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Rundfunkbotschaft
Appell an die Friedensliebe

unseres Heiligen Vaters
Pius XII.
zur Vollendung des vierten Kriegsjahres
1. September 1943

(Offizieller italienischer Text AAS 35 [1943] 277-279)

(Quelle: Gerechtigkeit schafft Frieden, Reden und Enzykliken des Heiligen Vaters Pius XII., Herausgegeben von Wilhelm Jussen SJ, Hansa Verlag Josef Toth Hamburg 1946, S. 177-182 mit Sachregister, Kirchliche Druckerlaubnis Osnabrück am 9. Juli 1946 der bischöfliche Generalvikar Dr. Selig).

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


1 Heute vollenden sich vier Jahre seit dem verhängnisvollen Tage, an dem der fürchterliche, der schrecklichste Krieg aller Zeiten begann, dessen Bild jeden abschreckt, der in seiner Brust noch ein Gefühl für Menschlichkeit hegt. Beim Herannahen der Katastrophe, welche damals die ganze Menschenfamilie bedrohte, richteten Wir, wenige Tage vor Ausbruch der Feindseligkeiten, am 24. August 1939 an die regierenden Völker einen warmen Appell und eine bittende Mahnung: nichts, so sagten Wir, ist verloren, wenn der Friede gewahrt bleibt, alles aber kann verlorengehen mit einem Krieg.

2 Unsere Stimme erreichte die Ohren, erleuchtete aber nicht die Geister und drang nicht bis zu den Herzen. Der Geist der Gewalt siegte über den Geist der Eintracht und Verständigung; ein Sieg, der zu einer Niederlage wurde. Heute, an der Schwelle des fünften Kriegsjahres fühlen auch jene, die damals auf schnelle Kriegsoperationen und einen leichten glorreichen Sieg im Hinblick auf die damaligen Verhältnisse in und außerhalb des Vaterlandes hofften, nichts als Schmerzen und sehen nichts als Trümmer. Viele, deren Ohren Unsern Worten taub waren, lehrte traurigste Erfahrung und das Bild von heute, wie sehr Unsere Ermahnung und Voraussagung der künftigen Wirklichkeit entsprach.

3 Damals sprach aus Unsern Worten unparteiische Liebe für alle Völker ohne Ausnahme und wache Sorge für ihr Wohlergehen. Gleiche Liebe und gleiche Sorge bewegen Uns in dieser schweren, angsterfüllten, Stunde und legen auf Unsere Lippen Worte, die allen zum Vorteil und niemanden zum Schaden sein wollen; Wir bitten inständig den, allmächtigen Gott, ihnen den Weg zu den Herzen und Entschlüssen der Menschen zu öffnen, in deren Händen das Los der bedrängten Menschheit liegt. Die gigantischen Kämpfe nähern sich ihrem Höhepunkt. Die Ermahnung der Heiligen Schrift: "Lernet Könige der Erde !" ( Ps 2, 10) galt nie mehr und dringender als in dieser Stunde, da zu allen die tragische Wirklichkeit spricht. Überall kommen die Völker dazu, sich auf sich selbst zu besinnen, da sie die Ruinen erblicken. Wahre Weisheit ist, sie zu ermutigen und in ihren Prüfungen zu stützen, sie zu entmutigen wäre traurigste Verblendung: In jedem Land wendet sich die Seele des Volkes ab vom Kult der Gewalt. In der grauenhaften Ernte des Todes und Zerstörung erblickt man die verdiente Strafe. In allen Nationen wächst der Abscheu vor der Brutalität der Methoden eines totalen Kriegs, der dahin führt, jede Grenze und jedes Maß des göttlichen und menschlichen Rechtes zu überschreiten.

4 Quälender als je durchdringt und bedrängt den Geist und das Herz der Völker der Zweifel, ob die Fortführung eines solchen Krieges noch den nationalen Interessen entspricht.

Ob er noch vernünftig ist und zu rechtfertigen vor dem christlichen und menschlichen Gewissen. Nach soviel gebrochenen Verträgen, nach soviel zerfetzten Übereinkünften, nach soviel unerfüllten Versprechungen, nach soviel gegenseitigen Widersprüchen; Ansichten und Taten ist das Vertrauen unter den Nationen ausgehöhlt und so tief gesunken, dass es jedem edlen Entschluss den Mut und die Begeisterung nimmt.

