Der Priester, Diener der Göttlichen Barmherzigkeit

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Der Priester, Diener der göttlichen Barmherzigkeit

Kongregation für den Klerus
im Pontifikat von Papst
Benedikt XVI.
Arbeitshilfe für Beichtväter und Geistliche Begleiter
9. März 2011

(Quelle: Der Text bei www.clerus.org)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

GELEITWORT

»Es ist notwendig, in den Beichtstuhl zurückzukehren als den Ort, an dem man das Sakrament der Versöhnung feiert, aber auch als den Ort, an dem man öfter »wohnt«, damit der Gläubige Barmherzigkeit, Rat und Trost finden, sich von Gott geliebt und verstanden fühlen und die Gegenwart der göttlichen Barmherzigkeit erfahren kann, neben der Realpräsenz in der Eucharistie«.[1]

Mit diesen Worten hat sich Papst Benedikt XVI. im Priester-Jahr an die Beichtväter gewandt und allen ohne Ausnahme die Bedeutung und daher die hiermit verbundene apostolische Dringlichkeit vor Augen geführt, das Versöhnungssakrament neu zu entdecken, sei es indem man selbst beichtet oder indem man die Beichte abnimmt. Neben der täglichen Eucharistiefeier ist die Bereitschaft, Beichtwillige aufzunehmen, ihnen die sakramentale Beichte zu spenden und, wo dies verlangt wird, zur geistlichen Begleitung zur Verfügung zu stehen, unverkennbarer Maßstab für die pastorale Fürsorge eines Priesters. Auf diese Weise gibt er Zeugnis davon, dass er sich die eigene, vom Weihesakrament her bestimmte und niemals auf bloße Amtsfunktionen zu beschränkende Identität freudig und bewusst aneignet.

Der Priester ist Diener der göttlichen Barmherzigkeit, das heißt deren Knecht und zugleich deren kluger Verwalter. Ihm ist die große Verantwortung, » Sünden zu vergeben oder zu behalten « anvertraut (vgl. Joh 20,23); ihm ist es zu verdanken, dass die Gläubigen im Heute der Kirche durch die Kraft des Heiligen Geistes, der Herr ist und lebendig macht, die freudige Erfahrung des verlorenen Sohnes machen dürfen, – jenes Sohnes, der nur aus eigenem Interesse und als Sklave zum Haus des Vaters zurückkehrend, Aufnahme findet und in seiner Sohneswürde wiedereingesetzt wird.

Wo immer ein Priester sich zur Abnahme der Beichte bereithält, kommt früher oder später auch ein Beichtender an; und dort, wo der Beichtvater seine Aufnahmebereitschaft in standhafter Geduld beharrlich beweist, stellen sich viele Beichtende ein!

Die Wiederentdeckung des Versöhnungssakramentes, sowohl in der Spendung als auch in der eigenen Aufsuche desselben, ist ein Maßstab für den authentischen Glauben an das Heilshandeln Gottes, das sich in der Kraft der Gnade wirksamer erweist als in menschlichem Organisierungstalent und in pastoralen Initiativen, die vielleicht am Wesentlichen vorbeigehen.

Um uns den Aufruf des Heiligen Vaters ganz zueigen zu machen und seine Absicht in die Tat umzusetzen, möchten wir mit der vorliegenden Arbeitshilfe, die ein weiteres Ergebnis des Priester-Jahres darstellt, ein nützliches Werkzeug für die Fortbildung des Klerus anbieten und damit helfen, den unverzichtbaren Wert der Feier des Versöhnungssakramentes und der Praxis der geistlichen Begleitung wieder zu entdecken.

Die Neu-Evangelisierung und die dauernde Erneuerung der Kirche (semper reformanda) beziehen ihre Vitalität auf dynamische Weise vom wahren Fortschritt, den jedes einzelne Mitglied in der eigenen Heiligung macht; diese Heiligung ist Anforderung, Bedingung und Voraussetzung für jede apostolische Wirksamkeit sowie für die erwünschte Reform im Klerus.

Jeder Priester ist aufgefordert, durch das großzügige Angebot der sakramentalen Feier der göttlichen Barmherzigkeit beständig zu erfahren, wie einzigartig und unersetzlich der ihm anvertraute Dienst ist; diese Erfahrung wird dazu beitragen, » Identitätsverschiebungen «, die nicht selten das Leben von Priestern kennzeichnen, zu vermeiden. Sie wird das dankbare Staunen fördern, das notwendigerweise die Herzen jener erfüllt, die ohne eigenen Verdienst von Gott dazu berufen wurden, in der Kirche das eucharistische Brot zu brechen und den Menschen Vergebung zu spenden.

Mit diesen Gedanken und Wünschen vertrauen wir die Verbreitung der vorliegenden Arbeitshilfe und die Früchte, die sie hervorbringen soll, der seligen Jungfrau Maria, der Zuflucht der Sünder und Mutter der göttlichen Gnade, an.

Vatikanstadt, 9. März 2011

Aschermittwoch
MAURO Card. PIACENZA
Präfekt
✠ CELSO MORGA IRUZUBIETA
Titularerzbischof von Alba marittima

Sekretär


EINLEITUNG: AUF DEM WEG ZUR HEILIGKEIT

1. »Zu aller Zeit und in jedem Volk ruht Gottes Wohlgefallen auf jedem, der ihn fürchtet und gerecht handelt (vgl. Apg. 10,35). Gott hat es aber gefallen, die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung, zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen, das ihn in Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen soll «.[2] Es ist der Wille Gottes, dass wir uns auf dem Weg zur Heiligkeit, auf den wir vom Herr berufen worden sind (vgl. Mt 5,48; Eph 1,4), gegenseitig helfen, indem wir in Christus eine Mittlerfunktion übernehmen, um unseren Mitmenschen seine ewige Liebe nahe zu bringen. Innerhalb dieser Perspektive der Liebe finden die Feier des Bußsakramentes und die Praxis der geistlichen Begleitung, Thema dieses Dokuments, ihren Platz.

In diesem Zusammenhang verdienen einige Worte Benedikts XVI. unsere Aufmerksamkeit: »In dieser unserer Zeit stellt im Bereich der Seelsorge die rechte Ausbildung des Gewissens der Gläubigen auf jeden Fall eine Priorität dar «; und der Papst fügt hinzu: » Zur Gewissensbildung trägt auch die »geistliche Leitung« bei. Heute besteht in Dingen, die den Geist angehen, größerer Bedarf denn je an weisen und heiligmäßigen »Meistern«: es handelt sich um einen wichtigen kirchlichen Dienst, für den es eines inneren Lebens bedarf, das ein Geschenk des Heiligen Geistes ist, welches intensiv und beharrlich erbeten und durch eine spezifische Vorbereitung sorgfältig erarbeitet werden muss. Jeder Priester ist außerdem dazu berufen, die göttliche Barmherzigkeit im Bußsakrament auszuspenden, indem er nämlich in Christi Namen Sünden vergibt und dem Beichtenden dabei hilft, den anspruchsvollen Weg der Heiligkeit mit ehrlichem und aufgeklärtem Gewissen zu gehen. Um diesen unersetzlichen Dienst leisten zu können, muss jeder Priester das eigene geistliche Leben pflegen und sich im Bereich der Theologie und der Pastoral dauernd auf dem Laufenden halten «.[3] In diesem Sinne bieten wir den Priestern als Dienern der göttlichen Barmherzigkeit die vorliegende Arbeitshilfe an.

Das Jahr, in dem wir unsere Aufmerksamkeit der Gestalt des heiligen Pfarrers von Ars, dessen 150. Todestag begangen wurde (1859-2009), widmeten, hat vor allem im Leben und im Dienst der Priester seine Spuren hinterlassen. Es trug dazu bei, » das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern «.[4]

Diese innere Erneuerung der Priester sollte sich auf ihr gesamtes Leben und Tun, in allen Bereichen auf ihr Denken, ihre Motivation und ihr konkretes Verhalten auswirken. Die Gegenwart verlangt von uns, Zeugnis abzulegen. Sie fordert dazu heraus, die priesterliche Identität mit Freude und Hoffnung zu leben.

2. Der sakramentale Dienst der Versöhnung und die geistliche Begleitung oder Leitung bewirken sowohl im Geber als auch im Empfänger eine Rückbesinnung auf den geistlichen und apostolischen Weg, eine österliche Heimkehr zum Vater und zu seinem Ratschluss der Liebe für »eine umfassende Entwicklung des ganzen Menschen und der ganzen Menschheit«.[5] Es geht darum, selbst und im Dienst an den Mitmenschen den Weg der persönlichen Beziehung zu Gott und zu den Menschen wieder neu zu beschreiten, den Weg der Kontemplation, der Vollkommenheit, der Gemeinschaft und der Sendung.

Wer zum regelmäßigen Empfang des Sakraments der Versöhnung und zur Ausschöpfung dessen lebendiger Kraft sowie zur geistlichen LeitungoderBegleitungermutigt,lebtinauthentischererWeisedas»Seid fröhlich in der Hoffnung« (Röm 12,12), und kann so dazu beitragen, dass das menschliche Leben als Ganzes wertgeschätzt und geachtet, die Familie neu entdeckt wird, junge Menschen Orientierung finden, neue Berufungen entstehen und der Wert des gelebten Priestertums sowie die Gemeinschaft in Kirche und Welt neu zur Geltung kommen.

3. Der dringende Ruf nach einem mit der geistlichen Leitung einhergehenden Dienst der Versöhnung hat in der Liebe seinen Ursprung: » Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde.« (2 Kor 5,14-15). Dies setzt eine besondere Hingabe voraus, damit die Jünger Christi tatsächlich »nicht mehr sich selbst leben « (ebd.), sondern sich aus der Liebe und der Wahrheit heraus verwirklichen.

Die gesamte pastorale Arbeit des hl. Apostels Paulus, deren Mühen mit Geburtswehen verglichen werden, kann als nachhaltiges Bestreben dargestellt werden, damit in allen Gläubigen » Christus Gestalt annimmt « (vgl. Gal 4,19), » um dadurch alle in der Gemeinschaft mit Christus vollkommen zu machen « (Kol 1,28) – ohne Ausnahmen und ohne Grenzen.

4. Der Dienst der Versöhnung und der Dienst der geistlichen Begleitung oder Leitung versteht sich im Zusammenhang mit der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit, »zur vollkommenen Liebe« als Fülle christlichen Lebens.[6] Die in der authentischen priesterlichen Identität begründete pastorale Liebe muss den Priester dazu veranlassen, sein ganzes Wirken auf jene Heiligkeit auszurichten, die seinen Dienst in der Verkündigung, in der Liturgie und in der diakonischen Liebe zu einem harmonischen Ganzen macht.[7]

Ein wesentlicher Teil des priesterlichen Dienstes besteht darin, allen Getauften den Weg zur Vollkommenheit in der Liebe aufzuzeigen.

5. Der Priester als Verwalter der österlichen Geheimnisse, die er verkündigt und feiert, ist dazu berufen, als Werkzeug Christi Beichtvater und geistlicher Begleiter zu sein, indem er auch von seiner eigenen Erfahrung ausgeht. Wie er Spender des Sakraments der Versöhnung und geistlicher Begleiter ist, so ist er auch gleichzeitig Nutznießer dieser beiden Heilsmittel, was seiner eigenen geistlichen und apostolischen Erneuerung zugutekommt.

6. Mit der vorliegenden Arbeitshilfe sollen einfache, praktisch nachvollziehbare, Hoffnung spendende Beispiele und Modelle aufgezeigt werden, wobei anhand der Quellenangaben zu den Zitaten die Möglichkeit gegeben wird, entsprechende kirchliche Dokumente einzusehen. Das Werk möchte keine Kasuistik betreiben, sondern ein ermutigender Ratgeber sein, der auf den heutigen Stand gebracht ist.

I. DER DIENST DER BUßE UND DER VERSÖHNUNG IM HINBLICK AUF DIE CHRISTLICHE HEILIGUNG

1. Seine heutige Bedeutung, ein Moment der Gnade

Eine nachdrückliche Einladung

7. Zu Beginn des dritten Jahrtausends schrieb Johannes Paul II.: »Sodann bitte ich um einen neuen pastoralen Mut, damit die tägliche Pädagogik der christlichen Gemeinden überzeugend und wirksam die Praxis des Sakramentes der Versöhnung vorzulegen vermag«.[8] Später äußerte dieser Papst seinen Wunsch, »für eine rasche Erneuerung des Sakramentes der Versöhnung zu sorgen.« Dies sei »auch eine Forderung echter Nächstenliebe und wahrer pastoraler Gerechtigkeit«; so wies er darauf hin, dass »jeder Gläubige, der die geforderte innere Disposition mitbringt, das Recht hat, persönlich die Gabe dieses Sakramentes zu empfangen «.[9]

8. Die Kirche ist nicht nur Verkünderin von Umkehr und Vergebung, sondern ist selbst Zeichen für die Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen. Die Feier des Bußsakraments steht im Zusammenhang mit dem gesamten Leben der Kirche, vor allem mit dem Ostergeheimnis, das in der Eucharistie gefeiert wird; sie ist ein Zeichen einer gelebten Taufe und Firmung und entspricht den Anforderungen des Liebesgebots. Sie ist eine frohe Feier der Liebe Gottes, der sich selbst verschenkt und unsere Sünde vernichtet, wenn wir sie demütig bekennen.

Die Fortsetzung des Auftrags Christi in der Kirche

9. Der kirchliche Auftrag besteht in einem harmonischen Ganzen aus Verkündigung, Gottesdienst und Versöhnungsdienst, vor allem in der Feier des Bußsakraments, Frucht und Geschenk der Auferstehung Christi, der in seiner Kirche gegenwärtig ist. » Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert « (Joh 20,22-23).

Die Freude über die Vergebung macht uns dankbar und lässt uns großzügig auf dem Weg der Heiligung und Sendung voranschreiten. Wer Vergebung erfahren hat, möchte auch anderen die Begegnung mit Jesus Christus, dem Guten Hirten, ermöglichen. So werden die Spender dieses Sakraments, die selbst erfahren, wie schön diese sakramentale Begegnung ist, bereitwilliger, diesen demütigen und schweren Dienst, geduldig und mit Freude zu versehen.

10. Wenn der Empfang des Sakraments der Versöhnung mit Freude und vertrauensvoller Hingabe gepflegt wird, ist dies ein Anzeichen dafür, in welchem Grad das Evangelium im einzelnen Gläubigen und in einer Gemeinde Fuß gefasst hat. »Die Übung der sakramentalen Beichte ist somit durch ihren Zusammenhang mit der Gemeinschaft der Heiligen, die in verschiedener Weise zur Annäherung der Menschen an Christus beiträgt, ein Akt des Glaubens an das Geheimnis der Erlösung und ihrer Verwirklichung in der Kirche«.[10]

Im Sakrament der Buße, das aus dem Erlöserblut des Herrn hervorgegangen ist, wird Christus erfahrbar: » Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt « (Röm 4,25). Daher kann der heilige Paulus bezeugen: » Das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat « (2 Kor 5,18).

11. Die Versöhnung mit Gott ist untrennbar verbunden mit der Versöhnung untereinander (vgl. Mt 5,24-25). Diese Versöhnung ist nicht möglich, ohne dass das eigene Herz in gewisser Weise gereinigt wird. Alle Versöhnung geht jedoch von Gott aus, »der dir all deine Schuld vergibt « (Ps 103,3). Durch die Erfahrung der Vergebung Gottes lernt das Menschenherz, selbst zu vergeben und sich mit den Mitmenschen auszusöhnen.

Offen werden für Liebe und Versöhnung

12. Christus ruft zu einer stets wachsenden Treue in der Liebe und daher zu einem tiefen Wandel auf (vgl. Offb 2,16), damit wir »untereinander so gesinnt sind, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht« (Phil 2,5). Die bei Bedarf auch gemeinsame Feier des Versöhnungssakraments verbunden mit der persönlichen Beichte hilft sehr dabei, die kirchliche Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen zu leben.

13. Man richtet sich auf die vollkommene Versöhnung, wie sie im »Vater unser«, in den Seligpreisungen und im Liebesgebot zum Ausdruck kommt, aus. Man beschreitet den Weg der Reinigung von der Sünde und der Gleichgestaltung mit Christus.

Dieser Weg der Umkehr war und ist außerordentlich wichtig für den Aufbau jeder Gesellschaft. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass es lebendige Gemeinschaft geben kann. »Die Weisheit der Kirche hat stets vorgeschlagen, die Erbsünde auch bei der Interpretation der sozialen Gegebenheiten und beim Aufbau der Gesellschaft zu beachten: „ Zu übersehen, dass der Mensch eine verwundete, zum Bösen geneigte Natur hat, führt zu schlimmen Irrtümern im Bereich der Erziehung, der Politik, des gesellschaftlichen Handelns und der Sittlichkeit”«.[11]

Zeugnis und Hingabe der Hirten

14. In der Geschichte der Kirche hat es immer Priester gegeben, die vorbildliche Beichtväter oder geistliche Begleiter waren. Das Apostolische Schreiben Reconciliatio et Paenitentia (1984) erinnert an Johannes Nepomuk, Johannes Maria Vianney, Josef Cafasso und Leopold von Castelnuovo. In seiner Ansprache an die Pönitentiare der Römischen Basiliken und die Prälaten und Offiziale der Apostolischen Pönitentiarie,[12] nennt Benedikt XVI. außerdem Pater Pio von Pietrelcina.

Johannes Paul II. schreibt im Hinblick auf diese Priester: »Ich möchte aber auch jene unzählbare Schar heiliger und fast stets unbekannter Beichtväter ehrend erwähnen, denen so viele Seelen ihr Heil verdanken. Sie haben diesen beigestanden bei ihrer Bekehrung, in ihrem Kampf gegen Sünde und Versuchung, in ihrem geistlichen Fortschritt und in ihrer gesamten Heiligung. Ich zögere nicht zu sagen, dass auch die großen Heiligen allgemein aus jenen Beichtstühlen hervorgegangen sind; und mit den Heiligen auch das geistige Erbe der Kirche und die Blüte einer Kultur, die von christlichem Geist durchdrungen ist! Ehre gebührt also dieser stillen Schar unserer Mitbrüder, die ‚Tag für Tag durch den Dienst der sakramentalen Buße für die Sache der Versöhnung gewirkt haben und weiterhin wirken!«.[13]

15. Man kann heute in vielen Kirchen, insbesondere in den Basiliken, Kathedralen, Wallfahrtsorten und in einigen zentral gelegenen Kirchen in Großstädten feststellen, dass die Gläubigen die regelmäßig angebotenen Beichtgelegenheiten gerne wahrnehmen. » Im Sakrament der Buße versöhnen sie die Sünder mit Gott und der Kirche «.[14] Somit bietet das Bußsakrament den Priestern die Möglichkeit an, den Gläubigen geistliche Leitung zu erteilen oder ihnen als Begleiter zur Seite zu stehen.

