Amadísimos hijos (Wortlaut)

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Radiobotschaft
Amadísimos hijos

von Papst
Pius XII.
an die Arbeiter Spaniens
Anlässlich des zwölften Jahrestages der Papstkrönung (12. März 1951) veranstaltete die spanische Arbeiterschaft in den Städten Kundgebungen, an denen Unternehmer, Angestellte und Arbeiter teilnahmen
über die Arbeiterfrage und die gesellschaftliche Neuordnung
11. März 1951

(Offizieller spanischer Text: AAS 43 [1951] 213-216)

(Quelle: Arthur Fridolin Utz OP, Joseph-Fulko Groner O.P, Hrsg.: Aufbau und Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens, Soziale Summe Pius' XII. (1939-1958), Übersetzerkollegium: Herausgeber und Franz Schmal u. H. Schäufele, Paulus Verlag Freiburg/Schweiz 1954; Imprimatur Friburgi Helv., die 5. Maii 1954 N. Luyten O.P. Imprimatur Friburgi Helv., die 29. Junii 1954 R. Pittet, v.g.; Band I, S. 331-335; Nrn. 706-716)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Begrüßung

Geliebte Söhne, spanische Unternehmer, Techniker und Arbeiter, die Ihr in Madrid und in den Provinzen versammelt seid, um Euch Christus, dem Erlöser, zu weihen und seinem Statthalter auf Erden glühend begeisterte Huldigung kindlicher Verehrung darzubringen!

Welch herrliches Schauspiel - so lasst Uns beginnen bietet eine so eindrucksvolle Menge von Arbeitern wie die Eure, wenn sie Jesus Christus als ihrem wahrhaften Erlöser zujubelt!

Dem Lohnarbeiter, dem Handarbeiter, dem Mann eines harten und schweren Lebens, den die Fragen von heute die Sorgen um morgen nicht vergessen lassen, haben viele sich angeboten und bieten sich, namentlich in diesen jüngsten Zeiten, an, das Banner der Befreiung zu entrollen. Ihr aber folgt unentwegt der Fahne Christi. Und Ihr bekennt offen und feierlich mit dem ersten Papst, dem hl. Petrus: « In keinem andern ist das Heil. Und es ist den Menschen unter dem Himmel kein anderer Name gegeben, in dem wir gerettet werden sollen» (Apg. 4, 12). Ihm, seiner Kirche, dem Nachfolger des hl. Petrus treu zu bleiben, seid Ihr entschlossen, koste es, was es wolle.

Aber Treue wird mit Treue vergolten. Und da Ihr in diesem Augenblick gewiss von Uns ein Wort erwartet über das, was die Kirche Euch für die Sicherung Eurer Existenz und zur Befriedigung Eurer gerechten Ansprüche zu bieten vermag, so wollen Wir mit Unserer ganzen väterlichen Liebe zu Euch dieses Wort sprechen. Vernehmt es also in drei Punkten:

Die Kirche und die Arbeiterfrage

1. Niemand kann der Kirche den Vorwurf machen, sich gegenüber der Arbeiterfrage und der sozialen Frage teilnahmslos verhalten oder ihnen nicht die gebührende Bedeutung zuerkannt zu haben. Wenige Fragen haben die Kirche so stark beschäftigt wie diese beiden, seitdem vor sechzig Jahren Unser großer Vorgänger Leo XIII. mit seiner Enzyklika Rerum novarum den Arbeitern die Magna Charta ihrer Rechte übergeben hat.

Die Kirche war und ist sich ihrer Verantwortung völlig bewusst. Ohne die Kirche ist die soziale Frage unlösbar. Aber ebenso wenig ist die Kirche in der Lage, sie allein zu lösen. Sie bedarf dazu der Mitarbeit der geistigen, wirtschaftlichen und technischen Kräfte der Träger der öffentlichen Gewalt.

Die Kirche hat ihrerseits zur religiös-sittlichen Grundlegung der gesamten gesellschaftlichen Ordnung umfassende und wohldurchdachte Weisungen erteilt. Die Sozialgesetzgebungen der verschiedenen Länder sind zu einem großen Teil nichts anderes als Anwendungen der von der Kirche aufgestellten Grundsätze. Vergesst auch nicht, dass alles Gute und Gerechte, das Ihr in den übrigen Systemen findet, sich bereits in der katholischen Gesellschaftslehre findet. Und wenn sie der Arbeiterbewegung Ziele setzen, die die Kirche verwirft, so handelt es sich immer um trügerische Güter, welche die Wahrheit, die menschliche Würde, die soziale Gerechtigkeit oder die wirkliche Wohlfahrt aller Bürger opfern.

Bedeutung des Privateigentums - Arbeitnehmer und Arbeitgeber

2. In ihrer zweitausendjährigen Geschichte musste die Kirche inmitten der verschiedensten gesellschaftlichen Gebilde leben, seit dem antiken Wirtschaftssystem mit seiner Sklaverei bis zu dem modernen, das mit den Worten « Kapitalismus » und « Proletariat » gekennzeichnet ist. Die Kirche hat nie die gesellschaftliche Revolution gepredigt. Doch war sie stets und überall seit dem Brief des hl. Paulus an Philemon bis zu den sozialen Lehren der Päpste des 19. und 20. Jahrhunderts unentwegt darum bemüht, dass man mehr den Menschen als die wirtschaftlichen und technischen Errungenschaften in Rechnung stelle und dass alle ihrerseits das Mögliche tun und ein christliches und menschenwürdiges Leben führen.

