Altes Testament Einheitsübersetzung 1979 Teil B

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Altes Testament Einheitsübersetzung 1979
approbiert von der Deutschen Bischofskonferenz im Februar 1978, in Krafttretung am 1. Advent 1979

Altes Testament Einheitsübersetzung 1979 Teil A, Neues Testament Einheitsübersetzung 1979; Vetum Testamentum Vulgata 1979 Pars B

Die Bibel

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Inhaltsverzeichnis

Das erste Buch der Makkabäer

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 1

1 Der Mazedonier Alexander, Sohn des Philippus, zog damals vom Land der Kittäer aus. Er besiegte Darius, den König der Perser und Meder, und wurde als erster König von Griechenland sein Nachfolger. 2 Er führte viele Kriege, eroberte zahlreiche Festungen und ließ die Könige der Erde erschlagen; 3 er kam bis an das Ende der Welt, plünderte viele Völker aus und die ganze Erde lag ihm wehrlos zu Füßen. Da wurde sein Herz stolz und überheblich. 4 Er stellte ein sehr großes Heer auf, herrschte über Länder, Völker und Fürsten und machte sie sich tributpflichtig. 5 Doch dann sank er aufs Krankenlager und fühlte seinen Tod nahen. 6 Er rief seine höchsten Offiziere zusammen, die mit ihm aufgewachsen waren, und verteilte sein Reich unter sie, solange er noch lebte. 7 Zwölf Jahre hatte Alexander regiert, als er starb. 8 Seine Offiziere übernahmen die Regierung, jeder in seinem Bereich. 9 Nach seinem Tod setzten sich alle die Königskrone auf; ebenso hielten es ihre Nachkommen lange Zeit hindurch. Sie brachten großes Unglück über die Erde. 10 Aus ihnen ging ein besonders gottloser Spross hervor, Antiochus Epiphanes, der Sohn des Königs Antiochus. Er war als Geisel in Rom gewesen und trat im Jahr 137 der griechischen Herrschaft die Regierung an. 11 Zu dieser Zeit traten Verräter am Gesetz in Israel auf, die viele (zum Abfall) überredeten. Sie sagten: Wir wollen einen Bund mit den fremden Völkern schließen, die rings um uns herum leben; denn seit wir uns von ihnen abgesondert haben, geht es uns schlecht. 12 Dieser Vorschlag gefiel ihnen 13 und einige aus dem Volk fanden sich bereit, zum König zu gehen. Der König gab ihnen die Erlaubnis, nach den Gesetzen der fremden Völker zu leben. 14 Sie errichteten in Jerusalem eine Sportschule, wie es bei den fremden Völkern Brauch ist, 15 und ließen bei sich die Beschneidung rückgängig machen. So fielen sie vom heiligen Bund ab, vermischten sich mit den fremden Völkern und gaben sich dazu her, Böses zu tun. 16 Als Antiochus sah, dass sich seine Herrschaft gefestigt hatte, fasste er den Plan, auch König von Ägypten zu werden und so über zwei Reiche zu herrschen. 17 Er drang mit vielen Soldaten in Ägypten ein, mit Streitwagen und Kriegselefanten, mit Reitern und einer großen Flotte, 18 und führte Krieg gegen Ptolemäus, den König von Ägypten. Ptolemäus wurde von ihm geschlagen und musste fliehen, nachdem viele seiner Leute im Kampf gefallen waren. 19 Die befestigten Städte Ägyptens wurden erobert und das Land geplündert. 20 Antiochus wandte sich nach seinem Sieg über Ägypten im Jahr 143 gegen Israel und rückte mit zahlreichen Truppen hinauf vor Jerusalem. 21 In seiner Vermessenheit betrat er sogar das Heiligtum; er raubte den goldenen Rauchopferaltar, den Leuchter samt seinem Zubehör, 22 den Tisch für die Schaubrote, die Opfer- und Trinkschalen, die goldenen Rauchfässer, den Vorhang, die Kronen und den goldenen Schmuck von der Vorderseite des Tempels. Von allem ließ er das Gold abschlagen. 23 Dann nahm er das Silber, das Gold, die kostbaren Geräte, und was er von den versteckten Schätzen finden konnte, 24 und ließ alles in sein Land schleppen. Er richtete ein Blutbad an und führte ganz vermessene Reden. 25 Da kam große Trauer über das ganze Land Israel. 26 Die Vornehmen und Alten stöhnten; die Mädchen und jungen Männer verloren ihre Kraft und die Schönheit der Frauen verfiel. 27 Jeder Bräutigam stimmte die Totenklage an, die Braut saß trauernd in ihrem Gemach. 28 Das Land zitterte um seine Bewohner. Das ganze Haus Jakob war mit Schande bedeckt. 29 Zwei Jahre später schickte der König einen Beamten in die Städte von Judäa mit dem Auftrag, die Steuern einzutreiben. Er kam mit zahlreichen Truppen nach Jerusalem. 30 Hinterlistig bot er den Einwohnern zunächst Frieden an. Als man ihm Glauben schenkte, fiel er plötzlich über die Stadt her, richtete großen Schaden in ihr an und brachte viele Israeliten um. 31 Er ließ die Stadt plündern und in Brand stecken und die Häuser und Stadtmauern ringsum niederreißen. 32 Frauen und Kinder schleppte man in die Sklaverei und ihren Besitz nahm man als Beute mit. 33 Um die Davidstadt bauten sie eine hohe und feste Mauer mit mächtigen Türmen, damit sie ihnen als Burg dienen konnte. 34 Sie legten eine heidnische Besatzung hinein, Männer, die sich nicht an das Gesetz hielten. Diese setzten sich dort fest, 35 versahen sich mit Waffen und Proviant und brachten auch die Beute, die sie in Jerusalem gemacht hatten, dort unter. So wurden sie zu einer großen Gefahr. 36 Aus dem Hinterhalt bedrohten sie das Heiligtum; immer waren sie für Israel ein schlimmer Feind. 37 Rings um den Tempel vergossen sie unschuldiges Blut und entweihten die heilige Stätte. 38 Jerusalems Einwohner flohen vor ihnen und Ausländer zogen in die Stadt ein. Ihren eigenen Kindern wurde die Stadt fremd und ihre Söhne verließen sie. 39 Ihr Heiligtum wurde leer wie die Wüste, ihre Feste verwandelten sich in Trauer. Ihre Sabbate wurden verhöhnt; statt geehrt zu sein, war sie verachtet. 40 So groß ihre Herrlichkeit gewesen war, so groß war nun ihre Schande. Von ihrer Höhe ist sie herabgestürzt, jetzt liegt sie in Trauer. 41 Damals schrieb der König seinem ganzen Reich vor, alle sollen zu einem einzigen Volk werden 42 und jeder solle seine Eigenart aufgeben. Alle Völker fügten sich dem Erlass des Königs. 43 Auch vielen Männern aus Israel gefiel der Gottesdienst, den er angeordnet hatte; sie opferten den Götterbildern und entweihten den Sabbat. 44 Der König schickte Boten nach Jerusalem und in die Städte Judäas mit der schriftlichen Anordnung, man solle eine Lebensform übernehmen, die dem Land fremd war. 45 Brand-, Schlacht- und Trankopfer im Heiligtum seien einzustellen, Sabbate und Feste zu entweihen, 11 46 das Heiligtum und die Heiligen zu schänden. 47 Man solle statt dessen Altäre, Heiligtümer und Tempel für die fremden Götter errichten sowie Schweine und andere unreine Tiere opfern. 48 Ihre Söhne dürften sie nicht mehr beschneiden, vielmehr sollten sie sich mit jeder denkbaren Unreinheit und Schande beflecken. 49 So sollte das Gesetz in Vergessenheit geraten und alle seine Vorschriften sollten hinfällig werden. 50 Wer aber des Königs Anordnung nicht befolge, müsse sterben. 51 Ähnliche Anweisungen erließ er für sein ganzes Reich. Er setzte Beamte ein, die die Durchführung im ganzen Volk überwachen sollten; auch gab er den Befehl, der Reihe nach in allen Städten Judäas einen Opfergottesdienst zu halten. 52 Viele aus dem Volk schlossen sich ihnen an; sie alle fielen vom Gesetz ab und trieben es schlimm im Land. 53 Die Israeliten mussten sich vor ihnen verstecken, wo immer sie Zuflucht fanden. 54 Am fünfzehnten Kislew des Jahres 145 ließ der König auf dem Brandopferaltar den unheilvollen Gräuel aufstellen; auch in den Städten Judäas ringsum baute man Altäre. 55 Vor den Haustüren und auf den Plätzen opferte man Weihrauch. 56 Alle Buchrollen des Gesetzes, die man fand, wurden zerrissen und verbrannt. 57 Wer im Besitz einer Bundesrolle angetroffen wurde oder zum Gesetz hielt, wurde aufgrund der königlichen Anordnung zum Tod verurteilt. 58 Sie ließen Israel ihre Macht fühlen und gingen mit Gewalt gegen alle vor, die sie Monat für Monat in den Städten aufspürten. 59 Am fünfundzwanzigsten des Monats (Kislew) brachten sie auf dem Altar, den sie über dem Brandopferaltar errichtet hatten, ein Opfer dar. 60 Frauen, die ihre Kinder hatten beschneiden lassen, wurden auf Befehl (des Königs) hingerichtet; 61 dabei hängte man die Säuglinge an den Hals ihrer Mütter. Auch ihre Familien brachte man um samt denen, die die Beschneidung vorgenommen hatten. 62 Dennoch blieben viele aus Israel fest und stark; sie aßen nichts, was unrein war. 63 Lieber wollten sie sterben, als sich durch die Speisen unrein machen und den heiligen Bund entweihen. So starben sie. 64 Ein gewaltiger Zorn lag auf Israel.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 2

1 Damals trat ein Priester auf aus dem Geschlecht des Jojarib namens Mattatias; sein Vater war Johanan, der Sohn Simeons. Er stammte aus Jerusalem, hatte sich aber in Modeïn niedergelassen. 2 Er hatte fünf Söhne: Johanan, den man auch Gaddi nannte, 3 Simeon mit dem Beinamen Tassi, 4 Judas, der als der Makkabäer bekannt wurde, 5 Eleasar, dem man den Namen Awaran gab, und Jonatan, der auch Apphus hieß. 6 Als er das gotteslästerliche Treiben in Judäa und in Jerusalem sah, sagte er: 7 Ach, warum bin ich geboren, dass ich erleben muss, wie man mein Volk vernichtet und die heilige Stadt zerstört? Ohnmächtig musste man zusehen, wie sie in die Gewalt ihrer Feinde geriet, wie die heilige Stätte Fremden in die Hände fiel. 8 Ihr Tempel wurde wie ein ehrloser Mann, 9 ihre Kostbarkeiten schleppte man als Beute fort. Auf den Plätzen erschlug man ihre kleinen Kinder; ihre jungen Männer fielen unter dem Schwert des Feindes. 10 Welches Volk hat nicht ein Stück des Reiches erhalten, hat sich nicht seinen Anteil an der Beute errafft? 11 Ihren ganzen Schmuck nahm man ihr weg. Die Freie wurde zur Sklavin. 12 Seht, unser Heiligtum, unsere Zierde und unser Ruhm, liegt verödet; fremde Völker haben es entweiht. 13 Wozu leben wir noch? 14 Und Mattatias und seine Söhne zerrissen ihre Gewänder, zogen Bußkleider an und gaben sich tiefer Trauer hin. 15 Da kamen die Beamten, die vom König den Auftrag hatten, die Einwohner zum Abfall von Gott zu zwingen, in die Stadt Modeïn, um die Opfer durchzuführen. 16 Viele Männer aus Israel kamen zu ihnen; auch Mattatias und seine Söhne mussten erscheinen. 17 Da wandten sich die Leute des Königs an Mattatias und sagten: Du besitzt in dieser Stadt Macht, Ansehen und Einfluss und hast die Unterstützung deiner Söhne und Verwandten. 18 Tritt also als erster vor und tu, was der König angeordnet hat. So haben es alle Völker getan, auch die Männer in Judäa und alle, die in Jerusalem geblieben sind. Dann wirst du mit deinen Söhnen zu den Freunden des Königs gehören; auch wird man dich und deine Söhne mit Silber, Gold und vielen Geschenken überhäufen. 19 Mattatias aber antwortete mit lauter Stimme: Auch wenn alle Völker im Reich des Königs ihm gehorchen und jedes von der Religion seiner Väter abfällt und sich für seine Anordnungen entscheidet - 20 ich, meine Söhne und meine Verwandten bleiben beim Bund unserer Väter. 21 Der Himmel bewahre uns davor, das Gesetz und seine Vorschriften zu verlassen. 22 Wir gehorchen den Befehlen des Königs nicht und wir weichen weder nach rechts noch nach links von unserer Religion ab. 23 Kaum hatte er das gesagt, da trat vor aller Augen ein Jude vor und wollte auf dem Altar von Modeïn opfern, wie es der König angeordnet hatte. 24 Als Mattatias das sah, packte ihn leidenschaftlicher Eifer; er bebte vor Erregung und ließ seinem gerechten Zorn freien Lauf: Er sprang vor und erstach den Abtrünnigen über dem Altar. 25 Zusammen mit ihm erschlug er auch den königlichen Beamten, der sie zum Opfer zwingen wollte, und riss den Altar nieder; 26 der leidenschaftliche Eifer für das Gesetz hatte ihn gepackt und er tat, was einst Pinhas mit Simri, dem Sohn des Salu, gemacht hatte. 27 Dann ging Mattatias durch die Stadt und rief laut: Wer sich für das Gesetz ereifert und zum Bund steht, der soll mir folgen. 28 Und er floh mit seinen Söhnen in die Berge; ihren ganzen Besitz ließen sie in der Stadt zurück. 29 Damals gingen viele, die Recht und Gerechtigkeit suchten, in die Wüste hinunter, um dort zu leben. 30 Ihre Kinder und ihre Frauen und auch ihr Vieh nahmen sie mit; denn ihre Lage zu Hause war unerträglich geworden. 31 Aber man meldete den Beauftragten des Königs und der Besatzung, die in der Davidstadt von Jerusalem war: Die Leute, die die Anordnung des Königs missachtet haben, sind in die Wüste zu den Höhlen hinabgezogen. 32 Da setzte ihnen eine starke Truppe nach; als sie die Juden eingeholt hatte, stellte sie sich ihnen gegenüber auf und machte sich zum Kampf bereit. An jenem Tag war gerade Sabbat. 33 Die Soldaten riefen ihnen zu: Jetzt ist noch Zeit. Kommt heraus und tut, was der König sagt; dann bleibt ihr am Leben. 34 Die Juden antworteten: Wir gehen nicht hinaus und tun nicht, was der König sagt; wir werden den Sabbat nicht entweihen. 35 Da gingen die Soldaten sofort zum Angriff über. 36 Die Juden gaben keine Antwort mehr; sie warfen nicht einmal Steine auf sie, noch versperrten sie die Eingänge der Höhlen. 37 Denn sie sagten: Wir wollen lieber alle sterben, als schuldig werden. Himmel und Erde sind unsere Zeugen, dass ihr uns gegen jedes Recht umbringt. 38 Am Sabbat begannen die Soldaten den Kampf; so starben die Juden mit ihren Frauen und Kindern, etwa tausend Menschen, und auch ihr Vieh kam zusammen mit ihnen um. 39 Als Mattatias und seine Anhänger das erfuhren, hielten sie für die Toten eine große Trauerfeier ab. 40 Sie sagten zueinander: Wenn wir alle so handeln, wie unsere Brüder gehandelt haben, und nicht gegen die fremden Völker für unser Leben und unsere Gesetze kämpfen, dann vertilgen sie uns bald von der Erde. 41 Und sie beschlossen noch am gleichen Tag: Wenn uns jemand am Sabbat angreift, werden wir gegen ihn kämpfen, damit wir nicht alle umkommen wie unsere Brüder in den Höhlen. 42 Damals schloss sich ihnen auch die Gemeinschaft der Hasidäer an; das waren tapfere Männer aus Israel, die alle dem Gesetz treu ergeben waren. 43 Auch alle anderen, die vor dem Unheil flohen, kamen zu ihnen und verstärkten ihre Reihen. 44 Sie stellten eine bewaffnete Streitmacht auf und sie erschlugen die Sünder in ihrem Zorn, die Frevler in ihrem Grimm. Wer übrig blieb, musste zu den Nachbarvölkern fliehen, um sein Leben zu retten. 45 Mattatias und seine Anhänger zogen durch das ganze Land und rissen die Altäre nieder. 46 Alle unbeschnittenen Kinder, die sie in dem Gebiet Israels fanden, beschnitten sie gewaltsam. 47 Sie verfolgten die frechen Frevler; in allem, was sie taten, hatten sie Glück. 48 Sie entrissen das Gesetz der Gewalt fremder Völker und der Hand der Könige. Dem Sünder ließen sie keine Macht. 49 Schließlich kam für Mattatias die Zeit, dass er sterben musste. Da sagte er zu seinen Söhnen: Nun sind über uns Hochmut und Strafe gekommen, die Zeit des Zusammenbruchs und lodernder Zorn. 50 Jetzt ereifert euch für das Gesetz, meine Söhne, setzt euer Leben ein für den Bund unserer Väter! 51 Denkt an die Taten, die unsere Väter zu ihren Zeiten vollbrachten; erwerbt euch großen Ruhm und einen ewigen Namen! 52 Wurde Abraham nicht für treu befunden in der Erprobung und wurde ihm das nicht als Gerechtigkeit angerechnet? 53 Josef hielt das Gebot, als man ihn bedrängte, und wurde Herr über Ägypten. 54 Pinhas, unser Ahnherr, ereiferte sich für Gottes Sache und empfing den Bund ewigen Priestertums. 55 Weil Josua seinen Auftrag erfüllte, wurde er Richter in Israel. 56 Kaleb sprach als Zeuge vor dem Volk die Wahrheit; darum bekam er ein Erbteil im Land. 57 David hielt die Treue; darum erhielt er den Königsthron als ewiges Erbe. 58 Elija kämpfte mit leidenschaftlichem Eifer für das Gesetz und wurde in den Himmel aufgenommen. 59 Hananja, Asarja und Mischaël hatten Vertrauen; darum wurden sie aus den Flammen gerettet. 60 Weil Daniel unschuldig war, wurde er dem Rachen der Löwen entrissen. 61 Überdenkt unsere ganze Vergangenheit: Keiner, der ihm vertraut, kommt zu Fall. 62 Habt keine Angst vor den Worten eines bösen Menschen! Seine Herrlichkeit verfällt der Fäulnis und den Würmern. 63 Heute noch reckt er sich hoch empor, morgen schon ist er verschwunden; denn er ist wieder zu Staub geworden und mit seinen Plänen ist's aus. 64 Meine Söhne, seid stark und mutig im Kampf für das Gesetz; denn durch das Gesetz werdet ihr euch Ruhm erwerben. 65 Da ist Simeon, euer Bruder. Ich weiß, dass er ein kluger Mann ist. Hört immer auf ihn! Er soll euer Vater sein. 66 Judas, der Makkabäer, ist seit seiner Jugend ein tapferer Krieger. Er soll an der Spitze eures Heeres stehen und den Kampf für sein Volk führen. 67 Schart alle um euch, die das Gesetz halten. Nehmt Rache für euer Volk! 68 Zahlt es den fremden Völkern heim! Achtet auf das, was das Gesetz befiehlt. 69 Und nachdem er sie gesegnet hatte, wurde er mit seinen Vätern vereint. 70 Er starb im Jahr 146. Man setzte ihn im Grab seiner Väter in Modeïn bei und ganz Israel hielt feierlich die Totenklage um ihn.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 3

1 An die Stelle des Mattatias trat sein Sohn Judas mit dem Beinamen der Makkabäer. 2 Alle seine Brüder unterstützten ihn, wie auch alle, die sich seinem Vater angeschlossen hatten. Freudig kämpften sie für Israel. 3 Er machte sein Volk weithin berühmt. Als Kriegsheld zog er seinen Panzer an, legte seine Waffen um und führte Krieg; sein Schwert war der Schutz seines Heeres. 4 Er glich im Kampf einem Löwen, einem jungen Löwen, der sich brüllend auf die Beute stürzt. 5 Er verfolgte die Sünder und spürte sie auf; er vertilgte alle, die sein Volk verwirrten. 6 Aus Furcht vor ihm verloren die Sünder den Mut, alle Übeltäter vergingen vor Angst. Seiner Hand gelang die Befreiung. 7 Vielen Königen schaffte er großen Verdruss, doch Jakob erfreute er mit seinen Taten. Sein Andenken sei ewig gepriesen. 8 Er zog durch die Städte Judäas, vernichtete die Frevler im Land und wandte Gottes Zorn von Israel ab. 9 Man sprach von ihm bis ans Ende der Welt; er sammelte wieder, was verloren war. 10 Apollonius sammelte Truppen aus den fremden Völkern und dazu ein großes Heer aus Samarien, um gegen Israel Krieg zu führen. 11 Als Judas davon erfuhr, zog er ihm entgegen und besiegte und erschlug ihn. Viele kamen in diesem Kampf um; die Übrigen flohen. 12 Danach holte man sich die Beute. Judas nahm das Schwert des Apollonius an sich; er gebrauchte es in jedem Kampf, solange er lebte. 13 Seron, der Befehlshaber der Streitkräfte in Syrien, hörte, dass Judas eine Gemeinschaft von Getreuen um sich geschart hatte, die mit ihm in den Kampf auszogen. 14 Da dachte er: Ich will mir einen Namen machen und im Reich berühmt werden: Ich werde einen Feldzug unternehmen gegen Judas und seine Leute, die das Wort des Königs verachten. 15 Ein großes Heer ruchloser Männer schloss sich ihm an und zog zu seiner Unterstützung mit ihm hinauf, um an den Israeliten Rache zu nehmen. 16 Er kam bis zur Steige von Bet-Horon. Judas zog ihm mit ganz wenigen Männern entgegen. 17 Als diese das Heer sahen, das gegen sie ausgerückt war, sagten sie zu Judas: Wie können wir mit so wenigen Leuten gegen eine solche Übermacht kämpfen? Außerdem sind wir ganz erschöpft; denn wir haben heute noch nichts gegessen. 18 Judas antwortete: Es kann leicht sein, dass viele wenigen in die Hände fallen; für den Himmel macht es keinen Unterschied, ob er durch viele oder wenige Rettung bringt. 19 Denn der Sieg im Kampf liegt nicht an der Größe des Heeres, sondern an der Kraft, die vom Himmel kommt. 20 Diese Leute da ziehen voll Hochmut und Bosheit gegen uns in den Kampf, um uns mit unseren Frauen und Kindern auszurotten und unsere Habe zu plündern. 21 Wir aber kämpfen für unser Leben und für unsere Gesetze. 22 Der Himmel wird sie vor unseren Augen vernichtend schlagen. Darum habt keine Angst vor ihnen! 23 Kaum hatte er das gesagt, da stürzte er sich überraschend auf die Feinde und Seron und sein Heer wurden vor seinen Augen aufgerieben. 24 Sie verfolgten ihn von der Steige von Bet-Horon bis in die Ebene hinab und es fielen gegen achthundert Mann von ihnen; die Übrigen flohen ins Land der Philister. 25 Da begann man, sich vor Judas und seinen Brüdern zu fürchten, Schrecken befiel die Völker ringsum. 26 Selbst der König hörte seinen Namen; die ganze Welt erzählte von den Kämpfen des Judas. 27 Als König Antiochus von diesen Ereignissen hörte, wurde er sehr zornig. Er schickte Boten aus und zog alle Streitkräfte seines Reiches zusammen: ein gewaltig großes Heer. 28 Dann öffnete er seine Schatzkammer, gab seinen Truppen Sold für ein Jahr und befahl ihnen, sich für jeden Fall bereitzuhalten. 29 Doch merkte er, dass das Geld im Staatsschatz ausging. Auch kamen nur noch wenig Steuern aus dem Land ein, weil er Streit und Unglück über das Land gebracht hatte, als er die uralten Bräuche aufhob. 30 Er war also besorgt, dass er, wie es schon einige Male vorgekommen war, nicht mehr so aufwendig wie früher leben und keine Geschenke mehr verteilen könnte. Er war nämlich bisher besonders freigebig gewesen, mehr als die Könige vor ihm. 31 In seiner großen Verlegenheit beschloss er, nach Persien zu ziehen, um in jenen Provinzen die Steuern einzutreiben und auf diese Weise viel Geld zusammenzubringen. 32 Als seinen Statthalter über das Gebiet zwischen dem Eufrat und der Grenze Ägyptens ließ er Lysias zurück, einen Mann, der sehr angesehen war und aus königlicher Familie stammte. 33 Ihm übertrug er auch bis zu seiner Rückkehr die Erziehung seines Sohnes Antiochus. 34 Ferner überließ er ihm die Hälfte der Truppen und die Kriegselefanten und gab ihm Anweisungen über alle anstehenden Maßnahmen, auch gegen die Bewohner von Judäa und Jerusalem. 35 Er sagte, er solle ein Heer gegen Israel schicken, um seine Macht zu brechen, um alles zu vernichten, was von Jerusalem noch übrig sei, und sogar die Erinnerung an die Juden auslöschen. 36 Er solle Menschen aus fremden Völkern in ihrem ganzen Gebiet ansiedeln und das Land an sie verlosen. 37 Die andere Hälfte der Truppen nahm der König mit sich; er brach im Jahr 147 von seiner Hauptstadt Antiochia auf, überquerte den Eufrat und marschierte in die östlichen Provinzen. 38 Lysias aber wählte Ptolemäus aus, den Sohn des Dorymenes, außerdem Nikanor und Gorgias, tapfere Männer, die zu den Freunden des Königs gehörten, 39 und schickte sie mit vierzigtausend Mann und siebentausend Reitern auf den Weg. Sie sollten in Judäa einmarschieren und das Land verwüsten, wie es der König befohlen hatte. 40 Sie brachen also mit ihrem ganzen Heer auf, zogen bis Emmaus und schlugen dort in der Ebene ihr Lager auf. 41 Als die Händler in jener Gegend von ihnen hörten, kamen sie mit viel Silber und Gold und mit Fußfesseln zum Lager, um die Israeliten als Sklaven aufzukaufen. Dem Heer schlossen sich auch noch Truppen aus Syrien und aus dem Land der Philister an. 42 Als Judas und seine Brüder sahen, dass großes Unheil drohte und die feindlichen Truppen schon auf ihrem Gebiet ihr Lager aufschlugen, und als sie erfuhren, welche Befehle der König gegeben hatte, um das Volk völlig zu vernichten, 43 sagten sie zueinander: Wir wollen die Trümmer unseres Volkes wiederaufbauen und für unser Volk und das Heiligtum kämpfen. 44 Und sie kamen zusammen, um sich zum Kampf zu rüsten, aber auch, um zu beten und Gnade und Mitleid zu erflehen. 45 Jerusalem war menschenleer wie eine Wüste, von den Kindern der Stadt ging keines mehr ein oder aus. Die heilige Stätte war entweiht. Ausländer hausten in der Burg, sie war ein Gasthaus für fremde Völker. Die Freude war aus Jakob verschwunden, Flöte und Harfe waren verstummt. 46 Sie versammelten sich also und gingen nach Mizpa. Das ist ein Ort, der Jerusalem gegenüber liegt und an dem die Israeliten früher eine Gebetsstätte hatten. 7 47 Sie fasteten an jenem Tag, zogen Bußkleider an, streuten sich Staub auf das Haupt und zerrissen ihre Gewänder. 48 Sie breiteten die Gesetzesrolle aus, um eine Entscheidung zu erhalten, so wie die fremden Völker ihre Götterbilder befragen. 49 Auch brachten sie die priesterlichen Gewänder, die Erstlingsfrüchte und den Zehnten herbei, befahlen den Nasiräern, deren Zeit abgelaufen war, sich zu versammeln, 50 und schrien laut zum Himmel: Was sollen wir mit diesen Dingen und diesen Menschen tun, wo sollen wir sie hinbringen? 51 Man entweiht und schändet dein Heiligtum; deine Priester leben in Trauer und Elend. 52 Sieh her: Man führt fremde Völker zusammen, um uns auszurotten. Du weißt, was sie mit uns vorhaben. 53 Wie können wir ihrem Angriff standhalten, wenn du uns nicht hilfst? 54 Dabei ließen sie die Trompeten blasen und schrien laut. 55 Danach setzte Judas Heerführer ein, jeweils über tausend, hundert, fünfzig und zehn. 56 Alle, die (kurz zuvor) ein Haus gebaut, eine Frau geheiratet oder Weinberge angelegt hatten oder die Angst hatten, ließ er nach Hause zurückkehren, wie es das Gesetz vorschreibt. 57 Danach brach das Heer auf und schlug südlich von Emmaus sein Lager auf. 58 Judas sagte: Legt eure Waffen an und seid tapfer! Macht euch bereit, morgen früh mit diesen fremden Völkern zu kämpfen, die man zusammengeführt hat, um uns und unser Heiligtum zu vernichten. 59 Denn wir wollen lieber im Kampf fallen, als zusehen, wie Unglück über unser Volk und über das Heiligtum kommt. 60 Doch wie der Himmel will, so soll es geschehen.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 4

1 Gorgias aber nahm eine Abteilung von fünftausend Mann und tausend ausgesuchten Reitern und brach mit ihnen in der Nacht auf. 2 Er wollte nämlich das jüdische Heer überfallen und überraschend schlagen; Leute aus der Burg zeigten ihm den Weg. 3 Doch Judas erfuhr davon und brach selbst mit seinen Männern auf, um das Lager der königlichen Streitkräfte vor Emmaus anzugreifen, 4 solange die anderen Truppen vom Lager getrennt waren. 5 Gorgias erreichte noch in der Nacht das Lager der Juden, fand aber niemand. Daher suchte er sie in den Bergen, denn er dachte: Sie sind vor uns geflohen. 6 Bei Tagesanbruch erschien Judas mit dreitausend Mann in der Ebene. Doch sie waren nicht so ausgerüstet und bewaffnet, wie sie es wünschten. 7 Als sie das Kriegslager der fremden Völker sahen, das stark, fest gebaut und ringsum von Reiterei umgeben war - lauter gut ausgebildete Soldaten -, 8 da sagte Judas zu seinen Männern: Habt keine Angst vor ihrer Übermacht und fürchtet euch nicht vor ihrer Kampfkraft! 9 Denkt daran, wie unsere Väter im Roten Meer gerettet wurden, als der Pharao sie mit seinem Heer verfolgte. 10 Lasst uns den Himmel anrufen, dass er uns gewogen ist und des Bundes mit unseren Vätern gedenkt und dass er dieses Heer heute vor unseren Augen vernichtend schlägt. 11 Dann werden alle Völker erkennen, dass es einen gibt, der Israel loskauft und rettet. 12 Als die fremden Soldaten aufblickten, sahen sie die Juden heranrücken. 13 Da kamen sie aus ihrem Lager heraus, um zu kämpfen; die Männer des Judas aber bliesen die Widderhörner. 14 Die beiden Heere stießen aufeinander und die fremden Völker wurden vernichtend geschlagen und flohen in die Ebene. 15 Alle, die nicht schnell genug waren, fielen unter dem Schwert. Die Juden verfolgten sie bis nach Geser und in die Ebene von Idumäa, Aschdod und Jamnia und erschlugen ungefähr dreitausend von ihnen. 16 Dann hörte Judas mit seinen Leuten auf, sie zu verfolgen, und kehrte um. 17 Er sagte zu seinen Männern: Fallt noch nicht über die Beute her; denn uns steht noch ein Kampf bevor. 18 Gorgias steht mit seinen Truppen dicht vor uns in den Bergen. Stellt euch also zum Kampf gegen eure Feinde auf und greift sie an; nachher könnt ihr in aller Ruhe eure Beute holen. 19 Während Judas noch sprach, sah man eine Abteilung der Feinde hinter dem Berg auftauchen. 20 Als sie merkten, dass ihre Leute geschlagen waren und die Juden das Lager angezündet hatten - der weithin sichtbare Rauch zeigte an, was geschehen war -, 21 bekamen sie bei diesem Anblick große Angst. Als sie außerdem sahen, dass das Heer des Judas kampfbereit in der Ebene stand, 22 flohen sie alle ins Land der Philister. 23 Jetzt erst machte sich Judas an die Plünderung des Lagers. Sie erbeuteten viel Gold und Silber, violette und rote Purpurstoffe und andere reiche Schätze. 24 Auf dem Rückmarsch priesen und lobten sie den Himmel: «Denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig». 3 25 So wurde Israel an jenem Tag wunderbar gerettet. 26 Die Philister, die sich hatten retten können, kamen zu Lysias und meldeten ihm, was geschehen war. 27 Auf diese Nachricht hin war er bestürzt und in großer Sorge. Denn der Feldzug gegen Israel war nicht so verlaufen, wie er es gewollt hatte; der Auftrag des Königs war nicht ausgeführt worden. 28 Darum warb er im nächsten Jahr sechzigtausend Söldner an, ausgesuchte Männer, dazu fünftausend Reiter, um wieder gegen die Juden zu Felde zu ziehen. 29 Sie zogen nach Idumäa und schlugen in Bet-Zur ihr Lager auf. Judas aber kam ihnen mit zehntausend Mann entgegen. 30 Als Judas das gewaltige Heerlager der Feinde erblickte, sprach er folgendes Gebet: Gepriesen seist du, Retter Israels. Du hast den wütenden Riesen durch deinen Knecht David erschlagen; du hast das Kriegslager der Philister Jonatan, dem Sohn Sauls, und seinem Waffenträger in die Hand gegeben. 31 Gib dieses Heer deinem Volk Israel preis! Sie sollen beschämt werden samt ihrem Fußvolk und ihrer Reiterei. 32 Jag ihnen einen Schrecken ein und lass ihren kühnen Mut schwinden! Ihr Untergang soll sie erschüttern. 33 Schlag sie nieder durch das Schwert derer, die dich lieben. Dann werden alle, die deinen Namen kennen, dein Lob singen. 34 Als nun die Heere aufeinanderstießen, fielen etwa fünftausend von den Soldaten des Lysias. 35 Als Lysias sah, welche Niederlage sein Heer erlitten hatte und wie kühn die Leute des Judas waren, bereit tapfer zu leben oder zu sterben, kehrte er nach Antiochia zurück. Dort warb er Söldner an, um mit noch stärkerer Macht noch einmal gegen Judäa zu ziehen. 36 Judas und seine Brüder aber sagten: Unsere Feinde sind nun vernichtend geschlagen. Wir wollen nach Jerusalem hinaufziehen, den Tempel reinigen und ihn neu weihen. 37 Das ganze Heer versammelte sich also und zog zum Berg Zion hinauf. 38 Da sahen sie das Heiligtum verödet daliegen. Der Brandopferaltar war entweiht; die Tore hatte man verbrannt. In den Vorhöfen wuchs Unkraut wie in einem Wald oder auf einem Berg und die Nebengebäude waren verfallen. 39 Da zerrissen sie ihre Gewänder, begannen laut zu klagen und streuten sich Staub auf das Haupt. 40 Sie warfen sich nieder, mit dem Gesicht zur Erde. Sie bliesen die Signaltrompeten und schrien zum Himmel. 41 Dann befahl Judas einer Schar seiner Männer, die Besatzung der Burg zu belagern, bis das Heiligtum gereinigt sei. 42 Er wählte untadelige und gesetzestreue Priester aus, 43 damit sie das Heiligtum reinigten und die entweihten Steine an einen unreinen Ort trugen. 44 Sie berieten, was sie mit dem entweihten Brandopferaltar tun sollten. 45 Es kam ihnen der gute Gedanke, ihn niederzureißen; denn er hätte ihnen Schande gebracht, da die fremden Völker ihn entweiht hatten. So rissen sie den Altar nieder 46 und legten die Steine an einen passenden Ort auf dem Tempelberg nieder, bis ein Prophet komme und entscheide, was damit geschehen solle. 47 Dann nahmen sie unbehauene Steine, wie es das Gesetz vorschreibt, und errichteten einen neuen Altar, der genauso aussah wie der alte. 12 48 Auch das Heiligtum und die Innenräume des Tempels bauten sie wieder auf und reinigten die Vorhöfe. 49 Sie fertigten neue heilige Geräte an und stellten den Leuchter, den Rauchopferaltar und den Tisch in den Tempel. 50 Dann brachten sie auf dem Altar ein Rauchopfer dar, zündeten die Lichter an dem Leuchter an, sodass der Tempel hell wurde, 51 legten Schaubrote auf den Tisch und hängten den Vorhang auf. So beendeten sie alle Arbeiten, die sie sich vorgenommen hatten. 52 Am Fünfundzwanzigsten des neunten Monats - das ist der Monat Kislew im Jahr 148 standen sie früh am Morgen auf 53 und brachten auf dem neuen Brandopferaltar, den sie errichtet hatten, Opfer dar, so wie sie das Gesetz vorschreibt. 54 Zur gleichen Zeit und am selben Tag, an dem ihn die fremden Völker entweiht hatten, wurde er neu geweiht, unter Liedern, Zither- und Harfenspiel und dem Klang der Zimbeln. 55 Das ganze Volk warf sich nieder auf das Gesicht, sie beteten an und priesen den Himmel, der ihnen Erfolg geschenkt hatte. 56 Acht Tage lang feierten sie die Altarweihe, brachten mit Freuden Brandopfer dar und schlachteten Heils- und Dankopfer. 57 Sie schmückten die Vorderseite des Tempels mit Kränzen und kleinen Schilden aus Gold; sie erneuerten die Tore und auch die Nebengebäude, die sie wieder mit Türen versahen. 58 Im Volk herrschte sehr große Freude; denn die Schande, die ihnen die fremden Völker zugefügt hatten, war beseitigt. 59 Judas fasste mit seinen Brüdern und mit der ganzen Gemeinde Israels den Beschluss, Jahr für Jahr zur selben Zeit mit festlichem Jubel die Tage der Altarweihe zu begehen, und zwar acht Tage lang, vom fünfundzwanzigsten Kislew an. 60 In jener Zeit errichteten sie rund um den Zionsberg auch hohe Mauern mit festen Türmen, damit die fremden Völker nicht mehr in dieses Gebiet eindringen und es entweihen konnten, wie sie es vorher getan hatten. 61 Und Judas ordnete Truppen ab, um ihn zu bewachen. Auch Bet-Zur ließ er befestigen und legte eine Besatzung hinein, um das Volk gegen Idumäa abzusichern.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 5

1 Als aber die Völker ringsum hörten, dass die Juden den Altar neu errichtet und das Heiligtum wieder geweiht hatten, sodass alles war wie früher, gerieten sie in heftigen Zorn. 2 Sie beschlossen, alle aus dem Stamm Jakobs, die bei ihnen wohnten, auszurotten, und begannen, im Volk Tod und Verderben zu verbreiten. 3 Da griff Judas die Nachkommen Esaus an, die jenen Teil Idumäas bewohnten, der Akrabattene heißt; sie hatten nämlich die Grenze nach Israel abgeriegelt. Er brachte ihnen eine schwere Niederlage bei, ließ sie seine Macht fühlen und ihren Besitz plündern. 4 Auch dachte er daran, welche Untaten die Beoniter begangen hatten; sie hatten nämlich den Juden an den Wegen aufgelauert und waren für das Volk wie ein Netz und eine Falle gewesen. 5 Daher schloss er sie jetzt in ihre Fliehtürme ein und belagerte sie; er weihte sie dem Untergang und verbrannte die Türme mit allen, die darin waren. 6 Dann zog er hinüber gegen die Ammoniter. Er traf auf eine starke Streitmacht mit vielen Kriegern; ihr Anführer war Timotheus. 7 Judas verwickelte sie in zahlreiche Gefechte und sie wurden von ihm vernichtend geschlagen und besiegt. 8 Er eroberte auch die Stadt Jaser und ihre Tochterstädte. Dann kehrte er nach Judäa zurück. 9 Da rotteten sich die Völker des Landes Gilead gegen die Israeliten, die in ihrem Gebiet lebten, zusammen, um sie zu töten. Doch diese konnten sich in die Festung Datema flüchten. 10 Sie schrieben an Judas und seine Brüder einen Brief mit folgendem Inhalt: Die Völker ringsum haben sich gegen uns zusammengerottet, um uns zu vernichten. 11 Sie stehen bereit, um zu kommen und die Festung zu erobern, in die wir geflohen sind. Timotheus führt ihre Streitkräfte an. 12 Darum komm her und rette uns aus ihrer Gewalt, denn viele von uns sind schon gefallen. 13 Auch unsere Brüder, die unter den Leuten von Tubi lebten, hat man umgebracht, ihre Frauen gefangen genommen, ihre Kinder und ihren Besitz geraubt. Etwa tausend Männer sind dort umgekommen. 14 Judas und seine Brüder hatten den Brief noch nicht zu Ende gelesen, da kamen andere Boten aus Galiläa in zerrissenen Kleidern und brachten ihnen die Nachricht: 15 Die Einwohner von Ptolemaïs, Tyrus und Sidon und dem ganzen oberen Galiläa, soweit es Fremdstämmige bewohnen, haben sich zusammengetan, um uns auszurotten. 16 Als Judas und das Volk das hörten, beriefen sie eine große Versammlung ein, um zu beraten, was sie für ihre bedrängten Brüder tun sollten, die von den Feinden angegriffen wurden. 17 Judas sagte zu seinem Bruder Simeon: Such dir geeignete Männer aus, mach dich auf den Weg und befrei deine Brüder in Galiläa; ich und mein Bruder Jonatan wollen nach Gilead ziehen. 18 Als Anführer des Volkes ließ er Josef, den Sohn Secharjas, und Asarja mit dem Rest des Heeres zur Bewachung Judäas zurück. 19 Er gab ihnen den Befehl: Übernehmt die Führung dieser Leute, aber lasst euch in keinen Kampf mit fremden Völkern ein, bevor wir zurückgekehrt sind. 20 Simeon erhielt dreitausend Mann zugeteilt, mit denen er nach Galiläa ziehen sollte, Judas dagegen achttausend Mann für Gilead. 21 Simeon zog also nach Galiläa. Dort lieferte er den fremden Völkern zahlreiche Gefechte und sie wurden vor seinen Augen vernichtend geschlagen. 22 Er verfolgte sie bis an die Tore von Ptolemaïs. Von den fremden Völkern fielen ungefähr dreitausend Mann und Simeon machte reiche Beute bei ihnen. 23 Dann führte er die Juden aus Galiläa und Arbatta mit ihren Frauen und Kindern und ihrem ganzen Besitz unter großem Jubel nach Judäa zurück. 24 Judas, der Makkabäer, und sein Bruder Jonatan hatten indessen den Jordan überschritten und waren drei Tagesmärsche durch die Steppe gezogen. 25 Dort trafen sie auf die Nabatäer, die ihnen freundlich begegneten und ihnen alles erzählten, was ihren Brüdern in Gilead zugestoßen war. 26 Viele von ihnen würden in Bosora, Bosor, Alema, Kaspin, Maked und Karnajim festgehalten, lauter großen, befestigten Städten. 27 Auch in den übrigen Städten Gileads halte man sie fest und morgen wolle man sich anschicken, die Festungen zu belagern und zu erstürmen. Alle sollten an einem einzigen Tag umgebracht werden. 28 Da kehrte Judas mit seinem Heer überraschend um. Er nahm den Weg durch die Steppe von Bosora, eroberte die Stadt, erschlug mit scharfem Schwert die gesamte männliche Bevölkerung, plünderte die Stadt völlig aus und brannte sie nieder. 29 Noch in der gleichen Nacht brach er wieder auf und sie zogen bis vor die Festung Datema. 30 Als sie gegen Morgen Ausschau hielten, da sahen sie ein unzählbar großes Heer; die Soldaten schleppten Sturmleitern und Belagerungsmaschinen heran, um die Festung zu erstürmen und gingen schon zum Angriff gegen die Juden über. 31 Judas sah, dass der Kampf bereits begonnen hatte: Der Lärm aus der Stadt, Trompetengeschmetter und lautes Geschrei drangen bis zum Himmel. 32 Da rief er den Männern in seinem Heer zu: Kämpft heute für unsere Brüder! 33 Dann griff er die Feinde mit drei Abteilungen von hinten an; seine Leute bliesen die Trompeten und beteten laut. 34 Sobald das Heer des Timotheus merkte, dass es der Makkabäer war, liefen sie vor ihm davon. Er brachte ihnen eine schwere Niederlage bei; etwa achttausend Mann von ihnen fielen an diesem Tag. 35 Danach wandte sich Judas gegen Alema. Er griff die Stadt an und eroberte sie, erschlug die gesamte männliche Bevölkerung, ließ die Stadt plündern und brannte sie nieder. 36 Von dort brach er auf und eroberte Kaspin, Maked, Bosor und die übrigen Städte Gileads. 37 Nach diesen Ereignissen sammelte Timotheus ein neues Heer und schlug gegenüber von Rafon, jenseits der Schlucht, sein Lager auf. 38 Judas schickte Späher aus, die das Lager erkunden sollten. Sie meldeten ihm: Alle Völker, die rings um uns wohnen, sind zu ihm gestoßen; es ist ein gewaltiges Heer. 39 Auch arabische Hilfstruppen hat er angeworben. Sie haben auf der anderen Seite der Schlucht ihr Lager bezogen und stehen bereit, gegen dich zum Kampf auszurücken. Da zog Judas ihnen entgegen. 40 Als er sich mit seinem Heer dem Bach, der durch die Schlucht führte, näherte, sagte Timotheus zu seinen Heerführern: Wenn er zuerst über den Bach zu uns herüberkommt, können wir ihm nicht standhalten; dann wird er uns sicherlich überwältigen. 41 Wenn er aber Angst hat und sein Lager jenseits des Baches aufschlägt, dann gehen wir zu ihm hinüber und werden ihn überwältigen. 42 Als Judas sich dem Gebirgsbach genähert hatte, ließ er Heeresschreiber in der Schlucht antreten und gab ihnen den Befehl: Niemand darf hier Halt machen, sondern alle sollen zum Kampf vorrücken. 43 Er selbst ging als erster über den Bach, den Feinden entgegen, und alle seine Krieger folgten ihm. Und die fremden Völker wurden von ihm vernichtend geschlagen; sie warfen ihre Waffen weg und flüchteten sich in das Heiligtum von Karnajim. 44 Aber die Juden eroberten die Stadt und verbrannten das Heiligtum mit allen, die darin waren. So wurde Karnajim gedemütigt und niemand konnte Judas mehr Widerstand leisten. 45 Nun sammelte Judas alle Israeliten, die in Gilead lebten, jung und alt, mit ihren Frauen und Kindern und ihrem Besitz, eine gewaltige Menschenmenge, um mit ihnen nach Judäa zu ziehen. 46 Sie kamen bis Efron. Diese große und stark befestigte Stadt lag auf ihrem Weg. Man konnte sie weder links noch rechts umgehen, sondern musste mitten durch sie hindurchziehen. 47 Aber die Einwohner der Stadt schlossen vor ihnen die Tore und versperrten sie außerdem mit Steinen. 48 Da schickte Judas Unterhändler zu ihnen mit dem friedlichen Vorschlag: Wir wollen durch euer Land ziehen, um in unser Land zu kommen. Keiner wird euch etwas Böses tun; wir wollen nur durchmarschieren. Aber die Einwohner wollten ihnen die Tore nicht öffnen. 49 Nun ließ Judas im Heer den Befehl ausrufen, jeder solle dort Stellung beziehen, wo er gerade sei. 50 Da stellten sich die Krieger auf und Judas ließ die Stadt den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch angreifen, bis sie fiel. 51 Er erschlug ihre gesamte männliche Bevölkerung mit scharfem Schwert, zerstörte die Stadt völlig und ließ sie plündern. Dann marschierte er über die Leichen der Erschlagenen hinweg durch die Stadt. 52 Sie überquerten den Jordan in der großen Ebene gegenüber von Bet-Schean. 53 Judas sorgte dafür, dass die Nachzügler zusammenblieben, und auf dem ganzen Weg sprach er den Leuten Mut zu, bis sie Judäa erreichten. 54 Dann zogen sie mit Jubel und Freude zum Berg Zion hinauf und brachten dort Brandopfer dar; denn keiner von ihnen war gefallen, alle waren wohlbehalten heimgekehrt. 55 Zu der Zeit, als Judas und Jonatan in Gilead waren und als sein Bruder Simeon in Galiläa vor Ptolemaïs lag, 56 hörten die Heerführer Josef, der Sohn Secharjas, und Asarja von den kühnen Taten, die jene vollbracht hatten. 57 Da sagten sie: Auch wir wollen uns einen Namen machen und einen Feldzug gegen die fremden Völker ringsum führen. 58 Sie gaben also den Soldaten, die sie bei sich hatten, den Befehl, gegen Jamnia zu ziehen. 59 Aber Gorgias und seine Männer rückten ihnen aus der Stadt zum Kampf entgegen. 60 Josef und Asarja wurden geschlagen und bis an die Grenze von Judäa verfolgt. An jenem Tag fielen fast zweitausend aus dem Volk Israel. 61 Das Volk hatte eine schwere Niederlage erlitten, weil sie nicht auf Judas und seine Brüder gehört hatten, sondern sich einbildeten, auch sie könnten große Taten vollbringen. 62 Doch sie waren nicht aus dem Geschlecht derer, die mit der Rettung Israels beauftragt waren. 63 Der große Judas und seine Brüder dagegen erwarben sich hohen Ruhm bei ganz Israel und bei allen Völkern, überall wo ihr Name bekannt wurde. 64 Die Leute kamen herbei, um sie zu beglückwünschen. 65 Judas und seine Brüder zogen auch zum Kampf gegen die Nachkommen Esaus im Süden. Er schlug Hebron und seine Tochterstädte, eroberte ihre Festungen und brannte ihre Türme ringsum nieder. 66 Dann zog er gegen das Philisterland. Als das Heer dabei durch Marescha kam, 67 fielen einige Priester im Kampf. Sie waren schlecht beraten gewesen, in den Krieg zu ziehen, um Heldentaten zu vollbringen. 68 Dann machte Judas eine Ausweichbewegung und zog nach Aschdod im Land der Philister. Dort zerstörte er die Altäre der Philister, verbrannte ihre Götterbilder, plünderte die Städte und kehrte dann nach Judäa zurück.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 6

1 König Antiochus durchzog unterdessen die östlichen Provinzen. Er hörte von einer Stadt in Persien namens Elymaïs, die berühmt war wegen ihres Reichtums an Silber und Gold. 2 Auch gibt es in ihr einen sehr reichen Tempel; der mazedonische König Alexander, der Sohn des Philippus, der als erster Grieche König geworden war, hatte dort goldene Schilde, Rüstungen und Waffen hinterlassen. 3 Antiochus marschierte also hin und versuchte, die Stadt zu erobern und zu plündern. Doch er blieb ohne Erfolg; denn die Einwohner der Stadt hatten von seinem Plan erfahren 4 und leisteten ihm bewaffneten Widerstand. Er musste fluchtartig abziehen und machte sich sehr niedergeschlagen auf den Rückweg nach Babylon. 5 Noch in Persien erreichte ihn ein Bote mit der Nachricht, dass die Heere, die in Judäa einmarschiert waren, geschlagen worden waren. 6 Auch Lysias, der an der Spitze einer starken Streitmacht in den Kampf gezogen war, habe gegen die Juden eine schwere Niederlage erlitten. Deren Bewaffnung und Kampfkraft habe sich durch die große Beute, die sie bei den geschlagenen Armeen machten, verstärkt. 7 Den Gräuel, den er auf dem Altar in Jerusalem hatte aufstellen lassen, hätten sie wieder entfernt und den Tempelbezirk wie früher mit hohen Mauern umgeben, ebenso seine Stadt Bet-Zur. 8 Als der König das hörte, war er bestürzt und sehr beunruhigt. Er musste sich niederlegen, da ihn eine Schwäche befiel; so niedergeschlagen war er, weil seine Pläne gescheitert waren. 9 So ging es mehrere Tage. Er bekam immer neue Anfälle tiefer Schwermut und rechnete schon damit, dass er sterben müsse. 10 Er rief seine Freunde zusammen und sagte zu ihnen: Der Schlaf flieht meine Augen und ich bin vor Sorgen zusammengebrochen. 11 Ich habe mich gefragt: Wie bin ich nur in diese große Not und Bedrängnis geraten, in der ich mich jetzt befinde? Ich war während meiner Regierung doch immer leutselig und beliebt. 12 Jetzt fallen mir die bösen Dinge ein, die ich in Jerusalem getan habe. Ich habe dort alle Geräte aus Silber und Gold mitgenommen, ja, ich habe ohne Grund den Auftrag gegeben, die Bewohner Judäas auszurotten. 13 Deswegen ist dieses Unglück über mich gekommen, das weiß ich jetzt. Und nun sterbe ich ganz verzweifelt in einem fremden Land. 14 Er rief Philippus, einen seiner Freunde, zu sich und setzte ihn als Herrscher über sein ganzes Königreich ein. 15 Er überreichte ihm das königliche Diadem, sein Gewand und seinen Siegelring und gab ihm den Auftrag, seinen Sohn Antiochus anzuleiten und zu erziehen, bis er die Regierung übernehmen könne. 16 Dann starb König Antiochus dort im Jahr 149. 17 Als Lysias erfuhr, dass der König tot war, setzte er als dessen Nachfolger seinen Sohn Antiochus ein, dessen Erziehung ihm während seiner Minderjährigkeit oblag, und gab ihm den Beinamen Eupator. 18 Die Besatzung der Burg in Jerusalem schloss die Israeliten, die im Tempel waren, von allen Seiten ein. Sie versuchte unaufhörlich, Unheil anzurichten, und die Fremden hatten an ihnen einen starken Rückhalt. 19 Judas fasste daher den Plan, sie zu vernichten, und berief alle wehrfähigen Männer zur Belagerung zusammen. 20 Sie kamen und man begann im Jahr 150 mit der Belagerung; dabei baute man sogar Wurf- und Belagerungsmaschinen. 21 Einige von der Besatzung konnten den Belagerungsring durchbrechen; zu ihnen stießen mehrere Ruchlose aus Israel. 22 Sie begaben sich zum König und sagten: Wie lange zögerst du, uns unser Recht zu verschaffen und für unsere Brüder Rache zu nehmen? 23 Wir haben deinem Vater bereitwillig gedient; wir haben so gelebt, wie er es sagte, und haben seine Anordnungen befolgt. 24 Deswegen sind uns unsere eigenen Landsleute fremd geworden; ja, sie haben jeden von uns, den sie fanden, umgebracht und haben unseren Besitz geraubt. 25 Doch nicht allein gegen uns haben sie die Hand erhoben, sondern auch gegen alle ihre Nachbarn. 26 Jetzt sind sie sogar vor die Burg von Jerusalem gezogen, um sie zu erobern; außerdem haben sie den Tempel und Bet-Zur befestigt. 27 Wenn du ihnen nicht bald zuvorkommst, werden sie noch mehr unternehmen und du wirst sie nicht mehr aufhalten können. 28 Als der König das hörte, wurde er zornig. Er ließ alle seine Freunde zu sich kommen, sowohl die Anführer des Fußvolks als auch die der Reiterei. 29 Auch aus anderen Reichen und von den Inseln kamen Söldnertruppen zu ihm. 30 Im Ganzen bestand sein Heer aus hunderttausend Mann Fußvolk, zwanzigtausend Reitern und zweiunddreißig Kriegselefanten. 31 Sie zogen durch Idumäa und belagerten Bet-Zur. Der Kampf zog sich lange hin. Sie bauten auch Belagerungsmaschinen; die Belagerten machten jedoch einen Ausfall, verbrannten sie und schlugen sich tapfer. 32 Da zog Judas von der Burg in Jerusalem ab und schlug dem königlichen Heer gegenüber bei Bet-Sacharja sein Lager auf. 33 Am nächsten Morgen ließ der König das Heer in aller Frühe aufbrechen und in einem Eilmarsch nach Bet-Sacharja marschieren. Die Truppen schwärmten aus und man stieß in die Trompeten. 34 Den Elefanten hielt man den Saft von Trauben und Maulbeeren vor, um sie zum Kampf zu reizen. 35 Darauf verteilte man die Tiere auf die einzelnen Abteilungen. Zu jedem Elefanten stellten sie tausend Mann; diese hatten Kettenpanzer an und auf dem Kopf bronzene Helme. Außerdem waren jedem Tier fünfhundert ausgesuchte Reiter zugeordnet; 36 sie hatten sich schon vorher immer bei den Tieren aufgehalten und waren ihnen überall gefolgt, wohin sie auch gingen. 37 Jedes Tier trug einen befestigten, gut gesicherten Turm aus Holz, der kunstfertig angeschnallt war, dazu vier Soldaten, die von dem Turm aus kämpften, sowie seinen indischen Lenker. 38 Die übrige Reiterei stellte der König außen an die beiden Flügel des Heeres, um die Gegner zu beunruhigen und die eigenen Reihen zu decken. 39 Als die Sonne sich in den goldenen und ehernen Schilden brach, da strahlten die Berge wider und leuchteten auf wie brennende Fackeln. 40 Ein Teil des königlichen Heeres stellte sich oben auf den Bergen, ein anderer unten in der Ebene auf. Dann begannen sie, sicher und geordnet vorzurücken. 41 Da zitterten alle, die das Getöse der Menge hörten und sahen, wie die Massen aufmarschierten und die Waffen aneinanderschlugen; denn es war ein gewaltig großes und starkes Heer. 42 Judas rückte mit seinen Truppen ebenfalls vor und es kam zum Kampf; dabei fielen vom Heer des Königs sechshundert Mann. 43 Eleasar Awaran sah einen Elefanten, dessen Panzer königlichen Schmuck trug und der alle anderen Tiere überragte. Da er glaubte, darauf sitze der König, 44 opferte er sich, um sein Volk zu retten und sich ewigen Ruhm zu erwerben. 45 Er lief mutig auf ihn zu, mitten in die feindliche Schlachtreihe hinein, teilte nach links und rechts tödliche Hiebe aus und schlug sich eine Bresche durch die Reihen. 46 So drang er bis zu dem Elefanten vor, stellte sich unter ihn und durchbohrte ihn. Das Tier brach zusammen und fiel auf ihn, sodass er erdrückt wurde. 47 Als die Juden die Stärke und das Ungestüm der königlichen Truppen sahen, wichen sie ihnen aus. 48 Die Truppen des königlichen Heeres rückten daraufhin nach Jerusalem hinauf, um die Juden dort zum Kampf zu stellen. Der König schlug in Judäa und am Berg Zion ein Lager auf. 49 Mit der Besatzung von Bet-Zur schloss er Frieden und sie verließ die Stadt. Dort waren nämlich während der Belagerung die Nahrungsmittel ausgegangen; denn man beging im Land ein Sabbatjahr. 6 50 Der König ließ Bet-Zur besetzen und legte eine Garnison hinein, um es zu sichern. 51 Dann belagerte er viele Tage lang den Tempel. Er ließ Wurf- und Belagerungsmaschinen, auch Brand- und Steinschleudern aufstellen, dazu Armbrüste für Pfeile und kleinere Schleudermaschinen. 52 Aber die Juden bauten ebenfalls Maschinen und der Kampf zog sich lange hin. 53 Doch die Vorratsräume waren leer, weil das Jahr ein siebtes Jahr war; zudem hatten die, die man bei den fremden Völkern gerettet und nach Judäa gebracht hatte, den Rest der Vorräte aufgebraucht. 54 Die Besatzung litt daher Hunger und die Truppen liefen auseinander, jeder ging nach Hause; nur wenige Männer blieben beim Tempel zurück. 55 Da hörte Lysias, Philippus, den König Antiochus noch zu seinen Lebzeiten zum Erzieher seines Sohnes Antiochus bestimmt hatte, bis dieser die Regierung antreten könne, 56 sei aus Persien und Medien zurückgekehrt, zusammen mit den Truppen, die den (verstorbenen) König begleitet hatten; er versuche, die Regierung an sich zu bringen. 57 Daher entschloss sich Lysias, möglichst rasch abzuziehen; er sagte zum König, zu den Offizieren und den Soldaten: Unsere Lage wird von Tag zu Tag schwieriger. Es gibt wenig zu essen und der Ort, den wir belagern, ist stark befestigt. Überdies ruht auf uns die Sorge um das Reich. 58 Reichen wir darum diesen Leuten die Hand und schließen wir Frieden mit ihnen und ihrem ganzen Volk! 59 Wir wollen ihnen zugestehen, dass sie wie früher nach ihren Gesetzen leben können. Denn weil wir ihre Gesetze abschaffen wollten, haben sie sich gegen uns aufgelehnt und all das getan. 60 Der König und die Heerführer waren mit diesem Vorschlag einverstanden; er ließ den Juden Frieden anbieten und sie nahmen ihn an. 61 Der König und die Heerführer leisteten ihnen einen Eid; darauf verließen die Juden die Festung. 62 Aber als der König den Berg Zion betrat und sah, wie stark der Ort befestigt war, brach er den Eid, den er geschworen hatte, und gab den Befehl, die Mauer ringsum einzureißen. 63 Dann zog er in Eilmärschen ab und kehrte nach Antiochia zurück. Er fand die Stadt im Besitz des Philippus, eröffnete den Kampf gegen ihn und nahm die Stadt mit Gewalt.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 7

1 Im Jahr 151 floh Demetrius, der Sohn des Seleukus, aus Rom, landete mit nur wenigen Männern in einer Stadt am Meer und rief sich dort zum König aus. 2 Als er in den Palast seiner Väter einzog, nahmen die Truppen Antiochus und Lysias fest, um sie ihm auszuliefern. 3 Das wurde ihm mitgeteilt; er aber sagte: Ich will ihr Gesicht nicht sehen. 4 Da brachten die Truppen die beiden um und Demetrius setzte sich auf den Thron seines Reiches. 5 Alle Gesetzlosen und Frevler aus Israel kamen zu ihm. Ihr Anführer war Alkimus, der Hoherpriester werden wollte. 6 Sie verklagten das Volk beim König und sagten: Judas und seine Brüder haben alle deine Freunde umgebracht und uns aus unserer Heimat vertrieben. 7 Schick darum einen Mann, dem du vertraust, er soll kommen und sich das ganze Unheil ansehen, das sie uns und dem Land des Königs zugefügt haben. Dann soll er sie und alle, die sie unterstützen, bestrafen. 8 Der König wählte Bakchides, einen der Freunde des Königs; er hatte den Befehl jenseits des Stroms, galt viel im Reich und war dem König treu ergeben. 9 Mit ihm schickte er den ruchlosen Alkimus, den er als Hohenpriester einsetzte, und gab ihm den Auftrag, an den Israeliten Vergeltung zu üben. 10 Sie brachen mit einem großen Heer auf und zogen nach Judäa. Er schickte Boten an Judas und seine Brüder und bot ihnen mit hinterlistigen Worten Frieden. 11 Doch diese glaubten ihnen nicht; denn sie sahen, dass sie mit einem großen Heer gekommen waren. 12 Eine Gruppe von Schriftgelehrten ging indessen gemeinsam zu Alkimus und Bakchides, um eine gerechte Lösung zu suchen. 13 Auch bemühten sich die Hasidäer, als erste von den Israeliten, bei ihnen um Frieden. 14 Sie sagten sich nämlich: Ein Priester aus der Familie des Aaron ist zusammen mit den Truppen hergekommen; er wird uns nichts Böses tun. 15 Alkimus unterhielt sich auch friedlich mit ihnen, ja, er schwor ihnen: Wir werden euch und euren Freunden kein Leid zufügen. 16 Sie glaubten ihm; er aber ließ sechzig von ihnen festnehmen und noch am selben Tag hinrichten, genau wie geschrieben steht: 17 Die Leichen deiner Frommen haben sie rings um Jerusalem zerstreut und ihr Blut haben sie vergossen und keiner hat sie begraben. 18 Da begann das ganze Volk, sich vor ihnen zu fürchten und zu zittern. Man sagte: Bei ihnen gibt es weder Treue noch Recht; denn sie haben den Vertrag gebrochen trotz des Eides, den sie geschworen haben. 19 Bakchides marschierte von Jerusalem nach Bet-Sajit und schlug dort sein Lager auf. Er ließ viele von den Männern, die zu ihm übergelaufen waren, festnehmen, dazu auch einige Männer aus dem Volk, und befahl, sie an der großen Zisterne niederzumetzeln. 20 Er übergab das Land dem Alkimus und ließ zu seiner Unterstützung einen Teil der Truppen zurück. Dann kehrte Bakchides zum König zurück. 21 Alkimus aber kämpfte um das Hohepriesteramt. 22 Alle Unruhestifter im Volk sammelten sich um ihn; sie rissen die Macht über Judäa an sich und stürzten Israel tief ins Unglück. 23 Judas sah all das Unheil, das Alkimus und seine Anhänger bei den Israeliten anrichteten; sie waren schlimmer als die Ausländer. 24 Da brach er auf, zog durch das Gebiet von ganz Judäa und übte an den Überläufern Vergeltung, sodass sie sich nicht mehr frei im Land bewegen konnten. 25 Alkimus merkte, dass Judas und seine Leute an Macht gewannen, und da er einsah, dass er ihnen nicht gewachsen war, wandte er sich wieder an den König und brachte schwere Anklagen gegen sie vor. 26 Da schickte der König einen seiner bedeutendsten Anführer, Nikanor, der ein erbitterter Gegner Israels war; er trug ihm auf, das Volk zu vernichten. 27 Nikanor kam mit einem großen Heer nach Jerusalem. Er schickte Boten zu Judas und seinen Brüdern und sprach hinterlistig von Frieden. Er sagte: 28 Ich will keinen Krieg mit euch. Darum will ich mich in Begleitung von nur ein paar Leuten in aller Freundschaft mit euch treffen, um über den Frieden zu reden. 29 Er kam auch zu Judas und sie begrüßten einander freundschaftlich. Seine Soldaten hielten sich indessen bereit, den Judas zu verschleppen. 30 Judas aber erfuhr, dass er in böser Absicht gekommen war. Da wurde er vorsichtig und wollte nicht mehr mit ihm zusammenkommen. 31 Nun merkte Nikanor, dass sein Plan entdeckt worden war, und er zog aus, um Judas bei Kafar-Salama zum Kampf zu stellen. 32 Aber fast fünfhundert von den Leuten des Nikanor fielen und seine Soldaten mussten sich in die Davidstadt flüchten. 33 Nach diesen Ereignissen ging Nikanor zum Berg Zion hinauf. Aus dem Tempelbezirk kamen ihm Priester und Älteste des Volkes entgegen, um ihn friedlich zu begrüßen und ihm das Opfer zu zeigen, das man für den König darbrachte. 34 Er aber verhöhnte und verspottete sie und machte sie unrein. Er prahlte 35 und schwor voller Zorn: Wenn Judas und sein Heer mir nicht sofort ausgeliefert werden, dann stecke ich dieses Haus in Brand, sobald ich heil zurück bin. Dann ging er wütend weg. 36 Die Priester gingen wieder hinein, stellten sich vor den Altar und den Tempel, weinten und sagten: 37 Du hast dieses Haus erwählt, damit dein Name darüber ausgerufen werde; es sollte für dein Volk ein Haus des Betens und Flehens sein. 38 Übe Vergeltung an diesem Menschen und an seinem Heer! Sie sollen unter dem Schwert fallen. Denk an ihre Lästerungen und lass sie nicht weiterleben! 39 Nikanor verließ Jerusalem und schlug in Bet-Horon sein Lager auf; dort stieß eine Abteilung Soldaten aus Syrien zu ihm. 40 Judas dagegen hatte mit dreitausend Mann sein Lager bei Hadascha und er betete: 41 Damals, als die Leute des Königs von Assur über dich gelästert hatten, kam dein Engel und erschlug hundertfünfundachtzigtausend von ihnen. 42 Schlag heute dieses Heer vor unseren Augen genauso, damit die, die von ihnen übrig bleiben, erkennen, dass Nikanor schlimme Worte gegen dein Heiligtum ausgestoßen hat. Richte ihn, wie es sein Verbrechen verdient. 43 Am Dreizehnten des Monats Adar stießen die Heere aufeinander und das Heer des Nikanor wurde vernichtend geschlagen; er selbst fiel als erster im Kampf. 44 Als sein Heer sah, dass Nikanor gefallen war, warfen sie die Waffen weg und flohen. 45 Die Juden verfolgten sie einen Tagesmarsch weit, von Hadascha bis nach Geser, und bliesen mit den Signaltrompeten hinter ihnen her. 46 Aus allen umliegenden Dörfern Judäas kamen die Männer heraus und umzingelten die Flüchtenden. Da wandten sich die Feinde gegeneinander und alle fielen unter dem Schwert; nicht einer von ihnen blieb übrig. 47 Die Juden nahmen ihnen ihre Ausrüstungen weg und machten reiche Beute. Dem Nikanor schlugen sie den Kopf ab und ebenso die rechte Hand, die er so vermessen ausgestreckt hatte; sie brachten beides nach Jerusalem und hängten es dort öffentlich auf. 48 Im Volk herrschte große Freude; sie begingen diesen Tag als einen großen Festtag 49 und beschlossen, den dreizehnten Adar künftig jedes Jahr zu feiern. Danach hatte Judäa für kurze Zeit Ruhe.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 8

1 Judas hörte, wie man von den Römern erzählte, sie seien geübt im Kriegführen, erwiesen allen, die zu ihnen hielten, Wohlwollen und schlössen Freundschaft mit jedem, der sie darum bitte. Sie seien in der Tat kriegstüchtige Männer. 2 Man berichtete ihm auch von ihren Feldzügen und von ihren kühnen Unternehmungen gegen die Galater, die sie unterworfen und tributpflichtig gemacht hatten, 3 ebenso von ihren Taten in Spanien: Dort hatten sie die Silber- und Goldbergwerke erobert 4 und durch ihre Klugheit und Ausdauer das ganze Land an sich gebracht, obgleich es von ihnen weit entfernt liegt. Die Könige, die vom Ende der Welt gegen sie herangezogen waren, hatten sie besiegt und ihnen eine vernichtende Niederlage beigebracht; die Übrigen mussten ihnen jährlich Tribut zahlen. 5 Philippus und Perseus, die Könige der Kittäer, und alle anderen, die sich gegen sie auflehnten, hatten sie im Krieg vernichtend geschlagen und unterworfen. 6 Als Antiochus, der Großkönig von Asien, mit hundertzwanzig Elefanten, mit Reiterei, Streitwagen und einem gewaltigen Heer gegen sie zum Kampf auszog, wurde er von ihnen vernichtend geschlagen. 7 Sie nahmen ihn lebendig gefangen und erlegten ihm und seinen Nachfolgern einen hohen Tribut auf; er musste Geiseln stellen und einen Teil seines Gebietes abtreten. 8 Sie nahmen ihm die Provinzen Indien, Medien und Lydien ab, einige der besten Länder, die er besaß, und schenkten sie dem König Eumenes. 9 Als die Bewohner von Griechenland den Plan fassten, in den Krieg zu ziehen, um die Römer zu vernichten, 10 wurde diesen die Sache bekannt. Sie schickten nur einen einzigen Befehlshaber aus, um gegen sie Krieg zu führen. Von den Griechen wurden viele verwundet und kamen um. Die Römer führten ihre Frauen und Kinder gefangen weg, plünderten ihre Habe und nahmen das Land in Besitz; sie schleiften ihre Festungen und machten sich die Griechen untertan; so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. 11 Auch alle anderen Reiche und die Inseln, die sich irgendwann gegen sie erhoben, hatten sie besiegt und sich untertan gemacht. 12 Ihren Freunden aber und allen, die sich auf sie verließen, hielten sie die Freundschaft. Sie unterwarfen die Könige nah und fern, und wer ihren Namen hörte, hatte Angst vor ihnen. 13 Wem sie aber zur Herrschaft verhelfen wollen, der wird König und ebenso setzen sie ab, wen sie wollen. Auf diese Weise sind sie sehr groß geworden. 14 Bei all dem setzt sich keiner von ihnen eine Krone auf oder legt Purpurgewänder an, um damit zu prunken. 15 Vielmehr haben sie sich eine Ratsversammlung (den Senat) geschaffen und jeden Tag halten dreihundertundzwanzig Ratsherren darüber Rat, wie das Volk gut zu regieren sei. 16 Einem einzigen Mann übertragen sie vertrauensvoll für ein Jahr die Regierung über sich und die Herrschaft über ihr ganzes Land. Alle gehorchen dem einen, ohne dass es Neid oder Eifersucht unter ihnen gibt. 17 Judas wählte Eupolemus, den Sohn Johanans und Enkel des Koz, aus, sowie Jason, den Sohn Eleasars, und schickte sie nach Rom, um mit den Römern ein Freundschafts- und Waffenbündnis zu schließen, 3 18 damit das Joch von Judäa genommen werde; denn die Römer sahen ja, wie die Könige der Griechen Israel in Knechtschaft hielten. 19 Sie reisten also nach Rom - es war ein sehr weiter Weg -, traten vor den Senat und sagten: 20 Judas, der Makkabäer, seine Brüder und das jüdische Volk haben uns zu euch geschickt. Wir wollen mit euch ein Friedensbündnis schließen und als eure Bundesgenossen und Freunde eingeschrieben werden. 21 Der Senat war mit dem Vorschlag einverstanden. 22 Dies ist eine Abschrift der Urkunde, die sie auf Bronzetafeln aufzeichnen und nach Jerusalem schicken ließen, damit die Erinnerung an das Friedensbündnis ständig gegenwärtig bleibe: 23 Den Römern und dem jüdischen Volk soll es zu Wasser und zu Land immer wohl ergehen; Schwert und Feind mögen ihnen fern bleiben. 24 Wenn Rom oder irgendeinem seiner Bundesgenossen in seinem ganzen Machtbereich zuerst ein Krieg droht, 25 wird das jüdische Volk, je nachdem es die Lage erfordert, bereitwillig mit in den Kampf ziehen. 26 Den Kriegführenden brauchen keine Nahrungsmittel, keine Waffen, kein Geld und auch keine Schiffe geliefert zu werden, wenn Rom es so für richtig hält. Sie werden ihren Verpflichtungen ohne Gegenleistung nachkommen. 27 Ebenso werden die Römer, wenn das jüdische Volk zuerst in einen Krieg verwickelt wird, bereitwillig mitkämpfen, je nach den Umständen. 28 Den Bundesgenossen brauchen keine Nahrungsmittel, Waffen, kein Geld und auch keine Schiffe geliefert zu werden, wenn Rom es so für richtig hält; sie werden ihren Verpflichtungen ohne Hinterlist nachkommen. 29 Das ist der Wortlaut des Vertrags, den die Römer mit dem Volk der Juden geschlossen haben. 30 Wenn später die beiden Parteien etwas hinzufügen oder streichen wollen, können sie es nach ihrem Belieben tun. Die Zusätze oder Streichungen werden gültig sein. 31 Dem König Demetrius aber haben wir geschrieben wegen des Unrechts, das er den Juden zugefügt hat: Warum lastet dein Joch so schwer auf unseren Freunden und Bundesgenossen, den Juden? 32 Wenn sie jetzt noch einmal deinetwegen vorstellig werden, verhelfen wir ihnen zu ihrem Recht und führen gegen dich Krieg zu Wasser und zu Land.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 9

1 Demetrius erfuhr, dass Nikanor und sein Heer im Kampf gefallen waren. Da schickte er Bakchides und Alkimus zum zweiten Mal nach Judäa und gab ihnen die im Süden stehende Armee mit. 2 Sie nahmen den Weg nach Gilgal, schlugen vor Mesalot in der Gegend von Arbela ihr Lager auf, eroberten die Stadt und brachten viele Menschen um. 3 Im ersten Monat des Jahres 152 schlugen sie ihr Lager bei Jerusalem auf. 4 Von dort zogen sie mit zwanzigtausend Mann und zweitausend Reitern nach Berea. 5 Judas aber hatte mit dreitausend ausgewählten Soldaten sein Lager bei Elasa. 6 Als die Juden die Übermacht der feindlichen Truppen sahen, bekamen sie große Angst. Viele liefen aus dem Lager fort, sodass am Ende nur noch achthundert Mann übrig waren. 7 Judas sah, dass sich sein Heer auflöste, während der Kampf unmittelbar bevorstand. Er wurde sehr bestürzt, denn er hatte keine Zeit mehr, seine Leute wieder zusammenzubringen. 8 Niedergeschlagen sagte er zu denen, die noch da waren: Auf! Wir wollen gegen unsere Feinde hinaufziehen. Vielleicht können wir doch gegen sie kämpfen. 9 Sie aber widersprachen ihm und sagten: Es ist unmöglich. Wir wollen lieber jetzt unser Leben retten und dann mit unseren Brüdern zurückkommen und gegen sie kämpfen. Wir sind zu wenige. 10 Judas antwortete: Auf keinen Fall werde ich vor ihnen fliehen. Wenn unsere Zeit gekommen ist, dann wollen wir für unsere Brüder tapfer in den Tod gehen; auf unsere Ehre soll kein Schatten fallen. 11 Da rückte das feindliche Heer aus seinem Lager aus und bezog ihnen gegenüber Stellung; die Reiterei wurde in zwei Gruppen geteilt, die Schleuderer und Bogenschützen gingen vor der Streitmacht her, ebenso die Reihe der tapferen Vorkämpfer. 12 Bakchides war auf dem rechten Flügel. Die beiden Flügel der Schlachtreihe näherten sich und man blies die Trompeten. Auch die Leute des Judas stießen in die Trompeten. 13 Die Erde bebte vor dem Getöse, das die Heere machten, und vom Morgen bis zum Abend dauerte der Kampf Mann gegen Mann. 14 Als Judas bemerkte, dass Bakchides mit dem Kern seiner Truppe rechts stand, scharten sich alle tapferen Männer um ihn 15 und der rechte Flügel der Feinde wurde von ihnen vernichtend geschlagen; sie verfolgten sie bis zum Gebirge von Aschdod. 16 Als die Truppen auf dem linken Flügel sahen, dass der rechte geschlagen war, schwenkten sie um und folgten den Spuren des Judas und seiner Leute. 17 Es entwickelte sich ein erbitterter Kampf, in dem beide Seiten schwere Verluste erlitten. 18 Auch Judas fiel; die Übrigen flohen. 19 Jonatan und Simeon holten ihren Bruder und bestatteten ihn im Grab seiner Väter in Modeïn. 20 Ganz Israel beweinte ihn und hielt um ihn eine große Totenklage ab. Sie trauerten viele Tage lang und sagten: 21 Ach, der Held ist gefallen, Israels Retter. 1 22 Die übrige Geschichte des Judas, seine anderen Feldzüge und kühnen Unternehmungen, die er durchführte, und seine sonstigen großen Taten - all das ist hier nicht erwähnt worden; es wäre zu viel geworden. 23 Nach dem Tod des Judas erhoben die Abtrünnigen in allen Teilen Israels wiederum ihr Haupt und alle Übeltäter wagten sich wieder ans Licht. 24 In jenen Tagen gab es eine furchtbare Hungersnot; wie die Verräter, so wurde auch das Land untreu. 25 Bakchides wählte die abtrünnigen Männer aus und machte sie zu Herren des Landes. 26 Diese spürten die Anhänger des Judas auf, verhörten sie und brachten sie zu Bakchides. Er nahm Rache an ihnen und ließ sie misshandeln. 27 Große Bedrängnis herrschte in Israel, wie seit den Tagen der Propheten nicht mehr. 28 Da kamen alle Anhänger des Judas zusammen und sagten zu Jonatan: 29 Seit dein Bruder Judas tot ist, gibt es keinen mehr, der gegen die Feinde, gegen Bakchides und gegen die Gegner unseres Volkes in den Krieg zieht, wie er es getan hat. 30 Darum haben wir dich heute gewählt. So wie er sollst du uns anführen und leiten in unserem Kampf. 31 Jonatan übernahm also die Führung und trat die Nachfolge seines Bruders Judas an. 32 Bakchides erfuhr davon und trachtete ihm nach dem Leben. 33 Als Jonatan und sein Bruder Simeon mit ihrer ganzen Gefolgschaft das hörten, flohen sie in die Wüste von Tekoa und hielten sich bei der mit Wasser gefüllten Zisterne von Asfar auf. 34 [Aber Bakchides erfuhr davon, und zwar am Sabbat; er ging mit all seinen Leuten auf die andere Seite des Jordan.] 35 Er schickte seinen Bruder Johanan an der Spitze seiner Truppe zu den mit ihm befreundeten Nabatäern und ließ sie bitten, ihr zahlreiches Gepäck bei ihnen aufbewahren zu dürfen. 36 Doch die Söhne Jambris aus Medeba zogen aus, ergriffen Johanan mit allem, was er bei sich hatte, und nahmen ihn mit. 37 Darauf meldete man Jonatan und seinem Bruder Simeon: Die Söhne Jambris wollen eine große Hochzeit veranstalten und die Braut, die Tochter eines der vornehmen Herren Kanaans, in einem großen Festzug aus Nadabat heimführen. 38 Da dachten sie daran, dass die Söhne Jambris das Blut ihres Bruders Johanan vergossen hatten; sie zogen hinauf und versteckten sich im Gebirge. 39 Plötzlich sahen sie einen lärmenden Zug mit viel Gepäck daherziehen. Der Bräutigam, seine Freunde und seine Brüder kamen ihnen mit Pauken, Liedern und in starker Bewaffnung entgegen. 40 Sie fielen aus dem Hinterhalt über sie her und richteten unter ihnen ein Blutbad an; viele wurden erschlagen, die Übrigen flohen ins Gebirge. Ihre ganze Habe nahmen sie als Beute mit. 41 Da wurde die Hochzeit zur Trauerfeier und der Klang ihrer Lieder zur Totenklage. 42 Auf diese Weise rächten sie das Blut ihres Bruders; dann kehrten sie in das Dickicht am Jordan zurück. 43 Als Bakchides davon erfuhr, kam er am Sabbat mit einem großen Heer an das Ufer des Jordan. 44 Jonatan sagte zu seinen Leuten: Kommt, wir müssen um unser Leben kämpfen. Noch nie waren wir in einer solchen Lage. 45 Die Feinde haben uns eingeschlossen; auf beiden Seiten ist das Wasser des Jordan mit seinen Sümpfen und seinem Dickicht. Wir können nicht ausweichen. 46 Darum schreit laut zum Himmel, damit ihr aus der Hand eurer Feinde gerettet werdet. 47 Darauf begann der Kampf Mann gegen Mann. Jonatan holte aus, um Bakchides zu erschlagen, der aber konnte ihm ausweichen. 48 Dann sprangen Jonatan und seine Leute in den Jordan und schwammen ans andere Ufer. Die Feinde aber setzten ihnen nicht über den Jordan nach. 49 Vom Heer des Bakchides fielen an jenem Tag ungefähr tausend Mann.50 Bakchides kehrte nach Jerusalem zurück. Er legte in Judäa befestigte Städte an: die Festungen bei Jericho, Emmaus, Bet-Horon, Bet-El, Timna, Faraton und Tefon. Er versah sie mit hohen Mauern und Toren; an den Toren brachte er Querbalken zum Verriegeln an. 51 Dann legte er Besatzungen hinein, die das Volk Israel im Zaum halten sollten. 52 Auch in den Städten Bet-Zur und Geser und an der Burg von Jerusalem ließ er Befestigungsarbeiten ausführen und Truppen und Proviant hineinbringen. 53 Von den Männern, die eine führende Stellung im Land innehatten, nahm er die Söhne als Geiseln und hielt sie in der Burg von Jerusalem gefangen. 54 Im zweiten Monat des Jahres 153 befahl Alkimus, die Mauer des inneren Tempelvorhofs einzureißen. Er ließ mit den Abbrucharbeiten beginnen, um zu zerstören, was die Propheten erbaut hatten. 55 Doch dann wurde Alkimus vom Schlag getroffen und sein Plan wurde nicht ausgeführt. Er konnte den Mund nicht mehr öffnen; er war gelähmt und konnte kein Wort mehr sagen, nicht einmal mehr sein Testament machen. 56 Wenig später starb Alkimus unter großen Qualen. 57 Als Bakchides sah, dass Alkimus tot war, kehrte er zum König zurück und Judäa hatte zwei Jahre lang Ruhe.58 Danach kamen alle Verräter zu einer Beratung zusammen. Sie sagten: Jonatan und seine Anhänger leben sorglos in ihren Häusern und fühlen sich sicher. Wenn wir jetzt Bakchides kommen lassen, kann er alle in einer einzigen Nacht festnehmen. 59 Sie gingen also zu ihm und besprachen sich mit ihm. 60 Bakchides machte sich mit einem großen Heer auf den Weg. Er schickte heimlich Briefe an alle seine Verbündeten in Judäa mit der Aufforderung, Jonatan und seine Anhänger gefangen zu nehmen. Aber es gelang ihnen nicht; denn ihr Vorhaben war bekannt geworden. 61 Stattdessen ließ Jonatan von den im Land wohnenden Männern, die für den verbrecherischen Anschlag verantwortlich waren, fünfzig ergreifen und töten. 62 Dann setzten sich Jonatan und Simeon mit ihren Anhängern in die Wüste nach Bet-Basi ab. Jonatan ließ dort alles wieder aufbauen, was in Trümmern lag, und befestigte den Ort. 63 Als Bakchides davon erfuhr, zog er alle seine Truppen zusammen und erteilte den Leuten von Judäa entsprechende Anweisungen. 64 Er rückte gegen Bet-Basi vor und schlug dort sein Lager auf. Er ließ Belagerungsmaschinen aufstellen und berannte den Ort viele Tage lang. 65 Da ließ Jonatan seinen Bruder Simeon in der Stadt zurück; er selbst ging mit einer Hand voll Leute in die Dörfer der Umgebung. 66 Dabei schlug er den Odomera und seine Sippe; auch überfiel er ein Zeltlager des Stammes Fasiron. Sie begannen zu siegen und rückten verstärkt wieder hinauf. 67 Simeon aber machte mit seinen Leuten einen Ausfall aus der Stadt und steckte die Belagerungsmaschinen in Brand. 68 Bakchides wurde von ihnen angegriffen und vernichtend geschlagen. Sie bereiteten ihm großen Verdruss, weil das von ihm geplante Unternehmen zu einem völligen Fehlschlag wurde. 69 Da wurde Bakchides sehr wütend über die Verräter, die ihm den Rat gegeben hatten, in das Land zu kommen. Er brachte viele von ihnen um und beschloss, in sein Land zurückzukehren. 70 Sobald Jonatan davon hörte, schickte er Gesandte zu ihm, um einen Friedensvertrag mit ihm abzuschließen und die Gefangenen freizubekommen. 71 Bakchides nahm die Vorschläge Jonatans an und schwor ihm, nie wieder in seinem Leben etwas gegen ihn zu unternehmen. 72 Auch ließ er die Gefangenen frei, die er vorher in Judäa gemacht hatte. Dann zog er ab und kehrte nach Hause zurück. Judäa betrat er nie wieder. 73 Darauf ruhten in Israel die Waffen. Jonatan ließ sich in Michmas nieder und begann, als Richter über das Volk zu herrschen. Die Frevler in Israel aber rottete er aus.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 10

1 Im Jahr 160 zog Alexander Epiphanes, der Sohn des Antiochus, gegen Ptolemaïs und besetzte es. Die Einwohner nahmen ihn auf und er trat dort die Herrschaft an. 2 Als König Demetrius das hörte, sammelte er viele Truppen und zog gegen ihn in den Kampf. 3 An Jonatan schickte Demetrius einen Brief mit Friedensbeteuerungen und versprach ihm hohe Würden. 4 Denn er dachte: Wir wollen schnell mit ihm Frieden schließen, bevor er sich mit Alexander gegen uns verbündet. 5 Sonst erinnert er sich nämlich an all das Unheil, das wir ihm, seinen Brüdern und seinem Volk angetan haben. 6 Er gab Jonatan die Vollmacht, Truppen auszuheben und als seine Verbündeten auszurüsten. Auch versprach er, die in der Burg von Jerusalem festgehaltenen Geiseln freizulassen. 7 Jonatan kam nach Jerusalem und las den Brief der ganzen Bevölkerung und der Besatzung der Burg laut vor. 8 Als sie hörten, dass er vom König die Vollmacht erhalten hatte, Truppen auszuheben, bekamen sie große Angst. 9 Die Besatzung der Burg lieferte dem Jonatan die Geiseln aus und er gab sie ihren Eltern zurück. 10 Jonatan ließ sich in Jerusalem nieder und begann in der Stadt mit Bauarbeiten und Ausbesserungen. 11 Er gab den Handwerkern den Auftrag, den Berg Zion und die Stadtmauern mit Quadersteinen zu befestigen. Das führten sie auch aus. 12 Darauf flohen die Fremden aus den Festungen, die Bakchides erbaut hatte. 13 Sie machten sich alle davon und kehrten nach Hause zurück. 14 Nur in Bet-Zur blieben von denen, die vom Gesetz und von den Geboten abgefallen waren, einige zurück; dort fanden sie nämlich Zuflucht. 15 König Alexander erfuhr, was Demetrius Jonatan alles zugesichert hatte. Man berichtete ihm auch von den Kriegen und den Heldentaten Jonatans und seiner Brüder und von den zahlreichen Mühen, die sie auf sich genommen hatten. 16 Da sagte er: Können wir noch einmal solch einen Mann finden wie ihn? Wir wollen ihn zu unserem Freund und Verbündeten machen. 17 Er schrieb also einen Brief und schickte ihn an Jonatan. Der Brief hatte folgenden Inhalt: 18 König Alexander grüßt seinen Bruder Jonatan. 19 Wir haben gehört, dass du ein tapferer Mann bist; du bist es wert, unser Freund zu sein. 20 Darum ernennen wir dich heute zum Hohenpriester über dein Volk; du darfst den Titel Freund des Königs führen. Halte zu uns und bewahre uns die Freundschaft! Zugleich übersandte er ihm den Purpurmantel und einen goldenen Kranz. 21 Im siebten Monat des Jahres 160 legte Jonatan am Laubhüttenfest das heilige Gewand an. Er hob Truppen aus und verschaffte sich eine Menge Waffen. 22 Als Demetrius davon hörte, war er bestürzt. Er sagte: Was haben wir da gemacht! 23 Alexander ist uns zuvorgekommen. Er hat die Freundschaft der Juden gewonnen, sodass sie ihn unterstützen. 24 Doch ich will ihnen auch schreiben. Ich will ihnen gut zureden und versprechen, sie auszuzeichnen und zu beschenken. Vielleicht werden sie mich dann unterstützen. 25 Er schrieb ihnen also folgenden Brief: König Demetrius grüßt das jüdische Volk. 26 Ihr habt die Verträge, die ihr mit uns geschlossen habt, gehalten, habt uns die Freundschaft bewahrt und euch nicht unseren Feinden angeschlossen. Wir haben es vernommen und uns darüber gefreut. 27 Bleibt uns auch weiterhin treu! Wir werden euch das Gute vergelten, das ihr uns erweist. 28 Wir werden euch viele Verpflichtungen erlassen und euch Geschenke machen. 29 Von heute an erkläre ich euch für frei und erlasse allen Juden die Kopfsteuer, die Salzsteuer und die Lieferung der Kränze. 30 Von heute an verzichte ich für immer auf den dritten Teil der Erträge der Felder und auf die Hälfte der Erträge der Bäume, die mir aus Judäa zustehen sowie aus den drei Bezirken Samariens und Galiläas, die an Judäa angeschlossen worden sind. 31 Jerusalem sei heilig und unantastbar und soll mit seiner Umgebung vom Zehnten und von der Steuer befreit sein. 32 Ich verzichte auch auf die Befehlsgewalt über die Burg von Jerusalem. Ich gestatte dem Hohenpriester, selbst die Männer auszuwählen, die er als Wache in die Burg legen will. 33 In meinem ganzen Reich lasse ich alle Juden, die als Gefangene aus Judäa verschleppt worden sind, ohne Lösegeld frei. Auch ihre Tiere darf niemand zum Frondienst heranziehen. 34 An allen Festen, Sabbaten, Neumonden und Feiertagen sowie drei Tage vor und nach einem Fest braucht kein Jude in meinem Reich Steuern oder Schulden zu bezahlen. 35 Niemand soll einen von ihnen in irgendeiner Sache belangen oder belästigen dürfen. 36 Bis zu dreißigtausend Juden sollen in das königliche Heer aufgenommen werden und den gleichen Sold erhalten wie alle anderen Soldaten des Königs. 37 Sie sollen auch in den großen Festungen des Königs Dienst tun und Vertrauensstellungen im Reich einnehmen. Ihre Offiziere und Befehlshaber sind aus ihren eigenen Reihen zu wählen. Sie dürfen nach ihren eigenen Gesetzen leben, ganz so, wie es der König für Judäa angeordnet hat. 38 Die drei Bezirke, die von der Provinz Samarien abgetrennt und Judäa angeschlossen worden sind, sollen unter gemeinsamer Verwaltung zu Judäa gehören und nur dem Hohenpriester unterstellt sein. 39 Ptolemaïs und das angrenzende Gebiet vermache ich als Geschenk dem Tempel von Jerusalem; daraus soll der nötige Aufwand für den Tempeldienst bestritten werden. 40 Auf eigene Rechnung will ich aus geeigneten Orten jährlich fünfzehntausend Silberschekel aufbringen. 41 Alles, was die Behörden von den in den früheren Jahren üblichen Zuwendungen noch nicht bezahlt haben, sollen sie von nun an für die Arbeiten am Tempel zur Verfügung stellen. 42 Auch die fünftausend Silberschekel, die bisher vom Jahresaufkommen des Tempels als Steuer erhoben wurden, werden erlassen und sollen den diensttuenden Priestern zukommen. 43 Jeder, der sich in das Heiligtum von Jerusalem flüchtet oder in das zum Tempel gehörende Gebiet, wird mit seinem ganzen Besitz, den er in meinem Reich hat, von jeder Schuld dem König gegenüber und von jeder anderen geschäftlichen Verpflichtung frei sein. 44 Die Kosten für die Arbeiten am Heiligtum, sowohl für Neubauten wie für Ausbesserungen, gehen zu Lasten des Königs, 45 ebenso gehen die Kosten für den Bau der Mauern in Jerusalem und für die Stadtmauern, die es umgeben, auf die Rechnung des Königs, schließlich auch die Mauerbauten in Judäa. 46 Als Jonatan und das Volk diese Versprechungen hörten, glaubten sie ihnen nicht und gingen nicht darauf ein; denn sie dachten an das große Unheil, das er in Israel angerichtet, und in welche Not er sie gebracht hatte. 47 Sie hielten zu Alexander, weil er ihnen zuerst Frieden angeboten hatte, und sie kämpften die ganze Zeit auf seiner Seite. 48 König Alexander zog große Truppenmassen zusammen und schlug Demetrius gegenüber sein Lager auf. 49 Die beiden Könige eröffneten den Kampf gegeneinander. Das Heer des Demetrius floh; Alexander setzte ihm nach und gewann die Oberhand. 50 Er kämpfte hartnäckig, bis die Sonne unterging. An jenem Tag fiel Demetrius in der Schlacht. 51 Alexander schickte Gesandte zu Ptolemäus, dem König von Ägypten, und ließ ihm folgendes sagen: 52 Ich bin in mein Reich zurückgekehrt, habe mich auf den Thron meiner Väter gesetzt und die Herrschaft angetreten. Ich habe Demetrius besiegt und unser Land in meine Gewalt gebracht. 53 Ich habe mit ihm gekämpft; er wurde mit seinem Heer von uns vernichtend geschlagen. So haben wir uns auf den Thron seines Reiches gesetzt. 54 Lasst uns nun miteinander Freundschaft schließen. Gib mir deine Tochter zur Frau, damit wir uns durch diese Heirat miteinander verschwägern. Ich werde dir und ihr Geschenke machen, die deiner würdig sind. 55 König Ptolemäus antwortete: Welch glücklicher Tag, an dem du in das Land deiner Väter zurückgekehrt bist und dich auf den Thron ihres Reiches gesetzt hast. 56 Ich will auf deinen Vorschlag eingehen. Doch komm mir bis Ptolemaïs entgegen, damit wir uns kennen lernen. Dann werde ich mich mit dir verschwägern, wie du geschrieben hast. 57 Ptolemäus verließ Ägypten und nahm seine Tochter Kleopatra mit sich. Im Jahr 162 kam er nach Ptolemaïs. 7 58 Als König Alexander mit ihm zusammenkam, gab er ihm seine Tochter zur Frau. Er veranstaltete in Ptolemaïs eine glänzende Hochzeit für sie, wie es bei Königen üblich ist. 59 König Alexander schrieb an Jonatan, er möge doch zu ihm kommen und sich mit ihm treffen. 60 Da begab sich Jonatan mit glänzendem Gefolge nach Ptolemaïs und traf dort die beiden Könige. Er brachte ihnen und ihren Freunden Silber, Gold und viele Geschenke mit. So gewann er sie für sich. 61 Aber ehrlose Männer aus Israel, Verräter, traten gemeinsam auf und klagten ihn an. Doch der König schenkte ihnen keine Beachtung. 62 Vielmehr gab er die Anweisung, Jonatan anstelle der Gewänder, die er trug, mit Purpur zu bekleiden. Das geschah 63 und der König ließ ihn neben sich Platz nehmen. Dann sagte er zu seinen höchsten Beamten: Nehmt ihn mit in die Stadt und gebt bekannt, dass niemand ihn in irgendeiner Sache anklagen darf; keiner darf ihm aus irgendeinem Grund Ungelegenheiten bereiten. 64 Als die Ankläger sahen, dass er öffentlich geehrt wurde und mit Purpur bekleidet war, machten sie sich alle davon. 65 Der König ließ Jonatan noch weitere Ehrungen zukommen: Er ließ ihn in das Verzeichnis seiner ersten Freunde aufnehmen und ernannte ihn zum Befehlshaber und Statthalter. 66 Darauf kehrte Jonatan in Frieden und voll Freude nach Jerusalem zurück. 67 Im Jahr 165 kam Demetrius, der Sohn des Demetrius, aus Kreta in das Land seiner Väter. 68 Als König Alexander das hörte, war er sehr bestürzt und kehrte nach Antiochia zurück. 69 Demetrius ernannte Apollonius zum Statthalter von Zölesyrien. Dieser brachte ein großes Heer zusammen und schlug sein Lager bei Jamnia auf. Von dort schickte er dem Hohenpriester Jonatan diese Botschaft: 70 Nur du allein stellst dich gegen uns. Deinetwegen verlacht und verhöhnt man mich. Was maßt du dir uns gegenüber an in deinen Bergen? 71 Wenn du dich auf deine Truppen verlassen kannst, dann komm doch herunter zu uns in die Ebene; dort wollen wir unsere Kräfte messen. Denn bei mir befinden sich die Truppen aus den Städten. 72 Frag doch nach und erkundige dich, wer ich bin und wer die Leute sind, die auf meiner Seite stehen. Man wird dir sagen, dass ihr uns nicht standhalten könnt. Schon zweimal wurden deine Vorfahren in ihrem Land in die Flucht geschlagen. 73 In der Ebene wirst du dich auch diesmal gegen die Reiterei und gegen eine solche Streitmacht nicht halten können; da gibt es nämlich keinen Stein und keinen Kiesel und auch keinen Schlupfwinkel, in den man fliehen kann. 74 Als Jonatan die Worte des Apollonius vernahm, war er empört und rückte mit zehntausend Mann aus Jerusalem aus. Sein Bruder Simeon ging zu seiner Unterstützung mit. 75 Vor Jafo schlug er sein Lager auf. Die Einwohner der Stadt verschlossen die Tore vor ihm; denn Apollonius hatte eine Besatzung nach Jafo gelegt. Als die Juden aber angriffen, 76 bekamen die Einwohner Angst und übergaben die Stadt und Jonatan nahm Jafo in Besitz. 77 Das erfuhr Apollonius, der mit dreitausend Reitern und einem großen Heer ein Lager bezogen hatte. Er zog auf Aschdod zu, als wolle er durch die Stadt ziehen. Zugleich rückte er in die Ebene vor, weil er sich auf seine starke Reiterei verließ. 78 Jonatan aber setzte ihm nach bis vor Aschdod. Dort gerieten die Heere aneinander. 79 Apollonius hatte tausend Reiter in einem Hinterhalt zurückgelassen. 80 Jonatan bemerkte den Hinterhalt, aber die Reiter umzingelten sein Heer und schossen vom frühen Morgen bis zum Abend mit Pfeilen auf seine Leute. 81 Aber die Männer hielten stand, wie Jonatan befohlen hatte, und die Pferde der Feinde wurden müde. 82 Dann ließ Simeon seine Streitkräfte ausschwärmen und griff die feindlichen Fußtruppen an. Da die Reiterei erschöpft war, wurde das Heer von ihm in die Flucht geschlagen. 83 Die Reiterei wurde über die ganze Ebene hin zersprengt und floh nach Aschdod; sie gingen in den Tempel Dagons, ihres Götzenbildes, um sich zu retten. 84 Jonatan steckte Aschdod und die Nachbarorte in Brand und plünderte sie; er brannte auch den Tempel des Dagon nieder mit allen, die sich dorthin geflüchtet hatten. 85 Es waren etwa achttausend Mann, die durch das Schwert oder im Feuer umkamen. 86 Von dort brach Jonatan auf und schlug sein Lager bei Aschkelon auf. Die Einwohner kamen ihm in einem festlichen Zug aus der Stadt entgegen. 87 Dann kehrten Jonatan und seine Leute mit großer Beute nach Jerusalem zurück. 88 Als König Alexander davon hörte, erwies er ihm noch weitere Ehren. 89 Er übersandte ihm eine goldene Spange, wie man sie Angehörigen der königlichen Familie verleiht; auch übergab er ihm die Stadt Ekron mit ihrem ganzen Gebiet zum Besitz.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 11

1 Damals zog der König von Ägypten Truppen zusammen, so zahlreich wie der Sand am Ufer des Meeres, dazu viele Schiffe; denn er wollte mit List die Herrschaft über das Reich Alexanders gewinnen, um es seinem Reich anzugliedern. 2 Er rückte in Syrien ein, aber so, als komme er in friedlicher Absicht. Die Einwohner der Städte öffneten ihm die Tore und gingen ihm entgegen. König Alexander hatte es so angeordnet, weil Ptolemäus sein Schwiegervater war. 3 Jedes Mal, wenn Ptolemäus eine Stadt betreten hatte, ließ er eine Abteilung seiner Truppen als Besatzung dort. 4 Als er nach Aschdod zog, zeigte man ihm den niedergebrannten Tempel Dagons und die durch das Feuer verwüstete Stadt und Umgebung von Aschdod. Dazu häufte man an seinem Weg die Leichen der Erschlagenen und Verbrannten aus dem Krieg mit Jonatan auf. 5 Man erzählte dem König, was Jonatan getan hatte, um ihn in ein schlechtes Licht zu setzen, aber der König schwieg dazu. 6 Jonatan kam dem König in Jafo mit einem glänzenden Gefolge entgegen. Sie begrüßten einander und blieben die Nacht über dort. 7 Anschließend begleitete Jonatan den König bis zum Fluss Eleutherus; dann kehrte er nach Jerusalem zurück. 8 König Ptolemäus aber brachte alle Küstenstädte bis nach Seleuzia am Meer in seine Gewalt; denn er führte gegen Alexander Böses im Schild. 9 Dem König Demetrius ließ er durch Gesandte mitteilen: Wir wollen einen Bund miteinander schließen. Ich will dir meine Tochter geben, die Alexander jetzt zur Frau hat. Du sollst im Reich deines Vaters als König herrschen. 10 Ich bereue, dass ich ihm meine Tochter gegeben habe; denn er hat versucht, mich zu ermorden. 11 Ptolemäus aber machte Alexander deswegen so schlecht, weil er sein Reich haben wollte. 12 Er nahm ihm seine Tochter weg und gab sie Demetrius zur Frau. So brach er mit Alexander und es wurde überall bekannt, dass sie zu Feinden geworden waren. 13 Ptolemäus zog in Antiochia ein und setzte sich die Krone von Asien auf; zwei Kronen trug er nun: die von Ägypten und die von Asien. 14 König Alexander war zu dieser Zeit gerade in Zilizien, weil die Bevölkerung jenes Gebietes von ihm abzufallen drohte. 15 Sobald er von den Vorfällen hörte, zog er zum Kampf gegen Ptolemäus aus. Dieser rückte ihm mit einem starken Heer entgegen und schlug ihn in die Flucht. 16 Alexander floh nach Arabien, weil er glaubte, dort einen Zufluchtsort zu finden; nun stand König Ptolemäus auf der Höhe seiner Macht. 17 Der Araber Sabdiël ließ Alexander den Kopf abschlagen und an Ptolemäus schicken. 18 Doch drei Tage später starb auch König Ptolemäus. Seine Besatzungstruppen wurden von den Einwohnern der befestigten Städte niedergemacht. 19 So kam im Jahr 167 Demetrius an die Herrschaft. 20 Zur selben Zeit rief Jonatan die Männer von Judäa zusammen, um die Burg von Jerusalem zu belagern. Sie stellten viele Belagerungsmaschinen gegen sie auf. 21 Da gingen einige Verräter, Feinde ihres eigenen Volkes, zum König und berichteten ihm, Jonatan belagere die Burg. 22 Als der König das hörte, wurde er sehr wütend. Kaum hatte er die Nachricht erhalten, da begab er sich sofort nach Ptolemaïs. Er erteilte Jonatan schriftlich den Befehl, die Belagerung abzubrechen und sofort zu einer Unterredung zu ihm nach Ptolemaïs zu kommen. 23 Als Jonatan die Nachricht erhielt, befahl er, die Belagerung fortzusetzen; dann wählte er sich einige Begleiter aus den Ältesten Israels und den Priestern aus und wagte die Reise. 24 Mit Silber, Gold, Gewändern und mit vielen anderen Geschenken fuhr er zum König nach Ptolemaïs. Es gelang ihm, den König umzustimmen. 25 Einige Verräter aus dem Volk brachten zwar Beschuldigungen gegen ihn vor, 26 aber der König verhielt sich ihm gegenüber wie seine Vorgänger und erwies ihm Ehre in Gegenwart all seiner Freunde. 27 Er bestätigte ihn im Hohenpriesteramt und in allen anderen Würden, die man ihm bis dahin übertragen hatte, und verlieh ihm den Titel Freund ersten Ranges. 28 Jonatan bat den König, Judäa, die drei Bezirke und Samarien steuerfrei zu machen, und versprach, ihm dafür dreihundert Talente zu geben. 29 Der König war einverstanden und stellte Jonatan über alle diese Punkte folgende Urkunde aus: 30 König Demetrius grüßt seinen Bruder Jonatan und das jüdische Volk. 31 Wir haben euretwegen unserem Verwandten Lasthenes einen Brief geschrieben, dessen Abschrift wir auch euch zu eurer Unterrichtung zukommen lassen: 32 König Demetrius grüßt Vater Lasthenes. 33 Das mit uns befreundete jüdische Volk ist seinen Verpflichtungen uns gegenüber nachgekommen. Darum haben wir beschlossen, ihnen ihre Freundschaft zu vergelten. 34 Wir bestätigen ihnen den Besitz von Judäa und den drei Bezirken Efraim, Lod und Ramatajim. Diese sind mit allem, was zu ihnen gehört, von Samarien abgetrennt und zu Judäa geschlagen worden. Für alle, die in Jerusalem opfern, gelte das als Ersatz für die königlichen Steuern, die der König bei ihnen bisher jährlich von den Erträgen der Felder und Bäume erhoben hat. 35 Wir überlassen ihnen auch alle unsere anderen Einkünfte, den Zehnten und die Steuern, die uns von jetzt an zustehen, ferner die Abgaben aus den Salzteichen und die Kränze, auf die wir Anspruch haben. 36 Nichts davon soll je rückgängig gemacht werden. 37 Lasst euch nun eine Abschrift machen; sie soll Jonatan übergeben und auf dem Heiligen Berg an einem Ort, der allen zugänglich ist, aufgestellt werden. 38 Als König Demetrius feststellte, dass unter seiner Herrschaft im Land Ruhe herrschte und dass niemand sich ihm widersetzte, schickte er alle seine Soldaten nach Hause, außer den Söldnertruppen, die er bei den Völkern auf den Inseln angeworben hatte. Das nahmen ihm die Soldaten, die schon unter seinen Vorgängern gedient hatten, sehr übel. 39 Tryphon, der früher zur Umgebung Alexanders gehört hatte, merkte, wie unzufrieden alle Soldaten über Demetrius waren. Er reiste daher zu dem Araber Jamliku, der Antiochus, den kleinen Sohn Alexanders, aufzog, 40 und drängte ihn, ihm den Jungen mitzugeben, damit er seinem Vater als König nachfolgen könne. Er unterrichtete ihn auch über das Vorgehen des Demetrius und wie dieser sich die Feindschaft seiner Truppen zugezogen hatte. Tryphon blieb längere Zeit dort. 41 Jonatan hatte inzwischen König Demetrius gebeten, die Besatzungstruppen aus der Burg von Jerusalem und aus den anderen Festungen abzuziehen; sie verhielten sich nämlich feindlich gegen Israel. 42 Demetrius ließ Jonatan sagen: Nicht nur das will ich für dich und dein Volk tun; ich werde dich und dein Volk hoch zu Ehren bringen, sobald ich Gelegenheit dazu habe. 43 Im Augenblick wäre es aber gut, wenn du mir Männer schicktest, die mir im Kampf helfen können. Alle meine Truppen sind nämlich von mir abgefallen. 44 Jonatan sandte ihm dreitausend kampferfahrene Männer nach Antiochia. Als sie beim König eintrafen, freute er sich sehr über ihre Ankunft. 45 Da rotteten sich etwa hundertzwanzigtausend Einwohner mitten in der Stadt zusammen, um den König umzubringen. 46 Der König flüchtete sich in den Palast, aber die Einwohner besetzten die Durchgangsstraßen der Stadt und begannen den Kampf. 47 Da rief der König die Juden zu Hilfe. Sie fanden sich sofort vollzählig bei ihm ein, schwärmten in die Stadt aus und erschlugen an jenem Tag fast hunderttausend Menschen. 48 Sie steckten auch die Stadt in Brand und machten große Beute. So retteten sie den König. 49 Als nun die Einwohner bemerkten, dass die Stadt der Willkür der Juden ausgeliefert war, verloren sie jeden Mut; sie schrien zum König und flehten: 50 Schließ Frieden mit uns! Wenn nur die Juden aufhören, gegen uns und die Stadt zu kämpfen! 51 Sie warfen die Waffen weg und schlossen Frieden. Die Juden aber wurden vom König und von allen seinen Untertanen geehrt. Man sprach von ihnen in seinem ganzen Reich und sie kehrten mit reicher Beute nach Jerusalem zurück. 52 König Demetrius hatte die Macht wieder fest in seiner Hand und das Land war ruhig unter seiner Herrschaft. 53 Da hielt er nichts von dem, was er versprochen hatte. Er brach mit Jonatan und vergalt ihm die erwiesene Freundschaft nicht, sondern setzte ihm hart zu. 54 Danach kehrte Tryphon mit dem kleinen Antiochus zurück. Der Knabe trat die Herrschaft an und setzte sich die Krone auf. 4 55 Alle Truppen, die Demetrius davongejagt hatte, schlossen sich ihm an. Sie kämpften gegen Demetrius und schlugen ihn in die Flucht. 56 Tryphon erbeutete die Elefanten und nahm Antiochia ein. 57 Danach schrieb Antiochus der Jüngere an Jonatan: Ich bestätige dich im Hohenpriesteramt und unterstelle dir die vier Bezirke. Du darfst auch den Titel «Freund des Königs» führen. 58 Und er ließ Jonatan goldenes Tafelgerät überbringen und gewährte ihm das Vorrecht, aus goldenen Bechern zu trinken, sich in Purpur zu kleiden und eine goldene Spange zu tragen. 59 Jonatans Bruder Simeon machte er zum Befehlshaber über alle Truppen, die zwischen der Tyrischen Steige und der ägyptischen Grenze ihren Standort hatten. 60 Darauf brach Jonatan auf, zog durch das Gebiet jenseits des Stroms und wandte sich dann gegen die Städte in der Küstenebene. Alle Truppen in Syrien schlossen sich ihm als Verbündete an. Als er vor Aschkelon erschien, bereiteten ihm die Bürger vor der Stadt einen glänzenden Empfang. 61 Von dort zog er nach Gaza. Doch die Einwohner von Gaza schlossen die Tore. Jonatan belagerte die Stadt, brannte die Häuser in der Umgebung nieder und plünderte sie aus. 62 Daraufhin baten die Einwohner Gazas Jonatan um Frieden. Er schloss mit ihnen einen Vertrag, nahm die Söhne der führenden Familien als Geiseln und ließ sie nach Jerusalem bringen. Dann zog er durch das Land bis nach Damaskus. 63 Dabei erfuhr Jonatan, dass die Feldherren des Demetrius mit einem großen Heer nach Kedesch in Galiläa gezogen seien, um seine Maßnahmen zu durchkreuzen. 64 Daher rückte er gegen sie vor. Seinen Bruder Simeon aber hatte er im Land zurückgelassen. 65 Simeon schlug sein Lager vor Bet-Zur auf, belagerte die Stadt lange Zeit und schloss sie ein. 66 Schließlich baten sie ihn um Frieden. Er ging darauf ein, vertrieb die Feinde von dort, besetzte die Stadt und legte Truppen hinein. 67 Jonatan bezog mit seinem Heer ein Lager am See Gennesaret. Morgens brachen sie früh auf und zogen in die Ebene von Hazor. 68 Dort stießen sie auf fremde Truppen. Diese hatten einen Teil ihrer Männer in den Bergen als Hinterhalt gegen Jonatan zurückgelassen und griffen ihn nun von vorn an. 69 Dann brachen die Truppen, die im Hinterhalt lagen, aus ihrer Stellung hervor und griffen in den Kampf ein. 70 Da liefen alle Soldaten Jonatans davon. Keiner blieb zurück, außer den Truppenführern Mattatias, dem Sohn Abschaloms, und Judas, dem Sohn Halfis. 71 Jonatan aber zerriss sein Gewand, streute sich Staub auf das Haupt und betete. 72 Dann nahm er den Kampf gegen die Feinde auf und schlug sie in die Flucht. 73 Als seine Leute, die davongelaufen waren, das sahen, kehrten sie zu ihm zurück und machten sich mit ihm an die Verfolgung, bis sie das Lager der Feinde bei Kedesch erreichten. Dort machten sie Halt. 74 An jenem Tag fielen von den fremden Truppen etwa dreitausend Mann. Darauf kehrte Jonatan nach Jerusalem zurück.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 12

