Augustissimae virginis (Wortlaut)

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Enzyklika
Augustissimae virginis

unseres Heiligen Vaters
Leo XIII.
durch göttliche Vorsehung Papst
an die Ehrwürdigen Brüder. die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
der katholischen Welt, die in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen
Die Rosenkranzbruderschaft und die heiligen Engel im Rosenkranzgebet
12. September 1897

(Offizieller lateinischer Text: ASS XXX [1897-1898] 132-134)

(Quelle: Rundschreiben Leo XIII., Fünfte Sammlung, Lateinischer und deutscher Text, Herder´sche Verlagsbuchhandlung, übersetzt durch den päpstlichen Hausprälaten Professor Hettinger, Freiburg im Breisgau 1904; Die Überschriften wurden aus: Rudolf Graber: Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste in den letzten hundert Jahren, Echter Verlag Würzburg 19542 (Mit kirchlicher Druckerlaubnis) entnommen. Die Nummerierung ist der englischen Fassung [1] angeglichen)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Rosenkranz als Herz.jpg
Ehrwürdige Brüder,
Gruß und Apostolischen Segen

Inhaltsverzeichnis

Aufforderung zur Marienverehrung

1 Wie viele daran gelegen ist, dass die Verehrung der hehren Jungfrau Maria unablässig gepflegt und der Eifer für die Förderung derselben öffentlich und privatim täglich gesteigert werde, das wird jedermann leicht erkennen, der sich vor Augen führt, auf welch erhabene Stufe der Würde und Herrlichkeit Gott sie gestellt hat.

2 Sie hat er nämlich von Ewigkeit her bestimmt, die Mutter des Wortes zu werden, welches das menschliche Fleisch annehmen sollte. Und demgemäss hat er sie vor allem, was in der dreifachen Ordnung der Natur, der Gnade und der Glorie an Herrlichem sich findet, ausgezeichnet in dem Grade, dass die Kirche mit Recht auf sie die Worte anwendet: „Ich bin aus dem Munde des Allerhöchsten hervorgegangen, zuerst gezeugt vor aller Schöpfung.“[1] Als aber dann der Lauf der Jahrhunderte seinen Anfang nahm, da wurde sie für die Stammeltern des Menschengeschlechtes nach ihrem Falle in die Sündenschuld und für alle von derselben Makel befleckten Nachkommen jener gleichsam als Unterpfand für die Herstellung des Friedens und des Heiles hingestellt. – Unverkennbare Ehrenbezeigungen hat der eingeborene Sohn Gottes auch seiner heiligsten Mutter gewidmet. Schon während seines verborgenen Lebens auf Erden berief er sie zum Dienste bei den beiden Wundern, die er dort vollbrachte: bei dem Wunder der Gnade, als bei der Begrüßung Marias das Kind im Leibe der Elisabeth aufhüpfte, und bei dem Wunder der Natur, als er auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte. Und als er beim Abschluss seines öffentlichen Lebens den Neuen Bund begründete, um ihn mit seinem Blute zu besiegeln, da empfahl er sie dem Jünger der Liebe mit den überaus süßen Worten: Siehe da deine Mutter![2]

3 Deshalb werden Wir, die Wir, obzwar unwürdig, die Stelle und Person Jesu Christi, des Sohnes Gottes, auf Erden vertreten, nicht ablassen, das Lob einer so großen Mutter zu verkünden, solange Wir noch das Licht des Erdentages schauen. Wir fühlen unter dem wachsenden Druck des Alters, dass sein Schein Uns nicht mehr lange vergönnt sein wird, und so drängt es Uns unwiderstehlich gegenüber allen und jedem Unserer Söhne in Christo seine letzten Worte, die er am Kreuze hängend Uns gleichsam als Testament hinterlassen hat, nachzusprechen: Siehe da deine Mutter! Gewiss werden Wir es für eine herrliche Fügung Unseres Loses ansehen, wenn infolge Unserer Anempfehlung jeder Gläubige die Marienverehrung zu seiner liebsten und teuersten Angelegenheit macht und man auf jeden die Worte des hl. Johannes anwenden kann, der von sich schreibt: „Und der Jünger nahm sie zu sich.“[3]

