Angelus Silesius: Sinnliche Beschreibung der vier letzten Dinge

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Sinnliche Beschreibung der vier letzten Dinge
Angelus Silesius (Johannes Scheffler).

Quelle: Angelus Silesius: Sämtliche poetische Werke in drei Bänden. Band 3, 313 Seiten - in 2473 Zeilen, Hanser Verlag München 1952. Erstdruck: Schweidnitz (Zacharias Horn) 1675. Lizenz: Gemeinfrei. Taschenbuch: 80 Seiten; ISBN 978-1482363289.

Inhaltsverzeichnis

Der Tod

Die letzen Dinge

des einzelnen Menschen
der gesamten Schöpfung

1
Ihr dummen Sterblichen, die ihr
So frei und sicher lebet
Und stets mit hungriger Begier
Nach Gut und Hochheit strebet,
Wem sammlet ihr dies alles ein,
Was ihr bald müßt verlassen
Und in der letzten Not und Pein
Doch wieder werdet hassen?

2
Ihr lauft so unbesonnen hin,
Als dürftet ihr nicht sterben,
Ob zwar ein halb ersoffner Sinn
Viel andre sieht verderben.
Ihr stecket euch das Ziel noch weit,
Ihr denkt noch lang zu leben,
Ihr habt noch gute Muß und Zeit,
Bis ihr sollt Rechnung geben.

3
Indessen kommt der Larvenmann,
Der blasse Tod, geschlichen
Und fallet euch ganz plötzlich an,
Da ist die Zeit verwichen!
Da müßt ihr fort, es hilft kein Geld,
Kein hoher Stand noch Güter,
Er raffet euch nur aus der Welt
Mit Sturm und Ungewitter.

4
Wie manchen hat er aus dem Tanz
Zum Totentanz gezogen!
Wie manchen in dem besten Glanz
Erlegt mit seinem Bogen!
Viel hat er aus der Liebsten Schoß
Gar grausamlich gerissen
Und sie den kalten Erdenkloß
Statt ihrer heißen küssen.

5
Den hat ein Bißlein rundes Blei,
Den Eisen aufgerieben,
Der ist vor Gift und Zauberei
Fast auf der Stelle blieben.
Den hat ein Fall hinweggebracht,
Ein Becher den vergraben,
Eh sie sich einmal recht bedacht
Und es vermeinet haben.

6
Dies spielet er auch noch zur Zeit
Bei Alten und bei Jungen.
Die ganze Welt wird ihm zur Beut
Und alls von ihm bezwungen.
Heut Abends wird er auch bei dir,
Du volle Rose, stehen
Und deines Leibes ganze Zier
Mit ihme heißen gehen.

7
Da wird dich große Traurigkeit
Und Schrecken überfallen,
Da wird die Furcht dir alle Freud
Und alle Lust vergallen.
Da wird das Lachen dir vergehn,
Das Scherzen wird verschwinden.
Du wirst in lauter Ängsten stehn
Und kein Ergötzung finden.

8
Der Rede Tür, dein roter Mund,
Wird starren und verbleichen,
Die Stimme selbst wird zu der Stund
Sich einziehn und entweichen.
Die Worte werden allzumal
Am Gaumen kleben bleiben,
Du wirst aus deines Herzens Saal
Kaum schwache Seufzer treiben.

9
Der Stirne Pracht und stolzer Glanz,
Der Sammet deiner Wangen,
Die werden sein verdunkelt ganz,
Verblichen und vergangen.
Des Leibes angenehmes Licht,
Die Augen, werden wanken,
Um deinen Leib und Angesicht
Sich nunmehr niemand zanken.

10
An Ohren wirst du werden taub,
Das Herz wird ängstlich schlagen,
Die Seel wird zittern wie ein Laub,
Das Gwissen wird dich nagen.
Der Teufel wird dich, wie er kann,
Mit deinen Sünden schrecken
Und sich bemühn, die Straß und Bahn
Zur Buße zu verdecken.

11
Die Freunde werden allzumal
Von deinem Bette weichen
Und sich verlieren aus dem Saal,
In dem du wirst verbleichen.
Die Trinkgesellschaft wird nicht mehr
Mit dir sich lustig machen.
Die Spieler werden auch nicht sehr
Zu diesem Spiele lachen.

12
Man wird dich nun, so matt und schwach,
Mit deinen letzten Zügen
Und deinem halbverbrochnen Ach
Alleine lassen liegen.
Du wirst allein zum Totenfahn
Dich müssen fortbegeben.
Man wird allein und ohn Gespan
Dich schicken aus dem Leben.

13
Sobald der arme Tropf, dein Geist,
Sein Haus, den Leib, verlassen
Und vor dir wird sein hingereist,
Wird man dich auch bald hassen.
Man stopft die Nase vor dir zu,
Man bleibt von ferne stehen,
Man wünscht nur bald mit dir zur Ruh
Und Grabstätt hinzugehen.

14
Man lauft und rennet, daß man bald
Den Sarg und alls bereite
Und deine tödliche Gestalt
Hinwegbring und beiseite.
Drauf traget man dich klagend hin
Mit traurigen Gebärden
Und legt dich ohne Geist und Sinn
Ins Haus der finstern Erden.

15
Da ist nun deine Herrlichkeit
Und deine Pracht geendet!
In dies Palast hat deine Freud
Zum letzten angelendet!
Hier magst du nun dich auch umsehn
Und tun nach deinen Lüsten.
Hier magst du, wie zuvor geschehn,
Stolziern dich und entrüsten.

16
Die Würmer, denen du bist Preis,
Die werden deiner lachen
Und dir mit Lust und großem Fleiß
Gar bald den Garaus machen.
Die Kröten werden dein Gebein
Zermalmen und zernagen
Und nicht erst, ob sie edel sein
Und hochgeboren, fragen.

17
So geht das schnöde Leben hin,
So elend, so geschwinde!
So müssen wir von dannen ziehn,
Gleichwie der Rauch vom Winde.
Wie eine Blum und Wasserblas
In einem Hui verderben,
So pflegt auch unser Fleisch, das Gras,
In einem Hui zu sterben.

18
Kein Laub wird durch den harten Nord
So bald vom Baum gerissen,
Kein Schiff treibt Äolus so fort,
Als wir vergehen müssen.
Kein Strom fleußt gar so schnell fürbei,
Kein Pfeil fliegt so behende,
Als unsers Lebens Melodei
Zum Schweigen kommt und Ende.

19
Betrachte dies, o Menschenkind,
O Kind der Eitelkeiten!
Betracht es, daß du dich geschwind
Zum Tode mögst bereiten.
Verlaß die Welt, kehr dich zu Gott,
Erheb dich von der Erden,
Daß du nicht darfst in diesem Tod
Ganz tot und sterbend werden.

20
Stirb, ehe denn du sterben mußt,
Meid, ehe du mußt meiden.
Ertöt in dir die böse Lust
Und alle falschen Freuden.
Wer nicht gestorben, wenn er stirbt,
Muß ewiglich verderben
Und durch den Wurm, der nie verdirbt,
Ohn alles Ende sterben.

Das Jüngste Gericht

1
Herbei, herbei, der Tag bricht an,
Der Tag voll Furcht und Schrecken,
Der Tag, der alles auf die Bahn
Wird bringen und entdecken.
Der Tag des Grimms, der Tag des Zorns,
Der Tag der ernsten Rache,
Der Tag des Stachels und des Dorns,
Der ungerechten Sache.

2
Ihr Fürsten, Kaiser, Könige,
Ihr Herrn und Potentaten,
Ihr Päpst und hohe Geistliche,
Ihr Bischöf und Prälaten,
Ihr Richter alle kommt herbei,
Ihr müßt euch all gestellen!
Man wird das Urteil rund und frei
Auch über euch nun fällen.

3
O schwere Zeit, o strenger Tag,
Die Erde, die erbebet!
Kein Fels ist, der bestehen mag,
Der größte Berg zerklebet.
Das Meer, das schaumt und schwellt sich auf
Und macht ein Mordgebrülle,
Die Ströme lassen ab vom Lauf,
Stehn vor Erstaunen stille.

4
Die Winde sausen unerhört
Mit grausamem Gestürme,
Es werden alle Grüft erböhrt,
Es stirbt auch das Gewürme.
Das Vieh rennt unbesonnen her,
Das Wild lauft aus den Löchern,
Die Vögel werden matt und schwer
Und fallen von den Dächern.

5
Des Mondes silbern Angesicht
Wird blutrot vor Erschrecken.
Die Sonn verblaßt, ihr Thron zerbricht,
Ihr Viergespann bleibt stecken,
Die Sterne sieht man allzumal
In ängstlichen Gebärden,
O weh, sie falln in großer Zahl
Herunter auf die Erden.

6
Das wunderschön gefärbte Tuch
Ums himmlische Gewölbe
Kriegt hin und wieder einen Bruch,
Wird runzlig, schwarz und gelbe.
Der Morgenröte goldnes Kleid
Ist ganz und gar zerrissen,
All Anmut, alle Zier der Zeit
Ist hin und ist zerschlissen.

7
Ein Feur steigt auf, das alls verzehrt,
Auch selbst die Elemente.
Es brennet alls, wird alls verheert
Auch in dem Firmamente.
Es ist ein Jammer, eine Not,
Ein unaussprechlichs Klagen,
Es wünscht sich alls Geschöpf den Tod
In Ansehn solcher Plagen.

8
Der Engel machet einen Schall
Aus seiner Erztrompete,
Den Bösen tönt es überall
Aus einer Trauerflöte:
Steht auf ihr Toten, kreucht herfür,
Erscheinet vors Gerichte,
Der Richter ist schon vor der Tür,
Kommt vor sein Angesichte.

9
Da fängt sich ein Gekrappel an
In allen Totenhäusern,
Ein jedes macht sich auf die Bahn,
Kein Bein kann sich entäußern.
Die Knochen hängen sich an Rump
Und fangen an zu leben
Und das Geripp wird umb und umb
Mit seinem Fleisch umgeben.

10 Die Gräber alle tun sich auf,
Die Särge, die zerspringen,
Das Meer muß mit dem schnellsten Lauf
Die Toten wieder bringen.
Die Hölle speiet wieder aus
Mit ungestümem Krachen
Diejengen, die ihr Teufelshaus
Verschlungen und ihr Rachen,

11
Der Himmel lässet auch mit Gunst
Die selgen Seeln hernieder
Und gibt ihn'n mit behender Kunst
Die heilgen Leiber wieder.
Die Toten beide, groß und klein,
Die Bösen und die Guten,
Versammeln sich all insgemein
Wie große Wasserfluten.

12
Darauf erscheint ans Himmels Thron
Mit frischem Blut bespritzet
Das Kreuz, an dem sich Gottes Sohn
Für uns zu Tod geschwitzet.
Man sieht die Geißeln und den Draht,
Mit dem man ihn geschmissen,
Den Draht, mit welchem man ihm hat
Den zarten Leib zerrissen.

13
Die Nägel, die durch Füß und Händ
Ihm eingetrieben worden,
Der Speer, der ihn nach seinem End
Auch tot hat solln ermorden,
Die sind noch alle rot vom Blut,
Als wär es erst geschehen;
Das Rohr, die Säul erscheint auch gut,
Ein jeder kann es sehen.

14
Die Krone, die von einem Dorn
Zusammen war gewunden
Und ihm sein Haupt, meins Heiles Horn,
Zerstochen und beschunden;
Die Ketten, Strick und was er mehr
Für uns hat ausgestanden,
Ist alls vor Augen, ihm zur Ehr,
Der Welt zu Spott und Schanden.

15
Da geht es in ein Zeterschrein,
Da wird ein Heuln und Weinen,
Da winselt auch der härtste Stein
Und alles Mark in Beinen.
Da wünschet mancher, daß ihn bald
Der größte Berg erdrucke,
Ein andrer, daß ihn mit Gewalt
Die Hölle selbst verschlucke.

16
Dort schreit der: Wär ich nie geborn
Noch je geschaffen worden!
Wär ich im Mutterleib verlorn,
Könnt ich mich selbst ermorden!
Ja alle, die sich an der Pein
Des Herren schuldig finden,
Die wünschen ihnen insgemein
In Abgrund zu verschwinden.

17
Indessen kommt des Menschen Sohn,
Der Richter, angezogen,
Er sitzt auf einem neuen Thron,
Der wie ein Regenbogen.
Ein bloßes Schwert, des Zornes Zeug,
Erscheint in seiner Linken,
Den gnadenreichen Lilienzweig
Sieht man zur Rechten blinken.

