Catholicae ecclesiae (Wortlaut)

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Enzyklika
Catholicae ecclesiae

von Papst

Leo XIII.
an Kardinal Lavigerie

über das Werk zur Abschaffung der Sklaverei
20. November 1890

(Offizieller lateinischer Text: ASS XXIII [1890-1891] 257-260; Leonis XIII. Pontificis Maximi Acta, Romae 1891, X, S, 312 ff)

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Fridolin Utz + Birgitta Gräfin von Galen III 38-43, Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.; in Fraktur in: Leo XIII., Lumen de coelo IV. S. 219 - 223, Bezeugt in seinen Allocutionen, Rundschreiben, Constitutionen, öffentlichen Briefen und Akten, Buch und Verlag Rudolf Brzezowsky & Söhne Wien 1895)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder,
Gruß und apostolischen Segen

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Die Bemühungen der Kirche um die Abschaffung der Sklaverei

Der Katholischen Kirche, die alle Menschen mit der gleichen mütterlichen Liebe umfasst, hat von Anfang an, wie Du wohl weißt, Ehrwürdiger Bruder, kaum etwas so sehr am Herzen gelegen wie der Wunsch, dass die Sklaverei, die eine so große Anzahl von Menschen unter ihr erbarmungsloses Joch gespannt hat, zurückgehen und ganz verschwinden möge. Als eifrige Hüterin der Lehre ihres Stifters, der selbst und durch seine Apostel die Menschen die Brüderlichkeit gelehrt hat, die alle eint, weil alle den gleichen Ursprung haben, alle um den gleichen Preis erlöst und alle zur gleichen ewigen Seligkeit berufen sind, hat sie die vernachlässigte Sache der Sklaven in die Hand genommen und sich zur mutigen Verteidigerin der Freiheit gemacht, wobei sie allerdings schrittweise und klug vorging, wie es sachlich und zeitlich angebracht war. Sie vollbrachte dies in ihrem klug überlegten Vorgehen, indem sie unentwegt das verlangte, was sie im Namen der Religion, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit anstrebte. Damit hat sie sich um den menschlichen Fortschritt und die Zivilisation der Nationen große Verdienste erworben. - Im Verlauf der Jahrhunderte hat die Kirche in ihrem Eifer, die Freiheit der Sklaven zu fordern, nicht nachgelassen; im Gegenteil, je fruchtbarer ihr Eifer war, um so intensiver wurde er. Davon geben historische Dokumente unwiderlegliches Zeugnis. Sie überliefern diesbezüglich rühmend die Namen einer Reihe Unserer Vorgänger; unter diesen treten besonders hervor: der heilige Gregor der Große, Hadrian I., Alexander III., Innozenz III., Gregor IX., Pius II., Leo X., Paul lll., Urban VIII., Benedikt XIV., Pius VII., Gregor XVI. Alle haben ihre ganze Sorge und Mühe darangesetzt, dass die Einrichtung der Sklaverei abgeschafft wurde, wo sie noch bestand, und gehindert wurde, neue Saat auszustreuen, wo sie bereits ausgerodet war.