4 Da denn also der Monat Oktober herannaht, können Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, auch dieses Jahr Unser Rundschreiben nicht versagen, sondern ermahnen Euch alle auf das angelegentlichste, durch das Gebet des Rosenkranzes für Euch und für die bedrängte Kirche mit Eifer Verdienste zu sammeln. Die göttliche Vorsehung hat, so scheint es sicher, dieser Andachtsübung am Ende des Jahrhunderts einen wunderbaren Aufschwung gegeben, um die Frömmigkeit der Gläubigen aus ihrer Erschlaffung aufzuwecken. Herrliche Gotteshäuser und hochberühmte Heiligtümer der Gottesmutter legen dafür das beste Zeugnis ab. – Dieser göttlichen Mutter, welcher Wir im Monat Mai die Blumen geweiht haben, ihr möchten Wir nun auch den Monat der Früchte, den Oktober, mit besonderer Herzensandacht geweiht wissen. Denn es geziemt sich, diese beiden Zeiten des Jahres derjenigen zu heiligen, welche von sich gesagt hat: „Meine Blüten sind Früchte der Herrlichkeit und Ehrbarkeit.“[4]

Rosenkranzbruderschaft

5 Zu keiner Zeit hat wohl die gesellschaftliche Gestaltung des Lebens eine innigere Verknüpfung der Verhältnisse herbeigeführt und ist so sehr der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit gewesen, als in unsern Tagen. Und niemand wahrlich möchte dies missbilligen, wenn nicht diese edle Veranlagung der Natur oft für schlechte Ziele missbraucht würde, indem gottlose Menschen sich vereinbarten und sich zu mannigfachen Gesellschaften „gegen den Herren und seinen Gesalbten verbänden“.[5] Doch kann man gewahren, und es ist das ein höchsterfreuliches Ereignis, dass auch bei den Katholiken die Liebe zu den ins Leben getretenen frommen Vereinen zunimmt, dass dieselben sehr zahlreich geworden sind, dass sie, gleichwie gemeinsame Heimstätten, alle durch das Band der christlichen Liebe so miteinander vereinigen und sozusagen verschmelzen, dass sie in Wahrheit Brüder genannt werden können und als solche wirklich erscheinen. Denn wo die Liebe Christi fehlt, da kann niemand brüderlicher Einigung und brüderlichen Namens sich rühmen; mit Schärfe hat dies einst Tertullian in den folgenden Worten ausgeführt: „Wir sind eure Brüder schon kraft der Abstammung von einer Mutter, wenngleich ihr zu wenig Menschen seid, da ihr schlechte Brüder seid. Wie viel richtiger dagegen verdienen jene Brüder genannt und für solche gehalten zu werden, welche einen Vater in Gott anerkennen, welche einen Geist der Heiligkeit eingesogen haben, welche aus dem einen Schoße der gleichen Unwissenheit mit zagendem Staunen dem einen Lichte der Wahrheit sich zugewandt haben.“[6]

6 Vielfach sind die Gesichtspunkte, nach denen die Katholiken zu solchen heilsamen Verbänden sich zu vereinigen pflegen. Man findet da die sogenannten Zirkel, die ländlichen Kassen, Vereine zur geistigen Erholung an den Festtagen, Schutzstätten zur Überwachung der Jugend, Bruderschaften und viele andere den besten Zielen dienende Gesellschaften. Diese Einrichtungen erscheinen nach ihrem Namen, ihrer äußeren Beschaffenheit, ihrem besonderen und nächsten Zwecke als Erfindungen der Neuzeit; In der Tat sind sie aber der Sache selbst nach uralt. Denn schon im Beginne des Christentums sind die Spuren solcher Verbände sicher nachweisbar. In späterer Zeit aber erhielten sie gesetzliche Bestätigung, sie unterschieden sich durch eigentümliche Abzeichen, wurden mit Privilegien ausgestattet, zum Gottesdienste in den Kirchen herbeigezogen, mit der Obliegenheit geistiger und leiblicher Unterstützung betraut und nach dem Wandel der Zeitverhältnisse mit wechselnden Namen bezeichnet. Mit der Zeit wuchs ihre Zahl dergestalt, dass, besonders in Italien, keine Stadt, kein Flecken, ja fast keine Pfarrei zu finden war, wo nicht mehrere oder doch wenigstens gewiss einige derselben vorhanden gewesen wären.