18
Er kommt in großer Herrlichkeit
Mit göttlichem Gepränge,
Voll Blitz und Feuer ist sein Kleid,
Die Engel in der Menge.
Erschrecklich ist sein Angesicht,
Doch aber nur den Bösen,
Voll Trost scheint seiner Augen Licht
Dem, den er will erlösen.

19
So bleibt er in den Wolken stehn
Vor allen Adamskindern!
Da wird ihm keiner nicht entgehn,
Noch seinen Spruch verhindern.
Und stracks schafft er den Engeln an,
Daß sie sich abwärts schwingen
Und sein Erwählten zu dem Fahn
Der Überwindung bringen.

20
Die Engel lassen sich behend
Herunter auf die Erde
Und sammelen an allem End
Dem Herren seine Herde.
Sie lesen ihm die Lämmer aus,
Führn sie zur rechten Seiten,
Die Böcke schleudern sie im Strauß
Zum Arm der Strengigkeiten.

21
Da wird manch Weib von ihrem Mann,
Manch Mann vom Weib gerissen,
Da nimmet man den Vater an
Und stößt den Sohn mit Füßen.
Hinwiederum steht mancher Sohn
Den Selgen zugeschrieben,
Der Vater aber wird davon
Mit höchstem Spott getrieben.

22
Da muß der Bruder voller Leid
Bei Teufels Böcken stehen
Und sehn die Schwester voller Freud
Mit Gottes Schafen gehen.
Da wird ein Freund (doch nun nicht Freund)
Vom andern abgeschnitten,
Der eine lacht, der andre weint,
Gar ungleich sind die Sitten.

23
Sobald er seine Schäfelein,
Der süße Gott, ersiehet,
So ist er sie zu benedein
Mit schönem Gruß bemühet.
Komm her, ruft er, geweihte Schar,
Vom Vater auserkoren,
Besitzt das Reich, das euer war,
Noch eh ihr wurdt geboren.

24
Mich hungert und ihr macht mich satt,
Mich dürst, ihr gabt mir trinken,
Ich klagte weh, ihr schafft mir Rat
Zur Rechten und zur Linken.
Ihr habt mich Nackenden bekleidt,
Nahmt mich in eure Hütte,
Ihr kamt zu mir zur bösen Zeit
In' Stock mit Trost und Güte.

25
Sie sprechen: Herr, wann haben wir
Dir etwas Guts erzeiget,
Wann haben wir denn uns zu dir
Mit solchem Dienst geneiget?
Er spricht: was ihr erwiesen habt
Den kleinsten meinen Brüdern,
Will ich, als hätt ihr mich gelabt,
Euch ewig nun erwidern.

26
Es werden Stühle hingestellt,
Darauf die Heilgen sitzen,
Die Heiligen, die in der Welt
Mit Christo mußten schwitzen.
Sie hatten hier den Bösewicht,
Die Welt und sich bezwungen,
Drum sitzen sie jetzt zum Gericht.
Dieweil sie durchgedrungen.

27
Was muß für Grimm und was für Schmach
In' Schuldigen entstehen,
Wenn sie die sehen nach und nach
Auf den Gerichtsstuhl gehen!
Wie wird dir da zu Mute sein,
Du Bluthund Maximine,
Was fällt dir, Hadrian, jetzt ein
Bei dieser Wunderbühne?

28
Was muß der Unmensch Commodus,
Was Nero da gedenken?
Wie wird Sever und Decius
Sich in dem Herzen kränken!
Wie muß manch Schnarcher und Tyrann
Vertieft stehn und gebucket,
Wenn er da sieht den armen Mann,
Den er hier hat verdrucket.

29
Dies sind die (murmeln sie bei sich),
Die wir für Narren hielten,
Mit deren Blut wir häufiglich
Die wilden Tier erfüllten.
Dies sind, die wir als einen Schaum
Des ganzen Volks verachten,
Dies sind, die wir wie einen Traum
Und blauen Dunst verlachten.

30
Der ists, spricht jener, der vor mir
Nicht einmal durfte mucken,
Der bettelte vor meiner Tür,
Dem trat ich auf den Rucken.
Den hab ich einst ans Rad gebracht,
Den aus der Stadt verjaget,
Den hab ich weidlich ausgelacht
Und jenem 's Recht versaget.

31
Wie, daß es ihnen jetzt so geht,
Daß sie so hoch ankommen!
Daß sie so trefflich sind erhöht
Und herrlich aufgenommen!
Ach, ach, wir Narrn, wir haben nie
Den rechten Weg gewandelt,
Wir haben Unrecht spät und früh
Zu unsrem Spott gehandelt.

32
Die Bücher werden aufgetan
Und alles draus gelesen,
Was auf der Welt vor jedermann
Verborgen ist gewesen.
Da werden kund und offenbar
Die innersten Gedanken,
Da macht man alle Schandtat klar
Vor allen, die im Schranken.

33
Wie blutrot wird da manche Dirn,
Die hier für Jungfer gangen,
Wie runzelt jener seine Stirn,
Der sich an sie gehangen!
Wie bleich steht mancher große Dieb,
Wie schlägt ers Antlitz nieder!
Wie schämt sich der der falschen Lieb,
Wie zittern ihm die Glieder!

34
Insonderheit wird aufgetan
Das schwarze Schuldregister,
Draus klagt sie Satan sämtlich an
Als schändliche Verwüster.
Er lieset, wie sie ihre Seel,
Den Himmel Gotts, zerrüttet
Und in den Leib, seins Geistes Höhl,
Geraset und gewütet.

35
Sie wußten nicht, schreit er mit Macht,
Vor Hoffart und Stolzieren,
Mit was für neuer Kleiderpracht
Sie sich nur sollten zieren.
Niemand war ihnen gut und gleich,
Ihr Stand, Geschlecht und Gaben,
Die mußten sein bei Arm und Reich
Mit Übermut erhaben.

36
Sie warn im Geiz und Geldbegier
Mit Herz und Sinn ersoffen,
Kein Bettler durft an ihrer Tür
Je werden angetroffen.
Wenn sie zu deines Namens Her
Ein Gröschlein sollten geben,
Da war in ihnen kein Gehör,
Kein Pfennig zu erheben.

37
Sie waren neidisch und sogar
Mißgünstig wie die Hunde,
Wer reich und wohlgesegnet war,
Den nagten sie zur Stunde.
Wo sie gekonnt mit Rat und Tat
Des Nächsten Glück verhindern,
Da warn sie emsig früh und spat
Und halfen es vermindern.

38
Sie konnten nichts als purrn und murrn
Und in den Nächsten wüten,
Sie waren stets voll Grimm und Zorn
Und sagten nichts in Güten.
Sie fluchten, daß die Luft erschrak
Mit grausamem Getümmel,
Sie schmäheten Gott Tag für Tag
Und lästerten den Himmel.

39
Sie lebten fort und fort im Fraß
Vom Abend bis zum Morgen,
Ihr Schlund war stets vom Weine naß,
Ob sies gleich mußten borgen.
Sie haben oftmals die Vernunft
Dreimal im Tag ersäufet
Und also mit der Wiederkunft
Das Sündenmaß gehäufet.

40
Sie waren unkeusch und dem Wust
Der Unzucht ganz ergeben,
Sie führten in des Fleisches Lust
Ein ärgerliches Leben.
Sie reizten auch noch andre an
Mit ihrem Schandgegäcke
Und brachten fast nichts auf die Bahn
Als sündiges Gepläcke.

41
Zum Guten waren sie beschwert,
Faul, langsam, träg, verdrossen,
Kein Dürftiger hat auf der Erd
Ihrs Dienstes viel genossen.
Zum Beten konnten sie gar kaum
Die Sündenposten rühren,
Was Guts zu denken, war kein Raum
In ihrem Sinn zu spüren.

42
In Summa, es war keine Lieb
In ihrer Brust zu finden,
Noch Hoffnung, die deins Geistes Trieb
Im Herzen pflegt zu gründen.
Bei vielen war der Glaub allein
Und doch nur in dem Munde,
Ihr ganzes Leben war ein Schein,
Kein Wesen in dem Grunde.

43
In aller dieser Schändlichkeit,
Da durften sie noch denken,
Daß du sie würdst mit ewger Freud
In deinem Reich beschenken.
Sie sündigten auf dein Verdienst
Und auf deins Geistes Güte,
Sie zechten auf deins Tods Gewinst
Mit frevelndem Gemüte.

44
Dies alls und mehr hat diese Schar
Mit Wust und Willn begangen.
Du weißts, o Richter, daß es wahr,
Ich hab sie so gefangen.
Sie sind nun mein, sprich sie mir zu,
Verdamme sie zur Höllen,
Ich will sie noch in diesem Nu
Den Teufeln zugesellen.

45
Der Richter, weil er voller Glimpf.
Der hält ein wenig inne,
Ob jemand auf die Schmach und Schimpf
Zu tädigen beginne.
Es will sich aber keiner rührn,
Es drückt sie ihr Gewissen,
Man sieht, daß sie sich schuldig spürn
Und recht verstummen müssen.

46
Drauf sieht er seine Heilgen an
Und fraget mit Gebärden,
Ob auch, was dieses Volk getan,
Entschuldigt könne werden.
Es muß ein jeder nach der Reih
Sein Urteil von sich geben
Und vor ihm reden rund und frei
Von dieser Sünder Leben.

47
Die Heilgen biegen ihre Knie
Und falln aufs Angesichte
Mit Lob und danken, daß er sie
Gewürdigt zum Gerichte.
Sie sprechen all einhellig: Nein,
Was die an dir verbrochen,
Das muß mit ewger Schmach und Pein
An ihnen sein gerochen.

48
Wir lebten auch im Fleisch und Blut,
Im Zunderzeug der Sünden,
Wir mußten auch in unsrem Mut
Des Satans Pfeil empfinden.
Wir waren Menschen gleich wie sie,
Wir hatten auch die Sinnen,
Wir wurden aber spät und früh
Des Schlangenstachels innen.

49
Und dennoch haben wir durch dich
Die Laster überwunden,
Wir haben auf den Schlangenstich
Dein heilsams Öl gebunden.
Wir sind zum Leben durch den Tod
Gewaltsam eingedrungen
Und haben unser Herz zu Gott
Vom Bösen abgezwungen.

50
Dies konnten auch die Schälke tun,
Sie konnten ihren Willen
Vom Bösen abziehn, konnten ruhn
Und die Begierden stillen.
Sie folgten aber dir, Herr, nicht,
Sie wollten schändlich leben,
Drum kannst du sie mit rechtem Gricht
Dem Satan übergeben.

51
Der Richter, welchem alls bekannt,
Der billigt ihre Stimme:
Sie sollen ewig sein im Brand
Und unter Teufels Grimme.
Das Urteil ist bald abgefaßt,
Er sprichts mit eignem Munde,
Er sprichts, daß auch das Blut erblaßt
In ihres Herzens Grunde:

52
Geht hin und weichet weg von mir,
Ihr Grundvermaledeiten,
Geht hin, trollt euch von meiner Tür,
Bleibt weg zu ewgen Zeiten.
Geht hin ins Feur, ins ewge Feur,
In Schlund der grundten Höllen
Mit Beelzebub, dem Ungeheur,
Und seinen Rottgesellen.

53
Ich war vor Hunger von Gewalt
Und allen Kräften kommen,
Ich hatt an Leib und an Gestalt
Aus Mangel abgenommen.
Ihr habt mir nicht ein Bißlein Brot,
Nicht ein gut Bein gegeben,
Daß ich nur hätte vor dem Tod
Beschützt mein armes Leben.

54
Ich litte Durst, daß mir die Zung
Am Gaumen kleben bliebe.
Der Mund war trocken und die Lung,
Ich sucht an euch die Liebe.
Ihr habt mir einen Trunk versagt,
Ihr habt mich nicht gelabet,
Ihr habt mich von euch weggejagt
Und gar mit nichts begabet.

55
Ich war ein Fremdling und ein Gast,
Mußt auf der Straße liegen,
Ich dacht ein wenig Ruh und Rast
In eurem Haus zu kriegen.
Ihr habt mich nicht so wert geacht,
Daß ihr mich aufgenommen,
Ich konnte nicht auf eine Nacht
Bei euch zur Herberg kommen.