Fortdauer des Sklavenhandels

Ein so großes und ruhmreiches Erbe, das Uns von Unseren Vorgängern übertragen wurde, konnten Wir nicht ausschlagen. Daher haben Wir keine Gelegenheit vorübergehen lassen, die grausame Geißel der Sklaverei öffentlich anzuprangern und zu verurteilen, und Wir haben diese Frage auch in dem Brief, den Wir am 5. Mai 1888 an die Bischöfe Brasiliens richteten, behandelt. Darin haben Wir sie beglückwünscht zu allem, was in diesem Land durch die lobenswerte private und öffentliche Initiative zur Befreiung der Sklaven getan wurde, und ihnen zugleich gezeigt, wie sehr die Sklaverei der Religion und der menschlichen Würde widerstrebt. Wir waren, als Wir diesen Brief schrieben, vom Schicksal dieser Menschen, die unter der Gewalt eines fremden Herrn leben, sehr bewegt; noch schmerzlicher erschüttert aber hat Uns der Bericht über das Elend, das die ganze Bevölkerung gewisser Teile Innerafrikas quält. Es ist schmerzlich und entsetzlich, sich daran zu erinnern, was Wir von zuverlässigen Zeugen vernommen haben, dass nämlich ungefähr 400.000 Afrikaner, ohne Unterschied des Alters und Geschlechts, alljährlich mit Gewalt aus ihren Dörfern gewiesen und mit gefesselten Händen und unter den Peitschenhieben ihrer Aufseher lange Wegstrecken weit verschleppt werden zu den Märkten, wo sie wie verkäufliches Vieh angeboten und versteigert werden. - Die Berichte von Augenzeugen, die erst vor kurzem durch Erforscher Zentralafrikas bestätigt wurden, haben in Uns den Wunsch erweckt, diesen Unglückseligen nach Kräften zu Hilfe zu kommen und ihr Elend zu erleichtern. Wir haben daher unverzüglich Unserem geliebten Sohn, dem Kardinal Charles-Martial Lavigerie, dessen Tatkraft und apostolischer Eifer Uns bekannt sind, den Auftrag erteilt, in die wichtigsten Städte Europas zu reisen und die Schande dieses Handels bekannt zu machen und die Fürsten und die Völker zu bewegen, diesen unglücklichen Menschen zu Hilfe zu kommen. - So müssen Wir dem Herrn, dem liebevollen Erlöser aller Nationen, besonderen Dank sagen, weil er es in seiner Güte nicht zugelassen hat, dass Unsere Bemühungen erfolglos blieben, weil er vielmehr gewollt hat, dass sie wie eine Saat auf fruchtbaren Boden fielen, der eine reiche Ernte verspricht. In der Tat haben die Herrscher und die Katholiken der ganzen Welt und alle, die die Rechte der Völker und der Natur heilig halten, gewetteifert auf der Suche nach den besten Mitteln und Wegen, um diesen barbarischen Handel völlig auszurotten. Der kürzlich in Brüssel abgehaltene Kongress der Delegierten der europäischen Fürsten und etwas später die Tagung in Paris, an der zahlreiche Privatpersonen großherzig zu dem gleichen Zweck versammelt waren, lassen offensichtlich erwarten, dass die Sache der Neger mit dem ausdauernden Eifer verteidigt wird, der der drückenden Last ihres Elends entspricht. Deshalb wollen Wir die sich bietende Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen, den Fürsten Europas und allen Menschen guten Willens den gebührenden Dank auszusprechen, und bitten den allmächtigen Gott inständig, dass er ihren Plänen und dem Beginn eines so großen Unternehmens den erfolgreichen Ausgang verleihe.

Die Einführung des Christentums als wirksames Mittel gegen die Sklaverei

Aber außer der Sorge um den Schutz der Freiheit bedrückt Uns eine noch weit ernstere, die noch direkter Unser Apostolisches Amt berührt, welches Uns befiehlt, darüber zu wachen, dass die Lehre des Evangeliums in Afrika verbreitet wird, um dessen Bewohner, die noch immer im Dunkel blinden Aberglaubens leben, mit dem Lichte der göttlichen Wahrheit zu erleuchten und sie so mit Uns teilnehmen zu lassen am Erbe des Reichen Gottes. Wir widmen Uns um so energischer dieser Aufgabe, weil sie mit der Annahme dieses Lichtes zugleich auch das Joch menschlicher Sklaverei abschütteln werden. Denn in der Tat, überall, wo die christlichen Sitten und Gebote gelten, wo die Religion die Menschen gelehrt hat, die Gerechtigkeit zu üben und die Menschenwürde zu achten, wo sich der uns von Christus gelehrte Geist der Bruderliebe ausgebreitet hat, dort kann es keine Knechtschaft, keine Grausamkeit, keine Barbarei mehr geben; vielmehr werden menschenfreundliche Sitten und christliche Freiheit, geschmückt mit den Werken der Kultur, aufblühen. - Bereits haben viele apostolisch gesinnte Männer als mutige Vorkämpfer Jesu Christi diese Gegenden durchwandert und dort nicht nur ihren Schweiß, sondern auch ihr Blut und Leben geopfert für das Heil ihrer Brüder. Doch "die Ernte ist zwar reich, aber der Arbeiter sind wenige". Daher müssen andere in großer Zahl, vom gleichen göttlichen Geist getrieben, ohne Furcht vor Gefahren, Schwierigkeiten und Mühen, in jene Gegenden aufbrechen, wo dieser schändliche Handel getrieben wird, um ihren Bewohnern die Lehre Jesu Christi zu bringen, die mit der wahren Freiheit verbunden ist. - Aber die Inangriffnahme eines so großen Werkes bedarf entsprechend großer Hilfsmittel. Denn nicht ohne große Aufwendungen kann man die Unterbringung der Missionare, die Kosten der langen Reisen, die Instandsetzung der Häuser, den Bau und die Ausstattung der Kirchen und andere notwendige Dinge dieser Art besorgen. Alle diese Ausgaben müssen auf Jahre hinaus getragen werden, solange sich die Prediger des Evangeliums an den Orten, wo sie sich niederlassen werden, nicht mit eigenen Mitteln helfen können. Hätten Wir doch die Mittel, die zur Erledigung dieser Aufgaben notwendig sind! Aber da sich die Notlage, in der Wir Uns befinden, der Verwirklichung Unseres Wunsches widersetzt, so richten Wir Unsere väterliche Bitte an Dich, Ehrwürdiger Bruder, an Dich und alle übrigen Bischöfe und alle Katholiken, und empfehlen Dir und ihnen ein so heiliges und heilbringendes Werk. Es ist Unser Wunsch, dass alle daran mitwirken, und sei es auch nur durch ein ganz geringes Almosen, damit die Last, auf viele verteilt, für jeden einzelnen weniger schwer zu tragen ist und damit sich die Gnade Jesu Christi, die es auszuteilen gilt, auf alle ausbreite und allen Frieden, Vergebung der Sünden und jegliche auserlesene Gabe verleihe.

