DBK: Bußordnung 1970

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Deutsche Bischofskonferenz

Neue kirchliche Bußordnung
beschlossen auf der Vollversammlung der DBK Ende September 1970

Sie tritt mit dem 1. Adventssonntag 1970 in Kraft

(Quelle: Kirchliches Amtsblatt für die Erzdiözese Paderborn, Herausgegeben von erzbischöflichen Generalvikariat, 113. Jahrgang (1970), Stück 21, 12.1.1970, S. 132-133, Nr. 267.

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Leben aus dem Glauben ist, da wir allezeit Sünder sind, nicht möglich ohne den ständigen Willen zur Umkehr und Abkehr von der Sünde. Dies bedeutet Gehorsam gegenüber dem Bußruf Christi, der uns auffordert, uns im Glauben hinzuwenden zu Gott als dem Herrn des Lebens.

"Die Zeit ist erfüllt, die Herrschaft Gottes ist angebrochen, Kehret um und glaubet an die frohe Botschaft" (Mk 1,15).

Diese Umkehr geschieht in der täglichen Bemühung des Einzelnen um entschlossenere Hinwendung zu Gott in Glaube, Hoffnung und Liebe und um ein christliches Lebenszeugnis in Familie und Beruf, in Gesellschaft und Politik, vor allem im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und im Einsatz für Gerechtigkeit sowie in allen Taten der Liebe zum Mitmenschen; sie geschieht im Ertragen und Annehmen von Leid und Unrecht, im Suchen der Stille, beim Lesen des Wortes Gottes, im Gebet, bei der Eucharistiefeier am Werktag. Sie kann sich auch ausdrücken im freiwilligen Verzicht auf eine erlaubte Freude oder Annehmlichkeit des Lebens.

Die Umkehr und Hinwendung zu Gott muss aber auch in der Gemeinschaft der Kirche geschehen. Denn als Frucht der Erlösungstat Christi, in der die Not der Welt gewendet wird, ist die büßende Kirche für alle Menschen Zeichen der Hoffnung.

Wenn es auch heute schwierig ist, Zeichen der Buße festzulegen, die von allen Christen in gleicher Weise geübt werden können, so muss dies dennoch geschehen, wenn auch anders als früher. Darum geben die deutschen Bischöfe im Auftrag des Papstes für ihr Gebiet eine gemeinsame Bußordnung, mit der sie zeitgemäße Zeichen für die Gesinnung der Buße festsetzen. Sie ist Ausdruck dafür, dass das pilgernde Volk Gottes sich ständig der Umkehr bedürftig weiß. Für den einzelnen Christen ist sie ein Zeichen der Erinnerung, das seine Bereitschaft zur Umkehr ebenso wecken wie bezeugen soll.

Die deutschen Bischöfe erlassen darum folgende Bußordnung:

1. Die 40tägige Fastenzeit ist die große Bußzeit des Kirchenjahres und "hat die doppelte Aufgabe, einerseits vor allem durch Tauferinnerung oder Taufvorbereitung, andererseits durch Buße die Gläubigen, die in dieser Zeit mit größerem Eifer das Wort Gottes hören und dem Gebet obliegen sollen, auf die Feier des Pascha-Mysteriums vorzubereiten" (Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils, Nr. 109).

Zur österlichen Vorbereitungs- und Festzeit gehört die volle Teilnahme an der Feier der Eucharistie. Sie ist die österliche Gabe des sich opfernden und auferstandenen Herrn. Darum gebietet die Kirche, dass wir in der österlichen Zeit die hl. Kommunion empfangen. Die österliche Zeit dauert vom Aschermittwoch bis zum Pfingstsonntag. Für jeden Christen, der sich einer schweren Schuld bewusst ist und diese noch nicht gebeichtet hat, ist vor dem Gang zum Tisch des Herrn der Empfang des Bußsakramentes notwendig und von der Kirche geboten.

Aber auch alle anderen Gläubigen werden von der Kirche eingeladen, in dieser Zeit das Bußsakrament zu empfangen. Ebenso mögen sie an den Bußgottesdiensten teilnehmen, in denen sich die Kirche als eine Gemeinde von Sündern und Büßern erfährt, die zu der in der HI. Schrift so eindringlich geforderten inneren Umkehr helfen und zugleich zu einem fruchtbaren Empfang des Bußsakramentes bereiten.

Auch außerhalb der österlichen Zeit ist der häufige Empfang des Bußsakramentes und die Teilnahme an einem Bußgottesdienst eine wertvolle Hilfe für die ständige Umkehr und Erneuerung.

2. In der Fastenzeit soll jeder Christ, je nach seiner wirtschaftlichen Lage, in brüderlicher Liebe ein für ihn spürbares, angemessenes Geldopfer für die hungernde Welt geben, der wir durch unsere Aktion "Misereor" zu Hilfe kommen.

Dass die Fastenzeit eine Bußzeit der ganzen Kirche ist, muss sich auch in einem gemeinsamen Stil des privaten, familiären und gemeindlichen Lebens ausdrücken. Der Wille zur Enthaltung könnte sich äußern im Verzicht auf öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen, insbesondere Tanzfeste. Das gilt auch für aufwendige häusliche Feiern.

3. Aschermittwoch und Karfreitag sind gebotene Fast- und Abstinenztage. An ihnen bekundet die Kirche vor der ganzen Welt und in einheitlicher Weise ihre Verbundenheit mit dem leidenden Herrn. Die Gläubigen begnügen sich an diesen Tagen mit nur einer vollen Mahlzeit und verzichten auf Fleischgenuss. Zu solchem Fasten sind alle verpflichtet, die das 21. Lebensjahr vollendet und das 60. noch nicht begonnen haben, soweit sie nicht durch Krankheit am Fasten gehindert sind.

4. Bußtage der Kirche sind alle Freitage des Jahres, ausgenommen die Freitage, auf die ein gebotener Feiertag fällt. Alle Gläubigen sind verpflichtet, ein Freitagsopfer zu bringen. Es soll Zeichen der Gemeinschaft mit dem leidenden Herrn sein, der am Karfreitag sein Leben für die Welt hingab. Zugleich soll es die Solidarität des Gottesvolkes untereinander zum Ausdruck bringen. Dieses Freitagsopfer kann nach persönlicher Wahl bestehen in einem Werk der Nächstenliebe, in einer Tat der Frömmigkeit (Gebet, Lesung der HI. Schrift, geistliche Lesung, Werktagsmesse) oder in einem spürbaren Verzicht, z. B. auf Alkohol und Tabak, wobei das damit Ersparte für Menschen in Not gegeben werden sollte. Nicht zuletzt behält die bei uns bisher gebotene Enthaltung von Fleischspeisen ihren besonderen Sinn und ihren zeichenhaften Charakter, insbesondere wenn sie einen wirklichen Verzicht bedeutet.

5. Die Familien sollten sich um einen Lebensstil bemühen, in dem Buße und Verzicht ihren Platz haben. Besonders die Kinder sind angewiesen auf das Beispiel der Eltern und Erzieher. Sie werden den Sinn des Fastenzeits- und Freitagsopfers am besten begreifen in lebensnahen und konkreten Formen, die mit ihnen in der Familie, im Kindergarten und in der Schule eingeübt werden.

6. Christliche Gemeinschaften und Gruppen sollen es als Zeichen und Auftrag lebendigen Glaubens betrachten, sich in gemeinsamer Überlegung, auch in örtlichen Initiativen über gemeinsame Ausdrucksformen der tätigen Liebe und des Verzichtes, zu verständigen.

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