1 Als Jonatan sah, dass die Zeit für ihn günstig war, wählte er einige Männer aus und sandte sie nach Rom, um den Freundschaftsvertrag mit den Römern zu bestätigen und zu erneuern. 2 Auch nach Sparta und nach anderen Orten schickte er Briefe gleicher Art. 3 Die Abgesandten reisten nach Rom, traten vor den Senat und sagten: Uns schicken der Hohepriester Jonatan und das jüdische Volk, um das frühere Freundschaftsbündnis mit den Römern zu erneuern. 4 Man gab ihnen Briefe mit an die Behörden der Orte unterwegs mit der Anweisung, sie sicher nach Judäa weiterzuleiten. 5 Hier ist eine Abschrift des Briefes, den Jonatan an die Spartaner schrieb: 6 Der Hohepriester Jonatan, der Ältestenrat des Volkes, die Priester und das ganze jüdische Volk grüßen ihre Brüder, die Spartaner. 7 Schon vor längerer Zeit hat euer König Arëus an den Hohenpriester Onias einen Brief gerichtet, in dem steht, dass ihr unsere Brüder seid, wie aus der Abschrift hervorgeht. 8 Onias empfing den Abgesandten ehrenvoll und nahm den Brief entgegen, in dem ausdrücklich vom Freundschaftsbündnis die Rede war. 9 So etwas haben wir zwar nicht nötig; denn unser Trost sind die heiligen Bücher, die wir besitzen. 10 Dennoch wollten wir diese Botschaft an euch senden und die brüderliche Gemeinschaft und Freundschaft mit euch erneuern, damit wir euch nicht fremd werden. Viel Zeit ist nämlich verflossen, seit ihr eure Gesandtschaft zu uns geschickt hattet. 11 Wir haben seither an allen Festen und an allen Tagen, die dafür vorgesehen sind, bei unseren Opfern und Gebeten ständig an euch gedacht. Denn so gehört es sich und es entspricht ja auch der Sitte, an die Brüder zu denken. 12 Wir freuen uns über euren Ruhm. 13 Wir selbst waren in großer Not und sind in viele Kämpfe verwickelt worden; denn die Könige ringsum führten Krieg gegen uns. 14 Dennoch wollten wir wegen dieser Kriege weder euch noch den anderen Verbündeten und Freunden zur Last fallen. 15 Denn wir haben den Himmel selbst als Helfer und Beistand. Darum sind wir vor unseren Feinden gerettet worden und unsere Feinde liegen gedemütigt am Boden. 16 Jetzt haben wir Numenius, den Sohn des Antiochus, und Antipater, den Sohn Jasons, als Gesandte zu den Römern geschickt, um das alte Freundschaftsbündnis mit ihnen zu erneuern. 17 Wir haben ihnen aufgetragen, auf ihrer Reise auch euch zu besuchen, euch Grüße zu bestellen und unseren Brief zu überreichen, in dem wir euch anbieten, die brüderliche Gemeinschaft mit uns zu erneuern. 18 Es wäre freundlich von euch, uns darauf Antwort zu geben. 19 Und hier ist die Abschrift des Briefes, den die Spartaner an Onias gesandt hatten: 20 Arëus, König der Spartaner, grüßt den Hohenpriester Onias. 21 In einer Schrift über die Spartaner und Juden fand sich die Nachricht, dass sie Brüder sind und beide von Abraham abstammen. 22 Da wir dies erfahren haben, wäre es freundlich von euch, uns zu schreiben, wie es euch geht. 23 Wir schreiben euch wieder. Eure Herden und eure Habe gehören uns und unsere euch. Wir geben den Auftrag, dass man euch darüber Auskunft gibt. 24 Jonatan erfuhr, dass die Feldherren des Demetrius mit einem noch größeren Heer als zuvor zurückgekehrt waren, um gegen ihn zu kämpfen. 25 Er brach von Jerusalem auf und traf in der Gegend von Hamat auf sie. Er wollte ihnen nämlich keine Zeit lassen, in sein Land einzudringen. 26 Späher, die er in ihr Lager geschickt hatte, meldeten ihm bei ihrer Rückkehr, dass die Feinde sich zu einem nächtlichen Überfall vorbereitet hatten. 27 Bei Sonnenuntergang befahl daher Jonatan seinen Leuten, wach zu bleiben und die ganze Nacht kampfbereit unter Waffen zu stehen. Rings um das Lager stellte er Posten auf. 28 Als die Gegner merkten, dass Jonatan mit seinen Leuten kampfbereit war, packte sie Furcht und Schrecken. Sie zündeten in ihrem Lager Wachfeuer an und zogen ab. 29 Jonatan und seine Leute bemerkten bis zum Morgen nichts; denn sie sahen die Feuer brennen. 30 Jonatan nahm zwar die Verfolgung auf, konnte die Feinde aber nicht mehr einholen; denn sie hatten den Eleutherus bereits überschritten. 31 Jonatan wandte sich nun gegen die sabadäischen Araber, schlug sie und plünderte sie aus. 32 Dann brach er nach Damaskus auf und zog durch das ganze dazwischen liegende Gebiet. 33 Auch Simeon war aufgebrochen. Er marschierte auf Aschkelon und auf die Festungen in jenem Gebiet zu; dann wandte er sich überraschend gegen Jafo und besetzte es. 34 Er hatte nämlich gehört, dass die Einwohner vorhatten, die Festung den Leuten des Demetrius zu übergeben. Daher legte er eine Besatzung hinein, um die Stadt zu bewachen. 35 Als Jonatan zurückgekehrt war, ließ er die Ältesten des Volkes zusammenkommen und beriet mit ihnen über die Anlage von Festungen in Judäa. 36 Auch sollten die Mauern von Jerusalem erhöht werden; ferner sei zwischen der Burg und der Stadt eine hohe Mauer zu errichten, um die Burg völlig von der Stadt abzuschneiden, damit die Besatzung weder etwas kaufen noch verkaufen könne. 37 So kam man zum Ausbau der Stadt zusammen. Als ein Teil der Mauer oberhalb des Tales im Osten einstürzte, besserte man sie wieder aus und gab ihr den Namen Kafnata. 38 Simeon baute Hadid in der Schefela aus, befestigte es und versah es mit Toren und die Tore mit Querbalken zum Verriegeln. 39 Tryphon strebte nach der Herrschaft über Asien und wollte sich selbst die Königskrone aufsetzen; deshalb trachtete er König Antiochus nach dem Leben. 40 Doch er fürchtete, dass Jonatan das nicht zulassen und Krieg gegen ihn führen werde. So suchte er nach Mitteln und Wegen, ihn in seine Gewalt zu bekommen und umzubringen. Darum zog er nach Bet-Schean. 41 Jonatan rückte ihm mit vierzigtausend kampferprobten Männern nach Bet-Schean entgegen. 42 Als Tryphon sah, dass Jonatan ein großes Heer bei sich hatte, fürchtete er sich, etwas gegen ihn zu unternehmen. 43 Er bereitete ihm einen glänzenden Empfang, stellte ihn all seinen Freunden vor, machte ihm Geschenke und befahl seinen Freunden und Soldaten: Gehorcht ihm wie mir selbst! 44 Dann sagte er zu Jonatan: Warum hast du dieses ganze Heer bemüht? Es droht doch kein Krieg. 45 Lass sie nach Hause gehen, wähl dir einige Männer als Begleitung aus und geh mit mir nach Ptolemaïs! Ich werde dir die Stadt und die übrigen Festungen übergeben und auch alle anderen Truppen und alle Behörden. Nur deswegen bin ich gekommen, dann ziehe ich wieder ab. 46 Jonatan vertraute ihm und tat, was Tryphon ihm vorgeschlagen hatte. Er entließ seine Truppen und sie zogen nach Judäa ab. 47 Dreitausend Mann behielt er bei sich, von denen er zweitausend in Galiläa ließ; nur tausend begleiteten ihn. 48 Sobald Jonatan Ptolemaïs betreten hatte, schlossen die Einwohner die Tore, nahmen ihn fest und erschlugen alle, die mit ihm gekommen waren, mit dem Schwert. 49 Tryphon entsandte außerdem Fußvolk und Reiterei nach Galiläa und in die Große Ebene, um alle Truppen Jonatans niederzumachen. 50 Als diese merkten, dass Jonatan mit seinen Begleitern den Feinden in die Hände gefallen und umgekommen war, machten sie einander Mut und marschierten kampfbereit in bester Ordnung weiter. 51 Als die Verfolger sahen, dass Jonatans Männer um ihr Leben kämpfen würden, kehrten sie um. 52 Die jüdischen Truppen kamen unversehrt in Judäa an. Sie trauerten um Jonatan und seine Begleiter und waren voller Angst; auch ganz Israel war in großer Trauer. 53 Alle Völker ringsum versuchten, Israel zu vernichten. Denn sie sagten sich: Sie haben keinen Führer und Helfer mehr. Nun wollen wir gegen sie kämpfen und die Erinnerung an sie austilgen.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 13

1 Simeon erfuhr, dass Tryphon ein großes Heer zusammengebracht hatte, um in Judäa einzufallen und es zu vernichten. 2 Auch merkte er, wie das Volk voller Angst und Furcht war. Darum ging er nach Jerusalem hinauf und rief das Volk zusammen. 3 Er sprach ihnen Mut zu und sagte: Ihr wisst selbst, wie ich, meine Brüder und meine Familie sich für unsere Gesetze und für das Heiligtum eingesetzt und welche Kämpfe und Gefahren wir dafür auf uns genommen haben. 4 Alle meine Brüder sind nun für Israel gestorben; ich allein bin übrig geblieben. 5 Ich denke nicht daran, im Augenblick der Not mein Leben zu schonen. Denn ich bin nicht mehr wert als meine Brüder. 6 Vielmehr will ich mein Volk, das Heiligtum, unsere Frauen und Kinder rächen. Denn alle Völker haben sich zusammengetan, um uns auszurotten, weil sie uns hassen. 7 Sobald das Volk seine Worte hörte, fasste es neuen Mut 8 und rief laut: Sei du unser Führer anstelle deiner Brüder Judas und Jonatan! 9 Nimm unseren Kampf in deine Hand! Alles, was du befiehlst, wollen wir tun. 10 Simeon rief alle kampffähigen Männer zusammen, ließ den Bau der Mauern von Jerusalem so schnell wie möglich zu Ende führen und sicherte die Stadt nach allen Seiten. 11 Jonatan, den Sohn des Abschalom, schickte er mit einem ansehnlichen Heer nach Jafo. Dieser vertrieb die Einwohner und blieb in der Stadt. 12 Tryphon brach mit einem großen Heer von Ptolemaïs auf, um in Judäa einzufallen. Jonatan nahm er als Gefangenen mit sich. 13 Simeon schlug sein Lager bei Hadid am Rand der Ebene auf. 14 Da erfuhr Tryphon, Simeon habe anstelle seines Bruders Jonatan die Führung übernommen und werde den Kampf gegen ihn fortsetzen. Er schickte zu ihm Unterhändler mit der Botschaft: 15 Wir halten deinen Bruder Jonatan nur fest, weil er der königlichen Schatzkammer Geld schuldet für die Ämter, die er innehat. 16 Schick uns also hundert Talente Silber und zwei seiner Söhne als Geiseln, damit er nicht von uns abfällt, sobald er wieder frei ist; dann werden wir ihn freilassen. 17 Simeon merkte wohl, dass ihr Vorschlag nicht ehrlich gemeint war. Dennoch ließ er das Geld und die Kinder holen, um sich beim Volk nicht verhasst zu machen. 18 Sonst hätte man nämlich gesagt: Jonatan musste sterben, weil Simeon das Geld und die Kinder für ihn nicht ausgeliefert hat. 19 So lieferte er die Kinder und die hundert Talente aus; aber es zeigte sich, dass Tryphon ein Lügner war; denn er ließ Jonatan nicht frei. 20 Danach rückte Tryphon heran, um in Judäa einzufallen und es zu verwüsten. Er machte dabei einen Umweg über Adora; aber Simeon trat ihm mit seinem Heer überall entgegen, wo er ins Land eindringen wollte. 21 Die Besatzung der Burg von Jerusalem schickte Boten zu Tryphon, die ihn zur Eile drängten und ihn aufforderten, von der Wüste her einen Durchbruch zu versuchen und Nahrungsmittel für sie heranzuschaffen. 22 Daraufhin stellte Tryphon die gesamte Reiterei bereit, um durchzubrechen; aber in jener Nacht fiel sehr viel Schnee und er konnte wegen des Schnees nicht durchkommen. Da zog er ab nach Gilead. 23 In der Nähe von Baskama ließ er Jonatan umbringen und begraben. 24 Dann zog Tryphon ab und kehrte in sein Land zurück. 25 Simeon schickte einige Männer, um die Gebeine seines Bruders Jonatan holen und in Modeïn, der Stadt seiner Väter, bestatten zu lassen. 26 Ganz Israel hielt eine große Totenklage für ihn ab und trauerte viele Tage um ihn. 27 Simeon ließ ein hohes, weithin sichtbares Denkmal über dem Grab seines Vaters und seiner Brüder errichten. Für die Vorder- und Rückseite verwendete er behauene Steine. 28 Auch ließ er sieben Pyramiden bauen, von denen jeweils zwei einander gegenüberstanden: für den Vater, die Mutter und die vier Brüder. 29 Um die Pyramiden ließ er eine kunstvolle Anlage errichten, indem er sie mit hohen Säulen umgab. An den Säulen ließ er zum ewigen Gedenken Rüstungen anbringen und neben den Rüstungen Schiffe einmeißeln. Das Denkmal sollte für alle sichtbar sein, die auf dem Meer vorüberfahren. 30 Dieses Grabmal, das er in Modeïn errichtete, steht noch heute dort. 31 Tryphon ließ den jungen König Antiochus heimtückisch ermorden, 32 trat seine Nachfolge an und setzte sich die Krone von Asien auf. Er richtete im Land großes Unheil an. 33 Simeon legte in Judäa Festungen an, umgab sie mit hohen Türmen und gewaltigen Mauern, versah sie mit Toren und Riegeln und ließ Proviant in die Festungen bringen. 34 Dann wählte Simeon einige Männer aus, die er zu König Demetrius sandte, um einen Steuernachlass für das Land zu erwirken. Denn Tryphon war nur auf Ausbeutung aus. 35 König Demetrius antwortete ihm mit folgendem Brief: 36 König Demetrius grüßt Simeon, den Hohenpriester und Freund der Könige, sowie die Ältesten und das jüdische Volk. 37 Den goldenen Kranz und den Palmzweig, den ihr gesandt habt, haben wir erhalten. Wir sind bereit, ein für alle Mal Frieden mit euch zu schließen und die Behörden anzuweisen, euch Nachlass zu gewähren. 38 Alles, was wir euch bestätigt haben, bleibt in Kraft; auch die Festungen, die ihr angelegt habt, dürfen bestehen bleiben. 39 Wir vergeben euch alle Nachlässigkeiten und Verfehlungen, die ihr bis auf den heutigen Tag begangen habt, und erlassen euch den Kranz, den ihr noch schuldet. Sollten noch andere Abgaben von Jerusalem erhoben worden sein, sollen sie künftig wegfallen. 40 Wenn ihr Leute habt, die geeignet sind, in unserer Leibgarde Dienst zu tun, sollen sie angenommen werden. Zwischen uns soll Friede herrschen. 41 Im Jahr 170 wurde das Joch der fremden Völker von Israel genommen. 42 Das Volk begann, Urkunden und Verträge mit der Formel einzuleiten: Im Jahr 1 der Regierung Simeons, des Hohenpriesters, Befehlshabers und Führers der Juden. 43 Damals zog Simeon nach Geser, schloss die Stadt mit seinen Truppen ein, errichtete einen Belagerungsturm und ließ ihn an die Stadt heranschieben. Man schlug eine Bresche in einen Turm der Stadtmauer und besetzte ihn. 44 Dann sprang die Mannschaft des Belagerungsturms in die Stadt hinein. Es entstand ein großes Durcheinander in der Stadt. 45 Ihre Bürger stiegen mit Frauen und Kindern auf die Mauern, zerrissen ihre Gewänder, schrien laut und baten Simeon, mit ihnen Frieden zu schließen. 46 Sie sagten: Vergilt uns nicht nach unserer Schuld, sondern nach deiner Güte! 47 Simeon ließ sich erweichen und stellte den Kampf ein. Er vertrieb sie jedoch aus der Stadt und ließ die Häuser, in denen Götterbilder waren, entsühnen; dann zog er feierlich mit Lobliedern und Preisgesängen in die Stadt ein. 48 Er entfernte alles Unreine und siedelte gesetzestreue Männer an. Dann ließ er die Stadt noch stärker befestigen und baute auch für sich ein Haus in der Stadt. 49 Die Besatzung der Burg von Jerusalem war von jeder Verbindung mit dem Land abgeschnitten; sie konnten weder etwas kaufen noch etwas verkaufen und hatten fast nichts mehr zu essen; eine beträchtliche Anzahl von ihnen kam durch den Hunger um. 50 Da baten sie Simeon um Frieden. Er gewährte ihn, vertrieb sie aber von dort und entsühnte die Burg von jeder Befleckung. 51 Am dreiundzwanzigsten Tag des zweiten Monats im Jahr 171 zogen die Israeliten unter der Musik von Harfen, Zimbeln und Zithern mit Hymnen und Gesängen in die Burg ein; sie trugen Palmzweige in den Händen und sangen Freudenlieder. Denn Israel war von einem gefährlichen Feind befreit. 52 Simeon setzte fest, dass dieser Tag jährlich feierlich begangen werden solle. Er ließ die zur Burg hin gelegene Seite des Tempelbergs noch stärker befestigen und nahm mit seinem Gefolge Wohnung in der Burg. 53 Als Simeon sah, dass sein Sohn Johanan zu einem Mann herangewachsen war, machte er ihn zum Befehlshaber aller Streitkräfte und Johanan ließ sich in Geser nieder.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 14

1 Im Jahr 172 zog König Demetrius seine Truppen zusammen und brach nach Medien auf, um Hilfstruppen für den Kampf gegen Tryphon zu gewinnen. 2 Als Arsakes, der König von Persien und Medien, erfuhr, dass Demetrius in sein Gebiet eingedrungen war, sandte er einen seiner Feldherren mit dem Auftrag aus, Demetrius lebendig gefangen zu nehmen. 3 Der Feldherr machte sich auf den Weg, schlug das Heer des Demetrius, nahm ihn gefangen und brachte ihn zu Arsakes, der ihn ins Gefängnis warf. 4 Das Land Judäa hatte Ruhe, solange Simeon lebte. Er sorgte für das Wohl seines Volkes. Sie freuten sich jeden Tag über seine Macht und seinen Ruhm. 5 Sein Ruhm wuchs, als er den Hafen von Jafo gewann; so öffnete er einen Weg zu den Inseln. 6 Er erweiterte das Gebiet seines Volkes und gewann die Herrschaft über das ganze Land. 7 Viele Verbannte führte er wieder zurück. Er eroberte Geser, Bet-Zur und die Burg und vernichtete darin alles, was unrein war. Niemand widersetzte sich ihm. 8 Sie bebauten in Frieden ihr Land; der Boden gab seinen Ertrag, die Bäume auf dem Feld ihre Frucht. 9 Auf den Plätzen saßen die Alten; alle sprachen über ihr Glück. Die jungen Männer gingen im Schmuck ihrer Waffen umher. 10 Er versorgte die Städte mit Nahrung und baute sie zu Festungen aus. Sein Name wurde berühmt bis an das Ende der Welt. 11 Er brachte dem Land den Frieden, in Israel herrschte Jubel und Freude. 12 Jeder saß unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum und niemand schreckte sie auf. 13 Der Feind verschwand aus dem Land; in jenen Tagen wurden die Könige besiegt. 14 Er stärkte alle Schwachen im Land und setzte sich ein für das Gesetz. Alle Verräter und Sünder aber rottete er aus. 15 Das Heiligtum baute er prachtvoll aus, viele Geräte für den Tempel schaffte er an. 16 Als man in Rom - und auch in Sparta - erfuhr, dass Jonatan tot war, war man sehr bestürzt. 17 Als man aber hörte, sein Bruder Simeon habe seine Nachfolge als Hoherpriester angetreten und das Land mit seinen Städten sei fest in seiner Hand, 18 schrieben sie ihm auf Bronzetafeln einen Brief und boten ihm an, das Freundschaftsbündnis mit ihm zu erneuern, das sie mit seinen Brüdern Judas und Jonatan geschlossen hatten. 19 Diese Botschaft wurde vor der Volksversammlung in Jerusalem verlesen. 20 Hier ist eine Abschrift des Briefes, den die Spartaner schickten: Die Regierung und die Stadt der Spartaner grüßen den Hohenpriester Simeon, die Ältesten, die Priester und das ganze übrige jüdische Volk, ihre Brüder. 21 Die Gesandten, die ihr zu unserem Volk geschickt habt, haben uns von eurem Ruhm und eurem Ansehen berichtet und wir haben uns über ihren Besuch sehr gefreut. 22 Was sie vor dem Rat des Volkes gesagt haben, haben wir, wie folgt, schriftlich festgehalten: Numenius, der Sohn des Antiochus, und Antipater, der Sohn Jasons, sind als Gesandte der Juden zu uns gekommen, um die Freundschaft mit uns zu erneuern. 23 Das Volk hat beschlossen, ihnen einen glänzenden Empfang zu bereiten und die Niederschrift ihrer Rede im Staatsarchiv zu hinterlegen, damit das Volk von Sparta sie nicht vergisst. - Eine Abschrift davon schickten sie an den Hohenpriester Simeon. 24 Danach sandte Simeon den Numenius mit einem großen goldenen Schild, der tausend Minen wog, nach Rom, um das Bündnis mit den Römern zu bekräftigen. 25 Als man im Volk davon erfuhr, sagte man: Wie können wir Simeon und seinen Söhnen danken? 26 Denn er, seine Brüder und seine ganze Familie waren uns Halt und Stütze. Er hat den Kampf gegen Israels Feinde geführt und sie vertrieben und mit seinen Brüdern dem Volk die Freiheit errungen. Man fertigte Bronzetafeln an, die man auf dem Berg Zion an Säulen befestigte 27 und auf denen folgendes stand: Am achtzehnten Tag des Monats Elul im Jahr 172 - das ist im dritten Jahr der Regierung des großen Hohenpriesters Simeon in Asaramel - 28 wurde auf der großen Versammlung der Priester, des Volkes, der Führer des Volkes und der Ältesten des Landes uns Folgendes bekanntgegeben: 29 Als wiederholt im Land Krieg ausbrach, scheuten Simeon, der Sohn des Mattatias, aus der Familie Jojaribs, und seine Brüder keine Gefahr. Sie stellten sich den Feinden ihres Volkes entgegen, um ihr Heiligtum und das Gesetz zu erhalten, und verschafften ihrem Volk großen Ruhm. 30 Jonatan führte sein Volk zusammen; er wurde ihr Hoherpriester, bis er mit seinen Vätern vereint wurde. 31 Als darauf ihre Feinde den Plan fassten, in das Land einzufallen, um es zu vernichten und ihr Heiligtum anzutasten, 32 erhob sich Simeon und kämpfte für sein Volk. Aus eigenen Mitteln brachte er viel Geld auf und versorgte die Krieger seines Volkes mit Waffen und Verpflegung. 33 Er ließ die Städte Judäas befestigen, besonders Bet-Zur, das an der Grenze von Judäa liegt; er legte eine jüdische Besatzung dorthin, wo zuvor ein Waffenlager der Feinde gewesen war. 34 Auch die Städte Jafo am Meer und Geser bei Aschdod ließ er befestigen. Früher wohnten dort die Feinde, er aber siedelte Juden an und ließ ihnen alles zukommen, was sie zu ihrem Unterhalt brauchten. 35 Als das Volk sah, wie treu Simeon war und welchen Ruhm er seinem Volk zu verschaffen suchte, machten sie ihn zu ihrem Führer und Hohenpriester zum Dank für all diese Taten, für die Gerechtigkeit und Treue, die er seinem Volk bewies, und für sein Bestreben, auf jede Weise sein Volk zu fördern. 36 Es ist ihm zu seiner Zeit gelungen, die Fremden aus dem Land zu vertreiben, vor allem die, die in der Davidstadt in Jerusalem wohnten und sich eine Burg gebaut hatten, aus der sie Ausfälle machten, die Umgebung des Tempels entweihten und seiner Heiligkeit großen Schaden zufügten. 37 Er siedelte in der Davidstadt Juden an und ließ sie befestigen, um Land und Stadt zu sichern. Auch ließ er die Mauern von Jerusalem höher machen. 38 Demgemäß bestätigte ihn König Demetrius im Hohenpriesteramt. 39 Er ernannte ihn zu seinem Freund und zeichnete ihn durch hohe Ehren aus. 40 Denn er hatte gehört, dass Rom die Juden Freunde, Verbündete und Brüder genannt und den Gesandten Simeons einen glänzenden Empfang bereitet hatte. 41 Darum beschlossen die Juden und ihre Priester, Simeon solle für immer ihr Anführer und Hoherpriester sein, bis ein wahrer Prophet auftrete. 42 Auch solle er ihr Befehlshaber sein und für das Heiligtum Sorge tragen; durch ihn seien die Beamten zu ernennen für die Arbeiten am Tempel, für das Land, das Heer und die Festungen. 43 [Er solle für das Heiligtum Sorge tragen.] Alle hätten ihm zu gehorchen. Jede Urkunde im Land müsse in seinem Namen ausgestellt werden. Auch dürfe er sich in Gold und Purpur kleiden. 44 Keinem aus dem Volk oder aus der Priesterschaft sei es erlaubt, eine dieser Bestimmungen außer Kraft zu setzen, gegen seine Anordnungen zu verstoßen, ohne seine Erlaubnis im Land eine Versammlung einzuberufen, Purpur zu tragen oder eine goldene Spange anzulegen. 45 Jeder, der dem zuwiderhandle oder sich nicht daran halte, mache sich strafbar. 46 Das ganze Volk beschloss, diese Verfügungen zugunsten Simeons zu erlassen. 47 Simeon nahm an; er willigte ein, Hoherpriester, Befehlshaber und Fürst der Juden und ihrer Priester zu sein und in allem den Vorsitz zu führen. 48 Sie ließen diese Urkunde auf Bronzetafeln schreiben und im Vorhof des Tempels für alle sichtbar aufstellen. 49 Eine Abschrift davon sei in der Schatzkammer für Simeon und seine Söhne zu hinterlegen.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 15

1 Antiochus, der Sohn des Königs Demetrius, schickte von den Inseln ein Schreiben an Simeon, den Priester und Fürsten der Juden, und an das ganze Volk. 2 Es hatte folgenden Inhalt: König Antiochus grüßt Simeon, den Hohenpriester und Fürsten, und das jüdische Volk. 3 Ein paar Verbrecher haben die Herrschaft über das Reich unserer Väter an sich gerissen. Ich will nun das Reich wieder übernehmen und in ihm die alte Ordnung wiederherstellen. Ich habe zahlreiche Streitkräfte angeworben, mehrere Kriegsschiffe ausgerüstet 4 und will mit ihnen landen, um alle zur Rechenschaft zu ziehen, die unser Land verwüstet und so viele Städte in meinem Reich entvölkert haben. 5 Ich bestätige dir den Erlass aller Steuern, auf die die Könige vor mir verzichtet haben, und aller sonstigen Geschenke, die sie dir erlassen haben. 6 Hiermit gestatte ich dir, eigene Münzen für dein Land zu prägen. 7 Jerusalem und das Heiligtum sollen frei sein. Du darfst alle Waffen behalten, die du dir beschafft hast, dazu alle Festungen, die du angelegt hast und die in deiner Hand sind. 8 Alle Schulden an die königliche Kasse, auch die künftigen Forderungen der Krone, seien dir von jetzt an für immer erlassen. 9 Sobald wir die Herrschaft angetreten haben, werden wir dich, dein Volk und den Tempel mit hohen Ehren auszeichnen, sodass sich euer Ruhm über die ganze Welt verbreitet. 10 Im Jahr 174 kam Antiochus in das Land seiner Väter. Alle Truppen schlossen sich ihm an; nur wenige blieben bei Tryphon. 11 Antiochus verfolgte ihn und Tryphon flüchtete nach Dor am Meer. 2 12 Er hatte gemerkt, dass für ihn schlimme Zeiten angebrochen waren; denn seine Truppen hatten ihn verlassen. 13 Antiochus belagerte Dor mit hundertzwanzigtausend Soldaten und achttausend Reitern. 14 Er schloss die Stadt ein und ließ sie mit den Schiffen vom Meer her angreifen. So setzte er ihr zu Wasser und zu Land hart zu und ließ niemand hinein oder heraus. 15 Zu dieser Zeit kam Numenius mit seinen Begleitern aus Rom zurück; er hatte Briefe mit folgendem Inhalt an verschiedene Könige und Länder bei sich: 16 Der römische Konsul Luzius grüßt König Ptolemäus. 17 Die jüdischen Gesandten sind als Freunde und Verbündete zu uns gekommen, um das alte Freundschaftsbündnis zu erneuern; der Hohepriester Simeon und das jüdische Volk hatten sie geschickt. 18 Sie brachten auch einen goldenen Schild im Wert von tausend Minen mit. 19 Wir haben nun beschlossen, Könige und Länder schriftlich anzuweisen, nichts gegen die Juden zu unternehmen, gegen sie, ihre Städte und ihr Land keinen Krieg zu führen und ihre Gegner nicht zu unterstützen. 20 Auch beschlossen wir, den Schild von ihnen anzunehmen. 21 Wenn nun irgendwelche Verbrecher aus ihrem Land zu euch geflohen sind, so liefert sie dem Hohenpriester Simeon aus, damit er sie nach dem jüdischen Gesetz bestrafen kann. 22 Im gleichen Sinn schrieb Luzius an die Könige Demetrius, Attalus, Ariarathes und Arsakes 23 sowie an alle folgenden Länder: nach Sampsame, Sparta, Delos, Myndos, Sikyon, Karien, Samos, Pamphylien, Lyzien, Halikarnass, Rhodos, Phaselis, Kos, Side, Arwad, Gortyna, Knidos, Zypern und Zyrene. 24 Eine Abschrift schickten die Römer an den Hohenpriester Simeon. 25 König Antiochus belagerte Dor von der Vorstadt aus. Er ließ seine Truppen ununterbrochen gegen die Stadt anrennen, stellte Belagerungsmaschinen auf und hielt Tryphon eingeschlossen, sodass niemand hinein oder heraus konnte. 26 Simeon sandte dem König zu seiner Unterstützung zweitausend ausgesuchte Krieger, dazu Silber und Gold und viel Kriegsausrüstung. 27 Aber der König wollte es nicht annehmen; er brach vielmehr mit ihm und machte alles rückgängig, was er vorher mit ihm vertraglich vereinbart hatte. 28 Er schickte einen seiner Freunde namens Athenobius als Unterhändler zu ihm und ließ ihm sagen: Ihr habt Jafo, Geser und die Burg von Jerusalem besetzt, Städte meines Königreiches. 29 Ihr Gebiet habt ihr verwüstet und großen Schaden im Land angerichtet und viele Orte in meinem Reich habt ihr an euch gerissen. 30 Nun gebt die Städte wieder heraus, die ihr besetzt habt; ebenso entrichtet die Steuern für die Orte außerhalb Judäas, die ihr euch angeeignet habt. 31 Andernfalls gebt als Ersatz fünfhundert Talente Silber, weitere fünfhundert Talente für den Schaden, den ihr angerichtet habt, und für die Steuern der Städte. Sonst kommen wir und führen Krieg gegen euch. 32 Athenobius, der Freund des Königs, kam nach Jerusalem. Als er die Prachtentfaltung Simeons, den Schrank mit den goldenen und silbernen Geräten und den großen Hofstaat sah, war er sehr erstaunt. Er meldete Simeon die Worte des Königs; 33 doch der gab zur Antwort: Wir haben kein fremdes Land besetzt und uns nichts angeeignet, was uns nicht gehörte, sondern wir haben nur das Erbe unserer Väter zurückgeholt, das unsere Feinde zu Unrecht vorübergehend an sich gerissen hatten. 34 Wir nutzen nur die Gelegenheit und halten das Erbe unserer Väter fest. 35 Was aber Jafo und Geser betrifft, auf die du Anspruch erhebst, so ist zu sagen: Diese Städte haben unserem Volk und Land großen Schaden zugefügt. Wir wollen für sie hundert Talente zahlen. Athenobius gab ihm keine Antwort, 36 sondern ging wütend zum König zurück. Er unterrichtete ihn über die Antwort Simeons, über seine Prachtentfaltung und über alles, was er gesehen hatte. Da geriet der König in heftigen Zorn. 37 Tryphon entkam auf einem Schiff nach Orthosia. 38 Der König ernannte Kendebäus zum Befehlshaber über die Küste und teilte ihm Fußtruppen und Reiterei zu. 39 Er gab ihm den Auftrag, an der Grenze Judäas ein Lager aufzuschlagen, den Ort Kidron auszubauen und mit festen Toren zu versehen, um gegen die Juden Krieg zu führen, während er selbst die Verfolgung des Tryphon aufnahm. 40 Kendebäus zog nach Jamnia und begann, das jüdische Volk zu reizen, Überfälle auf Judäa zu machen, Juden gefangen zu nehmen und zu ermorden. 41 Er baute Kidron aus und legte Reiter und Fußtruppen hinein. Diese unternahmen Streifzüge auf den Straßen Judäas, wie ihnen der König befohlen hatte.

Das erste Buch der Makkabäer Kapitel 16

1 Da kam Johanan von Geser herauf und berichtete seinem Vater Simeon von den Unternehmungen des Kendebäus. 2 Simeon rief seine beiden ältesten Söhne, Judas und Johanan, zu sich und sagte zu ihnen: Ich, meine Brüder und meine Familie haben von Jugend an bis auf den heutigen Tag die Kriege Israels geführt. Oft gelang es uns, Israel zu retten. 3 Nun bin ich alt geworden; ihr aber seid durch des Himmels Gnade herangewachsen. Tretet an meine und meines Bruders Stelle, zieht aus und kämpft für unser Volk! Der Himmel möge euch helfen. 4 Er hob im Land zwanzigtausend besonders kampferprobte Männer aus, dazu Reiter. Sie zogen gegen Kendebäus und blieben über Nacht in Modeïn. 5 Früh am nächsten Morgen rückten sie aus in die Ebene. Plötzlich trafen sie auf ein großes Heer, Fußvolk und Reiterei. Es lag aber eine Schlucht zwischen ihnen. 6 Johanan machte mit seinen Leuten dem Feind gegenüber Halt. Als er merkte, dass sie Angst hatten, die Schlucht zu durchqueren, ging er als erster hinüber. Das sahen seine Männer und folgten ihm auf die andere Seite. 7 Dann zog er das Heer auseinander und ließ die Reiterei sich mitten zwischen dem Fußvolk aufstellen; die Reiterei des Feindes war nämlich sehr stark. 8 Man stieß in die Trompeten und Kendebäus wurde samt seinem Heer geschlagen und hatte viele Gefallene zu beklagen. Der Rest floh in die Festung. 9 Bei dieser Gelegenheit wurde Judas, der Bruder des Johanan, verwundet. Johanan aber nahm die Verfolgung auf, bis er nach Kidron kam, das Kendebäus ausgebaut hatte. 10 Da flohen sie weiter in die Türme bei Aschdod. Johanan ließ die Stadt in Brand stecken; dabei kamen etwa zweitausend Feinde um. Johanan aber kehrte wohlbehalten nach Judäa zurück. 11 Ptolemäus, der Sohn Abubs, war Befehlshaber in der Ebene von Jericho. Er besaß viel Silber und Gold; 12 denn er war der Schwiegersohn des Hohenpriesters. 13 Da wurde er stolz; er wollte die Herrschaft über das Land an sich reißen und plante einen heimtückischen Anschlag, um Simeon und seine Söhne aus dem Weg zu räumen. 14 Als Simeon die Städte in jener Gegend besuchte, um dort nach dem Rechten zu sehen, kam er mit seinen Söhnen Judas und Mattatias im elften Monat, das ist der Schebat, des Jahres 177 nach Jericho. 15 Der Sohn Abubs hatte eine kleine Festung namens Dok erbaut. Dort nahm er sie voll Hinterlist auf. Er veranstaltete für sie ein großes Gelage, hielt aber im Hintergrund einige Männer versteckt. 16 Als Simeon und seine Söhne betrunken waren, sprangen Ptolemäus und seine Leute auf, griffen zu ihren Waffen, drangen zu Simeon in den Speisesaal ein und erschlugen ihn und seine beiden Söhne und einige aus seinem Gefolge. 17 So beging Ptolemäus einen gemeinen Verrat und vergalt Gutes mit Bösem. 18 Ptolemäus berichtete darüber dem König in einem Brief und bat ihn, ihm Truppen zu Hilfe zu schicken und ihm das Land und die Städte zu übergeben. 19 Auch schickte er einige Männer nach Geser, um Johanan ermorden zu lassen. Die Hauptleute forderte er schriftlich auf, zu ihm zu kommen; er wolle ihnen Silber und Gold und andere Geschenke geben. 20 Wieder andere schickte er aus, damit sie Jerusalem und den Tempelberg besetzten. 21 Aber jemand lief voraus und meldete Johanan in Geser, sein Vater und seine Brüder seien tot; er sagte: Er hat bereits Leute ausgeschickt, um auch dich umbringen zu lassen. 22 Als Johanan das hörte, erschrak er sehr. Die Männer aber, die kamen, um ihn zu ermorden, ließ er ergreifen und niedermachen; denn er wusste, dass sie ihn umbringen wollten. 23 Die weitere Geschichte Johanans, die Kriege, die er führte, die Taten, die er vollbrachte, auch wie er die Mauern bauen ließ und was er sonst unternahm - 24 all das steht in der Chronik seines Hohenpriestertums geschrieben, von dem Tag an, da er anstelle seines Vaters Hoherpriester wurde.

Das zweite Buch der Makkabäer

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 1

1 Wir, eure Brüder, die Juden aus Jerusalem und aus dem Land Judäa, grüßen euch, unsere Brüder, die Juden, die in Ägypten wohnen, und wünschen euch Frieden.2 Gott möge euch Gutes erweisen und seines Bundes gedenken, den er mit seinen treuen Dienern Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hat.3 Er gebe euch allen ein Herz, das euch fähig macht, ihn zu fürchten und seiner Lehre mutig und bereitwillig zu folgen.4 Er öffne euer Herz für sein Gesetz und für die Gebote und schenke euch Frieden.5 Er erhöre eure Gebete, schenke euch Versöhnung und verlasse euch nicht in der Not.6 So beten wir hier für euch.7 Unter der Regierung des Demetrius, im Jahr 169, haben wir Juden euch geschrieben: In der höchsten Not, die in diesen Jahren über uns kam, als Jason und sein Anhang vom heiligen Land und vom Königreich abfielen,8 verbrannten sie das Tempeltor und vergossen unschuldiges Blut. Wir aber beteten zum Herrn, und er hat uns erhört. So konnten wir wieder Brand- und Speiseopfer darbringen; wir zündeten die Leuchter an und legten die Schaubrote aus.9 Und nun begeht die Tage des Laubhüttenfestes im Monat Kislew! Geschrieben im Jahr 188.10 Die Bewohner Jerusalems und Judäas, der Hohe Rat und Judas wünschen dem Aristobul, dem Lehrer des Königs Ptolemäus, aus dem Geschlecht der gesalbten Priester, und den Juden Ägyptens Glück und Heil.11 Wir danken Gott von Herzen, der uns aus großen Gefahren errettet hat. So sind wir bereit, selbst mit einem König zu streiten.12 Gott selbst nämlich hat alle verjagt, die gegen die Heilige Stadt gekämpft haben.13 Denn als der Fürst mit seinem Heer, das als unüberwindlich galt, nach Persien zog, fanden sie im Tempel der Nanäa den Tod. Die Priester der Nanäa hatten sie nämlich überlistet.14 Unter dem Vorwand, sich mit der Göttin zu vermählen, war Antiochus mit seinen Freunden, die ihn begleiteten, zum Tempel gekommen; sozusagen als Mitgift wollte er sich dabei die großen Reichtümer aneignen.15 Die Priester der Nanäa legten die Schätze für sie auch bereit, und Antiochus ging mit einigen wenigen Männern in den heiligen Bezirk. Sobald er aber das Heiligtum betreten hatte, schlossen sie das Tor.16 Sie öffneten eine geheime Tür an der Decke, warfen schwere Steine herab, zerschmetterten den Fürsten (und seine Begleiter), zerstückelten sie, schnitten ihnen die Köpfe ab und warfen sie hinaus zu denen, die draußen stehen geblieben waren.17 Für all das sei unser Gott gepriesen: Er hat die Sünder dem Untergang preisgegeben.18 Wir wollen nun am fünfundzwanzigsten Kislew die Reinigung des Tempels feiern. Darum hielten wir es für unsere Pflicht, euch davon zu benachrichtigen, damit auch ihr sie wie die Tage des Laubhüttenfestes feiern könnt und wie die Tage des Feuers. (Letztere erinnern an den Tag,) an dem Nehemia nach dem Aufbau von Tempel und Altar erstmals wieder Opfer darbrachte.19 Denn als unsere Väter nach Persien in die Verbannung geführt wurden, nahmen die Priester, die fromm geblieben waren, etwas von dem Feuer des Altars mit und verbargen es heimlich im Schacht eines leeren Brunnens. Sie versteckten es so, daß die Stelle allen unbekannt blieb.20 Darüber vergingen viele Jahre. Doch als es Gott gefiel, sandte der König von Persien den Nehemia her. Der schickte die Nachkommen jener Priester aus, um das Feuer holen zu lassen, das ihre Väter einst versteckt hatten.21 Als sie uns erklärten, kein Feuer gefunden zu haben, sondern nur eine dicke Flüssigkeit, befahl er ihnen, etwas davon zu schöpfen und zu ihm zu bringen. Das Opfer wurde hergerichtet. Dann ließ Nehemia von den Priestern das Brennholz, und was darauf lag, mit diesem zähflüssigen Wasser begießen.22 So geschah es. Nach einiger Zeit brach die Sonne hervor, die von Wolken verdeckt gewesen war. Da flammte ein großes Feuer auf, und alle staunten.23 Während das Opfer verbrannte, beteten die Priester und alle anderen, die bei ihnen waren; Jonatan stimmte an, und die übrigen, darunter auch Nehemia, beteten laut mit.24 Das Gebet aber lautete so: Herr, o Herr, du Gott und Schöpfer aller Dinge, furchtbarer, starker, gerechter und barmherziger Gott! Du allein bist König, und du bist gütig.25 Du allein gibst alle Gaben. Nur du bist gerecht, allmächtig und ewig. Du rettest Israel aus aller Not. Du hast unsere Väter erwählt und sie heilig gemacht.26 Nimm dieses Opfer an für dein ganzes Volk Israel! Behüte dein Erbteil, und mach es heilig!27 Sammle uns aus der Zerstreuung, befrei alle, die bei den Heiden in Knechtschaft leben, schau auf die Verachteten und Verabscheuten! Dadurch sollen die Heiden erkennen, daß du unser Gott bist.28 Strafe die stolzen und frechen Unterdrücker!29 Pflanz dein Volk an deinem heiligen Ort ein! Denn so hat es Mose zugesagt.30 Die Priester begleiteten die Loblieder, die man sang, mit Musik.31 Als das Opfer verbrannt war, ließ Nehemia das übriggebliebene Wasser auf große Steine schütten.32 Da entzündete sich eine lodernde Flamme. Sie verzehrte sich im Schein des Feuers, das vom Altar her leuchtete.33 Dieses Ereignis wurde überall bekannt, und man meldete dem persischen König, an der Stelle, an der die Priester, die in die Verbannung gingen, das Feuer versteckt hätten, sei das Wasser zum Vorschein gekommen, das die Leute des Nehemia dann über das Opfer gossen.34 Nachdem der König die Sache geprüft hatte, ließ er den Ort umfrieden und für heilig erklären.35 Auch nahm der König viele kostbare Geschenke und verteilte sie unter die, denen er wohlgesinnt war.36 Die Leute um Nehemia nannten das Wasser Neftar, das heißt: Reinigung. Bei den meisten aber heißt es Neftai.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 2

1 In den Schriften steht, Jeremia, der Prophet sei es gewesen, der befohlen habe, etwas von dem Feuer - wie schon gesagt - zu nehmen, als sie in die Verbannung geführt wurden.2 Der Prophet habe ferner den Verbannten das Gesetz übergeben und ihnen eingeschärft, die Gebote des Herrn nicht zu vergessen noch im Herzen irre zu werden, wenn sie die goldenen und silbernen Götzen und ihren Prunk sähen.3 Mit manchen Reden solcher Art ermahnte er sie, das Gesetz nicht aus ihrem Herzen schwinden zu lassen.4 In dem Buch stand weiter zu lesen, daß der Prophet einen Gottesspruch empfangen habe und daraufhin das Zelt und die Lade hinter sich hertragen ließ. Er sei hinausgegangen zu dem Berg, auf den Mose gestiegen war, um das von Gott verheißene Erbteil zu sehen.5 Dort fand Jeremia eine Höhle wie ein Haus. Er trug das Zelt, die Lade und den Rauchopferaltar hinein; dann verschloß er den Eingang.6 Einige von seinen Begleitern gingen hin, um sich den Weg zu markieren; aber sie konnten ihn nicht finden.7 Als Jeremia davon hörte, schalt er sie und sagte: Die Stelle soll unbekannt bleiben, bis Gott sein Volk wieder sammelt und ihm wieder gnädig ist.8 Dann aber bringt der Herr dies alles wieder ans Licht, und die Herrlichkeit des Herrn wird erscheinen und auch die Wolke, genauso wie sie sich in den Tagen des Mose gezeigt hat und in der Zeit, als Salomo betete, daß der Ort hochheilig werden möge.9 Es wurde ferner erzählt, wie jener Weise bei der Einweihung und bei der Vollendung des Tempels opferte.10 So wie Mose zum Herrn gebetet hatte - und dann war Feuer vom Himmel gefallen und hatte die Opferstücke verzehrt -, so betete auch Salomo, und das Feuer fiel herab und verzehrte die Brandopfer.11 Mose sagte: Weil man das Sündopfer nicht gegessen hat, wurde es verbrannt.12 Ebenso hat auch Salomo acht Tage lang gefeiert.13 Das gleiche wird auch in den Schriften und in den Erinnerungen Nehemias erzählt; dort steht auch, wie er eine Bücherei anlegte und die Bücher der Könige und der Propheten und die (Lieder) Davids sammelte, auch königliche Urkunden über Weihegaben.14 Genauso hat auch Judas alle Bücher wieder gesammelt, die in dem Krieg, den wir führen mußten, zerstreut worden waren. Sie befinden sich heute bei uns.15 Sollten euch einige davon fehlen, so laßt sie durch Boten holen!16 Wir haben euch geschrieben, weil wir nun die Tempelreinigung begehen wollen. Ihr werdet gut daran tun, diese Tage mitzufeiern.17 Gott hat sein ganzes Volk gerettet und allen das Erbe und die Königsherrschaft und das Priestertum und die Heiligung verliehen,18 wie er es durch das Gesetz verheißen hat. Darum hoffen wir nun, daß Gott bald mit uns Erbarmen hat und uns aus der ganzen Welt an seinen heiligen Ort zusammenführt. Denn er hat uns schon aus großen Gefahren gerettet und hat den heiligen Ort gereinigt.19 Die Ereignisse um den Makkabäer Judas und seine Brüder - wie sie den erhabenen Tempel reinigten und den Altar wieder einweihten;20 ferner die Kriege, die sie gegen Antiochus Epiphanes und seinen Sohn Eupator führten;21 die himmlischen Erscheinungen, die den ruhmreichen und tapferen Verteidigern des Judentums halfen, so daß es ihnen, obschon sie nur wenige waren, gelang, das ganze Land zurückzuerobern, die Massen der Barbaren zu verjagen,22 auch das auf der ganzen Welt hochberühmte Heiligtum wiederzugewinnen, die Stadt zu befreien, die Gesetze, die abgeschafft werden sollten, wieder in Kraft zu setzen - denn der Herr war ihnen in seiner großen Güte gnädig -,23 all das hat Jason aus Zyrene in fünf Büchern genau beschrieben. Wir nun wollen versuchen, es hier in einem einzigen Buch kurz zusammenzufassen.24 Wir bemerkten nämlich die Flut der Zahlen, und wie schwierig es wegen der Menge des Stoffes ist, sich in die geschichtliche Darstellung einzuarbeiten.25 So nahmen wir uns vor, die, die gern lesen, zu unterhalten, denen, die mit Eifer auswendig lernen, zu helfen, allen aber, die das Buch auf irgendeine Weise in die Hand bekommen, zu nützen.26 Uns ist es allerdings nicht leicht gefallen, in mühseliger Arbeit diesen Auszug anzufertigen; es hat vielmehr Schweiß und durchwachte Nächte gekostet.27 Wer ein Gastmahl anordnet und den Nutzen anderer sucht, hat es ja auch nicht leicht. Dennoch haben wir die Mühe gern auf uns genommen, um uns viele zu Dank zu verpflichten.28 Die Einzelheiten genau zu untersuchen, überließen wir dem Geschichtsschreiber. Wir haben uns nur darum bemüht, einen ordentlichen Auszug anzufertigen.29 Wenn man ein neues Haus baut, muß sich der Architekt um das ganze Gebäude kümmern; Dekorateur und Maler dagegen müssen nur das prüfen, was zur Ausschmückung nötig ist. Ähnlich beurteile ich auch unsere Aufgabe.30 Sich daran zu machen, die überlieferten Nachrichten kritisch zu beurteilen und bis ins einzelne genau zu untersuchen, ist Sache des Historikers.31 Wer aber nur nacherzählen will, darf die Darstellung straffen, auch wenn die genaue Ausarbeitung nach den Regeln der Geschichtsschreibung dabei zu kurz kommt.32 Nun aber wollen wir sofort mit unserer Erzählung beginnen; wir haben uns schon allzu lang mit dem Vorwort aufgehalten, und es wäre ja unsinnig, vor der Erzählung viele Worte zu machen, die Erzählung selbst aber zu kürzen.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 3

1 Die Bewohner der Heiligen Stadt lebten in tiefem Frieden und hielten die Gesetze aufs treueste; denn der Hohepriester Onias war ein frommer Mann und haßte alles Böse.2 Darum ehrten sogar die Könige den Ort und schmückten das Heiligtum mit den kostbarsten Weihegaben.3 So bestritt Seleukus, der König Asiens, aus seinen eigenen Einkünften alle Kosten, die durch den Opferdienst entstanden.4 Ein gewisser Simeon aus dem Stamm Benjamin war als Tempelvorsteher eingesetzt worden. Er entzweite sich jedoch mit dem Hohenpriester wegen der Marktordnung in der Stadt.5 Weil er sich gegen Onias nicht durchsetzen konnte, ging er zu Apollonius, dem Sohn des Tharseas, der damals Befehlshaber in Zölesyrien und Phönizien war.6 Er erzählte ihm, der Tempelschatz in Jerusalem sei voll von unvorstellbaren Reichtümern; unzählbar sei die Menge des Geldes. Sie stehe in keinem Verhältnis zu dem, was man für die Opfer aufwenden müsse, und lasse sich leicht für den König beschlagnahmen.7 Als Apollonius mit dem König zusammentraf, berichtete er, was man ihm über die Gelder hinterbracht hatte. Der aber bestimmte seinen Kanzler Heliodor und schickte ihn auf den Weg mit dem Auftrag, sich die erwähnten Gelder ausliefern zu lassen.8 Heliodor machte sich sofort auf die Reise, angeblich um die Städte in Zölesyrien und Phönizien zu besuchen, in Wirklichkeit jedoch, um das Vorhaben des Königs auszuführen.9 Als er nach Jerusalem kam, wurde er vom Hohenpriester der Stadt freundlich empfangen. Da gab er bekannt, welche Anzeige gemacht worden sei, und teilte den wahren Grund seiner Anwesenheit mit. Er fragte, ob sich die Sache wirklich so verhalte.10 Der Hohepriester erklärte ihm, es handele sich um hinterlegtes Gut von Witwen und Waisen;11 ein Teil gehöre auch Hyrkanus, dem Sohn des Tobija, einem sehr einflußreichen Mann. - So hatte der ruchlose Simeon gelogen. - Alles zusammen belaufe sich nur auf vierhundert Talente Silber und zweihundert Talente Gold.12 Man dürfe aber doch denen nicht Unrecht tun, die ihr Vertrauen auf die Heiligkeit des Ortes und auf die Würde und Unantastbarkeit des weltberühmten Heiligtums gesetzt hätten.13 Heliodor berief sich jedoch auf die Befehle, die er vom König erhalten hatte, und bestand darauf, alles für die königliche Schatzkammer zu beschlagnahmen.14 Am festgesetzten Tag schickte er sich an hineinzugehen, um eine Untersuchung der Schätze anzustellen.15 Da geriet die ganze Stadt in nicht geringe Bestürzung. Die Priester warfen sich in ihren heiligen Gewändern vor dem Altar nieder und riefen den Himmel an: Er habe die Hinterlegung von Geld durch Gesetze geordnet; so solle er es jetzt denen, die es hinterlegt hatten, unversehrt bewahren.16 Wer aber die Gestalt des Hohenpriesters sah, dem blutete das Herz. Wie er aussah und wie sein Gesicht sich verfärbt hatte, verriet seine innere Qual.17 Furcht und Zittern nämlich hatten den Mann befallen, und er bebte am ganzen Leib. Allen, die ihn sahen, wurde der Schmerz seines Herzens offenbar.18 Die Leute stürzten in Scharen aus den Häusern heraus zum öffentlichen Gebet; denn dem Tempel drohte Schande.19 Die Frauen zogen Trauerkleider an, die die Brüste freiließen, und drängten sich auf die Straßen. Von den jungen Mädchen aber, die man sonst eingeschlossen hielt, liefen die einen an die Türen, die andern auf die Mauern; einige beugten sich aus den Fenstern heraus.20 Sie alle streckten die Hände zum Himmel empor und beteten flehentlich.21 Es war zum Erbarmen, wie die Menge sich in heillosem Durcheinander zu Boden warf und wie der Hohepriester sich in seinem Kummer so schrecklich ängstigte.22 So riefen sie zum Herrn, dem Allherrscher, er möge das anvertraute Gut denen, die es hinterlegt hatten, unversehrt und ganz sicher bewahren.23 Heliodor jedoch machte sich daran, seinen Entschluß auszuführen.24 Schon stand er mit der Leibwache an der Schatzkammer. Da ließ der Herr der Geister und aller Macht eine gewaltige Erscheinung sichtbar werden. Alle, die ihn frech begleitet hatten, erschraken vor Gottes Macht; ihre Kräfte verließen sie, und sie bekamen große Angst.25 Denn es erschien ihnen ein Pferd mit einem schrecklichen Reiter darauf; das Pferd war mit prächtigem Geschirr geschmückt. Es stürmte wild auf Heliodor ein und traf ihn heftig mit den Vorderhufen. Sein Reiter aber trug eine goldene Rüstung.26 Noch zwei andere junge Männer erschienen, voll gewaltiger Kraft, in strahlender Schönheit und herrlich gekleidet. Sie traten auf Heliodor zu und peitschten von beiden Seiten auf ihn ein; pausenlos schlugen sie ihn mit vielen Hieben.27 Da stürzte er zu Boden, und es wurde ihm schwarz vor den Augen. Man hob ihn schnell auf und legte ihn auf eine Bahre.28 Eben noch war er mit großem Gefolge und der ganzen Leibwache zu der genannten Schatzkammer gekommen; nun trug man ihn hilflos hinaus. Deutlich hatte man die Herrschermacht Gottes erkannt.29 So lag er da, durch Gottes Macht gestürzt, der Sprache beraubt, ohne jede Hoffnung auf Rettung.30 Die Juden aber priesen den Herrn, der an seinem Ort so herrlich seine Macht gezeigt hatte; und das Heiligtum, das eben noch voll war von Angst und Verwirrung, war erfüllt von Freude und Jubel; denn der allmächtige Herr hatte sich offenbart.31 Sehr bald kamen ein paar Vertraute Heliodors zu Onias und baten ihn, er möge doch den Höchsten anrufen und so dem das Leben schenken, der in den letzten Zügen lag.32 Aus Sorge, der König könne der Meinung verfallen, Heliodor sei einem hinterhältigen Anschlag der Juden zum Opfer gefallen, brachte der Hohepriester ein Opfer dar, damit der Mann wieder gesund würde.33 Während der Hohepriester noch mit dem Versöhnungsopfer beschäftigt war, erschienen dem Heliodor dieselben jungen Männer wie zuvor, in der gleichen Kleidung. Sie traten zu ihm und sagten: Danke dem Hohenpriester Onias vielmals; denn seinetwegen schenkt der Herr dir gnädig das Leben.34 Der Himmel hat dich gezüchtigt. Nun verkünde du allen die gewaltige Kraft Gottes! Nach diesen Worten entschwanden sie.35 Da ließ Heliodor dem Herrn ein Opfer darbringen und machte ihm große Gelübde, weil er ihn am Leben gelassen hatte. Er nahm Abschied von Onias und zog mit seinen Truppen zum König zurück.36 Vor allen Menschen bezeugte er die Taten des größten Gottes, die er mit eigenen Augen gesehen hatte.37 Als der König ihn fragte, wer geeignet sei, noch einmal nach Jerusalem geschickt zu werden, gab er zur Antwort:38 Wenn du einen Feind oder einen Hochverräter weißt, dann schick ihn dorthin! Du kannst sicher sein, daß er geprügelt zurückkommt, wenn er überhaupt am Leben bleibt; denn an jenem Ort wirkt wahrhaftig eine göttliche Kraft.39 Er, der im Himmel wohnt, ist selbst der Wächter und Schützer jenes Ortes; und wer in böser Absicht dorthin kommt, den schlägt er nieder.40 Das waren die Ereignisse um Heliodor und um die Rettung des Tempels.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 4

1 Der oben genannte Simeon, der den Tempelschatz und das Vaterland verraten hatte, verleumdete Onias, er sei es gewesen, der Heliodor habe schlagen lassen und der das Unheil ins Werk gesetzt habe.2 Den Wohltäter der Stadt, den fürsorglichen Beschützer seiner Mitbürger und Eiferer für die Gesetze, wagte er einen Hochverräter zu nennen.3 Die Feindschaft verschärfte sich derart, daß einer von den Vertrauten Simeons mehrere Morde verübte.4 Onias erkannte, daß der Streit unerträglich wurde und daß außerdem Apollonius, der Sohn des Menestheus, Befehlshaber von Zölesyrien und Phönizien, die Bosheit Simeons noch unterstützte.5 Darum begab er sich zum König, nicht um die Mitbürger zu verklagen, sondern weil er das allgemeine und das besondere Wohl des ganzen Volkes im Auge hatte.6 Er erkannte nämlich, daß ohne Einschreiten des Königs der öffentliche Friede nicht wiederherzustellen sei; denn Simeon würde nicht von seiner Raserei ablassen.7 Seleukus starb, und Antiochus mit dem Beinamen Epiphanes übernahm die Herrschaft. Da erschlich sich Jason, der Bruder des Onias, das Hohepriesteramt.8 Bei einer Unterredung versprach er dem König nämlich dreihundertsechzig Talente Silber, dazu noch aus anderen Einkünften achtzig Talente.9 Außerdem wolle er sich schriftlich verpflichten, weitere hundertfünfzig Talente zu zahlen, wenn er die Vollmacht erhalte, eine Sportschule und einen Übungsplatz für junge Leute zu errichten - denn daran sei ihm sehr gelegen - sowie den Einwohnern Jerusalems das antiochenische Bürgerrecht zu verleihen.10 Der König war einverstanden. Sobald Jason das Amt an sich gebracht hatte, führte er unter seinen Landsleuten die griechische Lebensart ein.11 Er schaffte die günstigen Privilegien ab, die die Juden durch Vermittlung des Johanan vom König erhalten hatten. Dieser Johanan war der Vater des Eupolemus, der als Gesandter nach Rom gegangen war, um dort ein Freundschaftsbündnis zu schließen. Jason hob die althergebrachte Verfassung auf und führte neue, widerrechtliche Gebräuche ein.12 Absichtlich ließ er unmittelbar unterhalb der Burg eine Sportschule errichten, und die Söhne der besten Familien brachte er dazu, den griechischen Hut aufzusetzen.13 So kam das Griechentum in Mode; man fiel ab zu der fremden Art. Schuld daran war die maßlose Schlechtigkeit des ruchlosen Jason, der den Namen des Hohenpriesters zu Unrecht trug.14 Schließlich kümmerten sich die Priester nicht mehr um den Dienst am Altar; der Tempel galt in ihren Augen nichts, und für die Opfer hatten sie kaum mehr Zeit. Dafür gingen sie eilig auf den Sportplatz, sobald die Aufforderung zum Diskuswerfen erging, um an dem Spiel, das vom Gesetz verboten war, teilzunehmen.15 Die Ehren ihres Vaterlandes achteten sie gering, auf griechische Auszeichnungen dagegen waren sie ganz versessen.16 Darum sollten sie auch in große Not geraten. Gerade die, denen sie alles nachmachten und denen sie ganz gleich werden wollten, wurden ihre Feinde und Peiniger.17 Man kann sich nämlich nicht leichthin über die göttlichen Gesetze hinwegsetzen. Aber das wird die Folgezeit deutlich zeigen.18 Als der König die Wettkämpfe besuchte, die alle fünf Jahre in Tyrus ausgetragen werden,19 sandte der nichtswürdige Jason Männer aus Jerusalem, die das antiochenische Bürgerrecht erworben hatten, als Zuschauer dorthin und gab ihnen dreihundert Silberdrachmen mit für das Opfer an Herakles. Doch baten die Überbringer, das Geld nicht zum Opfer zu verwenden, weil sich das nicht zieme, sondern es für einen anderen Zweck zurückzulegen.20 Nach der Absicht des Auftraggebers wäre es also für das Heraklesopfer bestimmt gewesen; es lag allein an den Überbringern, daß man es zur Ausrüstung der Galeeren verwendete.21 Zur Thronbesteigung des Königs Philometor entsandte Antiochus den Apollonius, den Sohn des Menestheus, nach Ägypten. Dabei brachte er in Erfahrung, daß der ägyptische König seiner Politik feindlich gegenüberstehe, und sorgte sich um seine Sicherheit. Er zog deshalb nach Jafo und von dort nach Jerusalem.22 Jason und die Stadt bereiteten ihm einen großartigen Empfang; unter Fackelschein und Freudengeschrei hielt er seinen Einzug. Dann brachte er seine Truppen wieder nach Phönizien ins Quartier.23 Drei Jahre darauf schickte Jason den Menelaus, den Bruder des vorhin erwähnten Simeon, zum König; er sollte ihm das Geld überbringen und schwebende Verhandlungen über wichtige Staatsgeschäfte zum Abschluß bringen.24 Menelaus verschaffte sich jedoch Empfehlungen an den König, trat als bedeutender Mann auf und schmeichelte ihm, überbot Jason um dreihundert Talente Silber und brachte so das Amt des Hohenpriesters an sich.25 Mit der königlichen Ernennungsurkunde kam er zurück. Sonst hatte er nichts an sich, was des hohenpriesterlichen Amtes würdig gewesen wäre. Statt dessen besaß er die Leidenschaft eines rohen Tyrannen und die Wut eines wilden Tieres.26 Jason, der seinen eigenen Bruder hinterlistig verdrängt hatte, wurde nun selbst durch einen anderen hinterlistig verdrängt und als Flüchtling ins Ammoniterland vertrieben.27 Menelaus hatte sich zwar der Herrschaft bemächtigt, machte jedoch keine Anstalten, das Geld aufzubringen, das er dem König versprochen hatte,28 obschon Sostratus, der Befehlshaber der Burg, ihn wiederholt mahnte; dieser hatte nämlich die Gelder einzutreiben. Deswegen bestellte der König beide vor sich.29 Menelaus ließ als Stellvertreter im Hohenpriesteramt seinen Bruder Lysimachus zurück, Sostratus aber Krates, den Befehlshaber der zyprischen Truppen.30 In diesem Augenblick brach in den Städten Tarsus und Mallus ein Aufstand aus, weil sie Antiochis, der Nebenfrau des Königs, als Geschenk vermacht worden waren.31 In großer Eile begab sich der König dorthin, um die Sache beizulegen, und ließ als seinen Stellvertreter einen hohen Beamten, Andronikus, zurück.32 Da glaubte Menelaus, eine günstige Gelegenheit gefunden zu haben: Er entwendete aus dem Tempel einige goldene Geräte und schenkte sie Andronikus; andere hatte er nach Tyrus und in die benachbarten Städte verkaufen können.33 Onias, der davon sichere Kenntnis erhalten hatte, tadelte ihn scharf; er hatte sich in einen Asylort bei Daphne, einem Vorort Antiochias, zurückgezogen.34 Menelaus ging deswegen zu Andronikus, sprach mit ihm unter vier Augen und redete ihm zu, Onias aus dem Weg zu schaffen. Andronikus suchte Onias auf. Da er sich zur Hinterlist hatte verleiten lassen, erhob er die rechte Hand zum Schwur, reichte sie dann Onias und überredete ihn, trotz seines Argwohns den Ort zu verlassen. Dann ließ ihn Andronikus, ohne das Recht zu scheuen, auf der Stelle umbringen.35 Nicht nur die Juden, sondern auch viele aus anderen Völkern entsetzten sich über dieses Unrecht und waren empört über die Ermordung des Mannes.36 Als der König aus den Orten Ziliziens zurückkam, gingen die Juden der Stadt zu ihm und beschwerten sich. Wie sie, waren auch die Griechen sehr entrüstet, weil man Onias gegen alle Ordnung ermordet hatte.37 Antiochus wurde von Herzen betrübt; es ergriff ihn Mitleid, und er vergoß Tränen, weil der Verstorbene ein so besonnener und edler Mann gewesen war.38 Dann entbrannte sein Zorn; er ließ Andronikus sofort den Purpur abnehmen, die Kleider vom Leib reißen und ihn so durch die ganze Stadt führen, bis zu der Stelle, an der er das Verbrechen gegen Onias begangen hatte. Dort ließ er den Mörder hinrichten. So hat ihm der Herr mit der verdienten Strafe vergolten.39 In der Stadt aber verging sich Lysimachus mit Wissen des Menelaus mehrmals am Tempelschatz. Als sich das Gerücht davon weit verbreitete, rottete sich das Volk gegen Lysimachus zusammen. Viele goldene Geräte waren schon verschleppt worden.40 Als nun die Menge sich erhob und in heftigen Zorn geriet, bewaffnete Lysimachus fast dreitausend Mann und begann, gewaltsam gegen die Leute vorzugehen. Ein gewisser Auranus führte sie an, der ebenso alt wie wahnsinnig war.41 Als die Leute merkten, daß Lysimachus angreifen ließ, rafften sie Steine zusammen oder dicke Stöcke - ein paar füllten ihre Hände sogar mit der Asche, die dort lag - und schleuderten alles durcheinander gegen die Männer des Lysimachus.42 So verwundeten sie viele von ihnen, einige streckten sie nieder, alle aber jagten sie in die Flucht. Den Tempelräuber selbst aber schlugen sie beim Schatzhaus tot.43 Wegen dieser Sache wurde gegen Menelaus ein gerichtliches Verfahren eingeleitet.44 Als der König nach Tyrus kam, erhoben drei Männer, die vom Hohen Rat geschickt waren, vor ihm die Anklage.45 Menelaus war schon verloren; da versprach er Ptolemäus, dem Sohn des Dorymenes, viel Geld, damit er den König zu seinen Gunsten überrede.46 Ptolemäus nahm also den König in einen Säulengang beiseite, als wolle er ihn etwas ausruhen lassen, und stimmte ihn um.47 Darauf sprach der König den Menelaus, der an dem ganzen Unheil schuld war, von den Anklagepunkten frei; die Unglücklichen aber, die, selbst wenn sie vor Skythen gesprochen hätten, wegen erwiesener Unschuld freigesprochen worden wären, verurteilte er zum Tod.48 Unverzüglich mußten sie die ungerechte Strafe erleiden, sie, die doch nur für ihre Stadt, ihr Volk und die heiligen Geräte eingetreten waren.49 Sogar Einwohner von Tyrus entrüsteten sich darüber und gaben ihnen ein prunkvolles Begräbnis.50 Menelaus aber blieb aufgrund der Habgier der Mächtigen im Amt. Seine Bosheit nahm immer mehr zu, und er wurde zu einem großen Feind seiner Mitbürger.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 5

1 Um diese Zeit unternahm Antiochus seinen zweiten Feldzug gegen Ägypten.2 Da erschienen fast vierzig Tage lang über der ganzen Stadt Reiter, die durch die Lüfte jagten, in golddurchwirkten Gewändern; Lanzenträger rückten in Abteilungen zum Kampf aus, Schwerter zuckten.3 Reiterscharen ordneten sich zur Schlacht, Angriffe wurden gemacht, von beiden Seiten rannte man gegeneinander an, Schilde bewegten sich, Speere gab es in Menge, Wurfgeschosse flogen, goldener Waffenschmuck blitzte auf, und man sah Rüstungen aller Art.4 Alle beteten deshalb, die Erscheinung möge etwas Gutes bedeuten.5 Es kam aber das falsche Gerücht auf, Antiochus sei gestorben. Da unternahm Jason mit nicht weniger als tausend Mann einen überraschenden Angriff auf die Stadt. Er drängte die Verteidiger auf der Mauer rasch in die Enge; als er die Stadt ganz besetzt hatte, flüchtete sich Menelaus in die Burg.6 Jason aber richtete unter seinen Mitbürgern ein schonungsloses Blutbad an, ohne zu bedenken, daß Glück gegenüber den eigenen Leuten das größte Unglück ist. Es sah aus, als habe er Feinde und nicht Landsleute besiegt und ausgeplündert.7 Dennoch konnte er die Herrschaft nicht an sich reißen. Sein Anschlag brachte ihm am Schluß nur Schande, und er mußte zum zweitenmal in das Ammoniterland fliehen.8 Er nahm schließlich ein böses Ende. Aretas, der Fürst der Araber, ließ ihn gefangen setzen; er aber entkam und floh von Stadt zu Stadt. Von allen gehetzt, als Verräter der Gesetze verhaßt, verwünscht als Henker des Vaterlandes und seiner Mitbürger, verschlug es ihn nach Ägypten.9 Und wie er viele Menschen aus ihrem Vaterland in die Fremde getrieben hatte, so kam er selbst in der Fremde um, nämlich bei den Spartanern, zu denen er übers Meer gefahren war, um bei ihnen Schutz zu finden; die Spartaner waren ja mit den Juden verwandt.10 So wie er viele ohne Grab hatte daliegen lassen, so trauerte jetzt auch niemand um ihn; auch er erhielt keinerlei Begräbnis und kein Grab bei seinen Vätern.11 Als dem König zu Ohren kam, was geschehen war, glaubte er, Judäa wolle von ihm abfallen. Wütend wie ein wildes Tier brach er daher mit seinem Heer von Ägypten auf und nahm die Stadt mit Waffengewalt ein.12 Er befahl seinen Soldaten, alle, die ihnen begegneten, rücksichtslos niederzuhauen und auch die zu erschlagen, die sich auf das Dach ihrer Häuser geflüchtet hätten.13 Sie richteten unter jung und alt ein großes Blutbad an; junge Männer, Frauen und Kinder kamen um, man erstach Mädchen und Säuglinge.14 In nur drei Tagen verlor die Stadt achtzigtausend Einwohner; vierzigtausend fanden im Kampf den Tod, ebensoviele, wie man ermordet hatte, wurden in die Sklaverei verkauft.15 Doch das genügte dem König noch nicht; in seiner Frechheit betrat er den heiligsten Tempel der ganzen Erde unter der Führung des Menelaus, der die Gesetze und sein Vaterland verraten hatte.16 Seine blutbefleckten Hände griffen nach den heiligen Geräten, und was andere Könige gestiftet hatten, um Glanz und Würde des Ortes zu erhöhen, raffte er mit unreinen Händen zusammen.17 In seinem Übermut erkannte Antiochus nicht, daß der Herr nur für eine kurze Zeit zornig war, weil die Einwohner der Stadt gesündigt hatten, und deswegen nicht auf den Ort achtete.18 Hätten sich die Juden damals nicht in viele Sünden verstrickt, dann wäre ihm, sobald er sich vorwagte, seine Frechheit durch Peitschenhiebe ausgetrieben worden, ähnlich wie dem Heliodor, der von König Seleukus zur Durchsuchung der Schatzkammer ausgeschickt worden war.19 Aber der Herr hat nicht das Volk erwählt wegen des Ortes, sondern den Ort wegen des Volkes.20 Deswegen litt auch der Ort mit unter den Unglücksschlägen, die das Volk trafen, wie er später Anteil hatte an seinem Glück. Als der Allherrscher zürnte, lag der Ort verlassen da; als aber der große Herr sich wieder versöhnen ließ, wurde er in aller Pracht wiederhergestellt.21 Antiochus also ließ tausendachthundert Talente aus dem Tempel schaffen und zog eilig ab nach Antiochia. In seiner Vermessenheit glaubte er, das Land schiffbar und das Meer gangbar machen zu können - so überheblich war er.22 Er ließ bei seinem Abzug mehrere Befehlshaber zurück, die das Volk unterdrücken sollten. In Jerusalem war es Philippus, seiner Herkunft nach ein Phrygier, seiner Gesinnung nach ein Barbar, noch wilder als der, der ihn eingesetzt hatte;23 auf dem Berg Garizim war es Andronikus. Dazu kam Menelaus, der sich seinen Mitbürgern gegenüber noch herrischer aufführte als die anderen; denn er haßte die jüdischen Bürger.24 Außerdem schickte der König den Anführer der Mysier, Apollonius, mit einem Heer von zweiundzwanzigtausend Mann; er hatte ihm befohlen, alle wehrfähigen Männer umzubringen, die Frauen und Kinder aber in die Sklaverei zu verkaufen.25 Als Apollonius in Jerusalem ankam, spielte er zunächst den Friedfertigen. Er wartete bis zum heiligen Sabbattag. Als er nun bemerkte, daß die Juden sich jeder Arbeit enthielten, gab er seinen Leuten Befehl, zu den Waffen zu greifen und auszurücken.26 Alle, die zum festlichen Gottesdienst gegangen waren, ließ er niederstechen. Dann fielen sie mit der blanken Waffe in die Stadt ein und erschlugen viele Menschen.27 Judas aber, mit dem Beinamen der Makkabäer, schloß sich mit neun Gefährten zusammen und zog sich in die Wüste zurück. Er lebte mit seinen Leuten in den Bergen wie die Tiere. Sie ernährten sich die ganze Zeit nur von Pflanzen, um nicht ebenfalls unrein zu werden.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 6

1 Nicht lange darauf schickte der König einen alten Athener; der sollte die Juden zwingen, die Gesetze ihrer Väter aufzugeben und ihr Leben nicht mehr durch Gottes Gesetze lenken zu lassen.2 Auch sollte er den Tempel zu Jerusalem schänden und ihn Zeus, dem Herrscher des Olymp, weihen; ähnlich sollte er den Tempel auf dem Berg Garizim nach Zeus, dem Hüter des Gastrechts, benennen, was der (gastfreundlichen) Art der Einwohner jenes Ortes entgegenkam.3 Der Ansturm der Bosheit war kaum zu ertragen und allen zuwider.4 Denn die Heiden erfüllten das Heiligtum mit wüstem Treiben und mit Gelagen. Sie gaben sich mit Dirnen ab und ließen sich in den heiligen Vorhöfen mit Frauen ein. Auch brachten sie vieles hinein, was nicht hineingehörte.5 Auf den Brandopferaltar häuften sie unerlaubte und vom Gesetz verbotene Dinge.6 Man konnte weder den Sabbat halten noch die alten Feste begehen, ja, man durfte sich überhaupt nicht mehr als Jude bekennen.7 Zu ihrer Erbitterung mußten die Einwohner sich jeden Monat am Geburtstag des Königs zum Opfermahl führen lassen, und am Fest der Dionysien zwang man sie, zu Ehren des Dionysos mit Efeu bekränzt in der Prozession mitzugehen.8 Auf Vorschlag der Einwohner von Ptolemaïs wurde in den benachbarten griechischen Städten ein Beschluß bekanntgegeben, sie sollten mit den Juden ebenso verfahren und Opfermahlzeiten veranstalten.9 Wer sich aber nicht entschließen wolle, zur griechischen Lebensweise überzugehen, sei hinzurichten. Da konnte man nun das Elend sehen, das hereinbrach.10 Man führte nämlich zwei Frauen vor, die ihre Kinder beschnitten hatten. Darauf hängte man ihnen die Säuglinge an die Brüste, führte sie öffentlich in der Stadt umher und stürzte sie dann von der Mauer.11 Andere waren in der Nähe zusammengekommen, um heimlich in Höhlen den Sabbat zu begehen. Sie wurden an Philippus verraten, und da sie sich wegen der Würde des heiligen Tages scheuten, sich zu wehren, wurden sie alle zusammen verbrannt.12 An dieser Stelle möchte ich die Leser des Buches ermahnen, sich durch die schlimmen Ereignisse nicht entmutigen zu lassen. Sie mögen bedenken, daß die Strafen unser Volk nicht vernichten, sondern erziehen sollen.13 Denn wenn die Sünder nicht lange geschont, sondern sofort bestraft werden, ist das ein Zeichen großer Güte.14 Bei den anderen Völkern wartet der Herr geduldig, bis das Maß ihrer Sünden voll ist; dann erst schlägt er zu. Mit uns aber beschloß er, anders zu verfahren,15 damit er uns nicht am Ende verurteilen müsse, wenn wir es mit unseren Sünden bis zum Äußersten getrieben hätten.16 Daher entzieht er uns nie sein Erbarmen, sondern er erzieht sein Volk durch Unglück und läßt es nicht im Stich.17 Das soll uns zur Beherzigung gesagt sein. Nach dieser kurzen Abschweifung aber wollen wir mit der Erzählung fortfahren.18 Unter den angesehensten Schriftgelehrten war Eleasar, ein Mann von hohem Alter und edlen Gesichtszügen. Man sperrte ihm den Mund auf und wollte ihn zwingen, Schweinefleisch zu essen.19 Er aber zog den ehrenvollen Tod einem Leben voll Schande vor, ging freiwillig auf die Folterbank zu20 und spuckte das Fleisch wieder aus. In solcher Haltung mußten alle herantreten, die sich standhaft wehrten zu essen, was man nicht essen darf - nicht einmal um des geliebten Lebens willen.21 Die Leute, die bei dem gesetzwidrigen Opfermahl Dienst taten und die den Mann von früher her kannten, nahmen ihn heimlich beiseite und redeten ihm zu, er solle sich doch Fleisch holen lassen, das er essen dürfe, und es selbst zubereiten. Dann solle er tun, als ob er von dem Opferfleisch esse, wie es der König befohlen habe.22 Wenn er es so mache, entgehe er dem Tod; weil sie alte Freunde seien, würden sie ihn mit Nachsicht behandeln.23 Er aber faßte einen edlen Entschluß, wie es sich gehörte für einen Mann, der so alt und wegen seines Alters angesehen war, in Würde ergraut, der von Jugend an vorbildlich gelebt und - was noch wichtiger ist - den heiligen, von Gott gegebenen Gesetzen gehorcht hatte. So erklärte er ohne Umschweife, man solle ihn ruhig zur Unterwelt schicken.24 Wer so alt ist wie ich, soll sich nicht verstellen. Viele jungen Leute könnten sonst glauben, Eleasar sei mit seinen neunzig Jahren noch zu der fremden Lebensart übergegangen.25 Wenn ich jetzt heucheln würde, um eine geringe, kurze Zeit länger zu leben, würde ich sie irreleiten, meinem Alter aber Schimpf und Schande bringen.26 Vielleicht könnte ich mich für den Augenblick der Bestrafung durch die Menschen entziehen; doch nie, weder lebendig noch tot, werde ich den Händen des Allherrschers entfliehen.27 Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen.28 Der Jugend aber hinterlasse ich ein leuchtendes Beispiel, wie man mutig und mit Haltung für die ehrwürdigen und heiligen Gesetze eines schönen Todes stirbt. Nach diesen Worten ging er geradewegs zur Folterbank.29 Da schlug die Freundlichkeit, die ihm seine Begleiter eben noch erwiesen hatten, in Feindschaft um; denn was er gesagt hatte, hielten sie für Wahnsinn.30 Als man ihn zu Tod prügelte, sagte er stöhnend: Der Herr mit seiner heiligen Erkenntnis weiß, daß ich dem Tod hätte entrinnen können. Mein Körper leidet qualvoll unter den Schlägen, meine Seele aber erträgt sie mit Freuden, weil ich ihn fürchte.31 So starb er; durch seinen Tod hinterließ er nicht nur der Jugend, sondern den meisten aus dem Volk ein Beispiel für edle Gesinnung und ein Denkmal der Tugend.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 7

1 Ein andermal geschah es, daß man sieben Brüder mit ihrer Mutter festnahm. Der König wollte sie zwingen, entgegen dem göttlichen Gesetz Schweinefleisch zu essen, und ließ sie darum mit Geißeln und Riemen peitschen.2 Einer von ihnen ergriff für die andern das Wort und sagte: Was willst du uns fragen und von uns wissen? Eher sterben wir, als daß wir die Gesetze unserer Väter übertreten.3 Da wurde der König zornig und befahl, Pfannen und Kessel heißzumachen.4 Kaum waren sie heiß geworden, ließ er ihrem Sprecher die Zunge abschneiden, ihm nach Skythenart die Kopfhaut abziehen und Nase, Ohren, Hände und Füße stückweise abhacken. Dabei mußten die anderen Brüder und die Mutter zuschauen.5 Den gräßlich Verstümmelten, der noch atmete, ließ er ans Feuer bringen und in der Pfanne braten. Während sich der Dunst aus der Pfanne nach allen Seiten verbreitete, sprachen sie und ihre Mutter einander Mut zu, in edler Haltung zu sterben. Sie sagten:6 Gott der Herr schaut auf uns, und gewiß hat er Erbarmen mit uns. Denn so hat es Mose klar gesagt in dem Lied, in dem er öffentlich das Volk anklagte: Und er wird mit seinen Dienern Erbarmen haben.7 Als der erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, führten sie den zweiten zur Folterung. Sie zogen ihm die Kopfhaut samt den Haaren ab und fragten ihn: Willst du essen, bevor wir dich Glied für Glied foltern?8 Er antwortete in seiner Muttersprache: Nein! Deshalb wurde er genauso wie der erste gefoltert.9 Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken, weil wir für seine Gesetze gestorben sind.10 Nach ihm folterten sie den dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin.11 Dabei sagte er gefaßt: Vom Himmel habe ich sie bekommen, und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen.12 Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten.13 Als er tot war, quälten und mißhandelten sie den vierten genauso.14 Dieser sagte, als er dem Ende nahe war: Gott hat uns die Hoffnung gegeben, daß er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.15 Anschließend nahmen sie sich den fünften vor und mißhandelten ihn.16 Der sah den König an und sagte: Du bist ein vergänglicher Mensch, und doch hast du die Macht unter den Menschen zu tun, was du willst. Aber glaub nicht, unser Volk sei von Gott verlassen.17 Mach nur so weiter! Du wirst seine gewaltige Kraft spüren, wenn er dich und deine Nachkommen züchtigt.18 Nach ihm holten sie den sechsten. Sterbend sagte er: Laß dich nicht täuschen! Du wirst nichts ausrichten. Denn wir sind selbst schuld an unserem Leid, weil wir gegen unseren Gott gesündigt haben. Darum konnte so Unfaßbares geschehen.19 Glaub aber ja nicht, daß du heil davonkommst; denn du hast es gewagt, mit Gott zu kämpfen.20 Auch die Mutter war überaus bewundernswert, und sie hat es verdient, daß man sich an sie mit Hochachtung erinnert. An einem einzigen Tag sah sie nacheinander ihre sieben Söhne sterben und ertrug es tapfer, weil sie dem Herrn vertraute.21 In edler Gesinnung stärkte sie ihr weibliches Gemüt mit männlichem Mut, redete jedem von ihnen in ihrer Muttersprache zu und sagte:22 Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Leib entstanden seid, noch habe ich euch Atem und Leben geschenkt; auch habe ich keinen von euch aus den Grundstoffen zusammengefügt.23 Nein, der Schöpfer der Welt hat den werdenden Menschen geformt, als er entstand; er kennt die Entstehung aller Dinge. Er gibt euch gnädig Atem und Leben wieder, weil ihr jetzt um seiner Gesetze willen nicht auf euch achtet.24 Antiochus aber glaubte, sie verachte ihn, und er hatte den Verdacht, sie wolle ihn beschimpfen. Nun war nur noch der Jüngste übrig. Auf ihn redete der König nicht nur mit guten Worten ein, sondern versprach ihm unter vielen Eiden, ihn reich und sehr glücklich zu machen, wenn er von der Lebensart seiner Väter abfalle; auch wolle er ihn zu seinem Freund machen und ihn mit hohen Staatsämtern betrauen.25 Als der Junge nicht darauf einging, rief der König die Mutter und redete ihr zu, sie solle dem Knaben doch raten, sich zu retten.26 Erst nach langem Zureden willigte sie ein, ihren Sohn zu überreden.27 Sie beugte sich zu ihm nieder, und den grausamen Tyrannen verspottend, sagte sie in ihrer Muttersprache: Mein Sohn, hab Mitleid mit mir! Neun Monate habe ich dich in meinem Leib getragen, ich habe dich drei Jahre gestillt, dich ernährt, erzogen und für dich gesorgt, bis du nun so groß geworden bist.28 Ich bitte dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen, und so entstehen auch die Menschen.29 Hab keine Angst vor diesem Henker, sei deiner Brüder würdig, und nimm den Tod an! Dann werde ich dich zur Zeit der Gnade mit deinen Brüdern wiederbekommen.30 Kaum hatte sie aufgehört, da sagte der Junge: Auf wen wartet ihr? Dem Befehl des Königs gehorche ich nicht; ich höre auf den Befehl des Gesetzes, das unseren Vätern durch Mose gegeben wurde.31 Du aber, der sich alle diese Bosheiten gegen die Hebräer ausgedacht hat, du wirst Gottes Händen nicht entkommen.32 Denn wir leiden nur, weil wir gesündigt haben.33 Wenn auch der lebendige Herr eine kurze Zeit lang zornig auf uns ist, um uns durch Strafen zu erziehen, so wird er sich doch mit seinen Dienern wieder versöhnen.34 Du Ruchloser aber, du größter Verbrecher der Menschheit, überheb dich nicht, und werde nicht durch falsche Hoffnungen übermütig, wenn du deine Hand gegen die Kinder des Himmels erhebst.35 Denn noch bist du dem Gericht des allmächtigen Gottes, der alles sieht, nicht entronnen.36 Unsere Brüder sind nach kurzem Leiden mit der göttlichen Zusicherung ewigen Lebens gestorben; du jedoch wirst beim Gericht Gottes die gerechte Strafe für deinen Übermut zahlen.37 Ich gebe wie meine Brüder Leib und Leben hin für die Gesetze unserer Väter und rufe zu Gott, er möge seinem Volk bald wieder gnädig sein; du aber sollst unter Qualen und Schlägen bekennen müssen, daß nur er Gott ist.38 Bei mir und meinen Brüdern möge der Zorn des Allherrschers aufhören, der sich zu Recht über unser ganzes Volk ergossen hat.39 Da wurde der König zornig und verfuhr mit ihm noch schlimmer als mit den anderen - so sehr hatte ihn der Hohn verletzt.40 Auch der Jüngste starb also mit reinem Herzen und vollendetem Gottvertrauen.41 Zuletzt starb nach ihren Söhnen die Mutter.42 Soviel sei über die Opfergelage und die schlimmen Mißhandlungen berichtet.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 8

1 Judas aber, den man auch Makkabäer nennt, und seine Leute schlichen sich heimlich in die Dörfer und holten ihre Verwandten zu sich; auch gewannen sie die treugebliebenen Juden, so daß sie etwa sechstausend Mann zusammenbrachten.2 Sie riefen zum Herrn, er möge auf das von allen geschundene Volk schauen und Mitleid haben mit dem Tempel, den ruchlose Menschen entweiht hätten,3 er möge auch der Stadt gnädig sein, die zerstört werde und bald dem Erdboden gleichgemacht sei, und auf das unschuldig vergossene Blut hören, das (anklagend) zu ihm aufschreie.4 Er solle daran denken, daß man entgegen jedem Recht unschuldige Kinder ermordet und seinen Namen gelästert habe, und zeigen, daß er das Böse hasse.5 Sobald der Makkabäer eine Streitmacht aufgestellt hatte, konnten ihn die Heiden nicht mehr aufhalten; denn der Herr hatte seinem Zorn Gnade folgen lassen.6 Er überfiel Städte und Dörfer und steckte sie in Brand. Da er günstige Stellungen bezog, jagte er nicht wenige Feinde in die Flucht.7 Meist nutzte er die Nächte zu solchen Unternehmungen, und der Ruf seiner Kühnheit verbreitete sich überall.8 Philippus merkte, daß der Mann rasch an Macht gewann und von Tag zu Tag erfolgreicher wurde; er schrieb daher an Ptolemäus, den Befehlshaber von Zölesyrien und Phönizien, er solle der Sache des Königs zu Hilfe kommen.9 Dieser benannte sofort Nikanor, den Sohn des Patroklus, der zu den ersten Freunden des Königs gehörte, und ließ ihn an der Spitze eines Heeres von mindestens zwanzigtausend Mann aus aller Herren Länder ausrücken, mit dem Auftrag, die gesamte Bevölkerung Judäas auszurotten. Er gab ihm auch Gorgias mit, einen im Kriegswesen erfahrenen Befehlshaber.10 Der König mußte den Römern noch zweitausend Talente Kriegsschulden auszahlen; Nikanor beschloß, diese Summe aus dem Verkauf gefangener Juden aufzubringen.11 Unverzüglich ließ er durch Boten in den Hafenstädten bekanntgeben, man könne zu ihm kommen und jüdische Sklaven kaufen; für ein Talent versprach er neunzig Personen zu liefern. Er ahnte nicht, daß ihn bald die Strafe des Allherrschers ereilen würde.12 Judas hörte vom Anmarsch Nikanors und ließ seinen Leuten bekanntgeben, daß jener mit seinem Heer in der Nähe ein Lager aufgeschlagen habe.13 Die Feiglinge und die, die dem Urteil Gottes mißtrauten, liefen weg und machten sich davon.14 Die anderen aber verkauften alles, was sie noch hatten; zugleich baten sie den Herrn, sie zu retten; denn der verruchte Nikanor habe sie schon verkauft, bevor er ihnen überhaupt begegnet sei,15 und wenn er es schon nicht ihretwegen tun wolle, dann doch wegen der Bündnisse, die er mit ihren Vätern geschlossen habe, und weil über ihnen selbst sein heiliger und herrlicher Name ausgerufen worden sei.16 Der Makkabäer ließ seine Leute zusammenkommen, sechstausend an der Zahl. Er redete ihnen zu, sich von den Feinden nicht aus der Fassung bringen zu lassen und nicht ängstlich zu werden, weil die Heiden in solchen Massen ohne jeden Grund gegen sie heranrückten. Sie sollten tapfer kämpfen17 und sich stets vor Augen halten, mit welch frechem Übermut man entgegen allem Recht den heiligen Ort behandelt habe, wie übel man der Stadt mitgespielt und wie schlimm man sie zugerichtet habe und daß die von den Vorfahren ererbte Verfassung aufgelöst worden sei.18 Er sagte: Sie verlassen sich auf ihre Waffen und auf die Kühnheit, mit der sie angreifen; wir aber verlassen uns auf den allmächtigen Gott, der unsere Angreifer und die ganze Welt mit einem einzigen Wink vernichten kann.19 Weiter zählte er ihnen auf, wie oft Gott ihren Vorfahren geholfen habe, etwa gegen Sanherib, als hundertfünfundachtzigtausend Mann den Tod fanden.20 Er erwähnte auch die Schlacht mit den Galatern in Babylon: Da waren sie, zusammen mit viertausend Mazedoniern nur achttausend Mann stark, zum Kampf angetreten, und als die Mazedonier in eine verzweifelte Lage gerieten, schlugen sie, weil der Himmel ihnen half, mit sechstausend Mann hundertzwanzigtausend vernichtend und machten reiche Beute.21 So machte er ihnen Mut, damit sie bereit wären, für die Gesetze und das Vaterland zu sterben. Dann teilte er sein Heer in vier Abteilungen ein.22 An die Spitze der einzelnen Gruppen stellte er seine Brüder Simeon, Josef und Jonatan, denen er je fünfzehnhundert Mann zuwies,23 und außerdem den Eleasar. Er selbst las aus der Heiligen Schrift vor und gab die Losung aus: Mit Gottes Hilfe! Dann trat er vor die erste Reihe und griff Nikanor an.24 Da ihnen der Allherrscher im Kampf half, machten sie mehr als neuntausend Feinde nieder, verwundeten und verstümmelten den größten Teil des Heeres Nikanors und zwangen alle übrigen zur Flucht.25 Dabei erbeuteten sie auch das Geld der Leute, die gekommen waren, um sie zu kaufen. Sie verfolgten sie eine Strecke weit, kehrten dann aber um, weil sie keine Zeit mehr hatten.26 Es war nämlich am Tag vor dem Sabbat; darum setzten sie ihnen nicht länger nach.27 Sie nahmen den Feinden die Waffen weg und zogen ihnen die Rüstungen aus. Dann feierten sie den Sabbat; begeistert priesen sie den Herrn und lobten seine Taten. Durch seinen Schutz hatten sie diesen Tag erleben können, an dem er ihnen von neuem seine Gnade zugewandt hatte.28 Nach dem Sabbat verteilten sie die Beute. Zuerst gaben sie davon den Mißhandelten und den Witwen und Waisen; den Rest verteilten sie unter sich selbst und ihre Kinder.29 Danach hielten sie einen Bittgottesdienst ab und baten den barmherzigen Herrn, er möge sich mit seinen Dienern wieder völlig aussöhnen.30 Sie kämpften auch gegen die Truppen des Timotheus und des Bakchides, töteten von ihnen über zwanzigtausend Mann und eroberten einige hoch in den Bergen gelegene Festungen. Die reiche Beute verteilten sie zu gleichen Teilen unter sich und unter die Mißhandelten, die Waisen und Witwen und unter die alten Leute.31 Sie sammelten die Waffen der Erschlagenen ein und bewahrten sie sorgfältig an geeigneten Orten auf. Die übrige Beute schafften sie nach Jerusalem.32 Auch Phylarches, einen ganz ruchlosen Mann aus der Umgebung des Timotheus, töteten sie; er hatte den Juden viel Böses getan.33 Bei der Siegesfeier in der Vaterstadt verbrannten sie die Männer, die die heiligen Tore angezündet hatten, sowie den Kallisthenes; er hatte sich in ein kleines Haus geflüchtet. So erhielt er den verdienten Lohn für seine Verruchtheit.34 Der dreimal verfluchte Nikanor aber, der die tausend Händler mitgebracht hatte, um die Juden zu verkaufen,35 wurde von denen, die er verachtet hatte, mit Hilfe des Herrn gedemütigt. Er mußte sein Prachtgewand ausziehen und sich wie ein entlaufener Sklave mitten durch das Land allein nach Antiochia durchschlagen, wo er völlig niedergeschlagen über den Verlust seines Heeres ankam.36 Er, der sich unterfangen hatte, den Tribut für die Römer aus den Gefangenen Jerusalems aufzubringen, mußte nun verkünden, daß die Juden jemanden hätten, der für sie kämpfe, und daß sie deshalb unverwundbar seien; denn sie achteten auf die Gesetze, die jener erlassen hatte.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 9

1 Etwa zur selben Zeit mußte Antiochus mit Schimpf und Schande aus Persien abziehen.2 Er war in die Stadt, die man Persepolis nennt, einmarschiert. Bei dem Versuch, den Tempel auszurauben und eine Besatzung in die Stadt zu legen, erhob sich die Bevölkerung in Massen und griff zu den Waffen. Die Truppen wurden geschlagen und Antiochus von den Einwohnern verjagt; er mußte schmählich den Rückzug antreten.3 In der Gegend von Ekbatana erhielt er die Nachricht von der Niederlage Nikanors und der Truppen des Timotheus.4 Da geriet er in heftigen Zorn und glaubte, seine Wut über die unglückliche Flucht an den Juden auslassen zu können. Darum befahl er dem Wagenlenker, ohne Unterbrechung bis zum Ziel durchzufahren. Aber schon drohte ihm das Gericht des Himmels; denn in seiner Vermessenheit sagte er: Sobald ich in Jerusalem bin, mache ich die Stadt zu einem Friedhof für alle Juden.5 Doch der Herr, der alles sieht, Israels Gott, traf ihn, ohne daß es jemand sehen konnte, mit einem Schlag, für den es keine Heilung gab. Kaum hatte er zu reden aufgehört, da spürte er in seinen Eingeweiden quälende Schmerzen, die kein Arzt lindern konnte.6 Damit geschah ihm ganz recht, hatte er doch die Eingeweide anderer durch zahllose ausgefallene Foltern gequält.7 Dennoch blieb sein Stolz ungebrochen; die Vermessenheit hatte ihn ganz und gar in Besitz genommen. Glühende Wut gegen die Juden verzehrte ihn, und er befahl dem Wagenlenker, noch schneller zu fahren. Doch dann geschah es: In voller Fahrt fiel er aus dem dahinrasenden Wagen und stürzte so schwer, daß er sich alle Glieder verrenkte.8 Eben noch hatte er in maßloser Aufgeblasenheit geglaubt, er könne den Wogen des Meeres gebieten und die Gipfel der Berge auf einer Waage wiegen. Nun lag er auf der Erde, und man mußte ihn auf eine Bahre legen. So zeigte sich an ihm sichtbar Gottes Macht.9 Aus den Augen des Verruchten krochen Würmer; während er noch lebte, verfaulte sein Fleisch unter Schmerzen und Qualen, und der Verwesungsgeruch, der von ihm ausging, verpestete das ganze Lager.10 Kurz zuvor hatte er noch geglaubt, er könne nach den Sternen des Himmels greifen; jetzt konnte es niemand mehr bei ihm aushalten, so unerträglich war der Gestank.11 Da endlich begann der Gepeinigte, von seinem maßlosen Hochmut abzulassen und unter Gottes Schlägen zur Einsicht zu kommen; denn seine Schmerzen wurden immer schlimmer.12 Als er seinen Geruch selbst nicht mehr ertragen konnte, sagte er: Wenn man nur ein sterblicher Mensch ist, soll man sich Gott unterordnen und nicht überheblich sein.13 Der Verbrecher rief sogar den Herrn an, fand aber bei ihm kein Erbarmen mehr. Er gelobte,14 die Heilige Stadt, die er kurzerhand hatte dem Erdboden gleichmachen und in einen Friedhof umwandeln wollen, in den Rang einer freien Stadt zu erheben.15 Hatte er zuerst beschlossen, die Juden nicht einmal eines Grabes zu würdigen, sondern sie samt den Säuglingen den Raubvögeln und den wilden Tieren zum Fraß vorzuwerfen, so wollte er sie nun alle den Bürgern von Athen gleichstellen.16 Er versprach, den heiligen Tempel, den er zuvor geplündert hatte, mit den schönsten Weihegeschenken auszuschmücken, die heiligen Geräte um ein Vielfaches zu ersetzen und die nötigen Aufwendungen für die Opfer aus eigenen Mitteln aufbringen.17 Ja, er wollte sogar selbst Jude werden und überall hingehen, wo Menschen wohnen, um Gottes Macht zu verkünden.18 Trotzdem ließen seine Schmerzen nicht nach; denn das gerechte Gericht Gottes war über ihn gekommen. Da gab er alle Hoffnung auf und schrieb den Juden einen Brief, der eigentlich eine Bittschrift war. Der Brief hatte diesen Inhalt:19 Seinen guten jüdischen Bürgern wünscht Antiochus, König und Befehlshaber, viel Freude, Gesundheit und Wohlergehen.20 Ich danke Gott sehr, wenn ihr gesund seid und wenn es auch euren Kindern und eurem Besitz nach Wunsch ergeht. Dafür setze ich meine Hoffnung auf den Himmel.21 Ich erinnere mich in Liebe an die Achtung und freundliche Hochschätzung, die ihr mir entgegengebracht habt. Bei meiner Rückkehr aus Persien zog ich mir eine Krankheit zu, die mich sehr belastet. Darum hielt ich es für nötig, für die öffentliche Sicherheit aller Bürger zu sorgen.22 Nicht daß ich mich schon aufgegeben hätte - ich habe vielmehr gute Hoffnung, wieder gesund zu werden.23 Aber ich dachte daran, daß schon mein Vater jedesmal einen Nachfolger bestimmte, wenn er sich mit seinem Heer im Osten aufhielt.24 Falls dann etwas Unvorhergesehenes eintrat oder ein Mißgeschick gemeldet wurde, wußten die Bewohner des Reiches, wem die Regierung übertragen worden war, und sie brauchten sich nicht zu beunruhigen.25 Auch sehe ich, wie die Machthaber an den Grenzen unseres Landes, unsere Nachbarn, nur auf eine günstige Gelegenheit lauern und die kommende Entwicklung abwarten. Darum habe ich in aller Form meinen Sohn Antiochus zum Nachfolger bestimmt; ihn habe ich den meisten von euch ja schon oft anvertraut und empfohlen, wenn ich plötzlich in die östlichen Provinzen hinaufziehen mußte. An ihn habe ich einen Brief geschrieben, den ich beilege.26 Ich bitte euch eindringlich: Denkt daran, wieviel Gutes ich eurer Gemeinschaft und jedem einzelnen von euch erwiesen habe, und bewahrt mir und meinem Sohn euer Wohlwollen!27 Ich bin überzeugt, daß er meine Politik der Güte und Freundschaft weiterführen und in gutem Einvernehmen mit euch bleiben wird.28 Der Menschenmörder und Gotteslästerer endete also fern seiner Heimat im Gebirge auf jämmerliche Weise, unter entsetzlichen Schmerzen, ganz wie er sie anderen zugefügt hatte.29 Sein Jugendfreund Philippus ließ den Leichnam überführen; dann begab er sich nach Ägypten zu Ptolemäus Philometor, weil er dem Sohn des Antiochus nicht traute.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 10

1 Der Makkabäer aber und seine Leute konnten unter der Führung des Herrn das Heiligtum und die Stadt wieder in Besitz nehmen.2 Sie rissen die Altäre ein, die die Heiden auf dem Tempelplatz errichtet hatten, und legten die Umfriedungsmauern nieder.3 Den Tempel selbst reinigten sie und bauten einen neuen Brandopferaltar. Sie schlugen Feuer aus Steinen und zündeten so die Opfer an, die sie nach zweijähriger Unterbrechung wieder darbringen konnten. Auch bemühten sie sich um Räucherwerk, Leuchter und Schaubrote.4 Dann warfen sie sich auf die Erde nieder und flehten zum Herrn, daß sie nie wieder in solches Unglück gerieten. Für den Fall, daß sie noch einmal sündigen sollten, wollten sie lieber von ihm selbst in Güte gezüchtigt werden als in die Hände frecher und barbarischer Heiden fallen.5 Es traf sich, daß die Reinigung des Tempels auf den gleichen Tag fiel, an dem ihn die Fremden entweiht hatten, nämlich auf den fünfundzwanzigsten Kislew.6 Sie feierten acht Tage lang ein fröhliches Fest nach Art des Laubhüttenfestes; dabei dachten sie daran, daß sie noch vor kurzem das Laubhüttenfest wie wilde Tiere in den Höhlen der Berge verbracht hatten.7 Sie nahmen Stäbe, die sie mit grünen Blättern umwunden hatten, in die Hand und Laubzweige - auch Palmzweige - und brachten dem Loblieder dar, der den Weg zur Reinigung des Ortes bereitet hatte, der sein Eigentum ist.8 Sie setzten durch eine öffentliche Entschließung und Abstimmung fest, daß das ganze jüdische Volk jedes Jahr diese Tage festlich zu begehen habe.9 So starb Antiochus, den man Epiphanes nannte.10 Jetzt wollen wir noch berichten, was unter Antiochus Eupator geschah, dem Sohn dieses ruchlosen Menschen. Dabei fassen wir kurz zusammen, welches Unheil aus den kriegerischen Verwicklungen entstand.11 Als Eupator seine Herrschaft antrat, ernannte er einen Mann namens Lysias zum Reichsverweser; außerdem machte er ihn zum Befehlshaber über Zölesyrien und Phönizien und zum Oberkommandierenden über die dort liegenden Truppen.12 Ptolemäus, mit dem Zunamen Makron, hatte als erster den Juden Gerechtigkeit widerfahren lassen, weil ihnen soviel Unrecht geschehen war; er hatte versucht, den Streit mit ihnen friedlich beizulegen.13 Seine Vertrauten verklagten ihn deswegen bei Eupator. Schon vorher hatte er allerorten als Verräter gegolten; denn er hatte Zypern, das ihm von Philometor anvertraut worden war, verlassen und war zu Antiochus Epiphanes übergelaufen. Da er seine ehrenvolle Stellung nicht mehr in Ehren verwalten konnte, machte er seinem Leben durch Gift ein Ende.14 Gorgias wurde Befehlshaber in dieser Gegend; er warb Söldner an und führte Krieg gegen die Juden, wo er nur konnte.15 Außer ihm machten auch die Idumäer, die eine Reihe gut gelegener Festungen besaßen, den Juden zu schaffen. Sie hatten Flüchtlinge aus Jerusalem bei sich aufgenommen und begannen, Krieg zu führen.16 Die Männer um den Makkabäer hielten einen Bittgottesdienst ab und baten Gott, ihr Bundesgenosse zu sein. Dann berannten sie die Festungen der Idumäer.17 Sie eroberten sie im Sturm, schlugen die Verteidiger auf den Mauern in die Flucht und machten jeden nieder, der ihnen in die Hände fiel. Dabei töteten sie mindestens zwanzigtausend Mann.18 Nicht weniger als neuntausend Mann konnten sich in zwei stark befestigte Burgen flüchten, die für eine Belagerung mit allem aufs beste ausgerüstet waren.19 Der Makkabäer zog ab, da seine Anwesenheit an einem anderen Ort dringend notwendig war. Doch ließ er Simeon und Josef zurück, ferner Zachäus mit seinen Leuten; sie reichten aus, um die Burgen zu belagern.20 Simeons Soldaten nahmen jedoch aus Habgier Bestechungsgelder an und ließen für siebzigtausend Drachmen einige Leute aus den Burgen entweichen.21 Sobald der Makkabäer davon erfuhr, rief er die Führer des Volkes zusammen und erhob Anklage: Man habe die Brüder um Geld verkauft, da man zu deren Schaden die Feinde freigelassen habe.22 Er ließ die Verräter hinrichten und eroberte die beiden Burgen auf der Stelle.23 Mit seinen Waffen hatte er überall Erfolg, und so vernichtete er in den beiden Festungen über zwanzigtausend Mann.24 Timotheus - derselbe, den die Juden schon einmal geschlagen hatten - sammelte ein großes Söldnerheer und brachte auch ziemlich viel Reiterei aus der Provinz Asien zusammen. Damit rückte er an, um Judäa zu erobern.25 Als er schon in der Nähe war, riefen die Männer des Makkabäers Gott um Hilfe an, streuten sich Erde auf das Haupt und zogen Bußgewänder an.26 Sie warfen sich vor den Stufen des Brandopferaltars nieder und baten den, der ihnen wieder gnädig war, ihren Feinden feindlich gesinnt zu sein und ihren Widersachern zu widerstehen, wie das Gesetz sagt.27 Nach diesem Gebet nahmen sie ihre Waffen, verließen die Stadt und rückten Timotheus entgegen. Als sie sich den Feinden näherten, hielten sie sich zunächst zurück.28 Sobald aber die Sonne aufging und es hell wurde, stießen die beiden Heere aufeinander. Die einen hatten als Bürgschaft für einen glücklichen Sieg neben ihrer Tapferkeit nur ihr Gottvertrauen; die anderen ließen sich im Kampf durch ihre wilde Wut treiben.29 Schon war die Schlacht heftig entbrannt, da erschienen den Kämpfenden vom Himmel her fünf herrliche Reiter auf goldgezäumten Pferden und stellten sich an die Spitze der Juden.30 Zwei von ihnen nahmen den Makkabäer in ihre Mitte, deckten ihn mit ihren Rüstungen und schützten ihn vor jeder Verwundung; auf die Feinde aber schossen sie Pfeile und Blitze. Diese wurden geblendet und flohen verwirrt nach allen Seiten.31 So kamen zwanzigtausendfünfhundert Mann und sechshundert Reiter um.32 Timotheus selbst flüchtete sich mit anderen in eine Festung namens Geser, die sehr stark befestigt war; ihr Kommandant war Chäreas.33 Die Truppen des Makkabäers belagerten vier Tage lang voll Begeisterung die Festung.34 Die Verteidiger, die sich in ihren Befestigungen sicher fühlten, führten lästerliche Reden und schrien freche Worte herunter.35 Am Morgen des fünften Tages packte zwanzig junge Männer aus dem Heer des Makkabäers der Zorn, als sie die Lästerreden hörten. Sie stürmten mutig auf die Mauer los und schlugen in wilder Wut jeden nieder, der sich ihnen in den Weg stellte.36 Andere umgingen die Stadt und erzwangen sich mit demselben Mut den Zugang zu den Verteidigern; sie legten Feuer an die Türme und steckten sie in Brand und verbrannten so die Lästerer bei lebendigem Leib. Wieder andere brachen die Tore auf, ließen die übrigen Truppen ein und eroberten die Stadt im Handstreich.37 Timotheus, der sich in einer Zisterne versteckt hatte, stachen sie nieder, ebenso seinen Bruder Chäreas und den Apollophanes.38 Darauf priesen sie mit Lob- und Dankliedern den Herrn, der so Großes für Israel getan und ihnen den Sieg geschenkt hatte.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 11

1 Der Reichsverweser Lysias, des Königs Vormund und Verwandter, war über diese Ereignisse sehr verärgert.2 Er zog daher in kürzester Zeit an die achtzigtausend Mann zusammen, dazu seine ganze Reiterei, und marschierte gegen die Juden. Er hatte vor, aus der Stadt Jerusalem eine griechische Siedlung zu machen,3 das Heiligtum ebenso wie die heidnischen Kultstätten zu besteuern und das Amt des Hohenpriesters jedes Jahr für Geld auszuschreiben.4 Doch rechnete er überhaupt nicht mit der Macht Gottes, sondern stützte seine Überlegungen allein auf die Zehntausende von Fußtruppen, die Tausende von Reitern und seine achtzig Elefanten.5 Er drang in Judäa ein, rückte vor die Festung Bet-Zur, die hundertfünfzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt, und bestürmte sie.6 Als die Leute des Makkabäers von der Belagerung der Festung erfuhren, flehten sie mit dem ganzen Volk unter Klagen und Weinen den Herrn an, er möge doch einen guten Engel schicken, um Israel zu retten.7 Der Makkabäer griff als erster nach den Waffen und hielt eine anfeuernde Rede an die anderen: Sie sollten, zusammen mit ihm, die Gefahr auf sich nehmen und ihren Brüdern zu Hilfe eilen. Geschlossen und voll Kampfesmut brachen sie auf.8 Sie waren noch in der Nähe von Jerusalem, da erschien ihnen ein Reiter und zog in einem weißen Gewand und einer blinkenden goldenen Waffenrüstung vor ihnen her.9 Gemeinsam priesen sie den barmherzigen Gott, und ihr Mut wurde so groß, daß sie bereit gewesen wären, nicht nur Menschen, sondern auch die wildesten Tiere und eiserne Mauern zusammenzuschlagen.10 Sie rückten mit ihrem himmlischen Bundesgenossen, zum Kampf bereit, vor; denn der Herr hatte Erbarmen mit ihnen.11 Sie stürzten sich wie Löwen auf die Feinde und erschlugen elftausend von ihnen, dazu sechzehnhundert Reiter. Alle übrigen jagten sie in die Flucht;12 die meisten davon waren verwundet und konnten nur das nackte Leben retten. Auch Lysias selbst konnte sich nur durch eine schimpfliche Flucht retten.13 Da Lysias jedoch nicht ohne Verstand war und über die erlittene Niederlage nachdachte, begriff er, daß die Hebräer unbesiegbar waren, weil der starke Gott auf ihrer Seite kämpfte.14 Darum schickte er Unterhändler, die auf einen Friedensvertrag drängen und jeder annehmbaren Bedingung zustimmen sollten; er ließ sagen, er wolle auch dem König sehr zureden, mit ihnen Freundschaft zu schließen.15 Der Makkabäer ging auf alle Vorschläge des Lysias ein, ohne indes seinen Vorteil zu vernachlässigen. Alle Forderungen, die er für die Juden stellte und dem Lysias schriftlich vorlegte, nahm der König an.16 Lysias schrieb an die Juden einen Brief, der folgenden Inhalt hatte: Lysias grüßt das jüdische Volk.17 Eure Abgesandten Johanan und Abschalom haben euer Antwortschreiben vorgelegt, das unten beigefügt ist, und mich gebeten, die darin geäußerten Forderungen zu genehmigen.18 Was in die Zuständigkeit des Königs fällt, habe ich ihm dargelegt; er ist auf jede annehmbare Bedingung eingegangen.19 Wenn ihr weiterhin die Politik der Regierung wohlwollend aufnehmt, werde ich mich bemühen, euch Vorteile zu verschaffen.20 Was die Einzelheiten betrifft, habe ich euren und meinen Unterhändlern aufgetragen, mit euch zu verhandeln.21 Lebt wohl! Im Jahr 148, am Vierundzwanzigsten des Monats Dioskorus.22 Im Brief des Königs stand dies: König Antiochus grüßt seinen Bruder Lysias.23 Nachdem unser Vater zu den Göttern hinübergegangen ist, wollen wir, daß die Untertanen des Reichs ungestört ihren Beschäftigungen nachgehen können.24 Andererseits haben wir erfahren, daß die Juden mit der von meinem Vater gewünschten Übernahme griechischer Sitten nicht einverstanden sind, es vielmehr vorziehen, auf ihre eigene Art zu leben, und verlangen, daß man ihnen wieder gestattet, ihren Gewohnheiten zu folgen.25 Wir beschließen darum, daß auch dieses Volk ungestört bleibt, und verfügen, daß man ihnen ihr Heiligtum zurückgibt, und daß sie ihr Leben so einrichten können, wie es schon zur Zeit ihrer Vorfahren Brauch war.26 Du wirst nun am besten zu ihnen Gesandte schicken und ihnen die Hand zum Frieden reichen, damit sie die Grundlinien unserer Politik erkennen, Vertrauen fassen und ihre Angelegenheiten zu ihrer Zufriedenheit regeln können.27 Der Brief des Königs an das Volk lautete so: König Antiochus grüßt den Rat und alle übrigen Juden.28 Wir hoffen, daß es euch gut geht; auch wir erfreuen uns guter Gesundheit.29 Menelaus hat uns wissen lassen, daß ihr nach Hause zu eurer Arbeit zurückkehren wollt.30 Jedem also, der bis zum dreißigsten Tag des Monats Xanthikus heimkehrt, wird Friede angeboten mit der Zusicherung,31 daß die Juden ihre gewohnten Speisevorschriften und Gesetze befolgen dürfen; keiner von ihnen darf dabei irgendwie belangt werden für Vergehen, die er in Unkenntnis der Verhältnisse begangen hat.32 Ich habe Menelaus zu eurer Beruhigung zu euch geschickt.33 Lebt wohl! Im Jahr 148, am Fünfzehnten des Monats Xanthikus.34 Auch die Römer schickten ihnen einen Brief; er hatte folgenden Inhalt: Die römischen Gesandten Quintus Memmius und Titus Manius grüßen das jüdische Volk.35 Auch wir sind einverstanden mit den Bedingungen, die Lysias, der Verwandte des Königs, mit euch ausgehandelt hat.36 Laßt uns die Vorschläge, die er dem König unterbreiten will, zukommen, sobald ihr sie geprüft habt, damit wir eure Sache vortragen können, wie es für euch am günstigsten ist; wir sind nämlich auf dem Weg nach Antiochia.37 Teilt uns deswegen auch umgehend durch Boten eure Meinung darüber mit.38 Lebt wohl! Im Jahr 148, am Fünfzehnten des Monats Xanthikus.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 12

1 Nach dem Abschluß der Verträge kehrte Lysias zum König zurück. Die Juden begannen, wieder ihre Felder zu bestellen.2 Die Befehlshaber in jener Gegend aber, Timotheus, Apollonius, der Sohn des Gennäus, ferner Hieronymus, Demophon und auch Nikanor, der Statthalter von Zypern, ließen die Juden nicht in Ruhe und Frieden leben.3 Die Einwohner von Jafo begingen folgendes entsetzliche Verbrechen: Sie luden die Juden, die unter ihnen wohnten, ein, mit ihren Frauen und Kindern in Schiffe, die sie zur Verfügung stellten, einzusteigen. Sie taten, als ob sie nichts Böses gegen sie im Schild führten,4 sondern aufgrund eines öffentlichen Beschlusses der Stadt handelten. Die Juden nahmen das Angebot an, da sie den Frieden wollten und keinen bösen Verdacht hegten. Aber als sie auf dem offenen Meer waren, wurden die Boote versenkt; mindestens zweihundert Menschen ertranken.5 Als Judas von der schrecklichen Tat gegen die Angehörigen seines Volkes erfuhr, gab er sie seinen Männern bekannt,6 rief Gott, den gerechten Richter, an und überfiel die Mörder, die sich mit dem Blut seiner Brüder befleckt hatten. In der Nacht zündete er den Hafen an, verbrannte die Schiffe und stach alle nieder, die sich dorthin geflüchtet hatten.7 Die Stadt selbst hatte ihre Tore verrammelt. So mußte er abziehen, aber er nahm sich vor, wiederzukommen, und die ganze Stadt Jafo zu vernichten.8 Als er erfuhr, daß die Bürger von Jamnia mit den Juden, die bei ihnen lebten, dasselbe tun wollten,9 überfiel er auch die Leute von Jamnia bei Nacht und steckte den Hafen samt der Flotte in Brand. Der Feuerschein war zweihundertvierzig Stadien weit bis nach Jerusalem zu sehen.10 Von dort zogen sie weiter gegen Timotheus. Sie waren gerade neun Stadien weit marschiert, da griffen fünftausend Araber mit fünfhundert Reitern Judas an.11 Nach hitzigem Kampf gewannen die Männer des Judas die Oberhand; denn Gott half ihnen. Die bedrängten Nomaden baten Judas um Frieden, versprachen, ihm und seinen Leuten Vieh zu liefern und ihnen auch sonst gute Dienste zu erweisen.12 Da Judas der Ansicht war, ihre Hilfe könne ihnen tatsächlich bei vielen Gelegenheiten von Nutzen sein, war er damit einverstanden, mit ihnen Frieden zu schließen. Die Araber verpflichteten sich durch Handschlag und zogen sich zu ihren Zelten zurück.13 Judas griff auch eine Stadt namens Kaspin an; sie war ringsum mit Wällen und Mauern befestigt. Ihre Bevölkerung setzte sich aus Menschen verschiedenster Völker zusammen.14 Weil sie sich auf ihre hohen Mauern und auf ihre Vorräte verließen, wurden sie immer unverschämter gegen die Leute des Judas, beschimpften sie, lästerten Gott und schrien unflätige Worte.15 Die Männer des Judas riefen den großen Herrn der Welt an, der Jericho zur Zeit Josuas ohne Rammböcke und Belagerungsmaschinen zu Boden geschmettert hatte. Dann stürmten sie mit dem Mut von Löwen gegen die Mauern an,16 und weil Gott es so wollte, konnten sie die Stadt einnehmen. Sie richteten in ihr ein unbeschreibliches Blutbad an, so daß ein zwei Stadien breiter See, der neben der Stadt lag, von dem Blut, das in ihn geflossen war, angefüllt zu sein schien.17 Dann marschierten sie siebenhundertfünfzig Stadien weiter, bis sie zum Charax kamen, wo die sogenannten Tubianer-Juden wohnten.18 Timotheus trafen sie dort nicht an; denn er war, ohne etwas unternommen zu haben, von dort abgezogen. Aber er hatte in einem stark befestigten Ort eine Garnison zurückgelassen.19 Dositheus und Sosipater, zwei Offiziere aus dem Stab des Makkabäers, rückten aus und töteten die über zehntausend Mann starke Besatzung, die Timotheus in der Festung zurückgelassen hatte.20 Dann teilte der Makkabäer sein Heer in mehrere Gruppen auf, übertrug jeweils einem seiner Offiziere den Befehl über eine Gruppe und zog in Eilmärschen gegen Timotheus, der über hundertzwanzigtausend Mann an Fußtruppen und zweitausendfünfhundert Reiter verfügte.21 Als Timotheus vom Anmarsch des Judas erfuhr, schickte er Frauen, Kinder und den übrigen Troß in eine Stadt namens Karnajim voraus. Diesen Ort konnte man kaum belagern, da er wegen zahlreicher Engpässe fast unzugänglich war.22 Kaum zeigte sich die erste Abteilung des Judas, da gerieten die Feinde in Furcht und Schrecken, denn der, der alles überschaut, ließ eine Erscheinung sichtbar werden. Sie rannten in wilder Flucht davon, jeder in eine andere Richtung. Dabei fügten sie vielfach einander selbst Schaden zu, ja, sie durchbohrten sich gegenseitig mit den Spitzen ihrer Schwerter.23 Doch Judas setzte ihnen stürmisch nach und erschlug von den Verruchten gegen dreißigtausend Mann.24 Timotheus selbst fiel den Leuten des Dositheus und des Sosipater in die Hände. Er flehte mit schönen, doch falschen Worten, ihn unbehelligt freizulassen; die Eltern und Brüder sehr vieler Juden seien in der Gewalt seiner Leute, und es könne sein, daß man auf sie keine Rücksicht nehme.25 Mit vielen Worten brachte er sie dazu, seinen Versprechungen, er werde diese Menschen unversehrt zurückgeben, zu glauben. Um die Brüder zu retten, ließen sie ihn laufen.26 Darauf zog Judas gegen Karnajim und das Heiligtum der Atargatis und erschlug fünfundzwanzigtausend Menschen.27 Als sie geschlagen und vernichtet waren, rückte Judas vor das stark befestigte Efron, dessen große Einwohnerschaft sich aus vielen Völkern zusammensetzte. Junge und kräftige Männer standen vor den Mauern und wehrten sich tapfer. In der Stadt selbst war eine große Anzahl von Wurfmaschinen mit Geschossen aufgestellt.28 Da riefen die Juden zum Herrn, der den Ansturm der Feinde mit Macht zermalmt; sie brachten die Stadt in ihre Gewalt und töteten in ihr etwa fünfundzwanzigtausend Menschen.29 Dann brachen sie auf und zogen in Eilmärschen von dort nach Skythopolis, das sechshundert Stadien von Jerusalem entfernt liegt.30 Die Juden, die dort wohnten, stellten jedoch den Einwohnern von Skythopolis das Zeugnis aus, sie seien freundlich zu ihnen und hätten ihnen in der bösen Zeit ihr Mitgefühl bewiesen.31 Da bedankten sie sich und forderten sie auf, auch in Zukunft dem jüdischen Volk wohlgesinnt zu bleiben. Darauf begaben sie sich nach Jerusalem, da das Wochenfest unmittelbar bevorstand.32 Nach dem sogenannten Pfingstfest zogen sie in Eilmärschen gegen Gorgias, den Befehlshaber der Idumäer.33 Er rückte mit dreitausend Fußsoldaten und vierhundert Reitern aus.34 Als sie zum Kampf antraten, fielen einige von den Juden.35 Dositheus, ein Reiter von den Leuten Bakenors, ein sehr starker Mann, packte Gorgias fest am Mantel und zog mit allen Kräften an ihm. Aber als er den Verfluchten lebendig gefangennehmen wollte, preschte ein thrakischer Reiter heran und schlug ihm den Arm ab. Gorgias konnte sich nach Marescha flüchten.36 Die Leute Esris kämpften weiter bis zur Erschöpfung. Da rief Judas zum Herrn, er solle als ihr Bundesgenosse und Bahnbrecher im Kampf erscheinen.37 In der Sprache seiner Väter erhob er das Kriegsgeschrei und stimmte Preislieder an, drang unversehens auf die Leute des Gorgias ein und schlug sie in die Flucht.38 Daraufhin führte Judas das Heer in die Stadt Adullam. Als der siebte Tag der Woche anbrach, reinigten sie sich, wie es bei ihnen Brauch war, und begingen dort den Sabbat.39 Am nächsten Tag kamen die Leute des Judas, um die Leichen der Gefallenen zu überführen - es war inzwischen höchste Zeit geworden - und sie inmitten ihrer Angehörigen in den Familiengräbern zu bestatten.40 Da entdeckten sie, daß alle Toten unter ihren Kleidern Amulette der Götter von Jamnia trugen, obwohl das den Juden vom Gesetz her verboten ist. Da wurde allen klar, daß die Männer deswegen gefallen waren,41 und sie priesen nun alle das Wirken des Herrn, des gerechten Richters, der das Verborgene ans Licht bringt.42 Anschließend hielten sie einen Bittgottesdienst ab und beteten, daß die begangene Sünde wieder völlig ausgelöscht werde. Der edle Judas aber ermahnte die Leute, sich von Sünden rein zu halten; sie hätten ja mit eigenen Augen gesehen, welche Folgen das Vergehen der Gefallenen gehabt habe.43 Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung.44 Hätte er nicht erwartet, daß die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.45 Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 13

1 Im Jahr 149 erfuhren die Leute des Judas, daß Antiochus Eupator mit einem großen Heer gegen Judäa marschierte.2 Er wurde begleitet von dem Reichsverweser Lysias, seinem Vormund. Jeder führte ein Heer von hundertzehntausend griechischen Fußsoldaten, fünftausendreihundert Reitern, zweiundzwanzig Elefanten und dreihundert Sichelwagen.3 Ihnen schloß sich auch Menelaus an; er redete heuchlerisch auf den König ein, nicht um das Vaterland zu retten, sondern weil er glaubte, er habe Aussicht, wieder in sein Amt (als Hoherpriester) eingesetzt zu werden.4 Der höchste König über allen Königen aber ließ Antiochus zornig werden auf den Verruchten, und als Lysias andeutete, dieser sei an allem Unglück schuld, befahl er, ihn nach Beröa zu schaffen und dort umzubringen. So ist es Brauch in jener Gegend.5 Es gibt dort nämlich einen fünfzig Ellen hohen Turm, der mit glühender Asche gefüllt ist. In ihm ist eine drehbare Maschine angebracht, die sich nach allen Seiten schräg zur Asche neigt.6 Wer des Tempelraubes schuldig ist oder ein anderes schweres Verbrechen begangen hat, den stoßen dort alle in den Tod.7 Auf diese Weise fand der Gesetzesbrecher Menelaus den Tod. Nicht einmal Erde zum Begräbnis wurde ihm zuteil.8 Damit geschah ihm nur recht; denn er hatte viele Verbrechen gegen den Altar begangen, dessen Feuer und Asche heilig sind. Nun fand er in Asche den Tod.9 Der König aber hatte das Herz eines Barbaren; er begann, den Juden noch weit Schlimmeres in Aussicht zu stellen als das, was zur Zeit seines Vaters geschehen war.10 Judas hörte davon und ließ dem Volk bekanntgeben, man solle Tag und Nacht zum Herrn beten. Wenn je zu einer Zeit, dann müsse er ihnen jetzt helfen. Man wolle ihnen das Gesetz, das Vaterland und den heiligen Tempel rauben.11 Gerade erst habe das Volk ein wenig aufatmen können; Gott möge doch nicht zulassen, daß sie den ruchlosen Heiden in die Hände fielen.12 Drei Tage lang lagen sie ohne Unterbrechung auf den Knien und flehten unter Tränen und Fasten gemeinsam den barmherzigen Herrn an. Judas sprach ihnen Mut zu; dann gab er ihnen den Befehl, sich bereitzuhalten.13 Auf einer geheimen Sitzung der Ältesten ließ er den Beschluß fassen, man solle, bevor der König in Judäa eindringen und die Stadt in seine Gewalt bringen könne, ausrücken und die Sache mit Gottes Hilfe entscheiden.14 Er stellte den Ausgang dem Schöpfer der Welt anheim und feuerte seine Männer an, bis zum Tod tapfer für Gesetze, Heiligtum, Stadt, Vaterland und Verfassung zu kämpfen. Dann schlug er bei Modeïn ein Lager auf.15 Er gab seinen Truppen als Losung die Worte: Gottes Sieg. Mit den besten seiner jungen Krieger, die er eigens ausgewählt hatte, überfiel er nachts das Zelt des Königs, erschlug etwa zweitausend Mann und erstach den Leitelefanten des Königs mitsamt seinem Treiber.16 Als sie schließlich das ganze Lager in Furcht und Verwirrung gebracht hatten, zogen sie sich siegreich wieder zurück.17 Bei Tagesanbruch war alles vorbei; der Herr hatte ihnen mit seiner schützenden Macht beigestanden.18 Nachdem der König diese Kostprobe jüdischer Tapferkeit erhalten hatte, versuchte er, das Land mit Hilfe von List zu besetzen.19 Er rückte gegen die starke jüdische Festung Bet-Zur vor, wurde aber zurückgeschlagen; dann stieß er wieder vor und wurde wieder geschlagen.20 Judas ließ die Besatzung mit allem versorgen, was sie brauchte.21 Ein jüdischer Soldat namens Rhodokus aber verriet den Feinden die militärischen Geheimnisse. Er wurde verhört, festgenommen und eingekerkert.22 Dann verhandelte der König zum zweitenmal mit der Besatzung von Bet-Zur, schloß mit ihnen einen Vertrag und zog ab. Dabei stieß er auf das Heer des Judas und erlitt eine Schlappe.23 Da erfuhr er, daß Philippus in Antiochia abgefallen sei; er hatte ihn dort zurückgelassen, um die Regierungsgeschäfte zu führen. Der König war sehr niedergeschlagen. Er sprach freundlich mit den Juden, gab ihnen nach, sicherte ihnen eidlich die Erfüllung aller gerechten Ansprüche zu, versöhnte sich mit ihnen und brachte ein Opfer dar, ehrte den Tempel und bewies dem Ort sein Wohlwollen.24 Für den Makkabäer gab er einen Empfang. Als Befehlshaber über das ganze Gebiet Ptolemaïs bis zu den Gerrenern ließ er den Hegemonides zurück25 und begab sich dann nach Ptolemaïs. Die Einwohner dieser Stadt waren nämlich über die Verträge sehr verärgert; sie hatten sich heftig beschwert und wollten die Abmachungen rückgängig machen.26 Lysias trat auf die Rednerbühne, gab Rechenschaft, so gut er konnte, überredete, beschwichtigte, stimmte die Leute um und brach dann nach Antiochia auf. So verliefen der Anmarsch und der Abzug des Königs.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 14

1 Drei Jahre später erfuhren die Leute des Judas, daß Demetrius, der Sohn des Seleukus, mit starken Truppen und einer Flotte im Hafen von Tripolis gelandet sei.2 Antiochus und dessen Vormund Lysias habe er aus dem Weg räumen lassen und das Land in seine Gewalt gebracht.3 Damals lebte ein Mensch namens Alkimus; er war früher einmal Hoherpriester gewesen, hatte sich aber schon vor der Zeit der Religionsvermischung freiwillig unrein gemacht. Wie er wohl wußte, hatte er sich dadurch in eine ausweglose Lage gebracht, so daß er nie wieder an den heiligen Altar treten konnte.4 Darum kam er um das Jahr 151 zu König Demetrius und überreichte ihm einen goldenen Kranz mit einem Palmzweig, dazu Ölzweige, wie sie am Heiligtum gebräuchlich sind. An diesem Tag unternahm er weiter nichts.5 Als aber Demetrius ihn vor seinen Rat rufen ließ und ihn fragte, wie die Stimmung unter den Juden sei und welche Pläne sie hätten, ergriff er die Gelegenheit, um sie für sein eigenes wahnwitziges Vorhaben zu nutzen. Er antwortete:6 Es gibt unter den Juden Leute, die sich Hasidäer nennen; sie stehen unter der Führung des Makkabäers Judas. Sie hetzen zu Krieg und Aufruhr und lassen das Reich nicht zur Ruhe kommen.7 Dadurch wurde mir meine ehrenvolle Stellung geraubt, die mir aufgrund meiner Abstammung zukommt, nämlich das Amt des Hohenpriesters. Nun bin ich hierher gekommen,8 einmal weil ich der königlichen Sache aufrichtig ergeben bin, dann aber auch aus Sorge für meine Mitbürger. Denn der Unverstand der eben genannten Leute hat unser ganzes Volk in nicht geringes Elend gestürzt.9 Wenn du, mein König, dir einen genauen Überblick über die Lage verschafft hast, dann sorge für das Land und für unser bedrängtes Volk; du bist ja gegen jedermann freundlich und wohlgesinnt.10 Solange aber Judas noch lebt, kann es im Reich keinen Frieden geben.11 Kaum hatte er das vorgebracht, da hetzten die anderen Vertrauten des Königs, die den Bestrebungen des Judas feindlich gegenüberstanden, Demetrius noch mehr auf.12 Dieser berief sofort Nikanor, dem er das Kommando über die Elefanten gegeben hatte, und setzte ihn zum Befehlshaber über Judäa ein. Er schickte ihn weg13 mit dem schriftlichen Auftrag, Judas zu beseitigen, seine Anhänger zu zerstreuen, Alkimus aber als Hohenpriester über den allerhöchsten Tempel einzusetzen.14 Dem Nikanor schlossen sich in Scharen die Heiden an, die vor Judas aus Judäa geflohen waren; denn sie glaubten, das Unglück und Mißgeschick der Juden werde ihnen Glück bringen.15 Als die Juden vom Anmarsch Nikanors erfuhren und hörten, daß zusammen mit ihm die Heiden anrückten, streuten sie sich Erde auf das Haupt und flehten Gott an, der sein Volk für ewige Zeiten geschaffen hat und sich immer vor aller Welt sichtbar seines Erbteils annimmt.16 Auf Beschluß ihres Anführers brachen sie sofort auf und trafen bei dem Dorf Dessau auf die Feinde.17 Simeon, der Bruder des Judas, war zwar schon mit Nikanor zusammengestoßen und hatte sich langsam zurückziehen müssen, weil sein Gegner ihn völlig unvermutet überrascht hatte.18 Aber Nikanor kam zu Ohren, wie tapfer die Männer des Judas seien und wie mutig sie für ihr Vaterland kämpften; darum wich er der Entscheidung in offener Schlacht aus.19 Er schickte statt dessen Posidonius, Theodotus und Mattatias, um Friedensverhandlungen aufzunehmen.20 Nach langen Überlegungen legte der Anführer den Leuten seine Ansicht dar. Es zeigte sich, daß man einer Meinung war, und so billigte man die Verträge.21 Man verabredete einen Termin, um sich unter Ausschluß der Öffentlichkeit an einem bestimmten Ort zu treffen. Von jeder Seite fuhr ein Wagen vor, und man stellte Stühle auf.22 Auf Anordnung des Judas hielten sich Bewaffnete in günstiger Stellung bereit, damit die Feinde nicht heimtückisch überraschend einen Anschlag verüben konnten. Doch die Unterredung verlief ohne Zwischenfälle.23 Nikanor hielt sich in Jerusalem auf, ohne irgendwelchen Anstoß zu erregen; er entließ die Anhänger, die ihm massenweise zugeströmt waren.24 Auch hatte er Judas ständig um sich und war ihm herzlich zugetan.25 Er redete ihm zu, er solle heiraten und eine Familie gründen. So heiratete Judas, und es ging ihm gut, und er freute sich seines Lebens.26 Dem Alkimus blieb nicht verborgen, daß die beiden einander wohlgesinnt waren. Er verschaffte sich die abgeschlossenen Verträge, begab sich zu Demetrius und hinterbrachte ihm, Nikanor handle dem Staatswohl zuwider: Er habe Judas, den Feind seines Reiches, zum Nachfolger bestimmt.27 Der König war sehr aufgebracht und gereizt durch die Verleumdungen dieses Schurken. Er schrieb an Nikanor, daß er die Verträge für untragbar halte, und befahl ihm, den Makkabäer auf der Stelle gefesselt nach Antiochia zu schaffen.28 Nikanor geriet beim Empfang dieser Nachricht in große Bestürzung. Es war ihm sehr zuwider, die Vereinbarungen zu brechen; denn Judas hatte ja kein Unrecht getan.29 Da er sich aber dem König nicht widersetzen konnte, wartete er auf eine günstige Gelegenheit, um seinen Auftrag mit Hilfe einer List ausführen zu können.30 Doch der Makkabäer merkte, daß Nikanor ihm gegenüber immer abweisender wurde und daß seine gewohnte Freundlichkeit sich abkühlte. Er wußte, daß diese Schroffheit nichts Gutes bedeuten könne. Darum rief er eine Anzahl von seinen Leuten zusammen und versteckte sich mit ihnen vor Nikanor.31 Als Nikanor dahinter kam, daß ihn der Mann geschickt überlistet hatte, begab er sich zum allerhöchsten, heiligen Tempel, gerade als die Priester die vorgeschriebenen Opfer darbrachten, und befahl ihnen, Judas auszuliefern.32 Als diese unter Eid versicherten, sie wüßten nicht, wo sich der Gesuchte zur Zeit aufhalte,33 erhob er die rechte Hand gegen den Tempel und schwor: Wenn ihr mir Judas nicht gefesselt herausgebt, werde ich dieses Gotteshaus dem Erdboden gleichmachen, den Brandopferaltar niederreißen und an seiner Stelle dem Dionysos einen herrlichen Tempel errichten.34 Nach diesen Worten ging er weg. Die Priester erhoben ihre Hände zum Himmel und riefen zu dem, der immer unser Volk beschützt. Sie beteten:35 Herr, du bist auf nichts angewiesen; dennoch hat es dir gefallen, einen Tempel bauen zu lassen, in dem du unter uns wohnst.36 Nun, heiliger Herr, von dem alle Heiligung ausgeht, bewahre dieses Haus, das vor kurzem erst entsühnt wurde, unbefleckt in Ewigkeit.37 Unter den Ältesten der Stadt Jerusalem gab es einen Mann namens Rasi. Er war seinen Mitbürgern freundlich zugetan, stand in hohem Ansehen und hieß wegen seiner Güte Vater der Juden. Dieser Mann wurde bei Nikanor angezeigt.38 Er hatte sich nämlich schon vor der Zeit der Religionsvermischung offen für das Judentum entschieden und sich dafür bis zum äußersten mit Leib und Leben eingesetzt.39 Nikanor beschloß, seine Abneigung gegen die Juden sichtbar zu bekunden, und schickte über fünfhundert Soldaten aus, um ihn verhaften zu lassen.40 Er glaubte nämlich, durch seine Festnahme den Juden einen schweren Schlag zu versetzen.41 Schon waren die Truppen dabei, den Turm zu besetzen; sie versuchten, sich den Eingang durch das Hoftor mit Gewalt zu erzwingen, und riefen nach Feuer, um die Türen in Brand zu setzen. Rasi war von allen Seiten umzingelt. Da stürzte er sich in das Schwert;42 denn er wollte lieber in Ehren sterben als den Verruchten in die Hände fallen und eine schimpfliche Behandlung erfahren, die seiner edlen Herkunft unwürdig war.43 In der Hast aber hatte er sich nicht sofort tödlich getroffen; die Männer stürmten bereits durch die Türen herein. Da lief er mutig hinauf auf die Mauer und stürzte sich entschlossen auf die Menge hinab.44 Weil diese sofort zurückwich, entstand ein freier Raum, und er fiel mitten auf den leeren Platz.45 Doch er lebte immer noch; in höchster Erregung erhob er sich, während das Blut in Strömen aus seinen schrecklichen Wunden schoß, durchbrach im Laufschritt die Menge und stellte sich auf einen steil abfallenden Felsen.46 Fast schon verblutet, riß er sich die Eingeweide aus dem Leib, packte sie mit beiden Händen und schleuderte sie auf die Leute hinunter; dabei rief er den Herrn über Leben und Tod an, er möge sie ihm wiedergeben. So starb er.

