Cäcilianismus

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St. Cäcilia auf einem Banner

Der Cäcilianismus ist eine, nach der Märtyrerin und Patronin der Kirchenmusik, der hl. Cäcilia benannte, katholische kirchenmusikalische Bewegung des 19. Jahrhunderts. Sie ist eine Stilrichtung und hatte sich die Neuausrichtung auf einen an Giovanni Pierluigi da Palestrina angelehnten A cappella-Stil zum Ziel gesetzt, für den die Anhänger des Cäcilianismus den Begriff der altklassischen Vokalpolyphonie prägten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Cäcilianismus ist Teil einer, im 19. Jahrhundert die Gesamtheit der bildenden Künste betreffenden Rückbesinnung auf das Mittelalter und die Renaissance, deren Intention Karl Schafhäufel in einem Aufsatz Über die Kirchenmusik des katholischen Cultus 1834 in der "Allgemeinen Musikalischen Zeitung" (Leipzig) erstmals öffentlich beschreibt. Dabei zitiert er eine Stanze von August Wilhelm Schlegel:

Notenblatt einer Palestrina Messe
Das ächte Neue keimt nur aus dem Alten
Vergangenheit muß unsre Zukunft gründen!
Mich soll die dumpfe Gegenwart nicht halten
Euch, ewge Künstler, will ich mich verbinden.

Dem Geist der Romantik entsprechend, sah der Cäcilianismus das Ideal der Kirchenmusik in einem geschichtlich erreichten Höhepunkt in der Vocalpolyphonie des 16. Jahrhunderts verwirklicht. Die Auseinandersetzung mit der orchesterbegleiteten Kirchenmusik der Klassik und der Einsatz von unterhaltungsmusikalischer Stilrichtungen beim Gottesdienst, veranlasten den Theologen und Kirchenmusiker Franz Xaver Witt (1834-1888) zu einer 1865 publizierten Schrift Der Zustand der Kirchennmusik... und einer Serie von Fliegenden Blättern, die auf Misstände aufmerksam machen sollten. Witt, Stehle, Greith und Mitterer vertraten dabei eine eher weitherzige Auffassung. Haller, Nekes und Piel blieben bei einer strengeren Auslegung. Die Immitation der klassischen Vokalpolyphonie galt dem Cäcilianismus als Verpflichtung für kompositorische Neuschöpfungen. Joseph Haas zeigte jedoch die Gefahren dieses selbstverpflichteten Vocus auf, indem er von kirchenmusikalischen Konfektionsarbeiten sprach. Zwar der gute Wille, aber oft unzulängliches Können barg die Gefahr, dass sich Minderwertiges breit machte.

Franz Xaver Witt (1834-1888)

Die kirchenmusikalischen, literarischen und musikwissenschaftlichen Bemühungen mündeten schließlich in die Gründung des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes durch F. X. Witt im Jahre 1868 in Bamberg. Aufgrund des Schreibens Multum ad movendos animos von Pius IX. vom 16. Dezember 1870, wurde er eine Organisation päpstlichen Rechtes.

Schlußfolgerung

Eine lyrische Betrachtung ist oft der Einstieg in das mysterium tremendum et fascinosum. Dem Cäcilianismus gelang es, von den Zentren der Kirchenmusik bis in die entlegendsten Dorfkirchen zu wirken. Damit bereitete er das Fundament für das Ringen um ein echtes kirchenmusikalisches Ideal. Der Cäcilienverband ist einerseits Hüter des kirchenmusikalischen Erbes und andererseits Promotor für die Entfaltung neuer künstlerisch wertvoller, die Liturgie bereichernder Kirchenmusik.

Literatur

  • Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Bd. 2, Spalte 868, Herder Freiburg 1958.
  • Udo Wagner: Franz Nekes und der Cäcilianismus im Rheinland. Köln 1969. (Dissertation)
  • Winfried Kirsch (Hrsg.): Palestrina und die Kirchenmusik im 19. Jahrhundert. Palestrina und die Idee der Klassischen Vokalpolyphomie im 19. Jahrhundert. Gustav Bosse Regensburg 1989, ISBN 3 7649 2375x.
  • Josip Gregur: Ringen um die Kirchenmusik: die cäcilianische Reform in Italien und ihre Rezeption bei den Salesianern Don Boscos. München, Don Bosco 1998, ISBN 3-7698-1089-9. (Dissertation)
  • Marius Schwemmer: Wie uns die Alten sungen. Cäcilianismus zwischen Aufklärung und Romantik in Konstanz. In: KN Kirchliche Nachrichten Nr. 4, Jahrgang 3, Seite 6, April 2004 und Nr. 5, Jahrgang 3, Seite 2, Mai 2004.
  • Carena Sangl: Der Cäcilianismus in Salzburg unter Erzbischof Johannes Kardinal Katschthaler. Salzburg 2005, ISBN 3-89564-113-8. (Dissertation)

Weblinks

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