Doctor mellifluus

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Doctor mellifluus („honigfließender Lehrer“) sind die Anfangsworte der Enzyklika von Papst Pius XII. vom 24. Mai 1953 an die ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe und alle andere lokalen Ordinarien, die im Frieden und in Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle leben, über Bernhard von Clairvaux.

Papst Pius XII. hat das Gedächtnis des achthundertsten Todestages des heiligen Bernhard von Clairvaux am 24. Mai durch ein lateinisches Rundschreiben an den Weltepiskopat gefeiert. Er hat darin die großen Eigenschaften, die Heiligkeit, das Wissen und die Wirkung des Heiligen gefeiert. Die zahlreichen Zitate aus Bernhards Werken strahlen einen besonderen Glanz aus. Das Rundschreiben ist als Ganzes ein Bildnis und eine Wertung des Heiligen. Er wird unserer Zeit entgegengestellt in seiner alles überstrahlenden Gottesliebe, während "diese hohe mystische Doktrin. ... heute häufig vernachlässigt und beiseite geschoben, ja von vielen ganz vergessen wird; in den täglichen Sorgen und Arbeiten gefangen, suchen und wünschen diese nichts anderes als das Nützliche und Einträgliche für dieses sterbliche Leben, und fast nie erheben sie Auge und Herz zum Himmel, fast nie begehren sie die Dinge der anderen Welt, die unvergänglichen Güter ... "

"Darum glauben Wir, während heute die Gottesliebe bei vielen entweder unmerklich immer schwächer wird oder auch nicht selten völlig erlischt, man sollte diese Schriften des Doctor mellifluus aufmerksam bedenken; von ihrer Lehre, die im übrigen ihren Quell im Evangelium hat, könnte sich sowohl im Privatleben eines jeden wie auch im menschlichen Zusammenleben eine neue übernatürliche Energia ausbreiten, die die öffentlichen Sitten regeln und sie mit den Geboten der christlichen Sittenlehre in Übereinstimmung bringen würde; und sie könnte auf diese Weise die rechten Heilmittel für die vielen schweren Übel liefern, die die Gesellschaft verwirren und ängstigen. Wenn die Menschen ihren Schöpfer nicht lieben, wie sie sollten, den Schöpfer, von dem alles kommt, was sie besitzen, dann können sie sich auch nicht untereinander lieben; vielmehr trennen sie sich - wie es nur zu oft geschieht - in Hass und Streit und bekämpfen sich gegenseitig mit Erbitterung. Gott ist der liebevollste Vater unser aller; wir sind Brüder in Christus, der uns mit seinem heiligen Blut erlöst hat. Sobald wir darum Gott nicht wiederlieben, der uns liebt, und nicht in Ehrfurcht seine göttliche Vaterschaft anerkennen, lockern sich auch in unseliger Weise die Bande der brüderlichen Liebe; und zum Unglück entstehen - wie wir nur zu oft sehen Zwietracht, Streit, Feindschaft; und diese können ein derartiges Ausmaß annehmen, dass sie die Fundamente des menschlichen Zusammenlebens selber umstürzen und untergraben.

Darum ist es notwendig, allen Seelen wieder diese göttliche Liebe einzuflößen, die den Lehrer von Clairvaux mit solcher Glut erfüllte, wenn wir wollen, dass die christlichen Sitten überall wieder aufblühen, dass die katholische Religion ihre Sendung wirksam ausüben kann, dass die Zwietracht beigelegt, die Ordnung in Gerechtigkeit und Billigkeit wiederhergestellt werde und dass dem erschöpften und verängstigten Menschengeschlecht wieder Ruhe und Friede leuchte.

Von dieser Liebe, durch die wir immer und in großer Hingabe mit Gott vereint sein sollen, mögen an erster Stelle diejenigen entflammt werden, die dem Orden des Doctor mellifluus angehören, ebenso alle Priester, die ganz besonders die Aufgabe haben, die anderen zu ermahnen und anzutreiben; dass sie die göttliche Liebe wieder entzünden. Dieser göttlichen Liebe bedürfen - wie Wir sagten -, wenn je in vergangenen Zeiten, so erst recht heute, unendlch alle Bürger, die Familien, die ganze Menschheit. Wenn sie glüht und die Seelen zu Gott trägt, dem letzten Ziel aller Sterblichen, so werden auch die anderen Tugenden wieder stark; wenn sie jedoch schwach wird oder erlischt, werden auch die Ruhe, der Friede, die Freude und alle anderen Güter allmählich schwach oder erlöschen ganz, da sie von Dem kommen, der die Liebe ist" (1 Joh. 4, 8).

Im weiteren weist der Papst noch ganz besonders auf die Rolle des Primats des römischen Bischofs bei Bernhard von Clairvaux und so dann auf seine Verehrung der Gottesmutter hin.

"Es scheint Uns, dass wir diese Enzyklika nicht besser beendigen können, als indem Wir alle mit den Worten des Doctor mellifluus auffordern, täglich die Verehrung der hohen Gottesmutter zu steigern und mit größtem Eifer ihren außerordentlichen Tugenden nachzustreben, jeder gemäß den besonderen Umständen seines Lebens. Wenn im 12. Jahrhundert schwere Gefahren die Kirche und die Menschheit bedrohten, so bedrohen zweifellos nicht geringere unsre Zeit. Der katholische Glaube, der dem Menschen den größten Trost spendet, verblasst in vielen Seelen und wird in einigen Ländern und Nationen sogar öffentlich erbittert bekämpft. Und wenn die christliche Religion vernachlässigt oder von ihren Feinden bekämpft wird, so zeigt sich nur zu bald, dass die privaten und öffentlichen Sitten vom rechten Weg abweichen und dass man zuweilen auf den verschlungenen Wegen des Irrtums unseliger weise selbst in die tiefsten Tiefen des Lasters absteigt.

An Stelle der Liebe, des Bandes der Vollkommenheit, an Stelle der Eintracht und des Friedens machen sich Hass, Zwietracht und Streit breit.

Etwas Unruhiges, Gequältes, Angstvolles dringt in das menschliche Herz; man muss geradezu befürchten, dass, wenn das Licht des Evangeliums allmählich bei vielen abnimmt oder - noch schlimmer - gänzlich abgewiesen wird, die Fundamente der Kultur und des häuslichen Lebens selber zusammenstürzen; und dann kommen noch bösere und unglücklichere Zeiten.

Wie also der Lehrer von Clairvaux für seine verworrene Zeit die Hilfe der allerseligsten Jungfrau erflehte und erhielt, so sollen auch wir alle mit der gleichen Beständigkeit im Gebet von unserer göttlichen Mutter erflehen, dass sie für diese schweren drohenden oder gefürchteten Gefahren von Gott die geeigneten Heilmittel erhalte und gewähre, dass mit der gütigen und mächtigen Hilfe Gottes endlich der Kirche, den Völkern und den Nationen ein aufrichtiger, fester und fruchtbarer Friede geschenkt werde."[1]

Weblinks

Anmerkungen

  1. Herder-Korrespondenz, Siebter Jahrgang 1952/53, Juli 1953, S. 441-442).
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