Das zweite Buch der Makkabäer Kapitel 15

1 Nikanor erfuhr, daß Judas sich mit seinen Männern in der Gegend von Samaria aufhielt; da beschloß er, sie ohne jede Gefahr am Ruhetag anzugreifen.2 Aber die Juden, die gezwungen waren, ihn zu begleiten, sagten: Bring sie doch nicht um, als seist du ein wildes Tier oder ein Barbar. Halte den Tag in Ehren, der von dem, der die ganze Welt überblickt, in besonderer Weise mit Heiligkeit ausgezeichnet wurde.3 Der dreimal Verfluchte fragte, ob es im Himmel wirklich einen Herrscher gebe, der befohlen habe, den Sabbat zu begehen.4 Sie bekannten: Der lebendige Herr selbst, der Herrscher im Himmel, hat angeordnet, den Sabbat zu halten.5 Da erwiderte er: Und ich bin der Herrscher auf der Erde; ich befehle, die Waffen zu ergreifen und zu tun, was das Staatswohl verlangt. Dennoch gelang es ihm nicht, seinen verbrecherischen Plan auszuführen.6 Nikanor, der in seinem Stolz seinen Kopf hoch trug, hatte beschlossen, öffentlich ein Denkmal seines Sieges über die Männer des Judas zu errichten.7 Der Makkabäer aber hörte nicht auf, sein Vertrauen und all seine Hoffnung auf die Hilfe des Herrn zu setzen.8 Er ermahnte seine Männer, sich vor den anrückenden Heiden nicht zu fürchten. Sie sollten daran denken, wie der Himmel ihnen in der Vergangenheit geholfen habe; auch jetzt dürften sie vom Allherrscher den Sieg erwarten.9 Mit Worten aus dem Gesetz und aus den Propheten flößte er ihnen Mut ein, erinnerte sie auch an die Kämpfe, die sie schon bestanden hatten, und stärkte so ihren Kampfesmut.10 Nachdem er ihre Begeisterung geweckt hatte, spornte er sie noch weiter an, indem er sie daran erinnerte, wie die Heiden die Verträge nicht gehalten und ihre Schwüre gebrochen hatten.11 So wappnete er jeden von ihnen, nicht mit der Sicherheit, die Schild und Lanze verleihen, sondern mit dem Mut, den rechte Worte entfachen. Auch erzählte er ihnen einen überaus glaubwürdigen Traum, der alle sehr erfreute.12 Er hatte folgendes gesehen: Ihm war der frühere Hohepriester Onias erschienen, ein edler und gerechter Mann, bescheiden im Umgang, von gütigem Wesen und besonnen im Reden, von Kindheit an in allem aufs Gute bedacht; dieser breitete seine Hände aus und betete für das ganze jüdische Volk.13 In gleicher Haltung erschien dann ein Mann mit grauem Haar, von herrlicher Gestalt; der Glanz einer wunderbaren, überwältigenden Hoheit ging von ihm aus.14 Onias begann zu reden und sagte: Das ist der Freund seiner Brüder, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet, Jeremia, der Prophet Gottes.15 Dann streckte Jeremia die rechte Hand aus und übergab ihm ein goldenes Schwert; dabei sagte er:16 Nimm das heilige Schwert, das Gott dir schenkt. Mit ihm wirst du die Feinde schlagen.17 Die Worte des Judas gaben ihnen Zuversicht; denn sie waren sehr schön und hatten die Kraft, zur Tapferkeit anzuspornen und die Jugend mit männlichem Mut zu erfüllen. Man beschloß, kein Lager zu beziehen, sondern kühn anzugreifen und mit allem Mut im Kampf Mann gegen Mann die Entscheidung herbeizuführen; denn die Stadt, die Religion und das Heiligtum seien in Gefahr.18 Sie fürchteten weniger um Frauen und Kinder, um Brüder und Verwandte, als um die Heiligkeit des Tempels.19 Die in der Stadt Zurückgebliebenen waren hauptsächlich in Angst wegen des Angriffs draußen auf offenem Feld.20 Alle warteten, daß die Entscheidung falle. Schon hatten die Feinde sich vereinigt, und ihr Heer rückte geordnet vor; die Elefanten wurden aufgestellt, wo es am günstigsten war; die Reiterei verteilte sich auf die Flügel.21 Der Makkabäer sah, wie die Massen der Feinde dastanden, die verschiedenen Waffengattungen, die zur Wildheit gereizten Tiere. Da erhob er seine Hände zum Himmel und rief zum Herrn, der Wunder vollbringt. Denn er wußte, daß es nicht auf die Waffen ankommt, sondern daß denen der Sieg zufällt, die Gott für würdig erachtet.22 Dabei sprach er dieses Gebet: Unser Herrscher, du hast zu Hiskija, dem König von Juda, deinen Engel gesandt, und er erschlug im Heer Sanheribs hundertfünfundachtzigtausend Mann.23 Herrscher im Himmel, sende auch jetzt einen guten Engel vor uns her, damit er Furcht und Schrecken verbreitet.24 Vor deinem gewaltigen Arm sollen alle erschrecken, die lästernd gegen dein heiliges Volk heranziehen. So sprach er.25 Die Truppen Nikanors rückten mit Trompetengeschmetter und Kampfliedern vor.26 Die Leute des Judas dagegen griffen die Feinde unter Beten und Flehen an.27 Mit den Händen kämpften sie, im Herzen beteten sie zu Gott. Mindestens fünfunddreißigtausend Mann streckten sie zu Boden, hocherfreut, daß Gott sich so sichtbar offenbarte.28 Schon war der Kampf beendet, und sie wollten voller Freude aufbrechen, da entdeckten sie Nikanor, der in seiner Rüstung erschlagen dalag.29 Es gab ein großes Geschrei und Getümmel, und sie priesen den Herrn in der Sprache ihrer Väter.30 Judas, der immer mit Leib und Seele für seine Mitbürger gestritten hatte, der von Jugend an seinen Landsleuten herzlich zugetan war, gab den Befehl, ihm den Kopf und eine Hand mitsamt dem Arm abzuschlagen und nach Jerusalem zu bringen.31 Sobald er dort angekommen war, rief er seine Landsleute zusammen und befahl den Priestern, sich vor dem Altar aufzustellen; auch schickte er Boten zu der Besatzung der Burg.32 Dann zeigte er den Kopf des Verbrechers Nikanor und die Hand des Lästerers, die dieser prahlend gegen das heilige Haus des Allherrschers ausgestreckt hatte.33 Die Zunge des ruchlosen Nikanor ließ er herausschneiden, zerstückeln und den Vögeln zum Fraß vorwerfen; den Arm ließ er vor dem Tempel aufhängen als Zeichen des bestraften Wahnsinns.34 Alle priesen den Herrn im Himmel, der seine Macht so sichtbar gezeigt hatte, und riefen: Gepriesen sei der, der seinen Ort vor der Entweihung bewahrt hat.35 Den Kopf Nikanors hängte Judas an die Burg als ein für alle sichtbares und offenkundiges Zeichen der Hilfe des Herrn.36 In einer öffentlichen Abstimmung beschlossen alle einstimmig, diesen Tag nicht ohne Feier vergehen zu lassen, sondern ihm einen besonderen Rang zu verleihen; es ist der dreizehnte Tag des zwölften Monats, der auf aramäisch Adar heißt, der Tag vor dem Mordechai-Tag.37 Das waren die Ereignisse, die mit Nikanor zusammenhingen. Seit jener Zeit blieb die Stadt im Besitz der Hebräer. Darum höre ich hier mit der Erzählung auf.38 Ist sie gut und geschickt erzählt, habe ich mein Ziel erreicht; ist sie aber schlecht oder mittelmäßig - ich habe mein Bestes getan.39 Es ist gleich ungesund, unvermischten Wein oder pures Wasser zu trinken. Wein mit Wasser vermischt hingegen schmeckt vorzüglich. Ähnlich hängt es auch vom Aufbau der Erzählung ab, ob sie den Geist des Lesers erfreut, dem dieses Buch in die Hände kommt. Damit will ich schließen.

Das Buch Ijob

Das Buch Ijob Kapitel 1

1 Im Lande Uz lebte ein Mann mit Namen Ijob. Dieser Mann war untadelig und rechtschaffen; er fürchtete Gott und mied das Böse. 2Sieben Söhne und drei Töchter wurden ihm geboren. 3Er besaß siebentausend Stück Kleinvieh, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Esel, dazu zahlreiches Gesinde. An Ansehen übertraf dieser Mann alle Bewohner des Ostens. 4Reihum hielten seine Söhne ein Gastmahl, ein jeder an seinem Tag in seinem Haus. Dann schickten sie hin und luden auch ihre Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. 5Wenn die Tage des Gastmahls vorbei waren, schickte Ijob hin und entsühnte sie. Früh am Morgen stand er auf und brachte so viele Brandopfer dar, wie er Kinder hatte. Denn Ijob sagte: Vielleicht haben meine Kinder gesündigt und Gott gelästert in ihrem Herzen. So tat Ijob jedes Mal. 6 Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan. 7Der Herr sprach zum Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Die Erde habe ich durchstreift, hin und her. 8Der Herr sprach zum Satan: Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse. 9Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Geschieht es ohne Grund, dass Ijob Gott fürchtet? 10Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt? Das Tun seiner Hände hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im Land. 11Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus und rühr an all das, was sein ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen. 12Der Herr sprach zum Satan: Gut, all sein Besitz ist in deiner Hand, nur gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus! Darauf ging der Satan weg vom Angesicht des Herrn. 13Nun geschah es eines Tages, dass seine Söhne und Töchter im Haus ihres erstgeborenen Bruders aßen und Wein tranken. 14Da kam ein Bote zu Ijob und meldete: Die Rinder waren beim Pflügen und die Esel weideten daneben. 15Da fielen Sabäer ein, nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit scharfem Schwert. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten. 16Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Feuer Gottes fiel vom Himmel, schlug brennend ein in die Schafe und Knechte und verzehrte sie. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten. 17Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Die Chaldäer stellten drei Rotten auf, fielen über die Kamele her, nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit scharfem Schwert. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten. 18Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken Wein im Haus ihres erstgeborenen Bruders. 19Da kam ein gewaltiger Wind über die Wüste und packte das Haus an allen vier Ecken; es stürzte über die jungen Leute und sie starben. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten. 20Nun stand Ijob auf, zerriss sein Gewand, schor sich das Haupt, fiel auf die Erde und betete an. 21Dann sagte er: Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn. 22Bei alldem sündigte Ijob nicht und äußerte nichts Ungehöriges gegen Gott.

Das Buch Ijob Kapitel 2

1 Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan, um vor den Herrn hinzutreten. 2Da sprach der Herr zum Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem Herrn: Die Erde habe ich durchstreift, hin und her. 3Der Herr sprach zum Satan: Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen; er fürchtet Gott und meidet das Böse. Noch immer hält er fest an seiner Frömmigkeit, obwohl du mich gegen ihn aufgereizt hast, ihn ohne Grund zu verderben. 4Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Haut um Haut! Alles, was der Mensch besitzt, gibt er hin für sein Leben. 5Doch streck deine Hand aus und rühr an sein Gebein und Fleisch; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen. 6Da sprach der Herr zum Satan: Gut, er ist in deiner Hand. Nur schone sein Leben! 7Der Satan ging weg vom Angesicht Gottes und schlug Ijob mit bösartigem Geschwür von der Fußsohle bis zum Scheitel. 8Ijob setzte sich mitten in die Asche und nahm eine Scherbe, um sich damit zu schaben. 9Da sagte seine Frau zu ihm: Hältst du immer noch fest an deiner Frömmigkeit? Lästere Gott und stirb! 10Er aber sprach zu ihr: Wie eine Törin redet, so redest du. Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen? Bei all dem sündigte Ijob nicht mit seinen Lippen. 11 Die drei Freunde Ijobs hörten von all dem Bösen, das über ihn gekommen war. Und sie kamen, jeder aus seiner Heimat: Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und Zofar aus Naama. Sie vereinbarten hinzugehen, um ihm ihre Teilnahme zu bezeigen und um ihn zu trösten. 12Als sie von fern aufblickten, erkannten sie ihn nicht; sie schrien auf und weinten. Jeder zerriss sein Gewand; sie streuten Asche über ihr Haupt gegen den Himmel. 13Sie saßen bei ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte; keiner sprach ein Wort zu ihm. Denn sie sahen, dass sein Schmerz sehr groß war.

Das Buch Ijob Kapitel 3

1 Danach tat Ijob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag. 2Ijob ergriff das Wort und sprach: 3Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, die Nacht, die sprach: Ein Mann ist empfangen. 4Jener Tag werde Finsternis, nie frage Gott von oben nach ihm, nicht leuchte über ihm des Tages Licht. 5Einfordern sollen ihn Dunkel und Finsternis, Gewölk über ihn sich lagern, Verfinsterung am Tag mache ihn schrecklich. 6Jene Nacht, das Dunkel raffe sie hinweg, sie reihe sich nicht in die Tage des Jahres, sie füge sich nicht zur Zahl der Monde. 7Ja, diese Nacht sei unfruchtbar, kein Jubel komme auf in ihr. 8 Verwünschen sollen sie die Verflucher der Tage, die es verstehen, den Leviatan zu wecken. 9 Verfinstert seien ihrer Dämmerung Sterne; sie harre auf das Licht, jedoch umsonst; die Wimpern der Morgenröte schaue sie nicht. 10Denn sie hat die Pforten an meiner Mutter Leib nicht verschlossen, nicht das Leid verborgen vor meinen Augen. 11Warum starb ich nicht vom Mutterschoß weg, kam ich aus dem Mutterleib und verschied nicht gleich? 12Weshalb nur kamen Knie mir entgegen, wozu Brüste, dass ich daran trank? 13Still läge ich jetzt und könnte rasten, entschlafen wäre ich und hätte Ruhe 14bei Königen, bei Ratsherren im Land, die Grabkammern für sich erbauten, 15oder bei Fürsten, reich an Gold, die ihre Häuser mit Silber gefüllt. 16Wie die verscharrte Fehlgeburt wäre ich nicht mehr, Kindern gleich, die das Licht nie geschaut. 17Dort hören Frevler auf zu toben, dort ruhen aus, deren Kraft erschöpft ist. 18Auch Gefangene sind frei von Sorgen, hören nicht mehr die Stimme des Treibers. 19Klein und Groß ist dort beisammen, der Sklave ist frei von seinem Herrn. 20Warum schenkt er dem Elenden Licht und Leben denen, die verbittert sind? 21Sie warten auf den Tod, der nicht kommt, sie suchen ihn mehr als verborgene Schätze. 22Sie würden sich freuen über einen Hügel; fänden sie ein Grab, sie würden frohlocken. 23Wozu Licht für den Mann auf verborgenem Weg, den Gott von allen Seiten einschließt? 24Bevor ich noch esse, kommt mir das Seufzen, wie Wasser strömen meine Klagen hin. 25Was mich erschreckte, das kam über mich, wovor mir bangte, das traf mich auch. 26Noch hatte ich nicht Frieden, nicht Rast, nicht Ruhe, fiel neues Ungemach mich an.

Das Buch Ijob Kapitel 4

1 Da antwortete Elifas von Teman und sprach: 2Versucht man ein Wort an dich, ist es dir lästig? Doch die Rede aufzuhalten, wer vermag es? 3Sieh, viele hast du unterwiesen und erschlaffte Hände stark gemacht. 4Dem Strauchelnden halfen deine Worte auf, wankenden Knien gabst du Halt. 5Nun kommt es über dich, da gibst du auf, nun fasst es dich an, da bist du verstört. 6Ist deine Gottesfurcht nicht deine Zuversicht, dein lauterer Lebensweg nicht deine Hoffnung? 7Bedenk doch! Wer geht ohne Schuld zugrunde? Wo werden Redliche im Stich gelassen? 8Wohin ich schaue: Wer Unrecht pflügt, wer Unheil sät, der erntet es auch. 9Durch Gottes Atem gehen sie zugrunde, sie schwinden hin im Hauch seines Zornes. 10Des Löwen Brüllen, des Leuen Knurren, des Junglöwen Zähne werden enttäuscht. 11Der Löwe verendet aus Mangel an Beute, die Jungen der Löwin zerstreuen sich. 12 Zu mir hat sich ein Wort gestohlen, geflüstert hat es mein Ohr erreicht. 13Im Grübeln und bei Nachtgesichten, wenn tiefer Schlaf die Menschen überfällt,14kam Furcht und Zittern über mich und ließ erschaudern alle meine Glieder. 15Ein Geist schwebt an meinem Gesicht vorüber, die Haare meines Leibes sträuben sich. 16Er steht, ich kann sein Aussehen nicht erkennen, eine Gestalt nur vor meinen Augen, ich höre eine Stimme flüstern: 17Ist wohl ein Mensch vor Gott gerecht, ein Mann vor seinem Schöpfer rein? 18Selbst seinen Dienern traut er nicht, zeiht seine Engel noch des Irrtums. 19Wie erst jene, die im Lehmhaus wohnen, die auf den Staub gegründet sind; schneller als eine Motte werden sie zerdrückt. 20Vom Morgen bis zum Abend werden sie zerschlagen, für immer gehen sie zugrunde, unbeachtet. 21Wird nicht das Zelt über ihnen abgebrochen, sodass sie sterben ohne Einsicht?

Das Buch Ijob Kapitel 5

1Ruf doch! Ist einer, der dir Antwort gibt? An wen von den Heiligen willst du dich wenden? 2Den Toren bringt der Ärger um, Leidenschaft tötet den Narren. 3Wohl sah ich einen Toren Wurzel fassen, doch plötzlich musste ich seine Wohnstatt verwünschen. 4Weit weg vom Heil sind seine Kinder, werden zertreten im Tor, sind ohne Helfer. 5Seine Ernte verzehrt der Hungernde, selbst aus Dornen holt er sie heraus, Durstige lechzen nach seinem Gut. 6Denn nicht aus dem Staub geht Unheil hervor, nicht aus dem Ackerboden sprosst die Mühsal, 7sondern der Mensch ist zur Mühsal geboren, wie Feuerfunken, die hochfliegen. 8Ich aber, ich würde Gott befragen und Gott meine Sache vorlegen, 9der Großes und Unergründliches tut, Wunder, die niemand zählen kann. 10Er spendet Regen über die Erde hin und sendet Wasser auf die weiten Fluren, 11um Niedere hoch zu erheben, damit Trauernde glücklich werden. 12Er zerbricht die Ränke der Listigen, damit ihre Hände nichts Rechtes vollbringen. 13Weise fängt er in ihrer List, damit der Schlauen Plan sich überstürzt. 14Am hellen Tag stoßen sie auf Finsternis, am Mittag tappen sie umher wie in der Nacht. 15Er rettet vor dem Schwert ihres Mundes, aus der Hand des Starken den Armen. 16Hoffnung wird den Geringen zuteil, die Bosheit muss ihr Maul verschließen. 17Ja, wohl dem Mann, den Gott zurechtweist. Die Zucht des Allmächtigen verschmähe nicht! 18Denn er verwundet und er verbindet, er schlägt, doch seine Hände heilen auch. 19In sechs Drangsalen wird er dich retten, in sieben rührt kein Leid dich an. 20In Hungerzeiten rettet er dich vom Tod, im Krieg aus der Gewalt des Schwertes. 21Du bist geborgen vor der Geißel der Zunge, brauchst nicht zu bangen, dass Verwüstung kommt. 22Über Verwüstung und Hunger kannst du lachen, von wilden Tieren hast du nichts zu fürchten. 23Mit den Steinen des Feldes bist du verbündet, die Tiere des Feldes werden Frieden mit dir halten. 24Du wirst erfahren, dass dein Zelt in Frieden bleibt; prüfst du dein Heim, so fehlt dir nichts. 25Du wirst erfahren, dass deine Nachkommen zahlreich sind, deine Sprösslinge wie das Gras der Erde. 26Bei voller Kraft steigst du ins Grab, wie man Garben einbringt zu ihrer Zeit. 27Ja, das haben wir erforscht, so ist es. Wir haben es gehört. Nimm auch du es an!

Das Buch Ijob Kapitel 6

1 Da antwortete Ijob und sprach: 2 Ach, würde doch mein Gram gewogen, legte man auf die Waage auch mein Leid! 3Denn nun ist es schwerer als der Sand des Meeres, darum reden meine Worte irr. 4Die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist hat ihr Gift getrunken, Gottes Schrecken stellen sich gegen mich. 5Schreit denn der Wildesel beim Gras oder brüllt der Stier bei seinem Futter? 6Isst man denn ungesalzene Speise? Wer hat Geschmack an fadem Schleim? 7Ich sträube mich, daran zu rühren, das alles ist mir wie verdorbenes Brot. 8Käme doch, was ich begehre, und gäbe Gott, was ich erhoffe. 9Und wollte Gott mich doch zermalmen, seine Hand erheben, um mich abzuschneiden. 10Das wäre noch ein Trost für mich; ich hüpfte auf im Leid, mit dem er mich nicht schont. Denn ich habe die Worte des Heiligen nicht verleugnet. 11Was ist meine Kraft, dass ich aushalten könnte, wann kommt mein Ende, dass ich mich gedulde? 12Ist meine Kraft denn Felsenkraft, ist mein Fleisch denn aus Erz? 13Gibt es keine Hilfe mehr für mich, ist mir jede Rettung entschwunden? 14Des Freundes Liebe gehört dem Verzagten, auch wenn er den Allmächtigen nicht mehr fürchtet. 15Meine Brüder sind trügerisch wie ein Bach, wie Wasserläufe, die verrinnen; 16trüb sind sie vom Eis, wenn über ihnen der Schnee schmilzt. 17Zur Zeit der Hitze versiegen sie; wenn es heiß wird, verdunsten sie in ihrem Bett. 18 Karawanen biegen ab vom Weg, folgen ihnen in die Wüste und kommen um.19 Nach ihnen spähen Karawanen aus Tema, auf sie vertrauen Handelszüge aus Saba. 20In ihrer Hoffnung werden sie betrogen, kommen hin und sind enttäuscht. 21So seid ihr jetzt ein Nein geworden: Ihr schaut das Entsetzliche und schaudert. 22Habe ich denn gesagt: Gebt mir etwas, von eurem Vermögen zahlt für mich? 23Rettet mich aus dem Griff des Bedrängers, kauft mich los aus der Hand der Tyrannen! 24Belehrt mich, so werde ich schweigen; worin ich fehlte, macht mir klar! 25Wie wurden redliche Worte verhöhnt, was kann euer Tadel rügen? 26Gedenkt ihr, Worte zu tadeln? Spricht der Verzweifelte in den Wind? 27Selbst um ein Waisenkind würdet ihr würfeln, sogar euren Freund verschachern. 28Habt endlich die Güte, wendet euch mir zu, ich lüge euch nicht ins Gesicht. 29Kehrt um, kein Unrecht soll geschehen, kehrt um, noch bin ich im Recht. 30Ist denn Unrecht auf meiner Zunge oder schmeckt mein Gaumen das Schlechte nicht?

Das Buch Ijob Kapitel 7

1 Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? 2Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet. 3So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. 4Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. 5Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, meine Haut schrumpft und eitert. 6Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin. 7Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist. Nie mehr schaut mein Auge Glück. 8Kein Auge gewahrt mich, das nach mir sieht, suchen mich deine Augen, dann bin ich nicht mehr da. 9Die Wolke schwindet, vergeht, so steigt nie mehr auf, wer zur Unterwelt fuhr. 10Nie kehrt er zurück in sein Haus, nie mehr erblickt ihn sein Ort. 11So wehre ich nicht meinem Mund, mit bedrängtem Geist will ich reden, mit betrübter Seele will ich klagen. 12Bin ich das Meer, der Meeresdrache, dass du gegen mich eine Wache stellst? 13Sagte ich: Mein Lager soll mich trösten, mein Bett trage das Leid mit mir!, 14so quältest du mich mit Träumen und mit Gesichten jagtest du mich in Angst. 15Erwürgt zu werden, zöge ich vor, den Tod diesem Totengerippe. 16Ich mag nicht mehr. Ich will nicht ewig leben. Lass ab von mir; denn nur ein Hauch sind meine Tage. 17Was ist der Mensch, dass du groß ihn achtest und deinen Sinn auf ihn richtest, 18dass du ihn musterst jeden Morgen und jeden Augenblick ihn prüfst? 19Wie lange schon schaust du nicht weg von mir, lässt mich nicht los, sodass ich den Speichel schlucke? 20Hab ich gefehlt? Was tat ich dir, du Menschenwächter? Warum stellst du mich vor dich als Zielscheibe hin? Bin ich dir denn zur Last geworden? 21Warum nimmst du mein Vergehen nicht weg, lässt du meine Schuld nicht nach? Dann könnte ich im Staub mich betten; suchtest du mich, wäre ich nicht mehr da.

Das Buch Ijob Kapitel 8

1 Da antwortete Bildad von Schuach und sprach: 2Wie lange noch willst du derlei reden? Nur heftiger Wind sind die Worte deines Mundes. 3Beugt etwa Gott das Recht oder beugt der Allmächtige die Gerechtigkeit? 4Haben deine Kinder gefehlt gegen ihn, gab er sie der Gewalt ihres Frevels preis. 5Wenn du mit Eifer Gott suchst, an den Allmächtigen dich flehend wendest, 6wenn du rein bist und recht, dann wird er über dich wachen, dein Heim herstellen, wie es dir zusteht. 7Und war dein Anfang auch gering, dein Ende wird gewaltig groß. 8Ja, frag nur das frühere Geschlecht und merk dir, was die Väter erforschten. 9Wir sind von gestern nur und wissen nichts, wie Schatten sind auf Erden unsre Tage. 10Unterweisen sie dich nicht, sprechen sie nicht zu dir, geben sie dir nicht Worte aus ihrem Herzen: 11Wächst ohne Sumpf das Schilfrohr hoch, wird Riedgras ohne Wasser groß? 12In Blüte und noch nicht gemäht, verwelkt es schon vor allem Gras. 13So enden alle, die Gott vergessen, des Ruchlosen Hoffen wird zunichte. 14 Ein Spinngewebe ist seine Zuversicht, ein Spinnennetz sein Verlass. 15Stützt er sich auf sein Haus, es hält nicht stand, klammert er sich daran, es bleibt nicht stehen. 16Er steht im Saft vor der Sonne, seine Zweige überwuchern den Garten, 17im Geröll verflechten sich seine Wurzeln, zwischen Steinen halten sie sich fest. 18Doch Gott tilgt ihn aus an seiner Stätte, sie leugnet ihn: Nie habe ich dich gesehen. 19Siehe, das ist die Freude seines Weges und ein anderer sprießt aus dem Staub. 20Ja, Gott verschmäht den Schuldlosen nicht, die Hand der Boshaften aber hält er nicht fest. 21Mit Lachen wird er deinen Mund noch füllen, deine Lippen mit Jubel. 22Deine Hasser werden sich kleiden in Schmach, das Zelt der Frevler besteht nicht mehr.

Das Buch Ijob Kapitel 9

1 Da antwortete Ijob und sprach: 2Wahrhaftig weiß ich, dass es so ist: Wie wäre ein Mensch bei Gott im Recht! 3Wenn er mit ihm rechten wollte, nicht auf eins von tausend könnt er ihm Rede stehen. 4Weisen Sinnes und stark an Macht - wer böte ihm Trotz und bliebe heil? 5Er versetzt Berge; sie merken es nicht, dass er in seinem Zorn sie umstürzt. 6Er erschüttert die Erde an ihrem Ort, sodass ihre Säulen erzittern. 7Er spricht zur Sonne, sodass sie nicht strahlt, er versiegelt die Sterne. 8Er spannt allein den Himmel aus und schreitet einher auf den Höhen des Meeres. 9Er schuf das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens. 10Er schuf so Großes, es ist nicht zu erforschen, Wunderdinge, sie sind nicht zu zählen. 11Zieht er an mir vorüber, ich seh ihn nicht, fährt er daher, ich merk ihn nicht. 12Rafft er hinweg, wer hält ihn zurück? Wer darf zu ihm sagen: Was tust du da? 13Gott hält seinen Zorn nicht zurück, unter ihm mussten selbst Rahabs Helfer sich beugen. 14Wie sollte denn ich ihm entgegnen, wie meine Worte gegen ihn wählen? 15Und wär ich im Recht, ich könnte nichts entgegnen, um Gnade müsste ich bei meinem Richter flehen. 16Wollte ich rufen, würde er mir Antwort geben? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört. 17Er, der im Sturm mich niedertritt, ohne Grund meine Wunden mehrt, 18er lässt mich nicht zu Atem kommen, er sättigt mich mit Bitternis. 19Geht es um Kraft, er ist der Starke, geht es um Recht, wer lädt mich vor? 20Wär ich im Recht, mein eigener Mund spräche mich schuldig, wäre ich gerade, er machte mich krumm. 21Schuldlos bin ich, doch achte ich nicht auf mich, mein Leben werfe ich hin. 22Einerlei; so sag ich es denn: Schuldlos wie schuldig bringt er um. 23Wenn die Geißel plötzlich tötet, spottet er über der Schuldlosen Angst. 24Die Erde ist in Frevlerhand gegeben, das Gesicht ihrer Richter deckt er zu. Ist er es nicht, wer ist es dann? 25Schneller als ein Läufer eilen meine Tage, sie fliehen dahin und schauen kein Glück. 26Sie gleiten vorbei wie Kähne aus Schilf, dem Adler gleich, der auf Beute stößt. 27Sage ich: Ich will meine Klage vergessen, meine Miene ändern und heiter blicken!, 28so graut mir vor all meinen Schmerzen; ich weiß, du sprichst mich nicht frei. 29Ich muss nun einmal schuldig sein, wozu müh ich mich umsonst? 30Wollte ich auch mit Schnee mich waschen, meine Hände mit Lauge reinigen, 31du würdest mich doch in die Grube tauchen, sodass meinen Kleidern vor mir ekelt. 32Denn du bist kein Mensch wie ich, dem ich entgegnen könnte: Lasst uns zusammen zum Gericht gehen! 33Gäbe es doch einen Schiedsmann zwischen uns! Er soll seine Hand auf uns beide legen. 34Er nehme von mir seine Rute, sein Schrecken soll mich weiter nicht ängstigen; 35dann will ich reden, ohne ihn zu fürchten. Doch so ist es nicht um mich bestellt.

Das Buch Ijob Kapitel 10

1 Zum Ekel ist mein Leben mir geworden, ich lasse meiner Klage freien Lauf, reden will ich in meiner Seele Bitternis. 2Ich sage zu Gott: Sprich mich nicht schuldig, lass mich wissen, warum du mich befehdest. 3Nützt es dir, dass du Gewalt verübst, dass du das Werk deiner Hände verwirfst, doch über dem Plan der Frevler aufstrahlst? 4Hast du die Augen eines Sterblichen, siehst du, wie Menschen sehen? 5Sind Menschentagen deine Tage gleich und deine Jahre wie des Mannes Tage, 6dass du Schuld an mir suchst, nach meiner Sünde fahndest, 7obwohl du weißt, dass ich nicht schuldig bin und keiner mich deiner Hand entreißt? 8Deine Hände haben mich gebildet, mich gemacht; dann hast du dich umgedreht und mich vernichtet. 9Denk daran, dass du wie Ton mich geschaffen hast. Zum Staub willst du mich zurückkehren lassen. 10Hast du mich nicht ausgegossen wie Milch, wie Käse mich gerinnen lassen? 11Mit Haut und Fleisch hast du mich umkleidet, mit Knochen und Sehnen mich durchflochten. 12Leben und Huld hast du mir verliehen, deine Obhut schützte meinen Geist. 13Doch verbirgst du dies in deinem Herzen; ich weiß, das hattest du im Sinn. 14Sündige ich, wirst du mich bewachen, mich nicht freisprechen von meiner Schuld. 15Wenn ich schuldig werde, dann wehe mir! Bin ich aber im Recht, darf ich das Haupt nicht erheben, bin gesättigt mit Schmach und geplagt mit Kummer. 16Erhebe ich es doch, jagst du mich wie ein Löwe und verhältst dich wieder wunderbar gegen mich. 17Neue Zeugen stellst du gegen mich, häufst deinen Unwillen gegen mich, immer neue Heere führst du gegen mich. 18Warum ließest du mich aus dem Mutterschoß kommen, warum verschied ich nicht, ehe mich ein Auge sah? 19Wie nie gewesen wäre ich dann, vom Mutterleib zum Grab getragen. 20Sind wenig nicht die Tage meines Lebens? Lass ab von mir, damit ich ein wenig heiter blicken kann, 21bevor ich fortgehe ohne Wiederkehr ins Land des Dunkels und des Todesschattens, 22ins Land, so finster wie die Nacht, wo Todesschatten herrscht und keine Ordnung, und wenn es leuchtet, ist es wie tiefe Nacht.

Das Buch Ijob Kapitel 11

1 Da antwortete Zofar von Naama und sprach: 2Soll dieser Wortschwall ohne Antwort bleiben und soll der Maulheld Recht behalten? 3Dein Geschwätz lässt Männer schweigen, du darfst spotten, ohne dass einer dich beschämt. 4Du sagtest: Rein ist meine Lehre und lauter war ich stets in deinen Augen. 5 O, dass Gott doch selber spräche, seine Lippen öffnete gegen dich. 6Er würde dich der Weisheit Tiefen lehren, dass sie wie Wunder sind für den klugen Verstand. Wisse, dass Gott dich zur Rechenschaft zieht in deiner Schuld. 7 Die Tiefen Gottes willst du finden, bis zur Vollkommenheit des Allmächtigen vordringen? 8Höher als der Himmel ist sie, was machst du da? Tiefer als die Unterwelt, was kannst du wissen? 9Länger als die Erde ist ihr Maß, breiter ist sie als das Meer. 10Wenn er daherfährt und gefangen nimmt, wenn er zusammentreibt, wer hält ihn ab? 11Denn er kennt die falschen Leute, sieht das Unrecht und nimmt es wahr. 12Kommt denn ein Hohlkopf zur Besinnung, wird ein Wildesel als ein Mensch geboren? 13Wenn du selbst dein Herz in Ordnung bringst und deine Hände zu ihm ausbreitest - 14wenn Unrecht klebt an deiner Hand, entfern es und lass nicht Schlechtigkeit in deinem Zelte wohnen! -, 15dann kannst du makellos deine Augen erheben, fest stehst du da und brauchst dich nicht zu fürchten. 16Dann wirst du auch das Ungemach vergessen, du denkst daran wie an Wasser, das verlief. 17Heller als der Mittag erhebt sich dann dein Leben, die Dunkelheit wird wie der Morgen sein. 18Du fühlst dich sicher, weil noch Hoffnung ist; geborgen bist du, du kannst in Ruhe schlafen. 19Du kannst dich lagern, ohne dass jemand dich schreckt, und viele mühen sich um deine Gunst. 20Doch der Frevler Augen verschmachten, jede Zuflucht schwindet ihnen; ihr Hoffen ist, das Leben auszuhauchen.

Das Buch Ijob Kapitel 12

1 Da antwortete Ijob und sprach: 2 Wahrhaftig, ihr seid besondere Leute und mit euch stirbt die Weisheit aus. 3Ich habe auch Verstand wie ihr, ich falle nicht ab im Vergleich mit euch. Wer wüsste wohl dergleichen nicht? 4Zum Spott für die eigenen Freunde soll ich sein, ich, der Gott anruft, dass er mich hört, ein Spott der Fromme, der Gerechte. 5Dem Unglück Hohn! So denkt, wer ohne Sorge ist, wer fest sich weiß, wenn Füße wanken. 6In Ruhe sind der Gewaltmenschen Zelte, voll Sicherheit sind sie, die Gott erzürnen, die wähnen, Gott mit ihrer Hand zu greifen. 7Doch frag nur die Tiere, sie lehren es dich, die Vögel des Himmels, sie künden es dir. 8Rede zur Erde, sie wird dich lehren, die Fische des Meeres erzählen es dir. 9Wer wüsste nicht bei alledem, dass die Hand des Herrn dies gemacht hat? 10In seiner Hand ruht die Seele allen Lebens und jeden Menschenleibes Geist. 11Darf nicht das Ohr die Worte prüfen, wie mit dem Gaumen man die Speisen schmeckt? 12Findet sich bei Greisen wirklich Weisheit und ist langes Leben schon Einsicht? 13Bei ihm allein ist Weisheit und Heldenkraft, bei ihm sind Rat und Einsicht. 14Wenn er einreißt, baut keiner wieder auf; wen er einschließt, dem wird nicht mehr geöffnet. 15Wenn er die Wasser dämmt, versiegen sie, lässt er sie frei, zerwühlen sie das Land. 16Bei ihm ist Macht und Klugheit, sein ist, wer irrt und wer irreführt. 17Er lässt Ratsherren barfuß gehen, Richter macht er zu Toren. 18Fesseln von Königen löst er auf und bindet einen Gurt um ihre Hüften. 19 Er lässt Priester barfuß gehen, alte Geschlechter bringt er zu Fall. 20Das Wort entzieht er den Bewährten, den Ältesten nimmt er die Urteilskraft. 21Verachtung gießt er auf die Edlen, den Starken lockert er den Gurt. 22Verborgenes enthüllt er aus dem Dunkel, Finsternis führt er ans Licht. 23Völker lässt er wachsen und tilgt sie aus; er breitet Völker aus und rafft sie dann hinweg. 24Den Häuptern des Landes nimmt er den Verstand, lässt sie irren in wegloser Wüste. 25Sie tappen umher im Dunkel ohne Licht, er lässt sie irren wie Trunkene.

Das Buch Ijob Kapitel 13

1 Seht, all das hat mein Auge gesehen, mein Ohr gehört und wohl gemerkt. 2Was ihr wisst, weiß ich auch; ich falle nicht ab im Vergleich mit euch. 3Doch ich will zum Allmächtigen reden, mit Gott zu rechten ist mein Wunsch. 4Ihr aber seid nur Lügentüncher, untaugliche Ärzte alle. 5Dass ihr endlich schweigen wolltet; das würde Weisheit für euch sein. 6Hört doch meinen Rechtsbeweis, merkt auf die Streitreden meiner Lippen! 7Wollt ihr für Gott Verkehrtes reden und seinetwegen Lügen sprechen? 8Wollt ihr für ihn Partei ergreifen, für Gott den Rechtsstreit führen? 9Ginge es gut, wenn er euch durchforschte, könnt ihr ihn täuschen, wie man Menschen täuscht? 10In harte Zucht wird er euch nehmen, wenn ihr heimlich Partei ergreift. 11Wird seine Hoheit euch nicht schrecken, nicht Schrecken vor ihm euch überfallen? 12Eure Merksätze sind Sprüche aus Staub, eure Schilde Schilde aus Lehm. 13Schweigt vor mir, damit ich reden kann. Dann komme auf mich, was mag. 14Meinen Leib nehme ich zwischen die Zähne, in meine Hand leg ich mein Leben. 15Er mag mich töten, ich harre auf ihn; doch meine Wege verteidige ich vor ihm. 16Schon das wird mir zum Heile dienen, kein Ruchloser kommt ja vor sein Angesicht. 17Hört nun genau auf meine Rede, was ich erkläre vor euren Ohren. 18Seht, ich bringe den Rechtsfall vor; ich weiß, ich bin im Recht. 19Wer ist es, der mit mir streitet? Gut, dann will ich schweigen und verscheiden. 20Zwei Dinge nur tu mir nicht an, dann verberge ich mich nicht vor dir: 21Zieh deine Hand von mir zurück; nicht soll die Angst vor dir mich schrecken.22Dann rufe und ich will Rede stehen oder ich rede und du antworte mir! 23Wie viel habe ich an Sünden und Vergehen? Meine Schuld und mein Vergehen sag mir an! 24Warum verbirgst du dein Angesicht und siehst mich an als deinen Feind? 25Verwehtes Laub willst du noch scheuchen, dürre Spreu noch forttreiben? 26Denn Bitterkeit verschreibst du mir, teilst mir die Sünden meiner Jugend zu. 27In den Block legst du meine Füße, du überwachst auch alle meine Pfade und zeichnest einen Strich um meiner Füße Sohlen. 28Er selbst zerfällt wie Verfaultes, dem Kleide gleich, das die Motte fraß.

Das Buch Ijob Kapitel 14

1 Der Mensch, vom Weib geboren, knapp an Tagen, unruhvoll, 2er geht wie die Blume auf und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht bestehen. 3Doch über ihm hältst du dein Auge offen und ihn bringst du ins Gericht mit dir. 4Kann denn ein Reiner von Unreinem kommen? Nicht ein Einziger. 5Wenn seine Tage fest bestimmt sind und die Zahl seiner Monde bei dir, wenn du gesetzt hast seine Grenzen, sodass er sie nicht überschreitet, 6schau weg von ihm! Lass ab, damit er seines Tags sich freue wie ein Tagelöhner.7Denn für den Baum besteht noch Hoffnung, ist er gefällt, so treibt er wieder, sein Sprössling bleibt nicht aus. 8Wenn in der Erde seine Wurzel altert und sein Stumpf im Boden stirbt, 9vom Dunst des Wassers sprosst er wieder und wie ein Setzling treibt er Zweige. 10Doch stirbt ein Mann, so bleibt er kraftlos, verscheidet ein Mensch, wo ist er dann? 11Die Wasser schwinden aus dem Meer, der Strom vertrocknet und versiegt. 12So legt der Mensch sich hin, steht nie mehr auf; die Himmel werden vergehen, eh er erwacht, eh er aus seinem Schlaf geweckt wird. 13Dass du mich in der Unterwelt verstecktest, mich bergen wolltest, bis dein Zorn sich wendet, ein Ziel mir setztest und dann an mich dächtest! 14Wenn einer stirbt, lebt er dann wieder auf? Alle Tage meines Kriegsdienstes harrte ich, bis einer käme, um mich abzulösen. 15Du riefest und ich gäbe Antwort, du sehntest dich nach deiner Hände Werk. 16Dann würdest du meine Schritte zählen, auf meinen Fehltritt nicht mehr achten. 17Versiegelt im Beutel wäre mein Vergehen, du würdest meinen Frevel übertünchen. 18Jedoch der Berg, der fällt, zergeht, von seiner Stätte rückt der Fels. 19Das Wasser zerreibt Steine, Platzregen spült das Erdreich fort; so machst du das Hoffen des Menschen zunichte. 20Du bezwingst ihn für immer, so geht er dahin, du entstellst sein Gesicht und schickst ihn fort. 21Sind seine Kinder in Ehren, er weiß es nicht; sind sie verachtet, er merkt es nicht. 22Sein Leib fühlt nur die eigenen Schmerzen, seine Seele trauert nur um sich selbst.

Das Buch Ijob Kapitel 15

1 Da antwortete Elifas von Teman und sprach: 2Gibt ein Weiser windige Kunde zur Antwort, füllt er sein Inneres mit Ostwind an, 3 um zu rechten mit Gerede, das nichts taugt, mit Worten, in denen kein Nutzen liegt? 4 Du brichst sogar die Gottesfurcht, zerstörst das Besinnen vor Gott. 5Denn deine Schuld belehrt deinen Mund, die Sprache der Listigen hast du gewählt. 6Dein eigener Mund verurteilt dich, nicht ich, deine Lippen zeugen gegen dich. 7Bist du als erster Mensch geboren, kamst du zur Welt noch vor den Hügeln? 8Hast du gelauscht im Rate Gottes und die Weisheit an dich gerissen? 9Was weißt du, das wir nicht wissen, verstehst du, was uns nicht bekannt ist? 10Auch unter uns sind Alte, sind Ergraute, die älter sind an Tagen als dein Vater. 11Ist zu gering dir Gottes Tröstung, ein Wort, das sanft mit dir verfährt? 12Wie reißt doch dein Herz dich fort, wie überheben sich deine Augen, 13dass gegen Gott deinen Zorn du wendest und Worte (gegen ihn) aus deinem Mund stößt? 14Was ist der Mensch, dass rein er wäre, der vom Weib Geborene, dass er im Recht sein könnte? 15Sieh doch, selbst seinen Heiligen traut er nicht und der Himmel ist nicht rein vor ihm. 16Geschweige denn ein Unreiner und Verderbter, ein Mensch, der Verkehrtes trinkt wie Wasser. 17Verkünden will ich dir, hör mir zu! Was ich geschaut, will ich erzählen,18 was Weise zu berichten wissen, was ihre Väter ihnen nicht verhehlten. 19Ihnen allein war das Land gegeben, kein Fremder ging unter ihnen einher. 20Der Frevler bebt in Ängsten all seine Tage, die Zahl der Jahre ist dem Tyrannen verborgen. 21In seinen Ohren hallen Schreckensrufe, mitten im Frieden kommt der Verwüster über ihn. 22Er kann nicht hoffen, dem Dunkel zu entfliehen, aufgespart ist er für das Schwert. 23Er irrt umher nach Brot, wo (er es finde), er weiß, dass ihn ein schwarzer Tag bedroht. 24Not und Drangsal erschrecken ihn, sie packen ihn wie ein kampfbereiter König. 25Denn gegen Gott erhebt er seine Hand, gegen den Allmächtigen erkühnt er sich. 26Halsstarrig rennt er gegen ihn an mit den dicken Buckeln seiner Schilde. 27Mit Fett bedeckt er sein Gesicht, tut Fett um seine Hüfte. 28Er wohnt in zerstörten Städten, in Häusern, darin niemand wohnt, die man zu Trümmerstätten bestimmt. 29Er wird nicht reich; sein Besitz hat nicht Bestand; zur Erde neigt sich seine Ähre nicht. 30Der Finsternis entrinnt er nicht, die Flammenglut dörrt seinen Schößling aus, er schwindet dahin beim Hauch seines Mundes. 31Er baue nicht auf eitlen Trug; denn sein Erwerb wird nur Enttäuschung sein. 32Bevor sein Tag kommt, welkt er hin und sein Palmzweig grünt nicht mehr. 33Er stößt ihn ab wie der Weinstock saure Trauben, wie der Ölbaum wirft er seine Blüten fort. 34Unfruchtbar ist der Ruchlosen Rotte und Feuer verzehrt die Zelte der Bestechung. 35Von Mühsal schwanger, gebären sie nur Unheil; nur Trug ist, was ihr Schoß hervorbringt.

Das Buch Ijob Kapitel 16

1 Da antwortete Ijob und sprach: 2 Ähnliches habe ich schon viel gehört; leidige Tröster seid ihr alle. 3Sind nun zu Ende die windigen Worte, oder was sonst reizt dich zum Widerspruch? 4Auch ich könnte reden wie ihr, wenn ihr an meiner Stelle wäret, schöne Worte über euch machen und meinen Kopf über euch schütteln. 5Ich könnte euch stärken mit meinem Mund, nicht sparen das Beileid meiner Lippen. 6Rede ich, hört doch mein Schmerz nicht auf; schweige ich, so weicht er nicht vor mir. 7Jetzt aber hat er mich erschöpft. Den Kreis der Freunde hast du mir verstört 8und mich gepackt. Mein Verfall erhebt sich und tritt als Zeuge gegen mich auf; er widerspricht mir ins Gesicht. 9Sein Zorn zerreißt, befehdet mich, knirscht gegen mich mit den Zähnen, mein Gegner schärft die Augen gegen mich. 10Sie sperren ihr Maul gegen mich auf, schlagen voll Hohn mich auf die Wangen, scharen sich gegen mich zusammen. 11Gott gibt mich dem Bösen preis, in die Hand der Frevler stößt er mich. 12In Ruhe lebte ich, da hat er mich erschüttert, mich im Nacken gepackt, mich zerschmettert, mich als Zielscheibe für sich aufgestellt. 13 Seine Pfeile umschwirren mich, schonungslos durchbohrt er mir die Nieren, schüttet meine Galle zur Erde. 14Bresche über Bresche bricht er mir, stürmt wie ein Krieger gegen mich an. 15Ein Trauergewand hab ich meiner Haut genäht, mein Horn in den Staub gesenkt. 16Mein Gesicht ist vom Weinen rot und Dunkel liegt auf meinen Wimpern. 17Doch kein Unrecht klebt an meinen Händen und mein Gebet ist lauter. 18 O Erde, deck mein Blut nicht zu und ohne Ruhstatt sei mein Hilfeschrei! 19Nun aber, seht, im Himmel ist mein Zeuge, mein Bürge in den Höhen. 20Da meine Freunde mich verspotten, tränt zu Gott hin mein Auge. 21Recht schaffe er dem Mann bei Gott und zwischen Mensch und Mensch. 22Denn nur noch wenig Jahre werden kommen, dann muss ich den Pfad beschreiten, auf dem man nicht wiederkehrt.

Das Buch Ijob Kapitel 17

1 Mein Geist ist verwirrt, meine Tage sind ausgelöscht, nur Gräber bleiben mir. 2Wahrhaftig, nur Spott begleitet mich. In Bitterkeit verbringt mein Auge die Nacht. 3Hinterleg die Bürgschaft für mich bei dir! Wer würde sonst den Handschlag für mich leisten? 4Ihr Herz hast du der Einsicht verschlossen, darum lässt du sie nicht triumphieren. 5 Zum Teilen lädt einer die Freunde ein, während die Augen seiner Kinder verschmachten. 6Zum Spott für die Leute stellte er mich hin, ich wurde einer, dem man ins Gesicht spuckt. 7Vor Kummer ist mein Auge matt, all meine Glieder schwinden wie Schatten dahin. 8Darüber entsetzen sich die Redlichen, der Reine empört sich über den Ruchlosen. 9Doch der Gerechte hält fest an seinem Weg, wer reine Hände hat, gewinnt an Kraft. 10Ihr alle, kehrt um, kommt wieder her, ich finde ja noch keinen Weisen bei euch. 11Dahin sind meine Tage, zunichte meine Pläne, meine Herzenswünsche. 12Sie machen mir die Nacht zum Tag, das Licht nähert sich dem Dunkel. 13Ich habe keine Hoffnung. Die Unterwelt wird mein Haus, in der Finsternis breite ich mein Lager aus. 14Zur Grube rufe ich: Mein Vater bist du!, Meine Mutter, meine Schwester!, zum Wurm. 15Wo ist dann meine Hoffnung und wo mein Glück? Wer kann es schauen? 16Fahren sie zur Unterwelt mit mir hinab, sinken wir vereint in den Staub?

Das Buch Ijob Kapitel 18

1 Da antwortete Bildad von Schuach und sprach: 2Wann endlich macht ihr Schluss mit den Reden? Nehmt Einsicht an, dann reden wir. 3Warum sind wir wie Vieh geachtet, gelten als unrein in euren Augen? 4Du, der sich selbst zerfleischt in seinem Zorn, soll deinetwegen die Erde sich entvölkern, der Fels von seiner Stelle rücken? 5Ja, der Frevler Licht erlischt, die Flamme seines Feuers strahlt nicht auf. 6Das Licht in seinem Zelte dunkelt, seine Leuchte über ihm erlischt. 7Eng wird sein gewaltiger Schritt, sein eigner Plan bringt ihn zu Fall. 8Denn mit seinen Füßen gerät er ins Netz und über Flechtwerk schreitet er dahin. 9Das Klappnetz packt ihn an der Ferse, die Schlinge hält ihn fest. 10Versteckt am Boden liegt sein Fangstrick, die Falle für ihn auf dem Pfad. 11Ringsum ängstigen ihn Schrecken und scheuchen ihn auf Schritt und Tritt. 12Hungrig nach ihm ist sein Unheil, das Verderben steht bereit zu seinem Sturz. 13Es frisst die Glieder seines Leibes, seine Glieder frisst des Todes Erstgeborener. 14Ausgerissen wird aus seinem Zelt die Zuversicht, du treibst ihn fort zum König der Schrecken. 15Ihm Fremdes wohnt in seinem Zelt, Schwefel wird auf seinen Hof gestreut. 16Von unten her verdorren seine Wurzeln, von oben welken seine Zweige. 17Sein Andenken schwindet von der Erde, kein Name bleibt ihm weit und breit. 18Sie stoßen ihn vom Licht ins Dunkel und jagen ihn vom Erdkreis fort. 19Kein Spross, kein Stamm bleibt ihm in seinem Volk, am Ort seines Aufenthaltes keiner, der ihn überlebt. 20Über seinen Tag schaudern die im Westen, die im Osten packt das Grauen. 21Ja, so geht es mit der Wohnung des Frevlers, mit dem Ort des Menschen, der Gott nicht kennt.

Das Buch Ijob Kapitel 19

1 Da antwortete Ijob und sprach: 2 Wie lange noch wollt ihr mich quälen und mich mit Worten niedertreten? 3Zum zehnten Mal schon schmäht ihr mich und schämt euch nicht, mich zu beleidigen. 4Ging ich wirklich unwissend fehl, mein Fehltritt weilt doch allein bei mir. 5Wollt ihr wirklich großtun gegen mich und mir meine Schmach beweisen? 6Erkennt doch, dass Gott mich niederdrückt, da er sein Netz rings um mich warf. 7Schrei ich: Gewalt!, wird mir keine Antwort, rufe ich um Hilfe, gibt es kein Recht. 8Meinen Pfad hat er versperrt; ich kann nicht weiter, Finsternis legt er auf meine Wege. 9Meiner Ehre hat er mich entkleidet, die Krone mir vom Haupt genommen. 10Er brach mich ringsum nieder, ich muss dahin; er riss mein Hoffen aus wie einen Baum. 11Sein Zorn ist gegen mich entbrannt, gleich seinen Gegnern gelte ich ihm. 12Vereint rückten seine Scharen an, bahnten gegen mich den Weg, lagerten sich rings um mein Zelt. 13Meine Brüder hat er von mir entfernt, meine Bekannten sind mir entfremdet. 14Meine Verwandten, Bekannten blieben aus, die Gäste meines Hauses haben mich vergessen. 15Als Fremder gelte ich meinen Mägden, von anderem Stamm bin ich in ihren Augen. 16Rufe ich meinen Knecht, so antwortet er nicht; mit eigenem Mund muss ich ihn anflehen. 17Mein Atem ist meiner Frau zuwider; die Söhne meiner Mutter ekelt es vor mir. 18Buben selbst verachten mich, stehe ich auf, verhöhnen sie mich. 19Alle meine Gefährten verabscheuen mich, die ich liebe, lehnen sich gegen mich auf. 20An Haut und Fleisch klebt mein Gebein, nur das Fleisch an meinen Zähnen blieb. 21Erbarmt, erbarmt euch meiner, ihr, meine Freunde! Denn Gottes Hand hat mich getroffen. 22Warum verfolgt ihr mich wie Gott, warum werdet ihr an meinem Fleisch nicht satt? 23Dass doch meine Worte geschrieben würden, in einer Inschrift eingegraben 24mit eisernem Griffel und mit Blei, für immer gehauen in den Fels. 25Doch ich, ich weiß: mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub. 26Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen. 27Ihn selber werde ich dann für mich schauen; meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust. 28Wenn ihr sagt: Wie wollen wir ihn verfolgen und den Grund der Sache an ihm finden!, 29dann bangt für euch selber vor dem Schwert; denn heftiger Zorn verdient das Schwert, damit ihr wisst: Es gibt ein Gericht.

Das Buch Ijob Kapitel 20

1 Da antwortete Zofar von Naama und sprach: 2Darum drängt mich meine Erregung zur Antwort und deswegen stürmt es in mir. 3Schmähende Rüge muss ich hören, doch der Geist meiner Einsicht lässt mich entgegnen. 4Weißt du das nicht von Urzeit her, seit Gott Menschen auf die Erde gesetzt hat: 5dass kurz nur währt der Frevler Jubel, einen Augenblick nur des Ruchlosen Freude? 6Steigt auch sein Übermut zum Himmel und rührt sein Kopf bis ans Gewölk, 7wie sein Kot vergeht er doch für immer; die ihn gesehen haben, werden fragen: Wo ist er? 8Wie ein Traum verfliegt er und ist nicht mehr zu finden, wird weggescheucht wie ein Gesicht der Nacht. 9Das Auge, das ihn sah, erblickt ihn nicht wieder, seine Stätte schaut ihn nie mehr. 10 Seine Söhne müssen bei Armen betteln, ihre Hände geben seine Habe zurück. 11Strotzen von Jugendkraft auch seine Glieder, sie betten sich doch mit ihm in den Staub.12Schmeckt süß das Böse in seinem Mund, birgt er es unter seiner Zunge,13spart er es auf und will nicht von ihm lassen, hält er es auch tief in seinem Gaumen fest, 14in seinem Innern verwandelt sich die Speise, sie wird in seinem Leib ihm zu Natterngift. 15Das Gut, das er verschlungen hat, speit er aus; aus seinem Leib treibt Gott es heraus. 16Das Gift von Nattern saugt er ein, es tötet ihn der Viper Zunge. 17Nicht darf er Bäche von Öl schauen, nicht Flüsse, die von Milch und Honig fließen. 18Zurückgeben muss er seinen Gewinn, genießen darf er ihn nicht, darf sich nicht freuen am ertauschten Gut. 19Denn Arme schlug er nieder, ließ sie liegen, raubte das Haus, das er nicht gebaut. 20Denn kein Genug kennt er in seinem Bauch, drum entkommt er nicht mit seinen Schätzen. 21Nichts entgeht seinem Fraß, darum hält sein Glück auch nicht stand. 22Trotz vollen Überflusses kommt er in Not, die ganze Wucht des Elends fällt ihn an. 23Und so geschieht es: Um des Frevlers Bauch zu füllen, lässt Gott auf ihn die Gluten seines Zornes los, lässt auf ihn regnen seine Schläge. 24Flieht er vor dem Eisenpanzer, durchbohrt ihn der Bogen aus Bronze. 25In den Rücken fährt ihm Gottes Geschoss, ein Blitz in seine Galle. Schrecken gehen über ihn hin. 26Nur finsteres Unheil ist für ihn aufbewahrt, Feuer, von niemand entfacht, verzehrt ihn, frisst noch den letzten Mann in seinem Zelt. 27Der Himmel enthüllt seine Schuld, die Erde bäumt sich gegen ihn auf. 28Die Flut wälzt sein Haus hinweg, Wasserströme am Tag seines Zorns. 29Das ist des Frevlers Anteil von Gott, das Erbe, das Gott ihm zuspricht.

Das Buch Ijob Kapitel 21

1 Da antwortete Ijob und sprach: 2 Hört, hört doch auf mein Wort, das wäre mir schon Trost von euch. 3Ertragt mich, sodass ich reden kann. Habe ich geredet, dann könnt ihr spotten. 4Richt ich an Menschen meine Klage, hab ich nicht Grund zur Ungeduld? 5Wendet euch mir zu und erstarrt und legt die Hand auf den Mund! 6Denk ich daran, bin ich erschreckt und Schauder packt meinen Leib. 7Warum bleiben Frevler am Leben, werden alt und stark an Kraft? 8Ihre Nachkommen stehen fest vor ihnen, ihre Sprösslinge vor ihren Augen. 9Ihre Häuser sind in Frieden, ohne Schreck, die Rute Gottes trifft sie nicht. 10Ihr Stier bespringt und fehlt nicht, die Kühe kalben und verwerfen nicht. 11Wie Schafe treiben sie ihre Kinder aus, ihre Kleinen tanzen und springen. 12Sie singen zu Pauke und Harfe, erfreuen sich am Klang der Flöte, 13verbrauchen ihre Tage im Glück und fahren voll Ruhe ins Totenreich. 14Und doch sagten sie zu Gott: Weiche von uns! Deine Wege wollen wir nicht kennen. 15Was ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen, was nützt es uns, wenn wir ihn angehen? 16Doch in ihrer Hand liegt nicht das Glück; der Frevler Denkart ist mir fern. 17 Wie oft erlischt der Frevler Lampe, kommt Unheil über sie, teilt er Verderben zu in seinem Zorn? 18Wie oft werden sie wie Stroh vor dem Wind, wie Spreu, die der Sturm entführt? 19Nicht dessen Kindern spare Gott sein Unheil auf, ihm selbst vergelte er, sodass er es spürt. 20Mit eigenen Augen soll er sein Unglück schauen, vom Grimm des Allmächtigen soll er trinken. 21Denn was kümmert ihn sein Haus, wenn er dahin ist, wenn abgeschnitten seiner Monde Zahl? 22Darf man Gott Erkenntnis lehren, ihn, der die Erhabenen richtet? 23Der eine stirbt in vollem Glück, ist ganz in Frieden, sorgenfrei. 24Seine Schenkel sind voll von Fett, getränkt mit Mark sind seine Knochen. 25Der andere stirbt mit bitterer Seele und hat kein Glück genossen. 26Zusammen liegen sie im Staub und Gewürm deckt beide zu. 27Ja, euer Denken kenn ich wohl, die Ränke, die ihr sinnt gegen mich. 28Ihr sagt: Wo ist das Haus des Edlen und wo das Zelt, in dem Frevler wohnen? 29Habt ihr nie die fahrenden Leute befragt und ihre Zeichen genau beachtet? 30Dass am Unglückstag der Böse verschont wird, weggebracht am Tag des Zorns. 31Wer hält ihm seinen Lebenswandel vor, was er getan hat, wer vergilt es ihm? 32Er aber wird zur Gruft geleitet, bei seinem Grab hält man die Wacht. 33Ein Labsal sind für ihn die Schollen des Schachts, hinter ihm her zieht alle Welt, vor ihm die Menge ohne Zahl. 34Wie wollt ihr mich mit Nichtigem trösten? Eure Antworten bleiben Betrug.

Das Buch Ijob Kapitel 22

1 Da antwortete Elifas von Teman und sprach: 2Kann denn der Mensch Gott nützen? Nein, sich selber nützt der Kluge. 3Ist es dem Allmächtigen von Wert, dass du gerecht bist, ist es für ihn Gewinn, wenn du unsträfliche Wege gehst? 4Wegen deiner Gottesfurcht sollte er dich strafen, vor Gericht mit dir gehen? 5Ist nicht groß deine Bosheit, ohne Ende dein Verschulden? 6Du pfändest ohne Grund deine Brüder, ziehst Nackten ihre Kleider aus. 7Den Durstigen tränkst du nicht mit Wasser, dem Hungernden versagst du das Brot. 8Dem Mann der Faust gehört das Land, der Günstling darf darin wohnen. 9Witwen hast du weggeschickt mit leeren Händen, der Verwaisten Arme zerschlagen. 10Deswegen liegen Fallstricke rings um dich her und jäher Schrecken ängstigt dich 11oder Dunkel, worin du nicht siehst, und Wasserflut, die dich bedeckt. 12Ist Gott nicht wie der Himmel hoch? Schau, wie die höchsten Sterne ragen. 13Und da sagst du: Was weiß denn Gott? Richtet er denn durch das dunkle Gewölk? 14Wolken umhüllen ihn, sodass er nicht sieht, am Himmelskreis geht er einher. 15Willst du dem Pfad der Vorzeit folgen, den die Männer des Unheils zogen, 16die vor der Zeit dahingerafft wurden, über deren Grund sich ein Strom ergoss? 17Die sagten zu Gott: Weiche von uns!, und: Was tut uns der Allmächtige an? 18Und doch, er hat ihre Häuser mit Gütern gefüllt und das Planen der Bösen blieb ihm fern. 19Sehen werden, sich freuen die Gerechten, der Reine wird sie verspotten: 20Wahrhaftig, vernichtet sind unsere Gegner, ihren Rest hat das Feuer verzehrt. 21Werde sein Freund und halte Frieden! Nur dadurch kommt das Gute dir zu. 22Nimm doch Weisung an aus seinem Mund, leg dir seine Worte ins Herz: 23Kehrst du zum Allmächtigen um, so wirst du aufgerichtet. Hältst Unrecht deinem Zelt du fern, 24wirfst in den Staub das Edelgold, zum Flussgestein das Feingold, 25dann wird der Allmächtige dein Edelgold und erlesenes Silber für dich sein. 26Dann wirst du am Allmächtigen dich erfreuen und zu Gott dein Angesicht heben. 27Flehst du ihn an, so hört er dich und du wirst deine Gelübde erfüllen. 28Beschließt du etwas, dann trifft es ein und Licht überstrahlt deine Wege. 29Wer hochmütig redet, den duckt er, doch hilft er dem, der die Augen senkt. 30Er rettet den, der schuldlos ist; durch deiner Hände Reinheit wird er gerettet.

Das Buch Ijob Kapitel 23

1 Da antwortete Ijob und sprach: 2 Auch heute ist meine Klage Widerspruch; schwer lastet seine Hand auf meinem Seufzen. 3Wüßte ich doch, wie ich ihn finden könnte, gelangen könnte zu seiner Stätte. 4Ich wollte vor ihm das Recht ausbreiten, meinen Mund mit Beweisen füllen. 5Wissen möchte ich die Worte, die er mir entgegnet, erfahren, was er zu mir sagt. 6Würde er in der Fülle der Macht mit mir streiten? Nein, gerade er wird auf mich achten. 7Dort würde ein Redlicher mit ihm rechten und ich käme für immer frei von meinem Richter. 8Geh ich nach Osten, so ist er nicht da, nach Westen, so merke ich ihn nicht, 9nach Norden, sein Tun erblicke ich nicht; bieg ich nach Süden, sehe ich ihn nicht. 10Doch er kennt den Weg, den ich gehe; prüfte er mich, ich ginge wie Gold hervor. 11Mein Fuß hielt fest an seiner Spur, seinen Weg hielt ich ein und bog nicht ab. 12Das Gebot seiner Lippen gab ich nicht auf; seines Mundes Worte barg ich im Herzen. 13Doch er bleibt sich gleich. Wer stimmt ihn um? Wonach ihn gelüstet, das führt er aus. 14Ja, er vollendet, was er mir bestimmt hat; und Ähnliches hat er noch viel im Sinn. 15Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht; denk ich daran, gerate ich in Angst vor ihm. 16Gott macht mein Herz verzagt, der Allmächtige versetzt mich in Schrecken. 17Denn bin ich nicht von Finsternis umschlossen, bedeckt nicht Dunkel mein Angesicht?

Das Buch Ijob Kapitel 24

1 Warum hat der Allmächtige keine Fristen bestimmt? Warum schauen, die ihn kennen, seine Gerichtstage nicht? 2Jene verrücken die Grenzen, rauben Herden und führen sie zur Weide. 3Den Esel der Waisen treiben sie fort, pfänden das Rind der Witwe. 4Vom Weg drängen sie die Armen, es verbergen sich alle Gebeugten des Landes. 5Sieh, wie Wildesel in der Steppe ziehen sie zu ihrer Arbeit aus; die Steppe suchen sie nach Nahrung ab, nach Brot für ihre Kinder. 6Auf dem Feld schneiden sie des Nachts, halten im Weinberg des Frevlers Nachlese. 7Nackt verbringen sie die Nacht, ohne Kleider, haben keine Decke in der Kälte. 8Vom Regen der Berge sind sie durchnässt, klammern sich ohne Schutz an den Fels. 9Von der Mutterbrust reißen sie die Waisen, den Säugling des Armen nehmen sie zum Pfand. 10Nackt müssen sie gehen, ohne Kleid, hungernd tragen sie Garben. 11Zwischen Mauern pressen sie Öl, treten die Kelter und müssen doch dürsten. 12Aus der Stadt stöhnen Sterbende, der Erschlagenen Leben schreit laut. Doch Gott achtet nicht auf ihr Flehen. 13Sie sind die Rebellen gegen das Licht; sie nehmen seine Wege nicht wahr, bleiben nicht auf seinen Pfaden. 14Ist kein Licht, erhebt sich der Mörder, tötet Elende und Arme; in der Nacht gleicht er dem Dieb. 15 Auch des Ehebrechers Auge achtet auf Dämmerung. Kein Auge, sagt er, soll mich erspähen!, eine Hülle legt er aufs Gesicht. 16Im Finstern bricht er ein in die Häuser; tagsüber verstecken sie sich; sie wollen nichts wissen vom Licht. 17Denn Finsternis ist für sie der Morgen zugleich, denn mit ihren Schrecken sind sie wohl vertraut. 18Schnell reißt ihn das Wasser fort; verflucht ist ihr Anteil auf Erden; nicht wendet er den Weg den Weinbergen zu. 19Dürre und Hitze raffen das Schneewasser weg, die Unterwelt den Sünder. 20Der Mutterschoß vergisst ihn, Gewürm labt sich an ihm; nie mehr wird an ihn gedacht; ja, wie Holz wird Frevel zerschmettert. 21Er tut Böses der Unfruchtbaren, der Kinderlosen, keiner Witwe erweist er Gutes. 22Gott reißt die Starken hinweg in seiner Macht; steht er auf, ist niemand seines Lebens sicher. 23Sicherheit gibt er ihm, er traue darauf; aber seine Augen überwachen ihren Weg. 24Sie kommen hoch für kurze Zeit, dann ist es aus. Sie werden umgebogen, alle mit der Faust gepackt und wie Ährenspitzen abgeschnitten. 25Ist es nicht so? Wer straft mich Lügen und bringt meine Rede zum Schweigen?

Das Buch Ijob Kapitel 25

1 Da antwortete Bildad von Schuach und sprach: 2Herrschaft und Schrecken sind bei ihm, der Frieden schafft in seinen Höhen. 3Kann man seine Scharen zählen und über wem erhebt sich nicht sein Licht? 4Wie wäre ein Mensch gerecht vor Gott, wie wäre rein der vom Weib Geborene? 5Siehe, selbst der Mond glänzt nicht hell, die Sterne sind nicht rein in seinen Augen, 6 geschweige denn der Mensch, die Made, der Menschensohn, der Wurm.

Das Buch Ijob Kapitel 26

1 Da antwortete Ijob und sprach: 2 Wie hilfst du doch dem Schwachen auf, stehst du bei dem kraftlosen Arm! 3Wie gut rätst du dem, der nicht weise ist, tust ihm Wissen in Fülle kund! 4Wem trägst du die Reden vor und wessen Atem geht von dir aus? 5Die Totengeister zittern drunten, die Wasser mit ihren Bewohnern. 6Nackt liegt die Unterwelt vor ihm, keine Hülle deckt den Abgrund. 7Er spannt über dem Leeren den Norden, hängt die Erde auf am Nichts. 8Er bindet das Wasser in sein Gewölk; doch birst darunter die Wolke nicht. 9Er verschließt den Anblick seines Throns und breitet darüber sein Gewölk. 10Eine Grenze zieht er rund um die Wasser bis an den Rand von Licht und Finsternis.11Die Säulen des Himmels erzittern, sie erschrecken vor seinem Drohen.12Durch seine Kraft stellt still er das Meer, durch seine Klugheit zerschmettert er Rahab.13Durch seinen Hauch wird heiter der Himmel, seine Hand durchbohrt die flüchtige Schlange. 14Siehe, das sind nur die Säume seines Waltens; wie ein Flüstern ist das Wort, das wir von ihm vernehmen. Doch das Donnern seiner Macht, wer kann es begreifen?

Das Buch Ijob Kapitel 27

1 Dann setzte Ijob seine Rede fort und sprach: 2So wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzog, der Allmächtige, der meine Seele quälte: 3Solange noch Atem in mir ist und Gottes Hauch in meiner Nase,4soll Unrecht nicht von meinen Lippen kommen, noch meine Zunge Falsches reden. 5Fern sei es mir, euch Recht zu geben, ich gebe, bis ich sterbe, meine Unschuld nicht preis. 6An meinem Rechtsein halt ich fest und lass es nicht; mein Herz schilt keinen meiner Tage. 7 Mein Feind sei wie ein Frevler, mein Gegner wie ein Bösewicht. 8Denn was ist des Ruchlosen Hoffen, wenn er dahingeht, wenn Gott das Leben von ihm nimmt? 9Wird Gott sein Schreien hören, wenn über ihn die Drangsal kommt? 10Kann er sich des Allmächtigen erfreuen und Gott anrufen zu jeder Zeit? 11Ich will euch belehren über Gottes Tun, nicht verhehlen, was der Allmächtige plant. 12Ihr habt es ja alle selbst gesehen. Warum führt ihr nichtige Reden? 13Das ist des Frevlers Anteil bei Gott, der Gewalttätigen Erbe, das sie vom Allmächtigen empfangen: 14Werden zahlreich seine Söhne, fürs Schwert sind sie bestimmt; nie werden seine Kinder satt an Brot. 15Was übrig bleibt, wird durch den Tod begraben und seine Witwen weinen nicht. 16Häuft er auch Silber auf wie Staub und beschafft er sich Kleider wie Lehm: 17er schafft sie zwar an; doch anziehen wird sie der Gerechte, das Silber wird der Schuldlose erben. 18Er baut wie die Spinne sein Haus und wie die Hütte, die der Wächter aufstellt. 19 Reich legt er sich schlafen, nichts ist ihm genommen. Macht er die Augen auf, ist nichts mehr da. 20Schrecken holt ihn ein wie eine Wasserflut, der Sturmwind trägt ihn fort bei Nacht. 21Der Ostwind hebt ihn hoch, er muss dahin, er weht ihn weg von seinem Ort. 22Er stürzt sich auf ihn schonungslos, seiner Gewalt will er entfliehen. 23Man klatscht über ihn in die Hände und zischt ihn fort von seiner Stätte.

Das Buch Ijob Kapitel 28

1 Wohl gibt es einen Fundort für das Silber, eine Stätte für das Gold, wo man es läutert. 2Eisen holt man aus der Erde, Gestein wird zu Kupfer geschmolzen. 3Es setzt der Mensch dem Finstern eine Grenze; er forscht hinein bis in das Letzte, ins düstere, dunkle Gestein. 4Stollen gräbt ein fremdes Volk; vergessen, ohne Halt für den Fuß, hängt es, schwebt es, den Menschen fern. 5 Die Erde, daraus das Brotkorn kommt, wird in den Tiefen wie mit Feuer zerstört. 6Fundort des Saphirs ist ihr Gestein und Goldstaub findet sich darin. 7Kein Raubvogel kennt den Weg dahin; kein Falkenauge hat ihn erspäht. 8Das stolze Wild betritt ihn nicht, kein Löwe schreitet über ihn. 9An harte Kiesel legt er die Hand, von Grund auf wühlt er Berge um. 10In Felsen haut er Stollen ein und lauter Kostbarkeiten erblickt sein Auge. 11Sickerbäche dämmt er ein, Verborgenes bringt er ans Licht. 12Die Weisheit aber, wo ist sie zu finden und wo ist der Ort der Einsicht? 13Kein Mensch kennt die Schicht, in der sie liegt; sie findet sich nicht in der Lebenden Land. 14Die Urflut sagt: Bei mir ist sie nicht. Der Ozean sagt: Bei mir weilt sie nicht. 15Man kann nicht Feingold für sie geben, nicht Silber als Preis für sie wägen. 16Nicht wiegt sie Gold aus Ofir auf, kein kostbarer Karneol, kein Saphir. 17Gold und Glas stehen ihr nicht gleich, kein Tausch für sie ist Goldgerät, 18nicht zu reden von Korallen und Kristall; weit über Perlen geht der Weisheit Besitz. 19Der Topas von Kusch kommt ihr nicht gleich und reinstes Gold wiegt sie nicht auf. 20 Die Weisheit aber, wo kommt sie her und wo ist der Ort der Einsicht? 21Verhüllt ist sie vor aller Lebenden Auge, verborgen vor den Vögeln des Himmels. 22Abgrund und Tod sagen: Unser Ohr vernahm von ihr nur ein Raunen. 23Gott ist es, der den Weg zu ihr weiß, und nur er kennt ihren Ort. 24Denn er blickt bis hin zu den Enden der Erde; was unter dem All des Himmels ist, sieht er. 25Als er dem Wind sein Gewicht schuf und die Wasser nach Maß bestimmte, 26als er dem Regen das Gesetz schuf und einen Weg dem Donnergewölk, 27damals hat er sie gesehen und gezählt, sie festgestellt und erforscht. 28Doch zum Menschen sprach er: Seht, die Furcht vor dem Herrn, das ist Weisheit, das Meiden des Bösen ist Einsicht.

Das Buch Ijob Kapitel 29

1 Dann setzte Ijob seine Rede fort und sprach: 2Dass ich doch wäre wie in längst vergangenen Monden, wie in den Tagen, da mich Gott beschirmte, 3als seine Leuchte über meinem Haupt erstrahlte, in seinem Licht ich durch das Dunkel ging. 4So, wie ich in den Tagen meiner Frühzeit war, als Gottes Freundschaft über meinem Zelte stand, 5als der Allmächtige noch mit mir war, meine Kinder mich umgaben, 6als meine Schritte sich in Milch gebadet, Bäche von Öl der Fels mir ergoss. 7Ging ich durchs Tor zur Stadt hinauf, ließ ich auf dem Platz meinen Sitz aufstellen; 8sahen mich die Jungen, so traten sie scheu beiseite, die Alten standen auf und blieben stehen. 9Fürsten hielten mit Reden sich zurück und legten ihre Hand auf ihren Mund. 10Der Edlen Stimme blieb stumm, am Gaumen klebte ihre Zunge. 11Hörte mich ein Ohr, pries es mich glücklich, das Auge, das mich sah, stimmte mir zu. 12Denn ich rettete den Armen, der schrie, die Waise, die ohne Hilfe war. 13Der Segen des Verlorenen kam über mich und jubeln ließ ich der Witwe Herz. 14Ich bekleidete mich mit Gerechtigkeit, wie Mantel und Kopfbund umhüllte mich mein Recht. 15Auge war ich für den Blinden, dem Lahmen wurde ich zum Fuß. 16Vater war ich für die Armen, des Unbekannten Rechtsstreit prüfte ich. 17Ich zerschmetterte des Bösen Kiefer, entriss die Beute seinen Zähnen. 18So dachte ich: Mit meinem Nest werde ich verscheiden und gleich dem Phönix meine Tage mehren. 19 Meine Wurzel reiche bis an das Wasser, auf meinen Zweigen nächtige Tau. 20Neu bleibe mir meine Ehre, mein Bogen verjünge sich in meiner Hand. 21Auf mich horchten und warteten sie, lauschten schweigend meinem Rat. 22Wenn ich sprach, nahm keiner das Wort; es träufelte nieder auf sie meine Rede. 23Sie harrten auf mich wie auf Regen, sperrten den Mund wie nach Spätregen auf. 24Lächelte ich denen zu, die ohne Vertrauen, sie wiesen das Leuchten meines Gesichts nicht ab. 25Ich bestimmte ihr Tun, ich saß als Haupt, thronte wie ein König inmitten der Schar, wie einer, der Trauernde tröstet.

Das Buch Ijob Kapitel 30

1 Jetzt aber lachen über mich, die jünger sind als ich an Tagen, deren Väter ich nicht für wert geachtet, sie bei den Hunden meiner Herde anzustellen. 2Was sollte mir auch ihrer Hände Kraft? Geschwunden war ihre Rüstigkeit 3durch Mangel und durch harten Hunger; Leute, die das dürre Land abnagen, das Gras der Wüste und der Wüstenei.4Sie pflücken Salzmelde im Gesträuch und Ginsterwurzeln sind ihr Brot. 5Aus der Gemeinschaft wurden sie verjagt; man schreit ihnen nach wie einem Dieb. 6Am Hang der Täler müssen sie wohnen, in Erdhöhlen und in Felsgeklüft. 7Zwischen Sträuchern schreien sie kläglich, drängen sich zusammen unter wildem Gestrüpp. 8Blödes Gesindel, Volk ohne Namen, wurden sie aus dem Land hinausgepeitscht. 9Jetzt aber bin ich ihr Spottlied, bin zum Klatsch für sie geworden. 10Sie verabscheuen mich, rücken weit von mir weg, scheuen sich nicht, mir ins Gesicht zu speien. 11Denn Gott löste mein Seil und beugte mich nieder, sie aber ließen die Zügel vor mir schießen. 12Zur rechten Seite erhebt sich eine Schar, treibt meine Füße weg, wirft gegen mich ihre Unheilsdämme auf. 13Meinen Pfad reißen sie auf, helfen zu meinem Verderben und niemand wehrt ihnen. 14Wie durch eine breite Bresche kommen sie heran, wälzen sich unter Trümmern her. 15Schrecken stürzen auf mich ein, verjagt wie vom Wind ist mein Adel, wie eine Wolke entschwand mein Heil. 16Und nun zerfließt die Seele in mir, des Elends Tage packen mich an. 17Des Nachts durchbohrt es mir die Knochen, mein nagender Schmerz kommt nicht zur Ruh. 18Mit Allgewalt packt er mich am Kleid, schnürt wie der Gürtel des Rocks mich ein. 19Er warf mich in den Lehm, sodass ich Staub und Asche gleiche. 20Ich schreie zu dir und du erwiderst mir nicht; ich stehe da, doch du achtest nicht auf mich. 21Du wandelst dich zum grausamen Feind gegen mich, mit deiner starken Hand befehdest du mich. 22Du hebst mich in den Wind, fährst mich dahin, lässt mich zergehen im Sturmgebraus. 23Ja, ich weiß, du führst mich zum Tod, zur Sammelstätte aller Lebenden. 24Doch nicht an Trümmer legt er die Hand. - Schreit man nicht um Hilfe beim Untergang? 25Weinte ich nicht um den, der harte Tage hatte, grämte sich nicht meine Seele über den Armen? 26Ja, ich hoffte auf Gutes, doch Böses kam, ich harrte auf Licht, doch Finsternis kam. 27Mein Inneres kocht und kommt nicht zur Ruhe, mich haben die Tage des Elends erreicht.28Geschwärzt, doch nicht von der Sonne gebrannt, stehe ich auf in der Gemeinde, schreie laut. 29Den Schakalen wurde ich zum Bruder, den Straußenhennen zum Freund. 30Die Haut an mir ist schwarz, von Fieberglut brennen meine Knochen. 31Zur Trauer wurde mein Harfenspiel, mein Flötenspiel zum Klagelied.

Das Buch Ijob Kapitel 31

1 Einen Bund schloss ich mit meinen Augen, nie eine Jungfrau lüstern anzusehen. 2Was wäre sonst mein Teil von Gott dort oben, mein Erbe vom Allmächtigen in der Höhe? 3Ist nicht Verderben dem Frevler bestimmt und Missgeschick den Übeltätern? 4Sieht er denn meine Wege nicht, zählt er nicht alle meine Schritte? 5Wenn ich in Falschheit einherging, wenn zum Betrug mein Fuß eilte, 6dann wäge Gott mich auf gerechter Waage, so wird er meine Unschuld anerkennen. 7Wenn mein Schritt vom Wege wich, mein Herz meinen Augen folgte, an meinen Händen Makel klebte, 8dann esse ein anderer, was ich säe, entwurzelt werde, was mir sprosst. 9Wenn sich mein Herz von einer Frau betören ließ und ich an der Tür meines Nachbarn lauerte, 10dann mahle meine Frau einem andern und andere sollen sich beugen über sie. 11Denn das wäre eine Schandtat und ein Verbrechen, von Richtern zu strafen. 12Denn das wäre Feuer, das zum Abgrund frisst und meine ganze Habe entwurzelt. 13Wenn ich das Recht meines Knechts missachtet und das meiner Magd im Streit mit mir, 14was könnt ich tun, wenn Gott sich erhöbe, was ihm entgegnen, wenn er mich prüfte? 15Hat nicht mein Schöpfer auch ihn im Mutterleib geschaffen, hat nicht der Eine uns im Mutterschoß gebildet? 16Wenn ich der Armen Wunsch versagte, verschmachten ließ der Witwe Augen, 17wenn ganz allein ich meinen Bissen aß, das Waisenkind aber nicht davon aß - 18 von Jugend an hat wie ein Vater er mich großgezogen, vom Mutterschoß an mich geleitet -, 19wenn ich den Verlorenen sah ohne Kleid und ohne Decke den Verarmten, 20wenn nicht seine Lenden mir dankten, er nicht von der Schur meiner Lämmer sich wärmte, 21wenn meine Hand der Waise drohte, weil ich am Tor Helfer für mich sah, 22dann falle die Schulter mir vom Nacken, breche der Arm mir aus dem Gelenk. 23Ja, Schrecken träfe mich, Gottes Verderben, vor seiner Hoheit hielte ich nicht stand. 24Wenn ich auf Gold meine Hoffnung setzte, zum Feingold sprach: Du meine Zuversicht!, 25wenn ich mich freute, dass groß mein Vermögen, dass viel erreicht hat meine Hand, 26wenn ich die leuchtende Sonne sah, wie sie strahlte, den Mond, wie er herrlich dahinzog, 27wenn heimlich sich mein Herz betören ließ und meine Hand dem Mund zum Kuss sich bot, 28auch das wäre ein Verbrechen, vom Richter zu strafen, denn Gott da droben hätte ich verleugnet. 29Wenn ich am Unglück meines Feinds mich freute und triumphierte, dass Unheil ihn traf - 30habe ich doch meinem Mund zu sündigen verboten, sein Leben mit Fluch zu verwünschen. 31Wenn meine Zeltgenossen nicht gestanden: Wer wurde von seinem Fleisch nicht gesättigt? 32Kein Fremder musste draußen übernachten, dem Wanderer tat meine Tür ich auf. 33Wenn ich nach Menschenart meine Frevel verhehlte, meine Schuld verbarg in meiner Brust, 34weil ich die große Menge scheute und die Verachtung der Sippen mich schreckte, so schwiege ich still und ginge nicht zur Tür hinaus. 35 Gäbe es doch einen, der mich hört. Das ist mein Begehr, dass der Allmächtige mir Antwort gibt: Hier ist das Schriftstück, das mein Gegner geschrieben. 36Auf meine Schulter wollte ich es heben, als Kranz es um den Kopf mir winden. 37Ich täte die Zahl meiner Schritte ihm kund, ich nahte mich ihm wie ein Fürst. 38Wenn über mich mein Acker schrie, seine Furchen miteinander weinten, 39wenn seinen Ertrag ich verzehrte, ohne zu bezahlen, das Verlangen seines Herrn ich unerfüllt ließ, 40sollen Dornen wachsen statt Weizen, statt Gerste stinkendes Kraut. Zu Ende sind die Worte Ijobs.

Das Buch Ijob Kapitel 32

1 Nun hörten jene drei Männer auf, Ijob zu entgegnen, weil er gerecht war in seinen Augen. 2Da entbrannte der Zorn Elihus, des Sohnes Barachels, des Busiters aus dem Geschlecht Ram. Gegen Ijob entbrannte sein Zorn, weil er sich vor Gott für gerecht hielt. 3Auch gegen seine drei Freunde entbrannte sein Zorn, weil sie keine Antwort mehr fanden, um Ijob schuldig zu sprechen. 4Elihu aber hatte Ijob gegenüber mit Worten gezögert, weil jene älter waren als er. 5Doch als Elihu sah, dass die drei Männer keine Antwort mehr wussten, entbrannte sein Zorn. 6Da ergriff Elihu, der Sohn Barachels, der Busiter, das Wort und sprach: Noch bin ich jung an Jahren, doch ihr seid hochbetagt; deshalb hielt ich mich zurück und scheute mich, euch mein Wissen zu beweisen. 7Ich dachte: Mag erst das Alter reden, der Jahre Fülle Weisheit künden. 8Jedoch, es ist der Geist im Menschen, des Allmächtigen Hauch, der ihn verständig macht. 9Die alt an Jahren sind, nicht immer sind sie weise noch Greise stets des Rechten kundig. 10Darum sage ich: Hört mich an! Beweisen will auch ich mein Wissen. 11Seht, gewartet habe ich auf eure Worte, gelauscht auf eure klugen Sprüche, bis ihr die rechten Worte fändet. 12Ich bin euch aufmerksam gefolgt, doch seht, keiner hat Ijob widerlegt, keiner von euch ihm zu entgegnen vermocht. 13Sagt nicht: Wir haben die Weisheit gefunden: Gott wird ihn verstoßen, nicht ein Mensch. 14Nicht gegen mich richten sich seine Reden, nicht mit euren Worten werd ich ihm entgegnen. 15Besiegt sind sie, geben keine Antwort mehr, die Worte sind ihnen ausgegangen. 16Soll ich nun warten, wenn sie nicht reden, wenn sie dastehen, nichts mehr zu sagen wissen? 17So will auch ich nun meinen Teil erwidern, beweisen will auch ich mein Wissen. 18Denn angefüllt bin ich mit Worten, mich drängt der Geist in meiner Brust. 19Mein Inneres ist wie Wein, der keine Luft hat, wie neue Schläuche muss es bersten. 20Reden will ich, dann wird mir leichter, ich öffne meine Lippen und entgegne. 21Ich ergreife für niemand Partei und sage keinem Schmeichelworte. 22Denn ich versteh mich nicht aufs Schmeicheln, sonst raffte mich mein Schöpfer bald hinweg.

Das Buch Ijob Kapitel 33

1 Du aber, Ijob, hör doch auf meine Rede, all meinen Worten leih dein Ohr! 2Siehe, ich habe meinen Mund geöffnet, schon spricht am Gaumen meine Zunge. 3Gerade sind die Worte meines Herzens, lautere Weisheit reden meine Lippen. 4Gottes Geist hat mich erschaffen, der Atem des Allmächtigen mir das Leben gegeben. 5Wenn du kannst, so gib mir Antwort! Leg es mir vor und stell dich! 6Schau, ich bin wie du vor Gott, auch ich bin nur aus Lehm geformt. 7Furcht vor mir braucht dich nicht zu erschrecken, Druck von mir nicht auf dir lasten. 8Jedoch, du sprachst vor meinen Ohren und ich vernahm der Worte Laut:9Rein bin ich und ohne Sünde, makellos und ohne Schuld. 10Vorwürfe sucht Gott gegen mich zu finden, er sieht mich an als seinen Feind. 11Meine Füße legt er in den Block, er überwacht alle meine Pfade. 12Da bist du nicht im Recht, sage ich dir, denn Gott ist größer als der Mensch. 13Weshalb hast du mit ihm gehadert, weil er all deinen Worten nicht erwidert? 14Denn einmal redet Gott und zweimal, man achtet nicht darauf. 15Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt, im Schlummer auf dem Lager, 16da öffnet er der Menschen Ohr und schreckt sie auf durch Warnung, 17um von seinem Tun den Menschen abzubringen, den Hochmut aus dem Manne auszutreiben, 18seine Seele vor dem Grab zu retten, sein Leben davor, in den Todesschacht hinabzusteigen. 19Er wird gemahnt durch Schmerz auf seinem Lager und ständig ist Kampf in seinen Gliedern. 20Am Brot verspürt sein Leben Ekel und seine Seele an der Lieblingsspeise. 21Es schwindet sein Fleisch, man sieht's nicht mehr. Abgemagert bis auf die Knochen, die man sonst nicht sieht. 22Dem Grabe nähert sich seine Seele, sein Leben den Todesboten. 23Wenn dann ein Engel ihm zur Seite steht, ein Mittler, einer von den Tausenden, dem Menschen zu verkünden, was recht ist, 24wenn dieser sich erbarmt und spricht: Erlös ihn, dass er nicht ins Grab absteige, Lösegeld hab ich für ihn gefunden!, 25dann blüht sein Fleisch in Jugendfrische, zu Jugendtagen kehrt er zurück. 26Betet er zu Gott, so ist er ihm gnädig, er darf sein Angesicht schauen in festlichem Jubel. Dem Menschen gibt er die Gerechtigkeit wieder. 27Er singt bei den Menschen und spricht: Gesündigt hatte ich und das Recht verkehrt; doch hat er mir nicht mit Gleichem vergolten, 28meine Seele erlöst vor dem Abstieg ins Grab, mein Leben darf schauen das Licht. 29Sieh, alles das pflegt Gott zu tun, zweimal, ja dreimal mit den Menschen, 30um fern zu halten seine Seele von dem Grab, um ihm zu leuchten mit dem Licht des Lebens. 31Merk auf, Ijob, hör mich an, schweig still, dass ich rede! 32Hast Worte du bereit, entgegne mir! Sprich nur; denn gern gebe ich dir Recht. 33Wenn aber nicht, hör du mich an! Schweig still, damit ich dich Weisheit lehre.

Das Buch Ijob Kapitel 34

1 Dann ergriff Elihu das Wort und sprach: 2Ihr Weisen, hört meine Worte, ihr Kundigen, leiht mir Gehör! 3Denn das Ohr prüft die Worte und der Gaumen schmeckt die Speise. 4Lasst das Recht uns untersuchen, erkennen unter uns, was gut ist. 5Denn Ijob sagt: Ich bin im Recht, doch Gott hat mir mein Recht entzogen. 6Meinem Recht zuwider soll ich lügen? Unheilbar traf mich ohne Schuld der Pfeil. 7Wo ist ein Mann wie Ijob, der Lästerung wie Wasser trinkt, 8der hingeht, um sich den Übeltätern zuzugesellen, und mit den Frevlern Umgang pflegt? 9Er sagte ja: Es nützt dem Menschen nichts, dass er in Freundschaft lebt mit Gott. 10 Darum hört mir zu, ihr Männer mit Verstand! Fern ist es Gott, Unrecht zu tun, und dem Allmächtigen, Frevel zu üben.11Nein, was der Mensch tut, das vergilt er ihm, nach eines jeden Verhalten lässt er es ihn treffen. 12Nein, wahrhaftig, nie tut Gott unrecht und der Allmächtige beugt nicht das Recht. 13Wer hat ihm seine Erde anvertraut und wer den ganzen Erdkreis hingestellt? 14Wenn er auf ihn den Sinn nur richtet, seinen Geist und Atem zu sich holt, 15muss alles Fleisch zusammen sterben, der Mensch zum Staube wiederkehren. 16 Hast du Verstand, so höre dies, lausche dem Laut meiner Worte! 17Kann, wer das Recht hasst, Herrschaft führen? Und willst du den Gerechten, den Erhabenen verklagen,18ihn, der zum König sagt: Du Nichtsnutz!, zu Edelmännern: Bösewicht!, 19der nicht auf Fürsten Rücksicht nimmt, vornehm nicht vor arm begünstigt; denn alle sind sie seiner Hände Werk. 20Sie sterben plötzlich, mitten in der Nacht; das Volk gerät in Aufruhr und sie müssen fort. Starke müssen weichen, ohne dass eine Hand sich rührt. 21Denn seine Augen schauen auf des Menschen Wege, alle seine Schritte sieht er wohl. 22 Kein Dunkel gibt es, keine Finsternis, wo sich die Übeltäter bergen könnten. 23 Denn dem Menschen setzt er keine Frist, zu Gott ins Gericht zu gehen. 24 Gewaltige knickt er ohne Verhör und stellt andere an ihren Platz. 25Wahrhaftig, Gott kennt ja ihre Taten, er stürzt sie bei Nacht und sie sind zermalmt. 26Wie Frevler schlägt er sie an einem Ort, wo man es sieht, 27deshalb, weil sie von ihm wichen, nicht achteten auf alle seine Wege. 28So lässt er der Armen Geschrei zu sich kommen, er hört das Geschrei der Gebeugten. 29Hält er sich still, wer spricht ihn schuldig? Verbirgt er sein Gesicht, wer nimmt ihn wahr? Über Volk und Menschen aber wacht er, 30damit nicht ruchlose Menschen herrschen, die dem Volk zum Fallstrick werden. 31Denn nicht ist's an Gott, zu sagen: Geirrt habe ich, ich mach's nicht wieder falsch. 32Was ich nicht sehe, lehre du mich! Tat ich Unrecht, ich will es nicht mehr tun. 33Soll er nach deinem Sinn vergelten, weil du verwirfst? So musst ja du entscheiden, nicht ich, und was du weißt, das sage an!34Verständige Männer werden zu mir sagen, ein jeder Weise, der mich hört: 35Bar des Wissens redet Ijob und unbedacht sind seine Worte. 36Wohlan, weiter werde Ijob geprüft, weil er nach der Frevler Art erwidert. 37Denn Frevel fügt er noch zu seiner Sünde, in unserer Mitte höhnt er laut, mehrt seine Worte gegen Gott.

Das Buch Ijob Kapitel 35

1 Dann ergriff Elihu das Wort und sprach: 2Hältst du das für ein Rechtsverfahren? Du behauptest bloß: Gerecht bin ich vor Gott. 3Du sagst: Was nützt es mir, was habe ich davon, dass ich nicht sündige? 4Ich will mit Worten dir erwidern und deinen Freunden auch mit dir. 5Schau den Himmel an und sieh, blick zu den Wolken auf hoch über dir! 6Wenn du gesündigt hast, was tust du ihm, sind zahlreich deine Frevel, was schadest du ihm? 7Tust du recht, was gibst du ihm oder was empfängt er aus deiner Hand? 8Menschen wie dich trifft dein Frevel, dein Gerechtsein nur die Menschenkinder. 9Sie schreien über der Bedrücker Menge, rufen um Hilfe unter dem Arm der Großen. 10Doch keiner fragt: Wo ist Gott, mein Schöpfer, der Loblieder schenkt bei Nacht, 11der uns mehr lehrt als die Tiere der Erde und uns weiser macht als die Vögel des Himmels? 12Dort schreien sie und doch antwortet er nicht wegen des Übermuts der Bösen. 13Wahrhaftig umsonst, Gott hört es nicht und der Allmächtige sieht es nicht an. 14Gar wenn du sagst, du sähest ihn nicht - das Gericht steht bei ihm, du aber harre auf ihn! 15Jetzt aber, da sein Zorn nicht straft und er nicht groß des Frevels achtet, 16reißt Ijob sinnlos auf den Mund, macht große Worte im Unverstand.

Das Buch Ijob Kapitel 36

1 Dann fuhr Elihu fort und sprach: 2 Wart ein wenig, ich will es dir künden, ich hab für Gott noch mehr zu sagen. 3Ich rufe mein Wissen weit hinaus, meinem Schöpfer verschaff ich Recht. 4Denn wahrhaftig, meine Worte sind kein Trug, ein Mann vollkommenen Wissens steht vor dir. 5Denn Gott ist gewaltig, doch verwirft er nicht, gewaltig an Kraft und an Weisheit. 6Den Frevler lässt er nicht am Leben, doch den Gebeugten schafft er Recht. 7Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten; Könige auf dem Thron: für immer setzt er sie ein, sie werden groß. 8Doch sind in Fesseln sie geschlagen, gefangen in des Elends Stricken, 9so hält er ihnen ihr Tun vor und ihr Vergehen, weil sie stolz geworden. 10Er öffnet ihr Ohr zur Warnung, fordert sie auf, vom Bösen zu lassen. 11Wenn sie gehorchen und ihm dienen, vollenden sie im Glück ihre Tage, in Wonnen ihre Jahre. 12Hören sie nicht, so fahren sie zum Todesschacht hinab, verscheiden im Unverstand. 13Ruchlos Gesinnte hegen Groll, schreien nicht um Hilfe, wenn er sie fesselt. 14Jung schon muss ihre Seele sterben, wie das Leben der Lustknaben ist ihr Leben. 15Den Geplagten rettet Gott durch seine Plage und öffnet durch Bedrängnis sein Ohr. 16Auch dich entreißt er dem Rachen der Bedrängnis, in Weite stehst du, nicht in Enge, voll ist deine Tafel von fetten Speisen. 17Doch wenn du wie ein Frevler richtest, wird Recht und Gericht dich treffen. 18 Zornglut verleite dich nicht beim Schicksalsschlag und reiches Lösegeld verführe dich nicht. 19Wird dein Schreien aus der Not dich führen und alle Anstrengungen voll Kraft? 20Sehne nicht die Nacht herbei, die Völker von ihrer Stätte vertreibt. 21Hüte dich und wende dich nicht zum Bösen! Denn darum wirst du durch Leid geprüft. 22Sieh, groß ist Gott in seiner Macht. Wer ist ein Lehrer wie er? 23Wer will ihm weisen seinen Weg? Wer kann ihm sagen: Du tust Unrecht? 24Denk daran, hoch sein Werk zu preisen, von dem die Menschen Lieder singen. 25Alle Welt schaut es voll Staunen, von ferne nur erblickt es der Mensch. 26Sieh, Gott ist groß, nicht zu begreifen, unerforschlich ist die Zahl seiner Jahre. 27Denn er zieht die Wassertropfen herauf, als Regen ergießen sie sich aus der Flut. 28Durch ihn rieseln die Wolken, träufeln nieder auf die vielen Menschen. 29Wer gar versteht der Wolke Schweben, den Donnerhall aus seinem Zelt? 30Sieh, darüber breitet er sein Licht und deckt des Meeres Wurzeln zu. 31Denn damit richtet er die Völker, gibt Speise in reicher Fülle. 32Mit leuchtenden Blitzen füllt er beide Hände, bietet sie auf gegen den, der angreift. 33Ihn kündigt an sein Donnerhall, wenn er im Zorn gegen den Frevel eifert.

