Diskussion um das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia"

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Das Nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris laetitia ("die Freude der Liebe") über die Liebe in der Familie von Papst Franziskus erschien am 8. April 2016. Der Papst verfasste es im Anschluss an die beiden Bischofssynoden im Oktober 2014 und im Oktober 2015.[1]

Zu Text und Inhalt siehe Amoris laetitia.

Einzelne Passagen des Schreibens führten zu heftigen Reaktionen in einigen Teilen der römisch-katholischen Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklungen im Vorfeld

Zollitsch 2013: Dialogprozess

Im Jahre 2013 veröffentlichte Erzbischof Robert Zollitsch eine Handreichung zur Seelsorge für wiederverheiratete Geschiedene; er verstand sie als Diskussionsbeitrag für die Beratungen der Deutschen Bischofskonferenz.[2] Sie enthielt die Frage, unter welchen Umständen wiederverheiratete Geschiedene zur sakramentalen Kommunion zugelassen werden könnten. Der Vatikan zeigte sich "irritiert" ´über diese Initiative.[3] Entgegen der Forderung des Präfekten der GlaubenskongregationErzbischof Gerhard Ludwig Müller[4] zog Erzbischof Zollitsch die Handreichung nicht zurück.[5]

Kardinal Walter Kaspers Vortrag im Februar 2014

Im Februar 2014 hielt auf Wunsch von Papst Franziskus Kardinal Walter Kasper[6], als einziger Vortragender vor dem Konsistorium[7] einen Vortrag und bekräftigte seine Auffassung über die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zur sakramentalen Kommunion; mit seinen Ausführungen faszinierte er die Kardinäle samt Papst Franziskus.[8] Er regte ein Umdenken des Heiligen Stuhls in der Sexualmoral an.[9]. Der Vortrag, dessen Hauptanliegen nicht die Kommunion wiederverheiratet Geschiedener sein sollte, jedoch allgemein so aufgenommen wurde, wollte die theoretische Unauflöslichkeit der Ehe nicht[10] in Frage stellen, sondern, wie schon 1993, die praktische Auflöslichkeit der Ehe in Einzelfällen[11][12] als "Barmherzigkeit" gewähren. Kritiker sehen hier einen falschen Barmherzigkeitsbegriff, wenn der Kardinal sage, sie sei eine „Barmherzigkeit, welche die vorangehende und notwendige Abkehr von der Sünde nicht mehr einschließt, sondern nur auf das Vertrauen setzt, dass Gott diese nicht beachtet."[13] Es sollte nach Kardinal Kaspers Meinung möglich sein, dass ein geschieden Wiederverheirateter nach einer Zeit der Buße wieder zu den Sakramenten hinzutreten könne, wenn er die erste zerbrochene Ehe "bereue". Wörtlich sagt er: "Wenn ein geschiedener Wiederverheirateter bereut, dass er in erster Ehe versagt hat, wenn er sich nach Kräften mühte, die zweite zivile Ehe aus dem Glauben zu leben, können wir ihm dann das Sakrament der Buße und die Kommunion verweigern?"

Die Kritiker betonen, dass hier zwar ein schuldhaftes Versagen beim Zerbrechen der ersten Ehe bereut werden solle, nicht jedoich die schwere Sünde der zivilen Wiederverheiratung (mit Vollzug einer Ehe), welche (dann erst) zum Selbstausschluss von den Sakramenten führe.[14] Seine Ideen widersprächen nicht nur der Heiligen Schrift, sondern auch den Erläuterungen und der Entfaltung der Lehre über die Ehe im Apostolischen Schreiben Familiaris consortio (Nr. 84)[15] von Papst Johannes Paul II., das, was die wiederverheiratet Geschiedenen betrifft, - entgegen seiner Behauptung - in einem gleichen geschichtlichen Kontext als dem heutigen entstanden sei: so Carlo Kardinal Caffarra.[16] Seine Gegenposition zum Lehramt erklärt er so: „Wir befinden uns heute in einer ähnlichen Situation wie beim letzten Konzil, als es um die Frage der Ökumene oder der Religionsfreiheit ging. Auch damals gab es Enzykliken und Entscheidungen des Heiligen Offiziums, die weitere Wege zu versperren schienen. Das Konzil hat jedoch, ohne die verbindliche dogmatische Tradition anzutasten, Türen geöffnet.“ (Das Evangelium von der Familie
. Die Rede vor dem Konsistorium Herder Verlag 2014, S. 57
 (ca. 96 Seiten
; ISBN 978-3-451-31245-8)[17]

Eine Antwort von fünf Kardinälen und vier weiteren Wissenschaftlern auf den Vortrag von Kardinal Walter Kasper über Ehe und Kommunion in der katholischen Kirche gab Robert Dodaro 2014 als Buch heraus.[18]Auch Paul Josef Cardinal Cordes widerspricht in seinem Buch über die geistige Kommunion Kaspers Meinung, dass "Wer zum sakramental-zeichenhaften Empfang der Eucharistie nicht zuzulassen wäre, der sei auch unwürdig für die Geistige Kommunion."[19]

Außerordentliche Bischofssynode im Oktober 2014

2014 hatte der Papst einen synodalen Prozess mit zwei Versammlungen der Bischofssynoden (2014 und 2015) zum Thema Ehe und Familie begonnen, damit waren erstmalig in der Geschichte der Synode zwei Versammlungen aufeinander aufbauend mit demselben Thema beschäftigt. Aus dem Päpstlichen Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie, das im Gefolge der Bischofssynode über die Familie von 1980 gegründet worden war, wurde kein Vertreter als Experte oder Synodalen zu den Bischofssynoden hinzugezogen.[20]

Hoffnungen, dass Papst Franziskus nach den beiden Weltbischofssynoden im Oktober 2014 und 2015 mit dem Thema Familienseelsorge, zivil Wiederverheiratet Geschiedene zu den Sakramenten, vor allem zur Kommunion zulassen werde, hielt der Kölner Kardinal Rainer Woelki vor Beginn der Synode für verfehlt[21], wenn der Papst dies auch in seinem Schreiben Evangelii gaudium Nr. 47 vom 24. November 2013 vielleicht so beabsichtige, wenn er von "pastoralen Konsequenzen" spreche.[22]

Papst Franziskus sagte am 25. September 2014, wenige Wochen vor der Sondersynode, über Wiederverheiratete Geschiedene, dass eine kirchlich verheiratete Person, die geschieden ist und noch einmal staatlich geheiratet hat, die Sakramente nicht empfangen könne: "Das hat Jesus Christus so eingerichtet, und der Papst kann es nicht ändern."[23]

Die Sondersynode über Ehe und Familie im Oktobert 2014 dachte über die Möglichkeit nach,

"wiederverheiratete Geschiedene zum Sakrament der Buße und der Eucharistie zuzulassen. Mehrere Synodenväter haben auf der derzeitigen Regelung bestanden, und zwar aufgrund der konstitutiven Beziehung zwischen der Teilnahme an der Eucharistie und an der Gemeinschaft mit der Kirche einerseits und der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe andererseits. Andere haben sich für eine nicht zu verallgemeinernde Aufnahme an den Tisch der Eucharistie ausgesprochen – und zwar in einigen besonderen Situationen und unter genau festgelegten Voraussetzungen, vor allem wenn es sich um unumkehrbare Fälle handelt, mit moralischen Verpflichtungen gegenüber den Kindern, die ungerechterweise leiden müssten. Einem möglichen Zugang zu den Sakramenten müsste dann ein Weg der Buße unter der Verantwortung des Diözesanbischofs vorausgehen. Diese Frage gilt es aber noch zu vertiefen, wobei die Unterscheidung zwischen einem objektiven Zustand der Sünde und mildernden Umständen genau zu bedenken ist, da „die Anrechenbarkeit einer Tat und die Verantwortung für sie (…) durch (…) psychische oder gesellschaftliche Faktoren vermindert, ja sogar aufgehoben sein“ können (Katechismus der katholischen Kirche, 1735)." (ja 104 / nein 74).[24]

Zum Abschluss der Bischofssynode warnte der Papst gleichermaßen vor einer „feindlichen Erstarrung“ wie vor einer „falschen Barmherzigkeit“ in der katholischen Kirche. Ersterer Versuchung erlägen „Traditionalisten und Intellektualisten“, die sich „im Geschriebenen einschließen und sich nicht von Gott überraschen lassen wollen“, sagte Franziskus am 19. Oktober 2014 in seiner Ansprache zum Abschluss der Beratungen. Die Versuchung einer „falschen Barmherzigkeit“ sei hingegen typisch für die sogenannten „Progressiven und Liberalen“ sowie ein „zerstörerisches Gutmenschentum“. Sie verbänden Wunden, „ohne sie zuvor zu pflegen und zu behandeln“, so Franziskus.[25]

Die Glaubenskongregation (veröffentlicht im März 2015)

Die Glaubenskongregation bestätigte kurz nach Abschluss der außerordentlichen Synode, dass zivilrechtlich wiederverheiratete Geschiedene nur dann die Absolution in der Beichte empfangen können, wenn sie auf Handlungen des Vollzuges der Ehe verzichten. Auf Anfrage eines französischen Priesters zitierte Erzbischof Luis Ladaria Ferrer SJ, der Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, das Apostolische Schreiben „Familiaris consortio“. Anschließend fasste er die einzelnen Schritte zusammen, die für den Empfang des Bußsakramentes Voraussetzung sind:

- Die Gültigkeit der kirchlichen Eheschließung überprüfen, wobei der Eindruck einer „katholischen Scheidung“ vermieden werden muss.
- Prüfen ob mit Hilfe der Gnade eine Trennung vom neuen Partner und eine Versöhnung mit dem kirchlich angetrauten Partner möglich ist.
- Wiederverheiratete Geschiedene, die sich aus ernsthaften Gründen (zum Beispiel Kinder) nicht trennen können, sollen „wie Bruder und Schwester“ zusammenleben.
- Die Absolution kann nur unter der Voraussetzung echter Reue gespendet werden. Das schließt den festen Vorsatz ein, in Zukunft nicht mehr zu sündigen.[26]

Ordentliche Bischofssynode im Oktober 2015

Im Vorfeld der Ordentlichen Bischofssynode 2015, erläuterte Walter Kasper im Juliheft der Stimmen der Zeit das dornige und komplexes Problem der Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten, sozusagen als weiterer Beitrag zu seinem Vortrag im Februar 2014.[27]

Die XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode 2015 hatte nach zweijähriger Arbeitszeit dem Papst einen Abschlussbericht (Relatio Finales) übergeben.[28] Sie sieht wiederverheiratet Geschiedene unter Unterscheidung und Integration.

Nr. 84: "Getaufte, die geschieden und zivil wiederverheiratet sind, müssen auf die verschiedenen möglichen Weisen stärker in die Gemeinschaft integriert werden, wobei zu vermeiden ist, Anstoß zu erregen. Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung erleben können. Sie sind Getaufte, sie sind Brüder und Schwestern, der Heilige Geist gießt Gaben und Charismen zum Wohl aller auf sie aus. Ihre Teilnahme kann in verschiedenen kirchlichen Diensten zum Ausdruck kommen: es ist daher zu unterscheiden, welche der verschiedenen derzeit praktizierten Formen des Ausschlusses im liturgischen, pastoralen, erzieherischen und institutionellen Bereich überwunden werden können. Sie dürfen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt. Diese Integration ist auch notwendig für die Sorge und die christliche Erziehung ihrer Kinder, die als das Wichtigste anzusehen sind. Für die christliche Gemeinschaft bedeutet es keine Schwächung ihres Glaubens und ihres Zeugnisses im Hinblick auf die Unauflöslichkeit der Ehe, sich um diese Menschen zu kümmern. Im Gegenteil, die Kirche bringt gerade in dieser Fürsorge ihre Nächstenliebe zum Ausdruck. (ja 187 / nein 72).
Nr. 85. Der heilige Johannes Paul II. hat einen Gesamtmaßstab vorgelegt, welcher die Grundlage zur Bewertung solcher Situationen bleibt: „Die Hirten mögen beherzigen, dass sie um der Liebe willen zur Wahrheit verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden. Es ist ein Unterschied, ob jemand trotz aufrichtigen Bemühens, die frühere Ehe zu retten, völlig zu Unrecht verlassen wurde oder ob jemand eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat. Wieder andere sind eine neue Verbindung eingegangen im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und haben manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung, dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war“ (FC, 84). Es ist also Aufgabe der Priester, die betroffenen Menschen entsprechend der Lehre der Kirche und der Richtlinien des Bischofs auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten. In diesem Prozess wird es hilfreich sein, in Momenten des Nachdenkens und der Reue eine Erforschung des Gewissens vorzunehmen. Die wiederverheirateten Geschiedenen sollten sich fragen, wie sie sich ihren Kindern gegenüber verhalten haben, als sich ihre eheliche Verbindung in der Krise befand; ob es Versöhnungsversuche gegeben hat; wie die Lage des verlassenen Partners ist; welche Folgen die neue Beziehung auf den Rest der Familie und die Gemeinschaft der Gläubigen hat; welches Vorbild sie den jungen Menschen gibt, die sich auf die Ehe vorbereiten. Ein ernsthaftes Nachdenken kann das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes stärken, die niemandem verwehrt wird.
Außerdem kann nicht geleugnet werden, dass unter bestimmten Umständen „die Anrechenbarkeit einer Tat und die Verantwortung für sie“ aufgrund verschiedener Faktoren „gemindert, ja sogar aufgehoben sein“ könnte (KKK, 1735). Folglich muss das Urteil über eine objektive Situation nicht zum Urteil über eine „subjektive Anrechenbarkeit“ (Päpstlicher Rat für die Gesetzestexte, Erklärung vom 24. Juni 2000, 2a) führen. Unter bestimmten Umständen kann es für Menschen eine große Schwierigkeit darstellen, anders zu handeln. Daher ist es auch bei Aufrechterhaltung einer allgemeinen Norm erforderlich, anzuerkennen, dass die Verantwortung hinsichtlich bestimmter Handlungen oder Entscheidungen nicht in allen Fällen gleich ist. Die pastorale Bemühung, die Geister zu unterscheiden, muss sich, auch unter Berücksichtigung des aufrichtig geformten Gewissens der Menschen, dieser Situationen annehmen. Auch die Folgen der vorgenommenen Handlungen sind nicht in allen Fällen notwendigerweise dieselben. (ja 178 / nein 80).
Nr. 86. Der Weg der Begleitung und der Unterscheidung richtet diese Gläubigen darauf aus, sich ihrer Situation vor Gott bewusst zu werden. Das Gespräch mit dem Priester im Forum internum trägt zur Bildung einer rechten Beurteilung dessen bei, was die Möglichkeit einer volleren Teilnahme am Leben der Kirche behindert, und kann helfen, Wege zu finden, diese zu begünstigen und wachsen zu lassen. Da es im Gesetz selbst keine Gradualität gibt (vgl. FC, 34), wird diese Unterscheidung niemals von den Erfordernissen der Wahrheit und der Liebe des Evangeliums, die die Kirche vorlegt, absehen können. Damit dies geschieht, müssen bei der aufrichtigen Suche nach dem Willen Gottes und in dem Verlangen, diesem auf vollkommenere Weise zu entsprechen, die notwendigen Voraussetzungen der Demut, der Diskretion, der Liebe zur Kirche und ihrer Lehre verbürgt sein. (ja 190 / nein 64)."[29]

