Autorität

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Der katholische Begriff der Autorität ist streng christozentrisch. Dass alle Autorität "von Gott kommt", bedeutet in der Wertung sowohl der katholischen Soziallehre als auch im inneren Wirkungsbereich der Kirche, dass jede Ausübung von Autorität an Wort und Weisung Christi ihr Maß nehmen muss.

Eine bloß religiöse Legitimation schlichter Ausübung von Macht wird von der Kirche nicht akzeptiert. Daher wertet der Katholizismus die geistliche Vollmacht, wie sie auf die Berufung Petri und der Apostel durch Christus zurückzuführen ist, als höherrangig gegenüber sämtlichen Ansprüchen von Staat und Gesellschaft. Diese Vollmacht liegt bei dem mit dem Papst vereinten Kollegium der Bischöfe.

Dieser biblisch verankerte Autoritätsbegriff, exemplarisch auffindbar in der Rede Jesu von der Binde- und Lösegewalt der Apostel, ist allerdings im demokratischen Zeitalter unverzichtbar. Auch die Erfahrung der jüngsten Vergangenheit bestätigt, dass der vermeintliche Verzicht auf eine wohlbegründete Autorität, im Zusammenleben der Menschen, letztlich den Einfluss sündhafter Strukturen begünstigt.

In der modernen Gesellschaft verzichtet die Kirche aber bewusst auf politische oder gesellschaftliche Machtmittel, um die Differenz zwischen der Autorität des Evangeliums in den letzten Dingen wie auch die Vernunft christlicher Verantwortung in den Fragen der zeitlichen Ordnung klarer hervortreten zu lassen gegenüber dem nur politischen Kampf. Die Autorität der Wahrheit ist nämlich fähig, sich im Dialog zu erkennen zu geben. Eine Kultur des Dialogs unterstellt aber keine Gleichheit des Zugangs aller Gesprächspartner zur Wahrheit, wohl aber eine Gleichheit in der Suche nach Wahrheit. Der aufrichtige Dialog will den zweifelnden Gesprächspartner davon überzeugen, die Autorität Christi für das Leben der Einzelnen wie der Gemeinschaft anzuerkennen. Dieser Akt der Anerkennung kann nicht erzwungen werden. Der Staat vermag äußeren Rechtsgehorsam zu erzwingen, während die Kirche auf die innere Zustimmung vertrauen kann. Da aber nach christlicher Überzeugung tatsächlich Christus der Herr aller ist, wird dieses Vertrauen nicht enttäuscht werden.

Mithin ist damit zu rechnen, dass die geistliche Autorität der Kirche mit der Überwindung der Ideen vom Staatskirchentum schrittweise sogar anwachsen wird, sofern nur die Rechtsordnungen im Staat eine vollständige Religionsfreiheit auch für Katholiken gewährleisten. Die nichtkatholischen Konfessionen, die bewusst auf eine supranationale, kircheneigene Autorität verzichtet haben, treffen möglicherweise, angesichts der dem Prinzip nicht mehr umkehrbaren Konzeption der offenen Gesellschaft (Pluralismus), auf größere Schwierigkeiten, ihre Konzeption ohne nationalstaatliche Unterstützung erfolgreich fortzusetzen. Die ev. Freikirchen, die keinen öffentlichen Anspruch erheben, sind von der modernen Struktur der öffentlichen Autoritäten zwar weniger betroffen als Orthodoxie und die Landeskirchen der Reformation, streben aber auch keine Wahrnehmung eines christlichen Weltauftrags an (vgl. Gaudium et spes). Anders als bei zivilen Gesellschaften ist die Autorität der Kirche nicht von ihrer tatsächlichen Durchsetzung abhängig, notfalls mit Gewalt, sondern sie schöpft ihre Kraft aus der Gegenwart Christi.

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