach am thüringischen Hof beheimatet. In seinen Liedern kritisierte Walther das höfische Leben in Thüringen, insbesondere Verschwendungssucht und das Benehmen der Ritter. Seine Frau Sophia durchlief nach Eintreffen Elisabeths eine stärkere religiöse Entwicklung. Er ließ 1215 in Creuzburg die Nikolaikirche erbauen und die Kapelle der Wartburg erneuern. 1215 gründeten er, Sophia und seine Nichte Imagina das Katharinenkloster in Eisennach, dem Imagina als erste Äbtissin vorstand.

Am Hof des Langrafen von Thüringen erhielt Elisabeth eine standesgemäße Erziehung vor allem durch die aus dem Hause Wittelsbach stammende Landgräfin Sophia, welche dieselbe bayrische Sprache sprach wie Elisabeths leibliche Mutter, an deren Stelle Sophie nun trat. Die Mädchen am Hof lernten damals üblicherweise edles, gesittetes Benehmen, lesen und schreiben, tanzen, singen, Musikinstrumente spielen, das Reiten (im Damensattel mit Gerte), Flachs spinnen, weben, nähen und stricken. Elisabeth hatte es schwer mit dem Spinnen von Flachs, war aber eine hervorragende Reiterin. Gemeinsam mit ihrer Spielgefährtin Guda wurde die fünfjährige Elisabeth am thüringischen Hof in mitten einer Kinderschar aufgenommen, die aus den Nachkommen der Landgrafenfamilie bestand. Unter anderem gehörten dazu neben ihrem dreizehnjährigen Verlobten, Heinrich, der elfjährige Ludwig, der siebenjährige Heinrich Raspe und Konrad, der etwa im selben Alter wie Elisabeth war.

Die heranwachsende Elisabeth fiel dadurch auf, dass sie um Liebe und Barmherzigkeit willen, sich aus der höfischen Etikette löste, höfische Zeremonien gering schätzte, und ein herzliches und vor allem persönliches Zugehen auf Hilfsbedürftige zeigte, zu denen der Adel standesgemäß möglichst große Distanz einnahm. Sehr oft wurde die kleine Elisabeth in der Kapelle vor dem Psalter oder an deren Schwelle knieend oder liegend im Gebet vorgefunden. Im Spiel bewegte sie die anderen Kinder das Vaterunser und das Ave Maria zu beten, unter anderem dadurch, dass sie die Kinder aufrief:"Lasst uns um das Gotteshaus herum gehen und dabei Gebete sprechen!"

"Danach sagte sie zu den Kindern:"Denkt daran dass wir zu Staub werden müssen!" und weiter "Hier liegen tote Menschen begraben. Sie lebten gleich uns und sind nun tot. Uns wird es ebenfalls so ergehen. Daher sollten wir Gott lieb haben. Sprecht mir die Worte nach: "Herr, um deines schmerzreichen Todes und deiner lieben Mutter Maria willen erlöse diese von ihrer Pein!" Dies tat sie sehr häufig, so dass Meister Albertus sagt: "Ich meine, sie kam nie von dort, ohne durch ihr Gebet nicht wenigstens eine Seele erlöst zu haben."."
Dietrich von Apolda, Vita S. Elyzabeth, Handschrift 1481 [5]

James Collinson "The Renunciation of St. Elizabeth of Hungary"

Elisabeth war, je mehr sie zu einer schönen jungen Frau heranwuchs, in steigendem Maße dem Hohn in Rede und Tat durch ihre zukünftigen thüringischen Verwandten ausgesetzt, die an dem protzigen und intrigenreichen höfischen Leben anhafteten, von dem sich Elisabeth abgestoßen fühlte. Sie durchbrach die von gegenseitigem Neid und Missgunst erfüllte Atmosphäre durch ein radikal tugendhaftes Leben, und wurde so zum beständigen Ärgernis und tiefsten Unmut für viele einflussreiche Adlige aber auch geistliche Räte, deren bittere Schmähungen sie ausgesetzt war. Elisabeth suchte nun oft die Gesellschaft der einfachen Mägde. Ihre zukünftige Schwiegermutter versuchte die Situation zu bereinigen, in dem sie daraufhin wirkte, sie in einem Kloster unterzubringen. Andere versuchten sie zum ungarischen Königshof zurück zu schicken, da die Mitgift zu gering ausgefallen sei. Doch gab es auch immer wieder fromme Angehörige des Adels und der Ritterschaft welche die Intrigen gegen sie abwehrten.