Korrekturvorschläge der Glaubenskongregation und Bedenken von Bischofskonferenzen

Die Glaubenskongregation hat vor Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens „Amoris laetitia“ eine zahlreiche Korrekturen vorgeschlagen, von denen keine einzige berücksichtigt worden sei. Das berichtet der Vatikanexperte Edward Pentin in einem Artikel für die Onlineausgabe des National Catholic Register (NCR). Dies sei dem NCR von zwei hochrangigen Mitarbeitern des Vatikan bestätigt worden. Die Glaubenskongregation habe Bedenken gegenüber „Amoris laetitia“ gehabt. Ein Komitee der Glaubenskongregation, welche das nachsynodale apostolische Schreiben vor ihrer Veröffentlichung kritisch durchgesehen habe, hätte eine zwanzigseitige Liste mit Korrekturvorschlägen erarbeitet. Darunter seien auch Einwände gewesen, die inhaltlich den „Dubia“ der vier Kardinäle (siehe unten) entsprechen würden. Keiner der Vorschläge sei in die endgültige Fassung von „Amoris laetitia“ eingearbeitet worden, berichtete die französische Zeitung Le Figaro bereits am 7. April 2015, dem Vorabend der Veröffentlichung des nachsynodalen apostolischen Schreibens. Nach Informationen des NCR hat eine bedeutende Zahl nationaler Bischofskonferenzen ihre Bedenken bezüglich „Amoris laetitia“ bei Papst Franziskus deponiert. Pentin berichtet weiter, dass dreißig Kardinäle noch vor der Veröffentlichung des Schreibens einen Entwurf dazu gelesen hätten. Diese hätten den Papst gewarnt, das Dokument würde, insbesondere hinsichtlich des Kommunionzugangs für wiederverheiratete Geschiedene drei Sakramente schwächen, nämlich die Eucharistie, die Ehe und die Beichte. Weder die Bischofskonferenzen noch die Kardinäle hätten eine Antwort erhalten, schreibt Pentin.[30]

Verbindlichkeit des Schreibens

Papst Franziskus bekräftigt die Verbindlichkeit des Schreibens

Papst Franziskus sieht dieses Schreiben in der Einleitung Nr. 4+5 als Überlegung, Dialog und Vorschlag für die christlichen Familien. Er sagt wörtlich: "Deshalb habe ich es für angemessen gehalten, ein Nachsynodales Apostolisches Schreiben zu verfassen, das Beiträge der beiden jüngsten Synoden über die Familie sammelt, und weitere Erwägungen hinzuzufügen, die die Überlegung, den Dialog oder die pastorale Praxis orientieren können und zugleich den Familien in ihrem Einsatz und ihren Schwierigkeiten Ermutigung und Anregung bieten. Dieses Schreiben gewinnt eine spezielle Bedeutung im Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit. An erster Stelle, weil ich das Schreiben als einen Vorschlag für die christlichen Familien verstehe, der sie anregen soll, die Gaben der Ehe und der Familie zu würdigen und eine starke und uneingeschränkte Liebe zu Werten wie Großherzigkeit, Verbindlichkeit, Treue oder Geduld zu pflegen. An zweiter Stelle, weil es alle ermutigen soll, dort selbst Zeichen der Barmherzigkeit und der Nähe zu sein, wo das Familienleben sich nicht vollkommen verwirklicht oder sich nicht in Frieden und Freude entfaltet."

Franziskus trat Mitte Juni 2016 Bedenken entgegen, dieses Schreiben stehe nicht voll auf dem Boden der kirchlichen Lehre. Er sagte: «Zu Ihrer Beruhigung muss ich Ihnen sagen, dass das, was in der Exhortation geschrieben steht, alles thomistisch ist, von vorne bis hinten. Das ist sichere Lehre».[31]

Interpretation im Licht der Tradition

Carlo Kardinal Caffarra, der ehemalige Leiter des Päpstlichen Institutes für Studien zu Ehe und Familie, wies darauf hin, AL sei zuerst im Sinne der Kontinuität des Lehramtes zu interpretieren. Nicht eindeutige Texte (wie das achte Kapitel, das „objektiv unklar“ sei) seien im Sinne der Kontinuität des Lehramtes zu interpretieren. In Fragen der Lehre und der Moral könne sich das kirchliche Lehramt nicht selbst widersprechen, ergänzte er. Die Alternative zu einer Kirche mit kontinuierlicher Lehre sei nicht eine pastorale Kirche sondern eine beliebige Kirche, die vom Zeitgeist abhängig sei. Die Glaubenslehre sei nichts anderes als die göttliche Offenbarung des göttlichen Planes für die Menschen. „Die Logik der lebendigen Tradition der Kirche ist bipolar: Sie hat zwei Richtungen, nicht eine.“ Mehr Gewicht habe die Interpretation des jeweils neuen Schreibens im Licht der bisherigen, auf vielen Dokumenten beruhenden Lehre, betonte Caffarra im Interview mit OnePeterFive. „Amoris laetitia“ behaupte, dass sexuelle Kontakte zwischen geschiedenen und zivilrechtlich wiederverheirateten Katholiken unter bestimmten Umständen moralisch legitim sein können. Dies widerspreche der kirchlichen Lehre, dass Ehebruch ein in sich schlechter Akt ist, der keine Ausnahmen erlaube, erläuterte Caffarra. „Bischöfe und viele Theologen, die treu zur Kirche und ihrem Lehramt stehen, haben eingewandt, dass es in einem besonderen – aber sehr wichtigen – Punkt keine Kontinuität zwischen ‚Amoris laetitia’ und dem bisherigen Lehramt gibt“, sagte Caffarra wörtlich. Papst Franziskus müsse diesen Punkt daher klarstellen, verlangte er. Katholiken, die angesichts der Diskussion um die Bedeutung von „Amoris laetita“ verwirrt seien, empfiehlt Kardinal Caffarra die Lektüre und Meditation der Absätze 1601 bis 1666 des Katechismus der Katholischen Kirche (KKK). Jedem der etwas anderes über die Ehe lehre, solle man nicht zuhören. „Sie sind Blinde, die Blinde führen“, sagte Caffarra wörtlich.[32]

Interpretation (der Tradition) im Lichte von «Amoris laetitia»

Christoph Kardinal Schönborn sagte in einem Interview[33], es sei «offensichtlich», dass «Amoris laetitia» ein Akt des kirchlichen Lehramts sei, da es sich um eine «Apostolische Exhortation» handele. Alle früheren lehramtlichen Äußerungen zu Ehe und Familie müssten nun im Licht von «Amoris laetitia» gelesen werden, betonte Schönborn; ebenso wie heute das Erste Vatikanische Konzil (1869-1870) im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) interpretiert werde. AL sei eine «authentische Lektion der heiligen Lehre», das diese für die heutige Zeit aktualisiere. Schönborn widersprach mit seiner Äußerung auch Kardinälen wie dem früheren Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, oder dem deutschen Kurienkardinal Walter Brandmüller. Sie hatten gefordert, «Amoris laetitia» müsse in der Perspektive früherer kirchlicher Verlautbarungen interpretiert werden, weil seine Aussagen zu einem etwaigen Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene unklar seien. Nach ihrer Lesart ist deshalb eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion weiterhin nicht möglich.[34]

Wertvolle Hinweise im Hinblick auf das Leben der christlichen Familie[35]

Weihbischof Athanasius Schneider hebt wertvolles aus AL hervor:

  • Die Verkündigung der christlichen Botschaft von der Familie ist eine wahre Frohbotschaft (vgl. AL, 1).
  • Das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Ehe und Familie soll geweckt werden (vgl. AL, 1)
  • Die Familie als solche ist etwas Positives. Man soll sie nicht in erster Linie als ein Problem, sondern als eine Gelegenheit ansehen, das Familienleben nach dem Willen und Wort Gottes zu verwirklichen (vgl. AL, 7).
  • Die Bedeutung der Familie als Hauskirche und als Lebenszelle, um die Welt zu verwandeln (vgl. AL, 324)
  • Die tägliche Übung der Liebe innerhalb der Familie (vgl. AL, 4. Kapitel)
  • Die Wertschätzung und die liebevolle Integration der Großeltern in das Leben der Familien: "Eine Familie, die ihre Großeltern nicht achtet und betreut, ist eine zerbröckelte Familie. Eine Zivilisation, in der die alten Menschen ausgesondert werden, weil sie Probleme verursachen - diese Gesellschaft trägt den Virus des Todes in sich" (AL, 193).
  • Die Vater- und Mutterliebe ist unersetzlich und die Eltern sollen in ihr wachsen (AL, 172-177).
  • Die besondere Sorgfalt bei Ehevorbereitung, bei seelsorglicher Begleitung und bei konkreten Hilfestellungen für die Jungvermählten (vgl. AL, 6. Kapitel).
  • Die Bedeutung der Kindererziehung, insbesondere in der Weitergabe des Glaubens (vgl. AL, 7. Kapitel, und Nr. 287-290)
  • Die seelsorgliche Begleitung von Ehen und Familien, die sich in einer Krise befinden (vgl. AL, 8. Kapitel)
  • Die Zentralität des Gebets in der Familie (vgl. AL, 317- 318).

Weihbischof Athanasius Schneider: Problematische Stellen unter Berücksichtigung voraufgegangener lehramtlicher Aussagen[36]

Weihbischof Athanasius Schneider sieht folgendes Problematische in AL:
Bezüglich des Prozesses der pastoralen Begleitung von Paaren in irregulären Situationen kann nach den Worten von Papst Franziskus "die Unterscheidung niemals von den Erfordernissen der Wahrheit und der Liebe des Evangeliums, die die Kirche vorlegt, absehen" (AL, 300). In AL, 6 sagt der Papst, dass er an die "Grundfragen der Lehre der Kirche über Ehe und Familie erinnern" möchte. In den Nummern 67 - 75 erläutert er die Wahrheiten über Ehe und Familie anhand der Dokumente des Lehramtes. Die Lehre von Humanae vitae wird bekräftigt. Auch wenn die entscheidende Aussage von Humanae vitae (Nr. 14) nicht zitiert wird, findet man in AL, 80 dennoch die folgende Formulierung: Die eheliche "Vereinigung ist »durch ihre natürliche Eigenart« (Gaudium et spes, Nr. 48) auf die Zeugung ausgerichtet".

  • Die wiederverheiratet Geschiedenen sind "lebendige Glieder der Kirche" (AL, 299). Die Kirche lehrt jedoch: "Die Ehescheidung ist ein schwerer Verstoß gegen das natürliche Sittengesetz ... Der Ehepartner, der sich wieder verheiratet hat, befindet sich dann in einem dauernden, öffentlichen Ehebruch" (KKK 2384).
  • "Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums! Ich beziehe mich nicht nur auf die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, sondern auf alle, in welcher Situation auch immer sie sich befinden" (AL, 297). Im Evangelium mahnt uns Jesus allerdings ausdrücklich und oftmals vor der realen Gefahr der ewigen Verdammnis. Die Kirche lehrt: "In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man "Hölle" (KKK 1033) und "wenn die Todsünde nicht durch Reue und göttliche Vergebung wieder gutgemacht wird, verursacht sie den Ausschluss aus dem Reiche Christi und den ewigen Tod in der Hölle" (KKK 1861).
  • "Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde - die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist - in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt." (AL, 305) - Die Kirche lehrt jedoch: "Die negativen Gebote des Naturgesetzes sind allgemein gültig: Sie verpflichten alle und jeden Einzelnen allezeit und unter allen Umständen. Es handelt sich in der Tat um Verbote, die eine bestimmte Handlung immer und für immer (semper et pro semper) verbieten, ohne Ausnahme" (VS, Nr. 52).
  • Über die Geschiedenen, die mit neuen Kindern in einer neuen Verbindung leben und die aus ernsthaften Gründen - zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder - der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, steht in der Fußnote 329 von AL: "Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, "wie Geschwister" zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, » nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden [kann]. « (Gaudium et spes, Nr. 51) Hier wird das Konzil leider auf eine unkorrekte Weise zitiert, weil das Konzil sich in diesem Fall allein auf die gültige christliche Ehe bezieht. Die Anwendung dieser Aussage auf die Geschiedenen kann den Eindruck erwecken, dass die gültige Ehe, wenn nicht in der Theorie, so doch in der Praxis einer Verbindung von Geschiedenen gleichgestellt wird.
  • Im Hinblick auf die Integration jener Geschiedenen, denen man nach AL, 305 keine, bzw. keine schwere subjektive Sünde anrechnen kann, wird in Fußnote 351 gesagt: "In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein." - Die beständige Lehre und Praxis der Kirche lässt hier keine Ausnahme zu und verlangt als Bedingung das Leben in völliger Enthaltsamkeit und das Vermeiden des Ärgernisses (vgl. Familiaris consortio, Nr. 84 und Sacramentum caritatis, Nr. 29).
  • Bezüglich des vom Göttlichen Recht im Bußsakrament verlangten Vorsatzes, in Zukunft nicht mehr zu sündigen, wird in der Fußnote 364 unvollständig und missverständlich eine lehramtliche Erklärung von Johannes Paul II. zitiert, welche besagt, dass die Furcht um die eigene Schwäche in der Zukunft" der Echtheit des Vorsatzes keinen Abbruch tut". Es wird nur den halben Satz zitiert und die folgenden wichtigen Worte ausgelassen: "sofern mit dieser Furcht der vom Gebet unterstützte Wille verbunden ist, alles Mögliche zu tun, um die Sünde zu meiden" (Schreiben an die Apostolische Pönitentiarie vom 22. März 1996).
  • "Irregulär lebende" Katholiken ("Jene, die nur zivil verheiratet, oder geschieden und wieder verheiratet sind oder einfach so zusammenleben") zu den Sakramenten zuzulassen, ohne von ihnen zu verlangen, in völliger Enthaltsamkeit zu leben, bedeutet, eine Kategorie von Scheinchristen einzuführen, die ständig in Selbsttäuschung leben. Jene kirchlichen Hirten, die so etwas tun, würden sich eines großen geistlichen Verbrechens schuldig machen, weil sie diese Seelen mutmaßlich in deren Irrtum und in deren Widerspruch zum Willen Gottes belassen und sie somit der Gefahr der ewigen Verdammnis aussetzen. Es würde eine Anmaßung bedeuten, das unzweideutige Wort Gottes zu korrigieren und sich letztlich dadurch an die Stelle Gottes zu setzen. Solch ein Verhalten wäre die unüberbietbare Höhe des Klerikalismus.
    In "irregulären Situationen" lebenden Menschen Schuldminderung bzw. Nichtschuld zuzusprechen und sie folglich in Ausnahmefällen zur Heiligen Kommunion zuzulassen, wäre Betrug, wäre ein öffentliches Anti-Zeugnis gegen die Unauflöslichkeit der Ehe und die ausnahmslose Gültigkeit des sechsten Gebotes Gottes. Das würde bedeuten, in der Kirche einen Lebensstil gutzuheißen, welcher mit den Geboten Gottes im öffentlichen Widerspruch steht. Das würde bedeuten, eine wieder aufgelebte Kategorie von "gnostisch" bzw. gemäß der lutherischen Irrlehre des "Gerechter uns Sünder zugleich" (simul iustus et peccator) lebenden Christen einzuführen.