7 Unter diesen räumen Wir ohne Bedenken der Bruderschaft, welche nach dem heiligen Rosenkranz benannt wird, einen besonderen Ehrenplatz ein. Denn sie ragt, wenn ihr Ursprung ins Auge gefasst wird, vor allen durch ihr Alter hervor, weil der Gründer dieser Einrichtung nach der Überlieferung der heilige Vater Dominikus selbst ist. Wägt man ferner die Privilegien ab, so ist sie durch die Huld Unserer Vorgänger mit denselben auf das reichlichste ausgezeichnet worden. – Der Kitt, sozusagen die Seele dieser Einrichtung ist der Marianische Rosenkranz; über die Vorzüge desselben haben Wir anderorts schon ausführlich gesprochen.

Wert des gemeinschaftlichen Rosenkranzgebetes

Sofern aber der Rosenkranz als Pflichtgebet der Bruderschaft in Betracht kommt, die von ihm den Namen erhalten hat, ist sein Wert bei weitem größer. Die Notwendigkeit des Gebetes ist allgemein bekannt; nicht als ob durch dasselbe die göttlichen Beschlüsse abgeändert werden könnten, sondern damit, um die Worte des hl. Gregors anzuführen, „die Menschen durch Beten zu erhalten verdienen, was Gott der Allmächtige von Ewigkeit her ihnen zu geben beschlossen hat“.[7] Nach den Worten des hl. Augustinus vollends „weiß derjenige recht zu leben, der recht zu beten weiß“.[8] Nun gewinnt aber das Gebet dann die größte Kraft zur Erlangung der göttlichen Hilfe, wenn dasselbe öffentlich, beharrlich und einträchtig von vielen verrichtet wird, so dass die Betenden gleichsam einen einzigen Chor bilden. Das zeigt ganz klar jenen Stelle der Apostelgeschichte, worin erzählt wird, dass die Jünger Christi die verheißene Sendung des Heiligen Geistes erwarteten, „indem sie einmütig im Gebete verharrten“.[9] Wer sich an diese Weise zu beten hält, dem kann der sichere Erfolg nie fehlen. Dies geschieht aber durchaus von den Mitgliedern der Rosenkranzbruderschaft. Wie von den Priestern durch die Verrichtung des göttlichen Offiziums ein öffentliches und inständiges und deshalb sehr wirkungsvolles Gebet verrichtet wird, so ist auch durch das Gebet der Sodalen, die Rosenkranzandacht oder der Psalter der heiligen Jungfrau, wie es vielfach und auch von römischen Päpsten genannt worden ist, gewissermaßen öffentlich, beharrlich und gemeinsam.