16. Die priesterlichen munera sind durch ein enges Band untereinander verbunden, was dem geistlichen Wohl der Gläubigen zugutekommt. » Die Priester sind in der Kirche und für die Kirche eine sakramentale Vergegenwärtigung Jesu Christi, des Hauptes und Hirten; sie verkünden mit Vollmacht sein Wort, sie wiederholen sein vergebendes Wirken und sein umfassendes Heilsangebot, vor allem durch die Taufe, die Buße und die Eucharistie, sie sorgen wie er liebevoll bis zur völligen Selbsthingabe für die Herde, die sie in der Einheit sammeln und durch Christus im Geist zum Vater führen«.[15]

17. Gerade im apostolischen Schreiben Pastores dabo vobis werden daher die Geistlichen aufgefordert, die Praxis der sakramentalen Versöhnung zur Wahrung ihres geistlichen Lebens selbst zu pflegen: » Ein eigenes Wort möchte ich dem Bußsakrament vorbehalten, dessen Verwalter und Spender die Priester sind; doch sollen sie auch Empfänger dieses Sakramentes sein und so zu Zeugen von Gottes Mitleid mit den Sündern werden. Das geistliche Leben und das pastorale Wirken des Priesters wie auch der Laien und Ordensleute, die seine Geschwister sind, hängen vom häufigen und bewussten Empfang des Bußsakramentes ab. Ich wiederhole, was ich in dem Apostolischen Schreiben Reconciliatio et paenitentia geschrieben habe: „ Die Feier der Eucharistie und der Dienst der anderen Sakramente, der pastorale Eifer, die Beziehung zu den Gläubigen, die Verbundenheit mit den Mitbrüdern, die Zusammenarbeit mit dem Bischof, das Gebetsleben, ja die ganze priesterliche Existenz würden unweigerlich schweren Schaden nehmen, wenn man es aus Nachlässigkeit oder anderen Gründen unterließe, regelmäßig und mit echtem Glauben und tiefer Frömmigkeit das Bußsakrament zu empfangen. Wenn ein Priester nicht mehr zur Beichte geht oder nicht gut beichtet, so schlägt sich das sehr schnell in seinem priesterlichen Leben und Wirken nieder, und auch die Gemeinde, deren Hirte er ist, wird dessen bald gewahr ” «.[16] Wenn ich aber, wie Benedikt XVI. schreibt, dafür dankbar bin, dass Gott mir stets vergibt, » lerne ich auch, indem ich mir vergeben lasse, den anderen zu vergeben «.[17]

18. Apostolische Früchte haben ihren Ursprung in der Barmherzigkeit Gottes. Daher sind pastorale Pläne wenig effektiv, wenn sie der Praxis des Bußsakraments zu wenig Wert beimessen: »diesem Sakrament der Kirche, Quelle der Versöhnung, des Friedens und der Freude für uns alle, die wir das Erbarmen des Herrn und die Heilung der Wunden der Sünde nötig haben, [muss] die höchste pastorale Sorge gelten... Der Bischof soll es daher nicht versäumen, alle, denen von Amts wegen die Seelsorge aufgetragen ist, an ihre Pflicht zu erinnern, den Gläubigen die Gelegenheit zu bieten, zu einer persönlichen Beichte zu kommen. Er soll auch nachprüfen lassen, ob den Gläubigen tatsächlich größtmögliche Erleichterungen gewährt werden, um beichten zu können. In Anbetracht der im Lichte der Tradition und des Lehramtes der Kirche bestehenden engen Verbindung zwischen dem Sakrament der Versöhnung und der Teilnahme an der Eucharistie ist es heute immer dringender geboten, das Gewissen der Gläubigen dahingehend zu bilden, dass sie auf würdige und fruchtbringende Weise am eucharistischen Mahl teilnehmen, indem sie es im Zustand der Gnade empfangen «.[18]

Das Vorbild des heiligen Pfarrers von Ars

19. Das Vorbild des heiligen Pfarrers von Ars ist sehr aktuell. Er lebte in einer schwierigen Zeit, die von Krieg, Verfolgung und von der Verbreitung von materialistischem bzw. verweltlichtem Ideengut gekennzeichnet war. Bei seiner Ankunft in der Pfarrei wurde das Beichtsakrament dort recht wenig gepflegt. In den letzten Jahren seines Lebens jedoch kamen unzählige Menschen in seinen Beichtstuhl – auch aus anderen Diözesen. Für den Pfarrer von Ars war der Dienst der Versöhnung » sozusagen sein tägliches Martyrium «, mit dem » er unermesslichen Segen gestiftet« hat. Angesichts der Sündhaftigkeit sagte er: »Was da zu tun ist, weiss ich nicht ... Man kann nur weinen und beten «. » Er lebte nur für die „ armen Sünder ”, wie er sie nannte, weil er von der Hoffnung beseelt war, sie würden sich bekehren und ihre Sünden bereuen «.[19] Wer im christlichen Leben Fortschritte machen will, dem bietet sich die regelmäßige Beichte auch der lässlichen Sünden an – eine Praxis, die von der Kirche stets empfohlen wird.[20]

20. »Ohne jeden Zweifel hat gerade sein unermüdlicher Dienst am Bußsakrament das hauptsächliche Charisma des Pfarrers von Ars offenbart und zu Recht seinen Ruf begründet. Es ist gut, dass ein solches Beispiel uns heute dazu drängt, dem Dienst an der Versöhnung seine volle Bedeutung zurückzugeben, die ihm zukommt...« erinnert Johannes Paul II. in seinem im Jahre 1986 zum 200. Geburtstag des Pfarrers von Ars an die Priester gerichteten Gründonnerstagsschreiben. » Nun, gerade dort, wo sich eine große Zahl aus vielfältigen Gründen vom Bußsakrament fernhält, ist damit ein Zeichen gegeben, dass man dringend eine Gesamtpastoral des Sakramentes der Versöhnung entwickeln muss; unablässig muss man dahin wirken, dass die Christen die Erfordernisse einer ehrlichen Beziehung zu Gott wiederentdecken, ebenfalls das Bewusstsein von Sünde, bei der man sich dem göttlichen wie dem menschlichen Gegenüber verschließt, ferner die Notwendigkeit, sich zu bekehren und durch die Kirche die Vergebung als unverdientes Geschenk Gottes zu empfangen, und schliesslich auch die Bedingungen, die es ermöglichen, das Sakrament gut zu feiern, indem man die hierbei bestehenden Vorurteile, falschen Ängste und die Routine hinter sich lässt. Eine solche Lage erfordert zugleich, dass wir uns für diesen Dienst der Vergebung voll zur Verfügung stellen, stets bereit, die notwendige Zeit und Sorgfalt dafür einzusetzen und – so möchte ich sagen – diesem Dienst die Priorität vor anderen Aktivitäten zu geben. Die Gläubigen werden so verstehen, welchen Wert wir – wie der Pfarrer von Ars – dieser Aufgabe beimessen «.[21]

Der Dienst der Barmherzigkeit

21. Wenn der Dienst der Versöhnung mit großer Bereitwilligkeit geleistet wird, trägt er dazu bei, die Bedeutung der Liebe Gottes tiefer zu erfassen und Sünde und Unvollkommenheit wieder als etwas zu begreifen, was der echten Liebe hinderlich ist. Wenn das Sündenbewusstsein verloren geht, wird das innere Gleichgewicht der Seele gestört und es entstehen Widersprüche und Konflikte unter den Menschen. Nur der Friede einer Seele, die mit sich selbst im Reinen ist, kann Krieg und Spannungen lösen. »In Wahrheit hängen die Störungen des Gleichgewichts, an denen die moderne Welt leidet, mit jener tiefer liegenden Störung des Gleichgewichts zusammen, die im Herzen des Menschen ihren Ursprung hat. Denn im Menschen selbst sind viele widersprüchliche Elemente gegeben«.[22]

22. Ein solcher authentisch gelebter Dienst der Versöhnung weckt die Bereitschaft, im Einklang mit der Gesinnung des Herzens Christi zu leben. Dies ist eine pastorale »Priorität«, da es ein Ausdruck der Liebe des Guten Hirten ist, ein Ausdruck »seiner Liebe zum Vater im Heiligen Geist, seiner Liebe zu den Menschen bis zur Aufopferung seines Lebens «.[23] Um die Umkehr zum liebenden Gott zu erzielen, muss man dazu einladen, die eigene Schuld anzuerkennen, in dem Bewusstsein, dass: »Gott... größer [ist] als unser Herz« (1 Joh 3,20). Daraus entsteht die österliche Freude der Bekehrung, von der Heilige und Missionare aller Zeiten erfüllt waren.

23. Diese Aktualität des Bußsakraments zeigt sich auch in der Wirklichkeit der pilgernden Kirche: »Sie ist zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig, sie geht immerfort den Weg der Buße und Erneuerung «.[24] Deswegen schaut die Kirche auf Maria, denn sie » leuchtet... auch hier auf Erden in der Zwischenzeit bis zur Ankunft des Tages des Herrn (vgl. 2 Petr 3,10) als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran «.[25]

2. Grundlagen

Natur und Wesen des Bußsakraments

24. Das Sakrament der Versöhnung ist ein wirksames Zeichen der Gegenwart, des Wortes und des Heilswirkens Christi, des Erlösers. Der Herr selbst spricht durch den Priester sein Wort der Vergebung zu, und wandelt und hebt gleichzeitig die Gesinnung des Beichtenden, der sich als Sünder erkennt und die Vergebung sucht, mit dem Vorsatz der Wiedergutmachung und der Besserung. Wie der Verlorene Sohn bei seiner Begegnung mit dem Vater, erlebt der Beichtende zu seinem Erstaunen, dass der Vater ihm vergibt und aufgrund der Heimkehr des geliebten Sohnes ein Fest feiert (vgl. Lk 15,22).

Das österliche Tun, ein Weg der Umkehr

25. Insofern als die Feier des Sakraments eine Wiederbegegnung mit dem Vater und dem Guten Hirten zum Ziel hat, die sich unter der Führung des Heiligen Geistes ergibt, ist sie im Wesentlichen ein frohes liturgisches Fest. Jesus wollte diese Vergebung als ein freudiges Fest beschreiben (Lk 15,5-7.9-10.22-32). Damit wird ein häufiger und regelmäßiger Empfang des Sakraments der Versöhnung verständlicher und erstrebenswerter. Wer gelernt hat, Christus in der Eucharistie zu begegnen, im Wort des Lebens, in der Gemeinschaft, in jedem Menschen und auch in der Armut des eigenen Herzens, ist auch bereit, ihm in diesem Sakrament zu begegnen.[26]

26. In diesem Sakrament wird der Ruf zur Umkehr als Heimkehr zum Vater gefeiert (vgl. Lk 15,18). Es wird als Bußsakrament bezeichnet, » weil es einen persönlichen und kirchlichen Schritt der Umkehr, der Reue und Genugtuung des sündigen Christen darstellt «.[27] Es wird auch Beichte genannt, » denn das Geständnis, das Bekenntnis der Sünden vor dem Priester, ist ein wesentliches Element dieses Sakramentes. Dieses Sakrament ist auch ein Bekenntnis im Sinn der Anerkennung und des Lobpreises der Heiligkeit Gottes und seines Erbarmens gegenüber dem sündigen Menschen«.[28] Man nennt es Sakrament der »Vergebung«, »denn durch die sakramentale Lossprechung des Priesters gewährt Gott dem Beichtenden » Verzeihung und Frieden « « und Sakrament der » Versöhnung «, » denn es schenkt dem Sünder die versöhnende Liebe Gottes «.[29]

27. Die sakramentale Feier der » Umkehr « legt dem Menschen die Bürde auf, der Liebe Gottes zu entsprechen. Der Aufruf zur Umkehr ist » ein wesentlicher Teil der Verkündigung des Gottesreiches «.[30] So fügt sich der Christ ein in die Dynamik »eines »zerknirschten ... Herzens« (Ps 51,19), das durch die Gnade dazu gebracht und bewegt wird [Vgl. Joh 6,44; 12,32], der barmherzigen Liebe Gottes, der uns zuerst geliebt hat [Vgl. 1 Joh 4,10], zu entsprechen«.[31]

Der Weg der Heiligkeit

28. Es handelt sich um ein Unterwegssein zu jener Heiligkeit, die notwendig ist und die uns durch die Taufe, die Eucharistie, die Firmung und das Wort Gottes erschlossen wird.

So verwirklicht sich das Gnadenamt, das der heilige Paulus mit den Worten beschreibt: » Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! « (2 Kor 5,20). Der Aufruf des Apostels hatte sein besonderes Fundament in der Tatsache, dass Gott seinen Sohn »für uns zur Sünde gemacht « hat, » damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. « (2 Kor 5,21). » Da ihr aus der Macht der Sünde befreit... seid, habt ihr einen Gewinn, der zu eurer Heiligung führt « (Röm 6,22).

29. Wo eine Haltung des Vertrauens und der kindlichen Freude vorhanden ist, kann man diese dynamische Erfahrung von der Vergebung Gottes bereits von Kindheit an machen, ja, gerade bei » unschuldige Seelen « ist dies schon vor der Erstkommunion möglich.[32] Daher müssen solche Seelen, ehe sie die Erstkommunion empfangen, durch eine passende, zum Bußsakrament hinführende Katechese vorbereitet werden.

30. Wer in diese Dynamik der Vergebung eintritt, erkennt schnell, wie wichtig es ist, die lässlichen Sünden und Unvollkommenheiten zu bekennen, wenn man sich entschieden hat, » im geistigen Leben wachsen« zu wollen und das eigene Leben zu einem Zeichen des Erbarmens Gottes für andere werden zu lassen.[33] Auf diese Weise machen wir uns die Gesinnung Christi zueigen, » der allein für unsere Sünden ein für allemal Sühne geleistet hat « (vgl. Röm 3,25; 1 Joh 2,1-2).[34]

31. Wenn sich der Priester dieses Geschehens der Gnade bewusst ist, wird er die Gläubigen zum Empfang des Bußsakraments einladen. So »versieht er den Dienst des Guten Hirten, der nach dem verlorenen Schaf sucht; den des guten Samariters, der die Wunden verbindet; den des Vaters, der auf den verlorenen Sohn wartet und ihn bei dessen Rückkehr liebevoll aufnimmt; den des gerechten Richters, der ohne Ansehen der Person ein zugleich gerechtes und barmherziges Urteil fällt. Kurz, der Priester ist Zeichen und Werkzeug der barmherzigen Liebe Gottes zum Sünder«.[35] »Er fand das verirrte Schaf und nahm es auf dieselben Schultern, auf denen er das Holz des Kreuzes trug; er nahm das Schaf und führte es zum ewigen Leben «.[36]

Ein Gnadengeheimnis

32. Die Achtung vor dem » sakramentalen Siegel « zeigt auf, dass die Feier der Beichte einen Weg der Gnade beschreibt, dessen Verlauf im Herzen Jesu bereits » besiegelt « ist, und zwar im Zeichen einer tiefen Freundschaft mit Gott. So zeigt sich hier noch einmal das Geheimnis des Menschen und dessen Würde im Licht des Geheimnisses Christi.[37]

Die Gnade des Bußsakraments wirkt sich in der Versöhnung mit Gott aus (in der Wiedererlangung des Friedens und der Freundschaft mit ihm), in der Versöhnung mit der Kirche (in der Wiederaufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen) und in der Versöhnung mit dem eigenen Ich (das eigene Herz wird eins mit sich). So versöhnt sich der Pönitent »mit seinen Brüdern, die von ihm irgendwie angegriffen und verletzt worden sind; er versöhnt sich mit der Kirche und der ganzen Schöpfung«.[38]

33. Die Würde des Pönitenten wird bei der Feier des Sakraments dadurch erkennbar, dass er die Kohärenz mit sich selbst (Umkehr) und seine Reue zum Ausdruck bringt. In der Tat fügt er sich mit seinem Tun in die Feier des Sakramentes ein, welche dann mit der Lossprechung, die der Priester in Christi Namen ausspricht, abgeschlossen wird.[39] So kann man sagen, dass der Gläubige in seinem Leben die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes macht und diese verkündigt und mit dem Priester gleichzeitig die kirchliche Liturgie feiert, Liturgie einer Kirche, die sich immer wieder bekehrt und erneuert.[40]

34. Durch den Empfang des Sakraments wird die Heilsgeschichte fortgeschrieben, die in Gott ihren Ursprung hat. » Im Laufe der Geschichte und in der ununterbrochenen Praxis der Kirche hat sich der »Dienst der Versöhnung« (2 Kor 5,18), der durch die Sakramente der Taufe und der Buße gespendet worden ist, als eine pastorale Aufgabe erwiesen, die immer lebendig im Bewußtsein blieb und die gemäß dem Auftrag Jesu als ein wesentlicher Bestandteil des priesterlichen Amtes erfüllt worden ist «.[41]

35. Es handelt sich um einen » sakramentalen « Weg, der als wirksames Zeichen der Gnade ein Bestandteil des sakramentalen Wesens der Kirche ist. Er entspricht auch dem im » Vater unser « aufgezeigten Weg, der uns um Vergebung bitten und diese schenken lässt. Durch diese Erfahrung der Versöhnung reift im Herzen des Gläubigen der Wunsch nach Frieden für die ganze Menschheit: »Das tiefe Verlangen des Christen ist, dass die ganze menschliche Familie Gott als »Vater unser!« anrufen kann«.[42]

3. Praktische Hinweise

Die Bereitschaft zur Umkehr wecken

36. Die Bereitschaft zur Versöhnung und die Haltung der Buße oder » Umkehr « wird seit den Anfängen der Kirche auf verschiedene Weise und zu verschiedenen Zeiten zum Ausdruck gebracht: Eucharistiefeier, geprägte liturgische Zeiten (z. B. Fastenzeit), Gewissenserforschung, persönliches Gebet, Almosen, Opfer, usw. Ein besonderer Moment ist jedoch der Empfang des Beicht – oder Versöhnungssakraments, welcher beim Beichtenden mit der Reue, dem Sündenbekenntnis und der Genugtuung einhergeht und seitens des Geistlichen die Lossprechung beinhaltet, die mit der Aufforderung verbunden ist, sich der Liebe nachhaltiger zu öffnen.

37. Das schlichte, vollständige und klare Bekenntnis der eigenen Sünden stellt die Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen wieder her, insbesondere mit der Kirche. Die » Bekehrung « im Sinne einer Rückkehr zum Willen des Vaters, setzt eine ehrliche Reue voraus, die dem Bekenntnis zugrunde liegt und den Vorsatz reifen lässt, Sühne oder Wiedergutmachung für das eigene Verhalten zu leisten. Auf diese Weise gelangt der Mensch wieder auf den Weg der Liebe zu Gott und dem Nächsten.

38. Der Beichtende bekennt vor dem auferstandenen Christus, der im Sakrament (und auch im Beichtvater) gegenwärtig ist, seine Sünde, drückt seine Reue aus und verpflichtet sich zur Wiedergutmachung und Besserung. Im Sakrament der Versöhnung wird mit der Vergebung ein Gnade gespendet, die bis zu den Wurzeln der nach der Taufe begangenen Sünde reicht, von Unvollkommenheiten und abwegigen Tendenzen heilt und dem Gläubigen die Kraft zur » Bekehrung « oder eine größere Offenheit für eine vollkommenere Liebe schenkt.

39. Man kann diese innere Haltung der Umkehr mit vielerlei Gesten zum Ausdruck bringen: Gebet, Almosen, Opfer, Heiligung der liturgischen Zeiten, usw. Doch »die tägliche Umkehr und Buße finden ihre Quelle und Nahrung in der Eucharistie«.[43] Die Feier des Bußsakraments schenkt die Erfahrung einer Rückkehr, wie sie Jesus im Gleichnis vom Verlorenen Sohn beschreibt: » Einzig das Herz Christi, das die Tiefen der Liebe seines Vaters kennt, konnte uns den Abgrund seiner Barmherzigkeit auf eine so einfache und schöne Weise schildern«.[44]

40. Gott, der uns zuerst geliebt hat, schenkt dem Beichtenden seine Gnade, die ihn wiederum befähigt, solche Zeichen der Umkehr zu setzen. Wir erforschen unser Gewissen im Licht der Liebe Gottes und seines Wortes. Durch die Anerkennung der eigenen Schuld vor Gott, der uns liebt und unsere Taten mit Barmherzigkeit richtet, stellt sich der Sünder seiner Verantwortung und bringt in erster Linie vor ihm mithilfe der Gnade seinen Schmerz und seine Abneigung gegenüber der Sünde zum Ausdruck. Daher gehört das schlichte, vollständige und klare Bekenntnis der Sünden vor dem Priester zum Wirken des Geistes der Liebe hinzu, ebenso wie dies für die Reue (aus Liebe) oder Zerknirschung (aus Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit) der Fall ist.

Die liturgische Feier

41. Die Feier des Sakraments der Versöhnung ist ein liturgischer Akt, der nach dem Ordo Paenitentiae mit einer Begrüßung und einem Segen beginnt; es folgt eine Lesung aus der Schrift, die Aufforderung zur Reue, das Bekenntnis, Ratschläge und Ermahnungen, die Auferlegung und Annahme einer Buße, die Lossprechung von den Sünden, die Danksagung, der Segen und die Entlassung.[45] Die eigens für dieses Sakrament an sichtbarer und würdiger Stelle eingerichteten Beichtstühle, » die mit einem festen Gitter zwischen Pönitent und Beichtvater versehen sind, damit die Gläubigen, die dies wünschen, frei davon Gebrauch machen können,[46] sind für beide eine große Hilfe.