Weitere Kritikpunkte

  • In Al heißt es: "Es gibt den Fall einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt." Die Kirche aber lehrt: "Zivil wiederverheiratete Geschiedene leben in einer Situation dauernden Ehebruchs, solange ihr eheähnlicher Zustand mit Einschluss sexueller Gemeinschaft fortdauert" (KKK Nr. 2384). Wenn der Ehebruch fortdauert und dadurch eine gefestigte Bindung entsteht, wird aus dem "in-sich-Bösem" Ehebruch keine gottgefällige Verbindung. Denn "man darf nicht Böses tun, damit Gutes entsteht" (VS, Nr. 79). Das Gewissen bedeutet ein Wissen, genauer ein Mit- oder Zugleich wissen der objektiven Normen und ist keine autonome Gesetzesnorm. "Ihm ist vielmehr ein Prinzip des Gehorsams gegenüber der objektiven Norm tief eingeprägt, welche die Übereinstimmung seiner Entscheidungen mit den Geboten und Verboten begründet und bedingt (VS, Nr. 60; DoV, Nr. 43).
  • Es stellt sich die Frage, warum es eine Gradualität, wie sie in AL interpretiert wird, nur bezüglich der Ehe geben sollte! (8. Kapitel: Nr. 291-312). Hier wäre als Beispiel das 7. Gebot tangiert:
Wer im Supermarkt zwei Artikel der Kassiererin als einen Artikel präsentiert und dadurch klaut, war nach AL "nicht in der Lage, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen." Nach dem Gesetz der Gradualität fehlt noch, die vollständigere Deklarierung aller mitgenommenen Artikel. Dieser Mensch hat noch nicht das "Geschenk Gottes, das den Weg anzeigt," vollständig angenommen. In der Unterscheidung seiner individuellen Situation, die im Forum internum zu klären ist (schlechte Vorbilder etc.), soll die Person ermuntert werden, "von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes und der Forderungen seiner unwiderruflichen und absoluten Liebe in das gesamte persönliche und soziale Leben" voranzuschreiten.
Diese Konklusion wäre nach Wort und Sinn von Amoris laetitia. Dieses Prinzip könnte auf jedes moralische Verhalten angewandt werden und relativiert jede Ethik!
  • In Amoris laetitia Nr. 298 heißt es: "Die Synodenväter haben zum Ausdruck gebracht, dass die Hirten in ihrer Urteilsfindung (bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen) immer »angemessen zu unterscheiden« haben, mit einem »differenzierten Blick« für »unterschiedliche Situationen«. Wir wissen, dass es » keine Patentrezepte « gibt." Benedikt XVI. sagte im Gespräch beim VII. Weltfamilientreffen in Mailand am 2. Juni 2012 weiter: "Es scheint mir eine große Aufgabe einer Pfarrei, einer katholischen Gemeinde zu sein, wirklich alles nur Mögliche zu tun, damit sie sich geliebt und akzeptiert fühlen, damit sie spüren, daß sie keine »Außenstehenden« sind, auch wenn schon die Absolution bei der Beichte nicht möglich ist, ein ständiger Kontakt mit einem Priester, mit einem geistlichen Begleiter, wichtig, damit sie sehen können, daß sie begleitet, geführt werden. Sehr wichtig ist es auch, daß sie spüren, daß die Eucharistie wahr ist, daß sie an ihr Anteil haben, wenn sie wirklich in Gemeinschaft mit dem Leib Christi treten. Auch ohne den »leiblichen« Empfang des Sakraments können wir mit Christus in seinem Leib geistlich vereint sein. Das zu verstehen zu geben, ist wichtig. Daß sie tatsächlich einen Weg finden, ein Leben des Glaubens zu führen, mit dem Wort Gottes, mit der Gemeinschaft der Kirche, und daß sie sehen, daß ihr Leiden ein Geschenk an die Kirche ist, weil sie so allen dienen, auch um die Stabilität der Liebe, der Ehe zu verteidigen; und daß dieses Leiden nicht nur eine körperliche und psychische Qual ist, sondern auch ein Leiden in der Kirchengemeinschaft für die großen Werte unseres Glaubens. Ich denke, daß ihr Leiden, wenn es wirklich innerlich angenommen wird, ein Geschenk an die Kirche sein kann. Sie müssen wissen, daß sie gerade so der Kirche dienen, im Herzen der Kirche sind."
  • In Amoris laetitia Nr. 305 heißt es: "Auf derselben Linie äußerte sich die Internationale Theologische Kommission: » Das natürliche Sittengesetz sollte also nicht vorgestellt werden als eine schon bestehende Gesamtheit aus Regeln, die sich a priori dem sittlichen Subjekt auferlegen, sondern es ist eine objektive Inspirationsquelle für sein höchst personales Vorgehen der Entscheidungsfindung. «(Auf der Suche nach einer universalen Ethik. Ein neuer Blick auf das natürliche Sittengesetz (2009), 59)." Darin liegen gleich mehrere Irrtümer:
1) Das natürliche Sittengesetz ist Ausfluss des Ewigen und göttlichen Gesetzes, das in das menschliche Herz geschrieben ist (Röm 2,14-15 EU; GS, Nr. 16) und dem Subjekt (der Person) von seinem Wesen her (also von innen heraus) auferlegt ist ![37]
2) "Eine objektive Inspirationsquelle" ist ein "Widerspruch in sich". Entweder ist ein Gesetz im Gewissen bindend oder nicht bindend, aber nicht objektiv (bindend) und subjektiv (nur ein Vorschlag) zugleich![38]
3) Das Gewissen ist bei den Worten "höchst personale Vorgehen der Entscheidungsfindung" gemeint. - siehe dazu Abschnitt: Schreiben von vier Kardinälen an Papst Franziskus am 19. September 2016: Dubium 5.
  • In Amoris laetitia wird in der Nr. 305 gesagt: "In dem Glauben, dass alles weiß oder schwarz ist, versperren wir manchmal den Weg der Gnade und des Wachstums und nehmen den Mut für Wege der Heiligung, die Gott verherrlichen". Die Worte: "weiß oder schwarz" sind ungenaue Parolen, die lässliche Sünde und Todsünde meinen, in welche nicht unterschieden werden soll, um den Mut nicht zu nehmen "Wege der Heilung" und des "Wachstums" zu beschreiten. Die Bibel (1 Joh 5,16-17 EU) und die Tradition (VS, Nr. 69) machen diese Unterscheidung, die notwendig jeder und jedes Mal zu machen hat, der die Sakramentale Kommunion (vgl. 1 Kor 11,27-29 EU) empfangen möchte.
  • Wenn ein "wiederverheirateter Geschiedener" trotz ehelichem Verkehr (ohne den festen Vorsatz, keinen Ehebruch mehr zu begehen) zu den Sakramenten gehen darf, da er nicht "ewig" (AL, ‚‚Nr. 296+297) davon ausgeschlossen sein soll, ist ein Unterscheidungsprozess unnötig.

Josef Seifert: Das Schreiben "stellt die Lehre der Kirche auf den Kopf"[39]

Professor Josef Seifert, langjähriges Mitglied der Päptstlichen Akademie für das Leben, hat das Nachsynodale Päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ in einem Artikel für die Nachrichtenplattform Corrispondenza Romana (das nicht zur Veröffentlichung autorisiert war) kritisiert. Viele barmherzig klingende Passagen würden die Lehre der Kirche auf den Kopf stellen, fasst Seifert seine Kritik zusammen. Es bestehe die Gefahr einer „Lawine von Konsequenzen, die für die Kirche und die Seelen der Menschen schädlich sein werden“.
A) In seinem Artikel stellt er Passagen des Evangeliums den entsprechenden Absätzen von „Amoris laetitia“ gegenüber. Wenn AL etwa das Gleichnis von der Ehebrecherin (Joh 8,1-11) erwähne, dann sei es für Paare in irregulären Situationen sicher tröstlich, wenn ihnen gesagt würde sie seien nicht exkommuniziert. Allerdings fehle der entscheidende letzte Satz des Gleichnisses: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Das Dokument verschweige das Herzstück: den Aufruf zur Konversion.
B) Im Evangelium warne Jesus fünfzehn Mal vor der ewigen Verdammnis als Folge der schweren Sünde. In „Amoris laetitia“ suche man diese Warnung vergeblich.
C) Das Dokument enthalte keinen Hinweis auf die Möglichkeit ein Sakrileg zu begehen, wenn man die Kommunion unwürdig empfange. Statt dessen sei darin zu lesen, dass sogar Ehebrecher und andere Personen in irregulären Verhältnissen unter bestimmten, individuell zu beurteilenden Umständen die Kommunion empfangen könnten ohne vorher ihr Leben ändern und ihre Sünden beichten zu müssen.
D) AL interpretiere die eindeutigen Gebote Christi als Ausdruck eines Ideals, das nur Wenige erreichen könnten. Er stelle sie als Vorschläge für diejenigen dar, die nach Vollkommenheit streben und nicht als Gebote die für alle gültig seien.

Philosoph Robert Spaemann sieht Bruch mit der Lehrtradition[40]

Der deutsche Philosoph Robert Spaemann kritisiert in einem Interview mit CNA das päpstliche Schreiben "amoris laetitia". Spaemann sieht vor allem im Artikel 305 mit der Anm. 351 von „amoris laetitia“ ein Problem und erklärt, dass sich der Bruch mit der Lehrtradition der Kirche „zweifellos für jeden denkenden Menschen, der die entsprechenden Texte kennt“ ergebe. Die Kirche habe unbeschadet der menschlichen und moralischen Beurteilung des Einzelfalls, „keine Vollmacht, ohne vorherige Umkehr, ungeordnete sexuelle Beziehungen durch die Spendung von Sakramenten positiv zu sanktionieren und damit der Barmherzigkeit Gottes vorzugreifen“. Dies habe Johannes Paul II. in seinem Lehrschreiben „familiaris consortio“ (Art. 84) so festgelegt. Wie beim Frauenpriestertum sei diese Tür verschlossen. Die Vorstellung von Kardinal Kasper, „familiaris consortio“ durch eine Änderung in der Praxis der Sakramentenspendung „weiterzuentwickeln“ sei in Wirklichkeit „ein Bruch mit ihrer wesentlichen anthropologischen und theologischen Lehre über die menschliche Ehe und Sexualität“, nach der „die menschliche Sexualität … (ein) ´Realsymbol für die Hingabe der ganzen Person` und zwar `ohne jede zeitliche oder sonstige Begrenzung`“ sei.
Von einer persönlichen Verurteilung der Betroffenen könne keine Rede sein. Um allerdings „sexuelle Verhältnisse …, die objektiv der christlichen Lebensordnung widersprechen“ positiv zu beurteilen, müsste der Papst klären, „nach welcher Zeit und unter welchen Umständen sich eine objektiv sündhafte, in eine gottgefällige Verhaltensweise verwandelt“. Als Hauptursache für den von ihm wahrgenommenen Bruch mit der bisherigen Lehre sieht der Philosoph eine, bis zu den Jesuiten im 17. Jahrhundert zurückgehende „Strömung der Moraltheologie, die eine reine Situationsethik vertritt“. Diese sei von „Johannes Paul II … in seiner Enzyklika ´Veritatis splendor` verurteilt“ worden. „Auch mit diesem Lehrschreiben bricht `amoris laetitia´“ so Spaemann. Dabei sei Johannes Paul II. der „authentischer Interpret“ der göttlichen Barmherzigkeit, die eines der Hauptthemen seines Pontifikats gewesen sei.
Man dürfe „nicht vergessen, dass es Johannes Paul II. war, der ihr seine zweite Enzyklika widmete, in Krakau das Tagebuch der Schwester Faustyna entdeckte und sie später heiligsprach“. Spaemann moniert in diesem Zusammenhang auch eine falsche Interpretation von Thomas von Aquin, dessen Zitate in „amoris laetitia“ die Situationsethik zu stützen scheinen. Dabei würde „übersehen, dass Thomas objektiv sündhafte Handlungen kennt, für die es keine situativen Ausnahmen gibt. Zu ihnen gehören auch alle sexuell ungeordneten Verhaltensweisen“. Der Papst habe das „Chaos … mit einem Federstrich zum Prinzip erhoben“. Er „hätte wissen müssen, dass er mit einem solchen Schritt die Kirche spaltet und in Richtung eines Schismas führt“ so Spaemann.
Es sei jetzt schon eine „Verunsicherung und Verwirrung von den Bischofskonferenzen bis zum kleinen Pfarrer im Urwald“ abzusehen. „Nach den entsprechenden Textstellen von `amoris laetitia´ … (könnten) bei … nicht weiter definierten `mildernden Umständen´ nicht nur die Wiederverheiratet Geschiedenen, sondern alle, die in irgendeiner `irregulären Situation´ leben, ohne das Bemühen ihre sexuellen Verhaltensweisen hinter sich zu lassen, d.h. ohne Beichte und Umkehr, zur Beichte andrer Sünden und zur Kommunion zugelassen werden“. Bischöfe und Priester, die sich an die bisher geltende Sakramentenordnung hielten, könnten gar nicht erst ernannt oder unter Druck gesetzt werden. Durch mangelnde Eindeutigkeit im Bereich Glaube und Moral sei mit einem „Säkularisierungsschub und Rückgang der Priesterzahlen in weiten Teilen der Welt“ zu rechnen. Kardinälen, Bischöfen und Priestern empfiehlt Spaemann in ihrem „Zuständigkeitsbereich die katholische Sakramentenordnung aufrecht zu erhalten und sich öffentlich zu ihr zu bekennen“. „Falls der Papst nicht dazu bereit … (sei) Korrekturen vorzunehmen, … (bleibe) es einem späteren Pontifikat vorbehalten, die Dinge offiziell wieder ins Lot zu bringen“.