Das Buch Ijob Kapitel 37

1 Darum erbebt mein Herz sehr heftig, pocht erregt an seiner Stelle. 2Hört, hört das Toben der Stimme Gottes, welch ein Grollen seinem Mund entfährt. 3Unter dem ganzen Himmel lässt er es los und seinen Blitz über die Säume der Erde. 4Hinter ihm brüllt der Donner drein, er dröhnt mit erhabener Stimme. Nicht hält er (die Blitze) zurück, wenn sein Donner gehört wird. 5Gott dröhnt mit seiner Stimme, wunderbar, er schafft große Dinge, wir verstehen sie nicht: 6Dem Schnee befiehlt er: Fall zur Erde!, dem Regenschwall, seinen mächtigen Güssen. 7Er versiegelt die Hand aller Menschen, sodass alle Welt sein Tun erkennt. 8Die Tiere verkriechen sich in ihr Versteck, sie lagern in ihren Höhlen. 9Aus seiner Kammer kommt der Sturm, von den Winden des Nordens die Kälte. 10Durch Gottes Hauch entsteht das Eis, liegt starr des Wassers Fläche. 11Auch belädt er die Wolken mit Nass, streut umher die leuchtenden Wolken. 12Sie ziehen hin und her, wie er sie lenkt, um alles, was er gebietet, zu wirken auf dem Kreis der Erde. 13Sei es als Zuchtrute, sei es auch für seine Erde, sei es als Erweis seiner Huld, so lässt er es sie treffen. 14Hör dir dies an, Ijob! Steh still, um die Wunder Gottes zu betrachten. 15Weißt du, wie Gott ihnen Auftrag gibt, wie das Licht seiner Wolke aufstrahlt? 16Weißt du um der Wolke Schweben, um die Wunderwerke des Allwissenden? 17Du, dem die Kleider vor Hitze glühen, wenn die Erde unter dem Südwind liegt, 18wölbst du gleich ihm das Wolkenfirmament, das fest ist wie ein gegossener Spiegel? 19Lehre du uns, was wir ihm sagen sollen. Wir können wegen des Dunkels nichts vorbringen. 20Muss man ihm erst erzählen, wenn ich rede? Muss es erst einer sagen, damit es ihm mitgeteilt wird? 21Und nun, wenn man das Sonnenlicht nicht sieht, ist es verdunkelt durch die Wolken, ein Windhauch bläst und fegt sie weg. 22Vom Norden naht ein Lichtglanz, um Gott her ist schreckliche Herrlichkeit. 23Den Allmächtigen ergründen wir nicht, er ist erhaben an Macht und Recht, er ist reich an Gerechtigkeit; Recht beugt er nicht. 24Darum sollen die Menschen ihn fürchten. Keinen sieht er an, wie weise sie auch sind.

Das Buch Ijob Kapitel 38

1 Da antwortete der Herr dem Ijob aus dem Wettersturm und sprach: 2Wer ist es, der den Ratschluss verdunkelt mit Gerede ohne Einsicht? 3Auf, gürte deine Lenden wie ein Mann: Ich will dich fragen, du belehre mich! 4Wo warst du, als ich die Erde gegründet? Sag es denn, wenn du Bescheid weißt. 5Wer setzte ihre Maße? Du weißt es ja. Wer hat die Messschnur über ihr gespannt? 6Wohin sind ihre Pfeiler eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt, 7als alle Morgensterne jauchzten, als jubelten alle Gottessöhne? 8Wer verschloss das Meer mit Toren, als schäumend es dem Mutterschoß entquoll, 9als Wolken ich zum Kleid ihm machte, ihm zur Windel dunklen Dunst, 10als ich ihm ausbrach meine Grenze, ihm Tor und Riegel setzte 11und sprach: Bis hierher darfst du und nicht weiter, hier muss sich legen deiner Wogen Stolz? 12Hast du je in deinem Leben dem Morgen geboten, dem Frührot seinen Ort bestimmt, 13dass es der Erde Säume fasse und dass die Frevler von ihr abgeschüttelt werden? 14Sie wandelt sich wie Siegelton, (die Dinge) stehen da wie ein Gewand. 15Den Frevlern wird ihr Licht entzogen, zerschmettert der erhobene Arm. 16Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen, hast du des Urgrunds Tiefe durchwandert? 17Haben dir sich die Tore des Todes geöffnet, hast du der Finsternis Tore geschaut? 18Hast du der Erde Breiten überblickt? Sag es, wenn du das alles weißt. 19Wo ist der Weg zur Wohnstatt des Lichts? Die Finsternis, wo hat sie ihren Ort, 20dass du sie einführst in ihren Bereich, die Pfade zu ihrem Haus sie führst? 21Du weißt es ja; du wurdest damals ja geboren und deiner Tage Zahl ist groß. 22Bist du zu den Kammern des Schnees gekommen, hast du die Kammern des Hagels gesehen, 23den ich für Zeiten der Drangsal aufgespart, für den Tag des Kampfes und der Schlacht? 24Wo ist der Weg dorthin, wo das Licht sich verteilt, der Ostwind sich über die Erde zerstreut? 25Wer grub der Regenflut eine Rinne, einen Weg für das Donnergewölk, 26um Regen zu senden auf unbewohntes Land, auf die Steppe, darin niemand wohnt, 27um zu sättigen die Wildnis und Öde und frisches Gras sprossen zu lassen? 28Hat der Regen einen Vater oder wer zeugte die Tropfen des Taus? 29Aus wessen Schoß ging das Eis hervor, des Himmels Reif, wer hat ihn geboren? 30Wie Stein erstarren die Wasser und wird fest die Fläche der Flut. 31Knüpfst du die Bande des Siebengestirns oder löst du des Orions Fesseln? 32Führst du heraus des Tierkreises Sterne zur richtigen Zeit, lenkst du die Löwin samt ihren Jungen? 33Kennst du die Gesetze des Himmels, legst du auf die Erde seine Urkunde nieder? 34Erhebst du zu den Wolken deine Stimme, dass dich die Woge des Wassers bedeckt? 35Entsendest du die Blitze, dass sie eilen und dir sagen: Wir sind da? 36Wer verlieh dem Ibis Weisheit oder wer gab Einsicht dem Hahn? 37Wer zählt in Weisheit die Wolken, und die Schläuche des Himmels, wer schüttet sie aus, 38wenn der Erdboden hart wird, als sei er gegossen, und Erdschollen zusammenkleben? 39Erjagst du Beute für die Löwin, stillst du den Hunger der jungen Löwen, 40wenn sie sich ducken in den Verstecken, im Dickicht auf der Lauer liegen? 41Wer bereitet dem Raben seine Nahrung, wenn seine Jungen schreien zu Gott und umherirren ohne Futter?

Das Buch Ijob Kapitel 39

1 Kennst du der Steinböcke Wurfzeit, überwachst du das Werfen der Hirsche? 2Zählst du die Monde, die tragend sie füllen, kennst du die Zeit ihres Wurfs? 3Sie kauern sich, werfen ihre Jungen, werden los ihre Wehen. 4Ihre Jungen erstarken, wachsen im Freien, laufen hinaus und kehren nicht zu ihnen zurück. 5Wer hat das Maultier freigelassen, des Wildesels Fesseln, wer schloss sie auf? 6Ich gab ihm zur Behausung die Steppe, zu seiner Wohnung die salzige Trift. 7Er verlacht das Lärmen der Stadt, hört nicht des Treibers Geschrei. 8Die Berge sucht er nach Weide ab, jeglichem Grün spürt er nach. 9Wird dir der Wildstier dienen wollen, bleibt er an deiner Krippe zur Nacht? 10Hältst du am Seil ihn in der Furche, pflügt er die Täler hinter dir her? 11Traust du ihm, weil er so stark ist? Überlässt du ihm deine Arbeit? 12Glaubst du ihm, dass er wiederkommt und deine Saat auf die Tenne bringt? 13Lustig schlägt die Straußenhenne die Flügel. Ist ihre Schwinge darum so wie die des Storches und Falken? 14Nein, sie gibt der Erde ihre Eier preis, lässt sie erwärmen im Sand, 15vergisst, dass sie ein Fuß zerdrücken, das Wild des Feldes sie zertreten kann; 16sie behandelt ihre Jungen hart wie Fremde; war umsonst ihre Mühe, es erschreckt sie nicht. 17Denn Gott ließ sie Weisheit vergessen, gab ihr an Verstand keinen Teil. 18Im Augenblick aber, wenn sie hochschnellt, verlacht sie das Ross und seinen Reiter. 19Gabst du dem Ross die Heldenstärke, kleidest du mit einer Mähne seinen Hals? 20Läßt du wie Heuschrecken es springen? Furchtbar ist sein stolzes Wiehern. 21Es scharrt im Tal und freut sich, zieht mit Macht dem Kampf entgegen. 22Es spottet der Furcht und kennt keine Angst und kehrt nicht um vor dem Schwert. 23Über ihm klirrt der Köcher, Speer und Sichelschwert blitzen. 24Mit Donnerbeben wirbelt es den Staub auf, steht nicht still beim Klang des Horns. 25Sooft das Horn hallt, wiehert es «hui» und wittert den Kampf schon von weitem, der Anführer Lärm und das Schlachtgeschrei. 26Kommt es von deiner Einsicht, dass der Falke sich aufschwingt und nach Süden seine Flügel ausbreitet? 27Fliegt auf dein Geheiß der Adler so hoch und baut seinen Horst in der Höhe? 28Auf Felsen wohnt und nächtigt er, auf der Felsenzacke und an steiler Wand. 29Von dort erspäht er die Beute, seine Augen schauen ins Weite. 30Nach Blut schon gieren seine Jungen; wo Erschlagene sind, ist er zur Stelle.

Das Buch Ijob Kapitel 40

1 Da antwortete der Herr dem Ijob und sprach: 2Mit dem Allmächtigen will der Tadler rechten? Der Gott anklagt, antworte drauf! 3Da antwortete Ijob dem Herrn und sprach: 4Siehe, ich bin zu gering. Was kann ich dir erwidern? Ich lege meine Hand auf meinen Mund. 5Einmal habe ich geredet, ich tu es nicht wieder; ein zweites Mal, doch nun nicht mehr! 6Da antwortete der Herr dem Ijob aus dem Wettersturm und sprach: 7Auf, gürte deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, du belehre mich! 8Willst du wirklich mein Recht zerbrechen, mich schuldig sprechen, damit du Recht behältst? 9Hast du denn einen Arm wie Gott, dröhnst du wie er mit Donnerstimme? 10So schmücke dich mit Hoheit und mit Majestät und kleide dich in Prunk und Pracht! 11Lass die Fluten deines Zornes sich ergießen, schau an jeden Stolzen, demütige ihn! 12Schau an jeden Stolzen, zwing ihn nieder! Zertritt die Frevler auf der Stelle! 13Verbirg sie insgesamt im Staub, schließ sie leibhaftig im Erdinnern ein! 14Dann werde auch ich dich preisen, weil deine Rechte den Sieg dir verschaffte. 15Sieh doch das Nilpferd, das ich wie dich erschuf. Gras frisst es wie ein Rind. 16Sieh doch die Kraft in seinen Lenden und die Stärke in den Muskeln seines Leibs! 17Wie eine Zeder lässt es hängen seinen Schwanz; straff sind verflochten seiner Schenkel Sehnen. 18Seine Knochen sind Röhren von Erz, wie Eisenstangen sein Gebein. 19Es ist der Anfang der Wege Gottes; der es gemacht hat, gab ihm sein Schwert. 20Doch die Berge tragen ihm Futter zu und alle Tiere des Feldes spielen dort. 21Es lagert unter Kreuzdornbüschen, in dem Versteck von Schilf und Sumpf. 22 Kreuzdornbüsche decken es mit Schatten, die Pappeln am Fluss umgeben es. 23Schwillt auch der Fluss, es zittert nicht, bleibt ruhig, wenn auch die Flut ihm ins Maul dringt. 24Kann man an den Augen es fassen, mit Haken ihm die Nase durchbohren? 25Kannst du das Krokodil am Angelhaken ziehen, mit der Leine seine Zunge niederdrücken? 26Legst du ein Binsenseil ihm in die Nase, durchbohrst du mit einem Haken seine Backe? 27Fleht es dich groß um Gnade an? Richtet es zärtliche Worte an dich? 28Schließt es einen Pakt mit dir, sodass du es dauernd nehmen kannst zum Knecht? 29Kannst du mit ihm wie mit einem Vogel spielen, bindest du es für deine Mädchen an? 30Feilschen darum die Jagdgenossen, verteilen sie es stückweise unter die Händler? 31Kannst du seine Haut mit Spießen spicken, mit einer Fischharpune seinen Kopf? 32Leg nur einmal deine Hand daran! Denk an den Kampf! Du tust es nie mehr.

Das Buch Ijob Kapitel 41

1 Sieh, das Hoffen darauf wird enttäuscht; sein bloßer Anblick bringt zu Fall. 2So kühn ist keiner, es zu reizen; wer könnte ihm wohl trotzen? 3Wer begegnete ihm und bliebe heil? Unter dem ganzen Himmel gibt es so einen nicht. 4Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß und mächtig, wie wohlgeschaffen es ist. 5Wer öffnet die Hülle seines Kleides, wer dringt in seinen Doppelpanzer ein? 6Wer öffnet die Tore seines Mauls? Rings um seine Zähne lagert Schrecken. 7Reihen von Schilden sind sein Rücken, verschlossen mit Siegel aus Kieselstein. 8Einer reiht sich an den andern, kein Lufthauch dringt zwischen ihnen durch. 9Fest haftet jeder an dem andern, sie sind verklammert, lösen sich nicht. 10Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie des Frührots Wimpern. 11Aus seinem Maul fahren brennende Fackeln, feurige Funken schießen hervor. 12Rauch dampft aus seinen Nüstern wie aus kochendem, heißem Topf. 13Sein Atem entflammt glühende Kohlen, eine Flamme schlägt aus seinem Maul hervor. 14Stärke wohnt in seinem Nacken, vor ihm her hüpft bange Furcht. 15Straff liegt seines Wanstes Fleisch, wie angegossen, unbewegt. 16Sein Herz ist fest wie Stein, fest wie der untere Mühlstein. 17Erhebt es sich, erschrecken selbst die Starken; vor Schrecken wissen sie nicht aus noch ein. 18Trifft man es, kein Schwert hält stand, nicht Lanze noch Geschoss und Pfeil. 19Eisen achtet es wie Stroh, Bronze wie morsch gewordenes Holz. 20Kein Bogenpfeil wird es verjagen, in Stoppeln verwandeln sich ihm die Steine der Schleuder. 21Wie Stoppeln dünkt ihm die Keule, es lacht nur über Schwertergerassel. 22Sein Unteres sind Scherbenspitzen; ein Dreschbrett breitet es über den Schlamm. 23Die Tiefe lässt es brodeln wie den Kessel, macht das Meer zu einem Salbentopf. 24Es hinterlässt eine leuchtende Spur; man meint, die Flut sei Greisenhaar. 25Auf Erden gibt es seinesgleichen nicht, dazu geschaffen, um sich nie zu fürchten. 26Alles Hohe blickt es an; König ist es über alle stolzen Tiere.

Das Buch Ijob Kapitel 42

1 Da antwortete Ijob dem Herrn und sprach: 2Ich hab erkannt, dass du alles vermagst; kein Vorhaben ist dir verwehrt. 3Wer ist es, der ohne Einsicht den Rat verdunkelt? So habe ich denn im Unverstand geredet über Dinge, die zu wunderbar für mich und unbegreiflich sind. 4Hör doch, ich will nun reden, ich will dich fragen, du belehre mich! 5Vom Hörensagen nur hatte ich von dir vernommen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut. 6Darum widerrufe ich und atme auf, in Staub und Asche. 7Als der Herr diese Worte zu Ijob gesprochen hatte, sagte der Herr zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und deine beiden Gefährten; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Ijob. 8So nehmt nun sieben Jungstiere und sieben Widder, geht hin zu meinem Knecht Ijob und bringt ein Brandopfer für euch dar! Mein Knecht Ijob aber soll für euch Fürbitte einlegen; nur auf ihn nehme ich Rücksicht, dass ich euch nichts Schlimmeres antue. Denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Ijob. 9Da gingen Elifas von Teman, Bildad von Schuach und Zofar von Naama hin und taten, was der Herr ihnen gesagt hatte. Und der Herr nahm Rücksicht auf Ijob. 10Der Herr wendete das Geschick Ijobs, als er für seinen Nächsten Fürbitte einlegte; und der Herr mehrte den Besitz Ijobs auf das Doppelte. 11Da kamen zu ihm alle seine Brüder, alle seine Schwestern und alle seine früheren Bekannten und speisten mit ihm in seinem Haus. Sie bezeigten ihm ihr Mitleid und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der Herr über ihn gebracht hatte. Ein jeder schenkte ihm eine Kesita und einen goldenen Ring. 12Der Herr aber segnete die spätere Lebenszeit Ijobs mehr als seine frühere. Er besaß vierzehntausend Schafe, sechstausend Kamele, tausend Joch Rinder und tausend Esel. 13Auch bekam er sieben Söhne und drei Töchter. 14Die erste nannte er Jemima, die zweite Kezia und die dritte Keren-Happuch. 15Man fand im ganzen Land keine schöneren Frauen als die Töchter Ijobs; ihr Vater gab ihnen Erbbesitz unter ihren Brüdern. 16Ijob lebte danach noch hundertvierzig Jahre; er sah seine Kinder und Kindeskinder, vier Geschlechter. 17Dann starb Ijob, hochbetagt und satt an Lebenstagen.

Die Psalmen

Psalm 1

1 Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt,2 sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.3 Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.4 Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.5 Darum werden die Frevler im Gericht nicht besteh'n noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.6 Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.

Psalm 2

1 Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne?2 Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten.3 "Laßt uns ihre Fesseln zerreißen und von uns werfen ihre Stricke!"4 Doch er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie.5 Dann aber spricht er zu ihnen im Zorn, in seinem Grimm wird er sie erschrecken:6 "Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg."7 Den Beschluß des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir: "Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt.8 Ford're von mir, und ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum.9 Du wirst sie zerschlagen mit eiserner Keule, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern."10 Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, laßt euch warnen, ihr Gebieter der Erde!11 Dient dem Herrn in Furcht, und küßt ihm mit Beben die Füße,12 damit er nicht zürnt und euer Weg nicht in den Abgrund führt. Denn wenig nur, und sein Zorn ist entbrannt. Wohl allen, die ihm vertrauen!

Psalm 3

1-2 Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger; so viele stehen gegen mich auf.3 Viele gibt es, die von mir sagen: "Er findet keine Hilfe bei Gott." 4 Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und richtest mich auf.5 Ich habe laut zum Herrn gerufen; da erhörte er mich von seinem heiligen Berg. 6 Ich lege mich nieder und schlafe ein, ich wache wieder auf, denn der Herr beschützt mich.7 Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht, wenn sie mich ringsum belagern.8 Herr, erhebe dich, mein Gott, bring mir Hilfe! Denn all meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen.9 Beim Herrn findet man Hilfe. Auf dein Volk komme dein Segen!

Psalm 4

1-2 Wenn ich rufe, erhöre mich, Gott, du mein Retter! Du hast mir Raum geschaffen, als mir angst war. Sei mir gnädig, und hör auf mein Flehen!3 Ihr Mächtigen, wie lange noch schmäht ihr meine Ehre, warum liebt ihr den Schein und sinnt auf Lügen? 4 Erkennt doch: Wunderbar handelt der Herr an den Frommen; der Herr erhört mich, wenn ich zu ihm rufe.5 Ereifert ihr euch, so sündigt nicht! Bedenkt es auf eurem Lager, und werdet still'! 6 Bringt rechte Opfer dar, und vertraut auf den Herrn!7 Viele sagen: "Wer läßt uns Gutes erleben?" Herr, laß dein Angesicht über uns leuchten!8 Du legst mir größere Freude ins Herz, als andere haben bei Korn und Wein in Fülle.9 In Frieden leg' ich mich nieder und schlafe ein; denn du allein, Herr, läßt mich sorglos ruhen.

Psalm 5

1-2 Höre meine Worte, Herr, achte auf mein Seufzen!3 Vernimm mein lautes Schreien, mein König und mein Gott, denn ich flehe zu dir.4 Herr, am Morgen hörst du mein Rufen, am Morgen rüst' ich das Opfer zu, halte Ausschau nach dir.5 Denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt; der Frevler darf nicht bei dir weilen.6 Wer sich brüstet, besteht nicht vor deinen Augen; denn dein Haß trifft alle, die Böses tun.7 Du läßt die Lügner zugrunde gehn, Mörder und Betrüger sind dem Herrn ein Greuel.8 Ich aber darf dein Haus betreten dank deiner großen Güte, ich werfe mich nieder in Ehrfurcht vor deinem heiligen Tempel.9 Leite mich, Herr, in deiner Gerechtigkeit, meinen Feinden zum Trotz; ebne deinen Weg vor mir!10 Aus ihrem Mund kommt kein wahres Wort, ihr Inneres ist voll Verderben. Ihre Kehle ist ein offenes Grab, aalglatt ist ihre Zunge.11 Gott, laß sie dafür büßen; sie sollen fallen durch ihre eigenen Ränke. Verstoße sie wegen ihrer vielen Verbrechen; denn sie empören sich gegen dich.12 Doch alle sollen sich freuen, die auf dich vertrauen, und sollen immerfort jubeln. Beschütze alle, die deinen Namen lieben, damit sie dich rühmen.13 Denn du, Herr, segnest den Gerechten. Wie mit einem Schild deckst du ihn mit deiner Gnade.

Psalm 6

1-2 Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm!3 Sei mir gnädig, Herr, ich sieche dahin; heile mich, Herr, denn meine Glieder zerfallen!4 Meine Seele ist tief verstört. Du aber, Herr, wie lange säumst du noch?5 Herr, wende dich mir zu und errette mich, in deiner Huld bring mir Hilfe!6 Denn bei den Toten denkt niemand mehr an dich. Wer wird dich in der Unterwelt noch preisen?7 Ich bin erschöpft vom Seufzen, jede Nacht benetzen Ströme von Tränen mein Bett, ich überschwemme mein Lager mit Tränen.8 Mein Auge ist getrübt vor Kummer, ich bin gealtert wegen all meiner Gegner.9 Weicht zurück von mir, all ihr Frevler; denn der Herr hat mein lautes Weinen gehört.10 Gehört hat der Herr mein Flehen, der Herr nimmt mein Beten an.11 In Schmach und Verstörung geraten all meine Feinde, sie müssen weichen und gehen plötzlich zugrunde.

Psalm 7

1-2 Herr, mein Gott, ich flüchte mich zu dir; hilf mir vor allen Verfolgern und rette mich,3 damit mir niemand wie ein Löwe das Leben raubt, mich zerreißt, und keiner ist da, der mich rettet.4 Wenn ich das getan habe, Herr, mein Gott, wenn an meinen Händen Unrecht klebt,5 wenn ich meinem Freunde Böses tat, wenn ich den quälte, der mich grundlos bedrängt hat,6 dann soll mich der Feind verfolgen und ergreifen; er richte mein Leben zugrunde und trete meine Ehre mit Füßen. 7 Herr, steh auf in deinem Zorn, erheb dich gegen meine wütenden Feinde! Wach auf, du mein Gott! Du hast zum Gericht gerufen. Der Herr richtet die Völker.8 Um dich stehe die Schar der Völker im Kreis; über ihnen throne du in der Höhe!9 Herr, weil ich gerecht bin, verschaff mir Recht, (und tu an mir Gutes,) weil ich schuldlos bin!10 Die Bosheit der Frevler finde ein Ende, doch gib dem Gerechten Bestand, gerechter Gott, der du auf Herz und Nieren prüfst.11 Ein Schild über mir ist Gott, er rettet die Menschen mit redlichem Herzen.12 Gott ist ein gerechter Richter, ein Gott, der täglich strafen kann.13 Wenn der Frevler sein Schwert wieder schärft, seinen Bogen spannt und zielt,14 dann rüstet er tödliche Waffen gegen sich selbst, bereitet sich glühende Pfeile.15 Er hat Böses im Sinn; er geht schwanger mit Unheil, und Tücke gebiert er.16 Er gräbt ein Loch, er schaufelt es aus, doch er stürzt in die Grube, die er selber gemacht hat.17 Seine Untat kommt auf sein eigenes Haupt, seine Gewalttat fällt auf seinen Scheitel zurück.18 Ich will dem Herrn danken, denn er ist gerecht; dem Namen des Herrn, des Höchsten, will ich singen und spielen.

Psalm 8

1-2 Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde; über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.3 Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, deinen Gegnern zum Trotz; deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.4 Seh' ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:5 Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst, des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt:8 All die Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere,9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.10 Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!

Psalm 9

1-2 Ich will dir danken, Herr, aus ganzem Herzen, verkünden will ich all deine Wunder.3 Ich will jauchzen und an dir mich freuen, für dich, du Höchster, will ich singen und spielen.4 Denn zurückgewichen sind meine Feinde, gestürzt und vergangen vor deinem Angesicht.5 Du hast mir Recht verschafft und für mich entschieden, dich auf den Thron gesetzt als ein gerechter Richter.6 Du hast die Völker bedroht, die Frevler vernichtet, ihren Namen gelöscht für immer und ewig.7 Die Feinde sind dahin, zerschlagen für immer. Du hast Städte entvölkert, ihr Ruhm ist versunken.8 Der Herr aber thront für ewig; er stellt seinen Thron auf zum Gericht.9 Er richtet den Erdkreis gerecht, er spricht den Völkern das Urteil, das sie verdienen.10 So wird der Herr für den Bedrückten zur Burg, zur Burg in Zeiten der Not.11 Darum vertraut dir, wer deinen Namen kennt; denn du, Herr, verläßt keinen, der dich sucht.12 Singt dem Herrn, der thront auf dem Zion, verkündet unter den Völkern seine Taten!13 Denn er, der jede Blutschuld rächt, denkt an die Armen, und ihren Notschrei vergißt er nicht.14 Sei mir gnädig in meiner Not; Herr, sieh doch, wie sie mich hassen! Führ mich herauf von den Pforten des Todes, 15 damit ich all deinen Ruhm verkünde in den Toren von Zion und frohlocke, weil du mir hilfst.16 Völker versanken in der Grube, die sie selber gegraben; im Netz, das sie heimlich gelegt, hat ihr Fuß sich verfangen.17 Kundgetan hat sich der Herr: Er hielt sein Gericht; im eigenen Werk hat sich der Frevler verstrickt. 18 Hinabfahren müssen die Frevler zum Totenreich, alle Heiden, die Gott vergessen.19 Doch der Arme ist nicht auf ewig vergessen, des Elenden Hoffnung ist nicht für immer verloren.20 Erheb dich, Herr, damit nicht der Mensch triumphiert, damit die Völker gerichtet werden vor deinem Angesicht.21 Wirf Schrecken auf sie, o Herr! Erkennen sollen die Völker: Sie sind nur Menschen.

Psalm 10

1 Herr, warum bleibst du so fern, verbirgst dich in Zeiten der Not?2 In seinem Hochmut quält der Frevler die Armen. Er soll sich fangen in den Ränken, die er selbst ersonnen hat.3 Denn der Frevler rühmt sich nach Herzenslust, er raubt, er lästert und verachtet den Herrn.4 Überheblich sagt der Frevler: "Gott straft nicht. Es gibt keinen Gott." So ist sein ganzes Denken.5 Zu jeder Zeit glückt ihm sein Tun. Hoch droben und fern von sich wähnt er deine Gerichte. All seine Gegner faucht er an.6 Er sagt in seinem Herzen: "Ich werde niemals wanken. Von Geschlecht zu Geschlecht trifft mich kein Unglück."7 Sein Mund ist voll Fluch und Trug und Gewalttat; auf seiner Zunge sind Verderben und Unheil.8 Er liegt auf der Lauer in den Gehöften und will den Schuldlosen heimlich ermorden; seine Augen spähen aus nach dem Armen.9 Er lauert im Versteck wie ein Löwe im Dickicht, er lauert darauf, den Armen zu fangen; er fängt den Armen und zieht ihn in sein Netz.10 Er duckt sich und kauert sich nieder, seine Übermacht bringt die Schwachen zu Fall.11 Er sagt in seinem Herzen: "Gott vergißt es, er verbirgt sein Gesicht, er sieht es niemals."12 Herr, steh auf, Gott, erheb deine Hand, vergiß die Gebeugten nicht!13 Warum darf der Frevler Gott verachten, und in seinem Herzen sagen: "Du strafst nicht"?14 Du siehst es ja selbst; denn du schaust auf Unheil und Kummer. Der Schwache vertraut sich dir an; du bist den Verwaisten ein Helfer.15 Zerbrich den Arm des Frevlers und des Bösen, bestraf seine Frevel, so daß man von ihm nichts mehr findet.16 Der Herr ist König für immer und ewig, in seinem Land gehen die Heiden zugrunde.17 Herr, du hast die Sehnsucht der Armen gestillt, du stärkst ihr Herz, du hörst auf sie:18 Du verschaffst den Verwaisten und Bedrückten ihr Recht. Kein Mensch mehr verbreite Schrecken im Land.

Psalm 11

1 Beim Herrn finde ich Zuflucht. Wie könnt ihr mir sagen: "In die Berge flieh wie ein Vogel"?2 Schon spannen die Frevler den Bogen, sie legen den Pfeil auf die Sehne, um aus dem Dunkel zu treffen die Menschen mit redlichem Herzen.3 Gerät alles ins Wanken, was kann da der Gerechte noch tun?4 Der Herr weilt in seinem heiligen Tempel, der Thron des Herrn ist im Himmel. Seine Augen schauen herab, seine Blicke prüfen die Menschen.5 Der Herr prüft Gerechte und Frevler; wer Gewalttat liebt, den haßt er aus tiefster Seele.6 Auf die Frevler lasse er Feuer und Schwefel regnen; sengender Wind sei ihr Anteil.7 Denn der Herr ist gerecht, er liebt gerechte Taten; wer rechtschaffen ist, darf sein Angesicht schauen.

Psalm 12

1-2 Hilf doch, o Herr, die Frommen schwinden dahin, unter den Menschen gibt es keine Treue mehr.3 Sie lügen einander an, einer den andern, mit falscher Zunge und zwiespältigem Herzen reden sie.4 Der Herr vertilge alle falschen Zungen, jede Zunge, die vermessen redet.5 Sie sagen: "Durch unsre Zunge sind wir mächtig; unsre Lippen sind unsre Stärke. Wer ist uns überlegen?"6 Die Schwachen werden unterdrückt, die Armen seufzen. Darum spricht der Herr: "Jetzt stehe ich auf, dem Verachteten bringe ich Heil."7 Die Worte des Herrn sind lautere Worte, Silber, geschmolzen im Ofen, von Schlacken geschieden, geläutert siebenfach.8 Du, Herr, wirst uns behüten und uns vor diesen Leuten für immer erretten,9 auch wenn die Frevler frei umhergehen und unter den Menschen die Gemeinheit groß wird.

Psalm 13

1-2 Wie lange noch, Herr, vergißt du mich ganz? Wie lange noch verbirgst du dein Gesicht vor mir?3 Wie lange noch muß ich Schmerzen ertragen in meiner Seele, in meinem Herzen Kummer Tag für Tag? Wie lange noch darf mein Feind über mich triumphieren?4 Blick doch her, erhöre mich, Herr, mein Gott, erleuchte meine Augen, damit ich nicht entschlafe und sterbe,5 damit mein Feind nicht sagen kann: "Ich habe ihn überwältigt", damit meine Gegner nicht jubeln, weil ich ihnen erlegen bin.6 Ich aber baue auf deine Huld, mein Herz soll über deine Hilfe frohlocken. Singen will ich dem Herrn, weil er mir Gutes getan hat.

Psalm 14

1 Die Toren sagen in ihrem Herzen: "Es gibt keinen Gott." Sie handeln verwerflich und schnöde; da ist keiner, der Gutes tut.2 Der Herr blickt vom Himmel herab auf die Menschen, ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht.3 Alle sind sie abtrünnig und verdorben, keiner tut Gutes, auch nicht ein einziger.4 Haben denn all die Übeltäter keine Einsicht? Sie verschlingen mein Volk. Sie essen das Brot des Herrn, doch seinen Namen rufen sie nicht an.5 Es trifft sie Furcht und Schrecken; denn Gott steht auf der Seite der Gerechten.6 Die Pläne der Armen wollt ihr vereiteln, doch ihre Zuflucht ist der Herr.7 Ach, käme doch vom Zion Hilfe für Israel! Wenn einst der Herr das Geschick seines Volkes wendet, dann jubelt Jakob, dann freut sich Israel.

Psalm 15

1 Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berg?2 Der makellos lebt und das Rechte tut; der von Herzen die Wahrheit sagt3 und mit seiner Zunge nicht verleumdet; der seinem Freund nichts Böses antut und seinen Nächsten nicht schmäht;4 der den Verworfenen verachtet, doch alle, die den Herrn fürchten, in Ehren hält; der sein Versprechen nicht ändert, das er seinem Nächsten geschworen hat;5 der sein Geld nicht auf Wucher ausleiht und nicht zum Nachteil des Schuldlosen Bestechung annimmt. Wer sich danach richtet, der wird niemals wanken.

Psalm 16

1 Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir. 2 Ich sage zum Herrn: "Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein."3 An den Heiligen im Lande, den Herrlichen, an ihnen nur hab' ich mein Gefallen.4 Viele Schmerzen leidet, wer fremden Göttern folgt. Ich will ihnen nicht opfern, ich nehme ihre Namen nicht auf meine Lippen.5 Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; du hältst mein Los in deinen Händen.6 Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu. Ja, mein Erbe gefällt mir gut.7 Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.8 Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.9 Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.10 Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du läßt deinen Frommen das Grab nicht schauen.11 Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.

Psalm 17

1 Höre, Herr, die gerechte Sache, achte auf mein Flehen, vernimm mein Gebet von Lippen ohne Falsch!2 Von deinem Angesicht ergehe mein Urteil; denn deine Augen sehen, was recht ist.3 Prüfst du mein Herz, suchst du mich heim in der Nacht und erprobst mich, dann findest du an mir kein Unrecht. Mein Mund verging sich nicht, 4 trotz allem, was die Menschen auch treiben; ich halte mich an das Wort deiner Lippen.5 Auf dem Weg deiner Gebote gehn meine Schritte, meine Füße wanken nicht auf deinen Pfaden.6 Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich. Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!7 Wunderbar erweise deine Huld! Du rettest alle, die sich an deiner Rechten vor den Feinden bergen.8 Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel9 vor den Frevlern, die mich hart bedrängen, vor den Feinden, die mich wütend umringen.10 Sie haben ihr hartes Herz verschlossen, sie führen stolze Worte im Mund,11 sie lauern mir auf, jetzt kreisen sie mich ein; sie trachten danach, mich zu Boden zu strecken,12 so wie der Löwe voll Gier ist zu zerreißen, wie der junge Löwe, der im Hinterhalt lauert.13 Erheb dich, Herr, tritt dem Frevler entgegen! Wirf ihn zu Boden, mit deinem Schwert entreiß mich ihm!14 Rette mich, Herr, mit deiner Hand vor diesen Leuten, vor denen, die im Leben schon alles haben. Du füllst ihren Leib mit Gütern, auch ihre Söhne werden noch satt und hinterlassen den Enkeln, was übrigbleibt.15 Ich aber will in Gerechtigkeit dein Angesicht schauen, mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache.

Psalm 18

1-2 Er sprach:] Ich will dich rühmen, Herr, meine Stärke,3 Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Retter, mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge, mein Schild und sicheres Heil, meine Zuflucht.4 Ich rufe: Der Herr sei gepriesen!, und ich werde vor meinen Feinden gerettet.5 Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich erschreckten die Fluten des Verderbens.6 Die Bande der Unterwelt umstrickten mich, über mich fielen die Schlingen des Todes.7 In meiner Not rief ich zum Herrn und schrie zu meinem Gott. Aus seinem Heiligtum hörte er mein Rufen, mein Hilfeschrei drang an sein Ohr.8 Da wankte und schwankte die Erde, die Grundfesten der Berge erbebten. Sie wankten, denn sein Zorn war entbrannt.9 Rauch stieg aus seiner Nase auf, aus seinem Mund kam verzehrendes Feuer, glühende Kohlen sprühten aus von ihm.10 Er neigte den Himmel und fuhr herab, zu seinen Füßen dunkle Wolken.11 Er fuhr auf dem Kerub und flog daher; er schwebte auf den Flügeln des Windes.12 Er hüllte sich in Finsternis, in dunkles Wasser und dichtes Gewölk wie in ein Zelt.13 Von seinem Glanz erstrahlten die Wolken, Hagel fiel nieder und glühende Kohlen.14 Da ließ der Herr den Donner im Himmel erdröhnen, der Höchste ließ seine Stimme erschallen.15 Er schoß seine Pfeile und streute sie, er schleuderte Blitze und jagte sie dahin.16 Da wurden sichtbar die Tiefen des Meeres, die Grundfesten der Erde wurden entblößt vor deinem Drohen, Herr, vor dem Schnauben deines zornigen Atems.17 Er griff aus der Höhe herab und faßte mich, zog mich heraus aus gewaltigen Wassern.18 Er entriß mich meinen mächtigen Feinden, die stärker waren als ich und mich haßten.19 Sie überfielen mich am Tag meines Unheils, doch der Herr wurde mein Halt.20 Er führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.21 Der Herr hat gut an mir gehandelt und mir vergolten, weil ich gerecht bin und meine Hände rein sind.22 Denn ich hielt mich an die Wege des Herrn und fiel nicht ruchlos ab von meinem Gott.23 Ja, ich habe alle seine Gebote vor Augen, weise seine Gesetze niemals ab.24 Ich war vor ihm ohne Makel, ich nahm mich in acht vor der Sünde.25 Darum hat der Herr mir vergolten, weil ich gerecht bin und meine Hände rein sind vor seinen Augen.26 Gegen den Treuen zeigst du dich treu, an dem Aufrichtigen handelst du recht.27 Gegen den Reinen zeigst du dich rein, doch falsch gegen den Falschen.28 Dem bedrückten Volk bringst du Heil, doch die Blicke der Stolzen zwingst du nieder.29 Du, Herr, läßt meine Leuchte erstrahlen, mein Gott macht meine Finsternis hell.30 Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.31 Vollkommen ist Gottes Weg, das Wort des Herrn ist im Feuer geläutert. Ein Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen.32 Denn wer ist Gott als allein der Herr, wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott?33 Gott hat mich mit Kraft umgürtet, er führte mich auf einen Weg ohne Hindernis.34 Er ließ mich springen schnell wie Hirsche, auf hohem Weg ließ er mich gehen.35 Er lehrte meine Hände zu kämpfen, meine Arme, den ehernen Bogen zu spannen.36 Du gabst mir deine Hilfe zum Schild, deine Rechte stützt mich; du neigst dich mir zu und machst mich groß.37 Du schaffst meinen Schritten weiten Raum, meine Knöchel wanken nicht.38 Ich verfolge meine Feinde und hole sie ein, ich kehre nicht um, bis sie vernichtet sind.39 Ich schlage sie nieder; sie können sich nicht mehr erheben, sie fallen und liegen unter meinen Füßen.40 Du hast mich zum Kampf mit Kraft umgürtet, hast alle in die Knie gezwungen, die sich gegen mich erhoben.41 Meine Feinde hast du zur Flucht gezwungen; ich konnte die vernichten, die mich hassen.42 Sie schreien, doch hilft ihnen niemand, sie schreien zum Herrn, doch er gibt keine Antwort.43 Ich zermalme sie zu Staub vor dem Wind, schütte sie auf die Straße wie Unrat.44 Du rettest mich vor zahllosem Kriegsvolk, du machst mich zum Haupt über ganze Völker. Stämme, die ich früher nicht kannte, sind mir nun untertan.45 Sobald sie mich nur hören, gehorchen sie. Mir huldigen die Söhne der Fremde,46 sie kommen zitternd aus ihren Burgen hervor.47 Es lebt der Herr! Mein Fels sei gepriesen. Der Gott meines Heils sei hoch erhoben;48 denn Gott verschaffte mir Vergeltung und unterwarf mir die Völker.49 Du hast mich von meinen Feinden befreit, mich über meine Gegner erhoben, dem Mann der Gewalt mich entrissen.50 Darum will ich dir danken, Herr, vor den Völkern, ich will deinem Namen singen und spielen.51 Seinem König verlieh er große Hilfe, Huld erwies er seinem Gesalbten, David und seinem Stamm auf ewig.

Psalm 19

1-2 Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament.3 Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund,4 ohne Worte und ohne Reden, unhörbar bleibt ihre Stimme.5 Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde. Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.6 Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Bräutigam; sie frohlockt wie ein Held und läuft ihre Bahn.7 Am einen Ende des Himmels geht sie auf und läuft bis ans andere Ende; nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.8 Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Gesetz des Herrn ist verläßlich, den Unwissenden macht es weise.9 Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.10 Die Furcht des Herrn ist rein, sie besteht für immer. Die Urteile des Herrn sind wahr, gerecht sind sie alle.11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.12 Auch dein Knecht läßt sich von ihnen warnen; wer sie beachtet, hat reichen Lohn.13 Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewußt ist!14 Behüte deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen; sie sollen nicht über mich herrschen. Dann bin ich ohne Makel und rein von schwerer Schuld.15 Die Worte meines Mundes mögen dir gefallen; was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen, Herr, mein Fels und mein Erlöser.

Psalm 20

1-2 Der Herr erhöre dich am Tag' der Not, der Name von Jakobs Gott möge dich schützen.3 Er sende dir Hilfe vom Heiligtum und stehe dir bei vom Zion her.4 An all deine Speiseopfer denke er, nehme dein Brandopfer gnädig an. 5 Er schenke dir, was dein Herz begehrt, und lasse all deine Pläne gelingen.6 Dann wollen wir jubeln über deinen Sieg, im Namen unsres Gottes das Banner erheben. All deine Bitten erfülle der Herr.7 Nun bin ich gewiß: der Herr schenkt seinem Gesalbten den Sieg; er erhört ihn von seinem heiligen Himmel her und hilft ihm mit der Macht seiner Rechten.8 Die einen sind stark durch Wagen, die andern durch Rosse, wir aber sind stark im Namen des Herrn, unsres Gottes.9 Sie sind gestürzt und gefallen; wir bleiben aufrecht und stehen.10 Herr, verleihe dem König den Sieg! Erhör uns am Tag, da wir rufen!

Psalm 21

1-2 An deiner Macht, Herr, freut sich der König; über deine Hilfe, wie jubelt er laut!3 Du hast ihm den Wunsch seines Herzens erfüllt, ihm nicht versagt, was seine Lippen begehrten. 4 Du kamst ihm entgegen mit Segen und Glück, du kröntest ihn mit einer goldenen Krone.5 Leben erbat er von dir, du gabst es ihm, viele Tage, für immer und ewig.6 Groß ist sein Ruhm durch deine Hilfe, du hast ihn bekleidet mit Hoheit und Pracht.7 Du machst ihn zum Segen für immer; wenn du ihn anblickst, schenkst du ihm große Freude.8 Denn der König vertraut auf den Herrn, die Huld des Höchsten läßt ihn niemals wanken.9 Deine Hand wird all deine Feinde finden; wer dich haßt, den trifft deine Rechte.10 Du läßt sie glühen wie einen feurigen Ofen, sobald du erscheinst. Der Herr verschlingt sie im Zorn, das Feuer verzehrt sie.11 Du wirst ihre Brut von der Erde vertilgen; ihr Geschlecht (verschwindet) aus der Mitte der Menschen.12 Schmieden sie auch böse und listige Pläne, richten sie doch nichts aus gegen dich.13 Du schlägst sie alle in die Flucht, wenn du mit deinem Bogen auf sie zielst.14 Erhebe dich, Herr, in deiner Macht! Deiner siegreichen Kraft wollen wir singen und spielen.

Psalm 22

1-2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.4 Aber du bist heilig, du thronst über dem Lobpreis Israels.5 Dir haben unsre Väter vertraut, sie haben vertraut, und du hast sie gerettet.6 Zu dir riefen sie und wurden befreit, dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet.8 Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:9 "Er wälze die Last auf den Herrn, der soll ihn befreien! Der reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat."10 Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, mich barg an der Brust der Mutter.11 Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Gott.12 Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe, und niemand ist da, der hilft.13 Viele Stiere umgeben mich, Büffel von Baschan umringen mich.14 Sie sperren gegen mich ihren Rachen auf, reißende, brüllende Löwen.15 Ich bin hingeschüttet wie Wasser, gelöst haben sich all meine Glieder. Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.16 Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, du legst mich in den Staub des Todes.17 Viele Hunde umlagern mich, eine Rotte von Bösen umkreist mich. Sie durchbohren mir Hände und Füße.18 Man kann all meine Knochen zählen; sie gaffen und weiden sich an mir.19 Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand.20 Du aber, Herr, halte dich nicht fern! Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!21 Entreiße mein Leben dem Schwert, mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!22 Rette mich vor dem Rachen des Löwen, vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!23 Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, inmitten der Gemeinde dich preisen.24 Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn, ihr alle vom Stamm Jakobs, rühmt ihn; erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels!25 Denn er hat nicht verachtet, nicht verabscheut das Elend des Armen. Er verbirgt sein Gesicht nicht vor ihm; er hat auf sein Schreien gehört.26 Deine Treue preise ich in großer Gemeinde; ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten.27 Die Armen sollen essen und sich sättigen; den Herrn sollen preisen, die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer.28 Alle Enden der Erde sollen daran denken und werden umkehren zum Herrn: Vor ihm werfen sich alle Stämme der Völker nieder.29 Denn der Herr regiert als König; er herrscht über die Völker.30 Vor ihm allein sollen niederfallen die Mächtigen der Erde, vor ihm sich alle niederwerfen, die in der Erde ruhen. 31 mein Stamm wird ihm dienen.] Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen, 32 seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk; denn er hat das Werk getan.

Psalm 23

1 Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.2 Er läßt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.3 Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.4 Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.6 Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Psalm 24

1 Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.2 Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt.3 Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?4 Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, der nicht betrügt und keinen Meineid schwört.5 Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott, seinem Helfer.6 Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs. 7 Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit.8 Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und gewaltig, der Herr, mächtig im Kampf.9 Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit.10 Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.

Psalm 25

1 Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele.2 Mein Gott, auf dich vertraue ich. Laß mich nicht scheitern, laß meine Feinde nicht triumphieren!3 Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden; zuschanden wird, wer dir schnöde die Treue bricht.4 Zeige mir, Herr, deine Wege, lehre mich deine Pfade!5 Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heiles. Auf dich hoffe ich allezeit.6 Denk an dein Erbarmen, Herr, und an die Taten deiner Huld; denn sie bestehen seit Ewigkeit.7 Denk nicht an meine Jugendsünden und meine Frevel! In deiner Huld denk an mich, Herr, denn du bist gütig.8 Gut und gerecht ist der Herr, darum weist er die Irrenden auf den rechten Weg.9 Die Demütigen leitet er nach seinem Recht, die Gebeugten lehrt er seinen Weg.10 Alle Pfade des Herrn sind Huld und Treue denen, die seinen Bund und seine Gebote bewahren.11 Um deines Namens willen, Herr, verzeih mir; denn meine Schuld ist groß.12 Wer ist der Mann, der Gott fürchtet? Ihm zeigt er den Weg, den er wählen soll.13 Dann wird er wohnen im Glück, seine Kinder werden das Land besitzen.14 Die sind Vertraute des Herrn, die ihn fürchten; er weiht sie ein in seinen Bund.15 Meine Augen schauen stets auf den Herrn; denn er befreit meine Füße aus dem Netz.16 Wende dich mir zu und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und gebeugt.17 Befrei mein Herz von der Angst, führe mich heraus aus der Bedrängnis!18 Sieh meine Not und Plage an, und vergib mir all meine Sünden!19 Sieh doch, wie zahlreich meine Feinde sind, mit welch tödlichem Haß sie mich hassen!20 Erhalte mein Leben und rette mich, laß mich nicht scheitern! Denn ich nehme zu dir meine Zuflucht.21 Unschuld und Redlichkeit mögen mich schützen, denn ich hoffe auf dich, o Herr.22 O Gott, erlöse Israel aus all seinen Nöten!

Psalm 26

1 Verschaff mir Recht, o Herr; denn ich habe ohne Schuld gelebt. Dem Herrn habe ich vertraut, ohne zu wanken.2 Erprobe mich, Herr, und durchforsche mich, prüfe mich auf Herz und Nieren!3 Denn mir stand deine Huld vor Augen, ich ging meinen Weg in Treue zu dir.4 Ich saß nicht bei falschen Menschen, mit Heuchlern hatte ich keinen Umgang.5 Verhaßt ist mir die Schar derer, die Unrecht tun; ich sitze nicht bei den Frevlern.6 Ich wasche meine Hände in Unschuld; ich umschreite, Herr, deinen Altar,7 um laut dein Lob zu verkünden und all deine Wunder zu erzählen.8 Herr, ich liebe den Ort, wo dein Tempel steht, die Stätte, wo deine Herrlichkeit wohnt.9 Raff mich nicht hinweg mit den Sündern, nimm mir nicht das Leben zusammen mit dem der Mörder!10 An ihren Händen klebt Schandtat, ihre Rechte ist voll von Bestechung.11 Ich aber gehe meinen Weg ohne Schuld. Erlöse mich, und sei mir gnädig!12 Mein Fuß steht auf festem Grund. Den Herrn will ich preisen in der Gemeinde.

Psalm 27

1 Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?2 Dringen Frevler auf mich ein, um mich zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde, sie müssen straucheln und fallen.3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht.4 Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich: Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit des Herrn zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.5 Denn er birgt mich in seinem Haus am Tag' des Unheils; er beschirmt mich im Schutz seines Zeltes, er hebt mich auf einen Felsen empor.6 Nun kann ich mein Haupt erheben über die Feinde, die mich umringen. Ich will Opfer darbringen in seinem Zelt, Opfer mit Jubel; dem Herrn will ich singen und spielen.7 Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen; sei mir gnädig, und erhöre mich!8 Mein Herz denkt an dein Wort: "Sucht mein Angesicht!" Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.9 Verbirg nicht dein Gesicht vor mir; weise deinen Knecht im Zorn nicht ab! Du wurdest meine Hilfe. Verstoß mich nicht, verlaß mich nicht, du Gott meines Heiles!10 Wenn mich auch Vater und Mutter verlassen, der Herr nimmt mich auf.11 Zeige mir, Herr, deinen Weg, leite mich auf ebener Bahn trotz meiner Feinde!12 Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis; denn falsche Zeugen stehen gegen mich auf und wüten.13 Ich aber bin gewiß, zu schauen die Güte des Herrn im Land der Lebenden.14 Hoffe auf den Herrn, und sei stark! Hab festen Mut, und hoffe auf den Herrn!

Psalm 28

1 Zu dir rufe ich, Herr, mein Fels. Wende dich nicht schweigend ab von mir! Denn wolltest du schweigen, würde ich denen gleich, die längst begraben sind.2 Höre mein lautes Flehen, wenn ich zu dir schreie, wenn ich die Hände zu deinem Allerheiligsten erhebe.3 Raff mich nicht weg mit den Übeltätern und Frevlern, die ihren Nächsten freundlich grüßen, doch Böses hegen in ihrem Herzen.4 Vergilt ihnen, wie es ihrem Treiben entspricht und ihren bösen Taten. Vergilt ihnen, wie es das Werk ihrer Hände verdient. Wende ihr Tun auf sie selbst zurück!5 Denn sie achten nicht auf das Walten des Herrn und auf das Werk seiner Hände. Darum reißt er sie nieder und richtet sie nicht wieder auf.6 Der Herr sei gepriesen. Denn er hat mein lautes Flehen erhört.7 Der Herr ist meine Kraft und mein Schild, mein Herz vertraut ihm. Mir wurde geholfen. Da jubelte mein Herz; ich will ihm danken mit meinem Lied.8 Der Herr ist die Stärke seines Volkes, er ist Schutz und Heil für seinen Gesalbten.9 Hilf deinem Volk, und segne dein Erbe, führe und trage es in Ewigkeit!

Psalm 29

1 Bringt dar dem Herrn, ihr Himmlischen, bringt dar dem Herrn Lob und Ehre!2 Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens, werft euch nieder vor dem Herrn in heiligem Schmuck!3 Die Stimme des Herrn erschallt über den Wassern. Der Gott der Herrlichkeit donnert, der Herr über gewaltigen Wassern.4 Die Stimme des Herrn ertönt mit Macht, die Stimme des Herrn voll Majestät.5 Die Stimme des Herrn zerbricht die Zedern, der Herr zerschmettert die Zedern des Libanon.6 Er läßt den Libanon hüpfen wie ein Kalb, wie einen Wildstier den Sirjon.7 Die Stimme des Herrn sprüht flammendes Feuer, 8 die Stimme des Herrn läßt die Wüste beben, beben läßt der Herr die Wüste von Kadesch.9 Die Stimme des Herrn wirbelt Eichen empor, sie reißt ganze Wälder kahl. In seinem Palast rufen alle: O herrlicher Gott!10 Der Herr thront über der Flut, der Herr thront als König in Ewigkeit.11 Der Herr gebe Kraft seinem Volk. Der Herr segne sein Volk mit Frieden.

Psalm 30

1-2 Ich will dich rühmen, Herr, denn du hast mich aus der Tiefe gezogen und läßt meine Feinde nicht über mich triumphieren.3 Herr, mein Gott, ich habe zu dir geschrien, und du hast mich geheilt.4 Herr, du hast mich herausgeholt aus dem Reich des Todes, aus der Schar der Todgeweihten mich zum Leben gerufen.5 Singt und spielt dem Herrn, ihr seine Frommen, preist seinen heiligen Namen!6 Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Güte ein Leben lang. Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel.7 Im sicheren Glück dachte ich einst: Ich werde niemals wanken.8 Herr, in deiner Güte stelltest du mich auf den schützenden Berg. Doch dann hast du dein Gesicht verborgen. Da bin ich erschrocken.9 Zu dir, Herr, rief ich um Hilfe, ich flehte meinen Herrn um Gnade an.10 (Ich sagte:) Was nützt dir mein Blut, wenn ich begraben bin? Kann der Staub dich preisen, deine Treue verkünden?11 Höre mich, Herr, sei mir gnädig! Herr, sei du mein Helfer!12 Da hast du mein Klagen in Tanzen verwandelt, hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.13 Darum singt dir mein Herz und will nicht verstummen. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Psalm 31

1-2 Herr, ich suche Zuflucht bei dir. Laß mich doch niemals scheitern; rette mich in deiner Gerechtigkeit!3 Wende dein Ohr mir zu, erlöse mich bald! Sei mir ein schützender Fels, eine feste Burg, die mich rettet.4 Denn du bist mein Fels und meine Burg; um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.5 Du wirst mich befreien aus dem Netz, das sie mir heimlich legten; denn du bist meine Zuflucht.6 In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.7 Dir sind alle verhaßt, die nichtige Götzen verehren, ich aber verlasse mich auf den Herrn.8 Ich will jubeln und über deine Huld mich freuen; denn du hast mein Elend angesehn, du bist mit meiner Not vertraut.9 Du hast mich nicht preisgegeben der Gewalt meines Feindes, hast meinen Füßen freien Raum geschenkt.10 Herr, sei mir gnädig, denn mir ist angst; vor Gram zerfallen mir Auge, Seele und Leib.11 In Kummer schwindet mein Leben dahin, meine Jahre verrinnen im Seufzen. Meine Kraft ist ermattet im Elend, meine Glieder sind zerfallen.12 Zum Spott geworden bin ich all meinen Feinden, ein Hohn den Nachbarn, ein Schrecken den Freunden; wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.13 Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.14 Ich höre das Zischeln der Menge - Grauen ringsum. Sie tun sich gegen mich zusammen; sie sinnen darauf, mir das Leben zu rauben.15 Ich aber, Herr, ich vertraue dir, ich sage: "Du bist mein Gott."16 In deiner Hand liegt mein Geschick; entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!17 Laß dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Güte!18 Herr, laß mich nicht scheitern, denn ich rufe zu dir. Scheitern sollen die Frevler, verstummen und hinabfahren ins Reich der Toten.19 Jeder Mund, der lügt, soll sich schließen, der Mund, der frech gegen den Gerechten redet, hochmütig und verächtlich.20 Wie groß ist deine Güte, Herr, die du bereithältst für alle, die dich fürchten und ehren; du erweist sie allen, die sich vor den Menschen zu dir flüchten.21 Du beschirmst sie im Schutz deines Angesichts vor dem Toben der Menschen. Wie unter einem Dach bewahrst du sie vor dem Gezänk der Zungen.22 Gepriesen sei der Herr, der wunderbar an mir gehandelt und mir seine Güte erwiesen hat zur Zeit der Bedrängnis.23 Ich aber dachte in meiner Angst: Ich bin aus deiner Nähe verstoßen. Doch du hast mein lautes Flehen gehört, als ich zu dir um Hilfe rief.24 Liebt den Herrn, all seine Frommen! Seine Getreuen behütet der Herr, doch den Hochmütigen vergilt er ihr Tun mit vollem Maß.25 Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr wartet auf den Herrn.

Psalm 32

1 Wohl dem, dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist.2 Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt und dessen Herz keine Falschheit kennt.3 Solang' ich es verschwieg, waren meine Glieder matt, den ganzen Tag mußte ich stöhnen.4 Denn deine Hand lag schwer auf mir bei Tag und bei Nacht; meine Lebenskraft war verdorrt wie durch die Glut des Sommers. 5 Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. Und du hast mir die Schuld vergeben. 6 Darum soll jeder Fromme in der Not zu dir beten; fluten hohe Wasser heran, ihn werden sie nicht erreichen.7 Du bist mein Schutz, bewahrst mich vor Not; du rettest mich und hüllst mich in Jubel. 8 "Ich unterweise dich und zeige dir den Weg, den du gehen sollst. Ich will dir raten; über dir wacht mein Auge."9 Werdet nicht wie Roß und Maultier, die ohne Verstand sind. Mit Zaum und Zügel muß man ihr Ungestüm bändigen, sonst folgen sie dir nicht.10 Der Frevler leidet viele Schmerzen, doch wer dem Herrn vertraut, den wird er mit seiner Huld umgeben.11 Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten, jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen!

Psalm 33

1 Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn; für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.2 Preist den Herrn mit der Zither, spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!3 Singt ihm ein neues Lied, greift voll in die Saiten und jubelt laut!4 Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, all sein Tun ist verläßlich.5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.6 Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen, ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes.7 Wie in einem Schlauch faßt er das Wasser des Meeres, verschließt die Urflut in Kammern.8 Alle Welt fürchte den Herrn; vor ihm sollen alle beben, die den Erdkreis bewohnen.9 Denn der Herr sprach, und sogleich geschah es; er gebot, und alles war da.10 Der Herr vereitelt die Beschlüsse der Heiden, er macht die Pläne der Völker zunichte.11 Der Ratschluß des Herrn bleibt ewig bestehen, die Pläne seines Herzens überdauern die Zeiten.12 Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.13 Der Herr blickt herab vom Himmel, er sieht auf alle Menschen.14 Von seinem Thronsitz schaut er nieder auf alle Bewohner der Erde.15 Der ihre Herzen gebildet hat, er achtet auf all ihre Taten.16 Dem König hilft nicht sein starkes Heer, der Held rettet sich nicht durch große Stärke.17 Nichts nützen die Rosse zum Sieg, mit all ihrer Kraft können sie niemand retten.18 Doch das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren, die nach seiner Güte ausschaun;19 denn er will sie dem Tod entreißen und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.20 Unsre Seele hofft auf den Herrn; er ist für uns Schild und Hilfe.21 Ja, an ihm freut sich unser Herz, wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.22 Laß deine Güte über uns walten, o Herr, denn wir schauen aus nach dir.

Psalm 34

1-2 Ich will den Herrn allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund.3 Meine Seele rühme sich des Herrn; die Armen sollen es hören und sich freuen.4 Verherrlicht mit mir den Herrn, laßt uns gemeinsam seinen Namen rühmen.5 Ich suchte den Herrn, und er hat mich erhört, er hat mich all meinen Ängsten entrissen.6 Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten, und ihr braucht nicht zu erröten.7 Da ist ein Armer; er rief, und der Herr erhörte ihn. Er half ihm aus all seinen Nöten.8 Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürchten und ehren, und er befreit sie.9 Kostet und seht, wie gütig der Herr ist; wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!10 Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen; denn wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel.11 Reiche müssen darben und hungern; wer aber den Herrn sucht, braucht kein Gut zu entbehren.12 Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! Ich will euch in der Furcht des Herrn unterweisen.13 Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?14 Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede!15 Meide das Böse, und tu das Gute; suche Frieden, und jage ihm nach!16 Die Augen des Herrn blicken auf die Gerechten, seine Ohren hören ihr Schreien.17 Das Antlitz des Herrn richtet sich gegen die Bösen, um ihr Andenken von der Erde zu tilgen.18 Schreien die Gerechten, so hört sie der Herr; er entreißt sie all ihren Ängsten.19 Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind.20 Der Gerechte muß viel leiden, doch allem wird der Herr ihn entreißen.21 Er behütet all seine Glieder, nicht eines von ihnen wird zerbrochen.22 Den Frevler wird seine Bosheit töten; wer den Gerechten haßt, muß es büßen.23 Der Herr erlöst seine Knechte; straflos bleibt, wer zu ihm sich flüchtet.

Psalm 35

1 Streite, Herr, gegen alle, die gegen mich streiten, bekämpfe alle, die mich bekämpfen!2 Ergreife Schild und Waffen; steh auf, um mir zu helfen!3 Schwing den Speer und die Lanze gegen meine Verfolger! Sag zu mir: "Ich bin deine Hilfe."4 In Schmach und Schande sollen alle fallen, die mir nach dem Leben trachten. Zurückweichen sollen sie und vor Scham erröten, die auf mein Unglück sinnen.5 Sie sollen werden wie Spreu vor dem Wind; der Engel des Herrn stoße sie fort.6 Ihr Weg soll finster und schlüpfrig sein; der Engel des Herrn verfolge sie.7 Denn sie haben mir ohne Grund ein Netz gelegt, mir ohne Grund eine Grube gegraben.8 Unvermutet ereile ihn das Verderben; er fange sich selbst in seinem Netz, er falle in die eigene Grube.9 Meine Seele aber wird jubeln über den Herrn und sich über seine Hilfe freuen.10 Mit Leib und Seele will ich sagen: Herr, wer ist wie du? Du entreißt den Schwachen dem, der stärker ist, den Schwachen und Armen dem, der ihn ausraubt.11 Da treten ruchlose Zeugen auf. Man wirft mir Dinge vor, von denen ich nichts weiß.12 Sie vergelten mir Gutes mit Bösem; ich bin verlassen und einsam.13 Ich aber zog ein Bußkleid an, als sie erkrankten, und quälte mich ab mit Fasten. Nun kehre mein Gebet zurück in meine Brust.14 Als wäre es ein Freund oder ein Bruder, so ging ich betrübt umher, wie man Leid trägt um die Mutter, trauernd und tief gebeugt.15 Doch als ich stürzte, lachten sie und taten sich zusammen. Sie taten sich gegen mich zusammen wie Fremde, die ich nicht kenne. Sie hören nicht auf, mich zu schmähen; 16 sie verhöhnen und verspotten mich, knirschen gegen mich mit den Zähnen.17 Herr, wie lange noch wirst du das ansehn? Rette mein Leben vor den wilden Tieren, mein einziges Gut vor den Löwen!18 Ich will dir danken in großer Gemeinde, vor zahlreichem Volk dich preisen.19 Über mich sollen die sich nicht freuen, die mich ohne Grund befeinden. Sie sollen nicht mit den Augen zwinkern, die mich grundlos hassen.20 Denn was sie reden, dient nicht dem Frieden; gegen die Stillen im Land ersinnen sie listige Pläne.21 Sie reißen den Mund gegen mich auf und sagen: "Dir geschieht recht. Jetzt sehen wir's mit eigenen Augen."22 Du hast es gesehen, Herr. So schweig doch nicht! Herr, bleib mir nicht fern!23 Wach auf, tritt ein für mein Recht, verteidige mich, mein Gott und mein Herr!24 Verschaff mir Recht nach deiner Gerechtigkeit, Herr, mein Gott! Sie sollen sich über mich nicht freuen.25 Laß sie nicht denken: "Recht so! Das freut uns." Sie sollen nicht sagen: "Wir haben ihn verschlungen."26 In Schmach und Schande sollen alle fallen, die sich über mein Unglück freuen, in Schimpf und Schande sich kleiden, die gegen mich prahlen.27 Alle sollen sich freuen und jubeln, die wünschen, daß ich im Recht bin. Sie sollen jederzeit sagen: "Groß ist der Herr, er will das Heil seines Knechtes."28 Meine Zunge soll deine Gerechtigkeit verkünden, dein Lob alle Tage.

Psalm 36

1-2 Der Frevler spricht: "Ich bin entschlossen zum Bösen." In seinen Augen gibt es kein Erschrecken vor Gott.3 Er gefällt sich darin, sich schuldig zu machen und zu hassen.4 Die Worte seines Mundes sind Trug und Unheil; er hat es aufgegeben, weise und gut zu handeln.5 Unheil plant er auf seinem Lager, er betritt schlimme Wege und scheut nicht das Böse.6 Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn.7 Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes, deine Urteile sind tief wie das Meer. Herr, du hilfst Menschen und Tieren.8 Gott, wie köstlich ist deine Huld! Die Menschen bergen sich im Schatten deiner Flügel, 9 sie laben sich am Reichtum deines Hauses; du tränkst sie mit dem Strom deiner Wonnen.10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.11 Erhalte denen, die dich kennen, deine Huld und deine Gerechtigkeit den Menschen mit redlichem Herzen!12 Laß mich nicht kommen unter den Fuß der Stolzen; die Hand der Frevler soll mich nicht vertreiben.13 Dann brechen die Bösen zusammen, sie werden niedergestoßen und können nie wieder aufstehn.

Psalm 37

1 Errege dich nicht über die Bösen, wegen der Übeltäter ereifere dich nicht!2 Denn sie verwelken schnell wie das Gras, wie grünes Kraut verdorren sie.3 Vertrau auf den Herrn und tu das Gute, bleib wohnen im Land und bewahre Treue!4 Freu dich innig am Herrn! Dann gibt er dir, was dein Herz begehrt.5 Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertrau ihm; er wird es fügen.6 Er bringt deine Gerechtigkeit heraus wie das Licht und dein Recht so hell wie den Mittag.7 Sei still vor dem Herrn und harre auf ihn! Erhitze dich nicht über den Mann, dem alles gelingt, den Mann, der auf Ränke sinnt.8 Steh ab vom Zorn und laß den Grimm; erhitze dich nicht, es führt nur zu Bösem.9 Denn die Bösen werden ausgetilgt; die aber auf den Herrn hoffen, werden das Land besitzen.10 Eine Weile noch, und der Frevler ist nicht mehr da; schaust du nach seiner Wohnung - sie ist nicht mehr zu finden.11 Doch die Armen werden das Land bekommen, sie werden Glück in Fülle genießen.12 Der Frevler sinnt auf Ränke gegen den Gerechten und knirscht gegen ihn mit den Zähnen.13 Der Herr verlacht ihn, denn er sieht, daß sein Tag kommt.14 Die Frevler zücken das Schwert und spannen ihren Bogen; sie wollen den Schwachen und Armen fällen und alle hinschlachten, die den rechten Weg gehn.15 Ihr Schwert dringe in ihr eigenes Herz, und ihre Bogen sollen zerbrechen.16 Besser das Wenige, das der Gerechte besitzt, als der Überfluß vieler Frevler.17 Denn die Arme der Frevler werden zerschmettert, doch die Gerechten stützt der Herr.18 Der Herr kennt die Tage der Bewährten, ihr Erbe hat ewig Bestand.19 In bösen Zeiten werden sie nicht zuschanden, sie werden satt in den Tagen des Hungers.20 Doch die Frevler gehen zugrunde, die Feinde des Herrn sind wie die Pracht der Auen: Sie schwinden dahin, wie Rauch schwinden sie hin.21 Der Frevler muß borgen und kann nicht bezahlen, doch freigebig schenkt der Gerechte.22 Denn wen der Herr segnet, der wird das Land besitzen, aber wen er verflucht, der wird ausgetilgt.23 Der Herr festigt die Schritte des Mannes, er hat Gefallen an seinem Weg.24 Auch wenn er strauchelt, stürzt er nicht hin; denn der Herr hält ihn fest an der Hand.25 Einst war ich jung, nun bin ich alt, nie sah ich einen Gerechten verlassen noch seine Kinder betteln um Brot.26 Allzeit ist er mildtätig, gern leiht er aus, seine Kinder werden zum Segen.27 Meide das Böse und tu das Gute, so bleibst du wohnen für immer.28 Denn der Herr liebt das Recht und verläßt seine Frommen nicht. Doch das Geschlecht der Frevler wird ausgetilgt, sie werden für immer vernichtet.29 Die Gerechten werden das Land besitzen und darin wohnen für alle Zeiten.30 Der Mund des Gerechten bewegt Worte der Weisheit, und seine Zunge redet, was recht ist.31 Er hat die Weisung seines Gottes im Herzen, seine Schritte wanken nicht.32 Der Frevler belauert den Gerechten und sucht ihn zu töten.33 Der Herr überläßt ihn nicht seiner Hand, läßt nicht zu, daß man ihn vor Gericht verurteilt.34 Hoffe auf den Herrn und bleib auf seinem Weg! Er wird dich erhöhen zum Erben des Landes; du wirst sehen, wie der Frevler vernichtet wird.35 Ich sah einen Frevler, bereit zu Gewalttat; er reckte sich hoch wie eine grünende Zeder.36 Wieder ging ich vorüber, und er war nicht mehr da; ich suchte ihn, doch er war nicht zu finden.37 Achte auf den Frommen und schau auf den Redlichen! Denn Zukunft hat der Mann des Friedens.38 Die Sünder aber werden alle zusammen vernichtet; die Zukunft der Frevler ist Untergang.39 Die Rettung der Gerechten kommt vom Herrn, er ist ihre Zuflucht in Zeiten der Not.40 Der Herr hilft ihnen und rettet sie, er rettet sie vor den Frevlern; er schenkt ihnen Heil, denn sie suchen Zuflucht bei ihm.

Psalm 38

1-2 Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm!3 Denn deine Pfeile haben mich getroffen, deine Hand lastet schwer auf mir.4 Nichts blieb gesund an meinem Leib, weil du mir grollst, weil ich gesündigt, blieb an meinen Gliedern nichts heil.5 Denn meine Sünden schlagen mir über dem Kopf zusammen, sie erdrücken mich wie eine schwere Last.6 Mir schwären, mir eitern die Wunden wegen meiner Torheit.7 Ich bin gekrümmt und tief gebeugt, den ganzen Tag geh' ich traurig einher.8 Denn meine Lenden sind voller Brand, nichts blieb gesund an meinem Leib.9 Kraftlos bin ich und ganz zerschlagen, ich schreie in der Qual meines Herzens.10 All mein Sehnen, Herr, liegt offen vor dir, mein Seufzen ist dir nicht verborgen.11 Mein Herz pocht heftig, mich hat die Kraft verlassen, geschwunden ist mir das Licht der Augen.12 Freunde und Gefährten bleiben mir fern in meinem Unglück, und meine Nächsten meiden mich.13 Die mir nach dem Leben trachten, legen mir Schlingen; die mein Unheil suchen, planen Verderben, den ganzen Tag haben sie Arglist im Sinn.14 Ich bin wie ein Tauber, der nicht hört, wie ein Stummer, der den Mund nicht auftut.15 Ich bin wie einer, der nicht mehr hören kann, aus dessen Mund keine Entgegnung kommt.16 Doch auf dich, Herr, harre ich; du wirst mich erhören, Herr, mein Gott.17 Denn ich sage: Über mich sollen die sich nicht freuen, die gegen mich prahlen, wenn meine Füße straucheln.18 Ich bin dem Fallen nahe, mein Leid steht mir immer vor Augen.19 Ja, ich bekenne meine Schuld, ich bin wegen meiner Sünde in Angst.20 Die mich ohne Grund befehden, sind stark; viele hassen mich wegen nichts.21 Sie vergelten mir Gutes mit Bösem, sie sind mir feind; denn ich trachte nach dem Guten.22 Herr, verlaß mich nicht, bleib mir nicht fern, mein Gott!23 Eile mir zu Hilfe, Herr, du mein Heil!

Psalm 39

1-2 Ich sagte: Ich will auf meine Wege achten, damit ich nicht sündige mit meiner Zunge. Ich lege meinem Mund einen Zaum an, solange der Frevler vor mir steht.3 So blieb ich stumm und still; ich schwieg, vom Glück verlassen, doch mein Schmerz war aufgerührt.4 Heiß wurde mir das Herz in der Brust, bei meinem Grübeln entbrannte ein Feuer; da mußte ich reden:5 Herr, tu mir mein Ende kund und die Zahl meiner Tage! Laß mich erkennen, wie sehr ich vergänglich bin!6 Du machtest meine Tage nur eine Spanne lang, meine Lebenszeit ist vor dir wie ein Nichts. Ein Hauch nur ist jeder Mensch. 7 Nur wie ein Schatten geht der Mensch einher, um ein Nichts macht er Lärm. Er rafft zusammen und weiß nicht, wer es einheimst.8 Und nun, Herr, worauf soll ich hoffen? Auf dich allein will ich harren.9 Entreiß mich allen, die mir Unrecht tun, und überlaß mich nicht dem Spott der Toren!10 Ich bin verstummt, ich tue den Mund nicht mehr auf. Denn so hast du es gefügt.11 Nimm deine Plage weg von mir! Unter der Wucht deiner Hand vergehe ich.12 Du strafst und züchtigst den Mann wegen seiner Schuld, du zerstörst seine Anmut wie Motten das Kleid, ein Hauch nur ist jeder Mensch. 13 Hör mein Gebet, Herr, vernimm mein Schreien, schweig nicht zu meinen Tränen! Denn ich bin nur ein Gast bei dir, ein Fremdling wie all meine Väter.14 Wende dein strafendes Auge ab von mir, so daß ich heiter blicken kann, bevor ich dahinfahre und nicht mehr da bin.

Psalm 40

1-2 Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.3 Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, aus Schlamm und Morast. Er stellte meine Füße auf den Fels, machte fest meine Schritte.4 Er legte mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott. Viele werden es sehen, sich in Ehrfurcht neigen und auf den Herrn vertrauen.5 Wohl dem Mann, der auf den Herrn sein Vertrauen setzt, sich nicht zu den Stolzen hält noch zu treulosen Lügnern.6 Zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, und deine Pläne mit uns; Herr, mein Gott, nichts kommt dir gleich. Wollte ich von ihnen künden und reden, es wären mehr, als man zählen kann.7 An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen, Brand- und Sündopfer forderst du nicht. Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt; 8 darum sage ich: Ja, ich komme. In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist.9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude, deine Weisung trag' ich im Herzen.10 Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde, meine Lippen verschließe ich nicht; Herr, du weißt es.11 Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht im Herzen, ich spreche von deiner Treue und Hilfe, ich schweige nicht über deine Huld und Wahrheit vor der großen Gemeinde.12 Du, Herr, verschließ mir nicht dein Erbarmen, deine Huld und Wahrheit mögen mich immer behüten!13 Denn Leiden ohne Zahl umfangen mich, meine Sünden holen mich ein, ich vermag nicht mehr aufzusehn. Zahlreicher sind sie als die Haare auf meinem Kopf, der Mut hat mich ganz verlassen.14 Gewähre mir die Gunst, Herr, und reiß mich heraus; Herr, eile mir zu Hilfe!15 In Schmach und Schande sollen alle fallen, die mir nach dem Leben trachten. Zurückweichen sollen sie und vor Scham erröten, die sich über mein Unglück freuen.16 Vor Schande sollen alle schaudern, die zu mir sagen: "Dir geschieht recht."17 Alle, die dich suchen, frohlocken; sie mögen sich freuen in dir. Die dein Heil lieben, sollen immer sagen: Groß ist Gott, der Herr.18 Ich bin arm und gebeugt; der Herr aber sorgt für mich. Meine Hilfe und mein Retter bist du. Mein Gott, säume doch nicht!

Psalm 41

1-2 Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt; zur Zeit des Unheils wird der Herr ihn retten.3 Ihn wird der Herr behüten und am Leben erhalten. Man preist ihn glücklich im Land. Gib ihn nicht seinen gierigen Feinden preis!4 Auf dem Krankenbett wird der Herr ihn stärken; seine Krankheit verwandelst du in Kraft.5 Ich sagte: Herr, sei mir gnädig, heile mich; denn ich habe gegen dich gesündigt.6 Meine Feinde reden böse über mich: "Wann stirbt er endlich, und wann vergeht sein Name?"7 Besucht mich jemand, so kommen seine Worte aus falschem Herzen. Er häuft in sich Bosheit an, dann geht er hinaus und redet.8 Im Haß gegen mich sind sich alle einig; sie tuscheln über mich und sinnen auf Unheil:9 "Verderben hat sich über ihn ergossen; wer einmal daliegt, steht nicht mehr auf."10 Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat gegen mich geprahlt.11 Du aber, Herr, sei mir gnädig; richte mich auf, damit ich ihnen vergelten kann.12 Daran erkenne ich, daß du an mir Gefallen hast: wenn mein Feind nicht über mich triumphieren darf.13 Weil ich aufrichtig bin, hältst du mich fest und stellst mich vor dein Antlitz für immer.14 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, ja amen.

Psalm 42

1-2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen?4 Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht; denn man sagt zu mir den ganzen Tag: "Wo ist nun dein Gott?"5 Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke: wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge.6 Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.7 Betrübt ist meine Seele in mir, darum denke ich an dich im Jordanland, am Hermon, am Mizar-Berg.8 Flut ruft der Flut zu beim Tosen deiner Wasser, all deine Wellen und Wogen gehen über mich hin.9 Bei Tag schenke der Herr seine Huld; ich singe ihm nachts und flehe zum Gott meines Lebens.10 Ich sage zu Gott, meinem Fels: "Warum hast du mich vergessen? Warum muß ich trauernd umhergehen, von meinem Feind bedrängt?"11 Wie ein Stechen in meinen Gliedern ist für mich der Hohn der Bedränger; denn sie rufen mir ständig zu: "Wo ist nun dein Gott?"12 Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

Psalm 43

1 Verschaff mir Recht, o Gott, und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk! Rette mich vor bösen und tückischen Menschen!2 Denn du bist mein starker Gott. Warum hast Du mich verstoßen? Warum muß ich trauernd umhergehen, von meinem Feind bedrängt?3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, damit sie mich leiten; sie sollen mich führen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung.4 So will ich zum Altar Gottes treten, zum Gott meiner Freude. Jauchzend will ich dich auf der Harfe loben, Gott, mein Gott.5 Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

Psalm 44

1-2 Gott, wir hörten es mit eigenen Ohren, unsere Väter erzählten uns von dem Werk, das du in ihren Tagen vollbracht hast, in den Tagen der Vorzeit.3 Mit eigener Hand hast du Völker vertrieben, sie aber eingepflanzt. Du hast Nationen zerschlagen, sie aber ausgesät.4 Denn sie gewannen das Land nicht mit ihrem Schwert, noch verschaffte ihr Arm ihnen den Sieg; nein, deine Rechte war es, dein Arm und dein leuchtendes Angesicht; denn du hattest an ihnen Gefallen.5 Du, mein König und mein Gott, du bist es, der Jakob den Sieg verleiht.6 Mit dir stoßen wir unsere Bedränger nieder, in deinem Namen zertreten wir unsere Gegner.7 Denn ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen, noch kann mein Schwert mir helfen;8 nein, du hast uns vor unsern Bedrängern gerettet; alle, die uns hassen, bedeckst du mit Schande.9 Wir rühmen uns Gottes den ganzen Tag und preisen deinen Namen auf ewig. 10 Doch nun hast du uns verstoßen und mit Schmach bedeckt, du ziehst nicht mit unserm Heer in den Kampf.11 Du läßt uns vor unsern Bedrängern fliehen, und Menschen, die uns hassen, plündern uns aus.12 Du gibst uns preis wie Schlachtvieh, unter die Völker zerstreust du uns.13 Du verkaufst dein Volk um ein Spottgeld und hast an dem Erlös keinen Gewinn.14 Du machst uns zum Schimpf für die Nachbarn, zu Spott und Hohn bei allen, die rings um uns wohnen.15 Du machst uns zum Spottlied der Völker, die Heiden zeigen uns nichts als Verachtung.16 Meine Schmach steht mir allzeit vor Augen, und Scham bedeckt mein Gesicht17 wegen der Worte des lästernden Spötters, wegen der rachgierigen Blicke des Feindes.18 Das alles ist über uns gekommen, und doch haben wir dich nicht vergessen, uns von deinem Bund nicht treulos abgewandt.19 Unser Herz ist nicht von dir gewichen, noch hat unser Schritt deinen Pfad verlassen.20 Doch du hast uns verstoßen an den Ort der Schakale und uns bedeckt mit Finsternis.21 Hätten wir den Namen unseres Gottes vergessen und zu einem fremden Gott die Hände erhoben,22 würde Gott das nicht ergründen? Denn er kennt die heimlichen Gedanken des Herzens.23 Nein, um deinetwillen werden wir getötet Tag für Tag, behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.24 Wach auf! Warum schläfst du, Herr? Erwache, verstoß nicht für immer!25 Warum verbirgst du dein Gesicht, vergißt unsere Not und Bedrängnis?26 Unsere Seele ist in den Staub hinabgebeugt, unser Leib liegt am Boden.27 Steh auf und hilf uns! In deiner Huld erlöse uns!

Psalm 45

1-2 Mein Herz fließt über von froher Kunde, ich weihe mein Lied dem König. Meine Zunge gleicht dem Griffel des flinken Schreibers.3 Du bist der Schönste von allen Menschen, Anmut ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat Gott dich für immer gesegnet.4 Gürte, du Held, dein Schwert um die Hüfte, kleide dich in Hoheit und Herrlichkeit!5 Zieh aus mit Glück, kämpfe für Wahrheit und Recht! Furchtgebietende Taten soll dein rechter Arm dich lehren.6 Deine Pfeile sind scharf, dir unterliegen die Völker, die Feinde des Königs verlieren den Mut.7 Dein Thron, du Göttlicher, steht für immer und ewig; das Zepter deiner Herrschaft ist ein gerechtes Zepter.8 Du liebst das Recht und haßt das Unrecht, darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit dem Öl der Freude wie keinen deiner Gefährten.9 Von Myrrhe, Aloe und Kassia duften all deine Gewänder, aus Elfenbeinhallen erfreut dich Saitenspiel.10 Königstöchter gehen dir entgegen, die Braut steht dir zur Rechten im Schmuck von Ofirgold.11 Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, vergiß dein Volk und dein Vaterhaus!12 Der König verlangt nach deiner Schönheit; er ist ja dein Herr, verneig dich vor ihm!13 Die Töchter von Tyrus kommen mit Gaben, deine Gunst begehren die Edlen des Volkes.14 Die Königstochter ist herrlich geschmückt, ihr Gewand ist durchwirkt mit Gold und Perlen.15 Man geleitet sie in buntgestickten Kleidern zum König, Jungfrauen sind ihr Gefolge, ihre Freundinnen führt man zu dir.16 Man geleitet sie mit Freude und Jubel, sie ziehen ein in den Palast des Königs.17 An die Stelle deiner Väter treten einst deine Söhne; du bestellst sie zu Fürsten im ganzen Land.18 Ich will deinen Namen rühmen von Geschlecht zu Geschlecht; darum werden die Völker dich preisen immer und ewig.

Psalm 46

1-2 Gott ist uns Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in allen Nöten.3 Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt, wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres,4 wenn seine Wasserwogen tosen und schäumen und vor seinem Ungestüm die Berge erzittern. Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg. 5 Die Wasser eines Stromes erquicken die Gottesstadt, des Höchsten heilige Wohnung.6 Gott ist in ihrer Mitte, darum wird sie niemals wanken; Gott hilft ihr, wenn der Morgen anbricht.7 Völker toben, Reiche wanken, es dröhnt sein Donner, da zerschmilzt die Erde.8 Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg. 9 Kommt und schaut die Taten des Herrn, der Furchtbares vollbringt auf der Erde.10 Er setzt den Kriegen ein Ende bis an die Grenzen der Erde; er zerbricht die Bogen, zerschlägt die Lanzen, im Feuer verbrennt er die Schilde.11 "Laßt ab und erkennt, daß ich Gott bin, erhaben über die Völker, erhaben auf Erden."12 Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg.

Psalm 47

1-2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!3 Denn furchtgebietend ist der Herr, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.4 Er unterwirft uns Völker und zwingt Nationen unter unsre Füße.5 Er wählt unser Erbland für uns aus, den Stolz Jakobs, den er liebt. 6 Gott stieg empor unter Jubel, der Herr beim Schall der Hörner.7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Spielt unserm König, spielt ihm!8 Denn Gott ist König der ganzen Erde. Spielt ihm ein Psalmenlied!9 Gott wurde König über alle Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams. Denn Gott gehören die Mächte der Erde; er ist hoch erhaben.

Psalm 48

1-2 Groß ist der Herr und hoch zu preisen in der Stadt uns'res Gottes.3 Sein heiliger Berg ragt herrlich empor; er ist die Freude der ganzen Welt. Der Berg Zion liegt weit im Norden; er ist die Stadt des großen Königs.4 Gott ist in ihren Häusern bekannt als ein sicherer Schutz.5 Denn seht: Die Könige vereinten sich und zogen gemeinsam heran;6 doch als sie aufsahen, erstarrten sie vor Schreck, sie waren bestürzt und liefen davon.7 Dort packte sie das Zittern, wie die Wehen eine gebärende Frau,8 Wie der Sturm vom Osten, der die Schiffe von Tarschisch zerschmettert.9 Wie wir's gehört hatten, so erlebten wir's jetzt in der Stadt des Herrn der Heere, in der Stadt uns'res Gottes; Gott läßt sie ewig bestehen. 10 Über deine Huld, o Gott, denken wir nach in deinem heiligen Tempel.11 Wie dein Name, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde; deine rechte Hand ist voll von Gerechtigkeit.12 Der Berg Zion freue sich, die Töchter Judas sollen über deine gerechten Urteile jubeln.13 Umkreist den Zion, umschreitet ihn, zählt seine Türme!14 Betrachtet seine Wälle, geht in seinen Palästen umher, damit ihr dem kommenden Geschlecht erzählen könnt:15 "Das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er wird uns führen in Ewigkeit."

Psalm 49

1-2 Hört dies an, ihr Völker alle, vernehmt es, alle Bewohner der Erde,3 ihr Leute aus dem Volk und vom Adel, Reiche und Arme zusammen!4 Mein Mund spreche weise Worte; was mein Herz ersinnt, sei voller Einsicht.5 Ich wende mein Ohr einem Weisheitsspruch zu, ich enthülle mein Geheimnis beim Harfenspiel.6 Warum soll ich mich in bösen Tagen fürchten, wenn mich der Frevel tückischer Feinde umgibt?7 Sie verlassen sich ganz auf ihren Besitz und rühmen sich ihres großen Reichtums.8 Loskaufen kann doch keiner den andern noch an Gott für ihn ein Sühnegeld zahlen9 - für das Leben ist jeder Kaufpreis zu hoch; für immer muß man davon abstehn -,10 damit er auf ewig weiterlebt und niemals das Grab schaut.11 Denn man sieht: Weise sterben; genauso gehen Tor und Narr zugrunde, sie müssen andern ihren Reichtum lassen.12 Das Grab ist ihr Haus auf ewig, ist ihre Wohnung für immer, ob sie auch Länder nach ihren Namen benannten.13 Der Mensch bleibt nicht in seiner Pracht; er gleicht dem Vieh, das verstummt.14 So geht es denen, die auf sich selbst vertrauen, und so ist das Ende derer, die sich in großen Worten gefallen. 15 Der Tod führt sie auf seine Weide wie Schafe, sie stürzen hinab zur Unterwelt. Geradewegs sinken sie hinab in das Grab; ihre Gestalt zerfällt, die Unterwelt wird ihre Wohnstatt.16 Doch Gott wird mich loskaufen aus dem Reich des Todes, ja, er nimmt mich auf. 17 Laß dich nicht beirren, wenn einer reich wird und die Pracht seines Hauses sich mehrt;18 denn im Tod nimmt er das alles nicht mit, seine Pracht steigt nicht mit ihm hinab.19 Preist er sich im Leben auch glücklich und sagt zu sich: "Man lobt dich, weil du dir's wohl sein läßt",20 so muß er doch zur Schar seiner Väter hinab, die das Licht nie mehr erblicken.21 Der Mensch in Pracht, doch ohne Einsicht, er gleicht dem Vieh, das verstummt.

Psalm 50

1 Der Gott der Götter, der Herr, spricht, er ruft der Erde zu vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang.2 Vom Zion her, der Krone der Schönheit, geht Gott strahlend auf.3 Unser Gott kommt und schweigt nicht; Feuer frißt vor ihm her; um ihn stürmt es gewaltig.4 Dem Himmel droben und der Erde ruft er zu, er werde sein Volk nun richten:5 "Versammelt mir all meine Frommen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer."6 Die Himmel sollen seine Gerechtigkeit künden; Gott selbst wird Richter sein. 7 "Höre, mein Volk, ich rede. Israel, ich klage dich an, ich, der ich dein Gott bin.8 Nicht wegen deiner Opfer rüg' ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.9 Doch nehme ich von dir Stiere nicht an noch Böcke aus deinen Hürden.10 Denn mir gehört alles Getier des Waldes, das Wild auf den Bergen zu Tausenden.11 Ich kenne alle Vögel des Himmels, was sich regt auf dem Feld, ist mein eigen.12 Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, denn mein ist die Welt und was sie erfüllt.13 Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken?14 Bring Gott als Opfer dein Lob, und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!15 Rufe mich an am Tag der Not; dann rette ich dich, und du wirst mich ehren."16 Zum Frevler aber spricht Gott: "Was zählst du meine Gebote auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund?17 Dabei ist Zucht dir verhaßt, meine Worte wirfst du hinter dich.18 Siehst du einen Dieb, so läufst du mit, du machst dich mit Ehebrechern gemein.19 Dein Mund redet böse Worte, und deine Zunge stiftet Betrug an.20 Von deinem Bruder redest du schändlich, auf den Sohn deiner Mutter häufst du Verleumdung.21 Das hast du getan, und ich soll schweigen? Meinst du, ich bin wie du? Ich halte es dir vor Augen und rüge dich.22 Begreift es doch, ihr, die ihr Gott vergeßt! Sonst zerreiße ich euch, und niemand kann euch retten.23 Wer Opfer des Lobes bringt, ehrt mich; wer rechtschaffen lebt, dem zeig' ich mein Heil."

Psalm 51

1-2 als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem sich David mit Batseba vergangen hatte.]3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!4 Wasch meine Schuld von mir ab, und mach mich rein von meiner Sünde!5 Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen.6 Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was dir mißfällt. So behältst du recht mit deinem Urteil, rein stehst du da als Richter.7 Denn ich bin in Schuld geboren; in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.8 Lauterer Sinn im Verborgenen gefällt dir, im Geheimen lehrst du mich Weisheit.9 Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.10 Sättige mich mit Entzücken und Freude! Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast.11 Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, tilge all meine Frevel!12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist!13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!14 Mach mich wieder froh mit deinem Heil; mit einem willigen Geist rüste mich aus!15 Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege, und die Sünder kehren um zu dir.16 Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.17 Herr, öffne mir die Lippen, und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden.18 Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben; an Brandopfern hast du kein Gefallen.19 Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.20 In deiner Huld tu Gutes an Zion; bau die Mauern Jerusalems wieder auf!21 Dann hast du Freude an rechten Opfern, an Brandopfern und Ganzopfern, dann opfert man Stiere auf deinem Altar.

Psalm 52

1-2 als der Edomiter Doëg zu Saul kam und ihm meldete: David ist in das Haus des Ahimelech gegangen.]3 Was rühmst du dich deiner Bosheit, du Mann der Gewalt, was prahlst du allzeit vor dem Frommen?4 Du Ränkeschmied, du planst Verderben; deine Zunge gleicht einem scharfen Messer.5 Du liebst das Böse mehr als das Gute und Lüge mehr als wahrhaftige Rede. 6 Du liebst lauter verderbliche Worte, du tückische Zunge.7 Darum wird Gott dich verderben für immer, dich packen und herausreißen aus deinem Zelt, dich entwurzeln aus dem Land der Lebenden. 8 Gerechte werden es sehen und sich fürchten; sie werden über ihn lachen und sagen:9 "Seht, das ist der Mann, der nicht zu Gott seine Zuflucht nahm; auf seinen großen Reichtum hat er sich verlassen und auf seinen Frevel gebaut."10 Ich aber bin im Haus Gottes wie ein grünender Ölbaum; auf Gottes Huld vertraue ich immer und ewig.11 Ich danke dir, Herr, in Ewigkeit; denn du hast das alles vollbracht. Ich hoffe auf deinen Namen im Kreis der Frommen; denn du bist gütig.

Psalm 53

1-2 Die Toren sagen in ihrem Herzen: "Es gibt keinen Gott." Sie handeln verwerflich und schnöde; da ist keiner, der Gutes tut.3 Gott blickt vom Himmel herab auf die Menschen, ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht.4 Alle sind sie abtrünnig und verdorben, keiner tut Gutes, auch nicht ein einziger.5 Haben denn die Übeltäter keine Einsicht? Sie verschlingen mein Volk. Sie essen Gottes Brot, doch seinen Namen rufen sie nicht an.6 Es trifft sie Furcht und Schrecken, obwohl doch nichts zu fürchten ist. Deinen Bedrängern hat Gott die Glieder zerschlagen. Gott läßt sie scheitern, denn er hat sie verworfen.7 Ach käme doch vom Zion Hilfe für Israel! Wenn Gott einst das Geschick seines Volkes wendet, dann jubelt Jakob, dann freut sich Israel.

Psalm 54

1-2 als die Sifiter kamen und Saul meldeten: David hält sich bei uns verborgen.]3 Hilf mir, Gott, durch deinen Namen, verschaff mir Recht mit deiner Kraft!4 Gott, höre mein Flehen, vernimm die Worte meines Mundes!5 Denn es erheben sich gegen mich stolze Menschen, freche Leute trachten mir nach dem Leben; sie haben Gott nicht vor Augen. 6 Doch Gott ist mein Helfer, der Herr beschützt mein Leben.7 Auf meine Gegner falle das Unheil zurück. Weil du treu bist, vernichte sie!8 Freudig bringe ich dir dann mein Opfer dar und lobe deinen Namen, Herr; denn du bist gütig.9 Der Herr hat mich herausgerissen aus all meiner Not, und mein Auge kann auf meine Feinde herabsehn.

Psalm 55

1-2 Vernimm, o Gott, mein Beten; verbirg dich nicht vor meinem Flehen!3 Achte auf mich, und erhöre mich! Unstet schweife ich umher und klage.4 Das Geschrei der Feinde macht mich verstört; mir ist angst, weil mich die Frevler bedrängen. Sie überhäufen mich mit Unheil und befehden mich voller Grimm.5 Mir bebt das Herz in der Brust; mich überfielen die Schrecken des Todes.6 Furcht und Zittern erfaßten mich; ich schauderte vor Entsetzen.7 Da dachte ich: "Hätte ich doch Flügel wie eine Taube, dann flöge ich davon und käme zur Ruhe."8 Weit fort möchte ich fliehen, die Nacht verbringen in der Wüste. 9 An einen sicheren Ort möchte ich eilen vor dem Wetter, vor dem tobenden Sturm.10 Entzweie sie, Herr, verwirr ihre Sprache! Denn in der Stadt sehe ich Gewalttat und Hader.11 Auf ihren Mauern umschleicht man sie bei Tag und bei Nacht; sie ist voll Unheil und Mühsal.12 In ihr herrscht Verderben; Betrug und Unterdrückung weichen nicht von ihren Märkten.13 Denn nicht mein Feind beschimpft mich, das würde ich ertragen; nicht ein Mann, der mich haßt, tritt frech gegen mich auf, vor ihm könnte ich mich verbergen.14 Nein, du bist es, ein Mensch aus meiner Umgebung, mein Freund, mein Vertrauter,15 mit dem ich, in Freundschaft verbunden, zum Haus Gottes gepilgert bin inmitten der Menge.16 Der Tod soll sie überfallen, lebend sollen sie hinabfahren ins Totenreich. Denn ihre Häuser und Herzen sind voller Bosheit.17 Ich aber, zu Gott will ich rufen, der Herr wird mir helfen.18 Am Abend, am Morgen, am Mittag seufze ich und stöhne; er hört mein Klagen.19 Er befreit mich, bringt mein Leben in Sicherheit vor denen, die gegen mich kämpfen, wenn es auch viele sind, die gegen mich angeh'n.20 Gott hört mich und beugt sie nieder, er, der als König thront seit Ewigkeit. Denn sie kehren nicht um und fürchten Gott nicht.21 Der Feind legt Hand an Gottes Freunde, er entweiht Gottes Bund.22 Glatt wie Butter sind seine Reden, doch in seinem Herzen sinnt er auf Streit; seine Worte sind linder als Öl und sind doch gezückte Schwerter.23 Wirf deine Sorge auf den Herrn, er hält dich aufrecht! Er läßt den Gerechten niemals wanken.24 Du aber, Gott, wirst sie hinabstürzen in die tiefste Grube. Gewalttätige und Betrüger erreichen nicht die Mitte ihres Lebens. Ich aber setze mein Vertrauen auf dich.

Psalm 56

1-2 Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellen mir nach; meine Feinde bedrängen mich Tag für Tag.3 Täglich stellen meine Gegner mir nach; ja, es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpfen.4 An dem Tag, da ich mich fürchten muß, setze ich auf dich mein Vertrauen.5 Ich preise Gottes Wort. Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?6 Sie verdrehen meine Worte den ganzen Tag; auf mein Verderben geht ihr ganzes Sinnen.7 Sie lauern und spähen und beobachten genau meine Schritte; denn sie trachten mir nach dem Leben.8 Sie haben gefrevelt; es gibt für sie kein Entrinnen. In deinem Zorn, o Gott, wirf die Völker zu Boden!9 Mein Elend ist aufgezeichnet bei dir. Sammle meine Tränen in einem Krug, zeichne sie auf in deinem Buch!10 Dann weichen die Feinde zurück an dem Tag, da ich rufe. Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite.11 Ich preise Gottes Wort, ich preise das Wort des Herrn.12 Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?13 Ich schulde dir die Erfüllung meiner Gelübde, o Gott; ich will dir Dankopfer weihen.14 Denn du hast mein Leben dem Tod entrissen, meine Füße bewahrt vor dem Fall. So gehe ich vor Gott meinen Weg im Licht der Lebenden.

Psalm 57

1-2 Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig; denn ich flüchte mich zu dir. Im Schatten deiner Flügel finde ich Zuflucht, bis das Unheil vorübergeht.3 Ich rufe zu Gott, dem Höchsten, zu Gott, der mir beisteht.4 Er sende mir Hilfe vom Himmel; meine Feinde schmähen mich. Gott sende seine Huld und Treue.5 Ich muß mich mitten unter Löwen lagern, die gierig auf Menschen sind. Ihre Zähne sind Spieße und Pfeile, ein scharfes Schwert ihre Zunge.6 Erheb dich über die Himmel, o Gott! Deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.7 Sie haben meinen Schritten ein Netz gelegt und meine Seele gebeugt. Sie haben mir eine Grube gegraben; doch fielen sie selbst hinein. 8 Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit, ich will dir singen und spielen.9 Wach auf, meine Seele! Wacht auf, Harfe und Saitenspiel! Ich will das Morgenrot wecken.10 Ich will dich vor den Völkern preisen, Herr, dir vor den Nationen lobsingen.11 Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn.12 Erheb dich über die Himmel, o Gott; deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.

Psalm 58

1-2 Sprecht ihr wirklich Recht, ihr Mächtigen? Richtet ihr die Menschen gerecht?3 Nein, ihr schaltet im Land nach Willkür, euer Herz ist voll Bosheit; eure Hände bahnen dem Unrecht den Weg.4 Vom Mutterschoß an sind die Frevler treulos, von Geburt an irren sie vom Weg ab und lügen.5 Ihr Gift ist wie das Gift der Schlange, wie das Gift der tauben Natter, die ihr Ohr verschließt,6 die nicht auf die Stimme des Beschwörers hört, der sich auf Zaubersprüche versteht.7 O Gott, zerbrich ihnen die Zähne im Mund! Zerschlage, Herr, das Gebiß der Löwen!8 Sie sollen vergehen wie verrinnendes Wasser, wie Gras, das verwelkt auf dem Weg,9 wie die Schnecke, die sich auflöst in Schleim; wie eine Fehlgeburt sollen sie die Sonne nicht schauen.10 Ehe eure Töpfe das Feuer des Dornstrauchs spüren, fege Gott die Feinde hinweg, ob frisch, ob verdorrt.11 Wenn er die Vergeltung sieht, freut sich der Gerechte; er badet seine Füße im Blut des Frevlers.12 Dann sagen die Menschen: "Der Gerechte erhält seinen Lohn; es gibt einen Gott, der auf Erden Gericht hält."

Psalm 59

1-2 Entreiß mich den Feinden, mein Gott, beschütze mich vor meinen Gegnern!3 Entreiß mich denen, die Unrecht tun, rette mich vor den Mördern!4 Sieh her: Sie lauern mir auf, Mächtige stellen mir nach. Ich aber habe keinen Frevel begangen und keine Sünde;5 Herr, ich bin ohne Schuld. Sie stürmen vor und stellen sich auf. Wach auf, komm mir entgegen, sieh her!6 Herr, du Gott der Heerscharen, Gott Israels, werde wach, suche alle Völker heim! Sei keinem treulosen Frevler gnädig! 7 Abend für Abend kommen sie wieder, sie kläffen wie Hunde, durchstreifen die Stadt.8 Ja, sie geifern mit ihrem Maul. Die Schwerter zwischen ihren Lippen, wer nimmt sie wahr?9 Du aber, Herr, verlachst sie; du spottest über alle Völker.10 Meine Stärke, an dich will ich mich halten, denn du, Gott, bist meine Burg.11 Mein huldreicher Gott kommt mir entgegen; Gott läßt mich herabsehen auf meine Gegner.12 Töte sie nicht, damit mein Volk nicht vergißt. In deiner Kraft zerstreue sie, wirf sie nieder, Herr, unser Schild!13 Wegen der Sünde ihres Mundes, wegen all ihrer Reden sollen sie sich in ihrem Hochmut verfangen; denn sie fluchen und verbreiten nur Lügen.14 Vernichte sie im Zorn, vernichte sie; sie sollen zugrundegehen. Sie sollen erkennen, daß Gott der Herrscher in Jakob ist und bis an das Ende der Erde. 15 Abend für Abend kommen sie wieder, sie kläffen wie Hunde, durchstreifen die Stadt.16 Sie streunen umher, gierig nach Fraß; werden sie nicht satt, dann knurren sie.17 Ich aber will deine Macht besingen, will über deine Huld jubeln am Morgen. Denn du bist eine Burg für mich, bist meine Zuflucht am Tag der Not.18 Meine Stärke, dir will ich singen und spielen; denn du, Gott, bist meine Burg, mein huldreicher Gott.

Psalm 60

1-2 als er mit den Aramäern Mesopotamiens und den Aramäern von Zoba kämpfte und als Joab umkehrte und die Edomiter im Salztal schlug, zwölftausend Mann.]3 Du hast uns verworfen, o Gott, und zerschlagen. Du hast uns gezürnt. Richte uns wieder auf!4 Erschüttert hast du das Land und gespalten. Heile seine Risse! Denn es kam ins Wanken.5 Du hast dein Volk hart geprüft, du gabst uns betäubenden Wein zu trinken.6 Für alle, die dich fürchten, hast du ein Zeichen aufgestellt, zu dem sie fliehen können vor dem Bogen. 7 Hilf mit deiner Rechten, erhöre uns, damit die gerettet werden, die du so sehr liebst.8 Gott hat in seinem Heiligtum gesprochen: "Ich will triumphieren, will Sichem verteilen und das Tal von Sukkot vermessen.9 Mein ist Gilead, mein auch Manasse, Efraim ist der Helm auf meinem Haupt, Juda mein Herrscherstab.10 Doch Moab ist mein Waschbecken, auf Edom werfe ich meinen Schuh, ich triumphiere über das Land der Philister."11 Wer führt mich hin zu der befestigten Stadt, wer wird mich nach Edom geleiten?12 Gott, hast denn du uns verworfen? Du ziehst ja nicht aus, o Gott, mit unseren Heeren.13 Bring uns doch Hilfe im Kampf mit dem Feind! Denn die Hilfe von Menschen ist nutzlos.14 Mit Gott werden wir Großes vollbringen; er selbst wird unsere Feinde zertreten.

Psalm 61

1-2 Gott, höre mein Flehen, achte auf mein Beten!3 Vom Ende der Erde rufe ich zu dir; denn mein Herz ist verzagt. Führe mich auf den Felsen, der mir zu hoch ist!4 Du bist meine Zuflucht, ein fester Turm gegen die Feinde.5 In deinem Zelt möchte ich Gast sein auf ewig, mich bergen im Schutz deiner Flügel. 6 Denn du, o Gott, hast meine Gelübde gehört und denen das Erbe gegeben, die deinen Namen fürchten.7 Füge den Tagen des Königs noch viele hinzu! Seine Jahre mögen dauern von Geschlecht zu Geschlecht.8 Er throne ewig vor Gottes Angesicht. Huld und Treue mögen ihn behüten.9 Dann will ich allzeit deinem Namen singen und spielen und Tag für Tag meine Gelübde erfüllen.

Psalm 62

1-2 Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe.3 Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken.4 Wie lange rennt ihr an gegen einen einzigen, stürmt alle heran wie gegen eine fallende Wand, wie gegen eine Mauer, die einstürzt? Gott,5 Ja, sie planen, ihn von seiner Höhe zu stürzen; Lügen ist ihre Lust. Sie segnen mit ihrem Mund, doch in ihrem Herzen fluchen sie. 6 Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung.7 Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken.8 Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; Gott ist mein schützender Fels, meine Zuflucht.9 Vertrau ihm, Volk (Gottes), zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht. 10 Nur ein Hauch sind die Menschen, die Leute nur Lug und Trug. Auf der Waage schnellen sie empor, leichter als ein Hauch sind sie alle.11 Vertraut nicht auf Gewalt, verlaßt euch nicht auf Raub! Wenn der Reichtum auch wächst, so verliert doch nicht euer Herz an ihn!12 Eines hat Gott gesagt, zweierlei habe ich gehört: Bei Gott ist die Macht;13 Herr, bei dir ist die Huld. Denn du wirst jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen.

Psalm 63

1-2 Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir. Nach dir schmachtet mein Leib wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.3 Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen.4 Denn deine Huld ist besser als das Leben; darum preisen dich meine Lippen.5 Ich will dich rühmen mein Leben lang, in deinem Namen die Hände erheben.6 Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, mit jubelnden Lippen soll mein Mund dich preisen.7 Ich denke an dich auf nächtlichem Lager und sinne über dich nach, wenn ich wache.8 Ja, du wurdest meine Hilfe; jubeln kann ich im Schatten deiner Flügel.9 Meine Seele hängt an dir, deine rechte Hand hält mich fest.10 Viele trachten mir ohne Grund nach dem Leben, aber sie müssen hinabfahren in die Tiefen der Erde.11 Man gibt sie der Gewalt des Schwertes preis, sie werden eine Beute der Schakale.12 Der König aber freue sich an Gott. Wer bei ihm schwört, darf sich rühmen. Doch allen Lügnern wird der Mund verschlossen.

Psalm 64

1-2 Höre, o Gott, mein lautes Klagen, schütze mein Leben vor dem Schrecken des Feindes!3 Verbirg mich vor der Schar der Bösen, vor dem Toben derer, die Unrecht tun.4 Sie schärfen ihre Zunge wie ein Schwert, schießen giftige Worte wie Pfeile,5 um den Schuldlosen von ihrem Versteck aus zu treffen. Sie schießen auf ihn, plötzlich und ohne Scheu.6 Sie sind fest entschlossen zu bösem Tun. Sie planen, Fallen zu stellen, und sagen: "Wer sieht uns schon?"7 Sie haben Bosheit im Sinn, doch halten sie ihre Pläne geheim. Ihr Inneres ist heillos verdorben, ihr Herz ist ein Abgrund.8 Da trifft sie Gott mit seinem Pfeil; sie werden jählings verwundet.9 Ihre eigene Zunge bringt sie zu Fall. Alle, die es sehen, schütteln den Kopf.10 Dann fürchten sich alle Menschen; sie verkünden Gottes Taten und bedenken sein Wirken.11 Der Gerechte freut sich am Herrn und sucht bei ihm Zuflucht. Und es rühmen sich alle Menschen mit redlichem Herzen.

Psalm 65

1-2 Dir gebührt Lobgesang, Gott, auf dem Zion, dir erfüllt man Gelübde.3 Du erhörst die Gebete. Alle Menschen kommen zu dir4 unter der Last ihrer Sünden. Unsere Schuld ist zu groß für uns, du wirst sie vergeben.5 Wohl denen, die du erwählst und in deine Nähe holst, die in den Vorhöfen deines Heiligtums wohnen. Wir wollen uns am Gut deines Hauses sättigen, am Gut deines Tempels.6 Du vollbringst erstaunliche Taten, erhörst uns in Treue, du Gott unsres Heiles, du Zuversicht aller Enden der Erde und der fernsten Gestade.7 Du gründest die Berge in deiner Kraft, du gürtest dich mit Stärke.8 Du stillst das Brausen der Meere, das Brausen ihrer Wogen, das Tosen der Völker.9 Alle, die an den Enden der Erde wohnen, erschauern vor deinen Zeichen; Ost und West erfüllst du mit Jubel.10 Du sorgst für das Land und tränkst es; du überschüttest es mit Reichtum. Der Bach Gottes ist reichlich gefüllt, du schaffst ihnen Korn; so ordnest du alles.11 Du tränkst die Furchen, ebnest die Schollen, machst sie weich durch Regen, segnest ihre Gewächse.12 Du krönst das Jahr mit deiner Güte, deinen Spuren folgt Überfluß.13 In der Steppe prangen die Auen, die Höhen umgürten sich mit Jubel.14 Die Weiden schmücken sich mit Herden, die Täler hüllen sich in Korn. Sie jauchzen und singen.

Psalm 66

1 Jauchzt vor Gott, alle Länder der Erde! 2 Spielt zum Ruhm seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis!3 Sagt zu Gott: "Wie ehrfurchtgebietend sind deine Taten; vor deiner gewaltigen Macht müssen die Feinde sich beugen."4 Alle Welt bete dich an und singe dein Lob, sie lobsinge deinem Namen! 5 Kommt und seht die Taten Gottes! Staunenswert ist sein Tun an den Menschen:6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, sie schritten zu Fuß durch den Strom; dort waren wir über ihn voll Freude.7 In seiner Kraft ist er Herrscher auf ewig; seine Augen prüfen die Völker. Die Trotzigen können sich gegen ihn nicht erheben. 8 Preist unser'n Gott, ihr Völker; laßt laut sein Lob erschallen!9 Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.10 Du hast, o Gott, uns geprüft, und uns geläutert, wie man Silber läutert.11 Du brachtest uns in schwere Bedrängnis und legtest uns eine drückende Last auf die Schulter.12 Du ließest Menschen über unsere Köpfe schreiten. Wir gingen durch Feuer und Wasser. Doch du hast uns in die Freiheit hinausgeführt.13 Ich komme mit Opfern in dein Haus; ich erfülle dir meine Gelübde,14 die ich einst dir versprach, die dir mein Mund in der Not gelobte.15 Fette Tiere bringe ich dir als Brandopfer dar, zusammen mit dem Rauch von Widdern; ich richte dir Rinder und Böcke zu. 16 Ihr alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.17 Zu ihm hatte ich mit lauter Stimme gerufen, und schon konnte mein Mund ihn preisen.18 Hätte ich Böses im Sinn gehabt, dann hätte der Herr mich nicht erhört.19 Gott aber hat mich erhört, hat auf mein drängendes Beten geachtet.20 Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Gebet nicht verworfen und mir seine Huld nicht entzogen.

Psalm 67

1-2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse über uns sein Angesicht leuchten, 3 damit auf Erden sein Weg erkannt wird und unter allen Völkern sein Heil.4 Die Völker sollen dir danken, o Gott, danken sollen dir die Völker alle.5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln. Denn du richtest den Erdkreis gerecht. Du richtest die Völker nach Recht und regierst die Nationen auf Erden. 6 Die Völker sollen dir danken, o Gott, danken sollen dir die Völker alle.7 Das Land gab seinen Ertrag. Es segne uns Gott, unser Gott.8 Es segne uns Gott. Alle Welt fürchte und ehre ihn.

Psalm 68

1-2 Gott steht auf, seine Feinde zerstieben; die ihn hassen, fliehen vor seinem Angesicht.3 Sie verfliegen, wie Rauch verfliegt; wie Wachs am Feuer zerfließt, so vergehen die Frevler vor Gottes Angesicht.4 Die Gerechten aber freuen sich und jubeln vor Gott; sie jauchzen in heller Freude.5 Singt für Gott, spielt seinem Namen; jubelt ihm zu, ihm, der auf den Wolken einherfährt! Preist seinen Namen! Freut euch vor seinem Angesicht!6 Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung.7 Gott bringt die Verlassenen heim, führt die Gefangenen hinaus in das Glück; doch die Empörer müssen wohnen im dürren Land.8 Gott, als du deinem Volk voranzogst, als du die Wüste durchschrittest, 9 da bebte die Erde, da ergossen sich die Himmel vor Gott, vor Gott, dem Herrn vom Sinai, vor Israels Gott.10 Gott, du ließest Regen strömen in Fülle und erquicktest dein verschmachtendes Erbland.11 Deine Geschöpfe finden dort Wohnung; Gott, in deiner Güte versorgst du den Armen.12 Der Herr entsendet sein Wort; groß ist der Siegesbotinnen Schar.13 Die Könige der Heere fliehen, sie fliehen. Im Haus verteilt man die Beute.14 Was bleibt ihr zurück in den Hürden? Du Taube mit silbernen Schwingen, mit goldenem Flügel!15 Als der Allmächtige die Könige vertrieb, fiel Schnee auf dem Zalmon.16 Ein Gottesberg ist der Baschanberg, ein Gebirge, an Gipfeln reich, ist der Baschan.17 Warum blickt ihr voll Neid, ihr hohen Gipfel, auf den Berg, den Gott sich zum Wohnsitz erwählt hat? Dort wird der Herr wohnen in Ewigkeit.18 Die Wagen Gottes sind zahllos, tausendmal tausend. Vom Sinai zieht der Herr zu seinem Heiligtum.19 Du zogst hinauf zur Höhe, führtest Gefangene mit; du nahmst Gaben entgegen von den Menschen. Auch Empörer müssen wohnen bei Gott, dem Herrn.20 Gepriesen sei der Herr, Tag für Tag! Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe. 21 Gott ist ein Gott, der uns Rettung bringt, Gott, der Herr, führt uns heraus aus dem Tod.22 Denn Gott zerschmettert das Haupt seiner Feinde, den Kopf des Frevlers, der in Sünde dahinlebt.23 Der Herr hat gesprochen: "Ich bringe (sie) vom Baschan zurück, ich bringe (sie) zurück aus den Tiefen des Meeres.24 Dein Fuß wird baden im Blut, die Zunge deiner Hunde ihren Anteil bekommen an den Feinden."25 Gott, sie sahen deinen Einzug, den Einzug meines Gottes und Königs ins Heiligtum:26 voraus die Sänger, die Saitenspieler danach, dazwischen Mädchen mit kleinen Pauken.27 Versammelt euch und preist unsern Gott, den Herrn in der Gemeinde Israels:28 voran der kleine Stamm Benjamin, im Zug die Fürsten von Juda, die Fürsten von Sebulon, die Fürsten von Naftali.29 Biete auf, o Gott, deine Macht, die Gottesmacht, die du an uns erwiesen hast30 (a) von deinem Tempel aus, hoch über Jerusalem. (b) Könige kommen mit Gaben, 31 Wehr ab das Untier im Schilf, die Rotte der Starken, wehr ab die Herrscher der Völker! Sie sind gierig nach Silber, tritt sie nieder; zerstreue die Völker, die Lust haben am Krieg.32 aus Ägypten bringt man Geräte von Erz, Kusch erhebt zu Gott seine Hände.33 Ihr Königreiche der Erde, singt für Gott, singt und spielt für den Herrn, 34 der dahinfährt über den Himmel, den uralten Himmel, der seine Stimme erhebt, seine machtvolle Stimme.35 Preist Gottes Macht! Über Israel ragt seine Hoheit empor, seine Macht ragt bis zu den Wolken.36 Gott in seinem Heiligtum ist voll Majestät, Israels Gott; seinem Volk verleiht er Stärke und Kraft. Gepriesen sei Gott.

Psalm 69

1-2 Hilf mir, o Gott! Schon reicht mir das Wasser bis an die Kehle.3 Ich bin in tiefem Schlamm versunken und habe keinen Halt mehr; ich geriet in tiefes Wasser, die Strömung reißt mich fort.4 Ich bin müde vom Rufen, meine Kehle ist heiser, mir versagen die Augen, während ich warte auf meinen Gott.5 Zahlreicher als die Haare auf meinem Kopf sind die, die mich grundlos hassen. Zahlreich sind meine Verderber, meine verlogenen Feinde. Was ich nicht geraubt habe, soll ich erstatten.6 Gott, du kennst meine Torheit, meine Verfehlungen sind dir nicht verborgen.7 Wer auf dich hofft, Herr, du Herr der Heere, soll durch mich nicht scheitern; wer dich sucht, Gott Israels, gerate durch mich nicht in Schande.8 Denn deinetwegen erleide ich Schmach, und Schande bedeckt mein Gesicht.9 Entfremdet bin ich den eigenen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.10 Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt; die Schmähungen derer, die dich schmähen, haben mich getroffen.11 Ich nahm mich durch Fasten in Zucht, doch es brachte mir Schmach und Schande.12 Ich ging in Sack und Asche, doch sie riefen Spottverse hinter mir her.13 Man redet über mich in der Versammlung am Tor, von mir singen die Zecher beim Wein.14 Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade. Erhöre mich in deiner großen Huld, Gott, hilf mir in deiner Treue!15 Entreiß mich dem Sumpf, damit ich nicht versinke. Zieh mich heraus aus dem Verderben, aus dem tiefen Wasser!16 Laß nicht zu, daß die Flut mich überschwemmt, die Tiefe mich verschlingt, der Brunnenschacht über mir seinen Rachen schließt.17 Erhöre mich, Herr, in deiner Huld und Güte, wende dich mir zu in deinem großen Erbarmen!18 Verbirg nicht dein Gesicht vor deinem Knecht; denn mir ist angst. Erhöre mich bald!19 Sei mir nah, und erlöse mich! Befrei mich meinen Feinden zum Trotz!20 Du kennst meine Schmach und meine Schande. Dir stehen meine Widersacher alle vor Augen.21 Die Schande bricht mir das Herz, ganz krank bin ich vor Schmach; umsonst habe ich auf Mitleid gewartet, auf einen Tröster, doch ich habe keinen gefunden.22 Sie gaben mir Gift zu essen, für den Durst reichten sie mir Essig.23 Der Opfertisch werde für sie zur Falle, das Opfermahl zum Fangnetz.24 Blende ihre Augen, so daß sie nicht mehr sehen; lähme ihre Hüften für immer!25 Gieß über sie deinen Grimm aus, dein glühender Zorn soll sie treffen!26 Ihr Lagerplatz soll veröden, in ihren Zelten soll niemand mehr wohnen.27 Denn sie verfolgen den Mann, den du schon geschlagen hast, und mehren den Schmerz dessen, der von dir getroffen ist.28 Rechne ihnen Schuld über Schuld an, damit sie nicht teilhaben an deiner Gerechtigkeit.29 Sie seien aus dem Buch des Lebens getilgt und nicht bei den Gerechten verzeichnet.30 Ich aber bin elend und voller Schmerzen; doch deine Hilfe, o Gott, wird mich erhöhen.31 Ich will den Namen Gottes rühmen im Lied, in meinem Danklied ihn preisen.32 Das gefällt dem Herrn mehr als ein Opferstier, mehr als Rinder mit Hörnern und Klauen.33 Schaut her, ihr Gebeugten, und freut euch; ihr, die ihr Gott sucht: euer Herz lebe auf!34 Denn der Herr hört auf die Armen, er verachtet die Gefangenen nicht.35 Himmel und Erde sollen ihn rühmen, die Meere und was sich in ihnen regt.36 Denn Gott wird Zion retten, wird Judas Städte neu erbauen. Seine Knechte werden dort wohnen und das Land besitzen, 37 ihre Nachkommen sollen es erben; wer seinen Namen liebt, soll darin wohnen.