Silvester 1216 starb der Thronfolger Hermann, und Elisabeth wurde dessen um 1200 geborenen Bruder Ludwig zur Frau bestimmt. Am 26. April 1217 starb auch Landgraf Hermann I. in Gotha. Sophia trat nach dem Tod ihres Mannes 1217 in das Katharinenkloster zu Eisenach ein. Ihr Sohn übernahm als Ludwig IV., Landgraf von Thüringen und der Pfalzgraf von Sachsen die Regentschaft.

Da deutete der Fürst auf einen hohen Berg, der vor ihnen lag, und sprach: "Glaube mir, wäre dieser Berg von unten bis oben aus lauterem, feinen Gold - es fiele mir leichter ihn zu verschmähen, als von der Ehe mit Elisabeth Abstand zu nehmen. Mag ein jeder denken und reden, was er will, mir ist Elisabeth so lieb, dass ich sie nicht vergessen kann."
Dietrich von Apolda, Vita S. Elyzabeth, Handschrift 1481 [6]

Elisabeth von Thüringen

Ludwig IV. heiratete 1221 die vierzehnjährige Elisabeth in der Georgenkirche in Eisenach. Die Ehe beruhte auf gleicher Gesinnung hinsichtlich der tiefen Religiösität und auf herzlicher Liebe. Ludwig tolerierte daher Elisabeths asketische Lebensweise, ihre anstrengenden geistlichen Exerzitien und unterstütze ihre Werke der Barmherzigkeit, die aber von seiten seiner Verwandschaft argwönisch bis feindlich betrachtet wurden. So hatte zum Beispiel Elisabeth bei der großen Hungersnot in Deutschland im Frühjahr 1226 in Abwesenheit Ludwigs angeordnet, in Eisennach ein Spital zu errichten, und Vorräte unter den Bedürftigen zu verteilen. Elisabeth hatte auch Anteil an der Gründung eines Spitals in Gotha 1223, und stiftete dem Bettelorden der Franziskaner 1225 eine Kapelle in Eisenach.

Elisabeth von Thüringen

Diese ihre Wohltätigkeit und persönliche Anspruchslosigkeit wurde zwar von vielen in ihrer höfischen Umgebung nicht verstanden, die vielen kleinen Leute vom Volk sahen sie jedoch als ihre ihnen freundschaftlich gesinnte „Mutter“ und hielten zu ihr. Auch ihr Mann Ludwig verteidigte seine Frau gegen Vorwürfe und Feindseligkeiten. Stets war es die Liebe Christi, die sie bewegte, den Armen und Verachteten nahe zu sein und das Brot mit ihnen zu teilen.

Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor:

  • Hermann (geb. 1222, †1241), Landgraf von Thüringen von 1239 bis 1249, Heirat mit Helene von Braunschweig Lüneburg
  • Sophie (geb. 1224, †1275), 1247 Gemahlin Heinrich II., Herzog von Brabant. Ihr Sohn Heinrich wurde später erster Landgraf von Hessen.
  • Gertrud (geb. 1227, †1297), Äbtissin des Prämonstratenserinnenkloster Altenberg, 1348 von Papst Clemens VI. selig gesprochen. [7]

Elisabeth ereilte 1227 ein schwerer Schicksalsschlag: Ihr Mann Ludwig, welcher am 24. Juni des Jahres zur Teilnahme an einem Kreuzzug des Kaisers aufgebrochen war, starb am 11.September in Otranto an den Folgen einer Seuche. Die Regentschaft über Thüringen ging an die zwei Vormünder von Elisabeths minderjährigen Sohn Hermann, Ludwigs Brüder Heinrich und Konrad, über. Die junge Witwe mit ihren Kindern – sie war erst 20 Jahre alt – wurde nun von missgünstigen Menschen ihrer Güter beraubt und mit den Kindern des Hofes verwiesen. Elisabeth, die zuvor schon für die Armen gesorgt hatte, war nun plötzlich selber arm geworden. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes Ludwigs IV. bat ihr Beichtvater Magister Konrad von Marburg den Papst um Schutz für sie. Papst Gregor IX. stellte Elisabeth unter apostolischen Schutz, und bestimmte Konrad von Marburg (ab 1227 mit der Ketzerverfolgung beauftragt, ab 1231 selbständiger Ketzerrichter) zu Elisabeths Defensor, und damit zu ihrem weltlichen Beschützer. Im Beisein von Konrad von Marburg gelobte Elisabeth am 24. März 1228 freiwillige Armut und Verzicht auf jede eigene Entscheidung.