56
Ich ging elende, bloß und nackt,
Mein Kleid war mir zerrissen,
Das Haupt war naß und unbedackt,
Kein Schuh an meinen Füßen.
Ihr habt mir nicht ein altes Kleid,
Nicht ein Paar Schuh geschenket,
Ihr habt mich nicht zur Winterszeit
Mit einem Fleck behenket.

57
Ich lag im Kerker, ich war krank,
Ich winselte vor Schmerzen,
Es war mir Zeit und Weile lang,
Ich hatte Pein im Herzen.
Ihr habt mich nicht einmal besucht,
Ihr seid nie zu mir gangen,
Ich habe niemals eine Frucht
Noch Trost von euch empfangen.

58
Herr, wann ists, sprechen sie, geschehn,
Daß du hast Not gelitten?
Wann haben wir dich nackt gesehn,
Mit was für Weh bestritten?
Wann bist du fremde hergereist,
Wann in dem Stock gelegen,
Daß wir dir keinen Dienst beweist
Noch deiner wollten pflegen?

59
Was ihr, spricht er, nicht habt getan
Dem Kleinsten, der mich liebet,
Das habt ihr auch nicht, schaut mich an,
Einst gegen mich geübet.
Trollt euch nun fort, ihr habt verlorn,
Das Urteil ist gesprochen,
Ihr findt nicht Gnad bei meinen Ohrn,
Der Stab, der ist gebrochen.

60
Da fallen sie mit großem Schrein,
Mit Prasseln und mit Krachen
Wie Klötze in den Schlund hinein
Und in der Höllen Rachen.
Die Frommen aber gehn bereit
In ihres Herren Freude,
Ins Schloß der ewgen Seligkeit
Zur wahren Seelenweide.

Die ewigen Peinen der Verdammten

1
O Ewigkeit, o Peinlichkeit,
O Wort voll Donnerkeile!
O Wort voll Tods und Ängstlichkeit,
Voll Schreckens, voller Pfeile!
O Wort, das aller Menschen Herz
In Trauern sollte bringen
Und einen inniglichen Schmerz
Aus ihrem Grund erzwingen.

2
Weh denen Menschen, die sogar
Die Ewigkeit vergessen
Und die erschreckliche Gefahr
Keinmal bei sich ermessen!
Weh, weh, sie wandeln auf dem Mund
Der aufgesperrten Höllen,
Die sie zuletzt in ihren Schlund
Verschlucken wird und fällen.

3
Man bankettiert und lebet wohl,
Man folget seinen Lüsten,
Man frißt und säuft sich toll und voll,
Läßt Sünd und Schand einnisten.
Und man gedenkt nicht an die Zeit,
Die unaufhörlich währet,
Die alle Freud in Traurigkeit
Und ewge Pein verkehret.

4
Der Weg ist breit und hat den Schein,
Daß er voll Rosen lieget,
Die Pfort ist groß, man kann hinein,
Ob man sich gleich nicht bieget.
Man fährt hinunter glatt und frei
Mit Roß, Sack, Pack und Wagen,
Mit Jauchzen und mit Gastgeschrei,
Ohn Anstoß, ohne Klagen.

5
Es pflegt sich aber dieser Dunst
Im Augenblick zu enden,
Wenn du hinein bist und umsonst
Dich mühest umzuwenden.
Da siehst du denn, was du getan
Mit deinem Zeitvertreiben!
Zurück ist weder Weg noch Bahn,
Du mußt nun drinne bleiben.

6
Sobald du kommst, empfahen dich
Die teufelischen Hunde
Und machen dir ganz grausamlich
Den Leib zu einer Wunde.
Der Teufel nimmt dich selber an
Mit seinen Henkersarmen
Und preßt dich ein, so sehr er kann,
Ohn einziges Erbarmen.

7
Der feurgen Schergen grimmge Schar
Wirft dich stracks an die Ketten,
Bindt, reißt, schlägt, tritt, bis du fast gar
Zermergelt und zertreten.
Stürzt dich darauf mit solcher Macht
Auf Abgrunds scharfe Schwellen,
Daß Leib und Seel davor zerkracht
Und ewig sich zerschellen.

8
Der Ort ist schrecklich, rauh und kalt
Und doch voll Glut und Hitze,
Schwarz, finster, grausam, ungestalt,
Ein Unflat, eine Pfütze.
Der Schwefel strömt wie eine Bach,
Von Pech sind große Seen.
Geschmolzen Blei fällt von dem Dach
Und von den jähen Höhen.

9
Es donnert, hagelt, kracht und blitzt
Ohn Unterlaß, ohn Ende,
Es brennet, flammet, sticht und hitzt
Durch alle Stein und Wände.
Es tauet Gift und regnet Feur,
Es schneiet Pflöck und Keulen,
Es stürmt und wettert ungeheur,
Daß Grüft und Lüfte heulen.

10
Die Hunde, die darinnen sein,
(Ich meine die Verdammten)
Bindt Satan in Gebünder ein
Durch seines Zorns Beamten.
Sie liegen wie das tote Vieh,
Wie Hering auf dem Haufen
Und können ewiglich doch nie
Ersterben noch ersaufen.

11
Von unten brennet sie die Glut
Des Feuers und der Flammen,
Auf allen Seiten schlägt die Flut
Des Pfuhls ob ihn'n zusammen.
Von oben trauft das heiße Blei
Auf ihre nackten Glieder,
Bald trennet sie ein Strahl entzwei,
Bald schlägt sie Hagel nieder.

12
Die Pestilenz, die plaget sie
Mit Eiterbeuln und Schlieren,
Carbunkel, Sprenkeln und was nie
Auf Erden war zu spüren.
Die Gicht, das Zahnweh und der Stein,
Das Nagen in dem Herzen
Sind gegen ihrer andern Pein
Noch gar geringe Schmerzen.

13
Unsäglich ists, was sie alldar
Vom Ungeziefer leiden,
Die sich an der Verfluchten Schar
Ersättigen und weiden.
Die Frösch und Kröten setzen sich
Ganz frei auf ihr Gesichte
Und machens ihnen ewiglich
Zuschanden und zunichte.

14
Die Schlangen sieht man fort und fort
An ihrem Fleische hängen
Und sie auf jeder Stell und Ort
Anfallen und bedrängen.
Die Nattern haben ihre Lust,
Wenn sie Maul, Nas und Ohren
Durchschlüpfen und die ganze Brust
Bis auf das Herz durchbohren.

15
Der Läus ist ein unzählig Heer,
Ingleichen auch der Wanzen,
Die nach der Läng und nach der Quer
Auf ihrer Haut rumtanzen.
Die Mücken kühlen ihren Mut,
Die Bremsen sind ergötzet,
Wenn sie die Hunde bis aufs Blut
Gestochen und verletzet.

16
Der Spinnen ist ein Überfluß
Und auch der Skorpionen,
Es müssen sie auch zum Verdruß
Die Mäuse nicht verschonen.
Die Ratten fressen sie stets aus
Und wühlen nach Belieben,
Bis daß an manchen nichts als Graus
Von Beinen übrigblieben.

17
Zum Unglück können sie sich nicht
Auf eine Seite kehren
Und einer Fliege, die sie sticht,
Mit einem Finger wehren.
Der Leib ist wie ein Zentner Blei,
Plump, grob und ohn Gelenke,
Die Flechsen alle sind entzwei,
Die Bein aus dem Gerenke.

18
Und dieses haben sie davon,
Weil sie nicht wollten gehen,
Wenns Zeit war, vor des Herren Thron
Zu knieen oder stehen.
Sie waren langsam, träg und faul
Dem Nächsten beizuspringen
Und konnten ihren frechen Gaul
Nicht von der Stelle bringen.

19
Betrachtet dies, ihr faules Vieh,
Die ihr Gott selten dienet,
Die ihr vor seinem Antlitz nie
Mit einer Tugend grünet,
Die ihr so hurtig lauft zum Spiel,
Zum Saufen, Tanzen, Springen
Und könnt zu eures Leibes Ziel
Nicht einen Fuß fortbringen.

20
Sie haben weder Ruh noch Rast
Von allen diesen Plagen,
Es kränkt sie ewig diese Last,
Die Pein und dieses Nagen.
Das Fleisch, das ihnen hat die Zahl
Der Ratten ausgefressen,
Wächst stracks aufs neu und hegt die Qual
Unendlich, ungemessen.

21
Die Raben fallen sie auch an,
Die Habicht und die Geier,
Ein jeder pflücket, was er kann,
Und hackt nach seiner Leier.
Sie werden oft mit solchem Strauß
Verschlucket von den Drachen
Und wiederum gespieen aus,
Daß die Gewölbe krachen.

22
Das Ärgst ist, daß kein Gras noch Kraut
Noch Arznei da zu finden,
Kein Arzt, der die versehrte Haut
Kann salben und verbinden.
Kein Trost, kein Labsal in der Qual,
Kein Öle für die Schmerzen,
Kein Trank, kein Wasser überall
Für die ermatten Herzen.

23
Sie werden mehr geschwächt und krank,
Wenn man den Schacht aufrühret
Und den unleidlichen Gestank
Vor ihre Nase führet.
Dies ist der Myrrhn und Benzoin,
Den sie verdienet haben,
Der Schnupftabak, der Haupt und Sinn
Erleichtern soll und laben.

24
Der Hunger plaget sie auch sehr,
Sie heulen wie die Hunde,
Nach Wasser lechzen sie noch mehr
Mit aufgesperrtem Munde.
Und doch wird ihnen nichts zuteil,
Die Hoffnung ist verschlissen,
Sie müssen so die ganze Weil
Ihr Bankettieren büßen.

25
Wenn ihnen Satan gütlich will,
So füllt er ihren Rachen
Mit Hüttenrauch, Kot und Gespül
Von grauerlichen Sachen.
Drauf schöpft er ihnen einen Trank
Aus der vergiften Quelle
Und füllt sie an mit Mordgestank
Aus seines Unflats Kelle.

26
Anstatt der Musik hören sie
Das teuflische Geschreie,
Welchs sie erschrecket je und je
Ohn Ordnung, ohne Reihe.
Sie hören ihren Hohn und Spott,
Wie sie verlachet werden,
Daß sie den Teufeln mehr als Gott
Gefolget auf der Erden.

27
Da werden ihnen eingetränkt
Die tausend Sakramente,
Die Donner, Hagel und was kränkt,
Die Sternen-Elemente.
Da hören sie im Dampf und Rauch
Das Blut und Gottes Wunden,
Das ihnen durch den bösen Brauch
Entworden und entschwunden.

28
Sie wissen nicht vor Ungeduld,
Vor Zorn und großem Grimme,
Wie sie nur solln in dieser Schuld
Erheben ihre Stimme.
Sie wollen fluchen, lästern, schmähn
Und sich darmite rächen
Und können kaum ein Wort ausdrehn
Noch vor Verbosung sprechen.

29
Die Zung ist noch dazu verwundt,
Sie können sie kaum rühren,
Verschlossen ist der Hals und Mund
Mit schmerzlichen Geschwüren.
Und so noch eins in dieser Pein
Kann einen Fluch erzwingen,
Dem dreht man einen Knebel ein,
Daß Mund und Schlund zerspringen.

30
Ein unnatürliches Geschrei
Ertönt aus ihren Rachen,
Sie grunzen wie die vollen Säu,
Sie krächzen wie die Drachen.
Sie bellen wie das Hundevieh,
Sie heulen, blöken, brüllen,
Sie murrn und brummen je und je
Mit ewgem Widerwillen.

31
Schaut, dies soll eure Kurzweil sein,
Ihr schändlichen Schandierer!
Dies sind die Hurenliedelein,
Ihr Buhler, ihr Verführer!
Singt nur und reißet, wie ihr wollt,
Die Zoten und die Possen,
Im Abgrund werdt ihr diese Schuld
Genug bezahlen müssen.

32
Zu diesem sind sie so verstalt,
Zerstümmelt und zerhauen,
Daß man sie beide, jung und alt,
Nicht kann ohn Schrecken schauen.
Kohlpechschwarz ist ihr Angesicht,
Voll Blasen, voller Grinde,
Der Leib so hart und runzelicht
Als Bast und eichne Rinde.

33
Dem hängt die Nase bis ins Maul,
Der hat durchfressne Backen,
Dem dritten sind die Lippen faul,
Dem vierten schwürt der Nacken.
Ein anderer hat einen Kropf
Wie eine Wasserkanne,
Ein anderer glüht um den Kopf
Wie indiansche Hanne.

