Princeps pastorum (Wortlaut)

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Enzyklika
Princeps pastorum

von Papst
Johannes XXIII.
an die Ehrwürdigen Brüder, Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und die anderen Oberhirten, die in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl stehen
über die katholischen Missionen zum 40. Gedenktag des Apostolischen Rundschreibens „Maximum illud“ von Papst Benedikt XV.
28. November 1959

(Offizieller lateinischer Text: AAS 51 [1959] 833-864)

(Quelle: Päpstliche Rundschreiben über die Mission von Leo XIII. bis Johannes XXIII., Missionswissenschaftliches Seminar der Universität Würzburg, Herausgegeben von Josef Glazik MSC, Vier-Türme-Verlag 1961 Abtei Münsterschwarzach, S. 146-188, Ausgabe A: Latein und Deutsch. Die kirchliche Druckerlaubnis erteilte: Würzburg, 4.5.1981 Dr. Fuchs, Generalvikar; Die Nummerierung wurde der englischen Fassung angeglichen).

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder !
Gruß und Apostolischen Segen!

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Persönliche Erinnerungen

1 Seitdem Uns der oberste Hirte (1 Petr. 5, 4) die Lämmer und Schafe und damit die ganze Herde Gottes (vgl. Joh. 21, 15-17) auf der gesamten Erde in seine Obhut gegeben hat und Wir diesen Ruf seiner Liebe im Bewusstsein Unserer Niedrigkeit, aber doch mehr noch im Vertrauen auf seine Hilfe angenommen haben, ist Uns die große, schöne und schwere Aufgabe der katholischen Mission immer gegenwärtig gewesen (vgl. Homilie am Krönungstag, AAS L, 1958, S. 886; Herder- Korrespondenz 13. Jhg., 116-117). Wir haben niemals aufgehört, ihr Unsre lebhafte Sorge und Anteilnahme zuzuwenden. In der Homilie zum ersten Jahrestag Unserer Krönung mit der dreifachen Tiara haben Wir den 11. Oktober, an dem über 400 Boten des Evangeliums in der Vatikanbasilika aus Unserer Hand das Kruzifix empfingen, ehe sie als Träger des Lichtes Christi in ferne Länder auszogen, zu den glücklichsten Tagen Unsres Pontifikats gerechnet.

2 Gottes Vorsehung hat in ihrer geheimen, liebevollen Weisheit Unseren priesterlichen Dienst von jungen Jahren an auf die Förderung dieses Anliegens gerichtet. Bald nach Beendigung des ersten Weltkriegs hat Unser Vorgänger, Benedikt XV., Uns aus Unserer Heimatdiözese nach Rom berufen, um Uns in den Dienst des „Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung" zu stellen; dieser Aufgabe haben Wir während vier Jahren Unsres Priesterlebens mit großer Freude gedient. Gern erinnern Wir Uns auch an jenes Pfingstfest 1922, an dem 300 Jahre seit der Gründung dei Kongregation für Glaubensverbreitung vergangen waren, deren besondere Aufgabe es ist, das Licht des Evangeliums und die himmlischen Gaben bis zu den äußersten Enden der Welt zu tragen. Wir hatten das Glück, an der Jahrhundertfeier teilzunehmen.

3 In jenen Jahren bestärkte Uns auch Unser Vorgänger unvergesslichen Andenkens Pius XI. durch Wort und Beispiel darin, die Missionsaufgaben zu fördern; schon bevor ihn das Kardinalskollegium mit dem Beistand des Heiligen Geistes im Konklave zum Nachfolger Petri erwählte, hörten Wir ihn sagen: »Wir können von dem neuen Stellvertreter Christi nichts Größeres, Erhabeneres, Nützlicheres erhoffen als zwei Dinge: dass er dafür sorgt, dass die Botschaft des Evangeliums zu allen Völkern getragen wird, und dass er den Völkern wahren Frieden vermittelt und sichert" (vgl. La propagazione della fede. Scritti di A. G. Roncalli, Roma 1958, S. 103 ff.).

Sorge der Päpste für die Missionen

4 Diese und andere teure Erinnerungen und zugleich das Bewusstsein der schweren Aufgaben, die dem obersten Hirten der Herde Gottes obliegen, erfüllen Unsern Geist. Daher möchten Wir, ehrwürdige Brüder, die Gelegenheit des 40jährigen Gedächtnisses des Apostolischen Briefes Maximum illud Unsres Vorgängers Benedikt XV. (vgl. AAS XI, 1919, S. 440 ff.), in dem er die Sache der katholischen Missionen durch neue Richtlinien und die Aufforderung der Gläubigen zu neuem Eifer mächtig vorantrieb, ergreifen, um mit Euch durch dieses Schreiben in väterlicher Weise über die Notwendigkeit und die Hoffnung zu sprechen, das Reich Gottes in jenen weiten Gebieten zu verkünden, in denen die Missionare wirken und keine Mühe scheuen, damit die jungen Saaten der Kirche wachsen und heilbringende Frucht tragen.

5 Zu diesem Gegenstand haben auch Unsre Vorgänger Pius XI. und Pius XII. wichtige Richtlinien und Ermahnungen herausgegeben (vgl. Enzyklika Pius' XI. Rerum Ecclesiae, AAS XVIII, 1926, S. 65 ff.; Enzyklika Pius' XII. Evangelii praecones, AAS XLIII, 1951, S. 497 ff. - Herder-Korrespondenz 5. Jhg., S.490 bis 493 und 544 bis 549 -; Enzyklika Fidei donum, AAS XLIX, 1957, S. 225 ff. - Herder-Korrespondenz 11. Jhg., S. 474 bis 480), die Wir selber in Unserer ersten Enzyklika Ad Petri Cathedram (AAS LI, 1959, S. 497 ff.; Herder-Korrespondenz 13. Jhg., S. 538-548) mit gleicher Autorität und in gleicher Liebe bestätigt haben. Aber Wir glauben, ja Wir sind überzeugt, dass wir alle nie genug tun können, um den Auftrag unsres göttlichen Erlösers in dieser Hinsicht zum Ziel zu führen und alle Schafe unter der Führung des einen Hirten in dem einen Schafstall glücklich zusammenzuführen (vgl. Joh. 10, 16).

Die neue Enzyklika

6 Wenn sich Unser Geist und Herz jenen höchsten himmlischen Gütern zuwendet, die die Kirche den Völkern zu bringen hat, die vom Licht des Evangeliums noch nicht bis ins Innerste erleuchtet sind, haben Wir zum Teil Gebiete vor Augen, in denen reiche Ernten heranreifen, zum anderen Teil solche, in denen die Mühen und Schwierigkeiten der Arbeiter im Weinberg Gottes außerordentlich groß sind, und wieder andere schließlich, in denen die Feinde Gottes und Jesu Christi die christlichen Gemeinden durch gewaltsame Verfolgungen quälen und den Samen des Wortes Gottes zu ersticken und auszurotten suchen (vgl. Matth. 13, 19). Von allen werden Wir gedrängt, nach den besten Maßnahmen zu suchen, um die Seelen zum ewigen Heil zu führen, alle flehen Uns an: »Komm uns zu Hilfe" (Apg. 16,9). All diesen Gebieten, in denen Missionare »aus allen Völkern unter dem Himmel" (Apg. 2. 5) bereits durch ihren Aposteleifer und manchmal mit ihrem Blut gesät haben und aus denen durch Gottes Gnade auch schon eingeborene Apostel wie neue Keime hervorgegangen sind und Früchte des Heils tragen, möchten Wir ein Wort des Lobes, der Aufmunterung und der Liebe sagen und ihnen zugleich Richtlinien, Vorschriften und Ermahnungen erteilen. Denn Wir sind von großer Hoffnung erfüllt, da die Verheißungen des göttlichen Meisters nicht täuschen können. Er hat gesagt: "Siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt" (Matth. 28, 20). "Habt Mut, ich habe die Welt besiegt" (loh. 16, 33).

I. Einheimische Hierarchie und einheimischer Klerus

Der Brief "Maximum illud" und der eingeborene Klerus

7 Kaum war der erste furchtbare Weltkrieg, der so vielen Völkern Leid und Verwüstung gebracht hat, zu Ende, als der Apostolische Brief Benedikts XV. mit väterlicher Stimme alle Katholiken, wie Wir schon sagten, zur Ausbreitung des Friedensreiches Gottes unter allen Völkern aufforderte, des Reiches Gottes, das allein allen Menschen, die ja alle Kinder des himmlischen Vaters sind, unvergänglichen Frieden und wahren Wohlstand bringen und sichern kann. Seither ist das Werk der Missionare in 40 Jahren eifriger Arbeit immer mehr aufgeblüht und fruchtbar geworden. Dabei ist vor allem eine Tatsache von größter Bedeutung: das stetige Wachsen der einheimischen Hierarchie und des einheimischen Klerus in den Missionsgebieten.

