Causae et curae

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Visionärin und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen in ihrer Schreibstube

Das Liber compositae medicinae lat.; dt.: Das Buch der zusammengesetzten Medizin[1] ist unter den Namen Causae et curae (lat.; dt.: Von den Ursachen und der Behandlung von Krankheiten) bekannt und um 1150-1158 entstanden. Es ist Teil der beiden medizinischen Werke der Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen und gehört aufgrund des natur- und heilkundlichen Inhalts mit der sogenannten Physica zusammen.[2] Dabei nahm sie viele medizinethische Probleme der heutigen Zeit vorweg. Viele Ihrer Heilungsmethoden sind bis heute anerkannt![3]

Der selige Zisterzienser-Papst Eugen III. las persönlich aus ihrer Schrift Scivias auf der Synode von Trier 1147/1148 den anwesenden Kardinälen, Bischöfen und Theologen vor, ermunterte Hildegard zu weiteren Aufzeichnungen ihrer Visionen und erkannte diese als Privatoffenbarungen an.[4]

Das Buch Causae et curae der heiligen Hildegard ist ein umfassendes Buch des Glaubens und des naturkundlichen Wissens. Es behandelt die Schöpfung der Welt und den Bau des Kosmos, den gesunden und den kranken Körper des Menschen sowie seine Entstehung, sein Geschlechtsleben, die wichtigsten Krankheiten von Kopf bis Fuß, Ernährung, Verdauung und Stoffwechselstörungen, die Gemütsbewegungen, die Art der Heilmittel und ihre Anwendung und Weisungen für eine gesunde Lebensweise[5] und enthält viele Rezepte.

Inhaltsverzeichnis

Gott und Welt

Der Schöpfer des Sichtbaren und Unsichtbaren
Wie das richtig einordnende Denken Gott und Mensch, Engel und Teufel, das Gute und das Böse, Gesunde und Kranke, Leben und Tod vereinigt, so hat auch Hildegard von Bingen die Vision einer einheitlichen Schöpfung, einer kosmischen Ordnung, in deren Mittelpunkt der Mensch steht. Als das Geschöpf und das Werk Gottes ("opus Dei") ist er aufgerufen, am Schöpfungswerk Gottes mitzuwirken. Bei seinem Versuch, diesen schöpferischen Auftrag in der Welt zu erfüllen, kann der Mensch freilich Gott nicht direkt, sondern nur indirekt in der Schöpfung erkennen und erfahren: "Alle himmlische Harmonie ist ein Spiegel der Göttlichkeit, und der Mensch ist ein Spiegel aller Wunder Gottes." Gott hat die Welt als gut geschaffen, aber der Mensch erlag der Versuchung und brachte durch seinen Sündenfall die Welt in Unordnung. Die Frage nach den Ursachen der Krankheiten führt somit zur Frage nach dem Grund und dem Wesen des Bösen, des Leids, der Sünde, führt also zurück zum Urfall Luzifers und zum Sündenfall Adams. Daher muss Hildegards "Causa et curae" mit der Schöpfungsgeschichte und der Begründung der göttlichen Ordnung ("Kosmos") beginnen. Der Mensch steht als ein Vernunftwesen von Körper und Seele, mit ausgebreiteten Händen bis an das Rund ("rota") seiner Welt reichend, als Mikrokosmos im Zentrum des Makrokosmos unter dem Einfluss der Elemente. Es ist Gott, der die gesamte Schöpfung in seinen Händen hält. Somit steht der Mensch in einem fortgesetzten Dialog mit der Schöpfung und seinem Schöpfer, und sein Leib und seine Seele bilden eine Einheit wie Mann und Frau, wie Himmel und Erde. Sein Leib ist nicht mehr der antike Kerker der Seele, sondern ihre Hülle als "imago Dei", als Geschöpf nach dem Bild und Gleichnis Gottes. Entsprechend diesem mittelalterlichen Menschenbild als einem Mikrokosmos, das heißt als einem Abbild der sichtbaren Welt in verkleinertem Maßstab, beschrieb schon Isidor von Sevilla (ca. 560-636 n. Chr.) das Verhältnis von Welt und Mensch folgendermaßen: "Im übernatürlichen Sinne wird aber die Welt in passender Weise als Mensch bezeichnet:
Der Mensch, die Mitte des Kosmos
Denn wie sie aus vier Elementen zusammengesetzt ist, so besteht er aus vier Säften (Temperamenten), und zwar in einem bestimmten gemischten Verhältnis. Deshalb haben die Alten den Menschen in einen Zusammenhang mit dem Bau der Welt gestellt, da auf griechisch die Welt ,Kosmos', der Mensch aber ,Mikrokosmos', das heißt kleine Welt, genannt wird ... "[6]

