Dès le début (Wortlaut)

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Apostolisches Mahnschreiben
Dès le début

unsers Heiligen Vaters
Benedikt XV.
an die Oberhäupter der kriegführenden Länder
1. August 1917

(Offizieller lateinischer Text: AAS IX [1917] 417-420)

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Utz + Birgitta Gräfin von Galen, XXIX 21-32, Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Friedenstaube

Inhaltsverzeichnis

Die Haltung des Papstes seit dem Beginn des Krieges

1 Gleich zu Beginn Unseres Pontifikats, inmitten der Gräuel des furchtbaren über Europa hereingebrochenen Krieges haben Wir Uns vor allem drei Dinge vorgenommen: zunächst eine vollkommene Unparteilichkeit allen Kriegführenden gegenüber zu bewahren, wie es jenem ziemt, der als der gemeinsame Vater alle seine Kinder mit der gleichen Liebe umgibt; ferner Uns ununterbrochen zu bemühen, allen möglichst viel Gutes zu tun, und zwar ohne Ansehen der Person, ohne Unterschied von Nationalität und Religion, wie es ebenso sehr das allgemeine Gesetz der Nächstenliebe wie das höchste geistliche Amt, das Christus Uns anvertraut hat, Uns vorschreibt; endlich - wie es ebenfalls Unsere Friedensmission verlangt - nichts zu unterlassen, soweit es in Unserer Gewalt steht, was dazu beitragen könnte, das Ende dieses Unglücks zu beschleunigen, indem Wir versuchten, die Völker und ihre Oberhäupter zu gemäßigteren Entschlüssen, zu ruhigen Beratungen über den Frieden, einen "gerechten und dauerhaften" Frieden, zu führen.

2 Wer immer Unsere Tätigkeit während der drei verflossenen leidvollen Jahre verfolgte, hat leicht erkennen können, dass Wir Unserem Entschluss zu völliger Unparteilichkeit und Unseren karitativen Bemühungen treu geblieben sind und nicht müde wurden, die kriegführenden Völker und Regierungen zu ermahnen, wieder Brüder zu werden, obwohl nicht alles, was Wir zur Erreichung dieses hohen Zieles getan haben, der Öffentlichkeit mitgeteilt worden ist.

Die Verschlimmerung der Kriegsgräuel

3 Gegen Ende des ersten Kriegsjahres haben Wir die eindringlichsten Mahnungen an die kriegführenden Nationen gerichtet und überdies auf den Weg hingewiesen, auf dem man zu einem dauerhaften und für alle ehrenvollen Frieden gelangen könnte. Leider wurde Unser Ruf überhört, und der Krieg mit all seinen Schrecken wurde noch zwei weitere Jahre mit Erbitterung fortgesetzt; er wurde sogar noch grausamer und breitete sich aus über Land und Meer, ja bis in die Lüfte hinauf, und man sah Verwüstung und Tod über unverteidigte Städte, über stille Dörfer, über ihre unschuldigen Einwohner hereinbrechen. Und heute kann niemand sich eine Vorstellung davon machen, wie die Leiden aller an Zahl und Härte wachsen würden, wenn noch weitere Monate oder, was noch schlimmer wäre, weitere Jahre zu diesem blutigen Triennium hinzukämen. Soll denn die zivilisierte Welt nur noch ein Leichenfeld sein? Soll das ruhmreiche und blühende Europa, wie von einem allgemeinen Wahnsinn fortgerissen, in den Abgrund rennen und Hand an sich selbst anlegen zum Selbstmord?

Konkrete Vorschläge für einen gerechten und dauerhaften Frieden

4 In einer solch angstvollen Lage, angesichts einer solch schweren Gefahr erheben Wir von neuem den Ruf nach Frieden und erneuern den dringenden Appell an jene, in deren Händen die Schicksale der Nationen liegen, Wir, die Wir in keiner Weise von einem politischen Sonderstandpunkt aus die Dinge sehen, die Wir Uns von den Wünschen und Interessen keiner der kriegführenden Parteien beeinflussen lassen, sondern als gemeinsamer Vater der Gläubigen allein getrieben werden von dem Bewusstsein Unserer erhabenen Pflicht, von dem Flehen Unserer Kinder, die um Unsere Vermittlung und Unser friedenstiftendes Wort bitten, ja, von der Stimme der Menschlichkeit und der Vernunft. Aber um Uns nicht mehr in allgemeinen Ausdrücken zu halten, wie die Umstände es Uns für die Vergangenheit ratsam erscheinen ließen, wollen Wir jetzt zu konkreten, praktischen Vorschlägen übergehen und die Regierungen der kriegführenden Völker einladen, sich über die folgenden Punkte, die die Grundlage eines dauerhaften und gerechten Friedens sein müssen, zu einigen, wobei Wir ihnen die Sorge um die genauere Fassung und Vervollständigung der Vorschläge überlassen.

Statt materieller Waffengewalt die moralische Macht des Rechts: das Schiedsgericht

5 Der erste und wichtigste Punkt muss sein, dass an die Stelle der materiellen Waffengewalt die moralische Macht des Rechts trete; demzufolge soll eine gerechte Verständigung aller über die gleichzeitige, beiderseitige Abrüstung nach zu vereinbarenden Regeln und Garantien erfolgen, und zwar nach Maßgabe dessen, was zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in den einzelnen Staaten notwendig und ausreichend ist; dann sollte anstelle der Armeen ein Schiedsgericht eingesetzt werden, das eine weitreichende friedenstiftende Funktion ausüben soll nach zu vereinbarenden Normen und festzulegenden Sicherungs- und Strafmaßnahmen gegenüber dem Staat, der sich weigern sollte, die internationalen Fragen dem Schiedsgericht zu unterbreiten oder seine Beschlüsse anzunehmen.

