Brief der Konzilskongregation am 24. Januar 1587 an den Bischof von Brescia

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Dekret

der Heiligen Konzilskongregation
von Papst
Sixtus V.
an den Bischof von Brescia
über die häufige Sakramentale Kommunion

24. Januar 1587

(Quelle: Joseph de Guibert, Documenta ecclesiastica christianae perfectionis studium spectantia (Dokumente des Lehramtes zum geistlichen Leben), übersetzt, aktualisiert und herausgegeben von Stephan Haering und Andreas Wollbold, Herder Verlag Freiburg-Basel-Wien 2012, Nr. 432)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Deine Hoheit hat den Heiligen Vater angefragt: 432 Ist es dienlich, für die Laien, die in dieser Stadt und in der Diözese Handel treiben, auch verheiratete, die die Heiligste Eucharistie öfter oder sogar täglich empfangen, doch im Vergleich zu den anderen keinen deutlichen Tugendfortschritt erkennen lassen, nur einige bestimmte Tage festzulegen, an denen sie kommunizieren dürfen?

In dieser Sache aber, die von Seiner Heiligkeit an die Heilige Kardinalskongregation zur Interpretation des Konzils von Trient übertragen worden ist, haben die hochwürdigsten Väter einstimmig folgendermaßen beschlossen:

Auch wenn der häufige und tägliche Gebrauch dieses bewunderungswürdigen Sakramentes von den heiligen Vätern in der Kirche immer gebilligt wurde, haben sie dennoch niemals bestimmte Tage in den einzelnen Monaten oder Wochen zu seinem häufigeren Empfang oder zur Enthaltung davon festgelegt. Auch das Konzil von Trient hat keine solchen Tage vorgeschrieben, sondern es hat, der menschlichen Schwäche gewissermaßen Rechnung tragend, nichts geboten, sondern nur auf das hingewiesen, was es wünscht, indem es sagt: »Freilich würde das hochheilige Konzil wünschen, dass in allen Messen die anwesenden Gläubigen durch den sakramentalen Empfang der Eucharistie kommunizierten.«[l] Und dies zu Recht. Vielfaltig sind nämlich die verborgenen Winkel des Gewissens, mannigfach die Ablenkungen des Geistes wegen derartiger Geschäfte; zahlreich dagegen die den Kleinen gewährten Gnaden und Gaben Gottes. Da wir dies mit menschlichen Augen nicht erforschen können, kann doch sicherlich nichts hinsichtlich der Würdigkeit und Reinheit jedes Einzelnen und demzufolge hinsichtlich des häufigeren oder täglichen Genusses des lebensspendenden Brotes festgesetzt werden. Was nun darum die Kaufleute anbelangt, so ist deren häufiges Hinzutreten zum Empfang der heiligen Speise dem Urteil der Beichtväter zu überlassen, denn sie ergründen die Geheimnisse des Herzens. Sie müssen je nach der Reinheit der Gewissen, dem Nutzen der Häufigkeit und dem Wachstum in der Frömmigkeit den handeltreibenden und verheirateten Laien das vorschreiben, von dem sie klar erkennen, dass es ihrem Heil nützen wird. Bei den Verheirateten aber, da der selige Apostel Paulus nicht will, dass diese sich einander verweigern, es sei denn [ ... ] für eine gewisse Zeit, um sich dem Gebet zu widmen (l Kor 7,5), sollen die Beichtväter außerdem darauf achten, sie ernsthaft zu ermahnen, dass man erst recht aus Ehrfurcht vor der Heiligsten Eucharistie Enthaltsamkeit üben und sich mit reinerem Geiste zur Kommunion des himmlischen Mahles einfinden müsse. Die Aufmerksamkeit des Hirten wird sich also nicht so sehr darauf richten, dass Leute nicht durch eine einzige Gesetzesvorschrift vom häufigen oder täglichen Empfang der heiligen Kommunion abgeschreckt oder Tage des Empfangs allgemein festgelegt werden, sondern eher bei der Entscheidung darauf zu achten, was nach Meinung des Oberhirten den Einzelnen durch diesen selbst oder durch die Priester oder Beichtväter an seiner statt zu erlauben sei. Sie soll auch unbedingt dafür Sorge tragen, dass niemand vom heiligen Gastmahl - ob er häufig oder täglich hinzutritt - ferngehalten wird. Nichtsdestoweniger bemühe er sich aber auch darum, dass jeder würdig - je nach Andacht und Vorbereitung seltener oder häufiger - den Wohlgeschmack des Leibes des Herrn verkoste.

Was aber die Beschwerde deiner Hoheit hinsichtlich der Nonnen angeht, die täglich die heilige Kommunion erbitten: Sie wird man ermahnen müssen, dass sie an den durch die Satzungen ihres Ordens festgesetzten Tagen kommunizieren. Wenn jedoch einige von ihnen durch Seelenreinheit hervorstechen und in glühender Andacht des Geistes derart entbrannt sind, dass sie des täglichen Empfangs des Allerheiligsten Sakramentes würdig zu sein scheinen, dann soll er ihnen von den Oberen gestattet werden.

Abgesehen von der Sorgfalt der Pfarrer und Beichtväter wird es ferner nützlich sein, sich auch der Tätigkeit der Prediger zu bedienen und mit ihnen eine Vereinbarung zu treffen, dass sie, wenn sie die Gläubigen für den häufigen Empfang des Heiligsten Sakramentes entflammt haben (was sie auch tun sollen), sogleich eine Ansprache über die bedeutsame Vorbereitung auf seinen Empfang halten. Sie sollen dabei generell zeigen, dass diejenigen, die frommer Eifer zu einem häufigeren oder täglichen Empfang der heilbringenden Speise antreibt - seien es handeltreibende Laien, seien es Verheiratete [Textvariante: oder Sonstige] -, ihre eigene Schwachheit anerkennen müssen, damit sie aus der Würde des Sakramentes und aus der Furcht vor dem göttlichen Gericht lernen, vor dem himmlischen Mahl, in dem Christus ist, Ehrfurcht zu haben; und wenn sie bemerken sollten, dass sie weniger vorbereitet sind, sich von ihm zu enthalten und sich zu einer besseren Vorbereitung anzuschicken. [ ... ]

Deine Hoheit [ ... ] muss der festen Überzeugung sein, dass ihr Amt es fordert, keine Mühe oder Sorgfalt zu scheuen, um jeden Verdacht der Unehrerbietigkeit oder des Anstoßes beim Empfang des wahren und unbefleckten Lammes zu beseitigen und die Tugenden und Gnadengaben in den Empfangenden zu mehren. Dies wird im Übermaß gelingen, wenn diejenigen, die durch die Gnade Gottes von einem frommen Eifer dieser Art ergriffen sind und begehren, sich häufig mit dem heiligsten Brot zu stärken, sich in Furcht und Liebe die Gewohnheit erwerben, ihre Kräfte abzuwägen und sich zu prüfen. [ ... ]

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