In "Causae et curae" sind nicht nur diätische und therapeutische Vorschläge enthalten, um Kranken und Leidenden durch die Heilkräfte der Natur zur Genesung zu verhelfen, auch die Ansichten Hildegards von Bingen über Physiologie und Pathologie des Menschen werden ausführlich erläutert. Selbst von Tierkrankheiten und deren Behandlung sowie von der Landwirtschaft ist in ihrem Werk die Rede.[7]

Mit den Büchern "Causae et curae" und Liber simplices medicinae hat Hildegard die Kloster- und Volksmedizin entscheidend beeinflusst. Hildegard war unabhängig von der medizinischen und naturkundlichen Literatur ihrer Zeit. Sie hat keine medizinische Forschungen betrieben, verfügte jedoch über die im Kloster Disibodenberg und auf dem Rupertsberg selbstverstädnlich vorhandenen Abteilungen für Kranke über praktische Erfahrungen. Ihre Ratschläge und Rezepte haben bis heute nichts von ihrer Gültigkeit und ihrem Nutzen für die Gesundheit eingebüßt. Ganz im Gegenteil, die Erkenntnisse Hildegards über die Heilkräfte der Natur sind heute aktueller denn je. Während ihre Naturschriften bei den Zeitgenossen unbeachtet blieben, haben heute Mediziner und Ernährungswissenschaftler die von Hildegard beschriebene Heilwirkung mancher Kräuter, Pflanzen und gesunder Ernährung neu untersucht und nachgewiesen.[8]

Elementen- und Säftelehre

Eine Darstellung der vier Elemente

Hildegard von Bingen sieht den Menschen allen irdischen und kosmischen Einflüssen und Kräften ausgesetzt. Die vier Elemente betrachtet sie als die vier Grundprinzipien, die das Weltgefüge zusammenhalten und über die Körpersäfte auf den Menschen einwirken: Vom Feuer erhält der Mensch die Wärme sowie das Sehvermögen, von der Luft den Atem und das Hörvermögen, vom Wasser das Blut und die Beweglichkeit, von der Erde das Gewebe, das Knochensystem und den aufrechten Gang. Die Wärme des Feuers erzeugt ein trockenes ("siccum") Phlegma, die luftartige Feuchtigkeit ein feuchtes ("humidum"), das wäßrige Blut ein schaumiges ("spumaticum") und das erdhafte Gewebe des Menschen ein lauwarmes ("tepidum"). Aus dem harmonischen Mischungsverhältnis der Säfte resultiert die Gesundheit, das Übermaß ("abundantia") einer Komponente des menschlichen Säftehaushalts stört dagegen das ganze Gleichgewicht und bewirkt ein Gerinnen der Säfte ("coagulatio"), was sich in körperlichen oder geistigen oder Krankheiten des Gemüts äußert. Insofern unterscheidet sich Hildegards Krankheitstheorie nicht wesentlich von der antiken Viersäftelehre, nur sind an die Stelle der alten Termini neue Bezeichnungen getreten.
Zusammenfassend und vereinfachend kann man also sagen: Der Zusammenhang und Austausch von Weltstoffen bzw. Energien ermöglicht und beeinflußt das Leben auf der Erde, insbesondere des Menschen; über die Winde als Medien gelangen kosmische Kräfte in das Säftesystem des Menschen und bedingen Gesundheit als auch Krankheit sowie sein sittliches Verhalten. Der Mensch ist als Lebewesen in die Natur, ihre Kräfte und Elemente gestellt; er wirkt mit ihnen, wird aber auch von ihnen beeinflußt. Insofern ist Schöpfung ein Prozess, ein permanenter Dialog.
Die Krankheiten, die unter dem Einfluß der Elemente primär als eine Störung der richtigen Säfteordnung im menschlichen Organismus verstanden werden müssen, werden in der traditionellen Reihenfolge buchstäblich von Kopf bis Fuß dargestellt, wobei dem Herzen als dem Sitz der menschlichen Seele die Rolle des Zentrums des ganzen Organismus zukommt.[9] Da eine heutige medizinische Terminologie nicht verwendet werden konnte, übertrug die Krankheitsbegriffe Dr. Gottfried Hertzka in dem Buch: Die Große Hildegard-Apotheke.[10]