Psalm 70

1-2 Gott, komm herbei, um mich zu retten, Herr, eil' mir zu Hilfe!3 In Schmach und Schande sollen alle fallen, die mir nach dem Leben trachten. Zurückweichen sollen sie und vor Scham erröten, die sich über mein Unglück freuen.4 Beschämt sollen sich alle abwenden, die lachen und höhnen und sagen: "Dir geschieht recht."5 Alle, die dich suchen, frohlocken; sie mögen sich freuen in dir. Die dein Heil lieben, sollen immer sagen: "Groß ist Gott, der Herr."6 Ich aber bin arm und gebeugt. Eile, o Gott, mir zu Hilfe! Meine Hilfe und mein Retter bist du. Herr, säume doch nicht!

Psalm 71

1 Herr, ich suche Zuflucht bei dir. Laß mich doch niemals scheitern!2 Reiß mich heraus und rette mich in deiner Gerechtigkeit, wende dein Ohr mir zu und hilf mir!3 Sei mir ein sicherer Hort, zu dem ich allzeit kommen darf. Du hast mir versprochen zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg.4 Mein Gott, rette mich aus der Hand des Frevlers, aus der Faust des Bedrückers und Schurken!5 Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht, meine Hoffnung von Jugend auf.6 Vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich, vom Mutterschoß an bist du mein Beschützer; dir gilt mein Lobpreis allezeit.7 Für viele bin ich wie ein Gezeichneter, du aber bist meine starke Zuflucht.8 Mein Mund ist erfüllt von deinem Lob, von deinem Ruhm den ganzen Tag.9 Verwirf mich nicht, wenn ich alt bin, verlaß mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden.10 Denn meine Feinde reden schlecht von mir, die auf mich lauern, beraten gemeinsam;11 sie sagen: "Gott hat ihn verlassen. Verfolgt und ergreift ihn! Für ihn gibt es keinen Retter."12 Gott, bleib doch nicht fern von mir! Mein Gott, eil' mir zu Hilfe!13 Alle, die mich bekämpfen, sollen scheitern und untergehn; über sie komme Schmach und Schande, weil sie mein Unglück suchen.14 Ich aber will jederzeit hoffen, all deinen Ruhm noch mehren.15 Mein Mund soll von deiner Gerechtigkeit künden und von deinen Wohltaten sprechen den ganzen Tag; denn ich kann sie nicht zählen.16 Ich will kommen in den Tempel Gottes, des Herrn, deine großen und gerechten Taten allein will ich rühmen.17 Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf, und noch heute verkünde ich dein wunderbares Walten.18 Auch wenn ich alt und grau bin, o Gott, verlaß mich nicht, damit ich von deinem machtvollen Arm der Nachwelt künde, den kommenden Geschlechtern von deiner Stärke19 und von deiner Gerechtigkeit, Gott, die größer ist als alles. Du hast Großes vollbracht. Mein Gott, wer ist wie du?20 Du ließest mich viel Angst und Not erfahren. Belebe mich neu, führe mich herauf aus den Tiefen der Erde!21 Bring mich wieder zu Ehren! Du wirst mich wiederum trösten.22 Dann will ich dir danken mit Saitenspiel und deine Treue preisen; mein Gott, du Heiliger Israels, ich will dir auf der Harfe spielen.23 Meine Lippen sollen jubeln, denn dir will ich singen und spielen, meine Seele, die du erlöst hast, soll jubeln.24 Auch meine Zunge soll von deiner Gerechtigkeit reden den ganzen Tag. Denn alle, die mein Unglück suchen, müssen vor Scham erröten und scheitern.

Psalm 72

1 Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten!2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Armen durch rechtes Urteil.3 Dann tragen die Berge Frieden für das Volk und die Höhen Gerechtigkeit.4 Er wird Recht verschaffen den Gebeugten im Volk, Hilfe bringen den Kindern der Armen, er wird die Unterdrücker zermalmen.5 Er soll leben, solange die Sonne bleibt und der Mond, bis zu den fernsten Geschlechtern.6 Er ströme wie Regen herab auf die Felder, wie Regenschauer, die die Erde benetzen.7 Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen und großer Friede, bis der Mond nicht mehr da ist.8 Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde.9 Vor ihm sollen seine Gegner sich beugen, Staub sollen lecken all seine Feinde.10 Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben.11 Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen.12 Denn er rettet den Gebeugten, der um Hilfe schreit, den Armen und den, der keinen Helfer hat.13 Er erbarmt sich des Gebeugten und Schwachen, er rettet das Leben der Armen.14 Von Unterdrückung und Gewalttat befreit er sie, ihr Blut ist in seinen Augen kostbar.15 Er lebe, und Gold von Saba soll man ihm geben! Man soll für ihn allezeit beten, stets für ihn Segen erflehen.16 Im Land gebe es Korn in Fülle. Es rausche auf dem Gipfel der Berge. Seine Frucht wird sein wie die Bäume des Libanon. Menschen blühn in der Stadt wie das Gras der Erde.17 Sein Name soll ewig bestehen; solange die Sonne bleibt, sprosse sein Name. Glücklich preisen sollen ihn alle Völker und in ihm sich segnen.18 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Er allein tut Wunder.19 Gepriesen sei sein herrlicher Name in Ewigkeit! Seine Herrlichkeit erfülle die ganze Erde. Amen, ja amen.

Psalm 73

1 Lauter Güte ist Gott für Israel, für alle Menschen mit reinem Herzen.2 Ich aber - fast wären meine Füße gestrauchelt, beinahe wäre ich gefallen.3 Denn ich habe mich über die Prahler ereifert, als ich sah, daß es diesen Frevlern so gut ging.4 Sie leiden ja keine Qualen, ihr Leib ist gesund und wohlgenährt.5 Sie kennen nicht die Mühsal der Sterblichen, sind nicht geplagt wie andere Menschen.6 Darum ist Hochmut ihr Halsschmuck, wie ein Gewand umhüllt sie Gewalttat.7 Sie sehen kaum aus den Augen vor Fett, ihr Herz läuft über von bösen Plänen.8 Sie höhnen, und was sie sagen, ist schlecht; sie sind falsch und reden von oben herab.9 Sie reißen ihr Maul bis zum Himmel auf und lassen auf Erden ihrer Zunge freien Lauf.10 Darum wendet sich das Volk ihnen zu und schlürft ihre Worte in vollen Zügen.11 Sie sagen: "Wie sollte Gott das merken? Wie kann der Höchste das wissen?"12 Wahrhaftig, so sind die Frevler: Immer im Glück, häufen sie Reichtum auf Reichtum.13 Also hielt ich umsonst mein Herz rein und wusch meine Hände in Unschuld.14 Und doch war ich alle Tage geplagt und wurde jeden Morgen gezüchtigt.15 Hätte ich gesagt: "Ich will reden wie sie", dann hätte ich an deinen Kindern Verrat geübt.16 Da sann ich nach, um das zu begreifen; es war eine Qual für mich,17 bis ich dann eintrat ins Heiligtum Gottes und begriff, wie sie enden.18 Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund, du stürzt sie in Täuschung und Trug.19 Sie werden plötzlich zunichte, werden dahingerafft und nehmen ein schreckliches Ende,20 wie ein Traum, der beim Erwachen verblaßt, dessen Bild man vergißt, wenn man aufsteht.21 Mein Herz war verbittert, mir bohrte der Schmerz in den Nieren;22 ich war töricht und ohne Verstand, war wie ein Stück Vieh vor dir.23 Ich aber bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten.24 Du leitest mich nach deinem Ratschluß und nimmst mich am Ende auf in Herrlichkeit.25 Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde.26 Auch wenn mein Leib und mein Herz verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig.27 Ja, wer dir fern ist, geht zugrunde; du vernichtest alle, die dich treulos verlassen.28 Ich aber - Gott nahe zu sein ist mein Glück. Ich setze auf Gott, den Herrn, mein Vertrauen. Ich will all deine Taten verkünden.

Psalm 74

1 Warum, Gott, hast du uns für immer verstoßen? Warum ist dein Zorn gegen die Herde deiner Weide entbrannt?2 Denk an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben, als Stamm dir zu eigen erkauft, an den Berg Zion, den du zur Wohnung erwählt hast.3 Erheb deine Schritte zu den uralten Trümmern! Der Feind hat im Heiligtum alles verwüstet.4 Deine Widersacher lärmten an deiner heiligen Stätte, stellten ihre Banner auf als Zeichen des Sieges.5 Wie einer die Axt schwingt im Dickicht des Waldes,6 so zerschlugen sie all das Schnitzwerk mit Beil und Hammer.7 Sie legten an dein Heiligtum Feuer, entweihten die Wohnung deines Namens bis auf den Grund.8 Sie sagten in ihrem Herzen: "Wir zerstören alles." Und sie verbrannten alle Gottesstätten ringsum im Land.9 Zeichen für uns sehen wir nicht, es ist kein Prophet mehr da, niemand von uns weiß, wie lange noch.10 Wie lange, Gott, darf der Bedränger noch schmähen, darf der Feind ewig deinen Namen lästern?11 Warum ziehst du die Hand von uns ab, hältst deine Rechte im Gewand verborgen?12 Doch Gott ist mein König von alters her, Taten des Heils vollbringt er auf Erden.13 Mit deiner Macht hast du das Meer zerspalten, die Häupter der Drachen über den Wassern zerschmettert.14 Du hast die Köpfe des Levíatan zermalmt, ihn zum Fraß gegeben den Ungeheuern der See.15 Hervorbrechen ließest du Quellen und Bäche, austrocknen Ströme, die sonst nie versiegen.16 Dein ist der Tag, dein auch die Nacht, hingestellt hast du Sonne und Mond.17 Du hast die Grenzen der Erde festgesetzt, hast Sommer und Winter geschaffen.18 Denk daran: Der Feind schmäht den Herrn, ein Volk ohne Einsicht lästert deinen Namen.19 Gib dem Raubtier das Leben deiner Taube nicht preis; das Leben deiner Armen vergiß nicht für immer!20 Blick hin auf deinen Bund! Denn voll von Schlupfwinkeln der Gewalt ist unser Land.21 Laß den Bedrückten nicht beschämt von dir weggehn! Arme und Gebeugte sollen deinen Namen rühmen.22 Erheb dich, Gott, und führe deine Sache! Bedenke, wie die Toren dich täglich schmähen.23 Vergiß nicht das Geschrei deiner Gegner, das Toben deiner Widersacher, das ständig emporsteigt.

Psalm 75

1-2 Wir preisen dich, Gott, wir preisen dich; dein Name ist denen nahe, die deine Wunder erzählen.3 "Ja, zu der Zeit, die ich selbst bestimme, halte ich Gericht nach meinem Recht.4 Die Erde mit allen, die auf ihr wohnen, mag wanken; doch ich selbst habe ihre Säulen auf festen Grund gestellt." 5 Ich sage zu den Stolzen: Seid nicht so vermessen!, und zu den Frevlern: Brüstet euch nicht mit eurer Macht!6 Brüstet euch nicht stolz mit eurer Macht, redet nicht so überheblich daher!7 Denn weder vom Osten noch vom Westen noch aus der Wüste kommt die Erhöhung.8 Nein, der Richter ist Gott; den einen erniedrigt er, den andern erhöht er.9 Ja, in der Hand des Herrn ist ein Becher, herben, gärenden Wein reicht er dar; ihn müssen alle Frevler der Erde trinken, müssen ihn samt der Hefe schlürfen.10 Ich aber werde jubeln für immer; dem Gott Jakobs will ich singen und spielen.11 "Ich schlage die ganze Macht der Frevler nieder; doch das Haupt des Gerechten wird hoch erhoben."

Psalm 76

1-2 Gott gab sich zu erkennen in Juda, sein Name ist groß in Israel.3 Sein Zelt erstand in Salem, seine Wohnung auf dem Zion.4 Dort zerbrach er die blitzenden Pfeile des Bogens, Schild und Schwert, die Waffen des Krieges. 5 Du bist furchtbar und herrlich, mehr als die ewigen Berge.6 Ausgeplündert sind die tapferen Streiter, sie sinken hin in den Schlaf; allen Helden versagen die Hände.7 Wenn du drohst, Gott Jakobs, erstarren Rosse und Wagen.8 Furchtbar bist du. Wer kann bestehen vor dir, vor der Gewalt deines Zornes?9 Vom Himmel her machst du das Urteil bekannt; Furcht packt die Erde, und sie verstummt,10 wenn Gott sich erhebt zum Gericht, um allen Gebeugten auf der Erde zu helfen. 11 Denn auch der Mensch voll Trotz muß dich preisen und der Rest der Völker dich feiern.12 Legt Gelübde ab und erfüllt sie dem Herrn, eurem Gott! Ihr alle ringsum, bringt Gaben ihm, den ihr fürchtet.13 Er nimmt den Fürsten den Mut; furchterregend ist er für die Könige der Erde.

Psalm 77

1-2 Ich rufe zu Gott, ich schreie, ich rufe zu Gott, bis er mich hört.3 Am Tag meiner Not suche ich den Herrn; unablässig erhebe ich nachts meine Hände, meine Seele läßt sich nicht trösten.4 Denke ich an Gott, muß ich seufzen; sinne ich nach, dann will mein Geist verzagen. 5 Du läßt mich nicht mehr schlafen; ich bin voll Unruhe und kann nicht reden.6 Ich sinne nach über die Tage von einst, ich will denken an längst vergangene Jahre.7 Mein Herz grübelt bei Nacht, ich sinne nach, es forscht mein Geist.8 Wird der Herr mich denn auf ewig verstoßen und mir niemals mehr gnädig sein?9 Hat seine Huld für immer ein Ende, ist seine Verheißung aufgehoben für alle Zeiten?10 Hat Gott seine Gnade vergessen, im Zorn sein Erbarmen verschlossen? 11 Da sagte ich mir: "Das ist mein Schmerz, daß die Rechte des Höchsten so anders handelt."12 Ich denke an die Taten des Herrn, ich will denken an deine früheren Wunder.13 Ich erwäge all deine Werke und will nachsinnen über deine Taten.14 Gott, dein Weg ist heilig. Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott?15 Du allein bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht den Völkern kundgetan.16 Du hast mit starkem Arm dein Volk erlöst, die Kinder Jakobs und Josefs. 17 Die Wasser sahen dich, Gott, die Wasser sahen dich und bebten. Die Tiefen des Meeres tobten.18 Die Wolken gossen ihr Wasser aus, das Gewölk ließ die Stimme dröhnen, auch deine Pfeile flogen dahin.19 Dröhnend rollte dein Donner, Blitze erhellten den Erdkreis, die Erde bebte und wankte.20 Durch das Meer ging dein Weg, dein Pfad durch gewaltige Wasser, doch niemand sah deine Spuren.21 Du führtest dein Volk wie eine Herde durch die Hand von Mose und Aaron.

Psalm 78

1 Mein Volk, vernimm meine Weisung! Wendet euer Ohr zu den Worten meines Mundes!2 Ich öffne meinen Mund zu einem Spruch; ich will die Geheimnisse der Vorzeit verkünden.3 Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten,4 das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen, sondern dem kommenden Geschlecht erzählen: die ruhmreichen Taten und die Stärke des Herrn, die Wunder, die er getan hat.5 Er stellte sein Gesetz auf in Jakob, gab in Israel Weisung und gebot unseren Vätern, ihre Kinder das alles zu lehren,6 damit das kommende Geschlecht davon erfahre, die Kinder späterer Zeiten; sie sollten aufstehen und es weitergeben an ihre Kinder,7 damit sie ihr Vertrauen auf Gott setzen, die Taten Gottes nicht vergessen und seine Gebote bewahren8 und nicht werden wie ihre Väter, jenes Geschlecht voll Trotz und Empörung, das wankelmütige Geschlecht, dessen Geist nicht treu zu Gott hielt.9 Die Söhne Efraims, Kämpfer mit Pfeil und Bogen, wandten den Rücken am Tag der Schlacht;10 Gottes Bund hielten sie nicht, sie weigerten sich, seiner Weisung zu folgen.11 Sie vergaßen die Taten des Herrn, die Wunder, die er sie sehen ließ.12 Vor den Augen ihrer Väter vollbrachte er Wunder im Land Ägypten, im Gefilde von Zoan.13 Er spaltete das Meer und führte sie hindurch, er ließ das Wasser feststehen wie einen Damm.14 Er leitete sie bei Tag mit der Wolke und die ganze Nacht mit leuchtendem Feuer.15 Er spaltete Felsen in der Wüste und gab dem Volk reichlich zu trinken, wie mit Wassern der Urflut.16 Er ließ Bäche aus dem Gestein entspringen, ließ Wasser fließen gleich Strömen.17 Doch sie sündigten weiter gegen ihn, sie trotzten in der Wüste dem Höchsten.18 In ihrem Herzen versuchten sie Gott, forderten Nahrung für den Hunger.19 Sie redeten gegen Gott; sie fragten: "Kann uns denn Gott den Tisch decken in der Wüste?20 Zwar hat er an den Felsen geschlagen, so daß Wasser floß und Bäche strömten. Kann er uns auch Brot verschaffen und sein Volk mit Fleisch versorgen?"21 Das hörte der Herr und war voll Grimm; Feuer flammte auf gegen Jakob, Zorn erhob sich gegen Israel,22 weil sie Gott nicht glaubten und nicht auf seine Hilfe vertrauten.23 Dennoch gebot er den Wolken droben und öffnete die Tore des Himmels.24 Er ließ Manna auf sie regnen als Speise, er gab ihnen Brot vom Himmel.25 Da aßen die Menschen Wunderbrot; Gott gab ihnen Nahrung in Fülle.26 Er ließ den Ostwind losbrechen droben am Himmel, führte in seiner Macht den Südwind herbei,27 ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub, gefiederte Vögel wie Sand am Meer.28 Er ließ sie mitten ins Lager fallen, rings um Israels Zelte.29 Da aßen alle und wurden satt; er hatte ihnen gebracht, was sie begehrten.30 Noch aber hatten sie ihre Gier nicht gestillt, noch war die Speise in ihrem Mund,31 da erhob sich gegen sie Gottes Zorn; er erschlug ihre Führer und streckte die jungen Männer Israels nieder.32 Doch sie sündigten trotz allem weiter und vertrauten nicht seinen Wundern.33 Darum ließ er ihre Tage schwinden wie einen Hauch und ihre Jahre voll Schrecken vergehen.34 Wenn er dreinschlug, fragten sie nach Gott, kehrten um und suchten ihn.35 Sie dachten daran, daß Gott ihr Fels ist, Gott, der Höchste, ihr Erlöser.36 Doch sie täuschten ihn mit falschen Worten, und ihre Zunge belog ihn.37 Ihr Herz hielt nicht fest zu ihm, sie hielten seinem Bund nicht die Treue.38 Er aber vergab ihnen voll Erbarmen die Schuld und tilgte sein Volk nicht aus. Oftmals ließ er ab von seinem Zorn und unterdrückte seinen Groll.39 Denn er dachte daran, daß sie nichts sind als Fleisch, nur ein Hauch, der vergeht und nicht wiederkehrt.40 Wie oft haben sie ihm in der Wüste getrotzt, ihn gekränkt in der Steppe!41 Immer wieder stellten sie ihn auf die Probe, sie reizten den heiligen Gott Israels.42 Sie dachten nicht mehr an seine mächtige Hand, an den Tag, als er sie vom Unterdrücker befreite,43 als er in Ägypten Zeichen tat und Wunder im Gefilde von Zoan:44 Er verwandelte ihre Flüsse und Bäche in Blut; sie konnten daraus nicht mehr trinken.45 Er schickte einen Schwarm von Fliegen, der fraß sie auf, ein Heer von Fröschen, das vertilgte sie.46 Ihre Ernte überließ er den Grillen und den Heuschrecken den Ertrag ihrer Mühen.47 Ihre Reben zerschlug er mit Hagel, ihre Maulbeerbäume mit Körnern aus Eis.48 Ihr Vieh überließ er der Pest und ihre Herden den Seuchen.49 Er ließ die Glut seines Zorns auf sie los: Grimm und Wut und Bedrängnis, Boten des Unheils in Scharen.50 Er ließ seinem Zorn freien Lauf; er bewahrte sie nicht vor dem Tod und lieferte ihr Leben der Pest aus.51 Er schlug in Ägypten alle Erstgeburt, in den Zelten Hams die Blüte der Jugend.52 Dann führte er sein Volk hinaus wie Schafe, leitete sie wie eine Herde durch die Wüste.53 Er führte sie sicher, sie mußten nichts fürchten, doch ihre Feinde bedeckte das Meer.54 Er brachte sie in sein heiliges Land, in die Berge, die er erwarb mit mächtiger Hand.55 Er vertrieb die Völker vor ihnen, ließ in ihren Zelten die Stämme Israels wohnen und teilte ihnen ihr Erbteil zu.56 Doch sie versuchten Gott und trotzten dem Höchsten; sie hielten seine Satzungen nicht.57 Wie ihre Väter, fielen sie treulos von ihm ab, sie wandten sich ab wie ein Bogen, der versagt.58 Sie erbitterten ihn mit ihrem Kult auf den Höhen und reizten seine Eifersucht mit ihren Götzen.59 Als Gott es sah, war er voll Grimm und sagte sich los von Israel.60 Er verwarf seine Wohnung in Schilo, das Zelt, wo er unter den Menschen wohnte.61 Er gab seine Macht in Gefangenschaft, seine heilige Lade fiel in die Hand des Feindes.62 Er lieferte sein Volk dem Schwert aus; er war voll Grimm über sein Eigentum.63 Die jungen Männer fraß das Feuer; den jungen Mädchen sang man kein Brautlied.64 Die Priester wurden mit dem Schwert erschlagen; die Witwen konnten die Toten nicht beweinen.65 Da erwachte der Herr wie aus dem Schlaf, wie ein Held, der betäubt war vom Wein.66 Er schlug seine Feinde zurück und gab sie ewiger Schande preis.67 Das Zelt Josefs verwarf er, dem Stamm Efraim entzog er die Erwählung.68 Doch den Stamm Juda erwählte er, den Berg Zion, den er liebt.69 Dort baute er sein hoch aufragendes Heiligtum, so fest wie die Erde, die er für immer gegründet hat.70 Und er erwählte seinen Knecht David; er holte ihn weg von den Hürden der Schafe,71 von den Muttertieren nahm er ihn fort, damit er sein Volk Jakob weide und sein Erbe Israel.72 Er sorgte als Hirt für sie mit lauterem Herzen und führte sie mit klugen Händen.

Psalm 79

1 Gott, die Heiden sind eingedrungen in dein Erbe, sie haben deinen heiligen Tempel entweiht und Jerusalem in Trümmer gelegt.2 Die Leichen deiner Knechte haben sie zum Fraß gegeben den Vögeln des Himmels, die Leiber deiner Frommen den Tieren des Feldes.3 Ihr Blut haben sie wie Wasser vergossen rings um Jerusalem, und keiner hat sie begraben.4 Zum Schimpf sind wir geworden in den Augen der Nachbarn, zu Spott und Hohn bei allen, die rings um uns wohnen.5 Wie lange noch, Herr? Willst du auf ewig zürnen? Wie lange noch wird dein Eifer lodern wie Feuer?6 Gieß deinen Zorn aus über die Heiden, die dich nicht kennen, über jedes Reich, das deinen Namen nicht anruft.7 Denn sie haben Jakob aufgezehrt und seine Felder verwüstet.8 Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an! Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen! Denn wir sind sehr erniedrigt.9 Um der Ehre deines Namens willen hilf uns, du Gott unsres Heils! Um deines Namens willen reiß uns heraus und vergib uns die Sünden!10 Warum dürfen die Heiden sagen: "Wo ist nun ihr Gott?" Laß kund werden an den Heiden vor unsern Augen, wie du das vergossene Blut deiner Knechte vergiltst.11 Das Stöhnen der Gefangenen dringe zu dir. Befrei die Todgeweihten durch die Kraft deines Armes!12 Zahl unsern Nachbarn siebenfach heim die Schmach, die sie dir, Herr, angetan.13 Wir aber, dein Volk, die Schafe deiner Weide, wollen dir ewig danken, deinen Ruhm verkünden von Geschlecht zu Geschlecht.

Psalm 80

1-2 Du Hirte Israels, höre, der du Josef weidest wie eine Herde! Der du auf den Kerubim thronst, erscheine3 vor Efraim, Benjamin und Manasse! Biete deine gewaltige Macht auf, und komm uns zu Hilfe!4 Gott, richte uns wieder auf! Laß dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.5 Herr, Gott der Heerscharen, wie lange noch zürnst du, während dein Volk zu dir betet?6 Du hast sie gespeist mit Tränenbrot, sie überreich getränkt mit Tränen.7 Du machst uns zum Spielball der Nachbarn, und unsere Feinde verspotten uns.8 Gott der Heerscharen, richte uns wieder auf! Laß dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.9 Du hobst in Ägypten einen Weinstock aus, du hast Völker vertrieben, ihn aber eingepflanzt.10 Du schufst ihm weiten Raum; er hat Wurzeln geschlagen und das ganze Land erfüllt.11 Sein Schatten bedeckte die Berge, seine Zweige die Zedern Gottes.12 Seine Ranken trieb er bis hin zum Meer und seine Schößlinge bis zum Eufrat.13 Warum rissest du seine Mauern ein? Alle, die des Weges kommen, plündern ihn aus.14 Der Eber aus dem Wald wühlt ihn um, die Tiere des Feldes fressen ihn ab.15 Gott der Heerscharen, wende dich uns wieder zu! Blick vom Himmel herab, und sieh auf uns! Sorge für diesen Weinstock16 und für den Garten, den deine Rechte gepflanzt hat.17 Die ihn im Feuer verbrannten wie Kehricht, sie sollen vergehen vor deinem drohenden Angesicht.18 Deine Hand schütze den Mann zu deiner Rechten, den Menschensohn, den du für dich groß und stark gemacht.19 Erhalt uns am Leben! Dann wollen wir deinen Namen anrufen und nicht von dir weichen.20 Herr, Gott der Heerscharen, richte uns wieder auf! Laß dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.

Psalm 81

1-2 Jubelt Gott zu, er ist unsre Zuflucht; jauchzt dem Gott Jakobs zu!3 Stimmt an den Gesang, schlagt die Pauke, die liebliche Laute, dazu die Harfe!4 Stoßt in die Posaune am Neumond und zum Vollmond, am Tag unsres Festes!5 Denn das ist Satzung für Israel, Entscheid des Gottes Jakobs.6 Das hat er als Gesetz für Josef erlassen, als Gott gegen Ägypten auszog. Eine Stimme höre ich, die ich noch nie vernahm:7 Seine Schulter hab' ich von der Bürde befreit, seine Hände kamen los vom Lastkorb.8 Du riefst in der Not, und ich riß dich heraus; ich habe dich aus dem Gewölk des Donners erhört, an den Wassern von Meríba geprüft. 9 Höre, mein Volk, ich will dich mahnen! Israel, wolltest du doch auf mich hören!10 Für dich gibt es keinen andern Gott. Du sollst keinen fremden Gott anbeten.11 Ich bin der Herr, dein Gott, der dich heraufgeführt hat aus Ägypten. Tu deinen Mund auf! Ich will ihn füllen.12 Doch mein Volk hat nicht auf meine Stimme gehört; Israel hat mich nicht gewollt.13 Da überließ ich sie ihrem verstockten Herzen, und sie handelten nach ihren eigenen Plänen.14 Ach daß doch mein Volk auf mich hörte, daß Israel gehen wollte auf meinen Wegen!15 Wie bald würde ich seine Feinde beugen, meine Hand gegen seine Bedränger wenden.16 Alle, die den Herrn hassen, müßten Israel schmeicheln, und das sollte für immer so bleiben.17 Ich würde es nähren mit bestem Weizen und mit Honig aus dem Felsen sättigen.

Psalm 82

1 Gott steht auf in der Versammlung der Götter, im Kreis der Götter hält er Gericht.2 "Wie lange noch wollt ihr ungerecht richten und die Frevler begünstigen? 3 Verschafft Recht den Unterdrückten und Waisen, verhelft den Gebeugten und Bedürftigen zum Recht!4 Befreit die Geringen und Armen, entreißt sie der Hand der Frevler!"5 Sie aber haben weder Einsicht noch Verstand, sie tappen dahin im Finstern. Alle Grundfesten der Erde wanken.6 "Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter, ihr alle seid Söhne des Höchsten.7 Doch nun sollt ihr sterben wie Menschen, sollt stürzen wie jeder der Fürsten."8 Erheb dich, Gott, und richte die Erde! Denn alle Völker werden dein Erbteil sein.

Psalm 83

1-2 Schweig doch nicht, o Gott, bleib nicht still, o Gott, bleib nicht stumm!3 Sieh doch, deine Feinde toben; die dich hassen, erheben das Haupt.4 Gegen dein Volk ersinnen sie listige Pläne und halten Rat gegen die, die sich bei dir bergen.5 Sie sagen: "Wir wollen sie ausrotten als Volk; an den Namen Israel soll niemand mehr denken."6 Ja, sie halten einmütig Rat und schließen ein Bündnis gegen dich:7 Edoms Zelte und die Ismaeliter, Moab und die Hagariter,8 Gebal, Ammon und Amalek, das Philisterland und die Bewohner von Tyrus.9 Zu ihnen gesellt sich auch Assur und leiht seinen Arm den Söhnen Lots. 10 Mach es mit ihnen wie mit Midian und Sisera, wie mit Jabin am Bach Kischon,11 die du bei En-Dór vernichtet hast. Sie wurden zum Dung für die Äcker.12 Mach ihre Fürsten wie Oreb und Seeb, wie Sebach und Zalmunna mach all ihre Führer!13 Sie sagten: "Wir wollen Gottes Land erobern."14 Mein Gott, laß sie dahinwirbeln wie Staub, wie Spreu vor dem Wind!15 Wie das Feuer, das ganze Wälder verbrennt, wie die Flamme, die Berge versengt,16 so jage sie davon mit deinem Sturm, und schrecke sie mit deinem Wetter!17 Bedecke mit Schmach ihr Gesicht, damit sie, Herr, nach deinem Namen fragen.18 Beschämt sollen sie sein und verstört für immer, sollen vor Schande zugrunde gehn.19 Sie sollen erkennen, daß du es bist. Herr ist dein Name. Du allein bist der Höchste über der ganzen Erde.

Psalm 84

1-2 Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen! 3 Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn. Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott.4 Auch der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König.5 Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben. 6 Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir, wenn sie sich zur Wallfahrt rüsten.7 Ziehen sie durch das trostlose Tal, wird es für sie zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen.8 Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft; dann schauen sie Gott auf dem Zion.9 Herr der Heerscharen, höre mein Beten, vernimm es, Gott Jakobs! 10 Gott, sieh her auf unsern Schild, schau auf das Antlitz deines Gesalbten!11 Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums ist besser als tausend andere. Lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes als wohnen in den Zelten der Frevler.12 Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild. Er schenkt Gnade und Herrlichkeit; der Herr versagt denen, die rechtschaffen sind, keine Gabe.13 Herr der Heerscharen, wohl dem, der dir vertraut!

Psalm 85

1-2 Einst hast du, Herr, dein Land begnadet und Jakobs Unglück gewendet,3 hast deinem Volk die Schuld vergeben, all seine Sünden zugedeckt, 4 hast zurückgezogen deinen ganzen Grimm und deinen glühenden Zorn gedämpft.5 Gott, unser Retter, richte uns wieder auf, laß von deinem Unmut gegen uns ab!6 Willst du uns ewig zürnen, soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?7 Willst du uns nicht wieder beleben, so daß dein Volk sich an dir freuen kann?8 Erweise uns, Herr, deine Huld, und gewähre uns dein Heil!9 Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen. 10 Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten. Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.11 Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.12 Treue sproßt aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.13 Auch spendet der Herr dann Segen, und unser Land gibt seinen Ertrag.14 Gerechtigkeit geht vor ihm her, und Heil folgt der Spur seiner Schritte.

Psalm 86

1 Wende dein Ohr mir zu, erhöre mich, Herr! Denn ich bin arm und gebeugt.2 Beschütze mich, denn ich bin dir ergeben! Hilf deinem Knecht, der dir vertraut!3 Du bist mein Gott. Sei mir gnädig, o Herr! Den ganzen Tag rufe ich zu dir.4 Herr, erfreue deinen Knecht; denn ich erhebe meine Seele zu dir.5 Herr, du bist gütig und bereit zu verzeihen, für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.6 Herr, vernimm mein Beten, achte auf mein lautes Flehen!7 Am Tag meiner Not rufe ich zu dir; denn du wirst mich erhören.8 Herr, unter den Göttern ist keiner wie du, und nichts gleicht den Werken, die du geschaffen hast.9 Alle Völker kommen und beten dich an, sie geben, Herr, deinem Namen die Ehre.10 Denn du bist groß und tust Wunder; du allein bist Gott.11 Weise mir, Herr, deinen Weg; ich will ihn gehen in Treue zu dir. Richte mein Herz darauf hin, allein deinen Namen zu fürchten!12 Ich will dir danken, Herr, mein Gott, aus ganzem Herzen, will deinen Namen ehren immer und ewig.13 Du hast mich den Tiefen des Totenreichs entrissen. Denn groß ist über mir deine Huld.14 Gott, freche Menschen haben sich gegen mich erhoben, die Rotte der Gewalttäter trachtet mir nach dem Leben; doch dich haben sie nicht vor Augen.15 Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, du bist langmütig, reich an Huld und Treue.16 Wende dich mir zu und sei mir gnädig, gib deinem Knecht wieder Kraft, und hilf dem Sohn deiner Magd!17 Tu ein Zeichen, und schenke mir Glück! Alle, die mich hassen, sollen es sehen und sich schämen, weil du, Herr, mich gerettet und getröstet hast.

Psalm 87

1-2 Der Herr liebt (Zion), seine Gründung auf heiligen Bergen; mehr als all seine Stätten in Jakob liebt er die Tore Zions.3 Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes. 4 Leute aus Ägypten und Babel zähle ich zu denen, die mich kennen; auch von Leuten aus dem Philisterland, aus Tyrus und Kusch sagt man: Er ist dort geboren.5 Doch von Zion wird man sagen: Jeder ist dort geboren. Er, der Höchste, hat Zion gegründet.6 Der Herr schreibt, wenn er die Völker verzeichnet: Er ist dort geboren. 7 Und sie werden beim Reigentanz singen: All meine Quellen entspringen in dir.

Psalm 88

1-2 Herr, du Gott meines Heils, zu dir schreie ich am Tag und bei Nacht.3 Laß mein Gebet zu dir dringen, wende dein Ohr meinem Flehen zu!4 Denn meine Seele ist gesättigt mit Leid, mein Leben ist dem Totenreich nahe.5 Schon zähle ich zu denen, die hinabsinken ins Grab, bin wie ein Mann, dem alle Kraft genommen ist.6 Ich bin zu den Toten hinweggerafft, wie Erschlagene, die im Grabe ruhen; an sie denkst du nicht mehr, denn sie sind deiner Hand entzogen.7 Du hast mich ins tiefste Grab gebracht, tief hinab in finstere Nacht.8 Schwer lastet dein Grimm auf mir, all deine Wogen stürzen über mir zusammen. 9 Die Freunde hast du mir entfremdet, mich ihrem Abscheu ausgesetzt; ich bin gefangen und kann nicht heraus.10 Mein Auge wird trübe vor Elend. Jeden Tag, Herr, ruf' ich zu dir; ich strecke nach dir meine Hände aus.11 Wirst du an den Toten Wunder tun, werden Schatten aufstehn, um dich zu preisen? 12 Erzählt man im Grab von deiner Huld, von deiner Treue im Totenreich?13 Werden deine Wunder in der Finsternis bekannt, deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens?14 Herr, darum schreie ich zu dir, früh am Morgen tritt mein Gebet vor dich hin.15 Warum, o Herr, verwirfst du mich, warum verbirgst du dein Gesicht vor mir?16 Gebeugt bin ich und todkrank von früher Jugend an, deine Schrecken lasten auf mir, und ich bin zerquält.17 Über mich fuhr die Glut deines Zorns dahin, deine Schrecken vernichten mich.18 Sie umfluten mich allzeit wie Wasser und dringen auf mich ein von allen Seiten.19 Du hast mir die Freunde und Gefährten entfremdet; mein Vertrauter ist nur noch die Finsternis.

Psalm 89

1-2 Von den Taten deiner Huld, Herr, will ich ewig singen, bis zum fernsten Geschlecht laut deine Treue verkünden.3 Denn ich bekenne: Deine Huld besteht für immer und ewig; deine Treue steht fest im Himmel.4 "Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:5 Deinem Haus gebe ich auf ewig Bestand, und von Geschlecht zu Geschlecht richte ich deinen Thron auf." 6 Die Himmel preisen, Herr, deine Wunder und die Gemeinde der Heiligen deine Treue.7 Denn wer über den Wolken ist wie der Herr, wer von den Göttern ist dem Herrn gleich?8 Gewaltig ist Gott im Rat der Heiligen, für alle rings um ihn her ist er groß und furchtbar.9 Herr, Gott der Heerscharen, wer ist wie du? Mächtig bist du, Herr, und von Treue umgeben.10 Du beherrschst die Empörung des Meeres; wenn seine Wogen toben - du glättest sie.11 Rahab hast du durchbohrt und zertreten, deine Feinde zerstreut mit starkem Arm.12 Dein ist der Himmel, dein auch die Erde; den Erdkreis und was ihn erfüllt hast du gegründet.13 Nord und Süd hast du geschaffen, Tabor und Hermon jauchzen bei deinem Namen.14 Dein Arm ist voll Kraft, deine Hand ist stark, deine Rechte hoch erhoben.15 Recht und Gerechtigkeit sind die Stützen deines Thrones, Huld und Treue schreiten vor deinem Antlitz her.16 Wohl dem Volk, das dich als König zu feiern weiß! Herr, sie gehen im Licht deines Angesichts.17 Sie freuen sich über deinen Namen zu jeder Zeit, über deine Gerechtigkeit jubeln sie.18 Denn du bist ihre Schönheit und Stärke, du erhöhst unsre Kraft in deiner Güte.19 Ja, unser Schild gehört dem Herrn, unser König dem heiligen Gott Israels.20 Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen: "Einen Helden habe ich zum König gekrönt, einen jungen Mann aus dem Volk erhöht.21 Ich habe David, meinen Knecht, gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt.22 Beständig wird meine Hand ihn halten und mein Arm ihn stärken.23 Kein Feind soll ihn täuschen, kein ruchloser Mensch kann ihn bezwingen.24 Vor ihm will ich die Feinde zerschmettern, und alle, die ihn hassen, schlage ich nieder.25 Meine Treue und meine Huld begleiten ihn, und in meinem Namen erhebt er sein Haupt.26 Ich lege seine Hand auf das Meer, über die Ströme herrscht seine Rechte.27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meines Heiles.28 Ich mache ihn zum erstgeborenen Sohn, zum Höchsten unter den Herrschern der Erde.29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm bleibt allzeit bestehen.30 Sein Geschlecht lasse ich dauern für immer und seinen Thron, solange der Himmel währt.31 Wenn seine Söhne meine Weisung verlassen, nicht mehr leben nach meiner Ordnung,32 wenn sie meine Gesetze entweihen, meine Gebote nicht mehr halten,33 dann werde ich ihr Vergehen mit der Rute strafen und ihre Sünde mit Schlägen.34 Doch ich entziehe ihm nicht meine Huld, breche ihm nicht die Treue.35 Meinen Bund werde ich nicht entweihen; was meine Lippen gesprochen haben, will ich nicht ändern.36 Eines hab' ich geschworen, so wahr ich heilig bin, und niemals werde ich David belügen:37 Sein Geschlecht soll bleiben auf ewig, sein Thron habe Bestand vor mir wie die Sonne;38 er soll ewig bestehen wie der Mond, der verläßliche Zeuge über den Wolken." 39 Nun aber hast du deinen Gesalbten verstoßen, ihn verworfen und mit Zorn überschüttet,40 hast den Bund mit deinem Knecht zerbrochen, zu Boden getreten seine Krone.41 Eingerissen hast du all seine Mauern, in Trümmer gelegt seine Burgen.42 Alle, die des Weges kommen, plündern ihn aus, er wird zum Gespött seiner Nachbarn.43 Du hast die Hand seiner Bedränger hoch erhoben, hast all seine Feinde erfreut.44 Du hast die Spitze seines Schwertes umgekehrt, hast im Kampf ihm den Sieg verweigert.45 Du hast ein Ende gemacht seinem Glanz und seinen Thron zu Boden geworfen.46 Du hast ihm die Tage der Jugend verkürzt und ihn bedeckt mit Schande. 47 Wie lange noch, Herr? Verbirgst du dich ewig? Soll dein Zorn wie Feuer brennen?48 Bedenke, Herr: Was ist unser Leben, wie vergänglich hast du alle Menschen erschaffen!49 Wo ist der Mann, der ewig lebt und den Tod nicht schaut, der sich retten kann vor dem Zugriff der Unterwelt? 50 Herr, wo sind die Taten deiner Huld geblieben, die du David in deiner Treue geschworen hast?51 Herr, denk an die Schmach deines Knechtes! Im Herzen brennt mir der Hohn der Völker,52 mit dem deine Feinde mich schmähen, Herr, und die Schritte deines Gesalbten verhöhnen.53 Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit. Amen, ja amen.

Psalm 90

1 Herr, du warst unsere Zuflucht von Geschlecht zu Geschlecht.2 Ehe die Berge geboren wurden, die Erde entstand und das Weltall, bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.3 Du läßt die Menschen zurückkehren zum Staub und sprichst: "Kommt wieder, ihr Menschen!"4 Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.5 Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen aus; sie gleichen dem sprossenden Gras.6 Am Morgen grünt es und blüht, am Abend wird es geschnitten und welkt.7 Denn wir vergehen durch deinen Zorn, werden vernichtet durch deinen Grimm.8 Du hast uns're Sünden vor dich hingestellt, unsere geheime Schuld in das Licht deines Angesichts.9 Denn all uns're Tage gehn hin unter deinem Zorn, wir beenden unsere Jahre wie einen Seufzer.10 Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin.11 Wer kennt die Gewalt deines Zornes und fürchtet sich vor deinem Grimm?12 Uns're Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.13 Herr, wende dich uns doch endlich zu! Hab Mitleid mit deinen Knechten!14 Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.15 Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, so viele Jahre, wie wir Unglück erlitten.16 Zeig deinen Knechten deine Taten und ihren Kindern deine erhabene Macht!17 Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes. Laß das Werk unsrer Hände gedeihen, ja, laß gedeihen das Werk unsrer Hände!

Psalm 91

1 Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen,2 der sagt zum Herrn: "Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue."3 Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben.4 Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue.5 Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt,6 nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag.7 Fallen auch tausend zu deiner Seite, dir zur Rechten zehnmal tausend, so wird es doch dich nicht treffen.8 Ja, du wirst es sehen mit eigenen Augen, wirst zuschauen, wie den Frevlern vergolten wird.9 Denn der Herr ist deine Zuflucht, du hast dir den Höchsten als Schutz erwählt.10 Dir begegnet kein Unheil, kein Unglück naht deinem Zelt.11 Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen.12 Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt;13 du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf Löwen und Drachen.14 "Weil er an mir hängt, will ich ihn retten; ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen.15 Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not, befreie ihn und bringe ihn zu Ehren.16 Ich sättige ihn mit langem Leben und lasse ihn schauen mein Heil."

Psalm 92

1-2 Wie schön ist es, dem Herrn zu danken, deinem Namen, du Höchster, zu singen,3 am Morgen deine Huld zu verkünden und in den Nächten deine Treue4 zur zehnsaitigen Laute, zur Harfe, zum Klang der Zither.5 Denn du hast mich durch deine Taten froh gemacht; Herr, ich will jubeln über die Werke deiner Hände.6 Wie groß sind deine Werke, o Herr, wie tief deine Gedanken!7 Ein Mensch ohne Einsicht erkennt das nicht, ein Tor kann es nicht verstehen.8 Wenn auch die Frevler gedeihen und alle, die Unrecht tun, wachsen, so nur, damit du sie für immer vernichtest.9 Herr, du bist der Höchste, du bleibst auf ewig.10 Doch deine Feinde, Herr, wahrhaftig, deine Feinde vergehen; auseinandergetrieben werden alle, die Unrecht tun.11 Du machtest mich stark wie einen Stier, du salbtest mich mit frischem Öl.12 Mein Auge blickt herab auf meine Verfolger, auf alle, die sich gegen mich erheben; mein Ohr hört vom Geschick der Bösen.13 Der Gerechte gedeiht wie die Palme, er wächst wie die Zedern des Libanon.14 Gepflanzt im Haus' des Herrn, gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes.15 Sie tragen Frucht noch im Alter und bleiben voll Saft und Frische;16 sie verkünden: Gerecht ist der Herr; mein Fels ist er, an ihm ist kein Unrecht.

Psalm 93

1 Der Herr ist König, bekleidet mit Hoheit; der Herr hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet. Der Erdkreis ist fest gegründet, nie wird er wanken.2 Dein Thron steht fest von Anbeginn, du bist seit Ewigkeit.3 Fluten erheben sich, Herr, Fluten erheben ihr Brausen, Fluten erheben ihr Tosen.4 Gewaltiger als das Tosen vieler Wasser, gewaltiger als die Brandung des Meeres ist der Herr in der Höhe.5 Deine Gesetze sind fest und verläßlich; Herr, deinem Haus gebührt Heiligkeit für alle Zeiten.

Psalm 94

1 Gott der Vergeltung, o Herr, du Gott der Vergeltung, erscheine!2 Erhebe dich, Richter der Erde, vergilt den Stolzen ihr Tun!3 Wie lange noch dürfen die Frevler, o Herr, wie lange noch dürfen die Frevler frohlocken?4 Sie führen freche Reden, alle, die Unrecht tun, brüsten sich.5 Herr, sie zertreten dein Volk, sie unterdrücken dein Erbteil.6 Sie bringen die Witwen und Waisen um und morden die Fremden.7 Sie denken: Der Herr sieht es ja nicht, der Gott Jakobs merkt es nicht.8 Begreift doch, ihr Toren im Volk! Ihr Unvernünftigen, wann werdet ihr klug?9 Sollte der nicht hören, der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht sehen, der das Auge geformt hat?10 Sollte der nicht strafen, der die Völker erzieht, er, der die Menschen Erkenntnis lehrt?11 Der Herr kennt die Gedanken der Menschen: Sie sind nichts als ein Hauch.12 Wohl dem Mann, den du, Herr, erziehst, den du mit deiner Weisung belehrst.13 Du bewahrst ihn vor bösen Tagen, bis man dem Frevler die Grube gräbt.14 Ja, der Herr wird sein Volk nicht verstoßen und niemals sein Erbe verlassen.15 Nun spricht man wieder Recht nach Gerechtigkeit; ihr folgen alle Menschen mit redlichem Herzen.16 Wer wird sich für mich gegen die Frevler erheben, wer steht für mich ein gegen den, der Unrecht tut?17 Wäre nicht der Herr meine Hilfe, bald würde ich im Land des Schweigens wohnen.18 Wenn ich sage: "Mein Fuß gleitet aus", dann stützt mich, Herr, deine Huld.19 Mehren sich die Sorgen des Herzens, so erquickt dein Trost meine Seele.20 Kann sich mit dir der bestechliche Richter verbünden, der willkürlich straft, gegen das Gesetz?21 Sie wollen das Leben des Gerechten vernichten und verurteilen schuldlose Menschen.22 Doch meine Burg ist der Herr, mein Gott ist der Fels meiner Zuflucht.23 Er wird ihnen ihr Unrecht vergelten und sie wegen ihrer Bosheit vernichten; vernichten wird sie der Herr, unser Gott.

Psalm 95

1 Kommt, laßt uns jubeln vor dem Herrn und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!2 Laßt uns mit Lob seinem Angesicht nahen, vor ihm jauchzen mit Liedern!3 Denn der Herr ist ein großer Gott, ein großer König über allen Göttern.4 In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, sein sind die Gipfel der Berge.5 Sein ist das Meer, das er gemacht hat, das trockene Land, das seine Hände gebildet.6 Kommt, laßt uns niederfallen, uns vor ihm verneigen, laßt uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!7 Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt. Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! 8 "Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, wie in der Wüste am Tag von Massa!9 Dort haben eure Väter mich versucht, sie haben mich auf die Probe gestellt und hatten doch mein Tun gesehen.10 Vierzig Jahre war mir dies Geschlecht zuwider, und ich sagte: Sie sind ein Volk, dessen Herz in die Irre geht; denn meine Wege kennen sie nicht.11 Darum habe ich in meinem Zorn geschworen: Sie sollen nicht kommen in das Land meiner Ruhe."

Psalm 96

1 Singet dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn, alle Länder der Erde!2 Singt dem Herrn und preist seinen Namen, verkündet sein Heil von Tag zu Tag!3 Erzählt bei den Völkern von seiner Herrlichkeit, bei allen Nationen von seinen Wundern!4 Denn groß ist der Herr und hoch zu preisen, mehr zu fürchten als alle Götter.5 Alle Götter der Heiden sind nichtig, der Herr aber hat den Himmel geschaffen.6 Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht, Macht und Glanz in seinem Heiligtum.7 Bringt dar dem Herrn, ihr Stämme der Völker, bringt dar dem Herrn Lob und Ehre!8 Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens, spendet Opfergaben, und tretet ein in sein Heiligtum!9 In heiligem Schmuck werft euch nieder vor dem Herrn, erbebt vor ihm, alle Länder der Erde!10 Verkündet bei den Völkern: Der Herr ist König. Den Erdkreis hat er gegründet, so daß er nicht wankt. Er richtet die Nationen so, wie es recht ist.11 Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und alles, was es erfüllt.12 Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes13 vor dem Herrn, wenn er kommt, wenn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis gerecht und die Nationen nach seiner Treue.

Psalm 97

1 Der Herr ist König. Die Erde frohlocke. Freuen sollen sich die vielen Inseln.2 Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Throns.3 Verzehrendes Feuer läuft vor ihm her und frißt seine Gegner ringsum.4 Seine Blitze erhellen den Erdkreis; die Erde sieht es und bebt.5 Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Antlitz des Herrschers aller Welt.6 Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker.7 Alle, die Bildern dienen, werden zuschanden, alle, die sich der Götzen rühmen. Vor ihm werfen sich alle Götter nieder.8 Zion hört es und freut sich, Judas Töchter jubeln, Herr, über deine Gerichte.9 Denn du, Herr, bist der Höchste über der ganzen Erde, hoch erhaben über alle Götter.10 Ihr, die ihr den Herrn liebt, haßt das Böse! Er behütet das Leben seiner Frommen, er entreißt sie der Hand der Frevler.11 Ein Licht erstrahlt den Gerechten und Freude den Menschen mit redlichem Herzen.12 Ihr Gerechten, freut euch am Herrn, und lobt seinen heiligen Namen!

Psalm 98

1 Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Er hat mit seiner Rechten geholfen und mit seinem heiligen Arm.2 Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.3 Er dachte an seine Huld und an seine Treue zum Hause Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.4 Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, freut euch, jubelt und singt!5 Spielt dem Herrn auf der Harfe, auf der Harfe zu lautem Gesang!6 Zum Schall der Trompeten und Hörner jauchzt vor dem Herrn, dem König!7 Es brause das Meer und alles, was es erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.8 In die Hände klatschen sollen die Ströme, die Berge sollen jubeln im Chor9 vor dem Herrn, wenn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis gerecht, die Nationen so, wie es recht ist.

Psalm 99

1 Der Herr ist König: Es zittern die Völker. Er thront auf den Kerubim: Es wankt die Erde.2 Groß ist der Herr auf Zion, über alle Völker erhaben.3 Preisen sollen sie deinen großen, majestätischen Namen. Denn er ist heilig.4 Stark ist der König, er liebt das Recht. Du hast die Weltordnung fest begründet, hast Recht und Gerechtigkeit in Jakob geschaffen.5 Rühmt den Herrn, unseren Gott; werft euch am Schemel seiner Füße nieder! Denn er ist heilig.6 Mose und Aaron sind unter seinen Priestern, Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen; sie riefen zum Herrn, und er hat sie erhört.7 Aus der Wolkensäule sprach er zu ihnen; seine Gebote hielten sie, die Satzung, die er ihnen gab.8 Herr, unser Gott, du hast sie erhört; du warst ihnen ein verzeihender Gott, aber du hast ihre Frevel vergolten.9 Rühmt den Herrn, unsern Gott, werft euch nieder an seinem heiligen Berge! Denn heilig ist der Herr, unser Gott.

Psalm 100

1 Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde! 2 Dient dem Herrn mit Freude! Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!3 Erkennt: Der Herr allein ist Gott. Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.4 Tretet mit Dank durch seine Tore ein! Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels! Dankt ihm, preist seinen Namen!5 Denn der Herr ist gütig, ewig währt seine Huld, von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Psalm 101

1 Von Gnade und Recht will ich singen; dir, o Herr, will ich spielen.2 Ich will auf den Weg der Bewährten achten. Wann kommst du zu mir? Ich lebe in der Stille meines Hauses mit lauterem Herzen.3 Ich richte mein Auge nicht auf Schändliches; ich hasse es, Unrecht zu tun, es soll nicht an mir haften.4 Falschheit sei meinem Herzen fern; ich will das Böse nicht kennen.5 Wer den Nächsten heimlich verleumdet, den bring' ich zum Schweigen. Stolze Augen und hochmütige Herzen kann ich nicht ertragen.6 Meine Augen suchen die Treuen im Land; sie sollen bei mir wohnen. Wer auf rechten Wegen geht, der darf mir dienen.7 In meinem Haus soll kein Betrüger wohnen; kein Lügner kann vor meinen Augen bestehen.8 Morgen für Morgen spreche ich das Urteil über die Frevler im Land, um in der Stadt des Herrn alle auszurotten, die Unrecht tun.

Psalm 102

1-2 Herr, höre mein Gebet! Mein Schreien dringe zu dir.3 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir! Wenn ich in Not bin, wende dein Ohr mir zu! Wenn ich dich anrufe, erhöre mich bald!4 Meine Tage sind wie Rauch geschwunden, meine Glieder wie von Feuer verbrannt.5 Versengt wie Gras und verdorrt ist mein Herz, so daß ich vergessen habe, mein Brot zu essen.6 Vor lauter Stöhnen und Schreien bin ich nur noch Haut und Knochen.7 Ich bin wie eine Dohle in der Wüste, wie eine Eule in öden Ruinen.8 Ich liege wach, und ich klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.9 Den ganzen Tag schmähen mich die Feinde; die mich verhöhnen, nennen meinen Namen beim Fluchen.10 Staub muß ich essen wie Brot, mit Tränen mische ich meinen Trank;11 denn auf mir lasten dein Zorn und dein Grimm. Du hast mich hochgerissen und zu Boden geschleudert.12 Meine Tage schwinden dahin wie Schatten, ich verdorre wie Gras.13 Du aber, Herr, du thronst für immer und ewig, dein Name dauert von Geschlecht zu Geschlecht.14 Du wirst dich erheben, dich über Zion erbarmen; denn es ist Zeit, ihm gnädig zu sein, die Stunde ist da.15 An Zions Steinen hängt das Herz deiner Knechte, um seine Trümmer tragen sie Leid.16 Dann fürchten die Völker den Namen des Herrn und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit.17 Denn der Herr baut Zion wieder auf und erscheint in all seiner Herrlichkeit.18 Er wendet sich dem Gebet der Verlassenen zu, ihre Bitten verschmäht er nicht.19 Dies sei aufgeschrieben für das kommende Geschlecht, damit das Volk, das noch erschaffen wird, den Herrn lobpreise.20 Denn der Herr schaut herab aus heiliger Höhe, vom Himmel blickt er auf die Erde nieder;21 er will auf das Seufzen der Gefangenen hören und alle befreien, die dem Tod geweiht sind,22 damit sie den Namen des Herrn auf dem Zion verkünden und sein Lob in Jerusalem,23 wenn sich dort Königreiche und Völker versammeln, um den Herrn zu verehren.24 Er hat meine Kraft auf dem Weg gebrochen, er hat meine Tage verkürzt.25 Darum sage ich: Raff mich nicht weg in der Mitte des Lebens, mein Gott, dessen Jahre Geschlecht um Geschlecht überdauern!26 Vorzeiten hast du der Erde Grund gelegt, die Himmel sind das Werk deiner Hände.27 Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle zerfallen wie ein Gewand; du wechselst sie wie ein Kleid, und sie schwinden dahin.28 Du aber bleibst, der du bist, und deine Jahre enden nie.29 Die Kinder deiner Knechte werden (in Sicherheit) wohnen, ihre Nachkommen vor deinem Antlitz bestehen.

Psalm 103

1 Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!2 Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:3 der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,4 der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,5 der dich dein Leben lang mit seinen Gaben sättigt; wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert.6 Der Herr vollbringt Taten des Heiles, Recht verschafft er allen Bedrängten.7 Er hat Mose seine Wege kundgetan, den Kindern Israels seine Werke.8 Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte.9 Er wird nicht immer zürnen, nicht ewig im Groll verharren.10 Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.12 So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, so weit entfernt er die Schuld von uns.13 Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.14 Denn er weiß, was wir für Gebilde sind; er denkt daran: Wir sind nur Staub.15 Des Menschen Tage sind wie Gras, er blüht wie die Blume des Feldes.16 Fährt der Wind darüber, ist sie dahin; der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr.17 Doch die Huld des Herrn währt immer und ewig für alle, die ihn fürchten und ehren; sein Heil erfahren noch Kinder und Enkel; 18 alle, die seinen Bund bewahren, an seine Gebote denken und danach handeln.19 Der Herr hat seinen Thron errichtet im Himmel, seine königliche Macht beherrscht das All.20 Lobt den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die seine Befehle vollstrecken, seinen Worten gehorsam!21 Lobt den Herrn, all seine Scharen, seine Diener, die seinen Willen vollziehen!22 Lobt den Herrn, all seine Werke, an jedem Ort seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele!

Psalm 104

1 Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.2 Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.3 Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, du fährst einher auf den Flügeln des Sturmes.4 Du machst dir die Winde zu Boten und lodernde Feuer zu deinen Dienern.5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen.7 Sie wichen vor deinem Drohen zurück, sie flohen vor der Stimme deines Donners.8 Da erhoben sich Berge und senkten sich Täler an den Ort, den du für sie bestimmt hast.9 Du hast den Wassern eine Grenze gesetzt, die dürfen sie nicht überschreiten; nie wieder sollen sie die Erde bedecken.10 Du läßt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin.11 Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank, die Wildesel stillen ihren Durst daraus.12 An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, aus deinen Wolken wird die Erde satt.14 Du läßt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde15 und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt.16 Die Bäume des Herrn trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.17 In ihnen bauen die Vögel ihr Nest, auf den Zypressen nistet der Storch.18 Die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.19 Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht.20 Du sendest Finsternis, und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes.21 Die jungen Löwen brüllen nach Beute, sie verlangen von Gott ihre Nahrung.22 Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim und lagern sich in ihren Verstecken.23 Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend.24 Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.25 Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere.26 Dort ziehen die Schiffe dahin, auch der Leviátan, den du geformt hast, um mit ihm zu spielen.27 Sie alle warten auf dich, daß du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.28 Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.29 Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde.30 Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde.31 Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; der Herr freue sich seiner Werke.32 Er blickt auf die Erde, und sie erbebt; er rührt die Berge an, und sie rauchen.33 Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe, will meinem Gott spielen, solange ich da bin.34 Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am Herrn.35 Doch die Sünder sollen von der Erde verschwinden, und es sollen keine Frevler mehr dasein. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

Psalm 105

1 Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt!2 Singt ihm und spielt ihm, sinnt nach über all seine Wunder!3 Rühmt euch seines heiligen Namens! Alle, die den Herrn suchen, sollen sich von Herzen freuen.4 Fragt nach dem Herrn und seiner Macht; sucht sein Antlitz allezeit!5 Denkt an die Wunder, die er getan hat, an seine Zeichen und die Beschlüsse aus seinem Mund.6 Bedenkt es, ihr Nachkommen seines Knechtes Abraham, ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.7 Er, der Herr, ist unser Gott. Seine Herrschaft umgreift die Erde.8 Ewig denkt er an seinen Bund, an das Wort, das er gegeben hat für tausend Geschlechter,9 an den Bund, den er mit Abraham geschlossen, an den Eid, den er Isaak geschworen hat.10 Er bestimmte ihn als Satzung für Jakob, als ewigen Bund für Israel.11 Er sprach: Dir will ich Kanaan geben, das Land, das dir als Erbe bestimmt ist.12 Als sie noch gering waren an Zahl, nur wenige und fremd im Land,13 und noch zogen von Volk zu Volk, von einem Reich zum andern,14 da ließ er sie von niemand bedrücken, wies ihretwegen Könige zurecht:15 "Tastet meine Gesalbten nicht an, tut meinen Propheten nichts zuleide!"16 Dann aber rief er den Hunger ins Land, entzog ihnen allen Vorrat an Brot.17 Doch hatte er ihnen einen Mann vorausgesandt: Josef wurde als Sklave verkauft.18 Man spannte seine Füße in Fesseln und zwängte seinen Hals ins Eisen19 bis zu der Zeit, als sein Wort sich erfüllte und der Spruch des Herrn ihm recht gab.20 Da sandte der König einen Boten und ließ ihn frei, der Herrscher der Völker ließ ihn heraus.21 Er bestellte ihn zum Herrn über sein Haus, zum Gebieter über seinen ganzen Besitz.22 Er sollte die Fürsten lenken nach seinem Sinn und die Ältesten Weisheit lehren.23 Und Israel kam nach Ägypten, Jakob wurde Gast im Lande Hams.24 Da mehrte Gott sein Volk gewaltig, machte es stärker als das Volk der Bedrücker.25 Er wandelte ihren Sinn zum Haß gegen sein Volk, so daß sie an seinen Knechten tückisch handelten.26 Dann sandte er Mose, seinen Knecht, und Aaron, den Gott sich erwählte.27 Sie wirkten unter ihnen seine Zeichen, im Lande Hams seine Wunder.28 Er sandte Finsternis, da wurde es dunkel; doch achteten sie nicht auf sein Wort.29 Er verwandelte ihre Gewässer in Blut und ließ ihre Fische sterben.30 Ihr Land wimmelte von Fröschen bis hinein in den Palast des Königs.31 Er gebot, da kamen Schwärme von Fliegen und von Stechmücken über das ganze Gebiet.32 Er schickte ihnen Hagel statt Regen, flammendes Feuer auf ihr Land.33 Er zerschlug ihnen Weinstock und Feigenbaum und knickte in ihrem Gebiet die Bäume um.34 Er gebot, da kamen Schwärme von Grillen und Wanderheuschrecken in gewaltiger Zahl.35 Sie fraßen alles Grün in ihrem Land, sie fraßen die Frucht ihrer Felder.36 Er erschlug im Land jede Erstgeburt, die ganze Blüte der Jugend.37 Er führte sein Volk heraus mit Silber und Gold; in seinen Stämmen fand sich kein Schwächling.38 Bei ihrem Auszug waren die Ägypter froh; denn Schrecken vor ihnen hatte sie alle befallen.39 Eine Wolke breitete er aus, um sie zu decken, und Feuer, um die Nacht zu erleuchten.40 Als sie ihn baten, schickte er Wachteln und sättigte sie mit Brot vom Himmel.41 Er öffnete den Felsen, und Wasser entquoll ihm, wie ein Strom floß es dahin in der Wüste.42 Denn er dachte an sein heiliges Wort und an Abraham, seinen Knecht.43 Er führte sein Volk heraus in Freude, seine Erwählten in Jubel.44 Er gab ihnen die Länder der Völker und ließ sie den Besitz der Nationen gewinnen,45 damit sie seine Satzungen hielten und seine Gebote befolgten. Halleluja!

Psalm 106

1 Halleluja! Danket dem Herrn; denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.2 Wer kann die großen Taten des Herrn erzählen, all seinen Ruhm verkünden?3 Wohl denen, die das Recht bewahren, und zu jeder Zeit tun, was gerecht ist.4 Denk an mich, Herr, aus Liebe zu deinem Volk, such mich auf und bring mir Hilfe!5 Laß mich das Glück deiner Erwählten schauen, an der Freude deines Volkes mich freuen, damit ich gemeinsam mit deinem Erbe mich rühmen kann.6 Wir haben zusammen mit unsern Vätern gesündigt, wir haben Unrecht getan und gefrevelt.7 Unsre Väter in Ägypten begriffen deine Wunder nicht, dachten nicht an deine reiche Huld und trotzten dem Höchsten am Schilfmeer.8 Er aber hat sie gerettet, um seinen Namen zu ehren und seine Macht zu bekunden.9 Er bedrohte das Schilfmeer, da wurde es trocken; wie durch eine Steppe führte er sie durch die Fluten.10 Er rettete sie aus der Hand derer, die sie haßten, erlöste sie aus der Gewalt des Feindes.11 Ihre Bedränger bedeckte das Wasser, nicht einer von ihnen blieb übrig.12 Nun glaubten sie Gottes Worten und sangen laut seinen Lobpreis.13 Doch sie vergaßen schnell seine Taten, wollten auf seinen Ratschluß nicht warten.14 Sie wurden in der Wüste begehrlich und versuchten Gott in der Öde.15 Er gab ihnen, was sie von ihm verlangten; dann aber erfaßte sie Ekel und Überdruß.16 Sie wurden im Lager eifersüchtig auf Mose und auf Aaron, den Heiligen des Herrn.17 Die Erde tat sich auf, sie verschlang den Datan und bedeckte die Rotte Abírams.18 Feuer verbrannte die Rotte, Flammen verzehrten die Frevler.19 Sie machten am Horeb ein Kalb und warfen sich vor dem Gußbild nieder.20 Die Herrlichkeit Gottes tauschten sie ein gegen das Bild eines Stieres, der Gras frißt.21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der einst in Ägypten Großes vollbrachte,22 Wunder im Lande Hams, furchterregende Taten am Schilfmeer.23 Da faßte er einen Plan, und er hätte sie vernichtet, wäre nicht Mose, sein Erwählter, für sie in die Bresche gesprungen, so daß Gott sie im Zorn nicht vertilgte.24 Sie verschmähten das köstliche Land; sie glaubten seinen Verheißungen nicht.25 In ihren Zelten murrten sie, hörten nicht auf die Stimme des Herrn.26 Da erhob er gegen sie die Hand, um sie niederzustrecken noch in der Wüste,27 ihre Nachkommen unter die Völker zu zerstreuen, sie in alle Welt zu versprengen.28 Sie hängten sich an den Báal-Pegór und aßen die Opfer der toten Götzen.29 Sie erbitterten Gott mit ihren schändlichen Taten, bis über sie eine schwere Plage kam.30 Pinhas trat auf und hielt Gericht; so wurde die Plage abgewandt.31 Das rechnete Gott ihm als Gerechtigkeit an, ihm und seinem Geschlecht für immer und ewig.32 An den Wassern von Meríba reizten sie Gottes Zorn, ihretwegen erging es Mose übel.33 Denn sie hatten seinen Geist erbittert, sein Mund redete unbedacht.34 Sie rotteten die Völker nicht aus, wie ihnen der Herr einst befahl.35 Sie vermischten sich mit den Heiden und lernten von ihren Taten.36 Sie dienten ihren Götzen; die wurden ihnen zur Falle.37 Sie brachten ihre Söhne und Töchter dar als Opfer für die Dämonen.38 Sie vergossen schuldloses Blut, das Blut ihrer Söhne und Töchter, die sie den Götzen Kanaans opferten; so wurde das Land durch Blutschuld entweiht.39 Sie wurden durch ihre Taten unrein und brachen Gott mit ihrem Tun die Treue.40 Der Zorn des Herrn entbrannte gegen sein Volk, er empfand Abscheu gegen sein Erbe.41 Er gab sie in die Hand der Völker, und die sie haßten, beherrschten sie.42 Ihre Feinde bedrängten sie, unter ihre Hand mußten sie sich beugen.43 Oft hat er sie befreit; sie aber trotzten seinem Beschluß und versanken in ihrer Schuld.44 Doch als er ihr Flehen hörte, sah er auf ihre Not45 und dachte ihnen zuliebe an seinen Bund; er hatte Mitleid in seiner großen Gnade.46 Bei denen, die sie verschleppten, ließ er sie Erbarmen erfahren.47 Hilf uns, Herr, unser Gott, führe uns aus den Völkern zusammen! Wir wollen deinen heiligen Namen preisen, uns rühmen, weil wir dich loben dürfen.48 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, vom Anfang bis ans Ende der Zeiten. Alles Volk soll sprechen: Amen. Halleluja!

Psalm 107

1 Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.2 So sollen alle sprechen, die vom Herrn erlöst sind, die er von den Feinden befreit hat.3 Denn er hat sie aus den Ländern gesammelt, vom Aufgang und Niedergang, vom Norden und Süden.4 Sie, die umherirrten in der Wüste, im Ödland, und den Weg zur wohnlichen Stadt nicht fanden,5 die Hunger litten und Durst, denen das Leben dahinschwand,6 die dann in ihrer Bedrängnis schrien zum Herrn, die er ihren Ängsten entriß7 und die er führte auf geraden Wegen, so daß sie zur wohnlichen Stadt gelangten:8 sie alle sollen dem Herrn danken für seine Huld, für sein wunderbares Tun an den Menschen,9 weil er die lechzende Seele gesättigt, die hungernde Seele mit seinen Gaben erfüllt hat.10 Sie, die saßen in Dunkel und Finsternis, gefangen in Elend und Eisen,11 die den Worten Gottes getrotzt und verachtet hatten den Ratschluß des Höchsten,12 deren Herz er durch Mühsal beugte, die stürzten und denen niemand beistand,13 die dann in ihrer Bedrängnis schrien zum Herrn, die er ihren Ängsten entriß,14 die er herausführte aus Dunkel und Finsternis und deren Fesseln er zerbrach:15 sie alle sollen dem Herrn danken für seine Huld, für sein wunderbares Tun an den Menschen,16 weil er die ehernen Tore zerbrochen, die eisernen Riegel zerschlagen hat.17 Sie, die dahinsiechten in ihrem sündhaften Treiben, niedergebeugt wegen ihrer schweren Vergehen,18 denen vor jeder Speise ekelte, die nahe waren den Pforten des Todes,19 die dann in ihrer Bedrängnis schrien zum Herrn, die er ihren Ängsten entriß,20 denen er sein Wort sandte, die er heilte und vom Verderben befreite:21 sie alle sollen dem Herrn danken für seine Huld, für sein wunderbares Tun an den Menschen.22 Sie sollen ihm Dankopfer weihen, mit Jubel seine Taten verkünden.23 Sie, die mit Schiffen das Meer befuhren und Handel trieben auf den großen Wassern,24 die dort die Werke des Herrn bestaunten, seine Wunder in der Tiefe des Meeres25 - Gott gebot und ließ den Sturmwind aufstehn, der hoch die Wogen türmte -,26 die zum Himmel emporstiegen und hinabfuhren in die tiefste Tiefe, so daß ihre Seele in der Not verzagte,27 die wie Trunkene wankten und schwankten, am Ende waren mit all ihrer Weisheit,28 die dann in ihrer Bedrängnis schrien zum Herrn, die er ihren Ängsten entriß29 - er machte aus dem Sturm ein Säuseln, so daß die Wogen des Meeres schwiegen -,30 die sich freuten, daß die Wogen sich legten und er sie zum ersehnten Hafen führte:31 sie alle sollen dem Herrn danken für seine Huld, für sein wunderbares Tun an den Menschen.32 Sie sollen ihn in der Gemeinde des Volkes rühmen, ihn loben im Kreis der Alten.33 Er machte Ströme zur dürren Wüste, Oasen zum dürstenden Ödland,34 fruchtbares Land zur salzigen Steppe; denn seine Bewohner waren böse.35 Er machte die Wüste zum Wasserteich, verdorrtes Land zu Oasen.36 Dort siedelte er Hungernde an, sie gründeten wohnliche Städte.37 Sie bestellten Felder, pflanzten Reben und erzielten reiche Ernten.38 Er segnete sie, so daß sie sich gewaltig vermehrten, gab ihnen große Mengen an Vieh.39 Dann aber wurden sie geringer an Zahl, gebeugt unter der Last von Leid und Kummer.40 Er goß über die Edlen Verachtung aus, ließ sie umherirren in wegloser Wüste.41 Die Armen hob er aus dem Elend empor und vermehrte ihre Sippen, einer Herde gleich.42 Die Redlichen sehn es und freuen sich, doch alle bösen Menschen verstummen.43 Wer ist weise und beachtet das alles, wer begreift die reiche Huld des Herrn?

Psalm 108

1-2 Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit, ich will dir singen und spielen. Wach auf, meine Seele! 3 Wacht auf, Harfe und Saitenspiel! Ich will das Morgenrot wecken.4 Ich will dich vor den Völkern preisen, Herr, dir vor den Nationen lobsingen.5 Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn.6 Erheb dich über die Himmel, o Gott! Deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.7 Hilf mit deiner Rechten, erhöre uns, damit die gerettet werden, die du so sehr liebst.8 Gott hat in seinem Heiligtum gesprochen: "Ich will triumphieren, will Sichem verteilen und das Tal von Sukkot vermessen.9 Mein ist Gilead, mein auch Manasse, Efraim ist der Helm auf meinem Haupt, Juda mein Herrscherstab.10 Doch Moab ist mein Waschbecken, auf Edom werfe ich meinen Schuh, ich triumphiere über das Land der Philister."11 Wer führt mich hin zu der befestigten Stadt, wer wird mich nach Edom geleiten?12 Gott, hast denn du uns verworfen? Du ziehst ja nicht aus, o Gott, mit unsern Heeren.13 Bring uns doch Hilfe im Kampf mit dem Feind! Denn die Hilfe von Menschen ist nutzlos.14 Mit Gott werden wir Großes vollbringen; er selbst wird unsere Feinde zertreten.

Psalm 109

1 Gott, den ich lobe, schweig doch nicht!2 Denn ein Mund voll Frevel, ein Lügenmaul hat sich gegen mich aufgetan. Sie reden zu mir mit falscher Zunge, 3 umgeben mich mit Worten voll Haß und bekämpfen mich ohne Grund.4 Sie befeinden mich, während ich für sie bete,5 sie vergelten mir Gutes mit Bösem, mit Haß meine Liebe.6 Sein Frevel stehe gegen ihn auf als Zeuge, ein Ankläger trete an seine Seite.7 Aus dem Gericht gehe er verurteilt hervor, selbst sein Gebet werde zur Sünde.8 Nur gering sei die Zahl seiner Tage, sein Amt soll ein andrer erhalten.9 Seine Kinder sollen zu Waisen werden und seine Frau zur Witwe.10 Unstet sollen seine Kinder umherziehen und betteln, aus den Trümmern ihres Hauses vertrieben.11 Sein Gläubiger reiße all seinen Besitz an sich, Fremde sollen plündern, was er erworben hat.12 Niemand sei da, der ihm die Gunst bewahrt, keiner, der sich der Waisen erbarmt.13 Seine Nachkommen soll man vernichten, im nächsten Geschlecht schon erlösche sein Name.14 Der Herr denke an die Schuld seiner Väter, ungetilgt bleibe die Sünde seiner Mutter.15 Ihre Schuld stehe dem Herrn allzeit vor Augen, ihr Andenken lösche er aus auf Erden.16 Denn dieser Mensch dachte nie daran, Gnade zu üben; er verfolgte den Gebeugten und Armen und wollte den Verzagten töten.17 Er liebte den Fluch - der komme über ihn; er verschmähte den Segen - der bleibe ihm fern.18 Er zog den Fluch an wie ein Gewand; der dringe wie Wasser in seinen Leib, wie Öl in seine Glieder.19 Er werde für ihn wie das Kleid, in das er sich hüllt, wie der Gürtel, der ihn allzeit umschließt.20 So lohne der Herr es denen, die mich verklagen, und denen, die Böses gegen mich reden.21 Du aber, Herr und Gebieter, handle an mir, wie es deinem Namen entspricht, reiß mich heraus in deiner gütigen Huld!22 Denn ich bin arm und gebeugt, mir bebt das Herz in der Brust.23 Wie ein flüchtiger Schatten schwinde ich dahin; sie schütteln mich wie eine Heuschrecke ab.24 Mir wanken die Knie vom Fasten, mein Leib nimmt ab und wird mager.25 Ich wurde für sie zum Spott und zum Hohn, sie schütteln den Kopf, wenn sie mich sehen.26 Hilf mir, Herr, mein Gott, in deiner Huld errette mich!27 Sie sollen erkennen, daß deine Hand dies vollbracht hat, daß du, o Herr, es getan hast.28 Mögen sie fluchen - du wirst segnen. Meine Gegner sollen scheitern, dein Knecht aber darf sich freuen.29 Meine Ankläger sollen sich bedecken mit Schmach, wie in einen Mantel sich in Schande hüllen.30 Ich will den Herrn preisen mit lauter Stimme, in der Menge ihn loben.31 Denn er steht dem Armen zur Seite, um ihn vor falschen Richtern zu retten.

Psalm 110

1 So spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.2 Vom Zion strecke der Herr das Zepter deiner Macht aus: "Herrsche inmitten deiner Feinde!"3 Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht, (wenn du erscheinst) in heiligem Schmuck; ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern, wie den Tau in der Frühe.4 Der Herr hat geschworen, und nie wird's ihn reuen: "Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks."5 Der Herr steht dir zur Seite; er zerschmettert Könige am Tage seines Zornes.6 Er hält Gericht unter den Völkern, er häuft die Toten, die Häupter zerschmettert er weithin auf Erden.7 Er trinkt aus dem Bach am Weg; so kann er (von neuem) das Haupt erheben.

Psalm 111

1 Halleluja! Den Herrn will ich preisen von ganzem Herzen im Kreis der Frommen, inmitten der Gemeinde.2 Groß sind die Werke des Herrn, kostbar allen, die sich an ihnen freuen.3 Er waltet in Hoheit und Pracht, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.4 Er hat ein Gedächtnis an seine Wunder gestiftet, der Herr ist gnädig und barmherzig.5 Er gibt denen Speise, die ihn fürchten, an seinen Bund denkt er auf ewig.6 Er hat seinem Volk seine machtvollen Taten kundgetan, um ihm das Erbe der Völker zu geben.7 Die Werke seiner Hände sind gerecht und beständig, all seine Gebote sind verläßlich.8 Sie stehen fest für immer und ewig, geschaffen in Treue und Redlichkeit.9 Er gewährte seinem Volk Erlösung und bestimmte seinen Bund für ewige Zeiten. Furchtgebietend ist sein Name und heilig.10 Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit; alle, die danach leben, sind klug. Sein Ruhm hat Bestand für immer.

Psalm 112

1 Halleluja! Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt und sich herzlich freut an seinen Geboten.2 Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet.3 Wohlstand und Reichtum füllen sein Haus, sein Heil hat Bestand für immer.4 Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht: der Gnädige, Barmherzige und Gerechte.5 Wohl dem Mann, der gütig und zum Helfen bereit ist, der das Seine ordnet, wie es recht ist.6 Niemals gerät er ins Wanken; ewig denkt man an den Gerechten.7 Er fürchtet sich nicht vor Verleumdung; sein Herz ist fest, er vertraut auf den Herrn.8 Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nie; denn bald wird er herabschauen auf seine Bedränger.9 Reichlich gibt er den Armen, sein Heil hat Bestand für immer; er ist mächtig und hoch geehrt.10 Voll Verdruß sieht es der Frevler, er knirscht mit den Zähnen und geht zugrunde. Zunichte werden die Wünsche der Frevler.

Psalm 113

1 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn!2 Der Name des Herrn sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit.3 Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang sei der Name des Herrn gelobt.4 Der Herr ist erhaben über alle Völker, seine Herrlichkeit überragt die Himmel.5 Wer gleicht dem Herrn, unserm Gott, im Himmel und auf Erden,6 ihm, der in der Höhe thront, der hinabschaut in die Tiefe,7 der den Schwachen aus dem Staub emporhebt und den Armen erhöht, der im Schmutz liegt?8 Er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen, bei den Edlen seines Volkes.9 Die Frau, die kinderlos war, läßt er im Hause wohnen; sie wird Mutter und freut sich an ihren Kindern. Halleluja!

Psalm 114

1 Als Israel aus Ägypten auszog, Jakobs Haus aus dem Volk mit fremder Sprache,2 da wurde Juda Gottes Heiligtum, Israel das Gebiet seiner Herrschaft.3 Das Meer sah es und floh, der Jordan wich zurück.4 Die Berge hüpften wie Widder, die Hügel wie junge Lämmer.5 Was ist mit dir, Meer, daß du fliehst, und mit dir, Jordan, daß du zurückweichst?6 Ihr Berge, was hüpft ihr wie Widder, und ihr Hügel, wie junge Lämmer?7 Vor dem Herrn erbebe, du Erde, vor dem Antlitz des Gottes Jakobs,8 der den Fels zur Wasserflut wandelt und Kieselgestein zu quellendem Wasser.

Psalm 115

1 Nicht uns, o Herr, bring zu Ehren, nicht uns, sondern deinen Namen, in deiner Huld und Treue!2 Warum sollen die Völker sagen: "Wo ist denn ihr Gott?"3 Unser Gott ist im Himmel; alles, was ihm gefällt, das vollbringt er.4 Die Götzen der Völker sind nur Silber und Gold, ein Machwerk von Menschenhand.5 Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen und sehen nicht;6 sie haben Ohren und hören nicht, eine Nase und riechen nicht;7 mit ihren Händen können sie nicht greifen, mit den Füßen nicht gehen, sie bringen keinen Laut hervor aus ihrer Kehle.8 Die sie gemacht haben, sollen ihrem Machwerk gleichen, alle, die den Götzen vertrauen.9 Israel, vertrau auf den Herrn! Er ist für euch Helfer und Schild.10 Haus Aaron, vertrau auf den Herrn! Er ist für euch Helfer und Schild.11 Alle, die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf den Herrn! Er ist für euch Helfer und Schild.12 Der Herr denkt an uns, er wird uns segnen, er wird das Haus Israel segnen, er wird das Haus Aaron segnen.13 Der Herr wird alle segnen, die ihn fürchten, segnen Kleine und Große.14 Es mehre euch der Herr, euch und eure Kinder.15 Seid gesegnet vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.16 Der Himmel ist der Himmel des Herrn, die Erde aber gab er den Menschen.17 Tote können den Herrn nicht mehr loben, keiner, der ins Schweigen hinabfuhr.18 Wir aber preisen den Herrn von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja!

Psalm 116

1 Ich liebe den Herrn; denn er hat mein lautes Flehen gehört2 und sein Ohr mir zugeneigt an dem Tag, als ich zu ihm rief.3 Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich befielen die Ängste der Unterwelt, mich trafen Bedrängnis und Kummer.4 Da rief ich den Namen des Herrn an: "Ach Herr, rette mein Leben!"5 Der Herr ist gnädig und gerecht, unser Gott ist barmherzig.6 Der Herr behütet die schlichten Herzen; ich war in Not, und er brachte mir Hilfe.7 Komm wieder zur Ruhe, mein Herz! Denn der Herr hat dir Gutes getan.8 Ja, du hast mein Leben dem Tod entrissen, meine Tränen (getrocknet), meinen Fuß (bewahrt vor) dem Gleiten.9 So gehe ich meinen Weg vor dem Herrn im Land der Lebenden.10 Voll Vertrauen war ich, auch wenn ich sagte: Ich bin so tief gebeugt.11 In meiner Bestürzung sagte ich: Die Menschen lügen alle.12 Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat?13 Ich will den Kelch des Heils erheben und anrufen den Namen des Herrn.14 Ich will dem Herrn meine Gelübde erfüllen offen vor seinem ganzen Volk.15 Kostbar ist in den Augen des Herrn das Sterben seiner Frommen.16 Ach Herr, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd. Du hast meine Fesseln gelöst.17 Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen und anrufen den Namen des Herrn.18 Ich will dem Herrn meine Gelübde erfüllen offen vor seinem ganzen Volk,19 in den Vorhöfen am Haus' des Herrn, in deiner Mitte, Jerusalem. Halleluja!

Psalm 117

1 Lobet den Herrn, alle Völker, preist ihn, alle Nationen!2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. Halleluja!

Psalm 118

1 Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.3 So soll das Haus Aaron sagen: Denn seine Huld währt ewig.4 So sollen alle sagen, die den Herrn fürchten und ehren: Denn seine Huld währt ewig.5 In der Bedrängnis rief ich zum Herrn; der Herr hat mich erhört und mich frei gemacht.6 Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?7 Der Herr ist bei mir, er ist mein Helfer; ich aber schaue auf meine Hasser herab.8 Besser, sich zu bergen beim Herrn, als auf Menschen zu bauen.9 Besser, sich zu bergen beim Herrn, als auf Fürsten zu bauen.10 Alle Völker umringen mich; ich wehre sie ab im Namen des Herrn.11 Sie umringen, ja, sie umringen mich; ich wehre sie ab im Namen des Herrn.12 Sie umschwirren mich wie Bienen, wie ein Strohfeuer verlöschen sie; ich wehre sie ab im Namen des Herrn.13 Sie stießen mich hart, sie wollten mich stürzen; der Herr aber hat mir geholfen.14 Meine Stärke und mein Lied ist der Herr; er ist für mich zum Retter geworden.15 Frohlocken und Jubel erschallt in den Zelten der Gerechten: "Die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!16 Die Rechte des Herrn ist erhoben, die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!"17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des Herrn zu verkünden.18 Der Herr hat mich hart gezüchtigt, doch er hat mich nicht dem Tod übergeben.19 Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken.20 Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein.21 Ich danke dir, daß du mich erhört hast; du bist für mich zum Retter geworden.22 Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.23 Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder.24 Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.25 Ach, Herr, bring doch Hilfe! Ach, Herr, gib doch Gelingen!26 Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Wir segnen euch, vom Haus des Herrn her.27 Gott, der Herr, erleuchte uns. Mit Zweigen in den Händen schließt euch zusammen zum Reigen, bis zu den Hörnern des Altars!28 Du bist mein Gott, dir will ich danken; mein Gott, dich will ich rühmen.29 Dank't dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.

Psalm 119

1 (Alef) Wohl denen, deren Weg ohne Tadel ist, die leben nach der Weisung des Herrn.2 Wohl denen, die seine Vorschriften befolgen und ihn suchen von ganzem Herzen,3 die kein Unrecht tun und auf seinen Wegen geh'n.4 Du hast deine Befehle gegeben, damit man sie genau beachtet.5 Wären doch meine Schritte fest darauf gerichtet, deinen Gesetzen zu folgen!6 Dann werde ich niemals scheitern, wenn ich auf all deine Gebote schaue.7 Mit lauterem Herzen will ich dir danken, wenn ich deine gerechten Urteile lerne.8 Deinen Gesetzen will ich immer folgen. Laß mich doch niemals im Stich!9 (Bet) Wie geht ein junger Mann seinen Pfad ohne Tadel? Wenn er sich hält an dein Wort.10 Ich suche dich von ganzem Herzen. Laß mich nicht abirren von deinen Geboten!11 Ich berge deinen Spruch im Herzen, damit ich gegen dich nicht sündige.12 Gepriesen seist du, Herr. Lehre mich deine Gesetze!13 Mit meinen Lippen verkünde ich alle Urteile deines Mundes.14 Nach deinen Vorschriften zu leben freut mich mehr als großer Besitz.15 Ich will nachsinnen über deine Befehle und auf deine Pfade schauen.16 Ich habe meine Freude an deinen Gesetzen, dein Wort will ich nicht vergessen.17 (Gimel) Tu deinem Knecht Gutes, erhalt mich am Leben! Dann will ich dein Wort befolgen.18 Öffne mir die Augen für das Wunderbare an deiner Weisung!19 Ich bin nur Gast auf Erden. Verbirg mir nicht deine Gebote!20 In Sehnsucht nach deinem Urteil verzehrt sich allezeit meine Seele.21 Du drohst den Stolzen. Verflucht sei, wer abirrt von deinen Geboten.22 Nimm von mir Schmach und Verachtung! Denn was du vorschreibst, befolge ich.23 Wenn auch Fürsten gegen mich beraten: dein Knecht sinnt nach über deine Gesetze.24 Deine Vorschriften machen mich froh; sie sind meine Berater.25 (Dalet) Meine Seele klebt am Boden. Durch dein Wort belebe mich!26 Ich habe dir mein Geschick erzählt, und du erhörtest mich. Lehre mich deine Gesetze!27 Laß mich den Weg begreifen, den deine Befehle mir zeigen, dann will ich nachsinnen über deine Wunder.28 Meine Seele zerfließt vor Kummer. Richte mich auf durch dein Wort!29 Halte mich fern vom Weg der Lüge; begnade mich mit deiner Weisung!30 Ich wählte den Weg der Wahrheit; nach deinen Urteilen hab' ich Verlangen.31 Ich halte an deinen Vorschriften fest. Herr, laß mich niemals scheitern!32 Ich eile voran auf dem Weg deiner Gebote, denn mein Herz machst du weit.33 (He) Herr, weise mir den Weg deiner Gesetze! Ich will ihn einhalten bis ans Ende.34 Gib mir Einsicht, damit ich deiner Weisung folge und mich an sie halte aus ganzem Herzen.35 Führe mich auf dem Pfad deiner Gebote! Ich habe an ihm Gefallen.36 Deinen Vorschriften neige mein Herz zu, doch nicht der Habgier!37 Wende meine Augen ab von eitlen Dingen; durch dein Wort belebe mich!38 Erfülle deinem Knecht die Verheißung, die allen gilt, die dich fürchten und ehren.39 Wende die Schande ab, vor der mir graut; denn deine Entscheide sind gut.40 Nach deinen Befehlen hab' ich Verlangen. Gib mir neue Kraft durch deine Gerechtigkeit!41 (Waw) Herr, deine Huld komme auf mich herab und deine Hilfe, wie du es verheißen hast.42 Dann kann ich dem, der mich schmäht, erwidern; denn ich vertraue auf dein Wort.43 Entziehe meinem Mund nicht das Wort der Wahrheit! Ich hoffe so sehr auf deine Entscheide.44 Ich will deiner Weisung beständig folgen, auf immer und ewig.45 Dann schreite ich aus auf freier Bahn; denn ich frage nach deinen Befehlen.46 Deine Gebote will ich vor Königen bezeugen und mich nicht vor ihnen schämen.47 An deinen Geboten habe ich meine Freude, ich liebe sie von Herzen.48 Ich erhebe meine Hände zu deinen Geboten; nachsinnen will ich über deine Gesetze.49 (Sajin) Denk an das Wort für deinen Knecht, durch das du mir Hoffnung gabst.50 Das ist mein Trost im Elend: Deine Verheißung spendet mir Leben.51 Frech verhöhnen mich die Stolzen; ich aber weiche nicht ab von deiner Weisung.52 Denke ich an deine Urteile seit alter Zeit, Herr, dann bin ich getröstet.53 Zorn packt mich wegen der Frevler, weil sie deine Weisung mißachten.54 Zum Lobgesang wurden mir deine Gesetze im Haus meiner Pilgerschaft.55 In der Nacht denke ich, Herr, an deinen Namen; ich will deine Weisung beachten.56 Deine Befehle zu befolgen ist das Glück, das mir zufiel.57 (Chet) Mein Anteil ist der Herr; ich habe versprochen, dein Wort zu beachten.58 Ich suche deine Gunst von ganzem Herzen. Sei mir gnädig nach deiner Verheißung!59 Ich überdenke meine Wege, zu deinen Vorschriften lenke ich meine Schritte.60 Ich eile und säume nicht, deine Gebote zu halten.61 Auch wenn mich die Stricke der Frevler fesseln, vergesse ich deine Weisung nicht.62 Um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu preisen wegen deiner gerechten Entscheide.63 Ich bin ein Freund all derer, die dich fürchten und ehren, und aller, die deine Befehle befolgen.64 Von deiner Güte, Herr, ist die Erde erfüllt. Lehre mich deine Gesetze!65 (Tet) Du hast deinem Knecht Gutes erwiesen, o Herr, nach deinem Wort.66 Lehre mich Erkenntnis und rechtes Urteil! Ich vertraue auf deine Gebote.67 Ehe ich gedemütigt wurde, ging mein Weg in die Irre; nun aber halte ich mich an deine Verheißung.68 Du bist gut und wirkst Gutes. Lehre mich deine Gesetze!69 Stolze verbreiten über mich Lügen, ich aber halte mich von ganzem Herzen an deine Befehle.70 Abgestumpft und satt ist ihr Herz, ich aber ergötze mich an deiner Weisung.71 Daß ich gedemütigt wurde, war für mich gut; denn so lernte ich deine Gesetze.72 Die Weisung deines Mundes ist mir lieb, mehr als große Mengen von Gold und Silber.73 (Jod) Deine Hände haben mich gemacht und geformt. Gib mir Einsicht, damit ich deine Gebote lerne.74 Wer dich fürchtet, wird mich sehen und sich freuen; denn ich warte auf dein Wort.75 Herr, ich weiß, daß deine Entscheide gerecht sind; du hast mich gebeugt, weil du treu für mich sorgst.76 Tröste mich in deiner Huld, wie du es deinem Knecht verheißen hast.77 Dein Erbarmen komme über mich, damit ich lebe; denn deine Weisung macht mich froh.78 Schande über die Stolzen, die mich zu Unrecht bedrücken! Ich aber sinne nach über deine Befehle.79 Mir sollen sich alle zuwenden, die dich fürchten und ehren und die deine Vorschriften kennen.80 Mein Herz richte sich ganz nach deinen Gesetzen; dann werde ich nicht zuschanden.81 (Kaf) Nach deiner Hilfe sehnt sich meine Seele; ich warte auf dein Wort.82 Meine Augen sehnen sich nach deiner Verheißung, sie fragen: Wann wirst du mich trösten?83 Ich bin wie ein Schlauch voller Risse, doch deine Gesetze habe ich nicht vergessen.84 Wie viele Tage noch bleiben deinem Knecht? Wann wirst du meine Verfolger richten?85 Stolze stellen mir Fallen, sie handeln nicht nach deiner Weisung.86 Zuverlässig sind all deine Gebote. Zu Unrecht verfolgt man mich. Komm mir zu Hilfe!87 Fast hätte man mich von der Erde ausgetilgt; dennoch halte ich fest an deinen Befehlen.88 In deiner großen Huld laß mich leben, und ich will beachten, was dein Mund mir gebietet.89 (Lamed) Herr, dein Wort bleibt auf ewig, es steht fest wie der Himmel.90 Deine Treue währt von Geschlecht zu Geschlecht; du hast die Erde gegründet, sie bleibt bestehen.91 Nach deiner Ordnung bestehen sie bis heute, und dir ist alles dienstbar.92 Wäre nicht dein Gesetz meine Freude, ich wäre zugrunde gegangen in meinem Elend.93 Nie will ich deine Befehle vergessen; denn durch sie schenkst du mir Leben.94 Ich bin dein, errette mich! Ich frage nach deinen Befehlen.95 Frevler lauern mir auf, um mich zu vernichten; doch mein Sinn achtet auf das, was du gebietest.96 Ich sah, daß alles Vollkommene Grenzen hat; doch dein Gebot kennt keine Schranken.97 (Mem) Wie lieb ist mir deine Weisung; ich sinne über sie nach den ganzen Tag.98 Dein Gebot macht mich weiser als all meine Feinde; denn immer ist es mir nahe.99 Ich wurde klüger als all meine Lehrer; denn über deine Vorschriften sinne ich nach.100 Mehr Einsicht habe ich als die Alten; denn ich beachte deine Befehle.101 Von jedem bösen Weg halte ich meinen Fuß zurück; denn ich will dein Wort befolgen.102 Ich weiche nicht ab von deinen Entscheiden, du hast mich ja selbst unterwiesen.103 Wie köstlich ist für meinen Gaumen deine Verheißung, süßer als Honig für meinen Mund.104 Aus deinen Befehlen gewinne ich Einsicht, darum hasse ich alle Pfade der Lüge.105 (Nun) Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.106 Ich tat einen Schwur, und ich will ihn halten: Ich will deinen gerechten Entscheidungen folgen.107 Herr, ganz tief bin ich gebeugt. Durch dein Wort belebe mich!108 Herr, nimm mein Lobopfer gnädig an, und lehre mich deine Entscheide!109 Mein Leben ist ständig in Gefahr, doch ich vergesse nie deine Weisung.110 Frevler legen mir Schlingen, aber ich irre nicht ab von deinen Befehlen.111 Deine Vorschriften sind auf ewig mein Erbteil; denn sie sind die Freude meines Herzens.112 Mein Herz ist bereit, dein Gesetz zu erfüllen bis ans Ende und ewig.113 (Samech) Zwiespältige Menschen sind mir von Grund auf verhaßt, doch dein Gesetz ist mir lieb.114 Du bist mein Schutz und mein Schild, ich warte auf dein Wort.115 Weicht zurück von mir, ihr Bösen! Ich will die Gebote meines Gottes befolgen.116 Stütze mich, damit ich lebe, wie du es verheißen hast. Laß mich in meiner Hoffnung nicht scheitern!117 Gib mir Halt, dann finde ich Rettung; immer will ich auf deine Gesetze schauen.118 Alle, die sich von deinen Gesetzen entfernen, verwirfst du; denn ihr Sinnen und Trachten ist Lüge.119 Alle Frevler im Land sind für dich wie Schlacken, darum liebe ich, was du gebietest.120 Aus Ehrfurcht vor dir erschauert mein Leib, vor deinen Urteilen empfinde ich heilige Scheu.121 (Ajin) Ich tue, was recht und gerecht ist. Gib mich meinen Bedrückern nicht preis!122 Verbürg dich für das Wohl deines Knechtes, damit die Stolzen mich nicht unterdrücken.123 Meine Augen sehnen sich nach deiner Hilfe, nach deiner gerechten Verheißung.124 Handle an deinem Knecht nach deiner Huld, und lehre mich deine Gesetze!125 Ich bin dein Knecht. Gib mir Einsicht, damit ich verstehe, was du gebietest.126 Herr, es ist Zeit zu handeln; man hat dein Gesetz gebrochen.127 Darum liebe ich deine Gebote mehr als Rotgold und Weißgold.128 Darum lebe ich genau nach deinen Befehlen; ich hasse alle Pfade der Lüge.129 (Pe) Deine Vorschriften sind der Bewunderung wert; darum bewahrt sie mein Herz.130 Die Erklärung deiner Worte bringt Erleuchtung, den Unerfahrenen schenkt sie Einsicht.131 Weit öffne ich meinen Mund und lechze nach deinen Geboten; denn nach ihnen hab' ich Verlangen.132 Wende dich mir zu, sei mir gnädig, wie es denen gebührt, die deinen Namen lieben.133 Festige meine Schritte, wie du es verheißen hast. Laß kein Unrecht über mich herrschen!134 Erlöse mich aus der Gewalt der Menschen; dann will ich deine Befehle halten.135 Laß dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, und lehre mich deine Gesetze!136 Tränenbäche strömen aus meinen Augen, weil man dein Gesetz nicht befolgt.137 (Zade) Herr, du bist gerecht, und deine Entscheide sind richtig.138 Du hast deine Vorschriften erlassen in Gerechtigkeit und in großer Treue.139 Der Eifer für dich verzehrt mich; denn meine Gegner vergessen deine Worte.140 Deine Worte sind rein und lauter; dein Knecht hat sie lieb.141 Ich bin gering und verachtet, doch ich vergesse nie deine Befehle.142 Deine Gerechtigkeit bleibt ewig Gerechtigkeit, deine Weisung ist Wahrheit.143 Mich trafen Not und Bedrängnis, doch deine Gebote machen mich froh.144 Deine Vorschriften sind auf ewig gerecht. Gib mir Einsicht, damit ich lebe.145 (Qof) Erhöre mich, Herr, ich rufe von ganzem Herzen; deine Gesetze will ich halten.146 Ich rufe zu dir; errette mich, dann will ich deinen Vorschriften folgen.147 Schon beim Morgengrauen komme ich und flehe; ich warte auf dein Wort.148 Meine Augen eilen den Nachtwachen voraus; denn ich sinne nach über deine Verheißung.149 Höre auf meine Stimme in deiner Huld; belebe mich, Herr, durch deine Entscheide!150 Mir nähern sich tückische Verfolger; sie haben sich weit von deiner Weisung entfernt.151 Doch du bist nahe, Herr, und alle deine Gebote sind Wahrheit.152 Aus deinen Vorschriften weiß ich seit langem, daß du sie für ewig bestimmt hast.153 (Resch) Sieh mein Elend an, und rette mich; denn ich habe deine Weisung nicht vergessen.154 Verschaff mir Recht, und erlöse mich; nach deiner Weisung erhalte mein Leben!155 Fern bleibt den Frevlern das Heil; denn sie fragen nicht nach deinen Gesetzen.156 Herr, groß ist dein Erbarmen; durch deine Entscheide belebe mich!157 Viele verfolgen und quälen mich, doch von deinen Vorschriften weich ich nicht ab.158 Wenn ich Abtrünnige sehe, empfinde ich Abscheu, weil sie dein Wort nicht befolgen.159 Sieh an, wie sehr ich deine Vorschriften liebe; Herr, in deiner Huld belebe mich!160 Das Wesen deines Wortes ist Wahrheit, deine gerechten Urteile haben alle auf ewig Bestand.161 (Schin) Fürsten verfolgen mich ohne Grund, doch mein Herz fürchtet nur dein Wort.162 Ich freue mich über deine Verheißung wie einer, der reiche Beute gemacht hat.163 Ich hasse die Lüge, sie ist mir ein Greuel, doch deine Weisung habe ich lieb.164 Siebenmal am Tag singe ich dein Lob wegen deiner gerechten Entscheide.165 Alle, die deine Weisung lieben, empfangen Heil in Fülle; es trifft sie kein Unheil.166 Herr, ich hoffe auf deine Hilfe und befolge deine Gebote.167 Meine Seele beachtet, was du gebietest, und liebt es von Herzen.168 Ich folge deinen Vorschriften und Befehlen; denn alle meine Wege (liegen offen) vor dir.169 (Taw) Herr, zu dir dringe mein Rufen. Gib mir Einsicht, getreu deinem Wort!170 Mein Flehen komme vor dein Angesicht. Reiß mich heraus getreu deiner Verheißung!171 Meine Lippen sollen überströmen von Lobpreis; denn du lehrst mich deine Gesetze.172 Meine Zunge soll deine Verheißung besingen; denn deine Gebote sind alle gerecht.173 Deine Hand sei bereit, mir zu helfen; denn ich habe mir deine Befehle erwählt.174 Ich sehne mich, Herr, nach deiner Hilfe, und deine Weisung macht mich froh.175 Laß meine Seele leben, damit sie dich preisen kann. Deine Entscheidungen mögen mir helfen.176 Ich bin verirrt wie ein verlorenes Schaf. Suche deinen Knecht! Denn deine Gebote habe ich nicht vergessen.

Psalm 120

1 Ich rief zum Herrn in meiner Not, und er hat mich erhört.2 Herr, rette mein Leben vor Lügnern, rette es vor falschen Zungen!3 Was soll er dir tun, was alles dir antun, du falsche Zunge?4 Scharfe Pfeile von Kriegerhand und glühende Ginsterkohlen dazu.5 Weh mir, daß ich als Fremder in Meschech bin und bei den Zelten von Kedar wohnen muß!6 Ich muß schon allzu lange wohnen bei Leuten, die den Frieden hassen.7 Ich verhalte mich friedlich; doch ich brauche nur zu reden, dann suchen sie Hader und Streit.

Psalm 121

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe?2 Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.3 Er läßt deinen Fuß nicht wanken; er, der dich behütet, schläft nicht.4 Nein, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.5 Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten; er steht dir zur Seite.6 Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden noch der Mond in der Nacht.7 Der Herr behüte dich vor allem Bösen, er behüte dein Leben.8 Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst, von nun an bis in Ewigkeit.

Psalm 122

1 Ich freute mich, als man mir sagte: "Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern."2 Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem: 3 Jerusalem, du starke Stadt, dicht gebaut und fest gefügt.4 Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn, wie es Israel geboten ist, den Namen des Herrn zu preisen.5 Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht, die Throne des Hauses David.6 Erbittet für Jerusalem Frieden! Wer dich liebt, sei in dir geborgen.7 Friede wohne in deinen Mauern, in deinen Häusern Geborgenheit.8 Wegen meiner Brüder und Freunde will ich sagen: In dir sei Friede.9 Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes, will ich dir Glück erflehen.

Psalm 123

1 Ich erhebe meine Augen zu dir, der du hoch im Himmel thronst.2 Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so schauen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig ist.3 Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig! Denn übersatt sind wir vom Hohn der Spötter,4 übersatt ist unsre Seele von ihrem Spott, von der Verachtung der Stolzen.

Psalm 124

1 Hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt - so soll Israel sagen -,2 hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt, als sich gegen uns Menschen erhoben,3 dann hätten sie uns lebendig verschlungen, als gegen uns ihr Zorn entbrannt war.4 Dann hätten die Wasser uns weggespült, hätte sich über uns ein Wildbach ergossen.5 Dann hätten sich über uns die Wasser ergossen, die wilden und wogenden Wasser.6 Gelobt sei der Herr, der uns nicht ihren Zähnen als Beute überließ.7 Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.8 Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 125

1 Wer auf den Herrn vertraut, steht fest wie der Zionsberg, der niemals wankt, der ewig bleibt.2 Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist der Herr um sein Volk, von nun an auf ewig.3 Das Zepter des Frevlers soll nicht auf dem Erbland der Gerechten lasten, damit die Hand der Gerechten nicht nach Unrecht greift.4 Herr, tu Gutes den Guten, den Menschen mit redlichem Herzen!5 Doch wer auf krumme Wege abbiegt, den jage, Herr, samt den Frevlern davon! Frieden über Israel!

Psalm 126

1 Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende.2 Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel. Da sagte man unter den andern Völkern: "Der Herr hat an ihnen Großes getan."3 Ja, Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich.4 Wende doch, Herr, unser Geschick, wie du versiegte Bäche wieder füllst im Südland.5 Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.6 Sie gehen hin unter Tränen und tragen den Samen zur Aussaat. Sie kommen wieder mit Jubel und bringen ihre Garben ein.

Psalm 127

1 Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst.2 Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und euch spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen; denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.3 Kinder sind eine Gabe des Herrn, die Frucht des Leibes ist sein Geschenk.4 Wie Pfeile in der Hand des Kriegers, so sind Söhne aus den Jahren der Jugend.5 Wohl dem Mann, der mit ihnen den Köcher gefüllt hat! Beim Rechtsstreit mit ihren Feinden scheitern sie nicht.

Psalm 128

1 Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt und der auf seinen Wegen geht!2 Was deine Hände erwarben, kannst du genießen; wohl dir, es wird dir gut ergehn.3 Wie ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau drinnen in deinem Haus. Wie junge Ölbäume sind deine Kinder rings um deinen Tisch.4 So wird der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet und ehrt.5 Es segne dich der Herr vom Zion her. Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen6 und die Kinder deiner Kinder seh'n. Frieden über Israel!

Psalm 129

1 Sie haben mich oft bedrängt von Jugend auf, - so soll Israel sagen -,2 sie haben mich oft bedrängt von Jugend auf, doch sie konnten mich nicht bezwingen.3 Die Pflüger haben auf meinem Rücken gepflügt, ihre langen Furchen gezogen.4 Doch der Herr ist gerecht, er hat die Stricke der Frevler zerhauen.5 Beschämt sollen alle weichen, alle, die Zion hassen.6 Sie sollen wie das Gras auf den Dächern sein, das verdorrt, noch bevor man es ausreißt.7 Kein Schnitter kann seine Hand damit füllen, kein Garbenbinder den Arm.8 Keiner, der vorübergeht, wird sagen: "Der Segen des Herrn sei mit euch." - Wir aber segnen euch im Namen des Herrn.

Psalm 130

  130 1 Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir:2 Herr, höre meine Stimme! Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen!3 Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte bestehen?4 Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient.5 Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.6 Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen. Mehr als die Wächter auf den Morgen7 soll Israel harren auf den Herrn. Denn beim Herrn ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle.8 Ja, er wird Israel erlösen von all seinen Sünden.

Psalm 131

1 Herr, mein Herz ist nicht stolz, nicht hochmütig blicken meine Augen. Ich gehe nicht um mit Dingen, die mir zu wunderbar und zu hoch sind.2 Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.3 Israel, harre auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit!

Psalm 132

1 O Herr, denk an David, denk an all seine Mühen,2 wie er dem Herrn geschworen, dem starken Gott Jakobs gelobt hat:3 "Nicht will ich mein Zelt betreten noch mich zur Ruhe betten,4 nicht Schlaf den Augen gönnen noch Schlummer den Lidern,5 bis ich eine Stätte finde für den Herrn, eine Wohnung für den starken Gott Jakobs."6 Wir hörten von seiner Lade in Efrata, fanden sie im Gefilde von Jáar.7 Laßt uns hingehen zu seiner Wohnung und niederfallen vor dem Schemel seiner Füße!8 Erheb dich, Herr, komm an den Ort deiner Ruhe, du und deine machtvolle Lade!9 Deine Priester sollen sich bekleiden mit Gerechtigkeit, und deine Frommen sollen jubeln.10 Weil David dein Knecht ist, weise deinen Gesalbten nicht ab!11 Der Herr hat David geschworen, einen Eid, den er niemals brechen wird: "Einen Sproß aus deinem Geschlecht will ich setzen auf deinen Thron.12 Wenn deine Söhne meinen Bund bewahren, mein Zeugnis, das ich sie lehre, dann sollen auch ihre Söhne auf deinem Thron sitzen für immer."13 Denn der Herr hat den Zion erwählt, ihn zu seinem Wohnsitz erkoren:14 "Das ist für immer der Ort meiner Ruhe; hier will ich wohnen, ich hab' ihn erkoren.15 Zions Nahrung will ich reichlich segnen, mit Brot seine Armen sättigen.16 Seine Priester will ich bekleiden mit Heil, seine Frommen sollen jauchzen und jubeln.17 Dort lasse ich Davids Macht erstarken und stelle für meinen Gesalbten ein Licht auf.18 Ich bedecke seine Feinde mit Schande; doch auf ihm erglänzt seine Krone."

Psalm 133

1 Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen.2 Das ist wie köstliches Salböl, das vom Kopf hinabfließt auf den Bart, auf Aarons Bart, das auf sein Gewand hinabfließt.3 Das ist wie der Tau des Hermon, der auf den Berg Zion niederfällt. Denn dort spendet der Herr Segen und Leben in Ewigkeit.

Psalm 134

1 Wohlan, nun preiset den Herrn, all ihr Knechte des Herrn, die ihr steht im Haus' des Herrn, zu nächtlicher Stunde.2 Erhebt eure Hände zum Heiligtum, und preis't den Herrn!3 Es segne dich der Herr vom Zion her, (der Herr,) der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 135

1 Halleluja! Lob't den Namen des Herrn, lobt ihn, ihr Knechte des Herrn,2 die ihr steht im Haus' des Herrn, in den Vorhöfen am Haus unsres Gottes.3 Lobt den Herrn, denn der Herr ist gütig. Singt und spielt seinem Namen, denn er ist freundlich.4 Der Herr hat sich Jakob erwählt, Israel wurde sein Eigentum.5 Ja, das weiß ich: Groß ist der Herr, unser Herr ist größer als alle Götter.6 Alles, was dem Herrn gefällt, vollbringt er, im Himmel, auf der Erde, in den Meeren, in allen Tiefen.7 Er führt Wolken herauf vom Ende der Erde, er läßt es blitzen und regnen, aus seinen Kammern holt er den Sturmwind hervor.8 Er erschlug Ägyptens Erstgeburt, bei Menschen und beim Vieh.9 Gegen dich, Ägypten, sandte er Zeichen und Wunder, gegen den Pharao und all seine Knechte.10 Er schlug viele Völker nieder und tötete mächtige Könige:11 Sihon, den König der Amoriter, Og, den König von Baschan, und alle Reiche Kanaans.12 Ihr Land gab er Israel zum Erbe, zum Erbe Israel, seinem Volk.13 Herr, dein Name währt ewig, das Gedenken an dich, Herr, dauert von Geschlecht zu Geschlecht.14 Denn der Herr verschafft Recht seinem Volk; er hat mit seinen Knechten Mitleid.15 Die Götzen der Heiden sind nur Silber und Gold, ein Machwerk von Menschenhand.16 Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen und sehen nicht;17 sie haben Ohren und hören nicht; auch ist kein Hauch in ihrem Mund.18 Die sie gemacht haben, sollen ihrem Machwerk gleichen, alle, die den Götzen vertrauen.19 Haus Israel, preise den Herrn! Haus Aaron, preise den Herrn!20 Haus Levi, preise den Herrn! Alle, die ihr den Herrn fürchtet, preist den Herrn!21 Gepriesen sei der Herr auf Zion, er, der thront in Jerusalem. Halleluja!

Psalm 136

1 Dank't dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig!2 Dank't dem Gott aller Götter, denn seine Huld währt ewig!3 Dank't dem Herrn aller Herren, denn seine Huld währt ewig!4 Der allein große Wunder tut, denn seine Huld währt ewig,5 der den Himmel geschaffen hat in Weisheit, denn seine Huld währt ewig,6 der die Erde über den Wassern gegründet hat, denn seine Huld währt ewig,7 der die großen Leuchten gemacht hat, denn seine Huld währt ewig,8 die Sonne zur Herrschaft über den Tag, denn seine Huld währt ewig,9 Mond und Sterne zur Herrschaft über die Nacht, denn seine Huld währt ewig.10 Der die Erstgeburt der Ägypter schlug, denn seine Huld währt ewig,11 und Israel herausführte aus ihrer Mitte, denn seine Huld währt ewig,12 mit starker Hand und erhobenem Arm, denn seine Huld währt ewig,13 der das Schilfmeer zerschnitt in zwei Teile, denn seine Huld währt ewig,14 und Israel hindurchführte zwischen den Wassern, denn seine Huld währt ewig,15 und den Pharao ins Meer stürzte samt seinem Heer, denn seine Huld währt ewig.16 Der sein Volk durch die Wüste führte, denn seine Huld währt ewig,17 der große Könige schlug, denn seine Huld währt ewig,18 und mächtige Könige tötete, denn seine Huld währt ewig,19 Sihon, den König der Amoriter, denn seine Huld währt ewig,20 und Og, den König von Baschan, denn seine Huld währt ewig,21 und der ihr Land zum Erbe gab, denn seine Huld währt ewig,22 der es Israel gab, seinem Knecht, denn seine Huld währt ewig.23 Der an uns dachte in unsrer Erniedrigung, denn seine Huld währt ewig,24 und uns den Feinden entriß, denn seine Huld währt ewig,25 der allen Geschöpfen Nahrung gibt, denn seine Huld währt ewig.26 Dank't dem Gott des Himmels, denn seine Huld währt ewig.

Psalm 137

1 An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten.2 Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land.3 Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder, unsere Peiniger forderten Jubel: "Singt uns Lieder vom Zion!"4 Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, fern, auf fremder Erde?5 Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren.6 Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.7 Herr, vergiß den Söhnen Edoms nicht den Tag von Jerusalem; sie sagten: "Reißt nieder, bis auf den Grund reißt es nieder!"8 Tochter Babel, du Zerstörerin! Wohl dem, der dir heimzahlt, was du uns getan hast!9 Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert!

Psalm 138

1 Ich will dir danken aus ganzem Herzen, dir vor den Engeln singen und spielen;2 ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin und deinem Namen danken für deine Huld und Treue. Denn du hast die Worte meines Mundes gehört, deinen Namen und dein Wort über alles verherrlicht.3 Du hast mich erhört an dem Tag, als ich rief; du gabst meiner Seele große Kraft.4 Dich sollen preisen, Herr, alle Könige der Welt, wenn sie die Worte deines Mundes vernehmen.5 Sie sollen singen von den Wegen des Herrn; denn groß ist die Herrlichkeit des Herrn.6 Ja, der Herr ist erhaben; doch er schaut auf die Niedrigen, und die Stolzen erkennt er von fern.7 Gehe ich auch mitten durch große Not: du erhältst mich am Leben. Du streckst die Hand aus gegen meine wütenden Feinde, und deine Rechte hilft mir.8 Der Herr nimmt sich meiner an. Herr, deine Huld währt ewig. Laß nicht ab vom Werk deiner Hände!

Psalm 139

1 Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. 2 Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken.3 Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen.4 Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - du, Herr, kennst es bereits.5 Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.6 Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.7 Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, wohin mich vor deinem Angesicht flüchten?8 Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen.9 Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer,10 auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen.11 Würde ich sagen: "Finsternis soll mich bedecken, statt Licht soll Nacht mich umgeben",12 auch die Finsternis wäre für dich nicht finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie Licht.13 Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter.14 Ich danke dir, daß du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke.15 Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen.16 Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war.17 Wie schwierig sind für mich, o Gott, deine Gedanken, wie gewaltig ist ihre Zahl!18 Wollte ich sie zählen, es wären mehr als der Sand. Käme ich bis zum Ende, wäre ich noch immer bei dir.19 Wolltest du, Gott, doch den Frevler töten! Ihr blutgierigen Menschen, laßt ab von mir!20 Sie reden über dich voll Tücke und mißbrauchen deinen Namen.21 Soll ich die nicht hassen, Herr, die dich hassen, die nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben?22 Ich hasse sie mit glühendem Haß; auch mir sind sie zu Feinden geworden.23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich, und erkenne mein Denken!24 Sieh her, ob ich auf dem Weg bin, der dich kränkt, und leite mich auf dem altbewährten Weg!

