Ansprache vom 10. April 1970

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Ansprache

von Papst
Paul VI.
an die Mitglieder und Berater des "Consilium"
anlässlich ihrer letzten Tagung
10. April 1970

(Offizieller lateinischer Text AAS 62 (1970) 272-274)

(Quelle: Dokumente zur Erneuerung der Liturgie, Band 1, Dokumente des Apostolischen Stuhls 1963 – 1973; Herausgegeben von Heinrich Rennings und Martin Klöckener, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1983, S. 906-908, Randnummer 2072-2075 (nach dem „Enchiridion Documentorum Instaurationis Liturgicae“; ISBN 3-7666-9266-6. N 6 (1970) 222-224. Deutscher Text: eÜ. )

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


2072 Wir freuen uns sehr, euch aus ganzem Herzen zu begrüßen und anzusprechen, die ihr unter Vorsitz des Benno Kardinal Gut das "Consilium" gebildet habt, das nach der Gründung der Kongregation für den Gottesdienst schon aufgelöst ist. Im Rückblick auf euer Werk der vergangenen Jahre fühlen wir uns gedrängt, euch für die umfangreichen Arbeiten den größten Dank auszusprechen. Denn ihr habt euch bereitwilligst und eifrig mit Sachkenntnis an die verwickelte und sehr schwierige Aufgabe begeben und dafür keinen Lohn erwartet, sondern habt euch bemüht, nur dem Wohl der Kirche zu dienen. Ihr habt eine schwierige Pflicht ausgeübt: denn die Dokumente, mit denen jene Konzilskonstitution stufenweise verwirklicht wurde, mussten herausgegeben werden; die durch langen Gebrauch bewährten liturgischen Texte waren zu bearbeiten oder gänzlich neue Texte waren zu schaffen.

Bei der Betrachtung dieser Schwierigkeiten ist es erstaunlich, dass eine so große Menge von Aufgaben schon durchgeführt und vollendet ist; um das Wichtigste nur zu erwähnen, erinnern wir an mehrere Instruktionen, andere veröffentlichte Dokumente und Bücher, die als Unterstützung von einigen Mitarbeitern von euch mitverfasst worden sind, die neue Messordnung, die Änderungen in der Liturgie der Heiligen Woche, den Taufritus für Kinder, den Ritus der Diakonen-, Priester- und Bischofsweihe sowie der Eheschließung, die Leseordnung der Messe, die liturgische Ordnung des Begräbnisses und der Ordensprofess und den Römischen Kalender. In Kürze wird nach ununterbrochenen Arbeiten das Römische Messbuch veröffentlicht werden, dem unter anderem das Römische Brevier, der Ritus der Firmung und der Erwachsenentaufe, das überarbeitete Martyrologium Romanum, das zweite Buch des Pontificale und das Caeremoniale Romanum unmittelbar folgen werden.

2073 Alle diese eure Werke haben die durch die Konzilskonstitution über die heilige Liturgie festgesetzten Prinzipien beachtet. Denn diese - wie man so sagen darf - "Magna Charta" der liturgischen Erneuerung hat eine gewisse Bewegung um den Gottesdienst in der Kirche veranlasst mit dem Ziel, die Menschen unserer Zeit zu befähigen, die Gefühle des Herzens in der heiligen Liturgie wahrhaft und wirksam auszudrücken und zugleich das Erbe der lateinischen Kirche in dieser Angelegenheit so gut wie möglich zu bewahren.

Mit diesen beiden Anliegen, die nicht immer leicht miteinander vereinbart werden konnten, habt ihr das Werk der Liturgieerneuerung besorgt. Deshalb sind Texte, seien es alte oder unserer Denkweise angepasste oder verbesserte, erarbeitet worden, die im Vergleich zu den früheren zahlreicher und reicher an geistlichem Gehalt sind. Die Riten wurden auf Verlangen des Konzils vereinfacht, so dass sie die Sache eindeutiger bezeichnen.

2074 Besonders habt ihr euch bemüht, dass dem Wort Gottes, das in der Heiligen Schrift enthalten ist, ein breiterer Raum gewährt wurde, damit die Theologie in bezug auf die liturgischen Texte eine größere Kraft habe und so das Gesetz des Betens besser mit dem Gesetz des Glaubens übereinstimme, damit der Gottesdienst sich durch wirkliche Schlichtheit auszeichne, und damit zugleich das Volk Gottes vor allem durch die Erlaubnis des Gebrauchs der Muttersprache die Texte der Liturgie besser verstehe und an den heiligen Feiern tätiger teilnehme.

So kam es erfreulicherweise dazu, dass das 2. Vatikanische Konzil - zu einem nicht geringen Teil durch eure Arbeit und eure Mühen - das Leben der Kirche bezüglich jenes bewundernswerten Austausches der Menschen mit Gott und Gottes mit den Menschen heilsam erneuert hat, der sich in der Liturgie vollzieht.

2075 Da dieses euer "Consilium" nach der hervorragenden Arbeit aufgelöst wird und die obengenannte Kongregation als fester Teil der Römischen Kurie die ihr übertragene Aufgabe schon eifrig ausübt, möchten wir einige Wünsche vortragen, die sich auf die nähere und fernere Zukunft beziehen. Mit allem Eifer soll dafür gesorgt werden, dass die Erneuerung der heiligen Liturgie fromm, klug, gläubig, nicht nach eines jeden Belieben durchgeführt werde und dass schließlich von Experimenten, die von der zuständigen kirchlichen Autorität nicht genehmigt worden sind, abgesehen wird. Es ist kein Gott wohlgefälliges Opfer, das ihm unter Vernachlässigungen der kirchlichen Vorschriften dargebracht wird. Deshalb soll die liturgische Erneuerung in dem Geist zu Ende geführt werden, der dem Willen des Ökumenischen Konzils entspricht; in einer so heiligen Angelegenheit, wie sie der Gottesdienst und das geistliche Leben darstellen, ist die Einheit der Herzen und die Eintracht mit allen Kräften zu behüten, zu halten und zu fördern.

Das Gebet der Kirche soll unversehrt und fromm erhalten bleiben und täglich an Kraft gewinnen; durch es sollen die Ehre Gottes und der religiöse Eifer der Gläubigen von Tag zu Tag mehr und mehr wachsen.

In dieser Überzeugung erteilen wir jedem einzelnen von euch den Apostolischen Segen mit einem einzigartigen Gefühl der Liebe.

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