8 Weil nun, wie Wir bemerkt haben, die öffentlich verrichteten Gebete vor den privatim einen großen Vorzug besitzen und sicherer Erhörung finden, deshalb ist der Rosenkranzbruderschaft der Name einer betenden vom Vater Dominikus für die Fahne der göttlichen Mutter angeworbenen Heerschar beigelegt worden, der göttlichen Mutter nämlich, welche die Heilige Schrift und die Jahrbücher der Kirche als Besiegerin des Teufels und aller Irrtümer begrüßen. Denn der Marianische Rosenkranz verbindet alle, welche dieser religiösen Vereinigung sich anschließen, durch ein gemeinsames Band gleichwie Brüder und Zeltgenossen, und so entseht eine wehrfähige Schlachtreihe, wohlgeübt und geordnet, um die Angriffe der Feinde, mögen sie von innen oder außen uns bedrängen, zurückzuschlagen. Deshalb können die Mitglieder dieser frommem Gründung mit Recht von sich sagen, was einst der hl. Cyprian mit den Worten niedergeschrieben hat: „Wir beten öffentlich und gemeinsam, und wenn wir beten, beten wir nicht für einen allein, sondern für das ganze Volk, weil wir als Volk in allem eins sind.“[10] – Übrigens legen auch die Annalen der Kirche Zeugnis ab für die Kraft und Wirksamkeit dieser Gebetsübung, da sie die Niederlage der türkischen Streitmacht in der Seeschlacht bei den Echinadischen Inseln und die glänzenden Siege erwähnen, welche im voraufgehenden Jahrhundert bei Temesvar in Ungarn und bei der Insel Korfu über dieselben errungen wurden. Gregor XIII. setzte zur ewigen Erinnerung an den ersten Erfolg den Festtag zu Ehren Marias der Siegerin ein, nachmals weihte Unser Vorgänger Klemens XI. diesen Tag dem Feste des heiligen Rosenkranzes und verordnete, dass es alljährlich in der ganzen Kirche gefeiert werde.

Die Mittlertätigkeit der Heiligen und der Gottesmutter

9 Ein neuer Vorzug und neuer Ehrenglanz ergibt sich für diese betende Heerschar aus dem Umstande, dass sie, „unter der Fahne der göttlichen Mutter angeworben worden ist“. Dies gelangt vornehmlich in der öfteren Wiederholung des englischen Grußes nach dem Gebet des Herrn in der Anordnung des Rosenkranzes zum Ausdruck. Damit soll aber keineswegs der Gott schuldigen Ehre irgendwie Eintrag geschehen, gleich als sollte es empfohlen scheinen, auf den Schutz Marias größeres Vertrauen zu setzen als auf die göttliche Macht. Im Gegenteil, gerade diese Anrufung Marias ist das beste Mittel, bei Gott Erhörung und Huld zu finden. Denn der katholische Glaube lehrt uns nicht allein Gott im Gebete anzurufen, sondern auch die Heiligen des Himmels,[11] allerdings mit verschiedenem Beweggrund; zu Gott sollen wir beten als dem Urquell aller Güter, zu den Heiligen als unsern Fürsprechern. Der hl. Thomas sagt: „Gebete können in zweifacher Weise an jemand gerichtet werden. Entweder soll das Erbetene uns durch den Angerufenen selbst gewährt oder von demselben durch Fürbitte erwirkt werden. Auf die erste Art beten wir allein zu Gott. Denn bei allen unsern Gebeten müssen wir den Endzweck verfolgen, die Gnade Gottes und die Seligkeit zu erlangen, welche Gott allein verleiht, nach den Worten des 83. Psalmes, V.[12]:,Gnade und Seligkeit wird verleihen der Herr. Auf die zweite Art hingegen beten wir zu den heiligen Engeln und Menschen, nicht damit Gott durch sie von unserer Bitte Kenntnis erhalte, sondern damit durch ihre Fürbitte und Verdienste unsere Gebete Erfolg erringen. Und deswegen heißt es in der Apokalypse 8,4 , dass der Rauch des Rauchwerkes von den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels vor Gott aufstieg.“12 Wer von allen, welche in den Wohnungen der Seligen thronen, möchte wagen, mit der hehren Gottesmutter sich in einen Wettstreit in Hinsicht auf die Gewinnung der Gnade einlassen? Kann es jemand im ewigen Worte klarer schauen als sie, von welchen Nöten wir bedrängt werden, welche Dinge wir bedürfen? Wem ist eine größere Gewalt verliehen, die Gottheit zu bewegen, als ihr? Wer vermöchte die Gefühle ihrer mütterlichen Liebe zu erreichen? Das ist der Grund, dass wir zwar zu den seligen Himmelsbewohnern nicht in derselben Weise beten wie zu Gott – „denn zur heiligsten Dreieinigkeit beten wir, dass sie sich unser erbarme, zu den Heiligen aber immer nur, dass sie für uns bitten“;[13] die Art jedoch, auf die wir die heilige Jungfrau anflehen, hat etwas mit dem göttlichen Kulte gemein, so zwar, dass die Kirche sie mit denselben Worten anruft, mit denen sie zu Gott steht: „Erbarme dich der Sünder!“ Deshalb vollbringen die Mitglieder der Rosenkranzbruderschaft ein vorzügliches Werk, wenn sie mit so vielen Begrüßungen und Gebeten zu Maria gleichsam Kränze von Rosen winden. So erhaben ist die Größe der Mutter Gottes, so hoch die Gunst, der sie sich bei Gott erfreut, dass wer in seinen Nöten nicht zu ihr seine Zuflucht nimmt, dem gleicht, der ohne die Ruder der Flügel sich in die Lüfte erheben wollte.