Angst von Papst Franziskus vor Wirbel

Der Sondersekretär der Doppel-Bischofssynode über die Familie von 2014 und 2015, Erzbischof Bruno Forte, erzählte eine Episode, bei der Papst Franziskus zu ihm gesagt habe:

„Wenn wir ausdrücklich von Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene sprechen, wer weiß, was die uns dann für ein Casino [einen Wirbel] machen. Wir reden deshalb nicht direkt davon. Mach es so, daß die Prämissen gegeben sind, die Schlussfolgerungen ziehe dann ich.“[41]

Papst Franziskus: Jesus wollte eine "achtsame Kirche für das Gute"

Papst Franziskus eröffnet die Diözesansynode des Bistums Rom am 17. Juni 2016 und gibt Bilder für eine Familienpastoral nach Amoris Laetitia an die Hand. Darunter sagte er:

Das Evangelium beschäftige sich nicht mit Idealen, sondern gehe dort hin, wo die Menschen seien. Dies bedeute nicht, dass man in der Lehre nicht klar sein müsse, sondern es bedeute, Urteile zu vermeiden, die die Komplexität des Lebens nicht umfassen. „Ich verstehe diejenigen, die eine starre Pastoral bevorzugen, die keinen Platz für Verwirrungen gibt. Aber ich glaube fest daran, dass Jesus eine achtsame Kirche für das Gute wollte.“[42][43]

Papst Johannes Paul II. warnt 1984 im Schreiben Reconciliatio et paenitentia vor solchem Durcheinanderwerfen: Er sagt: "Zu beachten ist, dass unterschiedliche Meinungen und Lehren (in der Kirche) zu schwerwiegenden und heiklen Fragen der christlichen Moral (in der Theologie, Verkündigung, Katechese und geistlicher Führung) die Gewissen der Gläubigen in Verwirrung führt. Damit wird das echte Sündenbewusstsein gemindert und nahezu ausgelöscht" (RP, Nr. 18).

Deutsche Bischofskonferenz

In ihrer Würdigung des Schreibens Amoris laetitia bringen die drei deutschen Teilnehmer der Bischofssynode, Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof Heiner Koch und Bischof Franz-Josef Bode, folgende Sicht zum Ausdruck:

„Wir sind Papst Franziskus für das Nachsynodale Schreiben „Amoris Laetitia“ überaus dankbar. Es weist einen Weg der Kirche, an dem wir auch als Bischofskonferenz arbeiten werden. Wir werden uns in den kommenden Monaten bemühen, die Anregungen und Impulse umzusetzen und für die pastorale Arbeit in Deutschland anzuwenden. Das Schreiben des Papstes ist eine Ermutigung zum Leben und zur Liebe! Wir bitten besonders die Priester, im Geist dieses Textes auf die Menschen zuzugehen, auf die, die sich auf dem Weg zur Ehe befinden, auf die Eheleute, aber auch auf die, deren eheliche Beziehungen missglückt sind und die sich oft von der Kirche alleingelassen vorkommen. Der Tenor dieses Schreibens ist: Niemand darf ausgeschlossen werden von der Barmherzigkeit Gottes.“

Deutsche Bischofskonferenz[44]

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedete am 23. Januar 2017 als „Wort der deutschen Bischöfe“ eine „Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“. Darin werden die Bedeutung von Ehevorbereitung und Ehebegleitung sowie die Stärkung der Familie als Lernort des Glaubens betont. Der seelsorgerliche Umgang mit Menschen nach dem Zerbrechen ihrer Ehe wird gemäß der „zentralen Leitbegriffe“ des päpstlichen Schreibens – „Begleiten – unterscheiden – eingliedern“ – beschrieben: „In Lebenssituationen, die oft genug als aufreibend und belastend erlebt werden, sollen die Betroffenen erfahren können, dass ihre Kirche sie nicht fallen lässt.“ Die Bischöfe halten daran fest, dass die Unauflöslichkeit der Ehe zum „unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche“ gehöre, und betonen, dass es in Amoris laetitia keinen „Automatismus in Richtung einer generellen Zulassung aller zivilrechtlich wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten“ gebe. Jedoch seien „differenzierte Lösungen“ in einer vom Seelsorger begleiteten Entscheidungsfindung gefragt, die eine Herausforderung für das Gewissen aller Beteiligten bedeuteten und „dem Einzelfall gerecht werden und dann zum Tragen kommen, wenn die Ehe nicht annulliert werden kann“; dann eröffne Amoris laetitia für wiederverheiratete Geschiedene die Möglichkeit, die Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie zu empfangen.[45]

Kardinal Gerhard Müllers Interpretation in Kontinuität des Lehramtes

Der Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Müller widersprach bei einem Vortrag im spanischen Oviedo am 4. Mai 2016 Deutungen, AL von Papst Franziskus bedeute einen grundsätzlichen Wandel im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Vielmehr sei das, was Johannes Paul II. in «Familiaris consortio» und Benedikt XVI. in «Sacramentum caritatis» gelehrt hätten, nach wie vor gültig. Einige hätten behauptet, «Amoris laetitia» erlaube Geschiedenen mit neuem Partner zumindest in bestimmten Fällen den Empfang der Eucharistie - ohne die Notwendigkeit, ihr Leben zu ändern. «Es gibt allerdings keine einzige Bestätigung in dieser Hinsicht», so der Kardinal. Hätte Franziskus tatsächlich eine so weitreichende Entscheidung treffen wollen, hätte er dies «mit Klarheit» getan und entsprechende Gründe dargelegt, sagte Müller. Der Papst ziehe die Argumente seiner Vorgänger aber «zu keinem Zeitpunkt» in Zweifel. Diese bezögen sich nicht auf die subjektive Schuld der betroffenen Brüder und Schwestern, sondern auf die sichtbare, objektive Lebensweise, die der Lehre Jesu widerspreche. In einer Fußnote von «Amoris laetitia» heiße es zwar, die Kirche könne in gewissen Fällen denjenigen, die in einer objektiven Situation der Sünde lebten, die Hilfe der Sakramente anbieten. Doch sei, so Müller, diese Fußnote allgemein gehalten und betreffe nicht den speziellen Fall der wiederverheirateten Geschiedenen.

Deren Situation habe «besondere Züge», wodurch sie sich von anderen unterscheide, sagte der Kurienkardinal. Diese Geschiedenen lebten im Widerspruch zum Sakrament der Ehe und daher auch im Widerspruch zur Sakramentenordnung. Niemand könne wirklich das Sakrament der Eucharistie empfangen wollen, ohne zugleich danach zu streben, im Einklang mit den übrigen Sakramenten zu leben.[46]

Papst Franziskus: Sakramentenempfang für wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen möglich

Die argentinischen Bischöfe[47] der Region Buenos Aires gaben in einem Brief vom 5. September 2016 Anwendungsbestimmungen für das Schreiben "Amoris laetitia" heraus. Der Brief wurde zuerst dementiert.[48] Papst Franziskus bestätigte am selben Tag[49] diese (laut OR vom 13. September) und sagte damit zum ersten Mal deutlich aus (es gebe "keine anderen Interpretationen"), dass der Sakramentenempfang für Katholiken die "in einer objektiven Situation der Sünde" leben in Einzelfällen möglich sei. Sie könnten bei bestehender sakramentaler Ehe in einer neuen Beziehung leben. Wiederverheirateten Geschiedenen sei zwar nach Möglichkeit eines Zusammenlebens in sexueller Enthaltsamkeit nahezulegen, dies stelle jedoch nicht immer eine praktikable Lösung dar. Eine Zulassung zu den Sakramenten könne keine allgemeine "Erlaubnis" oder eine zu liberale Praxis sein, sondern nur das Ergebnis eines Unterscheidungsprozesses im Einzelfall, der durch einen Geistlichen[50] "persönlich und pastoral" begleitet wird. Eine Rolle spiele beispielsweise die Dauer der neuen Bindung, wiederholtes Scheitern von Beziehungen oder die Bewertung der eigenen Lebenssituation. Wenn etwa die Schuld des Betreffenden eingeschränkt sei oder ein Schaden für die Kinder aus der neuen Beziehung drohe, eröffne "Amoris laetitia" die "Möglichkeit des Zugangs zu den Sakramenten der Versöhnung und der Eucharistie", interpretierten die argentinischen Bischöfe. Schließlich könne angeraten sein, dass der Zugang zu den Sakramenten "auf diskrete Weise"[51] geschehe, vor allem wenn Konflikte zu erwarten seien. Auch ein Klima des Verstehens und der Offenheit dürfe keine "Verwirrung hinsichtlich der Lehre der Kirche über die unauflösliche Ehe" schaffen, zitiert die Zeitung die argentinischen Bischöfe. Dieser Brief erschien fast ein Jahr später auf der Vatikanseite,[52] und nahm Papst Franziskus in die Acta Apostolicae Sedis auf.[53]

Mit dieser Bestätigung der Interpretation der argentinischen Bischöfe von AL war die Zeit gekommen, offen zu reden. Die Willensabsicht von Papst Franziskus ist nicht mehr verwirrend. Franziskus sagte, dass AL die Frucht der beiden Bischofssynoden sei, Wiederverheiratet Geschiedene zu den Sakramenten zuzulassen, jedoch nicht. Diese Absicht hatte er schon in seinem Schreiben Evangelii gaudium (Nr. 47) vom 24. November 2013 zum Weiterschreiten vorbereitet, wenn er von "pastoralen Konsequenzen" spricht. Zwar sagte er am 25. September 2014, wenige Wochen vor der Sondersynode, über Wiederverheiratete Geschiedene, dass eine kirchlich verheiratete Person, die geschieden ist und noch einmal staatlich geheiratet hat, die Sakramente nicht empfangen könne: "Das hat Jesus Christus so eingerichtet, und der Papst kann es nicht ändern,"[54] jedoch hält er den offensichtlichen Widerspruch eine Auflöstlichkeit der Ehe in Einzelfällen für praktisch möglich, Theorie und Praxis müsse in Einzelfällen nicht übereinstimmen. Dagegen bekräftigte der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Nov./Dez 2014, dass es in der Katholischen Kirche keine Kluft zwischen Lehre und Seelsorge geben dürfe. "Jede Trennung von Theorie und Praxis des Glaubens wäre Ausdruck einer subtilen christologischen Häresie vom Grundsatz her";[55] eine "Pastoral, die nicht auf der Lehre basiert und wurzelt“, ist „Willkür“ (Carlo Caffarra).[56]
Jene, welche nun in der Praxis die Ehe in Einzelfällen auflösen wollen, können dies zwar nicht rechtlich, jedoch auf Wort des Papstes Franziskus hin, weitaus "billiger", als es Walter Kasper im Jahre 1993 (Es kann sich nur "um eine kleine Zahl von Sonderfällen handeln" - mit Kriterien: siehe Anmerkung 12 oben) oder die Bischofssynode 2014 es "unter genau festgelegten Voraussetzungen" tun wollte. Der Weg in der Praxis, jeden wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion zuzulassen ist jetzt frei. Warum eine "Zweitehe" nicht kirchlich gesegnet werden kann (vordergründig selbstverständlich nur in Einzelfällen), wird unverständlich und wäre nur eine logische Folge des Entscheides von Papst Franziskus. Eine Möglichkeit, dass beim Unterscheidungsprozess sich herausstellen könnte, die Sakramente nicht empfangen zu können, wird von Papst Franziskus nicht in Betracht gezogen.

Pater Antonio Spadaro, dem Chefredakteur der römischen Jesuitenzeitschrift La Civiltà Cattolica (der einzigen Zeitung die Papst Franziskus liest) erklärte in Massachusetts :

„Amoris laetitia erkennt an, dass auch die Personen, die in ‚irregulären‘ familiären Situationen leben, das ist der Fall bei den wiederverheirateten Geschiedenen und jenen, die zusammenleben, ohne zu heiraten, in der Gnade Gottes leben können, lieben können und in einem Leben der Gnade wachsen können.“

Spadaro führte seine These näher aus:

„Wir müssen daraus schließen, daß der Papst erkannt hat, dass es weder möglich ist, von einer abstrakten Kategorie von Personen zu sprechen noch… von einer Praxis der Integrierung in eine Norm, die man in jedem Fall befolgen muss.“ „Da der Grad der Verantwortlichkeit nicht in allen Fällen gleich ist, müssen auch Folgen und Wirkungen der Regel nicht notwendigerweise immer die gleichen sein.“ Auf die pastoralen Richtlinien der sizilianischen Bischöfe zur Umsetzung von Amoris laetitia, die im Juni 2017 veröffentlicht wurden, bezog sich Spadaro mit folgenden Worten:
„Das sizilianische Dokument folgert mit Klarheit, daß es unter gewissen Umständen möglich ist, den wiederverheirateten Geschiedenen, laut der Abwägung des Beichtvaters … , die Absolution zu gewähren und sie zur Eucharistie zuzulassen.“ Und weiter: „Es ist nicht mehr möglich, die Menschen aufgrund einer Norm zu beurteilen, die über allem steht.“[57]

Wechselte Papst Franziskus seine Position zum Kommunionempfang wiederverheirateter Geschiedener?

