Die Priesterkleidung-ein Zeugnis

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Brief

unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
an den Generalvikar der Diözese Rom, Kardinal Ugo Poletti
über: Die Priesterkleidung - ein Zeugnis

8. September 1982
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Die Sorge um die geliebte Diözese Rom stellt mir zahlreiche Probleme zur Entscheidung, unter denen dasjenige der Beobachtung der Regeln für die Priesterkleidung wegen der daraus folgenden pastoralen Konsequenzen besondere Beachtung zu verdienen scheint. Mehrmals habe ich bei den Begegnungen mit den Priestern meine diesbezüglichen Gedanken zum Ausdruck gebracht, wobei ich auf den Wert und die Bedeutung dieses Unterscheidungszeichens hinwies, und das nicht nur weil es zur Würde des Priesters in seinem Äußeren beiträgt, sondern vor allem weil es innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft das öffentliche Zeugnis betont, das jeder Priester von seiner Identität und besonderen Zugehörigkeit zu Gott geben muß. Und weil dieses Zeugnis konkret zum Ausdruck bringt, daß wir nicht von der Welt sind (vgl. Joh 17, 14), habe ich mich in dem für den Gründonnerstag dieses Jahres verfaßten Gebet unter Anspielung auf die Priesterkleidung mit folgender Anrufung an den Herrn gewandt: „Laß uns deinen Geist nicht beleidigen . . . mit der Absicht, das eigene Priestertum vor den Menschen zu verbergen und jedes äußere Kennzeichen zu meiden" (AAS 74, 1982, 526; in: O. R. dt., Nr. 15—16 vom 9. April 1982, S. 4).

Wir sind von Christus ausgesandt, das Evangelium zu verkünden, und haben eine Botschaft zu vermitteln, die sowohl in den Worten als auch in den äußeren Zeichen zum Ausdruck kommt, vor allem in der heutigen Welt, die so empfänglich für die Sprache der Bilder und Zeichen ist. Dem Priester- und Ordenskleid kommt eine besondere Bedeutung zu: für den Weltpriester hat es in erster Linie den Charakter eines Zeichens, das ihn von der weltlichen Umgebung, in der er lebt, unterscheidet; für den Ordensmann und die Ordensfrau drückt es auch den Charakter des Gottgeweihtseins aus und macht das eschatologische Ziel des Ordenslebens deutlich. Die Kleidung nützt daher den Zielen der Glaubensverkündigung und gibt Anlaß zum Nachdenken über die Wirklichkeiten, die wir in der Welt vertreten, und dem Primat der geistlichen Werte, den wir im Dasein des Menschen geltend machen. Mit Hilfe dieses Zeichens wird es den anderen erleichtert, sich dem Geheimnis zu nähern, dessen Träger wir sind, und den zu erreichen, dem wir angehören und den wir mit unserem ganzen Sein verkündigen wollen.

Ich weiß sehr wohl um die Gründe geschichtlicher, umweltbedingter, psychologischer und sozialer Art, die dagegen angeführt werden können. Ich könnte jedoch sagen, daß Gründe der gleichen Art dafür sprechen. Ich muß aber vor allem darauf hinweisen, daß Gründe oder Vorwände, die dagegen angeführt werden, wenn man sie objektiv und gelassen dem religiösen Bewußtsein und den Erwartungen der Mehrheit des Gottesvolkes und der positiven Frucht des mutigen Zeugnisses, auch in der Form der Kleidung, gegenübersteht, viel mehr von rein menschlicher als von kirchlicher Denkart bestimmt scheinen. In der modernen verweltlichten Großstadt, wo der Sinn für das Heilige in so erschreckender Weise abnimmt, brauchen die Menschen auch diese Hinweise auf Gott, die man nicht übergehen kann, ohne zu einer gewissen Verarmung unseres priesterlichen Dienstamtes zu kommen.

Aufgrund dieser Überlegungen halte ich es als Bischof von Rom für meine Pflicht, mich an Sie, Herr Kardinal, zu wenden, der aus nächster Nähe meine Sorgen bei der Leitung meiner Diözese teilt, damit Sie nach Vereinbarung mit den Kongregationen für den Klerus, für die Ordensleute und Säkularinstitute und für das katholische Bildungswesen nach geeigneten Initiativen suchen, die den Gebrauch des Priester- und Ordenskleides fördern, indem Sie die diesbezüglich notwendigen Verfügungen treffen und für ihre Einhaltung sorgen.

Indem ich auf Sie, Herr Kardinal, und auf die ganze Diözese Rom die allmächtige Hilfe des Herrn durch die Fürsprache der seligsten Jungfrau Maria, der Gnadenmutter „Salus Populi Romani", herabrufe, erteile ich von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, dem 8. September 1982,
Johannes Paul II. PP.
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