34
Dem einen rahn die Augen vor
Wie große Käsenäpfe,
Dem andern stehn die Haar empor
Und sind voll Wichtelzöpfe.
Der eine hat die Gusche nicht,
Der andre Nas und Ohren
Und gar sein menschlich Angesicht
Zu ewger Schmach verloren.

35
Viel sehn dem Ungeziefer gleich,
Den Kröten und den Schlangen,
Dieweil sie auf dem Erdenreich
Voll Gifts und Hasses gangen.
Der Hund ist eine große Zahl,
Der Säu und Böck ingleichen,
Viel Neid, Fraß, Unzucht überall
Bei Armen herrscht und Reichen.

36
Sie sind so schrecklich zugericht,
Daß sie selbst drob erschrecken
Und ihr verfluchtes Angesicht
Stets suchen zu bedecken.
Der Teufel ist nicht greulicher
Noch seine Spießgesellen,
Kein Wurm und Kröt abscheulicher
Im Pfuhl der ganzen Höllen.

37
Zu diesem allen kommt auch noch
Daß sie nicht Friede hegen
Und ihnen selber erst das Joch
Des Widerwillns anlegen.
Sie quäln einander ewiglich
Mit Fluchen und Verdammen,
Sie schlagen, kratzen, beißen sich
Ohn Unterlaß zusammen.

38
Dies ist des Abgrunds Eigenschaft,
Dies ist des Teufels Friede.
Mit solcher Liebe sind behaft
Die ewgen Höllenriede.
Weh euch, die ihr Krieg, Zank und Streit,
Haß, Hader, Zwietracht liebet,
Ihr müsset darauf in Ewigkeit
Mit Zwietracht sein betrübet.

39
Erschrecklich muß es ihnen sein,
Wenn sie von Teufeln allen
Noch über jetzt erzählte Pein
Erst werden angefallen.
Weiß doch nicht ein beherzter Held,
Was er vor Angst soll machen,
Wenn ihn nur ein Gespenst anfällt;
Was sind dann tausend Drachen!

40
Sie falln sie an mit großem Grimm
Und unerhörtem Schreien,
Mit einer höllschen Donnerstimm,
Mit Brüllen wie die Leuen.
Sie wüten, toben, stechen, haun,
Sie speien, schnauben, kratzen,
Sie fassen sie mit ihren Klaun
Und teufelischen Tatzen.

41
Da ist das Elend erst recht groß
Und nimmer anzusprechen,
Mit was für Pein und was für Stoß
Sie ihnens Herze brechen.
Wie sie sie peinigen und quäln,
Wie grimmig sie verfahren,
Kann kein verschwatzter Mann erzähln
In vielen langen Jahren.

42
Dem brechen sie im Zorn den Hals,
Daß ihm die Sehnen knacken,
Dem andern drehn sie gleichen Falls
Das Antlitz auf den Nacken.
Dem reißen sie die Augen aus,
Zerschmettern dem die Beine,
Den werfen sie mit großem Strauß
Und Toben an die Steine.

43
Den henkert man, wie man nur kann,
Den jaget man durch Spieße,
Den speiet man mit Feuer an,
Verhauet dem die Füße.
Die tritt man in den höllschen Kot,
Die schläget man mit Keulen,
Die nagelt man zu Hohn und Spott
Auf Stangen wie die Eulen.

44
Viel schleppet man im Abgrund rum
Und zaust sie bei den Haaren
So grimmig, daß sie um und um
Die Schwarte lassen fahren.
Drauf brüht man sie bis aufs Gebein
In allen feurgen Flüssen,
Schließt sie in glühend Eisen ein
Mit Händen und mit Füßen.

45
Dem stoßet man das Herz entzwei
Mit Rädern und mit Rammen,
Den stampft man gar wie einen Brei
Mit Spinnengift zusammen,
Dem schneidet man das Fleisch vom Rump,
Den peitschet man mit Schlangen,
Den schlägt man lahm, den andern krumb,
Den reißet man mit Zangen.

46
Viel werden an den Spieß gesteckt
Und lebendig gebraten,
Viel auf der Folterbank gereckt,
Bekennend ihre Taten.
Viel werden bis aufs Mark zerfeilt,
Viel jämmerlich geschunden,
Viel klein zerhackt und ausgeteilt
Zur Kost der höllschen Hunden.

47
Man köpft und henkt sie ewig hin
Man siedt sie stets im Öle,
Treibt ihnen von entbranntem Kien
Durch alle Glieder Pfähle.
Bald wirfet man sie aus der Glut
In ein eiskalte Wuhne,
Aus der bald wieder in die Flut
Und feuerheiße Trune.

48
Die Laster haben noch dazu
Ihr eigne Straf und Plagen,
Die den Verbrechern alle Ruh
In Ewigkeit versagen.
Wem dein verruchtes Herz allhier
Am meisten war ergeben,
Das quälet dich da für und für
In diesem toten Leben.

49
Die Hoffart lieget da im Kot,
Dem Satan zu den Füßen
Und muß ihm, ihr zu Schimpf und Spott,
Auch gar den Hintern küssen.
Wie sie gepranget und stolziert,
Wie sehr sie sich erhaben,
So sehr wird sie nunmehr vexiert,
Gedrucket und vergraben.

50
Der Geizige klaubt überall
Den Teufelskot zusammen
Und frißt in sich mit großer Qual
Die Kohlen samt den Flammen.
Er scharrt, er gratscht, er greift nach Geld,
Schnappt nach den höllschen Fliegen,
Er kränkt sich, daß er nicht die Welt
Soll ganz in Rachen kriegen.

51
Man gießet ihm geschmolzen Gold
In seinen Schlund die Menge,
Füllt ihm damit, wie er gewollt,
All Adern, alle Gänge.
Was er mit Unrecht an sich bracht
Und andern hat entzogen,
Das wird ihm alls durchs Teufels Macht
Erschrecklich ausgesogen.

52
Der Neid frißt ihme selbst das Herz
Und nagt an eignen Brüsten,
Er muß dem Beelzebub zum Scherz
Sich kränken und entrüsten.
Man nimmt ihm auch, was er nicht hat,
Man gönnt ihm nicht die Stelle,
Man leidt ihn kaum in diesem Bad
Und in der ganzen Hölle.

53
Die Schleckerbißlein, die dem Fraß
In seinen Wanst geflogen,
Die werden ihm da ohne Maß
Mit Haken rausgezogen.
Er muß sich würgen in der Pein
Und unaufhörlich kröcken,
Das Bier muß raus und auch der Wein,
Sollt er gleich bald verrecken.

54
Der Durst und Hunger plaget ihn
Und, wie er hier gesessen,
So hat er da auch noch den Sinn
Zum Saufen und zum Fressen.
Man gibt ihm aber nichts als Kot
Und Eiter von den Wunden,
Das ist sein Trank und täglich Brot
All Augenblick und Stunden.

55
Der Zorn muß aller Teufel Zorn
Auf seinem Kopfe tragen
Und zu allm ihrem Schnurrn und Purrn
Auch nicht ein Wörtlein sagen.
Er brennt, er flammt, er schnaubt, er gischt,
Bleibt ewiglich zerrüttet,
Weil er hier alls mit Grimm vermischt
Und ohn Vernunft gewütet.

56
Der Faule, der nichts Gutes tat
Noch jemals wollte beten,
Der wird gepeitscht mit scharfem Draht
Und jämmerlich zertreten.
Man kauft ihm Lust mit einem Beil,
Mit Kolben und mit Prügeln,
Man laust ihn für die lange Weil
Mit allen Hölleriegeln.

57
Die Böck und Brömmer, die allhier
Manch ehrlich Mensch verführten
Und manche Dirn zur Ungebühr
Bekleideten und zierten,
Die müssen unerhörte Pein
Von ihrer Brunst empfinden
Und ewiglich gequälet sein
Mit Fühlung dieser Sünden.

58
Die geilen Säcke, die so oft
Den Jünglingen nachgingen
Und manchen, der es nicht verhofft,
Mit ihren Stricken fingen,
Die werden jämmerlich gekränkt
Von ihren bösen Lüsten,
Mit Skorpionen hart bedrängt
An Leib und an den Brüsten.

59
In Summa, wer ists, der sogar
Die Peinen kann beschreiben,
Die der Vermaledeiten Schar
Ohn Ende werden bleiben.
Es wird mit höchster Grimmigkeit
An ihnen da gerochen,
Was sie mit ihrer Üppigkeit
Und bösem Tun verbrochen.

60
Noch eins ist über alle Pein
Und über alle Plagen,
Das sie so lang, als Gott wird sein,
Am schrecklichsten wird nagen.
Das sie mehr brennt als siedig Zinn
Und alle höllschen Flammen,
Das sie mehr kränkt im Geist und Sinn
Als alle Pein zusammen:

61
Es ist, daß sie in Ewigkeit
Die Marter müssen leiden
Und die verscherzte Himmelsfreud
In Ewigkeit vermeiden.
Daß sie von Gottes Angesicht
Verstoßen bleiben müssen
Und sein so lieblich seligs Licht
Nun nimmermehr genießen.

62
Da geht erst die Verzweiflung an,
Da gehts in ein Verfluchen,
Da will man erst im Pfuhl die Bahn
Zur Buß und Beichte suchen.
Da fängt man an, jedoch umsonst,
Das Böse zu bereuen
Und sich vor viehscher Lust und Brunst,
Vor Sünd und Schand zu scheuen.

63
Sie fluchen, daß sie Menschen sein,
Und wolln sich stets ermorden,
Sie wünschen Gott die ewge Pein,
Daß sie geschaffen worden.
Sie schrein und gillen nach dem Tod,
Und sieh! er fleucht vor ihnen,
Sie henkern selbst sich, daß sie Gott
Nicht haben wollen dienen.

64
Es schmerzet sie das milde Blut,
Das Christus hat vergossen,
Sie denken an die Gnadenflut,
Die sie umsonst genossen.
Sie wissen, wie Gott sie geliebt,
Was er für sie gelitten,
Wie er gewest um sie betrübt
Und bis in Tod gestritten.

65
Ach, schrein sie, wie leicht hätten wir
In Himmel können kommen,
Nun ists umsonst und müssen hier
In Ewigkeit verstummen.
Wie leichte konnten wir zu Gott
Durch Buß und Christi Wunden,
Nun sind uns alle Mittel tot
Und sein Verdienst verschwunden!

66
Nun müssen wir in Ewigkeit
Vergehn in diesen Qualen
Und unsre Lust und Eitelkeit
Mit Leib und Seel bezahlen.
O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wer kann die Läng aussprechen?
Wer zählt die Jahre dieser Zeit,
In der man uns soll rächen?

67
Dies ist der Wurm, der nimmermehr
In den Verdammten stirbet,
Durch den die Seele noch so sehr
Als durch das Feur verdirbet.
Dies ist der allergrößte Schmerz,
Den sie, die Hund, empfinden,
Dies macht, daß ihnen Seel und Herz
Verdorren und verschwinden.

68
Geh nun, verruchtes Sündenkind,
Und folge deinem Willen,
Geh, sei verbost, verstockt und blind,
Laß dich den Teufel füllen.
Stolziere, geize, zürne, friß,
Begeh des Fleisches Lüste,
Denk aber, daß durch dies gewiß
Die ewge Qual einniste.

69
Kehr um und eile heute noch
Mit Reu und Leid zur Buße,
Reiß dich aus dem verfluchten Joch
Und fall dem Herrn zu Fuße.
Betreug dich nicht, tus, weil es Zeit,
Weil Gnad und Gunst zu finden,
Sonst wird dir Gotts Barmherzigkeit
Und alle Huld verschwinden.

70
Ach, daß du noch so töricht bist
Und dich so tief verbrennest!
Ach, daß du doch in Kot und Mist
So unbesonnen rennest!
Ach, arme Seele, steh doch auf,
Ermuntre deine Sinnen,
Verändre deinen schnöden Lauf,
Der Höllen zu entrinnen.

71
Betrachte doch die Ewigkeit,
Daß sie unendlich währet!
Schau an den Wurm, den keine Zeit
Ertötet und verzehret.
Ach, ach, was ist es, ewig sein
Verstoßen und verdammet!
Ach, ach, was ist mit ewger Pein
Geplagt sein und umflammet!

72
Kurz ist die Lust, kurz ist die Zeit,
Vergänglich diese Freuden,
Lang ist die Pein und Ewigkeit,
Beständig währt ihr Leiden.
O Ewigkeit, o Ewigkeit,
O ewig sein verloren!
O Last, o Unerträglichkeit,
O besser, nie geboren!

