Abtei Cluny

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Modell der ehemaligen Klosteranlage der Abtei Cluny

Die Abtei von Cluny, gegründet 910 in Burgund, war ein einflussreiches klösterliches und religiöses Zentrum des Mittelalters. Von Cluny gingen bedeutende Klosterreformen aus. Die Abteikirche war zeitweise das größte kirchliche Gebäude der römisch katholischen Kirche. Im Zuge der Französischen Revolution wurden Teile der Benediktinerabtei und der Kirche abgetragen, jedoch sind noch Reste erhalten, die vom französischen Staat 2007 mit dem Europäischen-Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet wurden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung und Blütezeit

Wilhelm I. von Aquitanien, genannt der Fromme, Graf von Auvergne, später erster Herzog des hochmittelalterlichen Herzogtums Aquitanien und Laienabt von St. Julien (Brioude) vertraute dem Mönch Berno von Baume, der bereits ein Kloster auf seiner eigenen Besitzung Gigny gegründet hatte, die Gründung des Klosters Cluny an. Berno verzichtete darauf, eine neue monastische Regel zu erstellen, sondern übernahm, wie in der Schenkungsurkunde von Wilhelm I. gewünscht, die Regel von Benedikt von Nursia in der Form des Benedikt von Aniane. In der Folge gelang Berno der Zusammenschluss von bislang unabhängigen Klöstern wie Déols, Marsay und Souvigny, aus denen sich unter seinem Nachfolger Odo von Cluny der cluniazensische Klosterverband entwickelte.

Die Gründungsurkunde des Klosters Cluny datiert vom 11. September 910. Herzog Wilhelm verzichtete auf jegliche Form der Mitsprache, sowohl im geistlichen als auch im wirtschaftlichen Sinne und das Kloster wurde unter den Schutz des Papstes gestellt. Dies war für die Verhältnisse des 10. Jahrhunderts ein Novum. Die Exemtion und die Möglichkeit der freien Abtswahl trug wesentlich zum Erfolg Clunys bei. Die Consuetudines (Gewohnheitsrechte) im Hinblick auf die Benediktusregel ermöglichten den Mönchen die Freiheit zu forschen und wissenschaftlich zu arbeiten, sowie einen für mittelalterliche Verhältnisse guten Lebensstandard, der sich auch durch soziales Engagemet (Armenspeisung) ausdrückte und wie ihn auch Hildegard von Bingen in ihrer Regelauslegung empfiehlt. Dies machte Cluny zum Ausgangs- und Mittelpunkt der cluniazensischen Reform, in deren Blütezeit etwa 1.200 Klöster mit rund 20.000 Mönchen zu Cluny gehörten. Der Wohlstand des Klosters weckte bei den Herrschenden Begehrlichkeiten. Um 1250 geriet die Abtei unter den Einfluss der französischen Könige, die auch das Recht der Wahl des Abtes für sich in Anspruch nahmen.

Niedergang

Der Tiefpunkt Clunys begann in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert. Nun wurde die Abtei, wie viele andere Klöster in Frankreich, von Kommendatar-Äbten geleitet, die ihre Abtswürde als Belohnung vom französischen König erhalten hatten, ohne in Cluny zu leben oder sich für das Kloster zu engagieren. Die Einkünfte der Abtei nutzten sie für ihre persönlichen Vorlieben. Der Klosterverband verlor in dieser Zeit seine internationale Stellung. Im 17. Jahrhundert erlebte Cluny noch einmal eine Späte Blüte. Das Kloster wurde dem benediktinischen Reformorden der Mauriner angeschlossen, die das Kommendesystem bekämpften.

Im Zuge der französischen Revolution wurde die Abtei 1790 aufgehoben, die Kirche 1810 zerstört und das Baumaterial unter Napoleon Bonaparte als Steinbruch für den Bau des „Haras National“ entwendet. Die übrig gebliebenen Gebäude dienen heute als Berufsschule.

Abteikirche und Klostergebäude

Abtei Cluny (Zeichnung 18. Jh.)

Die ersten sechs Äbte von Cluny trugen besonders zur Entstehung der Abtei bei. Die Abteikirche wurde den Anforderungen der regelmäßigen liturgischen Dienste (Stundengebet und Messe) angepasst. Die Kirche erfuhr zwei Umbauten, einmal unter Maiolus (Abt von 964 bis 994) und ein weiteres Mal unter Hugo (Abt von 1049 bis 1109).