Psalm 140

1-2 Rette mich, Herr, vor bösen Menschen, vor gewalttätigen Leuten schütze mich!3 Denn sie sinnen in ihrem Herzen auf Böses, jeden Tag schüren sie Streit.4 Wie die Schlangen haben sie scharfe Zungen und hinter den Lippen Gift wie die Nattern. 5 Behüte mich, Herr, vor den Händen der Frevler, vor gewalttätigen Leuten schütze mich, die darauf sinnen, mich zu Boden zu stoßen.6 Hochmütige legen mir heimlich Schlingen, Böse spannen ein Netz aus, stellen mir Fallen am Wegrand. 7 Ich sage zum Herrn: Du bist mein Gott. Vernimm, o Herr, mein lautes Flehen!8 Herr, mein Gebieter, meine starke Hilfe, du beschirmst mein Haupt am Tag des Kampfes.9 Herr, erfülle nicht die Wünsche des Frevlers, laß seine Pläne nicht gelingen! 10 Die mich umzingeln, sollen das Haupt nicht erheben; die Bosheit ihrer Lippen treffe sie selbst.11 Er lasse glühende Kohlen auf sie regnen, er stürze sie hinab in den Abgrund, so daß sie nie wieder aufstehn.12 Der Verleumder soll nicht bestehen im Land, den Gewalttätigen treffe das Unglück Schlag auf Schlag.13 Ich weiß, der Herr führt die Sache des Armen, er verhilft den Gebeugten zum Recht.14 Deinen Namen preisen nur die Gerechten; vor deinem Angesicht dürfen nur die Redlichen bleiben.

Psalm 141

1 Herr, ich rufe zu dir. Eile mir zu Hilfe; höre auf meine Stimme, wenn ich zu dir rufe.2 Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf; als Abendopfer gelte vor dir, wenn ich meine Hände erhebe.3 Herr, stell eine Wache vor meinen Mund, eine Wehr vor das Tor meiner Lippen!4 Gib, daß mein Herz sich bösen Worten nicht zuneigt, daß ich nichts tue, was schändlich ist, zusammen mit Menschen, die Unrecht tun. Von ihren Leckerbissen will ich nicht kosten.5 Der Gerechte mag mich schlagen aus Güte: Wenn er mich bessert, ist es Salböl für mein Haupt; da wird sich mein Haupt nicht sträuben. Ist er in Not, will ich stets für ihn beten.6 Haben ihre Richter sich auch die Felsen hinabgestürzt, sie sollen hören, daß mein Wort für sie freundlich ist.7 Wie wenn man Furchen zieht und das Erdreich aufreißt, so sind unsre Glieder hingestreut an den Rand der Unterwelt.8 Mein Herr und Gott, meine Augen richten sich auf dich; bei dir berge ich mich. Gieß mein Leben nicht aus!9 Vor der Schlinge, die sie mir legten, bewahre mich, vor den Fallen derer, die Unrecht tun!10 Die Frevler sollen sich in ihren eigenen Netzen fangen, während ich heil entkomme.

Psalm 142

1-2 Mit lauter Stimme schrei' ich zum Herrn, laut flehe ich zum Herrn um Gnade.3 Ich schütte vor ihm meine Klagen aus, eröffne ihm meine Not.4 Wenn auch mein Geist in mir verzagt, du kennst meinen Pfad. Auf dem Weg, den ich gehe, legten sie mir Schlingen.5 Ich blicke nach rechts und schaue aus, doch niemand ist da, der mich beachtet. Mir ist jede Zuflucht genommen, niemand fragt nach meinem Leben.6 Herr, ich schreie zu dir, ich sage: Meine Zuflucht bist du, mein Anteil im Land der Lebenden.7 Vernimm doch mein Flehen; denn ich bin arm und elend. Meinen Verfolgern entreiß mich; sie sind viel stärker als ich.8 Führe mich heraus aus dem Kerker, damit ich deinen Namen preise. Die Gerechten scharen sich um mich, weil du mir Gutes tust.

Psalm 143

1 Herr, höre mein Gebet, vernimm mein Flehen; in deiner Treue erhöre mich, in deiner Gerechtigkeit!2 Geh mit deinem Knecht nicht ins Gericht; denn keiner, der lebt, ist gerecht vor dir.3 Der Feind verfolgt mich, tritt mein Leben zu Boden, er läßt mich in der Finsternis wohnen wie längst Verstorbene.4 Mein Geist verzagt in mir, mir erstarrt das Herz in der Brust.5 Ich denke an die vergangenen Tage, sinne nach über all deine Taten, erwäge das Werk deiner Hände.6 Ich breite die Hände aus (und bete) zu dir; meine Seele dürstet nach dir wie lechzendes Land. 7 Herr, erhöre mich bald, denn mein Geist wird müde; verbirg dein Antlitz nicht vor mir, damit ich nicht werde wie Menschen, die längst begraben sind.8 Laß mich deine Huld erfahren am frühen Morgen; denn ich vertraue auf dich. Zeig mir den Weg, den ich gehen soll; denn ich erhebe meine Seele zu dir.9 Herr, entreiß mich den Feinden! Zu dir nehme ich meine Zuflucht.10 Lehre mich, deinen Willen zu tun; denn du bist mein Gott. Dein guter Geist leite mich auf ebenem Pfad.11 Um deines Namens willen, Herr, erhalt mich am Leben, führe mich heraus aus der Not in deiner Gerechtigkeit!12 Vertilge in deiner Huld meine Feinde, laß all meine Gegner untergehn! Denn ich bin dein Knecht.

Psalm 144

1 Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist, der meine Hände den Kampf gelehrt hat, meine Finger den Krieg.2 Du bist meine Huld und Burg, meine Festung, mein Retter, mein Schild, dem ich vertraue. Er macht mir Völker untertan.3 Herr, was ist der Mensch, daß du dich um ihn kümmerst, des Menschen Kind, daß du es beachtest?4 Der Mensch gleicht einem Hauch, seine Tage sind wie ein flüchtiger Schatten.5 Herr, neig deinen Himmel, und steig herab, rühre die Berge an, so daß sie rauchen.6 Schleudre Blitze, und zerstreue die Feinde, schieß deine Pfeile ab, und jag sie dahin!7 Streck deine Hände aus der Höhe herab, und befreie mich; reiß mich heraus aus gewaltigen Wassern, aus der Hand der Fremden!8 Alles, was ihr Mund sagt, ist Lüge, Meineide schwört ihre Rechte.9 Ein neues Lied will ich, o Gott, dir singen, auf der zehnsaitigen Harfe will ich dir spielen,10 der du den Königen den Sieg verleihst und David, deinen Knecht, errettest. Vor dem bösen Schwert11 errette mich, entreiß mich der Hand der Fremden! Alles, was ihr Mund sagt, ist Lüge, Meineide schwört ihre Rechte.12 Unsre Söhne seien wie junge Bäume, hochgewachsen in ihrer Jugend, unsre Töchter wie schlanke Säulen, die geschnitzt sind für den Tempel.13 Unsre Speicher seien gefüllt, überquellend von vielerlei Vorrat; unsre Herden mögen sich tausendfach mehren, vieltausendfach auf unsren Fluren.14 Unsre Kühe mögen tragen, ohne zu verwerfen und ohne Unfall; kein Wehgeschrei werde laut auf unsern Straßen.15 Wohl dem Volk, dem es so ergeht, glücklich das Volk, dessen Gott der Herr ist!

Psalm 145

1 Ich will dich rühmen, mein Gott und König, und deinen Namen preisen immer und ewig;2 ich will dich preisen Tag für Tag und deinen Namen loben immer und ewig.3 Groß ist der Herr und hoch zu loben, seine Größe ist unerforschlich.4 Ein Geschlecht verkünde dem andern den Ruhm deiner Werke und erzähle von deinen gewaltigen Taten.5 Sie sollen vom herrlichen Glanz deiner Hoheit reden; ich will deine Wunder besingen.6 Sie sollen sprechen von der Gewalt deiner erschreckenden Taten; ich will von deinen großen Taten berichten.7 Sie sollen die Erinnerung an deine große Güte wecken und über deine Gerechtigkeit jubeln.8 Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Gnade.9 Der Herr ist gütig zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.10 Danken sollen dir, Herr, all deine Werke und deine Frommen dich preisen.11 Sie sollen von der Herrlichkeit deines Königtums reden, sollen sprechen von deiner Macht,12 den Menschen deine machtvollen Taten verkünden und den herrlichen Glanz deines Königtums.13 Dein Königtum ist ein Königtum für ewige Zeiten, deine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht. 14 Der Herr stützt alle, die fallen, und richtet alle Gebeugten auf.15 Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.16 Du öffnest deine Hand und sättigst alles, was lebt, nach deinem Gefallen.17 Gerecht ist der Herr in allem, was er tut, voll Huld in all seinen Werken.18 Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die zu ihm aufrichtig rufen.19 Die Wünsche derer, die ihn fürchten, erfüllt er, er hört ihr Schreien und rettet sie.20 Alle, die ihn lieben, behütet der Herr, doch alle Frevler vernichtet er.21 Mein Mund verkünde das Lob des Herrn. Alles, was lebt, preise seinen heiligen Namen immer und ewig!

Psalm 146

1 Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele! 2 Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.3 Verlaßt euch nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt.4 Haucht der Mensch sein Leben aus und kehrt er zurück zur Erde, dann ist es aus mit all seinen Plänen.5 Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.6 Der Herr hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alle Geschöpfe; er hält ewig die Treue.7 Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen.8 Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf.9 Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.10 Der Herr ist König auf ewig, dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. Halleluja!

Psalm 147

1 Halleluja! Gut ist es, unser'm Gott zu singen; schön ist es, ihn zu loben.2 Der Herr baut Jerusalem wieder auf, er sammelt die Versprengten Israels.3 Er heilt die gebrochenen Herzen und verbindet ihre schmerzenden Wunden.4 Er bestimmt die Zahl der Sterne und ruft sie alle mit Namen.5 Groß ist unser Herr und gewaltig an Kraft, unermeßlich ist seine Weisheit.6 Der Herr hilft den Gebeugten auf und erniedrigt die Frevler.7 Stimmt dem Herrn ein Danklied an, spielt unser'm Gott auf der Harfe!8 Er bedeckt den Himmel mit Wolken, spendet der Erde Regen und läßt Gras auf den Bergen sprießen.9 Er gibt dem Vieh seine Nahrung, gibt den jungen Raben, wonach sie schreien.10 Er hat keine Freude an der Kraft des Pferdes, kein Gefallen am schnellen Lauf des Mannes.11 Gefallen hat der Herr an denen, die ihn fürchten und ehren, die voll Vertrauen warten auf seine Huld.12 Jerusalem, preise den Herrn, lobsinge, Zion, deinem Gott!13 Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet;14 er verschafft deinen Grenzen Frieden, und sättigt dich mit bestem Weizen.15 Er sendet sein Wort zur Erde, rasch eilt sein Befehl dahin.16 Er spendet Schnee wie Wolle, streut den Reif aus wie Asche.17 Eis wirft er herab in Brocken, vor seiner Kälte erstarren die Wasser.18 Er sendet sein Wort aus, und sie schmelzen, er läßt den Wind wehen, dann rieseln die Wasser.19 Er verkündet Jakob sein Wort, Israel seine Gesetze und Rechte.20 An keinem andern Volk hat er so gehandelt, keinem sonst seine Rechte verkündet. Halleluja!

Psalm 148

1 Halleluja! Lob't den Herrn vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Scharen;3 lobt ihn, Sonne und Mond, lobt ihn, all ihr leuchtenden Sterne;4 lobt ihn, alle Himmel und ihr Wasser über dem Himmel!5 Loben sollen sie den Namen des Herrn; denn er gebot, und sie waren erschaffen.6 Er stellte sie hin für immer und ewig, er gab ihnen ein Gesetz, das sie nicht übertreten.7 Lob't den Herrn, ihr auf der Erde, ihr Seeungeheuer und all ihr Tiefen,8 Feuer und Hagel, Schnee und Nebel, du Sturmwind, der sein Wort vollzieht,9 ihr Berge und all ihr Hügel, ihr Fruchtbäume und alle Zedern,10 ihr wilden Tiere und alles Vieh, Kriechtiere und gefiederte Vögel,11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter auf Erden,12 ihr jungen Männer und auch ihr Mädchen, ihr Alten mit den Jungen!13 Loben sollen sie den Namen des Herrn; denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.14 Seinem Volk verleiht er Macht, das ist ein Ruhm für all seine Frommen, für Israels Kinder, das Volk, das ihm nahen darf. Halleluja!

Psalm 149

1 Halleluja! Sing't dem Herrn ein neues Lied! Sein Lob erschalle in der Gemeinde der Frommen.2 Israel soll sich über seinen Schöpfer freuen, die Kinder Zions über ihren König jauchzen.3 Seinen Namen sollen sie loben beim Reigentanz, ihm spielen auf Pauken und Harfen.4 Der Herr hat an seinem Volk Gefallen, die Gebeugten krönt er mit Sieg.5 In festlichem Glanz sollen die Frommen frohlocken, auf ihren Lagern jauchzen:6 Loblieder auf Gott in ihrem Mund, ein zweischneidiges Schwert in der Hand,7 um die Vergeltung zu vollziehn an den Völkern, an den Nationen das Strafgericht,8 um ihre Könige mit Fesseln zu binden, ihre Fürsten mit eisernen Ketten,9 um Gericht über sie zu halten, so wie geschrieben steht. Herrlich ist das für all seine Frommen. Halleluja!

Psalm 150

1 Halleluja! Lob't Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner mächtigen Feste!2 Lobt ihn für seine großen Taten, lobt ihn in seiner gewaltigen Größe!3 Lobt ihn mit dem Schall der Hörner, lobt ihn mit Harfe und Zither!4 Lobt ihn mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel!5 Lobt ihn mit hellen Zimbeln, lobt ihn mit klingenden Zimbeln!6 Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!

Das Buch der Sprichwörter

 

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 1

1 Sprichwörter Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel:2 um Weisheit zu lernen und Zucht, um kundige Rede zu verstehen,3 um Zucht und Verständnis zu erlangen, Gerechtigkeit, Rechtssinn und Redlichkeit,4 um Unerfahrenen Klugheit zu verleihen, der Jugend Kenntnis und Umsicht.5 Der Weise höre und vermehre sein Wissen, der Verständige lerne kluge Führung,6 um Sinnspruch und Gleichnis zu verstehen, die Worte und Rätsel der Weisen.7 Gottesfurcht ist Anfang der Erkenntnis, nur Toren verachten Weisheit und Zucht.8 Höre, mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters, und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht!9 Sie sind ein schöner Kranz auf deinem Haupt und eine Kette für deinen Hals.10 Mein Sohn, wenn dich Sünder locken, dann folg ihnen nicht,11 wenn sie sagen: Geh mit uns, wir wollen darauf lauern, Blut zu vergießen, ohne Grund dem Arglosen nachzustellen;12 wie die Unterwelt wollen wir sie lebendig verschlingen, Männer in ihrer Kraft, als wären sie dem Grab verfallen.13 Manch kostbares Stück werden wir finden, mit Beute unsere Häuser füllen.14 Wirf dein Los in unserm Kreis, gemeinsam sei uns der Beutel.15 Mein Sohn, geh nicht mit ihnen, halte deinen Fuß fern von ihrem Pfad!16 Denn ihre Füße laufen dem Bösen nach, sie eilen, Blut zu vergießen.17 Umsonst wird das Netz ausgespannt vor den Augen aller Vögel;18 sie aber lauern auf ihr eigenes Blut, sie trachten sich selbst nach dem Leben.19 So enden alle, die sich durch Raub bereichern: Wer ihn an sich nimmt, dem raubt er das Leben.20 Die Weisheit ruft laut auf der Straße, auf den Plätzen erhebt sie ihre Stimme.21 Am Anfang der Mauern predigt sie, an den Stadttoren hält sie ihre Reden:22 Wie lang noch, ihr Törichten, liebt ihr Betörung, gefällt den Zuchtlosen ihr dreistes Gerede, hassen die Toren Erkenntnis?23 Wendet euch meiner Mahnung zu! Dann will ich auf euch meinen Geist ausgießen und meine Worte euch kundtun.24 Als ich rief, habt ihr euch geweigert, meine drohende Hand hat keiner beachtet;25 jeden Rat, den ich gab, habt ihr ausgeschlagen, meine Mahnung gefiel euch nicht.26 Darum werde auch ich lachen, wenn euch Unglück trifft, werde spotten, wenn Schrecken über euch kommt,27 wenn der Schrecken euch wie ein Unwetter naht und wie ein Sturm euer Unglück hereinbricht, wenn Not und Drangsal euch überfallen.28 Dann werden sie nach mir rufen, doch ich höre nicht; sie werden mich suchen, aber nicht finden.29 Weil sie die Einsicht haßten und nicht die Gottesfurcht wählten,30 meinen Rat nicht wollten, meine ganze Mahnung mißachteten,31 sollen sie nun essen von der Frucht ihres Tuns und von ihren Plänen sich sättigen.32 Denn die Abtrünnigkeit der Haltlosen ist ihr Tod, die Sorglosigkeit der Toren ist ihr Verderben.33 Wer aber auf mich hört, wohnt in Sicherheit, ihn stört kein böser Schrecken.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 2

1 Mein Sohn, wenn du meine Worte annimmst und meine Gebote beherzigst,2 der Weisheit Gehör schenkst, dein Herz der Einsicht zuneigst,3 wenn du nach Erkenntnis rufst, mit lauter Stimme um Einsicht bittest,4 wenn du sie suchst wie Silber, nach ihr forschst wie nach Schätzen,5 dann wirst du die Gottesfurcht begreifen und Gotteserkenntnis finden.6 Denn der Herr gibt Weisheit, aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Einsicht.7 Für die Redlichen hält er Hilfe bereit, den Rechtschaffenen ist er ein Schild.8 Er hütet die Pfade des Rechts und bewacht den Weg seiner Frommen.9 Dann begreifst du, was Recht und Gerechtigkeit ist, Redlichkeit und jedes gute Verhalten;10 denn Weisheit zieht ein in dein Herz, Erkenntnis beglückt deine Seele.11 Besonnenheit wacht über dir, und Einsicht behütet dich.12 Sie bewahrt dich vor dem Weg des Bösen, vor Leuten, die Verkehrtes reden,13 die den rechten Weg verlassen, um auf dunklen Pfaden zu gehen,14 die sich freuen am bösen Tun und jubeln über die Verkehrtheit des Schlechten,15 deren Pfade krumm verlaufen und deren Straßen in die Irre führen.16 Sie bewahrt dich vor der Frau des andern, vor der Fremden, die verführerisch redet,17 die den Gefährten ihrer Jugend verläßt und den Bund ihres Gottes vergißt;18 ihr Haus sinkt hinunter zur Totenwelt, ihre Straße führt zu den Totengeistern hinab.19 Wer zu ihr geht, kehrt nie zurück, findet nie wieder die Pfade des Lebens.20 Darum geh auf dem Weg der Guten, halte dich an die Pfade der Gerechten;21 denn die Redlichen werden das Land bewohnen, wer rechtschaffen ist, wird darin bleiben.22 Die Frevler aber werden aus dem Land verstoßen, die Verräter aus ihm weggerissen.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 3

1 Mein Sohn, vergiß meine Lehre nicht, bewahre meine Gebote in deinem Herzen!2 Denn sie vermehren die Tage und Jahre deines Lebens und bringen dir Wohlergehen.3 Nie sollen Liebe und Treue dich verlassen; binde sie dir um den Hals, schreib sie auf die Tafel deines Herzens!4 Dann erlangst du Gunst und Beifall bei Gott und den Menschen.5 Mit ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit;6 such ihn zu erkennen auf all deinen Wegen, dann ebnet er selbst deine Pfade.7 Halte dich nicht selbst für weise, fürchte den Herrn, und fliehe das Böse!8 Das ist heilsam für deine Gesundheit und erfrischt deine Glieder.9 Ehre den Herrn mit deinem Vermögen, mit dem Besten von dem, was du erntest.10 Dann füllen sich deine Scheunen mit Korn, deine Fässer laufen über von Wein.11 Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn, widersetz dich nicht, wenn er dich zurechtweist.12 Wen der Herr liebt, den züchtigt er, wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat.13 Wohl dem Mann, der Weisheit gefunden, dem Mann, der Einsicht gewonnen hat. k (vgl.14 Denn sie zu erwerben ist besser als Silber, sie zu gewinnen ist besser als Gold.15 Sie übertrifft die Perlen an Wert, keine kostbaren Steine kommen ihr gleich.16 Langes Leben birgt sie in ihrer Rechten, in ihrer Linken Reichtum und Ehre;17 ihre Wege sind Wege der Freude, all ihre Pfade führen zum Glück.18 Wer nach ihr greift, dem ist sie ein Lebensbaum, wer sie festhält, ist glücklich zu preisen.19 Der Herr hat die Erde mit Weisheit gegründet und mit Einsicht den Himmel befestigt.20 Durch sein Wissen brechen die tiefen Quellen hervor und träufeln die Wolken den Tau herab.21 Mein Sohn, laß beides nicht aus den Augen: Bewahre Umsicht und Besonnenheit!22 Dann werden sie dir ein Lebensquell, ein Schmuck für deinen Hals;23 dann gehst du sicher deinen Weg und stößt mit deinem Fuß nicht an.24 Gehst du zur Ruhe, so schreckt dich nichts auf, legst du dich nieder, erquickt dich dein Schlaf.25 Du brauchst dich vor jähem Erschrecken nicht zu fürchten noch vor dem Verderben, das über die Frevler kommt.26 Der Herr wird deine Zuversicht sein, er bewahrt deinen Fuß vor der Schlinge.27 Versag keine Wohltat dem, der sie braucht, wenn es in deiner Hand liegt, Gutes zu tun.28 Wenn du jetzt etwas hast, sag nicht zu deinem Nächsten: Geh, komm wieder, morgen will ich dir etwas geben.29 Sinne nichts Böses gegen deinen Nächsten, der friedlich neben dir wohnt.30 Bring niemand ohne Grund vor Gericht, wenn er dir nichts Böses getan hat.31 Beneide den Gewalttätigen nicht, wähle keinen seiner Wege;32 denn ein Greuel ist dem Herrn der Ränkeschmied, die Redlichen sind seine Freunde.33 Der Fluch des Herrn fällt auf das Haus des Frevlers, die Wohnung der Gerechten segnet er.34 Die Zuchtlosen verspottet er, den Gebeugten erweist er seine Gunst.35 Die Weisen erlangen Ehre, die Toren aber häufen Schande auf sich.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 4

1 Ihr Söhne, hört auf die Mahnung des Vaters, merkt auf, damit ihr Einsicht lernt;2 denn gute Lehre gebe ich euch. Laßt nicht ab von meiner Weisung!3 Als ich noch ein Knabe war bei meinem Vater, das zarte und einzige Kind meiner Mutter,4 da lehrte er mich und sagte zu mir: Nimm dir meine Worte zu Herzen, folge meinen Geboten, und du wirst leben.5 Erwirb dir Weisheit, erwirb dir Einsicht, vergiß sie nicht, weich nicht ab von meinen Worten!6 Laß nicht von ihr, und sie wird dich behüten, liebe sie, und sie wird dich beschützen.7 Anfang der Weisheit ist: Erwirb dir Weisheit, erwirb dir Einsicht mit deinem ganzen Vermögen!8 Halte sie hoch, dann wird sie dich erhöhen; sie bringt dich zu Ehren, wenn du sie umarmst.9 Sie setzt dir einen schönen Kranz auf das Haupt, eine prächtige Krone wird sie dir schenken.10 Höre, mein Sohn, und nimm meine Worte an, dann mehren sich die Jahre deines Lebens.11 Den Weg der Weisheit zeige ich dir, ich leite dich auf ebener Bahn.12 Wenn du gehst, ist dein Schritt nicht beengt, wenn du läufst, wirst du nicht straucheln.13 Halt fest an der Zucht, und laß davon nicht ab, bewahre sie; denn sie ist dein Leben.14 Betritt nicht den Pfad der Frevler, beschreite nicht den Weg der Bösen!15 Meide ihn, geh nicht auf ihm, kehr dich von ihm ab, und geh vorbei!16 Denn sie schlafen nicht, ehe sie Böses tun; der Schlaf flieht sie, bis sie Verbrechen begehen.17 Sie essen das Brot des Unrechts und trinken den Wein der Gewalttat.18 Doch der Pfad der Gerechten ist wie das Licht am Morgen; es wird immer heller bis zum vollen Tag.19 Der Weg der Frevler ist wie dunkle Nacht; sie merken nicht, worüber sie fallen.20 Mein Sohn, achte auf meine Worte, neige dein Ohr meiner Rede zu!21 Laß sie nicht aus den Augen, bewahre sie tief im Herzen!22 Denn Leben bringen sie dem, der sie findet, und Gesundheit seinem ganzen Leib.23 Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.24 Vermeide alle Falschheit des Mundes, und Verkehrtheit der Lippen halt von dir fern!25 Deine Augen sollen geradeaus schauen, und deine Blicke richte nach vorn!26 Ebne die Straße für deinen Fuß, und alle deine Wege seien geordnet.27 Bieg nicht ab, weder rechts noch links, halt deinen Fuß vom Bösen zurück!

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 5

1 Mein Sohn, merk auf meinen weisen Rat, neige meiner Einsicht dein Ohr zu,2 damit du Besonnenheit bewahrst und deine Lippen auf Klugheit achten.3 Denn die Lippen der fremden Frau triefen von Honig, glatter als Öl ist ihr Mund.4 Doch zuletzt ist sie bitter wie Wermut, scharf wie ein zweischneidiges Schwert.5 Ihre Füße steigen zur Totenwelt hinab, ihre Schritte gehen der Unterwelt zu.6 Den ebenen Pfad zum Leben verfehlt sie, sie geht krumme Wege und merkt es nicht.7 Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich, weicht nicht ab von den Worten, die mein Mund spricht.8 Halte deinen Weg von ihr fern, komm ihrer Haustür nicht nahe!9 Sonst schenkst du andern deine Kraft, deine Jahre einem Rücksichtslosen;10 sonst sättigen sich Fremde an deinem Besitz, die Frucht deiner Arbeit kommt in das Haus eines andern,11 und am Ende wirst du stöhnen, wenn dein Leib und dein Fleisch dahinsiechen.12 Dann wirst du bekennen: Weh mir, ich habe die Zucht gehaßt, mein Herz hat die Warnung verschmäht;13 ich habe nicht auf die Stimme meiner Erzieher gehört, mein Ohr nicht meinen Lehrern zugeneigt.14 Fast hätte mich alles Unheil getroffen in der Versammlung und in der Gemeinde.15 Trink Wasser aus deiner eigenen Zisterne, Wasser, das aus deinem Brunnen quillt.16 Sollen deine Quellen auf die Straße fließen, auf die freien Plätze deine Bäche?17 Dir allein sollen sie gehören, kein Fremder soll teilen mit dir.18 Dein Brunnen sei gesegnet; freu dich der Frau deiner Jugendtage,19 der lieblichen Gazelle, der anmutigen Gemse! Ihre Liebkosung mache dich immerfort trunken, an ihrer Liebe berausch dich immer wieder!20 Warum solltest du dich an einer Fremden berauschen, den Busen einer andern umfangen?21 Denn der Weg eines jeden liegt offen vor den Augen des Herrn, er achtet auf alle seine Pfade.22 Der Frevler verfängt sich in der eigenen Schuld, die Stricke seiner Sünde halten ihn fest.23 Er stirbt aus Mangel an Zucht, wegen seiner großen Torheit stürzt er ins Verderben.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 6

1 Mein Sohn, hast du deinem Nächsten Bürgschaft geleistet, hast du einem Fremden den Handschlag gegeben,2 hast du dich durch deine Worte gebunden, bist du gefangen durch deine Worte,3 dann tu doch dies, mein Sohn: Reiß dich los; denn du bist in die Hände deines Nächsten geraten. Geh eilends hin, und bestürm deinen Nächsten!4 Gönne deinen Augen keinen Schlaf, keinen Schlummer deinen Wimpern,5 entreiß dich seiner Hand wie eine Gazelle, wie ein Vogel der Hand des Jägers!6 Geh zur Ameise, du Fauler, betrachte ihr Verhalten, und werde weise!7 Sie hat keinen Meister, keinen Aufseher und Gebieter,8 und doch sorgt sie im Sommer für Futter, sammelt sich zur Erntezeit Vorrat.9 Wie lang, du Fauler, willst du noch daliegen, wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?10 Noch ein wenig schlafen, noch ein wenig schlummern, noch ein wenig die Arme verschränken, um auszuruhen.11 Da kommt schon die Armut wie ein Strolch über dich, die Not wie ein zudringlicher Bettler.12 Ein Nichtsnutz, ja ein Gauner, wer daherkommt mit Lügen im Mund,13 wer mit den Augen zwinkert, mit den Füßen deutet, Zeichen gibt mit den Fingern.14 Tücke im Herzen, stets voll böser Ränke, zettelt er jederzeit Händel an.15 Darum wird plötzlich das Verderben über ihn kommen, im Nu, ohne Rettung, wird er zerschmettert.16 Sechs Dinge sind dem Herrn verhaßt, sieben sind ihm ein Greuel:17 Stolze Augen, eine falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen,18 ein Herz, das finstere Pläne hegt, Füße, die schnell dem Bösen nachlaufen,19 ein falscher Zeuge, der Lügen zuflüstert, und wer Streit entfacht unter Brüdern.20 Achte, mein Sohn, auf das Gebot deines Vaters, mißachte nicht die Lehre deiner Mutter!21 Binde sie dir für immer aufs Herz, und winde sie dir um den Hals!22 Wenn du gehst, geleitet sie dich, wenn du ruhst, behütet sie dich, beim Erwachen redet sie mit dir.23 Denn eine Leuchte ist das Gebot und die Lehre ein Licht, ein Weg zum Leben sind Mahnung und Zucht.24 Sie bewahren dich vor der Frau des Nächsten, vor der glatten Zunge der Fremden.25 Begehre nicht in deinem Herzen ihre Schönheit, laß dich nicht fangen durch ihre Wimpern!26 Einer Dirne zahlt man bis zu einem Laib Brot, die Frau eines andern jagt dir das kostbare Leben ab.27 Trägt man denn Feuer in seinem Gewand, ohne daß die Kleider in Brand geraten?28 Kann man über glühende Kohlen schreiten, ohne sich die Füße zu verbrennen?29 So ist es mit dem, der zur Frau seines Nächsten geht. Keiner bleibt ungestraft, der sie berührt.30 Verachtet man nicht den Dieb, auch wenn er nur stiehlt, um sein Verlangen zu stillen, weil er Hunger hat?31 Wird er ertappt, so muß er siebenfach zahlen, den ganzen Besitz seines Hauses geben.32 Wer Ehebruch treibt, ist ohne Verstand, nur wer sich selbst vernichten will, läßt sich darauf ein.33 Schläge und Schande bringt es ihm ein, unaustilgbar ist seine Schmach.34 Denn Eifersucht bringt den Ehemann in Wut, er kennt keine Schonung am Tag der Rache.35 Kein Sühnegeld nimmt er an; magst du auch Geschenke häufen, er willigt nicht ein.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 7

1 Mein Sohn, achte auf meine Worte, meine Gebote verwahre bei dir!2 Achte auf meine Gebote, damit du am Leben bleibst, hüte meine Lehre wie deinen Augapfel!3 Binde sie dir an die Finger, schreib sie auf die Tafel deines Herzens!4 Sag zur Weisheit: Du bist meine Schwester!, und nenne die Klugheit deine Freundin!5 Sie bewahrt dich vor der Frau eines andern, vor der Fremden, die verführerisch redet.6 Vom Fenster meines Hauses, durch das Gitter, habe ich ausgeschaut;7 da sah ich bei den Unerfahrenen, da bemerkte ich bei den Burschen einen jungen Mann ohne Verstand:8 Er ging über die Straße, bog um die Ecke und nahm den Weg zu ihrem Haus;9 als der Tag sich neigte, in der Abenddämmerung, um die Zeit, da es dunkel wird und die Nacht kommt.10 Da! Eine Frau kommt auf ihn zu, im Kleid der Dirnen, mit listiger Absicht;11 voll Leidenschaft ist sie und unbändig, ihre Füße blieben nicht mehr im Haus;12 bald auf den Gassen, bald auf den Plätzen, an allen Straßenecken lauert sie.13 Nun packt sie ihn, küßt ihn, sagt zu ihm mit keckem Gesicht:14 Ich war zu Heilsopfern verpflichtet, und heute erfüllte ich meine Gelübde.15 Darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, ich habe dich gesucht und gefunden.16 Ich habe Decken über mein Bett gebreitet, bunte Tücher aus ägyptischem Leinen;17 ich habe mein Lager besprengt mit Myrrhe, Aloe und Zimt.18 Komm, wir wollen bis zum Morgen in Liebe schwelgen, wir wollen die Liebeslust kosten.19 Denn mein Mann ist nicht zu Hause, er ist auf Reisen, weit fort.20 Den Geldbeutel hat er mitgenommen, erst am Vollmondstag kehrt er heim.21 So macht sie ihn willig mit viel Überredung, mit schmeichelnden Lippen verführt sie ihn.22 Betört folgt er ihr, wie ein Ochse, den man zum Schlachten führt, wie ein Hirsch, den das Fangseil umschlingt,23 bis ein Pfeil ihm die Leber zerreißt; wie ein Vogel, der in das Netz fliegt und nicht merkt, daß es um sein Leben geht.24 Darum, ihr Söhne, hört auf mich, achtet auf meine Reden!25 Dein Herz schweife nicht ab auf ihre Wege, verirre dich nicht auf ihre Pfade!26 Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat; viele sind es, die sie ermordet hat;27 ihr Haus ist ein Weg zur Unterwelt, er führt zu den Kammern des Todes.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 8

1 Ruft nicht die Weisheit, erhebt nicht die Klugheit ihre Stimme?2 Bei der Stadtburg, auf den Straßen, an der Kreuzung der Wege steht sie;3 neben den Toren, wo die Stadt beginnt, am Zugang zu den Häusern ruft sie laut:4 Euch, ihr Leute, lade ich ein, meine Stimme ergeht an alle Menschen:5 Ihr Unerfahrenen, werdet klug, ihr Törichten, nehmt Vernunft an!6 Hört her! Aufrichtig rede ich. Redlich ist, was meine Lippen reden.7 Die Wahrheit spricht meine Zunge, Unrechtes ist meinen Lippen ein Greuel.8 Alle meine Worte sind recht, keines von ihnen ist hinterhältig und falsch.9 Für den Verständigen sind sie alle klar und richtig für den, der Erkenntnis fand.10 Nehmt lieber Bildung an als Silber, lieber Verständnis als erlesenes Gold!11 Ja, Weisheit übertrifft die Perlen an Wert, keine kostbaren Steine kommen ihr gleich.12 Ich, die Weisheit, verweile bei der Klugheit, ich entdecke Erkenntnis und guten Rat.13 Gottesfurcht verlangt, Böses zu hassen. Hochmut und Hoffart, schlechte Taten und einen verlogenen Mund hasse ich.14 Bei mir ist Rat und Hilfe; ich bin die Einsicht, bei mir ist Macht.15 Durch mich regieren die Könige und entscheiden die Machthaber, wie es Recht ist;16 durch mich versehen die Herrscher ihr Amt, die Vornehmen und alle Verwalter des Rechts.17 Ich liebe alle, die mich lieben, und wer mich sucht, der wird mich finden.18 Reichtum und Ehre sind bei mir, angesehener Besitz und Glück;19 meine Frucht ist besser als Gold und Feingold, mein Nutzen übertrifft wertvolles Silber.20 Ich gehe auf dem Weg der Gerechtigkeit, mitten auf den Pfaden des Rechtes,21 um denen, die mich lieben, Gaben zu verleihen und ihre Scheunen zu füllen.22 Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit;23 in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde.24 Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.25 Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren.26 Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands.27 Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,28 als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,29 als er dem Meer seine Satzung gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,30 als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit.31 Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.32 Nun, ihr Söhne, hört auf mich! Wohl dem, der auf meine Wege achtet.33 Hört die Mahnung, und werdet weise, lehnt sie nicht ab!34 Wohl dem, der auf mich hört, der Tag für Tag an meinen Toren wacht und meine Türpfosten hütet.35 Wer mich findet, findet Leben und erlangt das Gefallen des Herrn.36 Doch wer mich verfehlt, der schadet sich selbst; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 9

1 Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen.2 Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und schon ihren Tisch gedeckt.3 Sie hat ihre Mägde ausgesandt und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg:4 Wer unerfahren ist, kehre hier ein. Zum Unwissenden sagt sie:5 Kommt, eßt von meinem Mahl, und trinkt vom Wein, den ich mischte.6 Laßt ab von der Torheit, dann bleibt ihr am Leben, und geht auf dem Weg der Einsicht!7 Wer den Zuchtlosen tadelt, erntet Schimpf, wer den Frevler rügt, erntet Schande.8 Rüge den Zuchtlosen nicht; sonst haßt er dich. Rüge den Weisen, dann liebt er dich.9 Unterrichte den Weisen, damit er noch weiser wird; belehre den Gerechten, damit er dazulernt.10 Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht, die Kenntnis des Heiligen ist Einsicht.11 Ja, durch mich werden deine Tage zahlreich, nehmen die Jahre deines Lebens zu.12 Bist du weise, so bist du weise zum eigenen Nutzen, bist du aber unbeherrscht, hast du allein es zu tragen.13 Frau Torheit fiebert nach Verführung; das ist alles, was sie versteht.14 Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Sessel bei der Stadtburg,15 um die Vorübergehenden einzuladen, die geradeaus ihre Pfade gehen:16 Wer unerfahren ist, kehre hier ein. Zum Unwissenden sagt sie:17 Süß ist gestohlenes Wasser, heimlich entwendetes Brot schmeckt lecker.18 Und er weiß nicht, daß Totengeister dort hausen, daß ihre Gäste in den Tiefen der Unterwelt sind.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 10

1 Sprichwörter Salomos: Ein kluger Sohn macht dem Vater Freude, ein dummer Sohn ist der Kummer seiner Mutter.2 Unrecht Gut gedeiht nicht, Gerechtigkeit aber rettet vor dem Tod.3 Das Verlangen des Gerechten sättigt der Herr, die Gier der Frevler stößt er zurück.4 Lässige Hand bringt Armut, fleißige Hand macht reich.5 Wer im Sommer sammelt, ist ein kluger Mensch; in Schande gerät, wer zur Erntezeit schläft.6 Segen ruht auf dem Haupt des Gerechten, im Mund der Frevler versteckt sich Gewalttat.7 Das Andenken des Gerechten ist gesegnet, der Name der Frevler vermodert.8 Verständiger Sinn nimmt die Gebote an, wer Törichtes redet, kommt zu Fall.9 Wer aufrichtig seinen Weg geht, geht sicher, wer krumme Wege geht, wird durchschaut.10 Wer mit den Augen zwinkert, schafft Leid, wer offen tadelt, stiftet Frieden.11 Der Mund des Gerechten ist ein Lebensquell, im Mund der Frevler versteckt sich Gewalttat.12 Haß weckt Streit, Liebe deckt alle Vergehen zu.13 Auf den Lippen des Einsichtigen findet man Weisheit, auf den Rücken des Unverständigen paßt der Stock.14 Weise verbergen ihr Wissen, der Mund des Toren ist drohendes Verderben.15 Dem Reichen ist seine Habe eine feste Burg, dem Armen bringt seine Armut Verderben.16 Der Besitz des Gerechten führt zum Leben, das Einkommen des Frevlers zur Sünde.17 Den Weg zum Leben geht, wer Zucht bewahrt; wer Warnung mißachtet, geht in die Irre.18 Wer Haß verbirgt, heuchelt; wer Verleumdung ausstreut, ist ein Tor.19 Bei vielem Reden bleibt die Sünde nicht aus, wer seine Lippen zügelt, ist klug.20 Erlesenes Silber ist die Zunge des Gerechten, das Sinnen des Frevlers ist wenig wert.21 Die Lippen des Gerechten leiten viele, die Toren sterben an Unverstand.22 Der Segen des Herrn macht reich, eigene Mühe tut nichts hinzu.23 Des Toren Freude ist es, Böses zu tun, des Verständigen Freude, weise zu sein.24 Was der Frevler fürchtet, kommt über ihn, was die Gerechten ersehnen, wird ihnen zuteil.25 Wenn der Sturm daherbraust, ist der Frevler verloren, der Gerechte ist fest gegründet für immer.26 Wie Essig für die Zähne und Rauch für die Augen ist der Faule für den, der ihn schickt.27 Gottesfurcht bringt langes Leben, doch die Jahre der Frevler sind verkürzt.28 Die Hoffnung der Gerechten blüht auf, die Erwartung der Frevler wird zunichte.29 Dem Schuldlosen ist der Herr eine Zuflucht, Verderben aber den Übeltätern.30 Der Gerechte wird niemals wanken, doch die Frevler bleiben nicht im Land wohnen.31 Der Mund des Gerechten bringt Weisheit hervor, eine Zunge voll Falschheit aber wird abgeschnitten.32 Die Lippen des Gerechten achten auf das, was gefällt, der Mund der Frevler aber auf das, was verkehrt ist.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 11

1 Falsche Waage ist dem Herrn ein Greuel, volles Gewicht findet sein Gefallen.2 Kommt Übermut, kommt auch Schande, doch bei den Bescheidenen ist die Weisheit zu Hause.3 Die Redlichen leitet ihre Lauterkeit, die Verräter richtet ihre Falschheit zugrunde.4 Reichtum hilft nicht am Tag des Zorns, Gerechtigkeit aber rettet vor dem Tod.5 Dem Lauteren ebnet seine Gerechtigkeit den Weg, der Frevler aber kommt durch seine Bosheit zu Fall.6 Die Redlichen rettet ihre Gerechtigkeit, die Verräter schlägt ihre eigene Gier in Fesseln.7 Beim Tod des Frevlers wird sein Hoffen zunichte, die falsche Erwartung schwindet dahin.8 Der Gerechte wird aus der Not gerettet, an seine Stelle tritt der Böse.9 Vom Mund des Ruchlosen droht dem Nächsten Verderben, die Gerechten befreien sich durch ihre Umsicht.10 Wenn es dem Gerechten gut geht, freut sich die Stadt; sie jubelt beim Untergang der Frevler.11 Eine Stadt kommt hoch durch den Segen der Redlichen, durch den Mund der Frevler wird sie niedergerissen.12 Wer den Nächsten verächtlich macht, ist ohne Verstand, doch ein kluger Mensch schweigt.13 Wer als Verleumder umhergeht, gibt Geheimnisse preis, der Verläßliche behält eine Sache für sich.14 Fehlt es an Führung, kommt ein Volk zu Fall, Rettung ist dort, wo viele Ratgeber sind.15 Wer für einen Fremden bürgt, ist übel daran; wer den Handschlag ablehnt, geht sicher.16 Eine liebenswerte Frau kommt zu Ehren, Sitz der Schande ist ein Weib, das gute Sitten haßt. Die Faulen bringen es zu nichts, wer fleißig ist, kommt zu Reichtum.17 Die Güte eines Menschen kommt ihm selbst zugute, der Hartherzige schneidet sich ins eigene Fleisch.18 Der Frevler erzielt trügerischen Gewinn, wer Gerechtigkeit sät, hat beständigen Ertrag.19 Wer in der Gerechtigkeit feststeht, erlangt das Leben, wer dem Bösen nachjagt, den Tod.20 Verkehrte Menschen sind dem Herrn ein Greuel, er hat Gefallen an denen, die den rechten Weg gehen.21 Gewiß, der Böse bleibt nicht ungestraft, doch die Söhne der Gerechten werden gerettet.22 Ein goldener Ring im Rüssel eines Schweins ist ein Weib, schön, aber sittenlos.23 Das Begehren der Gerechten führt zu vollem Glück, die Hoffnung der Frevler endet im Zorngericht.24 Mancher teilt aus und bekommt immer mehr, ein anderer kargt übers Maß und wird doch ärmer.25 Wer wohltätig ist, wird reich gesättigt, wer andere labt, wird selbst gelabt.26 Wer Getreide zurückhält, den verwünschen die Leute, wer Korn auf den Markt bringt, auf dessen Haupt kommt Segen.27 Wer Gutes erstrebt, sucht das Gefallen Gottes; wer nach dem Bösen trachtet, den trifft es.28 Wer auf seinen Reichtum vertraut, der fällt, die Gerechten aber sprossen wie grünes Laub.29 Wer sein Haus verkommen läßt, erntet Wind, und der Tor wird Sklave des Weisen.30 Die Frucht der Gerechtigkeit ist ein Lebensbaum, Gewalttat raubt die Lebenskraft.31 Wird dem Gerechten vergolten auf der Erde, dann erst recht dem Frevler und Sünder.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 12

1 Wer Zucht liebt, liebt Erkenntnis, wer Zurechtweisung haßt, ist dumm.2 Der Gute findet Gefallen beim Herrn; den Heimtückischen aber spricht er schuldig.3 Wer unrecht tut, hat keinen Bestand, doch die Wurzel der Gerechten sitzt fest.4 Eine tüchtige Frau ist die Krone ihres Mannes, eine schändliche ist wie Fäulnis in seinen Knochen.5 Die Gedanken der Gerechten trachten nach Recht, die Pläne der Frevler sind auf Betrug aus.6 Die Reden der Frevler sind ein Lauern auf Blut, die Redlichen rettet ihr Mund.7 Die Frevler werden gestürzt und sind dahin, das Haus der Gerechten hat Bestand.8 Nach dem Maß seiner Klugheit wird ein jeder gelobt, verkehrter Sinn fällt der Verachtung anheim.9 Besser unbeachtet bleiben und seine Arbeit verrichten, als großtun und kein Brot haben.10 Der Gerechte weiß, was sein Vieh braucht, doch das Herz der Frevler ist hart.11 Wer sein Feld bestellt, wird satt von Brot, wer nichtigen Dingen nachjagt, ist ohne Verstand.12 Schwankender Lehm ist die Burg der Bösen, die Wurzel der Gerechten hat festen Grund.13 Der Böse verfängt sich im Lügengespinst, der Gerechte entkommt der Bedrängnis.14 Von der Frucht seines Mundes wird der Mensch reichlich gesättigt; nach dem Tun seiner Hände wird ihm vergolten.15 Der Tor hält sein eigenes Urteil für richtig, der Weise aber hört auf Rat.16 Der Tor zeigt sogleich seinen Ärger, klug ist, wer Schimpfworte einsteckt.17 Wer Wahrheit spricht, sagt aus, was recht ist, der falsche Zeuge aber betrügt.18 Mancher Leute Gerede verletzt wie Schwertstiche, die Zunge der Weisen bringt Heilung.19 Ein Mund, der die Wahrheit sagt, hat für immer Bestand, eine lügnerische Zunge nur einen Augenblick.20 Wer auf Böses sinnt, betrügt sich selbst, wer heilsamen Rat gibt, erntet Freude.21 Kein Unheil trifft den Gerechten, doch die Frevler erdrückt das Unglück.22 Lügnerische Lippen sind dem Herrn ein Greuel, doch wer zuverlässig ist in seinem Tun, der gefällt ihm.23 Ein kluger Mensch verbirgt sein Wissen, das Herz der Toren schreit die Narrheit hinaus.24 Die Hand der Fleißigen erringt die Herrschaft, die lässige Hand muß Frondienste leisten.25 Kummer im Herzen bedrückt den Menschen, ein gutes Wort aber heitert ihn auf.26 Der Gerechte findet fette Weide; der Weg der Frevler führt in die Irre.27 Bequemlichkeit erjagt sich kein Wild, kostbare Güter erlangt der Fleißige.28 Der Pfad der Gerechtigkeit führt zum Leben, der Weg der Abtrünnigen führt zum Tod.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 13

1 Ein weiser Sohn ist die Frucht der Erziehung des Vaters, der zuchtlose aber hört nicht auf Mahnung.2 Von der Frucht seiner Worte zehrt der Gute, aber die Verräter begehren Gewalttat.3 Wer seine Lippen hütet, bewahrt sein Leben, wer seinen Mund aufreißt, den trifft Verderben.4 Das Verlangen des Faulen regt sich vergebens, das Verlangen der Fleißigen wird befriedigt.5 Verlogene Worte haßt der Gerechte, der Frevler handelt schändlich und schimpflich.6 Gerechtigkeit behütet den Schuldlosen auf seinem Weg, Frevler bringt die Sünde zu Fall.7 Mancher stellt sich reich und hat doch nichts, ein anderer stellt sich arm und hat großen Besitz.8 Der Reichtum eines Mannes ist das Lösegeld für sein Leben, der Arme jedoch hört nichts von Loskauf.9 Das Licht der Gerechten strahlt auf, die Lampe der Frevler erlischt.10 Der Leichtsinnige stiftet aus Übermut Zank, doch wer sich beraten läßt, der ist klug.11 Schnell errafftes Gut schwindet schnell, wer Stück für Stück sammelt, wird reich.12 Hingehaltene Hoffnung macht das Herz krank, erfülltes Verlangen ist ein Lebensbaum.13 Wer gute Worte mißachtet, erleidet Schaden, wer Ehrfurcht hat vor dem Gebot, bleibt unversehrt.14 Die Lehre des Weisen ist ein Lebensquell, um den Schlingen des Todes zu entgehen.15 Rechte Einsicht bringt Gunst, aber den Verrätern bringt ihr Verhalten den Untergang.16 Der Kluge tut alles mit Überlegung, der Tor verbreitet nur Dummheit.17 Ein gewissenloser Bote richtet Unheil an, ein zuverlässiger Bote bringt Heilung.18 Armut und Schande erntet ein Verächter der Zucht, doch wer Tadel beherzigt, wird geehrt.19 Ein erfüllter Wunsch tut dem Herzen wohl, vom Bösen zu lassen ist dem Toren ein Greuel.20 Wer mit Weisen unterwegs ist, wird weise, wer mit Toren verkehrt, dem geht es übel.21 Unglück verfolgt die Sünder, den Gerechten wird mit Gutem vergolten.22 Der Gute hinterläßt seinen Enkeln das Erbe, der Besitz des Sünders wird für den Gerechten aufgespart.23 In der Hand der Vornehmen ist reichlich Nahrung; der Arme wird zu Unrecht dahingerafft.24 Wer die Rute spart, haßt seinen Sohn, wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.25 Der Gerechte hat zu essen, bis sein Hunger gestillt ist, der Bauch der Frevler aber muß darben.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 14

1 Frau Weisheit hat ihr Haus gebaut, die Torheit reißt es nieder mit eigenen Händen.2 Wer geradeaus seinen Weg geht, fürchtet den Herrn, wer krumme Wege geht, verachtet ihn.3 Im Mund des Toren ist eine Rute für seinen Rücken, den Weisen behüten seine Lippen.4 Wo keine Ochsen sind, bleibt die Krippe leer, reicher Ertrag kommt durch die Kraft des Stieres.5 Ein zuverlässiger Zeuge lügt nicht, aber ein falscher Zeuge flüstert Lügen zu.6 Der Zuchtlose sucht Weisheit, doch vergebens, dem Verständigen fällt die Erkenntnis leicht.7 Tritt einem törichten Mann gegenüber, und du erfährst keine verständigen Worte.8 Die Weisheit des Klugen gibt ihm Einsicht in seinen Weg, aber die Dummheit der Toren führt zu Täuschung.9 In den Zelten der Toren wohnt Schuld, das Haus der Rechtschaffenen findet Gefallen.10 Das Herz allein kennt seinen Kummer, auch in seine Freude mischt sich kein Fremder.11 Das Haus der Frevler wird zertrümmert, das Zelt der Redlichen gedeiht.12 Manch einem scheint sein Weg der rechte, aber am Ende sind es Wege des Todes.13 Auch beim Lachen kann ein Herz leiden, das Ende der Freude ist Gram.14 Dem Untreuen werden seine Vergehen vergolten, dem guten Menschen seine edlen Taten.15 Der Unerfahrene traut jedem Wort, der Kluge achtet auf seinen Schritt.16 Der Weise hat Scheu und meidet das Böse, der Tor läßt sich gehen und ist vermessen.17 Der Zornige handelt töricht, der Ränkeschmied ist verhaßt.18 Die Unerfahrenen verfallen der Torheit, die Klugen krönen sich mit Erkenntnis.19 Die Bösen müssen sich bücken vor den Guten und die Frevler an der Tür des Gerechten.20 Selbst seinem Nächsten ist der Arme verhaßt, der Reiche aber hat viele Freunde.21 Wer seinen Nächsten verachtet, sündigt; wohl dem, der Erbarmen hat mit den Notleidenden.22 Gewiß geht in die Irre, wer Böses plant; Liebe und Treue erlangt, wer Gutes plant.23 Jede Arbeit bringt Erfolg, leeres Geschwätz führt nur zu Mangel.24 Die Krone der Weisen ist ihre Klugheit, der Kranz der Toren ist ihre Narrheit.25 Ein verläßlicher Zeuge rettet Leben, wer Lügen zuflüstert, der täuscht.26 Der Gottesfürchtige hat feste Zuversicht, noch seine Söhne haben eine Zuflucht.27 Die Gottesfurcht ist ein Lebensquell, um den Schlingen des Todes zu entgehen.28 Viel Volk ist der Glanz des Königs, wenig Leute sind des Fürsten Untergang.29 Der Langmütige ist immer der Klügere, der Jähzornige treibt die Torheit auf die Spitze.30 Ein gelassenes Herz bedeutet Leben für den Leib, doch Knochenfraß ist die Leidenschaft.31 Wer den Geringen bedrückt, schmäht dessen Schöpfer, ihn ehrt, wer Erbarmen hat mit dem Bedürftigen.32 Durch seine Bosheit wird der Frevler gestürzt, der Gerechte findet Zuflucht in seiner Redlichkeit.33 Im Herzen des Verständigen ruht Weisheit, im Innern der Toren ist sie nicht bekannt.34 Gerechtigkeit erhöht ein Volk, der Völker Schmach ist die Sünde.35 Die Gunst des Königs ruht auf dem klugen Diener, den schändlichen aber trifft sein Zorn.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 15

1 Eine sanfte Antwort dämpft die Erregung, eine kränkende Rede reizt zum Zorn.2 Die Zunge der Weisen verkündet Erkenntnis, der Mund der Narren sprudelt Torheit hervor.3 An jedem Ort sind die Augen des Herrn, sie wachen über Gute und Böse.4 Eine sanfte Zunge ist ein Lebensbaum, eine falsche Zunge bricht das Herz.5 Der Tor verschmäht die Zucht seines Vaters, wer auf Zurechtweisung achtet, ist klug.6 Im Haus des Gerechten gibt es reichen Vorrat, was der Frevler erwirbt, wird zerschlagen.7 Die Lippen der Weisen streuen Erkenntnis aus, das Herz der Toren ist verkehrt.8 Das Opfer der Frevler ist dem Herrn ein Greuel, am Gebet der Rechtschaffenen aber hat er Gefallen.9 Ein Greuel ist dem Herrn der Weg des Frevlers, wer aber der Gerechtigkeit nachjagt, den liebt er.10 Schlimme Strafe trifft den, der den rechten Pfad verläßt, wer Zurechtweisung haßt, muß sterben.11 Totenreich und Unterwelt liegen offen vor dem Herrn, wieviel mehr die Herzen der Menschen.12 Ein Zuchtloser liebt es nicht, daß man ihn rügt, zu weisen Menschen begibt er sich nicht.13 Ein fröhliches Herz macht das Gesicht heiter, Kummer im Herzen bedrückt das Gemüt.14 Das Herz des Verständigen sucht Erkenntnis, der Mund der Toren ergeht sich in Torheit.15 Der Bedrückte hat lauter böse Tage, der Frohgemute hat ständig Feiertag.16 Besser wenig in Gottesfurcht als reiche Schätze und keine Ruhe.17 Besser ein Gericht Gemüse, wo Liebe herrscht, als ein gemästeter Ochse und Haß dabei.18 Ein hitziger Mensch erregt Zank, ein langmütiger besänftigt den Streit.19 Der Weg des Faulen ist wie ein Dornengestrüpp, der Pfad der Redlichen aber ist gebahnt.20 Ein kluger Sohn macht dem Vater Freude, nur ein törichter Mensch verachtet seine Mutter.21 Torheit macht dem Unverständigen Freude, der einsichtige Mann geht den geraden Weg.22 Wo es an Beratung fehlt, da scheitern die Pläne, wo viele Ratgeber sind, gibt es Erfolg.23 Jeden freut es, wenn er (kluge) Antwort geben kann, und wie gut ist doch ein Wort zur rechten Zeit.24 Einen Lebenspfad zur Höhe gibt es für den Klugen, damit er der Totenwelt drunten entgeht.25 Das Haus der Stolzen reißt der Herr nieder, den Grenzstein der Witwe aber macht er fest.26 Die Pläne des Bösen sind dem Herrn ein Greuel, aber freundliche Reden gefallen ihm.27 Wer sich durch Raub bereichert, zerstört sein Haus, wer Bestechung von sich weist, wird lange leben.28 Der Gerechte überlegt sich im Herzen jede Antwort, aber der Mund der Frevler sprudelt Schlechtes hervor.29 Fern ist der Herr den Frevlern, doch das Gebet der Gerechten hört er.30 Strahlende Augen erfreuen das Herz, frohe Kunde labt den Leib.31 Ein Ohr, das auf heilsame Mahnungen hört, hält sich unter den Weisen auf.32 Wer Zucht abweist, verachtet sich selbst; wer aber auf Mahnungen hört, erwirbt Verstand.33 Gottesfurcht erzieht zur Weisheit, und Demut geht der Ehre voran.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 16

1 Der Mensch entwirft die Pläne im Herzen, doch vom Herrn kommt die Antwort auf der Zunge.2 Jeder meint, sein Verhalten sei fehlerlos, doch der Herr prüft die Geister.3 Befiehl dem Herrn dein Tun an, so werden deine Pläne gelingen.4 Alles hat der Herr für seinen Zweck erschaffen, so auch den Frevler für den Tag des Unheils.5 Ein Greuel ist dem Herrn jeder Hochmütige; er bleibt gewiß nicht ungestraft.6 Durch Liebe und Treue wird Schuld gesühnt, durch Gottesfurcht weicht man dem Bösen aus.7 Gefallen dem Herrn die Wege eines Menschen, so versöhnt er auch seine Feinde mit ihm.8 Besser wenig und gerecht als viel Besitz und Unrecht.9 Des Menschen Herz plant seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt.10 Gottesentscheid kommt von den Lippen des Königs, sein Mund verfehlt sich nicht, wenn er ein Urteil fällt.11 Rechte Waage und Waagschalen sind Sache des Herrn, sein Werk sind alle Gewichtssteine im Beutel.12 Frevlerisches Tun ist Königen ein Greuel; denn ein Thron steht fest durch Gerechtigkeit.13 Gerechte Lippen gefallen dem König, wer aufrichtig redet, den liebt er.14 Des Königs Grimm gleicht Todesboten; aber ein Weiser kann ihn besänftigen.15 Im leuchtenden Gesicht des Königs liegt Leben, sein Wohlwollen gleicht der Regenwolke im Frühjahr.16 Weisheit erwerben ist besser als Gold, Einsicht erwerben vortrefflicher als Silber.17 Böses zu meiden ist das Ziel der Rechtschaffenen; wer auf seinen Weg achtet, bewahrt sein Leben.18 Hoffart kommt vor dem Sturz, und Hochmut kommt vor dem Fall.19 Besser bescheiden sein mit Demütigen, als Beute teilen mit Stolzen.20 Wer auf das Wort des Herrn achtet, findet Glück; wohl dem, der auf ihn vertraut.21 Wer ein weises Herz hat, den nennt man verständig, gefällige Rede fördert die Belehrung.22 Wer Verstand besitzt, dem ist er ein Lebensquell, die Strafe der Toren ist die Torheit selbst.23 Das Herz des Weisen macht seinen Mund klug, es mehrt auf seinen Lippen die Belehrung.24 Freundliche Worte sind wie Wabenhonig, süß für den Gaumen, heilsam für den Leib.25 Manch einem scheint sein Weg der rechte, aber am Ende sind es Wege des Todes.26 Der Hunger des Arbeiters arbeitet für ihn; denn sein Mund treibt ihn an.27 Ein Taugenichts ist ein Ofen voll Unheil, auf seinen Lippen ist es wie sengendes Feuer.28 Ein tückischer Mensch erregt Streit, ein Verleumder entzweit Freunde.29 Der Gewalttätige verführt seinen Nächsten, er bringt ihn auf einen Weg, der nicht gut ist.30 Wer mit den Augen zwinkert, sinnt auf Tücke; wer die Lippen verzieht, hat das Böse schon vollbracht.31 Graues Haar ist eine prächtige Krone, auf dem Weg der Gerechtigkeit findet man sie.32 Besser ein Langmütiger als ein Kriegsheld, besser, wer sich selbst beherrscht, als wer Städte erobert.33 Im Bausch des Gewandes schüttelt man das Los, doch jede Entscheidung kommt allein vom Herrn.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 17

1 Besser ein trockenes Stück Brot und Ruhe dabei als ein Haus voll Braten und dabei Streit.2 Ein kluger Knecht wird Herr über einen mißratenen Sohn, und mit den Brüdern teilt er das Erbe.3 Der Schmelztiegel ist für Silber da, der Ofen für Gold, die Herzen aber prüft der Herr.4 Der Übeltäter achtet auf böse Lippen, der Lügner horcht hin auf eine verderbte Zunge.5 Wer den Armen verspottet, schmäht dessen Schöpfer, wer sich über ein Unglück freut, bleibt nicht ungestraft.6 Eine Krone der Alten sind Kindeskinder; der Kinder Ruhm sind ihre Väter.7 Dem Toren stehen hochtönende Worte nicht an, noch viel weniger dem Edlen die Sprache der Lüge.8 Bestechungsgeld ist ein Zauberstein in den Augen des Gebers; wohin er sich wendet, hat er Erfolg.9 Wer Fehler zudeckt, sucht Freundschaft; wer eine Sache weiterträgt, trennt Freunde.10 Tadel erschüttert einen Verständigen mehr als hundert Schläge einen Toren.11 Der Böse trachtet nach Aufruhr, aber ein strenger Gerichtsbote wird gegen ihn ausgesandt.12 Lieber einer Bärin begegnen, der man die Jungen geraubt hat, als einem Toren in seinem Unverstand.13 Vergilt einer Gutes mit Bösem, weicht das Unheil nicht von seinem Haus.14 Wer Streit anfängt, entfesselt eine Wasserflut, drum halt ein, ehe der Zank ausbricht.15 Wer Schuldige freispricht und wer Unschuldige verurteilt, beide sind dem Herrn ein Greuel.16 Wozu denn Geld in der Hand des Toren? Etwa um Weisheit zu kaufen, da ihm doch der Verstand fehlt?17 Der Freund erweist zu jeder Zeit Liebe, als Bruder für die Not ist er geboren.18 Ohne Verstand ist, wer Handschlag leistet, wer Bürgschaft übernimmt für einen andern.19 Verbrechen liebt, wer Streit liebt; wer seine Tür zu hoch macht, will den Einsturz.20 Wer ein unaufrichtiges Herz hat, findet kein Glück, wer sich beim Reden verstellt, stürzt ins Unheil.21 Wer einen Toren zeugt, dem bringt es Gram; der Vater eines Narren kann sich nicht freuen.22 Ein fröhliches Herz tut dem Leib wohl, ein bedrücktes Gemüt läßt die Glieder verdorren.23 Bestechung aus dem Gewandbausch nimmt der Frevler an, um die Pfade des Rechts zu verkehren.24 Vor dem Blick des Verständigen steht Weisheit, doch die Augen des Toren schweifen bis ans Ende der Erde.25 Ein törichter Sohn bereitet seinem Vater Verdruß und Kummer seiner Mutter, die ihn geboren hat.26 Schon eine Geldstrafe für den Unschuldigen ist nicht gut, aber Edle schlagen zu lassen ist gegen das Recht.27 Wer sich zurückhält beim Reden hat tiefe Einsicht, wer kühl überlegt, ist ein verständiger Mann.28 Auch ein Tor kann als weise gelten, wenn er schweigt, als einsichtig, wenn er seine Lippen verschließt.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 18

1 Der Abtrünnige sucht nach einem Vorwand, um loszubrechen mit aller Gewalt.2 Der Tor hat kein Gefallen an Einsicht, vielmehr daran, sein Herz zur Schau zu stellen.3 Kommt Frevel, kommt auch Verachtung und mit der Schandtat die Schmach.4 Tiefe Wasser sind die Worte aus dem Mund eines Menschen, ein sprudelnder Bach, eine Quelle der Weisheit.5 Es ist nicht gut, einen Schuldigen zu begünstigen und den Unschuldigen abzuweisen vor Gericht.6 Die Lippen des Toren beginnen Streit, sein Mund schreit nach Schlägen.7 Dem Toren wird sein Mund zum Verderben; seine Lippen werden ihm selbst zur Falle.8 Die Worte des Verleumders sind wie Leckerbissen, sie gleiten hinab in die Kammern des Leibes.9 Wer lässig ist bei seiner Arbeit, ist schon ein Bruder des Mörders.10 Ein fester Turm ist der Name des Herrn, dorthin eilt der Gerechte und ist geborgen.11 Für den Reichen ist sein Vermögen wie eine feste Stadt, wie eine hohe Mauer - in seiner Einbildung.12 Vor dem Sturz ist das Herz des Menschen überheblich, aber der Ehre geht Demut voran.13 Gibt einer Antwort, bevor er gehört hat, ist es Torheit und Schande für ihn.14 Der Geist des Menschen überwindet die Krankheit, doch einen zerschlagenen Geist, wer kann den aufrichten?15 Das Herz des Verständigen erwirbt sich Erkenntnis, das Ohr der Weisen sucht Erkenntnis.16 Geschenke schaffen dem Geber Raum und geleiten ihn vor die Großen.17 Recht bekommt in seinem Streitfall der erste, aber dann kommt der andere und geht der Sache nach.18 Streitigkeiten beendet das Los; es entscheidet zwischen Mächtigen.19 Ein getäuschter Bruder ist verschlossener als eine Festung, Streitigkeiten sind wie der Sperriegel einer Burg.20 Von der Frucht seines Mundes wird ein jeder satt, vom Ertrag seiner Lippen wird er gesättigt.21 Tod und Leben stehen in der Macht der Zunge; wer sie liebevoll gebraucht, genießt ihre Frucht.22 Wer eine Frau gefunden, hat Glück gefunden und das Gefallen des Herrn erlangt.23 Flehentlich redet der Arme, der Reiche aber antwortet mit Härte.24 Manche Freunde führen ins Verderben, manch ein lieber Freund ist anhänglicher als ein Bruder.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 19

1 Besser ein Armer, der schuldlos seinen Weg geht, als einer mit verlogenen Lippen, der ein Tor ist.2 Schon unvernünftige Begierde ist nicht gut, und wer hastig rennt, tritt fehl.3 Die Torheit verdirbt dem Menschen den Weg, und dann grollt sein Herz gegen den Herrn.4 Besitz vermehrt die Zahl der Freunde, der Arme aber wird von seinem Freund verlassen.5 Ein falscher Zeuge bleibt nicht ungestraft, wer Lügen flüstert, wird nicht entrinnen.6 Viele umschmeicheln den Vornehmen, und jeder will der Freund eines freigebigen Mannes sein.7 Vom Armen wollen alle seine Brüder nichts wissen, erst recht bleiben ihm seine Freunde fern. Wer Worten nachjagt, wird nicht entrinnen.8 Wer Verstand erwirbt, liebt sich selbst, wer Einsicht bewahrt, findet sein Glück.9 Ein falscher Zeuge bleibt nicht ungestraft, wer Lügen flüstert, geht zugrunde.10 Wohlleben steht dem Toren nicht an, noch weniger einem Knecht, über Fürsten zu herrschen.11 Einsicht macht den Menschen langmütig, sein Ruhm ist es, über Verfehlungen hinwegzugehen.12 Wie das Knurren des Löwen ist der Zorn des Königs, doch wie Tau auf dem Gras ist seine Gunst.13 Ein Unglück für den Vater ist ein törichter Sohn und wie ein ständig tropfendes Dach das Gezänk einer Frau.14 Haus und Habe sind das Erbe der Väter, doch eine verständige Frau kommt vom Herrn.15 Faulheit versenkt in Schlaf, ein träger Mensch muß hungern.16 Wer (Gottes) Gebot bewahrt, bewahrt sein Leben, wer seine Wege verachtet, muß sterben.17 Wer Erbarmen hat mit dem Elenden, leiht dem Herrn; er wird ihm seine Wohltat vergelten.18 Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnung ist, doch laß dich nicht hinreißen, ihn zu töten.19 Der maßlos Jähzornige muß büßen; denn willst du schlichten, machst du es noch ärger.20 Hör auf guten Rat, und nimm Zucht an, damit du weise wirst für die Zukunft.21 Viele Pläne faßt das Herz des Menschen, doch nur der Ratschluß des Herrn hat Bestand.22 Die Menschen streben nach Gewinn, doch besser ein Armer als ein Betrüger.23 Die Gottesfurcht führt zum Leben; gesättigt geht man zur Ruhe, von keinem Übel heimgesucht.24 Greift der Faule mit der Hand in die Schüssel, bringt er sie nicht einmal zum Mund zurück.25 Schlägst du den Zuchtlosen, so wird der Unerfahrene klug; weist man den Verständigen zurecht, gewinnt er Einsicht.26 Wer den Vater mißhandelt, die Mutter wegjagt, ist ein verkommener, schändlicher Sohn.27 Gibst du es auf, mein Sohn, auf Mahnung zu hören, so entziehst du dich den Worten der Einsicht.28 Ein nichtsnutziger Zeuge verspottet das Recht, der Mund der Frevler sprudelt Unheil hervor.29 Für die Zuchtlosen stehen Ruten bereit und Schläge für den Rücken der Toren.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 20

1 Ein Zuchtloser ist der Wein, ein Lärmer das Bier; wer sich hierin verfehlt, wird nie weise.2 Wie das Knurren des Löwen ist der Grimm des Königs; wer ihn erzürnt, verwirkt sein Leben.3 Es ehrt den Menschen, vom Streit abzulassen, jeder Tor aber bricht los.4 Der Faule pflügt nicht im Herbst; sucht er in der Erntezeit, so ist nichts da.5 Ein tiefes Wasser sind die Pläne im Herzen des Menschen, doch der Verständige schöpft es herauf.6 Viele Menschen rühmen sich ihrer Güte, aber wer findet einen, auf den Verlaß ist?7 Wer als Gerechter unbescholten seinen Weg geht: Wohl den Kindern, die er hinterläßt.8 Ein König auf dem Richterstuhl sondert mit seinem Scharfblick alles Böse aus.9 Wer kann sagen: Ich habe mein Herz geläutert, rein bin ich von meiner Sünde?10 Zweierlei Gewicht und zweierlei Maß, beide sind dem Herrn ein Greuel.11 An seinem Treiben läßt schon der Knabe erkennen, ob sein Tun lauter und redlich sein wird.12 Das Ohr, das hört, und das Auge, das sieht, der Herr hat sie beide geschaffen.13 Liebe nicht den Schlaf, damit du nicht arm wirst; halte deine Augen offen, und du hast Brot genug.14 Schlecht, schlecht, sagt der Käufer; geht er aber weg, so rühmt er sich.15 Gold gibt es und viele Perlen, ein kostbarer Schmuck aber sind verständige Lippen.16 Nimm ihm das Kleid, denn er hat für einen andern gebürgt, fremder Leute wegen pfände bei ihm!17 Süß schmeckt dem Menschen das Brot der Lüge, hernach aber füllt sich sein Mund mit Kieseln.18 Pläne kommen durch Beratung zustande. Darum führe den Kampf mit Überlegung!19 Geheimnisse verrät, wer als Verleumder umhergeht. Darum laß dich nicht ein mit einem Schwätzer!20 Wer seinem Vater flucht und seiner Mutter, dessen Lampe erlischt zur Zeit der Finsternis.21 Ein Besitz, schnell errafft am Anfang, ist nicht gesegnet an seinem Ende.22 Sag nicht: Ich will das Böse vergelten. Vertrau auf den Herrn, er wird dir helfen.23 Ein Greuel ist dem Herrn zweierlei Gewicht, eine falsche Waage ist nicht recht.24 Der Herr lenkt die Schritte eines jeden. Wie könnte der Mensch seinen Weg verstehen?25 Eine Falle ist es, unbedacht zu rufen: Geweiht!, und erst nach dem Gelübde zu überlegen.26 Ein weiser König sondert die Frevler aus und vergilt ihnen ihre Untat.27 Der Herr wacht über den Atem des Menschen, er durchforscht alle Kammern des Leibes.28 Güte und Treue behüten den König, er stützt seinen Thron durch Güte.29 Der Ruhm der Jungen ist ihre Kraft, die Zier der Alten ihr graues Haar.30 Blutige Striemen läutern den Bösen und Schläge die Kammern des Leibes.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 21

1 Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn; er lenkt es, wohin er will.2 Jeder meint, sein Verhalten sei richtig, doch der Herr prüft die Herzen.3 Gerechtigkeit üben und Recht ist dem Herrn lieber als Schlachtopfer.4 Hoffart der Augen, Übermut des Herzens - die Leuchte der Frevler versagt.5 Die Pläne des Fleißigen bringen Gewinn, doch der hastige Mensch hat nur Mangel.6 Wer Schätze erwirbt mit verlogener Zunge, jagt nach dem Wind, er gerät in die Schlingen des Todes.7 Gewalttat reißt die Frevler hinweg, denn sie weigern sich, das Rechte zu tun.8 Der Weg des Unehrlichen ist gewunden, aber das Tun des Lauteren ist gerade.9 Besser in einer Ecke des Daches wohnen als eine zänkische Frau im gemeinsamen Haus.10 Das Verlangen des Frevlers geht nach dem Bösen, sein Nächster findet bei ihm kein Erbarmen.11 Muß der Zuchtlose büßen, so wird der Unerfahrene weise, belehrt man den Weisen, so nimmt er Einsicht an.12 Der Gerechte handelt klug am Haus des Frevlers, wenn er die Frevler ins Unheil stürzt.13 Wer sein Ohr verschließt vor dem Schreien des Armen, wird selbst nicht erhört, wenn er um Hilfe ruft.14 Eine heimliche Gabe besänftigt den Zorn, ein Geschenk aus dem Gewandbausch den heftigen Grimm.15 Der Gerechte freut sich, wenn Recht geschieht, doch den Übeltäter versetzt das in Schrecken.16 Wer abirrt vom Weg der Einsicht, wird bald in der Versammlung der Totengeister ruhen.17 Der Not verfällt, wer Vergnügen liebt, wer Wein und Salböl liebt, wird nicht reich.18 Für den Gerechten dient der Frevler als Lösegeld, anstelle des Redlichen der Treulose.19 Besser in der Wüste hausen als Ärger mit einer zänkischen Frau.20 Ein kostbarer Schatz ist in der Wohnung des Weisen, aber ein törichter Mensch vergeudet ihn.21 Wer nach Gerechtigkeit und Güte strebt, findet Leben und Ehre.22 Der Weise ersteigt die Stadt der Mächtigen und stürzt das Bollwerk, auf das sie vertraut.23 Wer seinen Mund und seine Zunge behütet, der behütet sein Leben vor Drangsal.24 Der Freche und Stolze, einen Zuchtlosen nennt man ihn, er handelt in maßlosem Übermut.25 Den Faulen bringt sein Begehren um, denn zu arbeiten weigern sich seine Hände;26 den ganzen Tag begehrt er voll Gier, der Gerechte aber gibt, ohne zu geizen.27 Das Opfer der Frevler ist (dem Herrn) ein Greuel, zumal wenn es in schlechter Absicht dargebracht wird.28 Ein falscher Zeuge geht zugrunde, wer aber zu hören versteht, redet erfolgreich.29 Der Frevler zeigt Trotz in seiner Miene, der Redliche ordnet seine Wege.30 Keine Weisheit gibt es, keine Einsicht, keinen Rat gegenüber dem Herrn.31 Das Roß wird gerüstet für den Tag der Schlacht, doch der Sieg steht beim Herrn.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 22

1 Guter Ruf ist kostbarer als großer Reichtum, hohes Ansehen besser als Silber und Gold.2 Reiche und Arme begegnen einander, doch der Herr hat sie alle erschaffen.3 Der Kluge sieht das Unheil und verbirgt sich, die Unerfahrenen laufen weiter und müssen es büßen.4 Der Lohn für Demut und Gottesfurcht ist Reichtum, Ehre und Leben.5 Dornen und Schlingen liegen auf dem Weg des Falschen; wer sein Leben behütet, bleibt ihnen fern.6 Erzieh den Knaben für seinen Lebensweg, dann weicht er auch im Alter nicht davon ab.7 Der Reiche hat die Armen in seiner Gewalt, der Schuldner ist seines Gläubigers Knecht.8 Wer Unrecht sät, erntet Unheil, der Stecken seines Übermuts versagt.9 Wer ein gütiges Auge hat, wird gesegnet, weil er den Armen von seinem Brot gibt.10 Vertreib den Zuchtlosen, so schwindet der Zank, Streiten und Schimpfen hören auf.11 Wer die Lauterkeit des Herzens liebt - wegen seiner gefälligen Rede wird der König sein Freund.12 Die Augen des Herrn behüten den Einsichtigen, das Gerede des Verräters bringt er zu Fall.13 Der Faule sagt: Ein Löwe ist draußen, mitten auf der Straße käme ich ums Leben.14 Der Mund fremder Frauen ist eine tiefe Grube; wem der Herr zürnt, der fällt hinein.15 Steckt Torheit im Herzen des Knaben, die Rute der Zucht vertreibt sie daraus.16 Wer den Armen bedrückt, macht ihn reich, wer dem Reichen gibt, macht ihn arm.17 Worte von Weisen: Neige mir dein Ohr zu, und hör auf meine Worte, nimm dir meine Lehren zu Herzen!18 Schön ist es, wenn du sie in deinem Innern bewahrst; sie mögen fest wie ein Zeltpflock auf deinen Lippen haften.19 Damit dein Vertrauen auf dem Herrn steht, lehre ich dich heute seinen Weg.20 Habe ich nicht dreißig Sätze für dich aufgeschrieben als wissenswerte Ratschläge,21 um dir verläßliche Worte mitzuteilen, damit du deinem Auftraggeber antworten kannst?22 Beraube den Schwachen nicht, denn er ist ja so schwach, zertritt den Armen nicht am Tor!23 Denn der Herr führt den Rechtsstreit für sie und raubt denen das Leben, die sie berauben.24 Befreunde dich nicht mit dem Jähzornigen, verkehre nicht mit einem Hitzkopf,25 damit du dich nicht an seine Pfade gewöhnst und dir eine Schlinge legst für dein Leben.26 Sei nicht unter denen, die sich durch Handschlag verpflichten, die Bürgschaft leisten für Schulden;27 wenn du nicht zahlen kannst, nimmt man dein Bett unter dir weg.28 Verschieb nicht die alte Grenze, die deine Väter gesetzt haben.29 Siehst du einen, der gewandt ist in seinem Beruf: vor Königen wird er dienen.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 23

1 Wenn du zu Tisch sitzt bei einem Herrscher, so achte nur auf das, was vor dir steht.2 Setz ein Messer an deine Kehle, wenn du ein gieriger Mensch bist.3 Sei nicht begierig auf seine Leckerbissen; sie sind eine trügerische Speise.4 Müh dich nicht ab, um Reichtum zu erwerben und dabei deine Einsicht aufzugeben.5 Flüchtig ist er; schaust du nach ihm, ist er weg; plötzlich macht er sich Flügel und fliegt wie ein Adler zum Himmel.6 Iß nicht das Brot des Geizigen, sei nicht begierig auf seine Leckerbissen!7 Denn sie schmecken in der Kehle wie etwas Ekliges. Er sagt zu dir: Iß und trink!, doch sein Herz ist dir nicht zugetan.8 Den Bissen, den du gegessen hast, mußt du erbrechen, und deine freundlichen Worte hast du vergeudet.9 Rede nicht vor den Ohren eines Törichten; denn er mißachtet deine klugen Worte.10 Verschieb nicht die alte Grenze, dring nicht in die Felder der Waisen vor!11 Denn ihr Anwalt ist mächtig, er wird ihre Sache gegen dich führen.12 Öffne dein Herz für die Zucht, dein Ohr für verständige Reden!13 Erspar dem Knaben die Züchtigung nicht; wenn du ihn schlägst mit dem Stock, wird er nicht sterben.14 Du schlägst ihn mit dem Stock, bewahrst aber sein Leben vor der Unterwelt.15 Mein Sohn, wenn dein Herz weise ist, so freut sich auch mein eigenes Herz.16 Mein Inneres ist voll Jubel, wenn deine Lippen reden, was recht ist.17 Dein Herz ereifere sich nicht wegen der Sünder, sondern eifere stets nach Gottesfurcht!18 Denn sicher gibt es eine Zukunft, deine Hoffnung wird nicht zerschlagen.19 Höre, mein Sohn, und sei weise, lenk dein Herz auf geraden Weg!20 Gesell dich nicht zu den Weinsäufern, zu solchen, die im Fleischgenuß schlemmen;21 denn Säufer und Schlemmer werden arm, Schläfrigkeit kleidet in Lumpen.22 Hör auf deinen Vater, der dich gezeugt hat, verachte deine Mutter nicht, wenn sie alt wird.23 Erwirb dir Wahrheit, und verkauf sie nicht mehr: Weisheit, Zucht und Einsicht!24 Laut jubelt der Vater des Gerechten; wer einen weisen Sohn hat, kann sich über ihn freuen.25 Deine Eltern mögen sich freuen; jubeln möge die Mutter, die dich gebar.26 Gib mir dein Herz, mein Sohn, deine Augen mögen an meinen Wegen Gefallen finden;27 denn die Ehebrecherin ist eine tiefe Grube, die fremde Frau ein enger Brunnen.28 Ja, wie ein Räuber lauert sie auf und mehrt die Verräter unter den Menschen.29 Wer hat Ach? Wer hat Weh? Wer Gezänk? Wer Klage? Wer hat Wunden wegen nichts? Wer trübe Augen?30 Jene, die bis in die Nacht beim Wein sitzen, die kommen, um den Mischwein zu probieren.31 Schau nicht nach dem Wein, wie er rötlich schimmert, wie er funkelt im Becher: Er trinkt sich so leicht!32 Zuletzt beißt er wie eine Schlange, verspritzt Gift gleich einer Viper.33 Deine Augen sehen seltsame Dinge, dein Herz redet wirres Zeug.34 Du bist wie einer, der auf hoher See schläft, der einschläft über dem Steuer des Schiffes.35 Man hat mich geschlagen, doch es tat mir nicht weh, man hat mich gehauen, aber ich habe nichts gespürt. Wann wache ich auf? Von neuem will ich zum Wein greifen.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 24

1 Sei nicht neidisch auf böse Menschen, such keinen Umgang mit ihnen!2 Denn ihr Herz sinnt auf Gewalttat, Unheil reden ihre Lippen.3 Durch Weisheit wird ein Haus gebaut, durch Umsicht gewinnt es Bestand.4 Durch Klugheit werden die Kammern gefüllt mit allerlei wertvollen, köstlichen Gütern.5 Der Weise ist dem Starken überlegen, ein verständiger Mensch dem robusten.6 Denn durch Überlegung gewinnst du den Kampf, viele Ratgeber verhelfen zum Sieg.7 Zu hoch hängt dem Toren die Weisheit, am Tor tut er den Mund nicht auf.8 Wer stets darauf aus ist, Böses zu tun, den nennt man einen Ränkeschmied.9 Das Trachten des Toren ist Sünde, der Zuchtlose ist den Menschen ein Greuel.10 Zeigst du dich lässig am Tag der Bedrängnis, so wird auch deine Kraft bedrängt.11 Befrei jene, die man zum Tod schleppt; die zur Hinrichtung wanken, rette sie doch!12 Wolltest du sagen: Gott weiß von uns nichts; - hat er, der die Herzen prüft, keine Kenntnis? Hat er, der über dich wacht, kein Wissen? Ja, er vergilt jedem Menschen, wie sein Tun es verdient.13 Iß Honig, mein Sohn, denn er ist gut, Wabenhonig ist süß für den Gaumen.14 Wisse: Genauso ist die Weisheit für dich. Findest du sie, dann gibt es eine Zukunft, deine Hoffnung wird nicht zerschlagen.15 Belaure nicht frevlerisch die Wohnung des Gerechten, zerstöre sein Ruhelager nicht!16 Denn siebenmal fällt der Gerechte und steht wieder auf, doch die Frevler stürzen ins Unglück.17 Freu dich nicht über den Sturz deines Feindes, dein Herz juble nicht, wenn er strauchelt,18 damit nicht der Herr es sieht und mißbilligt und seinen Zorn von ihm abwendet.19 Erhitz dich nicht wegen der Übeltäter, ereifere dich nicht wegen der Frevler!20 Denn für den Bösen gibt es keine Zukunft, die Lampe der Frevler erlischt.21 Fürchte den Herrn, mein Sohn, und den König; mit diesen beiden überwirf dich nicht!22 Denn plötzlich geht von ihnen Verderben aus, und unvermutet kommt Unheil von beiden.23 Auch folgende Sprichwörter stammen von Weisen: Im Gericht auf die Person sehen ist nicht recht.24 Wer zum Schuldigen sagt: Unschuldig bist du!, den verfluchen die Menschen, verwünschen die Leute.25 Denen aber, die entscheiden, wie es recht ist, geht es gut; über sie kommt Segen und Glück.26 Einen Kuß auf die Lippen gibt, wer richtig antwortet.27 Nimm draußen deine Arbeit auf und bestell dein Feld, danach gründe deinen Hausstand!28 Tritt gegen deinen Nächsten nicht als falscher Zeuge auf, betrüge nicht mit deinen Worten!29 Sag nicht: Wie er mir getan hat, so will ich auch ihm tun, einem jedem will ich vergelten, wie es seine Taten verdienen.30 Am Acker eines Faulen ging ich vorüber, am Weinberg eines unverständigen Menschen:31 Sieh da, er war ganz überwuchert von Disteln, seine Fläche mit Unkraut bedeckt, seine Steinmauer eingerissen.32 Ich sah es und machte mir meine Gedanken, ich betrachtete es und zog die Lehre daraus:33 Noch ein wenig schlafen, noch ein wenig schlummern, noch ein wenig die Arme verschränken, um auszuruhen.34 Da kommt schon die Armut wie ein Strolch über dich, die Not wie ein zudringlicher Bettler.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 25

1 Auch das sind Sprichwörter Salomos, die die Männer Hiskijas, des Königs von Juda, sammelten.2 Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verhüllen, des Königs Ehre ist es, eine Sache zu erforschen.3 Der Himmel so hoch und die Erde so tief und das Herz des Königs: sie sind nicht zu erforschen.4 Scheidet man die Schlacken vom Silber, gelingt dem Feinschmied das Gefäß.5 Scheidet man den Frevler vom König, erlangt dessen Thron Bestand durch Gerechtigkeit.6 Rühme dich nicht vor dem König, und stell dich nicht an den Platz der Großen;7 denn besser, man sagt zu dir: Rück hier herauf, als daß man dich nach unten setzt wegen eines Vornehmen. Was deine Augen sahen,8 bring es nicht übereilt als Streitfall vor; denn was willst du später tun, wenn dein Nächster dich bloßstellt?9 Trag deinen Streit mit deinem Nächsten aus, doch verrate nicht das Geheimnis eines andern,10 sonst wird dich schmähen, wer es hört, und dein Geschwätz wird auf dich zurückfallen.11 Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen ist ein Wort, gesprochen zur rechten Zeit.12 Wie ein goldener Ring und Schmuck aus Feingold ist ein weiser Mahner für ein Ohr, das zuhört.13 Wie kühlender Schnee an einem Sommertag ist ein verläßlicher Bote für den, der ihn sendet; er erquickt die Seele seines Herrn.14 Aufziehende Wolken mit Wind, doch kein Regen, so ist ein Mann, der Versprechungen macht und nicht hält.15 Mit Geduld wird ein Vorgesetzter umgestimmt, sanfte Zunge bricht Knochen.16 Findest du Honig, iß nur, soviel dir bekommt, sonst wirst du ihn satt und erbrichst ihn.17 Mach dich rar im Haus deines Nächsten, sonst wird er dich satt und verabscheut dich.18 Keule und Schwert und scharfer Pfeil: das ist einer, der falsch aussagt gegen seinen Nächsten.19 Schlechter Zahn und stolpernder Fuß: der Verräter am Tag der Not.20 Essig auf Laugensalz - (so ist,) wer Lieder singt vor einem mißmutigen Herzen. 21 Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken;22 so sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt, und der Herr wird es dir vergelten.23 Der Nordwind bringt Regen, eine heimtückische Zunge zornige Gesichter.24 Besser in einer Ecke des Daches wohnen als eine zänkische Frau im gemeinsamen Haus.25 Kühles Wasser für eine durstige Kehle ist eine gute Nachricht aus fernem Land.26 Ein getrübter Brunnen, ein verschütteter Quell ist ein Gerechter, der vor dem Frevler wankt.27 Zu viel Honig essen ist nicht gut: Ebenso spare mit ehrenden Worten!28 Eine Stadt mit eingerissener Mauer ist ein Mann, der sich nicht beherrscht.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 26

1 Wie Schnee im Sommer und Regen zur Erntezeit, so unpassend ist Ehre für einen Toren.2 Wie der Spatz wegflattert und die Schwalbe davonfliegt, so ist ein unverdienter Fluch; er trifft nicht ein.3 Dem Pferd die Peitsche, dem Esel den Zaum, dem Rücken der Toren den Stock.4 Antworte dem Toren nicht, wie es seine Dummheit verdient, damit nicht auch du ihm gleich wirst.5 Antworte dem Toren, wie es seine Dummheit verdient, damit er sich nicht einbildet, ein Weiser zu sein.6 Die Füße haut sich ab, Schaden muß leiden, wer Botschaft sendet durch einen Toren.7 Schlaff wie die Schenkel des Lahmen ist ein Weisheitsspruch im Mund der Toren.8 Den Stein bindet in der Schleuder fest, wer einem Toren Ehre erweist.9 Ein Dornzweig geriet in die Hand eines Betrunkenen: ein Weisheitsspruch in den Mund der Toren.10 Ein Schütze, der alle verwundet - ein Tor und ein Betrunkener, wenn sie vorübergehen.11 Wie ein Hund, der zurückkehrt zu dem, was er erbrochen hat, so ist ein Tor, der seine Dummheit wiederholt.12 Siehst du jemand, der sich selbst für weise hält - mehr Hoffnung gibt es für den Toren als für ihn.13 Der Faule sagt: Ein Löwe ist auf dem Weg, ein Raubtier ist auf den Straßen.14 Die Tür dreht sich in ihrer Angel und der Faule in seinem Bett.15 Greift der Faule mit der Hand in die Schüssel, ist er zu träg, sie zum Mund zurückzubringen.16 Der Faule hält sich selbst für weiser als sieben, die klug antworten können.17 Einen vorbeilaufenden Hund packt bei den Ohren, wer sich in einen Streit mischt, der ihn nichts angeht.18 Wie ein Verrückter, der Brandpfeile schleudert, Pfeile und tödliche Waffen,19 so ist einer, der seinen Nächsten täuscht und dazu sagt: Ich mach doch nur Spaß.20 Ist kein Holz mehr da, erlischt das Feuer; wo kein Verleumder ist, legt sich der Streit.21 Wie Kohlen die Glut und Holz das Feuer, so schürt ein zänkischer Mensch den Streit.22 Die Worte des Verleumders sind wie Leckerbissen, sie gleiten hinab in die Kammern des Leibes.23 Silberglasur über Tongeschirr - glatte Lippen und ein böses Herz.24 Mit seinen Reden verstellt sich der Gehässige, doch in seinem Herzen ist er voll Tücke.25 Klingt seine Stimme auch freundlich, trau ihm nicht, denn sieben Greuel sind in seinem Herzen.26 Hüllt sich sein Haß auch in Heuchelei, seine Schlechtigkeit wird bloßgestellt in der Volksversammlung.27 Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, wer einen Stein hochwälzt, auf den rollt er zurück.28 Eine verlogene Zunge führt zum Zusammenbruch, ein heuchlerischer Mund verursacht den Sturz.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 27

1 Rühme dich nicht des morgigen Tages, denn du weißt nicht, was der Tag gebiert.2 Rühmen soll dich ein anderer, nicht dein eigener Mund, ein Fremder, nicht deine eigenen Lippen.3 Schwer ist der Stein, und eine Last ist der Sand, doch der Ärger mit einem Toren ist schwerer als beide.4 Mag der Zorn grausam sein und überschäumend die Wut, wer aber besteht vor der Eifersucht?5 Besser offener Tadel als Liebe, die sich nicht zeigt.6 Treu gemeint sind die Schläge eines Freundes, doch trügerisch die Küsse eines Feindes.7 Der Satte tritt Honig mit Füßen, doch dem Hungrigen schmeckt alles Bittere süß.8 Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet, so ist ein Mensch, der aus seiner Heimat fliehen muß.9 Salböl und Weihrauch erfreuen das Herz, die Herzlichkeit eines Freundes erfreut mehr als duftendes Holz.10 Deinen Freund und deines Vaters Freund gib nicht auf, geh nicht in das Haus deines Bruders, wenn du in Not bist. Besser ein Nachbar in der Nähe als ein Bruder in der Ferne.11 Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, damit ich dem antworten kann, der mich beschimpft.12 Der Kluge sieht das Unheil und verbirgt sich, die Unerfahrenen laufen weiter und müssen es büßen.13 Nimm ihm das Kleid; denn er hat für einen andern gebürgt, fremder Leute wegen pfände bei ihm!14 Wer seinen Nächsten zu laut begrüßt, dem wird es frühmorgens als Verwünschung ausgelegt.15 Ein ständig tropfendes Dach in der Regenzeit und eine zänkische Frau gleichen einander.16 Wer sie festhält, hält den Wind fest, und seine Hand greift nach Öl.17 Eisen wird an Eisen geschliffen; so schleift einer den Charakter des andern.18 Wer einen Feigenbaum pflegt, wird seine Frucht essen, wer auf seinen Herrn achtgibt, wird geehrt.19 Wie Wasser ein Spiegel ist für das Gesicht, so ist das Herz des Menschen ein Spiegel für den Menschen.20 Unterwelt und Totenreich sind unersättlich, und unersättlich sind die Augen des Menschen.21 Der Schmelztiegel prüft das Silber, der Ofen das Gold, der Mensch aber wird geprüft im Urteil dessen, der ihn lobt.22 Zerstampfst du den Toren auch mit dem Stößel, seine Torheit weicht nicht von ihm.23 Kümmere dich um das Aussehen deiner Schafe, und sorge für deine Herden;24 denn Besitz bleibt nicht für ewig und Reichtum nicht für alle Zeit.25 Kommt das Gras hervor, erscheint das Grün, sammelt man die Kräuter auf den Bergen,26 dann gibt es Lämmer für deine Kleidung, Böcke als Kaufpreis für Äcker27 und genug Ziegenmilch für dich als Nahrung, als Nahrung für dein Haus.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 28

1 Der Frevler flieht, auch wenn ihn keiner verfolgt, der Gerechte fühlt sich sicher wie ein Löwe.2 Durch seine Frevel bekommt ein Land viele Herrscher, durch einen verständigen, einsichtsvollen Mann erhält die Ordnung Bestand.3 Ein Vornehmer, der die Armen unterdrückt, ist wie Regen, der alles wegschwemmt und kein Brot bringt.4 Wer die Lehre preisgibt, rühmt den Frevler, wer die Lehre beachtet, bekämpft ihn.5 Böse Menschen verstehen nicht, was recht ist, die aber, die den Herrn suchen, verstehen alles.6 Besser ein Armer, der schuldlos seinen Weg geht, als ein Reicher, der krumme Wege geht.7 Wer sich an die Lehre hält, ist ein verständiger Sohn, wer mit Verschwendern umgeht, macht seinem Vater Schande.8 Wer sein Vermögen durch Zins und Aufschlag vermehrt, sammelt für den, der Erbarmen hat mit den Armen.9 Wendet einer sein Ohr ab, um die Lehre nicht zu hören, dann ist sogar sein Gebet ein Greuel.10 Wer Rechtschaffene irreführt auf einen bösen Weg, der fällt in seine eigene Grube; die Schuldlosen aber erlangen Gutes.11 Der Reiche hält sich selbst für klug, doch ein verständiger Armer durchschaut ihn.12 Haben Gerechte die Oberhand, gibt es glanzvolle Zeiten, erheben sich die Frevler, verstecken sich die Menschen.13 Wer seine Sünden verheimlicht, hat kein Glück, wer sie bekennt und meidet, findet Erbarmen.14 Wohl dem Menschen, der stets Gott fürchtet; wer aber sein Herz verhärtet, fällt ins Unglück.15 Ein grollender Löwe, ein gieriger Bär - ein frevelhafter Herrscher über ein schwaches Volk.16 Mancher Fürst ist klein an Verstand und groß als Unterdrücker; wer Ausbeutung haßt, hat ein langes Leben.17 Ein Mensch, auf dem Blutschuld lastet, ist flüchtig bis zum Grab; man halte ihn nicht.18 Wer schuldlos seinen Weg geht, dem wird geholfen, wer krumme Wege geht, fällt in die Grube.19 Wer sein Feld bestellt, wird satt von Brot, wer nichtigen Dingen nachjagt, wird satt von Armut.20 Ein ehrlicher Mensch erntet vielfachen Segen, wer aber hastet, um sich zu bereichern, bleibt nicht ungestraft.21 Auf die Person sehen ist nicht recht, für einen Bissen Brot wird mancher zum Verbrecher.22 Nach Reichtum giert ein neidischer Mensch und bedenkt nicht, daß Mangel über ihn kommen wird.23 Wer einen andern zurechtweist, findet schließlich Dank, mehr als der Schmeichler.24 Wer Vater oder Mutter beraubt und meint, er tue kein Unrecht, macht sich zum Genossen des Mörders.25 Der Habgierige erregt Streit, wer auf den Herrn vertraut, wird reichlich gelabt.26 Wer auf seinen eigenen Verstand vertraut, ist ein Tor, wer in Weisheit seinen Weg geht, wird gerettet.27 Wer dem Armen gibt, hat keinen Mangel, wer seine Augen verschließt, wird viel verflucht.28 Erheben sich die Frevler, dann verbergen sich die Menschen, gehen sie zugrunde, dann kommen die Gerechten an die Macht.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 29

1 Wer bei Tadel halsstarrig bleibt, wird plötzlich zerschmettert, und es gibt keine Heilung.2 Kommen die Gerechten an die Macht, dann freut sich das Volk, herrscht der Frevler, dann stöhnt das Volk.3 Wer Weisheit liebt, erfreut seinen Vater; wer mit Dirnen verkehrt, verschleudert das Vermögen.4 Ein König richtet das Land auf durch Pflege des Rechts, wer Abgaben erpreßt, zerstört es.5 Wer seinem Nächsten schmeichelt, breitet ihm ein Netz vor die Füße.6 In Sünde verstrickt sich der Böse, doch der Gerechte jubelt und freut sich.7 Der Gerechte hat Verständnis für den Rechtsstreit der Armen, der Frevler aber kennt kein Verständnis.8 Hetzer bringen eine Stadt in Aufruhr, Weise beschwichtigen die Erregung.9 Rechtet ein Weiser mit einem Toren, tobt dieser und lacht und gibt keine Ruhe.10 Mörder hassen den Schuldlosen, Rechtschaffene bemühen sich um sein Leben.11 Ein Tor läßt seiner ganzen Erregung freien Lauf, aber ein Weiser hält sie zurück.12 Achtet ein Herrscher auf Lügen, werden alle seine Beamten zu Schurken.13 Der Arme und der Ausbeuter begegnen einander, der Herr gibt beiden das Augenlicht.14 Spricht ein König den Geringen zuverlässig Recht, hat sein Thron für immer Bestand.15 Rute und Rüge verleihen Weisheit, ein zügelloser Knabe macht seiner Mutter Schande.16 Herrschen die Frevler, dann herrscht die Sünde, doch die Gerechten erleben ihren Sturz.17 Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Verdruß ersparen und deinem Herzen Freude machen.18 Ohne prophetische Offenbarung verwildert das Volk; wohl ihm, wenn es die Lehre bewahrt.19 Durch Worte wird kein Sklave gebessert, er versteht sie wohl, aber kehrt sich nicht daran.20 Siehst du einen, der eilfertig ist im Reden, mehr Hoffnung gibt es für den Toren als für ihn.21 Ein Sklave, verwöhnt von Jugend an, wird am Ende widerspenstig.22 Ein aufbrausender Mensch erregt Streit, ein Jähzorniger begeht viele Sünden.23 Hochmut erniedrigt den Menschen, doch der Demütige kommt zu Ehren.24 Wer mit dem Dieb teilt, haßt sich selbst, er hört die Verfluchung, doch er macht keine Anzeige.25 Die Angst des Menschen führt ihn in die Falle; wer auf den Herrn vertraut, ist gesichert.26 Viele suchen die Gunst des Herrschers, aber das Recht kommt für alle vom Herrn.27 Der Übeltäter ist den Gerechten ein Greuel. Der Rechtschaffene ist für den Frevler ein Greuel.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 30

1 Worte Agurs, des Sohnes des Jake aus Massa. Spruch des Mannes Laïtiël: Ich mühte mich ab mit Gott und bin am Ende.2 Denn ich bin zu dumm für einen Menschen, ich habe keinen Menschenverstand,3 ich habe keine Weisheit gelernt und keine Kenntnis des Heiligen erlangt.4 Wer stieg zum Himmel hinauf und kam wieder herab? Wer sammelte den Wind in seine Fäuste? Wer band das Wasser in ein Gewand? Wer setzte fest alle Enden der Erde? Wie ist sein Name und wie der Name seines Sohnes, wenn du es weißt?5 Jede Rede Gottes ist im Feuer geläutert; ein Schild ist er für alle, die bei ihm sich bergen.6 Füg seinen Worten nichts hinzu, sonst überführt er dich, und du stehst als Lügner da.7 Um zweierlei bitte ich dich, versag es mir nicht, bevor ich sterbe:8 Falschheit und Lügenwort halt fern von mir; gib mir weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist,9 damit ich nicht, satt geworden, dich verleugne und sage: Wer ist denn der Herr?, damit ich nicht als Armer zum Dieb werde und mich am Namen meines Gottes vergreife.10 Verleumde nicht den Knecht bei seinem Herrn, sonst verflucht er dich, und du mußt es büßen.11 Ein Geschlecht, das seinem Vater flucht und seine Mutter nicht segnet;12 ein Geschlecht, das rein ist in den eigenen Augen, doch nicht gewaschen von seinem Schmutz;13 ein Geschlecht - wie überheblich sind seine Augen und wie hochmütig seine Wimpern;14 ein Geschlecht, dessen Zähne Schwerter und dessen Gebiß Messer sind, um die Notleidenden aus dem Land wegzufressen und die Armen weg aus der Menschheit.15 Der Blutegel hat zwei Töchter: Gib! - Gib!16 Drei sind es, die nie satt werden, vier sagen nie: Genug: Die Unterwelt und der unfruchtbare Mutterschoß, die Erde, die nicht satt wird an Wasser, und das Feuer, das nie sagt: Genug!17 Ein Auge, das den Vater verspottet und die alte Mutter verachtet, das hacken die Raben am Bach aus, die jungen Adler fressen es auf.18 Drei Dinge sind mir unbegreiflich, vier vermag ich nicht zu fassen:19 den Weg des Adlers am Himmel, den Weg der Schlange über den Felsen, den Weg des Schiffes auf hoher See, den Weg des Mannes bei der jungen Frau.20 So benimmt sich die ehebrecherische Frau: Sie ißt, wischt sich den Mund und sagt: Ich habe nichts Böses getan.21 Unter dreien erzittert das Land, unter vieren wird es ihm unerträglich:22 unter einem Sklaven, wenn er König wird, und einem Toren, wenn er Brot im Überfluß hat,23 unter einer Verschmähten, wenn sie geheiratet wird, und einer Sklavin, wenn sie ihre Herrin verdrängt.24 Vier sind die Kleinsten auf Erden und sind doch die Allerklügsten:25 Die Ameisen sind kein starkes Volk und besorgen sich doch im Sommer ihr Futter;26 Klippdachse sind ein Volk ohne Macht, und doch bauen sie ihre Wohnung im Fels;27 die Heuschrecken haben keinen König, und doch schwärmen sie alle geordnet aus;28 Eidechsen fängst du mit der Hand, und doch wohnen sie in Königspalästen.29 Drei sind es, die stolz einherschreiten, vier haben einen stolzen Gang:30 der Löwe, der Held unter den Tieren, der vor keinem umkehrt;31 der Hahn, der einherstolziert, und der Leitbock und der König, wenn er vor seinem Volk auftritt wie ein Gott.32 Wenn du dich stolz erhoben und dabei blamiert hast oder wenn du nachdenkst - so leg die Hand auf den Mund!33 Denn stößt man Milch, so gibt es Butter, stößt man die Nase, so gibt es Blut, stößt man den Zorn, so gibt es Streit.

Das Buch der Sprichwörter Kapitel 31

1 Worte an Lemuël, den König von Massa, mit denen ihn seine Mutter ermahnt hat:2 Was soll ich dir sagen, Lemuël, mein Erstgeborener, du Sohn meines Schoßes, was, du Sohn meiner Gelübde?3 Gib deine Kraft nicht den Frauen hin, dein Tun und Treiben nicht denen, die Könige verderben.4 Könige sollen sich nicht, Lemuël, Könige sollen sich nicht mit Wein betrinken, Fürsten nicht berauschenden Trank begehren.5 Er könnte beim Trinken seine Pflicht vergessen und das Recht aller Notleidenden verdrehen.6 Gebt berauschenden Trank dem, der zusammenbricht, und Wein denen, die im Herzen verbittert sind.7 Ein solcher möge trinken und seine Armut vergessen und nicht mehr an seine Mühsal denken.8 Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!9 Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaff dem Bedürftigen und Armen Recht!10 Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert.11 Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und es fehlt ihm nicht an Gewinn.12 Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens.13 Sie sorgt für Wolle und Flachs und schafft mit emsigen Händen.14 Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns: Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung.15 Noch bei Nacht steht sie auf, um ihrem Haus Speise zu geben .16 Sie überlegt es und kauft einen Acker, vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg.17 Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft und macht ihre Arme stark.18 Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit, auch des Nachts erlischt ihre Lampe nicht.19 Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel.20 Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht ihre Hände dem Armen.21 Ihr bangt nicht für ihr Haus vor dem Schnee; denn ihr ganzes Haus hat wollene Kleider.22 Sie hat sich Decken gefertigt, Leinen und Purpur sind ihr Gewand.23 Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet, wenn er zu Rat sitzt mit den Ältesten des Landes.24 Sie webt Tücher und verkauft sie, Gürtel liefert sie dem Händler.25 Kraft und Würde sind ihr Gewand, sie spottet der drohenden Zukunft.26 Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug, und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge.27 Sie achtet auf das, was vorgeht im Haus, und ißt nicht träge ihr Brot.28 Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie:29 Viele Frauen erwiesen sich tüchtig, doch du übertriffst sie alle.30 Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob.31 Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, ihre Werke soll man am Stadttor loben.

Das Buch Kohelet

Das Buch Kohelet Kapitel 1

1 Worte Kohelets, des Davidsohnes, der König in Jerusalem war.2 Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.3 Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne?4 Eine Generation geht, eine andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit.5 Die Sonne, die aufging und wieder unterging, atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht.6 Er weht nach Süden, dreht nach Norden, dreht, dreht, weht, der Wind. Weil er sich immerzu dreht, kehrt er zurück, der Wind.7 Alle Flüsse fließen ins Meer, das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, kehren sie zurück, um wieder zu entspringen.8 Alle Dinge sind rastlos tätig, kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, nie wird ein Ohr vom Hören voll.9 Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne.10 Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues - aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.11 Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren, und auch an die Späteren, die erst kommen werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben bei denen, die noch später kommen werden.12 Ich, Kohelet, war in Jerusalem König über Israel.13 Ich hatte mir vorgenommen, das Wissen daraufhin zu untersuchen und zu erforschen, ob nicht alles, was unter dem Himmel getan wurde, ein schlechtes Geschäft war, für das die einzelnen Menschen durch Gottes Auftrag sich abgemüht haben.14 Ich beobachtete alle Taten, die unter der Sonne getan wurden. Das Ergebnis: Das ist alles Windhauch und Luftgespinst.15 Was krumm ist, kann man nicht gerade biegen; was nicht da ist, kann man nicht zählen.16 Ich überlegte mir folgendes: Ich habe mein Wissen immerzu vergrößert, so daß ich jetzt darin jeden übertreffe, der vor mir über Jerusalem geherrscht hat. Oft konnte ich Wissen und Können beobachten.17 So habe ich mir vorgenommen zu erkennen, was Wissen wirklich ist, und zu erkennnen, was Verblendung und Unwissen wirklich sind. Ich erkannte, daß auch dies ein Luftgespinst ist.18 Denn: Viel Wissen, viel Ärger, wer das Können mehrt, der mehrt die Sorge.

Das Buch Kohelet Kapitel 2

1 Ich dachte mir: Auf, versuch es mit der Freude, genieß das Glück! Das Ergebnis: Auch das ist Windhauch.2 Über das Lachen sagte ich: Wie verblendet!, über die Freude: Was bringt sie schon ein?3 Ich trieb meine Forschung an mir selbst, indem ich meinen Leib mit Wein lockte, während mein Verstand das Wissen auf die Weide führte, und indem ich das Unwissen gefangennahm. Ich wollte dabei beobachten, wo es vielleicht für die einzelnen Menschen möglich ist, sich unter dem Himmel Glück zu verschaffen während der wenigen Tage ihres Lebens.4 Ich vollbrachte meine großen Taten: Ich baute mir Häuser, ich pflanzte Weinberge.5 Ich legte mir Gärten und Parks an, darin pflanzte ich alle Arten von Bäumen.6 Ich legte Wasserbecken an, um aus ihnen den sprossenden Baumbestand zu bewässern.7 Ich kaufte Sklaven und Sklavinnen, obwohl ich schon hausgeborene Sklaven besaß. Auch Vieh besaß ich in großer Zahl, Rinder, Schafe, Ziegen, mehr als alle meine Vorgänger in Jerusalem.8 Ich hortete auch Silber und Gold und, als meinen persönlichen Schatz, Könige und ihre Provinzen. Ich besorgte mir Sänger und Sängerinnen und die Lust jedes Menschen: einen großen Harem.9 Ich war schon groß gewesen, doch ich gewann noch mehr hinzu, so daß ich alle meine Vorgänger in Jerusalem übertraf. Und noch mehr: Mein Wissen stand mir zur Verfügung,10 und was immer meine Augen sich wünschten, verwehrte ich ihnen nicht. Ich mußte meinem Herzen keine einzige Freude versagen. Denn mein Herz konnte immer durch meinen ganzen Besitz Freude gewinnen. Und das war mein Anteil, den ich durch meinen ganzen Besitz gewinnen konnte.11 Doch dann dachte ich nach über alle meine Taten, die, die meine Hände vollbracht hatten, und über den Besitz, für den ich mich bei diesem Tun angestrengt hatte. Das Ergebnis: Das ist alles Windhauch und Luftgespinst. Es gibt keinen Vorteil unter der Sonne.12 Ich dachte nach, indem ich beobachtete, was Wissen wirklich ist und was Verblendung und Unwissen wirklich sind. Außerdem: Was für ein Mann wird auf den König folgen, den sie einst eingesetzt haben?13 Ich beobachtete: Es gibt einen Vorteil, den das Wissen bietet, aber nicht das Unwissen, wie es einen Vorteil gibt, den das Licht bietet, aber nicht die Dunkelheit:14 Der Gebildete hat Augen im Kopf, der Ungebildete tappt im Dunkeln. Aber ich erkannte auch: Beide trifft ein und dasselbe Geschick.15 Da dachte ich mir: Was den Ungebildeten trifft, trifft also auch mich. Warum bin ich dann über die Maßen gebildet? Und ich überlegte mir, daß auch das Windhauch ist.16 Denn an den Gebildeten gibt es ebensowenig wie an den Ungebildeten eine Erinnerung, die ewig währt, weil man schon in den Tagen, die bald kommen, beide vergessen wird. Wie ist es möglich, daß der Gebildete ebenso sterben muß wie der Ungebildete?17 Da verdroß mich das Leben. Denn das Tun, das unter der Sonne getan wurde, lastete auf mir als etwas Schlimmes. Denn es ist alles Windhauch und Luftgespinst.18 Mich verdroß auch mein ganzer Besitz, für den ich mich unter der Sonne anstrenge und den ich dem Menschen lassen muß, der nach mir kommt.19 Wer weiß, ob er ein Wissender ist oder ein Unwissender? Jedenfalls wird er über meinen ganzen Besitz verfügen, für den ich mich unter der Sonne angestrengt und mein Wissen eingesetzt habe. Auch das ist Windhauch.20 Ich stellte mich um und überließ mich der Verzweiflung über meinen ganzen Besitz, für den ich mich unter der Sonne angestrengt hatte.21 Denn es kommt vor, daß ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muß. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt.22 Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?23 Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger, und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch.24 Nicht im Menschen selbst gründet das Glück, daß er essen und trinken und durch seinen Besitz das Glück selbst kennenlernen kann. Ich habe vielmehr beobachtet, daß dies von Gottes Verfügung abhängt.25 Denn wer hat zu essen, wer weiß zu genießen, wenn nicht ich?26 Aber es gibt Menschen, denen Gott wohlwill. Es sind die, denen er Wissen, Können und Freude geschenkt hat. Und es gibt Menschen, deren Leben verfehlt ist. Es sind diejenigen, die er mit dem Geschäft beauftragt hat, zu sammeln und zu horten und dann alles denen zu geben, denen er wohlwill. Auch das ist Windhauch und Luftgespinst.

Das Buch Kohelet Kapitel 3

1 Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:2 eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,3 eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,4 eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;5 eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,6 eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,7 eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,8 eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.9 Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, daß er sich anstrengt?10 Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht.11 Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne daß der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.12 Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich, und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt,13 wobei zugleich immer, wenn ein Mensch ißt und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennenlernt, das ein Geschenk Gottes ist.14 Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden, und Gott hat bewirkt, daß die Menschen ihn fürchten.15 Was auch immer geschehen ist, war schon vorher da, und was geschehen soll, ist schon geschehen, und Gott wird das Verjagte wieder suchen.16 Noch etwas habe ich beobachtet unter der Sonne: An der Stätte, wo man Urteil spricht, geschieht Unrecht; an der Stätte, wo man gerechtes Urteil sprechen sollte, geschieht Unrecht.17 Da dachte ich mir: Gott ist es, der den Unschuldigen wie den Schuldigen verurteilt. Denn eine bestimmte Zeit für jedes Geschehen und für jedes Tun gibt es (auch) dort.18 Was die einzelnen Menschen angeht, dachte ich mir, daß Gott sie herausgegriffen hat und daß sie selbst (daraus) erkennen müssen, daß sie eigentlich Tiere sind.19 Denn jeder Mensch unterliegt dem Geschick, und auch die Tiere unterliegen dem Geschick. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es da nicht. Beide sind Windhauch.20 Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub entstanden, beide kehren zum Staub zurück.21 Wer weiß, ob der Atem der einzelnen Menschen wirklich nach oben steigt, während der Atem der Tiere ins Erdreich hinabsinkt?22 So habe ich eingesehen: Es gibt kein Glück, es sei denn, der Mensch kann durch sein Tun Freude gewinnen. Das ist sein Anteil. Wer könnte es ihm ermöglichen, etwas zu genießen, das erst nach ihm sein wird?

Das Buch Kohelet Kapitel 4

1 Dann wieder habe ich alles beobachtet, was unter der Sonne getan wird, um Menschen auszubeuten. Sieh, die Ausgebeuteten weinen, und niemand tröstet sie; von der Hand ihrer Ausbeuter geht Gewalt aus, und niemand tröstet sie.2 Da preise ich immer wieder die Toten, die schon gestorben sind, und nicht die Lebenden, die noch leben müssen.3 Glücklicher aber als beide preise ich den, der noch nicht geworden ist, der noch nicht das schlimme Tun gesehen hat, das unter der Sonne getan wird.4 Denn ich beobachtete: Jede Arbeit und jedes erfolgreiche Tun bedeutet Konkurrenzkampf zwischen den Menschen. Auch das ist Windhauch und Luftgespinst.5 Der Ungebildete legt die Hände in den Schoß und hat doch sein Fleisch zum Essen.6 Besser eine Handvoll und Ruhe, als beide Hände voll und Arbeit und Luftgespinst.7 Und wieder habe ich etwas unter der Sonne beobachtet, das Windhauch ist.8 Es kommt vor, daß jemand allein steht und niemanden bei sich hat. Ja, er besitzt nicht einmal einen Sohn oder Bruder. Aber sein Besitz ist ohne Grenzen, und überdies kann sein Auge vom Reichtum nicht genug bekommen. Doch für wen strenge ich mich dann an, und warum gönne ich mir kein Glück? Auch das ist Windhauch und ein schlechtes Geschäft.9 Zwei sind besser als einer allein, falls sie nur reichen Ertrag aus ihrem Besitz ziehen.10 Denn wenn sie hinfallen, richtet einer den anderen auf. Doch wehe dem, der allein ist, wenn er hinfällt, ohne daß einer bei ihm ist, der ihn aufrichtet.11 Außerdem: Wenn zwei zusammen schlafen, wärmt einer den andern; einer allein - wie soll er warm werden?12 Und wenn jemand einen einzelnen auch überwältigt, zwei sind ihm gewachsen, und eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell.13 Besser ein junger Mann, der niedriger Herkunft, aber gebildet ist, als ein König, der alt, aber ungebildet ist - weil er es nicht mehr verstand, auf Ratschläge zu hören.14 Der junge Mann wurde aus dem Gefängnis befreit und wurde König, obwohl er, während der andere schon regierte, arm zur Welt gekommen war.15 Aber ich habe beobachtet, daß alle Lebenden, die unter der Sonne umherlaufen, sich auf die Seite des nächsten jungen Mannes stellten, der statt seiner hochkommt.16 Die Volksmenge nimmt kein Ende, gleichgültig, wer an ihre Spitze getreten ist. Im übrigen werden die Späteren auch mit ihm nicht zufrieden sein. Denn auch das ist Windhauch und Luftgespinst.17 Zügle deinen Schritt, wenn du zum Gotteshaus gehst. Tritt ein, um zuzuhören, und nicht, wie die Ungebildeten, um Opfer abzugeben. Sie verstehen nicht einmal, Böses zu tun.