8 Um die Worte Unseres unmittelbaren Vorgängers, Pius' XII., zu gebrauchen: die Missionare „sollen dies gleichsam als ihr höchstes Ziel betrachten und immer vor Augen haben, dass die Kirche bei den anderen Völkern fest verankert werden soll und diese ihrer eigenen einheimischen Hierarchie übergeben werden müssen" (Enzyklika. Evangelii praecones, AAS XLIII, 1951, S. 507; Herder-Korrespondenz 5. Jhg., S.493). Der Heilige Stuhl hat immer, insbesondere aber in der letzten Zeit, auf Grund reiflicher und weitherziger Überlegung für gut befunden, die kirchliche Hierarchie in jenen Gebieten einzusetzen oder wiederherzustellen, in denen es die Verhältnisse erlaubten, Bischofssitze einzurichten und sie, wo immer möglich, einheimischen Priestern zu übergeben. Man weiß, dass auch die Kongregation der Glaubensverbreitung ständig das gleiche Ziel verfolgt. Es war jedoch der Apostolische Brief Maximum illud, der die Bedeutung und Dringlichkeit der Verwirklichung dieses Ziels erst ins volle Licht setzte. In ihm tat Unser Vorgänger Benedikt XV. alle Oberen der katholischen Missionen dringend ermahnt, alle, die in den Missionsgebieten von der göttlichen Gnade zum Priestertum berufen würden, aufs sorgfältigste auszubilden, damit der damals sogenannte eingeborene Klerus - dieses Wort ohne beleidigende oder diskriminierende Absicht angewandt, denn sonst würden es die Päpste oder die kirchlichen Dokumente niemals benutzt haben - an Zahl und Eignung wachsen möge.

Entwicklung unter Pius Xl. und Pius XII.

9 Diese Mahnung Benedikts XV., die Unsre Vorgänger Pius XI. und Pius XII. wiederholten, hat mit Gottes Hilfe reiche Frucht getragen. Wir bitten euch daher auch, mit Uns zugleich Gott unaufhörlich dafür zu danken, dass in den Missionsländern eine so große und auserlesene Schar von Bischöfen und Priestern erwachsen ist, Unsre vielgeliebten Brüder und Söhne, deren Vorhandensein Uns zu den größten Hoffnungen ermutigt. Wenn Wir einen kurzen Blick auf die Statistiken jener Gebiete werfen, die der Kongregation der Propaganda Fide unterstehen - mit Ausnahme derjenigen in den Ländern der Kirchenverfolgung -, so können Wir zu Unserm großen Trost Folgendes feststellen: der erste Bischof asiatischer Herkunft wurde 1923 geweiht, die ersten Apostolischen Vikare afrikanischer Herkunft 1939; bis zum Jahr 1959 ist die Zahl der Bischöfe asiatischer Herkunft auf 68, die der Afrikaner auf 25 gestiegen. Der einheimische Klerus, der sich 1918 auf 919 Priester belief, zählte 1957 in Asien 5553; in Afrika, wo es 1918 nur 90 einheimische Priester gab, waren sie bis zum Jahr 1957 schon auf 1811 vermehrt. Durch dieses wunderbare Wachstum des Klerus wollte der Herr der Ernte (Matth. 9,38) die Mühen und Verdienste derjenigen angemessen belohnen, die durch eigene Initiative oder vielfältige Mitarbeit in Befolgung der Richtlinien des Heiligen Stuhls beim Werk der katholischen Missionen nach besten Kräften mitgeholfen haben.

10. Völlig berechtigter Weise konnte Unser unmittelbarer Vorgänger Pius XII. mit Genugtuung feststellen: „Einst spielte sich das Leben der Kirche, soweit es sichtbar ist, in den alten Ländern Europas ab, wo es stark und blühend war; von da aus strömte es wie ein breiter Strom zu den übrigen Ländern und bis an die Peripherie des Erdkreises - wie die Griechen es ausdrückten - hinaus; heute dagegen wird das Leben der Kirche gleichsam durch einen wechselseitigen Austausch zwischen den einzelnen Gliedern des Mystischen Leibes Christi vermittelt. Auch in den verschiedenen Gegenden anderer Kontinente werden schon längst gewisse Völker nicht mehr von den Missionen, sondern von ihrer eigenen kirchlichen Hierarchie geleitet und teilen den übrigen Gemeinschaften der Kirche, von denen sie früher fast alles empfingen, nun ihrerseits freigiebig geistliche und irdische Güter mit" (vgl. Weihnachtsbotschaft Pius' XII. 1945; AAS XXXVIII, 1946, S. 20).

11. An die Bischöfe und den übrigen Klerus dieser neuen Christenheiten möchten Wir Unsere väterlichen Mahnungen richten, ganz besonders darum zu beten und sich darum zu bemühen, dass ihr Priesteramt fruchtbar werde, und wenn sie zum Volk sprechen, ihm so oft wie möglich die Würde, Schönheit, Notwendigkeit und Verdienstlichkeit des Priesteramts zu schildern, so dass diejenigen, die den Ruf Gottes zu dieser hohen Ehre vernehmen, ihm bereitwillig und freudig folgen. Sie sollen dafür sorgen, dass auch die ihnen anvertraute Herde zugleich mit der gesamten Kirche um diese Gabe zu Gott betet, wenn sie, der Mahnung des göttlichen Erlösers folgend, darum bittet, dass "der Herr der Ernte Arbeiter in seine Ernte sende" (Luk. 10,2), zumal in dieser Zeit, wo "die Ernte groß, die Arbeiter aber wenige sind" (ebd.).

Brüderliche Zusammenarbeit zwischen einheimischem und auswärtigem Klerus

12 Die einheimischen Kirchen, denen bisher die Missionare ihre Arbeit gewidmet haben, werden, auch wenn sie jetzt schon von einer eigenen Hierarchie geleitet werden, immer noch die Hilfe auswärtiger Missionare nötig haben, teils wegen der Ausgedehntheit dieser Gebiete, teils wegen der wachsenden Zahl der Gläubigen und der ungeheuren Schar derer, die das Evangelium noch nicht empfangen haben. Auf diese Missionare kann man zweifellos den Satz Unsres unmittelbaren Vorgängers beziehen: sie sind „ein Klerus, den man wahrhaftig nicht als fremd ansehen darf, da jeder katholische Priester, der wirklich seinen Beruf erfüllt, sich als Sohn jenes Landes fühlen wird, in dem er dafür arbeitet, dass das Reich Gottes blüht und wächst" (Apostolisches Schreiben Ad Ecclesiam Christi an Kardinal Piazza über die Probleme Lateinamerikas; AAS XLVII, 1955, S. 542; Herder-Korrespondenz 10. Jhg., S.16). Darum sollen sie alle in aufrichtiger brüderlicher Liebe einträchtig miteinander vereint arbeiten, einer Liebe, die die Liebe widerspiegelt, in der sie zu Christus und seiner Kirche entbrannt sind. Den Bischöfen sollen sie mit freudigem, eifrigem, kindlichem Gehorsam folgen; denn „der Heilige Geist hat jene eingesetzt ... um die Herde Gottes zu weiden" (Apg. 20, 28), sie sollen „ein Herz und eine Seele sein" (Apg. 4, 32), jeder dem anderen dankbar für die geleistete Hilfe, so dass alle an ihrem Handeln erkennen, dass sie die Schüler dessen sind, der die gegenseitige dienende und helfende Liebe als sein besonderes „neues" Gebot den Seinen gegeben hat (vgl. Joh. 13, 34; 15, 12).

II. Ausbildung des einheimischen Klerus

13 Vorrang der geistlichen Bildung in der Erziehung des jungen Klerus Unser Vorgänger Benedikt XV. hat in dem Apostolischen Schreiben Maximum illud die katholischen Missionsoberen eindringlich ermahnt, dem einheimischen Klerus eine geistige und seelische Bildung zu vermitteln, die „vollkommen und in jeder Hinsicht umfassend" (AAS XI,1919, S. 445) ist. "Denn", so schrieb er, „der einheimische Priester ist seinen Landsleuten durch seine Herkunft und geistige Veranlagung, durch Gemüt und Neigung so verbunden, dass er eine einzigartige Befähigung besitzt, ihnen den Glauben nahe zubringen. Viel besser als jeder andere kennt er die Wege, sie zu überzeugen" (ebd.).

14 Es ist wohl kaum nötig, daran zu erinnern, dass eine gediegene Ausbildung und Erziehung der Priester vor allem darauf bedacht sein muss, die Kandidaten des heiligen Amtes gütig, aber zielbewusst zu den Tugenden hinzuführen, die das Priestertum an allererster Stelle verlangt. „Seine erste Aufgabe ist die Selbstheiligung" (Adh. Ap. Pius' XII. Menti Nostrae, AAS XLII, 1950, S. 477; HerderKorrespondenz 5. Jhg., S. 62). Deshalb muss der neue Klerus jener Gebiete in einen frommen Wettstreit treten mit dem Klerus der alten Diözesen, aus deren Schoß schon immer Priester von so hervorragender Tugend hervorgegangen sind, dass sie dem Klerus der ganzen Kirche als Vorbilder empfohlen werden konnten. Denn besonders durch Ihre Heiligkeit können und müssen die Priester Licht der Welt und Salz der Erde (vgl. Matth. 5, 13-14) sein, im Hinblick sowohl auf ihr eigenes Volk als auch auf die ganze Welt. Durch ihre Heiligkeit können sie die Schönheit und überirdische Kraft des Evangeliums jedem veranschaulichen und alle darüber belehren, dass die christliche Vollkommenheit das Ziel ist, das alle Kinder Gottes mit ganzer Kraft und in beharrlichem Ringen anzustreben befähigt und verpflichtet sind, gleichgültig aus welchen Völkern sie stammen, in welchem Milieu sie leben und auf welcher Stufe der Kultur und Zivilisation sie stehen.