Beim ersten Umbau erhielt die Kirche eine stufenförmige Choranlage. Anstelle der älteren halbrunden Apsiden, die sich unmittelbar an das Querschiff anschlossen, reichte der Chor nun weit nach Osten. Die Kirche, die eine flache Decke besaß, bestand aus drei Schiffen, die seitlich durch Arkaden miteinander verbunden waren. Der Ursprung dieser Dreiteilung wird nicht bei den drei Apsiden der frühbyzantinischen Kirchen Syriens, sondern in den georgischen Dreikirchenbasiliken des 6. bis 10. Jahrhunderts vermutet.[1]

Die Weihe des Hochaltars der Klosterkirche fand 1095, im Zuge eines weiteren Bauabschnitts, der bis in das 12. Jahrhundert andauerte, statt. Bis zum Wiederaufbau des Petersdoms im Vatikan durch Papst Urban VIII. 1626, war Cluny der größte Kirchenbau der Christenheit, mit einem fünfschiffigen Langhaus von 187 Metern Länge und zwei Querschiffen, von denen heute nur noch letztere teilweise erhalten sind. Der Grundriss mit doppelten Seitenschiffen wurde von der alten Petersbasilika in Rom (326 von Papst Silvester I. eingeweiht) übernommen. Die Gewölbe mit einer Spannweite von 12,20 Metern hatten eine Höhe von 30,48 Metern. Nach der französischen Revolution wurden 1810 große Teile der Klosteranlage gesprengt und das Steinmaterial für säkulare Bauten verwendet.

Leben der Mönche

Ora et labora

Getreu dem benediktischen Motto bete und arbeite, stand die Liturgie der Abtei Cluny im Zentrum des Tages und in deren Mittelpunkt das Memento mori (Gedenke des Todes) mit der Warnung vor dem הבל häväl (heb., Windhauch), bzw. der Vanitas (lat., der Nichtigkeit) der Welt. Im Laufe der Zeit gewamm die Tagzeitenliturgie immer mehr an Raum. So betete jeder Mönch in der Zeit von Abt Hugo täglich 215 Psalmen, im Vergleich zu den von Benedikt von Nursia in seiner Regel vorgesehenen 37 Psalmen am Tag. Wegen des umfangreichen liturgischen Dienstes wurde der zweite Aspekt, die Arbeit (labora) vernachlässigt. Das Kloster reagierte auf diesen Umstand mit der Gewinnung von Konversen (Laienbrüdern), die im Wesentlichen die Bewirtschaftung des Klosters übernahmen. Eine weitere Einnahmequelle waren die Pachtzahlungen und Abgaben der Bauern, die auf den umfangreichen Besitzungen des Klosters lebten.

Das Totengedenken nahm in der Liturgie von Cluny eine wichtige Stellung ein. Abt Odilo führte als allgemeinen Gedächtnistag für alle Verstorbenen den Allerseelentag ein, der später von der gesamten katholischen Kirche übernommem wurde und bis heute begangen wird.

Soziales Engagement

In der Gründungsurkunde des Kloster ist die Bestimmung festgehalten, „es sollten, wenn es die Möglichkeiten am Ort erlaubten‚ täglich die Werke der Barmherzigkeit den Armen, Bedürftigen, Fremden, die des Weges daher kämen und Pilgern mit höchster Anspannung erwiesen werden“.[2] Armenfürsorge hatte demnach für Cluny von Beginn an eine Bedeutung.

Es wurden zunächst zwölf und später achtzehn ständige Wohnplätze für Arme eingerichtet. Die hier aufgenommenen lebten dauerhaft innerhalb der klösterlichen Gemeinschaft. Der Elemosinar trug die Verantwortung für die Versorgung der Armen. Der Mönch, der dieses Amt ausübte, unternahm mit seinen Gehilfen auch einen wöchentlichen Rundgang durch die Siedlung Cluny, die das Kloster umgab. Hierbei suchte er die Notleidenden auf, um ihnen zu helfen.

Höhepunkt der Armenfürsorge in Cluny war zeichenhaft die Fußwaschung für die Armen am Gründonnerstag. Sie erhielten Nahrung, Wein, einen Handkuss und etwas Geld. Auch mit dem für Cluny wichtigen liturgischen Totengedenken war eine Armenfürsorge verknüpft. Verstarb einer der Mönche, wurde die ihm zustehende Essensration für 30 Tage und bei jeder Wiederkehr seines Todestags an einen Armen ausgegeben. Da diese Almosenausgaben zeitlich unbegrenzt sein sollten und durch die Todesfälle im Kloster ständig an Umfang zunahmen, führte diese Regelung im Laufe der Zeit zu einer Belastung. Nachdem die Zahl der verstorbenen Mönche auf etwa 18.000 angestiegen war, reduzierte Abt Petrus Venerabilis daher die Ausgaben.