Die Rolle der Engel

10 Noch eine andere rühmenswerte Eigenschaft der Bruderschaft, von der Wir reden, dürfen Wir nicht mit Stillschweigen übergehen. So oft wir nämlich bei Verrichtung des Marianischen Rosenkranzes die Geheimnisse unseres Heiles erwägen, ebenso oft wetteifern wir mit den heiligen Dienstleistungen, welche einst der himmlischen Heerschar der Engel anvertraut waren, in ähnlichem Werke. Sie haben ja zur bestimmten Zeit die heiligen Geheimnisse enthüllt, sie haben an denselben großen Anteil gehabt, sie wirkten eifrig bei denselben mit, bald freudenstrahlenden Antlitzes, bald voll Betrübnis, bald wieder voll Jubel in herrlichem Triumphe. Gabriel wird zur heiligen Jungfrau gesandt, ihr die Menschwerdung des ewigen Wortes zu verkünden. Engel feiern mit ihren Gesängen in der Grotte von Bethlehem die Herrlichkeit des zur Welt geborenen Heilandes. Ein Engel bestimmt Joseph, zu fliehen uns sich mit dem Kinde nach Ägypten zu retten. Da Jesus im Ölgarten von Traurigkeit überwältigt Blut schwitzt, tröstet ihn ein Engel mit ehrfurchtsvollem Worte. Engel verkünden ihn den Frauen, nachdem er als Besieger des Todes aus dem Grabe erweckt worden. Von seinem Einzug in den Himmel bringen Engel Botschaft und künden an, dass er, von den Scharen der Engel begleitet, wiederkommen werde, um mit ihnen die Auserwählten zu vereinigen und sie zu dem himmlischen Chore emporzuführen, über welche erhöht worden die heilige Gottesgebärerin. So passt den auf diejenigen, welche, zur Bruderschaft verbunden, das ehrwürdige Gebet des Rosenkranzes verrichten, wohl trefflich das Wort des heiligen Apostels Paulus, welches er an die neuen Anhänger Christi richtete: „Ihr seid hinzugetreten zum Berge Sion, zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem, zur Menge vieler tausend Engel.“[14] Was aber kann es Göttlicheres, was Süßeres geben, als mit den Engeln zu betrachten, mit den Engeln zu beten? Welch hoffnungsfrohe Zuversicht auf die dereinstige selige Gemeinschaft der Engel im Himmel dürfen diejenigen im Herzen tragen, welche auf Erden schon an ihrem Dienste gewissermaßen Anteil genommen haben?