Viriditas - Grünkraft oder Lebenskraft

Der Schlüsselbegriff - die Symbolfarbe - ist für Hildegard von Bingen die "viriditas", die lebensbestimmende Kraft, die alles grünen und wachsen lässt. Sie ist der Grund des Lebens und des Heils. Das Grün als Symbolfarbe des Lebens, des Guten und des Gesunden hat bei ihr nur positive Bedeutung. Der Mensch wurde durch Sünde im Paradies geschwächt, wurde somit selbst krank und Erlösungsbedürftig, bedarf also sowohl der göttlichen Gnade als auch der Mittel der Heilkunst.[11] Die "viriditas" symbolisiert die Lebens- und Zeugungskraft des Menschen, sie kennzeichnet die Wachstums- und Heilkraft der Pflanzen.[12]

Geschlechtlichkeit

Mann & Frau, gemalt von Lucas Cranach d. Jüngere

Dem heutigen Leser mag es vor allem auffallen, wie offen sich eine mittelalterliche Klosterfrau über die männliche und weibliche Anatomie und das Geschlechtsleben des Menschen äußert. Die Geschlechtlichkeit ist jedoch für Hildegard von Bingen ganz natürlich und gottgewollt, denn die Sexualität gehört für den Menschen als einem Geschöpf Gottes wesentlich zu seiner Bestimmung. Freilich bedarf das Geschlechtsleben einer langen Reife von Körper und Seele (was die Vergleiche mit dem Feld- und Obstbau zum Ausdruck bringen sollen), denn der Mensch ist auch hierin schwach und Erlösungsbedürftig. Mann und Frau sind füreinander zur gegenseitigen Selbstverwirklichung geschaffen, ergänzen sich und bilden eine Einheit, die von Vernunft und Verantwortung getragen wird. Der weibliche Körper wird dabei in einem besonders innigen Verhältnis zur Natur gesehen. Die Geburt wird ausführlich berücksichtigt. Eine medizinisch-chirurgische Geburtshilfe wird hierbei allerdings nicht geboten; es werden vielmehr praktische Erfahrungen und Reflexionen vermittelt. Zeugung und Geburt, Geburtskomplikationen und Frauenkrankheiten, Menstruation und Klimakterium sind deutlich dargestellt.[13]

→ vgl. Theologie des Leibes des heiligen Johannes Pauls II.

Krankheiten

Hildegard von Bingen sieht die Krankheit und ihre eigenen Krankheiten als Prüfung Gottes, nicht als Sündenstrafe an. Entsprechend ihrer Überzeugung - "Es ist wichtig, einen kranken Körper zu stärken, damit er dem Teufel und seinen Gehilfen Widerstand leisten kann" - gehören daher getreu dem benediktinischen Leitspruch "ora et labora" - "Gebet und bewusstes Handeln" zusammen. Hildegards Vorbild ist dabei Christus als Arzt ("medicus") und Heiland der Welt ("salvator mundi"), also in seiner medizinischen und priesterlichen Doppelfunktion als Arzt an Leib und Seele.[14]

Adam und Eva werden aus dem Paradies vertrieben (Gen 3,23-24 EU)

