Eine Hilfe für die Gläubigen

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Dekret
Eine Hilfe für die Gläubigen

Apostolische Pönitentiarie
im Pontifikat von Papst
Johannes Paul II.
zur Gewährung vollkommener Ablässe für das Marianische Jahr
2. Mai 1987

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1987, S. 2157-2159)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Die selige Jungfrau Maria, Gottesmutter und auch Mutter der Kirche, ja aller Menschen, "vereinigt, da sie zuinnerst in die Heilsgeschichte eingegangen ist, gewissermaßen die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wider" (Lumen gentium, Nr. 65). "Daher ruft ihre Verkündigung und Verehrung die Gläubigen hin zu ihrem Sohn und seinem Opfer und zur Liebe des Vaters" (ebd.). Denn "sie war in einzigartiger Weise vor anderen die großmütige Gefährtin des göttlichen Erlösers ... ; sie hat ... in durchaus einzigartiger Weise ... mitgewirkt zur Wiederherstellung des übernatürlichen Lebens der Seelen" (Lumen gentium, Nr. 61.)

Während sich das zweite Jahrtausend nach der Geburt unseres Erlösers dem Ende zuneigt, wendet sich die Kirche als universale Gemeinschaft der Gläubigen an den Erlöser und seine Mutter zugleich, die sie teilnahmsvoll anwesend und als Helferin bei den vielfältigen und schwierigen Problemen erblickt, die heute das Leben der einzelnen, der Familien und der Völker begleiten (vgl. Redemptoris mater, Nr. 52). Im Hinblick darauf hat Papst Johannes Paul II. im Sinne seiner Verehrung für Maria und kraft seines Amtes als Stellvertreter Christi, durch das ihm "in ständigem Drängen die Sorge für alle Kirchen" obliegt (vgl. 2 Kor 11,28), vor kurzem ein Marianisches Jahr ausgerufen, an dem von Pfingsten dieses Jahres bis zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel nächsten Jahres die Gläubigen in der ganzen Welt in großer Zahl und mit tiefer Frömmigkeit teilnehmen und in den Genuss der Vermehrung der Tugenden und der Gewinnung des geistlichen Heiles gelangen sollen.

Da aber die Aufforderung, die Maria bei der Hochzeit von Kana in Galiläa an die Diener und in ihnen an alle Menschen gerichtet hat - "Was er euch sagt, das tut!" (Joh 2,5) -, gerade in unserer Zeit weiter vernehmbar bleiben soll, ist es höchst angemessen, dass sich die Gläubigen vor allem während des Marianischen Jahres mit erneutem inneren Engagement dazu gedrängt fühlen, Werke der Frömmigkeit, der Barmherzigkeit und der Buße zu vollbringen, unter denen jene, welche die Kirche nach alter Tradition mit dem Ablass verbindet, einen besonderen Platz beanspruchen.

Für die Gewinnung eines Ablasses ist nämlich die leidenschaftliche Gottes- und Nächstenliebe erforderlich; nach seiner Gewinnung aber ist es nur folgerichtig, dass aus Dankbarkeit für die von Gott gewährte Güte die feste Absicht besteht, künftighin das Gute zu tun und die Sünde zu vermeiden: eben diese Absicht empfiehlt und gebietet unser Herr Jesus Christus seinen Anhängern an allen Orten und zu allen Zeiten.

Damit also die Gläubigen in der Läuterung des Gewissens, in der tiefgreifenden Änderung ihrer Gewohnheiten, in der Stärkung der Liebe zu Gott und zu den Brüdern die reichen Früchte des Marianischen Jahres empfangen, gewährt die Apostolische Pönitentiarie kraft eines diesbezüglichen päpstlichen Auftrages aus dem Schatz der Kirche, die "im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet" (CIC, can. 992), durch vorliegendes Dekret allen Gläubigen, sofern sie die üblichen Bedingungen (Empfang des Beichtsakraments, Teilnahme an der Eucharistie und Kommunion und ein Gebet nach den Intentionen des Papstes) in herkömmlicher Weise erfüllt haben, den vollkommenen Ablass. Diese Ablassgewährung an die Gläubigen kann erfolgen:

1) - am Tag des Beginns bzw. des Abschlusses des Marianischen Jahres, wenn sie in ihrer Pfarrkirche oder in einem Marienheiligtum oder einem anderen heiligen Ort an einem aus Anlass des Marianischen Jahres gefeierten Gottesdienst teilgenommen haben;