5 Deshalb wenden Wir uns an alle, denen eine Begegnung und ein Übereinkommen für den Frieden herbeizuführen obliegt, mit der aus innerstem verwundeten Herzen hervorbrechenden Bitte und sagen ihnen: die wahre Kraft braucht sich nicht zu fürchten edelmütig zu sein. Sie besitzt immer die Mittel, sich gegen jede falsche Auslegung ihres Entgegenkommens und Friedenswillens und gegen andere möglichen Rückschläge zu sichern. Stört nicht und trübt nicht die Sehnsucht der Völker nach dem Frieden durch Handlungen, die, statt das Vertrauen zu ermutigen, wieder den Hass entzünden und den Vorsatz zum Widerstand festigen! Gebt allen Völkern die begründete Hoffnung auf einen gerechten Frieden, der weder ihr Lebensrecht noch ihr Ehrgefühl beleidigt! Macht in höchstem Grade offenbar die Übereinstimmung eurer Grundsätze und Beschlüsse, eurer Erklärungen bezüglich eines gerechten Friedens und eurer Handlungen!

6 Nur so wird es möglich sein, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen, in der die vom Kriegsschicksal weniger begünstigten Völker zu gegebener Zeit an die Wiedergeburt und das Wachsen eines neuen Rechtsgefühls und der Eintracht zwischen den Nationen glauben können; um aus diesem Glauben die natürlichen Folgerungen eines größeren Vertrauens für die Zukunft zu ziehen, ohne befürchten zu müssen, die Erhaltung, die Unversehrtheit oder die Ehre ihres Landes bloßzustellen.

Gesegnet die, welche mit gutem Willen helfen, das Erdreich bereiten, wo keime, wachse, blühe und reife der Sinn für Wahrheit und übernationale Gerechtigkeit!

Gesegnet die, - auf welcher Seite des Krieges sie auch stehen - die mit redlichem Wollen und mit dem Blick auf die Tatsachen mitarbeiten, den toten Punkt zu überwinden, auf dem heute die fatale Bilanz von Krieg und Frieden steht!

Gesegnet die, welche sich selbst und ihre Völker freihalten von der Enge vorgefasster Meinungen, vom Einfluss ungehemmter Leidenschaften, von ungezügeltem Egoismus, vom unrechtmäßigen Durst nach Macht!

Gesegnet die, welche die bittenden Stimmen der Mütter hören, die ihren Kindern das Leben gaben, damit sie aufwachsen im Glauben und edlen Werken, nicht aber töten und sich töten lassen! Die ihr Ohr leihen dem angstvollen Flehen der Familien, die durch die gewaltsame Trennung zu Tode verwundet sind; dem Ruf des Volkes, der immer mehr anschwillt, das nach solchen Leiden, Entbehrungen und Verlusten nichts anderes für sein Leben fordert als Frieden, Brot und Arbeit!

Gesegnet schließlich alle, die verstehen, dass das große Werk der Neuordnung und der wahren Ordnung der Nationen nicht möglich ist, ohne den Blick zu Gott zu erheben und auf Ihn zu richten, Der als Lenker und Ordner aller Ereignisse letzter Ursprung, Rächer und Hüter von Recht und, Gerechtigkeit ist!

7 Aber wehe denen, die in diesem schrecklichen Augenblick sich nicht zum vollen Bewusstsein ihrer Verantwortung für das Los der Völker erheben; die Hass und Streit unter den Völkern nähren; die ihre Macht auf Ungerechtigkeit aufbauen; die die Schwachen und Unschuldigen bedrücken und quälen! (Jer. 22, 13) "Siehe, der Zorn Gottes wird über sie kommen bis an ihr Ende !" (1. Thess 2, 16)

8 Möge der göttliche Erlöser, auf Dessen Lippen die Worte "Selig die Friedfertigen!" ertönten, die Mächtigen und Führer der Völker erleuchten, ihre Gedanken, Gefühle und Überlegungen lenken, sie innerlich und äußerlich stark gegen die Widerstände, Unstimmigkeiten und Gefahren machen, die den Weg zur Vorbereitung und Vollendung eines dauerhaften und gerechten Friedens versperren. Ihre Weisheit, ihr Maßhalten, ihre Willenskraft und ihr lebendiges Gefühl für Menschlichkeit möge einen Hoffnungsstrahl aufleuchten lassen, dass das fünfte Jahr eines in Blut und, Tränen gebadeten Krieges begrenzt werde. Es möge den hinterbliebenen Opfern des unmenschlichen Konfliktes, die unter der Last der Schmerzen gebeugt sind, die frohe Hoffnung geben, dass dieses Jahr nicht ende im Zeichen des Kampfes und der Zerstörung, sondern Anfang und Morgenröte sei eines neuen Lebens, brüderlicher Einigung und tatkräftigen Wiederaufbaues ...

Pius XII. PP.
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