Die ewigen Freuden der Seligen

1
Ich bin voll Trost und ewger Freud,
Voll himmelischer Güte,
Voll Lebens, voller Seligkeit,
Voll Jauchzens im Gemüte,
Wenn ich an dich, du werte Stadt,
Jerusalem, gedenke
Und in dich meiner Sinnen Rad,
Du Liebesland, versenke.

2
Du bist ganz schön und wohlgebaut,
Ganz herrlich aufgeführet,
Kein Makel wird an dir geschaut,
Kein Ungestalt gespüret.
Du übertriffst der Sonnen Licht,
Dein Ansehn glänzt von ferne
Weit über Himmels Angesicht,
Wenn er voll goldner Sterne.

3
Die Mauern sind hoch aufgespitzt,
Ganz schußfrei, voller Türme,
Sie lachen, wenn es kracht und blitzt,
Sie fürchten kein Gestürme.
Die Steine sind dem Jaspis gleich,
Durchscheinend wie kristallen,
Der Grund ist köstlich, stark und reich,
Kann ewig nicht zerfallen.

4
Sie funkeln, daß auch fast's Gesicht
Vergeht noch auf den Grenzen,
Dort leucht des Chalzedoniers Licht,
Da steht der Goldstein glänzen.
Dort blickt der Sardonyk hervor
Mit seinen schönen Wangen,
Da steigt der Amethyst empor,
Mit Purpur reich behangen.

5
Dort färbet sich der Karneol,
Da spieln die Hyazinthen,
Hier sieht man den Chrysopras wohl
Und den Topas dort hinten.
Wie schöne scheint das Himmelblau
Der würdigen Saphiren,
Wie grünet das Smaragdes Au,
Wie kann Beryll sie zieren.

6
Unglaublich ist der Pforten Pracht,
Ein jed (ich muß's doch sagen)
Ist nur aus einer Perl gemacht
Und wunderlich beschlagen.
Es ist nur ein Stück und dabei
So künstlich ausgeätzet,
Daß man das Werk allein ganz frei
Für unvergleichlich schätzet.

7
In allen steht ein Seraphin
Mit herzlichem Verlangen,
Der pflegt mit großem Freudensinn
Die Pilger zu empfangen.
Er heißet sie willkommen sein
Mit freundlichen Gebärden
Und führet sie frohlockend ein,
Daß sie da Bürger werden.

8
Die Gassen alle sind durchaus
Mit klarem Gold gebrücket,
Es ist kein Ort, kein einzigs Haus,
Welchs nicht das Aug berücket.
Man weiß schier nicht, wo mans Gesicht
Zum ersten hin soll wenden,
Ein solches übertrefflichs Licht
Sieht man an allen Enden.

9
Dies Licht kommt nicht vom Mondenschein,
Nicht von der Sonnen Strahlen,
Es fällt auch nicht vom Blitz hinein,
Der alls im Hui kann malen.
Es ist das Licht der Herrlichkeit,
Die wesentliche Sonne,
Die Flamme der Durchläuchtigkeit,
Gott selbst und seine Wonne.

10
Glückselger Pilger, der du hast
Den Weg hieher genommen
Und bist zu deiner Ruh und Rast
In diese Herberg kommen.
Hier kannst du deine matte Brust
Für alle Müh ergötzen
Und dir mit tausendfacher Lust
Die kurze Qual ersetzen.

11
Die Häuser alle sind gebaut
Von weißem Alabaster,
Von Marmel, den man ganz durchschaut
Gleichwie das goldne Pflaster.
Dem kleinsten, das darinnen steht,
Ist keine Stadt zu gleichen,
Es kann (so hoch sind sie erhöht)
Ihm First kein Turm erreichen.

12
Die Fenster sind von Bergkristall
Aufs sauberste polieret,
Die Rahmen silbern überall
Geätzt und ausgezieret.
Der stolzen Dächer Glanz und Pracht
Ist Schmelzwerk bestermaßen,
Vom teuersten Metall gemacht
Mit wunderlichen Straßen.

13
Die Zimmer drinnen sind staffiert
Mit Kunsttapezereien,
Mit schönsten Bildern ausgeziert,
Die einem's Herz erfreuen.
Es stehn ganz lebhaft hin und her
Der Heiligen Geschichte,
Die Reisen übers irdsche Meer
Mit günstigstem Gesichte.

14
Bei jedem ist bald hinten dran
Ein Zier- und Blumengarten,
Da schaut man, was man wünschen kann,
Von Blumen tausend Arten.
Hier steigt der Lilien Schnee empor,
Da glänzen die Narzissen,
Dort ragt ein Rosenstock hervor,
Da läßt Safran sich küssen.

15
Hier ist ein Beet von Tausendschön,
Da voller Tulipanen,
Dort pflegt die Goldwurz aufzustehn
Mit ihren gelben Fahnen.
Hier zeiget sich die Anemon,
Der Nelken samtne Wangen,
Dort steht die stolze Kaiserkron
Beim türkschen Bunde prangen.

16
Alls ist mit solchem Fleiß und Kunst
So zierlich angeleget,
Daß es die Augen stracks zur Gunst,
Das Herz zur Lust beweget.
Kein Perlenhefter hat ein Tuch
So künstlich ausgesticket,
Als dieses Wunderblumenbuch
Sich ineinander schicket.

17
Aus diesem Garten kann man bald
In einen andern gehen,
In dem die Bäume jung und alt
In bester Ordnung stehen.
Da hat man mit Verwunderung
Die schönsten Frücht in Augen,
Es ist kein Stäudlein ja so jung,
Das nicht sollt etwas taugen.

18
Auf diesem läßt sich eine Schar
Der Jungfernäpfel sehen,
Auf jenem wird man bald gewahr,
Wie sich die Birnen drehen.
Ein andrer ist von Pfirschken schwer,
Ein andrer von Morelchen,
Ein andrer wanket hin und her
Mit Muskatellerkelchen.

19
Ergötzlich ist es anzusehn,
Wenn sich die Pomeranzen
Von Lüften hin und wieder drehn
Und auf den Ästen tanzen.
Wenn die Zitronen klein und groß
Sich auf die Erde neigen
Und die Granaten fast ganz bloß
Und reif zum Essen zeigen.

20
Draus kommt man in das freie Feld,
Das hat ein schön Gesichte,
Man siehet eine solche Welt,
Die unsre macht zu nichte.
Da liegt ein Berg, da steht ein Wald,
Da ruhen Aun und Wiesen,
Ein jegliches ganz wohlgestalt
Und nie genug gepriesen.

21
Man siehet stracks die liebe Saat
Auf etlich hundert Morgen,
Sie wächst ohn allen Mißgerat
Goldstriemig und ohn Sorgen.
Es hat der Kürbisse so viel
Und zückerne Melonen,
Daß man sich, wie man immer will,
Nicht kann vor ihnen schonen.

22
Es schwingen sich die Lerchelein
Mit Haufen in die Höhe,
Das treue Turteltäubelein
Seufzt lieblich ohne Wehe.
Sie lassen sich von jedermann
Auch mit den Händen fangen
Und fliegen von sich selbst heran,
Wenn du sie tust verlangen.

23
Die Flüsse schleichen schlangenweis
Im Grünen hin und wieder,
Die Ströme rauschen ohne Fleiß
Ganz wohlgefällge Lieder.
Auf diesen Wassern schwimmen auch
Die Schwäne, welche singen
Und durch des langen Halses Schlauch
So schön Getöne bringen.

24
Geht man darauf in einen Wald,
So hat man drin zu sehen
So viel Ding, das so mannigfalt
Und fein, als je geschehen.
An Bäumen wächst ein seidner Moos
Vermengt mit goldnen Faden,
Das Laub ist linde, fett und groß,
Das Holz ohn eingen Schaden.

25
Man hört den angenehmsten Schall,
Den tausend Vögel machen,
Es lockt und zückt die Nachtigall,
Die Tauben girrn und lachen.
Die Amsel schlägt, die Finke pinkt,
Die Lerche direlieret,
Der Zeisig und der Stieglitz singt
Und alles musizieret.

26
Die Alaster schwatzt mit den Starn
Von ihren Fantaseien,
Es pelfern hin und her mit Scharn
Die schönen Papageien.
Da reden sie die Selgen an
Mit lächerlichen Grüßen
Und plaudern artig jedermann
Zur Kurzweil, wie sie wissen.

27
Das Wild ist sämtlich da nicht wild,
Kein einzigs ist zu scheuen,
Der Leopard geht sanft und mild,
Man scherzet mit den Leuen.
Ein Jauchzen und ein Lustgeschrei
Hört man bei dem Gehetze,
Der Hirsch hängt sein verguldt Geweih
Freiwillig an das Netze.

28
Es quilln viel lautre Brünnelein,
Die den Kristall beschämen,
Viel Bächlein rinnen, die den Schein
Dem Fraueneis benehmen.
Ausbündig günstig kommen drinn
Die Wiesen und die Matten,
Es hat da, was er will, der Sinn,
Schöns Licht und schönen Schatten.

29
Nahbei findt man mit sondrem Schein
Erbauet Schäfereien,
Die Schäflein sind so hübsch und fein,
Daß sie das Herz erfreuen.
Sie tragen Seiden statt der Woll
Und silbernes Gespinste,
Sie gehn so häufig fett und voll
Ohn alles Mißgegünste.

30
Die Fische sind so wundersam,
So lustbar in den Teichen,
So günstig, daß man sie vom Damm
Mit Händen kann erreichen.
Sie schimmeren wie Goldgeschmeid,
Sie spielen fast so feine
Wie Perlenmutter und zur Zeit
Wie edele Gesteine.

31
Die Hügel muß ich sonderlich
In diesem Schauplatz preisen,
Sie sehn so lustig rund um sich,
Als wollten sie sich weisen.
Sie sind durchscheinend allzumal
Wie die polierten Glasen,
Sind wohl bewachsen überall
Mit Gold, Grün und mit Rasen.

32
Der ein ist lauter von Saphir,
Der andre von Kristallen,
Der ein Smaragd, ein andrer schier
Wie Bernstein und Korallen.
Sie sind voll Segens und voll Tau,
Man siehet ihre Spitzen
Von fern hernieder auf die Au
Mit Milch und Honig schwitzen.

33
Herunten werden sie umschanzt
Mit auserlesnen Reben,
Mit Lauben, deren Zier so glanzt,
Daß ichs nicht weiß zu geben.
Es stehen haufenweis und frei,
Oliven, Mandeln, Feigen
Und Cedernbäum, je zwei und zwei,
Den Straßweg anzuzeigen.

34
Und alle diese Lieblichkeit
Pflegt für und für zu währen,
Es kann kein Alter, keine Zeit
Ihrn Saft und Glanz verzehren.
Es ist ein ewger Frühlingsschein,
Ein ewger Herbst im Lande.
Es dauert alles insgemein
In seiner Blüt und Stande.

35
Die Erde wird allzeit geziert
Von ihrem Seidensticker,
Der Wald steht immer wohl schattiert,
Die Luft wird niemals dicker.
Es hängen durch das ganze Jahr
Die Trauben an den Reben,
Das Obst reift fort, die Wollenschar
Pflegt stets am Klee zu kleben.

36
Es pflegt kein Wetter da zu sein,
Kein Donner wird gehöret,
Es fällt kein Reif noch Brand darein,
Kein Hagel, der zerstöret.
Man weiß vom Winter, Frost und Eis
Auch nicht ein Wort zu sagen,
Man hört auch über Sommer heiß
Nicht eine Mücke klagen.

37
Es schneit wohl zur Ergötzlichkeit,
Was? Lilien und Narzissen.
Es pflegt sich auch zu mancher Zeit
Ein Reglein zu ergießen.
Sein Wasser ist von Rosmarin
Und Rosen destillieret,
Von Majoran und von Jasmin,
Von Springauf abgeführet.

38
Es stürmt kein Wind in diesem Port
Und innerhalb der Brucken,
Der Blumen feind, der strenge Nord,
Darf hier nicht einmal mucken.
Es facht und webelt nur allein
Wie spielend durcheinander
Ein tausendkühles Lüftelein
Mit lieblichem Gewander.

39
Die Schönheit, Lust, Schmuck, Glanz und Pracht
Der Selgen, die da bleiben,
Hat noch kein Mensch je vorgebracht
Und recht gekonnt beschreiben.
Die Engel sind so voller Gunst,
So huldreich an Gebärden,
So freundlich, dienstig und umsonst
Als kein Geschöpf auf Erden.