42. Der normale Empfang des Bußsakraments, also die persönliche Beichte, bietet eine hervorragende Gelegenheit, zu einem Leben in Heiligkeit einzuladen und damit auch die geistliche Begleitung anzubieten (durch denselben Beichtvater oder eine andere Person). »Schliesslich erlaubt die erste Form der Feier dank ihres persönlichen Charakters, das Bußsakrament mit etwas zu verbinden, das von ihm zwar verschieden, aber doch mit ihm gut zu vereinbaren ist: Ich meine die geistliche Führung. Es ist also offensichtlich, dass in dieser ersten Form die persönliche Entscheidung und das eigene Engagement deutlich unterstrichen und gefördert werden«.[47] »Wenn möglich, sollte die Einzelbeichte von seiten mehrerer Pönitenten in besonderen Momenten des Jahres, oder wenn sich die Gelegenheit bietet, im Rahmen von Bußfeiern stattfinden – wie vom Rituale vorgesehen und unter Beachtung der verschiedenen liturgischen Traditionen –, in denen dem Wortgottesdienst durch geeignete Lesungen viel Raum gewährt werden kann «.[48]

43. »Wenn eine schwere Notlage besteht, kann man sich mit der gemeinschaftlichen Feier der Versöhnung mit allgemeinem Sündenbekenntnis und allgemeiner Lossprechung behelfen«, jedoch ist dann entsprechend dem Kirchenrecht Folgendes zu bedenken: »In diesem Fall müssen die Gläubigen, damit die Absolution gültig ist, den Vorsatz haben, ihre schweren Sünden möglichst bald einzeln zu beichten «.[49] Das Urteil darüber, ob die erforderlichen Voraussetzungen gegeben sind, » steht dem Diözesanbischof zu; dieser kann unter Berücksichtigung der Kriterien, die mit den übrigen Mitgliedern der Bischofskonferenz abgestimmt sind, feststellen, wann solche Notfälle gegeben sind «.[50]

»Das vollständige Sündenbekenntnis und die Lossprechung des einzelnen sind nach wie vor der einzige ordentliche Weg der Versöhnung der Gläubigen mit Gott und der Kirche, wenn ein solches Sündenbekenntnis nicht physisch oder moralisch unmöglich ist... Das persönliche Bekenntnis ist somit die bezeichnendste Form der Versöhnung mit Gott und der Kirche «.[51]

Die kirchlicherseits vorgegebenen Normen als Ausdruck pastoraler Liebe

44. Der Kodex des kanonischen Rechtes enthält praktische Hinweise zur Einzelbeichte und zur gemeinsamen Feier der Versöhnung,[52] sowie zum Ort und zur Einrichtung eines Beichtstuhls.[53] Für die Beichtväter enthält er durch die kirchliche Tradition und Erfahrung bewährte Vorschriften hinsichtlich der Befugnis zur Abnahme der Beichte im Normalfall sowie in besonderen Fällen.[54] In allem hat man sich an die kirchliche Morallehre zu halten.[55] Man muss sich in jedem Fall als gerechter und barmherziger Diener verhalten, damit man »der Ehre Gottes und dem Heil der Seelen dient «.[56]

45. Diese Vorschriften helfen auch dabei, mit der nötigen Klugheit »Verfassung und Alter des Pönitenten zu berücksichtigen«,[57] sowohl praktische Ratschläge zu erbitten und zu erteilen, wie auch » heilsame und angemessene Bußen« aufzuerlegen.[58] Gerade im Rahmen des Geheimnisses der göttlichen Gnade und des menschlichen Herzens erscheint das sakramentale » Siegel «[59] besser in seinem passenden Zusammenhang.

Andere Vorschriften helfen dem Beichtenden mit Hinweisen, wie er seine Sünden klar bekennen kann, beispielsweise im Hinblick auf Anzahl und Art der schweren Sünden,[60] weisen auf geeignete Zeiten, konkrete Arten und Weisen (welche dies sein können, Gelegenheiten,Übersetzer) und auf die Freiheit hin, den Beichtvater nach eigenem Ermessen zu wählen, sofern dieser die Beichtbefugnis besitzt.[61]

46. Der Ordo Paenitentiae enthält ähnliche lehramtliche und praktische Hinweise: Vorbereitung des Priesters, Aufnahme des Beichtenden, die Feier in allen ihre Teilen. Diese Hinweise helfen dem Beichtenden, sein Leben an der erhaltenen Gnade auszurichten.

Daher ist die gemeinsame Bußfeier mit individueller Absolution eine große Hilfe für die individuelle Beichte, welche stets die gewöhnliche Form für die Feier des Bußsakraments bleibt.

47. Auch das Apostolische Schreiben von Papst Johannes Paul II., Misericordia Dei, als »motu proprio« erlassen, über einige Aspekte der Feier des Sakramentes der Buße, enthält viele praktische Anleitungen zu den möglichen Weisen, das Sakrament zu spenden und zu den dazugehörigen einzelnen Gesten.

Im Einklang mit dem Wirken des Heiligen Geistes auf den Weg der Heiligkeit führen

48. Über all diese Möglichkeiten, das Sakrament zu spenden, hinaus ist es vor allem wichtig, dem Beichtenden zu helfen, Christus ähnlich zu werden. Manchmal ist ein einfacher, weiser Rat Hilfe für ein ganzes Leben bzw. für den Prozess der Einkehr und Vervollkommnung unter der Anleitung eines guten geistlichen Begleiters (wie im zweiten Teil dieses Dokuments näher erläutert wird). Der geistliche Begleiter hilft als von Gottes Hand geführtes Werkzeug dabei, zu erkennen, was Gott von jedem Einzelnen im jeweiligen Augenblick will: Sein Wissen beschränkt sich nicht auf rein weltliche Dinge. Die während einer gemeinsamen Feier gehaltene Predigt oder der bei einer Einzelbeichte gegebene Rat können für ein ganzes Leben ausschlaggebend sein.

49. Es ist in jedem Fall wichtig, den bisherigen Weg des Beichtenden zu berücksichtigen. Manchmal wird man ihm mit der Aufforderung helfen, sich auf eine radikale Bekehrung einzulassen, um den Grundlebensentscheid für den Glauben neu zu leben oder zu bekräftigen; ein andermal geht es darum, den normalen Prozess der Heiligung zu unterstützen, bei dem Reinigung, Erleuchtung und Einheit mit Gott harmonisch zusammenwirken.

50. Die häufige Beichte von lässlichen Sünden oder Unvollkommenheiten leitet sich in gewisser Weise von der Treue zur Tauf- und Firmungsgnade her; sie drückt ein authentisches Streben nach Vollkommenheit und nach Umkehr zum Willen des Vaters aus, damit durch ein Leben in größerer Treue zum Heiligen Geist Christus tatsächlich in uns lebt. » Indem man der Berufung aller Gläubigen zur Heiligkeit Rechnung trägt, wird ihnen ... empfohlen, auch ihre lässlichen Sünden zu bekennen«.[62]

Wie ein Vater verfügbar sein für den Dienst der Versöhnung

51. Größte Bedeutung kommt dem Gebet und der Bußbereitschaft für die Seelen zu. Diese erzeugen im Priester eine wahre Bereitschaft zum Dienst und ermöglichen es, Menschen in väterlicher Weise aufzunehmen.

52. Wem die Seelsorge anvertraut ist, der »ist zur Vorsorge dafür verpflichtet, dass die Beichten der ihm anvertrauten Gläubigen gehört werden, die in vernünftiger Weise darum bitten; des weiteren, dass ihnen an festgesetzten Tagen und Stunden, die ihnen genehm sind, Gelegenheit geboten wird, zu einer persönlichen Beichte zu kommen«.[63] Mit dieser Vorgehensweise macht man heute nicht nur in einigen Wallfahrtsorten, sondern auch in vielen Pfarreien und Kirchen sehr gute Erfahrungen.

53. Eine solche Bereitschaft für den Dienst der Versöhnung bewirkt dann, dass der Wunsch nach christlicher Vollkommenheit entsteht. Die Hilfestellung durch den Geistlichen, vor oder nach dem Bekenntnis, pflegt der echten Selbsterkenntnis im Licht des Glaubens zu dienen. Sie zielt auf eine Haltung der Reue ab, lässt den Vorsatz einer ständigen tiefen Umkehr reifen, erzieht zur Wiedergutmachung oder Richtigstellung und der Änderung des Lebens, um so der Liebe Gottes besser zu entsprechen.

54. Die Schlussformel der Beichte, nach Lossprechung und Entlassung, ist von großem geistlichen und seelsorglichen Reichtum. Es wäre angezeigt, sie zu beten, denn sie lenkt den Sinn auf das Leiden Christi, die Verdienste Mariens und der Heiligen und auf die zukünftige Mitwirkung durch gute Werke.

55. Der Priester, der ja im Namen Christi, des Guten Hirten, handelt, muss die geistlichen Krankheiten kennen, sie voneinander zu unterscheiden wissen und es verstehen, demjenigen, der die Beichte ablegt, beizustehen; er muss sich in Bezug auf Moral und christliche Vollkommenheit an die Lehre der Kirche halten, ein echtes Gebetsleben führen, im Zuhören und Fragen umsichtig sein, denen zur Verfügung stehen, die auf angemessene Weise um das Sakrament der Beichte bitten und den Regungen des Heiligen Geistes folgen. Immer handelt es sich dabei um eine väterliche und brüderliche Rolle, die man in der Nachahmung des Guten Hirten übernimmt – eine pastorale Priorität. Christus, der im Sakrament gegenwärtig ist, erwartet uns auch im Herzen jedes Beichtenden und verlangt vom Spender des Sakraments Gebet, Studium, die Anrufung des Heiligen Geistes und väterliche Verfügbarkeit.

56. Dieser Aspekt der pastoralen Liebe verdeutlicht: » Der Mangel an Bereitschaft, die verwundeten Schafe aufzunehmen, vielmehr ihnen entgegenzugehen, um sie in den Schafstall zurückzuführen, wäre für den, der durch die Priesterweihe in sich das Bild des Guten Hirten tragen soll, ein schmerzliches Zeichen eines fehlenden pastoralen Empfindens. (...) Empfohlen wird insbesondere die sichtbare Anwesenheit der Beichtväter (...) und die spezielle Bereitschaft dazu (...), dem Bedürfnis der Gläubigen nach der Beichte auch während der Meßfeier nachzukommen«.[64] Im Falle einer Konzelebration »ist es sehr zu empfehlen, dass einige Priester darauf verzichten zu konzelebrieren, um so den Gläubigen, die das Sakrament der Versöhnung empfangen möchten, zur Verfügung zu stehen «.[65]

57. Der heilige Pfarrer von Ars hebt in seiner Beschreibung dieses Dienstes die Bedeutung der bereitwilligen Verfügbarkeit und der Begrüßung hervor. Benedikt XVI. kommentiert folgendermaßen: »Wir Priester müssten alle spüren, dass jene Worte, die er Christus in den Mund legte, uns persönlich angehen: »Ich beauftrage meine Diener, den Sündern zu verkünden, dass ich immer bereit bin, sie zu empfangen, dass meine Barmherzigkeit unbegrenzt ist «. Vom heiligen Pfarrer von Ars können wir Priester nicht nur ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, das uns drängt, es wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen, sondern auch die Methode des »Dialogs des Heils«, der sich darin vollziehen muss. Der Pfarrer von Ars hatte gegenüber den verschiedenen Büßern eine jeweils unterschiedliche Verhaltensweise«.[66] In diesem Zusammenhang ist die Erklärung zu verstehen, die er einem Mitbruder im Priesteramt gab: » Ich verrate Euch mein Rezept: Ich gebe den Sündern eine kleine Buße auf, und den Rest tue ich an ihrer Stelle «.[67]

Ständige Weiterbildung der Priester für die Begleitung in verschiedenen Lebenssituationen

58. Vom heiligen Pfarrer von Ars können wir lernen, die unterschiedlichen Pönitenten zu erkennen und jeden, seiner jeweiligen Verfassung entsprechend zu orientieren. Die Eifrigeren spornte er zur Heiligkeit an, alle aber forderte er auf, sich dem » Strom der göttlichen Barmherzigkeit« zu überlassen und gab ihnen Motivation und Hoffnung, den Weg der Besserung einzuschlagen: »Der liebe Gott weiss alles. Noch bevor ihr sündigt, weiss er schon, dass ihr wieder sündigen werdet, und trotzdem vergibt er euch. Wie groß ist die Liebe unseres Gottes, der so weit geht, freiwillig die Zukunft zu vergessen, nur damit er uns vergeben kann! «.[68]

Diese Anstrengung aus seelsorglicher Liebe »war für ihn ohne Zweifel die härteste seiner aszetischen Übungen, ein „Martyrium”«. Daher »schenkte ihm der Herr die Gnade, reumütige große Sünder zu versöhnen und auch Seelen, die danach verlangten, zur Vollkommenheit zu führen«.[69]

59. Der Beichtvater ist Hirte, Vater, Lehrer, Richter in geistlichen Dingen und auch Arzt, der diagnostiziert und Wege zur Heilung aufzeigt. »Der Priester soll beim Beichthören dessen eingedenk sein, dass er in gleicher Weise die Stelle eines Richters wie die eines Arztes einnimmt und von Gott zugleich zum Diener der göttlichen Gerechtigkeit wie auch Barmherzigkeit bestellt ist, der der Ehre Gottes und dem Heil der Seelen dient«.[70]

60. Maria ist die Mutter der Barmherzigkeit, weil sie Mutter Christi ist, der uns seinerseits als Priester das Erbarmen Gottes geoffenbart hat. »Maria hat auch auf besondere und außerordentliche Weise – wie sonst niemand – das Erbarmen Gottes erfahren... Maria also kennt am tiefsten das Geheimnis des göttlichen Erbarmens«, weswegen sie die Möglichkeit hat, »alle Menschen zu erreichen, welche die erbarmende Liebe leichter von seiten einer Mutter annehmen«.[71] Die marianische Spiritualität des Priesters lässt in seinem Handeln das mütterliche Herz Mariens durchscheinen, das ein Abbild der göttlichen Barmherzigkeit ist.

Neue Situationen, neue Gnaden, neuer priesterlicher Eifer

61. Man muss zugeben, dass es heute schwierig ist, den Beichtdienst auszuüben, da das Sündenbewusstsein zurückgegangen ist, eine gewisse Abneigung gegen dieses Sakrament besteht, keine Notwendigkeit zum Sündenbekenntnis gesehen wird, wenn keine schwere Sünde vorliegt und der Priester aufgrund seiner vielfältigen Belastungen erschöpft sein kann. Das Sakrament der Versöhnung ist jedoch immer eine geistliche Erneuerung, die den Beichtenden verwandelt, ihn zu einem neuen Menschen macht und seine Freundschaft mit Christus vertieft. So wird es auch für den Diener des Guten Hirten zu einer Quelle der Freude.

62. Wenn der Priester diesen Dienst tut, erlebt er sich von neuem als Werkzeug eines wunderbaren Gnadenwirkens. Im Licht des Glaubens kann er das lebendige Wirken der erbarmenden Liebe Gottes erfahren. Die Gesten und Worte des Priesters lassen ein echtes Gnadenwunder geschehen. Die Kirche besitzt zwar auch andere Mittel, die das Erbarmen Gottes zuwenden (nicht zuletzt die Eucharistie, den größten Liebeserweis Gottes), »in der Feier des Bußsakraments erreicht das Erbarmen Gottes den Menschen jedoch auf sichtbare Weise «.[72] Dieses Sakrament ist ein privilegiertes Mittel, um dazu einzuladen, sich einerseits zu versöhnen und andererseits mit Großzügigkeit die Gleichgestaltung mit Christus anzustreben. Der Gläubige wie der Priester bedarf dieser Hilfe, um auf dem Weg der Nachfolge großzügig zu bleiben.

63. Um diese Ermutigung geben zu können, muss der Priester mit besonderer Aufmerksamkeit auf seine geistliche Bildung achten: »Es ist daher notwendig, dass er gutes geistliches und seelsorgerliches Einfühlungsvermögen mit einer fundierten theologischen, moralischen und pädagogischen Ausbildung vereint, die ihn fähig macht, das von der Person Erlebte zu verstehen. Darüber hinaus ist es für ihn auch sehr von Nutzen, das soziale, kulturelle und berufliche Umfeld derer, die zur Beichte kommen, zu kennen, um angemessene geistliche und praktische Ratschläge und Richtlinien geben zu können... Es ist daher nötig, die menschliche Weisheit und die theologische Ausbildung mit einer tiefen Spiritualität zu vereinen, die genährt wird von der Begegnung im Gebet mit Christus, dem Meister und Erlöser«.[73]

Hierin erweist sich die ständige Fortbildung als sehr nützlich, beispielsweise wenn, wie im Falle der Apostolischen Pönitentiarie, bei Bildungsveranstaltungen für den Klerus themenspezifische Kurse angeboten werden.

II. DER DIENST DER GEISTLICHEN LEITUNG

1. Ihre heutige Bedeutung, ein Moment der Gnade

Geschichtliche Entwicklung und heutiger Stand

64. Die geistliche Leitung, Führung, Beratung oder Begleitung, wie sie genannt wird, ist eine Praxis, die seit den ersten Jahrhunderten in der Kirche gepflegt wurde und auch heute weiterhin gepflegt wird. Sie hat über die Jahrtausende viele Früchte hervorgebracht, unter anderem Heiligkeit und Bereitschaft zum Einsatz in der Evangelisierung.

Das Lehramt, die Kirchenväter, geistliche Autoren und kirchliche Vorschriften heben die Bedeutung dieser Beratung oder Leitung hervor, insbesondere während des geistlichen Ausbildungswegs und zu bestimmten Zeitpunkten im christlichen Leben. Es gibt Momente, in denen eine besondere Unterscheidung der Geister und eine nahe Begleitung erforderlich sind. Dies gehört zur Gesetzmäßigkeit des christlichen Lebens. »Es gilt, die großartige Tradition der persönlichen geistlichen Begleitung wiederzuentdecken, die im Leben der Kirche stets so viele und kostbare Früchte getragen hat«.[74]

65. Der Herr stand seinen Jüngern stets nahe. Die geistliche Leitung, Begleitung oder Beratung wurde im Lauf der Jahrhunderte zunächst vor allem in den Klöstern (des Westens und Ostens), seit dem Mittelalter aber auch in den nach verschiedenen geistlichen Ausrichtungen orientierten Schulen gepflegt. Seit dem 16. und 17. Jahrhundert ist eine stärkere Verbreitung dieser Praxis im Christentum festzustellen. Das zeigt sich in den Schriften von Theresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius von Loyola, Johannes von Ávila, Franz von Sales, Alfons Maria Ligouri, Pierre de Bérulle, usw.. Obwohl vor allem Mönche und Priester den Dienst der geistlichen Leitung ausübten, gab es jedoch auch stets Gläubige (Ordensleute und Laien) – beispielsweise die heilige Katharina von Siena –, die diese Aufgabe übernahmen. Der ensprechend angesammelte Erfahrungsschatz ist in die kirchliche Gesetzgebung eingeflossen und wurde insbesondere auf die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten angewendet. So gibt es auch gut ausgebildete Laiengläubige (Männer und Frauen), die auf dem Weg zur Heiligkeit auf diese Weise den Menschen beratend zureite stehen.

Ausbildung der Priester für diese Begleitung

66. Die geistliche Leitung stellt für alle Gläubigen, ganz gleich welchen Personenstands, eine Hilfe auf dem Weg zur Heiligung dar. Einerseits suchen die Gläubigen heute nach geistlicher Orientierung, andererseits benötigen die Priester eine bessere Ausbildung, um auf umsichtige Weise geistlich beraten, Unterscheidungen treffen und begleiten zu können. Wo die geistliche Leitung praktiziert wird, führt sie erkennbar zu persönlicher und gemeinschaftlicher Erneuerung, sie schenkt Berufungen, einen missionarischen Geist und Freude, die der Hoffnung entspringt.

67. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die spirituelle Theologie oder Theologie des geistlichen Lebens als Lehrinhalt und als praktische Erfahrung für die Priesterausbildung notwendig ist und Priorität besitzt. In Wirklichkeit sind die geistliche Beratung und Begleitung ein fester Bestandteil des Dienstes der Verkündigung und der Versöhnung. Der Priester ist nämlich dazu berufen, die Menschen auf dem Weg der Gleichgestaltung mit Christus zu führen, wozu auch der Prozess der Vertiefung des kontemplativen Lebens gehört. Die geistliche Leitung als Unterscheidung der Geister gehört zu seinem Amt: »Sie sollen die Geister prüfen, ob sie aus Gott sind, und die vielfältigen Charismen der Laien, schlichte wie bedeutendere, mit Glaubenssinn aufspüren, freudig anerkennen und mit Sorgfalt hegen«.[75]

68. Vom ersten Moment an leistet man diese Hilfestellung in der Erstausbildung im Priesterseminar, denn so »sollen die Alumnen durch intensive religiöse Formung und vor allem durch geeignete geistliche Führung dazu angeleitet werden, Christus dem Erlöser mit großherzigem Sinn und reinem Herzen nachzufolgen «.[76]

69. Es geht dabei nicht nur um Beratung in Fragen, die die Lehre betreffen, sondern um die lebendige und persönliche Beziehung zu Christus, um eine Beziehung, die auf die eigene Gleichgestaltung mit ihm ausgerichtet ist und immer Teilhabe am Leben der Dreieinigkeit bedeutet: » Die geistliche Formung soll mit der wissenschaftlichen und pastoralen Ausbildung eng verbunden sein. Unter Anleitung vor allem des Spirituals sollen die Alumnen lernen, in inniger und steter Gemeinschaft mit dem Vater durch seinen Sohn Jesus Christus im Heiligen Geist zu leben «.[77]

Geistliche Leitung und Priesteramt

70. Die priesterlichen munera werden in Bezug auf das geistliche Leben der Gläubigen beschrieben: » Ihr seid die Diener der Eucharistie, die Spender der göttlichen Barmherzigkeit im Sakrament der Buße, die Tröster der betrübten Seelen, die Führer aller Gläubigen in den Stürmen und Nöten des Lebens«.[78]

Bei der geistlichen Begleitung oder Leitung ist stets sehr viel Wert auf die Unterscheidung der Geister gelegt worden, um auf diese Weise die Heiligung, die apostolische Sendung und die kirchliche Gemeinschaft zu fördern. Das Wirken des Heiligen Geist regt dazu an, entsprechend dem Beispiel Christi in der Wahrheit und im Guten zu leben. Man muss um sein Licht und seine Kraft bitten, um seine Weisung erkennen und befolgen zu können.

71. Man kann sagen, dass dieses Augenmerk, das man auf das geistliche Leben der Gläubigen legt, indem man sie auf dem Weg der Kontemplation und der Heiligkeit führt und ihnen bei der Klärung der Berufungsfrage hilft, in der Seelsorge eine Priorität darstellt: » Aus dieser Sicht wird die Sorge um die Berufungen zum Priestertum auch in einem entschlossenen und überzeugenden Angebot geistlicher Führung Ausdruck finden können... Die Priester ihrerseits sollen als erste Zeit und Kraft auf diese Arbeit der Erziehung und der persönlichen geistlichen Hilfe verwenden: Sie sollen nie bedauern, viele andere, selbst schöne und nützliche Dinge vernachlässigt oder hintangestellt zu haben, wenn sich das nicht vermeiden ließ, um ihrem Dienst als Mitarbeiter des Geistes bei der Erleuchtung und Führung der Berufenen treu zu bleiben «.[79]

72. Diese beratende und begleitende geistliche Unterstützung gehört zur Jugendpastoral, insbesondere dort, wo nach der eigenen, speziellen Berufung innerhalb der allgemein christlichen gesucht wird: »Mit den Worten des nachmaligen Papstes Paul VI. „hat die geistliche Begleitung eine sehr schöne Funktion, und man kann sagen, eine unerlässliche für die moralische und geistliche Erziehung der Jugend, die die Berufung ihres eigenen Lebens, wie immer sie auch sei, mit absoluter Redlichkeit deuten und befolgen will; sie behält ihre positive Bedeutung in jedem Lebensalter, wenn im Licht und in der Liebe eines frommen und klugen Rates die Bewahrheitung der eigenen Aufrichtigkeit und die Bestärkung zur großmütigen Erfüllung der eigenen Pflichten gefragt ist. Sie ist ein feines pädagogisches Mittel, aber von größtem Wert; sie ist eine pädagogische und psychologische Kunst, von ernster Verantwortung für den, der sie ausübt; sie ist geistliche Übung der Demut und des Vertrauens für den, der sie erhält”«.[80]

73. Geistliche Leitung und Sakrament der Versöhnung stehen in der Regel in wechselseitigem Bezug zueinander, zumindest in dem Sinne, dass es möglich ist, dass Gläubige den Wunsch äußern, auf dem Weg der Heiligkeit und speziell auf dem Weg ihrer persönlichen Berufung begleitet zu werden: » Parallel zum Sakrament der Versöhnung wird es der Priester auch am Dienst der Seelenführung nicht fehlen lassen. Die Wiederentdeckung und Verbreitung dieser Praxis, auch zu anderen als zu den für die Beichte vorgesehenen Zeiten, ist eine große Wohltat für die Kirche in der gegenwärtigen Zeit. Die großzügige und aktive Einstellung der Priester, die sie praktizieren, ist auch eine wichtige Gelegenheit, Berufungen zum Priester- und Ordensleben auszumachen und zu unterstützen «.[81]

Geistliche Leitung für Priester

74. Der Geistliche selbst ist ebenfalls auf geistliche Begleitung, bei der es immer um die persönliche Beziehung zu Christus geht, angewiesen: » Zur treuen Erfüllung ihres Dienstes soll ihnen die tägliche Zwiesprache mit Christus dem Herrn in Besuchung und persönlicher Andacht der Heiligsten Eucharistie Herzenssache sein. Gern sollen sie sich für Tage geistlicher Zurückgezogenheit frei machen und die geistliche Führung hochschätzen «.[82]

75. Das Dienstamt macht es erforderlich, dass Priester selbst geistlich begleitet werden. Sie sollen daher die geistliche Begleitung suchen und ihr treu entsprechen, damit sie andere besser anleiten können: »Um zur Verbesserung ihrer Spiritualität beizutragen, ist es notwendig, dass die Priester selbst die Seelenführung praktizieren. Indem sie die Formung ihrer Seele in die Hände eines weisen Mitbruders legen, werden sie schon von den ersten Schritten im Dienst an ein Bewusstsein entwickeln für die Wichtigkeit, nicht allein die Wege des geistlichen Lebens und des pastoralen Einsatzes zu gehen. Beim Gebrauch dieses in der Kirche sosehr erprobten und wirksamen Mittels der geistlichen Formung, werden die Priester volle Freiheit in der Wahl jener Person haben, die sie führen soll «.[83]

76. Im Hinblick auf Fragen persönlicher und gemeinschaftlicher Art sind wir auf den Rat von Mitbrüdern angewiesen, insbesondere derer, die aufgrund der Gnade des ihnen übertragenen Amtes die Gabe des Rates besitzen, wobei zu bedenken ist, dass »Rat« und »Leitung « in erster Linie dem Heiligen Geist selbst, den man unablässig und vertrauensvoll in demütigem Gebet anrufen sollte, zustehen.

2. Grundlagen

Wesen und theologische Grundlagen

77. Das christliche Leben ist ein »Weg« und ein Leben »aus dem Geist « (Gal 5,25), eine Gesinnungsgleichheit mit Christus, Beziehung zu ihm, Nachfolge Christi und Gleichgestaltung mit ihm, um Anteil an seiner Gottessohnschaft zu erhalten. » Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes.« (Röm 8,14). Mit Hilfe der geistlichen Begleitung oder Leitung »erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. « (1 Joh 4,6) und ziehen » den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. « (Eph 4,24). Die geistliche Begleitung ist vor allem eine Hilfe zur Orientierung auf dem Weg der Heiligkeit oder Vollkommenheit.

Grundlage dieser geistlichen »Begleitung« oder »Leitung« ist die Tatsache, dass wir Gemeinschaft der Kirche, mystischer Leib Christi sind, eine Familie, in der jeder dem anderen mit den Gaben beisteht, die er erhalten hat. Die Kirche ist ein Ort, an dem » Vermittlung « stattfindet, was über die verschiedenen Ämter, Berufungen und Charismen geschieht. Jeder ist auf den anderen angewiesen, auch und insbesondere im Bereich der geistlichen Begleitung. Es geht darum, die Ratschläge, die der Heiligen Geist uns durch Mitmenschen gibt, aufzuspüren und diese anzunehmen.

In Taufe und Firmung haben wir alle die Gaben des Geistes erhalten und damit auch die hier entsprechend gemeinte Gabe des » Rates «. Die Erfahrung der Kirche zeigt, dass manche diese Gabe des Rates in besonders hohem Maß besitzen oder zumindest dazu berufen sind, den anderen mit dieser Gabe zu dienen. Die geistliche Leitung oder Begleitung wird auch in einigen Fällen als von der kirchlichen Obrigkeit oder von der kirchlichen Gemeinschaft übertragenes Amt ausgeübt.

Spezifische Aufgabe

78. Der Zweck der geistlichen Begleitung besteht vor allem darin, behilflich zu sein, den Willen Gottes zu erkennen und die entsprechenden Zeichen zu deuten. Normalerweise versucht man also, die Erleuchtungen und Eingebungen des Heiligen Geistes zu identifizieren. Zu bestimmten Zeiten ist solcher Rat besonders teuer. Bei der Bitte um Rat oder bei der Erteilung desselben muss das jeweilige »Charisma« des Einzelnen bedacht werden, das sich aus seiner Berufung als individuelle Person oder als Teil einer Gemeinschaft ergibt.

79. Wenn man versucht, durch den Rat des Nächsten Anhaltspunkte für den Willen Gottes zu erkennen, kann es unter Umständen angebracht sein, über Themen wie Moral und Übung der Tugenden ins Gespräch zu kommen. Wo Vertrauen herrscht, kann auch die zu klärende Situation zur Sprache kommen. Wo jedoch kein echtes Streben nach Heiligkeit vorhanden ist, verfehlt man den eigentlichen Sinn und Zweck der geistlichen Begleitung. Sie soll nämlich zur Entwicklung von Glauben, Hoffnung und Liebe (durch die wir die Grundsätze, Werte und Haltungen Jesu annehmen) führen, wobei man sich am Willen Gottes orientieren und unter Berücksichtigung der empfangenen Charismen erkennen muss, wo dieser zu finden ist. Bei alledem muss der Gläubige, der Empfänger der Beratung ist, selbst Verantwortung übernehmen und Initiative zeigen.

80. Die Beratung in Fragen der Moral, das vertrauensvolle Offenlegen der eigenen Probleme und die Anwendung der Mittel zur eigenen Heiligung müssen feste Bestandteile der Suche nach dem Willen Gottes sein. In der Tat käme ohne den ehrlichen Wunsch, im Sinne des Lebens der Seligpreisungen und des Liebesgebots nach Heiligkeit zu streben, der eigentliche Zweck der geistlichen Leitung im christlichen Leben überhaupt nicht erst zum Tragen.

Ein dynamischer Prozess

81. Es gehört zum Prozess der geistlichen Begleitung, Einkehr zu halten, sich selbst im Licht des Evangeliums zu prüfen, um dann im Vertrauen auf Gott zu bauen. Dabei entfaltet sich die persönliche Beziehung zu Christus, durch die man gemeinsam mit ihm lebt und von ihm Demut, Vertrauen und Selbsthingabe lernt, wie sie seinem neuen Liebesgebot entsprechen.

Indem man für den Verstand Aufklärunsarbeit leistet, das Gedächtnis auffrischt und erhellt, den Willen stärkt und die Gefühlswelt so lenkt, dass sie sich großzügig auf ein Leben in Heiligkeit einlässt und zu all diesem ermutigt, wird man zum Helfer bei der Gewissenbildung.

82. Der Prozess der geistlichen Begleitung hat seine Stufen, die einander nicht in strenger Weise abfolgen, sondern sich sozusagen in konzentrischen Kreisen übereinander entwickeln: Man wird zu jener tieferen Selbsterkenntnis geführt, die im Vertrauen auf den liebenden Gott, in der Entschlossenheit zur Selbsthingabe und in einem harmonischen Prozess der Reinigung, Erleuchtung und Einheit mit Gott heimisch ist. Durch die Gleichgestaltung mit Christus (in Grundsätzen, Werten und Gesinnung, welche Glaube, Hoffnung, Liebe erkennbar werden lassen...) und dadurch, dass man sich dem Wirken des Heiligen Geistes treu und großherzig übergibt, entsteht so eine Dynamik, die mit dem Leben der Dreieinigkeit, an dem wir teilhaben, im Einklang steht (vgl. Joh 14,23; Eph 2,18).

All das geschieht in einer Reihe von Bereichen (Verhältnis zu Gott, Arbeit, soziale Beziehungen, integre Lebensweise), in denen man sich beraten und begleiten lässt, um den Willen Gottes kennen zu lernen: im Gebetsleben und in der Kontemplation, bei der Klärung der Berufung und der Treue zu ihr, im engagierten Einsatz auf dem Weg der Heiligung, im harmonischen Leben der brüderlichen Gemeinschaft in der Kirche und in der Bereitschaft zum Apostolat.

Begleitung und Beratung münden schließlich in Vorschläge zu konkreten Maßnahmen. Bei alledem darf man jedoch nicht vergessen, dass der eigentliche Berater der Heilige Geist ist und dass derjenige, der die Beratung in Anspruch nimmt, die volle Eigenverantwortung und seine Fähigkeit zur Initiative bewahrt.

83. Es sollte eine Anleitung zum Gebetsleben geben (persönlich, gemeinschaftlich, liturgisch), wobei insbesondere auf eine kindliche Gesinnung von Demut, Vertrauen und Liebe, wie sie im » Vater unser « zum Ausdruck kommt, Wert zu legen ist. Um dies zu erreichen, können die Schriften der Heiligen und der geistlichen Autoren hilfreich sein. Der heilige Pfarrer von Ars erklärte es folgendermaßen: »Wir öffnen ihm unsere Herzen und erfreuen uns seiner Gegenwart«; seinen Angaben gemäß beschrieb es ein Bauer von Ars auf diese Weise: » Ich schaue Ihn an, und Er schaut mich an. « Jesus schenkt uns seine Gegenwart und in der Annahme dieses Geschenks lernt man, aus dem eigenen Leben, wie Theresa von Avila es nannte, » ein Zusammensein mit demjenigen, dessen Liebe wir uns sicher sind «, zu machen. Es ist diese Stille der Anbetung, der Betrachtung und der Hingabe – für Therese von Lisieux » ein Schwung des Herzens, ein einfacher Blick zum Himmel empor «, zuweilen auch eine Rede, wie sie Jesus in Getsemani auf den Lippen führte.

Geistliche Leitung für alle kirchlichen Berufe

84. Ausgehend von Jesu Forderung, »Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist. « (Mt 5,48) lädt der Priester alle Gläubigen dazu ein, sich » mit der Gnade Christi auf den Weg der Fülle des Lebens der Kinder Gottes «[84] zu begeben und » eine gelebte Kenntnis von Christus«[85] zu erlangen. Ohne dieses »geistliche« Leben, genauer gesagt, das Leben des Heiligen Geistes, das dazu bewegt, » den Armen eine gute Nachricht [zu bringen] « (Lk 4,18), wären die Anforderungen, die ein christliches Leben (als Laie, Ordenschrist oder Priester) an uns stellt, schwer nachvollziehbar.

85. Bei der Beratung von Menschen auf dem Weg ihrer kirchlichen Berufung ist vor allem auf die Beweggründe und die rechte Meinung zu achten, darauf, dass die Entscheidung in Freiheit getroffen wird und dass mit der Ausbildung die Eignung oder die entsprechenden Fähigkeiten erzielt werden.

Im geistlichen Leben erfahrene Theologen beschreiben den geistlichen Leiter als jemanden, der in bestimmten Fällen und konkreten Situationen Anleitung gibt, zu einer großzügigen Hingabe motiviert, hilft, indem er Mittel benennt, die auf die einzelne Person und die jeweilige Situation und Berufung angepasst sind und der Heiligung dienen. Schwierigkeiten stellt man sich in diesem Zusammenhang, indem man sich vornimmt, Jesus auf authentische Weise nachzufolgen.

86. Man kann entweder eine habituelle bzw. regelmäßige geistliche Leitung oder eine zeitweilige Begleitung » ad casum « in Anspruch nehmen. Anfangs kann diese Begleitung intensiver ausfallen. Häufig kommt es vor, dass Gläubige auf ihrem Berufungsweg die geistliche Begleitung aus eigenem Antrieb suchen und zwar nach einer Predigt, nach der Lektüre eines Buches, nach Einkehrtagen, Gebetstreffen oder einer Beichte. Ebenso kann die aufmerksame Beschäftigung mit lehramtlichen Dokumenten dazu führen, dass jemand mit der Absicht, ein authentischeres christliches Leben zu führen, geistliche Leitung in Anspruch nehmen möchte. Dieses geistliche Engagement wirkt sich wiederum auf das Engagement im sozialen Umfeld aus: » Die Verfügbarkeit gegenüber Gott öffnet uns zur Verfügbarkeit gegenüber den Brüdern und gegenüber einem Leben, das als solidarische und frohe Aufgabe verstanden wird«.[86]

3. Praktische Hinweise

Individueller geistlicher Lebensweg

87. Anhand dieser Grundlagen, die zur geistlichen Begleitung gehören, lassen sich mit Blick auf die heutige Zeit im Netz der Gnaden und gesellschaftlich-kulturellen Gegebenheiten einige praktische Hinweise ableiten, die jedoch stets für neue Gnaden und neue Situationen offen bleiben.

Bei der geistlichen Beratung (Leitung, Begleitung) muss die jeweilige spezifische kirchliche Berufung, das jeweilige Charisma oder besondere Gnadengaben berücksichtigt werden. Da jede Person einzigartig ist, sind die jeweiligen konkreten Lebensumstände zu bedenken: Familie, Arbeit, usw.. Sofern es sich um eine spezielle Berufung und ein spezielles Charisma handelt, ist es angebracht, die hierbei auftretenden verschiedenen Phasen zu beachten.[87]

Besonderes Augenmerk muss immer auf besondere Fälle und Situationen gelegt werden, beispielsweise die Änderung des kirchlichen Personenstands, den Wunsch nach größerer Vollkommenheit, die Neigung zu Skrupeln sowie auf außerordentliche Phänomene.

88. Es bietet sich an, den Weg der geistlichen Begleitung damit zu beginnen, Rückschau auf das eigene Leben zu halten. Von großer Hilfe kann es sein, Vorsätze oder einen Lebensentwurf zu formulieren, die das Verhältnis zu Gott berücksichtigen (persönliches und liturgisches Gebet), die Beziehungen zu den anderen, die Familie, die Arbeit, Freundschaften, konkrete Tugenden, die eigenen Pflichten, das Apostolat und die Mittel für ein geistliches Leben. Im Lebensentwurf können die Hoffnungen, Schwierigkeiten oder der Wunsch, sich Gott großzügiger hinzugeben zur Sprache kommen. Es ist sehr sinnvoll, die Mittel genau zu benennen, die man im Bereich des Gebetslebens, der Heiligkeit (der Tugenden), der Pflichten aufgrund des eigenen Personenstands, der Askese oder der »kleinen Mühen des Alltags«,[88] usw. einsetzen will.

89. Es gibt eine Anfangsphase, während der man sich häufig darum bemüht, eine Glaubenshaltung zu pflegen, Ausdauer in den Tugenden, eine Haltung des Gebets sowie die Treue zum Willen Gottes, während der man Erfahrung im Apostolat sammelt, den Charakter bildet (Gedächtnis, Verstand, Emotionalität, Wille), innerlich gereinigt wird, sich Gott öffnet und eine authentische Gesinnung ohne jede Falschheit anstrebt. Gestützt auf solche Grundlagen lassen sich Trockenheit, Unbeständigkeit, oberflächliche oder kurzfristige Begeisterungsperioden usw. bewältigen. In dieser Phase kann man »ausreißen und... einpflanzen « (Jer 1,10), die dominierende Leidenschaft erkennen und in die korrekten Bahnen lenken.

90. Es folgt eine fortgeschrittenere Phase, welche sich auf die innere Sammlung oder das innere Leben sowie auf eine größere Demut und Selbstverleugnung ausrichtet. Unter anderem übt man sich oft auch in den Tugenden und sucht sein Gebet zu verbessern.