15 In Unserm väterlichen Herzen hegen Wir die starke Hoffnung, dass überall und im Klerus eines jeden Volkes Priester gefunden werden können, die geeignet sind, die Priesterkandidaten ihres eigenen Volkes zu leiten sowie in der rechten, frommen Weise zu bilden und zu erziehen. Ja, schon jetzt ermahnen Wir die Bischöfe und katholischen Missionsoberen, unbedenklich aus dem heimischen Klerus Priester auszuwählen, die sich durch ihre Tugend und ihre pädagogische Fähigkeit dazu eignen, ihren Landsleuten auf dem Weg zum Priestertum Lehrer und Führer zu priesterlicher Vollkommenheit zu sein.

Anpassung der Erziehung an das Milieu

16 Wie Ihr genau wisst, ehrwürdige Brüder, hat die Kirche zu allen Zeiten vorgeschrieben, dass die Diener des Heiligtums sich eine gründliche und umfassende Bildung des Geistes und des Herzens anzueignen haben. Nun wird niemand, zumal heutzutage, daran zweifeln, dass junge Männer aus jedem Volk und jedem Land der Erde die Befähigung dazu in sich tragen; denn das ist reichlich durch die Erfahrung bewiesen. Zweifellos muss aber die Ausbildung des Klerus jeweils den besonderen Verhältnissen angepasst werden, die in den verschiedenen Ländern und Völkern gegeben sind. Dom für alle Priesterkandidaten ist die weise Regel zu empfehlen, dass es ratsam ist, die jungen Leute nicht „in Ausbildungsstätten zu erziehen, die von ihrer sozialen Welt zu sehr abgesondert sind" (Adh. Ap. Pius' XII. Menti Nostrae, AAS XLII, 1950, S. 686; Herder-Korrespondenz 5. Jhg., S. 134). Wenn sie nämlich dann "in die Öffentlichkeit hinaustreten, werden sie nicht leicht den Zugang finden sowohl zum einfachen Volk als auch zu den Gebildeten, und sie werden dann sehr häufig eine falsche Haltung gegenüber dem christlichen Volk einnehmen oder ihre eigene Bildung falsch einschätzen" (ebd.). Sie müssen eine vollkommene priesterliche Bildung erhalten, aber auch „allmählich und in kluger Weise in die Seele ihres Volkes eindringen« (ebd. S. 687), jenes Volkes, dem sie das Licht und die Wahrheit des Evangeliums bringen und das sie mit Hilfe der Gnade Gottes zu einem heiligen Leben führen sollen. Dieser Norm für den Unterricht und die Erziehung müssen sich die Leiter der Seminare fügen. Natürlich sollen sie sich aller zivilisatorischen und technischen Hilfsmittel bedienen, die uns der Fortschritt gebracht hat und die sozusagen ein gemeinsames Vermögen aller Völker darstellen, das uns gestattet, besser und leichter zu leben und für die leibliche Gesundheit und die Erhaltung unserer Kräfte zu sorgen.

Erziehung zur Verantwortung und Initiative

17 Die Ausbildung des einheimischen Klerus muss, wie schon Unser Vorgänger Benedikt XV. schrieb, darauf bedacht sein, dass er, sobald er dem heiligen Amt gewachsen ist, auch „die Leitung seines Volkes ... übernehmen kann" (Ep. Ap. Maximum illud, AAS XI, 1919, S. 445). Er soll die eigenen Landsleute durch seine Verkündigung und seinen seelsorglichen Dienst auf dem Weg zum ewigen Heil führen. Deshalb empfehlen Wir dringend, dass sowohl die fremden wie die einheimischen Priestererzieher es als ihre Amtspflicht betrachten, gewissenhaft dafür zu sorgen, dass ihre Schüler den Ernst und die Schwere ihres Amtes immer mehr würdigen lernen und nach Maßgabe der Klugheit in den Genuss der erlaubten Freiheit des Denkens und HandeIns kommen (vgl. Adh. Ap. Pius' XII. Menti Nostrae, AAS XLII, 1950, S. 686; Herder-Korrespondenz 5. Jhg., S. 133), wodurch sie allmählich, aber doch möglichst schnell dahin gelangen, dass sie auch die höheren kirchlichen Ämter zusammen und in Eintracht, aber auch in voller Gleichberechtigung mit dem ausländischen Klerus übernehmen können. Das wird den Wert ihrer Ausbildung unter Beweis stellen und ihren Erziehern zu der verdienten hohen Ehre gereichen.

Akkommodation an die einheimische Wertwelt

18 In Würdigung der Umstände, die nicht nur für die richtige geistige und geistliche Erziehung des Priesternachwuchses von Bedeutung sind, sondern für die gesamten Bedürfnisse der einzelnen Völker und ihre Mentalität, hat der Apostolische Stuhl den ausländischen und einheimischen Klerus zum Studium der Missionswissenschaft angehalten. Unser Vorgänger Benedikt XV. hat an der Hochschule der Propaganda Fide Lehrstühle dafür geschaffen (ebd. S. 448). Unser unmittelbarer Vorgänger Pius XII. hat große Freude über die Gründung des „Missionswissenschaftlichen Institutes" an dieser Hochschule empfunden und auch an der Errichtung „nicht weniger missionswissenschaftlicher Fakultäten und Lehrstühle in Rom und anderswo" (Enz. Evangelii praecones, AAS XLIII, 1951, S. 500; Herder-Korrespondenz 5. Jhg., S.490). Deshalb soll es in den katholischen Missionsseminarien nicht fehlen an Lehrgängen für die verschiedenen Zweige der Missionswissenschaft und für sachliche Fragen, deren Kenntnis zur Seelsorge in den einzelnen Ländern nützlich scheint. Die Ausbildung muss unbedingt nicht nur die ganze, rechtgläubige, überlieferte Lehre der Kirche umfassen, sondern auch den Geist der Studenten aufschließen und schärfen für die Beurteilung ihrer heimatlichen Kultur, hauptsächlich in bezug auf die Philosophie, die Theologie und ihr Verhältnis zur christlichen Religion.


19. »Die katholische Kirche", so sagte Pius XII., „hat die Überzeugungen der Völker weder verachtet noch verschmäht, die Kirche hat sie vielmehr von Irrtum und Unvollkommenheit gereinigt und durch die christliche Weisheit vervollkommnet und vollendet. Ebenso hat sie deren Kunst und Kultur ... und die Sitten und überlieferten Bräuche ... gewissermaßen geheiligt. Auch ihre Feste hat sie unter Änderung von Inhalt und Form als Erinnerungstage an die Märtyrer und zur Verherrlichung der heiligen Geheimnisse in ihren Dienst genommen" (ebd. S. 522). Auch Wir selbst haben Unsere Auffassung darüber schon geäußert: „Wo immer wirkliche Fortschritte in Künsten und Wissenschaften die Kultur der Menschheit bereichern können, fördert und unterstützt die Kirche die darauf gerichteten Anstrengungen des Geistes. Denn die Kirche verbindet sich, wie ihr wohl wisst, nicht mit einer einzigen Kultur, als wäre diese ihr einzig angepasst und jede andere zu verachten. Sie wirft sich auch nicht einmal der Kultur Europas und der westlichen Völker in die Arme, wiewohl sie mit dieser nach dem Zeugnis der Geschichte besonders eng verbunden ist. Denn die Aufgabe, die der Kirche anvertraut ist, hat die Religion und das ewige Heil der Menschen zum Gegenstand. Die Kirche, die immer jung bleibt und immer wieder durch den Hauch des Heiligen Geistes erneuert wird, ist jederzeit voller Anerkennung und Aufnahmebereitschaft, ja sogar eine tätige Anregerin für alles, was der Menschheit geistig und seelisch zur Ehre gereicht, auch wenn es in anderen Teilen der Welt als dem Mittelmeerraum seinen Ursprung hat, der nach Gottes Vorsehung die Wiege ihrer Kindheit war" (vgl. Rede an den 2. Weltkongress der Schriftsteller und Künstler schwarzer Rasse - Osservatore Romano, 3. 4. 1959, S. 1).