Aufruf zur Finanzierung des Hilfswerkes gegen die Sklaverei

Daher ordnen Wir an, dass jedes Jahr am Fest der Erscheinung der Herrn an allen Orten, wo dieses Fest gefeiert wird, eine Kollekte durchgeführt werde, um dem Werk, von dem Wir soeben sprachen, zu Hilfe zu kommen. Wir haben gerade dieses Fest vor allen andern ausgewählt, was Du, Ehrwürdiger Bruder, wohl verstehen wirst, weil an diesem Tage der Sohn Gottes sich zum ersten Male den Völkern geoffenbart hat, indem er sich von den Heiligen Drei Königen finden ließ, die deshalb von Unserem Vorgänger, dem heiligen Leo dem Großen, so sinnvoll "die Erstlinge unserer Berufung und unseres Glaubens'. genannt worden sind. Daher haben Wir auch die Hoffnung, dass Christus der Herr, bewegt durch die Liebe und die Gebete seiner Söhne, die das Licht des Glaubens schon empfangen haben, durch die Offenbarung seiner Göttlichkeit auch jenen unglücklichsten Teil des Menschengeschlechts erleuchtet und herausreißt aus den Verstrickungen des Aberglaubens und aus seinem Elend, das er nun schon so lange in Missachtung und Verlassenheit erduldet.

Es ist außerdem Unser Wille, dass das Geld, das an diesem Tag in den Deiner Jurisdiktion unterstellten Kirchen und Kapellen gesammelt wird, nach Rom an die Heiligen Kongregation für die Verbreitung des christlichen Glaubens gesandt wird. Ihr soll es obliegen, die Almosen unter jene Missionen zu verteilen, die in Afrika zu dem besonderen Zweck gegründet wurden oder noch gegründet werden, "um die Sklaverei zu beseitigen", wobei als Regel gelten soll, dass das Geld, das aus Ländern kommt, die eigene katholische Missionen zur Befreiung der Sklaven haben, wie Wir sagten, zur Erhaltung und Unterstützung dieser Missionen verwandt werde. Der Rest der Almosen soll mit klugem Unterscheidungsvermögen an die ärmsten Missionen verteilt werden, und zwar durch die gleiche Heilige Kongregation, die über die Bedürfnisse dieser Missionen vollständig im Bilde ist.

Vertrauen in die Solidarität der Christen und Segen

Wir zweifeln nicht daran, dass Gott, der reich an Erbarmen ist, mit Wohlwollen Unsere Wünsche für die unglücklichen Afrikaner aufnimmt, und dass Du, Ehrwürdiger Bruder, ohne Zögern Deinen Eifer und Deine Tatkraft daran setzen wirst, um sie alle zu erfüllen. - Auch haben Wir das Vertrauen, dass diese zeitweilige und spezielle Hilfe, die die Gläubigen gewähren, um den Schandfleck dieses unmenschlichen Handels zu tilgen und den Boten des Evangeliums in den Gegenden, wo dieser Handel besteht, beizustehen, die Freigebigkeit nicht vermindern wird, mit der sie gewöhnlich die katholischen Missionen unterstützten, indem sie dem in Lyon gegründeten "Werk der Glaubensverbreitung" ihre Beiträge spendeten. Wir wollen auch heute die Gelegenheit ergreifen, dieses wohltätige Werk, dass Wir bereits dem Eifer der Gläubigen empfohlen haben, erneut durch Unsere Anerkennung zu ehren, indem Wir zugleich den Wunsch aussprechen, es möge seine Wohltaten in entfernteste Gegenden tragen und sich eines glücklichen Gedeihens erfreuen. Inzwischen erteilen Wir Dir, Ehrwürdiger Bruder, wie auch dem Klerus und den Gläubigen, die Deiner seelsorgerlichen Wachsamkeit anvertraut sind, von Herzen den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 20. November des Jahres 1890,

dem dreizehnten Unseres Pontifikats

Leo XIII. Pontifex Papae

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