In Causae et curae werden Kopfschmerzen, Ohrenleiden, Zahnkrankheiten, Augenleiden, Nasenkatarrh, Brusterkrankungen, vor allem Lungenleiden, und Herzkrankheiten weniger ausführlich behandelt und diagnostiziert. Auch die Bauchkrankheiten, Leber-, Nieren- und Blasenerkrankungen, Steinleiden, Fieber- und Hautkrankheiten sind nur schwer fassbar. Bei den Stoffwechselkrankheiten und -störungen wird die Rolle des Blutes als Verteiler besonders herausgestellt. Hauterkrankungen werden als Aussatz, Ausschlag und Eiterbeulen differenziert. Verständlicherweise wird die mittelalterliche Volkskrankheit Gicht (heute Rheuma bis Harnsäure-Gicht) deutlicher beschrieben. Bei der Darstellung krankheitserregender Kleinstlebewesen sollte allerdings die heutige Nomenklatur nicht herangezogen werden. Knochenbrüche und Verletzungen durch Gewalteinwirkung, also zum Beispiel Hieb- und Stichverletzungen, die einen chirurgischen Eingriff erfordern, werden nicht berücksichtigt. Nerven- und Geisteskrankheiten werden aufgrund von Symptomen unterschieden. Störungen des Gemüts, das instabil wie der Mensch und sein Säftehaushalt ist, werden letztlich dem Sündenfall zugeschrieben. Ein Modellfall für den Ausbruch von Krankheiten ist für Hildegard von Bingen bezeichnenderweise die Melancholie, der Adam als erster Mensch nach seinem Sündenfall verfiel; sie wird daher besonders ausführlich behandelt. Die regulierende Wirkung von Lachen und Weinen wird am Beispiel Maria Magdalenas verdeutlicht. Wie die Reue die Sehnsucht nach dem Heil weckt, so bedeutet die Abkehr von der Sünde einen Ansatz zur Heilung. Diese wird, von Hildegard wiederholt betont, letztlich Gott anheimgestellt. Die Epilepsie wird dem Einfluß desTeufels zugeschrieben. Ausführlicher werden Vergiftungen und die toxische Wirkung von Pflanzen behandelt. Die Bestimmung der einzelnen Wurmkrankheiten bereitet wiederum große Schwierigkeiten. Entsprechend der großen Beliebtheit und Bedeutung im Mittelalter wird das Badewesen behandelt. Aderlaß und Schröpfen wurden gemäß Galens Lehre zur Eliminierung schädlicher Säfte im Mittelalter oft praktiziert. Auffällig ist die kritische Einstellung Hildegards, die vor Übertreibung und Missbrauch warnt. Nicht vergessen sei auch die erwähnte Heilkraft von Edelsteinen, die Kosmetik als partnerbezogene Verschönerung der Frau, um ihrem Mann zu gefallen, die Musiktherapie, die Anleitungen zu Hygiene und Diät, die deutlich von der Benedikt-Regel beeinflusst sind, und die Diagnostik sowie Prognostik, zum Beispiel anhand der Hautfarbe, des Klangs der Stimme, der Klarheit oder Trübheit der Augen, des Pulsschlags, der Atmung, der Art des Fiebers, dem Grad des Bewusstseins oder der Beschaffenheit des Harns. Eine nicht geringe Rolle spielt dabei der Schmerz: Er ist ein Signal, das, richtig erkannt und beurteilt, Heilung ermöglicht.[15]

Heilmittel

Die Rezepte, Heilmittel und Therapievorschläge, welche Hildegard von Bingen beschreibt, entstammen im allgemeinen der traditionellen Klostermedizin bzw. dem gesunden Menschenverstand und sind vielfach erprobt und bewährt. Die Arzneimittel haben zumeist das Ziel, die schädlichen Säfte bzw. die Fäulnis dem Körper zu entziehen und das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen. Entsprechend der Qualitätenlehre Galens unterscheidet auch Hildegard von Bingen zwischen meist heißen, trockenen, feuchten bzw. kalten Qualitäten als Krankheitsursachen und entsprechenden Qualitäten der Heilmittel. Für das Sammeln, Verarbeiten, Aufbewahren und Anwenden von Heilkräutern gibt Hildegard von Bingen konkrete, genaue Anweisungen. Sie betreffen den richtigen Ort, die Tages- und Jahreszeit beim Sammeln, die Zubereitung als Suppen, Getränke, Abführmittel ("luterdranck"), Küchlein ("tortelli") , Pulver und Salben, ihre Verwendung bei Umschlägen, Kompressen, Pflastern, Auflagen und Räucherungen (Inhalationen). Die hergestellten Arzneimittel sind zwar meistens zum sofortigen oder alsbaldigen Gebrauch bestimmt; es werden . aber auch Hinweise zur sachgerechten Lagerung gegeben, damIt dIe volle Wirkung möglichst lange (zum Beispiel in neuen irdenen Gefäßen) erhalten bleibt. Die Angabe der Maße und Gewichte ist zwar praktisch, aber nicht sehr präzis. Meistens werden Münzen oder einfache bzw. vielfache Mengen oder Teilmengen angegeben. Mögen auch die Therapiemöglichkeiten unter dem Aspekt der Heilkost und der bewussten Ernährung modern und aktuell wirken: bei Ursache und Heilverfahren wird grundsätzlich die Einheit des Menschen aus Leib und Seele vorausgesetzt. Und bei Gott liegt letztlich die Entscheidung über Gesundheit und Krankheit, über Leben und Tod.[16]