Daher verteidigt die Kirche das Recht auf das Privateigentum, ein Recht, das sie grundsätzlich für unantastbar hält. Aber sie besteht auch auf der Notwendigkeit einer gerechteren Verteilung des Eigentums und verurteilt das Naturwidrige an einer sozialen Lage, in der einer kleinen Gruppe von Bevorrechteten und überaus Reichen eine ungeheure, verarmte Volksmasse gegenübersteht. Wirtschaftliche Ungleichheiten wird es immer geben. Aber alle jene, die in irgendeiner Weise auf die Entwicklung der Gesellschaft Einfluss nehmen können, müssen stets bestrebt sein, Verhältnisse zu schaffen, die allen so viel in die Hand geben, dass sie nicht nur leben, sondern auch sparen können.

Viele Faktoren sind es, die zu einer größeren Streuung des Eigentums mitwirken sollen. Jedoch wird der wichtigste immer der gerechte Lohn sein. Ihr wisst sehr wohl, geliebte Söhne, dass der gerechte Lohn und eine bessere Verteilung der Güter der Natur die beiden dringlichsten Forderungen in dem Sozialprogramm der Kirche bilden.

Sie sieht mit offenen Augen und begünstigt auch all das, was unter den gegebenen Umständen darauf abzielen lässt, Elemente des Gesellschaftsvertrages in den Arbeitsvertrag einzuführen, und die allgemeine Lage des Arbeiters verbessert. Die Kirche ermuntert Gleicherweise all das, was dazu beiträgt, dass die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sich menschlicher und christlicher gestalten und von gegenseitigem Vertrauen beseelt werden. Der Klassenkampf kann. niemals ein gesellschaftliches Ziel sein. Die Aussprachen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern müssen zum Hauptziel Eintracht und Zusammenarbeit haben.

Religiöse Grundlage des sozialen Aufbaus

3. Dieses Werk können aber nur Menschen vollbringen, die aus dem Glauben leben und ihre Pflicht im Geiste Christi erfüllen. Die Lösung der sozialen Frage war niemals leicht. Die unsäglichen Katastrophen dieses Jahrhunderts haben sie noch beängstigend erschwert. Die Versöhnung der Klassen, die Bereitschaft zum Opfer und zur gegenseitigen Achtung, die Schlichtheit in der Lebensführung, der durch die gegenwärtige wirtschaftliche Lage gebieterisch geforderte Verzicht auf Luxus: dies alles und so viele andere Dinge sind nur erreichbar mit der Hilfe der Vorsehung und Gnade Gottes. Seid darum Männer des Gebetes! Erhebt Eure Hände zu Gott, damit durch seine Barmherzigkeit trotz aller Widerstände dieses große Werk verwirklicht werde.

Bei dieser Gelegenheit müssen Wir auch einige Worte väterlicher Anerkennung jenen Einrichtungen widmen, die Ihr in großer Zahl begründet habt und noch immer neu gründet zum Zwecke der Erziehung der jungen Arbeiter, um aus ihnen hervorragende Facharbeiter und gleichzeitig überzeugte Christen zu bilden. Ihr könntet nichts Besseres tun. In der Ausbreitung und Blüte dieses Werkes erkennen Wir ein vielversprechendes Zeichen für die Zukunft.

Man wirft dem christlichen Glauben gewöhnlich vor, den Sterblichen, der um sein Leben kämpft, mit der Hoffnung auf das Jenseits zu vertrösten. Die Kirche könne, so sagt man, dem Menschen in seinem irdischen Leben nicht helfen. Nichts ist falscher als das. Es genügt, auf die große Vergangenheit Eures geliebten Spaniens zurückzuschauen. Wer hat mehr als die Kirche dazu beigetragen, dass das Leben in der Familie und in der Gesellschaft sich dort glücklich und ungestört gestaltete? Für die Lösung der gegenwärtigen sozialen Frage aber hat niemand ein Programm aufgestellt, das die Lehre der Kirche an Sicherheit, Beständigkeit und Wirklichkeitsnähe überträfe.

Um so mehr ist es darum ihr Recht, alle zu ermahnen, zu trösten und daran zu erinnern, dass der Sinn des irdischen Lebens im Jenseits, im ewigen Leben begründet ist. Je lebendiger Ihr von dieser Wahrheit durchdrungen seid, desto stärker werdet Ihr Euch gedrängt fühlen, an einer annehmbaren Lösung der sozialen Frage mitzuwirken. Es wird immer wahr bleiben, dass der wertvollste Beitrag der Kirche zu diesem Ziel in einem Menschen besteht, der aus unerschütterlichem Glauben an Christus und das ewige Leben heraus die Aufgaben dieses Lebens erfüllt.

Das war es, was Wir Euch sagen wollten.

Schlusswort des Dankes

Ein Wort der Anerkennung und des Dankes noch, geliebte spanische Arbeiter, für die Huldigung an unsere geringe Person. Während des ganzen « Großen Jahres », das soeben zu Ende gegangen ist, haben Wir die begeisterte Liebe des spanischen Volkes für den Papst mit eigenen Augen gesehen und mit den Händen gegriffen. Anderseits konnten auch die spanischen Pilger - und unter ihnen erinnern Wir Uns an Euch, liebe Arbeiter, besonders an Euch, die Ihr bei der Schließung der Heiligen Pforte zugegen wart - die Liebe sehen und erfahren, die der Papst besonders für sie hegt. « Spanien für den Papst! » war Ihr leidenschaftlicher und unaufhaltsamer Ruf, auf den Wir mit väterlicher Liebe antworten: « Und der Papst für Spanien! »

Gott gebe Euch seinen Segen, geliebte Söhne! Er segne ebenso Euer Vaterland und seine Lenker, wie Wir aus der Überfülle Unserer väterlichen Liebe Euch allen den Segen erteilen.

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