Ökumenischer Kirchentag

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Ökumenischer Kirchentag (ÖKT) nennt sich ein überkonfessionelles Laientreffen von Christen, vor allem der evangelischen und katholischen Konfessionen in Deutschland. Er wird gemeinsam vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken organisiert. Er ist ein privates Treffen.

Ein sogenanntes erstes "ökumenisches Pfingsttreffen" hatte bereits im Jahr 1971 in Augsburg stattgefunden. Es stand unter der gemeinsamen Präsidentschaft des Präsidenten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. In der Schlussversammlung im Rosenaustadion, die 18.000 Besucher hatte, legten der Ehrenpräsident des Ökumenischen Rates der Kirchen, Julius Kardinal Döpfner, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sowie Hermann Dietzfelbinger als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland gemeinsam die Losung „Nehmet einander an, wie Christus uns angenommen hat“ (Römer 15, 7) aus.

Am 14. November 1996 beschlossen die Präsidien des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) im Zeitraum der Jahre 2002 bis 2004 einen ökumenischen Kirchentag in gemeinsamer Trägerschaft zu veranstalten.

Inhaltsverzeichnis

Ökumenische Kirchentage

1. Ökumenischer Kirchentag

28. Mai bis 1. Juni 2003 in Berlin, mit dem Thema: „Ihr sollt ein Segen sein“ (ca. 200.000 Besucher).

Es wurde der buddhistische Religionsführer Dalai Lama dazu eingeladen, was die den religiös synkretistischen Charakter aufzeigt. Es wurde eine "Charta Oecumenica" von den Kirchen katholischer, evangelischer, freikirchlicher, orthodoxer und anglikanischer Tradition unterzeichnet. Dies hat jedoch keine Bedeutung, da der Kirchentag nicht von offizieller katholischer Seite organisiert ist.

Nach dem Wunsch der Veranstalter sollten auf dem Berliner Ökumenischen Kirchentag auch neue Schritte auf dem Weg zur Einheit angestrebt werden. Dies erwies sich als die größte Herausforderung, was sich am Beispiel des gemeinsamen Abendmahls zeigte. Papst Johannes Paul II. bekräftigte im Vorfeld das von römisch-katholischer Seite bestehende Verbot der Interkommunion, jedoch nicht den Empfang der Kommunion einzelner Gläubiger, die nicht der römisch-katholischen Kirche angehören. Die "Initiative Kirche von unten" lud Christen aller Konfessionen in die Gethsemanekirche zu zwei Abendmahlsgottesdiensten am Rande des Kirchentages ein. Bei einem zelebrierte der emeritierte Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl nach römisch-katholischem Ritus und lud explizit alle Anwesenden zur Kommunion ein. Ihm wurde daraufhin die Erlaubnis der Ausübung des Priesteramtes entzogen und im Jahre 2006 die kirchliche Lehrerlaubnis. Der andere Gottesdienst wurde nach evangelischem Ritus gefeiert; der Priester Bernhard Kroll assistierte beim Austeilen der Elemente und wurde ebenso wie Hasenhüttl von seinem Bischof wegen seiner Teilnahme am evangelischen Abendmahl suspendiert.

2. Ökumenischer Kirchentag

12. bis 16. Mai 2010 in München mit dem Thema: "Damit ihr Hoffnung habt" (ca. 160.000 Besucher).

Als Veranstalter des Ökumenischen Kirchentages laden die beiden Laienorganisationen Deutscher Evangelischer Kirchentag und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland ein. Das Ziel des Kirchentages ist laut der Eigendefinition der Veranstaltung "gemeinsam ihren Glauben zu feiern, sich auszutauschen und voneinander zu lernen". Der Kirchentagsteht unter dem Leitwort „Damit ihr Hoffnung habt“, das dem 1. Petrusbrief (1,21) entnommen ist. Er will danach fragen, was Christsein in der Welt und für die Welt heute bedeutet. Über 3.000 Bibelarbeiten, Gottesdienste und Veranstaltungen werden beleuchten, welche Orientierung der christliche Glaube bieten und wie das Miteinander im Glauben gestärkt werden kann. Dazu werden über 100.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland und anderen Ländern erwartet.

Bei einer orthodoxen Vesper auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag haben rund 20.000 Christen verschiedenster Konfessionen gesegnetes Brot geteilt. Zu den Gästen gehörten auch Münchens Erzbischof Reinhard Marx, der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich und der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos von Deutschland. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Kirchentagspräsident Alois Glück wertete die Feier als einen „großen Schritt“ zur wachsenden Einheit zwischen den Kirchen.