Das Buch literarisch gesehen

"Causa et curae" ist trotz aller Systematisierung wohl nicht abgeschlossen. Strukturell, sprachlich und stilistisch fehlt dem Werk die letzte Feile. Die einfache Sprache ist vielfach trocken. Unnötige Wiederholungen und umständliche Umschreibungen, holprige Formulierungen und der Mangel an rhetorischen Kunstmitteln zeigen, dass es sich um keine ausgeprägte Kunstsprache handelt. Eine medizinische Fachsprache wird nicht verwendet oder neu entwickelt. Die Syntax neigt zu Periodisierungen, die das inhaltliche Verständnis erschweren. Viele Vergleiche sollen anschaulich und fasslich sein, wirken aber nicht selten schief und unangemessen. Sprachfehler betreffen die Rechtschreibung und die Grammatik, vor allem die Regeln der Kasuslehre und der Kongruenz. Wenn Hildegard von Bingen sich selbst demütig als "humilis forma" und "simplex homo" bezeichnete, ist dies sicherlich nicht nur als Bescheidenheitstopos aus dem Munde christlicher Demut aufzufassen. Die sprachlichen Schwächen sind lediglich darauf zurückzuführen, dass ihr eine gründliche systematische Ausbildung in der Fachsprache nicht vergönnt war, die Ärzte aus aller Welt für medizinische Werke über 1300 Jahre lang verwendeten, nachdem das Griechische um 500 nach Christus vom Lateinischen verdrängt worden war. So schreibt sie einmal an einen Pariser Magister: "Somit bin ich nicht durchtränkt von einer menschlichen Wissenschaft, auch nicht von besonderen Geisteskräften, strotze auch keineswegs von körperlicher Gesundheit, sondern fuße allein auf der Hilfe Gottes." Manche TextsteIle bleibt dunkel. Ihre Mitarbeiter feilten wohl am einfachen Latein, wollten aber die Substanz der Aussage nicht verändern. Dennoch kann man, um mit Hildegards eigenen Worten zu sprechen, die geistige Größe ihres Werkes "quasi per speculum" (wie in einem Spiegel) bzw. "fenestraliter" (wie durch ein Fenster) erkennen.[17]

Literatur

Lateinisch:

  • Originalabschrift aus dem Jahre 1233: unter dem lateinischen Titel „Causae et curae“ liegt bisher diese einzige Exemplar in der königlichen Bibliothek von Kopenhagen vor.
  • Das Werk Causa et cura erschein erstmals durch Paulus Kaiser in B. G. Teubner Lipsiae (=Leipzig) 1903; Download. Nachdruck der Basler Hildegard-Gesellschaft Basel 1980; Reprint Pranava Books 2018 (270 paginas).

Deutsch:

  • Hildegard von Bingen: Ursprung und Behandlung der Krankheiten - Causae et curae, Hildegard von Bingen-Werke Band 2/10, Abtei St. Hildegard, Eibingen (Hg.), Neu übersetzt von Prof. Dr. Dr. Ortun Riha, Beuroner Kunstverlag 2012 (396 Seiten; 2. Auflage; ISBN 978-3870712488; kartoniert; Format: 15,2 x 2,8 x 21,1 cm; 1. Auflage war September 2011).
  • Hildegard von Bingen, Heilwissen, Von den Ursachen und der Behandlung von Krankheiten. Übersetzt und herausgegeben von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag, ab 1989; 1997 (geb.; 3. Auflage; 307 Seiten; ISBN 3-629-00594-1). Lateinische Vorlage: causae et curae, ed. P. Kaiser, Lipsiae 1903.
  • Hildegard von Bingen: Ursachen und Behandlung der Krankheiten Kindle Ausgabe, Dateigröße: 1581 KB; Edition Lempertz 2013; Seitenzahl der Print-Ausgabe: 262 Seiten (E-book bei Amazon).
  • Hildegard von Bingen, Heilkunde. Das Buch von dem Grund und Wesen und der Heilung von Krankheiten. Nach den Quellen (Kopenhagener Kodex 90b) übersetzt und erläutert von Heinrich Schipperges, Otto Müller Verlag Salzburg 1957 (1. Auflage; 332 S.), 1961 (2. Auflage), 1974 (3. Auflage), 1981 (4. Auflage), 1992 (6. Auflage; ISBN 9783701302116).
  • Hildegard von Bingen, Heilwissen, Von den Ursachen und der Behandlung von Krankheiten. Übersetzt und herausgegeben von Manfred Pawlik, Herder-Spektrum Freiburg im Breisgau-Basel-Wien, jeweils Tb. mit 307 Seite; 1994 (3. Auflage), 1996 (4. Auflage, ISBN 978-3-451-04050-4 kart.).
  • Äbtissin Hildegard von Bingen. Ursachen und Behandlung der Krankheiten (Causae et curae), übersetzt von Prof. Dr. med. Hugo Schulz (Universität Greifswald), Verlag der Aerztliche Rundschau Otto Gmelin München 1933 [Ausg.] 1932 (235 S., Hardcover); Mit einem Geleitwort von Ferdinand Sauerbruch zur posthumen Ausgabe der letzten Arbeit von Hugo Schulz, Karl F. Haug Verlag Ulm/Donau 1955 (1. Auflage; 373 S.), Haug Verlag Heidelberg 1980 (3. Auflage), 1982 (3. Auflage), 1983 (4. Auflage), 1985 (5. Auflage), 1987 (Nachdruck; 373 S.), 1990 (6. ergänzte Auflage), 1992 (7. Auflage).