Aufenthalt im Hochstift Bamberg

Nach ihrer und ihrer Kinder Vertreibung nahm Elisabeth in Bamberg bei ihrem Onkel Ekbert von Andechs-Meranien, den Bischof von Bamberg, wohl in der Curia St. Elisabethae, Domstraße 7 Wohnung.

Nach einer Beschreibung nahm sie am Fürstenportal des Bamberger Domes die sterblichen Überreste ihres auf einer Pilgerreise ins Heilige Land verstorbenenn Ehemanns, dem Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen in Empfang.

Aufenthalt in Marburg

Es gelang vor allem durch den Einsatz des Konrad von Marburg das Vermögen Elisabeths gegenüber der landgräflichen Familie sicherzustellen, und durch die Spendefreudigkeit von Konrads Schutzbefohlenden auszugleichen. Elisabeth war jedoch bereit, all das, was sie entbehren konnte, weiterzuschenken: Sie gründete in Marburg ein Hospital, benannt nach dem heiligen Franz von Assisi, den sie sehr verehrte. Die Kinder wurden bei Verwandten untergebracht, und sie selber beschloß, ihr ganzes Leben nun dem Dienst Christi und der Armen zu weihen. Die wenigen Jahre, die ihr noch blieben, setzte sich bis zur Erschöpfung ihrer Kräfte dafür ein, den Armen, Kranken und Aussätzigen zu helfen und ihnen zu dienen. In der Nacht vom 16. auf den 17. November 1231 starb Elisabeth in Marburg im Alter von nur 24 Jahren, nach einem von Liebe und Hingabe erfüllten Leben.

Legenden

Voraussagen zu Elisabeths Geburt

Moritz von Schwind: Der Sängerkrieg, Fresko auf der Wartburg von 1854

Im Jahr 1206 begann auf der Wartburg, dem Sitz des einflussreichen Landgrafen Hermann I. von Thüringen ein Sängerwettstreit, der sich zum sagenhaften Sängerkrieg entwickelte.Heinrich der I. war der Mäzen mittelalterlicher Minnesänger und Dichter. Er organisierte einen Wettbewerb, in dem die führenden deutschen Minnesänger darum rangen, wer "den besten Fürsten und die beste Fürstin auf beste Weise zu rühmen" verstehe. Angetreten waren Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Heinrich von Ofterdingen, Reinmar von Zweter, Biterolf und Der tugendhafte Schreiber. Der im Wettkampf unterlegende Heinrich von Ofterdingen erbat eine Wiederholung des Wettstreites, die 1207 stattfand. Hierzu lud er der Sage nach den ungarischen Sänger, Gelehrten und Sterndeuter Klingsohr ein, dessen Gestalt Wolfram von Eschenbach in seinem großen Epos Parzival einarbeitete. Durch Klingsohr wurde auf der Wartburg dem thüringischen Hof die Geburt Elisabeths vorausgesagt, mit den Worten:

"Ich sehe einen Stern, der leuchtet von Ungarn bis nach Marburg, über die ganze Welt. Ihr sollt daher wissen, dass dem König von Ungarn in dieser Nacht eine Tochter geboren wurde. Sie wird Elisabeth heißen und heilig werden, und man wird sie dem Sohn dieses Fürsten zur Frau geben. Ihre Heiligkeit wird das ganze Land erfreuen und erhöhen; denn ihr Lobpreis und ihre Heiligkeit wird von Ungarn nach Marburg gelangen, und von Marburg in alle Welt."
Dietrich von Apolda, Vita S. Elyzabeth, Handschrift 1481 [8]

