Sexualität
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Definition
Sexualität wird auch als Geschlechtlichkeit bezeichnet und lexikalisch mit dem Begriff Fortpflanzung in Verbindung gebracht. Das Wort Geschlechtlichkeit kommt etymologisch nicht von „schlecht“, wie manche ältere Personen denken, sondern von „in eine Art schlagen“.(1) Die Sexualität betrifft den „innersten Teil der menschlichen Person“ (2). Neben dem Selbsterhaltungstrieb ist der Geschlechtstrieb eine der großen Kräfte, die dem Menschen zum Leben dienen.
Herkunft der Sexualität
Als gegenseitige körperlich-seelische Ausrichtung von Mann und Frau existierte die Sexualität schon vor dem Sündenfall. (3) Dieser verletzte sie zwar, hob sie aber nicht grundsätzlich ins „Unreine“. Da unser Geschlecht in jeder Körperzelle durch die XY bzw. XX-Chromosomen festgelegt ist, sind wir Menschen entweder weiblich oder männlich. ("Zwischenformen" sind im Wesentlichen psychisch und bleiben hier ohne Wertung.)
Sexualität in der Ehe
Die Sexualität bedeutet eine wichtige Klammer für die Eheleute bis ins hohe Alter: Sara ist 90 Jahre alt, als Isaak geboren wird (4) „Sara ging es nicht mehr nach der Frauen Regel. ...„Ich bin doch verblüht, da soll mir noch Liebeswonne werden? Und auch mein Gatte ist schon ein Greis.“ (5) Vielfach wird dazu behauptet, die Katholische Kirche lehre ausschließlich den Zweck der Fortpflanzung und sei ansonsten leibfeindlich. Die Kirche wünscht als Bewahrerin des Lebens, dass jeder sexuelle eheliche Akt zum Kind hin offen ist, sieht jedoch den Zusammenhalt der Eheleute in Freude gleichwertig dazu (6) (7) Alles andere als leibfeindlich ist auch das Hohelied der Liebe im Alten Testament. (8) Die Schönheit von Braut und Bräutigam werden darin eindrücklich und sehr bildhaft bejaht. Auch im NT herrscht keine Leibfeindlichkeit: Paulus schreibt: Der Mann soll seiner Frau schenken, was er ihr schuldig ist, und ebenso die Frau ihrem Mann. Die Frau hat kein Verfügungsrecht über ihren Leib, sondern der Mann. Genauso aber hat auch der Mann kein Recht, einfach so über seinen Leib zu verfügen, sondern die Frau. Ihr sollt euch einander nicht entziehen…(9).“ „Der Körper des Mannes und seine Sexualität gehören nicht mehr ihm, sondern seiner Frau und umgekehrt. Weder Mann noch Frau dürfen sich einfach nehmen, was sie wollen, aber sie dürfen dem Partner auch nicht vorenthalten, was ihm gehört. Ansonsten treibt man ihn zum bewussten Sündigen.“ (10)
Sexualität und Kommunikation
Die Erfahrung zeigt, Zärtlichkeiten auszutauschen ist nur möglich, wenn man vorher miteinander geredet hat.(1) Als wichtige Investition in die Ehe gilt es, sich nicht hinter Passivität zu verstecken: „Liebe ist es, zu bitten, was einem gut tut und nicht autonome Sexualität anzustreben“ (11) Sexualität hat einen wellenförmigen Verlauf mit Hochs und Tiefs. Paare bewältigen eine Krise leichter, wenn sie gelernt hatten, sich über ihre sexuellen Wünsche auszutauschen. Dies erfordert die Offenheit des Gesprächs und die beiderseitige Bereitschaft sich verletzlich zu machen. „Liebesspiele“ (eine Streichholzschachtel mit Fragekärtchen) wie das von Team F fördern die Kommunikation auf dem Gebiet der romantischen Liebe und Sexualität.(12)
Sexualität in belastenden Situationen