Forschung und Wissenschaft

  • Der Philosoph Petrus Abaelard lebte eine zeitlang in Cluny.
  • Abt Petrus Venerabilis gab eine Übersetzung des Koran in Auftrag.

Klostergemeinschaft und Verband

Schon Abt Berno brachte Reformideen aus seinem vorherigen Kloster mit nach Cluny. Damit wurden die Ideen von Benedikt von Aniane (750–821) wieder aufgenommen, in deren Mittelpunkt die Rückkehr zur Regula Benedicti stand sowie die Bemühung gegen die Verweltlichung und für eine Spiritualisierung des Klosterlebens.

Unter Abt Berno entstand der Cluniazensische Klosterverband. Sein Nachfolger Abt Odo baute ihn weiter aus. Dabei gründete Cluny entweder neue Priorate oder die Kommunität einer bereits bestehenden Abtei schloss sich Cluny an. Die klösterliche Disziplin im Verband wurde durch die Kontrolle vom Abt von Cluny in den zugehörigen Klöstern aufrechterhalten. Im Cluniazensischen Verband gab es vier Stufen eingegliederter Klöster:

  • Stufe I: In Prioraten war der Abt von Cluny direkter Oberer. Sie wurden geleitet von einem Prior, der dem Abt von Cluny gegenüber ein Treuegelöbnis abgelegt hatte.
  • Stufe II: Als nächstes kamen die inkorporierten Abteien. Diese Abteien unterschieden sich von den Prioraten dadurch, dass sie einen eigenen Abt hatten, der aber dem Abt von Cluny unterstand und diesem ein Treuegelöbnis geleistet hatte.
  • Stufe III: Dies waren die abhängigen und von Cluny kontrollierten Abteien. Darunter befanden sich zumeist große Abteien mit intaktem Wirtschaftsbetrieb, die vorher dem Papst unterstellt waren und die er zur Reform Cluny übergab. Dabei wurde die je eigene Rechtsstellung einer Abtei zu Cluny festlegte. So ernannte der Abt von Cluny den Abt einer solchen Abtei oder war doch bei seiner Ernennung wesentlich beteiligt.
  • Stufe IV: Darunter waren die Abteien, die die Lebensgewohnheiten von Cluny übernahmen, aber selbständig blieben.