40
Die Tugenden sind voller Zier
Und löblicher Gestalten,
Die Sanftmut leucht so schön herfür
In Fürsten und Gewalten.
Die Herrschaften in großer Zahl
Sind glimpflich im Gebieten
Und die Erzherzog allzumal
Voll Ehrns in allen Tritten.

41
Wer will der Seraphiner Blitz
Und feurge Liebeswagen,
Wer von der Cherubiner Witz
Und großem Lichte sagen?
Wer kann den Ernst und Majestät
Der Thronen wohl vermelden?
Unmöglich ists auf dieser Stätt
Auch dem beredtsten Helden.

42
Erstaunungsvoll sieht man allda
Die heilgen Leiber schweben,
Man glaubts nicht, was sie fern und nah
Für Aussehn von sich geben.
Der eine strahlt mit großem Licht,
Durchleuchtend wie die Sonne,
Ein andrer hat ein Angesicht
Ganz wie des Himmels Wonne.

43
Der übertrifft den Mondenschein
Zu mehr als siebenmalen,
Die Rötin bricht nicht so herein,
Als hunderttausend prahlen.
Viel glänzen wie der Morgenstern
Und andre Himmelsflammen,
Viel wie das Firmament von fern
Mit allem Licht zusammen.

44
Viel leuchten wie ein Diamant,
Viel schimmern wie Opale,
Viel haben des Karfunkels Brand
Und seine Feuerstrahle.
Viel sind wie Onykel so weiß,
Viel haben vom Kristalle,
Viel von dem Sardonyk den Preis,
Von reinsten Gläsern alle.

45
Die Märtrer gehn in Kermesin
Und rotem Sammet prangen,
Sind mit Geschmeide von Rubin
Ganz wunderlich behangen.
Sie tragen Kronen auf dem Haupt
Von lauter edlen Steinen,
Ein Lorbeerkranz, der sie umlaubt,
Macht ihren Sieg erscheinen.

46
Die Jungfern, eine keusche Schar,
Gehn all in weißer Seide,
Kein Atlas gleißt so schön und klar
Wie der zu ihrem Kleide.
Auf ihrem Haupt blüht eine Kron
Von Lilien und Narzissen,
Von Röslein, die man Anemon
Mit Namen pflegt zu grüßen.

47
Die Lehrer geben in die Fern
Ein himmlisches Geglänze,
Auf ihrn Talarn stehn so viel Stern
Als an der Feste Grenze.
Sie sind in Goldstück eingekleidt
Und haben goldne Kronen,
Die Liebe hat sie zubereit,
Sie pflegt mit Gold zu lohnen,

48
Die andern alle sind so schön
Und herrlich angeleget,
Daß auch kein Kaiser kann so gehn,
Wenn er die Krone träget.
Es ist solch Reichtum, solche Pracht,
Solch Perlenschmuck zu sehen,
Soviel Kleinoden, daß alls lacht
Im Hin- und Wiederdrehen.

49
Sie riechen so vortrefflich wohl
Nach Caß- und Zimmetrinde,
Ein Apothek mit Balsam voll
Riecht nie so schön am Winde.
An einem kann man Benzoin,
Am andren Amber spüren,
Der streichet mit Rhodisöl hin
Und der tut Nelken führen.

50
Es kann kein Weh in ihn'n entstehn
Noch Krankheit sie beladen,
Sie können in die Hölle gehn
Ohn Brand und eingen Schaden.
Es kann kein Waffen, Spieß noch Schwert
Sie schneiden und durchstechen,
Kein Hammer auf der ganzen Erd
Ihr kleinstes Beinlein brechen.

51
Sie sind subtiler als die Luft,
Die Berge zu durchdringen,
Sie gehn durch Steine, Maur und Gruft,
Nichts hält noch kann sie zwingen.
Sie können wie mit einem Ball
Mit Sonn und Monde spielen,
Die Erde hindrehn überall,
Kann sie nicht einst vervielen.

52
Sie sind so hurtig und geschwind,
Unsäglich, sehr behende,
Sie können sein, eh als der Wind
In allem Ort und Ende.
Sie sind in einem Augenblick,
Wo sie nur hingedenken,
Und können gleich so stracks zurück,
Sollts tausend Meiln sein, lenken.

53
Sie dürfen die Dreifaltigkeit
Nicht mehr im Glauben ehren,
Man darf sie keine Heimlichkeit
Noch etwas anders lehren.
Sie sehn es klar und können nu
Selbst urteiln ohne wanken,
Sie können auch noch schaun dazu
Die innersten Gedanken.

54
Sie leben sicher und gewiß,
Daß sie darinnen bleiben,
Sie fürchten keinen Fall noch Riß,
Der sie kann raus vertreiben.
Sie wissen, daß noch Krieg noch Feind,
Noch Pest zu ewgen Tagen,
So lange Gottes Sonne scheint,
Von dannen sie kann jagen.

55
Daraus entstehet solche Freud
Und Trost in ihrn Gewissen,
Daß sie vor großer Süßigkeit
Fast in sich selbst zerfließen.
Sie haben Gott, die höchste Lust,
Sie können ihn umfassen,
Sie halten ihn an ihrer Brust
Und wolln ihn nimmer lassen.

56
Da höret auf all ihr Begehrn,
Da stirbet alls Verlangen,
Da stehn sie ewig im Gewährn
Und ewig im Empfangen.
Da sitzen sie zu ewger Zeit
In höchster Ruh und Friede,
In Zufluß und Genüglichkeit
Und werdens niemals müde.

57
Sie werden nie vom Zorn bewegt,
Von keinem Haß betrübet,
Es wird kein Zank noch Streit erregt,
Kein Mutwill je verübet.
Die Mißgunst und der blaue Neid
Sind ewig da verschrieben,
Melancholei und Traurigkeit
Ist vor der Pforte blieben.

58
Sie sind mit lauter Lieb und Brunst
Des heilgen Geists entzündet,
Ein jeder sieht mit lautrer Gunst,
Was er im andern findet.
Ein jeder liebt den andern so
Als wie sein Herz und Leben,
Ein jeder ist des andern froh
Und was ihm Gott gegeben.

59
Sie haben alles ingemein
Ohn Argwohn, ohn Verdenken,
Sie reden ohne falschen Schein,
Ohn Sticheln, ohne Kränken.
Es ist kein Stolz noch Übermut,
Kein Aufblähn unter ihnen,
Ein jeder ist dem andern gut
Und will ihn stets bedienen.

60
Sie leben in Vertraulichkeit
Wie Kinder miteinander,
Wie Tauben in Holdseligkeit
Und günstigem Gewander.
Es ist ein Herz, ein Geist und Sinn,
Ein Will und Wohlgefallen
Im Tun und Lassen her und hin
Aufs höchst in ihnen allen.

61
Es mehret auch noch diese Freud,
Daß sie das Herz und Sinnen
Mit klarem Sehn und Unterscheid
Im Nächsten kennen können.
Sie sehn, wie ers so treulich meint,
Wie er so herzlich liebet,
Wie er der ist, der außen scheint
Und den er von sich gibet.

62
Sie gehen öfters auf das Feld
Und die gestickten Auen,
Die Wunder Gotts, die neue Welt
Und was darin zu schauen.
Da sehn sie mit Verwundrung an
Der Sonnen neue Pferde,
Des Monds Gesicht, den neuen Plan
Der kristallinen Erde,

63
Da machen sie ein Feldgeschrei
Der Allmacht Gotts zu Ehren,
Da singen sie so vielerlei
Der Weisheit Lob zu mehren.
Da spielen sie nach aller Lust
Mit jauchzendem Gemüte,
Da laben sie Mund, Sinn und Brust
Und preisen seine Güte.

64
In diesem setzen sie sich fein
Zusammen in den Schatten
Und sprechen von der Freud und Pein,
Die sie auf Erden hatten.
Sie sagen, wie sie auf die Bahn
Des wahren Lebens kommen,
Was ihnen Gott für Guts getan,
Wie er sie angenommen.

65
Da rühmt Henricus seine Braut,
Die keusche Kunigunde,
Und Elzear sagts überlaut,
Daß ihn sein' überwunde.
Da scherzet die Cäcilia
Mit ihrm Valeriane,
Da kommt Alex aus Syria
Mit seinem Pilgerfahne.

66
Da redt Johannes von der Brust,
An der er hier gelegen,
Da Bernhard von des Geistes Lust
Und innrem Gnadenregen.
Da ist Franziskus allerding
Im Zeigen seiner Wunden
Und Katharina in dem Ring,
Der sie mit Gott verbunden.

67
Da hört man mit Verwundrung an
Der Genoveva Leben,
Wie sie die Schickung Gottes kann
Und sein Versehn erheben;
Wie seinen Jammer und sein Glück
Eustachius erzählet,
Wie Bartholmä der Galgenstrick
In Indien gequälet.

68
Da reden von der Härtigkeit
Die strengen Eremiten,
Die Märtyrer, was sie für Leid,
Für Schimpf und Tod erlitten.
Da weist der Täufer auf sein Haupt,
Da Agatha die Brüste,
Da andre, wessen sie beraubt
Das peinliche Gerüste.

69
Da weiß Agnet sich ihren Spott
Gar artlich Nutz zu machen,
Da Margaret ob ihrem Tod
Mit Barbara zu lachen.
Da kann Lorenz sich schöne ziern
Mit seinem Rost und Kohlen,
Ignatius sich an den Tiern
Gar meisterlich erholen.

70
Der Thron, auf welchem voller Huld
Der König Jesus sitzet,
Ist über alls Gestein und Gold
Und über Kunst geschnitzet.
Er übertrifft des Himmels Glanz,
Leucht mehr als der Karfunkel,
Sein kräftig aufgewölbter Kranz
Ist wie der Blitz, wenns dunkel.

71
Sein Kleid macht blaß den reinen Schnee
In klaren Sonnenstrahlen,
Die Kron auf seines Hauptes Höh
Kann keine Zung abmalen.
Die Sonn weicht seinem Angesicht
Und aller Blitz gar gerne,
Sein Augenäpfel und ihr Licht
Sind zweene Morgensterne.

72
Er ist der lieblichst und ganz schön
Vor allen Menschenkindern,
Läßt einen jeden zu sich gehn
Und ruft auch gar den Sündern.
Niemand hat jemals ihn gesehn
In seinen Majestäten,
Der unverliebt sich könnt abdrehn
Und ohn ihn anzubeten.

73
Zur Rechten etwas unter ihm
Ist noch ein Thron erbauet,
Auf welchem man in Goldgestriem
Die Jungfrau Mutter schauet.
Ihr Thron ist klares Helfenbein,
Ihr Rock ist himmelfarben,
In ihrer Hand ein Köcherlein
Voll Blumen, Frücht und Garben.

74
Zu beiden Seiten um den Thron
Sind tapezierte Dielen,
Drauf sitzt der Patriarchen Kron
In schön beschlagnen Stühlen.
Nach diesem die Propheten all,
Die von ihm prophezeiten,
Drauf die Apostel ebenfall
In gleichen Würdigkeiten.

75
Zu Füßen auf des Thrones Schwell
Knien dreimal tausend Knaben,
Die sich bis auf die Stund und Stell
Mit nichts bemakelt haben.
Er hat sie selbst vom Erbfall rein
Gewaschn und eingekreidet
Und in Livrei von Mondenschein
Zu seinen Ehrn gekleidet.

76
Vor ihm sieht man die große Schar
Der Heilgen aller stehen,
Die Päpst und Kaiser dienen dar
Vor seines Thrones Höhen,
Es stehn die Märtrer allzumal,
Bekenner groß und kleine,
Stehn Fraun und Jungfraun ohne Zahl,
Ein edele Gemeine.

77
Um ihn und oberhalb des Throns
Sieht man die Engel schweben,
Die zum Befehl des Menschensohns
Und seinen Diensten leben.
Die Seraphim und Cherubim
Und Thron und noch sechs Scharen,
Die schweben allesamt vor ihm
Zu hunderttausend Paaren.

78
Die Alten voller Ehrbarkeit
Stehn auf von ihren Stühlen
Und falln mit Ehrerbietigkeit
Zu seines Thrones Dielen.
Sie legen ihre Kronen hin
Und geben ihm die Ehre
Und tun es kund mit klarem Sinn,
Daß ihm der Preis gehöre.

79
Dies sehend, tuns auch alsobald
Die andern Heilgen alle
Und schrein zusammen mit Gewalt
Und freudenreichem Schalle:
Du, du bist würdig, Gotteslamm,
Kraft, Stärk und Ehr zu haben,
Dir, dir gebührt der reiche Stamm,
Gewalt und andre Gaben.