Das Buch Kohelet Kapitel 5

1 Sei nicht zu schnell mit dem Mund, ja selbst innerlich fiebere nicht, vor Gott das Wort zu ergreifen. Gott ist im Himmel, du bist auf der Erde, also mach wenig Worte!2 Im Traum schließt man viele Geschäfte ab, der Ungebildete macht viele Worte.3 Wenn du Gott ein Gelübde machst, dann zögere nicht, es zu erfüllen. Die Ungebildeten gefallen Gott nicht: Was du gelobst, erfülle!4 Es ist besser, wenn du nichts gelobst, als wenn du etwas gelobst und nicht erfüllst.5 Laß nicht zu, daß dein Mund dein Fleisch in Sünde stürzt. Erkläre nie vor dem Boten: Es war ein Versehen. Warum soll Gott zürnen über das, was du redest, und vernichten, was deine Hände tun?6 Vielmehr, wo Träume sich mehren und Windhauch und viele Worte, da fürchte du Gott!7 Wenn du beobachtest, daß in der Provinz die Armen ausgebeutet und Gericht und Gerechtigkeit nicht gewährt werden, dann wundere dich nicht über solche Vorgänge: Ein Mächtiger deckt den andern, hinter beiden stehen noch Mächtigere,8 und es ist auf jeden Fall ein Vorteil für das Land, wenn das bebaute Feld einem König untersteht.9 Wer das Geld liebt, bekommt vom Geld nie genug; wer den Luxus liebt, hat nie genug Einnahmen - auch das ist Windhauch.10 Mehrt sich das Vermögen, so mehren sich auch die, die es verzehren. Was für ein Erfolg bleibt dem Besitzer? Seine Augen dürfen zusehen.11 Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig oder viel zu essen hat. Dem Reichen raubt sein voller Bauch die Ruhe des Schlafs.12 Es gibt etwas Schlimmes, etwas wie eine Krankheit, das ich unter der Sonne beobachtet habe: wenn Reichtum, der für seinen Besitzer ängstlich gehütet wurde, diesem Schlimmes brachte.13 Durch ein schlechtes Geschäft ging ihm dieser Reichtum verloren. Er hatte einen Sohn gezeugt, aber jetzt hat er nichts mehr, das ihm gehört.14 Wie er aus dem Leib seiner Mutter herausgekommen ist - nackt, wie er kam, muß er wieder gehen. Von seinem Besitz darf er überhaupt nichts forttragen, nichts, das er als ihm gehörig mitnehmen könnte.15 So ist auch dies etwas Schlimmes, etwas wie eine Krankheit. Genau wie er kam, muß er gehen. Welchen Vorteil bringt es ihm, daß er sich anstrengt für den Wind?16 Auch wird er während seines ganzen restlichen Lebens sein Essen im Dunkeln einnehmen; er wird sich häufig ärgern, und Krankheit und Unmut werden ihn plagen.17 Dies ist etwas, was ich eingesehen habe: Das vollkommene Glück besteht darin, daß jemand ißt und trinkt und das Glück kennenlernt durch seinen eigenen Besitz, für den er sich unter der Sonne anstrengt während der wenigen Tage seines Lebens, die Gott ihm geschenkt hat. Denn das ist sein Anteil.18 Außerdem: Immer wenn Gott einem Menschen Reichtum und Wohlstand geschenkt und ihn ermächtigt hat, davon zu essen und seinen Anteil fortzutragen und durch seinen Besitz Freude zu gewinnen, besteht das eigentliche Geschenk Gottes darin,19 daß dieser Mensch sich nicht so oft daran erinnern muß, wie wenige Tage sein Leben zählt, weil Gott ihn sich um die Freude seines Herzens bemühen läßt.

Das Buch Kohelet Kapitel 6

1 Doch es gibt etwas Schlimmes, das ich unter der Sonne beobachtet habe; es lastet häufig auf dem Menschen:2 Gott schenkt einem Menschen so viel Reichtum, Wohlstand und Geltung, daß ihm nichts fehlt von allem, was er sich wünschen könnte; aber Gott ermächtigt ihn nicht, davon zu essen, sondern ein Fremder ißt es auf. Das ist Windhauch und eine schlimme Krankheit.3 Wenn ein Mann hundert Söhne zeugt und viele Jahre lebt, so daß seine Lebenszeit wirklich lang ist, wenn er sich selbst aber seines Vermögens doch nicht bedienen kann, um sich satt zu essen, auch wenn niemals ein Grab auf ihn warten würde - ich sage: Eine Fehlgeburt hat es besser als er.4 Denn: Als Windhauch kam sie, ins Dunkel geht sie, in Dunkel bleibt ihr Name gehüllt.5 Sie hat auch die Sonne nicht gesehen und nicht gekannt. So hat sie Ruhe, er nicht.6 Und wenn er zweimal tausend Jahre lebte, aber das Glück nicht kennenlernte: Gehen nicht beide zu ein und demselben Ort?7 Alles Arbeiten des Menschen ist für den Rachen des Totenreichs, und dessen Schlund wird niemals voll.8 Denn was hat der Gebildete dem Ungebildeten voraus, was nutzt es dem Armen, auch wenn er etwas kann, noch unter den Lebenden zu weilen?9 Besser, etwas vor Augen zu haben, als ein hungriger Rachen. Aber auch das ist Windhauch und Luftgespinst.10 Was auch immer jemand war, er hat vorher schon seinen Namen bekommen; es war erkannt, daß er nur ein Mensch sein wird, und er kann nicht mit dem streiten, der mächtiger als er ist.11 Es gibt viele Worte, die nur den Windhauch vermehren. Was nützt das dem Menschen?12 Denn: Wer kann erkennen, was für den Menschen besser ist in seinem Leben, während der wenigen Tage seines Lebens voll Windhauch, die er wie ein Schatten verbringt? Und wer kann dem Menschen verkünden, was nach ihm unter der Sonne geschehen wird?

Das Buch Kohelet Kapitel 7

1 Besser ein guter Name als Parfüm - und der Tag eines Todes als der Tag einer Geburt;2 besser der Gang in ein Haus, wo man trauert, als der Gang in ein Haus, wo man trinkt. Weil dies das Ende jedes Menschen ist, macht, wer noch lebt, sich Gedanken.3 Besser sich ärgern als lachen; denn bei einem vergrämten Gesicht wird das Herz heiter.4 Das Herz der Gebildeten ist im Haus, wo man trauert, das Herz der Ungebildeten im Haus, wo man sich freut.5 Besser, die Mahnrede eines Gebildeten anhören, als dem Gesang der Ungebildeten lauschen;6 denn wie das Prasseln der Dornen unter dem Kessel, so ist das Lachen des Ungebildeten. - Aber auch das ist Windhauch, denn:7 Erpressung verblendet den Gebildeten, und Bestechung verdirbt den Verstand.8 Besser der Ausgang einer Sache als ihr Anfang, besser der Vorsichtige als der Stürmische.9 Laß dich nicht aufregen, so daß du dich ärgerst, denn Ärger steckt in den Ungebildeten. -10 Doch frag nicht: Wie kommt es, daß die früheren Zeiten besser waren als unsere? Denn deine Frage zeugt nicht von Wissen.11 Wissen ist soviel wert wie Erbbesitz, es ist sogar mehr wert für die, welche die Sonne sehen;12 denn wer sich im Schatten des Wissens birgt, der ist auch im Schatten des Geldes; aber das ist der Vorteil des Könnens: Das Wissen erhält seinen Besitzer am Leben. -13 Doch sieh ein, daß Gottes Tun noch hinzukommt. Denn: Wer kann gerade biegen, was er gekrümmt hat?14 Am Glückstag erfreue dich deines Glücks, und am Unglückstag sieh ein: Auch diesen hat Gott geschaffen, genau wie jenen, so daß der Mensch von dem, was nach ihm kommt, gar nichts herausfinden kann.15 In meinen Tagen voll Windhauch habe ich beides beobachtet: Es kommt vor, daß ein gesetzestreuer Mensch trotz seiner Gesetzestreue elend endet, und es kommt vor, daß einer, der sich nicht um das Gesetz kümmert, trotz seines bösen Tuns ein langes Leben hat.16 Halte dich nicht zu streng an das Gesetz, und sei nicht maßlos im Erwerb von Wissen! Warum solltest du dich selbst ruinieren?17 Entfern dich nicht zu weit vom Gesetz, und verharre nicht im Unwissen: Warum solltest du vor der Zeit sterben?18 Es ist am besten, wenn du an dem einen festhältst, aber auch das andere nicht losläßt. Wer Gott fürchtet, wird sich in jedem Fall richtig verhalten.19 Das Wissen ist für den Gebildeten ein stärkerer Schutz als zehn Machthaber zusammen, die in der Stadt geherrscht haben. -20 Doch gibt es auf der Erde keinen einzigen Menschen, der so gesetzestreu wäre, daß er stets richtig handelt, ohne je einen Fehler zu begehen.21 Hör auch nicht auf all die Worte, die man so sagt. Denn niemals wirst du einen Untergebenen über dich schimpfen hören,22 und doch bist du dir bewußt, daß auch du sehr oft über andere geschimpft hast.23 Auf allen Wegen habe ich es mit dem Wissen versucht. Ich habe gesagt: Ich will lernen und dadurch gebildet werden. Aber das Wissen blieb für mich in der Ferne.24 Fern ist alles, was geschehen ist, und tief, tief versunken - wer könnte es wiederfinden?25 So habe ich, genauer: mein Verstand, mich umgestellt. Ich wollte forschend und suchend erkennen, was dasjenige Wissen wirklich ist, das Einzelbeobachtungen zusammenrechnet. Ferner wollte ich erkennen, ob Gesetzesübertretung mit mangelnder Bildung und Unwissen mit Verblendung zusammenhängt.26 Immer wieder finde ich die Ansicht, stärker als der Tod sei die Frau. Denn: Sie ist ein Ring von Belagerungstürmen, und ihr Herz ist ein Fangnetz, Fesseln sind ihre Arme. Wem Gott wohlwill, der kann sich vor ihr retten, wessen Leben verfehlt ist, wird von ihr eingefangen.27 Aber sieh dir an, was ich, Beobachtung um Beobachtung, herausgefunden habe, sagte Kohelet, bis ich schließlich das Rechenergebnis fand,28 oder vielmehr: wie ich immer wieder suchte und nichts fand: Von tausend Menschen habe ich nur einen wiedergefunden, aber der, den ich von ihnen allen wiedergefunden habe, war keine Frau.29 Sieh dir an, was ich als einziges herausgefunden habe: Gott hat die Menschen rechtschaffen gemacht, aber sie haben sich in allen möglichen Berechnungen versucht.

Das Buch Kohelet Kapitel 8

1 Wer ist hier gebildet? Wer versteht es, ein Wort zu deuten? Das Wissen eines Menschen macht seine Miene strahlend, und seine strengen Züge lösen sich. -2 Ich (dagegen sage): Achte auf die Befehle des Königs, und zwar im Hinblick auf den vor Gott geleisteten Eid.3 Entferne dich nicht hastig aus seiner Gegenwart, und versteife dich nicht auf eine Sache, wenn sie schlimm auszugehen droht. Denn alles, wozu er sich entscheidet, setzt er auch durch.4 Hinter dem Wort des Königs steht nun einmal die Macht. Wer also kann ihm sagen: Was tust du?5 Wer auf das Gebot achtet, den trifft nichts Schlimmes, der Verstand des Gebildeten weiß die rechte Zeit. -6 Allerdings: Es gibt die rechte Zeit für jedes Geschehen, und: Schlimmes Geschick lastet häufig auf dem Menschen, und:7 Er weiß nicht, was geschehen wird. Wie es geschehen wird - wer verkündet es ihm?8 Es gibt keinen Menschen, der Macht hat über den Wind, so daß er den Wind einschließen könnte. Es gibt keine Macht über den Sterbetag. Es gibt im Krieg keinen Urlaub. Selbst ein Gesetzesbruch kann die Gesetzesbrecher nicht retten.9 All dies habe ich beobachtet, als ich mich zu einer Zeit, wo ein Mensch seine Macht über den andern Menschen dazu benutzte, diesem zu schaden, mit jedem Tun beschäftigte, das unter der Sonne getan wurde.10 Dabei habe ich beobachtet, wie Menschen, die das Gesetz übertreten hatten, ein Begräbnis erhielten, während andere, die recht getan hatten, ankamen und vom Ort des Heiligtums wieder weggehen und bald in der Stadt vergessen sein werden. Auch das ist Windhauch.11 Denn: Wo keine Strafe verhängt wird, ist die Bosheit schnell am Werk. Deshalb wächst im Herzen der Menschen die Lust, Böses zu tun.12 Denn: Ein Sünder kann hundertmal Böses tun und dennoch lange leben.13 Freilich kenne ich das Wort: Denen, die Gott fürchten, wird es gut gehen, weil sie sich vor ihm fürchten; dem, der das Gesetz übertritt, wird es nicht gut gehen, und er wird kein langes Leben haben, gleich dem Schatten, weil er sich nicht vor Gott fürchtet. -14 Doch es gibt etwas, das auf der Erde getan wurde und Windhauch ist: Es gibt gesetzestreue Menschen, denen es so ergeht, als hätten sie wie Gesetzesbrecher gehandelt; und es gibt Gesetzesbrecher, denen es so ergeht, als hätten sie wie Gesetzestreue gehandelt. Ich schloß daraus, daß auch dies Windhauch ist.15 Da pries ich die Freude; denn es gibt für den Menschen kein Glück unter der Sonne, es sei denn, er ißt und trinkt und freut sich. Das soll ihn begleiten bei seiner Arbeit während der Lebenstage, die Gott ihm unter der Sonne geschenkt hat.16 16-17 Als ich mir vorgenommen hatte zu erkennen, was Wissen wirklich ist, und zu beobachten, welches Geschäft eigentlich auf der Erde getätigt wird, da sah ich ein, daß der Mensch, selbst wenn er seinen Augen bei Tag und Nacht keinen Schlaf gönnt, das Tun Gottes in seiner Ganzheit nicht wiederfinden kann, das Tun, das unter der Sonne getan wurde. Deshalb strengt der Mensch, danach suchend, sich an und findet es doch nicht wieder. Selbst wenn der Gebildete behauptet, er erkenne - er kann es doch nicht wiederfinden.

Das Buch Kohelet Kapitel 9

1 Denn ich habe über dies alles nachgedacht und dies alles überprüft, wobei sich ergab: Die Gesetzestreuen und Gebildeten mit ihrem Tun stehen unter Gottes Verfügung. Der Mensch erkennt nicht, ob er geliebt ist oder ob er verschmäht ist. So liegt auch bei ihnen beides offen vor ihnen.2 Beides - wie bei allen Menschen. Aber ein und dasselbe Geschick trifft den Gesetzestreuen und den Gesetzesbrecher, den Guten, den Reinen und den Unreinen, den Opfernden und den, der nicht opfert. Dem Guten ergeht es wie dem Sünder, dem Schwörenden ebenso wie dem, der den Schwur scheut.3 Das ist das Schlimme an allem, was unter der Sonne getan wurde, daß alle dann ein und dasselbe Geschick trifft und daß in den Menschen überdies die Lust zum Bösen wächst und Verblendung ihren Geist erfaßt, während sie leben und danach, wenn sie zu den Toten müssen -4 ja, wer würde da ausgenommen? Für jeden Lebenden gibt es noch Zuversicht. Denn: Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe.5 Und: Die Lebenden erkennen, daß sie sterben werden; die Toten aber erkennen überhaupt nichts mehr. Sie erhalten auch keine Belohnung mehr; denn die Erinnerung an sie ist in Vergessenheit versunken.6 Liebe, Haß und Eifersucht gegen sie, all dies ist längst erloschen. Auf ewig haben sie keinen Anteil mehr an allem, was unter der Sonne getan wurde.7 Also: Iß freudig dein Brot, und trink vergnügt deinen Wein; denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel.8 Trag jederzeit frische Kleider, und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt.9 Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens voll Windhauch, die er dir unter der Sonne geschenkt hat, alle deine Tage voll Windhauch. Denn das ist dein Anteil am Leben und an dem Besitz, für den du dich unter der Sonne anstrengst.10 Alles, was deine Hand, solange du Kraft hast, zu tun vorfindet, das tu! Denn es gibt weder Tun noch Rechnen noch Können noch Wissen in der Unterwelt, zu der du unterwegs bist.11 Wiederum habe ich unter der Sonne beobachtet: Nicht den Schnellen gehört im Wettlauf der Sieg, nicht den Tapferen der Sieg im Kampf, auch nicht den Gebildeten die Nahrung, auch nicht den Klugen der Reichtum, auch nicht den Könnern der Beifall, sondern jeden treffen Zufall und Zeit.12 Außerdem: Der Mensch kennt seine Zeit nicht. Wie Fische, die ins Unglücksnetz geraten sind, wie Vögel, die ins Klappnetz geraten sind, ebenso verfangen sich die einzelnen Menschen in ihre Unglückszeit, wenn sie plötzlich über sie herabfällt.13 Auch folgendes habe ich unter der Sonne beobachtet, ein Beispiel von Wissen, das ich für bedeutsam hielt:14 Es war eine kleine Stadt. Die hatte nur wenige Einwohner. Ein mächtiger König zog gegen sie aus. Er schloß sie ein und baute gegen sie hohe Belagerungstürme.15 In der Stadt fand sich ein armer, aber gebildeter Mann. Der rettete die Stadt durch sein Wissen. Später aber erinnerte sich kein Mensch mehr an diesen armen Mann.16 Da sagte ich: Wissen ist besser als Macht, aber das Wissen des Armen gilt nichts, und niemand will seine Worte hören.17 Bedächtige Worte von Gebildeten hört man sich lieber an als das Geschrei des Herrschers der Ungebildeten,18 und Wissen ist besser als Waffen - aber ein einziger, der falsch entscheidet, kann viele Werte zerstören.

Das Buch Kohelet Kapitel 10

1 Sterbende Fliegen - da stinkt und gärt sogar das (duftende) Öl für die Schönheitspflege; schwerer als Wissen und Geltung wiegt eine kleine Dummheit.2 Der Verstand des Gebildeten wählt den rechten Weg, der Verstand des Ungebildeten den linken;3 doch der Dumme - welchen Weg er auch einschlägt, ihm fehlt der Verstand, obwohl er von jedem andern gesagt hat: Er ist dumm.4 Wenn der Herrscher gegen dich in Zorn gerät, bewahre die Ruhe; denn Gelassenheit bewahrt vor großen Fehlern.5 Es gibt etwas Schlimmes, das ich unter der Sonne beobachtet habe - solch ein Versehen, wie es vom Machthaber zu kommen pflegt:6 Die Dummheit wurde auf höchste Posten gestellt, und Reiche müssen unten sitzen.7 Ich habe Sklaven hoch zu Pferd gesehen und Fürsten, die wie Sklaven zu Fuß gehen mußten.8 Wer eine Grube gräbt, kann hineinfallen, wer eine Mauer einreißt, den kann die Schlange beißen,9 wer Steine bricht, kann sich dabei verletzen, wer Holz spaltet, bringt sich dadurch in Gefahr.10 Wenn die Axt stumpf geworden ist und ihr Benutzer hat sie nicht vorher geschliffen, dann braucht er mehr Kraft - Wissen hätte ihm den Vorteil gebracht, daß er sein Werkzeug vorbereitet hätte.11 Der Schlangenbeschwörer hat keinen Vorteil, wenn die Schlange beißt, bevor er sie beschworen hat.12 Worte aus dem Mund des Gebildeten finden Beifall, jedes Wort von den Lippen des Ungebildeten bringt ihn selbst in Verwirrung.13 Wenn er redet, steht Dummheit am Anfang, am Ende schlimme Verblendung.14 Und der Dumme redet endlos. Dabei kann doch der Mensch nicht erkennen, was geschehen wird. Und was nach ihm geschieht - wer verkündet es ihm?15 Die Arbeit erschöpft die Ungebildeten: Keiner hat es verstanden, in die Stadt zu ziehen.16 Weh dir, Land, dessen König ein Knabe ist und dessen Fürsten schon früh am Morgen tafeln.17 Wohl dir, Land, dessen König von edlem Geschlecht ist und dessen Fürsten zur richtigen Zeit tafeln, beherrscht und nicht wie Zecher.18 Ist einer träge, so senkt sich das Gebälk, läßt er die Hände sinken, so dringt der Regen ins Haus.19 Man schlemmt und will dabei lachen, der Wein erfreut die Lebenden, das Geld macht alles möglich.20 Nicht einmal in Gedanken schimpf auf den König, nicht einmal im Schlafzimmer schimpf auf einen Reichen; denn die Vögel des Himmels können dein Wort verbreiten, alles, was Flügel hat, könnte die Nachricht weitermelden.

Das Buch Kohelet Kapitel 11

1 Leg dein Brot auf die Wasserfläche, denn noch nach vielen Tagen wirst du es wiederfinden -2 verteil dein Kapital auf sieben oder gar auf acht; denn du weißt nicht, welches Unglück über das Land kommt.3 Wenn die Wolken sich mit Regen füllen, schütten sie ihn auch über das Land aus; wenn ein Baum nach Süden oder Norden fällt - wohin der Baum auch fällt, da bleibt er liegen.4 Wer ständig nach dem Wind schaut, kommt nicht zum Säen, wer ständig die Wolken beobachtet, kommt nicht zum Ernten.5 Wie du den Weg des Windes ebensowenig wie das Werden des Kindes im Leib der Schwangeren erkennen kannst, so kannst du auch das Tun Gottes nicht erkennen, der alles tut.6 Am Morgen beginne zu säen, auch gegen Abend laß deine Hand noch nicht ruhen; denn du kannst nicht im voraus erkennen, was Erfolg haben wird, das eine oder das andere, oder ob sogar beide zugleich zu guten Ergebnissen führen.7 Dann wird das Licht süß sein, und den Augen wird es wohltun, die Sonne zu sehen.8 Denn selbst wenn ein Mensch viele Jahre zu leben hat, freue er sich in dieser ganzen Zeit, und er denke zugleich an die dunklen Tage: Auch sie werden viele sein. Alles, was kommt, ist Windhauch.9 Freu dich, junger Mann, in deiner Jugend, sei heiteren Herzens in deinen frühen Jahren! Geh auf den Wegen, die dein Herz dir sagt, zu dem, was deine Augen vor sich sehen. 10 Halte deinen Sinn von Ärger frei, und schütz deinen Leib vor Krankheit; denn die Jugend und das dunkle Haar sind Windhauch.

Das Buch Kohelet Kapitel 12

1 Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren, ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht!,2 ehe Sonne und Licht und Mond und Sterne erlöschen und auch nach dem Regen wieder Wolken aufziehen:3 am Tag, da die Wächter des Hauses zittern, die starken Männer sich krümmen, die Müllerinnen ihre Arbeit einstellen, weil sie zu wenige sind, es dunkel wird bei den Frauen, die aus den Fenstern blicken,4 und das Tor zur Straße verschlossen wird; wenn das Geräusch der Mühle verstummt, steht man auf beim Zwitschern der Vögel, doch die Töne des Lieds verklingen;5 selbst vor der Anhöhe fürchtet man sich und vor den Schrecken am Weg; der Mandelbaum blüht, die Heuschrecke schleppt sich dahin, die Frucht der Kaper platzt, doch ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden ziehen durch die Straßen -6 ja, ehe die silberne Schnur zerreißt, die goldene Schale bricht, der Krug an der Quelle zerschmettert wird, das Rad zerbrochen in die Grube fällt,7 der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, und der Atem zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat.8 Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, das ist alles Windhauch.9 Kohelet war ein Gelehrter. Außerdem hat er einfachen Leuten Kenntnisse beigebracht. Er hörte zu und prüfte, er hat viele Sprichwörter selbst in Form gebracht.10 Kohelet hat sich bemüht, gut formulierte Worte zu entdecken, und hier sind diese wahren Worte sorgfältig aufgeschrieben.11 Worte von Gelehrten sind wie Ochsenstecken, Sprüche aus Sammlungen aber sitzen wie eingetriebene Nägel - sie sind die Gabe eines einzigen Hirten.12 Im übrigen, mein Sohn, laß dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben, und viel Studieren ermüdet den Leib.13 Hast du alles gehört, so lautet der Schluß: Fürchte Gott, und achte auf seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig.14 Denn Gott wird jedes Tun vor das Gericht bringen, das über alles Verborgene urteilt, es sei gut oder böse.

Das Hohelied

Das Hohelied Kapitel 1

1 Das Hohelied Salomos.2 Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich. Süßer als Wein ist deine Liebe.3 Köstlich ist der Duft deiner Salben, dein Name hingegossenes Salböl; darum lieben dich die Mädchen.4 Zieh mich her hinter dir! Laß uns eilen! Der König führt mich in seine Gemächer. Jauchzen laßt uns, deiner uns freuen, deine Liebe höher rühmen als Wein. Dich liebt man zu Recht.5 Braun bin ich, doch schön, ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte von Kedar, wie Salomos Decken.6 Schaut mich nicht so an, weil ich gebräunt bin. Die Sonne hat mich verbrannt. Meiner Mutter Söhne waren mir böse, ließen mich Weinberge hüten; den eigenen Weinberg konnte ich nicht hüten.7 Du, den meine Seele liebt, sag mir: Wo weidest du die Herde? Wo lagerst du am Mittag? Wozu soll ich erst umherirren bei den Herden deiner Gefährten?8 Wenn du das nicht weißt, du schönste der Frauen, dann folge den Spuren der Schafe, dann weide deine Zicklein dort, wo die Hirten lagern.9 Mit der Stute an Pharaos Wagen vergleiche ich dich, meine Freundin.10 Schön sind deine Wangen zwischen den Kettchen, dein Hals in der Perlenschnur.11 Machen wir dir noch goldene Kettchen, kleine Silberkugeln daran.12 Solange der König an der Tafel liegt, gibt meine Narde ihren Duft.13 Mein Geliebter ruht wie ein Beutel mit Myrrhe an meiner Brust.14 Eine Hennablüte ist mein Geliebter mir aus den Weinbergen von En-Gedi.15 Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön. Zwei Tauben sind deine Augen.16 Schön bist du, mein Geliebter, verlockend. Frisches Grün ist unser Lager,17 Zedern sind die Balken unseres Hauses, Zypressen die Wände.

Das Hohelied Kapitel 2

1 Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Scharon, eine Lilie der Täler.2 Eine Lilie unter Disteln ist meine Freundin unter den Mädchen.3 Ein Apfelbaum unter Waldbäumen ist mein Geliebter unter den Burschen. In seinem Schatten begehre ich zu sitzen. Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen!4 In das Weinhaus hat er mich geführt. Sein Zeichen über mir heißt Liebe.5 Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.6 Seine Linke liegt unter meinem Kopf, seine Rechte umfängt mich.7 Bei den Gazellen und Hirschen auf der Flur beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, weckt sie nicht, bis es ihr selbst gefällt.8 Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel.9 Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. Ja, draußen steht er an der Wand unsres Hauses; er blickt durch die Fenster, späht durch die Gitter.10 Der Geliebte spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!11 Denn vorbei ist der Winter, verrauscht der Regen.12 Auf der Flur erscheinen die Blumen; die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube ist zu hören in unserem Land.13 Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte; die blühenden Reben duften. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!14 Meine Taube im Felsennest, versteckt an der Steilwand, dein Gesicht laß mich sehen, deine Stimme hören! Denn süß ist deine Stimme, lieblich dein Gesicht.15 Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse! Sie verwüsten die Weinberge, unsre blühenden Reben.16 Der Geliebte ist mein, und ich bin sein; er weidet in den Lilien.17 Wenn der Tag verweht und die Schatten wachsen, komm du, mein Geliebter, der Gazelle gleich, dem jungen Hirsch auf den Balsambergen.

Das Hohelied Kapitel 3

1 Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.2 Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, die Gassen und Plätze, ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.3 Mich fanden die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt. Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt?4 Kaum war ich an ihnen vorüber, fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, bis ich ihn ins Haus meiner Mutter brachte, in die Kammer derer, die mich geboren hat.5 Bei den Gazellen und Hirschen der Flur beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, weckt sie nicht, bis es ihr selbst gefällt.6 Wer ist sie, die da aus der Steppe heraufsteigt in Säulen von Rauch, umwölkt von Myrrhe und Weihrauch, von allen Wohlgerüchen der Händler?7 Sieh da, das ist Salomos Sänfte; sechzig Helden geleiten sie, Israels Helden,8 alle vertraut mit dem Schwert, geschult für den Kampf; jeder trägt sein Schwert an der Hüfte gegen die Schrecken der Nacht.9 Einen Tragsessel ließ König Salomo zimmern aus Holz vom Libanon,10 die Pfosten in Silber, die Lehne in Gold, der Sitz in Purpur, das Innere mit Steinen belegt.11 Ihr Töchter Jerusalems, kommt heraus und schaut, ihr Töchter Zions, König Salomo mit der Krone! Damit hat ihn seine Mutter gekrönt am Tage seiner Hochzeit, an dem Tag seiner Herzensfreude.

Das Hohelied Kapitel 4

1 Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön. Hinter dem Schleier deine Augen wie Tauben. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, die herabzieht von Gileads Bergen.2 Deine Zähne sind wie eine Herde frisch geschorener Schafe, die aus der Schwemme steigen. Jeder Zahn hat sein Gegenstück, keinem fehlt es.3 Rote Bänder sind deine Lippen; lieblich ist dein Mund. Dem Riß eines Granatapfels gleicht deine Schläfe hinter dem Schleier.4 Wie der Turm Davids ist dein Hals, in Schichten von Steinen erbaut; tausend Schilde hängen daran, lauter Waffen von Helden.5 Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, wie die Zwillinge einer Gazelle, die in den Lilien weiden.6 Wenn der Tag verweht und die Schatten wachsen, will ich zum Myrrhenberg gehen, zum Weihrauchhügel.7 Alles an dir ist schön, meine Freundin; kein Makel haftet dir an.8 Komm doch mit mir, meine Braut, vom Libanon, weg vom Libanon komm du mit mir! Weg vom Gipfel des Amana, von den Höhen des Senir und Hermon; weg von den Lagern der Löwen, den Bergen der Panther.9 Verzaubert hast du mich, meine Schwester Braut; ja verzaubert mit einem (Blick) deiner Augen, mit einer Perle deiner Halskette.10 Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester Braut; wieviel süßer ist deine Liebe als Wein, der Duft deiner Salben köstlicher als alle Balsamdüfte.11 Von deinen Lippen, Braut, tropft Honig; Milch und Honig ist unter deiner Zunge. Der Duft deiner Kleider ist wie des Libanon Duft.12 Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, ein verschlossener Garten, ein versiegelter Quell.13 Ein Lustgarten sproßt aus dir, Granatbäume mit köstlichen Früchten, Hennadolden, Nardenblüten,14 Narde, Krokus, Gewürzrohr und Zimt, alle Weihrauchbäume, Myrrhe und Aloe, allerbester Balsam.15 Die Quelle des Gartens bist du, ein Brunnen lebendigen Wassers, Wasser vom Libanon.16 Nordwind, erwache! Südwind, herbei! Durchweht meinen Garten, laßt strömen die Balsamdüfte! Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse von den köstlichen Früchten.

Das Hohelied Kapitel 5

1 Ich komme in meinen Garten, Schwester Braut; ich pflücke meine Myrrhe, den Balsam; esse meine Wabe samt dem Honig, trinke meinen Wein und die Milch. Freunde, eßt und trinkt, berauscht euch an der Liebe!2 Ich schlief, doch mein Herz war wach. Horch, mein Geliebter klopft: Mach auf, meine Schwester und Freundin, meine Taube, du Makellose! Mein Kopf ist voll Tau, aus meinen Locken tropft die Nacht.3 Ich habe mein Kleid schon abgelegt - wie soll ich es wieder anziehen? Die Füße habe ich gewaschen - soll ich sie wieder beschmutzen?4 Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke; da bebte mein Herz ihm entgegen.5 Ich stand auf, dem Geliebten zu öffnen. Da tropften meine Hände von Myrrhe am Griff des Riegels.6 Ich öffnete meinem Geliebten: Doch der Geliebte war weg, verschwunden. Mir stockte der Atem: Er war weg. Ich suchte ihn, ich fand ihn nicht. Ich rief ihn, er antwortete nicht.7 Da fanden mich die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt; sie schlugen, sie verletzten mich. Den Mantel entrissen sie mir, die Wächter der Mauern.8 Ich beschwöre euch, Jerusalems Töchter: Wenn ihr meinen Geliebten findet, sagt ihm, ich bin krank vor Liebe.9 Was hat dein Geliebter den andern voraus, du schönste der Frauen? Was hat dein Geliebter den andern voraus, daß du so uns beschwörst?10 Mein Geliebter ist weiß und rot, ist ausgezeichnet vor Tausenden.11 Sein Haupt ist reines Gold. Seine Locken sind Rispen, rabenschwarz.12 Seine Augen sind wie Tauben an Wasserbächen; (die Zähne), in Milch gebadet, sitzen fest.13 Seine Wangen sind wie Balsambeete, darin Gewürzkräuter sprießen, seine Lippen wie Lilien; sie tropfen von flüssiger Myrrhe.14 Seine Finger sind wie Stäbe aus Gold, mit Steinen aus Tarschisch besetzt. Sein Leib ist wie eine Platte aus Elfenbein, mit Saphiren bedeckt.15 Seine Schenkel sind Marmorsäulen, auf Sockeln von Feingold. Seine Gestalt ist wie der Libanon, erlesen wie Zedern.16 Sein Mund ist voll Süße; alles ist Wonne an ihm. Das ist mein Geliebter, ja, das ist mein Freund, ihr Töchter Jerusalems.

Das Hohelied Kapitel 6

1 Wohin ist dein Geliebter gegangen, du schönste der Frauen? Wohin wandte sich dein Geliebter? Wir wollen ihn suchen mit dir.2 In seinen Garten ging mein Geliebter zu den Balsambeeten, um in den Gartengründen zu weiden, um Lilien zu pflücken.3 Meinem Geliebten gehöre ich, und mir gehört der Geliebte, der in den Lilien weidet.4 Schön wie Tirza bist du, meine Freundin, lieblich wie Jerusalem, prächtig wie Himmelsbilder.5 Wende deine Augen von mir, denn sie verwirren mich. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, die von Gilead herabziehen.6 Deine Zähne sind wie eine Herde von Mutterschafen, die aus der Schwemme steigen. Jeder Zahn hat sein Gegenstück, keinem fehlt es.7 Dem Riß eines Granatapfels gleicht deine Schläfe hinter deinem Schleier.8 Sechzig Königinnen (hat Salomo), achtzig Nebenfrauen und Mädchen ohne Zahl.9 Doch einzig ist meine Taube, die Makellose, die Einzige ihrer Mutter, die Erwählte ihrer Gebärerin. Erblicken sie die Mädchen, sie preisen sie; Königinnen und Nebenfrauen rühmen sie.10 Wer ist, die da erscheint wie das Morgenrot, wie der Mond so schön, strahlend rein wie die Sonne, prächtig wie Himmelsbilder?11 In den Nußgarten stieg ich hinab, um nach dem Sprossen der Palme zu sehen, um zu sehen, ob der Weinstock treibt, die Granatbäume blühen.12 Da entführte mich meine Seele, ich weiß nicht wie, zu den Wagen meines edlen Volkes.

Das Hohelied Kapitel 7

1 Wende dich, wende dich, Schulammit! Wende dich, wende dich, damit wir dich betrachten. Was wollt ihr an Schulammit sehen? Den Lager-Tanz!2 Wie schön sind deine Schritte in den Sandalen, du Edelgeborene. Deiner Hüften Rund ist wie Geschmeide, gefertigt von Künstlerhand.3 Dein Schoß ist ein rundes Becken, Würzwein mangle ihm nicht. Dein Leib ist ein Weizenhügel, mit Lilien umstellt.4 Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, wie die Zwillinge einer Gazelle.5 Dein Hals ist ein Turm aus Elfenbein. Deine Augen sind wie die Teiche zu Heschbon beim Tor von Bat-Rabbim. Deine Nase ist wie der Libanonturm, der gegen Damaskus schaut.6 Dein Haupt gleicht oben dem Karmel; wie Purpur sind deine Haare; ein König liegt in den Ringeln gefangen.7 Wie schön bist du und wie reizend, du Liebe voller Wonnen!8 Wie eine Palme ist dein Wuchs; deine Brüste sind wie Trauben.9 Ich sage: Ersteigen will ich die Palme; ich greife nach den Rispen. Trauben am Weinstock seien mir deine Brüste, Apfelduft sei der Duft deines Atems,10 dein Mund köstlicher Wein, der glatt in mich eingeht, der Lippen und Zähne mir netzt.11 Ich gehöre meinem Geliebten, und ihn verlangt nach mir.12 Komm, mein Geliebter, wandern wir auf das Land, schlafen wir in den Dörfern.13 Früh wollen wir dann zu den Weinbergen gehen und sehen, ob der Weinstock schon treibt, ob die Rebenblüte sich öffnet, ob die Granatbäume blühen. Dort schenke ich dir meine Liebe.14 Die Liebesäpfel duften; an unsrer Tür warten alle köstlichen Früchte, frische und solche vom Vorjahr; für dich hab' ich sie aufgehoben, Geliebter.

Das Hohelied Kapitel 8

1 Ach, wärst du doch mein Bruder, genährt an der Brust meiner Mutter. Träfe ich dich dann draußen, ich würde dich küssen; niemand dürfte mich deshalb verachten.2 Führen wollte ich dich, in das Haus meiner Mutter dich bringen, die mich erzogen hat. Würzwein gäbe ich dir zu trinken, Granatapfelmost.3 Seine Linke liegt unter meinem Kopf, seine Rechte umfängt mich.4 Ich beschwöre euch, Jerusalems Töchter: Was stört ihr die Liebe auf, warum weckt ihr sie, ehe ihr selbst es gefällt?5 Wer ist sie, die aus der Steppe heraufsteigt, auf ihren Geliebten gestützt? Unter dem Apfelbaum hab' ich dich geweckt, dort, wo deine Mutter dich empfing, wo deine Gebärerin in Wehen lag.6 Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen.7 Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn.8 Wir haben eine kleine Schwester, noch ohne Brüste. Was tun wir mit unsrer Schwester, wenn jemand um sie wirbt?9 Ist sie eine Mauer, bauen wir silberne Zinnen auf ihr. Ist sie eine Tür, versperren wir sie mit einem Zedernbrett.10 Ich bin eine Mauer, meine Brüste gleichen Türmen. Da hab' ich in seinen Augen Gefallen gefunden.11 Salomo besaß einen Weinberg in Baal-Hamon; den Weinberg übergab er Hütern. Für seine Frucht würde jeder tausend Silberstücke bezahlen.12 Mein eigener Weinberg liegt vor mir. Die tausend laß ich dir, Salomo, und zweihundert noch denen, die seine Früchte hüten.13 Die du in den Gärten weilst, auf deine Stimme lauschen die Freunde; laß sie mich hören!14 Fort, fort, mein Geliebter, der Gazelle gleich, dem jungen Hirsch auf den Balsambergen.

Das Buch der Weisheit

 

Das Buch der Weisheit Kapitel 1

1 Liebt Gerechtigkeit, ihr Herrscher der Erde, denkt in Frömmigkeit an den Herrn, sucht ihn mit reinem Herzen!2 Denn er läßt sich finden von denen, die ihn nicht versuchen, und zeigt sich denen, die ihm nicht mißtrauen.3 Verkehrte Gedanken trennen von Gott; wird seine Macht herausgefordert, dann weist sie die Toren zurück.4 In eine Seele, die auf Böses sinnt, kehrt die Weisheit nicht ein, noch wohnt sie in einem Leib, der sich der Sünde hingibt.5 Denn der heilige Geist, der Lehrmeister, flieht vor der Falschheit, er entfernt sich von unverständigen Gedanken und wird verscheucht, wenn Unrecht naht.6 Die Weisheit ist ein menschenfreundlicher Geist, doch läßt sie die Reden des Lästerers nicht straflos; denn Gott ist Zeuge seiner heimlichen Gedanken, untrüglich durchschaut er sein Herz und hört seine Worte.7 Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, und er, der alles zusammenhält, kennt jeden Laut.8 Darum bleibt keiner verborgen, der Böses redet, das Strafurteil geht nicht an ihm vorüber.9 Die Pläne des Frevlers werden untersucht; der Herr erfährt von seinen Reden und bestraft seine Vergehen.10 Denn das eifersüchtige Ohr hört alles, kein leises Murren bleibt ihm verborgen.11 Hütet euch also vor unnützem Murren, und verwehrt eurer Zunge das Verleumden! Denn euer heimliches Reden verhallt nicht ungehört, und ein Mund, der lügt, tötet die Seele.12 Jagt nicht dem Tod nach in den Irrungen eures Lebens, und zieht nicht durch euer Handeln das Verderben herbei!13 Denn Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.14 Zum Dasein hat er alles geschaffen, und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. Kein Gift des Verderbens ist in ihnen, das Reich des Todes hat keine Macht auf der Erde;15 denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.16 Die Frevler aber holen winkend und rufend den Tod herbei und sehnen sich nach ihm wie nach einem Freund; sie schließen einen Bund mit ihm, weil sie es verdienen, ihm zu gehören.

Das Buch der Weisheit Kapitel 2

1 Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Kurz und traurig ist unser Leben; für das Ende des Menschen gibt es keine Arznei, und man kennt keinen, der aus der Welt des Todes befreit.2 Durch Zufall sind wir geworden, und danach werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Der Atem in unserer Nase ist Rauch, und das Denken ist ein Funke, der vom Schlag des Herzens entfacht wird;3 verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche, und der Geist verweht wie dünne Luft.4 Unser Name wird bald vergessen, niemand denkt mehr an unsere Taten. Unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke und löst sich auf wie ein Nebel, der von den Strahlen der Sonne verscheucht und von ihrer Wärme zu Boden gedrückt wird.5 Unsere Zeit geht vorüber wie ein Schatten, unser Ende wiederholt sich nicht; es ist versiegelt, und keiner kommt zurück.6 Auf, laßt uns die Güter des Lebens genießen und die Schöpfung auskosten, wie es der Jugend zusteht.7 Erlesener Wein und Salböl sollen uns reichlich fließen, keine Blume des Frühlings darf uns entgehen.8 Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verwelken;9 keine Wiese bleibe unberührt von unserem ausgelassenen Treiben. Überall wollen wir Zeichen der Fröhlichkeit zurücklassen; das ist unser Anteil, das fällt uns zu.10 Laßt uns den Gerechten unterdrücken, der in Armut lebt, die Witwe nicht schonen und das graue Haar des betagten Greises nicht scheuen!11 Unsere Stärke soll bestimmen, was Gerechtigkeit ist; denn das Schwache erweist sich als unnütz.12 Laßt uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung.13 Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, und nennt sich einen Knecht des Herrn.14 Er ist unserer Gesinnung ein lebendiger Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig;15 denn er führt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden.16 Als falsche Münze gelten wir ihm; von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glücklich und prahlt, Gott sei sein Vater.17 Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht.18 Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.19 Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennenzulernen, seine Geduld zu erproben.20 Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.21 So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind.22 Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, sie hoffen nicht auf Lohn für die Frömmigkeit und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen.23 Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.24 Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören.

Das Buch der Weisheit Kapitel 3

1 Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand, und keine Qual kann sie berühren.2 In den Augen der Toren sind sie gestorben, ihr Heimgang gilt als Unglück,3 ihr Scheiden von uns als Vernichtung; sie aber sind in Frieden.4 In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit.5 Ein wenig nur werden sie gezüchtigt; doch sie empfangen große Wohltat. Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig.6 Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.7 Beim Endgericht werden sie aufleuchten wie Funken, die durch ein Stoppelfeld sprühen.8 Sie werden Völker richten und über Nationen herrschen, und der Herr wird ihr König sein in Ewigkeit.9 Alle, die auf ihn vertrauen, werden die Wahrheit erkennen, und die Treuen werden bei ihm bleiben in Liebe. Denn Gnade und Erbarmen wird seinen Erwählten zuteil.10 Die Frevler aber werden für ihre Pläne bestraft, sie, die den Gerechten mißachtet haben und vom Herrn abgefallen sind.11 Unglücklich sind alle, die Weisheit und Belehrung verachten; leer ist ihre Hoffnung, vergeblich sind ihre Mühen und wertlos ihre Taten.12 Ihre Frauen sind unverständig und ihre Kinder böse, fluchbeladen ist ihr Geschlecht.13 Selig ist die Kinderlose, die unschuldig blieb und kein Lager der Sünde kannte; sie wird gleich einer Mutter geehrt, wenn die Seelen ihren Lohn empfangen.14 Selig ist auch der Kinderlose, der sich nicht frevelhaft verging und gegen den Herrn nichts Böses plante; besondere Gnade wird seiner Treue zuteil und ein gar köstlicher Anteil am Tempel des Herrn.15 Denn ruhmreich ist der Lohn guter Mühe und unvergänglich die Wurzel der Klugheit.16 Doch die Kinder von Ehebrechern verkümmern, und die Nachkommen einer sündigen Verbindung schwinden dahin.17 Auch wenn sie lange leben, gelten sie nichts, und ehrlos ist am Ende ihr Alter.18 Sterben sie früh, so haben sie keine Hoffnung und keinen Trost am Tag des Gerichts;19 denn schlimm ist das Ende eines schuldhaften Geschlechts.

Das Buch der Weisheit Kapitel 4

1 Besser ist Kinderlosigkeit mit Tugend; unsterblich ist ihr Ruhm, sie steht in Ehren bei Gott und bei den Menschen.2 Ist sie zugegen, ahmt man sie nach; ist sie entschwunden, sehnt man sie herbei. In der Ewigkeit triumphiert sie, geschmückt mit dem Kranz, Siegerin im Wettstreit um einen edlen Preis.3 Doch die große Kinderschar der Frevler bringt keinen Nutzen; sie ist ein unechtes Gewächs, treibt keine Wurzeln in die Tiefe und faßt keinen sicheren Grund.4 Breitet es auch eine Zeitlang üppig seine Zweige aus, so wird es doch vom Wind hin und her geschüttelt und von der Gewalt der Stürme entwurzelt.5 Die Äste, die noch schwach sind, werden geknickt; ihre Frucht ist unbrauchbar, unreif und ungenießbar, zu gar nichts geeignet.6 Denn die Kinder eines sündigen Beischlafs treten im Gericht als Zeugen auf für die Schlechtigkeit ihrer Eltern.7 Der Gerechte aber, kommt auch sein Ende früh, geht in Gottes Ruhe ein.8 Denn ehrenvolles Alter besteht nicht in einem langen Leben und wird nicht an der Zahl der Jahre gemessen.9 Mehr als graues Haar bedeutet für die Menschen die Klugheit, und mehr als Greisenalter wiegt ein Leben ohne Tadel.10 Er gefiel Gott und wurde von ihm geliebt; da er mitten unter Sündern lebte, wurde er entrückt.11 Er wurde weggenommen, damit nicht Schlechtigkeit seine Einsicht verkehrte und Arglist seine Seele täuschte.12 Denn der Reiz des Bösen verdunkelt das Gute, und der Taumel der Begierde verdirbt den arglosen Sinn.13 Früh vollendet, hat der Gerechte doch ein volles Leben gehabt;14 da seine Seele dem Herrn gefiel, enteilte sie aus der Mitte des Bösen. Die Leute sahen es, ohne es zu verstehen; sie nahmen es sich nicht zu Herzen,15 daß Gnade und Erbarmen seinen Auserwählten zuteil wird, Belohnung seinen Heiligen.16 Der Gerechte, der entschlafen ist, verurteilt die Frevler, die noch leben, die früh vollendete Jugend das hohe Alter des Ungerechten.17 Die Frevler sehen das Ende des Weisen, verstehen aber nicht, was der Herr mit ihm wollte und warum er ihn in Sicherheit brachte.18 Sie sehen es und gehen darüber hinweg; doch der Herr lacht über sie.19 Dann werden sie verachtete Leichen sein, ewiger Spott bei den Toten. Sie werden verstummen, wenn er sie kopfüber hinabstürzt und aus ihren Grundfesten reißt. Sie werden völlig vernichtet und erleiden Qualen; die Erinnerung an sie verschwindet.20 Zitternd kommen sie zum Gericht über ihre Sünden; ihre Vergehen treten ihnen entgegen und überführen sie.

Das Buch der Weisheit Kapitel 5

1 Dann wird der Gerechte voll Zuversicht dastehen vor denen, die ihn bedrängt und seine Mühen verachtet haben.2 Wenn sie ihn sehen, packt sie entsetzliche Furcht, und sie geraten außer sich über seine unerwartete Rettung.3 Jetzt denken sie anders; seufzend und voll Angst sagen sie zueinander:4 Dieser war es, den wir einst verlachten, verspotteten und verhöhnten, wir Toren. Sein Leben hielten wir für Wahnsinn und sein Ende für ehrlos.5 Jetzt zählt er zu den Söhnen Gottes, bei den Heiligen hat er sein Erbteil.6 Also sind wir vom Weg der Wahrheit abgeirrt; das Licht der Gerechtigkeit strahlte uns nicht, und die Sonne ging nicht für uns auf.7 Bis zum Überdruß gingen wir die Pfade des Unrechts und des Verderbens und wanderten durch weglose Wüsten, aber den Weg des Herrn erkannten wir nicht.8 Was nützte uns der Übermut, was brachten uns Reichtum und Prahlerei?9 All das ist vorbei wie ein Schatten, wie eine flüchtige Nachricht.10 Wie wenn ein Schiff durch die wogende Flut fährt: Ist es vorübergezogen, so ist von ihm keine Spur mehr zu finden, kein Pfad seines Kiels in den Wellen.11 Wie wenn ein Vogel durch die Luft fliegt: Kein Zeichen findet sich von seiner Bahn, er peitscht die leichte Luft mit seinem Flügelschlag und durchschneidet sie mit gewaltig rauschenden Schwingen, doch bleibt kein Zeichen seines Weges in ihr zurück.12 Oder wie wenn ein Pfeil auf das Ziel geschossen wird: Die geteilte Luft strömt sofort wieder zusammen, so daß man seine Bahn nicht mehr erkennt.13 So sind wir ins Dasein getreten, um hinzuschwinden; wir hatten keinerlei Tugend aufzuweisen, sondern wurden von unserer Schlechtigkeit verschlungen.14 Ja, die Hoffnung des Frevlers ist wie die Spreu, die der Wind verweht, wie der Gischt, den der Sturm verjagt, wie der Rauch, den der Wind zerstäubt; sie schwindet wie die Erinnerung an einen flüchtigen Gast.15 Die Gerechten aber leben in Ewigkeit, der Herr belohnt sie, der Höchste sorgt für sie.16 Darum werden sie aus der Hand des Herrn das Reich der Herrlichkeit empfangen und die Krone der Schönheit. Denn er wird sie mit seiner Rechten behüten und mit seinem Arm beschützen.17 Er rüstet sich mit seinem Eifer und macht die Schöpfung zur Waffe, mit der er die Feinde bestraft.18 Als Panzer zieht er Gerechtigkeit an, und als Helm setzt er strenges Gericht auf.19 Als Schild nimmt er unüberwindliche Heiligkeit,20 und grimmigen Zorn schärft er zum Schwert; zusammen mit ihm kämpft die ganze Welt gegen die Toren.21 Treffsicher fahren die Blitzespfeile dahin; abgeschossen aus den Wolken wie von einem wohlgerundeten Bogen, fliegen sie auf ihr Ziel.22 Eine Steinschleuder entsendet Hagelkörner, die voll von göttlichem Zorn sind. Das Wasser des Meeres wütet gegen die Feinde, und Ströme schlagen grimmig über ihnen zusammen.23 Der Atem des Allmächtigen erhebt sich gegen sie und trägt sie wie ein Sturm davon. So bringt die Gesetzlosigkeit Verheerung über die ganze Erde, und das böse Tun stürzt die Throne der Mächtigen.

Das Buch der Weisheit Kapitel 6

1 Hört also, ihr Könige, und seid verständig, lernt, ihr Gebieter der ganzen Welt!2 Horcht, ihr Herrscher der Massen, die ihr stolz seid auf Völkerscharen!3 Der Herr hat euch die Gewalt gegeben, der Höchste die Herrschaft, er, der eure Taten prüft und eure Pläne durchforscht.4 Ihr seid Diener seines Reichs, aber ihr habt kein gerechtes Urteil gefällt, das Gesetz nicht bewahrt und die Weisung Gottes nicht befolgt.5 Schnell und furchtbar wird er kommen und euch bestrafen; denn über die Großen ergeht ein strenges Gericht.6 Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen, doch die Mächtigen werden gerichtet mit Macht.7 Denn der Herrscher des Alls scheut niemand und weicht vor keiner Größe zurück. Er hat klein und groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle;8 den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung.9 An euch also, ihr Herrscher, richten sich meine Worte, damit ihr Weisheit lernt und nicht sündigt.10 Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt, und wer sich darin unterweisen läßt, findet Schutz.11 Verlangt also nach meinen Worten; sehnt euch danach, und ihr werdet gute Belehrung empfangen.12 Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit; wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie.13 Denen, die nach ihr verlangen, gibt sie sich sogleich zu erkennen.14 Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, er findet sie vor seiner Türe sitzen.15 Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit; wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei.16 Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen entgegen, die an sie denken.17 Ihr Anfang ist aufrichtiges Verlangen nach Bildung; das eifrige Bemühen um Bildung aber ist Liebe.18 Liebe ist Halten ihrer Gebote; Erfüllen der Gebote sichert Unvergänglichkeit,19 und Unvergänglichkeit bringt in Gottes Nähe.20 So führt das Verlangen nach Weisheit zur Herrschaft hinauf.21 Ihr Herrscher der Völker, wenn ihr Gefallen an Thronen und Zeptern habt, dann ehrt die Weisheit, damit ihr ewig herrscht.22 Ich will verkünden, was die Weisheit ist und wie sie wurde, und will euch kein Geheimnis verbergen. Ich will ihre Spur vom Anfang der Schöpfung an verfolgen, ihre Kenntnis will ich verbreiten und nicht an der Wahrheit vorbeigehen.23 Verzehrender Neid soll mich nicht auf meinem Weg begleiten; denn er hat mit der Weisheit nichts gemein.24 Eine große Anzahl von Weisen ist Heil für die Welt, ein kluger König ist Wohlstand für das Volk.25 Laßt euch also durch meine Worte unterweisen; es wird euch von Nutzen sein.

Das Buch der Weisheit Kapitel 7

1 Auch ich bin ein sterblicher Mensch wie alle anderen, Nachkomme des ersten, aus Erde gebildeten Menschen. Im Schoß der Mutter wurde ich zu Fleisch geformt,2 zu dem das Blut in zehn Monaten gerann durch den Samen des Mannes und die Lust, die im Beischlaf hinzukam.3 Geboren atmete auch ich die gemeinsame Luft, ich fiel auf die Erde, die Gleiches von allen erduldet, und Weinen war mein erster Laut wie bei allen.4 In Windeln und mit Sorgen wurde ich aufgezogen;5 kein König trat anders ins Dasein.6 Alle haben den einen gleichen Eingang zum Leben; gleich ist auch der Ausgang.7 Daher betete ich, und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir.8 Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.9 Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand, und Silber gilt ihr gegenüber soviel wie Lehm.10 Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt.11 Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.12 Ich freute mich über sie alle, weil die Weisheit lehrt, sie richtig zu gebrauchen, wußte aber nicht, daß sie auch deren Ursprung ist.13 Uneigennützig lernte ich, und neidlos gebe ich weiter; ihren Reichtum behalte ich nicht für mich.14 Ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen; alle, die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes. Sie sind empfohlen durch die Gaben der Unterweisung.15 Mir aber gewähre Gott, nach meiner Einsicht zu sprechen und zu denken, wie die empfangenen Gaben es wert sind; denn er ist der Führer der Weisheit und hält die Weisen auf dem rechten Weg.16 Wir und unsere Worte sind in seiner Hand, auch alle Klugheit und praktische Erfahrung.17 Er verlieh mir untrügliche Kenntnis der Dinge, so daß ich den Aufbau der Welt und das Wirken der Elemente verstehe,18 Anfang und Ende und Mitte der Zeiten, die Abfolge der Sonnenwenden und den Wandel der Jahreszeiten,19 den Kreislauf der Jahre und die Stellung der Sterne,20 die Natur der Tiere und die Wildheit der Raubtiere, die Gewalt der Geister und die Gedanken der Menschen, die Verschiedenheit der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.21 Alles Verborgene und alles Offenbare habe ich erkannt; denn es lehrte mich die Weisheit, die Meisterin aller Dinge.22 In ihr ist ein Geist, gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, durchdringend, unbefleckt, klar, unverletzlich, das Gute liebend, scharf,23 nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, fest, sicher, ohne Sorge, alles vermögend, alles überwachend und alle Geister durchdringend, die denkenden, reinen und zartesten.24 Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles.25 Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes und reiner Ausfluß der Herrlichkeit des Allherrschers; darum fällt kein Schatten auf sie.26 Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, das Bild seiner Vollkommenheit.27 Sie ist nur eine und vermag doch alles; ohne sich zu ändern, erneuert sie alles. Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten;28 denn Gott liebt nur den, der mit der Weisheit zusammenwohnt.29 Sie ist schöner als die Sonne und übertrifft jedes Sternbild. Sie ist strahlender als das Licht;30 denn diesem folgt die Nacht, doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit.

Das Buch der Weisheit Kapitel 8

1 Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All.2 Sie habe ich geliebt und gesucht von Jugend auf, ich suchte sie als Braut heimzuführen und fand Gefallen an ihrer Schönheit.3 Im Umgang mit Gott beweist sie ihren Adel, der Herr über das All gewann sie lieb.4 Eingeweiht in das Wissen Gottes, bestimmte sie seine Werke.5 Ist Reichtum begehrenswerter Besitz im Leben, was ist dann reicher als die Weisheit, die in allem wirkt?6 Wenn Klugheit wirksam ist, wer in aller Welt ist ein größerer Meister als sie?7 Wenn jemand Gerechtigkeit liebt, in ihren Mühen findet er die Tugenden. Denn sie lehrt Maß und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, die Tugenden, die im Leben der Menschen nützlicher sind als alles andere.8 Wenn jemand nach reicher Erfahrung strebt: sie kennt das Vergangene und errät das Kommende, sie versteht, die Worte schön zu formen und Rätselhaftes zu deuten; sie weiß im voraus Zeichen und Wunder und kennt den Ausgang von Perioden und Zeiten.9 So beschloß ich, sie als Lebensgefährtin heimzuführen; denn ich wußte, daß sie mir guten Rat gibt und Trost in Sorge und Leid.10 Mit ihr werde ich Ruhm beim Volke haben und trotz meiner Jugend vom Alter geehrt sein.11 Ich werde als scharfsinniger Richter gelten und in den Augen der Mächtigen Staunen erregen.12 Schweige ich, so warten sie in Spannung, spreche ich, so merken sie auf, rede ich länger, so legen sie die Hand auf den Mund.13 Mit ihr werde ich Unsterblichkeit erlangen und ewigen Ruhm bei der Nachwelt hinterlassen.14 Völker werde ich sorgsam leiten, und Nationen werden mir untertan sein.15 Schreckliche Tyrannen werden mich fürchten, wenn sie von mir hören; in der Volksversammlung werde ich mich als tüchtig und im Krieg als tapfer erweisen.16 Komme ich nach Hause, dann werde ich bei ihr ausruhen; denn der Umgang mit ihr hat nichts Bitteres, das Leben mit ihr kennt keinen Schmerz, sondern nur Frohsinn und Freude.17 Als ich dies bei mir überlegte und in meinem Herzen erwog, daß das Leben mit der Weisheit Unsterblichkeit bringt,18 die Freundschaft mit ihr reine Freude und die Mühen ihrer Hände unerschöpflichen Reichtum, daß stete Gemeinschaft mit ihr Klugheit bringt und das Zwiegespräch mit ihr Ruhm -, da ging ich auf die Suche nach ihr, um sie heimzuführen.19 Ich war ein begabtes Kind und hatte eine gute Seele erhalten,20 oder vielmehr: gut, wie ich war, kam ich in einen unverdorbenen Leib.21 Ich erkannte aber, daß ich die Weisheit nur als Geschenk Gottes erhalten könne - und schon hier war es die Klugheit, die mich erkennen ließ, wessen Gnadengeschenk sie ist. Daher wandte ich mich an den Herrn und sprach zu ihm aus ganzem Herzen:

Das Buch der Weisheit Kapitel 9

1 Gott der Väter und Herr des Erbarmens, du hast das All durch dein Wort gemacht.2 Den Menschen hast du durch deine Weisheit erschaffen, damit er über deine Geschöpfe herrscht.3 Er soll die Welt in Heiligkeit und Gerechtigkeit leiten und Gericht halten in rechter Gesinnung.4 Gib mir die Weisheit, die an deiner Seite thront, und verstoß mich nicht aus der Schar deiner Kinder!5 Ich bin ja dein Knecht, der Sohn deiner Magd, ein schwacher Mensch, dessen Leben nur kurz ist, und gering ist meine Einsicht in Recht und Gesetz.6 Wäre einer auch vollkommen unter den Menschen, er wird kein Ansehen genießen wenn ihm deine Weisheit fehlt.7 Du bist es, der mich zum König deines Volkes und zum Richter deiner Söhne und Töchter erwählt hat.8 Du hast befohlen, einen Tempel auf deinem heiligen Berg zu bauen und einen Altar in der Stadt deiner Wohnung, ein Abbild des heiligen Zeltes, das du von Anfang an entworfen hast.9 Mit dir ist die Weisheit, die deine Werke kennt und die zugegen war, als du die Welt erschufst. Sie weiß, was dir gefällt und was recht ist nach deinen Geboten.10 Sende sie vom heiligen Himmel und schick sie vom Thron deiner Herrlichkeit, damit sie bei mir sei und alle Mühe mit mir teile und damit ich erkenne, was dir gefällt.11 Denn sie weiß und versteht alles; sie wird mich in meinem Tun besonnen leiten und mich in ihrem Lichtglanz schützen.12 Dann wird dir mein Handeln gefallen; ich werde dein Volk gerecht regieren und des Throns meines Vaters würdig sein.13 Denn welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will?14 Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken;15 denn der vergängliche Leib beschwert die Seele, und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Geist.16 Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?17 Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?18 So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht, und die Menschen lernten, was dir gefällt;19 durch die Weisheit wurden sie gerettet.

Das Buch der Weisheit Kapitel 10

1 Sie hat den Urvater der Welt nach seiner Erschaffung behütet, als er noch allein war; sie hat ihn aus seiner Sünde befreit2 und ihm die Kraft gegeben, über alles zu herrschen.3 Ein Ungerechter aber, der in seinem Zorn von ihr abfiel, ging durch seine Leidenschaft zugrunde, die ihn zum Brudermord trieb.4 Die Weisheit hat die Erde, die seinetwegen überflutet wurde, wieder gerettet und den Gerechten auf wertlosem Holz durch die Wasser gesteuert.5 Als die Völker, einmütig nur in ihrer Schlechtigkeit, durch die Verwirrung ihrer Sprache getrennt wurden, erwählte sie den Gerechten und behütete ihn, so daß er vor Gott ohne Tadel war und trotz der Liebe zu seinem Kind stark blieb.6 Als die Frevler zugrunde gingen, rettete sie einen Gerechten, so daß er vor dem Feuer fliehen konnte, das auf die fünf Städte fiel;7 von ihrer Schlechtigkeit zeugen heute noch rauchendes Ödland und Pflanzen, die zur Unzeit Früchte tragen, und eine Salzsäule ragt als Denkmal einer ungläubigen Seele empor.8 Jene, die an der Weisheit achtlos vorübergingen, erlitten nicht nur Schaden, weil sie das Gute nicht erkannten, sondern sie hinterließen auch den Lebenden ein Mahnmal ihrer Torheit, damit nicht verborgen bleibe, worin sie sich verfehlt hatten.9 Die Weisheit aber rettete ihre Diener aus jeglicher Mühsal.10 Einen Gerechten, der vor dem Zorn des Bruders floh, geleitete sie auf geraden Wegen, zeigte ihm das Reich Gottes und enthüllte ihm heilige Geheimnisse. Sie machte ihn reich bei seiner harten Arbeit und vermehrte den Ertrag seiner Mühen.11 Sie half ihm gegen die Habsucht seiner Unterdrücker und verschaffte ihm Wohlstand.12 Sie beschützte ihn vor seinen Feinden und gab ihm Sicherheit vor seinen Verfolgern. In einem harten Kampf verlieh sie ihm den Siegespreis, damit er erkannte, daß Gottesfurcht stärker als alles andere ist.13 Einen Gerechten, der verkauft worden war, ließ sie nicht im Stich, sondern bewahrte ihn vor der Sünde.14 Sie stieg mit ihm in den Kerker hinab und verließ ihn während seiner Gefangenschaft nicht, bis sie ihm das königliche Zepter brachte und Gewalt über seine Bedrücker. Sie überführte alle, die ihn beschuldigt hatten, als Lügner und verlieh ihm ewigen Ruhm.15 Sie hat ein heiliges Volk, ein untadeliges Geschlecht, aus der Gewalt einer Nation gerettet, die es unterdrückte.16 Sie ging in die Seele eines Dieners des Herrn ein und widerstand schrecklichen Königen durch Zeichen und Wunder.17 Sie gab den Heiligen den Lohn ihrer Mühen und geleitete sie auf wunderbarem Weg. Sie wurde ihnen am Tag zum Schutz und in der Nacht zum Sternenlicht.18 Sie führte sie durch das Rote Meer und geleitete sie durch gewaltige Wasser.19 Ihre Feinde aber ließ sie in der Flut ertrinken und spülte sie aus der Tiefe des Abgrunds ans Land.20 Darum plünderten die Gerechten die Frevler aus, sie priesen, Herr, deinen heiligen Namen und lobten einmütig deine schützende Hand.21 Denn die Weisheit hat den Mund der Stummen geöffnet, und die Zungen der Unmündigen hat sie beredt gemacht.

Das Buch der Weisheit Kapitel 11

1 Sie ließ alles gelingen, was sie unter der Führung des heiligen Propheten unternahmen.2 Sie zogen durch eine unbewohnte Wüste und schlugen in unwegsamen Gegenden ihre Zelte auf.3 Sie leisteten ihren Feinden Widerstand und wehrten ihre Gegner ab.4 Als sie dürsteten und dich anriefen, wurde ihnen Wasser aus schroffem Fels gegeben, so daß sie ihren Durst stillen konnten aus hartem Gestein.5 Denn was ihren Feinden zur Strafe wurde, das empfingen sie als Wohltat in ihrer Not.6 Der ständig fließende Strom wurde durch schmutziges Blut getrübt.7 So wurden jene für den befohlenen Kindermord gestraft. Diesen aber gabst du wider Erwarten reichlich Wasser,8 nachdem du ihnen vorher durch ihren Durst gezeigt hattest, wie ihre Gegner von dir bestraft wurden.9 Denn als sie geprüft und, wenn auch nur milde, zurechtgewiesen wurden, da erkannten sie, wie die Frevler im Zorn gerichtet und gepeinigt worden waren.10 Sie hast du wie ein mahnender Vater auf die Probe gestellt, die Frevler aber wie ein strenger König gerichtet und verurteilt.11 Fern von den Gerechten wurden sie ebenso geplagt, wie damals, als sie ihnen noch nahe waren;12 denn zweifaches Leid und Seufzen brachte ihnen die Erinnerung an das Vergangene:13 Als sie nämlich hörten, daß ihre eigene Bestrafung jenen sogar zur Wohltat geworden war, da erkannten sie das Wirken des Herrn.14 Den sie einst ausgesetzt und weggeworfen, den sie mit Hohn abgewiesen hatten, den mußten sie am Ende von allem bestaunen, nachdem sie einen viel schlimmeren Durst gelitten hatten als die Gerechten.15 Zur Strafe für ihre frevlerische Torheit, in die sie sich verirrt hatten, als sie vernunftloses Gewürm und armseliges Ungeziefer verehrten, sandtest du ihnen eine Menge vernunftloser Tiere.16 Sie sollten erkennen: Man wird mit dem gestraft, womit man sündigt.17 Für deine allmächtige Hand, die aus ungeformtem Stoff die Welt gestaltet hat, wäre es keine Schwierigkeit gewesen, eine Menge von Bären gegen sie zu senden oder grimmige Löwen18 oder unbekannte, neugeschaffene, wuterfüllte Tiere, die feuersprühenden Atem aushauchen oder zischenden Dampf ausstoßen oder schreckliche Funken aus den Augen sprühen.19 Nicht nur ihre verderbliche Gewalt hätte sie zermalmen, schon ihr furchterregender Anblick hätte sie vernichten können.20 Aber abgesehen davon hätten sie durch einen einzigen Hauch fallen können, verfolgt von deinem Strafgericht und fortgeweht vom Sturm deiner Macht. Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet.21 Denn du bist immer imstande, deine große Macht zu entfalten. Wer könnte der Kraft deines Arms widerstehen?22 Die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt.23 Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren.24 Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehaßt, so hättest du es nicht geschaffen.25 Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?26 Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.

Das Buch der Weisheit Kapitel 12

1 Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.2 Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.3 Du hast auch die früheren Bewohner deines heiligen Landes gehaßt,4 weil sie abscheuliche Verbrechen verübten, Zauberkünste und unheilige Festbräuche;5 sie waren erbarmungslose Kindermörder und verzehrten beim Opfermahl Menschenfleisch und Menschenblut. Darum beschlossest du, mitten im Gelage die Teilnehmer6 und deren Eltern, die mit eigener Hand hilflose Wesen töteten, durch die Hände unserer Väter zu vernichten;7 denn das Land, das dir vor allen anderen teuer ist, sollte eine seiner würdige Bevölkerung von Gotteskindern erhalten.8 Doch selbst mit jenen gingst du schonend um, weil sie Menschen waren; du sandtest deinem Heer Hornissen voraus, um sie nach und nach zu vernichten.9 Obgleich du die Macht hattest, in einer Schlacht die Frevler den Gerechten in die Hand zu geben, oder sie durch wilde Tiere oder ein unerbittliches Wort mit einem Schlag auszurotten,10 vollzogst du doch erst nach und nach die Strafe und ließest so Zeit für die Umkehr. Dabei wußtest du genau, daß ihr Ursprung böse und ihre Schlechtigkeit angeboren war und daß sich ihr Denken in Ewigkeit nicht ändern werde;11 sie waren schon von Anfang an ein verfluchter Stamm. Keine Furcht vor irgend jemand hat dich dazu bestimmt, sie für ihre Sünden ohne Strafe zu lassen.12 Denn wer darf sagen: Was hast du getan? Wer vermag sich deinem Urteilsspruch zu widersetzen? Wer könnte dich anklagen wegen des Untergangs von Völkern, die du selbst geschaffen hast? Wer wollte gegen dich auftreten als Anwalt schuldiger Menschen?13 Denn es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, daß du gerecht geurteilt hast.14 Kein König und kein Herrscher kann dich zur Rede stellen wegen der Menschen, die du gestraft hast.15 Gerecht, wie du bist, verwaltest du das All gerecht und hältst es für unvereinbar mit deiner Macht, den zu verurteilen, der keine Strafe verdient.16 Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit, und deine Herrschaft über alles läßt dich gegen alles Nachsicht üben.17 Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die trotzige Auflehnung.18 Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst.19 Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, daß der Gerechte menschenfreundlich sein muß, und hast deinen Söhnen die Hoffnung geschenkt, daß du den Sündern die Umkehr gewährst.20 Du hast die Feinde deiner Kinder, auch wenn sie den Tod verdienten, sehr nachsichtig und nur nach und nach gestraft und ihnen Zeit und Möglichkeit gegeben, sich von ihrer Schlechtigkeit abzuwenden.21 Aber wieviel umsichtiger noch hast du deine Söhne bestraft, deren Vätern du Gutes verheißen hast, als du mit ihnen unter Eid den Bund schlossest.22 Während du uns erziehst, geißelst du unsere Feinde zehntausendfach, damit wir als Richter deine Güte uns zum Vorbild nehmen und auf Erbarmen hoffen, wenn wir selber vor dem Gericht stehen.23 Du hast jene, die in Torheit und Unrecht dahinlebten, mit ihren eigenen Greueln gepeinigt.24 Allzuweit waren sie in die Irre gegangen, als sie die allerhäßlichsten und verachtetsten Tiere für Götter hielten und wie unverständige Kinder sich täuschen ließen.25 Darum hast du ihnen wie unvernünftigen Kindern eine Strafe gesandt, die sie zum Gespött machte.26 Wer sich aber durch eine Strafe, die ihn zum Gespött macht, nicht warnen läßt, der wird eine Strafe erleiden, die der Macht Gottes entspricht.27 In ihren Leiden wurden sie zornig über die Tiere, die sie für Götter hielten und mit denen sie jetzt gestraft wurden. So erfuhren sie jenen, von dem sie vorher nichts wissen wollten, und erkannten ihn als den wahren Gott; deshalb war ja auch die äußerste Strafe über sie gekommen.

Das Buch der Weisheit Kapitel 13

1 Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht,2 sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Himmelsleuchten für weltbeherrschende Götter.3 Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, als Götter ansahen, dann hätten sie auch erkennen sollen, wieviel besser ihr Gebieter ist; denn der Urheber der Schönheit hat sie geschaffen.4 Und wenn sie über ihre Macht und ihre Kraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wieviel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat;5 denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe läßt sich auf ihren Schöpfer schließen.6 Dennoch verdienen jene nur geringen Tadel. Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre.7 Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen.8 Doch auch sie sind unentschuldbar:9 Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?10 Unselig aber sind jene, die auf Totes ihre Hoffnung setzen und Werke von Menschenhand als Götter bezeichnen, Gold und Silber, kunstvolle Gebilde und Tiergestalten oder einen nutzlosen Stein, ein Werk uralter Herkunft.11 Da sägte ein Holzschnitzer einen geeigneten Baum ab, entrindete ihn ringsum geschickt, bearbeitete ihn sorgfältig und machte daraus ein nützliches Gerät für den täglichen Gebrauch.12 Die Abfälle seiner Arbeit verwendete er, um sich die Nahrung zu bereiten, und aß sich satt.13 Was dann noch übrigblieb und zu nichts brauchbar war, ein krummes, knotiges Stück Holz, das nahm er, schnitzte daran so eifrig und fachgemäß, wie man es tut, wenn man am Abend von der Arbeit abgespannt ist, formte es zum Bild eines Menschen14 oder machte es einem armseligen Tier ähnlich, beschmierte es mit Mennig und roter Schminke, überstrich alle schadhaften Stellen,15 machte ihm eine würdige Wohnstatt, stellte es an der Wand auf und befestigte es mit Eisen.16 So sorgte er dafür, daß es nicht herunterfiel, wußte er doch, daß es sich nicht helfen kann; es ist ein Bild und braucht Hilfe.17 Aber wenn er um Besitz, Ehe und Kinder betet, dann schämt er sich nicht, das Leblose anzureden. Um Gesundheit ruft er das Kraftlose an,18 Leben begehrt er vom Toten. Hilfe erfleht er vom ganz Hilflosen und gute Reise von dem, was nicht einmal den Fuß bewegen kann.19 Für seine Arbeit, für Gewinn und Erfolg seines Handwerks bittet er um Kraft von einem, dessen Hände völlig kraftlos sind.

Das Buch der Weisheit Kapitel 14

1 Ein anderer, der sich zu einer Seefahrt rüstet, auf der er wilde Wogen durchqueren wird, ruft ein Holz an, das gebrechlicher ist als das Fahrzeug, das ihn trägt.2 Das Fahrzeug hat der Erwerbstrieb ersonnen und die Weisheit eines Künstlers hergestellt.3 Deine Vorsehung, Vater, steuert es; denn du hast auch im Meer einen Weg gebahnt und in den Wogen einen sicheren Pfad.4 Damit zeigst du, daß du imstande bist, aus jeder Lage zu retten, so daß auch jemand, der keine Erfahrung hat, ein Schiff besteigen kann.5 Du willst, daß die Werke deiner Weisheit nicht ungenutzt bleiben. Darum vertrauen Menschen ihr Leben sogar einem winzigen Holz an und fahren wohlbehalten auf einem Floß durch die Brandung.6 So hat auch in der Urzeit beim Untergang der übermütigen Riesen die Hoffnung der Welt sich auf ein Floß geflüchtet und, durch deine Hand gesteuert, der Welt den Samen eines neuen Geschlechtes hinterlassen.7 Denn Segen ruht auf dem Holz, durch das Gerechtigkeit geschieht.8 Fluch hingegen trifft das von Händen geformte Holz und seinen Bildner, ihn, weil er es bearbeitet hat, jenes, weil es Gott genannt wurde, obwohl es vergänglich ist.9 Denn Gott sind in gleicher Weise Frevler wie Frevel verhaßt;10 mit dem Bildner wird sein Werk der Strafe verfallen.11 Darum kommt auch über die Götzenbilder der Völker das Gericht, weil sie in Gottes Schöpfung zum Greuel geworden sind, zum Anstoß für die Seelen der Menschen und zur Schlinge für die Füße der Toren.12 Mit dem Gedanken an Götzenbilder beginnt der Abfall, und ihre Erfindung führt zur Sittenverderbnis.13 Weder waren sie von Anfang an da, noch werden sie ewig bleiben.14 Durch die eitle Ruhmsucht der Menschen sind sie in die Welt gekommen; darum ist ihnen auch ein jähes Ende zugedacht.15 Bedrückt durch allzu frühe Trauer ließ ein Vater von seinem Kind, das gar schnell hinweggerafft wurde, ein Bildnis machen; so ehrte er einen toten Menschen als Gott und führte bei seinen Leuten geheime Kulte und festliche Bräuche ein.16 Im Lauf der Zeit verfestigte sich die frevelhafte Sitte und wurde schließlich als Gesetz befolgt;17 die Standbilder erhielten auf Anordnung der Herrscher göttliche Verehrung. Konnten die Menschen einen König nicht unmittelbar ehren, weil er weit weg wohnte, dann vergegenwärtigten sie den Fernen; sie machten von dem verehrten König ein Bildnis, das allen sichtbar war, um dem Abwesenden, als ob er gegenwärtig wäre, mit Eifer zu huldigen.18 Der Ehrgeiz des Künstlers führte dazu, daß auch jene, die den König gar nicht kannten, ihm göttliche Verehrung erwiesen.19 Wohl um dem Herrscher zu gefallen, bot er seine ganze Kunst auf, um ihn schöner darzustellen, als er war.20 Von der Anmut des Bildes hingerissen, betete die Menge den, der noch kurz zuvor nur als Mensch geehrt wurde, jetzt wie einen Gott an.21 Der Welt ist dies zum Verhängnis geworden: Die Menschen haben, unter dem Druck von Unglück oder Herrschermacht, Stein und Holz den Namen beigelegt, der mit niemand geteilt werden kann.22 Als ob es nicht genug wäre, in der Erkenntnis Gottes zu irren, nennen sie in dem heftigen Zwiespalt, den die Unwissenheit in ihr Leben bringt, so große Übel auch noch Frieden.23 Bei kindermörderischen Festbräuchen, heimlichen Kulten oder wilden Gelagen mit fremdartigen Sitten24 halten sie weder Leben noch Ehe rein, sondern einer tötet heimtückisch den andern oder beleidigt ihn durch Ehebruch.25 Alles ist ein wirres Gemisch von Blut und Mord, Diebstahl und Betrug, Verdorbenheit, Untreue, Aufruhr und Meineid;26 es herrscht Umkehrung der Werte, undankbare Vergeßlichkeit, Befleckung der Seelen, widernatürliche Unzucht, Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Zügellosigkeit.27 Die Verehrung der namenlosen Götzenbilder ist aller Übel Anfang, Ursache und Höhepunkt.28 Sie rasen im Freudentaumel, weissagen Lügen, leben in Ungerechtigkeit oder schwören leichthin einen Meineid.29 Im Vertrauen auf leblose Götzen fürchten sie nicht, daß ihre Meineide ihnen schaden könnten.30 Jedoch für beides wird sie die gerechte Strafe treffen: daß sie sich von Gott eine verkehrte Vorstellung machten, indem sie Götzenbilder verehrten, und daß sie unter Mißachtung der Heiligkeit des Eides hinterlistig und ungerecht schworen.31 Es ist nie die Macht derer, bei denen sie schworen, sondern immer die den Sündern gebührende Strafe, die die Vergehen der Frevler verfolgt.

Das Buch der Weisheit Kapitel 15

1 Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig; voll Erbarmen durchwaltest du das All.2 Auch wenn wir sündigen, gehören wir dir, da wir deine Stärke kennen; doch wir wollen nicht sündigen, da wir wissen, daß wir dein Eigentum sind.3 Denn es ist vollendete Gerechtigkeit, dich zu verstehen; und deine Stärke zu kennen ist die Wurzel der Unsterblichkeit.4 Die arglistige Erfindung der Menschen hat uns nicht verführt, die unfruchtbare Arbeit der Maler, eine mit bunten Farben besudelte Gestalt.5 Ihr Anblick erregt die Sehnsucht der Toren und weckt in ihnen das Verlangen nach der leblosen Gestalt eines toten Bildes.6 Liebhaber des Bösen und solcher Hoffnungen würdig sind alle, die es anfertigen, die nach ihm verlangen und die es anbeten.7 Der Töpfer knetet mühsam den weichen Ton, um daraus Gefäße zu unserem Gebrauch zu formen. Aus dem gleichen Lehm bildet er solche, die sauberen Zwecken dienen, und solche für das Gegenteil, alle in gleicher Weise; über den Gebrauch eines jeden entscheidet der Töpfer.8 Aus dem gleichen Lehm formt er in verkehrter Mühe auch einen nichtigen Gott, er, der vor kurzem aus Erde entstand und bald dorthin zurückkehrt, woher er genommen ist, wenn seine Seele, das ihm anvertraute Darlehen, zurückgefordert wird.9 Doch es kümmert ihn nicht, daß er dahinschwinden wird und nur ein kurzes Leben hat. Er wetteifert mit Goldschmieden und Silbergießern, er ahmt Kupferschmiede nach und sieht seinen Ruhm darin, Trugbilder zu formen.10 Asche ist sein Herz, noch weniger wert als Erdenstaub seine Hoffnung, und sein Leben ist wertloser als Lehm.11 Seinen eigenen Bildner hat er nämlich nicht erkannt, den, der ihm eine wirkende Seele eingehaucht und Lebensatem eingeblasen hat.12 Nein, er hält unser Leben für ein Kinderspiel, das Dasein für einen einträglichen Jahrmarkt; er sagt, man müsse aus allem, auch aus Schlechtem, Gewinn ziehen.13 Denn er weiß besser als alle, daß er sündigt, wenn er aus dem gleichen Erdenstoff nicht nur zerbrechliche Gefäße, sondern auch Götzenbilder fertigt.14 Ganz unverständig aber und ärmer als eines Kindes Seele waren die Feinde, die dein Volk knechteten.15 Sie hielten alle Götzen der Völker für Götter, Götter, die weder ihre Augen gebrauchen können, um zu sehen, noch ihre Nase, um die Luft zu atmen, noch ihre Ohren, um zu hören, noch die Finger ihrer Hände, um zu tasten, und deren Füße nicht gehen können.16 Ein Mensch hat sie gemacht, einer, dem der Geist nur geliehen ist, hat sie gebildet; kein Mensch hat die Kraft, einen Gott zu bilden, der auch nur ihm selber ähnlich wäre.17 Als Sterblicher schafft er mit frevelhaften Händen nur Totes. Er ist besser als seine angebeteten Gebilde; denn er bekam einmal Leben, diese aber nie.18 Sie verehren sogar die widerlichsten Tiere, die dümmsten im Vergleich mit den anderen,19 solche, die nicht einmal schön sind, so daß man an ihnen Gefallen finden könnte, soweit das beim Anblick von Tieren möglich ist, die zudem Gottes Lob und seinen Segen verloren haben.

Das Buch der Weisheit Kapitel 16

1 Darum wurden sie mit Recht durch ähnliche Tiere gezüchtigt und durch eine Menge von Ungeziefer gequält.2 Während sie auf solche Weise gezüchtigt wurden, hast du deinem Volk eine Wohltat erwiesen und mit den Wachteln seinem heftigen Verlangen eine fremdartige Nahrung gegeben.3 Während jenen in ihrem Hunger die Eßlust verging wegen der Häßlichkeit der gegen sie gesandten Tiere, bekamen diese nach nur kurzer Entbehrung sogar eine fremdartige Speise.4 Über jene Unterdrücker sollte unabwendbarer Hunger kommen; diese aber sollten nur kurz spüren, wie ihre Feinde gequält wurden.5 Auch damals, als die schreckliche Wut wilder Tiere über sie hereinbrach und sie durch die Bisse tückischer Schlangen umkamen, dauerte dein Zorn nicht bis ans Ende.6 Zur Warnung wurden sie nur kurz in Schrecken versetzt und bekamen ein Rettungszeichen, damit sie sich an die Vorschrift deines Gesetzes erinnerten.7 Wer sich dorthin wandte, wurde nicht durch das gerettet, was er anschaute, sondern durch dich, den Retter aller.8 Dadurch hast du unsere Feinde überzeugt, daß du es bist, der aus allem Übel erlöst.9 Denn sie wurden durch die Bisse der Heuschrecken und der Stechfliegen getötet, ohne daß es ein Heilmittel für sie gab; sie verdienten es ja, durch solches Ungeziefer gezüchtigt zu werden.10 Deine Söhne aber wurden nicht einmal durch die Zähne giftspritzender Schlangen überwältigt; denn dein Erbarmen kam ihnen zu Hilfe und heilte sie.11 Sie wurden gebissen, aber schnell wieder gerettet, damit sie sich an deine Worte erinnerten; denn sie sollten nicht in tiefes Vergessen versinken, sondern sich ungehindert deiner Wohltaten erfreuen.12 Weder Kraut noch Wundpflaster machte sie gesund, sondern dein Wort, Herr, das alles heilt.13 Du hast Gewalt über Leben und Tod; du führst zu den Toren der Unterwelt hinab und wieder herauf.14 Ein Mensch kann zwar in seiner Schlechtigkeit töten; doch den entschwundenen Geist holt er nicht zurück, und die weggenommene Seele kann er nicht befreien.15 Unmöglich ist es, deiner Hand zu entfliehen.16 Denn die Frevler, die behaupten, dich nicht zu kennen, wurden durch die Kraft deines Armes gezüchtigt: Ungewöhnliche Regengüsse, Hagelschauer und schreckliche Wolkenbrüche peitschten auf sie nieder, und Feuer verzehrte sie.17 Das seltsamste war, daß das Wasser, das sonst alles löscht, die Kraft des Feuers noch verstärkte; denn die Natur kämpft für die Gerechten.18 Das eine Mal wurde die Flamme gezähmt, damit sie nicht die Tiere verzehrte, die gegen die Ruchlosen gesandt waren; diese sollten sehen und erkennen, daß sie von Gottes Strafe verfolgt wurden.19 Das andere Mal brannte die Flamme mit ungewöhnlicher Kraft mitten im Wasser, um die Erzeugnisse des schuldbeladenen Landes zu vernichten.20 Dein Volk dagegen nährtest du mit der Speise der Engel, und unermüdlich gabst du ihm fertiges Brot vom Himmel. Deine Gabe gewährte jeden Genuß und entsprach jedem Geschmack;21 sie offenbarte deine zarte Liebe zu deinen Kindern. Sie erfüllte das Verlangen eines jeden, der sie genoß, und verwandelte sich in alles, was einer wollte.22 Schnee und Eis hielten dem Feuer stand und schmolzen nicht. Deine Kinder sollten erkennen, daß nur die Früchte der Feinde vom Feuer vernichtet wurden, das im Hagel brannte und in den Regengüssen blitzte,23 und daß es umgekehrt sogar seine eigene Kraft vergaß, damit die Gerechten Nahrung hätten.24 Denn die Schöpfung, die dir, ihrem Schöpfer, dient, steigert ihre Kräfte, um die Schuldigen zu bestrafen, und hält sie zurück, um denen Gutes zu tun, die auf dich vertrauen.25 Darum diente sie auch damals deinem Geschenk, das alle ernährte, und verwandelte sich in alles, was die Bittenden wünschten.26 Deine geliebten Söhne, Herr, sollten daraus lernen: Nicht die verschiedenartigen Früchte ernähren den Menschen, sondern dein Wort erhält alle, die dir vertrauen.27 Denn dasselbe, das vom Feuer nicht vernichtet wurde, schmolz sogleich, wenn es ein flüchtiger Sonnenstrahl erwärmte.28 So sollte man erkennen, daß man, um dir zu danken, der Sonne zuvorkommen und sich noch vor dem Aufgang des Lichtes an dich wenden muß.29 Denn die Hoffnung des Undankbaren schmilzt wie winterlicher Reif und verrinnt wie unnützes Wasser.

Das Buch der Weisheit Kapitel 17

1 Groß und nicht zu ergründen sind deine Entscheide; darum verfiel in Irrtum, wer sich nicht belehren ließ.2 Denn die Frevler meinten, das heilige Volk knechten zu können; und jetzt lagen sie da, Gefangene der Finsternis, Gefesselte einer langen Nacht, eingeschlossen in den Häusern, von der ewigen Vorsehung verbannt.3 Sie glaubten, mit ihren geheimen Sünden unter der dunklen Decke der Vergessenheit verborgen zu sein; da packte sie furchtbares Entsetzen. Sie wurden durch Trugbilder aufgeschreckt und auseinandergejagt.4 Auch der geheimste Winkel, in den sie sich flüchteten, konnte sie nicht vor Furcht bewahren; schreckenerregendes Getöse umbrauste sie, und düstere Gespenster mit finsteren Mienen tauchten auf.5 Keine Kraft irgendeines Feuers war stark genug, Licht zu bringen; nicht einmal der strahlende Glanz der Gestirne vermochte es, diese entsetzliche Nacht zu erhellen.6 Nur einen schaurigen Feuerherd, der sich von selbst entzündet hatte, sahen sie aufglühen; verschwand die Erscheinung, so hielten sie, außer sich vor Entsetzen, die Dinge, die sie sahen, für noch schlimmer.7 Da versagten die Gaukeleien der Zauberkunst, und die Probe auf das prahlerische Wissen fiel schmählich aus.8 Jene, die immer versprachen, Furcht und Verwirrung von der kranken Seele zu bannen, krankten nun selber an einer lächerlichen Angst.9 Auch wenn nichts Schreckliches sie ängstigte, wurden sie durch raschelndes Getier und zischelnde Schlangen aufgescheucht und vergingen vor Furcht. Nicht einmal in die Luft wollten sie blicken, der man doch nirgends entfliehen kann.10 Denn die Schlechtigkeit bezeugt selbst ihr feiges Wesen, wenn sie gestraft wird. Unter dem Druck des Gewissens befürchtet sie immer das Schlimmste.11 Furcht ist ja nichts anderes als der Verzicht auf die von der Vernunft angebotene Hilfe.12 Je weniger man solche Hilfe erwartet, um so schlimmer erscheint es, die Ursache der Qual nicht zu kennen.13 In Wahrheit hatte jene Nacht keine Gewalt; aus den Tiefen der machtlosen Totenwelt war sie heraufgestiegen. Sie aber, die wie sonst schlafen wollten,14 wurden bald durch Schreckgespenster aufgescheucht, bald durch Mutlosigkeit gelähmt; denn plötzliche und unerwartete Furcht hatte sie befallen.15 So wurde jeder dort, wo er zu Boden sank, ein Gefangener, der in einen Kerker ohne Eisenfesseln eingeschlossen war.16 Ob Bauer oder Hirt oder ein Taglöhner, der einsam arbeitete, alle wurden überrascht und mußten sich dem unentrinnbaren Zwang fügen, alle wurden durch die gleiche Kette der Finsternis gefesselt.17 Das Pfeifen des Windes, der wohlklingende Gesang der Vögel auf den Zweigen der Bäume, das Rauschen ungestüm strömender Wasser, das wilde Donnern stürzender Felsen,18 das Laufen hüpfender Tiere, die man nicht sehen konnte, das laute Gebrüll wilder Raubtiere, das aus den Schluchten der Berge zurückgeworfene Echo: alles und jedes jagte ihnen lähmende Furcht ein.19 Die ganze Welt stand in strahlendem Licht, und alle gingen ungehindert ihrer Arbeit nach.20 Nur über jene breitete sich drückende Nacht aus, Bild der Finsternis, die sie dereinst aufnehmen sollte. Doch mehr als unter der Finsternis litten sie unter ihrer eigenen Angst.

Das Buch der Weisheit Kapitel 18

1 Deinen Heiligen dagegen strahlte hellstes Licht. Die anderen hörten ihre Stimme, ohne sie selbst zu sehen, und priesen sie glücklich, mochten diese vorher noch so viel erduldet haben.2 Sie dankten ihnen, daß sie für das früher erlittene Unrecht keine Rache nahmen, und baten um Verzeihung für ihr feindliches Verhalten.3 Statt jener Finsternis gabst du den Deinen eine flammende Feuersäule als Führerin auf unbekanntem Weg, als freundliche Sonne auf ihrer ruhmvollen Wanderung.4 Jene hingegen hatten es verdient, des Lichtes beraubt und in Finsternis gefangen zu sein, weil sie einst deine Söhne eingeschlossen und gefangen hielten, durch die das unvergängliche Licht des Gesetzes der Welt gegeben werden sollte.5 Sie hatten beschlossen, die Kinder der Heiligen zu töten, und nur ein einziges Kind wurde ausgesetzt und gerettet. Zur Strafe hast du ihnen viele ihrer eigenen Kinder weggenommen und sie alle auf einmal in gewaltiger Wasserflut vernichtet.6 Jene Nacht wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten zuversichtlich sein und sicher wissen, welchen eidlichen Zusagen sie vertrauen konnten.7 So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde.8 Während du die Gegner straftest, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht.9 Denn im Verborgenen feierten die frommen Söhne der Guten ihr Opferfest; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, daß die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und sangen schon im voraus die Loblieder der Väter.10 Da hallte ihnen das wirre Geschrei der Feinde entgegen, und sie hörten die laute Klage über die toten Kinder.11 Das gleiche Urteil traf Herrn und Knecht; der Mann aus dem Volk und der König hatten das gleiche Leid zu tragen.12 Durch die gleiche Todesart hatten alle zusammen unzählige Tote. Es waren nicht genügend Lebende da, um sie zu begraben; denn mit einem Schlag waren die besten Nachkommen vernichtet worden.13 Bisher waren sie durch die Künste ihrer Zauberer ungläubig geblieben; jetzt aber mußten sie beim Untergang der Erstgeborenen bekennen: Dieses Volk ist Gottes Sohn.14 Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,15 da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab als harter Krieger mitten in das dem Verderben geweihte Land.16 Es trug das scharfe Schwert deines unerbittlichen Befehls, trat hin und erfüllte alles mit Tod; es berührte den Himmel und stand auf der Erde.17 Plötzlich schreckten sie furchtbare Traumgesichte auf, und ungeahnte Ängste überfielen sie.18 Einer stürzte hier, ein anderer dort halbtot zu Boden und bekannte, aus welchem Grund er sterben mußte.19 Denn die erschreckenden Träume hatten es ihnen vorausgesagt; sie sollten nicht umkommen, ohne zu wissen, warum sie so Schlimmes erlitten.20 Auch die Gerechten lernten eine Probe des Todes kennen: Eine große Anzahl wurde in der Wüste dahingerafft; doch der Zorn hielt nicht lange an.21 Ein Mann ohne Tadel sprang als Vorkämpfer ein mit der Waffe seines heiligen Dienstes, mit Gebet und sühnendem Räucherwerk. Er trat dem Zorn entgegen, machte dem Unheil ein Ende und zeigte so, daß er dein Diener war.22 Er überwand die Not nicht durch Körperkraft und nicht durch Waffengewalt, sondern durch das Wort bezwang er den Strafenden, indem er ihn an die eidlich bekräftigten Bündnisse mit den Vätern erinnerte.23 Denn als die Toten sich schon häuften, trat er dazwischen, hielt seinen Ansturm auf und schnitt ihm den Weg zu den Lebenden ab.24 Auf seinem langen Gewand war die ganze Welt dargestellt, auf den vier Reihen der Edelsteine waren die ruhmreichen Namen der Väter eingeschnitten und auf seinem Stirnband dein hoheitsvoller Name.25 Davor wich der Verderber voll Furcht zurück; denn es genügte schon diese Probe des Zornes.

Das Buch der Weisheit Kapitel 19

1 Über die Frevler kam erbarmungsloser Zorn, bis sie vernichtet waren; denn Gott wußte im voraus, wie sie sich verhalten würden:2 Sie selbst hatten den Abzug der Gerechten gestattet und sie sogar dazu gedrängt; dann aber änderten sie ihren Sinn und verfolgten sie.3 Sie waren noch mit der Bestattung der Toten beschäftigt und klagten an ihren Gräbern, als sie in ihrer Torheit einen anderen Entschluß faßten und denen wie Entlaufenen nachsetzten, denen sie flehentlich zugeredet hatten wegzugehen.4 Das selbstverschuldete Verhängnis trieb sie in diesen Untergang und ließ sie alles vergessen, was geschehen war; denn sie sollten über die bisherigen Plagen hinaus die äußerste Strafe erleiden.5 Deinem Volk aber sollte sich ein unerwarteter Weg eröffnen, während jene einen ungewöhnlichen Tod fanden.6 Das Wesen der ganzen Schöpfung wurde neugestaltet; sie gehorchte deinen Befehlen, damit deine Kinder unversehrt bewahrt blieben.7 Man sah die Wolke, die das Lager überschattete, trockenes Land tauchte auf, wo zuvor Wasser war; es zeigte sich ein Weg ohne Hindernisse durch das Rote Meer, eine grüne Ebene stieg aus der gewaltigen Flut.8 Von deiner Hand behütet, zogen sie vollzählig hindurch und sahen staunenswerte Wunder.9 Sie weideten wie Rosse, hüpften wie Lämmer und lobten dich, Herr, ihren Retter.10 Denn sie dachten zudem auch an das, was im fremden Land geschehen war: wie Mücken nicht von Tieren, sondern von der Erde hervorgebracht wurden, und wie der Fluß nicht Wassertiere, sondern eine Menge Frösche auswarf.11 Schließlich sahen sie auch Vögel auf eine neue Weise entstehen, als sie, um ihre Gier zu befriedigen, nach üppigen Speisen verlangten.12 Zu ihrem Trost entstiegen nämlich Wachteln dem Meer.13 Die Strafen kamen über die Sünder nicht ohne Warnung durch wuchtige Blitze. Mit Recht mußten sie für ihre bösen Taten leiden, weil sie einen so schlimmen Fremdenhaß gezeigt hatten.14 Während andere die Unbekannten, die zu ihnen kamen, nicht aufnahmen, machten diese sogar Gäste, die ihre Wohltäter waren, zu Sklaven.15 Noch mehr: Gewiß wird auch jene eine Strafe treffen, weil sie Fremde feindselig empfangen hatten;16 diese aber haben Gäste, die sie festlich aufgenommen hatten und die schon die gleichen Bürgerrechte genossen, mit schwerem Frondienst geplagt.17 Wie jene an der Türe des Gerechten mit Blindheit geschlagen wurden, so auch diese, als sie von dichter Finsternis umgeben waren und jeder versuchte, seine Türe zu finden.18 Die Elemente verändern sich untereinander, wie auf einer Harfe die Töne den Rhythmus ändern und doch den gleichen Klang behalten. Dies läßt sich aus der Betrachtung der Geschehnisse deutlich erkennen.19 Landtiere verwandelten sich in Wassertiere, und schwimmende Tiere stiegen ans Land.20 Das Feuer steigerte im Wasser die ihm eigene Kraft, und das Wasser vergaß seine löschende Wirkung.21 Flammen verzehrten nicht das Fleisch der hinfälligen Tiere, die hineingerieten, noch schmolz im Feuer die eisartige, leichtschmelzende himmlische Speise.22 In allem hast du, Herr, dein Volk groß gemacht und verherrlicht; du hast es nicht im Stich gelassen, sondern bist ihm immer und überall beigestanden.

Das Buch Jesus Sirach =

 

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 1

1 Alle Weisheit stammt vom Herrn, und ewig ist sie bei ihm.2 Den Sand des Meeres, die Tropfen des Regens und die Tage der Vorzeit, wer hat sie gezählt?3 Die Höhe des Himmels, die Breite der Erde und die Tiefe des Meeres, wer hat sie gemessen?4 Früher als sie alle ist die Weisheit erschaffen, von Ewigkeit her die verständige Einsicht.5 Die Quelle der Weisheit ist das Wort Gottes in der Höhe; ihre Wege sind die ewigen Gebote. Die Kenntnis der Weisheit, wem wurde sie offenbart? Ihre mannigfachen Wege, wer hat sie erkannt?6 Die Wurzel der Weisheit - wem wurde sie enthüllt, ihre Pläne - wer hat sie durchschaut?7 8 Nur einer ist weise, höchst ehrfurchtgebietend: der auf seinem Thron sitzt, der Herr.9 Er hat sie geschaffen, geschaut und gezählt, sie ausgegossen über all seine Werke.10 Den Menschen ist sie unterschiedlich zugeteilt; er spendet sie denen, die ihn fürchten.11 Die Gottesfurcht ist Ruhm und Ehre, Hoheit ist sie und eine prächtige Krone.12 Die Gottesfurcht macht das Herz froh, sie gibt Freude, Frohsinn und langes Leben.13 Dem Gottesfürchtigen geht es am Ende gut, am Tag seines Todes wird er gepriesen.14 Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht, den Glaubenden ist sie angeboren.15 Bei den Frommen hat sie einen dauernden Wohnsitz, und bei ihren Nachkommen wird sie bleiben.16 Fülle der Weisheit ist die Gottesfurcht, sie labt die Menschen mit ihren Früchten.17 Ihr ganzes Haus füllt sie mit Schätzen an, die Speicher mit ihren Gütern.18 Krone der Weisheit ist die Gottesfurcht, sie läßt Heil und Gesundheit sprossen.19 Verständnis und weise Einsicht gießt sie aus, sie erhöht den Ruhm aller, die an ihr festhalten.20 Wurzel der Weisheit ist die Gottesfurcht, ihre Zweige sind langes Leben.21 Die Gottesfurcht hält Sünden fern, wer in ihr verbleibt, vertreibt allen Zorn.22 Ungerechter Zorn kann nicht Recht behalten, wütender Zorn bringt zu Fall.23 Der Geduldige hält aus bis zur rechten Zeit, doch dann erfährt er Freude.24 Bis zur rechten Zeit hält er mit seinen Worten zurück, dann werden viele seine Klugheit preisen.25 In den Kammern der Weisheit liegen kluge Sinnsprüche, doch dem Sünder ist die Gottesfurcht ein Greuel.26 Begehrst du Weisheit, so halte die Gebote, und der Herr wird dir die Weisheit schenken.27 Denn die Gottesfurcht ist Weisheit und Bildung, an Treue und Demut hat Gott Gefallen.28 Sei nicht mißtrauisch gegen die Gottesfurcht, und nahe ihr nicht mit zwiespältigem Herzen!29 Sei kein Heuchler vor den Menschen, und hab acht auf deine Lippen!30 Überhebe dich nicht, damit du nicht fällst und Schande über dich bringst; sonst enthüllt der Herr, was du verbirgst, und bringt dich zu Fall inmitten der Gemeinde, weil du dich der Gottesfurcht genaht hast, obwohl dein Herz voll Trug war.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 2

1 Mein Sohn, wenn du dem Herrn dienen willst, dann mach dich auf Prüfung gefaßt!2 Sei tapfer und stark, zur Zeit der Heimsuchung überstürze nichts!3 Hänge am Herrn, und weiche nicht ab, damit du am Ende erhöht wirst.4 Nimm alles an, was über dich kommen mag, halt aus in vielfacher Bedrängnis!5 Denn im Feuer wird das Gold geprüft, und jeder, der Gott gefällt, im Schmelzofen der Bedrängnis.6 Vertrau auf Gott, er wird dir helfen, hoffe auf ihn, er wird deine Wege ebnen.7 Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, hofft auf sein Erbarmen, weicht nicht ab, damit ihr nicht zu Fall kommt.8 Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf ihn, und er wird euch den Lohn nicht vorenthalten.9 Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, hofft auf Heil, auf immerwährende Freude und auf Erbarmen!10 Schaut auf die früheren Generationen und seht: Wer hat auf den Herrn vertraut und ist dabei zuschanden geworden? Wer hoffte auf ihn und wurde verlassen? Wer rief ihn an, und er erhörte ihn nicht?11 Denn gnädig und barmherzig ist der Herr; er vergibt die Sünden und hilft zur Zeit der Not.12 Weh den mutlosen Herzen und den schlaffen Händen, dem Menschen, der auf zweierlei Wegen geht.13 Weh dem schlaffen Herzen, weil es nicht glaubt; darum wird es keinen Schutz haben.14 Weh euch, die ihr die Hoffnung verloren habt. Was werdet ihr tun, wenn euch der Herr zur Rechenschaft zieht?15 Wer den Herrn fürchtet, ist nicht ungehorsam gegen sein Wort, wer ihn liebt, hält seine Wege ein.16 Wer den Herrn fürchtet, sucht ihm zu gefallen, wer ihn liebt, ist erfüllt von seinem Gesetz.17 Wer den Herrn fürchtet, macht sein Herz bereit und demütigt sich vor ihm.18 Besser ist es, in die Hände des Herrn zu fallen als in die Hände der Menschen. Denn wie seine Größe, so ist sein Erbarmen, und wie sein Name, so sind auch seine Werke.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 3

1 Hört, ihr Söhne, was das Recht des Vaters ist, und handelt danach, damit es euch gut geht.2 Denn der Herr hat den Kindern befohlen, ihren Vater zu ehren, und die Söhne verpflichtet, das Recht ihrer Mutter zu achten.3 Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden,4 und wer seine Mutter achtet, gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt.5 Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den eigenen Kindern, und wenn er betet, wird er Erhörung finden.6 Wer den Vater achtet, wird lange leben, und wer seiner Mutter Ehre erweist, der erweist sie dem Herrn.7 Wer den Herrn fürchtet, ehrt seinen Vater und dient seinen Eltern wie Vorgesetzten.8 Mein Sohn, ehre deinen Vater in Wort und Tat, damit aller Segen über dich kommt.9 Der Segen des Vaters festigt die Wurzel, doch der Fluch der Mutter reißt die junge Pflanze aus.10 Such deinen Ruhm nicht darin, den Vater herabzusetzen, denn das ist keine Ehre für dich.11 Die Ehre eines Menschen ist die seines Vaters; wer seine Mutter verachtet, sündigt schwer.12 Mein Sohn, wenn dein Vater alt ist, nimm dich seiner an, und betrübe ihn nicht, solange er lebt.13 Wenn sein Verstand abnimmt, sieh es ihm nach, und beschäme ihn nicht in deiner Vollkraft!14 Denn die Liebe zum Vater wird nicht vergessen, sie wird als Sühne für deine Sünden eingetragen.15 Zur Zeit der Bedrängnis wird sie dir vergolten werden; sie läßt deine Sünden schmelzen wie Wärme den Reif.16 Wie ein Gotteslästerer handelt, wer seinen Vater im Stich läßt, und von Gott ist verflucht, wer seine Mutter kränkt.17 Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden, und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Gaben verteilt.18 Je größer du bist, um so mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott.19 20 Denn groß ist die Macht Gottes, und von den Demütigen wird er verherrlicht.21 Such nicht zu ergründen, was dir zu wunderbar ist, untersuch nicht, was dir verhüllt ist.22 Was dir zugewiesen ist, magst du durchforschen, doch das Verborgene hast du nicht nötig.23 Such nicht hartnäckig zu erfahren, was deine Kraft übersteigt. Es ist schon zu viel, was du sehen darfst.24 Vielfältig sind die Gedanken der Menschen, schlimmer Wahn führt in die Irre.25 26 Ein trotziges Herz nimmt ein böses Ende, wer aber das Gute liebt, den wird es geleiten.27 Ein trotziges Herz schafft sich viel Leid, und der Frevler häuft Sünde auf Sünde.28 Für die Wunde des Übermütigen gibt es keine Heilung, denn ein giftiges Kraut hat in ihm seine Wurzeln.29 Ein weises Herz versteht die Sinnsprüche , ein Ohr, das auf die Weisheit hört, macht Freude.30 Wie Wasser loderndes Feuer löscht, so sühnt Mildtätigkeit Sünde.31 Wer Gutes tut, dem begegnet es auf seinen Wegen, sobald er wankt, findet er eine Stütze.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 4

1 Mein Sohn, entzieh dem Armen nicht den Lebensunterhalt, und laß die Augen des Betrübten nicht vergebens warten!2 Enttäusche den Hungrigen nicht, und das Herz des Unglücklichen errege nicht!3 Verweigere die Gabe dem Bedürftigen nicht,4 und mißachte nicht die Bitten des Geringen!5 Verbirg dich nicht vor dem Verzweifelten, und gib ihm keinen Anlaß, dich zu verfluchen.6 Schreit der Betrübte im Schmerz seiner Seele, so wird Gott, sein Fels, auf sein Wehgeschrei hören.7 Mach dich beliebt in der Gemeinde, beuge das Haupt vor dem, der sie führt.8 Neige dem Armen dein Ohr zu, und erwidere ihm freundlich den Gruß!9 Rette den Bedrängten vor seinen Bedrängern; ein gerechtes Gericht sei dir nicht widerwärtig.10 Sei den Waisen wie ein Vater und den Witwen wie ein Gatte! Dann wird Gott dich seinen Sohn nennen, er wird Erbarmen mit dir haben und dich vor dem Grab bewahren.11 Die Weisheit belehrt ihre Söhne, sie mahnt eindringlich alle, die auf sie achten.12 Wer sie liebt, liebt das Leben, wer sie sucht, wird Gott gefallen.13 Wer sie ergreift, findet Ehre beim Herrn und wird unter Gottes Segen leben.14 Der Dienst an ihr ist Dienst am Heiligtum; wer sie liebt, den liebt der Herr.15 Wer auf mich hört, wird gerecht richten, wer mir zuhört, wohnt in meinen innersten Kammern.16 Hat er Vertrauen zu mir, wird er mich erlangen, auch seine Nachkommen werden mich besitzen.17 Denn unerkannt gehe ich mit ihm und prüfe ihn durch Versuchungen. Furcht und Bangen lasse ich über ihn kommen, bis sein Herz von mir erfüllt ist.18 Dann wende ich mich ihm zu, zeige ihm den geraden Weg und enthülle ihm meine Geheimnisse.19 Weicht er ab, so verwerfe ich ihn und überlasse ihn denen, die ihn vernichten.20 Mein Sohn, achte auf die rechte Zeit, und scheue das Unrecht! Deiner selbst sollst du dich nicht schämen müssen.21 Es gibt eine Scham, die Sünde bringt, und eine Scham, die Ehre und Ruhm einträgt.22 Sei nicht parteiisch, dir selbst zum Schaden, strauchle nicht, dir selbst zum Fall.23 Halte zur rechten Zeit dein Wort nicht zurück, verbirg deine Weisheit nicht!24 Denn die Weisheit zeigt sich in der Rede und die Einsicht in der Antwort der Zunge.25 Widerstreite der Wahrheit nicht; deiner Torheit sollst du dich schämen.26 Schäme dich nicht, von der Sünde umzukehren, leiste nicht trotzig Widerstand!27 Unterwirf dich nicht dem Toren, nimm keine Rücksicht auf den Herrscher!28 Bis zum Tod setz dich ein für das Recht, dann wird der Herr für dich kämpfen.29 Sei nicht prahlerisch mit deinen Worten und schlaff und matt in deinem Tun!30 Spiel nicht in deinem Haus den Löwen, vor dem sich deine Knechte fürchten müssen.31 Deine Hand sei nicht ausgestreckt zum Nehmen und verschlossen beim Zurückgeben.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 5

1 Verlaß dich nicht auf deinen Reichtum, und sag nicht: Ich kann es mir leisten.2 Folg nicht deinem Herzen und deinen Augen, um nach dem Begehren deiner Seele zu leben.3 Sag nicht: Wer vermag etwas gegen meine Macht? Denn der Herr rächt die Verfolgten.4 Sag nicht: Ich habe gesündigt, doch was ist mir geschehen? Denn der Herr hat viel Geduld.5 Verlaß dich nicht auf die Vergebung, füge nicht Sünde an Sünde,6 indem du sagst: Seine Barmherzigkeit ist groß, er wird mir viele Sünden verzeihen. Denn Erbarmen ist bei ihm, aber auch Zorn, auf den Frevlern ruht sein Grimm.7 Zögere nicht, dich zu ihm zu bekehren, verschieb es nicht Tag um Tag! Denn sein Zorn bricht plötzlich aus, zur Zeit der Vergeltung wirst du dahingerafft.8 Vertrau nicht auf trügerische Schätze; sie nützen nichts am Tag des Zorns.9 Worfle nicht bei jedem Wind, und geh nicht auf jedem Pfad!10 Bleib fest bei deiner Überzeugung, eindeutig sei deine Rede.11 Sei schnell bereit zum Hören, aber bedächtig bei der Antwort!12 Nur wenn du imstande bist, antworte deinem Mitmenschen, wenn nicht, leg die Hand auf den Mund!13 Ehre und Schmach liegen in der Hand des Schwätzers, des Menschen Zunge ist sein Untergang.14 Laß dich nicht doppelzüngig nennen, und verleumde niemand mit deinen Worten! Denn für den Dieb ist Schande bestimmt, schlimme Schmach für den Doppelzüngigen.15 Im Kleinen wie im Großen handle nicht unrecht, sei nicht statt eines Freundes ein Feind!

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 6

1 Schlimmen Ruf und Schande erntet die schmähsüchtige Frau, ebenso schlecht ist der doppelzüngige Mann.2 Verfall nicht der Macht deiner Gier; sie wird wie ein Stier deine Kraft abweiden.3 Dein Laub wird sie fressen, deine Früchte verderben und dich zurücklassen wie einen dürren Baum.4 Freche Gier richtet ihre Opfer zugrunde und macht sie zum Gespött des Feindes.5 Sanfte Rede erwirbt viele Freunde, freundliche Lippen sind willkommen.6 Viele seien es, die dich grüßen, dein Vertrauter aber sei nur einer aus tausend.7 Willst du einen Freund gewinnen, gewinne ihn durch Erprobung, schenk ihm nicht zu schnell dein Vertrauen!8 Mancher ist Freund je nach der Zeit, am Tag der Not hält er nicht stand.9 Mancher Freund wird zum Feind, unter Schmähungen deckt er den Streit mit dir auf.10 Mancher ist Freund als Gast am Tisch, am Tag des Unheils ist er nicht zu finden.11 In deinem Glück ist er eins mit dir, in deinem Unglück trennt er sich von dir.12 Trifft dich ein Unglück, wendet er sich gegen dich und hält sich vor dir verborgen.13 Von deinen Feinden halte dich fern, vor deinen Freunden sei auf der Hut!14 Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt; wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden.15 Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf.16 Das Leben ist geborgen bei einem treuen Freund, ihn findet, wer Gott fürchtet.17 Wer den Herrn fürchtet, hält rechte Freundschaft, wie er selbst, so ist auch sein Freund.18 Mein Sohn, lerne Zucht von Jugend an, und du wirst Weisheit gewinnen, bis du ergraut bist.19 Wie ein Pflüger und Schnitter geh auf sie zu, und warte auf ihren reichen Ertrag! Du wirst in ihrem Dienst nur wenig Mühe haben und bald ihre Früchte genießen.20 Rauh ist sie für den Toren, wer ohne Einsicht ist, erträgt sie nicht.21 Wie ein schwerer Stein lastet sie auf ihm, er zögert nicht, sie abzuwerfen.22 Denn die Zucht ist wie ihr Name, vielen ist sie unbequem.23 Höre, mein Sohn, nimm meine Lehre an, verschmäh nicht meinen Rat!24 Bring deine Füße in ihre Fesseln, deinen Hals unter ihr Joch!25 Beuge deinen Nacken, und trage sie, werde ihrer Stricke nicht überdrüssig!26 Mit ganzem Herzen schreite auf sie zu, mit voller Kraft halte ihre Wege ein!27 Frage und forsche, suche und finde! Hast du sie erfaßt, laß sie nicht wieder los!28 Denn schließlich wirst du bei ihr Ruhe finden, sie wandelt sich dir in Freude.29 Ihre Fessel wird dir zum sicheren Schutz, ihre Stricke werden zu goldenen Gewändern.30 Ein Goldschmuck ist ihr Joch, ihre Garne sind ein Purpurband.31 Als Prachtgewand kannst du sie anlegen, sie aufsetzen als herrliche Krone.32 Wenn du willst, mein Sohn, kannst du weise werden, du wirst klug, wenn du dein Herz darauf richtest.33 Bist du bereit zu hören, so wirst du belehrt, neigst du dein Ohr, erlangst du Bildung.34 Verweile gern im Kreis der Alten, wer weise ist, dem schließ dich an!35 Lausche gern jeder ernsten Rede, keinen Weisheitsspruch laß dir entgehen!36 Achte auf den, der Weisheit hat, und suche ihn auf; dein Fuß trete seine Türschwelle aus.37 Achte auf die Furcht vor dem Herrn, sinn allezeit über seine Gebote nach! Dann gibt er deinem Herzen Einsicht, er macht dich weise, wie du es begehrst.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 7

1 Tu nichts Böses, so trifft dich nichts Böses.2 Bleib der Sünde fern, so meidet sie dich.3 Sä nicht in Furchen des Unrechts, damit du es nicht siebenfach erntest.4 Begehr von Gott kein Herrscheramt und vom König keinen Ehrenplatz!5 Halte dich nicht für gerecht vor Gott, nicht für klug vor dem König!6 Begehr nicht, Herrscher zu werden, wenn dir die Kraft fehlt, dem Übermut zu steuern; du würdest sonst den Vornehmen fürchten und deine Ehre beflecken.7 Setz dich nicht ins Unrecht bei der Versammlung am Tor, bring dich nicht selbst zu Fall vor der Gemeinde!8 Sinne nicht darauf, die Sünde zu wiederholen; schon bei einer bleibst du nicht straflos.9 Sag nicht: Auf die Menge meiner Gaben wird Gott sehen, und wenn ich dem Höchsten opfere, nimmt er es an.10 Sei nicht kleinmütig beim Gebet und nicht säumig beim Wohltun!11 Blick nicht geringschätzig auf einen Verbitterten; bedenk, daß einer da ist, der erhöht und erniedrigt.12 Sinne nicht auf Unrecht gegen deinen Bruder, auch nicht gegen den Freund und Gefährten.13 Jede Lüge mißfalle dir; denn sie hat nichts Gutes zu erhoffen.14 Rede nicht heimlich in der Versammlung der Fürsten, und wiederhol nicht die Worte beim Gebet!15 Sei nicht leichtfertig bei der schweren Arbeit auf dem Acker, denn von Gott ist sie zugewiesen.16 Überschätz dich nicht vor dem Volk; bedenk, daß der Zorn nicht ausbleibt.17 Demütige deinen Stolz ganz tief, denn was den Menschen erwartet, ist die Verwesung. 18 Wechsle keinen Freund für Geld, einen treuen Bruder nicht für Gold aus Ofir!19 Verachte nicht eine kluge Frau; liebenswürdige Güte ist mehr wert als Perlen.20 Mißhandle einen Sklaven nicht, der dir treu dient, auch nicht einen Tagelöhner, der sich willig einsetzt.21 Einen klugen Sklaven liebe wie dich selbst, verweigere ihm die Freilassung nicht!22 Hast du Vieh, so schau darauf; ist es brauchbar, so behalt es!23 Hast du Söhne, nimm sie in Zucht, und gib ihnen Frauen in jungen Jahren!24 Hast du Töchter, so behüte ihren Leib; zeig dich ihnen nicht allzu freundlich!25 Bring die Tochter aus dem Haus, dann zieht die Sorge aus; doch verheirate sie nur mit einem verständigen Mann!26 Hast du eine Frau, so verstoße sie nicht, und schenk dein Vertrauen keiner Geschiedenen!27 Ehre deinen Vater von ganzem Herzen, vergiß niemals die Schmerzen deiner Mutter!28 Denk daran, daß sie dir das Leben gaben. Wie kannst du ihnen vergelten, was sie für dich taten?29 Fürchte Gott von ganzem Herzen, seine Priester halt in Ehren!30 Liebe deinen Schöpfer mit aller Kraft, und laß seine Diener nie im Stich!31 Ehre Gott und achte den Priester, entrichte ihm den Anteil, wie es dir geboten ist: den Speiseanteil vom Schuldopfer und die freiwillige Abgabe, die gesetzlichen Schlachtopfer und die heilige Abgabe.32 Streck deine Hand auch dem Armen entgegen, damit dein Segen vollkommen sei.33 Schenk jedem Lebenden deine Gaben, und auch dem Toten versag deine Liebe nicht!34 Entzieh dich nicht den Weinenden, vielmehr trauere mit den Trauernden!35 Säume nicht, den Kranken zu besuchen, dann wirst du von ihm geliebt.36 Bei allem, was du tust, denk an das Ende, so wirst du niemals sündigen.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 8

1 Streite nicht mit einem Mächtigen, damit du ihm nicht in die Hände fällst.2 Kämpf nicht gegen einen Reichen an, sonst wirft er zu deinem Verderben sein Geld ins Gewicht. Schon viele hat das Geld übermütig gemacht, die Herzen der Großen hat es verführt.3 Zank nicht mit einem Schwätzer, und leg nicht noch Holz auf das Feuer!4 Pflege keinen Umgang mit einem Toren; er wird die Weisen doch nur verachten.5 Beschäm keinen, der sich von der Sünde bekehrt hat; denk daran, daß wir alle schuldig sind.6 Beschimpf keinen alten Mann; denn auch mancher von uns wird ein Greis.7 Freu dich nicht, wenn einer gestorben ist, bedenk: Wir alle werden sterben.8 Verwirf die Rede der Weisen nicht, wirf dich vielmehr auf ihre Sinnsprüche! Denn dadurch wirst du Bildung lernen, um vor Fürsten stehen zu können.9 Verachte nicht die Überlieferung der Alten, die sie übernommen haben von ihren Vätern. Dann wirst du Einsicht lernen, um antworten zu können, sobald es notwendig ist.10 Entzünde nicht die Glut des Frevlers, damit du in der Flamme seines Feuers nicht verbrennst.11 Weich einem Zuchtlosen nicht aus, sonst lauert er heimlich auf deine Reden.12 Borge keinem, der mächtiger ist als du. Hast du geborgt, so hast du verloren.13 Bürge für keinen, der höher steht als du. Hast du gebürgt, so mußt du zahlen.14 Rechte nicht mit einem Richter; denn er spricht Recht, wie es ihm beliebt.15 Mit einem Gewalttätigen geh nicht des Wegs, damit du nicht schweres Unheil über dich bringst. Denn er läuft rücksichtslos weiter, und du gehst zugrunde durch seinen Unverstand.16 Einem Jähzornigen biete nicht die Stirn, und reite mit ihm nicht durch die Wüste! Leicht wiegt in seinen Augen die Blutschuld; wenn kein Helfer da ist, bringt er dich um.17 Führe kein vertrauliches Gespräch mit einem Toren; er kann dein Geheimnis nicht für sich behalten.18 Vor einem Fremden tu nichts, was geheim bleiben soll; du weißt nicht, wie er sich am Ende verhält.19 Öffne dein Herz nicht jedem Menschen, und wirf das Glück nicht von dir!