Bischof Santiago Silva und Weihbischof Fernando Ramos, der Vorsitzende und der Generalsekretär der Chilenischen Bischofskonferenz, erzählten in einem Interview mit der chilenischen Tagszeitung El Mercurio, dass beim letzten Ad-limina-Besuch der Bischöfe Chiles im Februar 2017 Papst Franziskus den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene klar abgelehnt und sich in dieser Frage gegen eine „Situationsethik“ ausgesprochen habe.[58]

Schreiben von vier Kardinälen an Papst Franziskus am 19. September 2016 [59]

Vier Kardinäle, Walter Brandmüller, Raymond Burke Carlo Caffarra und Joachim Meisner, schrieben am 19. September 2016 einen Brief an Papst Franziskus und zur Kenntnis von Kardinal Gerhard Müller bezüglich widersprechender Interpretationen des achten Kapitels von Amoris laetitia durch Theologen und Gelehrte, auch innerhalb des Bischofskollegiums. Dies habe eine ernste Verunsicherung vieler Gläubiger und eine große Verwirrung hervorgerufen. Sie wollten mit dem Brief den Papst dabei unterstützen, Spaltungen und Entgegensetzungen vorzubeugen, indem sie ihn bitten, jede Mehrdeutigkeit zu zerstreuen. Für viele – Bischöfe, Pfarrer, Gläubige – deuten diese Abschnitte einen Wandel in der Disziplin der Kirche an, im Hinblick auf die Geschiedenen, die in einer neuen Verbindung leben, oder lehren ihn sogar ausdrücklich; andere dagegen vertreten, auch wenn sie den Mangel an Klarheit in den betreffenden Passagen und auch deren Mehrdeutigkeit einräumen, dennoch die Ansicht, dass diese selben Seiten in Kontinuität mit der vorhergehende Lehre des Lehramts gelesen werden könnten und keine Änderung in der Praxis und der Lehre der Kirche enthielten.

Sie baten den Papst, die Ungewissheiten zu beseitigen und Klarheit zu schaffen, indem er gütig Antwort gebe auf die "Dubia", die sie diesem Brief beizulegen sich erlauben:

Dubium 1:

Es stellt sich die Frage, ob es aufgrund dessen, was in "Amoris laetitia" Nr. 300–305 gesagt ist, nunmehr möglich geworden ist, einer Person im Bußsakrament die Absolution zu erteilen und sie also zur heiligen Eucharistie zuzulassen, die, obwohl sie durch ein gültiges Eheband gebunden ist, "more uxorio" mit einer anderen Person zusammenlebt – und zwar auch wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, die in "Familiaris consortio" Nr. 84 festgelegt sind und dann in "Reconciliatio et paenitentia" Nr. 34 und "Sacramentum caritatis" Nr. 29 bekräftigt werden. Kann der Ausdruck "in gewissen Fällen" der Anmerkung 351 (zu Nr. 305) des Apostolischen Schreibens "Amoris laetitia" auf Geschiedene in einer neuen Verbindung angewandt werden, die weiterhin "more uxorio" zusammenleben?[60]

Dubium 2:

Ist nach dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben "Amoris laetitia" (vgl. Nr. 304) die auf die Heilige Schrift und die Tradition der Kirche gegründete Lehre der Enzyklika "Veritatis splendor" (Nr. 79) des heiligen Johannes Paul II. über die Existenz absoluter moralischer Normen, die ohne Ausnahme gelten und in sich schlechte Handlungen verbieten, noch gültig?[61]

Zweifel 3:

Ist es nach "Amoris laetitia" Nr. 301 noch möglich, zu sagen, dass eine Person, die habituell im Widerspruch zu einem Gebot des Gesetzes Gottes lebt – wie beispielsweise dem, das den Ehebruch verbietet (vgl. Mt 19,3–9) –, sich in einer objektiven Situation der habituellen schweren Sünde befindet (vgl. Päpstlicher Rat für die Gesetzestexte, Erklärung vom 24. Juni 2000)?[62]

Dubium 4:

Soll man nach den Aussagen von "Amoris laetitia" Nr. 302 über die "Umstände, welche die moralische Verantwortlichkeit vermindern", die auf die Heilige Schrift und die Tradition der Kirche gegründete Lehre der Enzyklika "Veritatis splendor" (Nr. 81) des heiligen Johannes Paul II. für weiterhin gültig halten, nach der "die Umstände oder die Absichten niemals einen bereits in sich durch sein Objekt sittenlosen Akt in einen 'subjektiv' sittlichen oder als Wahl vertretbaren Akt verwandeln" können?[63]

Dubium 5:

Soll man nach "Amoris laetitia" Nr. 303 die auf die Heilige Schrift und die Tradition der Kirche gegründete Lehre der Enzyklika "Veritatis splendor" (Nr. 56) des heiligen Johannes Paul II. für weiterhin gültig halten, die eine kreative Interpretation der Rolle des Gewissens ausschließt und bekräftigt, dass das Gewissen niemals dazu autorisiert ist, Ausnahmen von den absoluten moralischen Normen zu legitimieren, welche Handlungen, die durch ihr Objekt in sich schlecht sind, verbieten?[64]

Die Kardinäle bekamen von Papst Franziskus keine Antwort und erhielten von der Glaubenskongregation die Nachricht,[65] es werde auch keine Antwort geben. Wegen der Schwere der Sache machten sie die "Dubia" (Zweifel) am 14. November 2016 öffentlich: Papst Franziskus "reagierte" mit unsachlicher Zurückweisung, indem er zusätzlich in das Zweite Vatikanische Konzil hineininterpretiert:

Papst Franziskus weist die Vorwürfe zurück

Papst Franziskus weist den Vorwurf zurück, nicht klar genug im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu sein. "Einige - denken Sie an gewisse Entgegnungen zu 'Amoris laetitia' - verstehen es weiter nicht", sagte Franziskus in einem Interview der Mailänder katholischen Tageszeitung "Avvenire" am 18. November 2016 offenbar im Blick auf den an ihn gerichteten Klarstellungsappell mehrerer Kardinäle. Es gebe nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern es müsse "im Fluss des Lebens unterschieden" werden. "Das hat uns das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) gesagt."[66]

Der Vorsitzende des Rats für die Familie bei der Polnischen Bischofskonferenz

Die vier Kardinäle bekommen bei der Kritik am päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“ Unterstützung aus Polen. Bischof Jan Watroba, der Vorsitzende des Rats für die Familie bei der Polnischen Bischofskonferenz, sieht die Veröffentlichung des Briefes als einen „Ausdruck der Entschlossenheit und Sorge über das richtige Verständnis der Lehre des Petrus“. Die polnischen Agentur KAI zitiert Watroba wie folgt: „Es ist schade, dass es keine allgemeine Auslegung und keine klare Botschaft des Dokuments gibt und man zu dem Apostolischen Schreiben Interpretationen hinzufügen muss. Ich persönlich – vielleicht aus Gewohnheit, aber auch aus tiefer Überzeugung – mag eine solche Auslegung lieber, wie sie Johannes Paul II. pflegte, bei der Kommentare oder Interpretationen zur Lehre Petri unnötig waren.“ Der Bischof erklärte auch, dass er und auch andere Bischöfe und Seelsorger selber mit solchen oder ähnlichen Anfragen überhäuft werden.[67]

Kardinal Paul Josef Cordes zu Amoris laetita und die Reaktionen auf die vier Kardinäle

Im Kath.net-Interview mit Petra Lorleberg am 12. Dezember 2016 geht der Kardinal auf die geschichtlichen Versuche ein, einen Weg zum Empfang der Sakramente der Wiederversöhnung und des Altares für Männer und Frauen in einer kanonisch irregulären Situation zu finden. ... "Niemand sah eine Möglichkeit. Und nun soll plötzlich eine lehramtliche Lösung gefunden worden sein! Ihr Zugeständnis taucht in einer Fußnote der Nachkonziliaren Apostolischen Exhortation „Amoris laetitia“ auf mit dem Argument, unter bestimmten Umständen könne der Sakramenten-Empfang für das Wachstum in Glaube und Liebe bei solchen Christen hilfreich sein. Die theologische Begründung solcher Einräumung ist keineswegs zwingend. Ihre formale Verbindlichkeit (eine Fußnote) hat gewiss nicht den Rang eines Dogmas.

In sachlichem Ton haben vier Kardinäle um die Beseitigung von Zweifeln am Text gebeten. Sie wurden mit unverhältnismäßigem Protest bedacht. Ich konnte diese Empörung nicht nachvollziehen; hatte auch Zweifel, dass die Motivation der Empörten auf die Wahrheitsfindung zielte. [...]

Zu dem ganzen Vorgang kann man kaum besser Stellung beziehen als der Präfekt der Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Müller: Das Schreiben dürfe nicht so interpretiert werden, als ob frühere Aussagen des Lehramts und der Päpste ungültig seien."

Und bei einer weiteren Frage sagt er: "Im Übrigen fehlt es solchen Aktualisten (des kirchlichen Lehramtes) an Logik und Überzeugungskraft: Wie kann die Kirche heute für eine Glaubensaussage Zuverlässigkeit fordern, wenn ihre gestrige überholt ist und falsch war?"[68]

Weihbischof Andreas Laun zu Amoris laetita und zur Reaktion auf die vier Kardinäle [69]

Der Moraltheologe und Weihbischof Andreas Laun unterstützt am 23. Dezember 2016 zur Gänze die vier Kardinäle. Auf die Frage von im „One Peter Five“, ob er irgendeinen Weg für wiederverheirate Geschiedene, die Sakramente zu empfangen, ohne dass sie ihre Lebensweise ändern und dann als Bruder und Schwester zusammenleben sehe, sagte er: „Leider“ nein! Ich wäre froh, ihnen einen leichteren Weg nennen zu können. Aber es geht um die Wahrheit und nicht meine Gefühle. Mit Barmherzigkeit hat diese sachliche Frage nichts zu tun. Hätte Johannes der Täufer dem Herodes die Frau seines Bruders „barmherzig erlauben“ können? und weiter: "Der geistliche Begleiter, auf den der Papst großen Wert legt, ist in der Rolle eines Arztes, der eine Diagnose erstellt und dabei dem Patienten keinen Dienst erweist, wenn er die Krankheit schönredet, wie er sie gerne hätte, obwohl er um ihre Gefährlichkeit weiß." Bei einer weiteren Frage sagte er: "es wäre eine gewisse Schande, wenn jemand aus Angst nicht redete! Schweigen kann, sagt Gregor der Große, eine Sünde sein, und Otto von Habsburg hat gesagt, die Feigheit sei ein Hauptlaster unserer Zeit!"

Zu den moralischen Maßstäben erklärt er: "Der Papst kann genauso wenig einen moralischen Maßstab senken noch anheben – so wie er ein physikalisches Gesetz nicht ändern kann. Moralische Gesetze sind Gottesgesetze oder sie gehören als nur menschliche Gesetze nicht zur Moral als solcher. Für eine gute, katholische Morallehre ist es wichtig, den Gottesbezug verständlich zu machen und zu zeigen, dass die katholische Moral bildhaft gesprochen die ,artgerechte Haltung des Menschen ist´, im Unterschied zu den Tieren in Freiheit und auf Grund von Einsicht!"

Der Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Müller

Der Präfekt der Glaubenskongregation Gerhard Kardinal Müller meinte im Januar 2017 zum Brief der vier Kardinäle, dass "durch Veröffentlichung der Bitte um Klarheit in Frage des Kommunionempfangs für Wiederverheiratete werde der Papst unter Druck gesetzt - "Er wird beinahe gezwungen, mit 'Ja' oder 'Nein' zu antworten".[70]

Im Interview mit „Il Timone“ am 1. Februar 2017 sagte der Präfekt: „‚Amoris laetita‘ muss eindeutig im Licht der ganzen Lehre der Kirche interpretiert werden.“[71] Die Zeitung fragte, ob einen Widerspruch zwischen der Lehre und dem persönlichen Gewissen geben kann, worauf er antwortete: "Nein, das ist unmöglich. Zum Beispiel kann man nicht sagen, dass es Umstände gibt, aufgrund derer ein Ehebruch keine Todsünde bildet. Für die katholische Lehre ist das gleichzeitige Bestehen von Todsünde und rechtfertigender Gnade unmöglich. Um diesen absurden Widerspruch zu überwinden, hat Christus für die Gläubigen das Sakrament der Buße und Versöhnung mit Gott und mit der Kirche eingesetzt." Müller "gefällt es nicht, es ist nicht korrekt, dass viele Bischöfe „Amoris laetitia“ entsprechend ihrer eigenen Weise, die Lehre des Papstes zu verstehen, interpretieren. Das ist nicht auf der Linie der katholischen Lehre. Das Lehramt des Papstes wird nur von ihm selbst oder durch die Kongregation für die Glaubenslehre interpretiert. Der Papst interpretiert die Bischöfe, es sind nicht die Bischöfe, die den Papst interpretieren, das würde eine Umkehrung der Struktur der katholischen Kirche bedeuten. All denen, die zu viel reden, empfehle ich, zuerst die Lehre [der Konzilien] über das Papsttum und den Episkopat zu studieren. Der Bischof als Lehrer des Wortes muss als erster gut ausgebildet sein, um nicht der Gefahr zu verfallen, dass ein Blinder andere Blinde bei der Hand führt. [...]

Auf den Hinweis, dass Papst Johannes Paul II.Familiaris consortio“ für wiederverheiratete Paare, die sich nicht trennen können, zu einem Leben in Enthaltsamkeit verpflichten, um zu den Sakramenten zugelassen werden zu können vorsehe und diese Verpflichtung noch gelte sagte Müller: "Gewiss, das kann nicht überwunden werden, weil dies nicht allein ein positives Gesetz Johannes Pauls II. ist, sondern weil er das zum Ausdruck gebracht hat, was konstitutiv Element der christlichen Moraltheologie und der Sakramententheologie ist. Die Verwirrung zu diesem Punkt betrifft auch die fehlende Annahme der Enzyklika „Veritatis splendor“ mit der klaren Lehre zum „intrinsece malum“ [...]. Für uns ist die Ehe Ausdruck der Teilhabe an der Einheit zwischen Christus und seiner Braut, der Kirche. Das ist nicht einfach eine vage Analogie, wie einige während der Synode gesagt haben. Nein! Das ist die Substanz des Sakraments, und keine Macht im Himmel oder auf Erden, weder ein Engel noch der Papst noch ein Konzil noch ein Gesetz der Bischöfe vermögen dies zu ändern.