80
Du hast uns, Gott, mit deinem Blut
Erkaufet von der Erden,
Du hast uns Priester ihm zu gut
Und Könge lassen werden.
Dir, dir sei Lob und Herrlichkeit,
Dir sei von allen Zungen
Durchs ganze Nun der Ewigkeit
Preis, Ruhm und Dank gesungen.

81
Dies fangen auch die Hügel an
Zurücke zu erschallen
Und alle Grüft auf ferner Bahn
Gar eigen nachzulallen.
Du, du bist würdig, spricht die Luft,
Kraft, Stärk und Ehr zu haben,
Dir, dir gebührt, wird nachgeruft,
Gewalt und andre Gaben.

82
Drauf geht es in ein Jubiliern
Mit Pauken und Trompeten,
Da fängt man an zu musiziern
Mit Zinken und mit Flöten.
Da ist das schönste Saitenspiel,
Das jemals war zu hören,
Da sind der besten Sänger viel
In mehr als tausend Chören.

83
Da höret man das Gloria
Von allen Engeln singen,
Da muß sich das Halleluja
In alle Lüft erschwingen.
Da wird das Sanctus oftermal
Ganz artlich ausgesprochen
Und das Osanna ohne Zahl
Aufs künstlichste gebrochen.

84
Da höret man ein neues Lied
Allein die Jungfern singen,
Dazu die Harfen sind bemüht,
Die wie der Donner klingen.
Sie loben ihren Bräutigam,
Daß er sie auserkoren
Und sie zu seinem keuschen Stamm
Absonderlich geboren.

85
Sie halten ihm vor großer Freud
Ein künstliches Getänze
Und reichen ihm zur Dankbarkeit
Im selben ihre Kränze.
Sie ehren ihn in einem Reihn
Mit tief gebognem Neigen
Und machen ihm den schönsten Main
Aus ihren Lilienzweigen.

86
Es ist von allen ingemein
Ein ewges Triumphieren,
Ein jeder will der erste sein
Und seinen Thron berühren.
Die Märtrer schwingen ihre Fahn
Und beugen ihm die Picken,
Sie rennen mit den Lanzen an
Und brechen sie in Stücken.

87
Die andern alle streun ihm für
Ihr Ölzweig, ihre Palmen
Und singen ihm mit Ehrgebühr
Die allerschönsten Psalmen.
Sie werfen Blumen allerhand
Auf seines Throns Gestelle
Und räuchern mit kostbarem Brand
Vor der gekrönten Schwelle.

88
Viel können sich insonderheit
Vor Inbrunst nicht enthalten,
Sie laufen zu ihm ungescheut
Vor Jungen und vor Alten.
Maria fällt ihm um den Hals
Mit hunderttausend Küssen
Und dankt ihm für die Ehr und alls,
Welchs er sie läßt genießen.

89
Johannes fliegt an seine Brust
Und bleibt nach Wunsche liegen
Und wieget sich mit höchster Lust
In dieser Himmelswiegen.
Die Magdalena laufet hin
Zu den verklärten Füßen
Und muß sie mit Herz, Mund und Sinn
Auch noch vor Inbrunst küssen.

90
Da siehet man, wie Majestät
Mit Liebe kann bestehen,
Wie wohl sie sich in einer Stätt
Vertragen und begehen.
Er schwingt sich selbst herab vom Thron
Und kommt mit Lust gegangen,
Den Kleinesten (der Gottes Sohn)
Gar herzlich zu empfangen.

91
Drauf stellt er an ein groß Bankett
Im großen Göttersaale,
Dahin der ganze Haufe geht
Mit lieblichem Geprahle.
Unmöglich ists den Aufzug sehn
Mit unverzuckten Sinnen,
Unmöglich, wie er zu geschehn
Pflegt, nur beschreiben können.

92
Ich will nur lalln, so gut ich kann,
Den Schatten bloß zu bilden;
Die Engel fahn den Reihen an
Mit Senkung ihrer Schilden.
Auf ihren Achseln tragen sie
Vergoldte Botenspieße,
Geschürzte Röcklein bis ans Knie,
Geflügelt sind die Füße.

93
Nach ihnen kommt das größre Heer
Der Erzengel getreten,
Ein Regimentsstab ists Gewehr,
Ihr Gang andächtigs Beten,
Drauf gehn die Tugenden herein
Mit zierlichstem Verwenden,
Die schönsten Blumensträußelein
Sieht man in ihren Händen.

94
Gemeldten folgen stracks hinnach
Noch mehr von den Gewalten,
Sie gehen gar gefach, gefach,
Tun bloße Schwerter halten.
Nach denen kommt der Fürsten Flut
Wie große Wasserwogen,
Sie tragen ihren Fürstenhut
Vom Haupt herabgezogen.

95
Der Herrschaften, der sind noch mehr,
Die alle Szepter führen,
In großem Ansehn, großer Her
Den schönen Aufzug zieren.
Der Thronen noch viel größre Schar,
Die tragen güldne Kronen
Zum Zeichen, daß in ihnen gar
Gott pflegt zu ruhn und wohnen.

96
Der Cherubinen noch soviel,
Bedeckt mit ihren Flügeln,
Gehn zu verwunderlichem Spiel
Mit unbefleckten Spiegeln.
Die denen folgen ohne Zahl,
Die selgen Seraphiner,
Die tragen Fackeln allzumal
Als feurge Liebesdiener.

97
Nachdem die alle sind fürbei,
So komm'n die Edelknaben
In der gemeldten Liverei,
Die sie vom Herren haben.
Ein jeder trägt ein Körbelein
Von himmlischem Gemächte,
Aus welchem sie den Weg bestreun
Gleich einer Blumenflechte.

98
Dann bricht, gleich wie die Sonn, herein
Voll ewger Herrlichkeiten
Der Selgen liebster Glanz und Schein,
Ders Mahl tut zubereiten.
Ich sage, Jesus kommt nunmehr,
Die heilgen Hochzeitleute
Mit höchster Gunst und höchster Her
Hinein zu führn als Bräute.

99
Ich sage, Jesus, Jesus kömmt,
Mehr ist mir nicht gegeben,
Sein Glanz mir alln Verstand benimmt,
Alls Reden, alles Leben.
Wer seinen Gang und seinen Blitz
Nach Würden will beschreiben,
Der lasse sich zuvor den Witz
Der Selgen einverleiben.

100
Vor ihm geht als Erzmarschall her
Mit fürstlichen Gebärden
Der Großfürst Michael, dem er
Die Ehr hat lassen werden.
Sein Marschallstab tut eigentlich
Ein dreifachs Kreuz darstellen,
Mit welchem er ganz ritterlich
Verjagt die Macht der Höllen.

101
Ans Herren Seiten gehn, die sich
Ums Himmelreich verschnitten
Und mit Gewalt den Schlangenstich
Erlitten und bestritten.
Sie haben einen bessern Stand
Und einen bessern Namen,
Als alle Gottessöhn im Land
Und Töchter je bekamen.

102
Fragst du warum? so sag ich dir,
Ein unbeflecklichs Leben,
Das pflegt die Ehr und diese Zier
Den Gläubigen zu geben.
Je unbefleckter und mehr rein
Du wirst hier einhergehen,
Je näher wirst du Gotte sein
Und Christo mehr anstehen.

103
Die sind so unvergleichlich schön,
Daß Gott sie muß liebkosen,
Die Lilie muß vor ihn' vergehn
Und alle Zuckerrosen.
Nichts zeucht der Herr so gern in sich
Als den Geruch von ihnen,
Drum läßt er auch so günstiglich
Nächst um sich her sie grünen.

104
Viel tragen Infuln in der Hand,
Auch viel dreifache Kronen,
Nicht wenig fürstliches Gewand,
Es gehn ihr auch mit Thronen.
Daraus man sieht, daß insgemein
Auch große Leut auf Erden
Des Himmelreichs verschnitten sein
Und Gotts Verlobte werden.

105
Am nächsten nach dem Gottessohn
Gehn die Apostel alle,
Die Jünger, eine schöne Kron,
Die er behüt vorm Falle.
Sie gehn daher wie große Herrn,
Wie Fürsten aller Christen,
Durchläuchtig in die weite Fern
Samt den Evangelisten.

106
Die Patriarchen folgen drauf,
Vermengt mit den Propheten,
Ein ebenfalls durchlauchter Hauf,
Der nunmehr außer Nöten.
Sie tragen Anker von Demant
Und klare Ferngesichte,
Sie prangen wie ein festes Land
Welchs übermaßen lichte.

107
Nach diesen kommt der Märtrer Heer
In Scharlach angezogen,
Ein Heer, groß wie das weite Meer
Und dessen Wasserwogen.
Sie schwingen all ein schönes Fahn
Zum ewgen Siegeszeichen
Und machen lustig jedermann
Mit ihren Ritterstreichen.

108
Drauf kommt die freudenvolle Schar
Der Beichtiger gesprungen,
Weil ihr Bekenntnis in Gefahr
Ihn' ist so wohl gelungen.
Sie gehn mit Zinken und Schallmein,
Mit Orgeln und mit Flöten,
Mit Cymbeln und mit Jubelschrein
Und himmlischen Trompeten.

109
Mit ihnen gehen untermengt
Die Prediger und Lehrer,
Die Bischöf und (welchs mich wohl denkt)
Die armen Kirchenmehrer.
Sie gehn mit Büchern, ihrer Lust,
Mit Lichtern voller Leben,
Mit Jesu Namen auf der Brust,
Mit goldnen Pilgerstäben.

110
Die Ordensstifter gehn auch hier
Mit ihren Kriegesheeren,
Die sie geworben vor der Tür
Und nunmehr Gott gewehren.
Sie ziehen wie Soldaten auf
Und große Generale,
Ihr Gang ist ein behender Lauf
Mit fürstlichem Geprahle.

111
Nach denen kommt in großem Glanz
Die Schar der Eremiten,
Der Diakonen heilger Kranz,
Die Priester und Leviten.
Sie tragen goldgewirktes Band
Und weiße seidne Schnüre,
Patenen, priesterlichs Gewand
Und Kelche mit Gebühre.

112
Nach alln komm'n endlich ohne Zahl
Die gmeinen Heilgen alle,
Die gehen jauchzend allzumal
Mit schönstem Klang und Schalle,
Ihr aller Schmuck und viele Pracht
Ist nimmer zu beschreiben,
Drum laß ichs lieber ungedacht
Und die Erzählung bleiben.

113
In größerm Troß gehn an der Seit
Der göttlichen Verwandten,
Mit Haschen, Spießen, schön bereit,
Die Engel als Trabanten.
Sie nehmen ihren Fürstenhut
In ihre würdgen Hände
Und gehn voll Ehrung wohlgemut
Vom Anfang bis zum Ende.

114
Wenn dann nun alle sind fürbei,
So ist gleichwohl noch immer
Zu sehn: es kommt in edler Reih
Das heilge Frauenzimmer.
Sie wallen wie ein blühends Meer,
Wie tausend Frühlingsgarten
Und wie ein buntes Blumenheer
Von hunderttausend Arten.

115
Die erst ist Gottes erste Braut,
Die seinen Sohn geboren,
Da er sie nach des Engels
Laut Zur Mutter auserkoren.
Maria mein ich, unsre Frau,
Die Jesum, unser Leben,
Uns, wie ein Feld den Maientau,
Sich unversehrt, gegeben.

116
Die führt ihr treuer Gabriel
Als obrster Hofemeister,
Bestellt von ihrm Emanuel,
Dem Herren aller Geister.
Er geht voll Zucht, führt sie gar sacht
Mit engelischen Sitten
Beim Ärmel, dessen Gold und Pracht
Er küßt in allen Tritten.

117
Ihr treten tausend Engel für
Aus alln und jeden Chören,
Die sie mit höchster Ehrgebühr
Anbeten und verehren.
Den Weg bestreun mit Blüt und Laub
Die Bethlemiter-Knaben,
Die den Befehl und Gartenraub
Von ihrem Sohne haben.

118
Stracks auf dem Fuße gehn ihr nach
Mit Lampen die Jungfrauen,
Die Jesu in dem Klosterdach
Sich haben wolln vertrauen.
Sie sind gar anders jetzt geziert,
Als sie auf Erden gangen,
Die Gottheit selbst, die sie geführt,
Die strahlt aus ihren Wangen.