Auf diese Weise gelangt man zu einer höheren Vollkommenheit, in der ein kontemplativeres Gebet gepflegt wird, man » aktiv « und » passiv« die eigenen Schwächen auszumerzen versucht (indem man das stets unerwartete Wirken der Gnade im Glauben unterstützt) und lernt, die » dunkle Nacht « (Nacht des Geistes, Nacht des Glaubens) zu durchdringen. Das Wachstum in der Demut zeigt sich hier in Gesten der Liebe.

91. Jede einzelne Tugend verdient besondere Beachtung. Um auf dem Weg treu und großzügig voranzuschreiten, müssen ständig die Erleuchtungen, Eingebungen oder Regungen des Heiligen Geistes geprüft werden. Besondere Gnaden oder geistliche (bzw. psychische) Schwächen müssen auf angemessene Weise geprüft werden, indem man gegebenenfalls Experten hinzuzieht und große Achtung walten lässt.

Es ist nützlich, einen Lebensentwurf zu erstellen, den man auf einfache Weise aufteilen und gliedern kann, und zwar in Prinzipien, Ziele und Mittel. So hält man z.B. fest, wohin man unterwegs ist, wo man sich befindet, wo man ankommen muss, auf welche Schwierigkeiten man stoßen kann und welcher Mittel man sich bedienen muss.

92. Direkten Einfluss auf das geistliche Leben hat das eucharistische Opfer, »Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens«,[89] das jene Lebenseinheit, deren die Priester[90] und die Laiengläubigen bedürfen,[91] heranzubilden vermag. Unter den konkreten Hilfsmitteln für das geistliche Leben sind aufgrund von praktischen Gesichtspunkten neben Hauptquellen wie der Eucharistie, dem Wort Gottes und dem Gebet, die geistliche Lesung, die Gewissenserforschung (themenspezifische und allgemeine), Einkehrtage, die lectio divina oder die Meditation nach verschiedenen Methoden sowie der eifrige Empfang des Versöhnungssakraments von Bedeutung. Die geistliche Lesung von Heiligenleben und sonstigen Autoren, die über das geistliche Leben schreiben, bietet auf diesem Weg Anleitung, indem sie das Selbstbewusstsein, das kindliche Vertrauen und die großherzige Hingabe schult.

93. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man auf seinem Weg als Christ einige Wachstumskrisen von unterschiedlicher Stärke durchmachen muss. Die » dunkle Nacht « des Glaubens kann zu verschiedenen Zeitpunkten hereinbrechen, vor allem aber dann, wenn der Mensch Gott immer näher kommt. Das kann so weit gehen, dass man eine Art » Schweigen « oder » Abwesenheit « Gottes erfährt, was in Wahrheit bedeutet, dass sich Gott selbst auf tiefere Weise mitteilt und anwesend ist. Dann wird die geistliche Begleitung nötiger denn je – sofern man die Anweisungen befolgt, die uns die großen Heiligen und Meister des geistigen Lebens hinterlassen haben.

Im Apostolat stößt man auf Zeiten der Trockenheit, gewisse Pläne scheitern, Missverständnisse entstehen, Verleumdungen, ja Verfolgungen kommen auf, die aufgrund von Irrtümern auch von wohlmeinenden Menschen ausgehen können (die »Verfolgung seitens Wohlmeinender«). Die geistliche Beratung soll dabei helfen, das fruchtbare Geheimnis des Kreuzes als besonderes Geschenk Christi, des wahren Freundes, zu leben.

94. Das christliche Leben konfrontiert uns mit besonderen Situationen. Manchmal handelt es sich um Lichter und Eingebungen des Geistes oder um den Wunsch nach einer größeren Hingabe bzw. Einsatz im Apostolat. Doch gibt es auch Augenblicke, in denen trügerische Illusionen, die ihren Ursprung in der Eigenliebe und in der Phantasie haben, uns gefangen halten. Es fehlt nicht an Momenten, in denen Entmutigung, Misstrauen, Mittelmäßigkeit, Nachlässigkeit und Lauhheit, übertriebenes Suchen nach Wertschätzung, falsche Demut usw. uns befallen können.

95. Wann immer sich außerordentliche Sachverhalte oder Phänomene ergeben, muss man sich bei Autoren, die über das geistliche Leben schreiben, oder bei Mystikern der Kirchengeschichte kundig machen. Es muss beachtet werden, dass diese Phänomene rein natürlichen Ursprungs sein können. Sie können aber auch eine Gnade zur Ursache haben, wobei es möglich ist, dass sie sich auf unvollkommene Weise verwirklichen, da psychologische und kulturelle Faktoren, aber auch Faktoren wie Bildung und das soziale Umfeld zum Tragen kommen. Bei der Klärung solcher Phänomene hat sich die Kirche bestimmter Kriterien bedient, um deren Authentizität festzustellen. So werden die Lehrinhalte (anhand der Heiligen Schrift, der Tradition und des Lehramtes), die Ehrbarkeit der betreffenden Menschen (vor allem Ehrlichkeit, Demut, Nächstenliebe sowie geistiges Wohlbefinden) und das Vorhandensein bleibender Früchte der Heiligkeit geprüft.

96. Im geistlichen Leben treten auch Krankheiten und psychologische Schwächen auf. Bisweilen sind sie vornehmlich geistlichen Ursprungs, wie dies zum Beipiel auf die Lauhheit (gewohnheitsmäßiges Zulassen lässlicher Sünden und Unvollkommenheiten, ohne dass der Wunsch besteht, diese zu korrigieren) und die Mittelmäßigkeit zutrifft (Oberflächlichkeit, Erschöpfung aufgrund von Überlastung, vernachlässigtes inneres Leben). Diese Schwächen können auch von Temperament her beinflusst sein: Drang zum Perfektionismus, verkehrte Gottesfurcht, unbegründete Skrupel, übermäßige Strenge, Laxheit, usw.

97. Bei Schwächen und Neurosen, die eher geistig bedingt sind (wie z.B. die Hysterie), müssen Experten (im geistlichen Leben und im Bereich der Psychologie) hinzugezogen werden. Für gewöhnlich erkennt man solche Krankheiten an der übertriebenen Suche nach Aufmerksamkeit oder an einer tiefen Unzufriedenheit mit sich selbst (»hysterein«), die dazu veranlasst, bei allen Interesse und Mitleid zu wecken, wobei oft eine euphorische Atmosphäre erzeugt wird, die selbst den geistlichen Leiter ansteckt (indem er glaubt, er müsse ein Opfer oder einen Menschen mit besonderen Gaben in Schutz nehmen). Solche Erscheinungen haben nichts mit wahrer Kontemplation oder christlicher Mystik zu tun, die trotz persönlicher Schwächen nicht danach trachtet, die Aufmerksamkeit des Nächsten auf sich zu ziehen, sondern sich in Demut, im Vertrauen, in Selbstvergessenheit und in einem Dienst am Nächsten zum Ausdruck bringt, der dem Willen Gottes entspricht.

Geistliche Leitung und die Unterscheidung der Geister

98. Anhand einer mit lebendigem Glauben gelebten geistlichen Begleitung oder Beratung ist es leichter, im Leben eines jeden Menschen das Wirken des Heiligen Geistes zu erkennen, der stets zum Gebet, zur Demut, zum Opfer zu einem gewöhnlichen Leben, wie dem in Nazareth, zum Dienst und zur Hoffnung hinführt, was ganz mit dem Vorbild übereinstimmt, das der heilige Lukas uns im Leben Jesu gibt, das immer unter dem Einfluss des Heiligen Geistes steht: er geht in die » Wüste « (Lk 4,1), zu den » Armen « (Lk 4,18), im Geiste auf die österliche » Freude « zu (Lk 10,21).

99. Das Wirken des bösen Geistes wird begleitet von Stolz, Selbstgenügsamkeit, Traurigkeit, Entmutigung, Neid, Verwirrung, Hass, Falschheit, Missachtung des Nächsten, egoistischer Vorteilssuche. Ohne geistliche Beratung und Begleitung ist es sehr schwierig, Trennlinien zu ziehen, vor allem wenn Faktoren wie das Temperament, die Kultur und natürliche Gaben hinzukommen. Die Bereiche oder Themengebiete, in denen man eine Unterscheidung der Geister treffen muss, beziehen sich hauptsächlich auf den Weg der Berufung (in den alltäglichen Lebensumständen), auf den Weg der Betrachtung, der Vollkommenheit, des Gemeinschaftslebens und der Sendung. Bisweilen ergeben sich persönliche oder gemeinschaftliche Situationen, die eine besondere Prüfung erforderlich machen, wie zum Beispiel bei Personenstandswechsel, bei neuen Lichtern und Eingebungen, bei strukturellen Veränderungen, beim Auftreten einiger Schwächen, außerordentlicher Phänomene, usw.

100. Da der Geist »weht, wo er will« (Joh 3,8), kann man keine rigiden Normen oder Unterscheidungsregeln formulieren; die Heiligen und die Schriftsteller des geistlichen Lebens beziehen sich aber auf gewisse Konstanten oder Zeichen, die das Wirken des Geistes der Liebe, der jenseits der menschlichen Logik handelt, begleiten.

Wenn im Herzen nicht Frieden herrscht, kann man einen Sachverhalt aus geistlicher Sicht nicht gut beurteilen. Dieser Friede, der eine Gabe des Heiligen Geistes ist, stellt sich ein, sofern man nicht die eigenen Interessen verfolgt oder über andere triumphieren möchte, sondern danach strebt, Gott und den Brüdern auf die beste Art und Weise zu dienen. Daher verwirklicht sich die geistliche Beratung (im Rahmen der Unterscheidung der Geister) in einem Klima, das die innere Freiheit garantiert. Sie soll weder von persönlichen Neigungen noch von dem, was momentan Mode ist, beeinflusst werden.

Um gut unterscheiden zu können, braucht man: Gebet, Demut, Abstand von den eigenen Neigungen, eine Haltung des Hörens, Kenntnis des Lebens und der Lehre der Heiligen sowie der Maßstäbe der Kirche, Bereitschaft zum Umdenken, ein freies Herz und schließlich muss man aufmerksam die eigenen inneren Neigungen erforschen. Auf diese Art und Weise kann man ein gesundes Gewissen heranbilden, also » Liebe aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben « (1Tim 1,5).

Eigenschaften des geistlichen Begleiters

101. Im Allgemeinen erwartet man von einem geistlichen Begleiter eine große Aufnahmebereitschaft und die Fähigkeit zum Zuhören, was zu verbinden ist mit einer Bereitschaft, verantwortlich vorzugehen und sich verfügbar zu halten, einen sowohl väterlichen als auch brüderlichen Ton zu üben und eine respektvolle Freundschaft einzugehen, wobei der eigene Dienst in Demut als Beratung angeboten wird und Haltungen wie Autoritarismus, Paternalismus und das Kreisen um die eigene Person vermieden werden, ganz zu schweigen von emotionalen Abhängigkeitsverhältnissen, Hast und Zeitvergeudung mit drittrangigen Problemen. Alles sollte mit der gebührenden Diskretion und Klugheit geschehen, was sich auch darin zeigt, dass man es versteht, bei Bedarf mit der erforderlichen Diskretion andere um Rat zu bitten. Diese Eigenschaften runden die Gabe des Rates ab. Eine gewisse Prise gesunden Humors darf auch nicht fehlen, denn, sofern er echt ist, hilft er stets, die Achtung vor der Person zu wahren und trägt dazu bei, viele künstliche Probleme auf ihr wahres Maß zu reduzieren, kurz, in größerem Frieden zu leben.

102. Wer die Gabe des Rates ausüben will, muss das geistliche Leben kennen oder hierüber ein Studium abgelegt haben (Theorie und Praxis); er muss darin erfahren sein, Verantwortungssinn und Klugheit besitzen. Wenn diese grundlegenden Eigenschaften harmonisch vorhanden sind, zeigt sich das in der menschlichen Nähe, im Zuhören, im Optimismus, in der Hoffnung, im Zeugnis, im konsequenten Lebensstil, darin, dass man den Wunsch zur Heiligkeit und andere Tugenden, wie z.B. Stärke, Klarheit, Wahrheit, Verständnis, eine Weite oder einen Reichtum an Horizonten, Anpassungsfähigkeit, Durchhaltevermögen unterwegs vermittelt.

Im Allgemeinen übernimmt eine Einzelperson die Aufgabe des geistlichen Leiters oder Begleiters (auf Wahl, auf Vorschlag, auf Anweisung hin). Auf diese Weise bleibt die Kontinuität gewahrt. Im Leben verschiedener Heiliger lässt sich eine große Freiheit herauslesen, die diese beim Ratsuchen bei anderen Menschen und durch den Wechsel des geistlichen Leiters ausgeübt haben, was jedoch davon abhing, ob dies dem geistlichen Leben jeweils zuträglich war. Ein Wechsel des geistlichen Leiters muss immer möglich und frei durchführbar sein, sofern gültige Gründe, wie ein vermehrtes Wachsen im geistlichen Leben, hierzu angeführt werden.

103. Der geistliche Leiter muss die Person, der er zur Seite steht, gut kennen, damit er auf dem Weg der Heiligkeit und in den besonderen Gnadenmomenten mit ihr zusammen die Zeichen zu lesen vermag, die auf den Willen Gottes hinweisen. Beurteilt werden Wesenszüge, Eigenschaften und Fehler, die Entwicklung des eigenen geistlichen Lebens, usw. Die Erziehung wird unter Berücksichtigung der von der Gnade gesetzten Impulse erteilt. Der geistliche Leiter ist nicht selbst derjenige, der den Weg zurücklegt, sondern er ist ein Begleiter und hilft dem Menschen in seiner konkreten Lebenssituation. Dem Heiligen Geist obliegt die Leitung der Seelen, weswegen der geistliche Leiter dessen Wirken unterstützen muss.

Er bewahrt stets tiefe Achtung vor dem Gewissen der Gläubigen und führt eine angemessene Beziehung, die eine spontane Offenheit fördert. Hierbei lässt er stets Achtung und Feingefühl walten. Wer in der Kirche Jurisdiktionsgewalt ausübt, muss seinerseits stets die Pflicht des geistlichen Leiters zur Zurückhaltung und Verschwiegenheit respektieren.

104. Die Autorität des geistlichen Leiters stützt sich nicht auf eine Jurisdiktionsgewalt, sondern auf den ihm anvertrauten Beratungs- und Orientierungsdienst. Paternalismen sind dabei zu vermeiden, obwohl die Autorität des Begleiters grundsätzlich treu anerkannt werden muss, was einer Haltung der kindlichen Fügsamkeit entspricht. Demut und Vertrauen werden den geistliche Leiter zum Gebet veranlassen und verhindern, dass er den Mut verliert, wenn er keine Früchte zu sehen vermag.

105. Die Institutionen, die sich der Ausbildung von Priestern widmen, die Institute des geweihten Lebens und verschiedene Initiativen im Apostolat weisen, gerade weil sie eine angemessene Ausbildung gewährleisten möchten, für gewöhnlich auf jene Berater (Leiter, Meister) hin, die als persönliche Leiter zur Auswahl stehen und lassen dabei großen Spielraum, besonders wenn es sich um Gewissensfragen und um die Beichte handelt.

Eigenschaften des Empfängers der geistlichen Leitung

106. Vonseiten des Empfängers der geistlichen Leitung muss Offenheit bestehen, Ehrlichkeit, Authentizität und Kohärenz vorliegen; er muss die Heiligungsmittel anwenden (Liturgie, Sakramente, Gebet, Opfer, Gewissenserforschung...). Wie regelmäßig die Gespräche stattfinden müssen, hängt vom Augenblick und von den Umständen ab, denn hier gibt es keine feste Regel. Während der Erstausbildung ist eine häufigere und ständige Begleitung zu empfehlen. Besser ist es, wenn die Beratung spontan stattfindet und der Empfänger nicht darauf wartet, gerufen zu werden.

107. Die Freiheit, die man bei der Auswahl des Leiters hat, soll der respektvollen Haltung keinen Abbruch tun. Man soll diese Hilfe im Geiste des Glaubens empfangen. Wenn man miteinander spricht, soll man sich äußern, ohne auszuufern. Man kann dies entweder frei mündlich tun oder indem man etwas abliest, was man vorher aufgeschrieben hat. So soll man das eigene Gewissen und die Lage, in der man sich in Bezug auf den für die Leitung bestimmten Lebensentwurf befindet, offen legen. Man bittet um Rat in Fragen, welche Tugenden, Fehler, die Berufung, das Gebet, das Familienleben, das gemeinschaftliche oder geschwisterliche Zusammenleben, die eigenen Pflichten (besonders Arbeitspflichten) und das Apostolat betreffen. Grundsätzlich sucht man danach, Gott zu gefallen und in der Treue gegenüber dessen Willen zu wachsen.

108. Das geistliche Leben erweist sich dort als authentisch, wo man die Ratschläge, die man gesucht und empfangen hat, kohärent ins tägliche Leben umsetzt. In diesem Zusammenhang sind für eine korrekte Selbsterkenntnis die persönliche Gewissenserforschung, die Teilnahme an geistlichen Exerzitien verbunden mit der geistlichen Leitung sehr nützlich.

109. Ein Christ muss stets gänzlich frei und mit voller Verantwortung handeln. Die Aufgabe des geistlichen Begleiters besteht darin, der ihm anvertrauten Person zu helfen, seine Wahl frei und verantwortlich zu treffen und über sein Tun so zu entscheiden, wie es in christlicher Reife vor Gottes Angesicht geschehen muss. Der Empfänger der geistlichen Leitung muss den Rat freimütig und verantwortungsbewusst annehmen und, falls er Fehler begeht, die Verantwortung hierfür nicht auf den geistlichen Leiter schieben.

Geistliche Leitung für Priester

110. Der priesterliche Dienst und die geistliche Leitung stehen gegenseitig in Bezug zueinander und sind aufeinander verwiesen. Doch muss auch der Priester selbst unter einer solchen Leitung stehen, um sie anderen, sofern sie darum bitten, besser erteilen zu können.

Wenn der Empfänger der geistlichen Leitung ein Priester ist, muss dabei beachtet werden, dass jene » Lebenseinheit «, deren Fundament die pastorale Nächstenliebe ist, den Schlussstein seiner spezifischen Spiritualität bildet.[92] Dem Konzilstext zufolge, setzen die Priester diese » Lebenseinheit« mit Schlichtheit in konkrete Lebensvollzüge um, »wenn sie in der Ausübung ihres Amtes dem Beispiel Christi des Herrn folgen, dessen Speise es war, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hatte, um sein Werk zu vollenden «.[93] Es sind dies Gaben und Charismen, die in enger Abstimmung mit dem eigenen Bischof und in Gemeinschaft mit dem Presbyterium der Teilkirche gelebt werden sollen.

111. Ein persönliches Projekt, dessen Umsetzung Priester in ihrem geistlichen Leben verfolgen, könnte außer der täglichen Feier des eucharistischen Meßopfers und des Stundengebets, in etwa folgende Elemente enthalten: Jeden Tag einen gewissen Zeitraum der Betrachtung des Wortes Gottes und der geistlichen Lesung widmen, täglich einen Besuch bei der hl. Eucharistie machen oder Anbetung halten, sich in regelmäßigen Abständen mit anderen Priestern treffen, um sich in brüderlicher Weise zur Seite zu stehen (Gebetstreffen, Austausch, Zusammenarbeit, Predigtvorbereitung, usw.), die Vorgaben des Bischofs gegenüber seinem Presbyterium umsetzen und unterstützen (Lebensprojekt oder Direktorium, Fortbildung, Priesterseelsorge...), täglich zu Maria ein Gebet erheben, z.B. den Rosenkranz, bei dem man um die Treue zu diesen Obliegenheiten bittet, jeden Tag das Gewissen allgemein und themenspezifisch erforschen.[94]

112. Bei der Erteilung der geistlichen Leitung repräsentiert der Priester, wie beim sakramentalen Versöhnungsdienst, Christus, den Guten Hirten, – er geht voran, ist Meister, Bruder, Vater, Arzt. Es handelt sich um einen Dienst, der eng mit dem Verkündigungsdienst, mit der Leitung der Gemeinschaft und mit dem Lebenszeugnis verbunden ist.

