Diskussion:Consilium (Rat zur Ausführung der Liturgiekonstitution)

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Aus einem Manuskript Fernando Antonellis (1967)

Una Voce-Korrespondenz November/Dezember 2004 34. Jahrgang, Heft 6, Artikel: Wie Kardinal Antonelli die Liturgiereform erlebte, S. 342-359 ).

Beobachtungen bezüglich der Organisation und Vorgehensweise des „Consilium“, die nach seiner Meinung große Mängel aufweisen:
1. Man kann nicht leugnen, dass die geleistete Arbeit gewaltig ist.
2. Trotzdem stellt man das Fehlen einer Organisation der Arbeiten des „Consilium“ fest, mit der Folge, dass jede Reflexion über die zu untersuchenden Gegenstände verhindert wird. Im Gegenteil! Es heißt nur schnell, schnell! Hauptsache es wird etwas produziert. Man vermehrt die Schemata, ohne je zu einer wirklich ausgefeilten Form zu gelangen.
3. Die bei den Debatten gebräuchliche Prozedur ist sehr schlecht:
a) dem Rat gehören etwa 50 Mitglieder an. Selbst wenn nicht alle kommen, sind es ihrer stets mehr als dreißig. Es ist also sehr schwierig, eine fruchtbare Debatte mit so vielen Mitgliedern zu führen.
b) Häufig kommt es vor, dass die Schemata dem Angehörigen des Consilium erst kurz vor der Debatte ausgehändigt werden. Es ist keine Seltenheit, dass zuweilen für sehr schwerwiegende Entscheidungen, die ohne Aufschub getroffen werden müssen, ein Schema abends verteilt wird, um vom darauffolgenden Tag an diskutiert zu werden.
c) Kardinal Lercaro ist nicht der Mann, der die Eignung besitzt, Debatten dieser Art zu leiten. Was P. Bugnini betrifft, so interessiert ihn nur eines: voranzukommen und die Arbeit schnellstens zu erledigen. Das für die Abstimmungen gewählte Verfahren ist noch schlimmer. Für gewöhnlich stimmt man durch die Handhebung ab. Doch niemand zählt die Stimmen bzw. gibt für und Gegenstimmen an. Das ist eine echte Schande.
4. Des weiteren hat man, obwohl diese Frage öfter aufgeworfen wurde, nie erfahren können, welche Mehrheit für die Annahme eines Textes notwendig ist: Zweidrittel- oder absolute Mehrheit. Geheime Abstimmung wird für gewöhnlich angewandt, wenn mehrere Väter das Verlangen.
Die Stimmzettel werden dann durch Angehörige des Ratssekretariates gezählt.
5. Schließlich noch ein wichtiges Manko: Es ist nie die Rede davon gewesen, Sitzungsberichte zu verfertigen, und mit Sicherheit hat nie jemand einen solchen gelesen.“

Den Rat neu zu strukturieren wurde versucht, jedoch verfehlt. In seinem Tagbuch beschreibt Antonelli die Gesamtsituation des Jahres 1967 bezüglich des Consilium wie folgt:

1. Es herrscht Verwirrung. Niemand hat mehr den Sinn für sakralen und obligatorischen Charakter der liturgischen Gesetzgebung. Die ständigen, ungenauen und bisweilen am wenigsten logischen Änderungen sowie das nach meinem Empfinden beklagenswerte System der Experimente haben die Deiche brechen lassen, und jedermann handelt mehr oder weniger nach seinem Gutdünken.
2. Man spürt viel Überdruss. Man ist der beständigen Reformen müde, und alle möchten mit den Arbeiten fertig werden.
3. Die Konservativen gewinnen wieder an Schwungkraft. Die Bischofssynode [1967] ist für das „Consilium“ kein Erfolg gewesen.
4. Der Prozess der Entsakralisierung – nunmehr „Säkularisierung“ genannt – geht in den (theologischen) Studien weiter.
5. Diese Tatsachen belegen, dass die liturgische Frage, nachdem sie einen starken Einfluss auf die schnelle Evolution der Mentalitäten ausgeübt hat, sich nunmehr ihrerseits in eine viel umfassendere Problematik eingefügt, die in Wirklichkeit die Lehre betrifft.

P. Fernando Antonelli, Nota sulla riforma liturgica 1968-1971

Aus: „Bemerkungen über die Liturgiereform 1968-1971“

„Vorgestern am 23. Juli 1968, schilderte ich in einer Unterredung mit Msgr. Giovanni Benelli, Substitut im Staatssekretariat, meine Sorgen bezüglich der Liturgiereform, die immer chaotischer und abwegiger wird. Insbesondere machte ich folgende Anmerkungen:
1. Das liturgische Gesetz, das bis zum Konzil eine heilige Sache war, existiert für viele nicht mehr. Jeder betrachtet sich als für bevollmächtigt, das zu tun, was er will, und viele junge Leute handeln dementsprechend.
2. Vor allem die Messe ist der wunde Punkt. Die Hausmessen für kleine Gruppen sind im Begriff, sich zu verbreiten. Sie sind mit gemeinschaftlich eingenommenen Mahlzeiten verbunden. Das nennt man dann Abendmahl.
3. Die Aktion, die auf die Zerstörung der Beichte abzielt, hat nunmehr begonnen.
4. Ich wies darauf hin, dass ein Teil der Ursächlichkeit dem Vorgehen zuzuschreiben ist, das in der Durchführung von Experimenten besteht. Zugegeben, der Papst hat dem Consilium die Möglichkeit eingeräumt, Experimente zuzulassen. Das „Consilium“ jedoch benutzt diese Vollmacht im weitest möglichen Umfang (...).
5. Innerhalb des „Consilium“ haben nur wenige Bischöfe eine spezifische liturgische Ausbildung genossen. Und nur ganz wenige unter ihnen sind echte Theologen. Das schlimmste Versagen innerhalb des ganzen „Consilium“ ist das der Theologen. Man ist versucht zu sagen, sie seien von ihm [d.h. aus dem „Consilium“] ausgeschlossen gewesen. Und das ist gefährlich. In der Liturgie vermittelt jedes Wort, jede Gebärde eine Vorstellung, und zwar eine theologische Vorstellung. Da derzeit die gesamte Theologie Gegenstand ständiger Debatten ist, beeinflussen die allgemein verbreitetesten Theorien, die unter den fortschrittlichsten Theologen geläufig sind, die Formulierungen und Riten.
Als schwerwiegende Konsequenz daraus beginnt die theologische Diskussion, die bei den Gebildeten auf einem hohem Niveau verläuft, sich sehr rasch im Volk zu verbreiten, sobald sie die Ebene der Formulierungen und Riten erreicht ... .“

Aus: P. Fernando Antonelli, Nota sulla riforma liturgica 1968-1971

“Traurig (...) ist eine Grundgegebenheit, eine geistige Einstellung, eine festgefahrene Position, die darin besteht, dass viele von denen, die einen Einfluss im Rahmen der Reform ausüben (...), wie auch andere, keine Liebe, keine Verehrung für das empfinden, was uns überliefert worden ist.
Es ist eine negative, ungerechte und schädliche Mentalität. Leider steht auch Papst Paul VI. ein wenig auf dieser Seite. Zwar mögen sie alle die besten Absichten hegen, doch mit einer solchen Mentalität neigen sie dazu, zu zerstören statt zu restaurieren.“

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