Il Timone fragte zudem: Wie kann es zur Lösung des Chaos kommen, zu dem es aufgrund unterschiedlicher Interpretationen gekommen ist, die zu diesen Abschnitten von „Amoris laetitia“ gegeben werden? Müller antwortete: Er "empfehle allen nachzudenken und dabei zuerst die Lehre der Kirche zu studieren, angefangen beim Wort Gottes in der Heiligen Schrift, das hinsichtlich der Ehe sehr klar ist. Ich würde auch raten, in keine Kasuistik einzutreten, die leicht Missverständnisse erzeugen kann, vor allem das, welches sagt: wenn die Liebe stirbt, dann ist auch das Eheband gestorben. Das sind Trugschlüsse: das Wort Gottes ist sehr klar und die Kirche akzeptiert es nicht, die Ehe zu säkularisieren. Die Aufgabe der Priester und Bischöfe besteht nicht darin, Verwirrung zu stiften, sondern Klarheit zu schaffen. Es ist unmöglich, nur auf kleine Abschnitte Bezug zu nehmen, die es in „Amoris laetitia“ gibt, sondern es ist notwendig, alles im Zusammenhang zu lesen, mit dem Ziel, für die Menschen das Evangelium der Ehe und der Familie attraktiver zu machen.

Nicht „Amoris laetitia“ habe eine verwirrte Interpretation provoziert, sondern einige verwirrte Interpreten des Schreibens, meinte Müller. Wir alle müssen die Lehre Christi und seiner Kirche verstehen und annehmen und gleichzeitig bereit sein, den anderen zu helfen, sie zu verstehen und auch in schwierigen Situationen in die Praxis umzusetzen.

‚Amoris laetitia’ sei in der Tradition der katholischen Lehre zu lesen. Einander widersprechende Interpretationen von Bischofskonferenzen würden der Kirche schaden und stifte Verwirrung, sagt der Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Müller im Interview mit Raymond Arroyo von EWTN im Mai 2017. Eine Zulassung zivilrechtlich geschiedener Wiederverheirateter zu den Sakramenten sei daher nur möglich, wenn beide den festen Vorsatz hätten, „wie Bruder und Schwester“ zu leben, betonte der Kardinal.[72]

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun von Hong Kong hat am 19. Februar 2017 gegenüber dem US-Fernsehsender EWTN die „dubia“-Anfrage zu „Amoris laetitia“ verteidigt. Wörtlich sagte er: "Das ist eine sehr respektvolle Anfrage der vier Kardinäle. Ich glaube, es ist deren Recht, dass sie darauf eine Antwort bekommen."[73]

Theologenkongress in Buenos Aires

Beim Theologenkongreß in Buenos Aires 2004 trat Kardinal Bergoglio als erster Referent ans Rednerpult. Seine Rede kann im 2005 veröffentlichen Tagungsband „La verdad los hará libres“ (Die Wahrheit wird euch freimachen) nachgelesen werden. Bergoglio stellte sich damals entschieden hinter die in Veritatis splendor bekräftigte Wahrheit, besonders oben in den Dubia zitierten drei Wahrheiten, die seit der Veröffentlichung von Amoris laetitia in Frage gestellt werden.

  • Auf Seite 34 des Tagungsbandes schreibt der damalige Erzbischof von Buenos Aires, daß „nur eine Moral, die ohne Ausnahme immer und für alle gültige Normen anerkennt, kann die ethische Grundlage des sozialen Zusammenlebens auf nationaler wie internationaler Ebene sicherstellen“, denn der Relativismus einer Demokratie ohne Werte führe in den Totalitarismus.
  • Auf Seite 32 schreibt Kardinal Bergoglio, daß das Verständnis für die menschliche Schwachheit „nie einen Kompromiß und eine Verfälschung des Kriteriums von Gut und Böse bedeuten kann, so als wollte man sie den Lebensumständen der Menschen und der Personengruppen anpassen“.
  • Auf Seite 30 schließlich bezeichnet es Bergoglio als „schwere Versuchung“, zu meinen, daß es für einen sündigen Menschen unmöglich sei, das heilige Gesetz Gottes zu befolgen und selbst „darüber entscheiden zu wollen, was gut und was böse ist“, anstatt die Gnade anzurufen, die Gott immer gewähre.[74]

Das achte Kapitel von Amoris laetitia wird konträr ausgelegt: Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene?

Christoph Ohly fragt bei Radio Horeb, ob verschiedene Auslegungen bezüglich des 8. Kapitels von Amoris laetitia die Kirche "aushalten" kann?"[75]

Sakramentale Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen

  • Agostino Vallini (Diözese Rom im September 2016): Eine Zulassung zu dem Sakrament soll im Bistum Rom nur dann möglich sein, wenn eine Nichtigkeitserklärung der ersten Ehe durch ein kirchliches Gericht nicht möglich ist. Dies ist zuvor durch das Gericht zu klären. Der zuständige Pfarrer soll die betreffenden Paare nach dem Willen Vallinis zunächst dazu ermutigen, die Gültigkeit ihrer Ehe von einem Gericht klären zu lassen. Sollte sich ein Prozess als undurchführbar erweisen, sei die seelsorgerische Initiative des Pfarrers nötig. Sie müsse dem Grundsatz folgen, dass die Person vor dem Gesetz komme. Hierbei müsse der Priester jeden Einzelfall sorgfältig prüfen und die jeweilige Situationen unterscheiden. Hierzu seien regelmäßige Gespräche mit den Betroffenen nötig, um sich der "Reife des Gewissens" und ihrer Reue zu vergewissern.[76]
  • Die Argentinischen Bischöfe im September 2016: siehe Abschnitt oben: "Franziskus: Sakramentenempfang für wiederverheiratete Ehebrecher in Einzelfällen möglich". Papst Franziskus bestätigt die Auffassung der Argentinischen Bischöfe.
  • Die Bischöfe Maltas (im Januar 2017; verteidigt durch Charles Scicluna) haben in ihrer Richtlinie den Zugang wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion dann zugelassen, wenn diese „im Frieden mit Gott“ leben würden. Voraussetzung sei lediglich eine „Gewissensprüfung“.[77] Seminaristen, die mit Papst Franziskus nicht einer Meinung seien, könnten das Priesterseminar der Erzdiözese Malta jederzeit verlassen.[78]
  • Die deutschen Bischöfe (am 1. Februar 2017) "Nicht alle Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, können ohne Unterscheidung die Sakramente empfangen. Erforderlich sind vielmehr differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden und dann zum Tragen kommen, wenn die Ehe nicht annulliert werden kann." [79]
  • Bischof Robert McElroy (San Diego) nahm den synodalen Prozess, der zu "Amoris laetitia" führte, zum Vorbild und berief eine Bistumssynode zum Thema ein. Die votierte für eine konkrete Umsetzung des vom Papst angeregten "Wegs zur Teilnahme an den Sakramenten".[80]
  • Bischof Rudolf Voderholzer: ... Man könne jedoch auch unabhängig von einem kirchenrechtlichen Verfahren im Gespräch zwischen Seelsorger und Betroffenem zur moralischen Gewissheit der Nichtigkeit einer Ehe gelangen und dadurch zur Kommunion gehen.[81]
  • Unter Berufung auf Amoris laetitia von Papst Franziskus erklärten die Bischöfe Belgiens am 24. Mai die Entscheidung, ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen sind, zur Gewissensfrage. Sie nehmen dabei für sich in Anspruch, „mit Papst Franziskus zu sein“.[82]

Keine Sakramentale Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene

  • Charles Chaput (Erzbistum Philadelphia) empfiehlt wiederverheirateten Geschiedenen sexuelle Enthaltsamkeit. Sie sollten wie "Bruder und Schwester" leben, um im Sakrament der Buße Versöhnung zu empfangen.[83]
  • Die kanadischen Bischöfe der Provinz Alberta und der Nordwest-Territorien weisen im September 2016 die Ansicht zurück, daß das nachsynodale Schreiben Amoris laetitia von Papst Franziskus eine Änderung der kirchlichen Praxis für wiederverheiratet Geschiedene gebracht habe. Das Dokument wurde unterzeichent von Erzbischof Richard W. Smith von Edmonton, Erzbischof Gerard Pettipas CSsR von Grouard-McLennan, Bischof Frederick Henry von Calgary, Bischof Mark Hagemoen von Mackenzie-Fort Smith, Bischof Paul Terrio von St. Paul und Weibischof Gregory J. Bittman von Edmonton.[84] Der Erzbischof von Ottawa in Kanada, Terrence Prendergast SJ, gab im März 2017 bekannt, dass er den Bischöfen der Provinz Alberta und den Nordwest-Territorien folgt und die „Pastoralen Richtlinien“ auch für das Erzbistum Ottawa gelten.[85]
  • Drei Bischöfe aus Kasachstan vertreten vollauf die Bestimmungen der universalen Tradition der katholischen Kirche, letztlich dem Schreiben Familiaris consortio von Papst Johannes Paul II., dem Katechismus der Katholischen Kirche, als auch an Papst Benedikt XVI. in seinem Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis.[86]
  • Steven Joseph Lopes (Bischof des Personalordinariates Kathedra Petri für zum Katholizismus übergetretene Anglikaner in Nordamerika): Er untersagte wiederverheirateten Geschiedenen, die nicht sexuell enthaltsam leben, den Kommunionempfang.[87]
  • Vitus Huonder (Bischof von Chur) im Februar 2017: schreibt in seinem „Wort zum Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Amoris Laetitia“: „Der Empfang der heiligen Kommunion der zivil wiederverheirateten Geschiedenen darf nicht dem subjektiven Entscheid überlassen werden.“[88]
  • Die "Confraternity of Catholic Clergy" (600 Priester und Diakone aus den USA, Australien, Großbritannien und Irland) hat in einer Stellungnahme eine Auslegung von "Amoris laetitia" angemahnt, die sich am Lehramt und der Tradition orientiert. Zu vermeiden sei, so erklären die Kleriker mit Bezug auf die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanums, dass das "Gewissen durch Gewöhnung an die Sünde allmählich fast blind wird".[89]
  • Der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold sagt im KATH.NET-Interview: Amoris laetitia „macht allein dann Sinn, wenn man es auf der Grundlage der bewährten Lehre und Praxis liest“. ... "Aber das ist doch der springende Punkt. Die meisten Betroffenen suchen nämlich einfach die Anerkennung ihres Status quo. Ich fürchte, die Berufung auf den Einzelfall wird faktisch zur Einstellung der Seelsorger führen: Alle Betroffenen sind ein Sonderfall, und wenn sie zur Kommunion gehen wollen, kann man es ihnen kaum verweigern. Wer fragt, erhält auch ein Ja. Am Ende wird die Berufung auf den Einzelfall bloß zum Feigenblatt. In Wirklichkeit haben wir dann längst darauf verzichtet, dass der Kommunionempfang das ernsthafte Bemühen um ein Leben nach der Ordnung Gottes voraussetzt. Also: Wehret den Anfängen!"[90]
  • Der Bischof von Alcalà de Henares in Spanien, Msgr. Juan Antonio Reig Pla, veröffentlichte „Kriterien und Bestimmungen für die Begleitung von wiederverheirateten Geschiedenen“. Die Veröffentlichung erfolgte im Anschluß an die Tagung „Die christliche Familie und die katholische Schule: Kreative Minderheiten zur Erneuerung der Gesellschaft“, die vom 10.-12. März im bischöflichen Palais stattfand. Er schreibt: "Das Ziel dieses Weges [der Begleitung] ist es, daß auch diese Getauften in Übereinstimmung mit dem Wort Jesu leben können. Nur wenn sie bereit sein werden, diesen Schritt zu setzen, können sie die sakramentale Lossprechung und die heilige Eucharistie empfangen.“ Und weiter: „Daher gilt es konkret zu berücksichtigen, daß die Kirche auf der Grundlage der Heiligen Schrift und der Tradition „ihre Praxis bekräftigt, die wiederverheirateten Geschiedenen nicht zur eucharistischen Kommunion zuzulassen. Sie sind es, die eine Zulassung nicht möglich machen, da ihr Status und ihre Lebensverhältnisse objektiv jener Liebesverbindung zwischen Christus und der Kirche widersprechen, die durch die Eucharistie ausgedrückt und umgesetzt wird.“[91]
  • Kardinal John Onaiyekan, der Erzbischof von Abuja in Nigeria betont "Mir gefällt, daß der Papst sagt, daß diese deshalb nicht exkommuniziert sind. Aber zu sagen, daß jemand nicht exkommuniziert ist, heißt nicht, daß er die heilige Kommunion empfangen darf.“[92]