113. Priesterlicher Dienst und geistliche Leitung sind eng miteinander verbunden. »Darum obliegt es den Priestern als Erziehern im Glauben, selbst oder durch andere dafür zu sorgen, dass jeder Gläubige im Heiligen Geist angeleitet wird zur Entfaltung seiner persönlichen Berufung nach den Grundsätzen des Evangeliums, zu aufrichtiger und tätiger Liebe und zur Freiheit, zu der Christus uns befreit hat. Noch so schöne Zeremonien und noch so blühende Vereine nutzen wenig, wenn sie nicht auf die Erziehung der Menschen zu christlicher Reife hingeordnet sind. Um diese zu fördern, sollen die Priester ihnen helfen, zu erkennen, was in den wichtigen und den alltäglichen Ereignissen von der Sache her gefordert ist und was Gott von ihnen will. Sie müssen die Christen auch anleiten, nicht nur sich zu leben, sondern entsprechend den Forderungen des neuen Liebesgebotes mit der Gnadengabe, die jeder empfangen hat, einander zu dienen; so sollen alle ihre Aufgaben in der Gemeinschaft der Menschen christlich erfüllen «.[95]

114. Wer die geistliche Leitung tatsächlich hochschätzt, empfiehlt sie nicht nur im eigenen Dienst, sondern praktiziert sie selbst.

Wenn man den Hauptzweck der Leitung nicht aus dem Auge verliert (Klärung, was der Wille Gottes ist, – in allen Aspekten des Weges der Heiligkeit und des Apostolats), wird man Mittel und Wege finden, um sie gewohnheitsmäßig anzubieten und zu empfangen.

115. Der Aufruf, die geistliche Leitung zu praktizieren, müsste fester Bestandteil aller Pastoralprogramme sein – ihm sollte man ein wichtiges Kapitel widmen, denn gerade »Seelsorge« sollte zur Heiligung führen und auf die Sendung vorbereiten. Die Gläubigen kann man auf diesem Weg begleiten, indem man sie mithilfe von Predigten unterweist, Katechese erteilt, die Beichte abnimmt, sie am liturgisch-sakramentalen Leben, vor allem an der Feier der heiligen Eucharistie teilnehmen lässt, indem man Bibel- und Gebetsgruppen fördert. Schließlich begleitet die Gläubigen das Zeugnis des Geistlichen selbst, der bei gegebenem Anlass auf angemessene Weise durchaus auch einmal einen Rat einholt. Einige der oben erwähnten Dienste bieten auf natürliche Weise die Möglichkeit an, zu einem persönlichen Gespräch, zur Aufforderung, geistliche Lesung zu halten, überzugehen, oder zum Besuch von Einkehrtagen, die auch persönlichen Charakter haben, einzuladen.

116. Oft bietet sich die geistliche Leitung in Verbindung mit der Beichte an, bei der der Priester im Namen Christi handelt und sich als Vater, Freund, Arzt und geistlicher Begleiter verhält. Er ist Diener der Vergebung und leitet auf dem Weg der Kontemplation und der Vollkommenheit an, wobei er das Lehramt und die geistliche Tradition der Kirche treu beachtet.

Geistliche Leitung im geweihten Leben

117. Menschen, die sich entsprechend den verschiedenen, in der Kirche dafür existierenden Lebensformen Gott geweiht haben, stehen in einer radikal dem Evangelium gemäßen und » apostolisch « gelebten Nachfolge, wobei in ihrem Fall » durch das Bekenntnis zu den evangelischen Räten «[96] eine » besondere Weihe « hinzukommt.[97]

Im geweihten Leben muss sowohl dem spezifischen Charisma (Gründungscharisma) als auch der (bei der Profess abgelegten) besonderen Weihe Beachtung geschenkt werden. Gleiches gilt für die verschiedenen, in den jeweiligen Konstitutionen, Regeln usw. vorgesehenen kontemplativen, am Evangelium ausgerichteten, gemeinschaftlichen und missionarischen Lebensformen.

118. Auf dem Weg zum geweihten Leben schreitet man etappenweise voran. Diese Etappen beinhalten sowohl eine unmittelbare Vorbereitung, als auch eine Vorbereitung auf lange Sicht, die stets darauf abzielen, eine wahre Eignung (Summe von Eigenschaften) zu erzielen, wobei die Berufung zunehmend an Authentizität gewinnt, was den Überzeugungen und Motivationen (welche Identitätszweifel zerstreuen) sowie den freien Entscheidungen zu verdanken ist, die man aus dem Evangelium herleitet.

119. Weiterhin gibt es auch konkrete Probleme, die man – sofern der Ordenschrist der geistlichen Leitung unbeirrbar Aufmerksamkeit schenkt – nur als » Wachstumskrise « und als Krise im » Reifeprozess « bezeichnen könnte: die Rede ist von Problemen wie physisch oder moralisch bedingter Einsamkeit, Misserfolgen (scheinbare, oder wirkliche), emotionaler Unreife, der Suche nach gesunden Freundschaften, nach innerer Freiheit und Treue zum Gehorsam, nach gelassener Annahme des Zölibats als Zeichen Christi, des Bräutigams seiner Braut, der Kirche, usw.

120. Die geistliche Leitung von Menschen, die sich Gott geweiht haben, verlangt die Erwägung von weiteren Gesichtspunkten, die über die schon oben erwähnten hinausgehen. Durch die Profess oder den besonderen Vorsatz »„Sichtbarkeit” mitten in der Welt«[98] von Christus, der jungfräulich, arm und gehorsam gelebt hat, sowie » lebendige Erinnerung an die Lebens – und Handlungsweise Jesu« zu sein,[99] erhalten die Nachfolge im Sinne des Evangeliums, das Gemeinschaftsleben und die Sendung im Rahmen geschichtlicher Gnadenereignisse Anstöße, die von einem besonderen Charisma ausgehen.

Die geistliche Leitung derjeniger, die einer Form des gottgeweihten Lebens angehören, setzt einen besonderen Weg der Kontemplation, der Vollkommenheit, des Gemeinschaftslebens und der Sendung voraus, der am sakramentalen Wesen der Kirche teilhat, einer Kirche, die Geheimnis, Gemeinschaft und Sendung ist. Es muss Hilfestellung geleistet werden, damit die Gabe so, wie sie ist, empfangen und gelebt wird, denn es handelt sich darum »Christus enger zu folgen... im Streben nach vollkommener Liebe im Dienst des Gottesreiches «,[100] eine Liebe anzusteuern, die das Merkmal der Ganzheit besitzt, persönlich und bräutlich ist und ermöglicht, »im Herzen Christi seinen Zeitgenossen „ noch näher ” sein «.[101]

121. Die Priester, denen dieser Dienst der geistlichen Begleitung anvertraut ist, wissen, »dass alle Ordensmänner und Ordensfrauen als ausgezeichneter Teil im Hause Gottes eine eigene Sorge für ihren geistlichen Fortschritt zum Wohl der ganzen Kirche verdienen «.[102]

Geistliche Leitung für Laien

122. Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit gilt für jede christliche Berufung im Besonderen. Sie macht keine Abstriche, denn sie ist immer eine Berufung zu höchster Vollkommenheit: »Liebt... Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist. « (Mt 5,44.48). Die geistliche Leitung, die dem Christen zukommt, der berufen ist, als Laie zu leben, setzt diese christliche Berufung zur Vollkommenheit voraus, jedoch liegt die Besonderheit des Rufes der Laien darin, ausgehend vom Evangelium in der Welt Sauerteig zu deren Heiligung zu sein und in eigener Verantwortung sowie in Gemeinschaft mit der Kirche zu handeln, mit den weltlichen Dingen Umgang zu haben und diese auf Gott hin auszurichten.[103] Der geistliche Leiter muss auf die persönliche Beziehung zu Gott eingehen und dort Hilfestellung leisten (die Teilnahme an der Eucharistiefeier und das Gebet konkret festlegen, die Gewissenserforschung, die Lebenseinheit als Ziel aufzeigen), das Gewissen bilden und die Heiligung des Bereichs der Familie, der Arbeit und der sozialen Beziehungen sowie des öffentlichen Lebens unterstützen. » Auf solche Weise ausgeführte Arbeit ist Gebet. Solches Studium ist Gebet. So ausgeführte wissenschaftliche Forschung ist Gebet. Alles läuft auf ein einziges Motiv hinaus: alles ist Gebet, alles muss uns zu Gott bringen und vermag dies auch zu leisten, alles eine ständige Beziehung zu ihm nähren, vom Morgen bis zum Abend. Jede ehrbare Arbeit kann Gebet sein; und jede Arbeit ist Gebet, Apostolat. Auf diese Weise erstarkt die Seele, indem sich ihr Leben eint und einfach und robust wird «.[104]

Wie Benedikt XVI. in Erinnerung gerufen hat, tragen alle Getauften für die Verkündigung des Evangeliums Verantwortung: »Die Laien sind berufen, ihrer prophetischen Aufgabe nachzukommen, die direkt der Taufe entspringt, und das Evangelium im täglichen Leben zu bezeugen, wo immer sie sich befinden «.[105]

Dass Laien die geistliche Leitung oder Beratung angeboten wird, bedeutet nicht etwa, dass es ihnen an Reife oder sonstigen Fähigkeiten fehlt, vielmehr ist sie eine (vonseiten des Beraters) brüderlich angebotene Hilfe, die darauf abzielt, dass man sich in eigener Initiative und Verantwortung geistlich und apostolisch als echter Jünger Christi in die Humanbereiche der Arbeit, der Familie, der Politik, der Wirtschaft usw. einbringt, um sie von innen her zu heiligen.

123. Die geistliche Leitung der Laien zielt also ohne Abstriche auf den Weg der Heiligkeit und der Sendung ab, denn der Laie nimmt nicht nur wie jeder Getaufte am priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi teil,[106] sondern lebt diesen Sachverhalt aufgrund einer besonderen Gnade, die ihm einen Platz in der Welt zuteilt, was ihm einen » spezifischen und in jeder Hinsicht notwendigen Anteil an der Sendung der Kirche « gibt.[107]

Sie sind »von Gott gerufen, ihre eigentümliche Aufgabe, vom Geist des Evangeliums geleitet, auszuüben und so wie ein Sauerteig zur Heiligung der Welt gewissermaßen von innen her beizutragen«.[108]

Sie tragen dazu bei, » die Herrschaft Gottes auszubreiten und die zeitliche Ordnung mit dem Geist Christi zu durchdringen und zu vervollkommnen «,[109] d.h. es kommt ihnen zu, » in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen «.[110] Ihre geistliche Begleitung wird daher versuchen, Sie » an der Heilssendung der Kirche« teilhaftig werden zu lassen,[111] damit diese » inmitten der zeitlichen Dinge präsent und wirksam « ist.[112]

124. Der Beistand der geistlichen Beratung ist sowohl im geistlichen, als auch in den verschiedenen alltäglichen Umständen sozialer, familiärer und beruflicher Natur nötig, vor allem dann, wenn man im familiären und sozialpolitischen Leben die grundlegenden Maßstäbe des christlichen Lebens darlegen und für sie Zeugnis ablegen muss. Sofern ein ehrliches Verlangen nach Heiligkeit besteht, kann selbst der vielbeschäftigste Apostel geistlichen Rat einholen.

Berücksichtigung der verschiedenen Persönlichkeitsebenen bei der geistlichen Leitung

125. Dem Christ wird natürlich ein Weg der Gleichgestaltung mit Christus vorgeschlagen. Man kann von verschiedenen Ebenen oder Dimensionen der Ausbildung reden: menschliche, geistliche, intellektuelle, berufliche, pastorale. Es handelt sich um Aspekte, die sich gegenseitig ergänzen und in der kirchlichen Gemeinschaft sowie im Hinblick auf die Sendung ein harmonisches Ganzes bilden. Stets steht die Person sowohl als Mitglied einer Gemeinschaft von Menschen als auch als Mitglied einer kirchlichen Gemeinschaft im Mittelpunkt.

126. Die menschliche Ebene oder Dimension soll in ihrem persönlichen und gemeinschaftlichen Aspekt auf angemessene Weise berücksichtigt werden, denn man muss der Person als Mensch in rechter Weise Achtung entgegenbringen und sie wissen lassen, dass sie einerseits geliebt und andererseits imstande ist, in wahrer Hingabe selbst zu lieben. Dies setzt einen Prozess der Freiheit voraus, der letztlich auf Gott gründet, der die Liebe ist, und in dessen Gemeinschaft jede Person Beziehung und Gabe ist, und in dessen Licht daher dieser Prozess vollzogen werden kann. Eine Person richtet man also durch objektive Kriterien auf, durch eine authentische Werteskala, durch Motivationen, die in der Liebe ihren Ursprung haben, durch die Bereitschaft zum Austausch in Beziehungen und Dienstleistungen.

Inspirationsquelle der geistlichen Beratung ist das Geheimnis Christi, in dessen Licht das Geheimnis des Menschen sich erhellt.[113] Gabe und Selbsthingabe sind das Ziel der Erziehung des Menschen. Auf diese Weise lernt er zuzuhören, in Gemeinschaft mit anderen zu sein, andere zu verstehen, zu begleiten, sich auszutauschen, mitzuarbeiten, gute Freundschaften zu schließen.

Der Christ pflegt diese menschlichen Tugenden im Licht des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Wie Christus denken, urteilen, lieben. Die Konzilstexte und das nachkonziliare Lehramt rufen dazu auf, den Menschen so zu formen, dass er für Themen wie Gerechtigkeit und Frieden sowie Wahrung der Harmonie inmitten der Unterschiede sensibilisiert und zur Initiative befähigt wird; er soll dazu befähigt werden, über neue Werte zu staunen und gegenüber diesen Offenheit zu zeigen, zu Beständigkeit, Starkmut, Bereitschaft zu neuen Unternehmungen, Brüderlichkeit, Ehrlichkeit, Aufnahmebereitschaft, Zuhören, Mitarbeit, Pflege der menschlichen Beziehungen und zu guten Freundschaften.[114]

127. Der Prozess des geistlichen Lebens stellt sich, gerade aufgrund seiner Eigenschaft als gelebte Erfahrung der Suche nach der Wahrheit, dem Guten und dem Schönen, als Gefüge dar, in dem Geist, Emotionalität, Willen, Erinnerung, Sinn und Bedeutung harmonisch miteinander verflochten sind. Mithin führt die Ausbildung zu einer inneren »Beständigkeit« und kommt, »in der Fähigkeit, abgewogene Entscheidungen zu fällen, und in einem treffenden Urteil über Ereignisse und Menschen « zum Ausdruck.[115]

Es handelt sich um einen Prozess, bei dem man die Erfüllung der Pflichten, die betrachtende Liebe, das Studium und die äußere Tätigkeit harmonisch aufeinander abstimmt, was für die » Lebenseinheit « des Apostels notwendig ist.

Die geistliche Beratung hilft dabei, die eigene Zerbrechlichkeit zu kennen und diese zu überwinden, und zwar im Bereich der Willensentscheide, der Erinnerungen, der Gefühle und der soziologischen, kulturellen, psychologischen Konditionierungen.

128. Dank der geistlichen Leitung gelingt es, die Gebetszeiten, die Zeiten für das Familien- und Gemeinschaftsleben, aber auch die Pflichten gegenüber den Kindern, der Arbeit und die Auszeiten besser zu planen; man lernt das innere, aber auch das äußere Schweigen schätzen und entdeckt den positiven Aspekt von Problemen und Leid.

Die Begleitung auf dieser menschlich-christlichen Ebene kann unter dem Einfluss der göttlichen Gnade auf folgende drei Fragen Antwort geben: Wer bin ich? (Identität), Wer ist an meiner Seite? (Beziehungen), Wozu? (Sendung). So werden Maßstäbe, Wünsche, Beweggründe, Werte und Haltungen hinterleuchtet und wo nötig, vom Glauben, von der Hoffnung und der Liebe sowie von den ensprechenden moralischen Tugenden – mit einem Wort: von einem Leben in Christus – korrigiert. Die menschlich-christliche Existenz soll also dahin gelangen, sich in der Liebe, d.h. in einer wahren Hingabe an Gott und den Nächsten zu verwirklichen – das ist das Ziel der Erziehung.

In diesem gesamten Prozess muss man die Beziehung zwischen Natur und Gnade beherzigen (wie bei der Beziehung zwischen Glaube und Vernunft), indem man Unterscheidungen trifft und Harmonie herstellt, denn »gratia non tollit, sed perficit naturam.« (Gnade hebt die Natur nicht auf, sondern vollendet sie).[116] Dies ist ein Thema von höchster Wichtigkeit, wenn es darum geht, einige konkrete Hinweise und Mittel vorzuschlagen, welche die jeweilige Psyche, die kulturellen Unterschiede und die Vielfalt der Charismen respektieren, die ihren Platz in den verschiedenen Lebensumständen der Menschen haben. Vor allem gilt dieser Respekt aber den Glaubensinhalten.

129. Zwischen Natur und Gnade muss eine Einheit bestehen, wobei man letzterer jedoch einen gewissen Vorrang einzuräumen hat, insofern als sie Prinzip der Teilnahme am neuen und göttlichen Leben ist. »Einer der Aspekte des modernen technisierten Geistes besteht in der Neigung, die mit dem Innenleben verbundenen Fragen und Regungen nur unter einem psychologischen Gesichtspunkt bis hin zum neurologischen Reduktionismus zu betrachten. Die Innerlichkeit des Menschen wird so entleert, und das Bewusstsein von der ontologischen Beschaffenheit der menschlichen Seele mit ihren Tiefen, die die Heiligen auszuloten wussten, geht allmählich verloren. Die Frage der Entwicklung ist auch mit unserer Auffassung von der Seele des Menschen eng verbunden, da unser Ich oft auf die Psyche reduziert wird und die Gesundheit der Seele mit dem emotionalen Wohlbefinden verwechselt wird. Diesen Verkürzungen liegt ein tiefes Unverständnis des geistlichen Lebens zugrunde. Sie führen dazu, nicht anerkennen zu wollen, dass die Entwicklung des Menschen und der Völker jedoch auch von der Lösung von Problemen geistlicher Art abhängt «.[117]

130. Eine gute Kenntnis der Temperamente und Charaktere wird nützlich sein, um mäßigend und lenkend einzugreifen: Indem man unter Verwendung einer von den Vätern bei Hippokrates entlehnten „klassischen” Typologie, beispielsweise den Wunsch, große Ideale zu verwirklichen darauf hinwirkt, dass der Koleriker weder stolz noch selbstgenügsam wird, dass die Sanftmut des Sanguinikers sich nicht in Eitelkeit und Oberflächlichkeit verwandelt, dass die Neigung des Melancholikers zum inneren Leben und zur Einsamkeit nicht in Passivität und Entmutigung ausartet, und dass die Beharrlichkeit und der Gleichmut des Phlegmatikers sich nicht in Nachlässigkeit verwandeln.

An dieser Stelle, d.h. auf dieser menschlichen Ebene ist das Thema der » psychologischen Hilfe « anzusiedeln: diese Begleitung » kann in bestimmten Fällen und unter klaren Bedingungen zwar unterstützt, aber niemals durch Formen psychologischer Analyse oder Hilfe ersetzt werden «.[118] In diesem Zusammenhang kann man kirchliche Dokumente zu Rate ziehen, die erläutern, unter welchen Umständen und Bedingungen diese menschlichen Hilfsmittel auf rechte Weise benutzt werden können.[119]

131. Wie es logisch erscheint, hat bei der geistlichen Leitung die geistliche Ebene oder Dimension Vorrang, denn die Beratung zielt hauptsächlich auf ein Wachstum in der Treue zur eigenen Berufung und in der Beziehung zu Gott ab (Gebet, Betrachtung); sie zielt auf Heiligkeit oder Vollkommenheit ab, auf ein Leben in Brüderlichkeit oder in der kirchlichen Gemeinschaft sowie darauf, dass man sich für das Apostolat bereithält.

Daher muss die Planung des geistlichen Lebens Bezug auf ein Projekt nehmen (Grundzüge des geistlichen Lebens), einige Zielvorstellungen nennen (Reinigung, Erleuchtung, Einheit), diese etappenweise und entsprechend der geistlichen Reifestufe, die der Empfänger der geistlichen Leitung erreicht hat, darstellen und entsprechende Mittel aufführen.