Der Kirchentag beinhaltete eine reichhaltiges Homo-, Schwulen- und Lesbenprogramm.[1] Lebensschützer waren bei diesem ÖKT nicht vertreten.[2] Ein Abtreibungsgegner wurde vom stellvertretenden Geschäftsführer des ÖKT Ulrich Schneider verwiesen.[3]

3. Ökumenischer Kirchentag

13. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt, Leitwort „schaut hin“[4] ... es wird eine Interkommunion geben: Die Gemeinschaft im Glauben, die ökumenisch schon auf vielfache Weise sichtbar wird, zielt auf eine Einheit, die auch als Eucharistie- und Abendmahlsgemeinschaft erfahrbar sein wird (Georg Bätzing am 8. November 2020).[5] Mitte Dezember 2020 meldeten die Veranstalter, der Ökumenische Kirchentag werde ausschließlich digital stattfinden, es werden vor Ort keine Besucher empfangen werden. Als Alternative war erwogen worden, den Ökumenischen Kirchentag vollständig ausfallen zu lassen.[6] Thomas Sternberg hat als Präsident des dritten Ökumenischen Kirchentags, nichtkatholische Christen zum Empfang der heiligen Kommunion eingeladen. Laut einer Pressemitteilung vom 16. März 2021 sagte Sternberg wörtlich: "Auf der Grundlage des Gemeinsamen Zeugnisses können wir unsere Gewissensentscheidung (vgl. Georg Bätzing#Interkommunion) treffen. Die Türen stehen offen".[7] Das Programm stand Ende März 2021 fest.[8]

Drei Wochen vor dem Ökumenischen Kirchentag sagte Georg Bätzing: "Wer evangelisch ist und zur Kommunion hinzutritt, kann die Kommunion empfangen". Wer in seinem Gewissen glaube, dass Jesus Christus der Einladende sei bei der Eucharistie, der werde "nicht abgewiesen". Das sei "eine Praxis, wie sie landauf, landab gepflegt wird" und eigentlich "nichts Neues", betonte Bätzing. Neu sei vielleicht aber, dass darüber gesprochen werde. Er rechne hier aber "nicht mit einem Einspruch Roms". Dies werde bei den evangelischen Abendmahlsfeiern, aber auch bei den katholischen Eucharistiefeiern, die am Kirchentags-Samstag (15. Mai 2021) gefeiert würden, deutlich werden, so Bätzing weiter.[9]

Bei der katholischen Messe im Frankfurter Dom empfing die evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages, Bettina Limperg, die Sakramentale Kommunion vom Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz. Limperg erklärte anschließend, sie habe keinen Unterschied zum evangelischen Abendmahl verspürt. Beim evangelischen Gottesdienst nahm der katholische Kirchentagspräsident Thomas Sternberg am Abendmahl teil.[10]

In einer außergewöhnlichen Geste bat Pfarrer zu Eltz zu Beginn der Messe im Kaiserdom evangelische Christen um Entschuldigung, weil sie vielfach unter dem Hochmut und Abgrenzungsbemühungen von katholischer Seite zu kämpfen hätten. "Ich bitte dafür um Verzeihung und danke für die Langmut." In seiner Predigt forderte er die Kirchen auf, Versteinerungen aufzulösen und Festungen des Recht-haben-wollens zu verlassen. Wenn sie sich gegenseitig Vertrauen schenkten und auf Gott vertrauten, könnte die Welt eine überzeugendere Christenheit erleben. Evangelische Bischöfe erklärten daraufhin, dass diese Geste unnötig gewesen sei.[11]

Weblinks

Anmerkungen

  1. Ich gay (nicht) hin!, kath.net am 30. März 2010
  2. Keine Veranstaltungen zum Schutz ungeborener Kinder beim 'Kirchentag', kath.net am 10. Mai 2010
  3. Sammelbecken Kirchentag, kath.net am 14. Mai 2010
  4. Ökumenischer Kirchentag 2021 in Frankfurt Domradio am 16. November 2016; D: Ökumenischer Kirchentag kommt in Frankfurt an Vatican News am 7. Februar 2020
  5. Bischof Bätzing an Evangelische Kirche: "Mahlgemeinschaft" wird "erfahrbar sein" CNA am 8. November, 2020
  6. Ökumenischer Kirchentag Frankfurt 2021 wird ausschließlich digital stattfinden Kath.net am 18. Dezember 2020
  7. "Offene Türen" trotz Vatikan-Absage? Thomas Sternberg spricht "Mahleinladung" zum ÖKT aus CNA am 17. März 2021
  8. Reduzierter und konzentrierter: Programm des ÖKT steht fest Katholisch.de am 30. März 2021
  9. Bätzing: Deutsche Kirche riecht für viele Offiziale in Rom evangelisch Katholisch.de am 23. April 2021
  10. Sternberg: Der Synodale Weg hat weltweite Wirkungen Katholisch.de am 15. Mai 2021
  11. Mit Bitte um Entschuldigung: Kirchentag setzt Zeichen für Ökumene Katholisch.de am 16. Mai 2021
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