Heiligsprechung

Elisabeth von Thüringen

Für die Heiligsprechung Elisabeths setzte sich vor allem Konrad von Marburg ein, dem Papst Gregor IX.Elisabeths geistliche Führung und weltliche Obhut anvertraut hatte. Am Tag des heiligen Laurentius, dem 10.August 1232, befanden sich der Mainzer Erzbischof Siegfried III. und mehrere Prälaten in Marburg. Konrad bemühte sich, ihre Aufmerksamkeit auf die im Volk herumgehenden Berichte über Wunder im Zusammenhang mit Elisabeth zu lenken. Sechzig solcher Berichte wurden daraufhin gesammelt, und durch Zeugen beeidet. Diese Sammlung sandte Konrad zusammen mit seinem Lebensabriß Elisabeths "Summa vitae" nach dem 11. August 1232 an den Heiligen Stuhl. Bereits im November trat die Prüfungskommission zusammen, und fand über vierzig weitere Mirakel bestätigt. 1234 wurde eine erneute Prüfung der Berichte über die Wunder (inzwischen 129) in Auftrag gegeben, die unter anderen von Bischof Konrad II. von Hildesheim durchgeführt wurde. Am Pfingstfest 1235 wurde sie durch Papst Gregor IX. in der Dominkanerkirche zu Perugia heilig gesprochen, und der 19. November zu ihrem Festtag bestimmt.

Die Kanonisierungsbulle "Gloriosus in maiestate"(Ruhmreich in seiner Herrlichkeit) wurde auf den 1. Juni 1235 datiert. Konrad von Marburg konnte die Kanonisierung seiner Schutzbefohlenden nicht mehr erleben. Er wurde am 30.Juli 1233 ermordet. In der Wallfahrtskirche von Marburg erfolgte 1236 in Gegenwart Kaiser Friedrich II., der landgräflichen Familie und vieler Bischöfe die Translation der Gebeine Elisabeths.[9] Elisabeths Sarg wurde der Erde enthoben und Friedrich II. krönte ihr Haupt mit einer goldenen Krone - eine symbolische Handlung, mit der Elisabeth vom Kaiser als eine ewige Königin im Reiche Gottes geehrt wurde.

Gedenktage

  • Gedenktag katholisch: 17. November (seit 1970)
gebotener Gedenktag
nicht gebotener Gedenktag in England
Fest im Franziskaner- und im Kapuzinerorden
nicht gebotener Gedenktag im Trappisten- und Zisterzienserorden
gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet: 19. November
Fest im Bistum Berlin, Erfurt, Fulda und im Deutschen Orden
  • Gedenktag evangelisch: 19. November (EKD, LCMS) & 17. November (ELCA)
  • Gedenktag anglikanisch: 19. November

Attribute

  • Korb mit Rosen
  • Korb mit Broten
  • Schüssel mit Fischen
  • Bettler. Hilfesuchende wären angebrachter.

Patronate

Elisabeth vion Thüringen ist Patronin folgender "Stichwörter"

  • Berufe
der Bäcker
der Spitzenklöpplerinnen
  • Geographie
von Thüringen
von Hessen
des Bistums Erfurt
zweite Patronin des Bistums Fulda
  • Menschen
der Witwen und
der Waisen
der Bettler
der Kranken
der unschuldig Verfolgten
der Notleidenden
  • Religion
des Deutschen Ordens,
der Caritas-Vereinigungen
der Franziskanischen Gemeinschaft
Franziskaner-Minoriten Provinz

Bauernnregeln

"St. Elisabeth sagt es an, / was der Winter für ein Mann."

"Es kündet St. Elisabeth / was für ein Winter vor uns steht."

Denkmäler und Gedächtnisstätten

  • Auf Burg Pottenstein - auf der Elisabeth vor dem Wegzug nach Marburg wohnte - ist ein "Elisabethenzimmer" eingerichtet
  • Denkmal im Friedhof zu Bamberg in nächster Nähe des Verwaltungsgebäude.
  • Relief an den 800ten Todestag der Kirchen-Schutzpatronin in Friedrichsfeld Gemeinde Voerde.
  • Wartburg, als ihr eheliches Zuhause

