Diskussion:Walter Kasper

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"Thesen Kaspers als Theologieprofessor"

Ich habe die Passage mal auskommentiert. In der Tat fehlt in dem Artikel eine Darlegung der inhaltlichen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte von Prof. Kasper. Sicherlich gehört seine Christologie dabei in den Vordergrund. (Ich hatte das Glück und die Freude, seine Vorlesung dazu zu hören - mit großem Gewinn für mein Leben und meinen Glauben, ebenfalls die Lektüre des dazugehörenden Buches und anderer Texte von ihm).

Das jetzt Eingestellte ist jedoch lediglich eine Aneinanderreihung wahllos herausgegriffener Einzelaspekte, die zudem ohne ihren Kontext dargeboten werden. Mehrere davon befassen sich mit der exegetischen Erarbeitung christologischer Erkenntnisse aus dem Neuen Testament, wie das Lehramt sie dem theologischen Forscher vorschreibt (in Divino afflante spiritu (Wortlaut)# 37ff: "Um den heutigen Erfordernissen der Bibelwissenschaft zu entsprechen, muss deshalb der katholische Exeget bei der Auslegung der Heiligen Schrift und beim Nachweis ihrer Irrtumslosigkeit auch dieses Hilfsmittel in kluger Weise benutzen zu sehen, was die Redegattung oder literarische Art, die der heilige Schriftsteller gebraucht, für die richtige und zutreffende Erklärung bedeutet, und er soll überzeugt sein, dass er diese Seite seiner Aufgabe ohne großen Nachteil für die katholische Exegese nicht vernachlässigen darf", DaS 38 und in Dei verbum (Wortlaut) 12 u.ö.:"Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat, muss der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte. Um die Aussageabsicht der Hagiographen zu ermitteln, ist neben anderem auf die literarischen Gattungen zu achten. Denn die Wahrheit wird je anders dargelegt und ausgedrückt in Texten von in verschiedenem Sinn geschichtlicher, prophetischer oder dichterischer Art, oder in anderen Redegattungen. Weiterhin hat der Erklärer nach dem Sinn zu forschen, wie ihn aus einer gegebenen Situation heraus der Hagiograph den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend - mit Hilfe der damals üblichen literarischen Gattungen - hat ausdrücken wollen und wirklich zum Ausdruck gebracht hat. Will man richtig verstehen, was der heilige Verfasser in seiner Schrift aussagen wollte, so muß man schließlich genau auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen achten, die zur Zeit des Verfassers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren", DS 12). Dargeboten werden somit nicht dogmatische Aussagen über Jesus Christus, sondern die exegtische Hinführung zu solchen Aussagen. Das ist aber nicht der Hauptkorpus der Kasperschen Christologie.

Die Passage über die Gotteslehre (beginnend mit "Der Gott, der als unveränderliches Wesen über der Welt und der Geschichte thront, stellt eine Herausforderung an den Menschen dar.") ist völlig verkürzt und verzerrt. Sie stellt lediglich dar, welche Gottesvorstellung Kasper verwirft, aber es wird nicht gesagt, was dann bei Kasper vermutlich folgt: die positive Darlegung seiner Gotteslehre, wie Gott zutreffend gedacht werden muss. Was bedeutet es für den dreieinigen Gott, dass die zweite Person der Gottheit Mensch (wahrhaft Mensch, mit menschlicher, endlicher Geschichte) geworden ist? Wieweit beeinflusst diese geschichtliche Phase des Gottessohnes den ewigen dreifaltigen Gott? Das ist eine ungeheuer spannende Frage im Rahmen der immerwährenden Aufgabe christlicher Theologie, das "wahrer Gott und wahrer Mensch" zu denken. - Kasper argumentiert hier klassisch scholastisch: Er legt eine irrige Auffassung vor und setzt dem ("sed contra" bei Thomas) die angemessene Denk- und Redeweise entgegen. Das "sed contra" Kaspers ist aber hier weggelassen, und das verzerrt seine Theologie auf skandalöse Weise.

Schließlich ist die Überschrift "Thesen Kaspers" irreführend. Kasper, wo wie ich ihn kennen gelernt habe, hat nie in "Thesen" gesprochen, sondern immer diuskursiv sehr umsichtig seine Theologie entfaltet.--Lambert (Diskussion) 10:57, 28. Jul. 2018 (CEST)

Lieber Lambert. Dass sie das Eingestellte löschen, habe ich erwartet. Ich war jedoch gespannt auf Ihre "Begründung". Bei Ihrer früheren Löschung war der "Grund": "Meinungen eines Kirchenrechtlers sind ohne Angabe der Fundstellen bei Kasper wertlos." Jetzt sind die Fundstellen jedoch da! Wenn Sie meinen diese Positionen seien gut, wie Sie oben der Meinung sind, dann lassen Sie diese und wählen statt dem Wort Thesen "Forschungsergebnisse" oder eine ähnliche Überschrift. Bedenken Sie, alle haben ihn falsch verstanden, selbst Paul Kardinal Cordes missversteht ihn, nur sie blicken durch. ... Weitere Diskussionsbeiträge zu diesem Thema, sind von Ihrer und meiner Seite eigentlich nicht mehr nötig. MfG --Oswald (Diskussion) 11:35, 28. Jul. 2018 (CEST)
Nota bene: Ich habe nichts gelöscht.
Etliche dieser Positionen sind absolut Standard der neutestamentlichen Exegese. Die zitierten Passagen der Päpste Pius XII.und Paul VI. machen die Beachtung literarischer Gattungen und zeitgeschichtlicher Einbettung der biblischen Aussagen zur Pflicht. Das tut Kasper. Das kann nicht falsch sein, sonst wäre er nie Diözesanbischof und Kurienkardinal geworden. Und die Passage zur Gottesfrage ist, wie dargelegt, als isolierte Aussage falsch. Kasper sagt etwas anderes, aber das wird hier unterschlagen, wenn das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen wird. (Als ob man bei Thomas das sed contra wegließe; das würde seine Aussage auf den Kopf stellen. Scholastische Methode! Aber die muss man auch verstehen.)
Auch mit der Überschrift "Foschungsergebnisse" würde nichts besser, weil das gebotene Sammelsurium überhaupt nicht signifikant ist für Kaspers theologisches Werk.--Lambert (Diskussion) 11:53, 28. Jul. 2018 (CEST)
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