Sekundärliteratur

  • Almut Theresa Stoiber (2013): Die Hl. Hildegard von Bingen und ihr medizinisches Werk "Causae et Curae" . Diplomarbeit, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, BetreuerIn: Adelheid Krah (176 Seiten; ISBN 9783639464542; Download).
  • Peter Riethe: Hildegard von Bingen. Eine aufschlussreiche Begegnung mit ihrem naturkundlich-medizinischen Schriften, Tectum Verlag 2011 (368 Seiten; ISBN 9783828825536).
  • Eduard Ihm: Gesundheitsregeln aus den Causae et Curae der Äbtissin Hildegard von Bingen, 1949 (32 Blätter).
  • Maria Spies: Ueber die Krankheitsaetiologie und ihre Grundlagen in Causae et Curae der heiligen Hildegard von Bingen, Konstanz 1941 (41 Seiten).

Scivias, Physica, Liber vitae meritorum, Liber divinorum operum, Hildegard-Medizin.

Anmerkungen

  1. Die Medizin der Hl. Hildegard bei www.hildegard-gesellschaft.org, abgerufen am 29. März 2019
  2. Ursprünglich bildete die Physica zusammen mit dem zweiten naturkundlichen Werk Hildegards, den Causae et curae, die Schrift Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum (Das Buch von den Geheimnissen der verschiedenen Naturen der Geschöpfe). Eine Auftrennung fand bereits im 13. Jahrhundert statt. - Natur- und Heilkunde: Hildegard von Bingen - Werk und Wirken. Abtei St. Hildegard, Sr. Philippa Rath OSB; Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum bei www.geschichtsquellen.de.
  3. https://www.klosterkunst.de/buecher/hildegard-von-bingen/595/ursprung-und-behandlung-der-krankheiten
  4. Hildegard von Bingen: Scivias Wisse die Wege. Eine Schau von Gott und Mensch in Schöpfung und Zeit, übersetzt und herausgegeben von Walburga Storch OSB Pattloch Verlag 1997, Rosel Termolen in der Einleitung S. IX (geb.; 616 Seiten; ISBN 3-629-00594-2).
  5. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Von den Ursachen und der Behandlung von Krankheiten. Übersetzt und herausgegeben von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 13 (3. Auflage; 307 Seiten; ISBN 3-629-00594-1).
  6. vgl. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 13+14.
  7. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, Schutzumschlag.
  8. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, Schutzumschlag.
  9. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 16-17.
  10. Dr. Gottfried Hertzka und Dr. Wighard Strehlow, Große Hildegard-Apotheke, Christiana Verlag 2017 (17. Auflage; 530 Seiten; Geb; ISBN 3717111191; Erstauflage 1989).
  11. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 17.
  12. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 19.
  13. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 19.
  14. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 13.
  15. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 18+19.
  16. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 19+20.
  17. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Übersetzung und Einleitung von Manfred Pawlik, Pattloch Verlag 1997, S. 20+21; Der Übersetzer und Herausgeber Manfred PawIik ist Gymnasiallehrer für Latein und Deutsch in Moosburg/Isar. Er beschäftigt sich besonders mit Fragen der Ethik, der Literatur des Mittelalters und der Archäologie.
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