??Die Erwartungen des Papstes==

11 Aus diesem Grunde haben die römischen Päpste diese marianische Sodalität stets mit den höchsten Lobsprüchen ausgezeichnet. Innozenz VIII. nennt sie „die Bruderschaft voll Frömmigkeit“;[15] Pius V. versichert: „Es begannen die Christgläubigen mit einemmal in andere Menschen sich umzuwandeln; die Finsternis der Irrtums schwand, und das Licht des katholischen Glaubens strahlte hervor“ und schreibt dies ihrer Wirksamkeit zu.[16] Sixtus V. zeigte sich im Hinblick auf die religiösen Früchte, welche diese Einrichtung hervorbrachte, ihr innigst zugetan. Viele andere haben sie entweder mit vorzüglichen Ablässen reichlich ausgestattet oder sie unter ihren besonderen Schutz gestellt durch Mitgliedschaft oder andere Beweise ihres Wohlwollens.

12 Diesem Beispiele Unserer Vorgänger schließen wir Uns an, Ehrwürdige Brüder, und ermahnen Euch dringend und beschwören Euch, wie schon öfters, dass ihr diesem heiligen Dienste eine ganz besondere Sorgfalt widmet, so zwar, dass durch Eure Bemühungen demselben täglich neue Truppen zuströmen uns sich unter seine Fahne scharen. An Euren tatkräftigen Eifer und dem Eifer des Euch unterstellten Seelsorgklerus soll das Volk erkennen und richtig ermessen lernen, wie groß die Vorzüge dieser Sodalität sind, welchen Segen dieselbe für das ewige Heil des Menschen bringt.

Der „lebendige“ Rosenkranz

Wir verlangen dies mit um so größerem Nachdruck, weil gerade in letzter Zeit wiederum jener schönste Beweis kindlicher Liebe zur heiligsten Mutter, ein sogen. lebendiger Rosenkranz, aufgeblüht ist. Bereitwillig erteilen Wir dieser Einrichtung Unsern Segen und wünschen sehnlichst, dass Ihr die Verbreitung desselben Euch emsig und unverdrossen angelegen sein lassen. Denn Wir geben Uns der festen Hoffnung hin, dass die reichste Segenskraft den Lob- und Bittgebeten entströmen wird, welche, ohne je zu verstummen, einer großen Anzahl von Menschen aus Herz und Mund entsteigen, und in welchen über die verschiedenen Gegenden der Erde hin abwechselnd Tag und Nacht die einträchtige Harmonie im Gebetsworte mit der Betrachtung des göttlichen sich verbindet. Vor vielen Jahrhunderten haben die von Gott eingegebenen Worte des Ozias auf dieses fortdauernde Lob- und Bittgebet hindeutet, mit welchem er im Lobgesange sich an Judith wandte: „Gesegnet bist du, o Tochter, von dem Herrn, dem höchsten Gott, vor allen Weibern auf Erden ...; denn heute hat er deinen Namen also verherrlicht, dass dein Lob nimmer weichet aus dem Munde der Menschen.“ Und das ganze Volk Israel jauchzte diesen Worten Beifall und rief: „Es geschehe, es geschehe!“[17]

13 Inzwischen erteilen Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, Euerem Klerus und dem ganzen Euerer Obhut anvertrauten Volk als Unterpfand der göttlichen Gnaden und zum Zeugnis Unseres väterlichen Wohlwollens in aller Liebe den Apostolischen Segen im Herrn.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, den 12. September des Jahres 1897,
dem zwanzigsten Unseres Pontifikates
Leo XIII. PP.

Anmerkungen

  1. Sir 24,5 EU
  2. Joh 19,27 EU
  3. Ebd.
  4. Sir 24,23 EU
  5. Ps 2,2 EU
  6. Apolog. c. 39.
  7. Dialog. 1. 1, c. 8.
  8. In Ps 118 EU
  9. Apg 1,14 EU
  10. De orat. domin.
  11. Conc. Trid. Sess. 25
  12. S. th. 2, 2, q. 83, a. 4.
  13. Ebd.
  14. Hebr 12,22 EU
  15. Splendor paternae gloriae, die 26. Febr. 1491.
  16. Consueverunt RR. PP., die 17. Sept. 1569.
  17. Jdt 13,23ff EU
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