Durchdringung der gebildeten Schichten

20 Wenn die einheimischen Priester in der dargelegten Weise gründlich gebildet und zum richtigen Vorgehen auf diesem schwierigen Gebiete ausgerüstet werden, dann können sie unter Leitung ihrer Bisd1öfe einen sehr nützlichen Beitrag leisten, insbesondere den Kontakt mit ihren gebildeten Mitbürgern finden und diese nach dem Beispiel des berühmten Missionars Matthäus Ricci der christlichen Wahrheit geneigt machen, zumal in den uralten Kulturvölkern. Auch die einheimischen Priester haben die Pflicht, „jeden Verstand gefangen zunehmen, um ihn zum Gehorsam Christi zu führen" (vgl. 2 Kor. 10, 5), wie der unvergleichliche Verkündiger des Evangeliums und Völkerapostel Paulus versichert; sie werden sich „der Wertschätzung der Führenden und Gebildeten ihres Volkes erfreuen" (Enz. Pius' XI. Rerum Ecclesiae, AAS XVIII, 1926, S. 77).

21. Gestützt auf ihr Urteil und ihre Hilfe, werden die Bischöfe Sorge tragen, möglichst bald in geeigneter Form, je nach den Bedürfnissen, für einzelne oder auch für mehrere Gebiete gemeinsam Zentren für Studien und Lehre zu schaffen, in denen die auswärtigen wie die einheimischen Priester ihr Wissen und ihre Erfahrung auswerten und nutzbar machen können für das Wohl des Volkes, in dem sie geboren sind oder zu dessen Missionierung sie erwählt worden sind. Wir müssen hierzu ein Wort Unseres Vorgängers Pius' XII. in Erinnerung rufen, in dem er darauf hinwies, dass es Aufgabe der Katholiken ist, „katholisches Schrifttum aller Art zu vermehren und zu verbreiten" (Enz. Fidei donum, AAS XLIX, 1957, S. 233; Herder-Korrespondenz 11. Jhg., S. 476) und alle Anstrengungen zum Ausbau „der modernen Massenkommunikationsmittel zu unternehmen, die zur Verbreitung von Lehren dienen; denn es kann niemand verborgen bleiben, wie viel darauf ankommt, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und in der richtigen Weise zu bilden" (ebd.). Nicht überall kann alles getan werden. Aber man muss alle Chancen nutzen, um für Bedürfnisse jeder Art vorzusorgen, auch wenn manchmal „ein anderer sät und ein anderer erntet" (Joh. 4, 37).

Vorsichtsmaßnahmen bei sozialen und caritativen Werken

22 Die Ausbreitung der Wahrheit und der Liebe Jesu Christi ist die eigentliche Aufgabe der Kirche. Darum ist es auch „ihre heilige Pflicht, den Völkern im Rahmen des Möglichen die Wohltat ihres Lebens und ihrer Lehre zu vermitteln, auf der sich eine neue, an christlichen Grundsätzen ausgerichtete gesellschaftliche Ordnung aufbauen kann" (Enz. Fidei donum, AAS XLIX, 1957, S. 231; Herder-Korrespondenz 11. Jhg., S. 474). Aus diesem Grunde ist die Kirche auch in den Missionsgebieten mit aller Energie um das Zustandekommen sozialer Werke und Unternehmungen der Entwicklungshilfe bemüht, die den christlichen Gemeinschaften und den Völkern, zu denen diese Gemeinschaften gehören, von Nutzen sein können. Es muss aber dafür gesorgt werden, dass die apostolische Tätigkeit der Missionare nicht durch ein Übermaß weltlicher Arbeiten belastet oder gehindert wird. Man möge sich auf solche Einrichtungen beschränken, die notwendig, leicht durchführbar und von unmittelbarem Nutzen sind, und ihre Verwaltung und Leitung so bald wie möglich einheimischen Männern oder Frauen anvertrauen, damit die Missionare ihre ganze Kraft der Verkündigung und der Sorge um ihre eigene und die Heiligkeit der anderen und das ewige Heil widmen können.

Bildung des Geistes allumfassender Liebe

23 Wie Wir sagten, fordert ein fruchtbares Apostolat offensichtlich und mit höchster Dringlichkeit, dass die einheimischen Priester die Traditionen ihres Vaterlandes kennen und zu würdigen wissen. Aber noch klarer ist es, dass auch ihnen der folgende Satz Unseres letzten Vorgängers gilt, den er an die katholische Welt richtete: „Die allgemeinen Anliegen und Intentionen der Kirche sollen auch die Anliegen und Intentionen ihres alltäglichen christlichen Lebens sein" (ebd. S.238). Deshalb muss der einheimische Klerus nicht nur die Angelegenheiten, Verhältnisse und Bedürfnisse der Gesamtkirche gründlich kennen, sondern auch von der Liebe zur Gesamtheit der Christgläubigen geleitet und getragen werden. Sehr richtig und gut hat der heilige Johannes Chrysostomus, als er von der Feier der Liturgie sprach, bemerkt: „Wenn wir zum Altar hintreten, dann beten wir an erster Stelle für die ganze Welt und die gemeinsamen Anliegen" (Hom. 11 in 2 Kor. Migne, PG, LXI, S. 398). Der heilige Augustinus aber sprach den folgenden schönen Satz: „Breite deine Liebe über die ganze Welt aus, wenn du Christus lieben willst; denn die Glieder Christi sind über die Welt hin verstreut" (In Ep. Joan. ad Parthos Tr. X cap. 5. Migne, PL, XXXV, S. 2060).

24 Aus dieser Erwägung, dass der Geist katholischer Einheit, von dem das Missionswerk geleitet und beseelt sein muss, ungebrochen bewahrt und tief empfunden werde, warnte Unser Vorgänger Benedikt XV. mit den folgenden Worten sehr ernst vor einer Gefahr, die aus den Absichten der Missionare unbedingt verbannt werden muss, da sie die Wirksamkeit ihrer Arbeit mindern kann: „Es wäre überaus traurig, wenn Missionare ihre Würde soweit vergäßen, dass sie mehr an ihr irdisches als an das himmlische Vaterland dächten und sich mehr als recht und billig für die Ausbreitung seiner Macht und seines Ruhmes einsetzten. Das wäre die schlimmste Schädigung des Apostolates, es würde in einem Verkündiger des Evangeliums die Liebe zu den Seelen entnerven und seine Autorität beim Volk untergraben" (Ep. Ap. Maximum illud, AAS XI, 1919, S. 446).

25 Die gleiche Gefahr, wenn auch in anderen Formen und Zusammenhängen kann auch heute entstehen, um so mehr, als nicht wenige Missionsvölker mit aller Macht nach der Freiheit und der vollen Selbstbestimmung und Souveränität streben. Die errungene politische Freiheit kann zu maßlosen Bewegungen führen, die dem gemeinsamen Wohl und Interesse der menschlichen Gesamtfamilie wie auch der Liebe entgegenstehen.

26 Wir vertrauen darauf, dass auch der einheimische Klerus sich leiten lassen wird von Absichten und Gedanken, die den allgemeinen Grundsätzen der christlichen Religion entsprechen und mit der Lehre der katholischen Kirche voll übereinstimmen, die alle Menschen mit der gleichen Liebe umarmt und so auch, soweit das an ihr liegt, auf das Beste für das wirkliche Wohl jedes einzelnen Vaterlandes besorgt ist. Hierzu hat derselbe Papst die folgende berechtigte Feststellung getroffen: „Die katholische Kirche ist in keinem Volk und in keiner Nation eine Fremde" (ebd. S. 445). Deshalb beweist keine christliche Gemeinschaft in irgendeinem Lande ihre Einheit mit der Gesamtkirche, aus der doch das übernatürliche Leben Jesu Christi entspringt, wirklich und in der Tat, wenn ihr Klerus und das Volk sich nur um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern, sich von Missgunst gegen die anderen Völker leiten lassen, übertriebenem Nationalismus huldigen und sich von ihm verwirren lassen; denn das erschüttert die Liebe, die alle zu umfassen hat. Und auf dieser Liebe gründet die Kirche Gottes, und um ihretwillen heißt sie in Wahrheit „katholisch".

III. Die Laien in den Missionen

Die Laien im Leben der Kirche

27 Unser Vorgänger Benedikt XV. betonte, wie Wir gesagt haben, sehr entschieden die Notwendigkeit, den einheimischen Klerus mit Sorgfalt und im rechten Geiste auszubilden, damit er den Anforderungen der Gegenwart genügen könne. Aber auch noch eine andere dringende Sorge beschäftigte ihn: die Heranbildung von Laien aus allen Völkern zu einem wahrhaft christlichen persönlichen Leben und für die Aufgaben des Apostolates. Auch Unser unmittelbarer Vorgänger Pius XII. hat sich ausdrücklich und eindringlich dafür eingesetzt (Enz. Evangelii praecones, AAS XLIII, 1951, S. 510 ff.; Herder-Korrespondenz 5. Jhg., S. 544 f.). Nicht nur das eine Mal, sondern immer wieder äußerte er sich zu dieser Aufgabe, die heute die größte Aufmerksamkeit verlangt und so gründlich und schnell wie möglich gelöst werden muss.

