Bartolomé de Las Casas

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Bartolomé de Las Casas (* 1484 in Sevilla; † Juli 1566 bei Madrid) war ein Dominikanermissionar in den spanischen Kolonien Mittelamerikas. Als Bischof von Chiapas (Mexiko) wurde er zum „Apostel der Indios“, weil er sich für die Rechte der eingeborenen Indio-Bevölkerung einsetzte. Sein umfangreiches Werk, das sich auf theologische, philosophische und juristische Weise kritisch mit der Conquista auseinandersetzt, begründet eine frühe Form modernen Völker- und Menschenrechts und ist daher von ungebrochener Aktualität.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Bartolomé Las Casas wurde 1484 in der spanischen Hafenstadt Sevilla geboren. Man nimmt an, dass Las Casas 1497 als Soldat nach Granada ging. Später begann er ein Lateinstudium in Sevilla und ein kurzes Jura- und Theologiestudium an der berühmten Universität von Salamanca. 1502 ließ er sich, noch nicht ganz achtzehn Jahre alt, für die neuentdeckten Länder anwerben. Nachdem er 1506 auf einer kurzen Europareise in Spanien das Lizentiat der Rechtswissenschaften erworben hatte und in Rom zum Priester geweiht worden war, führte er das Leben eines Grundbesitzers, der sich um die Verwaltung und Vermehrung seines Besitzes kümmerte und darüber hinaus mit den Aufgaben eines Priesters betraut war. Seine erste hl. Messe zelebrierte er 1509. Er nahm in den Jahren 1512 und 1513 als Feldkaplan an der blutigen Eroberung Kubas unter Diego de Velazquez teil.

1514 wird Las Casas gebeten, zu Pfingsten die Predigt zu halten. Bei der Vorbereitung stößt er auf eine Stelle aus dem alttestamentlichen Buch Jesus Sirach, die von heuchlerischen Opfergaben, dem schweren Los der Armen und deren ungerechten Behandlung durch ausbeuterische „Blutsauger“ spricht. Las Casas erkennt: Die ausgeraubten Armen, von denen hier in der Heiligen Schrift die Rede ist, sind die Indios, die als Zwangsarbeiter in seinen Minen und auf seinem Landgut schuften. Und der Mörder seines Nächsten ist niemand anderes als er selbst, der Priester Las Casas. Er zieht die Konsequenzen und verzichtet öffentlich auf seinen ertragreichen Grundbesitz und wird 1515 als „Generalprokurator aller Indios in Westindien“ eingesetzt, als eine Vermittlungsinstanz zwischen spanischen Interessen und den Bedürfnissen der unterworfenen Ureinwohner. In den Jahren 1518 und 1519 unternimmt Las Casas zahlreiche Reisen durch Spanien, um über die Lage in den Kolonien zu berichten und für sein Reformprogramm zu werben. Im Februar 1521 kehrt er nach Westindien zurück und arbeitet in den Folgejahren in der Evangelisierung der Indios. Bevor er sich dem intensiven Studium theologischer, historischer und juristischer Schriften widmet, tritt er 1522 dem Dominikanerorden bei und findet im Kloster von Santo Domingo einen geeigneten Ort zur stillen Arbeit. In der Hafenstadt Puerto de la Plata (Dominikanische Republik) gründet er fünf Jahre später einen neuen Konvent und beginnt dort mit der Abfassung seiner „Geschichte der Westindischen Länder“, in der er die spanischen Eroberer als Verbrecher entlarvt und die Arbeit der Mönche rühmend herausstellt.

1531 meldet er sich mit dem „Brief an den Indienrat“ auf der politischen Bühne zurück. Las Casas macht deutlich, dass die Bekehrung der indianischen Bevölkerung vorrangig zu behandeln ist und wirtschaftliche Interessen dahinter zurückstehen müssen. Zur Methodik der Missionierung führt er aus, dass diese gewaltfrei erfolgen soll. 1534 schreibt er erneut an den Indienrat und berichtet über die Erfolge seines friedlichen Vorgehens. Er fährt 1540 erneut nach Spanien, um beim Hof sein Konzept für ganz Amerika durchzusetzen, wo man seine Vorstellungen mit Wohlwollen aufnimmt. Kaiser Karl V. setzt 1542 eine Kommission ein, die eine Gesetzgebung für die Reorganisation der Kolonialverwaltung erarbeiten soll. Las Casas wird in diesem Gremium beratendes Mitglied. Die am 20.11.1542 verabschiedeten „Neuen Gesetze“ tragen deshalb auch seine Handschrift.

Am 30.03.1544 wird Las Casas in Sevilla zum Bischof geweiht und kehrt im Juli des gleichen Jahres nach Amerika zurück. Bei dem Versuch, die Neuen Gesetze in seiner Diözese (Mexiko) anzuwenden, trifft Las Casas auf erbitterten Widerstand der Kolonialgesellschaft. Da die Krone nichts mehr fürchtet als sinkende Einnahmen durch abtrünnige Kolonien, hebt Karl die Neuen Gesetze 1545 wieder auf. Las Casas reagiert auf diese Rücknahme mit der Abfassung eines Beichthandbuchs, in dem er beschreibt, warum alle von den spanischen Eroberern geführten Kriege ungerecht gewesen sind und wie die Indios ihrer Freiheit und ihrer Güter beraubt wurden und dabei der Name Jesu Christi und der christliche Glaube in den Schmutz gezogen wurden. Er beschließt er, seinen Kampf in Spanien weiterzuführen, und verlässt 1547 Lateinamerika endgültig. In Spanien wird Las Casas wieder in sein Amt als Procurador de los Indios eingesetzt.