Freiheit der Verkehrswege

6 Ist einmal die Oberhoheit des Rechts in dieser Weise begründet, möge man jedes Hindernis für die Verkehrswege der Völker wegräumen, indem man nach gleichfalls noch festzulegenden Grundsätzen die wahre Freiheit und Gemeinsamkeit der Meere sicherstellt, was einerseits zahlreiche Konfliktstoffe beseitigen, andererseits für alle neue Quellen der Wohlfahrt und des Fortschritts erschließen würde.

Verzicht auf Wiedergutmachung der Kriegsschäden

7 Was die wiedergutzumachenden Kriegsschäden und die Kriegskosten betrifft, sehen Wir keinen anderen Weg, die Frage zu lösen, als die Aufstellung des allgemeinen Grundsatzes eines gänzlichen, gegenseitigen Verzichts, der übrigens in den von der Abrüstung zu erwartenden unermesslichen Vorteilen ,seine Rechtfertigung fände, um so mehr als man die Fortsetzung eines solchen Gemetzels aus bloß wirtschaftlichen Gründen nicht verstehen würde. Wenn in gewissen Fällen diesem Grundsatz besondere Gründe entgegenstehen, möge man sie mit Gerechtigkeit und Billigkeit abwägen.

Rückgabe der besetzten Gebiete

8 Aber diese friedlichen Vereinbarungen mit den daraus fließenden unermesslichen Vorteilen sind nicht möglich ohne die gegenseitige Rückgabe der zur Stunde besetzten Gebiete. Daraus ergäbe sich für Deutschland die vollständige Räumung Belgiens unter Sicherung seiner vollen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit gleichviel welcher Macht gegenüber, desgleichen die Räumung des französischen Gebietes; für die anderen kriegführenden Parteien gleichermaßen die Rückgabe der deutschen Kolonien.

Erörterung von Territorialfragen

9 Was die Territorialfragen betrifft, wie sie zum Beispiel zwischen Italien und Österreich, zwischen Deutschland und Frankreich erörtert werden, darf man der Hoffnung Raum geben, dass die streitenden Parteien in Anbetracht der unvorstellbaren Vorteile eines dauerhaften, mit Abrüstung verbundenen Friedens diese Frage in versöhnlichem Geiste prüfen werden, indem sie nach Maßgabe des Gerechten und des Möglichen, wie Wir schon an anderer Stelle gesagt haben, den Wünschen der Völker Rechnung tragen und gegebenenfalls ihre Sonderinteressen dem Gesamtwohl der großen menschlichen Gesellschaft anpassen.

10 Der gleiche Geist der Billigkeit und Gerechtigkeit wird die Prüfung der anderen territorialen und politischen Fragen leiten müssen; namentlich erinnern Wir dabei an Armenien, die Balkanstaaten und die Gebiete, die zum alten Königreich Polen gehören, dem im besonderen seine ruhmreiche Vergangenheit und seine namentlich während dieses Krieges erduldeten Leiden gerechtermaßen die Sympathien der Völker gewinnen müssen.

Appell an die kriegführenden Parteien

11 Das sind die wichtigsten Grundlagen, auf die, wie Wir glauben, die künftige Neuordnung unter den Völkern sich stützen muss. Sie sind geeignet, die Wiederholung ähnlicher Konflikte unmöglich zu machen und die für die Zukunft und das materielle Wohlergehen aller kriegführenden Staaten so wichtige Lösung der Wirtschaftsfragen vorzubereiten. Wir legen sie in Eure Hand, die Ihr in dieser tragischen Stunde die Geschicke der kriegführenden Nationen leitet. Dabei sind Wir von der erwartungsvollen Hoffnung beseelt, sie wohlwollend aufgenommen und so möglichst bald das Ende dieses entsetzlichen Kampfes zu sehen, der sich immer mehr als ein unnützes Morden erweist. Jedermann sieht andererseits ein, dass auf beiden Seiten die Waffenehre gewahrt ist. Leiht also Euer Ohr Unserer Bitte, nehmt die väterliche Aufforderung an, die Wir (im Namen des göttlichen Erlösers, des Friedensfürsten, an Euch richten. Bedenkt Eure sehr schwere Verantwortung vor Gott und den Menschen; von Euren Entschlüssen hängt die Ruhe und die Freude unzähliger Familien ab, das Leben von Tausenden junger Menschen, mit einem Wort, das Glück der Völker, denen gegenüber Euch die unbedingte Pflicht obliegt, ihr Wohlergehen zu fördern. Möge der Herr Euch Beschlüsse eingeben, die mit seinem hochheiligen Willen übereinstimmen. Gebe der Himmel, dass Ihr, indem Ihr Euch den Beifall Eurer Zeitgenossen verdient, Euch auch bei den künftigen Geschlechtern den schönen Namen eines Friedensstifters sichert.

12 Vereint in Gebet und Buße mit allen gläubigen Seelen, die den Frieden herbeisehnen, erflehen Wir für Euch vom Göttlichen Geist Licht und Rat.

Gegeben im Vatikan, am 1. August 1917
Benedikt XV. PP.
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