28 Pius XII. hat auch das Verdienst, in eingehenden Belehrungen und wiederholten Aufrufen den Laien nahegelegt zu haben, sid1 dem Apostolat zuzuwenden und ihre Kraft der Hierarchie zur Verfügung zu stellen, wie die Gläubigen von Anfang an und durch die Jahrhunderte hindurd1 es getan und ihren Bischöfen und Priestern geholfen haben, die christlichen Gebote im religiösen und gesellschaftlichen Leben erfolgreich in die Tat umzusetzen. In noch viel höherem Maße ist das eine Forderung unserer Zeit; das Bedürfnis dafür steigt von Tag zu Tag, je mehr die Zahl der Menschen wächst, die das geistige Brot der Wahrheit nötig haben, und je schwieriger und verwirrender sich ihre Lebensverhältnisse gestalten. Außerdem ist es wesentlich, dass die Kirche überall, wo sie mit ihrer Mission Erfolg hat, sich auch in der ganzen Fülle ihrer Struktur darstellt, zu der ja nicht nur die verschiedenen Grade der Hierarchie gehören, sondern auch der Stand der Laien. Alle müssen an der Arbeit für das Heil mitwirken (Enz. Pius' XII. Mystici Corporis, AAS XXXV, 1943, S. 200 -201; Enz. Pius' XI. Rerum Ecclesiae, AAS XVIII, 1926, S. 78).

Ziel der Laienbildung in den Missionsländern

29 Zu diesem Zweck genügt es nicht, die Menschen in den jungen christlichen Gemeinden nur zum katholischen Glauben zu bekehren und sie nach der Taufe in großen Zahlen in die Kirchenbücher einzutragen. Unter allen Umständen müssen sie eine christliche Erziehung erhalten, die den Verhältnissen und der Zeit angemessen ist und sie befähigt, je nach ihrer Eignung die Aufgaben zu übernehmen, die für das Wohl und Wachstum der Kirche in Gegenwart und Zukunft von Wert sind. Die Zahl der Christen bedeutet wenig, wenn ihnen die Stärke fehlt, das heißt, wenn sie nicht mit unerschütterlicher Festigkeit ihren Glauben bekennen, wenn nicht das Gnadenleben in ihrer Seele Kraft hat und nach außen Früchte zeitigt, wenn sie nicht nach ihrer Wiedergeburt aus der Gnade Gottes zu jener blühenden und reifen Jugend heranwachsen, die zu fruchtbarem Wirken im Dienste des Guten unablässig bereitsteht. Das christliche Glaubensbekenntnis ist nicht bloß ein Gegenstand der Volkszählung, sondern in erster Linie muss es den neuen Menschen schaffen (vgl. Eph. 4, 24) und seinem ganzen Handeln übernatürliche Kraft verleihen, es anregen, normieren und leiten.

Besondere Aufgaben des Klerus

30 Die Laien werden aber schwerlich zu diesem Ziel gelangen, wenn nicht der Klerus, der ausländische wie der einheimische, das Aktionsprogramm befolgt, von dem Wir gesprochen haben und das schon der erste Stellvertreter Christi in großen Zügen angedeutet hat mit den Worten: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliger Stamm, ein Gott eigenes Volk; ihr sollt die Großtaten dessen verkünden, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat" (1 Petr. 2, 9).

31 Ein Unterricht und eine Erziehung im Christenglauben, die sich darauf beschränken würden, die Gläubigen Katechismusformeln zu lehren und mit den wichtigsten sittlichen Geboten sowie ihrer Anwendung summarisch bekannt zumachen, ohne ihnen den Weg zur Erfüllung zu zeigen und sie dazu anzueifern, kommt in die große Gefahr, der Kirche ein träges Volk zuzuführen. Aber ganz im Gegensatz dazu sollen die Schäflein der Herde Christi dem Hirten nicht nur zuhören, sondern ihn und seine Stimme kennen (vgl. Joh. 10, 4 14) und ihm treu und willig auf die Weide des ewigen Lebens folgen (vgl. ebd. 10, 9 10), um einmal aus der Hand des höchsten Hirten „die unverwelkbare Krone der Herrlichkeit" (1 Petr. 5, 4) in Empfang zu nehmen. Die Schäflein, die den Hirten, der sein Leben für seine Schafe dahingab (vgl. Joh. 10, 11), kennen, ihm nachfolgen und sich ihm hingeben, sollen aber auch in freudigem Gehorsam gegen seinen göttlichen Willen darum bemüht sein, dass andere Schafe, die ihm nicht nachfolgen, sondern weitab herumirren, wiewohl er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (ebd. 14, 6), endlich in die eine und einzige Herde eingehen.

32 Ohne das wache und eifrige Apostolat hat das Bekenntnis zum christlichen Glauben keinen rechten Sinn. „Jeder ist verpflichtet, seinen Glauben anderen mitzuteilen, sei es durch die Belehrung und Stärkung anderer Gläubiger, sei es in der Verteidigung gegen die Ungläubigen" (S. Th. II II q. 3 a. 2 ad 2). Das gilt besonders für unsere Zeit, da die Kirche und die ganze Menschheit in einer besonders schwierigen Lage sind.

33 Eine vollkommene und wirksame christliche Erziehung hängt davon ab, dass die Lehrer und Erzieher den Weg zur Mentalität, zu den innersten Neigungen und Veranlagungen der Menschen finden und sie darin verstehen, damit dann die neuen Jünger Jesu Christi die Gebote der göttlichen Offenbarung mit ihren Folgerungen und Normen innerlich aufnehmen und sich Ihnen ganz anpassen. Der göttliche Erlöser hat uns sein großes Gebot zu wahrhaftiger Befolgung gegeben, jedem einzelnen. Es lautet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit deinem ganzen Gemüt" (Matth. 22, 37). Den Menschen, die zum katholischen Glauben kommen, muss die ganze Großartigkeit des christlichen Bekenntnisses aufleuchten, so dass sie dadurch begeistert werden für ein Leben persönlicher Größe und apostolischen Eifers, ein Leben nach dem herrlichen Beispiel Jesu Christi, der als Menschensohn uns geboten hat, seinen Spuren zu folgen (vgl. 1 Petr. 2, 21; Matth. 11,29; Joh. 13, 15).

Zeugnis der Wahrheit - Pflicht des Laien

34 Wer den Namen eines Christen trägt, ist sich dessen klar bewusst, dass es erste und grundlegende Gewissenspflicht ist, Zeuge der Wahrheit, an die er glaubt, und der Gnade, die ihn umgestaltet hat, zu sein. Darüber sagt ein hervorragender Kirchenvater: „Deshalb ließ uns Christus hier zurück:, damit wir Träger des Lichtes, Lehrer unserer Mitmenschen und Sauerteig seien; damit wir wie Engel mit den Menschen, wie Erwachsene mit Kindern und wie geistbegabte Wesen mit Tieren verkehren, um sie zu gewinnen; damit wir wie Samenkörner seien und reiche Frucht hervorbringen. Überflüssig wäre die Rede, wenn unser Leben aus sich heraus schon strahlend wäre; überflüssig das Wort, wenn wir Taten zeigen würden. Keiner wäre mehr Heide, wenn wir wirklich Christen wären" (Joh. Chrys. Homil. zu 1 Tim. Migne, PG, LXII, S. 551).

35. Wenn auch alle Christen auf der ganzen Erde ganz offensichtlich diese Aufgabe zu erfüllen haben, so ist es noch viel einleuchtender, dass gerade in den Missionsgebieten aus der Erfüllung dieses Auftrags einzigartige und überreiche Früchte ersprießen können. Sie gehört zur Ausbreitung des Reiches Gottes bei den Menschen, die das herrliche Geschenk unseres Glaubens nicht kennen und der die Natur übersteigenden Kraft der Gnade nicht teilhaftig sind. Dazu rief schon der Herr auf: „So leuchte euer Licht bei den Menschen, dass sie eure guten Werke sehen und euern Vater im Himmel preisen" (Matth. 5, 16). Und der Apostel Petrus ermahnte die Gläubigen: „Enthaltet euch von fleischlichen Gelüsten, die wider den Geist streiten! Führt einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie gerade in dem, worin sie euch verlästern wie Übeltäter, als Folge eurer guten Werke euch achten und Gott preisen" (1 Petr. 2, 12).

Wirksames Zeugnis der Liebe

36 Das Zeugnis des einzelnen muss durch das Zeugnis der ganzen christlichen Gemeinschaft bestätigt und erweitert werden, genauso wie es in der Frühzeit der Katholischen Kirche gegeben wurde. Die Einheit und Übereinstimmung aller Christen, „die in der Lehre der Apostel sowie in der Gemeinschaft des Brotbrechens und des Gebetes verharrten" (Apg. 2, 42), sowie ihr Verbundensein in eifrigen Liebesdiensten schenkten Ihnen die größten Freuden und gegenseitigen Anreiz zur Frömmigkeit. Und so lebten sie „Gott lobpreisend und beliebt beim ganzen Volk. Der Herr aber vermehrte dadurch die, die täglich gerettet wurden" (ebd. 47).