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 9

1 Sei nicht eifersüchtig gegen die Frau an deiner Brust, damit sie nicht auf böse Gedanken gegen dich selbst kommt.2 Liefere dich nicht einer Frau aus, damit sie nicht Gewalt bekommt über dich.3 Nah dich nicht einer fremden Frau, damit du nicht in ihre Netze fällst.4 Verkehr nicht mit einer Saitenspielerin, damit du nicht durch ihre Töne gefangen wirst.5 Denk nicht zuviel an ein Mädchen, damit du nicht seinetwegen der Strafe verfällst.6 Gib dich nicht mit einer Dirne ab, damit sie dich nicht um dein Erbe bringt.7 Schau nicht umher auf den Wegen zur Stadt, streif nicht umher in ihren abgelegenen Winkeln!8 Verhüll dein Auge vor einer reizvollen Frau, blick nicht auf eine Schönheit, die dir nicht gehört. Wegen einer Frau kamen schon viele ins Verderben, sie versengt ihre Liebhaber wie Feuer.9 Streck dich nicht mit einer Verheirateten zum Weingelage hin, sitz nicht berauscht mit ihr zusammen, damit du ihr nicht dein Herz zuneigst und verblutend ins Grab sinkst.10 Gib einen alten Freund nicht auf; denn ein neuer hält nicht zu dir. Neuer Freund, neuer Wein: Nur alt trinkst du ihn gern.11 Sei nicht neidisch auf einen bösen Menschen; denn du weißt nicht, wann sein Tag ihn erreicht.12 Liebäugle nicht mit einem übermütigen Menschen, der Erfolg hat, bedenk, daß er nicht bis zum Tod straflos bleibt.13 Bleib dem Menschen fern, der Macht hat zu töten, und setz dich nicht Todesängsten aus! Nahst du dich ihm, so verfehle dich nicht, sonst nimmt er dir das Leben. Wisse, daß du dich zwischen Schlingen bewegst und über eine Fanggrube schreitest.14 Antworte deinem Nächsten, so gut du kannst, du selbst aber berate dich mit Weisen!15 Stell deine Überlegung zusammen mit Verständigen an, und berate alles in ihrem Kreis!16 Gerechte Männer seien deine Tischgenossen, dein Ruhm bestehe in der Gottesfurcht.17 Die Hände der Weisen fassen das Richtige an, ein redegewandter Weiser ist Herrscher in seinem Volk.18 Gefürchtet in der Stadt ist der Schwätzer, ein prahlerischer Mund ist verhaßt.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 10

1 Ein weiser Herrscher festigt sein Volk, die Regierung eines Verständigen ist wohlgeordnet.2 Wie der Herrscher des Volkes, so seine Beamten, wie das Haupt der Stadt, so ihre Bewohner.3 Ein König ohne Zucht richtet die Stadt zugrunde, volkreich wird die Stadt durch kluge Fürsten.4 In Gottes Hand liegt die Herrschaft über den Erdkreis; er setzt zur rechten Zeit den rechten Mann über ihn.5 In Gottes Hand liegt der Erfolg eines Menschen, er verleiht dem Gesetzgeber seine Würde.6 Füg dem Nächsten keinerlei Unrecht zu, geh nie den Weg des Übermuts!7 Dem Herrn und den Menschen ist Übermut verhaßt, Unterdrückung gilt bei beiden als Untat.8 Die Herrschaft geht von einem Volk auf das andere über wegen Gewalttat und Übermut.9 Warum überhebt sich der Mensch aus Staub und Asche, dessen Leib schon zu Lebzeiten verwest?10 Ein wenig Krankheit bringt den Arzt in Erregung: Heute König, morgen tot!11 Stirbt der Mensch, so wird ihm Moder zuteil, Maden, Geschmeiß und Gewürm.12 Mit dem Trotz des Menschen fängt sein Übermut an, wenn sich sein Herz abkehrt von seinem Schöpfer.13 Ein See der Maßlosigkeit ist die Sünde, aus ihr quillt Unrecht hervor. Darum wirkt Gott Wunder und Plagen und schlägt den Sünder bis zur Vernichtung.14 Gott stürzt den Thron der Stolzen und setzt an ihre Stelle die Demütigen.15 16 Gott verwischt die Spuren der Völker, ihren Wurzelstock schlägt er ab bis auf den Grund.17 Er fegt sie aus dem Land und rottet sie aus, ihr Andenken läßt er von der Erde verschwinden.18 Maßlosigkeit ziemt dem Menschen nicht, frecher Zorn nicht dem von einer Frau Geborenen.19 Welches Geschlecht ist geachtet? Das des Menschen. Welches Geschlecht ist geachtet? Das des Gottesfürchtigen. Welches Geschlecht ist verachtet? Das des Menschen. Welches Geschlecht ist verachtet? Das des Gesetzesübertreters.20 Unter Brüdern ist ihr Oberhaupt geehrt, aber in Gottes Augen der Gottesfürchtige.21 22 Gast und Fremder, Ausländer und Armer: ihr Ruhm ist die Gottesfurcht.23 Keinen verständigen Armen soll man verachten und keinen Gewalttätigen ehren.24 Fürsten, Richter und Herrscher sind geehrt, doch keiner ist größer als der Gottesfürchtige.25 Einem verständigen Sklaven müssen Freie dienen, doch ein kluger Mann braucht nicht zu klagen.26 Spiel nicht den Weisen, wenn du arbeiten sollst, tu nicht vornehm, wenn du in Not bist.27 Besser einer, der arbeitet und großen Reichtum gewinnt, als einer, der vornehm tut und nichts zu essen hat.28 Mein Sohn, in Demut ehre dich selbst, beurteile dich, wie du es verdienst.29 Wer wird den rechtfertigen, der sich selbst ins Unrecht setzt? Wer wird den ehren, der sich selbst die Ehre abspricht?30 Es gibt Arme, die wegen ihrer Klugheit geehrt sind. Es gibt Leute, die wegen ihres Reichtums geehrt sind.31 Wird einer als Armer geehrt, wieviel mehr, wenn er reich wird. Wird einer als Reicher verachtet, wieviel mehr, wenn er arm wird.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 11

1 Weisheit erhebt das Haupt des Armen und läßt ihn unter Fürsten sitzen.2 Lobe keinen Menschen wegen seiner (schönen) Gestalt, verachte keinen Menschen wegen seines (bescheidenen) Aussehens!3 Unansehnlich unter den geflügelten Tieren ist die Biene, und doch bringt sie den besten Ertrag ein.4 Spotte nicht über das Kleid eines Betrübten, verhöhne keinen, der Trauertag hat. Denn unbegreiflich sind die Fügungen des Herrn, verborgen ist den Menschen sein Tun.5 Viele, die unterdrückt waren, bestiegen den Thron, viele, an die niemand dachte, trugen die Krone.6 Viele, die hoch standen, wurden tief verachtet, und Angesehene wurden den Niedrigen ausgeliefert.7 Tadle nicht, ehe du geprüft hast; zuerst untersuche, dann weise zurecht!8 Gib keine Antwort, bevor du gehört hast, sprich nicht mitten in einer Rede!9 Wenn du nicht beleidigt wirst, reg dich nicht auf! Nimm nicht teil am Streit der Übermütigen!10 Mein Sohn, warum willst du dir soviel Mühe bereiten? Es bleibt doch keiner ungestraft, der zu hastig vorandrängt. Läufst du zu rasch, erreichst du das Ziel nicht; fliehst du zu schnell, entkommst du nicht.11 Da müht sich einer, plagt sich und hastet, doch um so mehr bleibt er zurück.12 Da ermattet einer und bricht unterwegs zusammen, ist arm an Kraft und reich an Schwäche, doch das Auge des Herrn schaut ihn gütig an, er schüttelt den schmutzigen Staub von ihm ab.13 Er richtet sein Haupt auf und erhöht ihn, so daß viele über ihn staunen.14 Gutes und Böses, Leben und Tod, Armut und Reichtum kommen vom Herrn.15 16 Irrtum und Finsternis sind für die Sünder erschaffen; wer sich des Bösen rühmt, mit dem wird das Böse alt.]17 Der Lohn des Herrn für den Gerechten steht fest, sein Wille setzt sich für immer durch.18 Mancher wird reich, weil er sich plagt, doch verwirkt er seinen Erwerb.19 Er sagt zwar zu gegebener Zeit: Ich habe Ruhe gefunden, nun will ich meine Güter genießen. Aber er weiß nicht, wie lange es dauert; er hinterläßt sie andern und stirbt.20 Mein Sohn, steh fest in deiner Pflicht, und geh ihr nach, bei deinem Tun bleibe bis ins Alter!21 Wundere dich nicht über die Übeltäter; früh morgens mach dich auf zum Herrn, und hoffe auf sein Licht! Denn leicht ist es in den Augen des Herrn, den Armen plötzlich und schnell reich zu machen.22 Gottes Segen ist der Lohn des Gerechten, zur bestimmten Zeit blüht seine Hoffnung auf.23 Sag nicht: Ich habe meine Wünsche erfüllt, was geht mir noch ab?24 Sag nicht: Ich bin versorgt, welches Unheil könnte über mich kommen?25 Das Glück von heute läßt das Unglück vergessen, das Unglück von heute läßt das Glück vergessen.26 Denn leicht ist es in den Augen des Herrn, am Todestag dem Menschen nach seinen Taten zu vergelten.27 Schlimme Zeit läßt die Lust vergessen, das Ende des Menschen gibt über ihn Auskunft.28 Preise niemand glücklich vor seinem Tod; denn erst an seinem Ende erkennt man den Menschen.29 Bring nicht jeden Menschen ins Haus; denn viele Wunden schlägt der Verleumder.30 Wie ein im Korb gefangener Vogel ist das Herz des Übermütigen oder wie ein Spion, der eine Bresche erspäht.31 Der Verleumder verkehrt Gutes in Böses, und deine besten Absichten bringt er in Verdacht.32 Einen Funken entfacht er zum Brand, der Niederträchtige lauert auf Blut.33 Hüte dich vor einem Bösen; denn er zeugt Böses. Warum willst du für immer einen Makel davontragen?34 Nimmst du den Fremden auf, entfremdet er dich deiner Lebensart; er entzweit dich mit deiner Familie.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 12

1 Wenn du Gutes tust, wisse, wem du es tust, dann wirst du Dank ernten für deine Wohltat.2 Tu dem Gerechten Gutes; dann findest du Lohn, wenn nicht von ihm, so doch vom Herrn.3 Ohne Dank bleibt, wer einen Frevler beschenkt, auch hat er kein gutes Werk vollbracht.4 Gib dem Guten, nicht aber dem Bösen, unterstütze den Demütigen, gib nicht dem Hochmütigen!5 Rüste ihn nicht mit Kampfwaffen aus, sonst greift er dich selbst mit ihnen an. Doppeltes Übel trifft dich für all das Gute, das du ihm getan hast.6 Denn auch Gott haßt die Bösen, den Frevlern vergilt er mit Strafe.7 8 Im Glück erkennt man den Freund nicht, aber im Unglück bleibt der Feind nicht verborgen.9 Im Glück ist auch der Feind ein Freund; im Unglück wendet auch der Freund sich ab.10 Trau niemals einem Feind; denn seine Bosheit gleicht dem rostenden Eisen.11 Zeigt er sich auch willig und tut unterwürfig, nimm dich in acht, und hüte dich vor ihm! Sei zu ihm wie ein Spiegelputzer, und beachte die letzten Spuren des Rostes!12 Laß ihn nicht an deiner Seite stehen, sonst stürzt er dich und tritt an deine Stelle. Laß ihn nicht zu deiner Rechten sitzen, sonst strebt er nach deinem Sitz. Zu spät begreifst du dann meine Worte und stimmst in meine Klage ein.13 Wer bedauert den Schlangenbeschwörer, wenn er gebissen wird, und den, der sich reißenden Tieren nähert?14 Ihnen gleicht, wer mit einem Schurken verkehrt und sich in seine Sünden verstrickt.15 Solange er neben dir steht, zeigt er sich nicht offen, wankst du aber, hält er nicht stand.16 Auf seinen Lippen hat der Gegner süße Worte, doch in seinem Herzen sinnt er auf Verderben. Mag auch der Feind mit seinen Augen weinen, findet er Gelegenheit, wird er an Blut nicht satt.17 Trifft dich ein Unglück, findet er sich ein; als heuchelnder Helfer sucht er dich zu stürzen.18 Er schüttelt den Kopf und schwingt die Hand, doch unter viel dunklem Gerede ändert er das Gesicht.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 13

1 Wer Pech anrührt, dem klebt es an der Hand; wer mit einem Zuchtlosen umgeht, nimmt seine Art an.2 Wie willst du tragen, was dir zu schwer ist? Ist einer reicher als du, wie kannst du mit ihm zusammengehen? Wie kann der irdene Topf mit dem Kessel zusammengehen? Der Kessel stößt an ihn, und er zerbricht.3 Der Reiche tut Unrecht und prahlt noch damit, der Arme leidet Unrecht und muß um Gnade bitten.4 Bist du ihm nützlich, ist er um dich bemüht, brichst du zusammen, läßt er dich im Stich.5 Hast du etwas, gibt er dir schöne Worte, doch er macht dich arm, ohne daß es ihm leid tut.6 Hat er dich nötig, schmeichelt er dir, er lächelt dir zu und macht dir Hoffnung.7 Solange es Vorteil bringt, hält er dich zum besten, zweimal, dreimal täuscht er dich. Sieht er dich dann wieder, geht er an dir vorbei und schüttelt den Kopf über dich.8 Gib acht, wag dich nicht zu weit vor, und werde nicht wie die, denen der Verstand fehlt.9 Naht sich ein Vornehmer, halte dich fern, um so mehr wird er dich an sich ziehen.10 Dräng dich nicht vor, sonst mußt du dich wieder zurückziehen; zieh dich aber nicht ganz zurück, sonst wirst du vergessen.11 Sei nicht zu sicher im freien Umgang mit ihm, trau nicht seinen vielen Reden! Mit seinen vielen Reden sucht er dich zu verführen, er lächelt dir zu und forscht dich aus.12 Grausam handelt der Mächtige und kennt kein Mitleid, gegen das Leben vieler schmiedet er heimliche Pläne.13 Gib acht, und sei vorsichtig, geh nicht mit gewalttätigen Menschen!14 15 Jedes Lebewesen liebt seinesgleichen, jeder Mensch den, der ihm ähnlich ist.16 Jedes Lebewesen hat seinesgleichen um sich, mit seinesgleichen gehe auch der Mensch zusammen.17 Geht etwa der Wolf mit dem Lamm zusammen? Ebensowenig der Frevler mit dem Gerechten.18 Lebt etwa die Hyäne mit dem Hund in Frieden und der Reiche in Frieden mit dem Armen?19 Des Löwen Beute sind die Wildesel in der Wüste; so sind die Geringen die Weide des Reichen.20 Ein Greuel für den Stolzen ist die Demut, ein Greuel für den Reichen ist der Arme.21 Wankt ein Reicher, wird er vom Freund gestützt, wankt ein Geringer, wird er vom Freund gestürzt.22 Redet ein Reicher, so hat er viele Helfer. Sein törichtes Gerede nennen sie schön. Redet ein Geringer, ruft man: Pfui! Mag er auch klug reden, für ihn ist kein Platz.23 Redet ein Reicher, dann schweigen alle, sie erheben seine Klugheit bis zu den Wolken. Redet ein Geringer, heißt es: Wer ist denn das? Stolpert er, dann stoßen sie ihn noch.24 Gut ist der Reichtum, wenn keine Schuld an ihm klebt; schlimm ist die Armut, die aus Übermut entstand.25 Das Herz des Menschen verändert sein Gesicht und macht es heiter oder traurig.26 Zeichen des glücklichen Herzens ist ein frohes Gesicht; Sorgen und Kummer sind quälendes Grübeln.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 14

1 Wohl dem Menschen, dem sein eigener Mund keine Vorwürfe macht, der nicht klagen muß vor Kummer über seine Sünden.2 Wohl dem Menschen, der sich nicht selbst tadeln muß und dessen Hoffnung nicht aufhört.3 Einem Engherzigen steht Reichtum nicht an. Wozu braucht ein Geiziger Gold?4 Wer gegen sich selbst geizt, sammelt für einen andern; in seinen Gütern wird ein Fremder schwelgen.5 Wer sich selbst nichts gönnt, wem kann der Gutes tun? Er wird seinem eigenen Glück nicht begegnen.6 Keiner ist schlimmer daran als einer, der sich selbst nichts gönnt, ihn selbst trifft die Strafe für seine Mißgunst.7 Tut er etwas Gutes, dann tut er es aus Versehen, und am Ende zeigt er seine Schlechtigkeit.8 Schlimm ist ein Geizhals, der sein Gesicht abwendet und die Hungernden verachtet.9 Dem Auge des Toren ist sein Besitz zu klein, ein geiziges Auge trocknet die Seele aus.10 Das Auge des Geizigen hastet nach Speise, Unruhe herrscht an seinem Tisch. 11 Mein Sohn, wenn du imstande bist, pflege dich selbst; soweit du kannst, laß es dir gutgehen!12 Denk daran, daß der Tod nicht säumt und die Frist bis zur Unterwelt dir unbekannt ist.13 Bevor du stirbst, tu Gutes dem Freund; beschenk ihn, soviel du vermagst.14 Versag dir nicht das Glück des heutigen Tages; an der Lust, die dir zusteht, geh nicht vorbei!15 Mußt du nicht einem andern deinen Besitz hinterlassen, den Erben, die das Los werfen über das, was du mühsam erworben hast?16 Beschenk den Bruder, und gönn auch dir etwas; denn in der Unterwelt ist kein Genuß mehr zu finden.17 Wir alle werden alt wie ein Kleid; es ist ein ewiges Gesetz: Alles muß sterben.18 Wie sprossende Blätter am grünen Baum - das eine welkt, das andere wächst nach -, so sind die Geschlechter von Fleisch und Blut: das eine stirbt, das andere reift heran.19 Alle ihre Werke vermodern, was ihre Hände schufen, folgt ihnen nach.20 Wohl dem Menschen, der nachsinnt über die Weisheit der sich bemüht um Einsicht,21 der seinen Sinn richtet auf ihre Wege und auf ihre Pfade achtet,22 der ihr nachgeht wie ein Späher und an ihren Eingängen lauert,23 der durch ihre Fenster schaut und an ihren Türen horcht,24 der sich bei ihrem Haus niederläßt und seine Zeltstricke an ihrer Mauer befestigt,25 der neben ihr sein Zelt aufstellt und so eine gute Wohnung hat,26 der sein Nest in ihr Laub baut und in ihren Zweigen die Nacht verbringt,27 der sich in ihrem Schatten vor der Hitze verbirgt und im Schutz ihres Hauses wohnt.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 15

1 Wer den Herrn fürchtet, handelt so, und wer am Gesetz festhält, erlangt die Weisheit.2 Sie geht ihm entgegen wie eine Mutter, wie eine junge Gattin nimmt sie ihn auf.3 Sie nährt ihn mit dem Brot der Klugheit und tränkt ihn mit dem Wasser der Einsicht.4 Er stützt sich auf sie und kommt nicht zu Fall, er vertraut auf sie und wird nicht enttäuscht.5 Sie erhöht ihn über seine Gefährten, sie öffnet ihm den Mund in der Versammlung.6 Sie läßt ihn Jubel und Freude finden, unvergänglichen Ruhm wird sie ihm verleihen.7 Für schlechte Menschen ist sie unerreichbar, Unbeherrschte werden sie nicht schauen.8 Den Zuchtlosen ist sie fern. Lügner denken nicht an sie.9 Schlecht klingt das Gotteslob im Mund des Frevlers, es ist ihm von Gott nicht zugeteilt.10 Im Mund des Weisen erklinge das Gotteslob, und wer dazu Vollmacht hat, unterrichte darin.11 Sag nicht: Meine Sünde kommt von Gott. Denn was er haßt, das tut er nicht.12 Sag nicht: Er hat mich zu Fall gebracht. Denn er hat keine Freude an schlechten Menschen.13 Verabscheuungswürdiges haßt der Herr; alle, die ihn fürchten, bewahrt er davor.14 Er hat am Anfang den Menschen erschaffen und ihn der Macht der eigenen Entscheidung überlassen.15 Wenn du willst, kannst du das Gebot halten; Gottes Willen zu tun ist Treue.16 Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt; streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt.17 Der Mensch hat Leben und Tod vor sich; was er begehrt, wird ihm zuteil.18 Überreich ist die Weisheit des Herrn; stark und mächtig ist er und sieht alles.19 Die Augen Gottes schauen auf das Tun des Menschen, er kennt alle seine Taten.20 Keinem gebietet er zu sündigen, und die Betrüger unterstützt er nicht.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 16

1 Wünsch dir nicht schöne Kinder, wenn sie nichts taugen, und freu dich nicht über mißratene Söhne!2 Mögen sie auch zahlreich sein, freu dich nicht über sie, wenn sie keine Gottesfurcht besitzen.3 Verlaß dich nicht auf ihre Lebensdauer, setz kein Vertrauen in ihre Zukunft! Besser als tausend ist einer , besser kinderlos sterben als schlimme Nachkommen haben.4 Durch einen einzigen Verständigen vermehrt sich die Stadt, durch die Sippe der Abtrünnigen verödet sie.5 Viel von dem hat mein Auge gesehen, mehr noch hat mein Ohr vernommen:6 Im Kreis der Frevler flammt Feuer auf; gegen ein sündiges Volk entbrennt der Zorn.7 Er hat den Fürsten der Vorzeit nicht verziehen, als sie sich in ihrer Stärke empörten.8 Er hat die Mitbürger Lots nicht geschont, als sie zügellos waren in ihrem Übermut.9 Er hat das todgeweihte Volk nicht geschont, das wegen seiner Sünden das Land verlor,10 auch nicht die sechshunderttausend Mann Fußvolk; sie wurden dahingerafft wegen ihres verbrecherischen Herzens.11 Wie erst ergeht es dem einzelnen, der halsstarrig ist: Ein Wunder wäre es, wenn er straflos bliebe. Denn bei Gott sind Erbarmen und Zorn, er vergibt und verzeiht, doch auch den Zorn schüttet er aus.12 Sein Erbarmen ist so groß wie sein Strafen, jeden richtet er nach seinen Taten.13 Der Verbrecher entkommt nicht mit seinem Raub, doch der Hoffnung des Gerechten setzt Gott kein Ende.14 Jedem Wohltätigen wird sein Lohn zuteil, jeder empfängt nach seinen Taten.15 16 Sein Erbarmen ist allen seinen Geschöpfen sichtbar, sein Licht und sein Dunkel hat er den Menschen zugeteilt.]17 Sag nicht: Ich bin vor Gott verborgen, wer denkt an mich in der Höhe? In der großen Menge bleibe ich unbemerkt, was bin ich in der Gesamtzahl der Menschen?18 Der Himmel, der höchste Himmel, das Meer und das Land, sie wanken, wenn er sie heimsucht.19 Der Untergrund der Berge und die Grundfesten der Erde, sie erbeben gewaltig, wenn er sie anschaut.20 Doch an mich denkt er nicht, und wer achtet auf meine Wege?21 Sündige ich, sieht mich kein Auge, betrüge ich ganz heimlich, wer weiß es? -22 Das gerechte Tun, wer macht es bekannt? Und was darf ich hoffen, wenn ich das Gebot halte?23 Nur ein Unvernünftiger behauptet solches, nur ein törichter Mensch denkt so.24 Hört auf mich, und lernt von meiner Erfahrung, richtet euren Sinn auf meine Worte!25 Wohlüberlegt trage ich meine Gedanken vor, und bescheiden teile ich mein Wissen mit:26 Als Gott am Anfang seine Werke erschuf und ihnen zu ihrem Dasein Gesetze gab,27 hat er ihre Aufgabe für immer festgelegt und ihren Machtbereich für alle Zeiten. Sie ermatten nicht und werden nicht müde, sie lassen nicht nach in ihrer Kraft.28 Keines seiner Werke verdrängt das andere, und bis in Ewigkeit widerstreben sie seinem Befehl nicht.29 Dann hat der Herr auf die Erde geblickt und sie mit seinen Gütern erfüllt.30 Mit allerlei Lebewesen bedeckte er ihre Fläche, und sie kehren wieder zu ihr zurück.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 17

1 Der Herr hat die Menschen aus Erde erschaffen und läßt sie wieder zu ihr zurückkehren.2 Gezählte Tage und eine bestimmte Zeit wies er ihnen zu und gab ihnen Macht über alles auf der Erde.3 Ihm selbst ähnlich hat er sie mit Kraft bekleidet und sie nach seinem Abbild erschaffen.4 Auf alle Wesen legte er die Furcht vor ihnen, über Tiere und Vögel sollten sie herrschen.5 6 Er bildete ihnen Mund und Zunge, Auge und Ohr, und ein Herz zum Denken gab er ihnen.7 Mit kluger Einsicht erfüllte er sie und lehrte sie, Gutes und Böses zu erkennen.8 Er zeigte ihnen die Größe seiner Werke, um die Furcht vor ihm in ihr Herz zu pflanzen.9 Sie sollten für immer seine Wunder rühmen10 und seinen heiligen Namen loben.11 Er hat ihnen Weisheit geschenkt und ihnen das lebenspendende Gesetz gegeben.12 Einen ewigen Bund hat er mit ihnen geschlossen und ihnen seine Gebote mitgeteilt.13 Ihre Augen sahen seine machtvolle Herrlichkeit, ihr Ohr vernahm seine gewaltige Stimme.14 Er sprach zu ihnen: Hütet euch vor allem Unrecht! Er schrieb ihnen ihr Verhalten gegenüber dem Nächsten vor.15 Ihre Wege liegen allezeit offen vor ihm, sie sind nicht verborgen vor seinen Augen.16 17 Für jedes Volk bestellte er einen Herrscher, Israel aber ist der Erbbesitz des Herrn.18 19 Alle ihre Taten stehen vor ihm wie die Sonne, seine Augen ruhen stets auf ihren Wegen.20 Ihre Frevel sind vor ihm nicht verborgen, alle ihre Sünden stehen dem Herrn vor Augen.21 22 Das Almosen eines jeden ist bei ihm wie ein Siegelring, des Menschen Wohltat behütet er wie einen Augapfel.23 Schließlich erhebt er sich und vergilt ihnen, er läßt die Vergeltung über ihr Haupt kommen.24 Den Reumütigen aber gewährt er Umkehr und tröstet die Hoffnungslosen .25 Wende dich zum Herrn, laß ab von der Sünde, bete vor ihm, und beseitige das Ärgernis!26 Kehre zum Höchsten zurück, und wende dich ab vom Bösen, hasse stets das Schlechte!27 Wer wird in der Unterwelt den Höchsten loben anstelle derer, die leben und ihn preisen?28 Beim Toten, der nicht mehr ist, verstummt der Lobgesang; nur der Lebende und Gesunde preist den Herrn.29 Wie groß ist das Erbarmen des Herrn und seine Nachsicht gegen alle, die umkehren zu ihm.30 Denn nicht wie Gott ist der Mensch, Gottes Gedanken sind nicht wie die Gedanken der Menschen.31 Was ist heller als die Sonne? Und selbst sie verfinstert sich; so ist auch das Begehren von Fleisch und Blut böse.32 Das Heer in der Höhe zieht er zur Rechenschaft, erst recht die Menschen, die nur Staub und Asche sind.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 18

1 Der Herr, der in Ewigkeit lebt, hat alles insgesamt erschaffen, der Herr allein erweist sich als gerecht.2 3 4 Keiner vermag seine Werke zu verkünden. Wer ergründet seine großen Taten?5 Wer kann seine gewaltige Größe beschreiben und seine großen Taten aufzählen bis zum Ende?6 Man kann nichts wegnehmen und nichts hinzutun, unmöglich ist es, die Wunder des Herrn zu ergründen.7 Ist der Mensch am Ende angelangt, steht er noch am Anfang, wenn er es aufgibt, ist er ratlos.8 Was ist der Mensch, und wozu nützt er? Was ist gut an ihm, und was ist schlecht?9 Das Leben eines Menschen dauert höchstens hundert Jahre.10 Wie ein Wassertropfen im Meer und wie ein Körnchen im Sand, so verhalten sich die wenigen Jahre zu der Zeit der Ewigkeit.11 Darum hat der Herr mit ihnen Geduld, und er gießt über sie sein Erbarmen aus.12 Er sieht und weiß, daß ihr Ende schlimm ist; darum hat er so viel Nachsicht mit ihnen.13 Das Erbarmen des Menschen gilt nur seinem Nächsten, das Erbarmen des Herrn allen Menschen. Er weist zurecht, erzieht und belehrt und führt wie ein Hirt seine Herde zurück.14 Glücklich alle, die auf sein Erbarmen hoffen und seine Gebote annehmen.15 Mein Sohn, bring keinen Makel auf deine Wohltaten, und füg zu keiner Gabe kränkende Worte!16 Vertreibt nicht der Tau die Hitze? So ist das Wort mehr als die Gabe.17 Ist das Wort nicht mehr wert als die Gabe? Dem Gütigen steht beides wohl an.18 Der Tor schmäht in liebloser Weise, die Gabe des Geizigen macht die Augen traurig.19 Bevor du redest, unterrichte dich, und ehe du krank wirst, sorge für die Gesundheit!20 Noch vor dem Gericht erforsche dich selbst, dann wird dir in der Stunde der Prüfung verziehen.21 Demütige dich, ehe du zu Fall kommst; zur Zeit der Sünde laß Umkehr erkennen!22 Säume nicht, ein Gelübde rechtzeitig einzulösen, warte nicht bis zum Tod, um davon frei zu werden.23 Ehe du gelobst, überdenk dein Gelübde, sei nicht wie einer, der den Herrn versucht.24 Denk an den Zorn am Ende der Tage, an die Zeit der Vergeltung, wenn er sein Gesicht abwendet.25 Denk zur Zeit des Überflusses an die Zeit des Hungers, in den Tagen des Reichtums an Armut und Not!26 Vom Morgen zum Abend wechselt die Zeit, alles eilt dahin vor dem Herrn.27 Ein Weiser nimmt sich immer in acht, in Zeiten der Sünde hütet er sich vor Verfehlung.28 Jeder Verständige soll Weisheit lehren; wer sie gefunden hat, soll ihr Lob verkünden.29 Wer klug zu reden vermag, ist selbst ein Weisheitslehrer und trägt in Bescheidenheit seine Sinnsprüche vor.30 Folg nicht deinen Begierden, von deinen Gelüsten halte dich fern!31 Wenn du erfüllst, was deine Seele begehrt, erfüllst du das Begehren deines Feindes.32 Freu dich nicht über ein wenig Lust; doppelt so schwer wird dann die Armut sein.33 Sei kein Fresser und Säufer; denn sonst bleibt nichts im Beutel.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 19

1 Wer das tut, wird niemals reich, wer das Wenige geringschätzt, richtet sich zugrunde.2 Wein und Weiber machen das Herz zügellos; wer sich an Dirnen hängt, wird frech.3 4 Wer schnell vertraut, ist leichtfertig, wer sündigt, verfehlt sich gegen sich selbst.5 Wer sich über eine Schlechtigkeit freut, wird selbst verachtet, 6 Wer seine Zunge beherrscht, lebt ohne Streit;] wer Gerede verbreitet, dem fehlt es an Verstand.7 Verbreite niemals ein Gerede, dann wird auch dich niemand schmähen.8 Rede weder über Freund noch Feind; wenn du einen Freund hast, enthülle nichts über ihn!9 Denn wer dich hört, wird sich vor dir hüten und dir zur gegebenen Zeit seinen Groll zeigen.10 Hast du etwas gehört, so sterbe es in dir; sei unbesorgt, es wird dich nicht zerreißen.11 Um eines Wortes willen kommt der Tor in Wehen wie eine Gebärende durch ihre Leibesfrucht.12 Wie ein Pfeil im Schenkel sitzt, so steckt das Wort im Leib des Toren.13 Stell den Freund zur Rede, ob er etwas getan hat, und wenn er es getan hat - damit er es nicht wieder tut.14 Stell deinen Nächsten zur Rede, ob er etwas gesagt hat, und wenn er es gesagt hat - damit er es nicht wiederholt.15 Stell den Freund zur Rede, denn oft gibt es Verleumdung; trau nicht jedem Wort!16 Mancher gleitet aus, doch ohne Absicht. Wer hätte noch nie mit seiner Zunge gesündigt?17 Stell deinen Nächsten zur Rede, ehe du ihm Vorwürfe machst. gib dem Gesetz des Höchsten Raum!18 19 20 Alle Weisheit ist Furcht vor dem Herrn; in jeder Weisheit liegt Erfüllung des Gesetzes.21 22 Schlechtes zu kennen ist keine Weisheit, der Rat der Sünder ist keine Klugheit.23 Es gibt eine Schläue, die ein Greuel ist, und es gibt Einfältige, die nichts Schlechtes tun.24 Besser ist es, arm an Klugheit und gottesfürchtig zu sein, als reich an Einsicht, aber das Gesetz zu übertreten.25 Es gibt eine listige Schläue, doch sie ist ungerecht; mancher verstellt sich, um Rechtschaffenheit vorzutäuschen.26 Mancher geht gebeugt und traurig einher, doch sein Inneres ist voll Tücke.27 Er schlägt den Blick nieder und stellt sich taub; wo er nicht durchschaut wird, tritt er gegen dich auf.28 Wenn ihm die Kraft fehlt, Unrecht zu tun, tut er doch Böses, sobald er Gelegenheit findet.29 Am Aussehen erkennt man den Menschen, am Gesichtsausdruck erkennt ihn der Weise.30 Die Kleidung des Menschen offenbart sein Verhalten, die Schritte des Menschen zeigen, was an ihm ist.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 20

1 Manche Ermahnung geschieht zur Unzeit; mancher schweigt, und der ist weise.2 Keinen Dank erntet, wer den Zornigen zurechtweist;3 wer Lob erteilt, bleibt vor Schimpf bewahrt.4 Wie ein Entmannter, der bei einem Mädchen liegt, ist einer, der mit Gewalt das Recht durchsetzen will.5 Mancher schweigt und gilt als weise, mancher wird trotz vielen Redens verachtet.6 Mancher schweigt, weil er keine Antwort weiß, mancher schweigt, weil er die rechte Zeit beachtet.7 Der Weise schweigt bis zur rechten Zeit, der Tor aber achtet nicht auf die rechte Zeit.8 Wer viele Worte macht, wird zum Ekel, der Anmaßende wird gehaßt.9 Mancher Erfolg wird dem Menschen zum Schaden, mancher Gewinn wird zum Verlust.10 Es gibt Geschenke, von denen man nichts hat, es gibt Geschenke, die man doppelt vergüten muß.11 Es gibt Demütigung um der Ehre willen; mancher erhob sein Haupt aus der Erniedrigung.12 Mancher kauft vieles billig ein und muß es doch siebenfach bezahlen.13 Wer klug zu reden weiß, macht sich beliebt, die Liebenswürdigkeit der Toren ist umsonst.14 Vom Geschenk eines Toren hast du nichts, denn sieben Augen hat er, nicht nur eines.15 Er gibt wenig und schimpft viel, er reißt den Mund auf wie ein Ausrufer. Heute leiht er, morgen fordert er zurück; solch ein Mensch ist verhaßt.16 Der Tor sagt: Ich habe keinen Freund, meine Wohltaten finden keinen Dank.17 Alle, die sein Brot essen, haben böse Zungen: Wie oft und wie viel verlachen sie ihn!18 Besser ein Fehltritt auf dem Boden als ein Fehltritt durch die Zunge; so schnell wird auch der Sturz der Bösen kommen.19 Ein Wort zur Unzeit ist ein Braten ohne Salz, im Mund des Ungebildeten findet es sich dauernd.20 Ein Sinnspruch aus dem Mund des Toren wird verachtet, denn er spricht ihn nicht zur rechten Zeit.21 Mancher sündigt nicht, obwohl er arm ist; er läßt sich in seiner Ruhe nicht stören.22 Mancher richtet aus Scham sich selbst zugrunde; weil er (seine Not) verbirgt, geht er unter.23 Mancher gibt aus Scham dem Freund Versprechen und macht ihn sich ohne Grund zum Feind.24 Ein schlimmer Schandfleck am Menschen ist die Lüge; im Mund des Ungebildeten findet sie sich dauernd.25 Besser ein Dieb als einer, der immer nur lügt; beide aber werden zugrunde gehen.26 Das Ende des Lügners ist Schmach, immerfort haftet seine Schande an ihm.27 Wer weise ist im Reden, kommt voran, ein kluger Mann ist bei den Machthabern beliebt.28 Wer das Land bebaut, schichtet hohe Garbenstöße auf; wer den Machthabern gefällt, kann manches Unrecht gutmachen.29 Geschenke und Gaben blenden die Augen der Weisen, wie ein Zügel im Maul lenken sie Vorwürfe ab.30 Verborgene Weisheit und versteckter Schatz: was nützen sie beide?31 Besser einer, der seine Torheit verbirgt, als einer, der seine Weisheit verbirgt.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 21

1 Mein Sohn, hast du gesündigt, tu es nicht wieder, und bete wegen deiner früheren Sünden!2 Flieh vor der Sünde wie vor der Schlange; kommst du ihr zu nahe, so beißt sie dich. Löwenzähne sind ihre Zähne, sie rauben den Menschen das Leben.3 Wie ein zweischneidiges Schwert ist jedes Unrecht; für die Wunde, die es schlägt, gibt es keine Heilung.4 Gewalttat und Hochmut verwüsten den Wohlstand, das Haus des Übermütigen stürzt ein.5 Das Gebet aus dem Mund des Armen dringt zu den Ohren Gottes, und rasch kommt Gottes Gericht.6 Wer Ermahnung haßt, folgt der Spur des Sünders; wer den Herrn fürchtet, nimmt sie sich zu Herzen.7 Von weitem erkennt man den Schwätzer; der Erfahrene merkt es, wenn jener entgleist.8 Baut einer sein Haus mit fremdem Geld, sammelt er Steine für einen Schutthaufen.9 Ein Bündel Werg ist die Versammlung der Ruchlosen, ihr Ende ist die Feuerflamme.10 Der Weg der Sünder ist frei von Steinen; doch sein Ende ist die Tiefe der Unterwelt.11 Wer das Gesetz befolgt, beherrscht seinen Trieb, und Gottesfurcht ist vollendete Weisheit.12 Der Unkluge läßt sich nicht erziehen; doch es gibt auch Klugheit, die viel Bitterkeit einträgt.13 Das Wissen des Weisen schwillt an wie ein Bach, wie ein lebendiger Quell ist sein Rat.14 Das Herz des Toren ist wie eine geborstene Zisterne: Es hält keine Weisheit fest.15 Hört der Verständige ein weises Wort, lobt er es und fügt andere hinzu. Hört es der Leichtfertige, lacht er darüber, er wirft es weit hinter sich.16 Das Gespräch des Toren ist wie eine Last auf der Reise, doch auf den Lippen des Verständigen findet sich Anmut.17 Die Rede des Weisen begehrt man in der Versammlung, und seine Worte überdenkt man im Herzen.18 Wie ein Gefängnis ist dem Toren die Weisheit, Erkenntnis ist dem Unverständigen wie eine Fessel.19 Wie Ketten an den Füßen ist dem Unvernünftigen die Zucht und wie Handschellen an der rechten Hand.20 Der Tor lacht mit lauter Stimme, der Kluge aber lächelt kaum leise.21 Wie ein goldener Schmuck ist dem Weisen die Zucht und wie eine Spange am rechten Arm.22 Der Fuß des Toren eilt rasch ins Haus, der Besonnene aber wartet bescheiden.23 Der Tor blickt durch die Tür ins Haus hinein, der Wohlerzogene bleibt draußen stehen.24 Ungezogen ist es, an der Tür zu horchen, der Verständige aber verschließt seine Ohren.25 Die Lippen der Frevler erzählen ihre eigene Torheit, die Worte der Verständigen sind wohlabgewogen.26 Die Toren haben ihr Herz auf der Zunge, die Weisen haben ihre Zunge im Herzen.27 Verflucht der Ruchlose den Gerechten, so verflucht er sich selbst.28 Sich selbst besudelt der Verleumder; wo er wohnt, ist er verhaßt.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 22

1 Einem beschmutzten Stein gleicht der Faule jeder ruft pfui, weil er ekelhaft ist.2 Einem Ballen Kot gleicht der Faule, jeder, der ihn berührt hat, schüttelt sich die Hand ab.3 Schande für den Vater ist ein mißratener Sohn, eine (mißratene) Tochter ist ihm zur Schmach geboren.4 Eine kluge Tochter bringt ihrem Mann Besitz ein, eine schändliche macht ihrem Vater Kummer;5 die trotzige bereitet dem Vater und dem Gatten Schande, von beiden wird sie verachtet.6 Wie Musik zur Trauer ist eine Rede zur falschen Zeit, Schläge und Zucht aber zeugen stets von Weisheit.7 8 9 Wer einen Toren belehrt, leimt Scherben zusammen, er sucht einen Schlafenden aus tiefem Schlummer zu wecken.10 Wer mit einem Toren redet, redet einen Schlafenden an; schließlich fragt dieser: Was ist denn?11 Über einen Toten weine, denn das Lebenslicht erlosch ihm; über einen Toren weine, denn die Einsicht erlosch ihm. Weniger weine über einen Toten, denn er ruht aus; das schlechte Leben des Toren ist schlimmer als der Tod.12 Die Trauer um den Toten währt sieben Tage, die um den Toren und Ruchlosen alle Tage seines Lebens.13 Mit einem Unvernünftigen mach nicht viele Worte, und geh nicht mit einem Schwein! Hüte dich vor ihm, damit du dich nicht zu ärgern brauchst und nicht besudelt wirst, wenn es sich schüttelt. Geh ihm aus dem Weg, und du wirst Ruhe finden und keinen Verdruß haben mit seinem Unverstand.14 Was ist schwerer als Blei? Wie könnte es anders heißen als: der Tor?15 Sand, Salz und Eisenblöcke sind leichter zu tragen als ein unvernünftiger Mensch.16 Holzgebälk, eingelassen ins Mauerwerk, löst sich bei keiner Erschütterung: So ist ein Herz, gestützt auf überlegten Rat; zu keiner Zeit verzagt es.17 Ein Herz, das auf kluge Überlegung gegründet ist, ist (fest) wie Sandverputz an glatter Mauer.18 Steinchen, die obenauf liegen, halten dem Wind nicht stand: So ist ein feiges Herz mit törichter Gesinnung: Vor keinem Schrecken hält es stand.19 Wer ins Auge stößt, treibt Tränen heraus; wer ins Herz stößt, treibt Freundschaft hinaus.20 Wer mit Steinen nach Vögeln wirft, verscheucht sie; wer den Freund beschimpft, vertreibt die Freundschaft.21 Hast du gegen den Freund das Schwert gezogen, verzweifle nicht: Es gibt einen Rückweg.22 Hast du den Mund aufgetan gegen den Freund, verzage nicht: Es gibt eine Versöhnung. Doch bei Beschimpfung, Geheimnisverrat und tückischem Schlag entflieht jeder Freund.23 Halte dem Nächsten in der Armut die Treue, dann kannst du mit ihm auch sein Glück genießen. Halte bei ihm aus in der Zeit der Not, dann hast du auch Anteil an seinem Besitz.24 Dem Feuer gehen Rauch und Qualm voraus, ebenso dem Blutvergießen Streitereien.25 Ist dein Freund verarmt, beschäme ihn nicht, und versteck dich nicht vor ihm!26 Hast du einen Freund, plaudere von ihm nichts aus, sonst wird sich jeder, der dich hört, vor dir hüten.27 Wer setzt eine Wache vor meinen Mund, vor meine Lippen ein kunstvolles Siegel, damit ich durch sie nicht zu Fall komme und meine Zunge mich nicht ins Verderben stürzt?

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 23

1 Herr, Vater und Gebieter meines Lebens, bring mich durch sie nicht zu Fall!2 Wer hält eine Peitsche bereit für mein Denken und eine Zuchtrute für mein Herz, um ihre Vergehen nicht zu schonen und ihnen keine Sünden zu gestatten,3 damit meine Fehler sich nicht mehren, meine Sünden sich nicht häufen und ich nicht zu Fall komme vor meinen Feinden, so daß mein Gegner sich über mich freuen könnte?4 Herr, Vater und Gott meines Lebens, überlaß mich nicht ihrem Plan!5 Übermütige Augen gib mir nicht, halte fern von mir die Begierde!6 Unzucht und Sinnenlust sollen mich nicht ergreifen, schamloser Gier gib mich nicht preis!7 Ihr Söhne, vernehmt die Unterweisung über das Reden; wer sie beachtet, verfehlt sich nicht.8 Durch seine Lippen verstrickt sich der Sünder, Lästerer und Stolze stürzen durch sie.9 Gewöhn deinen Mund nicht ans Schwören, den Namen des Heiligen zu nennen, gewöhn dir nicht an!10 Wie ein Sklave, der dauernd straffällig wird, von Striemen nie frei bleibt, so bleibt von Sünde nicht rein, wer immerfort schwört und Gottes Namen ausspricht.11 Ein Mensch, der viel schwört, häuft Schuld auf sich, die Strafrute weicht nicht von seinem Haus. Verfehlt er sich unbedacht, lastet seine Sünde auf ihm; übersieht er den Schwur, sündigt er doppelt, schwört er falsch, bleibt er nicht ungestraft; ja, sein Haus wird von Leiden erfüllt.12 Es gibt ein Reden, das der Pest vergleichbar ist; möge es sich im Erbland Jakobs nicht finden. Den Frommen liegt dies alles fern, sie wälzen sich nicht in Sünden.13 Gewöhn deinen Mund nicht an Zuchtlosigkeit; denn es kommt dabei zu sündhaften Reden.14 Denk an Vater und Mutter, wenn du im Kreis der Großen sitzt, damit du bei ihnen keinen Anstoß erregst und nicht durch dein Benehmen dich zum Toren machst und wünschen mußt, nicht geboren zu sein, und den Tag deiner Geburt verfluchst.15 Hat sich einer an schändliche Reden gewöhnt, nimmt er sein Leben lang keine Zucht mehr an.16 Zwei Gruppen von Menschen häufen die Sünden, drei ziehen den Zorn herbei: Leidenschaftliche Begierde, sie brennt wie Feuer und erlischt nicht, bis sie sich verzehrt hat; der Mensch, der am eigenen Leib Unzucht treibt und nicht aufhört, bis das Feuer verglüht;17 der Wollüstige, dem jedes Brot süß schmeckt, der nicht aufhört, bis er tot ist;18 der Mensch, der Ehebruch treibt auf seinem Lager, der bei sich denkt: Wer sieht mich? Dunkel umgibt mich, Wände verbergen mich, keiner sieht mich, warum sollte ich mich fürchten zu sündigen?19 Er denkt nicht an den Höchsten, nur die Augen der Menschen fürchtet er. Er bedenkt nicht, daß die Augen des Herrn zehntausendmal heller sind als die Sonne, daß sie alle Wege des Menschen sehen und die geheimsten Winkel durchdringen.20 Schon ehe es geschieht, ist ihm alles bekannt, ebenso, wenn es vollbracht ist.21 Jener wird auf den Straßen der Stadt verurteilt; wo er es nicht vermutet, da wird er ergriffen.22 So auch die Frau, die ihren Mann verläßt und von einem andern einen Erben zur Welt bringt:23 Erstens war sie dem Gesetz des Höchsten untreu, zweitens hat sie sich gegen ihren Gatten vergangen, drittens hat sie in Unzucht die Ehe gebrochen und von einem andern Kinder zur Welt gebracht.24 Sie wird vor die Gemeinde geführt, und ihre Kinder werden es büßen müssen.25 Ihre Sprößlinge werden keine Wurzel treiben, und ihre Zweige keine Frucht bringen.26 Ihr Andenken hinterläßt sie zum Fluch, ihre Schande wird niemals getilgt.27 Alle Bewohner des Landes werden erkennen, alle Nachkommen werden einsehen: Nichts ist besser als die Furcht vor dem Herrn, nichts süßer, als seine Gebote zu halten.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 24

1 Die Weisheit lobt sich selbst, sie rühmt sich bei ihrem Volk.2 Sie öffnet ihren Mund in der Versammlung Gottes und rühmt sich vor seinen Scharen:3 Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor, und wie Nebel umhüllte ich die Erde.4 Ich wohnte in den Höhen, auf einer Wolkensäule stand mein Thron.5 Den Kreis des Himmels umschritt ich allein, in der Tiefe des Abgrunds ging ich umher.6 Über die Fluten des Meeres und über alles Land, über alle Völker und Nationen hatte ich Macht.7 Bei ihnen allen suchte ich einen Ort der Ruhe, ein Volk, in dessen Land ich wohnen könnte.8 Da gab der Schöpfer des Alls mir Befehl; er, der mich schuf, wußte für mein Zelt eine Ruhestätte. Er sprach: In Jakob sollst du wohnen, in Israel sollst du deinen Erbbesitz haben.9 Vor der Zeit, am Anfang, hat er mich erschaffen, und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.10 Ich tat vor ihm Dienst im heiligen Zelt und wurde dann auf dem Zion eingesetzt.11 In der Stadt, die er ebenso liebt wie mich, fand ich Ruhe, Jerusalem wurde mein Machtbereich.12 Ich faßte Wurzel bei einem ruhmreichen Volk, im Eigentum des Herrn, in seinem Erbbesitz.13 Wie eine Zeder auf dem Libanon wuchs ich empor, wie ein wilder Ölbaum auf dem Hermongebirge.14 Wie eine Palme in En-Gedi wuchs ich empor, wie Oleandersträucher in Jericho, wie ein prächtiger Ölbaum in der Schefela, wie eine Platane am Wasser wuchs ich empor.15 Wie Zimt und duftendes Gewürzrohr, wie beste Myrrhe strömte ich Wohlgeruch aus, wie Galbanum, Onyx und Stakte, wie Weihrauchwolken im heiligen Zelt.16 Ich breitete wie eine Terebinthe meine Zweige aus, und meine Zweige waren voll Pracht und Anmut.17 Wie ein Weinstock trieb ich schöne Ranken, meine Blüten wurden zu prächtiger und reicher Frucht.18 19 Kommt zu mir, die ihr mich begehrt, sättigt euch an meinen Früchten!20 An mich zu denken ist süßer als Honig, mich zu besitzen ist besser als Wabenhonig. 21 Wer mich genießt, den hungert noch, wer mich trinkt, den dürstet noch.22 Wer auf mich hört, wird nicht zuschanden, wer mir dient, fällt nicht in Sünde. 23 Dies alles ist das Bundesbuch des höchsten Gottes, das Gesetz, das Mose uns vorschrieb als Erbe für die Gemeinde Jakobs.24 25 Es ist voll von Weisheit, wie der Pischonfluß (voll Wasser ist), wie der Tigris in den Tagen der ersten Ähren;26 es strömt über von Einsicht, ähnlich der Flut des Eufrat, ähnlich dem Jordan in den Tagen der Ernte;27 es fließt von Belehrung über, ähnlich dem Nil, ähnlich dem Gihon in den Tagen der Weinlese.28 Wer als erster es erforschte, kam nicht ans Ende, ebensowenig ergründet es der letzte.29 Übervoll wie das Meer ist sein Sinn, sein Rat ist tiefer als der Ozean.30 Ich selbst war wie ein Bewässerungsgraben, wie ein Kanal, der hinabfließt zum Garten.31 Ich dachte: Ich will meinen Garten tränken, meine Beete bewässern. Da wurde mir der Kanal zum Strom, und mein Strom wurde zum Meer.32 So strahle ich weiterhin Belehrung aus wie die Morgenröte, ich lasse sie leuchten bis in die Ferne.33 Weiterhin gieße ich Lehre aus wie Prophetenworte und hinterlasse sie den fernsten Generationen.34 Seht, nicht allein für mich habe ich mich geplagt, sondern für alle, die Weisheit suchen.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 25

1 Drei Dinge gefallen mir, sie sind Gott und den Menschen angenehm: Eintracht unter Brüdern, Liebe zwischen Freunden, Mann und Frau, die einander verstehen.2 Drei Gruppen von Menschen sind mir verhaßt, ihre Lebensweise verabscheue ich sehr: den hochmütigen Armen, den betrügerischen Reichen, den ehebrecherischen Greis ohne Vernunft.3 Hast du in der Jugend nicht gesammelt, wie wirst du im Alter etwas haben?4 Wie gut steht Hochbetagten rechtes Urteil an und den Alten, Rat zu wissen.5 Wie gut steht Hochbetagten Weisheit an, würdigen Männern Überlegung und Rat.6 Ein Ehrenkranz der Alten ist reiche Erfahrung, ihr Ruhm ist die Gottesfurcht.7 Neun, die ich im Sinn habe, preise ich, zehn führe ich rühmend im Mund: Einen Mann, der Freude hat an seinen Kindern, und einen, der den Sturz seiner Feinde erlebt.8 Wohl dem Gatten einer klugen Frau, und der nicht gleichsam mit einem Gespann von Ochs und Esel pflügen muß. Wohl dem, der nicht durch seine Zunge zu Fall kommt und der keinem dienen muß, der unter ihm steht.9 Wohl dem, der einen Freund fand und der zu Ohren sprechen darf, die hören.10 Wie groß ist einer, der Weisheit fand; doch keiner übertrifft den Gottesfürchtigen.11 Die Furcht vor dem Herrn überragt alles; wer an ihr festhält, ist mit niemand vergleichbar.12 13 Jede Wunde, nur keine Herzenswunde; jede Bosheit, nur keine Frauenbosheit.14 Jedes Ungemach, nur kein Ungemach durch die zurückgesetzte Frau, jede Rache, nur keine Rache durch die Nebenfrau.15 Kein Gift ist schlimmer als Schlangengift, kein Zorn schlimmer als Frauenzorn.16 Lieber mit einem Löwen oder Drachen zusammenhausen, als bei einer bösen Frau wohnen.17 Die Schlechtigkeit einer Frau macht ihr Aussehen düster und verfinstert ihr Gesicht wie das einer Bärin.18 Sitzt ihr Mann im Freundeskreis, muß er unwillkürlich seufzen.19 Kaum eine Bosheit ist wie Frauenbosheit; das Los des Sünders treffe auf sie.20 Wie ein sandiger Aufstieg für die Füße eines Greises ist eine zungenfertige Frau für einen stillen Mann.21 Fall nicht herein auf die Schönheit einer Frau, begehre nicht, was sie besitzt.22 Denn harte Knechtschaft und Schande ist es, wenn eine Frau ihren Mann ernährt.23 Bedrücktes Herz und düsteres Gesicht und ein wundes Herz: eine böse Frau; schlaffe Hände und zitternde Knie: eine Frau, die ihren Mann nicht glücklich macht.24 Von einer Frau nahm die Sünde ihren Anfang, ihretwegen müssen wir alle sterben.25 Gib dem Wasser keinen Abfluß und einer schlechten Frau keine Freiheit!26 Geht sie dir nicht zur Seite, trenn sie von deinem Leib!

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 26

1 Eine gute Frau - wohl ihrem Mann! Die Zahl seiner Jahre verdoppelt sich.2 Eine tüchtige Frau pflegt ihren Mann; so vollendet er seine Jahre in Frieden.3 Eine gute Frau ist ein guter Besitz; er wird dem zuteil, der Gott fürchtet;4 ob reich, ob arm, sein Herz ist guter Dinge, sein Gesicht jederzeit heiter.5 Vor drei Dingen bangt mir das Herz, vor vieren befällt mich die Furcht: Gerede in der Stadt, Auflauf der Massen und Verleumdung - schlimmer sind sie alle als der Tod.6 Eine eifersüchtige Frau bringt Kummer und Betrübnis, die Geißel der Zunge ist allen (vieren) gemeinsam.7 Ein scheuerndes Ochsenjoch ist eine böse Frau; wer sie nimmt, faßt einen Skorpion an.8 Großer Verdruß ist eine trunksüchtige Frau; sie kann ihre Schande nicht verbergen.9 Die lüsterne Frau verrät sich durch ihren Augenaufschlag, an ihren Wimpern wird sie erkannt.10 Gegen eine Schamlose verstärke die Wache, damit sie keine Gelegenheit findet und ausnützt.11 Auf eine Frau mit frechem Blick gib acht; sei nicht überrascht, wenn sie dir untreu wird.12 Wie ein durstiger Wanderer den Mund auftut und vom ersten besten Wasser trinkt, so läßt sie sich vor jedem Pfahl nieder und öffnet den Köcher vor dem Pfeil.13 Die Anmut der Frau entzückt ihren Mann, ihre Klugheit erfrischt seine Glieder.14 Eine Gottesgabe ist eine schweigsame Frau, unbezahlbar ist eine Frau mit guter Erziehung.15 Anmut über Anmut ist eine schamhafte Frau; kein Preis wiegt eine auf, die sich selbst beherrscht.16 Wie die Sonne aufstrahlt in den höchsten Höhen, so die Schönheit einer guten Frau als Schmuck ihres Hauses.17 Wie die Lampe auf dem heiligen Leuchter scheint, so ein schönes Gesicht auf einer edlen Gestalt.18 Wie goldene Säulen auf silbernem Sockel sind schlanke Beine auf wohlgeformten Füßen.19 20 Hast du auf dem ganzen Feld einen fruchtbaren Acker ausgesucht, streu getrost deine Saat aus zur Fortpflanzung deines Geschlechts!21 Dann werden deine Kinder dich umgeben, sie werden groß werden im Vertrauen auf das edle Geschlecht.22 Eine käufliche Frau ist dem Auswurf gleichzuachten, eine Verheiratete ist für ihre Liebhaber wie ein Turm des Todes.23 Eine ruchlose Frau wird dem Frevler zuteil, eine fromme erhält, wer den Herrn fürchtet.24 Eine schamlose Frau zerstört die Scham, eine anständige Frau hat Scheu auch vor dem eigenen Mann.25 Eine unverschämte Frau wird wie ein Hund geachtet, eine schamhafte fürchtet den Herrn.26 Eine Frau, die ihren Mann ehrt, erscheint allen als weise, eine Frau, die ihn verachtet, wird von allen als ruchlos erkannt.27 Eine großsprecherische und zungenfertige Frau erscheint wie eine schmetternde Kriegstrompete. Ein jeder Mann, der dazu schweigen muß, muß sein Leben in Kriegsunruhen verbringen.]28 Über zwei Dinge ist mein Herz betrübt, über drei packt mich der Zorn: Ein vermögender Mann, der arm wird und darben muß, und angesehene Männer, wenn sie mißachtet werden; wer von der Gerechtigkeit zur Sünde abweicht, den bestimmt der Herr für das Schwert.29 Schwerlich bleibt ein Kaufmann frei von Schuld; ein Händler wird sich nicht rein halten von Sünde.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 27

1 Des Geldes wegen haben schon viele gesündigt; wer es anzuhäufen sucht, schaut nicht genau hin.2 Zwischen zwei Steine läßt sich ein Pflock stecken; so drängt sich zwischen Kauf und Verkauf die Sünde.3 Hältst du nicht fest an der Gottesfurcht, stürzt plötzlich und bald dein Haus zusammen.4 Im Sieb bleibt, wenn man es schüttelt, der Abfall zurück; so entdeckt man die Fehler eines Menschen, wenn man über ihn nachdenkt.5 Töpferware wird nach der Brennhitze des Ofens eingeschätzt, ebenso der Mensch nach dem Urteil, das man über ihn fällt.6 Der Art des Baumes entspricht seine Frucht; so wird ein jeder nach seiner Gesinnung beurteilt.7 Lobe keinen Menschen, ehe du ihn beurteilt hast; denn das ist die Prüfung für jeden.8 Strebst du nach Gerechtigkeit, so erlangst du sie, wie ein Prachtgewand kannst du sie anlegen.9 Vögel lassen sich bei ihresgleichen nieder; Treue kommt zu denen, die sie üben.10 Der Löwe lauert auf Beute; so auch die Sünde auf alle, die Unrecht tun.11 Die Rede des Frommen ist immer klug, der Tor aber ändert sich wie der Mond.12 Im Kreis von Toren schau auf die Zeit, im Kreis von Verständigen aber verweile!13 Die Rede der Toren ist abscheulich, ihr Lachen schwelgt in sündhafter Lust.14 Beim Gerede dessen, der viel schwört, sträuben sich die Haare, bei seinem Gezänk hält man sich die Ohren zu.15 Zu Blutvergießen führt der Streit der Übermütigen, ihr Schimpfen ist unerträglich.16 Wer Geheimes verrät, zerstört das Vertrauen, er findet keinen Freund, der zu ihm steht.17 Liebe den Freund, und sei ihm treu! Hast du aber seine Geheimnisse verraten, brauchst du ihm nicht mehr nachzugehen.18 Denn wie ein Mensch, der seinen Besitz vertan hat, so hast du die Freundschaft des Gefährten vertan.19 Und wie man einen Vogel aus der Hand wegfliegen läßt, so hast du den Freund weggehen lassen und fängst ihn nie wieder ein.20 Lauf ihm nicht nach, denn er ist schon zu weit, wie eine Gazelle aus der Schlinge ist er entflohen.21 Eine Wunde läßt sich verbinden, ein Streit beilegen, doch wer ein Geheimnis verrät, hat keine Hoffnung.22 Wer mit dem Auge zwinkert, plant Böses, wer einen solchen Menschen sieht, hält sich von ihm fern.23 Ins Gesicht hinein macht er dir schöne Worte und bewundert deine Reden; nachher aber dreht er seine Worte um und bringt dich durch deine eigenen Worte zu Fall.24 Vieles ist mir verhaßt, aber nichts so wie er; auch der Herr wird ihn hassen.25 Wer einen Stein hochwirft, auf den fällt er zurück, wer hinterlistig schlägt, verwundet sich selbst.26 Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, wer eine Schlinge legt, verfängt sich in ihr.27 Wer Unrecht tut, auf den rollt es zurück, und er weiß nicht, woher es ihm kommt.28 Spott und Schimpf treffen den Übermütigen, wie ein Löwe lauert die Rache auf ihn.29 Schlingen und Netze fangen die, die sie machen, und lassen sie nicht los bis zum Tag ihres Todes.30 Groll und Zorn, auch diese sind abscheulich, nur der Sünder hält daran fest.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 28

1 Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Sünden behält er im Gedächtnis.2 Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben.3 Der Mensch verharrt im Zorn gegen den andern, vom Herrn aber sucht er Heilung zu erlangen?4 Mit seinesgleichen hat er kein Erbarmen, aber wegen seiner eigenen Sünden bittet er um Gnade?5 Obwohl er nur ein Wesen aus Fleisch ist, verharrt er im Groll, wer wird da seine Sünden vergeben?6 Denk an das Ende, laß ab von der Feindschaft, denk an Untergang und Tod, und bleib den Geboten treu!7 Denk an die Gebote, und grolle dem Nächsten nicht, denk an den Bund des Höchsten, und verzeih die Schuld!8 Bleib fern dem Streit, dann verringerst du die Zahl der Sünden; denn ein jähzorniger Mensch entfacht Streit.9 Ein sündiger Mensch bringt Freunde durcheinander, zwischen friedliche Leute schleudert er Zwietracht.10 Je nach dem Brennstoff flammt das Feuer auf, je nach dem Einfluß wächst der Streit. Je nach der Macht eines Menschen wütet sein Zorn, je nach dem Reichtum steigert er seine Wut.11 Ein schneller Funke entzündet das Feuer, ein schneller Streit führt zu Blutvergießen.12 Bläst du den Funken an, flammt er auf; spuckst du darauf, so erlischt er: Beides kommt aus deinem Mund.13 Der Verleumder sei verflucht; viele, die friedlich lebten, hat er zugrunde gerichtet.14 Der Verleumder hat schon viele zum Wanken gebracht und sie von Volk zu Volk getrieben; feste Städte hat er zerstört, Paläste von Großen umgestürzt.15 Der Verleumder hat tüchtige Frauen weggejagt und sie des Ertrags ihrer Mühen beraubt.16 Wer auf ihn achtet, findet keine Ruhe, er kann nicht in Frieden wohnen.17 Peitschenhieb schlägt Striemen, Zungenhieb zerbricht Knochen.18 Viele sind gefallen durch ein scharfes Schwert, noch viel mehr sind gefallen durch die Zunge.19 Wohl dem, der vor ihr geschützt ist und ihrer Wut nicht anheimfällt, der nicht ihr Joch ziehen muß, nicht an ihre Stricke gebunden ist.20 Denn ihr Joch ist ein eisernes Joch, ihre Stricke sind eherne Stricke.21 Der Tod durch sie ist ein schlimmer Tod, besser als sie ist die Unterwelt.22 Keine Macht hat sie über Fromme, sie werden nicht versengt durch ihre Flamme.23 Wer den Herrn verläßt, verfällt ihr, sie flammt an ihm auf und erlischt nicht mehr. Sie stürzt sich auf ihn wie ein Löwe, wie ein Panther zerreißt sie ihn.24 Schau, deinen Weinberg umzäunst du mit Dornen, mach auch Tür und Riegel an deinen Mund!25 Dein Silber und Gold verwahrst du abgewogen, mach auch für deine Worte Waage und Gewicht!26 Hüte dich, daß du durch sie nicht strauchelst und nicht zu Fall kommst vor den Augen dessen, der darauf lauert.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 29

1 Wer dem Nächsten borgt, erweist Liebe, wer ihm unter die Arme greift, erfüllt die Gebote.2 Borge dem Nächsten, wenn er in Not ist, doch gib dem Nächsten auch zurück zur rechten Zeit!3 Halte dein Wort, und sei treu gegen ihn, dann bekommst du stets, was du nötig hast.4 Viele Schuldner bitten um ein Darlehen, doch dann verärgern sie ihre Helfer.5 Bis er etwas bekommt, küßt er dem andern die Hand und redet mit ihm unterwürfig wegen seines Geldes. Am Tag der Rückzahlung aber enttäuscht er ihn, weil er erst nach langer Zeit zurückerstattet.6 Ist er auch zahlungsfähig, bringt er kaum die Hälfte und betrachtet es wie einen Fund; ist er es nicht, bringt er ihn um sein Geld und macht sich ihn leichtfertig zum Feind. Fluchen und Schimpfen zahlt er ihm zurück, statt mit Ehre vergilt er mit Schmach.7 Viele sind nicht aus Härte zurückhaltend, sie fürchten nur unnötigen Ärger.8 Hab dennoch Geduld mit dem Bedürftigen, und laß ihn nicht auf die Wohltat warten!9 Um des Gebotes willen nimm dich des Armen an, laß ihn in seiner Not nicht leer weggehen!10 Setz dein Geld ein für den Bruder und Freund, laß es nicht rosten unter dem Stein, bis es verdirbt.11 Leg dir einen Schatz an nach den Geboten des Höchsten; der wird dir mehr nützen als Gold.12 Wohltaten verschnüre, und leg sie in deine Vorratskammer, sie werden dich retten aus allem Unheil.13 Besser als ein fester Schild und eine schwere Lanze werden sie für dich gegen den Feind streiten.14 Der gute Mensch bürgt für den Nächsten; nur wer die Scham verloren hat, flieht vor seinem Bürgen.15 Vergiß nie die Gefälligkeit des Bürgen, gab er doch sich selbst für dich hin.16 Der Sünder mißachtet die Gefälligkeit des Bürgen,17 doch seinen Schöpfer mißachtet, wer seinen Helfer mißachtet.18 Bürgschaft hat schon viele Vermögende zugrunde gerichtet, hat sie umhergeworfen wie eine Woge im Meer; reiche Männer hat sie heimatlos gemacht, so daß sie umherirrten bei fremden Völkern.19 Der Sünder wird in Bürgschaft verwickelt, wer trüben Geschäften nachjagt, fällt in Prozesse.20 Steh für den Nächsten ein, so gut du kannst, doch sei auf der Hut, daß du nicht hereinfällst.21 Das Wichtigste zum Leben sind Brot und Wasser, Kleidung und Wohnung, um die Blöße zu bedecken.22 Besser das Leben eines Armen unter schützendem Dach als köstliche Leckerbissen in der Fremde.23 Ob wenig oder viel, sei zufrieden, dann hörst du keinen Vorwurf in der Fremde.24 Schlimm ist ein Leben von einem Haus zum andern; wo du fremd bist, darfst du den Mund nicht auftun.25 Ohne Dank reichst du Trank und Speise und mußt noch bittere Worte hören:26 Komm, Fremder, deck den Tisch, und wenn du etwas hast, gib mir zu essen!27 Fort, Fremder, ich habe eine Ehrenpflicht: Ein Bruder kam zu Gast, ich brauche das Haus.28 Für einen Mann mit Bildung ist es hart, geschmäht zu werden, wenn man in der Fremde lebt, oder beschimpft zu werden wenn man einem geborgt hat.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 30

1 Wer seinen Sohn liebt, hält den Stock für ihn bereit, damit er später Freude erleben kann.2 Wer seinen Sohn in Zucht hält, wird Freude an ihm haben und kann sich bei Bekannten seiner rühmen.3 Wer seinen Sohn unterweist, erweckt den Neid des Feindes, bei seinen Freunden kann er auf ihn stolz sein.4 Stirbt der Vater, so ist es, als wäre er nicht tot; denn er hat sein Abbild hinterlassen.5 Solange er lebt, sieht er ihn und freut sich, wenn er stirbt, ist er nicht betrübt:6 Er hat seinen Feinden einen Rächer hinterlassen und seinen Freunden einen, der ihnen dankbar ist.7 Wer den Sohn verzärtelt, muß ihm einst die Wunden verbinden; dann zittert bei jedem Aufschrei sein Herz.8 Ein ungebändigtes Pferd wird störrisch, ein zügelloser Sohn wird unberechenbar.9 Verzärtle den Sohn, und er wird dich enttäuschen; scherze mit ihm, und er wird dich betrüben.10 Lach nicht mit ihm, sonst bekommst du Kummer und beißt dir am Ende die Zähne aus.11 Laß ihn nicht den Herrn spielen in der Jugend; laß dir seine Bosheiten nicht gefallen!12 Beug ihm den Kopf in Kindestagen; schlag ihn aufs Gesäß, solange er noch klein ist, sonst wird er störrisch und widerspenstig gegen dich, und du hast Kummer mit ihm.13 Halte deinen Sohn in Zucht, und mach ihm das Joch schwer, sonst überhebt er sich gegen dich in seiner Torheit.14 Besser arm und gesunde Glieder als reich und mit Krankheit geschlagen.15 Ein Leben in Gesundheit ist mir lieber als Gold, ein frohes Herz lieber als Perlen.16 Kein Reichtum geht über den Reichtum gesunder Glieder, kein Gut über die Freude des Herzens.17 Besser sterben als ein unnützes Leben, besser Ruhe für immer als dauerndes Leid.18 Leckerbissen, einem verschlossenen Mund dargereicht, sind wie Opfergaben, die man vor ein Götzenbild hinstellt;19 was nützen sie den Götzen der Heiden, die nicht essen und nicht riechen können? Ihnen gleicht einer, der Reichtum besitzt, ihn aber nicht genießen kann.20 Mit den Augen erblickt er ihn und seufzt wie ein Entmannter, der ein Mädchen umarmt.21 Überlaß dich nicht der Sorge, schade dir nicht selbst durch dein Grübeln!22 Herzensfreude ist Leben für den Menschen, Frohsinn verlängert ihm die Tage.23 Überrede dich selbst, und beschwichtige dein Herz, halte Verdruß von dir fern! Denn viele tötet die Sorge, und Verdruß hat keinen Wert.24 Neid und Ärger verkürzen das Leben, Kummer macht vorzeitig alt.25 Der Schlaf des Fröhlichen wirkt wie eine Mahlzeit, das Essen schlägt gut bei ihm an.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 31

1 Schlaflosigkeit wegen des Reichstums zehrt am Fleisch, die Sorge um ihn nimmt der Schlummer.2 Die Sorge um den Lebensunterhalt verscheucht den Schlummer, mehr als schwere Krankheit vertreibt sie ihn.3 Der Reiche müht sich ab, um ein Vermögen zu sammeln; ist er zur Ruhe gekommen, frönt er dem Genuß.4 Der Arme plagt sich und verbraucht seine Kraft; wenn er ruht, muß er hungern.5 Wer das Gold liebt, bleibt nicht ungestraft, wer dem Geld nachjagt, versündigt sich.6 Viele sind es, die sich vom Gold fesseln lassen, die ihr Vertrauen auf Perlen setzen.7 Eine Falle ist das für den Toren, jeder Einfältige läßt sich damit fangen.8 Wohl dem Mann, der schuldlos befunden wird, der sich nicht aus Habgier versündigt.9 Wo gibt es den? Wir wollen ihn preisen. Denn Staunenswertes hat er in seinem Volk vollbracht.10 Wo gibt es einen, der sich in solcher Prüfung bewährt hat? Das wird ihm zur Ehre gereichen. Wer konnte sündigen und sündigte nicht, Böses tun, tat es aber nicht?11 Darum ist sein Glück von Dauer, die Gemeinde verkündet sein Lob.12 Mein Sohn, sitzt du am Tisch eines Großen, dann reiß den Rachen nicht auf!13 Sag nicht: Es ist reichlich da. Denk daran, wie häßlich ein gieriges Auge ist. Schlimmeres als das Auge hat Gott nicht erschaffen; darum muß es bei jeder Gelegenheit weinen.14 Wohin schon ein anderer blickt, dahin streck deine Hand nicht aus, sonst triffst du mit ihm in der Schüssel zusammen.15 Sorge für einen Nächsten wie für dich selbst, und denk an all das, was auch dir zuwider ist.16 Iß wie ein gesitteter Mann, was vor dir liegt, und sei nicht gierig, sonst verabscheut man dich.17 Hör als erster auf, wie es der Anstand verlangt, und schlürfe nicht, sonst erregst du Anstoß.18 Auch wenn du unter vielen sitzt, streck die Hand nicht vor dem Nachbarn aus!19 Hat ein wohlerzogener Mensch nicht mit wenig genug? So wird es ihm in seinem Bett nicht übel.20 Schmerz, Schlaflosigkeit und Qual und Magendrücken hat der törichte Mensch. Gesunden Schlaf hat einer, der den Magen nicht überlädt; steht er am Morgen auf, fühlt er sich wohl.21 Hast du dich dennoch von Leckerbissen verführen lassen, steh auf, erbrich sie, und du hast Ruhe.22 Höre, mein Sohn, und verachte mich nicht, und du wirst schließlich meine Worte begreifen. Bei all deinem Tun sei bescheiden, so wird dich kein Schaden treffen.23 Wer bei Tisch anständig ist, wird gelobt, sein guter Ruf steht fest.24 Wer sich bei Tisch schlecht benimmt wird öffentlich beschimpft, sein schlechter Ruf steht fest.25 Auch beim Wein spiele nicht den starken Mann! Schon viele hat der Rebensaft zu Fall gebracht.26 Wie der Ofen das Werk des Schmiedes prüft, so ist der Wein eine Probe für die Zuchtlosen.27 Wie ein Lebenswasser ist der Wein für den Menschen, wenn er ihn mäßig trinkt. Was ist das für ein Leben, wenn man keinen Wein hat, der doch von Anfang an zur Freude geschaffen wurde?28 Frohsinn, Wonne und Lust bringt Wein, zur rechten Zeit und genügsam getrunken.29 Kopfweh, Hohn und Schimpf bringt Wein, getrunken in Erregung und Zorn.30 Zu viel Wein ist eine Falle für den Toren, er schwächt die Kraft und schlägt viele Wunden.31 Beim Weingelage nörgle nicht am Nachbarn herum, verspotte ihn nicht, wenn er heiter ist. Sag zu ihm kein schmähendes Wort, und streite mit ihm nicht vor den Leuten!

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 32

1 Wenn du das Gastmahl leitest, überheb dich nicht, sei unter den Gästen wie einer von ihnen! Sorg erst für sie, dann setz dich selbst, trag erst auf, was sie brauchen, dann laß dich nieder,2 damit du dich über sie freuen kannst, und für dein gutes Benehmen Beifall findest.3 Ergreife das Wort, alter Mann, denn dir steht es an. Doch schränke die Belehrung ein, und halte den Gesang nicht auf!4 Wo man singt, schenk nicht kluge Reden aus! Was willst du zur Unzeit den Weisen spielen?5 Ein Rubin an goldenem Geschmeide, das ist ein schönes Lied beim Weingelage.6 Ein Smaragdsiegel in goldener Fassung, das ist ein Gesang bei köstlichem Wein.7 Als Jüngerer ergreife das Wort nur, wenn du mußt, wenn man dich nachdrücklich zwei- oder dreimal auffordert.8 Dräng die Worte zusammen, fasse dich kurz, sei wie einer, der etwas weiß, aber auch schweigen kann.9 Im Kreis der Vornehmen überheb dich nicht, behellige Ältere nicht durch viele Fragen!10 Vor dem Hagel leuchtet der Blitz, vor dem Bescheidenen leuchtet die Gunst.11 Wenn es Zeit ist, bleib nicht länger, geh nach Haus, und sei nicht ausgelassen;12 dort sei lustig, und überlaß dich deiner Stimmung, in Gottesfurcht, nicht in Unverstand.13 Und für all das preise deinen Schöpfer, der dich mit seinen Gaben erfreut hat.14 Wer Gott sucht, nimmt Belehrung an, wer sich ihm zuwendet, erhält Antwort.15 Wer im Gesetz forscht, entdeckt seinen Wert, wer aber heuchelt, verfängt sich darin.16 Wer den Herrn fürchtet, weiß, was recht ist, aus dem Dunkel läßt er sicheren Rat aufleuchten.17 Der Ruchlose lehnt Zurechtweisung ab, er verdreht das Gesetz, wie er es braucht.18 Der Weise verbirgt die Einsicht nicht, der Überhebliche und der Zuchtlose lehnen Belehrung ab.19 Tu nichts ohne Rat und Überlegung, dann hast du dir nach der Tat nichts vorzuwerfen.20 Geh nicht auf einem Weg voller Fallstricke, dann werden deine Füße nicht anstoßen und straucheln.21 Fühle dich unterwegs nie sicher vor Räubern,22 und sei vorsichtig auf deinen Pfaden!23 Bei all deinem Tun achte auf dich selbst; denn wer dies tut beachtet das Gebot.24 Wer das Gesetz hält, achtet auf sich selbst; wer auf den Herrn vertraut, wird nicht zuschanden.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 33

1 Wer den Herrn fürchtet, den trifft kein Unheil; fällt er in Versuchung, wird er wieder befreit.2 Wer das Gesetz verabscheut, ist nicht weise, er schwankt wie ein Schiff im Sturm.3 Ein verständiger Mann ist redekundig, seine Weisung ist zuverlässig wie ein Losentscheid.4 Richte deine Rede erst zurecht, dann halte sie! Zuerst ein Haus zum Wohnen, dann zieh ein!5 Wie ein Wagenrad ist das Herz des Toren, wie ein rollendes Rad sind seine Gedanken.6 Wie ein geiles Roß ist ein gehässiger Freund, unter jedem Reiter wiehert es.7 Warum unterscheidet sich ein Tag vom andern, wo doch alles Licht im Jahr von der Sonne kommt?8 Durch die Weisheit des Herrn sind sie unterschieden, und es gibt unter ihnen Feiertage.9 Die einen hat er gesegnet und geheiligt, die andern zu gewöhnlichen Tagen gemacht.10 Alle Menschen sind aus Lehm geformt, aus Staub ist der Mensch gemacht.11 Die Weisheit des Herrn hat sie unterschieden und ihre Wege verschieden festgesetzt.12 Die einen von ihnen segnete und erhöhte er die einen heiligte er und ließ sie sich nahekommen; die andern verfluchte und erniedrigte er und stieß sie aus ihrem Amt.13 Wie Ton in der Hand des Töpfers, geformt nach seinem Belieben, so ist der Mensch in der Hand seines Schöpfers, von ihm erhält er sein Geschick.14 Neben dem Bösen das Gute, neben dem Leben der Tod, neben dem Guten der Frevler.15 Schau hin auf alle Werke Gottes: Alle sind sie paarweise geschaffen, eins entspricht dem andern.16 Auch ich bin als letzter eifrig gewesen, wie einer, der Nachlese hält hinter den Winzern.17 Mit Gottes Segen bin ich vorangekommen, wie ein Winzer habe ich die Kelter gefüllt.18 Seht, nicht für mich allein habe ich mich geplagt, sondern für alle, die Bildung suchen.19 Hört auf mich, ihr Großen des Volkes ihr Vorsteher der Gemeinde, horcht auf!20 Sohn und Frau, Bruder und Freund, laß sie nicht herrschen über dich, solange du lebst.21 Solange noch Leben und Atem in dir sind, mach dich von niemand abhängig! Übergib keinem dein Vermögen, sonst mußt du ihn wieder darum bitten.22 Besser ist es, daß deine Söhne dich bitten müssen, als daß du auf die Hände deiner Söhne schauen mußt.23 In allen deinen Taten behaupte dich als Herr, und beschmutze deine Ehre nicht!24 Wenn deine Lebenstage gezählt sind, an deinem Todestag, verteil das Erbe!25 Futter, Stock und Last für den Esel, Brot, Schläge und Arbeit für den Sklaven!26 Gib deinem Sklaven Arbeit, sonst sucht er das Nichtstun. Trägt er den Kopf hoch, wird er dir untreu.27 Joch und Strick beugen den Nacken, dem schlechten Sklaven gehören Block und Folter.28 Gib deinem Sklaven Arbeit, damit er sich nicht auflehnt;29 denn einem Müßigen fällt viel Schlechtigkeit ein.30 Befiehl ihn zur Arbeit, wie es ihm gebührt; gehorcht er nicht, leg ihn in schwere Ketten! Aber gegen keinen sei maßlos, und tu nichts ohne gutes Recht!31 Hast du nur einen einzigen Sklaven, halt ihn wie dich selbst; denn wie dich selbst hast du ihn nötig. Hast du nur einen einzigen Sklaven, betrachte ihn als Bruder, wüte nicht gegen dein eigenes Blut!32 Behandelst du ihn schlecht, und er läuft weg und ist verschwunden,33 wie willst du ihn wieder finden?

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 34

1 Nichtige und trügerische Hoffnung ist Sache des Toren, und Träume regen nur Törichte auf.2 Wie einer, der nach Schatten greift und dem Wind nachjagt, so ist einer, der sich auf Träume verläßt.3 Das Traumbild ist ein Spiegel, das Abbild eines Gesichts gegenüber dem Gesicht selbst.4 Wie kann Reines vom Unreinen kommen? Wie kann Wahres von der Lüge kommen?5 Wahrsagung, Zeichendeuterei und Träume sind nichtig: Was du erhoffst, macht das Herz sich vor.6 Sind sie nicht vom Höchsten zur Warnung gesandt, so schenk ihnen keine Beachtung!7 Träume haben schon viele in die Irre geführt, weil sie ihnen vertrauten, sind sie gestrauchelt.8 Das Gesetz wird zuverlässig in Erfüllung gehen. Vollkommen ist Weisheit in einem ehrlichen Mund.9 Wer viel gereist ist, hat reiches Wissen, und der Erfahrene redet verständig.10 Wer nichts erfahren hat, weiß wenig,11 der Vielgereiste nimmt zu an Klugheit.12 Vieles habe ich auf meinen Reisen gesehen, viele Dinge habe ich durchgestanden.13 Oft mußte ich Todesgefahren bestehen, aber ich wurde gerettet, und sie gingen vorüber.14 Der Geist der Gottesfürchtigen wird leben;15 denn ihr Hoffen ist auf ihren Retter gerichtet.16 Wer den Herrn fürchtet, verzagt nicht und hat keine Angst, denn der Herr ist seine Hoffnung.17 Wohl dem, der den Herrn fürchtet,18 Auf wen vertraut er, und wer ist seine Stütze?19 Die Augen des Herrn ruhen auf denen, die ihn lieben; er ist ein starker Schild, eine mächtige Stütze, Schutz vor dem Glutwind, Schatten in der Mittagshitze, Halt vor dem Straucheln, Hilfe vor dem Fall,20 Freude für das Herz, Licht für die Augen, Heilung, Leben und Segen.21 Ein Brandopfer von unrechtem Gut ist eine befleckte Gabe,22 Opfer des Bösen gefallen Gott nicht.23 Kein Gefallen hat der Höchste an den Gaben der Sünder, auch für eine Menge Brandopfer vergibt er die Sünden nicht.24 Man schlachtet den Sohn vor den Augen des Vaters, wenn man ein Opfer darbringt vom Gut der Armen.25 Kärgliches Brot ist der Lebensunterhalt der Armen, wer es ihnen vorenthält, ist ein Blutsauger.26 Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt,27 Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält.28 Einer baut auf, einer reißt nieder - was haben sie mehr davon als die Mühe?29 Einer segnet, einer flucht - auf wessen Stimme wird der Herr hören?30 Reinigt sich einer von einem Toten, berührt ihn aber wieder, was nützt ihm dann die Waschung?31 So ist ein Mensch, der seiner Sünden wegen fastet, aber hingeht und dasselbe wieder tut. Wer wird sein Gebet erhören, und was hat er von seinem Fasten?

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 35

1 Viele Opfer bringt dar, wer das Gesetz befolgt;2 Heilsopfer spendet, wer die Gebote hält;3 Speiseopfer bringt dar, wer Liebe erweist;4 Dankopfer spendet, wer Almosen gibt:5 Abkehr vom Bösen findet das Gefallen des Herrn: als Sühne gilt ihm die Abkehr vom Unrecht.6 Erscheine nicht mit leeren Händen vor dem Herrn,7 denn das alles muß geschehen, weil es angeordnet ist.8 Die Opfergabe des Gerechten macht den Altar glänzend von Fett, und ihr Wohlgeruch steigt zum Höchsten auf.9 Das Opfer des Gerechten ist angenehm, sein Gedenkopfer wird nicht vergessen werden.10 Freigebig ehre den Herrn, nicht gering sei die Gabe in deinen Händen.11 Bei all deinen guten Werken zeig ein frohes Gesicht, und weihe deinen Zehnten mit Freude!12 Wie Gott dir gegeben hat, so gib auch ihm, freigebig und so gut, wie du kannst.13 Denn er ist ein Gott, der vergilt, siebenfach wird er es dir erstatten.14 Versuche nicht, ihn zu bestechen, denn er nimmt nichts an;15 vertrau nicht auf Opfergaben, die durch Unterdrückung erworben sind. Er ist ja der Gott des Rechts, bei ihm gibt es keine Begünstigung.16 Er ist nicht parteiisch gegen den Armen, das Flehen des Bedrängten hört er.17 Er mißachtet nicht das Schreien der Waise und der Witwe, die viel zu klagen hat.18 Rinnt nicht die Träne über die Wange,19 und klagt nicht Seufzen gegen den, der sie verursacht? 20 Die Nöte des Unterdrückten nehmen ein Ende, das Schreien des Elenden verstummt.21 Das Flehen des Armen dringt durch die Wolken, es ruht nicht, bis es am Ziel ist. Es weicht nicht, bis Gott eingreift22 und Recht schafft als gerechter Richter.23 Auch wird der Herr nicht säumen und wie ein Kriegsheld sich nicht aufhalten lassen, bis er die Hüften des Gewalttätigen zerschmettert und an den Völkern Vergeltung geübt hat, bis er das Zepter des Hochmuts zerschlagen und den Stab des Frevels zerbrochen hat,24 bis er dem Menschen sein Tun vergolten hat und seine Taten entsprechend seinen Absichten,25 bis er den Rechtsstreit für sein Volk entschieden und es durch seine Hilfe erfreut hat.26 Köstlich ist das Erbarmen des Herrn in der Zeit der Not, wie die Regenwolke in der Zeit der Dürre.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 36

1 Rette uns, du Gott des Alls,2 und wirf deinen Schrecken auf alle Völker!3 Schwing deine Hand gegen das fremde Volk, damit es deine mächtigen Taten sieht.4 Wie du dich an uns vor ihren Augen als heilig bezeugt hast, so verherrliche dich an ihnen vor unseren Augen,5 damit sie erkennen, wie wir es erkannten: Es gibt keinen Gott außer dir.6 Erneuere die Zeichen, wiederhole die Wunder,7 zeige die Macht deiner Hand und die Kraft deines rechten Armes!8 Weck deinen Zorn, ergieß deinen Groll,9 beuge den Gegner, wirf den Feind zu Boden!10 Beschleunige das Ende, und schau auf die Zeit! Denn wer darf zu dir sagen: Was tust du?11 Wer entkommt, der werde von der Glut deines Zornes verzehrt, die Peiniger deines Volkes sollen zugrunde gehen.12 Bring das Haupt der Fürsten Moabs zum Schweigen, das sagt: Es gibt keinen außer mir.13 Sammle alle Stämme Jakobs,14 15 16 verteil den Erbbesitz wie in den Tagen der Vorzeit!17 Hab Erbarmen mit dem Volk, das deinen Namen trägt, mit Israel, den du deinen Erstgeborenen nanntest.18 Hab Erbarmen mit deiner heiligen Stadt, mit Jerusalem, dem Ort, wo du wohnst.19 Erfülle Zion mit deinem Glanz und deinen Tempel mit deiner Herrlichkeit!20 Leg Zeugnis ab für das, was du ehedem verfügt hast; erfülle die Weissagung, die in deinem Namen ergangen ist.21 Gib allen ihren Lohn, die auf dich hoffen, und bestätige so deine Propheten!22 Erhöre das Gebet deiner Diener; du hast doch Gefallen an deinem Volk. Alle Enden der Erde sollen erkennen: Du bist der ewige Gott.23 Der Hals schluckt jede Speise, doch die eine Speise schmeckt besser als die andere.24 Der Gaumen prüft geschenkte Leckerbissen, das kluge Herz die Leckerbissen der Lüge.25 Ein tückischer Sinn verursacht Leid, doch ein kluger Mann gibt es ihm zurück.26 Eine Frau nimmt jeden beliebigen Mann, doch die eine Frau ist schöner als die andere.27 Eine schöne Frau macht das Gesicht strahlend, sie übertrifft alle Lust der Augen.28 Hat sie dazu noch eine friedfertige Sprache, so zählt ihr Gatte nicht zu den gewöhnlichen Menschen.29 Wer eine Frau gewinnt, macht den besten Gewinn: eine Hilfe, die ihm entspricht, eine stützende Säule.30 Fehlt die Mauer, so wird der Weinberg verwüstet, fehlt die Frau, ist einer rastlos und ruhelos.31 Wer traut einer Horde Soldaten, die dahinstürmt von Stadt zu Stadt? So steht es mit einem Mann, der kein Heim hat: Er geht zur Ruhe, wo es gerade Abend wird.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 37

1 Jeder Freund sagt: Ich bin dein Freund. Doch mancher Freund ist nur dem Namen nach Freund.2 Ist es nicht ein tödlicher Schmerz, wenn ein gleichgesinnter Freund zum Feind wird?3 Weh, treuloser Freund, wozu bist zu geschaffen? Um die weite Erde mit Falschheit zu erfüllen?4 Übel ist ein Freund, der nur nach dem Tisch sieht; zur Zeit der Not hält er sich fern.5 Ein guter Freund kämpft mit dem Feind, er hält den Schild gegen den Widersacher.6 Vergiß nicht den Kampfgefährten! Hast du Beute gemacht, laß ihn nicht leer ausgehen!7 Jeder Ratgeber weist mit der Hand die Richtung, doch mancher rät einen Weg zum eigenen Vorteil.8 Hüte dich vor dem Ratgeber! Erforsche zuerst, was seine Absicht ist. Denn auch er denkt an sich selbst. Doch warum soll das Los ihm zufallen?9 Er sagt zu dir: Dein Weg ist der rechte. Dann stellt er sich beiseite und schaut zu, wie du arm wirst.10 Berate dich nicht mit deinem Neider; vor dem, der eifersüchtig ist, verbirg Geheimes!11 Berate dich nicht mit einer Frau über ihre Nebenbuhlerin, mit einem Feind über den Kampf gegen ihn, mit einem Händler über das Geschäft, mit einem Käufer über die Ware, mit einem Geizhals über die Liebestätigkeit, mit einem Unbarmherzigen über das Glück des Mitmenschen, mit einem Faulen über seine Arbeit, mit einem Arbeiter über die Aussaat, mit einem trägen Sklaven über die Menge der Arbeit. Vertraue dich nie diesen Menschen an, wenn du Rat einholst.12 Doch berate dich mit einem stets Besonnenen, von dem du weißt, daß er die Gebote hält, mit einem, dessen Herz denkt wie dein Herz und der dir hilft, wenn du strauchelst.13 Doch achte auch auf den Rat deines Gewissens. Wer ist dir treuer als dieses?14 Das Gewissen des Menschen gibt ihm bessere Auskunft als sieben Wächter auf der Warte.15 Bei alledem bete zu Gott! Er wird in Treue deine Schritte lenken.16 Der Anfang eines jeden Werkes ist das Wort, der Anfang jeder Tat die Überlegung.17 Die Wurzel der Pläne ist das Herz.18 Vier Reiser wachsen daraus hervor: Gutes und Böses, Leben und Tod. Doch die Zunge hat Gewalt über sie alle.19 Es gibt Weise, die für viele weise sind, für sich selber aber sind sie Toren.20 Es gibt Weise, die trotz ihres Wortes verachtet sind, von allen Genüssen sind sie ausgeschlossen.21 22 Es gibt Weise, die für sich selbst weise sind; die Frucht ihres Wissens zeigt sich an ihrem Leib.23 Es gibt Weise, die für ihr Volk weise sind; die Frucht ihres Wissens ist von Dauer.24 Wer weise ist für sich selbst, sättigt sich an Genüssen, alle, die ihn sehen, preisen ihn glücklich.25 26 Wer weise ist für das Volk, erlangt Ehre, sein Ruhm wird dauernd weiterleben.27 Mein Sohn, prüfe dich in deiner Lebensweise, beobachte, was dir schlecht bekommt, und meide es!28 Denn nicht alles ist für alle gut, nicht jeder kann jedes wählen.29 Giere nicht nach jedem Genuß, stürz dich nicht auf alle Leckerbissen!30 Denn im Übermaß des Essens steckt die Krankheit, der Unmäßige verfällt heftigem Erbrechen.31 Schon viele sind durch Unmäßigkeit gestorben, wer sich aber beherrscht, verlängert sein Leben.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 38

1 Schätze den Arzt, weil man ihn braucht; denn auch ihn hat Gott erschaffen.2 Von Gott hat der Arzt die Weisheit, vom König empfängt er Geschenke.3 Das Wissen des Arztes erhöht sein Haupt, bei Fürsten hat er Zutritt.4 Gott bringt aus der Erde Heilmittel hervor, der Einsichtige verschmähe sie nicht.5 Wurde nicht durch ein Holz das Wasser süß, so daß Gottes Macht sich zeigte?6 Er gab dem Menschen Einsicht, um sich durch seine Wunderkräfte zu verherrlichen.7 Durch Mittel beruhigt der Arzt den Schmerz, ebenso bereitet der Salbenmischer die Arznei,8 damit Gottes Werke nicht aufhören und die Hilfe nicht von der Erde verschwindet.9 Mein Sohn, bei Krankheit säume nicht, bete zu Gott; denn er macht gesund.10 Laß ab vom Bösen, mach deine Hände rechtschaffen, reinige dein Herz von allen Sünden!11 Bring den beruhigenden Duft eines Gedenkopfers dar, mach die Gabe fett, wenn dein Vermögen es erlaubt.12 Doch auch dem Arzt gewähre Zutritt! Er soll nicht fernbleiben; denn auch er ist notwendig.13 Zu gegebener Zeit liegt in seiner Hand der Erfolg; denn auch er betet zu Gott,14 er möge ihm die Untersuchung gelingen lassen und die Heilung zur Erhaltung des Lebens.15 Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muß die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.16 Mein Sohn, um den Toten laß Tränen fließen, trauere, und stimm das Klagelied an! Bestatte seinen Leib, wie es ihm zusteht, verbirg dich nicht bei seinem Hinscheiden!17 Sei betrübt, mein Sohn, und überlaß dich heftiger Klage, halte die Trauer ein, wie es ihm gebührt, einen Tag oder zwei, der Nachrede wegen; dann tröste dich über den Kummer hinweg!18 Aus Kummer entsteht Unheil; denn ein trauriges Herz bricht die Kraft.19 Schlimmer als der Tod ist dauernder Kummer, ein leidvolles Leben ist ein Fluch für das Herz.20 Lenke deinen Sinn nicht mehr auf den Toten, laß von der Erinnerung an ihn ab, und denk an die Zukunft!21 Denk nicht mehr an ihn; denn es gibt für ihn keine Hoffnung. Was kannst du ihm nützen? Dir aber schadest du.22 Denk daran, daß seine Bestimmung auch deine Bestimmung ist: Gestern er und heute du.23 Wie der Tote ruht, ruhe auch die Erinnerung an ihn, tröste dich, wenn sein Leben erloschen ist.24 Die Weisheit des Schriftgelehrten vermehrt das Wissen. Wer frei ist von Arbeit, kann sich der Weisheit widmen.25 Wie kann sich einer der Weisheit widmen, der den Pflug hält und mit dem Treiberstachel prahlt, der Rinder auf die Weide treibt, Ochsen zurückholt, sich mit den Jungstieren unterhält,26 der seinen Sinn auf das Eggen der Furchen richtet und darauf bedacht ist, die Mast zu vollenden?27 Arbeiten muß auch der Handwerker und Künstler, der Tag und Nacht beschäftigt ist, der Siegelringe schneidet oder dessen Aufgabe es ist, in das bunte Gewebe Abwechslung zu bringen, der seinen Sinn auf die Wiedergabe des Musters richtet und darauf bedacht ist, das Werk schön zu vollenden.28 Ebenso der Schmied, der am Amboß sitzt und auf die eisernen Geräte achtet, dem der Hauch des Feuers das Fleisch schmelzen läßt und den die Hitze des Ofens durchglüht, dem der Lärm des Hammers das Ohr betäubt und dessen Augen auf das Muster des Gerätes gebannt sind, der seinen Sinn auf die Vollendung der Stücke richtet und darauf bedacht ist, das fertige Werk zu verzieren.29 Ebenso der Töpfer, der vor seiner Arbeit sitzt und mit seinen Füßen die Scheibe dreht, der unaufhörlich um seine Arbeit besorgt ist und dessen ganzer Eifer der großen Anzahl gilt,30 der mit dem Arm den Ton knetet und ihm mit den Füßen die Zähigkeit nimmt, der seinen Sinn auf die Vollendung der Glasur richtet und darauf bedacht ist, den Ofen richtig zu erhitzen.31 Sie alle verlassen sich auf ihre Hände, und jeder ist erfahren in seinem Geschäft.32 Ohne sie wird keine Stadt besiedelt, und wo sie sich niederlassen, hungern sie nicht.33 Aber zur Volksversammlung werden sie nicht hinzugezogen, in der Gemeinde ragen sie nicht hervor. Sie sitzen auf keinem Richterstuhl und kennen sich nicht aus in Recht und Gesetz. Weise Bildung offenbaren sie nicht, Sinnsprüche sind bei ihnen nicht zu finden.34 Sie kennen sich nur in weltlichen Berufen aus, ihr Sinnen richtet sich auf die Ausübung des Gewerbes. Anders, wer sich der Gottesfurcht widmet und das Gesetz des Höchsten erforscht.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 39

1 Die Weisheit aller Vorfahren ergründet er und beschäftigt sich mit den Weissagungen;2 er achtet auf die Reden berühmter Männer, und in die Tiefen der Sinnsprüche dringt er ein.3 Er erforscht den verborgenen Sinn der Gleichnisse und verweilt über den Rätseln der Sinnsprüche.4 Im Kreis der Großen tut er Dienst und erscheint vor den Fürsten; er bereist das Land fremder Völker, erfährt Gutes und Böses unter den Menschen;5 er richtet seinen Sinn darauf, den Herrn, seinen Schöpfer, zu suchen, und betet zum Höchsten; er öffnet seinen Mund zum Gebet und fleht wegen seiner Sünden.6 Wenn Gott, der Höchste, es will, wird er mit dem Geist der Einsicht erfüllt: Er bringt eigene Weisheitsworte hervor, und im Gebet preist er den Herrn.7 Er versteht sich auf Rat und Erkenntnis und erforscht die Geheimnisse;8 er trägt verständige Lehre vor, und das Gesetz des Herrn ist sein Ruhm.9 Viele loben seine Einsicht; sie wird niemals vergehen. Sein Andenken wird nicht schwinden, sein Name lebt fort bis in ferne Geschlechter.10 Von seiner Weisheit erzählt die Gemeinde, sein Lob verkündet das versammelte Volk.11 Solange er lebt, wird er mehr gelobt als tausend andere; geht er zur Ruhe ein, genügt ihm sein Nachruhm.12 Weiterhin will ich mit Überlegung reden; denn ich bin angefüllt wie der volle Mond.13 Hört mich, ihr frommen Söhne, und ihr werdet gedeihen wie die Zeder, die am Wasserlauf wächst.14 Ihr werdet Duft verströmen wie der Weihrauch, ihr werdet Blüten treiben wie die Lilie. Erhebt die Stimme, und singt im Chor, preist den Herrn für all seine Werke!15 Verherrlicht seinen Namen, feiert ihn mit Lobgesang, mit Liedern zu Harfe und Saitenspiel! Sprecht unter lautem Jubel:16 Alle Werke Gottes sind gut, sie genügen zur rechten Zeit für jeden Bedarf.17 Durch sein Wort stellt er das Meer hin wie einen Wall, durch den Befehl seines Mundes seinen Wasserspeicher.18 Was er will, geschieht ohne Verzug, kein Hindernis gibt es für seine Hilfe.19 Das Tun aller Menschen liegt vor ihm, nichts ist verborgen vor seinen Augen.20 Von Ewigkeit zu Ewigkeit blickt er hernieder. Gibt es eine Grenze für seine Hilfe? Nichts ist klein und gering bei ihm, nichts ist für ihn zu unbegreiflich und zu schwer.21 Man sage nicht: Wozu dies, wozu das? Denn alles ist für seinen besonderen Zweck bestimmt. Man sage nicht: Dies ist schlechter als das. Denn alles ist zu seiner Zeit von Wert.22 Sein Segen strömt über wie der Nil, wie der Eufrat tränkt er den Erdkreis.23 So hat auch sein Zorn ganze Völker vertrieben, er hat wasserreiches Land zur Salzwüste gemacht.24 Seine Pfade sind für die Rechtschaffenden eben, wie sie für die Verbrecher unwegsam sind.25 Von Anbeginn hat er Gutes den Guten zugeteilt, doch den Schlechten Gutes und Schlechtes.26 Das Nötigste im Leben des Menschen sind: Wasser, Feuer, Eisen und Salz, kräftiger Weizen, Milch und Honig, Blut der Trauben, Öl und Kleidung.27 All dies dient den Guten zum Guten, doch für die Schlechten verwandelt es sich in Schlechtes.28 Es gibt Winde, die für das Gericht geschaffen sind und durch ihr Wüten Berge versetzen. Ihre Kraft schütten sie aus zur Zeit des Verderbens und stillen den Zorn ihres Schöpfers.29 Feuer und Hagel, Hunger und Pest, auch sie sind für das Gericht erschaffen,30 reißende Tiere, Skorpion und Natter, rächendes Schwert zur Vernichtung der Frevler: Alle diese Dinge sind zu ihrem Zweck erschaffen, sie sind im Speicher aufbewahrt, und zu ihrer Zeit werden sie losgelassen.31 Wenn er ihnen befiehlt, jauchzen sie auf, sie erfüllen ihren Auftrag, ohne seinem Wort zu widerstreben.32 Darum stand es bei mir von Anfang an fest, ich bedachte es und lege es schriftlich nieder:33 Alle Werke Gottes sind gut, sie genügen zur rechten Zeit für jeden Bedarf.34 Man sage nicht: Dies ist schlechter als das. Denn alles ist zu seiner Zeit von Wert.35 Nun jubelt von ganzem Herzen, und preist den Namen des Heiligen!

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 40

1 Große Mühsal hat Gott den Menschen zugeteilt, ein schweres Joch ihnen auferlegt von dem Tag, an dem sie aus dem Schoß ihrer Mutter hervorgehen, bis zum Tag ihrer Rückkehr zur Mutter aller Lebenden:2 ihr Grübeln und die Angst ihres Herzens, der Gedanke an die Zukunft, an den Tag ihres Todes.3 Von dem, der auf hohem Thron sitzt, bis zu dem, der in Staub und Asche sitzt,4 von dem, der Krone und Stirnreif trägt, bis zu dem, der ein Kleid aus Fellen trägt:5 Zorn, Eifersucht, Sorge und Schrecken, Todesangst, Zank und Streit. Noch auf dem Bett zur Ruhezeit verwirrt der nächtliche Schlaf ihm den Sinn.6 Bald wird er, nach einem Augenblick der Ruhe, von schrecklichen Träumen aufgejagt, bald in die Irre getrieben durch Vorspiegelungen seiner Seele, wie ein Flüchtling, der dem Verfolger entrinnt;7 gerade während er sich rettet, wacht er auf und wundert sich über die Angst um nichts.8 Hinzu kommt über alles Lebende, vom Menschen bis zum Vieh, und über die Sünder siebenfach:9 Pest und Blut, Fieber und Schwert, Untergang und Verderben, Hunger und Tod.10 Für den Frevler ist das Übel erschaffen, und seinetwegen kommt die Vernichtung.11 Alles, was von der Erde stammt, kehrt zur Erde zurück, was aus der Höhe stammt, zur Höhe.12 Jede Bestechung und Ungerechtigkeit wird ausgerottet, Treue aber besteht für immer.13 Der Reichtum des Frevlers ist wie ein reißender Bach, wie ein mächtiger Fluß beim Gewitterregen.14 Schwillt er an, dann werden Felsen bewegt, doch plötzlich versiegt er für immer.15 Der Schößling des Gewalttätigen treibt keinen Sproß; denn die Wurzel des Ruchlosen liegt auf einem Felsenriff,16 wie Riedgras am Bachrand, das schneller als jedes Gras verdorrt.17 Liebe aber wird in Ewigkeit nicht ausgetilgt, Barmherzigkeit besteht für immer.18 Überfluß und Verdienst machen das Leben angenehm, doch mehr als beide, einen Schatz zu finden.19 Nachkommenschaft und Städtebau geben dem Namen Bestand, doch mehr als beide, Weisheit zu finden. Viehzucht und Ackerbau lassen den Leib gedeihen, doch mehr als beide eine treue Frau.20 Wein und Bier erfreuen das Herz, doch mehr als beide die Freundesliebe.21 Flöte und Harfe verschönern das Lied, doch mehr als beide eine reine Stimme.22 Anmut und Schönheit entzücken das Auge, doch mehr als beide die Blumen des Feldes.23 Freund und Gefährte leiten zur rechten Zeit, doch mehr als beide eine verständige Frau.24 Bruder und Helfer nützen in der Zeit der Not, doch mehr als beide eine rettende Liebesgabe.25 Gold und Silber stützen den Fuß, doch mehr als beide ein guter Rat.26 Reichtum und Macht erheben das Herz, doch mehr als beide die Gottesfurcht. Hat man Gottesfurcht, so gibt es keine Not, neben ihr braucht man keine Stütze zu suchen;27 die Gottesfurcht ist wie ein gesegnetes Paradies, über seine ganze Pracht (breitet sich) ihr schirmendes Dach.28 Mein Sohn, lebe nicht vom Betteln! Besser sterben, als aufdringlich sein.29 Wer nach dem Tisch anderer schauen muß, dessen Leben ist nicht als Leben zu rechnen. Geschenkte Leckerbissen beschmutzen die Kehle, dem verständigen Mann bereiten sie Magenschmerzen.30 Im Mund des Frechen ist Betteln süß, doch in seinem Innern brennt es wie Feuer.

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 41

1 Tod, wie bitter ist es, an dich zu denken, für den, der ruhig sein Heim bewohnt, für den, der ohne Sorge ist und in allem Erfolg hat und noch kräftig genug ist, die Lust zu genießen.2 Tod, wie gut ist es, daß du auferlegt bist, für den betrübten und kraftlosen Menschen, für den, der strauchelt und überall anstößt, der verzweifelt ist und die Hoffnung verloren hat.3 Fürchte dich nicht vor dem Tod, weil er dir auferlegt ist. Denk daran: Vorfahren und Nachkommen trifft es wie dich.4 Er ist das Los, das allen Sterblichen von Gott bestimmt ist. Was sträubst du dich gegen das Gesetz des Höchsten? Ob tausend Jahre, ob hundert oder zehn, im Totenreich gibt es keine Beschwerde über die Lebensdauer.5 Eine verächtliche Brut ist das Geschlecht der Bösen, ein törichtes Gezücht haust in der Wohnung des Frevlers.6 Dem Sohn des Verbrechers geht die Herrschaft verloren, seine Nachkommen leben für immer in Schande.7 Einen schlechten Vater verfluchen die Kinder, denn seinetwegen werden sie verachtet.8 Weh euch, ihr ruchlosen Männer, die ihr das Gesetz des Höchsten verlassen habt.9 Wenn ihr euch vermehrt, ist es zum Unglück, wenn ihr Kinder zeugt, ist es zur Trauer; wenn ihr strauchelt, ist es zur dauernden Freude, wenn ihr sterbt, ist es zum Fluch.10 Alles, was aus dem Nichts kommt, kehrt in das Nichts zurück; so auch der Ruchlose aus dem Leeren ins Leere.11 Ein Hauch ist der Mensch dem Leibe nach, doch der Name des Frommen wird nicht getilgt.12 Sei besorgt um deinen Namen; denn er begleitet dich treuer als tausend kostbare Schätze.13 Das Gut des Lebens währt zählbare Tage, das Gut des Namens unzählige Tage.14 Verborgene Weisheit und versteckter Schatz, was nützen sie beide?15 Besser ist einer, der seine Torheit verbirgt, als einer, der seine Weisheit verbirgt.16 Hört, Söhne, die Lehre von der Scham, lernt, was Scham ist nach meinem Urteil. Nicht jede Scham ziemt sich, nicht jedes Schamempfinden ist empfehlenswert.17 Schäme dich vor Vater und Mutter der Unzucht, vor Fürst und Herrscher der Lüge,18 vor dem Herrn und der Herrin des Betrugs, vor Gemeinde und Volk der Sünde, vor dem Gefährten und Freund der Untreue,19 vor dem Ort, an dem du wohnst, der Unterschlagung. (Schäme dich,) Eid und Vertrag zu verletzen, den Ellbogen aufzustemmen beim Mahl, eine erbetene Gabe zu verweigern,20 einen Gruß nicht zu erwidern, einer Verheirateten nachzuschauen, den Blick auf eine fremde Frau zu werfen,21 deinen Bruder abzuweisen, die Verteilung der Opferanteile zu unterlassen,22 mit deiner Magd dich abzugeben und dich ihrem Bett zu nähern. (Schäme dich) der üblen Nachrede gegenüber dem Freund, und wenn du geschenkt hast, zu schimpfen,

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 42

1 ein Wort, das du gehört hast, weiterzutragen und ein vertrauliches Gespräch zu verraten. Dann bist du in der Tat schamhaft und findest Gunst bei allen Menschen. Aber nimm keine falsche Rücksicht, und schäme dich nicht folgender Dinge:2 des Gesetzes des Höchsten und seiner Satzung, des gerechten Urteils, das nicht den Schuldigen freispricht,3 der Abrechnung mit dem Geschäftsfreund und dem Kaufmann, der Verteilung von Erbe und Besitz,4 der Säuberung von Waagschalen und Waage, der Reinigung von Maß und Gewicht, des Einkaufs, ob viel oder wenig,5 des Handelns um den Kaufpreis mit dem Krämer, der häufigen Züchtigung der Kinder und der Schläge für einen schlechten und trägen Sklaven.6 (Schäme dich nicht,) eine schlimme Frau in Gewahrsam zu halten und dort abzuschließen, wo viele Hände sind,7 ein Verzeichnis aufzustellen, wenn du etwas hinterlegt hast, auch Einnahme und Ausgabe immer aufzuschreiben,8 einen Unverständigen und Toren zurechtzuweisen und einen haltlosen Greis, der Unzucht treibt. Dann bist du in Wahrheit vorsichtig und ein behutsamer Mann vor den Augen aller Menschen.9 Eine Tochter ist für den Vater ein Schatz, den er hütet, die Sorge um sie nimmt ihm den Schlaf: in ihrer Jugend, daß sie nicht verschmäht wird, nach der Heirat, daß sie nicht verstoßen wird,10 als Mädchen, daß sie nicht verführt wird, bei ihrem Gatten, daß sie nicht untreu wird, im Haus ihres Vaters, daß sie nicht schwanger wird, im Haus ihres Gatten, daß sie nicht kinderlos bleibt.11 Mein Sohn, wache streng über deine Tochter, damit sie dich nicht in schlechten Ruf bringt, kein Stadtgespräch und keinen Volksauflauf erregt, dich nicht beschämt in der Versammlung am Stadttor. Wo sie sich aufhält, sei kein Fenster, kein Ausblick auf die Wege ringsum.12 Keinem Mann zeige sie ihre Schönheit, und unter Frauen halte sie sich nicht auf.13 Denn aus dem Kleid kommt die Motte, aus der einen Frau die Schlechtigkeit der andern.14 Besser ein unfreundlicher Mann als eine freundliche Frau und (besser) eine gewissenhafte Tochter als jede Art von Schmach.15 Nun will ich der Werke Gottes gedenken; was ich gesehen habe, will ich erzählen: Durch Gottes Wort entstanden seine Werke; seine Lehre ist ein Ausfluß seiner Liebe.16 Über allem strahlt die leuchtende Sonne, die Herrlichkeit des Herrn erfüllt alle seine Werke.17 Die Heiligen Gottes vermögen nicht, alle seine Wunder zu erzählen. Gott gibt seinen Heerscharen die Kraft, vor seiner Herrlichkeit zu bestehen.18 Meerestiefe und Menschenherz durchforscht er, und er kennt alle ihre Geheimnisse. Der Höchste hat Kenntnis von allem, bis in die fernste Zeit sieht er das Kommende.19 Vergangenheit und Zukunft macht er kund und enthüllt die Rätsel des Verborgenen.20 Es fehlt ihm keine Einsicht, kein Ding entgeht ihm.21 Seine machtvolle Weisheit hat er fest gegründet, er ist der Einzige von Ewigkeit her. Nichts ist hinzuzufügen, nichts wegzunehmen, er braucht keinen Lehrmeister.22 Alle seine Werke sind vortrefflich, doch sehen wir nur einen Funken und ein Spiegelbild.23 Alles lebt und besteht für immer, für jeden Gebrauch ist alles bereit.24 Jedes Ding ist vom andern verschieden, keines von ihnen hat er vergeblich gemacht.25 Eines ergänzt durch seinen Wert das andere. Wer kann sich satt sehen an ihrer Pracht?

Das Buch Jesus Sirach Kapitel 43

1 Die Schönheit der Höhe, das klare Firmament und der gewaltige Himmel sind ein herrlicher Anblick.2 Die Sonne geht auf und erglänzt in vollem Licht, ein staunenswertes Gestirn, das Werk des Höchsten.3 Steht sie in der Mittagsh