In den „Dreißig Rechtssätzen“ von 1547 und dem 1549 fertig gestellten „Traktat zur Begründung der souveränen kaiserlichen Herrschaft“) vertritt er ein Herrschaftsmodell, das die Ansprüche der spanischen Krone mit dem Selbstbestimmungsrecht der Indios in Einklang zu bringen versucht. Das Engagement Las Casas’ bleibt am Hofe nicht ohne Folgen: Karl V. beruft 1550 eine Kommission nach Valladolid ein, um die ethischen, theologischen und juristischen Bedingungen der bisherigen Herrschaftspraxis zu erörtern und dabei insbesondere auf die Methoden zur rechten Glaubensverkündigung sowie auf die rechte Art und Weise der Unterwerfung indianischer Völker einzugehen. Dort kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Las Casas und seinem Widersacher Juan Ginés de Sepúlveda, die für das Verständnis der Haltung verantwortlicher Personen zu dieser Zeit sehr aufschlussreich ist.

Die letzten Lebensjahre verbringt Las Casas in einem Dominikanerkloster bei Madrid, wo er im Juli 1566 im Alter von 82 Jahren stirbt.

Kontroverse zu Name, Geburts- und Sterbedatum

Im Text werden die allgemein anerkannten Angaben zu Name, Geburts- und Sterbedatum benutzt („Las Casas“,„1484“, „Juli 1566“). In der Literatur finden sich dazu jedoch unterschiedliche Angaben.

Name

Bartolomé de Las Casas heißt in älteren Texten schon mal „Causas“, manchmal „[de las] Casas“. Mittlerweile hat sich „[de] Las Casas“ durchgesetzt.

Geburtsdatum

Während man früher davon ausging, dass Las Casas 1474 geboren wurde, geht man heute (mehrheitlich) von 1484 aus. Die einschlägige Studie, die 1484 nennt, ist ein Aufsatz von Helen Brand Parish und Harold E. Weidman: „The Correct Birthdate of Bartolomé de Las Casas“, in: Hispanic American Historical Review 56, 3 (August 1976), S. 385-403 („Bartolomé de Las Casas was born […] in 1484 or 1485, and most probably on November 11, 1484“, S. 385). Allerdings gibt es immer wieder die Angabe „1474“, etwa in dem von Michael Sievernich 2006 im Insel Verlag (Frankfurt a.M.) herausgegebenen Las Casas-Werk „Kurzgefasster Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder“ (S.182). Das jüngere Datum „1484“ verträgt sich aber schon allein aufgrund von Plausibilitätserwägungen besser mit seinen Lebensstationen und seiner Lebensdauer (andernfalls wäre Las Casas 92 Jahre alt geworden, eine absolute Seltenheit, die sicher Erwähnung gefunden hätte). Was das Alter des aktiven Soldaten angeht (13 Jahre), das sich beim Geburtsjahr 1484 ergibt, muss berücksichtigt werden, dass zur damaligen Zeit solche Karrieren nicht gerade selten waren, schließlich galt man im ausgehenden Mittelalter mit 13 Jahren schon längst als erwachsen. Regelmäßig gingen die späteren Juristen und Theologen mit 12 bis 14 Lebensjahren ins Kloster und begannen ihr Studium. Spaniens König Karl I. wurde mit 16 Jahren gekrönt, mit 19 Jahren wurde er als Karl V. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Sterbedatum

Unstrittig ist hingegen, dass Las Casas im Juli 1566 verstarb. Zum genauen Todesdatum gibt es allerdings widersprüchliche Angaben. Das Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon nennt den 31. Juli, ebenso die deutsche Version der Wikipedia. Das Ökumenische Heiligenlexikon nennt zusätzlich den 17. Juli, der auch in der Britannica Online Enzyclopedia und der spanischen Wikipedia genannt wird. Die englische Wikipedia nennt den 18. Juli.

Werk

  • Obras completas, hg. von Paulino Castañeda Delgado, Madrid. 1989 ff.
  • Deutsche Werkauswahl, hg. von Mariano Delgado, Paderborn. 1994 ff.

Literatur

  • Josef Bordat: Gerechtigkeit und Wohlwollen. Das Völkerrechtskonzept des Bartolomé de Las Casas. Aachen 2006.
  • Thomas Eggensperger: Der Einfluss des Thomas von Aquin auf das politische Denken des Bartolomé de Las Casas im Traktat ,De imperatoria vel regia potestate’. Eine theologisch-politische Theorie zwischen Mittelalter und Neuzeit. Münster 2001.
  • Thomas Eggensperger / Ulrich Engel: Bartolomé de las Casas. Dominikaner, Bischof, Verteidiger der Indios. Mainz 1992.
  • Matthias Gillner: Bartolomé de las Casas und die Eroberung des indianischen Kontinents. Stuttgart 1997.
  • Gustavo Gutiérrez: Gott und das Gold. Der befreiende Weg des Bartolomé de Las Casas. Freiburg i. Br. 1990.
  • Johannes Meier / Annegret Langenhorst: Bartolomé de Las Casas. Der Mann. Das Werk. Die Wirkung. Frankfurt a. M. 1992.
  • Martin Neumann: Las Casas. Die unglaubliche Geschichte von der Entdeckung der Neuen Welt. Freiburg i. Br. 1990.
  • Reinhold Schneider: Las Casas vor Karl V, Leipzig 1938.
  • Frank Träger: Neue Welt und Renaissance-Humanismus in der Debatte um die Kolonialfrage. Eine Untersuchung am Beispiel von Bartolomé de Las Casas (1484-1566). Rostock 1990.

Weblinks

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