37 Die Einheit im Gebet zu Gott und in der aktiven Teilnahme an den göttlichen Geheimnissen der heiligen Liturgie bereichert und vollendet das christliche Leben des einzelnen und der ganzen Gemeinschaft aufs wirksamste. Das gilt am meisten für die Stärkung der Menschen in der Liebe, die das Kennzeichen wirklichen Christseins ist. Die Liebe überwindet die Gegensätze zwischen Völkern und Kulturen und verbindet alle Menschen in Freundschaft, ob sie Brüder oder Gegner waren. Dafür gilt das Wort Unseres Vorgängers, des heiligen Papstes Klemens: „Wenn die Heiden von uns das Wort Gottes hören: ,Ihr habt kein Verdienst, wenn ihr die liebt, die euch lieben, aber alles Verdienst, falls ihr eure Feinde und Hasser liebt' (vgl. Luk. 6, 32-35), so bewundern sie diese erhabene Güte. Wenn sie aber sehen, dass uns nicht nur die Liebe gegen diejenigen fehlt, die uns hassen, sondern auch gegen die, die uns lieben, lachen sie über uns, und der Name Gottes wird gelästert" (F. X. Funk, Patres Apostolici, Bd. I, S.201). Der bedeutendste Künder des Evangeliums, der heilige Apostel Paulus, schrieb gerade zu dem Zeitpunkt, als er den Völkern im Westen das Wort Gottes bringen wollte, an die Römer von „der Liebe ohne Heuchelei" (Röm. 12, 9 ff.), nachdem er schon zuvor diese Tugend gepriesen hatte, ohne die der Christ nichts ist (1 Kor. 13, 2).

Die materielle Hilfe

38 Die Liebe wird auch in materieller Weise sichtbar, wie Unser unvergesslicher Vorgänger Pius XII. sagte: „Ein Leib verlangt auch eine Vielheit von Gliedern, die so untereinander verbunden sein müssen, dass sie sich gegenseitig Hilfe leisten. Und gleich wie in unserm sterblichen Leib, wenn ein Glied leidet, alle andern mitleiden und die gesunden Glieder den kranken zu Hilfe kommen, so leben auch in der Kirche die einzelnen Glieder nicht einzig für sich, sondern unterstützen auch die andern, und alle leisten sich gegenseitig Hilfsdienste, zu gegenseitigem Trost, wie besonders zum weiteren Aufbau des ganzen Leibes (Enz. Mystici Corporis, AAS XXXV, 1943, S. 200).

39. Materielle Nöte, unter denen die Gläubigen leiden, bestehen auch für das Leben und die Institutionen der Kirche. Die einheimischen Gläubigen mögen sich daran gewöhnen, nach besten Kräften , ihre Kirchen, Vereinigungen und den Klerus, der sich ihnen ganz geweiht hat, freiwillig durch ihre Gaben zu unterhalten. Es hat keine Bedeutung, wenn dieser Beitrag klein ist. Es kommt nur darauf an, dass er Zeugnis für das Bewusstsein religiöser Gemeinschaft ablegt.

IV. Das Laienapostolat in den Missionen

Vorbereitung

40 Da es den Gläubigen als Gliedern eines lebendigen Leibes nicht freisteht, sich von den andern zu trennen und der Meinung zu sein, dass sie ihre Pflicht getan haben, wenn sie sich ausschließlich um die eigenen Bedürfnisse kümmern und sorgen, sollen sie auch alle zusammen, jeder nach seinen Möglichkeiten, hilfreichen Dienst am Wachstum und der Ausbreitung des Reiches Gottes leisten. Zu diesem allgemeinen Dienst rief Unser Vorgänger Pius XII. mit folgenden Worten auf: „Die Katholizität ist ein wesentliches Merkmal der Kirche, so dass ein Christ nicht wirklich mit der Kirche verbunden sein kann, wenn er nicht ebenso mit der Gesamtheit der Gläubigen verbunden ist und wünscht, dass die Kirche bei allen Völkern Wurzel schlage und blühe" (Enz. Fidei Donum, AAS XLIX, 1957, S. 237; Herder-Korrespondenz 11. Jhg., S. 477).

41 Alle mögen deshalb im heiligen Wettstreit miteinander Zeugnis ablegen von ihren Bemühungen um das geistliche Wohl ihrer Mitmenschen, die Sicherung ihres eigenen Glaubens und seine Mitteilung an diejenigen, die ihn gar nicht oder nur ungenügend kennen und deshalb abwertend beurteilen. Die Priester, die Familien und die örtlichen Apostolatsvereinigungen mögen so handeln, dass sie die religiöse Bindung an diese Aufgabe auch in den jungen Christengemeinden den Menschen von frühester Kindheit und Jugend an beibringen. Um ihn in geeigneter und wirksamer Weise zum Apostolatsauftrag hinzuführen, bieten sich sehr günstige Gelegenheiten bei der Vorbereitung junger Menschen und erwachsener Täuflinge auf den Empfang des Sakramentes der Firmung, durch deren „Salbung den Gläubigen neue Kraft verliehen wird, dass sie die Mutter Kirche und den Glauben, den sie von ihr erhielten, tapfer schützen und verteidiget:" (Enz. Mystici Corporis, AAS XXXV, 1943, S. 201). Diese Vorbereitung muss vor allem bei den Völkern geschehen, die besondere bodenständige Initiationsriten haben, um die jungen Menschen in das gesellschaftliche Leben rechtlich einzugliedern.

Katecheten

42 Wir können es an dieser Stelle nicht unterlassen, das Werk der Katecheten in das gebührende Licht zu setzen. Es ist offensichtlich, dass sie seit Beginn der Missionsgeschichte einen einzigartigen und notwendigen Beitrag zur Mission geleistet haben. Zu jeder Zeit waren sie die einsatzbereitesten Mitarbeiter der Künder des göttlichen Wortes, teilten ihre Mühsal und nahmen ihnen Arbeit ab. Unsere Vorgänger erklärten eindeutig, wie wichtig es für die Ausbreitung des Evangeliums ist, „ihre Zahl zu vermehren" und sie sorgfältigst auszubilden (Enz. Rerum Ecclesiae, AAS XVIII, 1926, S. 78). Sie hielten das Katechetenamt für den» vielleicht wichtigsten Fall des Laienapostolates" (Pius XII. an den zweiten Laienweltkongress, AAS XLIX, 1957, S. 937; Herder-Korrespondenz 12. Jhg., S. 118). Wir erteilen ihnen erneut höchstes Lob und ermahnen sie, dass sie das Glück der Seele, das diesem Amt entspringt, sorgfältig bewahren und sich unablässig und eifrig bemühen, unter Leitung der kirchlichen Hierarchie das religiöse Leben zu pflegen und ein wahrhaft christliches Leben zu führen. Von ihnen sollen die Katechumenen ja nicht nur die ersten Elemente des Glaubens empfangen, sondern auch die Anleitung zu Tugend und warmer, aufrichtiger Liebe zu Christus und seiner Kirche. Alle Sorge um die Erhöhung der Zahl und die angemessene Ausbildung dieser hervorragenden Helfer der kirchlichen Hierarchie sowie alles, was sie selbst an Mühe als Künder der katholischen Lehre auf sich nehmen, um ihr Amt so richtig und gut wie möglich zu führen, sind unmittelbar wirksame Instrumente für Gründung und Gedeihen neuer christlicher Gemeinden.

Katholische Aktion

43 In Unserer Antrittsenzyklika haben Wir aus verschiedenen schwerwiegenden Gründen im Hinblick auf unsere Zeit die Mahnung ausgesprochen, dass überall auf Erden „Laien in die friedliche Armee der Katholischen Aktion berufen werden, um die kirchliche Hierarchie in ihrer Apostolatsarbeit zu unterstützen" (vgl. Enz. Ad Petri cathedram, AAS LI, 1959, S. 523; Herder-Korrespondenz 13. Jhg., S. 546). Mit folgenden Worten haben wir sie unterbaut: „Es ist Uns ein großer Trost, daran zu denken, was diese Hilfskräfte der Bischöfe und Priester in der Vergangenheit bereits auch in den Missionsländern mit ihrem Eifer und ihrer Energie geleistet und erreicht haben" (ebd. S. 523 bzw. 546). Dazu wollen Wir noch aus der Liebe, „die Uns drängt" (vgl. 2 Kor. 5,14), eindringlich die Ermahnungen Unseres unvergesslichen Vorgängers Pius' XII. wiederholen: „Darum ist es absolut notwendig, dass sich zahlreiche Laien in der Katholischen Aktion zusammenschließen, um ihren hochherzigen und tatkräftigen Eifer mit dem hierarchischen Apostolat des Klerus zu vereinen" (Enz. Evangelii praecones, AAS XLIII, 1951, S. 513; Herder-Korrespondenz 5. Jhg.,. S. 544 f.). Zur Verwirklichung dieses Willens des Papstes haben sich Missionsbischöfe, Welt- und Ordensklerus sowie hochherzige und im religiösen Leben erfahrene Gläubige in lobenswertem Eifer zusammengefunden. Dadurch entstanden fast überall auf der Welt glückliche Unternehmungen und erblühten fruchtbare Werke.