2) - an allen liturgischen Marienfesten und -feiertagen, an jedem Samstag oder anderem Tag, an dem in feierlicher Form eines "Geheimnisses" oder "Ehrentitels" der Gottesmutter gedacht wird, wenn die Gläubigen in frommer Gesinnung an einem der Gottesdienste teilgenommen haben, die in ihrer Pfarrkirche, in einem Marienheiligtum oder an einem anderen heiligen Ort zu Ehren der seligen Jungfrau Maria gefeiert werden;

3) - an allen Tagen des Marianischen Jahres, wenn die Gläubigen eine gemeinsame Wallfahrt zu den für ihre Diözese vom zuständigen Bischof angegebenen Marienheiligtümern unternommen und dort an liturgischen Feiern unter welchen natürlich das hl. Messopfer absolut hervorragt - oder an einem gemeinsamen Bußgottesdienst oder am Gebet des Rosenkranzes teilgenommen oder irgendeine andere fromme Übung zu Ehren der seligen Jungfrau Maria vollbracht haben;

4) - ebenso an einzelnen Tagen des Marianischen Jahres, wenn die Gläubigen, auch einzeln, in frommer Gesinnung die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom besucht und dort entweder an einem Gottesdienst teilgenommen haben oder zumindest einige Zeit in andächtigem Gebet verweilten;

5) - wenn die Gläubigen den von den Bischöfen erteilten Päpstlichen Segen, sei es auch nur über Rundfunk oder Fernsehen, in frommer Gesinnung empfangen haben. Die Apostolische Pönitentiarie gewährt den Bischöfen die Erlaubnis, diesen Päpstlichen Segen, verbunden mit dem vollkommenen Ablass - über die dreimalige Erteilung, die ihnen aufgrund der allgemeinen kirchenrechtlichen Vorschrift zusteht, hinaus - während des Marianischen Jahres zweimal gemäß dem dafür festgelegten Brauch (vgl. Caeremoniale episcoporum, Nr. 1122-1126) zu erteilen, und zwar vor allem anläßlich eines Marienfestes oder einer Diözesanwallfahrt.

Es ist angebracht, hier daran zu erinnern, dass gemäß den geltenden Normen das Geschenk des vollkommenen Ablasses an einem Tag nur einmal gewonnen werden kann, während den Verstorbenen die Ablässe fürbittweise immer zugewendet werden können (vgl. Enchiridion indulgentiarum, Nr. 4 und 24). Bei dieser Gelegenheit ruft die Apostolische Pönitentiarie Norm 27 dieses Enchiridion indulgentiarum in Erinnerung, nach welcher "die Beichtväter sowohl das auferlegte Werk als auch die Bedingungen für diejenigen abändern können, die an ihrer Erfüllung nachweislich gehindert sind"; und ebenso Norm 28, nach welcher "die Ortsbischöfe bzw. die Mitglieder der örtlichen Hierarchie den ihrer rechtmäßigen Autorität unterstehenden Gläubigen ... im Falle, dass diese sich an Orten aufhalten, wo ihnen der Gang zur Beichte oder Kommunion überhaupt nicht oder nur sehr schwer möglich ist, gewähren können, ohne momentane Beichte und Kommunion den vollkommenen Ablass zu gewinnen, wenn sie nur innere Reue und die feste Absicht erkennen lassen, die genannten Sakramente sobald wie möglich zu empfangen".

Schließlich trägt die Apostolische Pönitentiarie - ganz im Sinne des Marianischen Jahres - vor allem den Familien das Gebet des Rosenkranzes der seligen Jungfrau Maria bzw., was die Gläubigen der orientalischen Kirchen betrifft, andere, von den Patriarchen festgelegte Gebete auf; damit ist, ob das Gebet in einer Kirche oder einem Oratorium oder als Gemeinschaftsgebet stattfindet, der vollkommene Ablass verbunden (vgl. Enchiridion indulgentiarum, Norm 48).

Hiermit werden alle früheren abweichenden Vorschriften aufgehoben.

Gegeben zu Rom, am Sitz der Apostolischen Pönitentiarie, Samstag, 2. Mai 1987.

Aloysius Kard. Dadaglio
Großpönitentiar
Aloysius de Magistris

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