Allegorie

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Allegorie (von greich. ἀλληγορία allegoría ‚andere/verschleierte Sprache‘, von ἄλλος állos ‚anders‘, ‚verschieden‘ und ἀγορεύω agoreúo ‚eindringlich sprechen, eine öffentliche Aussage machen‘ und ἀγορά agora ‚Versammlung‘) ist eine Aussage oder Darstellung, die anderes, das nicht unmittelbar bezeichnet ist, mit vergegenwärtigt. Solche Vergegenwärtigung (in Wort [Sprache], Bild und Spiel) kann beabsichtigt sein oder sich von der Sache her verborgen und doch mit Notwendigkeit ereignen.[1]

Während ein Gleichnis als gesamte Erzählung metaphorisch auf eine andere gemeinte Wirklichkeit hinweist, werden unter Allegorie bildsprachliche Einzelzüge eines Textes verstanden, denen metaphorischer, übertragener Sinn zukommt.[2]

Allegorie in der Bibel

Der wörtliche Sinn der Heiligen Schrift ist der durch die Worte bezeichnete und durch die Exegese, die sich an die Regeln der richtigen Textauslegung hält, erhobene Sinn: „Jeder Sinn gründet auf dem wörtlichen“ (KKK 116). Der geistliche Sinn bedeutet, dass dank der Einheit des Planes Gottes nicht nur der Schrifttext, sondern auch die Wirklichkeiten und Ereignisse, von denen er spricht, Zeichen sein können (KKK 117). Der allegorische Sinn erschließt ein tieferes Verständnis des Dargestellten, wenn er die Bedeutung erkennen lässt, die es hat. So kann der Durchzug durch das Rote Meer als ein Zeichen des Sieges Christi und der Taufe verstanden werden (vgl. 1 Kor 10,2 EU).[3]

Allegorien sind im Alten Testament zwar nicht sehr häufig, aber in der Weisheitsliteratur (Spr 1-9; Sir 24 EU; Weish 8,1ff EU) und in der Prophetie (Jes 5,1-7 EU; Ez 15 EU; 16; 17; 23) durchaus bekannt. Besondere Bedeutung gewinnen sie in der Apokalyptik, bereits im Buch Daniel und verstärkt im Frühjudentum. Diese Linie setzt sich im Neuen Testament mit der Offenbarung des Johannes fort (12-14 EU; 17,f EU).[4]

Darüber hinaus gibt es biblische Erzählungen, die über die Allegorie hinaus in die Analogie des Glaubens reichen. So macht z.B. Papst Johannes Paul II. bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-12 EU) die "Erklärung", dass die Priester den Bräutigam der Kirche repräsentierten, "die der Kirche den Wein des Heils" (in der Eucharistie) darböten (vgl. Joh 2,11 EU).[5]

Anmerkungen

  1. Gustav Siewerth in: LThK, 2. Auflage, Band 1, Artikel Allegorie, Sp. 342.
  2. Thomas Söding in: LThK, 3. Auflage, Band 1, Artikel Allegorie, Sp. 400.
  3. Ein Distichon des Mittelalters faßt die Bedeutung von vier Sinngehalten zusammen: „Littera gesta docet, quid credas allegoria, moralis quid agas, quo tendas anagogia.“ (Der Buchstabe lehrt die Ereignisse; was du zu glauben hast, die Allegorie; die Moral, was du zu tun hast; wohin du streben sollst, die Anagogie: KKK 118.
  4. Thomas Söding in: LThK, 3. Auflage, Band 1, Artikel Allegorie, Sp. 400.
  5. Pastores dabo vobis, Nr. 22.
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