44. Doch ist es notwendig - und Wir halten es für richtig, immer wieder darauf hinzuweisen -, dass die Apostolatsart den örtlichen Bedingtheiten und Notwendigkeiten angepasst wird. Denn es ist einfach unmöglich, das, was sich an einer Stelle erfolgreich durchgesetzt hat, unterschiedslos irgendwohin zu übertragen. Deshalb sollen die Verantwortlichen unter Leitung der kirchlichen Hierarchie und in gelassenem Gehorsam gegenüber ihren Hirten Sorge tragen, dass die verschiedenen Apostolatsformen nicht zur übermäßigen Belastung werden, die kostbare Energien verhindern oder zersplittern könnte, so dass nur bestimmte Teilleistungen erreicht werden und eine Aktion unvollständig, stümperhaft und zu sehr spezialisiert bleibt, die, anderswo erfolgreich, dort eben weniger Erfolg hat, wo Umgebung und Notwendigkeiten anders sind. In der Antrittsenzyklika haben Wir schon die Katholische Aktion gestreift und angekündigt, sie bei gegebener Gelegenheit umfassender zu behandeln. Daraus werden, wie Wir vertrauen, auch die Missionsländer bedeutende Vorteile ziehen und neue Impulse schöpfen. Inzwischen mögen alle Gläubigen in einträchtigem Wollen und übernatürlicher Gesinnung sich ans Werk begeben und überzeugt sein, dass sie sich nur unter diesen Bedingungen rühmen können, dem Göttlichen, der Kultur und dem Fortschritt ihres Volkes zu dienen.

Ausbildung von Führungskräften der Katholischen Aktion

45 Die Katholische Aktion ist eine Gemeinschaft von Laien mit einem eigenen und verantwortlichen Handlungsbereich in notwendiger Unterordnung unter die kirchlichen Oberen" (Pius XII. an die Katholische Aktion am 11. 10. 46; Discorsi e Radiomessaggi, VIII. S. 468), doch so, dass die Laien selbst Führungsposten innehaben. Hier müssen Personen eingesetzt werden, die die einzelnen Verbande mit apostolischem Elfer zu erfüllen vermögen und so wirken, dass diese erfolgreich sind. Um sich der von der Hierarchie ihnen anvertrauten zentralen oder untergeordneten Leitung der Verbände würdig zu erweisen, müssen es Männer und Frauen sein, die sichere Garantien dafür bieten, dass sie christliche Lehren und christliche Sitten kennen und vorleben, so dass „sie den andern das geben, was sie selbst als überreiche göttliche Gnade empfangen haben" (Enz. Ad Petri cathedram, AAS LI, 1959, S. 524; Herder-Korrespondenz 13. Jhg., S. 543).

46. Man kann sagen, der geeignetste Ort und die Ausbildungsstätte für die Führungskräfte der Katholischen Aktion ist die christliche Schule. Sie kann jedoch ihr Ziel nur erreichen und ihre Aufgabe erfüllen, wenn dort von den Lehrern, seien sie aus dem Welt- oder Ordensklerus oder seien sie Laien, wirkliche Christen erzogen werden.

47 Es ist allgemein bekannt, welche Energie und Mühe die Kirche dem Unterricht jeder Art gewidmet und wie tatkräftig sie ihn geschützt und gefördert hat. Da es jedoch offensichtlich schwierig ist, dem Unterricht allein die Ausbildung der Führungskräfte der Katholischen Aktion zu überlassen, müssen hoffnungsvolle junge Leute außerhalb der Schule zusammengefasst werden, um sie zum Apostolat hinzuführen und anzuleiten. Die Ortsordinarien mögen deshalb Sorge tragen, in richtiger Weise und der bestmöglichen Form Apostolatsschulen zu eröffnen, deren Bildungsplan sich von dem der eigentlichen Schulen naturgemäß unterscheidet. Es ist außerdem wichtig, Kinder und Jugendliche, die nichtkatholische Schulen besuchen müssen, vor falschen Ansichten zu bewahren. Immer jedoch wird es notwendig bleiben, die an den öffentlichen Schulen vermittelte Allgemein- und Berufsausbildung durch eine klug und überlegt gestaltete geistliche Bildung zu ergänzen, damit die Menschen nicht falsch unterrichtet und zur Arroganz aufgeblasen jene Schulen verlassen und dadurch der Kirche und ihrem Volk mehr schaden als nützen. Ihre religiöse Bildung muss der geistigen Entwicklung folgen, so dass sie zur Führung eines katholischen Lebens innerhalb ihrer Gesellschaftsordnung und der menschlichen Umgebung, in der sie wirken, gut ausgerüstet werden und zum richtigen Zeitpunkt einen Platz in den katholischen Organisationen einnehmen können. Für junge Menschen, die von zu Hause fort müssen, um in den Städten die öffentlichen Schulen zu besuchen, sollten Internate geschaffen werden, in denen christliches Leben und christliche Sitten eine Einheit bilden und ihr Sinnen und ihre Kraft auf die hohen Ziele des Apostolates lenken. Auch wenn Wir solchen Schulen eine ganz besondere und wirksame Bedeutung zumessen, so wollen Wir doch dadurch die Familien nicht von ihren Verpflichtungen entbinden oder ihre Autorität schmälern. Denn sie vermögen in diesem Punkt mehr als die Schule, indem sie in die Seelen der Kinder die Flamme des Apostolates einpflanzen, sie zu einer immer reiferen Beamtung der christlichen Gebote anleiten und zum Handeln im Leben führen. Dieses häusliche Zusammenleben ist die beste Schule, die nichts ersetzen kann.

Die spezifischen Aufgaben der Laien

48 Der »gute Kampf« (2 Tim. 4, 7) für den christlichen Glauben wird nicht nur im stillen Kämmerlein des eigenen Gewissens und innerhalb der vier Wände des eigenen Heimes ausgetragen, sondern auch an allen Fronten des öffentlichen Lebens. Überall auf der Welt erheben sich in unseren Tagen Probleme. Wer sich um ihre Lösung müht, stützt sich zumeist nur auf Menschenweisheit und befolgt Grundsätze, die nicht selten den Forderungen des christlichen Sittengesetzes entgegengesetzt sind. »Die meisten Länder machen eine soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklungsphase durch, die ihre Zukunft entscheidend bestimmen wird« (Enz. Fidei Donum, AAS XLIX, 1957, S. 229; Herder-Korrespondenz 11. Jhg., S. 475). Probleme, die bei manchen Völkern schon gelöst sind oder in der Tradition Elemente der Ordnung vorfinden, drängen bei andern zu einer unaufschiebbaren Lösung. Das ist insofern gefährlich, als es zu übereilten und leichtsinnigen Lösungsversuchen kommen könnte, die die religiösen Grundlagen der einzelnen und der Völker vernachlässigen oder ihnen widersprechen. Diese Probleme dürfen alle auf das Wohl der Menschen und der Kirche bedachten Katholiken weder übersehen noch sorglos eine schädliche Lösung zulassen, so dass später eine Beseitigung der Fehler viel schwieriger und die Verbreitung des Christentums auf Erden behindert wird.

49 Im Rahmen der öffentlichen Tätigkeit ist das Werk der Laien in den Missionsländern noch unmittelbarer und wichtiger. Umsichtig und energisch müssen die christlichen Gemeinden dafür Sorge tragen, dass die Männer, die zum Wohl ihres Landes in öffentliche Stellungen kommen, die ihnen anvertrauten Ämter und Aufgaben nicht nur lobenswert ausfüllen, sondern auch durch ein wahrhaft christliches Leben die Kirche. aus deren Reichtum sie wiedergeboren sind, ehren. Dann können die Bischöfe auch ihnen das Lob spenden, das wir in den Schriften des heiligen Basilius lesen: „Ich danke dem heiligen Gott, dass ihr als Männer des öffentlichen Lebens nicht das Leben der Kirche verlassen habt. Im Gegenteil, jeder von euch hat sich darum gekümmert wie um ein ganz persönliches Anliegen, von dem sein Leben abhängt" (Ep. 288; Migne, PG 32, 855).

50 Ganz besonders in Fragen des Schul- und Bildungswesens, der Sozialhilfe, der Arbeitervereinigungen und der politischen Ordnung wird die Mitarbeit sachkundiger einheimischer Katholiken vorzüglich sein, wenn sie ihre Absichten und Taten am christlichen Sittengesetz ausrichten, wie es ihre Gewissenspflicht erfordert, die sie ohne Verrat am Glauben nicht verletzen können. Eine jahrhundertealte Erfahrung lehrt, dass sich die wirksamste und energischste Mitarbeit am Gemeinwohl so vollzieht.