119
Die andern Jungfern, die allhier
Die stete Keuschheit liebten
Und sich wie Christinn'n für und für
Dem Herrn zu dienen übten,
Die gehen diesen zugesellt
Und glänzen wie die Lilien,
Die keine Hitz, wie in der Welt,
Noch Zeit je kann vertilgen.

120
Den Jungfern folgt der Witwen Fahn
Und aller heilgen Frauen,
Die Gott auf dieser Pilgersbahn
Verlangten anzuschauen.
Goldn Ähren sind in ihrer Hand
Zu dreißig, sechzig Pfunden,
Die sie in dem gelobten Land
Durch ihr Verdienst gefunden.

121
Nach ihnen gehn wie Tauben her
Die strengen Büßerinnen,
Die glänzen wie ein gläsern Meer,
Das feurig ist von innen.
Sie haben in des Lammes Blut
Ihr Kleid ganz rein gewaschen
Und durch die bittre Tränenflut
Verschwemmt der Sünden Aschen.

122
Dann kommen wieder ohne Zahl
Die gmeinen Heiliginnen,
Aus deren Augen stets ein Quall
Der Andacht pflegt zu rinnen.
Wie schön jedwed in allen Chörn
Geschmückt geht und gezieret,
Laßt sich auf dieser Welt nicht hörn,
Obs gleich wird angeführet.

123
Höchst günstig ists, daß all und jed
Ein schöner Engel führet
Und sie zu ehren sich bemüht,
Wie einer Braut gebühret.
Die wird von einem Cherubin,
Die von dem Tugendwagen,
Die von dem huldsten Seraphin
Fast auf der Hand getragen.

124
Nach allen komm'n die Mägdelein
Durchs Taufbad hingeschwommen,
Ein jed ist wie ein Mondenschein,
Wenn er volls Licht bekommen.
Der kleinen Püpplein günstigs Walln
Und artiges Gewimmel
Macht alln ein neues Wohlgefalln
Und gleichsam neuen Himmel.

125
Den ganzen Aufzug, den beschleußt
Ein Regiment Gewalten,
Welchs sich um sie herum ergeußt
In fürstlichen Gestalten.
Zu zeigen, daß man niemand klein,
Niemand geringe schätzet,
Wer in dies ewge Seligsein
Durch Christum ist versetzet.

126
Sobald man ankommt, stellen sich
Die engelischen Heere
In bester Ordnung günstiglich
Und zierlich ins Gewehre.
Sie neigen sich, den Herrn zu ehrn
Als König aller Zeiten
Und schrein ihm zu mit vollen Chörn
Nach allen Möglichkeiten.

127
Gebenedeit sei Jesus Christ,
Schrein sie mit vollem Schalle,
Gebenedeit sei, der du bist
Der Herrscher über alle.
Gebenedeiet sei dein Tritt,
Gebenedeit dein Gehen,
Gebenedeiet jeder Schritt,
Osanna in den Höhen.

128
Mit gleichem Wunsch und Jubelschrein
Und ehrsamen Gebärden
Empfahen sie den ganzen Reihn,
Dem da solls Brautmahl werden.
Der holde Jesus, aller Trost,
Bleibt an der Tür auch stehen,
Bis er ein jeden liebgekost
Und heißen all eingehen.

129
Dann kommt er voller Günstigkeit
Und tut, eh sies gedenken,
Zur Mehrung ihrer Seligkeit
Ganz reichlich sie beschenken.
Den setzt er über ein ganz Land,
Den über dreißig Städte,
Den in den höchsten Ritterstand,
Dem gibt er viel Geräte.

130
Vieln schenket er ein fürstlichs Schloß,
Vieln goldene Paläste,
Vieln eine Burg wie's Kaisers groß,
Auch vieln nur Zweig und Äste.
Ihr vieln das ganze Himmelreich,
Auch vieln den Kreis der Erden,
Vieln laßt er Land, Herrschaften gleich,
Vieln auch nur Dörfer werden.

131
Dem Frauenzimmer wirft er an
Die teuersten Geschmeide
Von Gold und Perln, die er gewann,
Da er hier ging im Leide.
Jedwedem, was der hier verdient
In diesem Jammerleben,
Wird, wenn er nunmehr dorten grünt,
Doch reichlicher gegeben.

132
Da mehrt sich Freude über Freud,
Da stehn sie voller Dankens
Und ewiger Genüglichkeit
Im Zirk dies selgen Schrankens,
Sie sehen alle, daß ihn' ist
Mit hunderten vergolten
Mehr worden, als sie selbst erkiest
Und selber wünschen wollten.

133
Drauf gibt man mit Trompetenschall
Den Ton zum Hochzeitsmahle,
Da komm'n die lieben Engel all
Und dienen in dem Saale.
Die Heilgen, jeder wie er kann,
Springt auf vor großen Freuden,
Sie mahnen all einander an:
Kommt, nun wolln wir uns weiden.

134
Nun wollen wir des ewgen Guts
Mit ewger Lust genießen,
Nun wolln wir recht sein gutes Muts
Und uns aus uns ergießen.
Nun wolln wir uns mit bestem Wein
Und bestem Balsam füllen,
Mit Rosen krönen und die Pein
Des vorgen Leides stillen.

135
Der Herr, dem höchlich wohlgefällt
Ihr heilges Jubilieren,
Beginnt alsbald die selge Welt
Zum Sitzen anzuführen.
Er setzt sie selber an den Tisch
Und ehret sich mit ihnen,
Er träget auf behend und frisch
Und tut sie selbst bedienen.

136
Bald anfangs bringt er ihnen dar
Die zärtlichsten Gerichte,
Von seiner Kindheit erstem Jahr
Und kleinem Angesichte.
Er setzet auf sein junges Blut
Sein Unschuld, seinen Namen
Und zieret alle Speisen gut
Aus seiner Weisheit Kramen.

137
Zum andern trägt er ihnen auf
Die Anmut seiner Jugend,
Die Klugheit, den verdeckten Lauf
Und alle seine Tugend.
Die Arbeit, die er früh und spat
Bei'n Eltern hat verrichtet,
Und den Gehorsam, der ihn hat
Zu solchem Werk verpflichtet.

138
Er füllt die ganze Tafel an
Mit dem, was er erworben,
Da er, der treue Pelikan,
Verwundt am Kreuz gestorben.
Und spickt bei allen Trachten ein
Den Zucker seiner Liebe,
Die ihn solch unerhörte Pein
Für sie zu leiden triebe.

139
Er setzet ihnen ferner vor
Die Klarheit seiner Seele
Und hebt sie etwas mehr empor
In der durchlauchten Höhle.
Zuletzte läßt er das Konfekt
Von seiner Gottheit kommen,
Da bleibt die Tafel stets bedeckt
Und wird nie abgenommen.

140
Er trinket ihnen eines zu
Mit höchstem Wunsch und Gönnen,
Daß sie sich vor dem Großgetu
Nicht gnug verwundern können.
Der Wein ist ewge Süßigkeit,
Wird aus dem lautren Bronnen
Der heiligen Dreifaltigkeit
Vom heilgen Geist gewonnen.

141
Da können sie sich ohn Verdruß
Mit Speis und Trank anfüllen,
Doch nie mit allem Überfluß
Den süßen Hunger stillen.
Sie werden trunken von dem Wein
Und wolln doch immer trinken,
Bis sie in Vaters Schoß hinein
Unds ewge Bett versinken.

142
Da liegen sie in ewger Lust
Und ewigem Genießen,
Da muß das Herz in ihrer Brust,
Leib, Seel und Geist zerfließen,
Sie schwimmen wie die Fisch im Meer
Der ewgen Süßigkeiten
Und darf sie niemand hin noch her
Zu einem Brunnen leiten.

143
Da sehen sie Gott, wie er ist,
Wie Vater in dem Sohne,
Und wie er ewig sie erkiest
Zu seinem Freudenthrone.
Da schmecken sie den heilgen Geist
Und fühln seins Stromes Wogen,
Da sind sie ihnen ganz entreist
Und ganz in Gott gezogen.

144
Sie werden da ein Gott in Gott,
Ein Wesen, eine Wonne,
Sie sind daselbst das Himmelsbrot
Und selbst die ewge Sonne.
Sie werden eine Seligkeit
Mit ihm, ein Geist und Leben,
Ein Licht und eine Herrlichkeit,
Ein einiges Erheben.

145
Da werden sie in' dunklen Grund
Der Reichtümer verzucket
Und von dem allersüßsten Mund
Der ewgen Lieb verschlucket.
Da fället hin die Anderheit,
Da ist nur eins zu spüren,
Da muß man sich in Ewigkeit
Vor Wollust selbst verlieren.

146
Nun, dieses ist die Seligkeit!
Doch hab ich nichts geschrieben.
Es ist noch mehr, was Gott bereit
Für die, so ihn hier lieben.
Kein Ohre hats noch nie gehört,
Kein Auge hats gesehen,
Kein sterblichs Herz wards je gelehrt,
Was recht dort wird geschehen.

147
Verlangt dich, Pilgrim, in dies Land
Und diese Stadt zu kommen,
Wünscht sich dein Herz und Geist zur Hand
Darin sein aufgenommen?
So merke, wie du dich dazu
Durch vier Paar Seligkeiten
Mit wahrer Buß und stiller Ruh
Nächst Gott recht sollst bereiten.

148
Die arm im Geist sind und die Welt
Mit ihrer Pracht verachten,
Die nicht nach Reichtum, Gut und Geld,
Noch eitlen Ehren trachten;
Die ihren Willn den Toten gleich
Von aller Lust abwenden,
Die haben schon dies Himmelreich
Auf Erden in den Händen.

149
Die sich vom Zorn und Grimmigkeit,
Vom Schmähn und Drohn enthalten,
Die alles mit Bescheidenheit
Regieren und verwalten;
Die wie die Lämmer sind bewandt,
Vor Glimpf und Sanftmut fließen,
Die werden dies gelobte Land
Besitzen und genießen.

150
Die ihre Sünd und ihre Schuld
Mit heißen Zährn beweinen,
Die aus getreuer Lieb und Huld
Mitleiden Christi Peinen;
Die um sein Ehre sind betrübt
Und für sein Volk sich kränken,
Die sind in diesem Schloß beliebt
Und ihnen wird mans schenken.

151
Die stündlich nach Gerechtigkeit
Ein groß Verlangen tragen,
Die nicht nach Ansehn,
Lieb und Leid
Für ihren Hunger fragen;
Die durstig tun im Geist und Sinn
Nach Gottes liebstem Willen,
Die werden ihren Durst hierin
Und Hunger können stillen.

152
Die ihres Nächsten Herzeleid
Aufnehmen mit Erbarmen
Und Gutes tun zu rechter Zeit
Den Dürftigen und Armen;
Die ihn entführn aus seiner Schuld,
So seine Seel umfangen,
Die werden alle Gunst und Huld
In dieser Stadt erlangen.

153
Die ihr Gewissen rein und schön
Gewaschen und behalten,
Mit Zoten und mit Schandgetön
Die Lippen nicht zerspalten;
Die ihre Herzen nicht verbaun
Mit schädlichen Gedanken,
Die werden Gottes Antlitz schaun
In diesem selgen Schranken.

154
Die in Vertrag und Einigkeit
Mit ihrem Nächsten leben.
Die Lieb und Lob für Schmach und Neid,
Die Guts für Böses geben;
Die sich des Friedens früh und spat
Aus Herzens Grund befleißen,
Die wird man Erben dieser Stadt
Und Gottes Kinder heißen.

155
Die um des Guten, welchs sie tun,
Verfolgung leiden müssen,
Die vor dem Haß nicht können ruhn,
Weil sie mit Wahrheit grüßen;
Die alle Nachred und Verdacht
Geduldiglich verschweigen,
Derselben ist des Himmels Pracht
Und ganzes Wesen eigen.

156
So geh nun hin und halt dich wohl,
Daß dir der Streit gelinge,
Tu, was ein tapfrer Kämpfer soll,
Und sei dann guter Dinge.
Glaub, hoff und lieb und schrei zu Gott,
Daß du wirst aufgenommen,
Auf daß wir mögen durch den Tod
Nach Wunsch zusammenkommen.

157
Denn hier soll meine Bleibstatt sein,
Hier will ich überspringen,
In diesen Port will ich mich ein
Mit Sturm und Liebe dringen.
Hier will ich mir ein ewges Haus
Durch gute Werke bauen,
Auf daß ich ewig mög daraus
Gott und den Herrn anschauen.

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