Päpstliches Schreiben

Literatur

  • Joachim Meisner: Froh in der Gnade Gottes. Die heilige Elisabeth von Thüringen Bachem Verlag (ISBN: 978-3-7616-1946-9).
  • Dietrich von Apolda (Übersetzung: Rainer Kößling), Leben und Legende der heiligen Elisabeth, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1997, ISBN 3-458-19172-0
  • Walter Nigg (Hrsg.): Die heilige Elisabeth. Dargestellt von den Zeugen ihres Lebens, Patmos Verlag, Düsseldorf 1963.
  • Peter Helmut Görg: Elisabeth von Thüringen begegnen - Reihe "Zeugen des Glaubens", Sankt Ulrich Verlag 2009 (176 Seite; ISBN 978-3-86744-077-6 ).
  • Hermann Multhaupt: Elisabeth von Thüringen. Ein Leben voller Liebe St. Benno Verlag (240 Seiten; ISBN: 9783746221595)
  • Ursula Koch: Elisabeth von Thüringen, Die Kraft der Liebe (biographischer Roman; 240 Seiten) erhältlich beim Mediatrix-Verlag
  • Ortrud Reber: Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige. Eine Biographie, Friedrich Pustet Verlag Regensburg 2006, ISBN 3-7917-2014-7
  • Ernst W. Wies: Elisabeth von Thüringen. Provokation der Heiligkeit, Bechtle Verlag, Esslingen 1993, ISBN 3-7628-0520-2
  • H. Schlegel: Dem Herzen trauen. Mit Elisabeth von Thüringen durch das Jahr. Echter Verlag Würzburg (ISBN: 978-3-429-02879-4).
  • Steffi Baltes: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Verlag: Francke-Buchhandlung (ISBN: 978-3-86122-949-0).
  • Thorsten Albrecht, Rainer Atzbach: Elisabeth von Thüringen. Leben und Wirken in Kunst- und Kulturgeschichte, Michael Imhoff Verlag, Bamber, 2007.
  • Weil wir wie das Schilfrohr im Fusse sind. Begegnungen mit der heiligen Elisabeth in Hessen und Thüringen, Schnell und Steiner Verlag, Regensburg, 2007.

Medien

  • CD: Elisabeth von Thüringen. Peter Janssens Musik Verlag (ISBN: 9990482910038).

Weblink

Anmerkungen

  1. Das Geburtsjahr wird aus Angaben erechnet, die Konrad von Marbug in seiner Schrift Summa Vitae niederschrieb: "Obiit XVI kalendas decembri anno etatis sue XXV; sie starb im 25. Lebensjahr". Das Todesdatum Elisabeths ist der 16./17. November 1231, woraus sich als Geburtsjahr 1207 ergibt. Der Geburtstag kann nicht vor August 1207 liegen, da Elisabeths Bruder Bela im Herbst 1206 geboren wurde, und der Papst dem ungarischen König hierzu am 29. November seine Glückwünsche ausrichten ließ. (Reber, Ortrud, Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige. Eine Biographie, Verlag Friedrich Prustet, Regensburg 2006, Seite 49)
  2. Die Angabe des Geburtsortes stammt aus den Elisabeth-Predigten von Osvaldus de Lasco (Laskai Ozvát) (1450-1511), die 1497 in Hagenau in seinem Werk "Sermones de sanctis Biga salutis intitulati". Von den Biographen wird dieser Geburtsort für wahrscheinlich gehalten, da sich Sárospatak im Besitz der Königin Gertrud befand, und sie sich dort oft aufhielt. Es entspricht auch der ungarischen Lokaltradition in Sárospatak. Von der königlichen Pfalz ist heute nichts mehr erhalten. Einziger Überrest aus dem 11./12. Jahrhundert sind die Steine der Fundamente der Rundkirche, in der wahrscheinlich Elisabeth getauft wurde. Die nicht weit davon entfernte Burg Sárospatak wurde erst im 13./15. Jahrhundert errichtet. (Reber, Ortrud, Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige. Eine Biographie, Verlag Friedrich Prustet, Regensburg 2006, Seite 49)
  3. Dietrich von Apolda (Übersetzung: Rainer Kößling), Leben und Legende der heiligen Elisabeth, Seite 10, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1997, ISBN 3-458-19172-0,
  4. Dietrich von Apolda (Übersetzung: Rainer Kößling), Leben und Legende der heiligen Elisabeth, Seite 8, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1997, ISBN 3-458-19172-0,
  5. Dietrich von Apolda (Übersetzung: Rainer Kößling), Leben und Legende der heiligen Elisabeth, Seite 14, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1997, ISBN 3-458-19172-0,
  6. Dietrich von Apolda (Übersetzung: Rainer Kößling), Leben und Legende der heiligen Elisabeth, Seite 19, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1997, ISBN 3-458-19172-0,
  7. Dietrich von Apolda (Übersetzung: Rainer Kößling), Leben und Legende der heiligen Elisabeth, Seite 114, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1997, ISBN 3-458-19172-0,
  8. Dietrich von Apolda (Übersetzung: Rainer Kößling), Leben und Legende der heiligen Elisabeth, Seite 8, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1997, ISBN 3-458-19172-0,
  9. Dietrich von Apolda (Übersetzung: Rainer Kößling), Leben und Legende der heiligen Elisabeth, Seite 111-112, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1997, ISBN 3-458-19172-0,
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