Weblinks

Anmerkungen

  1. vgl. Aldo di Cillo Pagotto/Robert Francis Vasa/Athanasius Schneider: „Opzione preferenziale per la Famiglia. Cento domande e cento risposte intorno al Sinodo” (Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten zur Synode - dt.: Download)
  2. kath.net news, 10. Oktober 2013; Freiburger Handreichungen nicht rechtswirksam Kath.net am 20. Oktober 2013.
  3. La Repubblica: Vatikan irritiert über Freiburger Initiative; Vatikan gegen deutsche Sonderwege für wiederverheiratete Geschiedene Kath.net am 8. Oktober 2013
  4. Schreiben des Präfekten der Glaubenskongregation an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz: Erzbistum Freiburg muss pastorale Handreichung zurückziehen! Kath.net am 11. November 2013
  5. Zollitsch sagt 'NJET' zur Aufforderung des Glaubenspräfekten Kath.net am 21. November 2013
  6. vgl. Walter Kasper: Barmherzigkeit. 
Grundbegriff des Evangeliums - Schlüssel christlichen Lebens. Herder Verlag 2012
 (gebundene Ausgabe, 252 Seiten; 
ISBN 978-3-451-30642-6).
  7. Kardinal Kaspers Vorstoß und die Crux der Enthaltsamkeit 16. März 2014 von Dr. Josef Spindelböck: Der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat vor dem außerordentlichen Konsistorium der Kardinäle in Rom (vom 20. und 21. Februar 2014) einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Das Evangelium von der Familie“ gehalten.
  8. Papst würdigt Kardinal-Kasper-Vortrag zur Familienpastoral Kath.net am 22. Februar 2014
  9. 'Die Zeit': Kasper forderte Vatikan-Umdenken bei Sexualmoral Kath.net am 28. Februar 2014
  10. vgl. Kardinal Kasper betont die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe Kath.net am 1. März 2014
  11. Pfarrer Richard Kocher erklärt Kaspers Vorstellung von Sonderfällen in der Standpunktsenduung vom 5. Juli 2015 (siehe ab: 71 min.): "Es kann sich nur "um eine kleine Zahl von Sonderfällen handeln" … Eine Prüfung folgender Kriterien sei unerlässlich:
    • Erstens: Wo beim Scheitern der ersten Ehe schweres Versagen mit im Spiel war, müssen die übernommene Verantwortung anerkannt und die begangene Schuld bereut werden.
    • Zweitens. Es muss glaubhaft feststehen, dass die Rückkehr zum ersten Partner wirklich nicht möglich ist, und die erste Ehe beim besten Willen nicht wiederbelebt werden kann.
    • Drittens: Begangenes Unrecht und ein angerichteter Schaden müssen nach Kräften wiedergutgemacht werden, soweit es nur möglich ist.
    • Viertens: Zu dieser Wiedergutmachung gehört auch die Erfüllung der Verpflichtung gegen Frau/Mann und Kindern aus der ersten Ehe.
    • Fünftens: Es ist darauf zu achten, ob ein Partner seine erste Ehe unter großem öffentlichem Aufsehen (sogar Ärgernis) zerbrochen hat.
    • Sechstens: Die zweite Ehe eheliche Gemeinschaft muss über einen längeren Zeitraum hinweg im Sinne eines entschiedenen und auch öffentlichen erkennbaren Willens zum dauerhaften Zusammenleben nach der Ordnung der Ehe und als sittliche Realität bewährt haben.
    • Siebtens: Es muss geprüft werden, ob das Festhalten an der zweiten Bindung gegenüber dem Partner und den Kindern eine neue sittliche Verpflichtung geworden ist.
    • Achtens: Es muss hinreichend, sicher nicht mehr als bei anderen Christen feststehen, dass die Partner wirklich aus dem christlichen Glauben zu leben versuchen und aus lauteren Motiven d.h. aus echten und religiösen Beweggründen am sakramentalen Leben der Kirche teilnehmen wollen.
    Dies soll nicht ein Pfarrer vor Ort prüfen, sondern ein Bischofsvikar oder Paenitentiar, der eigens hierfür ernannt wird.
  12. Kardinal Walter Brandmüller betont, dass es nicht redlich sei zu sagen, man wolle die Lehre keinesfalls ändern, nur in der Pastoral müsse man sich der Zeit anpassen. Er kritisiert dann auch die Theorie, dass man die pastorale Praxis von der Glaubenslehre trennen könne. Dies sei "genauso absurd wie die Idee, man könne die architektonisch-künstlerische Gestaltung einer Brücke ohne Berücksichtigung der statischen Berechnungen" umsetzen. vgl. Werden diese 'Bastionen' geschleift, dann ist die Bresche geschlagen Kath.net am 11. Dezember 2014
  13. Danilo Castellano, Professor für politische Philosophie an der Universität Udine: Kaspers Ideen würden der protestantischen Theologie entsprechen, insbesondere Martin Luthers Lehre, dass Gott die Sünden der Menschen nicht auslöscht, sondern nur zudeckt, wenn er sie vergibt.: Weiter Kritik an Kaspers Vorstoß zur Kommunion für Wiederverheiratete Kath.net am 30. März 2014; vgl. auch: Ein sichtbares Zeichen für wiederverheiratete Geschiedene Kath.net am 28. Februar 2014 von Weihbischof Andreas Laun; Barmherzigkeit nicht mit Akzeptanz eines Übels verwechseln Kath.net am 8. Mai 2014 von Samuel J. Aquila, Erzbischof von Denver (USA)
  14. 'Die Zeit': Kasper forderte Vatikan-Umdenken bei Sexualmoral Kath.net am 28. Februar 2014; vgl. Aus Bologna mit Liebe: Haltet ein! Prinzip und Wahrheit der Ehe Kath.net am 18. März 2014
  15. vgl. auch: Offener Brief an Walter Kardinal Kasper Kath.net am 16. April 2014 von Michael Schäfer
  16. Weiter Kritik an Kaspers Vorstoß zur Kommunion für Wiederverheiratete Kath.net am 30. März 2014
  17. Die Unbarmherzigkeit von Kardinal Kasper gegenüber geschiedenen „Wiederverheirateten“ Katholisches.info am 12. April 2014 von Pater Franz Schmidberger; Anti-Kasper-Front: Nach Brandmüller und Caffarra folgen De Paolis und Bassetti Katholisches.info am 5. Mai 2014
  18. Robert Dorado (HG.): „In der Wahrheit Christi bleiben?“ Ehe und Kommunion in der Katholischen Kirche Echter Verlag 2014 (244 Seiten, Taschenbuch; ISBN 978-3-429-03783-3; Die Antwort der fünf Kardinäle auf Kasper jetzt auch auf deutsch Kath.net am 2. Oktober 2014)
  19. Paul Josef Cardinal Cordes
: Geistige Kommunion.
 Befreit vom Staub der Jahrhunderte
 Fe Medienverlag (
48 Seiten; 
ISBN 978-3863571085; vgl. Kardinal Cordes: Hier irrt Kardinal Kasper Kath.net am 2. Februar 2015).
  20. Ehe, Familie, Leben – Durch Personalentscheidungen zum Kurswechel Katholisch.info am 21. Oktober 2016
  21. Kardinal Woelki warnt vor «falschen Hoffnungen» in Bezug auf Geschiedene Kath.net am 2. Oktober 2014
  22. Vgl. AMBROSIUS, De Sacramentis, IV, 6, 28: PL 16, 464: „Ich muss ihn immer empfangen, damit er immer meine Sünden vergibt. Wenn ich ständig sündige, muss ich immer ein Heilmittel haben“; ebd., IV, 5, 24: PL 16, 463: „Wer das Manna aß, starb; wer von diesem Leib isst, wird die Vergebung seiner Sünden erhalten.“ CYRILL VON ALEXANDRIEN, In Joh. Evang. IV, 2: PG 73, 584–585: „Ich habe mich geprüft und erkannt, dass ich unwürdig bin. Denen, die so reden, sage ich: Und wann werdet ihr würdig sein? Wann werdet ihr also vor Christus erscheinen? Und wenn eure Sünden euch hindern, näherzukommen, und wenn ihr niemals aufhört zu fallen – wer bemerkt seine eigenen Fehler, sagt der Psalm – werdet ihr schließlich nicht teilhaben an der Heiligung, die Leben schenkt für die Ewigkeit?“ : Psalm 19, 13-14, der letztlich als Stütze dient, spricht von der lässlichen Sünde. Es heißt: "Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist! ... Dann bin ich ohne Makel und rein von größten Fehlern." (LXX: áμαρτíας (Fehler, Vergehen, Sünde) μεγáλης; Neo-vulgata: delicto (Vergehen, Fehler) maximo.) Denn eine Schuld, die nicht bewusst ist, kann auch keine schwere Schuld sein. Bei der irrtümlichen Annahme, würde die Eucharistie auch bei Todsünde (Sünde: bewusst, gewollt, schwerwiegende Sache) empfangen werden dürfen.
  23. Franziskus: Keine Eucharistie für wiederverheiratete Geschiedene Kath.net am 25. September 2014
  24. Le sfide pastorali sulla famiglia (Wortlaut), vom 18. Oktober 201, Nr. 52+53.
  25. Papst würdigt Offenheit und Streitkultur der Bischofssynode Radio Vatikan am 19. Oktober 2014
  26. Glaubenskongregation bestätigt Ehelehre Johannes Pauls II. Kath.net am 18. März 2015.
  27. Nochmals: Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten? Ein dorniges und komplexes Problem Walter Kasper
  28. Relatio Synodi XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode 2015.
  29. Relatio Synodi XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode 2015.
  30. Glaubenskongregation hatte offenbar Bedenken gegen ‚Amoris laetitia’ Kath.net am 11. Januar 2017
  31. Papst: «Amoris laetitia» steht auf dem Boden kirchlicher Lehre Kath.net am 17. Juni 2016
  32. Kardinal Caffarra: ‚Amoris laetitia’ ist objektiv unklar Kath.net am 1. Juni 2016; Kardinal Caffarra widerspricht Kardinal Schönborn Kath.net am 13. Juli 2016
  33. Bei dem Schönborn-Interview in der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera» am 7. Juli 2016, handelt es sich um eine Vorabveröffentlichung eines Gesprächs, das in der aktuellen Ausgabe der italienischen Jesuiten-Zeitchrift «Civilta Cattolica» erscheint.
  34. Kardinal Schönborn: «Amoris laetitia» ist verbindlich Kath.net 7. Juli 2016
  35. Erst eine Freude in der Wahrheit ermöglicht eine Freude in der Liebe Weihbischof Athanasius Schneider erklärt AL, Interview von Sven Conrad im Informationsblatt der FSSP, Juni 2016, S. 6.
  36. Erst eine Freude in der Wahrheit ermöglicht eine Freude in der Liebe Weihbischof Athanasius Schneider erklärt AL, Interview von Sven Conrad im Informationsblatt der FSSP, Juni 2016, S. 7-9.
  37. Im Hintergrund steht eine falsche Philosophie: "Eine falsche Mystik wie der Gnostizismus und heute wieder die Existenzialphilosophie neigt dazu, von Grund auf jedes Gesetz als einen dem Menschen von außen auferlegten Zwang zu bestreiten und zu verwerfen.": Erzbischof Wendelin Rauch (Hg.): Lexikon des katholischen Lebens, Herder Verlag Freiburg im Breisgau 1952, Sp. 401 - Gesetz.
  38. Hintergrund ist eine falsche Logik, d.h. erneut eine falsche Philosophie.
  39. Philosoph Josef Seifert kritisiert ‚Amoris Laetitia’ Kath.net am 15. Juni 2016; Eine umfassende kritische philosophisch-theologische Studie zu Amoris laetitia stellt der folgende Artikel dar: Seifert, Josef. (2016). Die Freude der Liebe: Freuden, Betrübnisse und Hoffnungen. AEMAET, 5(2), 2-84.
  40. Philosoph Robert Spaemann: 'Amoris laetitia' bricht mit der Lehrtradition der Kirche Kath.net am 29. April 2016
  41. Erzbischof Bruno Fortes Enthüllung über die Hintergründe von „Amoris Laetitia“ katholisches.info am 9. Mai 2016
  42. Drei Bilder für eine Familienpastoral nach Amoris Laetitia gibt Papst Franziskus der Diözesansynode des Bistums Rom am 17. Juni 2016 an die Hand. Papst: Drei Bilder für eine Pastoral nach Amoris Laetitia Radio Vatikan am 17. Juni 2016
  43. Im Embolismus (nach dem Vater unser) in der Heiligen Messe betet der Priester: "Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten."
  44. Würdigung durch Deutsche Bischofskonferenz dbk.de, 8. April 2016
  45. www.dbk.de: Wortlaut Wort der Bischöfe Amoris laetitia, abgerufen am 3. Februar 2017.
  46. Kardinal Müller: Papstdokument keine Abkehr von bisheriger Lehre Kath.net am 4. Mai 2016
  47. Papst will Abwägung bei wiederverheirateten Geschiedenen Kath.net am 13. September 2016; Wiederverheiratete: Papst will Sakramente im Einzelfall Die Tagespost am 14. September 2016.
  48. Papst-Vertrauter läßt Katze aus dem Sack: „Ja, Franziskus hat mit Amoris laetitia die Disziplin der Kirche geändert“, und zwar „irreversibel“ www.katholisches.info am 24, August 2017
  49. "Die Tatsache, dass das bestätigende Reskript des Papstes ebenfalls das Datum vom 5. September trägt, zeigt, dass es sich um eine abgesprochene Aktion handelt, mit der die Debatte um die unterschiedlichen Auslegungen von „Amoris laetitia“ beendet werden soll." so Die Tagespost: Wiederverheiratete: Papst will Sakramente im Einzelfall am 14. September
  50. Wenn ein Geistlicher nicht die beabsichtigte Sakramentale Kommunion erlaubt, geht man zu einem liberaleren Geistlichen, der dies mit Leichtigkeit erlaubt. Das wird sich herumsprechen und man geht gleich zum "barmherzigen" Priester. Wer von seiner unrechtmäßigen Partnerschaft nicht ablassen (oder enthaltsam sein) will, hat auch nicht die Disposition einer rechten Gewissenserforschung. Aber genau auf diese, soll sich ja das Urteil stützen. ... Die Quadratur des Kreises ist eben nicht möglich!
  51. Es handelt es sich nur um die Sakramentale Kommunion nicht um die Beichte (!). Wenn ein Ehebrecher beichtet, muss er ja den Vorsatz haben, die neue "Ehe" zu lösen (Vgl. die Mutter von Laura Vicuña; Thomas More starb für die Unauflöslichkeit der Ehe Kath.net am 11. Oktober 2016 von Markus Büning)
  52. Papst-Vertrauter läßt Katze aus dem Sack: „Ja, Franziskus hat mit Amoris laetitia die Disziplin der Kirche geändert“, und zwar „irreversibel“ www.katholisches.info am 24, August 2017; Brief auf der Vatikanseite
  53. Interpretation von "Amoris laetitia" jetzt offiziell Domradio am 2. Dezember 2017; Kasper: Diskussion um Amoris laetitia ist beendet Katholisch.de am 8. Dezember 2018
  54. Franziskus: Keine Eucharistie für wiederverheiratete Geschiedene Kath.net am 25. September 2014
  55. Kardinal Müller: Trennung von Theorie und Praxis wäre Häresie Kath.net am 3. Dezember 2014
