Domenico Bartolucci

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Wappen des Kardinals Domenico Bartolucci

Domenico Bartolucci (* 7. Mai 1917 in Borgo San Lorenzo,Toskana, Italien; † 11. November 2013 in Rom [1]) ist Kardinal und war Kapellmeister der Sixtinischen Kapelle. Er machte sich vor allem als Palestrina-Interpret einen Namen. Seine Kompositionen füllen mehr als 40 Bände.

Kennzeichnend für seine Tätigkeit ist es, dass er sich für den Erhalt und die Verbreitung der klassischen und zeitgenössischen Tradition der Polyphonie einsetzt.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Domenico Bartolucci trat in das Priesterseminar des Erzbistums Florenz ein und empfing 1939 durch Kardinal Elia Della Costa die Priesterweihe. Schon als Seminarist schrieb er Motetten, Orgelmusik und Kammermusik.

Er wurde in jungen Jahren Leiter des Kathedralchores von Florenz und komponierte dort weiter. 1942 wird er stellvertretender Maestro des Chores der Lateranbasilika in Rom. 1947 folgte das Amt des Chorleiters der „Cappella Musicale Liberiana“ der Basilika Santa Maria Maggiore, als Nachfolger von Licinio Refice. 1952 ernannte ihn Papst Pius XII. zum zweiten Kapellmeister der „Cappella Sistina“, wobei er einem Rat des damaligen Chorleiters Lorenzo Perosi folgte. Nach dem Tod Perosis im Jahr 1956 übertrug ihm der Papst die Aufgabe des „direttore perpetuo“ (Chorleiters auf Lebenszeit) des päpstlichen Chores der Petersbasilika.
 Zu den Aufgaben Bartoluccis gehörte es, die „Cappella Sistina“, die einen schweren musikalischen Niedergang zu verzeichnen hatte, wieder zu sanieren. Dieser Aufgabe widmete sich Bartolucci mit der persönlichen Unterstützung durch Papst Johannes XXIII., so dass die „Cappella Sistina“ neben ihren Auftritten während der Papstliturgien zu Tourneen in verschiedenen Ländern aufbrechen konnte (Türkei, Polen, Deutschland, Österreich, Irland, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Türkei, Japan, Philippinen, Australien, Kanada, Vereinigte Staaten von Amerika). Am 21. Januar 1965 verlieh ihm Paul VI. den Titel Ehrenprälat Seiner Heiligkeit.[2]

In der Zeit des II. Vatikanischen Konzils und den darauf folgenden Jahren wehrte sich Bartolucci gegen die fortschreitende Aufgabe des Lateinischen als Liturgiesprache und setzte sich vehement dafür ein, dass die in Gang gekommene und dann 1970 durchgesetzte Reform der Römischen Liturgie keine der „musica sacra“ abträgliche Richtung nimmt. Leider waren die Anstrengungen Bartoluccis von geringem Erfolg gekennzeichnet. 

1997 wurde einer der bedeutendsten liturgischen Experten seines Amtes altershalber enthoben, obwohl ihn Pius XII. auf Lebenszeit berufen hatte. Man hatte ihm nichts mitgeteilt. Er erfuhr davon erst, als man seinen Nachfolger ernannte. Die Ablösung Bartoluccis geschah nicht, ohne Kritiken und Polemiken zu provozieren. Als eine der Hauptkräfte, die mit dem liturgisch-musikalischen Kurs von Bartolucci nicht einverstanden waren und an einer Modernisierung der päpstlichen Liturgien arbeiteten, um sie den neuen Bedürfnissen der Feiern mit Johannes Paul II. anzupassen, wird der damalige päpstliche Zeremonienmeister und spätere Erzbischof Piero Marini genannt. Dieser war bereits in den Jahren des II. Vatikanischen Konzils sowie in der Folgezeit einer der Berater Annibale Bugninis, des Hauptarchitekten der Liturgiereform Pauls VI.. 


Im Jahre 2003 wurde eine nach Bartolucci benannte Stiftung zur Förderung sakraler Musik ins Leben gerufen. Rund ein Jahr nach der Wahl Benedikts XVI. zum Papst, lud er zum Zeichen seiner Wertschätzung Maestro Bartolucci ein, um ein Konzert in der Sixtinischen Kappelle zu dirigieren. In seiner Ansprache im Juni 2006, nach dem Konzert, das Bartolucci für den Papst komponierte und den lateinischen Titel "Oremus pro Pontifice nostro Benedicto" trug, ließ der Papst ein liturgisches und musikalisches Programm erkennen, das zukunftweisend werden sollte. Benedikt XVI. lobte das von Bartolucci dargeboten Programm als eine Zusammenstellung, in der eine Parallele zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert gezogen werde. Dies bekräftige die Überzeugung, „dass die polyphone Kirchenmusik – vor allem die der sogenannten ‚römischen Schule’ – ein Erbe darstellt, das sorgfältig bewahrt, am Leben erhalten und bekannt gemacht werden muss“.

Kardinal

Am 20. November 2010 hatte Bartoluccis Lebenswerk die höchste Anerkennung durch die Aufnahme ins Kardinalskollegium durch Papst Benedikt XVI. gefunden. Er erhielt die Diakonie »Santissimi Nomi di Gesu e Maria in via Lata«. Sich für Pflege der klassischen und zeitgenössischen Tradition der Polyphonie der Kirchenmusik einzusetzen ist für Benedikt XVI. notwendig, und zum Nutzen „der ganzen kirchlichen Gemeinschaft, für die sie einen unschätzbaren geistlichen, künstlerischen und kulturellen Reichtum darstellt“. „Ein echtes ‚Aggiornamento' der Kirchenmusik kann nur auf den Spuren der großen Tradition der Vergangenheit, des Gregorianischen Gesangs und der polyphonen Kirchenmusik stattfinden. Aus diesem Grund hat die kirchliche Gemeinschaft – sowohl im Bereich der Musik als auch in den anderen Kunstformen – stets diejenigen gefördert und unterstützt, die neue Wege des künstlerischen Ausdrucks suchen, ohne dabei der Vergangenheit, der Geschichte des menschlichen Geistes, die auch die Geschichte seines Dialogs mit Gott ist, eine Absage zu erteilen“.

Weitere Auszeichnungen

  • Am 26. Oktober 2010 Ehrenpreis der Stiftung 
Fondazione Pro Musica et Arte Sacra [1].

Zitat

„Holt mich, wenn der Zirkus vorbei ist“ – mit diesen Worten hatte sich Msgr. Bartolucci mit Blick auf die liturgischen Experimente verabschiedet.[3]

Weblinks

Anmerkungen

  1. Papsttelegramm zum Tod von Kardinal Bartolucci Radio Vatikan am 11. November 2013
  2. Annuario Pontificio per l’anno 2006, Città del Vaticano 2006, S. 1979.
  3. 40 Jahre Liturgiereform-Festakt in Trier mit Joseph Kardinal Ratzinger, Die Tagespost 6. Dez. 2003
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