Im Alter, bei körperlichen oder seelischen Krankheiten sowie Arbeitslosigkeit kommt es oft zum Drang, den Partner zu verlassen. Die Ehe ist ein guter Gedanke Gottes. (1) Er will, dass die Ehe lebenslang hält, unabhängig von der Lebenssituation. Seelsorger helfen die Früchte des Hl. Geistes zu erbeten: Geduld,Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung (13) Jede Diözese bietet mittlerweile – auch anonyme - Eheberatung über das Internet an. „Es gibt viele Männer und Frauen, die aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage sind, Geschlechtsverkehr zu haben, aber trotzdem glückliche Beziehungen unterhalten. Dies kann durch eine Umarmung geschehen, durch einen Kuss, durch einen Blick.“ (14) Viele benötigen zunächst eine Zeit des Trauerns über das, was nicht mehr geht. Wenn sie beginnen, die Sprachlosigkeit zu überwinden und ihre Sexualität kreativ zu gestalten, birgt dies in sich die Chance eines Neuanfangs. Auch der nicht erkrankte Partner hat Bedürfnisse. Friseur, Kosmetik, Kleidung: all dies hebt das Selbstwertgefühl und fördert so auch die sexuelle Anziehungskraft. Unterstützend sind Hobby-Pflege, körperliche Bewegung, Gymnastik, Tanz, Musiktherapie sowie Hilfsmittel wie Gleitgel.(15) Eine amputierte Brust oder ein künstlicher Darmausgang können verunsichern. Entscheidend ist, ob das Paar dabei stehen bleibt und sich zurückzieht oder ob beide es lernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Ideen zu entwickeln, Trennendes zu überwinden, einander Sicherheit zu geben, immer noch vollwertiger Mann, vollwertige Frau, zu sein. (16)
Sexualität und Kreativität
Selbst das beste Musikinstrument wirkt nervtötend, würde man immer nur den einen Ton spielen. Kreativität und Sexualität gehören zusammen. Auch eine mit zahlreichen Sinnen erfüllte Sexualität dient dem Lob Gottes (17)
Sehen
Die Augen erfreuen sich an einem aufgeräumten, schön mit Kerzenlicht dekorierten Raum, in den man sich zurückziehen kann. Sind Schwangerschaftsstreifen und Narben Ehrenabzeichen oder ein körperlicher Makel? Machen die Partner sich „dennoch“ füreinander schön? Welche Maßstäbe legen die Partner an sich an? Ein überzogenes Schlankheitsideal, Intimrasur oder Piercing können die Gesundheit erheblich gefährden.(18) Welche Kleidung spielt bei der speziellen Zeit zu zweit eine Rolle? Was gefällt Ihrem Partner oder auch nicht? Darf es gelegentlich einmal etwas Neues sein, elegant und farbig? Wie sehen Sie Ihren Ehepartner? Ist er Ihr von Gott gegebenes Geschenk? Hat er An-sehen bei Ihnen? Können Sie Blickkontakt aufnehmen, sich liebevoll auch ohne Worte verstehen? (ebenda)
Hören
Komplimente sind wichtig! Kritik bereits am Morgen, verdirbt den Tag. Bei der sexuellen Begegnung ist es wichtig, einander anzuhören. Nur im konstruktiven Austausch gelingt es, das kleine aber feines 2er-Orchester zu schönen Stücken zu animieren. Auch Profi-Musikern müssen im Team proben und verbessern – und stetig wächst ihr Können. Die Verabredung für die besondere Zeit zu zweit kann mit speziellen Formulierungen auch vor anderen gefahrlos ausgemacht werden mit einer eigenen „Geheimsprache“. Vielleicht will man gemeinsam „in einem Buch lesen“. Im Umgang mit akustischen Störquellen ruhig auch einmal das Telefon aushängen. Musikalische Untermalung ist dabei ein Schalldämpfer bei hellhörigen Wänden.(ebenda)
Riechen
Körperhygiene ist eine Selbstverständlichkeit. Frauen haben dabei die feinere Nase. Meist sind es leider die kleinen Dinge, die einen ärgern. Auch hier ist wichtig, miteinander zu reden. Duftöle wirken anregend. Aber kann man auch den ureigensten Geruch des Partners riechen? Und auch im übertragenen Sinne? (ebenda)
Schmecken
Liebe geht durch den Magen. Ein stilvolles leichtes Dinner vorweg regt die Sinne an. Maßstab der Kreativität sollte sein, dass es beiden gefällt: Ein Ideentisch zum Thema Sexualität auf einem Eheseminar enthielt z.B. Sprühsahne und eine Flasche Honig. Auch die Art des Sich-Küssens gehört hier dazu (ebenda)
Fühlen
Berührungen wie Streicheln, Massieren oder auch nur die Nähe zu genießen sind wohltuend. Fühlen hat auch mit Erregung und Stimulation zu tun. – Viele wissen nicht, dass Frauen eher runde Bewegungen mögen, Männer mehr gerade. Dies ist z.B. bei der Stimulation der Klitoris von großer Bedeutung. Umgekehrt darf und soll die Frau beim Mann in belastenden Situationen manuell nachhelfen. (ebenda.)
Gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen und Kreativität einfließen zu lassen, lohnt sich als Investition in die Ehe.
Fallstricke in der Ehe-Praxis
„Die Konkurrenz schläft nicht, gehen Sie zum Friseur“ pflegte Pater Tillmann Beller (Schönstatt) verheirateten Frauen mitzuteilen. Männer sind heute einer Flut erotischer Bilder ausgesetzt durch Großplakate, Kaufhausschaufenster, E-Mail-Portale. Männer sind nach einem Vortrag von Christa Meves „Augentierchen“ . (19), Es entstehen Wunschträume, die eigene Frau in schöner Kleidung anschauen zu dürfen. Nicht alles ist Sünde, wo „sündig“ oder „teuflisch schön“ aus Werbezwecken, z.B. auf Dessous darauf steht. Um eine Übertreibung zu vermeiden, auch hier miteinander sprechen. Andererseits gibt es objektiv Sünde, wo sie nicht gleich zu erkennen ist, und die Hilfe des Gebets und des Glaubens nötig ist: z.B bei Pornographie-Sucht im Internet. (20)
Ende der Sexualität - eschatologisches Zeichen
Nicht mehr zu heiraten und damit auch keine Sexualität mehr auszuüben, ist uns von Jesus Christus für den Himmel vorhergesagt. Jesus antwortet auf die Auferstehungsfrage, wem die Frau mit den sieben Männern dann im Himmel gehöre, „die Menschen heiraten nicht mehr, sie sind den Engeln gleich." (21) Die gegenseitige körperlich-sexuelle Ausrichtung des Menschen ist dann beendet und in einer höheren Seinsweise aufgehoben. Das Zölibat weist als vorweggenommenes Zeichen des Himmels auf unsere spätere Existenz bei Gott hin.
Quellenverzeichnis
(1) Gertrud und Johannes Brunner, „Kommunikation und Zärtlichkeit“ Vortrag zur Ehevorbereitung in Leitershofen (Bildungshaus der Diözese Augsburg)
(2) KKK 2361
(3) Bibel, Einheitsübersetzung Gen 1,31
(4) ebenda, 1 Mose 17,17
(5) ebenda,1 Mose 18, 11f
(6) ebenda, Jesus Sirach 25, 1 Drei Dinge sind es, die vor Gott lieblich sind:..Liebe zwischen Mann und Frau, die gut zusammenhalten.
(7) GS 49,2
(8) Die Bibel, Einheitsübersetzung, Das Hohe Lied der Liebe
(9) ebenda, 1 Kor 7,2-5
(10) Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
(11) familie konkret 4/2009 Broschüre von Team F , Neues Leben für Familien e.V., Lüdenscheid
(12) Das Team.F., Liebesspiel - Das kleinste und preiswerteste Eheseminar der Welt Streichholzschachtel Grundpackung, Dazu für „Fortgeschrittene“ 7 weitere Ergänzungsbögen (Themen wie Romantik und Sexualität, Wertschätzung und Kommunikation mit jeweils 20 Fragen) www.team-f.de
(13) Die Bibel, Einheitsübersetzung, Galater 5,22
(14) Chefarzt der Klinik Hohe Mark in Oberursel, Dr. Dietmar Seehuber in (10)
(15) Broschüre Krebs und Sexualität, Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V..in (10)
(16) Stefan Zettl/ Joachim Hartlapp, Ratgeber für Patienten und ihre Partner Weingärtner-Verlag 2008 in (10)
(17) Die Bibel, Einheitsübersetzung, Prediger 9, 7-10
(18) Dr. med. Ute Buth, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, verheiratet, Mutter von 2 Kindern. Beraterin beim Weißen Kreuz, führt Sexualkundeprojekte an Schulen durch.in (10)
(19) Christa Meves, Vortrag auf Burg Rothenfels 1998, hilfreich auch „Ehe-Alphabet“, Christiana Verlag: Stein am Rhein, 27. Auflage 2002
(20) Joyce und Clifford Penner, „Sex – Leidenschaft in der Ehe“, Hänssler-Verlag (ehemals: „Meine Liebe schenk ich Dir“),. Eine gute sexuelle Beziehung ist das Fundament einer Ehe. Pornografie im Internet und andere sexuelle Abhängigkeiten. Hänssler-Verlag 2008 in (10)
(21) Die Bibel, Einheitsübersetzung, Matth 22,32ff