  56. Italien: „Spaltung unter Bischöfen ist Grund des Briefes“ Radio Vatikan am 16. Januar 2017.
  57. [https://katholisches.info/2017/10/20/papst-vertrauter-es-gibt-keine-norm-die-man-auf-jeden-fall-befolgen-muss/
  58. Chilenische Bischöfe: Papst gegen Kommunion für Wiederverheiratete Kath.net am 24. März 2017.
  59. vgl. Ungelöste Knoten von "Amoris laetitia"- 4 Kardinälen (Meisner, Brandmüller, Burke, Caffarra) an Papst Franziskus im September 2016 Kath.net am 14. November 2016.
  60. Die erste Frage nimmt besonders Bezug auf "Amoris laetitia" Nr. 305 und auf die Fußnote 351. Die Anmerkung 351 erwähnt, wenn sie speziell von den Sakramenten der Buße und der Kommunion spricht, die zivil wiederverheirateten Geschiedenen nicht, und auch der Haupttext tut dies nicht. Der Abschnitt 84 des Apostolischen Schreibens "Familiaris consortio" von Papst Johannes Paul II. hat bereits die Möglichkeit ins Auge gefasst, zivil wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zuzulassen. Er nennt drei Bedingungen:
    – Die betreffenden Personen können sich nicht trennen, ohne ein neues Unrecht zu begehen (beispielsweise könnten sie für die Erziehung ihrer Kinder Verantwortung tragen).
    – Sie übernehmen die Verpflichtung, gemäß der Wahrheit ihrer Situation zu leben, indem sie aufhören, zusammenzuleben, als ob sie Mann und Frau wären ("more uxorio"), und sich der Akte enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind.
    – Sie vermeiden es, Anstoß zu geben (das heißt, sie vermeiden das In-Erscheinung-Treten der Sünde, um die Gefahr zu vermeiden, dass sie andere zum Sündigen hinführen).
    Die von "Familiaris consortio" (Nr. 84) und von den darauf folgenden Dokumenten genannten Bedingungen werden unmittelbar vernünftig erscheinen, sobald man sich daran erinnert, dass die eheliche Verbindung nicht allein auf gegenseitiger Zuneigung beruht und dass die sexuellen Akte nicht lediglich eine Aktivität unter den anderen sind, die das Paar vollzieht. Die sexuellen Beziehungen sind für die eheliche Liebe da. Sie sind etwas so Wichtiges, so Gutes und so Wertvolles, dass sie einen besonderen Kontext erfordern: den Kontext der ehelichen Liebe. Daher müssen nicht nur die Geschiedenen sich enthalten, die in einer neuen Verbindung leben, sondern auch all diejenigen, die nicht verheiratet sind. Für die Kirche hat das sechste Gebot – "Du sollst nicht ehebrechen" – immer jede Ausübung der menschlichen Sexualität mit umfasst, die keine eheliche ist, das heißt jede Art von sexuellen Akten außer denjenigen, die mit dem eigenen rechtmäßigen Ehegatten vollzogen werden. Es scheint, dass die Kirche, wenn sie diejenigen Gläubigen zur Kommunion zulassen würde, die sich von ihrem rechtmäßigen Ehegatten getrennt haben oder sich von ihm haben scheiden lassen und die eine neue Verbindung eingegangen sind, in der die so leben, als ob sie Mann und Frau wären, durch diese Praxis der Zulassung einen der folgenden Sätze lehren würde im Hinblick auf die Ehe, die menschliche Sexualität und das Wesen der Sakramente:
    – Eine Scheidung löst das Eheband nicht auf, und die Partner der neuen Verbindung sind nicht verheiratet. Trotzdem können Personen, die nicht verheiratet sind, unter bestimmten Bedingungen in legitimer Weise Akte sexueller Intimität vollziehen.
    – Eine Scheidung löst das Eheband auf. Personen, die nicht verheiratet sind, können nicht in legitimer Weise sexuelle Akte vollziehen. Die Geschiedenen und Wiederverheirateten sind auf legitime Weise verheiratet, und ihre sexuellen Akte sind auf erlaubte Weise eheliche Akte.
    – Eine Scheidung löst das Eheband nicht auf, und die Partner der neuen Verbindung sind nicht miteinander verheiratet. Personen, die nicht verheiratet sind, dürfen keine sexuellen Akte vollziehen. Daher leben die zivil wiederverheirateten Geschiedenen in einer Situation habitueller, öffentlicher, objektiver und schwerer Sünde. Wenn die Kirche Personen zur Eucharistie zulässt, bedeutet das jedoch nicht, dass sie auch ihren öffentlichen Lebenswandel gutheißt; der Gläubige kann auch im Bewusstsein schwerer Sünde zum eucharistischen Tisch hinzutreten. Um im Bußsakrament die Absolution zu empfangen, ist nicht immer der Vorsatz erforderlich, sein Leben zu ändern. Die Sakramente sind also vom Leben losgelöst: Die christlichen Riten und der Kult bewegen sich in einer anderen Sphäre als das christliche moralische Leben.
  61. Der zweite Zweifel betrifft die Existenz der sogenannten in sich schlechten Handlungen. Der Abschnitt Nr. 79 der Enzyklika "Veritatis splendor" vertritt die Auffassung, dass es möglich sei "die bewusste Wahl einiger Verhaltensweisen bzw. konkreter Handlungen nach ihrer Spezies […] als sittlich schlecht zu bewerten, ohne die Absicht, mit der diese Wahl vollzogen wurde, oder ohne die Gesamtheit der vorhersehbaren Folgen jener Handlungen für alle betroffenen Personen zu berücksichtigen". Die Enzyklika lehrt also, dass es Handlungen gibt, die immer schlecht sind, die durch moralische Normen verboten sind, die ohne Ausnahme verpflichten ("moralische Absoluta"). Diese moralischen Absoluta sind immer negativ, das heißt, sie sagen uns, was wir nicht tun dürfen: "Du sollst nicht töten", "Du sollst nicht ehebrechen". Lediglich negative Normen können ohne Ausnahme verpflichten. Nach "Veritatis splendor" ist im Falle in sich schlechter Handlungen keine Unterscheidung der Umstände oder der Intentionen notwendig. Das gilt auch dann, wenn ein Geheimagent aus der Frau des Terroristen, falls er mit ihr einen Ehebruch begehen würde, wertvolle Informationen herausholen könnte, um so das Vaterland zu retten. (Das klingt wie ein Beispiel aus einem James-Bond-Film, ist aber schon vom heiligen Thomas von Aquin in "De Malo", q. 15, a. 1 erörtert worden.) Johannes Paul II. vertritt die Auffassung, dass die Absicht (hier "das Vaterland retten") die Spezies der Handlung ("Ehebruch begehen") nicht verändere und dass es genüge, die Spezies der Handlung ("Ehebruch") zu kennen, um zu wissen, dass man sie nicht tun darf.
  62. Im Abschnitt 301 erinnert "Amoris laetitia" daran, dass die Kirche "im Besitz einer soliden Reflexion über die mildernden Bedingungen und Umstände" ist. Und sie schließt: "Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in einer sogenannten ‚irregulären‘ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben." In der Erklärung vom 24. Juni 2000 wollte der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte den Kanon 915 des Codex Iuris Canonici klären, der sagt: "Zur heiligen Kommunion dürfen nicht zugelassen werden […] sowie andere, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren." Die Erklärung des Päpstlichen Rates sagt, dass dieser Kanon auch auf diejenigen Gläubigen anwendbar ist, die geschieden und zivil wiederverheiratet sind. Sie stellt klar, dass die "schwere Sünde" objektiv verstanden werden muss, da ja derjenige, der die Kommunion austeilt, keine Möglichkeit hat, die subjektive Zurechenbarkeit der jeweiligen Personen zu beurteilen. Für die Erklärung betrifft also die Frage der Zulassung zu den Sakramenten das Urteil über die objektive Lebenssituation der jeweiligen Person und nicht das Urteil, dass diese Person sich im Stand der Todsünde befinde. Sie könnte nämlich subjektiv nicht vollständig verantwortlich sein, oder auch gar nicht. Auf derselben Linie liegt es, wenn der heilige Johannes Paul II. in seiner Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" (Nr. 37) daran erinnert, "dass das Urteil über den Gnadenstand nur dem Betroffenen zukommt, denn es handelt sich um ein Urteil des Gewissens". Also hat die von "Amoris laetitia" vorgetragene Unterscheidung zwischen der subjektiven Situation der Todsünde und der objektiven Situation der schweren Sünde ein solides Fundament in der Lehre der Kirche. Johannes Paul II. besteht jedoch weiterhin auch darauf: "Aber in den Fällen, in denen ein äußeres Verhalten in schwerwiegender, offenkundiger und beständiger Weise der moralischen Norm widerspricht, kommt die Kirche nicht umhin, sich in ihrer pastoralen Sorge um die rechte Ordnung der Gemeinschaft und aus Achtung vor dem Sakrament in Pflicht nehmen zu lassen." Er bestätigt also erneut die Lehre des oben erwähnten Kanons 915. Die Frage 3 der "Dubia" möchte also klären, ob es auch nach "Amoris laetitia" noch möglich ist, zu sagen, dass diejenigen Personen, die habituell im Widerspruch zum Gebot des Gesetzes Gottes leben, in einer objektiven Situation habitueller schwerer Sünde leben – auch wenn es aus gewissen Gründen nicht sicher ist, ob ihre habituelle Übertretung ihnen subjektiv zurechenbar ist.
  63. Im Abschnitt 302 betont "Amoris laetitia", dass "ein negatives Urteil über die objektive Situation kein Urteil über die Anrechenbarkeit oder die Schuldhaftigkeit der betreffenden Person" beinhalte. Die "Dubia" nehmen Bezug auf die Lehre, wie sie von Johannes Paul II. in "Veritatis splendor" formuliert worden ist: Danach verwandeln Umstände oder gute Absichten niemals eine in sich schlechte Handlung in eine entschuldbare oder auch gute. Die Frage lautet, ob "Amoris laetitia" der Aussage zustimmt, dass keine Handlung, die das Gesetz Gottes übertritt (wie Ehebruch, Diebstahl, Meineid), jemals, auch unter Berücksichtigung der Umstände, welche die persönliche Verantwortung mildern, entschuldbar oder auch gut werden kann. Sind diese Handlungen, welche die Tradition der Kirche als schwere Sünden und als in sich schlecht bezeichnet hat, weiterhin zerstörerisch und schädlich für jeden, der sie begeht, in welchem subjektiven Verantwortlichkeitsstatus er sich auch befinden mag? Oder können diese Handlungen in Abhängigkeit vom subjektiven Status der Person und von den Umständen und von den Intentionen aufhören, schädlich zu sein, und lobenswert oder wenigstens entschuldbar werden?
  64. "Amoris laetitia" sagt (in Nr. 303): Das "Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann […]". Die "Dubia" erbitten eine Klärung dieser Aussagen, da sie divergente Interpretationen zulassen. Für diejenigen, welche die Idee eines kreativen Gewissens ins Spiel bringen, können die Vorschriften von Gottes Gesetz und die Norm des individuellen Gewissens in Spannung oder auch im Gegensatz zueinander stehen, wobei das letzte Wort immer dem Gewissen zukommen solle, das die letzte Entscheidung trifft im Hinblick auf gut und böse. "Veritatis splendor" (Nr. 56) sagt: "Auf dieser Grundlage maßt man sich an, die Zulässigkeit sogenannter ‚pastoraler‘ Lösungen zu begründen, die im Gegensatz zur Lehre des Lehramtes stehen, und eine ‚kreative‘ Hermeneutik zu rechtfertigen, nach welcher das sittliche Gewissen durch ein partikulares negatives Gebot tatsächlich nicht in allen Fällen verpflichtet würde." Nach dieser Sichtweise wird es für das Gewissen niemals genügen, zu wissen: "Dies ist Ehebruch", "Dies ist Mord", um zu wissen, dass es sich um etwas handelt, was nicht getan werden darf und soll. Vielmehr solle man auch auf die Umstände und die Intentionen schauen, um zu wissen, ob diese Handlung nicht schlussendlich entschuldbar oder auch verpflichtend sein kann (vgl. Frage 4 der "Dubia"). Für diese Theorien könnte das Gewissen nämlich auf legitime Weise entscheiden, dass in einem bestimmten Fall der Wille Gottes für mich in einer Handlung besteht, mit der ich eines seiner Gebote übertrete. "Du sollst nicht ehebrechen" würde gerade noch als eine allgemeine Norm angesehen. Hier und jetzt und angesichts meiner guten Absichten wäre Ehebruch zu begehen dasjenige, was Gott wirklich von mir verlangt. So gesehen wären Fälle von tugendhaftem Ehebruch, legalem Mord und verpflichtendem Meineid mindestens vorstellbar. Das würde bedeuten, dass man das Gewissen auffassen würde als eine Instanz, autonom zu entscheiden hinsichtlich gut und böse, und das Gesetz Gottes als eine Last, die willkürlich auferlegt worden ist und die an einem gewissen Punkt zu unserem wahren Glück im Widerspruch stehen könnte. Jedoch entscheidet das Gewissen nicht über gut und böse. Die Idee einer "Gewissensentscheidung" ist irreführend. Der dem Gewissen eigene Akt ist das Urteilen und nicht das Entscheiden. Es sagt: "Das ist gut", "Das ist schlecht". Dieses Gutsein oder Schlechtsein hängt nicht von ihm ab. Es nimmt das Gutsein oder Schlechtsein einer Handlung hin und erkennt es an, und um das zu tun, das heißt um zu urteilen, braucht das Gewissen Kriterien; es ist vollständig abhängig von der Wahrheit. Die Gebote Gottes sind eine willkommene Hilfe, die dem Gewissen geschenkt ist, damit es die Wahrheit erfassen und somit wahrheitsgemäß urteilen kann. Die Gebote Gottes bringen die Wahrheit zum Ausdruck über das Gute, über unser tiefstes Sein, und erschließen etwas Entscheidendes im Hinblick darauf, wie man gut leben kann. Auch Papst Franziskus drückt sich in "Amoris laetitia" (Nr. 295) in denselben Begriffen aus: "Denn das Gesetz ist auch ein Geschenk Gottes, das den Weg anzeigt, ein Geschenk für alle ohne Ausnahme".
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