132. Studium und Lektüre müssen der menschlich-christlichen und geistlichen Dimension Nahrung bieten. Man könnte in diesem Zusammenhang von einer akademischen oder lehrmäßigen Dimension der geistlichen Leitung sprechen. Die akademische Ausbildung (für das geistliche Leben erforderlich) muss fortgeführt und im Lebensalltag vertieft werden, indem man sich im Leben der Heiligen, den Autoren im Bereich des geistlichen Lebens und in den klassischen Schriften christlicher Spiritualität Impulse einholt.

Die geistliche Leitung richtet sich in ihrer akademischen und lehrmäßigen Dimension auf die Verkündigung, die Feier und den Lebensvollzug des Geheimnisses Christi aus. Sie soll dazu beitragen, » den Alumnen immer tiefer das Mysterium Christi zu erschließen, das die ganze Geschichte der Menschheit durchzieht, sich ständig der Kirche mitteilt und im priesterlichen Dienst in besonderer Weise wirksam wird «.[120] Die christologische Ausrichtung des geistlichen Lebens ist die geeignetste Basis, um beim Predigen, bei der Unterweisung der Gläubigen auf dem Weg der Betrachtung, der Nächstenliebe und des Apostolats ein gutes Resultat zu erzielen.

Eine geistliche Leitung, die diese lehrmäßige Dimension besitzt, fördert die Freude am persönlichen und gemeinschaftlichen Studium und die stete Lektüre (persönliche und gemeinschaftliche) der großen Klassiker aller Zeiten aus Ost und West im geistlichen Leben.

133. Bei der geistlichen Beratung und Begleitung muss notwendigerweise über den Einsatz im Apostolat gesprochen werden. Man soll also Beweggründe, Neigungen und konkrete Situationen untersuchen, damit der Empfänger der geistlichen Leitung sich bereitwilliger der Sendung hingeben kann. Die Treue zum Heiligen Geist verleiht eine unaufdringliche » Kühnheit, die sie [die Apostel] anleitet, anderen ihre Erfahrungen mit Jesus und die Hoffnung, die sie erfüllt, mitzuteilen. «[121] Allein aufgrund dieser Freiheit im Geiste wird der Apostel fähig sein, es mit den persönlichen Schwierigkeiten und den millieubedingten Problemen jeder Zeitepoche aufzunehmen.

Im Bereich des Apostolats und der Seelsorge behandelt die geistliche Leitung schließlich die Art und Weise, Zeugnis abzulegen, Christus zu verkünden, die Liturgie mitzufeiern und in den verschiedenen Bereichen der Nächstenliebe zu dienen.

Wenn es an einer geistlichen Leitung fehlt, die auf den Weg der Vollkommenheit und Großzügigkeit im Sinne des Evangeliums führt, werden die Pastoralpläne nur schwerlich das Hauptziel der Seelsorge verwirklichen können, das darin besteht, einzelne Menschen und Gemeinschaften zur Heiligkeit und Gleichgestaltung mit Christus zu führen (vgl. Kol 1,28; Gal 4,19).

134. Der Prozess der geistlichen Leitung sorgt dafür, dass bei der theologischen und seelsorglichen Ausbildung der Mensch als Beziehungswesen betrachtet wird. Jedes Thema, ob eines bezüglich der Lehre oder der Praxis, gibt Anlass und Möglichkeit, Christus auf lebendige Weise zu begegnen (vgl. Mk 3,13-14; Joh 1,39); so trachtet man danach, sich gemäß dem Evangelium in die Nachfolge Christi zu begeben (vgl. Mt 4,19-22; Mk 10,21-31.38) und tut dies in Gemeinschaft mit den Brüdern (vgl. Lk 10,1; Joh 17,21-23), um gemeinsam die Sendung zu verwirklichen und fortzusetzen (vgl. Joh 20,21). Die geistliche Leitung trägt als Dienst zu einer persönlichen Ausbildung bei, aus der die Kirche als Gemeinschaft hervorgeht.[122]

SCHLUSS: »BIS CHRISTUS IN EUCH GESTALT GEWINNT« (Gal 4,19)

135. Wenn die priesterlichen munera im Geiste Christi ausgeübt werden, hinterlassen diese im Herzen eine Spur der »österlichen Freude«[123] und machen »fröhlich in der Hoffnung« (Röm 12,12). Hierauf wies Johannes Paul II. hin, als er den 200. Jahrestag der Geburt des heiligen Pfarrers von Ars beging: » Seid stets davon überzeugt, liebe Brüder im Priesteramt: Dieser Dienst der Barmherzigkeit ist eine der schönsten und trostvollsten Aufgaben. Sie ermöglicht euch, die Gewissen zu erleuchten, ihnen im Namen unseres Herrn Jesus Christus Vergebung zuzusprechen und neue Lebenskraft zu schenken und für sie geistlicher Arzt und Ratgeber zu sein; sie bleibt „ für den priesterlichen Dienst unersetzliches Zeichen und steter Test ” «.[124]

136. »Geistlicher Arzt und Ratgeber« ist man nicht allein dadurch, dass man Sünden vergibt. Dieser Dienst verlangt auch, dass man dem christlichen Leben jene Orientierung verleiht, aufgrund derer Menschen auf großzügigere Weise den Plänen Gottes, der die Liebe ist, entsprechen können. Wenn der Priester großzügig diese Pläne unterstützt, ermöglicht er, dass die Gnaden des Heiligen Geistes, die Gott zu allen Zeiten seiner Kirche spendet, tatsächlich zur Blüte kommen. So heißt es in diesem Zusammenhang im Konzilstext: » Um ihre pastoralen Ziele einer inneren Erneuerung der Kirche, der Ausbreitung des Evangeliums über die ganze Erde und des Gespräches mit der heutigen Welt zu verwirklichen, mahnt daher die Heilige Synode alle Priester inständig, mit Hilfe der von der Kirche empfohlenen entsprechenden Mittel nach stets größerer Heiligkeit zu streben, um so immer mehr geeignete Werkzeuge für den Dienst am ganzen Gottesvolk zu werden «.[125]

Die Ausübung des prophetischen, liturgischen und diakonischen Dienstes in diesem Geiste wird dazu führen, dass die Inhalte der vier Konstitutionen des Zweiten Vatikanischen Konzils in einer Kirche anwendung finden, die sich als »Sakrament«, d.h. als durchscheinendes Zeichen Christi (Lumen Gentium) als die Kirche des Wortes (Dei Verbum), des Ostergeheimnisses (Sacrosanctum Concilium) erweist, als Kirche, die in der Welt und mit dieser solidarisch (Gaudium et Spes) Geheimnis der communio für die Sendung ist.

All dies verlangt, wie dies stets nach den Konzilen der Fall war, von den Getauften Engagement auf dem Weg der Heiligkeit und des Apostolats.

137. Die Seelsorge zur Förderung der Heiligkeit beginnt mit deren Verkündigung in der Predigt und verwirklicht sich vor allem im Versöhnungssakrament und durch die geistliche Leitung, welche stets ihren Bezug zur Eucharistie wahren. Sie findet hauptsächlich im priesterlichen Dienst ihre Umsetzung.

138. Wie Papst Benedikt XVI. feststellt, brauchen aktuelle Werte wie Fortschritt und Technik eine » Seele «, eine » Spiritualität «: » Die Entwicklung muss außer dem materiellen auch ein geistig-geistliches Wachstum umfassen, weil der Mensch eine »Einheit aus Seele und Leib« ist, geboren von der schöpferischen Liebe Gottes und zum ewigen Leben bestimmt... Es gibt keine vollständige Entwicklung und kein universales Gemeinwohl ohne das geistliche und moralische Wohl der in ihrer Gesamtheit von Seele und Leib gesehenen Personen «.[126]

Die geistliche Leitung und Begleitung der Getauften erweist sich als ein faszinierender Prozess, der den Beichtvater oder geistlichen Leiter selbst dazu anspornt, mit Freude auf dem Weg der Hingabe an den Herrn voranzuschreiten. »Sie erfordert neue Augen und ein neues Herz, die imstande sind, die materialistische Sicht der menschlichen Geschehnisse zu überwinden und in der Entwicklung ein » darüber hinaus « zu sehen, das die Technik nicht geben kann. Auf diesem Weg wird es möglich sein, jene ganzheitliche menschliche Entwicklung fortzusetzen, die ihr Orientierungskriterium in der Antriebskraft der Liebe in der Wahrheit hat «.[127]

Dann werden die Priester erfahren, dass sie »in der Ausübung ihres Amtes nie allein« sind.[128] Sie werden sich dessen bewusst, dass der auferstandene Christus derjenige ist, der sie aussendet, begleitet und erwartet; dass er es ist, der bei der »Ausführung des Heilsplanes Gottes« ihnen zur Seite steht, wobei sein Geheimnis »nur allmählich verwirklicht wird ... zum Aufbau des Leibes Christi, bis die Fülle seines Altersmaßes erreicht ist «.[129]

139. Will man die ständige Reform des kirchlichen Lebens vorantreiben, bedarf dies eines unmissverständlichen Grundtons der Hoffnung. Ein Aufblühen der Berufungen zum Priesteramt und zum geweihten Leben sowie eine Blüte des kirchlichen Einsatzes der Laien auf dem Weg der Heiligkeit und des Apostolats setzen die Erneuerung, die verstärkte Ausübung des Versöhnungsdienstes und der geistlichen Leitung voraus, die mit klugem Enthusiasmus und großzügiger Selbsthingabe bewerkstelligt werden müssen. Darin besteht der » neue Frühling «, den Johannes Paul II. sich gewünscht hat: » Noch nie hatte die Kirche so wie heute die Möglichkeit, das Evangelium durch das Zeugnis und das Wort allen Menschen und allen Völkern zukommen zu lassen. Ich sehe ein neues Missionszeitalter heraufdämmern, das zu einem hellen Tag, reich an Früchten, werden wird, wenn alle Christen ... mit Hochherzigkeit und Heiligkeit auf die Appelle und Herausforderungen unserer Zeit antworten «.[130]

140. Neue Konstellationen von Ereignissen und neue Gnaden sind Vorzeichen eines neuen apostolischen Eifers: »Wie die Apostel nach der Himmelfahrt Christi, so muss sich die Kirche im Abendmahlssaal versammeln »mit Maria, der Mutter Jesu« (Apg 1,14), um den Geist zu erflehen und Kraft und Mut für die Erfüllung des Sendungssauftrages zu erhalten. Auch wir, mehr noch als die Apostel, müssen vom Geist verwandelt und geführt werden«.[131] Dem Versöhnungsdienst und dem Dienst der geistlichen Leitung kommt in diesem ständigen Prozess der Öffnung und der Treue der ganzen Kirche und insbesondere des Amtspriestertums gegenüber dem Wirken des Heiligen Geistes ein Schlüsselbedeutung zu.

Vatikanstadt, 9. März 2011

Aschermittwoch
MAURO Card. PIACENZA
Präfekt

✠ CELSO MORGA IRUZUBIETA
Titularerzbischof von Alba marittima

Sekretär

ANHANG I: GEWISSENSERFORSCHUNG FÜR PRIESTER

1. » Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind. « (Joh 17,19) Habe ich als Priester ernsthaft den Vorsatz heiligmäßig zu leben? Bin ich davon überzeugt, dass die Fruchtbarkeit meines priesterlichen Dienstes von Gott kommt und dass ich mich, mit der Gnade des Heiligen Geistes, mit Christus identifizieren und mein Leben für das Heil der Welt hingeben muss?

2. » Das ist mein Leib « (Mt 26,26) Ist das heilige Messopfer der Mittelpunkt meines inneren Lebens? Bereite ich mich gut darauf vor, feiere ich es andächtig und versenke ich mich danach in dankbares Gebet? Ist die hl. Messe für mich an jedem Tag ein regelmäßiger Bezugspunkt für mein Gotteslob und meinen Dank an Gott für seine Wohltaten? Nehme ich dabei immer wieder Zuflucht zu seiner Güte und Nachsicht und leiste ich Wiedergutmachung für meine Sünden und für die Sünden aller Menschen?

3. » Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. « (Joh 2,17) Feiere ich die hl. Messe nach den festgesetzten Riten und Normen, mit echter Motivation, nach den approbierten liturgischen Büchern? Gehe ich sorgfältig mit den im Tabernakel aufbewahrten geweihten Hostien um, erneuere ich sie in regelmäßigen Abständen? Bewahre ich die sakralen Gefäße mit Sorgfalt auf? Trage ich in Würde die von der Kirche vorgeschriebenen liturgischen Gewänder, in dem Bewusstsein, dass ich in persona Christi Capitis, in der Person Christi des Hauptes der Kirche, handle?

4. » Bleibt in meiner Liebe! « (Joh 15,9) Bereitet es mir Freude, bei meiner Meditation und stillen Anbetung vor Jesus Christus zu verweilen, der im allerheiligsten Sakrament gegenwärtig ist? Halte ich treu an dem täglichen Besuch vor dem allerheiligsten Sakrament fest? Ist mein Schatz im Tabernakel?

5. » Erkläre uns das Gleichnis « (Mt 13,36) Halte ich gewissenhaft täglich meine Meditation, indem ich mich bemü- he, jede Art von Ablenkung, die mich von Gott trennt, zu überwinden? 75 Indem ich nach dem Licht des Herrn suche, dem ich diene? Meditiere ich regelmäßig die Heilige Schrift? Spreche ich gewissenhaft meine gewohnten Gebete?

6. » Allezeit beten und darin nicht nachlassen « (Lk 18,1) Bete ich vollständig, würdig, gewissenhaft und andächtig die tägliche Liturgie des Stundengebets? Bin ich in dieser wichtigen Dimension meines Dienstes, nämlich im Namen der ganzen Kirche zu beten, meiner Verpflichtung gegenüber Christus treu?

7. » Komm und folge mir nach « (Mt 19,21) Ist er, unser Herr Jesus Christus, die wahre Liebe meines Lebens? Komme ich mit Freude der Verpflichtung meiner Liebe gegenüber Gott nach, indem ich die zölibatäre Enthaltsamkeit lebe? Habe ich mich bewusst auf unreine Gedanken, Wünsche oder Handlungen eingelassen; habe ich unziemliche Unterhaltungen geführt? Habe ich mich unmittelbar in eine Gelegenheit begeben, gegen die Keuschheit zu sündigen? Habe ich meinen Blick in Acht genommen? War ich vorsichtig im Umgang mit den verschiedenen Kategorien von Menschen? Ist mein Lebenswandel für die Gläubigen ein Zeugnis für die Tatsache, dass die Reinheit etwas ist, das möglich, fruchtbar und frohmachend ist?

8. » Wer bist Du? « (Joh 1,19) Finde ich in meinem gewohnheitsmäßigen Verhalten Anhaltspunkte für Schwäche, Faulheit oder Schlaffheit? Entsprechen meine Gespräche der menschlichen und übernatürlichen Gesinnung, die ein Priester haben sollte? Achte ich darauf, dass sich in mein Leben keine oberflächlichen oder ordinären Elemente einschleichen? Stehen all meinen Handlungen im Einklang mit meinem Priesterstand?

9. » Der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. « (Mt 8,20) Liebe ich die christliche Armut? Mache ich mein Herz in Gott fest und bin ich innerlich losgelöst von allem übrigen? Bin ich bereit, um Gott besser zu dienen, auf all meinen derzeitigen Komfort, auf meine persönlichen Pläne und auf meine legitimen Neigungen zu verzichten? Besitze ich überflüssige Dinge, habe ich für unnötige Dinge Geld ausgegeben oder lasse ich mich von Konsumgier einfangen? Tue ich das möglichste, die Zeiten der Ruhe und der Erholung in der Gegenwart Gottes zu leben, im Bewusstsein, dass ich immer und überall Priester bin, auch in diesen Zeiten?

10. »Weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast « (Mt 11,25) Gibt es in meinem Leben Sünden des Hochmuts: innere Empfindlichkeit, Reizbarkeit, Widerstand gegen das Verzeihen, Neigung zu Mutlosigkeit, usw.? Erbitte ich von Gott die Tugend der Demut?

11. » Und sogleich floss Blut und Wasser heraus « (Joh 19,34) Habe ich die Überzeugung, dass ich, wenn ich in persona Christi handle, direkt in die Mitte des Leibes Christi, der Kirche, hineingezogen bin? Kann ich ehrlich sagen, dass ich die Kirche liebe und dass ich mit Freude ihrem Wachstum, ihren Anliegen, einem jeden ihrer Mitglieder und der ganzen Menschheit diene?

12. » Du bist Petrus « (Mt 16,18) Nihil sine Episcopo – nichts ohne den Bischof – pflegte der hl. Ignatius von Antiochien zu sagen: Liegen diese Worte meinem priesterlichen Dienst zu Grunde? Habe ich die Anweisungen, Ratschläge und Zurechtweisungen meines Bischofs gehorsam angenommen? Bete ich besonders für den Heiligen Vater, in voller Gemeinschaft mit seinen Lehren und Absichten?

13. » Liebt einander! « (Joh 13,34) Habe ich im Umgang mit meinen Brüdern im Priesterstand mit Eifer die Liebe gelebt oder habe ich mich im Gegenteil aus Egoismus, Teilnahmslosigkeit oder Gleichgültigkeit nicht für sie interessiert? Habe ich meine Brüder im Priesterstand kritisiert? Habe ich denen beigestanden, die an körperlicher Krankheit oder seelischem Schmerz leiden? Lebe ich die Brüderlichkeit, damit keiner allein ist? Behandle ich alle meine Brüder im Priesterstand und auch die gläubigen Laien mit derselben Liebe und Geduld Christi?

14. »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben« (Joh 14,6) Kenne ich von Grund auf die Lehren der Kirche? Eigne ich sie mir an und gebe ich sie wahrheitsgetreu weiter? Bin ich mir der Tatsache bewusst, dass es einen schweren Missbrauch darstellt, der den Seelen Schaden zufügt, wenn ich feierlich oder alltäglich etwas lehre, was nicht mit dem Lehramt übereinstimmt?

15. » Geh und sündige von jetzt an nicht mehr! « (Joh 8,11) Die Verkündigung des Wortes Gottes führt die Gläubigen zu den Sakramenten. Beichte ich regelmäßig und häufig, wie es meinem Stand und den heiligen Gegenständen, mit denen ich umgehe, angemessen ist? Spende ich großzügig das Sakrament der Versöhnung? Bin ich weitgehend verfügbar für die geistliche Leitung der Gläubigen, indem ich ihnen eine bestimmte Zeit widme? Bereite ich die Predigt und die Katechese sorgfältig vor? Predige ich mit Eifer und spricht aus meiner Predigt die Liebe zu Gott?

16. » Und rief die zu sich, die er erwählt hatte, und sie kamen zu ihm « (Mk 3,13) Bemühe ich mich liebevoll darum, die Keime der Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben zu entdecken? Trage ich Sorge dafür, dass sich unter allen Gläubigen ein stärkeres Bewusstsein der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit ausbreitet? Bitte ich die Gläubigen, um Berufungen und die Heiligung der Priester zu beten?

17. »Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen « (Mt 20,28) Habe ich danach gestrebt, mich im Alltag den anderen zu widmen, indem ich ihnen dem Evangelium entsprechend diene? Mache ich die Liebe des Herrn auch in Werken sichtbar? Sehe ich im Kreuz die Gegenwart Christi und den Sieg der Liebe? Ist mein Alltag vom Geist des Dienens geprägt? Betrachte ich auch die Ausübung der mit dem Amt verbundenen Autorität als eine unerlässliche Form des Dienens?

18. » Mich dürstet « (Joh 19,28) Habe ich für die Seelen, die Gott mir anvertraut hat, gebetet und mich tatsächlich und mit Großmut für sie aufgeopfert? Erfülle ich meine seelsorgerlichen Pflichten? Sorge ich mich auch um die Seelen der Verstorbenen?

19. » Frau, siehe, dein Sohn! ... Siehe, deine Mutter! « (Joh 19,26-27) Wende ich mich voller Hoffnung an die hl. Jungfrau, die Mutter der Priester, damit sie mir hilft, ihren Sohn Jesus mehr zu lieben und auch die Liebe anderer zu ihm zu vermehren? Pflege ich die marianische Frömmigkeit? Reserviere ich jeden Tag eine Zeit für den heiligen Rosenkranz? Nehme ich im Kampf gegen den Satan, die Begehrlichkeit und das Streben nach eitlem Vergnügen, Zuflucht zu ihrer mütterlichen Fürsprache?

20. » Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. « (Lk 23,46) Bin ich eifrig, den Sterbenden beizustehen und ihnen die Sakramente zu spenden? Betrachte ich in meiner persönlichen Meditation, in der Katechese und in der normalen Predigttätigkeit die Lehre der Kirche über die letzten Dinge? Erbitte ich die Gnade der schließlichen Beharrlichkeit und ermahne ich die Gläubigen dasselbe zu tun? Bringe ich häufig und andächtig Fürbitten für die Verstorbenen vor?

ANHANG II: GEBET DES PRIESTERS VOR DEM BEICHTHÖREN

Gib mir Weisheit, Herr, die mir Zur Seite steht, wenn ich im Beichtstuhl bin, damit ich es verstehe, dein Volk in Gerechtigkeit und deine Armen mit rechtem Urteilsspruch zu richten. Lass mich die Schlüssel des Himmelreiches so gebrauchen, dass ich niemandem öffne, vor dem es verschlossen werden müsste und dass ich es vor niemandem verschließe, dem es geöffnet werden müsste. Meine Absicht sei rein, mein Eifer aufrichtig, meine Liebe geduldig, meine Mühe fruchtbar.

Lass mich milde sein aber nicht nachgiebig, streng aber nicht hart; lass mich den Armen nicht verachten und dem Reichen nicht schmeicheln. Lass mich liebenswürdig sein, damit ich die Sünder ermutige, klug bei meinen Fragen und kundig in meiner Belehrung.

Gewähre mir, so bitte ich, Geschick darin, sie vom Bösen abzuhalten und Eifer, sie im Guten zu bestärken und ihnen dabei zu helfen, sich zu bessern; schenke mir ein reifes Urteil bei meinen Antworten und rechte Ratschläge. Bei undurchsichtigen Tatbeständen schenke mir Licht, bei verwickelten Scharfsinn, bei schwierigen Sieg. Lass nicht zu, dass ich mich mit unnützen Gesprächen aufhalte, und dass ich von verderbten Gedanken angesteckt werde; gib, dass ich die anderen rette und mich selbst nicht verliere. Amen.

ORATIO SACERDOTIS ANTEQUAM CONFESSIONES EXCIPIAT Da mihi, Dómine, sédium tuárum assistrícem sapiéntiam, ut sciam iudicáre pópulum tuum in iustítia, et páuperes tuos in iudício. Fac me ita tractáre claves regni cælórum, ut nulli apériam, cui claudéndum sit, nulli claudam, cui aperiéndum. Sit inténtio mea pura, zelus meus sincérus, cáritas mea pátiens, labor meus fructuósus.

Sit in me lénitas non remíssa, aspéritas non sevéra; páuperem ne despíciam, díviti ne adúler. Fac me ad alliciéndos peccatóres suávem, ad interrogándos prudéntem, ad instruéndos perítum.

Tríbue, quæso, ad retrahéndos a malo sollértiam, ad confirmandos in bono sedulitátem, ad promovéndos ad melióra indústriam: in respónsis maturitátem, in consíliis rectitúdinem, in obscúris lumen, in impléxis sagacitátem, in árduis victóriam: inutílibus collóquiis ne detínear, pravis ne contáminer; álios salvem, me ipsum non perdam. Amen.

GEBET DES PRIESTERS NACH DEM BEICHTHÖREN Herr Jesus Christus, Bräutigam und Heiland der Seelen, ich bitte dich, reinige mich durch die Eingießung des Heiligen Geistes von jeder sündhaften Regung und jedem sündhaften Gedanken und ergänze durch deine grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit, das, worin ich in meinem Dienst, sei es durch Nachlässigkeit, sei es durch Unwissenheit gefehlt habe. Ich vertraue deinen hochheiligen Wunden alle Seelen an, die du zur Buße bewegt und durch dein kostbarstes Blut geheiligt hast, damit du sie vor allen Sünden schützt und in der Ehrfurcht vor dir und der Liebe zu dir bewahrst, sie in den Tugenden von Tag zu Tag voranbringst und zum ewigen Leben führst. Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in Ewigkeit. Amen

Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, nimm diesen Dienst meiner Hingabe in jener Liebe an, mit der du die selige Maria Magdalena und alle Sünder, die zu dir Zuflucht genommen haben, von ihren Sünden befreit hast. Und ergänze und heile gnädig, was ich bei der Spendung dieses Sakramentes nachlässig und nicht würdig genug vollzogen habe. Alle und jeden Einzelnen, der gerade gebeichtet hat, empfehle ich deinem liebenden Herzen mit der Bitte, du mögest sie beschützen und vor Rückfälligkeit bewahren und sie nach dem Elend dieser Welt mit mir zu den ewigen Freuden führen. Amen

ORATIO SACERDOTIS POSTQUAM CONFESSIONES EXCEPERIT Dómine Iesu Christe, dulcis amátor et sanctificátor animárum, purífica, óbsecro, per infusiónem Sancti Spíritus cor meum ab omni affectióne et cogitatióne vitiósa, et quidquid a me in meo múnere sive per neglegéntiam, sive per ignorántiam peccátum est, tua infiníta pietáte et misericórdia supplére dignéris. Comméndo in tuis amabilíssimis vulnéribus omnes ánimas, quas ad pæniténtiam traxísti, et tuo pretiosíssimo Sánguine sanctificásti, ut eas a peccátis ómnibus custódias et in tuo timóre et amóre consérves, in virtútibus in dies magis promóveas, atque ad vitam perdúcas ætérnam: Qui cum Patre et Spíritu Sancto vivis et regnas in sǽcula sæculórum. Amen.

Dómine Iesu Christe, Fili Dei vivi, súscipe hoc obséquii mei ministérium in amóre illo superdigníssimo, quo beátam Maríam Magdalénam omnésque ad te confugiéntes peccatóres absolvísti, et quidquid in sacraménti huius administratione neglegénter minúsque digne perféci, tu per te supplére et satisfácere dignéris. Omnes et síngulos, qui mihi modo conféssi sunt, comméndo dulcíssimo Cordi tuo rogans, ut eósdem custódias et a recidíva præsérves atque post huius vitæ misériam mecum ad gáudia perdúcas ætérna. Amen.

Anmerkungen

  1. Benedikt XVI., Ansprache an die Teilnehmer des von der Apostolischen Pönitentiarie veranstalteten XXI. Kurses über das Forum internum, 11. März 2010.
  2. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 9.
  3. Benedikt XVI., Botschaft an Seine Eminenz Kardinal James Francis Stafford, Großpönitentiar, und an die Teilnehmer des von der Apostolischen Pönitentiarie veranstalteten Kurses über das Forum Internum, 12. März 2009.
  4. Benedikt XVI., Schreiben vom 16. Juni 2009 zum Beginn des Priesterjahres anlässlich des 150. Jahrestages des » dies natalis « von Johannes Maria Vianney.
  5. Paul VI., Enzyklika Populorum progressio (26. März 1967), 42: AAS 59 (1967), 278.
  6. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 40.
  7. Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millenio ineunte (6. Januar 2001), 30: AAS 93 (2001), 287.
  8. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte, 37: l.c., 292.
  9. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Misericordia Dei als »Motu proprio « erlassen, über einige Aspekte der Feier des Sakramentes der Buße (7. April 2002): AAS 94 (2002), 453.
  10. Johannes Paul II., Verkündigungsbulle Aperite portas redemptori (6. Januar 1983), 6: AAS 75 (1983), 96.
  11. Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 34; Zitat aus Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 407.
  12. Benedikt XVI., Ansprache an die Pönitentiare der römischen Basiliken, 19. Februar 2007: AAS 99 (2007), 252.
  13. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Reconciliatio et paenitentia (2. Dezember 1984), 29: AAS 77 (1985) 255-256.
  14. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 5.
  15. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis (25. März 1992), 15: l.c. 680.
  16. Ebd., 26: l.c. 699; Zitat aus Reconciliatio et paenitentia Nr. 31.
  17. Vgl. Benedikt XVI., Schreiben an die Seminaristen, 18. Oktober 2010, 3.
  18. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores gregis (16. Oktober 2003), 39: AAS 96 (2004), 876-877.
  19. Johannes XXIII., Enzyklika Sacerdotii nostri primordia, 85, 88, 90: l.c., 573-574.
  20. Vgl. ebd., 95, l.c., 574-575.
  21. Johannes Paul II., Schreiben an die Priester zum Gründonnerstag 1986, 7: AAS 78 (1986), 695.
  22. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 10.
  23. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, 49, ..., 745.
  24. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 8.
  25. Ebd., 68.
  26. » Das Bußsakrament, das im Leben des Christen so große Bedeutung besitzt, vergegenwärtigt die erlösende Wirksamkeit des Ostergeheimnisses Christi.« (Benedikt XVI., Ansprache an die Pönitentiare der Römischen Basiliken (19. Februar 2007): l.c., 250).
  27. Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 1423, b.
  28. Ebd., Nr. 1424.
  29. Ebd., vgl. 2 Kor 5,20 EU; Mt 5,24 EU.
  30. Ebd., Nr. 1427.
  31. Ebd., Nr. 1428.
  32. Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an eine Gruppe Seminaristen der Diözese Djakovo in Jugoslawien, 26. April 1985.
  33. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 1458.
  34. Ebd., Nr. 1460.
  35. Ebd., Nr. 1465.
  36. Gregor von Nazianz , Predigt 45.
  37. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 22. »Der Dienst der Versöhnung muss in seinem sakralen Charakter geschützt werden, nicht nur aus theologischen, juristischen und psychologischen Gründen, über die ich in den vorausgehenden Ansprachen zu diesem Thema referiert habe, sondern auch aus liebevollem Respekt vor der Intimität der Beziehung des Gläubigen zu Gott.« (Johannes Paul II., An die Mitglieder der Apostolischen Pönitentiarie und die Pönitentiare der römischen Basiliken, 12. März 1994, 3: AAS 87 (1995), 76; vgl. Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 1467.
  38. Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 1469; vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Reconciliatio et paenitentia, 31, V: l.c., 265.
  39. Vgl. Rituale Romanum – Ordo Paenitentiae, Praenotanda 11: editio typica (1974), 15-16.
  40. Vgl. ebd.
  41. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Misericordia Dei als »Motu proprio « erlassen: l.c., 452.
  42. Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 79.
  43. Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 1436.
  44. Ebd., Nr. 1439.
  45. Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini , 61.
  46. Kodex des kanonischen Rechtes , can. 964, § 2.
  47. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Reconciliatio et paenitentia, 32: l.c., 267-268.
  48. Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini, 61.
  49. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1483; vgl. Kodex des Kanonischen Rechtes , can. 962, 1.
  50. CIC , can. 961; cfr. CCEO 720.
  51. Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 1484.
  52. Kodex des kanonischen Rechtes, cann. 959-963; CCEO , cann. 718-721.
  53. Ebd., can. 964: »§ 1. Der für die Entgegennahme sakramentaler Beichten eigene Ort ist eine Kirche oder eine Kapelle. § 2. Was den Beichtstuhl anbelangt, sind von der Bischofskonferenz Normen zu erlassen, dabei ist jedoch sicherzustellen, daß sich immer an offen zugänglichem Ort Beichtstühle befinden, die mit einem festen Gitter zwischen Pönitent und Beichtvater versehen sind, damit die Gläubigen, die dies wünschen, frei davon Gebrauch machen können. § 3. Außerhalb des Beichtstuhls dürfen Beichten nur aus gerechtem Grund entgegengenommen werden. « Vgl. auch CCEO , can. 736 § 1.
  54. Ebd., cann. 965-977; CCEO , cann. 722-730.
  55. Ebd., can. 978, § 2.
  56. Ebd., can. 978, § 1; CCEO , can. 732 § 2.
  57. Ebd., can. 979.
  58. Ebd., can. 981; CCEO , can. 732 § 1.
  59. Vgl. ebd., cann. 982-984; CCEO , cann. 731; 733-734.
  60. Vgl. can. 988: » § 1. Der Gläubige ist verpflichtet, alle nach der Taufe begangenen schweren Sünden, deren er sich nach einer sorgfältigen Gewissenserforschung bewusst ist, nach Art und Zahl zu bekennen, sofern sie noch nicht durch die Schlüsselgewalt der Kirche direkt nachgelassen sind und er sich ihrer noch nicht in einem persönlichen Bekenntnis angeklagt hat. § 2. Den Gläubigen wird empfohlen, auch ihre lässlichen Sünden zu bekennen «.
  61. Vgl. CIC , cann. 987-991; CCEO , can. 719.
  62. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Misericordia Dei als »Motu proprio « erlassen, 3: l.c., 456.
  63. CIC , can. 986; CCEO , can. 735.
  64. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Misericordia Dei als »Motu proprio « erlassen, 1b-2: l.c., 455.
  65. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Antwort Quaenam sunt dispositiones bezüglich der Normen zur Feier des Bußsakrament s (31. Juli 2001): Notitiae 37 (2001) 259-260 (EV 20 [2001] n. 1504); sowie Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Misericordia Dei als »Motu proprio « erlassen, 2: l.c., 455.
  66. Benedikt XVI., Schreiben zum Beginn des Priesterjahres anlässlich des 150. Jahrestages des » dies natalis « von Johannes Maria Vianney.
  67. Vgl. ebd.
  68. Ebd.
  69. Johannes Paul II., Schreiben an die Priester zum Gründonnerstag 1986, 7: l.c., 695.
  70. CIC , can. 978 § 1; CCEO , can. 732 § 2.
  71. Johannes Paul II., Enzyklika Dives in misericordia, 9; l.c., 1208.
  72. Vgl. Johannes Paul II., Predigt während der hl. Messe für die Gläubigen der Diözese Maribor, 19. Mai 1996.
  73. Benedikt XVI., Ansprache an die Pönitentiare, 19. Februar 2007; siehe auch Ansprache vom 7. März 2008. Die Ansprachen von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. an die Pönitentiare sind eine reichhaltige Katechese über die Feier des Bußsakrament s. Die Priester werden darin aufgefordert, selbst dieses Sakrament zu empfangen und den Gläubigen zu helfen, sich dieser Erfahrung der Vergebung und Heiligung zu öffnen. Neben den bereits zitierten Dokumenten empfiehlt sich die ausführliche Lektüre von: RITUALE ROMANUM – Ordo Paenitentiae (2. Dezember 1973); Johannes Paul II., Enzyklika Dives in misericordia (30. November 1980); Apostolisches Schreiben im Anschluss an die Bischofssynode Reconciliatio et paenitentia (2. Dezember 1984); Apostolisches Schreiben Misericordia Dei als » Motu proprio « erlassen, über einige Aspekte der Feier des Sakramentes der Buße (7. April 2002); PENITENZIERIA APOSTOLICA, Il sacramento della penitenza nei Messaggi di Giovanni Paolo II alla Penitenzieria Apostolica – anni 1981, 1989-2000 – (13. Juni 2000); Päpstlicher Rat für die Familie , Vademecum für Beichtväter in einigen Fragen der Ehemoral (1997). In den Fußnoten finden sich auch Zitate von Papst Benedikt XVI. aus seiner Ansprache an die Pönitentiare. Siehe auch: Kodex des Kanonischen Rechtes , Buch IV, Teil I, Titel IV; Katechismus der Katholischen Kirche , Zweiter Teil, Artikel 4.
  74. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, 40: l.c., 723.
  75. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 9.
  76. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Optatam totius , 3.
  77. Ebd., 8.
  78. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, 4:l.c., 663.
  79. Ebd., 40: l.c., 724-725.
  80. Ebd., 81: l.c., 799-800.
  81. Kongregation für den Klerus , Direktorium für Dienst und Leben der Priester Dives ecclesia (31. März 1994), 54: LEV 1994.
  82. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 18.
  83. Kongregation für den Klerus , Direktorium für Dienst und Leben der Priester Dives ecclesia , 54.
  84. Johannes Paul II., Enzyklika Veritatis splendor , 115: l.c., 1224.
  85. Ebd. 88: l.c., 1204.
  86. Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate , 78.
  87. Der Kodex des kanonischen Rechtes geht auf die geistliche Leitung im Priesterseminar (Can. 239; CCEO , cann. 337-339), in den Gemeinschaften (Can. 630; CCEO , cann. 473-475; 538 § 3-539) und in den Säkularinstituten (Can. 719) ein. Weitere Dokumente über geistliche Leitung für Priester, Ordensleute, Seminaristen und Novizen werden in der Fußnote zu Abschnitt Nr. 134 genannt.
  88. Benedikt XVI., Enzyklika Spe salvi (30. November 2007), 40: AAS 99 (2007), 1018.
  89. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution]] Lumen gentium, 11.
  90. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 14.
  91. Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988), 59: AAS 81 (1989), 509.
  92. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 14.
  93. Ebd.
  94. Vgl. Kongregation für den Klerus , Direktorium für Dienst und Leben der Priester Dives ecclesia , 31. März 1994.
  95. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 6.
  96. Ebd., 30: l.c., 403.
  97. Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata (25. März 1996), 2: AAS 88 (1996), 378.
  98. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata (25. März 1996), 1: l.c., 377.
  99. Ebd., 22: l.c., 396.
  100. Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 916; vgl. CIC , Can. 573.
  101. Katechismus der Katholischen Kirche , Nr. 932.
  102. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 6.
  103. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 31.
  104. Vgl. Josemaría Escrivá de Balaguer, Christus begegnen, 10.
  105. Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini , 94.
  106. Vgl. Ebd.
  107. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem, 1.
  108. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 31.
  109. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem, 4.
  110. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 31.
  111. Ebd., 33.
  112. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem, 29; vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici, 7-8, 15, 25-27, 64: l.c., 403-405, 413-416, 436-442, 518-521.
  113. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 22.
  114. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Decr. Presbyterorum ordinis, 3; Optatam totius , 11; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, 43-44, 72: l.c., 731-736, 783-787; Direktorium für Dienst und Leben der Priester Dives ecclesia, 76.
  115. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Optatam totius ,11.
  116.  »Cum enim gratia non tollat naturam, sed perficiat...« (Thomas von Aquin, Summa theologiae, I, 1, 8 ad 2).
  117. Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 76.
  118. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, 40: l.c., 725.
  119. Siehe auch: Kongregation für das katholische Bildungswesen, Bildungsrichtlinien zur Vorbereitung auf das priesterliche Zölibat (11. April 1974); Richtlinien für die Ausbildung der Priesteramtskandidaten im Hinblick auf die Probleme von Ehe und Familie (19. März 1995); Instruktion über Kriterien zur Berufungserklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesteramt und zu den heiligen Weihen (4. November 2005): AAS 97 (2005), 1007-1013; [[Orientierungen vom 29. Juni 2008|Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten (29. Juni 2008).
  120. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Optatam totius , 14.
  121. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio (7. Dezember 1990), 24: AAS 83 (1991), 270-271.
  122. Zum Thema der geistlichen Leitung können, neben den schon aufgeführten Dokumenten, folgende konsultiert werden: Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 9; 18; Dekret Optatam totius 3; 8; 19; Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, 40; 50; 81: l.c., 725, 747, 799-800; Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata, 21; 67; 46: l.c., 394-395, 442-443, 418-420; Kodex des kanonischen Rechtes, Cann. 239; 246; Kongregation für den Klerus, Direktorium für Dienst und Leben der Priester Dives ecclesia , 39, 54, 85, 92; Kongregation für das katholische Bildungswesen, Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis (19. März 1985), 44-59; Rundschreiben über einige dringende Aspekte der spirituellen Ausbildung in den Seminaren (6. Januar 1980); Direktiven zur Vorbereitung der Seminarerzieher (4. November 1993), 55; 61 (geistlicher Leiter); Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Richtlinien für die Ausbildung in den Ordensinstituten (» Potissimum institutioni «) (2. Februar 1990), 13; 63: AAS 82 (1990), 479; 509-510; Instruktion Neubeginn in Christus. Ein neuer Aufbruch des geweihten Lebens im dritten Jahrtausend (19. Mai 2002), 8; Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Führer des pastoralen Lebens für Diözesanpriester der Kirchen, die von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker abhängen (1. Oktober 1989), 19-33 (Spiritualität und priesterliches Leben).
  123. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 11.
  124. Johannes Paul II., Gründonnerstagsschreiben 1986, 7: l.c., 696; vgl. Schreiben vom 27. März 1983.
  125. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 12.
  126. Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 76.
  127. Ebd., 77.
  128. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 22.
  129. Ebd.
  130. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 92: l.c., 339.
  131. Ebd. 68

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