51 Es ist einsichtig, dass die weltweit verbreiteten katholischen Organisationen in brüderlicher Liebe verbunden von großer Nützlichkeit und Durchschlagskraft für Förderung des Apostolats in den Missionsgebieten sein können - wie schon Unser unvergesslicher Vorgänger Pius XII. feststellte - sei es in bezug auf Lehre und Forschung, um gerade die sozialen Fragen der jungen Staaten zu einer Lösung zu bringen, sei es für das Apostolat selbst, um durch Ratschläge die unter der Fahne Christi kämpfenden Laien zu unterstützen. Es ist Uns bekannt, was die Laienhelfer in den Missionen schon geleistet haben und noch leisten, die zeitlich begrenzt oder für das ganze Leben ihr Vaterland verließen, um in den Bekehrungsgebieten auf viele Weisen zum gesellschaftlichen und religiösen Wohl beizutragen. Wir bitten Gott inständig, dass er die Zahl dieser hochherzigen Helfer wachsen lasse und sie in den Schwierigkeiten und Mühsalen, die sie in apostolischer Absicht ertragen, stärke. Desgleichen helfen Mitglieder der Säkularinstitute den einheimischen Laien der Missionsländer in äußerst fruchtbarer Weise, wenn sie andere durch ihr Beispiel hinreißen und den Ortsordinarien ihre geistige und körperliche Arbeit freiwillig und gerne zur Verfügung stellen, um die jungen Christengemeinden rasch zur Reife zu führen.

52 Auch an alle andern Laien, die überall auf Erden durch ihr Wirken oder durch ihre Stellung im öffentlichen Leben im Vordergrund stehen, richten Wir die Mahnung, dass sie ernsthaft erwägen, wie sie, auch ohne die Heimat zu verlassen, ihren neuen christlichen Brüdern helfen können. Sie vermögen ohne große Mühe und Nachteile Hilfe zu schaffen durch Rat, Erfahrungsübermittlung sowie technische Hilfe und dadurch eine große Wirkung zu erreichen. Die Gutgesinnten werden sicher Möglichkeiten finden, das, was Wir väterlich wünschen, in die Tat umzusetzen. Sie werden darum besorgt sein, diesen Unsern Wunsch aufgeschlossenen Mitmenschen weiter zu vermitteln, um ihren Willen zu bewegen und sie zu der für sie passenden Tat zu veranlassen.

=Die Studenten aus Entwicklungsländern

53 Schon Unser unmittelbarer Vorgänger ermahnte die Bischöfe, „dass sie sich im Geiste brüderlicher und selbstloser Zusammenarbeit" um das geistliche Wohl der jungen Menschen, die aus den Missionsländern zum Studium oder zu technischer Ausbildung in ihre Diözesen kommen, kümmern sollen. Diese Ausbildung gibt ihnen ja die Möglichkeit, in ihrer Heimat rasch zu führenden Stellungen zu gelangen (vgl. Enz. Fidei donum, AAS XLIX, 1957, S. 245; Herder-Korrespondenz 11. Jhg., S. 479). Jeder von euch, ehrwürdige Brüder, weiß, wie viel geistige und moralische Gefahren sie in einer Gesellschaft bedrohen, die ihrer eigenen fremd ist und leider keineswegs so beschaffen, dass sie ihren Glauben stärken und sie zu christlicher Tugend führen könnte. Deshalb gehört es zu den missionarischen Gewissenspflichten eines jeden von euch, sich mit Liebe, höchster Sorgfalt und geeigneten Methoden ihrer anzunehmen. Es wird nicht schwierig sein, diese jungen Studenten ausfindig zu machen, sie Priestern oder Laien, die zu einer solchen Aufgabe fähig sind, anzuvertrauen, ihnen geistlichen Beistand zu leisten und schließlich zu erreichen, dass sie die Geborgenheit und Hilfe der christlichen Liebe verspüren und erleben, durch die wir alle einen brüderlichen Bund eingehen und in der einer dem andern hilft. Deshalb fügt so vielen und so großen Hilfeleistungen für die Missionen auch noch dieses Hilfswerk hinzu, durch das die fernen Länder, die ja auch eurer Sorge anvertraut sind, euch ganz nahe vor Augen gestellt werden.

54 Diesen Studenten wollen Wir nicht nur Unsere Liebe zeigen, sondern sie auch eindringlich und liebevoll ermahnen, dass sie das Zeichen des Kreuzes, das auf ihrer Stirn durch das Blut Christi und die Salbung mit Chrisam eingeprägt ist, unversehrt weiter tragen und, solange sie bei fremden Völkern sind, keine Gelegenheit vorbeigehen lassen, sich auf ihre künftigen Aufgaben vorzubereiten und ihr religiöses Leben besser zu begreifen. Wenn sie auch Gefahren und dem Schlechten ausgesetzt sind, so haben sie doch die beste Gelegenheit, während ihres Aufenthalts bei christlichen Völkern viele geistliche Vorteile zu erlangen. Deshalb müssen alle Christen, wer sie auch sind und woher sie kommen, daran denken, dass sie die Pflicht haben, ein gutes Beispiel zu geben und sich gegenseitig durch Frömmigkeit zu erbauen.

V. Dank und Bitte

55 Nachdem Wir nun, ehrwürdige Brüder, die aktuellen und wichtigsten Nöte der Kirche in den Missionsländern behandelt haben, müssen Wir mit bewegtem Herzen Unsere Dankbarkeit allen übermitteln, die bis an die Grenzen der Erde zur Verbreitung des Glaubens, keine Mühe scheuend, sich aufreiben: den geliebten Missionaren aus dem Welt- und Ordensklerus, den Missionsschwestern, die großmütig, einsatzbereit und überaus wirksam ihre vielfältigen Missionsaufgaben erfüllen, den Laienhelfern, die mutig an die Glaubensfront geeilt sind. Wir sichern ihnen Unser inständiges tägliches Gebet und alle Hilfe zu, die Wir ihnen zukommen lassen können. Ein glücklicher Erfolg ihrer Mühen zeigt sich schon in der geistlichen Kraft der jungen Christengemeinden. Sie ist ein Zeichen himmlischer Zustimmung und Gunst und ein Zeugnis der Geschicklichkeit und Klugheit, mit der die Kongregationen für die Glaubensverbreitung und die Orientalische Kirche die ihnen anvertrauten Aufgaben lösen.

56 Wir bitten alle Bischöfe, den Klerus und die Gläubigen der Diözesen der ganzen Welt, die durch Gebet und Sammlungen die Not der Missionen geistig und materiell erleichtern, immer und immer wieder, dass sie diese Hilfe, die überall gebraucht wird, freiwillig vergrößern. Wenn auch die Bischöfe der ältesten Diözesen durch Priestermangel beunruhigt sind, so mögen sie doch jene fördern und in ihrem Vorhaben bestärken, die die göttliche Berufung zum Missionar verspüren, und es auch gerne hervorragenden Laienkräften gestatten, dass sie neuen Diözesen eingegliedert werden. Für diesen Verlust, den sie für Gott erleiden, werden recht bald himmlische Geschenke kommen.

57. Je mehr die Bedürfnisse steigen, desto mehr muss auch die Freigebigkeit wachsen, durch die alle Gläubigen des Erdkreises im Wettstreit ihren Eifer und ihre tatkräftige Hilfe zu den Werken beisteuern, die unter Leitung der Kongregation für Glaubensverbreitung die Gaben aus aller Welt an diejenigen verteilen, denen sie am meisten nützen können und die sie am nötigsten haben. Diese von den Brüdern eifrig und bereitwillig geleisteten Liebes- und Hilfswerke werden die jungen Christengemeinden zu christlichem Leben anspornen und ihnen Zeugnis der Liebe sein, die die menschliche Natur übersteigt und ihre Wurzel in der Gnade hat.

58 Viele Diözesen und Christengemeinden in den Missionsgebieten erleiden zur Zeit eine grausame Verfolgung. Wir richten an ihre Hirten, die ihren Kindern im Herrn ein Beispiel unbeugsamen Glaubens und todesverachtender Treue geben, und an die Gläubigen, die im Leid erprobt und daher dem Heiligsten Herzen Jesu teuer sind, das den ungerecht Verfolgten überreichen Lohn verspricht, die Ermahnung (vgl. Matth. 5, 10-12): Haltet tapfer durch im Kampf, in dem die Sache Gottes entschieden wird! Zweifellos ist der Herr in seinen unergründlichen Ratschlüssen immer barmherzig. Mit überreichen himmlischen Gaben, Freuden und Tröstungen wird er euch erfüllen. Mit denen, die bedrückt werden, ist die ganze Kirche Gottes in der Gemeinschaft des Betens und Leidens verbunden. Sie weiß, dass sie den erwarteten Sieg erringen wird.

59 Aus ganzem Herzen rufen Wir auf die katholischen Missionen den mächtigen Schutz ihrer heiligen Patrone und Martyrer herab, ganz besonders die Fürsprache der heiligen Gottesmutter Maria, die uns alle liebt und Königin der Missionen ist. Jedem von euch, ehrwürdige Brüder, und allen, die an der Verbreitung des Reiches Gottes mitarbeiten, übermitteln Wir in Liebe den Apostolischen Segen als Trost und Unterpfand der Gnade des himmlischen Vaters, der sich in seinem Sohn, dem Erlöser, offenbart und überall den Missionseifer entzünden und vermehren möge.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 28. November 1959

im zweiten Jahre Unseres Pontifikates.

Johannes XXIII. PP.

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