Äbte von Cluny

  • (919 - 927) Berno von Baume, Wilhelm I., Herzog von Aquitanien vertraute ihm durch eine Schenkung die Gründung von Cluny an.
  • (927 - 942) Odo, initiierte die cluniazensische Reform der Klöster. Er wurde im Jahr 1407 heiliggesprochen.
  • (942 - 964) Aymardus, wurde von Odo zum Nachfoger ausersehen, um dem Wachtum des Klosters eine recreative Pause zu geben.
  • (964 - 994) Maiolus, wurde 973 von den Sarazenen entführt und nach Zahlung eines Lösegeldes wieder freigelassen. Er wurde heilig gesprochen.
  • (994 - 1049) Odilo, 1033 zum Erzbischof von Lyon gewählt. Er wurde 1345 heilig gesprochen.
  • (1049 - 1109) Hugo I., gab den Bau der damals größten Kirche der Christenheit, der Basilika von Cluny, in Auftrag.
  • (1109 - 1122) Pontius de Melgueil, zeichnete sich durch außergewöhnliche administrative Fähigkeiten aus und spielte eine wesentliche Rolle in den diplomatischen Beziehungen zwischen dem Papst und dem Kaiser.
  • (1122 - 1122) Hugo II. hatte nur eine dreimonatige Amtszeit.
  • (1122 - 1156) Pierre de Montboissier (Petrus Venerabilis), trug durch seine Lehrbriefe entscheidend dazu bei, die Klöster seiner Zeit wieder zu mehr Gebet und Askese zu führen. Kaiser Friedrich Barbarossa verlieh ihm 1153 den Titel Venerabilis.
  • (1158 - 1163) Hugo III. de Frazans
  • (1163 - 1173) Stephan I. de Boulogne
  • (1173 - 1176) Rodolphe de Sully
  • (1176 - 1177) Gauthier de Châtillon
  • (1177 - 1179) Guillaume I.
  • (1180 - 1183) Thibaud I. de Vermandois
  • (1183 - 1199) Hugues IV. de Clermont
  • (1199 - 1207) Hugues V. von Anjou
  • (1207 - 1215) Guillaume II. von Elsass
  • (1215 - 1220) Giraud von Flandern
  • (1220 - 1228) Rolland de Hainaut
  • (1228 - 1230) Barthélemy de Florange
  • (1230 - 1232) Etienne II. de Brancion
  • (1232 - 1236) Etienne III de Berze
  • (1236 - 1244) Hugues VI. de Courtenay
  • (1244 - 1257) Guillaume III. de Pontoise
  • (1257 - 1270) Yves I. de Poyson
  • (1270 - 1289) Yves II. de Chassant
  • (1289 - 1295) Guillaume IV. d'Igé
  • (1295 - 1308) Bertrand I. de Colombiers
  • (1308 - 1319) Henri I. de Faultrière
  • (1319 - 1322) Raymond I. de Bonn
  • (1322 - 1344) Pierre II. de Chastelux
  • (1344 - 1347) Itère de Miremande
  • (1347 - 1350) Hugues VII. de Beaufort
  • (1350 - 1351) Hugues VIII. de Fabry
  • (1351 - 1361) Audrouin de La Roche
  • (1361 - 1369) Simon I. de Brosse
  • (1369 - 1374) Jean I. du Pin
  • (1374 - 1383) Jacques I. de Cosan
  • (1383 - 1400) Jean II. de Cosan
  • (1400 - 1416) Raymond II. de Cadoène
  • (1416 - 1424) Robert I. de Chaudesolle
  • (1424 - 1454) Eude de la Périère
  • (1454 - 1480) Jean III. de Bourbon
  • (1485 - 1514) Jacques II. d’Amboise
  • (1514 - 1518) Geoffroy d’Amboise
  • (1518 - 1618) Jean IV. de la Magdeleine
  • (1518 - 1528) Aimard II. de Boissy
  • (1528 - 1628) Jacques III. de Roi
  • (1528 - 1549) Johann IV. von Lothringen
  • (1549 - 1574) Karl von Lothringen-Guise
  • (1575 - 1612) Claude de Guise
  • (1612 - 1622) Ludwig von Lothringen
  • (1622 - 1635) Jacques de Vény d´Arbouze
  • (1635 - 1642) Armand-Jean du Plessis, duc de Richelieu
  • (1654 - 1661) Jules Mazarin
  • (1661 - 1672) Rinaldo d’Este
  • (1672 - 1683) Henry II. de Beuvron
  • (1683 - 1715) Emmanuel Théodose de la Tour d’Auvergne
  • (1715 - 1719) Henri Oswald de la Tour d’Auvergne
  • (1747 - 1757) Frédéric-Jérôme de la Rochefoucauld de Roye
  • (1757 - 1790) Dominique de la Rochefoucauld

Literatur

  • Ernst Sackur: Die Cluniacenser in ihrer kirchlichen und allgemeingeschichtlichen Wirksamkeit bis Mitte des 11. Jahrhunderts. Niemeyer, Halle/Saale 1892–1894.
  • Bonaventura Egger: Geschichte der Cluniazenser-Klöster in der Westschweiz bis zum Auftreten der Cisterzienser (Freiburger historische Studien Bd. 3. Universitäts-Buchhandlung, Freiburg (Schweiz) 1907.
  • Kassius Hallinger: Gorze-Kluny. Studien zu den Monastischen Lebensformen und Gegensätzen im Hochmittelalter (Studia anselmiana. Bd. 22–25. Herder, Rom 1950/51. Nachdruck, Akademische Druck- und Verlags-Anstalt, Graz 1971.
  • Joachim Wollasch: Cluny – Licht der Welt. Aufstieg und Niedergang der klösterlichen Gemeinschaft. Artemis und Winkler, Zürich 1996, ISBN 3-7608-1129-9.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Ernst Badstübner: Überlegungen zum Ursprung des dreischiffigen Presbyteriums an Klosterkirchen des benediktinischen Reformmönchtums. Ein Vergleich mit den Dreikirchenbasiliken in Georgien. In: Ernst Badstübner: Baugestalt und Bildfunktion. Texte zur Architektur- und Kunstgeschichte. Lukas, Berlin 2006, ISBN 3-86732-002-0, S. 58–68.
  2. Joachim Wollasch: Cluny – „Licht der Welt“. Aufstieg und Niedergang der klösterlichen Gemeinschaft. S. 25.
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